20. September 2019

Selbstverharmlosung

Götz Kubitschek / 29 Kommentare

Während GEZ-finanzierte Linke gegen die AfD feuern, kümmern wir uns um Grundlagen. Aus gegebenem Anlaß: Kubitscheks Selbstverharmlosung.

Götz Kubitschek

Götz Kubitschek ist Verleger (Antaios) und seit 2003 verantwortlicher Redakteur der Sezession.

pdf der Druckfassung aus Sezession 76/Februar 2017

Als ich 2009 mein mittlerweile längst vergriffenes Pamphlet Provokation veröffentlichte, stellte ich dem Buch folgendes Motto voran: »Laßt uns, wenn wir uns treffen, niemals harmlos über das Harmlose reden.« Diese Aufforderung – vor allem an mich selbst gerichtet! – hat heute noch weit größere Berechtigung als damals. Denn damals lebten wir noch im BRD-Biedermeier: Der Umbau in eine an der Lebenswirklichkeit der Normalbürger vorbeikonstruierte Gesellschaft lief gemächlich, sediert, ungestört ab, und wie immer vor großen Erschütterungen waren es wenige feiner justierte Seismographen, die erste Haarrisse in der Kruste aufzeichneten.

Mittlerweile nimmt jeder Besitzer eines Twitter-Accounts wahr, daß die Dinge in Deutschland ins Rutschen geraten sind: Es gibt eine täglich tiefer werdende Kluft zwischen den offiziellen Durchhalteparolen und der Lebenswirklichkeit im Lande. Die Verteidiger des rasenden Gesellschaftsumbaus, die Nutznießer der Ausbeutung unseres fehllaufenden Staates haben verbal und strukturell fast alle Hemmungen verloren, um zu bekämpfen und zu verhindern, was zwangsläufig kommt und von immer mehr mutigen Leuten organisiert wird: die Gegenbewegung zu den elenden Gesellschaftsexperimenten  auf  allen Feldern.

Diese Gegenbewegung, von uns auch als Widerstandsmilieu mit seinen unterschiedlichen Widerstandsbausteinen bezeichnet, hat sich parteipolitisch, publizistisch, aktivistisch und mental bereits jetzt so durchgesetzt, daß ihr die an lässige Siege gewöhnte politisch-mediale Klasse ratlos gegenübersteht. Es handelt sich um einen Erdrutsch, der die Talsohle noch nicht erreicht hat, von dem also noch keiner weiß, was er auf seiner Bahn noch mitreißen, zermalmen und verschütten wird. Es gibt Alternativen für Deutschland in allen Bereichen: Der große Abgeordneten-Austausch hat erst begonnen, nonkonforme, rechte Medien verzeichnen Wachstum, wo das herkömmliche Angebot in den Zeitungsständern vergilbt, und »Wir schaffen das« wird nur noch von Leuten verwendet, denen nichts peinlich ist.

Die dümmeren unter den selbsternannten Verteidigern einer offenen, geistig geradezu homogenen Gesellschaft holen ab und an noch mit der Faschismuskeule aus, aber sie fahren damit nur mehr durch die Luft oder finden sich zur Kenntlichkeit entstellt im Internet wieder, verwundert sich die Augen reibend, wenn ihnen jemand erklärt, daß diese Keule nicht mehr treffe und die Regeln des herrschaftsfreien Diskurses nicht mit dem Selbstverständnis einer linksliberalen, superoffenen und toleranten Gesellschaft vereinbar seien.

Aber Denunziations- und Empörungsrituale sind eben keine Methode, sondern Ausweise schlechter Charaktereigenschaft: Ständig ist irgendwer »fassungslos« darüber, daß Höcke ebenso laut denken darf wie Trittin, Petry selbstverständlich FPÖ-Hände schüttelt und gemeinsam mit Geert Wilders und Marine le Pen auf der Bühne steht, Pirinçci immer noch Bücher veröffentlicht und keine Woche ohne Artikel über die Köpfe der Neuen Rechten, die Identitären oder den nächsten prominenten parteilichen Aus- oder Übertritt vergeht, wobei sich ein neues Thema durchzusetzen beginnt: wie zu verhindern wäre, daß die Auseinandersetzung, die ja längst geführt wird, auf Augenhöhe gehoben wird. Noch immer treten in Talkshows vier Gute gegen den einen Bösen an, und selbst über dieses gebotene Podium sind viele noch immer fassungslos.

Diese »Fassungslosigkeit« ist ein Ausdruck der Hilflosigkeit: Höcke ist Fraktionschef und geht den »Thüringer Weg«, Petry weiß rund 15 Prozent der Wähler hinter ihrer Partei, bundesweit, und das sind ein paar Millionen Leute. Pirinçci findet einen neuen Verlag, auch dann, wenn Amazon, Libri, KNV, Random House und Heiko Maas in Treue fest zusammenstehen. Und wenn, wie im Januar geschehen, der sachsen-anhaltische Innenminister Holger Stahlknecht seine Beteiligung an einer Podiumsdiskussion im Theater Magdeburg mit meiner Beteiligung absagt, weil er von seinem Ministerpräsidenten zurückgepfiffen wird (es arbeiteten ganz viele Entmündiger mit Erfolg daran), dann wird er eben für den März zusagen, oder im Sommer oder in einem Jahr: Wir sind dran, sind interessant, das ist ja logisch, und alles andere wäre komisch.

Entmündiger? Ja, dieser Begriff ist bewußt gesetzt, denn auch in der Diskussionsverhinderung (der dritten von fünf Stufen der politischen Abwehrschlacht des Establishments) liegt verschüttet eine Gretchenfrage: Sagt, wie habt ihr’s mit der Mündigkeit, mithin der Vernunftbegabtheit, mithin der Wahlbefähigung des Normalbürgers? Ist er nur dann mündig, wenn er einen Bundespräsidenten Steinmeier akzeptiert, der in der einzigen freien Wahl, der er sich außerhalb seiner Partei je stellte, eine derbe Schlappe gegen Merkel kassierte? Oder ist der Normalbürger auch dann vernunftbegabt und einer Entscheidung fähig, wenn er sein Kreuz bei der AfD macht?

Und wenn er auch in diesem Falle mündig ist: Warum sollte er dann nicht einer Diskussion beiwohnen wollen und dürfen, zu der die nicht gerade Nichtintellektuellen im Theater Magdeburg unter anderem mich luden und an der teilzunehmen Innenminister Holger Stahlknecht nicht aufgrund einer verlorenen Wette, sondern vermutlich in der Überzeugung zugesagt hat, daß er mir argumentativ gewachsen, wo nicht überlegen sei? Aber so handelt der panische Mensch eben nicht: gelassen, auf das eigene Argument vertrauend; er verhindert lieber, bekämpft, maßregelt, verleumdet, vertuscht, kreischt, holt sich Bestätigung bei anderen ab, die auch bloß 500 Freunde bei Facebook und 500 Verfolger bei Twitter haben, und wenn sie ihn denn verhindert haben, den herrschaftsfreien Diskurs, die Nahtstelle der offenen Gesellschaft, dann freuen sie sich über diesen neuerlichen Beweis, den Bürger und die Demokratie geschützt zu haben vor einer gefährlichen Gegenrede.

Dies allein macht aus jedem unserer möglichen Auftritte ein Politikum und aus einer tatsächlichen Diskussionsrunde eine ernste Sache. Es wird da nie geplänkelt werden können, denn – wie überall – geht es auch in Sachen Meinungsfreiheit (die im politischen Raum immer eine Frage der Meinungsäußerungsmöglichkeit ist) um den Grenzfall: Daß das Establishment ganz ohne ein Hinzutretendes jede Talkrunde bestuhlen kann, wird täglich auf allen Kanälen bewiesen, aber genau das beweist noch gar nichts.

Die Verhinderungsstrategien aber beweisen viel: vor allem die Angst davor, daß aus einer eingespielten Harmlosigkeit plötzlich etwas Ernstes würde, und dieser Ernst ist zunächst nichts anderes als die Eroberung des vorpolitischen Raumes zum einen und der parlamentarischen Verfügungsräume zum andern. Dies ist tatsächlich ein strategischer Vorgang, eine Frage der Durchsetzungskraft, der Macht, eine Ausweitung der sprachlichen, finanziellen und strukturellen Kampfzone, und daher ist auch das militärische Vokabular angemessen: Auch die Grünen lassen nicht nur in den Kosovo einmarschieren, sondern machen Wahl-Kampf.

Es kommen bei dieser Auseinandersetzung auf unserer Seite drei ineinander verschränkte Methoden zur Anwendung: Die eine besteht darin, in Grenzbereichen des gerade noch Sagbaren und Machbaren provozierend vorzustoßen und sprachliche oder organisatorische Brückenköpfe zu bilden, zu halten, zu erweitern und auf Dauer zum eigenen Hinterland zu machen. Das ist – ins Zivile übersetzt – nichts anderes als die Schaffung neuer Gewohnheiten. Die Sprache erweitert sich um neue Begriffe, das Argumentationsrepertoire um neue Vernüpfungen, die Wahrnehmung um neue Benennungsmöglichkeiten, und wir würden immer behaupten: Die Wand aus Milchglasbausteinen wird Stück für Stück ersetzt durch blank- polierte Scheiben, durch die man sieht, was draußen wirklich vor sich geht.

Die zweite Methode verhält sich zur ersten korrigierend: Es gibt in der militärischen Lehre den Begriff der »Verzahnung«. Es geht dabei um die Auflösung klarer Fronten zu dem Zweck, die feindliche Artillerie am Beschuß zu hindern: Wenn klar wird, daß der Gegner über die stärkere Feuerkraft verfügt, verzahnt man sich mit den Truppen des Gegners, stößt vor, erobert ein paar Stellungen und sorgt für ein unklares Lagebild. So weiß der Gegner nie, ob er nicht auch die eigenen Leute trifft, wenn er feuert; oder er weiß es ganz genau – dann wird er seine Geschosse vielleicht nicht abfeuern.

Aufs Politische übertragen: Sprachlich kann man dadurch verzahnend vorstoßen, daß man zitiert und auf Sprecher aus dem Establishment verweist, die dasselbe schon einmal sagten oder wenigstens etwas Ähnliches. Verzahnen bedeutet auch: eine provozierende Sache nie ungeschützt zu unternehmen und nie alleine zu weit vorzustoßen, sondern stets darauf zu warten, daß diejenigen, die nicht weit entfernt sind, den Anschluß halten. Sie verlieren ihn dann, wenn sie keinen Vorteil mehr darin sehen, den gemeinsamen Weg fortzusetzen, und zwar als Teil der Avantgarde, nicht als Teil jener, die irgendwann in die gesicherten Bereiche nachschlurfen.

Beide Methoden dürfen das wohl Wichtigste nicht behindern oder gar gefährden, das einer auf Wählermassen angewiesene Partei oder einem auf Massenpublikum ausgerichteten Medienprojekt als Aufgabe gestellt ist: die »emotionale Barriere« einzureißen, die zwischen dem Normalbürger und seiner Hinwendung zur politischen und vorpolitischen Alternative aufgerichtet ist.

Diese Barriere ist ein vom politisch-medialen Komplex der Alteliten liebevoll gepflegtes Bauwerk. Es ist wirkmächtiger als jedes Verbotsverfahren, denn es ist noch in der Wahlkabine der kleine Kobold auf der Schulter des Wählers, der sein Kreuzchen bei der AfD setzen will. Vor dieser Übersetzung eines lange genährten Wechselwunsches und der damit verbundenen Wahlentscheidung in den tatsächlichen Vollzug kommt es zur Einflüsterung in letzter Sekunde: Ist man sich ganz sicher, daß man das noch immer Unkalkulierbare wählen will, das vielleicht doch Böse, Häßliche, Rückwärtsgewandte, Intolerante, zu recht Verteufelte?

Die emotionale Barriere verhindert die vorurteilsfreie Beschäftigung mit den Themen, dem Personal, den Auftritten der Alternativen für Deutschland, mehr: Sie hindert noch immer große Teile der Bürger daran, eine Beschäftigung mit diesen neuen Angeboten überhaupt für statthaft zu halten und zwanglos an der Auslage entlangzuschlendern. PR-Berater wie Thor Kunkel, der im Berliner Wahlkampf der AfD nonkonform agierte, halten die Beseitigung der emotionalen Barriere für die entscheidende Aufgabe.

Die Methode, mit der diese Aufgabe gelöst werden könnte, ist – wir sind damit bei der dritten angelangt – ein Vorgang, für den der Begriff »Sebstverharmlosung« eingeführt werden könnte: Es ist der Versuch, die Vorwürfe des Gegners durch die Zurschaustellung der eigenen Harmlosigkeit abzuwehren und zu betonen, daß nichts von dem, was man fordere, hinter die zivilgesellschaftlichen Standards zurückfalle. Kurz: Derjenige, der eine alternative Politik für unser Land formulieren sollte, kommt bei konsequenter Anwendung dieser Methode beinahe in Erklärungsnot darüber, warum sich das, was er vorhat, nicht ganz einfach in den alten Parteien, Medien und Strukturen umsetzen lasse.

Wenn die Gefahr der Methode des Raumgewinns durch Provokation und Angriffslust darin besteht, als Gefährder des gesellschaftlichen Friedens und der jahrzehntelang gültigen Spielregeln geächtet zu werden, besteht sie bei der Absenkung der emotionalen Barriere durch Suggerierung von Unterschiedslosigkeit darin, eines nahen Tages tatsächlich aus der Harmlosigkeit nicht mehr herauszufinden. Es sind dann zu viele Stellungen aufgegeben worden. Es wird dann die Selbstverharmlosung von einer Methode zur zweiten Haut geworden sein.


Götz Kubitschek

Götz Kubitschek ist Verleger (Antaios) und seit 2003 verantwortlicher Redakteur der Sezession.


Kommentare (29)

Grobschlosser
20. September 2019 08:49

wer sich ( aus welchen Gründen auch immer ) nicht exponieren kann oder will sollte Flugblätter und Infomaterial bei EINPROZENT.DE bestellen und sinnvoll verteilen .

jeder hat 10 € , jeder kann einen Brief in den Briefkasten werfen . Die Unterstützung unserer Organisationen ist einfach und unkompliziert .

MARCEL
20. September 2019 09:01

Lese gerade die Memoiren des Résistance-Kämpfers (und Anti-Gaullisten wie Antikommunisten) Henri Frenay "La nuit finira" ("Die Nacht wird enden"). Sehr anschaulich beschreibt er den mühsamen Kampf um die Seele eines geschlagenen Volkes, das sich in kultischer Verehrung für den greisen Marschall Pétain ergeht und sich so eine Ersatz-Bestätigung verschafft (derselbe Jubel herrscht dann 1944 bei der Befreiung, wie der Autor nicht ohne Verachtung für die Masse festhält).
Interessant auch seine Einsichten in die Vergeblichkeit der Hoffungen in die Armee Vichys bzw. überhaupt in die Armee. Nichts Neues unter der Sonne also!
Echter Widerstand ist mühsam, "un-sexy", findet nicht sogleich den Applaus der Massen, ist mit Rückschlägen, Enttäuschungen und Risiken behaftet.
Aber keiner der Beteiligten hat es jemals bereut. Alle würden dieselbe Wahl wieder treffen. Aufgeben ist auch in den dunkelsten Stunden keine Option.
Tun wir es ihnen gleich!

Fredy
20. September 2019 09:10

Immer noch mächtig gewaltig, der Text.

Niekisch
20. September 2019 12:15

Vielleicht alle drei Methoden miteinander verbindend endlich mal bei "Fridays for future" teilnehmen und eigene Aussagen einschmuggeln wie "Menschenflut ist nicht fürs Klima gut". Die Grünen, Linken und sonstigen mainstreamler sind längst dabei und formen die neue "Friedensbewegung" mit.

Elvis Pressluft
20. September 2019 12:40

Mit Verlaub, das ist alles nur Fideln, während "Rom" schon an allen Ecken im Vollbrand steht. Stehende Rede eines Freundes: "Ich mach' mein Kreuzchen an der richtigen Stelle [gemeint ist die AfD] ... und das muss reichen." - Ich habe es aufgegeben, ihm das hoffnungslos Unzureichende dieses Ansatzes vermitteln zu wollen. In Thüringen wird die AfD nochmals ein 20-Prozent-Ergebnis erzielen: too little, too late. Selbst bürgerliche Kommentatoren (Forum "Welt online" ist in dieser Hinsicht beachtenswert) sehen auf breiter Front ein, dass die letzte Btw eine letzte und deutlich verfehlte Chance bot. Man müsste einen Anfang damit machen, die verfehlte Gleichsetzung von "Demokratie" und "Parlamentarismus" in den Müll zu schicken. Gerade heute ist ein Tag, an dem der Feind seine Macht vorführt - auch vorführt, was mit Formen sogenannten zivilen Ungehorsams möglich ist. Natürlich ist das für uns nicht unproblematisch nachzuahmen - Quod licet Iovi ... aber wenn man nicht insgesamt resignieren und/oder emigrieren will (und kann!), ist mehr gefordert als der Stimmzettel, mehr übrigens auch als die Aktionen der Identitären.

Andrenio
20. September 2019 12:44

Da Herr Sta(h)l(l)knecht immer noch für seinen Herrn Pferde striegelt und ausmistet, müsste nur der Name Petry in Weidel umgeschrieben werden, schon haben wir einen brandaktuellen Beitrag.
Dazu lernen die Ungedienten noch ein paar taktische Begriffe aus dem Militär. Was will man mehr?

Lotta Vorbeck
20. September 2019 13:46

@Fredy - 20. September 2019 - 09:10 AM

Immer noch mächtig gewaltig, der Text.

*********************************

Ja, "Mächtig gewaltig Egon!" ... äh GK!

Niedergeschrieben zum Winterausklang 2017.

Zweieinhalb Jahre gingen seitdem ins Land.

Die neuvermählte Petry ist (politisch) Geschichte.

Berlin 2019, Friday, September 20th, noon:

Der S-Bahnhof "Unter den Linden / Brandenburger Tor" wegen Überfüllung geschlossen.

Am Fern- und S-Bahnhof Berlin Friedrichstraße ebenfalls "No paseran!" - es formiert sich die "FFF"-Kinderkreuzugsparty.

Schüler jeder Altersgruppe, aber auch Kinder im Vorschulalter mit teils selbsgemalten, teils offensichtlich industriell hergestellten Papp- und Kunstoff[sic!]schildern.

Aus jedem der in kurzem Abstand aus Ost-West-Richtung (oberirdisch) und Nord-Süd-Richtung (unterirdisch) eintreffenden S-Bahnzüge quellen nicht nur Milchgesichter, sondern auch ergraute, verwahrlost wirkende, dünnhaarige Zopfträger und seltsam androgyne Frauengestalten, die offensichtlich keine regulären Reisenden sind, zu Hunderten hervor.

Bahnhofstreppen und Aufzüge sind diesem hier zuletzt im Jahre 2006 anläßlich der Fußballweltmeisterschaft gesehenen Ansturm nicht gewachsen.

Von der ansonsten immerfort beschworenen "Buntheit"/"Diversität" ist nichts zu sehen - soweit das Auge reicht: Nur deutsche BRDler unter sich.

In die Runde gefragt:
Ist das jetzt "das letzte Aufgebot"?

Maiordomus
20. September 2019 14:41

Kubitscheks Bemerkung, sinngemäss, dass man, wenn die potentiell ähnlich Gesinnten einem nicht mehr folgen können, einen Schritt zurückweichen sollte, weil man sonst alles in Frage stellt: diese Erkenntnis halte ich für keine Kleinigkeit. Ich würde es auch nicht mit der von Kubitschek kritisierten Selbstverharmlosung gleichsetzen.

Diesen "Schritt zurück" möchte ich nun zum Beispiel bei der nicht zu unterschätzenden Thematik zur Debatte stellen, mit welchen Symbolen und Symbolbegriffen eine legitimierte und reflektierte Opposition gegen den in der Tat krankhaft gewordenen heutigen Mainstream antreten sollte.

Um konkreter zu werden: Habe soeben ein Video von Sellner gesehen in und mit einer gemütlichen Heurigengaststätte im ländlichen Österreich. Dort wurde Süssgebäck mit dem Lambda-Logo verteilt, man sah "Defend Europe"-Plakate, macht es sich offenbar gruppenintern "saugemütlich". Mittlerweile aber wird , auch bei SiN, eine bei Lichtmesz anfänglich noch tolerierte Debatte über das Lambda schlicht abgeklemmt. Dass ein gegen das Lambda gerichteter geistesgeschichtlicher Blog-Kurz-Essay nicht geschaltet wurde, über die symbolpolitische Bedeutung der Berufung auf "Spartaner" (auf der Basis des Standardwerkes von Carl-Wilhelm Weber von 1977 "Die Spartaner - Analyse einer Legende"), kann ich verschmerzen. Es bleibt jedoch dabei, dass das Lambda-Logo mit seinem ganzen Hintergrund, einschlesslich seiner Ähnlichkeit mit dem satanistischen "Peace"-Logo der 68er, mutmasslich ein Beispiel für offenkundige geistige Unbedarftheit bleibt. Ich erhebe diesen Einspruch hier mit dem Risiko. zwischen Stühle und Bänke zu geraten, auch wenn zum Beispiel @Monika mich verstanden zu haben scheint. Solange indes die Identitären nicht in der Lage sind, die eigenen blinden Flecken, gemeint eigene Lücken bis hin zu geistigen Defekten, zu erkennen, stellt sich die Frage, wieviel vermischtes Gift die sogenannte Rettung Europas verträgt. Wenn ich den durchaus lesenswerten obigen Artikel Kubitscheks richtig verstanden habe, wird klar, dass wir durch die Islamisierung zum Beispiel nur sekundär bedroht sind. Die geistige Krise gipfelt in einem Phänomen, das vor mehr als 40 Jahren William S. Schlamm in seinem Buch "Am Rand des Bürgerkriegs" charakterisierte. Jenseits von dessen Überschätzung des Kalten Krieges erkannte er richtig, dass der Feind schon damals nicht "der Kommunismus" war, sondern dass wir uns in der westlichen Welt in einem internen geistigen Bürgerkrieg befinden. Es ging schon damals um jene Ideologie, die James Burnham im Buch "Begeht der Westen Selbstmord?" (Econ 1965) den von Amerikas Westküste her sich ausbreitenden "liberalism" nannte, was der hier noch gern zitierte Armin Mohler durchaus ähnlich gesehen hat. Schlamm, der dann zusammen mit dem "Abendländer" Otto von Habsburg eine Zeitschrift herausgab, wurde damals von einem Teil der deutschen Rechten aus ähnlichen Gründen abgelehnt wie heute Henrik M. Broder.

Laurenz
20. September 2019 16:19

@Fredy hat Recht, die Sprache des Artikels ist richtig wortgewaltig und schön.
Der Inhalt ist trotzdem für uns anwesende nicht-intellektuelle Leser verständlich, Danke dafür. Bei dem Konflikt der Selbstverharmlosung mit der Selbstmachtschaustellung kann man bei Unsicherheit auf die Sache ausweichen, die man vertreten will.

@Maiordomus .... Ihren Beitrag kann man gut so stehen lassen. Allerdings möchte ich Sie fragen, welche Zielgruppe an potentiellen Wählern Sie ansprechen wollen? 2.000? 5.000 oder vielleicht 20.000? Wie viel % der Damenwelt, die den Rebellen Martin Sellner toll finden, wissen, was ein Lambda ist? Das ist in etwa so, als wolle man die Seeschlacht im Gelben Meer, 1904, zum Wahlkampfthema machen.

nom de guerre
20. September 2019 17:28

@ Elvis Pressluft
"Gerade heute ist ein Tag, an dem der Feind seine Macht vorführt - auch vorführt, was mit Formen sogenannten zivilen Ungehorsams möglich ist. Natürlich ist das für uns nicht unproblematisch nachzuahmen - Quod licet Iovi ..."

Neben dem Zitat am Ende ist hier allerdings zu bedenken, dass die Klimabewegung Kinder und Jugendliche vorschickt. Mit den (erwachsenen) Stuttgart21-Gegnern ging die Staatsgewalt seinerzeit weniger pfleglich um, obwohl die grundsätzlich auf der "richtigen" Seite standen.

Gelddrucker
20. September 2019 17:28

@LottaVorbeck:

Wenn die Beschreibung stimmt, dann ist es ein Mix aus gehirngewaschenen Kindern und Jugendlichen und unverbesserlichen altlinken Phantasten. Wäre in der Tat ein letztes Aufgebot.

@ElvisPressluft:
Wieso schreiben Sie diesen Kommentar? Ist alles zu spät? Dann erübrigt sich auch das Schreiben solcher Kommentare. Oder doch nicht, wie angedeutet, dass "man mehr machen müsse"? So oder so, ich verstehe nicht, wieso Sie den Kommentar getippt haben und nicht stattdessen was spaßigeres getan haben.

Monika
20. September 2019 17:31

@ Lotta Vorbeck
Ist das jetzt das letzte Aufgebot ?
Sehr anschaulich, Ihre Beschreibung des S- Bahnhofes.
Keine Ahnung, wie das einzuordnen sein wird. Im Moment mobilisiert die Angst um das Weltende jedenfalls mehr Menschen als die Angst um den Verlust der Heimat und der Nation. Um nochmal auf das leidige Logo Thema zu kommen. Das Logo von Extinction Rebellion ist eine stilisierte grüne Sanduhr auf schwarzem Grund. Man vergleiche dieses Logo mit dem IB Logo. Gewisse Ähnlichkeiten sind erkennbar. Allerdings scheint das nackte Überleben momentan wichtiger als die Frage, wie man leben will. Das ist bezeichnend.
In Bielefeld gab es heute wohl eine Messerstecherei am Bahnhof. Man wurde nicht müde zu betonen, dass die Klimaaktivisten Demo dadurch nicht beeinträchtigt wurde und die Aktivisten keinen Umweg machen mussten.
Das sagt doch alles !

zeitschnur
20. September 2019 18:39

Wenn man seine Strategien hier so offen ausbreitet, liegt es natürlich nahe, dass einem alles, was man tut, auch als Strategie und letztendlich Täuschung vorgeworfen wird. Insbesondere die "Selbstverharmlosung" als Strategie wird das feindliche Lager doch als "Kreidefresserei" auffassen und künftig hinter jedem wie immer getätigten zivilen Auftritt der Rechten, der eigentlich in jeder anderen zivilen Partei (systemkonform) so möglich sein müsste, bewusste wölfische Illusion unterstellen ("Ihr sagt zwar, dass..., aber in Wirklichkeit meint Ihr doch...").

Ich sehe ein ganz anderes Problem im Raum: Wir können nicht zurück in die alte zivile Systematik. Wenn schon zur Zeit des Artikels das Land im freien Fall war (wie es der Artikel ja zumindest ansatzweise auch andeutet), was ist dann heute, ein paar Jahre später?

Man muss zwangsläufig über Alternativen und Lösungen nachdenken, die das "Aus und Vorbei" des Vorherigen mit bedenkt und einberechnet. Man schlägt die Rechten für etwas, was die Linken doch genauso tun.

Es kann also nur um die intellektuelle Fundierung und Reflexion der Zukunft gehen.

Ob dieses Gefühl im Artikel oben, dass der Mainstream eigentlich schon längst verloren hat, sich derzeit noch mehr bestätigen ließe? Würde mich interessieren, wie andere das empfinden? Oder ist das eine Illusion, mit der uns die "Elite" täuscht, darüber aber nicht so offenherzig redet? Und welche "Gates" hat sie noch in der Hinterhand nach 9/11, Notre Dame, diversen Attentaten? Was kommt als nächster Coup?

Man muss leichtfüßig sein, flexibel, sehr viel wissen, kreativ denken und handeln, visionäre Gaben haben, mit allem rechnen und v.a., wenn schon materiell niemals, dann intellektuell haushoch überlegen sein.
Sagen wir anders: es gibt enorme strategische Potenziale in Vielfalt in der Hosentasche des Klugen. Man muss nicht dazu sagen, dass der Kluge immer ein Improvisateur ist und weiß, welche Karten er ausspielt.

Maiordomus
20. September 2019 20:11

Zu Kubitscheks von mir sonst als qualitativ hochwertig eingeschätztem Artikel. Was soll der Bezug auf die 15 Prozent der Frauke Petry, überhaupt der Name leider eines politischen Leichtgewichtes, was schon klar wurde, als sie im ZDF 2014 mit Christoph Mörgeli zusammen über die Schweizer Masseneinwanderungsinitiative diskutierte? Ist die politische Anfängerin Petry, welche weder Storch noch Weidel das Wasser reicht, unterdessen in sich gegangen oder soll sie neu aufgebaut werden?

Kositza:Noch mal von vorne lesen und den link nicht mißachten: https://www1.wdr.de/daserste/monitor/sendungen/afd-selbstverharmlosung-100.html

Zu meinem eigenen Beitrag oben. Er bezog sich auf folgende Stelle in Kubitscheks Artikel:

"Verzahnen bedeutet auch: eine provozierende Sache nie ungeschützt zu unternehmen und nie alleine zu weit vorzustoßen, sondern stets darauf zu warten, daß diejenigen, die nicht weit entfernt sind, den Anschluß halten. Sie verlieren ihn dann, wenn sie keinen Vorteil mehr darin sehen, den gemeinsamen Weg fortzusetzen, und zwar als Teil der Avantgarde, nicht als Teil jener, die irgendwann in die gesicherten Bereiche nachschlurfen."

Dabei bin ich freilich nicht der Meinung, dass die Identitären, wenn sie zumindest ungenügend unreflektiert das Feld totalitärer Symbolpolitik betreten, etwa mit dem bei Prof. Carl Wilhelm Weber beschriebenen Spartanerkult (da waren die jungen Leute zwar noch nicht auf der Welt), sich "zu weit vorwagen". Vielmehr bin ich der Meinung, dass die "Zivilgesellschaft" (ein Begriff, den zwar unterdessen der Mainstream für seien Kampf *gegen rechts" zu monopolisieren versucht, auch im Erscheinungsbild "zivil" bleiben soll, wie es vor zwei Wochen in Mönchengladbach bei der dortigen Demonstration vorbildlich gezeigt wurde. (Wenigstens wenn der Bericht von Carsten Jahn die dortige Realität korrekt wiedergab.)

PS. Noch etwas: wenn ich Sellner nicht für ein politisches Talent halten würde, in den man Hoffnung setzen kann, würde ich mir die Kritik an den Kinderkrankheiten der Identitären ersparen. Es geht auch nicht darum, dass sie bei den Meinugnsmachern natürlich auch dann nicht pässlicher würden, wenn sie als Logo ein Schweinchen führen würden. oder gar die Tafel von den zehn Geboten, die ich als Student bereits 1969 als die grösste heute denkbare Provokation bezeichnete. Es geht, wenn schon, vielmehr um den eigenen geistigen Aufbau derjenigen, die politisch im Ernst was verändern wollen.

Lotta Vorbeck
20. September 2019 23:13

@Gelddrucker - 20. September 2019 - 05:28 PM
@Monika - 20. September 2019 - 05:31 PM

I.) "RAISE MY TAXES, NOT THE SEA LEVELS"

Michael Klonovsky notierte zu diesem

https://www.michael-klonovsky.de/images/IMG-20190920-WA0001.jpg

am 20. September 2019 in Berlin aufgenommenen Photo: "Friday for Future." Indigenen-Plakat in der Sprache der Anywheres beim heutigen Freitagsgebet in Berlin. Bessere Untertanen kann sich kein Regime, ja nicht einmal eine Regierung wünschen ..."

II.) Sommer 2019, Bahnhof Eberswalde-Finow, der Triebwagen zur Fahrt nach Wriezen über Niederfinow, Bad Freienwalde ist am Hausbahnsteig bereitgestellt: Eine Schulklasse steigt zu. Als der Triebfahrzeugführer den Motor des Triebwagens anläßt, kreischt ein Mädchen: "Iiiiieeeh, das ist ein Diesel!"

III.) In der frühen DDR holten FDJ-Sturmtrupps den Leuten die deutlich sichtbar in Richtung Westen ausgerichteten Fernsehantennen vom Dach.

Ironie der Geschichte: in der späten DDR förderte man den Westfernsehempfang staatlicherseits stillschweigend durch die Errichtung von Gemeinschaftsantennenanlagen für in ungünstiger Empfangslage befindliche Siedlungen. ***)

Fragen:

+ Wie weit soll der BRD-Klima-Kappes noch angeheizt werden?

+ Bis sich ein paar Klimareligiöse ermannen, den erwähnten Dieseltriebwagen der Oderlandbahn zu demolieren?

+ Bis Trupps von fanatisierten Kinderkreuzzüglern in Privathäuser eindringen und den Leuten die Ölheizungen zerstören?

+ Oder gar bis zum ultimativen "Klima-Maidan"?

________________________________

***) weil dort wo Westfernsehen konsumiert werden konnte, weniger Ausreiseanträge gestellt wurden, als in Regionen mit reinem DDR-Fernsehempfang.

LotNemez
21. September 2019 02:22

Distanzieren sie sich von Orban, Putin, Trump.
Distanzieren sie sich von Sarazin, Pirinci, Sieferle.
Distanzieren sie sich von der IB, dem Flügel, Schnellroda.
Distanzieren sie sich von deutscher Geschichte vor 1933.
Distanzieren sie sich von ihrer eigenen Vergangenheit.
Distanzieren sie sich von den Klimaleugnern, Impfgegnern, Grenzen und Mauern.
...

Wir hatten mal ganz zum Anfang gesagt, dass eine kleine überzeugte Minderheit selbst eine diffuse Mehrheit gewinnen kann. Aber wie überzeugend ist unsere Außenwirkung, wenn wir immer weiter zurückweichen? Während Groenemeyer brüllt, "Keinen Millimeter nach rechts!", während die Menge dazu tobt und johlt, ist unsere Strategie eine Verzahnung mit der Mitte. Wir fallen dem Gegner in die Arme, denn irgendwer wusste mal, dass man seinen Feind umarmen soll, damit er sich nicht wehren kann. Offensichtlich stimmt das nicht.

Vielleicht würde es sich mal lohnen, Strategiepapiere wie dies der letzten Jahre durchzusehen und anhand dessen den Verlauf der Wechsel und Haken nachzuvollziehen, die wir geschlagen haben.

Irgendwann waren wir mal an dem Punkt, dass man die Grenze des Sagbaren verschieben muss, um den Spielraum zu vergrößern. Das gilt schon längst nicht mehr, weil sich Politik und Justiz darauf eingestellt haben, auch im Internet. Die Äußerungen aus dieser Phase fallen den Protagonisten bis heute wie ein Blei-Jojo immer wieder auf die Füße. Vielleicht hätte man von Anfang an eine konservativ-bürgerliche Stellung beziehen sollen, die dann auch gehalten wird.

Stattdessen ist man, wenn auch nur sprachlich, tatsächlich hinter zivilgesellschaftliche Linien zurückgefallen, zu denen man jetzt mit geschwächten Kräften wieder zurückkehrt. Außenwahrnehmung: "Die eiern doch auch nur rum. Wirkt auch nicht wirklich authentisch. Dann doch lieber CDU."

Ich gebe nichts auf Wahlkampfberater, ich kann mir nicht vorstellen, dass das für Deutschland Sinn macht. Die emotionale Hürde des Wahlvolks lässt sich m.M.n. nicht proaktiv abbauen, das liegt nicht in der Macht der AfD. Stattdessen sollte eine Position eingenommen werden, die auf lange Sicht verteidigt werden kann, und ein Habitus, der dazu passt. Nur das wirkt authentisch, nicht irgendwelche taktischen Vor- und Zurückspielchen. Der Vorteil wäre, dass man dann nämlich sagen könnte: "Sehen Sie, das haben wir so auch schon vor 5 Jahren gesagt."

Maiordomus
21. September 2019 07:27

@Betrifft Sellner. Es geht nicht darum, dass Sellner von einem zum Teil auch weiblichen Fanclub verehrt wird, für die das Lambda natürlich keine Rolle spielt; sondern dass er zum Beispiel von der FPÖ, deren führende Repräsentanten er an politischem Talent und vielleicht sogar an Charisma übertrifft, als Gesprächspartner endlich angemessen ernst genommen wird. Da geht es nicht um 5000 Wählerstimmen, sondern um die Gesamtorientierung der Rechten in seinem Land. Will er sich durchsetzen, müssen aber die ohnehin kaum reflektierten esoterischen Kinderkrankheiten der Identitären entsorgt werden, zu schweigen davon, dass das politische Spektrum zu verbreitern wäre, was ich indes nicht mit dem "Morast der Mitte" verwechselt haben möchte. Nicht nur um Philosophie und Bildungswesen , auch vor allem um Wirtschaft und Politik müsste man sich noch mehr schlau machen. Es genügt nicht, mantramässig immer nur mit dem "Bevölkerungsaustausch" zu kommen, obwohl es natürlich richtig ist, dieses Tabu zu brechen. Nebenbei gesagt wäre der Kampf um mehr geistige Freiheit bzw. für einen breiteren und offeneren Diskurs an den Hochschulen und allgemein im von Linken weithin manipulierten Geistesleben klar wichtiger als das Durchsetzen von Kleidervorschriften für Musliminnen. Solche sekundäre Prioritäten werden auch im obigen Grundsatzartikel von Kubitschek kaum zufällig nicht mal genannt. Wenn es Kubitschek u.Co wirklich ernst ist, steht der Islam kaum im Vordergrund. Forderungen, die man nicht überhören kann, lauten etwa: "Die AfD darf nicht zu einer FDP 2.0 angereichert mit Islamkritik verkommen."

Gelddrucker
21. September 2019 07:51

Da ja der Klimastreik gerade Thema ist, verzeihe man mir diesen Beitrag, aber meiner Meinung nach sollte man nicht auf die oft schuldlosen Teilnehmer schimpfen, sondern hingehen und folgendes unters Volk bringen:

1. Wie verträgt sich Masseneinwanderung aus Gebieten mit niedrigem Ressourcenverbrauch in Gebiete mit extrem hohen Verbrauch mit dem Klima?

2. Warum sind fast nur Weiße bei Klimastreiks und wieso interessieren sich die Neubürger quasi garnicht dafür?

3. Die Neubürger kommen hierher um das westliche Konsumlevel zu erreichen und nicht um die schöne Deutsche Natur zu retten. Vor allem die aus dem arabischen und afrikanischen Kulturkreis.

4. Die Demographische Prognose beispielsweise für Frankreich geht davon aus, dass die Zahl von 67 Millionen Bewohnern des Landes jetzt auf 74 Millionen in 2050 springen wird. Mehr Menschen, mehr Ressourcenverbrauch, gut fürs Klima?

heinrichbrueck
21. September 2019 11:52

@ Lotta Vorbeck

Ich bin eigentlich sehr froh, daß Klonovsky so schreibfleißig ist, dann können die Nachfahren diesen Blödsinn auch noch lesen. Der Masse vorzuwerfen, sie sei manipulierbar, ist in diesem Fall keine ernstzunehmende Weisheit. Die Voraussetzungen der Manipulierbarkeit sind überall gegeben, also keine neue Erkenntnis. Vergleiche gegen das Eigene, Erhöhung des Auslands als besseres Vorbild, auch nicht gerade neu, geht man von solcherart Intellektuellen aus. Propaganda ist nicht so leicht durchschaubar, wie manche Leute sich das vorstellen. Und am gefährlichsten ist sie dort, wo sie am seriösesten daherkommt, wird diese unterstellte Seriosität nicht mitgedacht. Klonovsky hält ganz andere Schilder hoch, man muß sie nur sehen.

"BRD-Klima-Kappes"
Wie lautet der Plan?

Elvis Pressluft
21. September 2019 12:02

Zur Klarstellung: Kinder und/oder Jugendliche einzusetzen habe ich nicht vorgeschlagen. Um im militärischen Jargon zu bleiben - wir wissen (noch) nicht, ob eine "Flakhelfer"-Kohorte heranwächst, die einfach keine andere Wahl haben wird, als zu kämpfen. - Die andere Replik ist mir eigentlich zu offenkundig vertrollt, um darauf einzugehen ... gesagt sei exakt soviel: Es gibt noch andere Mittel und Wege als dieses Forum, sporadische Plebiszite, dies und jenes. Das ist dann wieder gleiche Kontext wie oben konturiert. Momentan hält sich noch die Wahrnehmung, "wählen" zu können - im mehrfachen Sinn des Wortes. Dies kann sich schnell ändern.

Martin Heinrich
21. September 2019 12:23

Eine Anmerkung zum "letzten Aufgebot":

In der Tat sieht es derzeit so aus, als wenn unser Gegner stärker und stärker würde. Ob Klima, #wirsindmehr oder #unteilbar: Zigtausende gehen auf die Straße. Mehr als 100 Millionen Euros werden jährlich im "Kampf gegen rechts" ausgegeben. (Die Fördersumme für "Demokratie leben!" betrug allein für das Jahr 2017 insgesamt 104,5 Millionen Euro.) Blickt man in die Hauptstrommedien ist - von Pegida abgesehen - auf den Straßen keine Gegenreaktion aus dem nationalen Lager zu bemerken.
Aber dieser selbstgefällige, systemtragende Koloss, wo Kinder und Jugendliche scheinbar mit Macht die politische Agenda vorgeben, steht auf tönernen Füßen.

Wer ein wenig Augen offen hält und auch Interesse an Wirtschafts- und Finanzfragen hat, sieht, dass wir vor ungeheuren Umbrüchen stehen. Der Monat September 2019 könnte sich rückblickend als entscheidende Wendemarke entpuppen:
Die EZB senkt die Zinsen ein weiteres Mal auf ein neues Rekordttief von -0,5 %. Die Banken entlassen zigtausende von Mitarbeitern, weil die Minuszinsen letztlich ihre Lebensgrundlagen zerstören. Öffentlich wird die Deutsche Bank angezählt! (Gabor Steingart "Uhr steht auf fünf vor zwölf."). Nicht nur die deutsche Automobil- und Zuliefererindustrie steht vor dem Abgrund. Geben die Klimabeschlüsse der Bundesregierung der deutschen Wirtschaft den Todesstoß?

Noch wird das Ganze mit immer neuen Gelddruckorgien zugedeckt. Aber die EZB und die Banken haben ihr Pulver zur Wirtschafts- und Währungsrettung weitestgehendst verschossen.
Die Weichwährung EURO steht vor dem Aus: Aufgrund der irrsinnigen Verschuldung der Staaten, Länder und Kommunen sind Zinserhöhungen nicht mehr möglich, ohne dass das Finanz- und Bankensystem auseinanderbricht.

Und es war bislang immer so:

Alle gescheiterten Papiergeldsysteme führten zu schweren gesellschaftlichen Verwerfungen: Nach den Assignaten-Papiergeldwährung der französischen Revolution folgte Napoleon. Nach der Weimarer Hyperinflation folgte Hitler. Wer oder was folgt auf den Euro?

Den Euro wird man nicht ewig "strecken" können. Ist das Vertrauen in den Euro erst verloren, wird auch die schweigende Masse unruhig. Da helfen dann auch staatlich finanzierte Gender- und Sozialwissenschaftsbullshitbingojobs für die Generation "Schneeflöckchen" nur kurze Zeit: Diese Jobs sorgen zwar für "Beschäftigung", aber nicht für Wohlstand. Das tut nur eine florierende Industrieproduktion. Und die ist in Deutschland in Auflösung begriffen.

Bricht erst einmal der Wohlstand weg, verlieren die Kinderklimakreuzzüge, das Gendergedöns, der "Kampf gegen Rechts" im Volk automatisch an Relevanz. Denn dann werden andere Demonstrationen kommen. Demonstrationen von Arbeitslosen und von verarmten Rentnern (mittlerweile nehmen 20 % der Rentner die "Tafeln" in Anspruch!). Der tönerne Koloss wankt bereits, der Riss durch die Gesellschaft wird sich weiter vertiefen.

Das System wird durch seine andauernde Realitätsverweigerung zwangsläufig von selbst zu Fall kommen. (Ich schätze: Noch ein, zwei Jahre. Die "schwarzen Schwäne" sind längst im Anflug.) Diesen Fall mit friedlichen Mitteln zu beschleunigen und gleichzeitig Positives dagegen zu setzen, kann jeder mit seinen eigenen Mitteln und Möglichkeiten in Angriff nehmen.

Simplicius Teutsch
21. September 2019 13:46

@Maiordomus, der Vielwisser, Schnelldenker, Vieldenker, Tiefdenker und vermutlich Schnellschreiber, ist zwar schon eine Bereicherung hier, aber er ist in meinem hageren Bild von ihm irgendwie von gestern: verzopft! Möglicherweise entgeht ihm daher manches Entscheidende und Notwendige, das gerade in der Gegenwart direkt vor ihm abläuft.

Es kann und darf jedem passieren, ich bin da gar nicht schadenfroh, aber es ist schon interessant, dass diese chronologische Fahrlässigkeit einem @Maiordomus unterlaufen ist, indem er auch noch explizit schulmeistert: „Was soll der Bezug auf die 15 Prozent der Frauke Petry …“ - Andererseits ist dieser Fehlschuss irrelevant und auch wieder symptomatisch für einen ungeduldigen Schnell- und Querleser. Geschenkt.

Wesentlich und brennend heiß an dem obigen Beitrag von Götz Kubitschek aus dem Jahr 2017 ist doch, was meiner Meinung nach von den meisten Foristen, die sich häufig um ihre eigenen Welten drehen, anscheinend gar nicht gesehen, zumindest nicht gewürdigt wird, - der Bezug zu dem Monitor-Fernsehbericht vom 19.09.2019: >„Selbstverharmlosung“: Die Medienstrategie der AfD.< Der Bericht ist der Hammer! - Wer diesen ARD-Bericht nicht wenigstens angeschaut hat, sollte hier unter dem Sezessions-Beitrag keinen Kommentar schreiben.

Gestern habe ich im Kommentar zum Lichmesz-Beitrag vom 18.09. meinen Hut vor Martin Sellner gezogen, heute ziehe ich ihn vor Götz Kubitschek.

PS: Ich habe sein kaplaken-Büchlein „Provokation“, Auflage 2007 (! nicht 2009), vor mir liegen; signiert von ihm mit scharfer roter Schrift auf dem Danuben-Haus in München, am 4.X.2008. - Wer hätte damals „im BRD-Biedermeier“ diese nationale Bedeutungsentwicklung dieses Mannes zum bei Linken gefürchteten „Vordenker“ und „spiritus rector“ vorausgesehen!

KlausD.
21. September 2019 13:47

@Lotta Vorbeck @ Monika
Ist das jetzt "das letzte Aufgebot"?

Das denke ich nicht, im Gegenteil, jetzt geht´s erst richtig los. Denn laut einer Berechnung von Goldman Sachs geht es um Investitionen in erneuerbare Energien von bis zu 30 Billionen Dollar. Über 500 Finanzkonzerne sitzen in den Startlöchern und ziehen an den Fäden der Macht.
https://deutsch.rt.com/international/92467-finanzwirtschaft-fordert-von-staaten-mehr-klimaschutz/

Jan
21. September 2019 14:35

@Elvis

Nicht resignieren, auch wenn's manchmal schwer ist. Die Politik hat längst Zustände geschaffen, die sie nicht mehr kontrollieren kann. Die etablierten Politiker sind im wahrsten Sinne des Wortes "Getriebene". Das Migrationsproblem ist ihnen über den Kopf gewachsen, ebenso wie diverse NGOs. Beim Thema Klima werden auf einmal die Interessen mächtiger und einflussreicher wirtschaftlicher Player verletzt, weil sich immer deutlicher herausstellt, dass man es in Wirklichkeit weniger mit Naturschützern, sondern vielmehr mit einem neuen Kommunismus zu tun hat, der statt rot jetzt lieber grün trägt.

Und auch das Migrationsproblem ist längst kein Thema mehr, was nur vermeintlich "Abgehängte" in Ostdeutschland beschäftigt, sondern auch Leute aus der westdeutschen Oberschicht. Das zeigt der kleine Skandal um die Aussagen des Frankfurter PR-Managers Moritz Hunzinger, der zunehmend genervt ist von den durch Migranten verursachten Zuständen in der Mainmetropole.

Auf jeden Fall rappelt es im Karton! Die Zeiten des Schlummerschlafes sind endgültig vorbei. Otto Normal in der Provinz 2009: "Araber-Clans? Nie von gehört". Heute weiß es jeder.

Wenn Unmut mit Kapital und Macht zusammenwächst, können da interessante und wirkungsvolle Dinge entstehen.

Ich bin weiter zuversichtlich, weil ich weiß, dass die Vorstellungen der Gegenseite nicht funktionieren. Deswegen müssen die auch lügen und verschleiern, denunzieren und ausgrenzen. Wir hingegen können uns auf die Wahrheit konzentrieren. Die Wahrheit liegt darin, ob uns Dinge schaden oder nutzen, ob sie funktionieren oder in den Abgrund führen. Den sedierten Bürger kriegt man am besten, wenn man ihm vor Augen führt, in wiefern die Migration seine Sicherheit und der grüne Kommunismus seinen Wohlstand bedroht. Dafür muss man nicht lügen, denn das ist wirklich so. Wir brauchen nur Kapital und Wege, unsere Inhalte reichweitestärker zu publizieren, um letztendlich die Deutungshoheit zu erlangen. Dazu sind neben Landgewinnung im vorpolitischen Raum gewaltige Investitionen in publikumsträchtige AV- und Printmedien nötig.

qvc1753
21. September 2019 17:06

Nun bin ich aus diversen Gründen tatsächlich verwirrt.
Wer etwas selbst verharmlost, der spielt - so verstehe ich dies - seine nicht vorhandene Harmlosigkeit herunter,
Will man denn harmlos sein? Und warum?
Und wenn ja, warum soll man dann harmloser erscheinen als man ggf. tatsächlich ist.
Dann ist das was gesagt wurde also "selbst verharmlost" und damit eigentlich ganz anders ?
Ein interessanter Gedanke.

Oder will man seine Ideen, quasi huckepack auf der Harmlosigkeit, in den politischen Diskurs tragen?
Dann wäre dies entweder sehr geschickt oder sehr verwerflich, da der geneigte Wähler am Ende gar nicht so recht wußte was er da wählte.
Oder soll eine Art augenzwinkernde Übereinkunft mit de Wähler erzielt werden?
Wie sagen es nicht so, aber der Wähler weiß schon was wir meinen?
Klingt ein bisschen nach dem Witz aus anderen Zeiten von dem Mann der leere Flugblätter verteilt. Gefragt warum antwortet er: "Diejenigen, die das lesen, die wissen schon was ich meine".

Aber ein paar Worte zu de gestrigen Klimademos:
Es kann ein jeder für oder gegen etwas demonstrieren, mir persönlich ist das einerlei, so lange dabeo nichts zu Bruch geht, keine Leute verletzt und nicht dauernd Rect und Gesetz gebrochen werden.

Ein Gespräch mit einem Förster oder Bauern lässt einen zumindest darüber nachdenken, was und ob an der vorgeblichen "Klimahysterie" etwas dran ist.

Immerhin kann man ja einmal selber das Experiment starten und seinen Diesel oder Benziner in einer geschlossenen Garage ein paar Minuten laufen zu lassen. Blümchenduft ist das nicht und im Gewächshaus sollte man auch nicht auf die gleiche Idee kommen.

Könnte also zumindest etwas dran sein an den Ideen von Greenpeace und Konsorten.

Leider sind die meosten politischen Diskussionen inzwischen von einem Hosianna oder "Kreuziget - Ihn" Geist erfüllt.

Das die jeweils andere Seite Punkte aufbringt die bedenkenswert sind, das erscheint mir ein inzwischen immer weniger vorhandener Gedanke.

Nordlicht
21. September 2019 20:37

Aus aktuellem Anlass:

Ein Bereich, zu dem die Rechte keine Position hat, mit der man argumentieren kann, ist der Klimawandel. Man sagt, dass es keine menschlichen Einfluss gibt - das ist es. Im rechten Diskursfeld gibt es praktisch keine Beschäftigung mit den politischen, wirtschaftlichen und auch moralischen Fragen, mit welchen die GrünLinken (- und die reichen bis einschliesslich Merkel bei diesem Thema), ihr Kinderkreuzzug mit den Extinction-Schlägern sowie die medialen Unterstützer argumentieren.

Man kann das ganze Thema für inhaltlich unsinnig halten, es hat aber politische Bedeutung. Im Sinne der Stratgieelemente, welche Götz Kubitschek skizzierte, sollte m. E. auch der Klimawandel (- ich vermeide mal die Idee vom "Klimaschutz") berücksichtigt werden. Die bisher von der AfD dazu vertretenen Positionen sind grobschlächtig, es geht mit wenig Aufwand viel besser - und man kommt dazu in die Diskussionsrunden.

Grundlage wäre die Frage, wie mit unsicheren Zukunftsentwicklungen umzugehen ist. Wir wissen nicht, ob der IPCC recht bekommen wird oder die Skeptiker á la Vahrenholt oder Lombok. Eine schematische Behauptung "Anthropogene beeinflussten Klimawandel gibt s nicht" ist genauso borniert, wie das Gegenteil zu behaupten.

Die Rechte sollte die deutsche Interessenlage auch in diesem Punkt zum Ausgangspunkt nehmen: Einerseits kann sich D nicht globalen Aktivitäten zum Umweltschutz verschliessen (- die transnationalen Konventionen gegen die Hoch-Schormstein-Politik, d. h. der Verschickung von Emissionen ins Ausland waren sinnvoll, auch die FCKW-Reduzierung gegen das Ozon-Loch).

Andererseits wird D nicht mehr leisten, als vom Mengenanteil her gerechtfertigt ist. Das wäre m. E. ein Hauptargument - anteilig nicht mehr tun als zB China oder USA, unsere Hauptkonkurrenten auf dem Weltmarkt.

Daraus lasen sich Grundsätze formulieren, welche auch für die Unternehmer und Arbeitnehmer überzeugend wären:
- Wir beteiligen uns angemessen, lehnen Phantasieren wie "Vorreiterrolle" ab.
- Wir gefährden nicht unsre Wettbewerbsfähigkeit und muten den Arbeitnehmer keine höheren Steuern/Abgaben zu.
- Wir stärken die Pluralität der Wissenschaft, es darf keine fachliche Tabus geben.
- Um gegen Klimawandel gewappnet zu sein, muss die staatliche Forschung auf "Anpassung" fokussieren, das Theoretisieren mit Prognosemodellen führt nicht weiter.
- Unsere Infrastrukturen sollen sicherheitshalber auf höhere Temperaturen, auf Dürren und im Gegenteil auch mehr Niederschläge vorbereitet werden: Strassen, Brücken, Abwasseranlagen etc sind zu ertüchtigen. Dazu Steuergeld auszugeben ist wichtiger als für soziologische Projekte zur Schaffung des "Neuen Menschen", der begeistert Verzicht auf modernen Lebenskomfort übt.

So sähe m. E. eine rechte Position zum Thema Klimawandel/Umwelt aus, mit der man den bisher engen Meinungskorridor ausweiten könnte.

Ich frage mich, ob bei den AfD-Fraktionen darüber nachgedacht wird. Mit ihren Mitarbeiter-Möglichkeiten sollte es doch möglich sein, entsprechende Positionspapiere zu verfassen. Ergänzend wäre das Ziel, für die Mainstream-Medien einige vorzeigbare Wissenschaftler zu gewinnen.

Der FfF-Druck-von-der-Strasse wird extremistischer werden und die jetzt noch mässigen (wenngleich nutzlos und zu teuren) Regierungsentscheidungen unter Druck setzen. Ich will die Regierung nicht verteidigt sehen ( Gott bewahre), sondern von der anderen Seite Druck machen. Mit einer Klimapolitik mit Vernunft und in unserem Interesse.

AlexSedlmayr
22. September 2019 02:05

Die Methode darf aber nicht bloße und leere Taktik sein, sondern muss auch innerliche Überzeugung besitzen, weil die Bürger sonst zu recht das als ein Hinters Licht führen, als ein Kreide fressen wahrnehmen, an dessen Ende dann doch wieder rechter Totalitarismus stehen könnte.

Die taktische Selbstverharmlosung kann auch genau deshalb im Aufgeben der Stellungen enden, weil sie im anderen Extrem wiederum zum Opportunismus der Macht wegen verkommt, wobei mit den Jahren vergessen wird, zu welchem Zweck (außer dem Selbstzweck) diese Machterlangung eigentlich dienen sollte. Norbert Hofer gibt davon ja ein gutes Beispiel ab.

Selbstbeschränkung, also Maß halten, sollte das Maß sein, an dem sich die Bewegung hinter der reinen Taktik der Selbstverharmlosung messen lassen muss: Der Bürger muss die Sicherheit bekommen seine Wahl später nicht bereuen zu müssen. Dazu gehört tatsächlich eigene Grenzen zu definieren, statt sie bewusst für Missverständnisse offen zu lassen, um einen Flirt mit dem, was wirklich der (alt)rechte Rand ist, nicht abreißen zu lassen, die der in letzter Zeit soviel gescholtene Boomer unappetitlich fände. Nur weil man selbst die Ungerechtigkeit eines Rechtssystems anprangert, muss man sich nicht zugleich mit echten Verbrechern gemein machen. Das gilt nicht Schnellroda sondern einer Neigung in unserem Lager auch unappetitliches oder kantiges nur deshalb zu verteidigen, weil es von links genauso angegangen wird.

Dies geschieht nicht, um irgendwelchen Diskurswächtern das Wasser zu reichen, sondern es geht auch darum, dass man selbst weis und definiert wer man ist und daraus letztlich auch entscheiden kann wer unserer sache dient und wer im gegenzug uns und unsere Begriffe nutzt, um seine eigene Ideologie zu verkaufen und unseren Gegnern aus dem anderen Lager willfährig die Munition zu liefern.

Jemand der sich inhaltlich so gefestigt hat, dass seine Grenzen in Form eines Toleranzmaximums abgesteckt hat, wird dann vor dieser Grenze dann ein weites Feld finden, das er effektiver bestellen kann, weil er sich seiner selbst gewiss ist. Es wird inneren Pluralismus und streit geben, aber das werden inhaltliche Debatten sein und keine Differenzierungen aus der Meta-Sphäre des Moralischen mehr, die zu kommunikativen Kontakt- und Sprechverboten, Hygienemaßnahmen und damit Spaltungen (ob von innen oder außen induziert) führen.

links ist wo der daumen rechts ist
22. September 2019 20:58

Witzkrieg, Blitzkrieg und Volkskrieg

Die von Kubitschek beschriebenen Strategien der Provokation und der Selbstverharmlosung würde ich in ihrer Verschränkung als das bezeichnen, was ich vor kurzem im Zusammenhang mit einem Aufritt von Gauland bei Lanz näher ausgeführt habe: die Umkehrung jeder Suggestivfrage in ihren ironischen Widerpart; eine kleine souveräne Geste eines Partisanen gegen eine feindliche Übermacht. Witz gegen Hetze.

Aktuell auf das Höcke-Interview bezogen: Jede Rede im Bundestag bitte mit der Floskel zu beenden: Und jetzt noch ein Zitat. Von wem stammt es? Mein Vorschlag fürs Erste (bzw. Zweite DF): „Das Gespenstische an der Potsdamer Konferenz lag darin, daß hier ein Kriegsverbrechergericht von Siegern beschlossen wurde, die nach den Maßstäben des späteren Nürnberger Prozesses allesamt hätten hängen müssen. Stalin zumindest für Katyn, wenn nicht überhaupt, Truman für die überflüssige Bombardierung von Nagasaki, wenn nicht schon von Hiroschima, und Churchill zumindest als Ober-Bomber von Dresden, zu einem Zeitpunkt, als Deutschland schon erledigt war.“

Wer war's? Adolf von Thadden oder Rudolf Augstein?

Am spannendsten natürlich Kubitscheks Ausführungen der „Verzahnung“ als dritter Strategie. Ich spinne den Gedanken fort. Die überlegene gegnerische Artillerie und die unterlegene eigene stellen das Feuer ein. Die unmittelbaren Gegner auf Augenhöhe, Kameradschaft und Pflicht bleiben aufrecht, aber es zählt nicht mehr der Blutzoll oder der Hass, bei Spähtruppunternehmen zählen die Gefangenen, unnötiges Blutvergießen wird vermieden; ein gewisser Skorzeny übrigens hat das als Leitbild für Kommando-Unternehmen (Gran Sasso) ausgegeben... Weiter im Szenario, zwei mögliche Folgen:

Die Generalität schickt auf ihren Seiten jeweils Politkommissare und Führungsoffiziere, um den Gegner wieder zum absoluten Feind werden zu lassen; die werden aber bestenfalls von den eigenen Leuten erledigt. Die Artillerie, übrigens von ein und derselben Rüstungsindustrie (nennen wir die Firma „Neoliberalismus“ - zur Unterscheidung steht auf den einen Waffen „Linksliberalismus“, auf den anderen „Wirtschaftsliberalismus“) beliefert, beginnt jetzt wieder zu feuern ohne Rücksicht auf eigene Verluste.

Wieder zwei Möglichkeiten: Man steigert sukzessive die Wirkung der Fernwaffen, erklärt das Feld dazwischen zum unentwirrbares Schlachtfeld, kann aber dem Gegner bei jedem Angriff noch mit einem Gegenangriff drohen. Prinzip Kalter Krieg, potentielles Schlachtfeld die beiden Deutschland. Oder wir benennen endlich die wirklichen Drahtzieher und machen ihrem üblen Spiel ein Ende. Ein frommer Wunsch.

Das Gegenkonzept, daß es überhaupt zur „Verzahnung“ der gegnerischen Truppen kommt, ist natürlich die Strategie des Bitzkriegs; im Grunde eine Idee, die in ihren Grundzügen auf Überlegungen Moltkes d.Ä. zurückgeht. Jörn Leonhard schreibt in seinem Buch „Die Büchse der Pandora. Geschichte des Ersten Weltkriegs.“ (Beck 2014) über die Vorgeschichte von WK 1. Dazu Moltke 1880: „Die größte Wohlthat im Kriege ist die schnelle Beendigung des Krieges und dazu müssen alle, nicht geradezu verwerfliche, Mittel frei stehen.“

Ein ehemaliger General der Nordstaaten, Philip Sheridan, hatte im Auftrag der amerikanischen Regierung den Krieg von 1870/71 beobachtet.
In den Worten von Graf Waldersee meinte Sheridan – nach Sedan: „Sie verstehen es einen Feind zu schlagen, wie keine andere Armee, aber ihn zu vernichten, das haben Sie noch nicht weg. Man muß mehr Rauch von brennenden Dörfern sehen, sonst werden Sie mit den Franzosen nicht fertig.“ Unconditional Surrender? Moltke hielt sich natürlich nicht daran. Kurz nach Bismarcks Rücktritt 1890 hielt Moltke seine letzte Rede im Reichstag, in der er vor einem Zeitalter beginnender uneindämmbarer Volkskriege hochgerüsteter Staaten warnte.

Vielleicht mußte die Serie deutscher Blitzkriege – durchaus im Sinne Moltkes - bis zum Sommer 1941 (geboren aus der Urangst des Zermürbungskrieges nach dem Scheitern des Schlieffenplanes 1914) scheitern, weil dann eben ein „uneindämmbarer Volkskrieg“ begann und man alle strategischen Alternativen über Bord warf; Wlassow z.B. stand seit Sommer 1942 bereit, der Krieg hätte 1943 zu Ende sein können (wie das ganze NS-Gesellschaftsexperiment dann weiter- und v.a. ausgegangen wäre, steht auf einem ganz anderen Blatt).

Währenddessen plädiere ich für den Witzkrieg.

Thorsten B
22. September 2019 21:04

Auffällig ist, wie ungestraft der Monitor den Flügel beiläufig mit dem Attribut „rechtsextrem“ markieren darf.
*
An zeitschnur
Wer authentisch ist sollte auch seine Strategien offen ausbreiten können. Die „Selbstverharmlosung“ ist ja nur ein dosiert situativ einzusetzender Handgriff um die Kontaktaufnahme über die emotionale Ebene zu ermöglichen. Wenn man dies nur aus diesem Zweck tut und sich vor allem nicht verbiegt so ist dies keine Kreidefresserei und kann auch nicht so ausgelegt werden. Die Kritik des Monitor ist ja auch damit leicht widerlegt, denn sie unterstellt ja eine permanente Anwendung dieses Hangriffs.

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