Sezession
1. Juni 2017

Moderner Konservativismus: rechte Ideen in der postmodernen Welt

Gastbeitrag

von Gabor Vona

pdf der Druckfassung aus Sezession 78/Juni 2017

Wir sprechen erst seit der Französischen Revolution in der Politik von links und rechts. Eine Links-rechts-Aufteilung entlang ideologischer Standpunkte ist aber auch auf die davorliegenden und sowieso auf die späteren Jahrhunderte übertragbar: Rechts ist die Tendenz zur Bewahrung, links die zur Erneuerung. Begriffe wie Bewahrung (rechts) und Erneuerung (links) werden hier im positiven Sinne verwendet. Wertet man sie negativ, vertritt die Rechte den Rückschritt, während man der Linken Erneuerungswahn und Verschlossenheit gegenüber der Welt der Traditionen vorwerfen kann.

Wachstum und Erhaltung, Maßlosigkeit und Rückständigkeit – beide Begriffspaare gehören zu den bedeutenden Aspekten der Geschichte.

Im Goldenen Zeitalter sind diese Kräfte auf einen Ausgleich bedacht, in dem alles erhalten bleibt, was gut ist, und alles Schlechte zum Guten verändert wird. Im Eisernen Zeitalter ist es genau umgekehrt: Alles, was schlecht ist, bleibt erhalten, und alles, was als gut gilt, wird um- gekrempelt – das Gute geht dabei verloren. Dieses (Eiserne) Zeitalter ist nicht schöpferisch, sondern bedeutet Verfall und Zerstörung. Das Goldene Zeitalter läßt die Kultur aufblühen, das Eiserne frißt sie. Natürlich liegt die Realität immer irgendwo zwischen den Extremfällen, jede Epoche enthält Prozesse des Schaffenden und des Zerstörenden. Die wesentliche Frage ist, ob sich diese Kräfte im Gleichgewicht befinden oder aus den Fugen geraten.

Grob gesagt zerstörte die Französische Revolution neben vielem anderen auch das schöpferische Gleichgewicht: Die Rechte (Bewahrung) ging in die Defensive, und die Linke (Erneuerung) schlüpfte in die Rolle des Alleinherrschers. Die Zerrüttung des politischen Gleichgewichtes bedeutete für die Linke, daß sie in die Falle ihrer eigenen negativen Tendenzen geriet. Ideenpolitisch betrachtet herrschten im 20. Jahrhundert nur linksgesinnte Ideen und »-ismen« – denn von der Politikwissenschaft als »bürgerliche Rechte« oder gar als »rechtsextrem« bezeichnete Ideen sind eigentlich mehrheitlich links. Statt der Bewahrung und Erhaltung galt fortan für alle dasselbe Ziel: das Vorantreiben von Erneuerung, Veränderung und Progression. Der Kommunismus hing ähnlichen stark an der utopischen Erneuerung wie der Nazismus.

Auch die Anhänger der liberalen Demokratie glauben an die Versprechen einer schönen neuen Welt, für die man alles Bisherige drastisch verändern oder – anders formuliert – zerstören müsse und dürfe. Das Schema ist dabei immer dasselbe: Die Linke räumt alles ab, zerschlägt, verschlingt und verdaut die Substanz – und scheitert letztlich mit ihrem Experiment. Und deshalb steckt unsere Welt in einer wirtschaftlichen, gesellschaftlichen, politischen, moralischen und ideologischen Krise. Man könnte behaupten, die Geschichte verliefe immer nach diesem Muster, aber das stimmt nicht: Diesmal ist es anders, denn es ist kein Gegengewicht in Aussicht. Wohin wir blicken: Verfall.

Die derzeitige globale Weltordnung droht für uns Menschen, für unsere Kultur und unser Ökosystem in einer Katastrophe zu enden.

Wenn wir die derzeitige politische Lage in Europa betrachten, scheint es so, als sei nicht die Rechte, sondern die Linke gescheitert. Die traditionellen linksgesinnten, sozialistischen Parteien gehen reihenweise unter, während die rechten politischen Kräfte immer stärker werden. Aber mehr noch: Was sich gerade vollzieht, ist das Ende des seit 1789 /93 vorhandenen politischen Systems. Im Sinne der klaren Links-rechts-Trennung sind alle gleichermaßen gescheitert.


 Gastbeitrag

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