Nachdenken, verstehen, gehen

 Gastbeitrag

Fremde Federn reichen Beiträge ein. Sind sie gut, bringen wir sie.

Nun: Wir haben noch gar nicht ver­stan­den. Und das gilt wohl für fast alle: Der Mensch unse­res Zeit­al­ters hat noch gar nicht ver­stan­den. Was seit dem 21. Jahr­hun­dert nicht nur hier­zu­lan­de, son­dern welt­weit gewis­ser­ma­ßen anthro­po­ky­ber­ne­tisch vor sich geht, und was das Prin­zip, das die­sem Vor­gang zugrun­de liegt, bere­chen­bar macht, kann sich auf einen brei­ten Kon­sens der Gleich­gül­tig­keit und damit der Zustim­mung stüt­zen. Die Bereit­schaft, nicht nur das Regime radi­kal ver­än­der­ter Wirk­lich­kei- ten, son­dern auch des­sen Kurs durch sozia­le und poli­ti­sche Kon­for­mi­tät zu bestä­ti­gen, ist ungebrochen.
Und so läßt das 21. Jahr­hun­dert den Men­schen wenigs­tens drei ganz neue Erfah­run­gen machen: die der Digi­ta­li­sie­rung des Lebens, also die der tota­len Abhän­gig­keit des ein­zel­nen von elek­tro­ni­schen Gerä­ten; dar­aus fol­gend die der tech­ni­schen Ver­net­zung aller mit allem; und zuletzt die der prak­ti­zier­ten Selbst­aus­lö­schung der alten euro­päi­schen Kul­tur­völ­ker unter Miß­ach­tung der Tat­sa­che, daß Mensch­heits­ge­schich­te Ver­drän­gungs­ge­schich­te ist. Bestand der bis­he­ri­ge Ent­wick­lungs­ver­lauf dar­in, dem Empi­ri­schen eine neue Qua­li­tät zu geben, so steht das, was sich im
21. Jahr­hun­dert an Umbrü­chen ereig­net, in der gesam­ten Welt­ge­schich­te ohne Bei­spiel da und trifft die aus his­to­ri­schen Erfah­run­gen erwach­se­ne Gat­tung völ­lig unvorbereitet.
Man bewegt sich in einer Cloud des Unfaß­ba­ren, die erst aus erhöh­ter Distanz als Gebil­de über­haupt sicht­bar wird. Indes­sen bemüht sich der poli­ti­sche Mensch, den die mehr als berech­tig­te Sor­ge um den Erhalt des eige­nen Ver­ban­des sowie der alten Ord­nung alle sei­ne Gedan­ken auf eben die­ses Ziel hin dekre­tiert, das Ver­ste­hen zu umge­hen, es zu igno­rie­ren, ja sich sogar den Wil­len dazu aus Loya­li­tät und Treue zum Eige­nen zu ver­bie­ten. Das Ver­ste­hen des­sen, was momen­tan mit der Welt geschieht, scheint vie­len kaum weni­ger bedroh­lich zu sein als die Sze­na­ri­en sel­ber. Viel­leicht ist hier nach dem Grund zu suchen, wes­halb man sich auch und gera­de inner­halb der Rech­ten scheut, die hoch­kom­ple­xen Ursa­chen der heu­ti­gen Ver­hält­nis­se tat­säch­lich ver­ste­hen zu wollen.
Die enor­me Aggres­si­vi­tät, mit der die zivil­ge­sell­schaft­li­chen Bünd­nis­se jedes zar­te Auf­blü­hen ernst gemein­ter Geg­ner­schaft zu zer­tre­ten ent­schlos­sen sind, zeigt, wie fest im Kol­lek­tiv­ver­hal­ten Furcht und Haß gegen die­je­ni­gen Lebens­ent­wür­fe ver­an­kert lie­gen, die den alten Tugen­den anhän­gen. Hier ste­hen sich nicht bloß ver­schie­de­ne Mei­nun­gen gegen­über, son­dern es kämp­fen zwei Zeit­al­ter in Form zwei­er ant­ago­nis­ti­scher Ethi­ken und Prin­zi­pi­en der uralten mora­li­schen Kate­go­rien von »Gut und Böse« gegeneinander.

Beim AfD-Par­tei­tag in Köln demons­trier­ten viel­leicht 50000 Men­schen (dop­pelt so vie­le, wie die Par­tei Mit­glie­der zählt) zwei Tage lang volks­fest­ar­tig ihre Feind­schaft gegen alles, was den ange­sag­ten Auf­lö­sungs­vi­sio­nen wider­spricht. Fast das gesam­te Regime hat­te gegen die poli­ti­sche Oppo­si­ti­on mobil­ge­macht und wie­der ein­mal laut­hals kund­ge­tan: Das, was ihr erhal­ten wollt, ist uns ein Greul! Und: Wir las­sen uns den Total­um­bau die­ses Lan­des und Kon­ti­nents auf den letz­ten Metern nicht mehr neh­men! Euer Deutsch­land gehört abgeschafft!
Bis heu­te wei­gert man sich in rech­ten Krei­sen mit der allen Milieus eige­nen Selbst­be­zo­gen­heit, ein­mal gründ­lich und umfas­send dar­über nach­zu­den­ken, war­um das so ist und was anthro­po­tech­nisch oder bewußt­s­eins­psy­cho­lo­gisch pas­siert sein muß, damit ein Volk, eine Kul­tur von sich weg will und rigo­ros nach einer Umwer­tung und Neu­in­ter­pre­ta­ti­on des eige­nen Selbst­ver­ständ­nis­ses ver­langt. Und dort, wo sich tat­säch­lich ein­mal jemand um das Ver­ste­hen bemüht, wird er auf ein paar grif­fi­ge Schlag­wor­te redu­ziert und muß zumeist erst (auf­se­hen­er­re­gend) ster­ben, um über­haupt beach­tet zu wer­den; und selbst dann gilt die­se Beach­tung mehr dem »Skan­dal«, den er durch sein »pro­vo­ka­ti­ves Den­ken« aus­ge­löst hat, als dem Den­ken selber.

Statt also ein­mal inne­zu­hal­ten und das Lot in die Tie­fe glei­ten zu las­sen, erbaut man sich lie­ber an ordi­nä­rer Zustands­po­le­mik oder an dem übli­chen, oft erstaun­lich nai­ven par­tei­po­li­ti­schen Opti­mis­mus einer bal­di­gen Regie­rungs­über­nah­me. Natür­lich ist die Fra­ge: »Was gilt es nun zu tun?« erre­gen­der und anspre­chen­der als:
»Wie konn­te oder muß­te es so weit kom­men?« Daher so vie­le Lage­be­rich­te und so wenig Ana­ly­se. Als ob man es bei dem herr­schen­den Staats- und Zeit­geist­kol­lek­tiv bloß mit einem Popanz zu tun habe, der mit einem »ver­nünf­ti­gen Par­tei­pro­gramm« zu ver­scheu­chen wäre!
Jedoch beru­hen erfah­rungs­ge­mäß die meis­ten poli­tisch moti­vier­ten Pro­gno­sen auf Fehl­ein­schät­zun­gen mensch­li­cher Funk­ti­ons­wei­sen: Man schließt von sei­nen eige­nen Prä­fe­ren­zen und Anla­gen auf die aller ande­ren und hält es folg­lich nur für eine Fra­ge der Zeit, bis die von einem sel­ber vor­her­ge­sag­ten Ereig­nis­se ein­tref­fen werden.

Über 40 Jah­re lang hiel­ten ein­ge­fleisch­te Lin­ke den Zusam­men­bruch der kapi­ta­lis­ti­schen Welt mit der glei­chen Über­zeu­gung für aus­ge­macht, wie man­che Rech­te kei­nen Zwei­fel an dem bal­di­gen Nie­der­gang oder Zer­fall der USA – und heu­te Euro­pas – infol­ge von Ras­sen­un­ru­hen hegten.
Die Hoff­nung dar­auf, daß auch das Unwahr­schein­lichs­te ein­tref­fen möge, weil die eige­nen Erwar­tun­gen danach ver­lan­gen, begrün­det den mensch­li­chen Wunsch nach einem prin­zi­pi­ell offe­nen Aus­gang der Geschich­te, wor­in wie­der­um der gat­tungs­be­zo­ge­ne Anspruch auf Wil­lens­frei­heit, die immer auch die indi­vi­du­el­le Hand­lungs­frei­heit unbe­dingt mit­ein­schließt, sei­nen Ursprung hat.

Folg­lich tun sich kul­tu­rell an einen sol­chen Frei­heits­an­spruch gewöhn­te Men­schen schwer damit, die Ereig­nis­lo­gik kau­sa­ler Zusam­men­hän­ge wahr­ha­ben zu wol­len. Denn der Kern jener Hoff­nung besteht eben dar­in, daß alles auch hät­te ganz anders kom­men kön­nen, was die Mög­lich­keit eines grund­sätz­li­chen Wan­dels in die gewünsch­te Rich­tung stets offenläßt.
Und doch gibt es über­all dort eine erkenn­ba­re Logik in der Geschich­te, wo mit hoher Wahr­schein­lich­keit bestimm­te Ereig­nis­se bestimm­te Fol­gen her­vor­ru­fen. Als um 1620 die ers­ten euro­päi­schen Sied­lun­gen in Nord­ame­ri­ka gegrün­det wur­den, war die wei­te­re Ent­wick­lung durch­aus abseh­bar. Die Par­al­le­len zur heu­ti­gen Situa­ti­on sind frap­pie­rend: Denn auch die euro­päi­schen Migran­ten »flüch­te­ten« damals infol­ge eines sich bis ins 20. Jahr­hun­dert rapi­de beschleu­ni­gen­den Bevöl­ke­rungs­wachs­tums vor Armut, Unter­drü­ckung und Krieg aus ihrer Hei­mat nach Über­see, ange­lockt von der Aus­sicht auf ein bes­se­res Leben in einem Land, des­sen enor­mer Reich­tum an Res­sour­cen zur Aus­beu­tung bereitlag.

Und eben­falls waren es die indi­ge­nen Völ­ker, wel­che die Ein­dring­lin­ge zumeist freu­dig will­kom­men hie­ßen, ihnen den Boden berei­te­ten, mit ihnen gegen ande­re Stäm­me pak­tier­ten und den Frem­den ins­ge­samt aller­lei Hil­fe­stel­lung boten, wodurch sich deren Land­nah­me und die dar­auf fol­gen­de Ver­drän­gung und Absorp­ti­on der India­ner samt ihrer Kul­tur in rela­tiv kur­zer Zeit über­haupt erst voll­zie­hen konnte.
Nun heißt Struk­tu­ren auf­zei­gen noch nicht Vor­her­sa­gen tref­fen. Doch in der Natur herrscht durch­aus kei­ne Will­kür. Evo­lu­ti­on ist das Ergeb­nis bestimm­ter Regeln, die, hat man sie erst ein­mal ver­stan­den, Ver­laufs­wahr­schein­lich­kei­ten zulas­sen. Des­halb war es frei­lich kein Kunst­stück, bereits in den frü­hen 1990er Jah­ren fest­zu­stel­len, daß sich die hoch­in­dus­tria­li­sier­ten Län­der wie Deutsch­land in einer »demo­gra­phi­schen Zwick­müh­le« befän­den, die leicht »zum Ver­lust ihrer kul­tu­rel­len Iden­ti­tä­ten füh­ren« kön­ne, wie etwa Mein­hard Mie­gel prophezeite.

Wer die Vor­aus­set­zun­gen kennt, kann auch deren Fol­gen abschät­zen. Vie­les ist eine Fra­ge der Bio­lo­gie, des Ver­brauchs von Kräf­ten, sozia­ler Muta­tio­nen. Tat­säch­lich gibt es so etwas wie eine poli­ti­sche Kyber­ne­tik. Mag der Mensch als orga­ni­scher Appa­rat auch noch so kom­pli­ziert auf­ge­baut sein, als Gat­tungs­ex­em­plar, das sei­ner Natur unter­steht, ist er eben­sol­eicht zu »berech­nen« wie jedes ande­re Tier.
Die wich­tigs­ten Begrif­fe zum Ver­ständ­nis des­sen, was sich mit hoher Wahr­schein­lich­keit durch die Digi­ta­li­sie­rung der Welt mit dem Men­schen ereig­net, haben bereits in den 1950er Jah­ren Aus­nah­me­ma­the­ma­ti­ker wie John von Neu­mann geschaf­fen. Ange­sichts der immer kür­zer wer­den­den Inter­val­le sich ablö­sen­der Kom­mu­ni­ka­ti­ons­tech­ni­ken müs­se die­ser Pro­zeß not­wen­dig auf eine Art Sin­gu­la­ri­tät sich sel­ber repro­du­zie­ren­der Tech­ni­ken hin­aus­lau­fen. Die­se Form der Epi­ge­ne­tik könn­te frei­lich auch als Erklä­rungs­mo­dell für das Ver­hal­ten von Kol­lek­ti­ven wie Natio­nen dienen.

Als Zusam­men­schluß zel­lu­lä­rer Auto­ma­ten funk­tio­nie­ren mensch­li­che Gesell­schaf­ten nicht viel anders als hoch­kom­ple­xe Amei­sen­ko­lo­nien. Wie groß ist doch der Unter­schied zwi­schen Regeln­be­fol­gen und Ver­ste­hen! Im neu­ro­na­len Netz des Gehirns sind grund­le­gen­de Denk­pro­zes­se zu sta­ti­schen Mus­tern codiert, die als Impuls­fol­gen über­tra­gen wer­den, etwa wie in einer Par­ti­tur Musik codiert ist durch Inter­val­le zwi­schen den Noten. Inso­fern sind alle Gesell­schaf­ten selbst­re­gu­lie­ren­de Orga­nis­men, deren Bezugs­sys­tem das eige­ne, ererb­te Pro­gramm ist. Im Lau­fe die­ser Dyna­mik treibt auch der zel­lu­lä­re Appa­rat Mensch sein Inne­res nach außen, das heißt: er gestal­tet sei­ne Umge­bung jenem Mus­ter gemäß, das sich als Human­tech­nik in ihm offenbart.

Die Funk­tio­na­li­tät sei­ner Natur wird durch ihn tech­nisch nach­ge­bil­det zu einem Lebens­raum, in dem Ich und Welt kei­ne Gegen­sät­ze mehr bil­den. Allein, die gat­tungs­spe­zi­fi­sche Fle­xi­bi­li­tät des Men­schen ermög­licht eine sol­che Muta­ti­on nicht nur, son­dern for­dert sie sogar. Die­ser Vor­gang geschieht mit ihm, wie »Lie­be« oder »Lüs­te« gesche­hen, und sämt­li­che lebens­tüch­ti­gen Instink­te schlie­ßen sich die­sem Gesche­hen an, wäh­rend alle stö­ren- den Regun­gen unter­drückt und als kör­per­feind­li­che Sym­pto­me vom Rest bekämpft wer­den. – Die Illu­si­on indi­vi­du­el­ler Auto­no­mie konn­te nur so lan­ge bestehen, wie es dem beob­ach­ten­den Sub­jekt an Trans­pa­renz fehlte.
Auch in die­ser Hin­sicht dürf­te sich die gesam­te Gat­tung, allen vor­an aber der abend­län­di­sche Mensch, umge­wöh­nen müs­sen. Das Poten­ti­al des Zufalls wird nach und nach aus den kom­men­den Din­gen her­aus­ge­fil­tert, je mehr die Ereig­nis­se und Abläu­fe digi­ta­len Steue­run­gen unter­lie­gen. Denn mit fort­schrei­ten­der Mathe­ma­ti­sie­rung des Lebens wer­den Mensch und Welt bere­chen­ba­rer, ohne daß damit von vorn­her­ein böse Absich­ten ver­bun­den wären – voll­zie­hen sich die­se Pro­zes­se doch im vol­len Ein­ver­ständ­nis ihrer Betrei­ber und Nutzer.

Denn nichts von all dem, was sich der­zeit an tech­ni­schen Umbrü­chen mit Mensch und Welt ereig­net, geschieht unge­wollt. Viel­mehr scheint es, als sprä­che die Gat­tung sich der­zeit erst­mals rein aus der See­le und habe folg­lich jedes Recht, sich über alle Son­der­in­ter­es­sen hin­weg­zu­set­zen. Das Gesamt­mensch­li­che akti­viert sich über­all dort, wo der ein­zel­ne man­gels Alter­na­ti­ven nur noch sei­ner pri­mä­ren Natur gehor­chen will.
Wer den Men­schen in sei­nen bio­lo­gi­schen Grund­struk­tu­ren genau­er kennt, kann ein­schät­zen, wie die­ser sich in wel­chen Situa­tio­nen ver­hal­ten wird.

Er weiß ihn auf­grund sei­ner Kennt­nis­se – also auf­grund der Kennt­nis­se über sich sel­ber – posi­tiv wie nega­tiv zu mani­pu­lie­ren. Nichts ande­res fin­det täg­lich statt in einem Sys­tem, das auf per­ma­nen­tem Infor­ma­ti­ons­aus­tausch basiert. Die Men­schen, die ein sol­ches Sys­tem erschaf­fen haben, machen gar kei­nen Hehl mehr dar­aus, daß erst der Schwarm, des­sen Teil sie sind und sein wol­len, in das ver­lo­re­ne Glück einer instinkt­si­che­ren Welt zurück­führt. Man muß sich schon ganz dar­auf ein­las­sen, um das gera­de­zu Archa­isch-Kol­lek­ti­vie­ren­de die­ser Sub­jekt-Objekt-Trans­for­ma­ti­on voll­ends genie­ßen zu kön­nen. Je trans­pa­ren­ter ein Sys­tem, des­to mehr Erkennt­nis­se las­sen sich dar­über gewin­nen. Und je mehr Erkennt­nis­se über ein Sys­tem vor­lie­gen, des­to bere­chen­ba­rer ist es.

Dabei bil­det der ein­zel­ne Mensch die kleins­te Sys­tem­ein­heit. Wer also über genü­gend Men­schen­kennt­nis­se ver­fügt, wird die Mecha­nis­men mensch­li­cher Sys­te­me nicht mehr für unbe­re­chen­bar halten.
Auf­fäl­lig ist, daß die Erfin­der, Gestal­ter und Moto­ren des digi­ta­len Welt­al­ters fast aus­schließ­lich wei­ße Män­ner angel­säch­sisch-deutsch-jüdi­scher Her­kunft sind. Kein roma­ni­scher, nicht ein­mal ein ost­asia­ti­scher Name fin­det sich dar­un­ter, geschwei­ge denn ein ara­bi­scher oder afri­ka­ni­scher. Auch fehlt es fast gänz­lich an Frau­en. Die­se Män­ner also hei­ßen Tim Pater­son (MS-DOS), Lee Fel­sen­stein (Kon­struk­teur des ers­ten por­ta­blen Com­pu­ters), Ste­ve Jobs (Apple), Bill Gates (Micro­soft), Lar­ry Tess­ler (Human­com­pu­ter inter­ac­tion), Mark Zucker­berg, Mike Schro­e­pfer (bei­de Face­book), Astro Tel­ler (Goog­le X), Sebas­ti­an Thun (Goog­le, Erfin­der der Self­dri­ving cars).

Das Phä­no­men einer sol­chen Häu­fung ist kul­tur­psy­cho­lo­gisch viel­leicht nicht unin­ter­es­sant, han­delt es sich bei Deut­schen und Juden doch um die­je­ni­gen »Stäm­me« mit der tra­di­tio­nell höchs­ten Selbst­miß­bil­li­gungs­be­reit­schaft, wor­aus sich mög­li­cher­wei­se der enor­me Eifer erklärt, mit der gera­de von die­sen bei­den Kul­tu­ren seit Genera­tio­nen an der Neu­schöp­fung der Welt gear­bei­tet wird.
Sobald man aber weiß, wie ein Sys­tem funk­tio­niert, und sei es das kom­pli­zier­tes­te, ver­liert es sei­nen Reiz, denn von nun an ist davon kei­ne Spon­ta­nei­tät, nichts Über­ra­schen­des mehr zu erwar­ten. Alle Abläu­fe erge­hen und erschöp­fen sich in Wie­der­ho­lun­gen, die aber nur zu bemer­ken scheint, wer nicht sel­ber Teil jener Mecha­nis­men ist.

Die Vor­gän­ge haben sich ein­ge­spielt, ihren Rhyth­mus gefun­den, wor­in sie ihren urei­ge­nen Zweck erfül­len, wes­halb die dar­an Betei­lig­ten auch nicht an sich sel­ber ermü­den. Wer heu­te das Radio oder den Fern­se­her ein­schal­tet, erlebt das Sys­te­ma­ti­sche die­ses Regimes in sei­ner Voll­endung: Sämt­li­che The­men sind bis ins Detail ihrer Behand­lung hin­ein vor­her­seh­bar, der Jar­gon, die Redens­ar­ten, das Phra­sen­ge­men­ge bald jeder betrieb­li­chen Aus­sa­ge ver­rät sofort die Absicht ihrer Auf­trag­ge­ber, Adep­ten, Mit­läu­fer, Pro­fi­teu­re, Manipulationsmultiplikatoren.

Das Geheim­nis­vol­le und Fas­zi­nie­ren­de einer sol­cher­ma­ßen kom­plett sys­te­ma­ti­sier­ten Welt besteht nur noch in der Dyna­mik jener auto­re­pro­duk­ti­ven Pro­zes­se, deren ver­füh­re­risch-bezwin­gen­der Natur zur Anpas­sung an das jeweils Erfor­der­li­che sich kaum jemand ent­zie­hen kann. Es ist längst zum Merk­mal post­kul­tu­rel­ler Lebens­tüch­tig­keit gewor­den, sich sei­nen Platz im medi­al gesteu­er­ten Dasein­s­zir­kus vom Zeit­ge­mä­ßen oder aktu­ell Vor­ge­fun­de­nen anwei­sen zu lassen.

Wer Mensch und Welt ver­stan­den hät­te, wür­de an deren Gepflo­gen­hei­ten gar nicht mehr teil­neh­men wol­len, weil ihm die Lust für den Sinn und Zweck dar­an ver­lo­ren gegan­gen wäre. Jedes gesell­schaft­lich enga­gier­te Tun, jeder Akti­vis­mus, beson­ders im Poli­ti­schen und Reli­giö­sen, setzt das Unver­stan­de­ne sei­nes Grun­des unbe­dingt vor­aus. Erst aus dem Unver­stan­de­nen und damit Offe­nen einer Sache erwächst die nöti­ge Mo- tiva­ti­on, sich dar­an zu ver­schen­ken, sich ihr zuge­hö­rig zu füh­len, eben weil man es allein dem Unver­stan­de­nen gegen­über bei die­ser Emo­tio­na­li­tät belas­sen kann. Das Unver­stan­de­ne öff­net den Spiel­raum für Mei­nun­gen glei­cher­ma­ßen, wie das Ver­stan­de­ne ihn schließt. – Nun denn: Gut,
daß wir noch nicht ver­stan­den haben.

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