Moderner Konservativismus: rechte Ideen in der postmodernen Welt

 Gastbeitrag

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Wir spre­chen erst seit der Fran­zö­si­schen Revo­lu­ti­on in der Poli­tik von links und rechts. Eine Links-rechts-Auf­tei­lung ent­lang ideo­lo­gi­scher Stand­punk­te ist aber auch auf die davor­lie­gen­den und sowie­so auf die spä­te­ren Jahr­hun­der­te über­trag­bar: Rechts ist die Ten­denz zur Bewah­rung, links die zur Erneue­rung. Begrif­fe wie Bewah­rung (rechts) und Erneue­rung (links) wer­den hier im posi­ti­ven Sin­ne ver­wen­det. Wer­tet man sie nega­tiv, ver­tritt die Rech­te den Rück­schritt, wäh­rend man der Lin­ken Erneue­rungs­wahn und Ver­schlos­sen­heit gegen­über der Welt der Tra­di­tio­nen vor­wer­fen kann.

Wachs­tum und Erhal­tung, Maß­lo­sig­keit und Rück­stän­dig­keit – bei­de Begriffs­paa­re gehö­ren zu den bedeu­ten­den Aspek­ten der Geschichte.

Im Gol­de­nen Zeit­al­ter sind die­se Kräf­te auf einen Aus­gleich bedacht, in dem alles erhal­ten bleibt, was gut ist, und alles Schlech­te zum Guten ver­än­dert wird. Im Eiser­nen Zeit­al­ter ist es genau umge­kehrt: Alles, was schlecht ist, bleibt erhal­ten, und alles, was als gut gilt, wird um- gekrem­pelt – das Gute geht dabei ver­lo­ren. Die­ses (Eiser­ne) Zeit­al­ter ist nicht schöp­fe­risch, son­dern bedeu­tet Ver­fall und Zer­stö­rung. Das Gol­de­ne Zeit­al­ter läßt die Kul­tur auf­blü­hen, das Eiser­ne frißt sie. Natür­lich liegt die Rea­li­tät immer irgend­wo zwi­schen den Extrem­fäl­len, jede Epo­che ent­hält Pro­zes­se des Schaf­fen­den und des Zer­stö­ren­den. Die wesent­li­che Fra­ge ist, ob sich die­se Kräf­te im Gleich­ge­wicht befin­den oder aus den Fugen geraten.

Grob gesagt zer­stör­te die Fran­zö­si­sche Revo­lu­ti­on neben vie­lem ande­ren auch das schöp­fe­ri­sche Gleich­ge­wicht: Die Rech­te (Bewah­rung) ging in die Defen­si­ve, und die Lin­ke (Erneue­rung) schlüpf­te in die Rol­le des Allein­herr­schers. Die Zer­rüt­tung des poli­ti­schen Gleich­ge­wich­tes bedeu­te­te für die Lin­ke, daß sie in die Fal­le ihrer eige­nen nega­ti­ven Ten­den­zen geriet. Ideen­po­li­tisch betrach­tet herrsch­ten im 20. Jahr­hun­dert nur links­ge­sinn­te Ideen und »-ismen« – denn von der Poli­tik­wis­sen­schaft als »bür­ger­li­che Rech­te« oder gar als »rechts­ex­trem« bezeich­ne­te Ideen sind eigent­lich mehr­heit­lich links. Statt der Bewah­rung und Erhal­tung galt fort­an für alle das­sel­be Ziel: das Vor­an­trei­ben von Erneue­rung, Ver­än­de­rung und Pro­gres­si­on. Der Kom­mu­nis­mus hing ähn­li­chen stark an der uto­pi­schen Erneue­rung wie der Nazismus.

Auch die Anhän­ger der libe­ra­len Demo­kra­tie glau­ben an die Ver­spre­chen einer schö­nen neu­en Welt, für die man alles Bis­he­ri­ge dras­tisch ver­än­dern oder – anders for­mu­liert – zer­stö­ren müs­se und dür­fe. Das Sche­ma ist dabei immer das­sel­be: Die Lin­ke räumt alles ab, zer­schlägt, ver­schlingt und ver­daut die Sub­stanz – und schei­tert letzt­lich mit ihrem Expe­ri­ment. Und des­halb steckt unse­re Welt in einer wirt­schaft­li­chen, gesell­schaft­li­chen, poli­ti­schen, mora­li­schen und ideo­lo­gi­schen Kri­se. Man könn­te behaup­ten, die Geschich­te ver­lie­fe immer nach die­sem Mus­ter, aber das stimmt nicht: Dies­mal ist es anders, denn es ist kein Gegen­ge­wicht in Aus­sicht. Wohin wir bli­cken: Verfall.

Die der­zei­ti­ge glo­ba­le Welt­ord­nung droht für uns Men­schen, für unse­re Kul­tur und unser Öko­sys­tem in einer Kata­stro­phe zu enden.

Wenn wir die der­zei­ti­ge poli­ti­sche Lage in Euro­pa betrach­ten, scheint es so, als sei nicht die Rech­te, son­dern die Lin­ke geschei­tert. Die tra­di­tio­nel­len links­ge­sinn­ten, sozia­lis­ti­schen Par­tei­en gehen rei­hen­wei­se unter, wäh­rend die rech­ten poli­ti­schen Kräf­te immer stär­ker wer­den. Aber mehr noch: Was sich gera­de voll­zieht, ist das Ende des seit 1789 /93 vor­han­de­nen poli­ti­schen Sys­tems. Im Sin­ne der kla­ren Links-rechts-Tren­nung sind alle glei­cher­ma­ßen gescheitert.

Das führt einer­seits zu welt­an­schau­li­cher Ver­wir­rung, denn die heu­ti­gen poli­ti­schen Par­tei­en sind an und für sich alle irgend­wie links: Die Ten­denz der Erneue­rung unter­drückt die in ihnen vor­han­de­ne Kraft der Bewah­rung. Ande­rer­seits haben die lin­ken und rech­ten Ansät­ze an sich ihren jewei­li­gen Sinn ver­lo­ren. Sie sind nicht imstan­de, die Pro­ble­me des 21.Jahrhunderts zu begrei­fen – geschwei­ge denn sie zu lösen. Aus die­ser dop­pel­ten Sack­gas­se kön­nen wir uns nur dadurch befrei­en, daß wir das poli­tisch Über­kom­me­ne auf­ge­ben. Auf der welt­an­schau­li­chen Ebe­ne ist die Dicho­to­mie von rechts und links, von Bewah­rung und Erneue­rung noch immer ent­schei­dend, doch auf der Ebe­ne der ange­wand­ten Poli­tik ist dar­an nicht mehr zu denken.

Es stellt sich nun die Fra­ge, ob es nicht schi­zo­phren wäre, wenn wir unse­re theo­re­ti­schen Über­zeu­gun­gen nicht in der Pra­xis der gesell­schaft­li­chen Pro­zes­se ver­wirk­li­chen woll­ten. Die Fra­ge ist wich­tig, die Beden­ken sind berech­tigt. Der Grund, war­um wir trotz­dem einen neu­en Lösungs­an­satz emp­feh­len, stammt nicht aus unse­rem Des­in­ter­es­se an ideo­lo­gi­scher Rein­heit, son­dern aus der Erkennt­nis, daß die prak­ti­sche Umset­zung der Links-rechts-Ein­ord­nung vor unüber­wind­ba­ren Hür­den steht. Kon­fu­zi­us hat­te recht, als er sag­te, daß alles mit der Wie­der­her­stel­lung der ech­ten Bedeu­tung der Wör­ter beginne.

Doch was sol­len wir tun, wenn uns das nicht mehr gelingt? Sol­len wir in den Elfen­bein­turm flüch­ten, die Pra­xis der Gesell­schafts­bil­dung auf­ge­ben und der Zer­stö­rung der Welt zuse­hen? Oder ret­ten wir nicht lie­ber, was zu ret­ten ist, und bau­en etwas auf, das unter die­sen neu­en Bedin­gun­gen stand­hält? Ich ent­schei­de mich für das letz­te­re. Und ich sage: Der geis­ti­ge Inhalt der Rech­ten kann nur erhal­ten blei­ben, wenn wir ihn nicht mit der Pra­xis einer dezi­dier­ten Rech­ten in Deckung brin­gen wol­len. Anders aus­ge­drückt: Es gibt kei­ne Not­wen­dig­keit, unse­re poli­ti­sche Pra­xis als rechts zu bezeich­nen.

Wenn ich behaup­te, daß die Auf­tei­lung in links und rechts sich auf­ge­löst hat, ist damit die Pra­xis und nicht die Theo­rie gemeint. In der Theo­rie kön­nen wir als Rech­te argu­men­tie­ren und unse­re The­sen zuspit­zen; für die Pra­xis, das all­täg­li­che poli­ti­sche Schlacht­feld, taugt das lei­der nicht.

Wir haben fest­ge­stellt, daß wir an einer neu­en poli­ti­schen Pra­xis arbei­ten müs­sen. Ich wer­de nun ver­su­chen, das Fun­da­ment abzu­ste­cken. Dazu gehört der Grund­satz, daß jede Poli­tik an den nicht hin­ter­geh­ba­ren Umstän­den und den Zwän­gen des 21. Jahr­hun­derts aus­ge­rich­tet sein muß. Wir haben schon dar­über gespro­chen, daß Bewah­ren und Erneu­ern die bei­den uralten und grund­le­gen­den mensch­li­chen Ten­den­zen sind. Wenn wir die Gegen­wart und die Zukunft betrach­ten, stel­len wir fest, daß sich bei­de Grund­zü­ge tur­bu­lent ent­wi­ckeln. Tech­no­lo­gie und Wis­sen­schaft schla­gen einen Weg ein, wel­cher der Bewah­rung und Kon­ser­vie­rung eine gerin­ge­re Bedeu­tung bei­mißt als je zuvor. Die quä­len­de Fra­ge lau­tet: Ist die Mensch­heit in der Lage, Selbst­be­schrän­kun­gen zur Gel­tung zu brin­gen, die ver­hin­dern kön­nen, daß sie sich in die fal­sche Rich­tung ent­wikkelt (falls sie es nicht schon längst getan hat)?

Der Phi­lo­soph und Publi­zist László Bogár beschrieb in einem sei- ner Bücher, wie die­se Selbst­be­schrän­kun­gen aus­se­hen müß­ten, damit die Har­mo­nie zwi­schen Bewah­rung und Erneue­rung gewähr­leis­tet blie­be. Eine Erneue­rung müs­se fol­gen­de drei Bedin­gun­gen berück­sich­ti­gen: die Denk­bar­keit (die Erneue­rung soll­te ver­nünf­tig sein), die Umsetz­bar­keit (die Erneue­rung soll­te umsetz­bar sein) und die Tra­die­rung (die Erneue­rung soll­te ver­erb­bar sein). Man könn­te es so for­mu­lie­ren: Der Mensch kann durch die Kon­trol­le sei­ner Links­ten­denz auf der Basis sei­ner Rechts­ten­denz sol­che Selbst­be­schrän­kun­gen insti­tu­tio­na­li­sie­ren. Heu­te spie­len die­se Aspek­te indes kei­ne Rol­le mehr. Die vom stän­di­gen Erneue­rungs­wahn beses­se­ne Welt ist wahl­wei­se unver­nünf­tig, dys­funk­tio­nal oder nicht nach­hal­tig, und im schlimms­ten Fall ist sie alles zugleich.

Wir kön­nen dar­aus zwei Schluß­fol­ge­run­gen zie­hen: Einer­seits ist es not­wen­dig, Insti­tu­tio­nen zu errich­ten, die imstan­de sind, eine Rou­ti­ne der Selbst­be­schrän­kung zu begrün­den. Wenn wir ehr­lich sind, hegen wir ange­sichts des Zustands der Insti­tu­tio­nen der jet­zi­gen Welt­ord­nung, die noch immer im Geis­te des 20. Jahr­hun­derts agie­ren, kei­ne gro­ße Hoff­nung. Sie sind nicht in der Lage, die ent­schei­den­den Pro­ble­me anzu­ge­hen, trotz unzäh­li­ger glo­ba­ler Gip­fel­tref­fen und Kon­fe­ren­zen. Sie ste­hen unter dem Ein­fluß mul­ti­na­tio­na­ler wirt­schaft­li­cher und ideo­lo­gi­scher Netz­wer­ke, deren Inter­es­sen – der wirt­schaft­li­che Pro­fit und die »geis­ti­ge« Herr­schaft – es nicht zulas­sen kön­nen, eine Rou­ti­ne der Selbst­be­schrän­kung zu eta­blie­ren. Unab­hän­gig davon muß man deren Not­wen­dig­keit hier und jetzt betonen.

Die ande­re Kon­se­quenz ist die Fra­ge nach der Wech­sel­sei­tig­keit der Begrif­fe Bewah­rung und Erneue­rung und ihrer poli­ti­schen Zuschrei­bung. »Rechts« und »links« spal­ten, was längst nicht mehr gespal­ten wer­den soll­te. Die Bruch­li­ni­en lau­fen quer zu den alten Lagern: Einen Grü­nen, der sich für nach­hal­ti­ge Ent­wick­lung ein­setzt, oder einen Minen­ar­bei­ter, der das tra­di­tio­nel­le Fami­li­en­mo­dell befür­wor­tet, wür­de die aktu­el­le – aber unzeit­ge­mä­ße – Poli­tik als links bezeich­nen. Eine Per­son aber, die Gen­ma­ni­pu­la­ti­on gut­heißt, den tech­ni­schen Fort­schritt lobt und sich gleich­zei­tig als Anti­kom­mu­nist bezeich­net, wür­de in der Ska­la ganz rechts stehen.

Wir müs­sen das anders ord­nen: Alle, die sich für die Erhal­tung ein­set­zen, sind Ver­tre­ter des moder­nen Kon­ser­va­ti­vis­mus, und all jene, die für die Erneue­rung ste­hen, gehö­ren zum post­mo­der­nen Liberalismus.

Was ver­ste­hen wir genau unter einem moder­nen Kon­ser­va­ti­vis­mus und einem post­mo­der­nen Libe­ra­lis­mus? Und: Sind »moder­ner Kon­ser­va­ti­vis­mus« und »post­mo­der­ner Libe­ra­lis­mus« nicht nur neue Bezeich­nun­gen für das bereits vor­han­de­ne lin­ke und rech­te Spektrum?

Mit Blick auf die gesell­schafts­po­li­ti­sche Lage des 21. Jahr­hun­derts stellt sich der moder­ne Kon­ser­va­ti­vis­mus die Auf­ga­be, eine wirt­schaft­lich und gesell­schaft­lich nach­hal­ti­ge Ent­wick­lung ein­zu­lei­ten und eine  für den Men­schen geis­tig wert­vol­le Kul­tur zu sichern und zu insti­tu­tio­na­li­sie­ren. Der post­mo­der­ne Libe­ra­lis­mus jedoch steht für einen unbe­grenz­ten tech­no­lo­gi­schen und wis­sen­schaft­li­chen Fort­schritt, der die vor­han­de­nen kul­tu­rel­len Rah­men­be­din­gun­gen abschafft, um eine neue Zivi­li­sa­ti­on zu bauen.

Inwie­fern unter­schei­det sich nun der moder­ne Kon­ser­va­ti­vis­mus von einem klas­si­schen oder unse­rem gegen­wär­ti­gen? Die Ant­wort liegt im Blick auf das Ver­hält­nis zwi­schen Ver­gan­gen­heit und Zukunft. Der moder­ne Kon­ser­va­ti­vis­mus rich­tet sei­nen Fokus nicht auf die Ver­gan­gen­heit, son­dern auf die Zukunft. Für den moder­nen Kon­ser­va­ti­vis­mus ist die Ver­gan­gen­heit nicht das Ziel, son­dern die Grund­la­ge. Er möch­te nicht die ver­gan­ge­nen Zei­ten samt ihrer gesell­schaft­lich-wirt­schaft­li­chen Bezie­hun­gen wie­der­be­le­ben. Nicht, weil ihm die­se Absicht unsym­pa­thisch wäre, son­dern weil es dem Wesen der Geschich­te widerspricht.

Die Essenz der Geschich­te liegt in ihrer inno­va­ti­ven Ten­denz. Der Feh­ler der ehe­ma­li­gen Kon­ser­va­ti­ven und somit der Grund ihrer Erfolg­lo­sig­keit ist, daß sie dies nicht berück­sich­tig­ten und sich in eine Art nost­al­gi­schen Schlupf­win­kel zurück­ge­zo­gen haben, um an nicht wie­der­her­stell­ba­ren gesell­schaft­li­chen Struk­tu­ren herumzubasteln.

Der moder­ne Kon­ser­va­ti­vis­mus muß sich an der Zukunft ori­en­tie­ren, aber er darf die drei Bedin­gun­gen der Erneue­rung – Denk­bar­keit, Umsetz­bar­keit und Erhal­tung – nicht außer acht las­sen. Ein erfolg­rei­cher moder­ner Kon­ser­va­ti­vis­mus muß nicht nur den posi­ti­ven Gedan­ken der Rech­ten, die Kraft der Erhal­tung, son­dern auch die posi­ti­ve Eigen­schaft der Lin­ken, die Erneue­rung, ver­tre­ten. Er soll den tech­ni­schen und wis­sen­schaft­li­chen Fort­schritt nicht ableh­nen, son­dern ihn auf stren­ge und ver­ant­wor­tungs­vol­le Art und Wei­se beherr­schen. In den letz­ten Jahr­zehn­ten wur­de die­ser Fort­schritt maßlos.

Des­we­gen muß man auf den schwer­wie­gen­den Feh­ler des post­mo­der­nen Libe­ra­lis­mus hin­wei­sen: näm­lich die Annah­me, daß jeder Fort­schritt etwas Gutes sei. Dies anstel­le der in der Ver­gan­gen­heit wur­zeln­den und ver­al­te­ten Dis­kus­si­on wird mit Sicher­heit fri­schen Wind in die Dis­kus­si­on brin­gen, die rea­li­täts­be­zo­gen und ver­ant­wor­tungs­voll sein muß. Der post­mo­der­ne Libe­ra­lis­mus wird ver­mut­lich der ande­ren Sei­te vor­wer­fen, sie behin­de­re das Kol­lek­tiv dar­in, kon­kur­renz­fä­hig zu wer­den, und eine sol­che Zukunfts­ver­wei­ge­rung zie­he schwe­re wirt­schaft­li­che, gesell­schaft­li­che und poli­ti­sche Kon­se­quen­zen nach sich. Der moder­ne Kon­ser­va­ti­ve hin­ge­gen wür­de in der Debat­te  den gren­zen­lo­sen Fort­schritt sicher­lich zum Grund für einen Kol­laps der mensch­li­chen Zivi­li­sa­ti­on erheben.

In mei­nen frü­he­ren Schrif­ten habe ich mich mit der Fra­ge beschäf­tigt, wie die Furcht des Men­schen vor sei­ner eige­nen Sterb­lich­keit ihn dazu bewog, Kul­tur zu erschaf­fen. Es hat uns zu Men­schen gemacht, daß wir uns von der Natur gelöst und unse­re eige­nen Kul­tu­ren erschaf­fen haben, mit eige­nen, nur für den Men­schen gel­ten­den Geset­zen. Das Pro­blem der Men­schen ist, daß uns unser eige­nes Werk, also die kul­tu­rel­len Rah­men­be­din­gun­gen, aus den Hän­den geglit­ten ist.

Ohne ent­spre­chen­de Selbst­be­schrän­kun­gen wird sich die Geschich­te gegen uns selbst wen­den. Uns könn­te ver­nich­ten, was eigent­lich die Bedin­gung unse­res mensch­li­chen Daseins war: die Kul­tur. Die unkon­trol­lier­te Tur­bu­lenz der kul­tu­rel­len Evo­lu­ti­on bringt uns in eine Lage, die für unse­re bio­lo­gi­schen sowie geis­ti­gen Struk­tu­ren untrag­bar ist. Das Expe­ri­ment der post­mo­der­nen Zivi­li­sa­ti­on will den Kampf gegen Gott und gegen die Natur gleich­zei­tig gewin­nen, aber dies ist offen­sicht­lich zum Schei­tern verurteilt.

Die zukünf­ti­ge Auf­ga­be liegt nicht dar­in, Kul­tur und Zivi­li­sa­ti­on neu zu erfin­den, son­dern das Fort­schrei­ten auf den Grund­la­gen eines sakral­öko­lo- gischen Sys­tems mit sei­nen Selbst­be­schrän­kun­gen und Gegen­ge­wich­ten zu grün­den. Die­ses Ver­ant­wor­tungs­be­wußt­sein hat den moder­nen Kon- ser­va­ti­vis­mus ins Leben geru­fen. Unse­re kul­tu­rel­le Rah­men­set­zung muß ent­lang einer »sakral­öko­lo­gi­schen Ver­fas­sung« erfol­gen. Falls sie es nicht tut, bleibt nur eine Mög­lich­keit: Das »Ver­fas­sungs­ge­richt« der gött­li­chen und natür­li­chen Welt wird sein Urteil über uns fällen.

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