Sezession
1. Dezember 2017

Georgs Mimikry

Ellen Kositza

Ellen Kositza

Ellen Kositza ist Literatur-Redakteurin und Mutter von sieben Kindern.

Dies hier ist kein Scherz. Es ist ein Photo, das es höchst ernsthaft zu enträtseln gilt. Einiges, die Oberfläche, wäre sehr einfach herauszufinden: Der eine Typ muß doch dieser Kubitschek sein! Auf der Buchmesse! Ja, das war leicht. Nach Eingabe von »Kubitschek Buchmesse« führt  uns die digitale Suchmaschine zu gut 58000 Fundstellen. Noch drastischer: Es ist gar keine Fundstelle zu einer Gesamtschau der Frankfurter Buchmesse 2017 zu finden, die ohne die Stichworte »Kubitschek« oder »Verlag Antaios« auskommt. Soll man nochmal die Begebenheiten rekapitulieren?

Wie der Börsenverein des deutschen Buchhandels als Veranstalter der Messe nach  außen hin »Meinungsfreiheit auch für rechte Verlage« proklamierte, in den Hallen (genauer gesagt rund um einen Stand in Halle 3.1) jedoch sich nicht entblödete, einen krawattig-steifen Zwölfmannumzug mit ordentlichen Schildern »Gegen Rassismus« und »Für Freiheit und Vielfalt« zu veranstalten?

Wie die einschlägig linke »Amadeu-Antonio-Stiftung« (AAS) einen Gratisstand gegenüber dem Antaiosverlag zugewiesen bekam? Wie ich selbst (nachdem ich gelesen hatte, die AAS behauptet, wir  verweigerten den Dialog) ein offenes Forum (Bonus: die dürfen bestimmen, wer von jeder Seite auftritt und wer die Moderation übernimmt) angeboten hatte, aber beschieden wurde, »über dieses Stöckchen« eines  öffentlichen  Meinungsaustausches springe man nicht?

Wie die Antaios- Mitarbeiter allmorgendlich ihren Stand in diesen bewachten Hallen »verändert« vorfanden? Durch Kaffeesatz und Zahnpasta verunziert, durch professionell gestaltete  Klebeflächen (»Zu Risiken und Nebenwirkungen dieser Bücher befragen Sie Geschichtsbücher oder ihre Großeltern« – na, gern!) verfremdet? Wie Lesungen aus Antaiosbüchern und Gespräche mit Autoren in einer zusätzlich angemieteten Arena durch massive linke Störtruppen erschwert und letztlich verunmöglicht wurden?

Wie es erst per Twittergewitter hieß, von unserer Seite seien vielfach, dann: einmalig, dann: gar nicht (die multipel vorliegenden Tonspuren gaben es nicht her) »Sieg-Heil«-Rufe erklungen? Wie erst kolportiert wurde, daß ein »Antaios-Sicherheitsmann« einen harmlosen Demonstranten niedergerungen habe, bis klar wurde, daß es erstens gar keinen Antaios-Sicherheitsmann gab, zweitens der Niederringer ein Securitytyp der Buchmesse und drittens der Niedergerungene einer war, der eine bekannte linke Nummer ist und sich viertens den Anweisungen der Polizei widersetzt hatte?

Nein. Es soll hier allein um diesen abgebildeten Augenblick der Wahrheit gehen. Was sehen wir? Einen Messegang. In dessen Mitte Götz Kubitschek, Leiter des Antaios Verlags, daneben Georg. Georg war immer zur Stelle, an jedem Messetag. Zu ihm gleich mehr. Links im Messegang heißt es flankierend »Danke!«, rechts sehen wir den Schriftzug »Droste«. Was soll das? »Danke« erklärt sich womöglich von selbst. »Droste« nun ist die niederdeutsche Form des populäreren »Truchseß«. Etymologisch war der Truchseß der, der dem Tross vorsteht. Wie, »Tross?«


Ellen Kositza

Ellen Kositza ist Literatur-Redakteurin und Mutter von sieben Kindern.

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