Sezession
1. Februar 2017

No-go-Areas

Felix Menzel

Felix Menzel

Felix Menzel ist Chefredakteur des Schülerblogs blauenarzisse.de.

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48 Einheimische leben noch in Savile Town, einer englischen Kleinstadt südlich von Leeds, die im Ballungsgebiet West Yorkshire liegt. Demgegenüber stehen rund 4000 Moslems, die hier 97 bis 99 Prozent der Gesamtbevölkerung ausmachen dürften. Ein Sicherheitsproblem stellt dies auf den ersten Blick nicht dar. Abgesehen von den üblichen Alltagsüberfällen und gelegentlichen Schießereien herrscht eine trügerische Ruhe in Savile Town. Das Leben in dieser »ethnischen Enklave« (Daily Mail) hat sich eben nur radikal verändert: Eine der wenigen verbliebenen Einheimischen, eine 53jährige Zahnarzthelferin, gibt ganz offen zu, daß sie sich zu später Stunde nicht mehr aus dem Haus traut. Die umherstreifenden Moslems hätten keinen Respekt vor weißen Frauen und würden diese einschüchtern.
Drei der vier Selbstmordattentäter vom 7. Juli 2005 wohnten in Savile Town. Doch es wäre eine Verzerrung der Gesamtlage, sich aus- schließlich auf diese Gefährdung zu konzentrieren. Viel entscheidender sind andere Prozesse. Entscheidender ist beispielsweise, daß in den letzten Jahren mangels möglicher Kundschaft acht von neun Pubs geschlossen haben. Wo früher die Geschäfte der Einheimischen waren, kann man heute Burkas kaufen. Eine Moschee mit 4000 Plätzen dominiert zudem die Stadt, in der die Landnahme noch gar nicht abgeschlossen ist. Laut Berichten suchen reiche Moslems gezielt die Häuser der verbliebenen Einheimischen auf. Sie klingeln an ihren Türen und bieten viel Bargeld für die Immobilien an.

Aufgrund dieser Zustände dürfte Savile Town zu den frappierenden »No-Go-Areas« in Europa zählen. Was hier Alltag ist, etabliert sich aber auch andernorts in vielen Abstufungen. Die englischen Brennpunkte haben seit der Jahrtausendwende alle 15 bis 20 Prozent der einheimischen Bevölkerung verloren. In Frankreich, den Benelux-Staaten, Schweden und Westdeutsch- land kippen viele Stadtteile ebenfalls. Gewalt kommt dabei facettenreich zur Anwendung.
Der Historiker Jörg Baberowski definiert die »Räume der Gewalt« in seinem gleichnamigen Werk von 2015 als jene Orte, wo die »Regeln sozialer Kommunikation, die im Frieden gelten, suspendiert« seien. Mit dieser weitgefaßten Begriffsbestimmung läßt sich begreifen, was sich in den größten No-go-Areas Europas abspielt. In diesen von Ausländern dominierten Gegenden ist kein Gespräch mehr zwischen den Einheimischen, dem Staat und den einzelnen Zuwanderergruppen möglich. Es regieren Einschüchterung und Verdrängung. Die Polizei vermag den Einheimischen nur behutsam eindämmend zur Seite zu stehen.
In einem Bericht vom Dezember 2015 begründete die schwedische Polizei dieses passive Verhalten damit, daß die »Mehrzahl der Risikofaktoren außerhalb der Kontrolle der Polizei« lägen.

Als Beispiele wurden der Zugang zum Wohlfahrtssystem, die Arbeitslosigkeit, die ethnische Segregation, die Stigmatisierung und das Wohnen auf enger Fläche genannt. Einerseits ist dieses Eingeständnis ein Armutszeugnis für die Handlungsfähigkeit des Staates, andererseits entspricht diese Bewertung natürlich der Wahrheit und bringt einen ganz wichtigen Punkt zur Sprache: Mit der Etablierung des Sozialstaats ging eine Ausweitung, zugleich aber auch Aufweichung des Gewaltmonopols einher. Ausgeweitet wurde der Schutzauftrag des Staates dahingehend, daß nun mit Überwachungstechnik, der finanziellen Grundsicherung der Bürger, pädagogischer Verweiblichung und anderen psychologischen Maßnahmen (»Nudging«) ein oberflächlicher Frieden hergestellt wird. Die Aufweichung des Gewaltmonopols besteht dagegen darin, es nur noch inkonsequent durchzusetzen. In vielen Gegenden Deutschlands braucht die kaputtgesparte Polizei weit über eine halbe Stunde, um erst einmal am Tatort einzutreffen, und die offenen Staatsgrenzen sind natürlich das deutlichste Zeichen dieser Fehlentwicklung.


Felix Menzel

Felix Menzel ist Chefredakteur des Schülerblogs blauenarzisse.de.

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