Sezession
1. April 2017

Selbstverständlichkeiten als Minimalprogramm

Götz Kubitschek

Götz Kubitschek

Götz Kubitschek ist Verleger (Antaios) und seit 2003 verantwortlicher Redakteur der Sezession.

Es ist wie in der Geschichte von der Katze und der Taube: Der Vogel ist ein bißchen zu groß für den Jäger, aber weil er sich den Flügel gebrochen hat, kann er nicht entkommen. Nun wird er die Treppe hinuntergezerrt. Er flattert nicht mehr, er wehrt sich nicht mehr, sein Kopf knallt gegen jede Stufe, und wir sind noch lange nicht im Keller.

Die politische Klasse hat unseren Staat und unser Volk am Wickel und schleift die Beute Stufe für Stufe hinab. Wir selbst, recht wehrlos, bisweilen mutlos, aufs Ganze gesehen sprachlos, wissen dreierlei: daß wir einen gebrochenen Flügel haben, daß wir noch längst nicht ganz unten sind und daß wir – sollten wir uns berappeln – Stufe für Stufe wieder hinaufsteigen müssen.

Dieses Hinaufsteigen wäre nichts anderes als die Wiederherstellung von Selbstverständlichkeiten. Das müssen wir uns klarmachen: Es geht in unserer Lage und an der politischen Oberfläche nicht mehr um große Entwürfe, nicht mehr um ein politisches Ausgreifen, sondern um Selbstverständlichkeiten, um Grundsätze, banale Forderungen. Das bedeutet nicht, daß wir keinen Begriff mehr davon hätten, wie es eigentlich sein sollte, und natürlich bedürfte es mehr als nur einer Tendenzwende – aber derlei ist nicht an der Reihe, derzeit.

Es geht ums Aufhalten, um die Wiedergewinnung der Handlungsfähigkeit, und wer der AfD und ihrem metapolitischen Umfeld vorwirft, man lese »von rechts« nichts über die Details der Umsetzung innerhalb einer komplexen, modernen Gesellschaft, hat nicht begriffen, daß es nie um Details geht, wenn der Kopf auf die Treppenstufen knallt, sondern darum, sich loszustrampeln, aufzuraffen und auf den Weg zurück nach oben zu machen, und das heißt – noch einmal: Selbstverständlichkeiten zu fordern und durchzusetzen.

Zu diesen Selbstverständlichkeiten, um die es jeder alternativen Politik gehen muß, gehören die Befreiung des Staates, die Bändigung der Parteien, die Durchsetzung von Recht und Ordnung, der Elitenwechsel, der Vorrang des Eigenen und die Beseitigung des Selbsthasses.


Götz Kubitschek

Götz Kubitschek ist Verleger (Antaios) und seit 2003 verantwortlicher Redakteur der Sezession.

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