Geförderte Zerrüttung

 Gastbeitrag

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Die­ser letz­te Text aus einer Drei­er­se­rie zum The­ma »Geschlecht und die Rech­te« soll­te eigent­lich den Ent­wurf einer Geschlech­ter­po­li­tik für das rech­te Lager beinhal­ten und den Titel »Mann-Frau. Eine Wie­der-Holung« tra­gen. Die Ereig­nis­se haben die­se pro­gram­ma­ti­schen Über­le­gun­gen in den Hin­ter­grund tre­ten las­sen − die durch den Femi­nis­mus for­cier­te Front­stel­lung der Geschlech­ter hat, unter ande­rem im Gefol­ge der Wein­stein-Affä­re, eine neue Qua­li­tät erreicht.

Es lohnt sich, näher ins Auge zu fas­sen, wie die­se Front­stel­lung durch aktu­el­le (Meta-)Politik geför­dert und ver­tieft wird.
Der Grad der Ent­frem­dung zwi­schen den Geschlech­tern, der mitt­ler­wei­le erzeugt wor­den ist, läßt sich viel­leicht am bes­ten am Phä­no­men des Mel­dens beschrei­ben. Die­ses hat in der letz­ten Zeit ver­blüf­fen­de Blü­ten getrie­ben, die aller­dings die einer fleisch­fres­sen­den Pflan­ze sind. »Mel­den« bezeich­net neu­er­dings einen Vor­gang, bei dem eine Frau (meist bzw. in der Pra­xis so gut wie immer) einen Mann bei einer (meist) halb­staat­li­chen, jeden­falls aus Steu­er­gel­dern finan­zier­ten Stel­le oder im Inter­net wegen eines belie­bi­gen uner­wünsch­ten Ver­hal­tens denunziert.
In Deutsch­land steht dafür die zum 11. Okto­ber, dem Inter­na­tio­na­len Mäd­chen­tag, gestar­te­te Face­book-App »kei­ne kleinigkeit.de« zur Ver­fü­gung, wäh­rend man, eben­falls seit die­sem Ter­min, sei­ne Empö­rung über »sexis­ti­sche« Wer­bung auf der Web­sei­te werbemelder.in bei Pink­stinks los­wer­den kann, einer Orga­ni­sa­ti­on, die ihre Exis­tenz­be­rech­ti­gung dar­in sieht, sol­che Wer­bung anzu­pran­gern und gesetz­lich unter­bin­den zu lassen.

Das Bild des Pran­gers, das im letz­ten Arti­kel zitiert wur­de, gewinnt mit erschre­cken­der Geschwin­dig­keit an Aktua­li­tät. Es ist das neue Kol­lek­tiv­sym­bol einer Kul­tur des öffent­li­chen Beschä­mens (Public shaming). Daß der Pran­ger nicht mehr auf dem Mark­platz, son­dern im Inter­net steht, ver­bes­sert die Sache nicht. Es ver­viel­facht die Zuschau­er und stellt den Vor­gang auf Dau­er. Konn­te der Delin­quent den phy­si­schen Pran­ger ver­las­sen und dar­auf hof­fen, daß über die pein­li­che Ange­le­gen­heit Gras wach­sen wer­de und daß sie im Nach­bar­ort viel­leicht gar nicht publik gewor­den sei, so ist es damit vor­bei. Das Netz »ver­gißt nichts«. Das ist im wesent­li­chen gesagt wor­den. Was nicht gesagt wor­den ist: Der- zeit ste­hen dar­in (fast) nur Männer.
Deren Stig­ma­ti­sie­rung erfolgt nicht etwa auf­grund nach­weis­bar jus­ti­zia­blen Ver­hal­tens, son­dern durch belie­bi­ge Per­so­nen, die belie­bi­ge Vor­fäl­le uner­träg­lich finden.

Und das geht so: »Jedes Mal, wenn du dich durch einen Kom­men­tar zu dei­nem Kör­per und Aus­se­hen, durch Nach­pfei­fen, Grab­schen oder was auch immer sexu­ell beläs­tigst fühlst, drückst du den But­ton in unse­rer App oder mel­dest den Vor­fall auf unse­rer Web­site. Dabei ist egal, ob die Beläs­ti­gung von Bekann­ten, Frem­den, Kol­le­gen oder jeman­dem aus der Fami­lie aus­geht. Beläs­ti­gung ist, was dich beläs­tigt und kei­ne Klei­nig­keit« (keinekleinigkeit.de; Her­vor­he­bung S. L.). Hal­ten wir fest: der Begriff Beläs­ti­gung wird nicht defi­niert, die Mel­dung erfolgt anonym (eine gro­be Zuord­nung nach Rubri­ken wie »Beläs­ti­gun­gen mit Wor­ten«, »Beläs­ti­gun­gen ohne Wor­te«, »Beläs­ti­gun­gen durch Exhi­bi­tio­nis­mus« kann, muß aber nicht getrof­fen werden).

Nie­mand kann kon­trol­lie­ren, ob der »Vor­fall« über­haupt statt­ge­fun­den hat, geschwei­ge denn, wie er statt­ge­fun­den hat. Die Vor­fäl­le sind ohne Kon- trol­le belie­big mul­ti­pli­zier­bar. Das ist beson­ders absurd ange­sichts der Tat­sa­che, daß es das erklär­te Ziel ist, »auf die hohe Dun­kel­zif­fer sexu­el­ler Beläs­ti­gung im All­tag auf­merk­sam zu machen und die­se abzu­bil­den« (keinekleinigkeit.de). Eine Agen­da, die zum frei­en Erfin­den von Vor­fäl­len gera­de­zu ermu­tigt, ist voll­kom­men unge­eig­net, eine Dun­kel­zif­fer abzubilden.

Sie läßt kei­ne wie immer gear­te­ten Schlüs­se zu. Das gilt eben­so von den sich explo­si­ons­ar­tig ver­brei­ten­den Hash­tags wie #My- Har­vey­Wein­stein (Anne T. Dona­hue), #balan­ce­ton­porc (San­dra Muel­ler), #metoo (Alys­sa Mila­no) und #howI­will­chan­ge.

Die ers­ten sol­len mög­lichst vie­le Frau­en dazu ani­mie­ren, ihre Erleb­nis­se mit sexu­el­ler Beläs­ti­gung zu schil­dern. Es ist cha­rak­te­ris­tisch, daß es eine Schau­spie­le­rin und zwei Jour­na­lis­tin­nen sind, die die­se Hash­tags auf den Weg gebracht haben. #howI­will­chan­ge wie­der­um, die männ­li­che Ant­wort dar­auf, wur­de von dem aus­tra­li­schen Autor Ben­ja­min Law initi­iert. Das ist inso­fern pikant, als Law, was die »Beläs­ti­gung« von Frau­en betrifft, nicht unter Ver­dacht ste­hen dürfte.

Er ist beken­nend schwul. Soweit ich sehe, hat bis­lang kein hete­ro­se­xu­el­ler Mann per Rau­ten­zei­chen in den Mei­nungs­kampf ein­ge­grif­fen. Wie sehr die Kam­pa­gne medi­al befeu­ert wird, zeigt ein Blick auf die Inter­net­sei­te der Süd­deut­schen Zeitung, wo ein Arti­kel den ande­ren jagt. Das Ziel dabei for­mu­liert in schö­ner Ein­deu­tig­keit die Femi­nis­tin Anne Wizo­rek, die den #Auf­schrei gegen den bedau­erns­wer­ten Rai­ner Brü­der­le los­ge­tre­ten hat­te. »Mir geht es zu wenig um Kri­tik am gesell­schaft­li­chen Nähr­bo­den, auf dem Sexis­mus und damit sexu­el­le Gewalt über­haupt gedei­hen können.

Genau­so soll­ten wir drin­gend über Prä­ven­ti­on spre­chen. Wir ver­mit­teln ja bereits unsern Kin­dern Geschlech­ter­rol­len, die ein Macht­ge­fäl­le zwi­schen Jun­gen und Mäd­chen zemen­tie­ren.« (Han­nah Beit­zer: »Mir geht es zu wenig um Kri­tik am gesell­schaft­li­chen Nähr­bo­den«, in: sueddeutsche.de vom 14. Ok- tober 2017) Hier kom­men wir zum Kern der Sache. Ange­grif­fen wird unter dem Vor­wand, gegen unde­fi­nier­te »Beläs­ti­gung« vor­zu­ge­hen, das, was von klas­si­schen Geschlechts­rol­len noch übrig ist, die undif­fe­ren­ziert im Sin­ne männ­li­cher Domi­nanz auf­ge­faßt werden.

Geht man die Kom­men­ta­re durch, wird schnell klar, daß unter »Beläs­ti­gung« die unter­schied­lichs­ten Kom­mu­ni­ka­ti­ons­ak­te zusam­men­ge­faßt wer­den, wobei teil­wei­se nicht ein­mal klar ist, ob es sich um absichts­vol­les Tun han­delt. Anstrei­fen, zuzwin­kern, ein freund­li­ches Kom­pli­ment, der Vor­schlag, Tele­phon­num­mern aus­zu­tau­schen, eine Essens­ein­la­dung fal­len offen­bar eben­so dar­un­ter wie gröbs­te Hand­greif­lich­kei­ten bis hin zur Ver­ge­wal­ti­gung. Harm­lo­se All­tags­re­ak­tio­nen wer­den dadurch kri­mi­na­li­siert; sie fin­den sich plötz­lich auf einer Ska­la mit einem Ver­bre­chen wie Ver­ge­wal­ti­gung wie­der. Umge­kehrt wird Ver­ge­wal­ti­gung ver­harm­lost, wenn sie als Stei­ge­rungs­stu­fe anzüg­li­cher Bli­cke oder Bemer­kun­gen erscheint.

Die sug­ge­rier­te Kon­ti­nui­tät exis­tiert nicht: Weder führt anzüg­li­ches Ver­hal­ten zu Ver­ge­wal­ti­gun­gen, noch geht einer Ver­ge­wal­ti­gung zwangs­läu­fig anzüg­li­ches Ver­hal­ten vor­aus. Der Ver­such, hier einen über­grei­fen­den Zusam­men­hang zu kon­stru­ie­ren, indem all dies in einen Topf gewor­fen wird, zielt auf nichts weni­ger als eine umfas­sen­de De-Nor­ma­li­sie­rung männ­li­chen Ver­hal­tens ab. Das gesam­te Ver­hal­tens­re­per­toire wird Gegen­stand von wahl­wei­se mora­li­scher Ver­ur­tei­lung, Kri­mi­na­li­sie­rung oder Patho­lo­gi­sie­rung. Geschaf­fen wer­den dabei Kata­lo­ge männ­li­chen Ver­hal­tens, die mit­tel­al­ter­li­chen Las­ter­ka­ta­lo­gen glei­chen, mit dem Unter­schied, daß ihnen kein Tugend­ka­ta­log mehr gegenübersteht.

Vom Man­s­prea­ding zum Mans­p­lai­ning tau­chen neue offen­si­ve Ver­hal­tens­wei­sen auf, zu denen beson­ders auch die gezählt wer­den, die frü­her schlicht als höf­lich gal­ten: das In-den-Man­tel-Hel­fen, Tür-Auf­hal­ten usw. kann stets als Atta­cke auf die Auto­no­mie der Frau gedeu­tet wer­den. (Ein Bekann­ter berich­te­te mir ein ein­schlä­gi­ges Erleb­nis: Als er in einem über­füll­ten Hör­saal auf­stand, um einer Stu­den­tin sei­nen Platz anzu­bie­ten, fuhr die ihn an, sie sei doch nicht behin­dert.) Den kul­tur­wis­sen­schaft­lich vor­be­las­te­ten Leser erin­nert dies viel­leicht an einen Pro­zeß, den Michel Fou­cault die »Ein­pflan­zung der Las­ter« nann­te. Die in den detail­lier­ten Beicht­ka­ta­lo­gen der katho­li­schen Kir­che abge­frag­ten sexu­el­len Prak­ti­ken hät­ten erst durch die­se Abfra­ge ihr Pro­fil und damit den Sta­tus eines benenn­ba­ren »Pro­blems« erhalten.

Ver­gleich­bar ver­hält es sich hier, wenn für breit­bei­ni­ges Dasit­zen von Män­nern plötz­lich ein Wort benö­tigt wird. Die Schaf­fung von Neo­lo­gis­men zeigt im all­ge­mei­nen einen Bedarf an. Die katho­li­sche Kir­che streb­te nach mög­lichst voll­stän­di­ger Kon­trol­le des All­tags­le­bens ihrer Schäf­chen. Als hier­ar­chisch struk­tu­rier­te und all­ge­gen­wär­ti­ge Orga­ni­sa­ti­on ver­trat sie die­sen Anspruch in unüber­seh­ba­rer Wei­se und bot damit auch auf­kei­men­dem Wider­stand ein kla­res Ziel. Aber für wes­sen Bedarf wer­den Begrif­fe wie mans­p­lai­ning geprägt und männ­li­che Ver­hal­tens­wei­sen kata­lo­gi­siert? Geför­dert vom Fami­li­en­mi­nis­te­ri­um (Pink­stinks) und von der HTW Ber­lin (kei­ne­Klei­nig­keit), bie­ten bei­de Orga­ni­sa­tio­nen schö­ne Exem­pel für den »Beu­te­wert des Staa­tes« bzw. der öffent­li­chen Hand – aber wer ist die Kli­en­tel die­ser Geschlechterinquisition

Die Mache­rin­nen, bei­des Geis­tes­wis­sen­schaft­le­rin­nen, erhe­ben sich zu Spre­che­rin­nen aller Frau­en, ver­tre­ten aber in ers­ter Linie sich selbst und ihr engs­tes ideo­lo­gi­sches Umfeld. Die Schöp­fer der Hash­tags wie­der­um stam­men, wie wir gese­hen haben, aus den Medi­en, der Film­bran­che und in einem Fall zusätz­lich der Schwu­len­sze­ne, also sehr spe­zi­el­len und ent­schie­den links domi­nier­ten gesell­schaft­li­chen Fel­dern. Von die­ser Sei­te strebt man ganz unge­niert danach, die geschlechts­spe­zi­fi­schen und inti­men Ver­hal­tens­mus­ter von euro­päi­schen und (wei­ßen) ame­ri­ka­ni­schen Män­nern umzu­krem­peln. Wer sich dage­gen zur Wehr setzt, hat das Pro­blem, es nicht mit einer angreif­ba­ren Insti­tu­ti­on, son­dern mit dem oben beschrie­be­nen Zusam­men­hang dif­fu­ser Inter­es­sen­grup­pen zu tun zu haben.

Bemer­kens­wert ist die Exis­tenz von »male femi­nists«, die sol­che Unter­neh­men unter­stüt­zen und etwa auch auf den Sei­ten von Pink­stinks in einer eige­nen Rubrik das Wort ergrei­fen. Sie fal­len unter die Kate­go­rie der »Stell­ver­tre­ter­mi­no­ri­tä­ren« (Bet­ti­na Gru­ber), also von Leu­ten, die einer Min­der­heit nicht ange­hö­ren, deren rea­le oder ver­meint­li­che Inter­es­sen dafür aber drei­mal so laut­stark unter­stüt­zen. Im Gegen­satz zu eth­ni­schen Min­der­hei­ten ver­tra­ten Frau­en sich bis­lang im all­ge­mei­nen selbst, der typi­sche Stell­ver­tre­ter war eher für ers­te­re zuständig.

Sein Auf­tau­chen scheint mir ein Indiz für den enor­men Macht- und Sta­tus­ge­winn der Gen­der-Ideo­lo­gie zu sein: Auch Frau­en sind nun­mehr (in einer Situa­ti­on, in der sie, jeden­falls in west­li­chen Län­dern, wirt­schaft­lich, juris­tisch und sozi­al so gut gestellt sind wie nie zuvor) in den Kreis der zer­ti­fi­zier­ten Ver­damm­ten die­ser Erde auf­ge­nom­men. Das bedeu­tet: sich zu ihren (femi­nis­tisch vor­ge­ge­be­nen) Inter­es­sen zu beken­nen, erbringt mora­li­schen Mehr- wert (idea­lis­ti­sche Moti­ve sind natür­lich nicht ausgeschlossen).

Die For­mu­lie­run­gen, mit denen Män­ner erklä­ren, war­um sie sich auf­ge­ru­fen füh­len, die­se Rol­le ein­zu­neh­men, sind ste­reo­typ: »Ich bin als wei­ßer, hete­ro­se­xu­el­ler cis-Mann, der in Deutsch­land lebt und arbei­tet, Teil einer der pri­vi­le­gier­tes­ten Grup­pen von Men­schen, die es welt­weilt gibt. Ich wer­de in der Regel nicht dis­kri­mi­niert. Im Gegen­teil: Ich bin mehr Teil der Ursa­che von Dis­kri­mi­nie­rung, als Teil der Lösung.« Man müs­se sich daher »sei­nes Pri­vi­legs bewusst« sein und die­ses nut­zen, »um eben die­ses Pri­vi­leg zu kri­ti­sie­ren.« (Robert Fran­ken: »Vom Pri­vi­leg des Femi­nis­ten«, in: pinkstinks.de vom 10. Juli 2017)

Hier wird ersicht­lich, was die Per­spek­ti­ve die­ser Män­ner mit der Pra­xis des »Mel­dens« zu tun hat: Sie mel­den sich dem Welt­ge­wis­sen und der Mensch­heit gewis­ser­ma­ßen gleich selbst als abschaf­fungs­wür­di­ge Pro­fi­teu­re ihrer Ras­se und ihres Geschlechts. Wie das in der Anwen­dung aus­sieht, demons­triert wie- der ein­mal ein Blick nach Über­see. In einem Blog des Sci­en­ti­fic Ame­ri­can erreicht die­se Hal­tung unge­ahn­te Höhen (oder Tie­fen): Aus der Feder von Bas­ti­an Gres­ha­ke Tzo­va­ras erging am 10. Okto­ber 2017 als Emp­feh­lung an die Män­ner: »Mund hal­ten, zurück­leh­nen und zuhören«.

Denn für Frau­en, die in den natur­wis­sen­schaft­li­chen Fächern Schwie­rig­kei­ten haben, gilt nicht etwa, daß sie sich mehr anstren­gen müß­ten oder viel­leicht im fal­schen Fach sind, son­dern: »STEM [eng­lisch für MINT-Fächer] has fai­led them«, ein Wort­spiel mit »jeman­den durch­fal­len« und »jeman­den im Stich las­sen« oder »ent­täu­schen«. »But how can men help to faci­li­ta­te chan­ge and sup­port women in STEM? All the things I try to imple­ment are the result of lis­tening to women – who sacri­fi­ced their spa­re time to edu­ca­te me – and taking their advice. Thus, may­be the sin­gle best, most action­ab­le thing is this: step back, shut up. Give women space, and lis­ten to them.«

In die­ser aggres­siv-päd­ago­gi­schen Ton­art geht es wei­ter. Das männ­li­che Sub­jekt erteilt sich detail­lier­te Anwei­sun­gen zu sei­ner Abschaf­fung, ver­langt die Auf­stel­lung eines Ver­hal­tens-Kodex (z. B. für die Zusam­men­ar­beit im Labor) und will, sein eige­ner Grund­schul­leh­rer, das »gute Beneh­men« in der wis­sen­schaft­li­chen Gemein­de erzwin­gen (»rein­for­ce«). Die­se Gesän­ge der Unter­wer­fung lau­fen dar­auf hin­aus, jedes nor­ma­le männ­li­che Kon­kur­renz­ver­hal­ten, sofern es sich gegen Frau­en rich­tet, als sexis­tisch zu tabuisieren.

Was aber gilt über­haupt als Sexis­mus? Die weit­ge­faß­ten Defi­ni­tio­nen bestim­men ihn nicht ein­fach als abwer­ten­des Ver­hal­ten oder Han­deln gegen­über einem Geschlecht, son­dern allein schon, wenn das jewei­li­ge Gegen­über bekann­ten Geschlechts­nor­men ent­spricht, d. h. sich als Mann oder Frau statt als »gen­der­quee­res Ein­horn« her­aus­stellt, wit­tern sie den sexis­ti­schen Affront. Jede sol­che Erwar­tung wird nega­tiv ange­se­hen und prak­tisch kri­mi­na­li­siert. Der Sexis­mus-Vor­wurf wird damit zum Aus­druck des gesell­schafts­weit gras­sie­ren­den radi­ka­li­sier­ten Indi­vi­dua­lis­mus: Geschlecht soll nichts Ver­all­ge­mei­ner­ba­res an sich haben, wes­we­gen es in die­ser Vor­stel­lungs­welt solan­ge ver­viel­fäl­tigt wird, bis der Begriff jeden Sinn ver­lo­ren und jeder »seins« gefun­den hat.

Es ist offen­sicht­lich, daß die Bedeu­tung von »Geschlecht« als Kate­go­rie hier völ­lig ver­fehlt wird.

Solan­ge Geschlech­ter unter­schie­den wer­den, solan­ge wird es »Sexis­mus« sowohl im Sin­ne von Rol­len­er­war­tun­gen als auch im Sin­ne einer all­tags­sprach­li­chen Abwer­tung des ande­ren Geschlechts geben. Rabia­te Ver­su­che, die­se zu unter­bin­den, wer­den zwangs­läu­fig zum Gegen­teil füh­ren. Das rea­le oder ver­meint­li­che Fehl­ver­hal­ten ist in einem gewis­sen Rah­men eine unaus­weich­li­che Kon­se­quenz des Geschlechts­un­ter­schie­des selbst.

Das soll nicht hei­ßen, daß man über gro­be Belei­di­gun­gen hin­weg­se­hen soll­te, daß Ver­ge­wal­ti­gung kei­ne Straf­tat wäre oder daß es etwa kei­ne Wer­bung gäbe, die das Eti­kett »sexis­tisch« ver­die­nen wür­de. Sinn­voll wäre an die­ser Stel­le aber nicht eine Dis­kus­si­on über ein Macht­ge­fäl­le zwi­schen den Geschlech­tern (man kann davon aus­ge­hen, daß die Mehr­zahl der abge­lich­te­ten Frau­en sich nicht unter Zwang zur Ver­fü­gung stellt). Sinn­voll wäre eine Dis­kus­si­on über Kate­go­rien wie Scham(schwellen) und Anstand. Die­se wird nicht geführt, weil sie selbst scham­be­setzt ist in einer Gesell­schaft, die Scham­frei­heit als den erstre­bens­wer­ten Zustand schlecht­hin eta­bliert hat.

Sexis­mus-Vor­wür­fe erzeu­gen sys­te­ma­tisch Ani­mo­si­tä­ten zwi­schen den Geschlech­tern. Das Ter­rain zwi­schen Män­nern und Frau­en wird dank der anhal­ten­den For­de­run­gen nach »Geschlech­ter­ge­rech­tig­keit«, »Respekt« usw. zum ver­min­ten Gelän­de. Wir ste­hen vor der Tat­sa­che, daß der Staat Mit­tel zur För­de­rung zwi­schen­ge­schlecht­li­cher Kon­flik­te bereit­stellt, statt die­se ein­zu­he­gen. Durch ein vol­un­ta­ris­ti­sches Kon­zept von Geschlecht wird zugleich die klas­si­sche Fami­li­en­struk­tur erfolg­reich zer­stört. Der Staat selbst arbei­tet dem­ge­mäß objek­tiv an der Zer­set­zung der Fami­lie mit, egal wie­viel von Fami­li­en­för­de­rung die Rede sein mag.

War­um ist die­ses Zer­stö­rungs­werk den Lin­ken so wich­tig? Die Geschlech­ter­fra­ge wur­de von der alten Lin­ken, die noch ganz auf die Öko­no­mie fixiert war, schließ­lich als Neben­schau­platz der Geschich­te betrach­tet. Nun, Zwei­ge­schlecht­lich­keit begrün­det zunächst  Fami­lie  als Ort einer gewis­sen Selb­stän­dig­keit, an dem Wider­stand gegen den Staat mög­lich wird (denn die Fami­lie ist nicht nur die Keim­zel­le des Staa­tes, son­dern eben auch des Wider­stands gegen diesen).

Zudem bil­det die Pola­ri­tät der Geschlech­ter ein star­kes Ord­nungs­prin­zip tra­di­tio­na­ler Gesell­schaf­ten. Die Ein­tei­lung in geschlechts­spe­zi­fi­sche Tätig­kei­ten und Ver­hal­tens­wei­sen ist über lan­ge Zeit gewach­sen und für sol­che Gesell­schaf­ten kon­sti­tu­tiv. Schließ­lich bleibt in der Anzie­hung der Geschlech­ter ein beun­ru­hi­gen­des, unaus­tilg­ba­res Stück Natur, ein Glut­kern, der sich bis­lang der gesell­schaft­li­chen Kon­trol­le ent­zo­gen hat. Lin­ke Uto­pis­ten kön­nen weder his­to­risch noch bio­lo­gisch Gewach­se­nes ertra­gen, es steht ihrem hybri­den Anspruch auf All­form­bar­keit im Wege.

Nir­gends wird so deut­lich wie am Boll­werk des Geschlechts, daß der lin­ke Huma­nis­mus letzt­lich ein Nar­ziß­mus mit bös­ar­ti­gen Kon­se­quen­zen ist. Die Zer­stö­rung der Ach­se Mann-Frau ist der ulti­ma­ti­ve Tri­umph über die Natur und Tra­di­ti­on zugleich. Gen­der Main­strea­ming ist des­halb für den Links­li­be­ra­lis­mus, also jene Ideo­lo­gie, zu der das klas­si­sche lin­ke Den­ken unter Bedin­gun­gen einer Kon­sum­ge­sell­schaft mutiert ist, von solch zen­tra­ler Bedeu­tung. Die gelun­ge­ne Domes­ti­zie­rung von Geschlechts­iden­ti­tä­ten, durch staat­lich lizen­zier­te Stel­len und noch lie­ber durch Selbst­zen­sur vor­an­ge­trie­ben, setzt das Sie­gel unter die lin­ke Phan­ta­sie von der rest­los mach­ba­ren Gesellschaft.

Aus die­sem Grund wird ver­sucht, Kon­for­mi­tät schon in den Kin­der­gär­ten zu erzwin­gen, und aus die­sem Grund ste­hen (hete­ro­se­xu­el­le) Män­ner, die durch den Wan­del erkennbar(er) ver­lie­ren, im Zen­trum der Atta­cken. Die Wein­stein-Affä­re bie­tet nur eine Gele­gen­heit mehr, Männ­lich­keit selbst zu kri­mi­na­li­sie­ren und ein Fehl­ver­hal­ten Ein­zel­ner als Ramm­bock gegen ein wider­stän­di­ges Geschlecht und die Wider­stän­de der Geschlecht­lich­keit selbst ein­zu­set­zen. Die Ant­wort des rech­ten Lagers kann nur dar­in bestehen, im eige­nen Lager neue Alli­an­zen zwi­schen den Geschlech­tern zu schmie­den. YOU WON’T DIVIDE US. ¡

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