Jared Taylor, Advokat der Weißen

Martin Lichtmesz

Martin Lichtmesz ist freier Publizist und Übersetzer.

Als ich im Früh­jahr 2017 per E‑mail eine Ein­la­dung bekam, auf der all­jähr­li­chen Kon­fe­renz des US-ame­ri­ka­ni­schen Think­tanks Ame­ri­can Renais­sance (Amren) einen Vor­trag zu hal­ten, zöger­te ich nicht lan­ge mit einer Zusa­ge: Nicht nur bot sich mir die Gele­gen­heit, zum ers­ten Mal die USA zu berei­sen, ich war auch gespannt dar­auf, einem der inter­es­san­tes­ten Köp­fe der ame­ri­ka­ni­schen Rech­ten per­sön­lich zu begegnen.

Ich hat­te in unzäh­li­gen You­Tube-Vide­os fas­zi­niert ver­folgt, wie der 1951 als Sohn christ­li­cher Mis­sio­na­re in Kobe gebo­re­ne und in Japan auf­ge­wach­se­ne Amren-Chef Jared Tay­lor mit einer gera­de­zu asia­ti­schen Ruhe ein lin­kes Argu­ment nach dem ande­ren hin­ter­frag­te und wider­leg­te, Fang­fra­gen abfe­der­te und Unter­stel­lun­gen ele­gant zurück­wies, dabei stets den Ein­druck eines ver­nünf­ti­gen, höf­li­chen Gen­tle­m­ans der alten Schu­le erweckend.

Nie­mals ließ er sich pro­vo­zie­ren, nie­mals ver­lor er die Hal­tung oder die Geduld, selbst gegen­über den auf­säs­sigs­ten und dümms­ten Geg­nern. Tay­lor genießt im rech­ten Spek­trum abseits des Main­streams gro­ßen Respekt als inte­grer, scharf­sin­ni­ger »Advo­kat wei­ßer Inter­es­sen« und wich­tigs­ter Ver­tre­ter des soge­nann­ten »Ras­sen­rea­lis­mus« (»race rea­lism«). Mit die­sem Schlag­wort grenzt er sich vom stig­ma­ti­sie­ren­den Vor­wurf des »Ras­sis­mus« ab – nicht Her­ab­set­zung von Ras­sen oder eth­ni­schen Grup­pen sei beab­sich­tigt, son­dern die Beschrei­bung ihrer durch­schnitt­li­chen Fähig­kei­ten, Han­di­caps und typi­schen sozia­len Verhaltensweisen.
Sei­ne gan­ze Arbeit dreht sich im wesent­li­chen um drei mit­ein­an­der ver­knüpf­te The­men, von denen man zwei davon in Deutsch­land nicht ein­mal ansatz­wei­se öffent­lich dis­ku­tie­ren könn­te (im Gegen­satz zu den USA gilt schon das Wort »Ras­se« als ver­brannt und wird kaum benutzt), und das drit­te nur mit Ein­schrän­kung: Die Affir­ma­ti­on einer selbst­be­wuß­ten »wei­ßen Iden­ti­tät«, die wis­sen­schaft­li­che Unter­su­chung von bio­lo­gi­schen Ras­se­un­ter­schie­den und ihrer sozio­kul­tu­rel­len Aus­wir­kun­gen sowie die Kri­tik an einer Iden­ti­täts- und Ein­wan­de­rungs­po­li­tik, die im Ver­bund mit demo­gra­phi­schen Ten­den­zen dazu füh­ren wird, daß die wei­ßen Ame­ri­ka­ner, die heu­te nur mehr 60 Pro­zent der Bevöl­ke­rung aus­ma­chen (im Jah­re 1960 waren es noch rund 90 Pro­zent, eine Zahl, die zwi­schen 1870 und 1970 mit gerin­gen Schwan­kun­gen ziem­lich kon­stant blieb), spä­tes­tens ab dem Jah­re 2050 in der Min­der­heit sein wer­den, was unter ande­rem die US-Volks­zäh­lungs­be­hör­de (U.S. Cen­sus Bureau) 2008 offi­zi­ell bestätigte.

Es fin­det also in den Ver­ei­ni­gen Staa­ten ein ähn­li­cher »gro­ßer Aus­tausch« statt wie in West­eu­ro­pa, und hier wie dort reagiert die Lin­ke auf die­sel­be Wei­se: Ent­we­der wird die­ser Pro­zeß (die Alt­right- Sze­ne spricht von einem schlei­chen­den »wei­ßen Geno­zid«) als »rechts­ra­di­ka­le Ver­schwö­rungs­theo­rie« und »Para­noia« ver­wor­fen oder aber das ste­ti­ge Schrump­fen der einst domi­nan­ten wei­ßen Bevöl­ke­rung zu einer Min­der­heit unter ande­ren Min­der­hei­ten unver­hoh­len abgefeiert.

Den berüch­tig­ten »wei­ßen hete­ro­se­xu­el­len Mann« oder die wei­ße Ras­se gene­rell als welt­ge­schicht­li­che Schur­ken und Allein­schul­di­ge an den Ras­sen­kon­flik­ten in den USA hin­zu­stel­len, ist inzwi­schen links­li­be­ra­ler Main­stream, der über Por­ta­le und Maga­zi­ne wie Salon, Sla­te, Buz­z­feed oder Huf­fington Post wei­te Ver­brei­tung fin­det. Bei nicht-wei­ßen Lin­ken (im Ame­ri­ka­ni­schen: »libe­rals«) ist die Gren­ze zum offe­nen anti-wei­ßen Ras­sen- haß häu­fig weit über­schrit­ten, wäh­rend wei­ße Lin­ke das nord­ame­ri­ka­ni­sche Pen­dant zum west­eu­ro­päi­schen »Eth­no­ma­so­chis­mus« bil­den, der in Gestalt der »Social Jus­ti­ce War­ri­ors« oft schril­le For­men annimmt.

Aus die­ser Rich­tung kommt auch das Bestre­ben, die in den USA durch den 1. Zusatz­ar­ti­kel zur Ver­fas­sung (»First Amend­ment«) gehei­lig­te Rede­frei­heit ein­zu­schrän­ken, indem bestimm­te »dis­kri­mi­nie­ren­de« Mei­nun­gen als »Haß­re­de« gebrand­markt wer­den. Auch Tay­lor ist eine belieb­te Ziel­schei­be zahl­rei­cher lin­ker Wach­hund­or­ga­ni­sa­tio­nen (etwa dem berüch­tig­ten »Sou­thern Pover­ty Law Cen­ter«), die wie in Deutsch­land mit Dif­fa­mie­rung und Des­in­for­ma­ti­on arbei­ten und Alli­an­zen mit gewalt­be­rei­ten Anti­fan­ten bilden.

Um Jared Tay­lors Posi­tio­nen gebüh­rend ein­zu­ord­nen, ist es wich­tig, zu ver­ste­hen, wie sehr die Gesell­schaft der Ver­ei­nig­ten Staa­ten im Zeit­al­ter eines gra­vie­ren­den demo­gra­phisch-kul­tu­rel­len Umbruchs vom The­ma »Ras­se« (respek­ti­ve »Ras­sis­mus«) gera­de­zu beses­sen ist, was eine direk­te Fol­ge ihrer Frag­men­tie­rung in all­zu hete­ro­ge­ne Bestand­tei­le ist.

»Ras­se« ist also kei­nes­wegs ein The­ma, das aus­schließ­lich fana­ti­sche »Ras­sis­ten« wie »Anti­ras­sis­ten« bewegt, son­dern das die gesam­te aus­ein­an­der­brök­keln­de Nati­on in ihren Bann geschla­gen hat. Ein »libe­ral« wür­de den ein­lei­ten­den Sät­zen von Tay­lors sei­ner­zeit auch im Main­stream gelob­ten Buch Paved With Good Inten­ti­ons (»Mit guten Absich­ten gepflas­tert«, 1993) wohl ohne wei­te­res zustim­men: »Ras­se ist das gro­ße ame­ri­ka­ni­sche Dilemma.

Das war immer so und wird wahr­schein­lich so blei­ben. Die Ras­sen­fra­ge hat unse­re Ver­gan­gen­heit getrübt und ver­dun­kelt unse­re Zukunft. Es han­delt sich dabei um ein beson­ders schmerz­haf­tes und sogar beschä­men­des Dilem­ma, da die Ver­ei­nig­ten Staa­ten in viel­fa­cher Wei­se ihrem Volk als Segen und der Welt als Vor­bild gedient haben.« Der Unter­schied ist, daß die »wei­ßen Natio­na­lis­ten« oder »Sepa­ra­tis­ten« (wie sie sich selbst nen­nen) dar­über auf eine Wei­se spre­chen, die die Spiel­re­geln des Dis­kur­ses ver­letzt, mit ande­ren Wor­ten die lin­ke Deu­tungs­ho­heit und Vor­macht­stel­lung attackiert.

Ihr größ­tes Pro­blem ist dabei, daß sie einen fun­da­men­ta­len Glau­bens­ar­ti­kel der USA in Fra­ge stel­len oder zumin­dest his­to­risch rela­ti­vie­ren müs­sen, näm­lich den Satz der Unab­hän­gig­keits­er­klä­rung, wonach es »selbst­evi­dent« sei, »daß alle Men­schen gleich erschaf­fen wor­den« sei­en. Hin­zu kommt, daß expli­zit »wei­ße Iden­ti­täts­po­li­tik« in den USA his­to­risch mit ver­schie­de­nen extre­mis­ti­schen Tra­di­tio­nen ver­knüpft ist (nicht anders übri­gens als die »Black Power«-Bewegung), vom 1915 neu­ge­grün­de­ten Ku-Klux-Klan (der noch heu­te in skur­ri­len Rest­be­stän­den fort­be­steht), über die »Ame­ri­can Nazi Par­ty« des Pro­vo­ka­teurs Geor­ge Lin­coln Rock­well bis zur »Natio­nal Alli­an­ce« sei­nes Zög­lings Wil­liam Luther Pierce.

Auch die chao­tisch zusam­men­ge­wür­fel­te Alt­right-Bewe­gung kann sich zu ihrem eige­nen Scha­den über wei­te Stre­cken nicht von die­sem Erbe frei­ma­chen, beson­ders in ästhe­ti­scher Hin­sicht. Die unter ande­rem von Richard Spen­cer ange­führ­te »Unite the Right«-Demonstration vom 11. und 12. August die­ses Jah­res ver­sam­mel­te zahl­rei­che rech­te Split­ter­grup­pen, um in Char­lot­tes­vil­le, Vir­gi­na gegen die geplan­te Ent­fer­nung einer 1924 errich­te­ten Sta­tue des kon­fö­de­rier­ten Gene­rals Robert E. Lee zu protestieren.

Die Ver­an­stal­tung geriet zum Fanal, das von den Medi­en wie immer stark ten­den­zi­ös aus­ge­schlach­tet wur­de. Die Poli­zei und die Stadt­ver­wal­tung pro­vo­zier­ten gezielt eine gewalt­sa­me Eska­la­ti­on, als sie die Demons­tra­ti­on auf ihrem Sie­de­punkt plötz­lich für auf­ge­löst und »ille­gal« erklär­ten und die Demons­tran­ten ohne Schutz in die Rich­tung der mili­tan­ten links­ex­tre­men Gegen­de­mons­tran­ten trie­ben. Ein Teil­neh­mer der »Unite the Right«-Demonstration ver­lor offen­bar die Ner­ven und fuhr mit sei­nem Auto auf zwei wei­te­re Wagen auf, deren eines eine lin­ke Demons­tran­tin traf und tötete.

Den Rech­ten wur­de von den Medi­en die Allein­schuld an dem Desas­ter auf­ge­la­den, wäh­rend Donald Trump (auch vom hie­si­gen Spie­gel und Stern) als ver­kapp­ter »Klans­man« dar­ge­stellt wur­de, weil er es gewagt hat­te, die Gewalt bei­der Grup­pen zu ver­ur­tei­len. Die Ent­fer­nung der Rei­ter­sta­tue Lees ist indes nur eine Maß­nah­me unter  vie­len im Rah­men einer lau­fen­den iko­no­klas­ti­schen Wel­le, die dar­auf abzielt, die his­to­ri­sche Erin­ne­rung an das pau­schal als »ras­sis­tisch« denun­zier­te Erbe der Süd­staa­ten auszulöschen.

Dabei zeich­net sich jetzt schon ab, daß die nächs­ten und über­nächs­ten Wel­len das tra­di­tio­nel­le (impli­zit wei­ße) Ame­ri­ka schlecht­hin atta­ckie­ren wer­den. So for­der­te der kali­for­ni­sche Able­ger der Bür­ger­rechts­or­ga­ni­sa­ti­on NAACP bereits die Abschaf­fung der Natio­nal­hym­ne »Star-Span­gled Ban­ner«, weil auch die­se latent schwar­zen­feind­lich sei.

In die­sem von der anti­ras­sis­ti­schen Lin­ken domi­nier­ten Dis­kurs haben die­je­ni­gen, die sich für die Inter­es­sen der Wei­ßen ein­set­zen, auch aus ande­ren Grün­den einen erheb­li­chen Nach­teil. Die Spiel­re­geln ste­hen hier deut­lich zu ihren Unguns­ten und basie­ren auf dop­pel­ten Stan­dards. Wäh­rend die Wei­ßen unab­läs­sig auf­ge­for­dert wer­den, ihre »Schuld« gegen- über Nicht-Wei­ßen und ihr »wei­ßes Pri­vi­leg« zu beken­nen, wer­den ande­re Grup­pen, ins­be­son­de­re Schwar­ze und Lati­nos, zum Stolz auf ihre eige­ne Ras­se oder Eth­nie ermu­tigt und theo­re­tisch vom Vor­wurf des Ras­sis­mus abge­schirmt, gemäß des Ideo­lo­gems, daß »ras­sis­tisch« nur sein kann, wer die struk­tu­rel­le Macht in den Hän­den hält (also Weiße).

Eine beson­ders auf­peit­schen­de Rol­le hat hier die »Black Lives Matter«-Bewegung gespielt, die ein ver­zerr­tes Bild angeb­lich will­kür­li­cher, ras­sis­tisch moti­vier­ter Poli­zei­ge­walt gegen Schwar­ze pro­pa­giert, unter Aus­blen­dung der über­pro­por­tio­nal hohen schwar­zen Ver­bre­chens­ra­ten, ins­be­son­de­re der Tat­sa­che, daß im Jah­res­schnitt über 90 Pro­zent der schwar­zen Mord­op­fer von ande­ren Schwar­zen ermor­det wer­den. Der Ras­sis­mus-Begriff wird der­art umfas­send ange­wen­det, daß es für die beschul­dig­ten Wei­ßen auf kaf­ka­es­ke Wei­se kein Ent­rin­nen gibt.

Sie wer­den des Ras­sis­mus beschul­digt, wenn sie aus einer Wohn­ge­gend flie­hen, weil dort zu vie­le Far­bi­ge leben, aber auch, wenn sie eine far­bi­ge Wohn­ge­gend besie­deln und »gen­tri­fi­zie­ren«; wenn sie die Haut­far­be des ande­ren wahr­neh­men (»Othe­ring«), aber auch, wenn sie sich far­ben­blind stel­len (man­geln­der Respekt vor dem Anders­sein des Ande­ren); wenn sie nicht an der Kul­tur der Nicht-Wei­ßen teil­neh­men (Abgren­zung), aber auch, wenn sie an deren Kul­tur teil­neh­men (»kul­tu­rel­le Aneig­nung«). In der lin­ken anti­ras­sis­ti­schen Ideo­lo­gie sind Wei­ße per se Unter­drü­cker und Nicht-Wei­ße eine unter­drück­te Klas­se. Ras­se sei ein »sozia­les Kon­strukt«, wäh­rend »Ras­sis­mus« eine unhin­ter­frag­ba­re Rea­li­tät sei. »Diver­si­ty« (das Pen­dant zu »Bunt­heit« und »Viel­falt«) müs­se gefei­ert wer­den, obwohl in Wahr­heit alle Men­schen jen­seits der Haut­far­be völ­lig gleich sei­en; all­sei­ti­ge bio­lo­gi­sche Ras­sen­mi­schung (die auf­grund ihrer rezes­si­ven Gene lang­fris­tig dazu füh­ren wür­de, daß es kei­ne Wei­ßen mehr gibt) wird als Weg in eine tole­ran­te, fried­li­che, ega­li­tä­re Mensch­heits­zu­kunft gepriesen.

Jeg­li­cher Muck­ser einer sich selbst behaup­ten­den oder abgren­zen­den wei­ßen Iden­ti­tät wird unter­schieds­los als »white supre­ma­cy« gebrand­markt, was man als »wei­ße Vor­herr­schaft«, »wei­ßes Über­le­gen­heits­den­ken« oder »wei­ßer Chau­vi­nis­mus« über­set­zen kann. Beson­ders ent­lar­vend war in die­ser Hin­sicht eine Kam­pa­gne, die im Okto­ber 2017 aus den Untie­fen des Inter­net­fo­rums 4chan lan­ciert wur­de. Über sozia­le Medi­en und Hand­zet­tel wur­de viral der Slo­gan »It’s Ok to be White« ver­brei­tet, der sofort hys­te­ri­sche Stim­men auf den Plan rief, die ob die­ses »Ras­sis­mus« und die­ser »white supre­ma­cy« Alarm schlugen.

Damit war der Beweis erbracht, daß im Ame­ri­ka des Jah­res 2017 bereits ein blo­ßes »OK«  zum »Weiß­sein« als »ras­sis­tisch« gilt – pas­send zum Skan­dal der »impli­cit whiteness« Donald Trumps, der von sei­nen Geg­nern ohne jeg­li­chen Beweis dog­ma­tisch zum »Ras­sis­ten« erklärt wor­den ist, ana­log zur Zurück­wei­sung jeg­li­cher Kri­tik an Barack Oba­ma als »ras­sis­tisch«.

Mit der Wahl Oba­mas zum ers­ten schwar­zen Prä­si­den­ten der USA (sei­ne Mut­ter war übri­gens weiß) wur­de 2009 von sei­nen Apo­lo­ge­ten das unver­meid­li­che demo­gra­phi­sche und kul­tu­rel­le Ende des wei­ßen Ame­ri­ka ein­ge­läu­tet und beju­belt; Ame­ri­ka­ner sein und »Weiß­sein« wer­de fort­an nicht mehr die selbst­ver­ständ­li­che Norm sein wie bis­her. Die Jah­re der Oba­ma-Admi­nis­tra­ti­on erwie­sen sich jedoch kei­nes­wegs als sanf­ter Über­gang in eine »post­ras­si­sche« Gesell­schaft und führ­ten statt­des­sen zu wach­sen­den sozia­len und ras­si­schen Span­nun­gen. Der Wahl­sieg Trumps bedeu­tet für die Ver­fech­ter die­ser Ideo­lo­gie einen untrag­ba­ren Back­lash, wobei sie nicht imstan­de sind, ihre Mit­schuld an der Pola­ri­sie­rung zu erkennen.

Weil die Lin­ke am ega­li­tä­ren Dog­ma fest­hält, muß sie den »wei­ßen Ras­sis­mus« zum Sün­den­bock für das Miß­lin­gen ihrer mul­ti­ras­si­schen Uto­pie erklä­ren. Die Grund­la­ge für die­se Schuld­zu­wei­sung (die übri­gens auch von schwar­zen Kon­ser­va­ti­ven wie Tho­mas Sowell abge­lehnt wird) wur­de bereits 1944 von dem schwe­di­schen Sozio­lo­gen Gun­nar Myrd­al in der Stu­die An Ame­ri­can Dilem­ma for­mu­liert: »Wei­ßes Vor­ur­teil und Dis­kri­mi­nie­rung sind ver­ant­wort­lich für die nied­ri­gen Stan­dards der Neger, was ihre Lebens­be­din­gun­gen, Bil­dung, Sit­ten und Moral betrifft, die wie- der­um die Vor­ur­tei­le der Wei­ßen för­dern.« Sieb­zig Jah­re spä­ter hat sich die Lage der Schwar­zen trotz Dese­gre­ga­ti­on, Inte­gra­ti­on, »affir­ma­ti­ve action« und umfas­sen­der anti­ras­sis­ti­scher Pro­pa­gan­da ins­ge­samt kaum ver­bes­sert, wenn nicht ver­schlech­tert (ein Bei­spiel: bis zu 75 Pro­zent der schwar­zen Kin­der wer­den heu­te unehe­lich gebo­ren, wäh­rend es im Jah­re 1965 noch 24 Pro­zent waren; bei Wei­ßen sind die ent­spre­chen­den Raten etwa 30 Pro­zent vs. drei Prozent).

Die weni­gen ent­schie­de­ne­ren unter den Main­stream­kon­ser­va­ti­ven kri­ti­sie­ren die unge­re­gel­te, häu­fig ille­ga­le Ein­wan­de­rung aus der Drit­ten Welt oder Mexi­ko, Mit­tel- und Süd­ame­ri­ka vor allem auf der Basis kul­tu­rel­ler Inkom­pa­ti­bi­li­tät, wie etwa die schlag- fer­ti­ge Repu­bli­ka­ne­rin Ann Coul­ter in ihrem Best­sel­ler ¡Adi­os, Ame­ri­ca!: The Left’s Plan to Turn Our Coun­try Into a Third World Hell­ho­le (»Wie die Lin­ke plant, unser Land in ein Drit­te-Welt-Höl­len­loch zu ver­wan- deln«, 2015). Die Stra­te­gie die­ser Kon­ser­va­ti­ven ist es, für einen wahr­haft far­ben­blin­den (also auch nicht anti-wei­ßen) »staats­bür­ger­li­chen Natio­na­lis­mus« (»civic natio­na­lism«) zu plä­die­ren, gemäß dem klas­si­schen Selbst­ver­ständ­nis der USA, wonach das »Land der unbe­grenz­ten Mög­lich­kei­ten«, die »Hei­mat der Frei­en und Tap­fe­ren«, allen Men­schen offen­steht, und jeder­mann, egal wel­cher Ras­se, Nati­on oder Reli­gi­on, ein guter Ame­ri­ka­ner wer­den kann, wenn er sich aus­rei­chend bemüht.

Auf die­ser Basis ver­su­chen Repu­bli­ka­ner wie der indisch­stäm­mi­ge Dine­sh D’Souza den Spieß umzu­dre­hen, indem sie den Demo­kra­ten vor­wer­fen, die »wah­ren Ras­sis­ten« zu sein. Anders die »Rea­lis­ten« um Jared Tay­lor,  die dar­auf insis­tie­ren,  den Ele­fan­ten im Zim­mer beim Namen zu nen­nen, womit sie das größ­te gesell­schaft­li­che Tabu über­haupt bre­chen und die Kar­di­nal­säch­tung als»Rassisten« auf sich nehmen.

Ihre Ant­wort ist gleich­sam »Ock­hams Rasier­mes­ser« der Debat­te: Wenn rund sech­zig Jah­re nach Beginn der Auf­he­bung der Ras­sen­tren­nung immer noch Ras­sen­kon­flik­te herr­schen und die öko­no­mi­sche und kul­tu­rel­le Gleich­heit der Ras­sen immer noch nicht erreicht wor­den ist, dann liegt dies womög­lich schlicht und ergrei­fend dar­an, daß es rea­le, hart­nä­cki­ge Unter­schie­de zwi­schen den Ras­sen gibt, die kei­ne rein »sozia­le« Theo­rie wegerklä­ren kann, wovon ein wesent­li­cher die im Grup­pen­schnitt signi­fi­kant unter­schied­li­che IQ-Ver­tei­lung sei.

Wis­sen­schaft­li­che Refe­renz­wer­ke sind hier unter ande­rem Charles Mur­rays und Richard Herrn­steins The Bell Cur­ve (1994), J. Phil­ip­pe Rush­tons Ras­se, Evo­lu­ti­on und Ver­hal­ten: Eine Theo­rie der Ent­wick­lungs­ge­schich­te (deutsch 2005; das ein­zi­ge der genann­ten Bücher, das über­setzt wur­de), Frank Sal­ters On Gene­tic Inte­rests: Fami­ly,  Eth­ni­ci­ty, and Huma­ni­ty in an Age of Mass Migra­ti­on (2003), Richard Lynns Race Dif­fe­ren­ces in Intel­li­gence (2006), Robert Put­nams Bow­ling Alo­ne (2000) über die ent­so­li­da­ri­sie­ren­den Effek­te der »Diver­si­tät« auf den sozia­len Zusam­men­halt, und neu­er­dings Nicho­las Wades A Trou­ble­so­me Inheri­tance: Genes, Race and Human Histo­ry (2014).

Hin­zu kom­men die peni­bel doku­men­tier­ten Wer­ke von Tay­lor selbst und sei­nen Mit­strei­tern wie dem »paläo­kon­ser­va­ti­ven« Publi­zis­ten Peter Bri­me­low. Tay­lor for­dert kei­ne Rück­kehr zur Ras­sen­tren­nung  oder  eine Rück­nah­me der Bür­ger­rechts­ge­set­ze der sech­zi­ger Jah­re, betont aller­dings das Recht der Wei­ßen, sich einer auf­ge­zwun­ge­nen »Diver­si­ty« zu ent­zie­hen und unter ihres­glei­chen zu leben, wenn sie es wol­len. Des wei­te­ren sei es völ­lig legi­tim, die poli­tisch unkor­rek­te Wahr­heit aus­zu­spre­chen, sich gegen den Kul­tur­kampf der Lin­ken zu weh­ren und danach zu stre­ben, wei­ter­hin die Mehr­heit im eige­nen Land zu bleiben.

Fest­zu­hal­ten ist, daß der »far­ben­blin­de« Kon­sens in der Tra­di­ti­on des ame­ri­ka­ni­schen libe­ra­len Indi­vi­dua­lis­mus durch den Auf­stieg der kul­turm­ar­xis­ti­schen »Iden­ti­täts­po­li­tik«, die eth­ni­sche, reli­giö­se, sexu­el­le oder ras­si­sche Min­der­hei­ten gleich­sam zu revo­lu­tio­nä­ren Sub­jek­ten erklärt hat, haupt­säch­lich von links aus­ge­höhlt wurde.

Dies kon­sta­tier­te der neo­kon­ser­va­ti­ve Vor­den­ker David Horo­witz bereits im Jah­re 2002 in einem Arti­kel, der sich kri­tisch mit den Posi­tio­nen Tay­lors aus­ein­an­der­setz­te (salon.com, vom 9. April 2002). Es sei in der Tat rich­tig, daß die Lin­ke einen anti­wei­ßen Gegen­ras­sis­mus her­vor­ge­bracht hät­te, der sich pola­ri­sie­rend aus­wir­ke und den Zusam­men­halt der Nati­on zuneh­mend gefährde.

Die pro-wei­ße Rech­te sei aller­dings in ihre Fal­le getappt: »Wir sind nun alle Gefan­ge­ne der Iden­ti­täts­po­li­tik. Inner­halb des mul­ti­kul­tu­rel­len Rah­mens, den der herr­schen­de Libe­ra­lis­mus in unse­rer bür­ger­li­chen Kul­tur errich­tet hat, ist Tay­lors Anspruch auf einen Platz für Wei­ße am Tisch der Viel­falt gewiß ein­leuch­tend. Aber es gibt die Alter­na­ti­ve, die­sen Tisch als Gan­zes zu ver­wer­fen und zum guten, alten ame­ri­ka­ni­schen Ide­al des E Plu­ri­bus Unum – ›aus Vie­len, eine Ein­heit‹ – zurückzukehren.

Nicht nur Schwar­ze und Wei­ße und Chi­ca­nos, son­dern Ame­ri­ka­ner.« Tay­lor sei ledig­lich das sei­ten­ver­kehr­te Pen­dant zu »anti-ame­ri­ka­ni­schen Fana­ti­kern wie Noam Chom­sky oder Howard Zinn«, deren Wer­ke eine »bös­wil­lig ver­zerr­te Ver­si­on« der ame­ri­ka­ni­schen Geschich­te zeich­nen; der »Ras­sis­mus«, den die­se anpran­gern, wer­de von Tay­lor aner­kannt, aber posi­tiv gewer­tet. Ame­ri­ka sei jedoch als »neue Nati­on« kon­zi­piert wor­den, basie­rend auf uni­ver­sa­len Prin­zi­pi­en, die die alten Kate­go­rien von »Blut und Boden« über­win­den sollen.

Er, Horo­witz, wei­ge­re sich, zu glau­ben, daß die­ses »zwei­ein­halb Jahr­hun­der­te alte Expe­ri­ment« geschei­tert sei, daß die Men­schen in der Tat unfä­hig sei­en, ihre eth­ni­schen und ras­si­schen Beson­der­hei­ten zu über­win­den, um ein gemein­sa­mes natio­na­les Band zu knüp­fen: »Lie­ber möch­te ich mich als Ame­ri­ka­ner irren, als Prä­si­dent von Jared Tay­lors euro-ras­si­scher Alter­na­ti­ve zu sein.« »Ame­ri­ka« wird hier zu einem Mensch­heits- ver­spre­chen, von dem letzt­lich auch die von Horo­witz kri­ti­sier­te anti­wei­ße Lin­ke träumt, die aber über den »Ver­fas­sungs­pa­trio­tis­mus« hin- aus­denkt und die­ses Ziel in dia­lek­ti­schen Schrit­ten errei­chen will. Damit sich die »Ver­spre­chen« des ega­li­tä­ren Uni­ver­sa­lis­mus erfül­len, muß die wei­ße Mehr­heits­ge­sell­schaft, die his­to­risch sein (inkon­se­quen­ter) Trä­ger war, Schritt für Schritt dekon­stru­iert wer­den – auch bio­lo­gisch, wofür die »iden­ti­tä­re« Stär­kung angeb­lich »unter­drück­ter« Min­der­hei­ten ein logi­sches Mit­tel ist.

Dem hält Tay­lor ent­ge­gen, daß sich die Ver­ei­nig­ten Staa­ten trotz ihrer uni­ver­sa­lis­ti­schen Grund­la­gen, de fac­to bis in die sech­zi­ger Jah­re des 20. Jahr­hun­derts selbst­ver­ständ­lich als in ihrem Wesen und Schick­sal wei­ße (genau­er gesagt: nord­eu­ro­pä­isch-angel­säch­si­sche), (protestantisch-)christliche Nati­on gese­hen haben, wofür er als Zeu­gen ihre gro­ßen Staats­män­ner von Jef­fer­son bis Eisen­ho­wer auf­ruft, die über­wie­gend der Ansicht waren, daß Schwar­ze und ande­re Ras­sen (wie etwa die Indi­ge­nen Nord­ame­ri­kas) in die von Wei­ßen geschaf­fe­ne Gesell­schaft der USA nicht oder nicht voll­stän­dig inte­grier­bar seien.

Schon die Ein­bür­ge­rungs­be­schlüs­se der Jah­re 1790 bis 1802 leg­ten fest, daß nur »freie wei­ße Per­so­nen mit gutem Cha­rak­ter« die Staats­bür­ger­schaft erhal­ten dür­fen. Ende des 19., Anfang des 20. Jahr­hun­derts erhitz­te sich ange­sichts der Kon­flik­te, die die Ein­wan­de­rung aus Asi­en, Ost- und Süd­eu­ro­pa mit sich brach­te, die Debat­te um den natio­na­len Cha­rak­ter der USA erheb­lich. Ein berühm­tes, von Theo­do­re Roo­se­velt per­sön­lich beju­bel­tes Thea­ter­stück des bri­ti­schen Zio­nis­ten Isra­el Zang­will fei­er­te die USA als »Schmelz­tie­gel« (»Mel­ting Pot«) aller Ras­sen und Natio­nen, als »Repu­blik des Men­schen und König­reich Got­tes«, neben dem der Glanz »Roms und Jeru­sa­lems« ver­blas­sen werde.

Gegen­po­si­tio­nen wur­den von Autoren wie Madi­son Grant und Lothrop Stod­dard for­mu­liert, deren Wer­ke wei­te Ver­brei­tung fan­den. Bei­de Män­ner ent­stamm­ten der in den USA einst domi­nan­ten, bereits in den zwan­zi­ger Jah­ren in ihrem Sta­tus ange­foch­te­nen Schicht der »WASPS«, der »wei­ßen angel­säch­si­schen Pro­tes­tan­ten«. Stod- dards The Rising Tide of Color (1920) sag­te ein Jahr­zehnt vor Speng­lers Jah­re der Ent­schei­dung den (auch zah­len­mä­ßi­gen) Nie­der­gang der wei­ßen und den Auf­stieg der far­bi­gen Völ­ker sowie das dar­aus resul­tie­ren­de »Ende der glo­ba­len wei­ßen Vor­herr­schaft« voraus.

Eine Zeit lang lagen Grant und Stod­dard im Trend: Der »Immi­gra­ti­on Act« des Jah­res 1924 unter­sag­te ins­be­son­de­re die Zuwan­de­rung aus Ost­asi­en, schränk­te aller­dings auch jene aus Süd- und Ost­eu­ro­pa durch Quo­ten­re­ge­lun­gen ein, wäh­rend Groß­bri­tan­ni­en, Irland und Deutsch­land bevor­zugt wur­den. Der »Immi­gra­ti­on and Natu­ra­liz­a­ti­on Ser­vices Act« des Jah­res 1965 hob die bis­he­ri­gen Restrik­tio­nen nicht-wei­ßer Ein­wan­de­rung auf und öff­ne­te damit die Schleu­sen für den lau­fen­den »gro­ßen Aus­tausch« der wei­ßen Noch-Mehr­heits­be­völ­ke­rung, mit ähn­li­chen Fol­gen wie in Europa.

Die Zukunft sieht Jared Tay­lor eher pes­si­mis­tisch. Wenn die lau­fen­den Trends anhal­ten, sag­te er in einem Inter­view mit dem Online-Maga­zin Ame­ri­can Thin­ker (americanthinker.com vom 24. April 2014), wer­den die Staa­ten im Jahr 2034 »nur eine knap­pe wei­ße Mehr­heit haben, vie­le davon im fort­ge­schrit­te­nen Alter.

Die arbeits­fä­hi­ge Bevöl­ke­rung wird vor allem schwarz oder his­pa­nisch sein. Um davon eine Vor­stel­lung zu geben, könn­te ich nun end­lo­se Sta­tis­ti­ken über Ver­bre­chen, AIDS, Dia­be­tes, Armut, Abhän­gig­keit von Sozi­al­hil­fe usw. zitie­ren. Wir wer­den eine schmerz­lich in Schich­ten geteil­te Gesell­schaft haben, regiert von einer gemisch­ten Eli­te, die die Mas­sen von armen Schwar­zen und Brau­nen in siche­rer Distanz hält. Unse­re Herr­schen­den wer­den wei­ter­hin Lip­pen­be­kennt­nis­se über Gleich­heit und Erlö­sung-durch-Viel­falt ver­brei­ten, aber sie wer­den noch heuch­le­ri­scher leben als heu­te, in befes­tig­ten Enklaven.

Sie wer­den Ame­ri­ka nicht als eine gelieb­te Nati­on sehen, deren Schick­sal in ihren Hän­den liegt, son­dern als eine Her­de, die man aus­beu­ten kann. Unse­re zuneh­mend dritt­welt­ar­ti­ge und unpro­duk­ti­ve Bevöl­ke­rung wird immer mehr Städ­te in den Bank­rott trei­ben und die Regie­rung wird von einer Kri­se in die ande­re schlit­tern. Es wird Inseln wei­ßer Zivi­li­siert­heit geben, aber nur für die Rei­chen. Die Mit­tel­klas­se wird schrump­fen, die Qua­li­tät der Schul­bil­dung abneh­men, und mehr und mehr Wei­ße wer­den gezwun­gen wer­den, nied­rig bezahl­te Dienst­leis­tungs­jobs anzunehmen.

Wir wer­den lang­sam das öffent­li­che Ver­trau­en und die mora­li­sche Infra­struk­tur ver­lie­ren, die der Bestechung, der Vet­tern­wirt­schaft, den Schmier­gel­dern und der Plün­de­rung der Regie­rung Ein­halt gebie­tet. Poli­ti­ker wer­den Wah­len kau­fen und mani­pu­lie­ren, beson­ders auf loka­ler Ebe­ne. Immer weni­ger Men­schen wer­den noch ein Inter­es­se an der Gesell­schaft haben, wes­halb es weni­ger frei­wil­li­ge Hil­fe und Wohl­tä­tig­keit geben wird. Zu pes­si­mis­tisch? Zei­gen Sie mir Trends, die mich widerlegen.« ¡

Martin Lichtmesz

Martin Lichtmesz ist freier Publizist und Übersetzer.

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