Sezession
1. April 2017

Glossarium für den Psychokrieg

Caroline Sommerfeld

Caroline Sommerfeld

Caroline Sommerfeld ist promovierte Philosophin und dreifache Mutter.

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Es gibt einen Psychokrieg zwischen Linken und Rechten, dem wir nicht entgehen können. Alle Bemühungen um einen »rationalen politischen Dialog« sind auf einer irrationalen, tieferen Schicht der Auseinandersetzung unterminiert. Unterminiert von kommunikativen Spielchen, die den Gegner erledigen sollen. Die Rechten halten die Linken für dumm, die Linken halten die Rechten für böse. Wer es mit Linken zu tun hat, sei es auf der politischen Bühne, im Arbeitsleben, in der Familie oder gar innerhalb einer Beziehung, gewinnt irgendwann den Eindruck, daß die Bösartigkeit eher links angesiedelt ist.

Es ist nicht das finstere, abgeklärte, schonungslose Böse der Rechten, sondern ein verstecktes, sich menschenfreundlich und dialogbereit gebendes Böses. Leicht gerät man in die erdrückende Umarmung, wenn man nicht annimmt, daß sie eine Waffe im Psychokrieg ist, sondern sie für authentisch hält. Baltasar Gracián hat im 17. Jahrhundert Maximen für den weltklugen Mann im Krieg gegen das Böse (Militia contra malicia) ausgegeben: »Aber die beobachtende Schlauheit ist auf ihrem Posten, strengt ihren Scharfblick an und entdeckt die in Licht gehüllte Finsterniß: sie entziffert jenes Vorhaben, welches je aufrichtiger, desto trügerischer war.« (Hand-Orakel und Kunst der Weltklugheit).

Heute können wir solche Maximen aus der amerikanischen Psychologie, aus Ratgebern für Töchter narzißtisch gestörter Mütter, von Dating- und Männerseiten, antifeministischen und AltRight-Blogs nehmen oder von Donald Trump selbst lernen. Längst sind es nämlich keine speziellen therapeutischen Fachbegriffe mehr oder Handwerkszeuge erfolgversprechender Kommunikationstrainer, sondern: von der amerikanischen AltRight lernen heißt siegen lernen. Hilft nichts fürs deutsche Eigene, das müssen wir schon selbst finden und verteidigen, hilft aber viel beim Zusammenstoß mit der globalisierten Linken. Sieben überlebenswichtige englischsprachige Begriffe enthält mein Glossarium für diesen Psychokrieg, übersetzt, er- klärt und an typischen Beispielen illustriert.

Agree and amplify

Linken Irrsinn erkennt man meist schnell. Ihn mit faktenbasierten Argumenten zu widerlegen, ist zum Scheitern verurteilt, weil irrsinnige Behauptungen mit den Mitteln der rationalen Widerlegung nicht zu fassen sind. Am besten stimme man also dem  Gesprächspartner zu, so daß er sich »wirklich gehört fühlt«, und dann übertreibe man seine Aussage bis ins Grenzenlose. Diese Strategie zielt darauf, linke Absurditäten zu übernehmen und dann auf den Punkt zuzutreiben, wo plötzlich für jedermann sichtbar wird: Das ist doch absurd! Agree and amplify (zustimmen und übertreiben) ist mehr als die klassisch-rhetorische Reductio ad absurdum, weil es eben die emotionale Erpressung mit ad absurdum führt.

A: »Es ist ein Gebot der christlichen Nächstenliebe, alle  Asylsuchenden  aufzunehmen, ohne Grenzen im Kopf und im Herzen. Du mußt doch einsehen, daß wir alle Menschen sind! Stell’ dir vor, du mußt mit deiner Familie flüchten!«

B: »Oh je. Es gibt so viele erschütternde Einzelschicksale in Syrien, Afghanistan, dem Irak und in ganz Afrika, alles Menschen, die wir aufnehmen müssen. Sie leben unter viel schlechteren Bedingungen, das ist doch ungerecht. Eine Million Syrer allein, dazu die Million Afghanen, Iraker, die Milliarde Afrikaner, alle müssen in Deutschland Asyl finden, das sind wir ihnen schuldig. Daß dabei dann Deutschland verschwindet, ist das eigentlich Christliche.  Auf uns kommt’s ja sowieso nicht an.«


Caroline Sommerfeld

Caroline Sommerfeld ist promovierte Philosophin und dreifache Mutter.

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