Sezession
1. April 2017

Hermann L. Gremliza – Der Pate der Antideutschen

Gastbeitrag

Einstweilen in die Jahre gekommen, pflegt Hermann Gremliza noch immer das Image eines Schmuddelkindes, mit dem keiner spielen will. Dabei hat der Herausgeber der linksradikalen und tapfer antideutschen Zeitschrift konkret schon von sich aus immer größten Abstand zum journalistischen Mainstream gewahrt und auch seine periodischen Sammlungen von Kolumnen und Glossen bislang stets in seinem kleinen Hausverlag herausgegeben.

Demgegenüber ist sein neues Buch Haupt- und Nebensätze, dessen Titel auf die marxistische Unterscheidung von Haupt- und Nebenwidersprüchen des Kapitalismus anspielt, in der edition suhrkamp erschienen, und es könnte beinahe so scheinen, als habe Gremliza nur die geschliffensten Perlen seiner Publizistik aus den letzten Jahrzehnten darin versammelt, um in jenem Juste milieu wieder vorstellig zu werden, in dem seine journalistische Laufbahn einmal begonnen hatte.

1940 in Köln geboren, studierte Hermann Ludwig Gremliza in Tübingen und Berlin Geschichts- und Politikwissenschaften, bevor er sich ab 1966 beim Spiegel zum leitenden Redakteur für das Politikressort emporarbeitete. Nach einem ergebnislosen Streit mit Rudolf Augstein um ein höheres Maß an redaktioneller Mitbestimmung verließ Gremliza indessen das nur »im Zweifel links« stehende Blatt, um 1974 das von Klaus Rainer Röhl gegründete linkslibertäre Männermagazin konkret zu übernehmen und zu einem stramm kommunistischen und anfangs noch entschieden antifeministischen Organ umzurüsten.

Aufgrund des praktischen Ausfalls eines revolutionären Arbeitersubjekts band der zu einer rein theoretischen Donquichotterie verkommende Klassenkampf freilich nicht alle Kräfte, und so lieferte sich konkret immer wieder Scharmützel mit dem alten Schlachtroß Emma. Später jedoch besann sich Gremliza eines Schlechteren und öffnete sein Blatt für eine intersektionalistisch diversifizierte Antidiskrimierungspolitik, nicht ohne für die Mobilisierung multipler Opferpersönlichkeiten auch politisch jungfräuliche Genderamazonen einzuspannen.

Jedenfalls erfüllt es Gremliza noch heute mit größtem Stolz, daß sein erklärtermaßen staatsfeindliches Organ auch vom Verfassungsschutz so eingestuft wird, wohingegen der  Umstand, daß die von ihm propagierte gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit gegenüber Deutschen von staatlicher Seite als völlig unbedenklich angesehen wird, ihn noch nie ins Nachdenken über sein kritisches Hofnarrentum gebracht hat.

Gleichwohl steht Gremlizas Name für eine nicht nur verbalradikale, sondern auch in der Sache kompromißlose Gesellschaftskritik, die schon stilistisch das große Vorbild Karl Kraus verrät. Mit dem legendären Wiener Satiriker verbindet Gremliza überdies die Liebe zur deutschen Literatur und insbesondere zu Goethe, die ihn einmal darüber klagen ließ, daß selbst jene Deutschen, die immerzu von der Kulturnation tönen, nicht mehr wüßten, wie die weibliche Hauptfigur des Faust II heißt. Seine tiefe Verbundenheit mit der deutschen Sprache hat ihn sogar zu einem regelrechten Beckmesser werden lassen, der die bürgerliche Presse, diese »Cloaca maxima der öffentlichen Meinung«, notorisch für ihr schlechtes Deutsch maßregelt.


 Gastbeitrag

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