Sezession
1. Dezember 2017

Jared Taylor, Advokat der Weißen

Martin Lichtmesz

Martin Lichtmesz

Martin Lichtmesz ist freier Publizist und Übersetzer.

Als ich im Frühjahr 2017 per E-mail eine Einladung bekam, auf der alljährlichen Konferenz des US-amerikanischen Thinktanks American Renaissance (Amren) einen Vortrag zu halten, zögerte ich nicht lange mit einer Zusage: Nicht nur bot sich mir die Gelegenheit, zum ersten Mal die USA zu bereisen, ich war auch gespannt darauf, einem der interessantesten Köpfe der amerikanischen Rechten persönlich zu begegnen.

Ich hatte in unzähligen YouTube-Videos fasziniert verfolgt, wie der 1951 als Sohn christlicher Missionare in Kobe geborene und in Japan aufgewachsene Amren-Chef Jared Taylor mit einer geradezu asiatischen Ruhe ein linkes Argument nach dem anderen hinterfragte und widerlegte, Fangfragen abfederte und Unterstellungen elegant zurückwies, dabei stets den Eindruck eines vernünftigen, höflichen Gentlemans der alten Schule erweckend.

Niemals ließ er sich provozieren, niemals verlor er die Haltung oder die Geduld, selbst gegenüber den aufsässigsten und dümmsten Gegnern. Taylor genießt im rechten Spektrum abseits des Mainstreams großen Respekt als integrer, scharfsinniger »Advokat weißer Interessen« und wichtigster Vertreter des sogenannten »Rassenrealismus« (»race realism«). Mit diesem Schlagwort grenzt er sich vom stigmatisierenden Vorwurf des »Rassismus« ab – nicht Herabsetzung von Rassen oder ethnischen Gruppen sei beabsichtigt, sondern die Beschreibung ihrer durchschnittlichen Fähigkeiten, Handicaps und typischen sozialen Verhaltensweisen.
Seine ganze Arbeit dreht sich im wesentlichen um drei miteinander verknüpfte Themen, von denen man zwei davon in Deutschland nicht einmal ansatzweise öffentlich diskutieren könnte (im Gegensatz zu den USA gilt schon das Wort »Rasse« als verbrannt und wird kaum benutzt), und das dritte nur mit Einschränkung: Die Affirmation einer selbstbewußten »weißen Identität«, die wissenschaftliche Untersuchung von biologischen Rasseunterschieden und ihrer soziokulturellen Auswirkungen sowie die Kritik an einer Identitäts- und Einwanderungspolitik, die im Verbund mit demographischen Tendenzen dazu führen wird, daß die weißen Amerikaner, die heute nur mehr 60 Prozent der Bevölkerung ausmachen (im Jahre 1960 waren es noch rund 90 Prozent, eine Zahl, die zwischen 1870 und 1970 mit geringen Schwankungen ziemlich konstant blieb), spätestens ab dem Jahre 2050 in der Minderheit sein werden, was unter anderem die US-Volkszählungsbehörde (U.S. Census Bureau) 2008 offiziell bestätigte.

Es findet also in den Vereinigen Staaten ein ähnlicher »großer Austausch« statt wie in Westeuropa, und hier wie dort reagiert die Linke auf dieselbe Weise: Entweder wird dieser Prozeß (die Altright- Szene spricht von einem schleichenden »weißen Genozid«) als »rechtsradikale Verschwörungstheorie« und »Paranoia« verworfen oder aber das stetige Schrumpfen der einst dominanten weißen Bevölkerung zu einer Minderheit unter anderen Minderheiten unverhohlen abgefeiert.

Den berüchtigten »weißen heterosexuellen Mann« oder die weiße Rasse generell als weltgeschichtliche Schurken und Alleinschuldige an den Rassenkonflikten in den USA hinzustellen, ist inzwischen linksliberaler Mainstream, der über Portale und Magazine wie Salon, Slate, Buzzfeed oder Huffington Post weite Verbreitung findet. Bei nicht-weißen Linken (im Amerikanischen: »liberals«) ist die Grenze zum offenen anti-weißen Rassen- haß häufig weit überschritten, während weiße Linke das nordamerikanische Pendant zum westeuropäischen »Ethnomasochismus« bilden, der in Gestalt der »Social Justice Warriors« oft schrille Formen annimmt.


Martin Lichtmesz

Martin Lichtmesz ist freier Publizist und Übersetzer.

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