Sezession
22. Juni 2009

Demokratisches

Götz Kubitschek / 43 Kommentare

auch erDie Junge Freiheit stellt den Lesern ihrer Internet-Seite heute die Frage, ob die Linkspartei eine Gefahr für die Demokratie sei. Man kann abstimmen, und ich habe nach einer Antwortmöglichkeit gesucht, die ich ankreuzen könnte. Es gibt aber keine für mich, und ich denke, daß ich nicht der einzige bin, der die vorformulierten Antworten für unglücklich hält.

Götz Kubitschek

Götz Kubitschek ist Verleger (Antaios) und seit 2003 verantwortlicher Redakteur der Sezession.

Zunächst: Ich halte die Linkspartei nicht im speziellen für eine Gefahr für die Demokratie. Ich halte vielmehr alle an der Legislative und Exekutive beteiligten Parteien in ihrem oligarchisierten Zustand für eine Gefahr für die Demokratie und frage hier nach dem Unterschied zwischen CSU und Linkspartei. Die Wählergruppe der Nicht-Wähler wählt in diesem Sinne richtig: Sie spricht den Parteien das Recht ab, sich in einem durch das Volk nicht kontrollierbaren Raum den Staat zur Beute zu machen.

Die Frage hätte also richtig lauten müssen: Sehen Sie in den Parteien eine Gefahr für die Demokratie? Eine Gefahr für die Demokratie kann doch recht eigentlich immer nur derjenige sein, der sich bereits in den Besitz der Legislative und der Exekutive gebracht hat, oder? Also: derjenige, der regiert und der sich die Dinge so hinbastelt, daß er fortan in entscheidenden Fragen oder in Gänze auf Volkes Votum für sein Weiter-Regieren verzichten kann.

Aber so lautet die Umfrage-Frage nicht, und deshalb muß eine Antwort ausschließlich für die Linkspartei erfolgen. Die Junge Freiheit verknüpft die Umfrage mit ihrer Berichterstattung über die Kontakte der Partei zu "linksextremistischen" Gruppen und Einzelpersonen. Auch hier: ein deutliches Nein.

Ich teile den Extremismus-Begriff eines Verfassungsschutzes nicht, der
a) die Junge Freiheit selbst zehn Jahre lang malträtiert hat,
b) nicht ausschließlich Taten, sondern bereits Gedanken und Gesinnungen bewertet,
b) eine parteipolitisch instrumentalisierte Behörde ist (auch und gerade in Bayern, falls jetzt irgendjemand bloß an NRW denkt),
c) je nach Blickwinkel aus jedem einen Verfassungsfeind oder eine Gefahr für die Demokratie zu machen geeignet ist.

Es wäre in der Tat nicht schwer, den Mitte-Parteien Verfassungsfeindlichkeit in gewaltigem Umfang vorzuwerfen und nachzuweisen, je nachdem etwa, nach welchen Kriterien man das "Wohl des deutschen Volkes" definiert. Ich halte es aus diesem Grund für fatal, irgendwelche Denkrahmen festzulegen und von "Gefahren für die Demokratie" zu reden. Die Demokratie legitimiert sich durch ihre Funktionstüchtigkeit, sie ist bewußt ohne Gottesgnadentum oder eine anderweitige Segnung außerhalb der Wahlentscheidung konzipiert worden.

Das scheint mir überhaupt der Denkfehrler schlechthin zu sein: Entweder das Volk ist mündig und stimmt, wofür es stimmen möchte; oder es ist ein Kindskopf und sollte nicht abstimmen dürfen. Die Sortierung nach "reifer" und "unreifer" Wahlentscheidung ist eine innerhalb der Demokratie unangemessene Arroganz von Wahlkommentatoren, die sich selbst für demokratie-reif erklären.

Zuletzt noch zu den beiden "Nein"-Optinen der JF-Umfrage. Es heißt da:

+ Nein, angesichts der jüngsten Umfrageergebnisse ist Gelassenheit angebracht: Die Linkspartei kann noch nicht einmal von der aktuellen Wirtschaftskrise profitieren.
+ Nein, wegen der Differenzen zwischen SED-Nostalgikern einerseits und linken Sektierern aus dem Westen andererseits wird sich das Problem ohnehin bald von selbst erledigen.

Das bedeutet -- richtig gelesen -- nichts anderes, als daß die Linkspartei grundsätzlich eine Gefahr für die Demokratie sei -- und nur aufgrund ihrer Schwäche oder ihrer ungeschickten Personalauswahl sozusagen vernachlässigbar bleibt. Wenn sie nun aber für Mehrheiten wählbar würde? Dann wäre sie eine Gefahr? Nein, sagte ich oben, nicht mehr oder weniger als CDU oder SPD. Aber diese Antwortmöglichkeit fehlt.


Götz Kubitschek

Götz Kubitschek ist Verleger (Antaios) und seit 2003 verantwortlicher Redakteur der Sezession.

Kommentare (43)

Martin
22. Juni 2009 15:23

Die Linkspartei an sich, wie sie an der Oberfläche und ihren Auftritten in Parlamenten etc. wahrgenommen wird, stellt für mich keine Gefahr für die Demokratie dar bzw. muss eine Demokratie, die auch Grundrechte der Meinungsfreiheit etc. wahren will, eine derartige Partei vertragen können ...

Problematischer ist für mich eher das Problem der "alten Seilschaften", der Ost- Beziehungsklüngel ... der Verstrickungen zwischen Alt- Kadern und Neu- Kadern ... um es bildlich auszudrücken, beim Eisberg ist das, was man über Wasser sieht, meistens nicht die Gefahr, sondern das, was unter Wasser ist ...
und hier sehe ich durchaus viel problematisches. Wenn die "Linke" bspw. bei der nächsten Wahl die absolute Mehrheit gewinnen würde, würde ich mir ernsthafte Sorgen machen um unser Land ... aber danach siehts ja nicht aus.

Aber: In den sog. alten Bundesländern hat man es auch mit "Seilschaften", Beziehungsgeflechten besonderer Art zu tun, die sich auch ab und an mal in Form von "Affären" über der Wasserlinie zeigen ... seien es die "Kölschen Klüngel" oder die "Amigos" in Bayern ... ich denke, jedes Bundesland, ja jede Kommune hat da so ihre Kreise und damit auch Transparenzprobleme ...

Marco Reese
22. Juni 2009 15:40

Die Linkspartei ist eine Gefahr, eine stärkere als die anderen Parteien, allerdings nicht für die Demokratie, sondern für Deutschland, die Kirche und für den Rest an Recht und Ordnung.

Sie wünscht, das gibt es nicht zum ersten Male, eine Vollendung der Demokratie. Wohlbemerkt verwende ich diesen Ausdruck hier anders, nämlich im von der Linken gebrauchten Sinne - als Gegner dieser Auffassung freilich - als gemeinhin üblich (Demokratie = freiheitlicher Rechtsstaat etc.)

Für diesen Rechtsstaat ist die Demokratie eine Gefahr und darum auch die umbenannte SED, welche sozialistischerweise noch einen draufsetzen möchte.

Die Linke (als Gesamtströmung, ich meine nicht nur die so heißende Partei, die ich eben doch lieber SED nenne) hatte mit dem, was man freiheitlich-rechtsstaatlich nennen könnte, eigentlich nie etwas am Hut, da sie Glaube, Gewachsenes, Persönlichkeit usw. ihren hybriden weltfremden Vorstellungen und Zielsetzungen stets unterordnet, wenn sie sie nicht offen bekämpft, was schon oft genug der Fall war.

.exe
22. Juni 2009 17:10

Sehr richtig: Was ist der Linkspartei vorzuwerfen, was nicht gleichzeitig auf SPD, Grüne, CDU, CSU und all die anderen zuträfe? Das ist es, wir wählen nur noch zwischen goßer und größter Katastrophe.
Und das Schlimmste ist, daß einige, die es besser wissen müßten, es wirklich tausendmal besser wissen müßten, mit aller Macht in dieses Katastrophensystem drängen; teil haben wollen, Teil werden wollen – um fast jeden Preis.
Pah ...

M.
22. Juni 2009 17:32

Die Junge Freiheit stellt den Lesern ihrer Internet-Seite heute die Frage, ob die Linkspartei eine Gefahr für die Demokratie sei. Man kann abstimmen, und ich habe nach einer Antwortmöglichkeit gesucht, die ich ankreuzen könnte. Es gibt aber keine für mich, und ich denke, daß ich nicht der einzige bin, der die vorformulierten Antworten für unglücklich hält.

Bei den Online-Umfragen der JF stelle ich öfters fest, dass die Antwortmöglichkeiten so gewählt sind, dass ein der JF-Redaktion genehmes Umfrageergebnis zustande kommt.

Zur eigentlichen Frage: Ist die Linkspartei eine Gefahr für die Demokratie? Natürlich nicht. Im Gegenteil, sie ist die Oppositionspartei, welche die Verfassungs- und Demokratiefeinde, die momentan die Regierungsgewalt inne haben, am stärksten bekämpft. Als Beispiele seien das Nein der Linkspartei zum Ermächtigungsgesetz von Lissabon oder das Nein zu einer deutschen Beteiligung am Krieg in Afghanistan* genannt.

*) der von der überwiegenden Mehrheit der Deutschen abgelehnt wird

Bauer Gerhard
22. Juni 2009 17:32

Ich teile den Standpunkt von Herrn Kubitschek. Die Parteien haben die Macht in Deutschland an sich gerissen. Das Volk wurde zum Stimmvieh degradiert. Solange die Wahlenthaltung in Deutschland bei der Sitzvergabe nicht mitgerechnet wird, kann man nicht einmal von parlamentarischer Demokratie sprechen.
Die Kandidaten müssten vom Volk gestellt werden, vom Volk gewählt oder auch nicht und für das Volk arbeiten.
Nicht als freie Parlamentarier, mit dem Recht nach Gutdünken zu entscheiden, sondern auf Grundlage zuvor festgelegter Kriterien, die notfalls im Wahlkreis wieder diskutiert und entschieden werden müssen (bei grundsätzlichen Angelegenheiten). Parteimitgliedschaften während der Abgeordnetenzeit müssen ruhen, Fraktionen dürfen nicht gebildet werden. Die Abgeordnetenzeit muss begrenzt werden, die Tätigkeit des Abgeordneten darf kein Versorgungsposten sein, auch muss die Abwahl der Abgeordneten möglich sein. Für die Abgeordnetendiäten wird der Verdienst der letzten 12 Monate zugrunde gelegt, auch eine Höchstgrenze wird festgelegt. Nebenher verdientes Geld, wird angerechnet. Abgeordneter ist kein Beruf mit dem sich die Leute ihren Lebensunterhalt sichern sollen. Der Abgeordnete ist ein Abgeordneter des Volkes und hat die Aufgabe die Regierung zu kontrollieren und Vorschläge einzubringen etc. etc.

Beobachter
22. Juni 2009 17:36

Als außenstehender Beobachter steht es mir nicht zu, mögliche innere Ursachen bestimmter Grabenkämpfe zu beurteilen.

Aber mein Mißfallen kann ich sehr wohl dazu äußern.

Die Welt ist voller Gegner. Es ist falsch jemanden zu bekämpfen, der zwar grob das Ziel teilt, aber einen anderen Weg gehen möchte.
Jeder geht auf seinem Weg einem ähnlichen Ziel entgegen. Bis man dieses gemeinsame Ziel erreichen wird, hat man sich bis dahin zu unterstützen. Ob und welcher Weg der richtige ist, wird man vielleicht später herausfinden. Ob "Sezession" und "Überwinterung" oder "Partizipation" mit "Infiltration" - sind die Lehren soweit von einander entfernt?

Das Gefecht der verbundenen (geistigen?, mentalen?) Waffen ist das Gebot der Zeit!

Hesperiolus
22. Juni 2009 17:49

Über diese oder jene Form von "Demokratie" als eines unter anderen mehr oder weniger erhaltenswerten Funktionsmodellen von Staat läßt sich trefflich streiten. Anders als für den Rechtsstaat habe ich zu ihr kein besonderes attachement, sehe aber in der Linkspartei eine unmittelbare Gefahr für das bonum publicum - wenn man sie nicht als Beschleunigung vorbürgerkriegshafter Frontbildung begrüßen will. Eine Gefahr: durch die parlamentarische und kulturelle Koordinatenverschiebung nach Links, die sozialpopulistische Erosion "leitkultureller" Reste (Bildung, Kirche, Familie, Volk, "Neue Bürgerlichkeit"), als mitteldeutsche Volkspartei, koalierbaren Extremismus, die von Th. Hinz im Leitartikel der neuen JF angesprochenen Aspekte (besonders "in den Bereichen Soziales und Bildung, in Ausländer-, Gender- oder geschichtspolitischen Fragen") usw..

Hesperiolus
22. Juni 2009 18:17

Nachtrag: Vorteil der Linkspartei ist, daß sie die linken Zersetzungs-Inhalte des Wandels von Demokratie und Gesellschaft eben nicht so "smart" und unter irreführenden Etiketten wie das etablierte Spektrum bestrebt, sondern primitiver, direkter, milieulastiger und häßlicher! Left is ugly.

Thorsten
22. Juni 2009 18:22

Hmm, eine Gefahr für das, was man in diesem Land Demokratie nennt, würde ich sicher gutheißen. In der Linken kann ich diese Gefahr leider nicht erkennen.

Die Linke ist eine Gefahr für den sich derzeit vom Volksvermögen nährenden Parteienpöbel und für das Volksvermögen selbst, welches zusammen mit den Resten von Freiheit, Recht und Ordnung möglicherweise etwas schneller aufgebraucht würde als ohne sie.

Harki
22. Juni 2009 18:31

@ M.

Bei den Online-Umfragen der JF stelle ich öfters fest, dass die Antwortmöglichkeiten so gewählt sind, dass ein der JF-Redaktion genehmes Umfrageergebnis zustande kommt.

Sicher. Aber mir wäre kein Online-Auftritt einer deutschen Zeitung bekannt, auf dem es regelmäßig nicht-demente Umfragen gäbe. Es handelt sich eigentlich immer um dieses hirnlos-einengende Vorformulieren der Antwort-Möglichkeiten, allemal eine Zumutung.

Thorsten
22. Juni 2009 18:33

Nachtrag:

Da die Linke dafür sorgt, dass ein Klientel von JF-Schreibern und -Lesern weiterhin ein angeblich kleineres Übel wählt, ist die Linke keine Gefahr sondern ein Stabilisierungsorgan für die Parteien, die diesen Staat okkupiert haben, jedenfalls solange sich der Erfolg der Linken im zu gewährenden Rahmen der Machthaber hält.

Rudolf
22. Juni 2009 19:16

Es entsteht der Eindruck, als wollte die JF in erster Linie die bisher auf die Rechten angewandten Muster nun auf die Linken übertragen.
Besonders einfallsreich ist das nicht.

Fabian Flecken
22. Juni 2009 19:28

Sehe die Sache bezüglich der Linkspartei sehr ähnlich wie Götz Kubitschek. Natürlich ist Inhalt und Gehabe oftmals eine Zumutung, aber eine Gefahr ? Die Demokratie wird seit Jahrzehnten von anderen Parteien in staatstragender Form ausgehöhlt. Wenn Demokratie, dann wie richtig angemerkt, nach Funktionstüchtigkeit und zwar durch eine Stärkung ,,von oben`` durch mehr Macht für einen gewählten Präsidenten und ,,von unten`` durch das Mittel der Volksabstimmung gerade in existenziellen Fragen. Die mittlere Ebene hat in den letzten Jahrzehnten genug Kompetenzen an sich gezogen, oder und anschließend die EU durchgereicht ! Wenn es um die Freiheit geht, ist die Gedankenpolizei Verfassungsschutz sicherlich auch nicht gerade der beste Stichwortgeber.

Corvusacerbus
22. Juni 2009 19:34

Ach ja, die Demokratie. Die ist ein weites Feld und jetzt soll sie bedroht sein durch Die Linke? Gregor Oskarque ad portas und wir müssen jetzt alle ganz tapfer sein? 'Ruhig Brauner', warum um alles in der Welt soll durch Die Linke, die doch nur Sozialdemokratie ist (und wem hat die je weh getan?), die Demokratie gefährdet sein? Weil in Berlin die Gymnasiumsplätze ausgelost werden? Weil Plutokraten, Oligarchen, Fernsehmoderatoren, Fomel-1-Fahrer und was an weiteren Nießbrauchern mehr als Elite unsere Demokratie bevölkert, ihre Schwarz- und Spekulationsgelder janz weit oder noch weiter wech bringen müßten? Oder - um mal grundsätzlich und demokratiemäßig betrachtet, wortwörtlich zu werden - weil Die Linke die Volksherrschaft abschaffen würde? Freunde, erstens lassen die Genossen von der reformerischen Sozi-Fraktion (und dazu gehört Die Linke, allen enthüllerischen JF-Doppelseiten zum Trotz) die Tassen immer selber im Schrank, wenn sie schon mal mehr Demokratie wagen dürfen, zweitens wird jetzt schon verstaatlicht und niemand merkt nen Unterschied zu vorher, und drittens ist nicht wirklich viel zu bedrohen und abzuschaffen an Demokratie/Volksherrschaft, höchstens wäre was herzustellen davon und wenn das Die Linke beförderte, könnte das zum einen eine gelungene Ironie der politischen Dialektik sein und müßte zum anderen nicht falsch sein, nur weil Rechte Die Linke bäh finden, oder? Kurz und gut, die JF-Umfrage muß man nicht mal ignorieren, nicht nur sind die Antwortmöglichkeiten mehr oder minder albern und irrelevant, sondern es kann auch nix abgeschafft werden, was es gar nicht gibt. Oder war mit die Demokratie diese eigenartige sogenannte parlamentarische Demokratie gemeint, in der die Parteien an meiner Willensbildung teilnehmen, und die wäre durch Die Linke bedroht? Ich glaube nicht dran, wie gesagt, denn diese Demokratie war den Sozen noch stets heilig, aber wenn's so wäre, dann käme ich an der Urne selber noch glatt in Versuchung, denn diese Demokratie in diesem unserm Lande ist mir inzwischen nur noch ein Graus. Fazit: (1) Die Linke bedroht gar nix von Belang und was sie bedroht, kann ruhig mal aufgemischt werden. (2) Die Demokratie ist weder erreicht noch bedroht und sicher nicht durch Die Linke. (3) Der Kapitalismus ist ebenfalls nicht bedroht und sowas von ganz sicher nicht von einer deutschen Partei Die Linke (en passant: was v.a. Lafontaine fordert - mehr Regulierung etc. - finden inzwischen auch Daimler, Obama, Karstadt und andere Honoratioren durchaus systemkompatibel). So weit, so gut und abgehakt. Was mich vielmehr interessiert, ist, "Was bedroht die Existenz meines geliebten Vaterlandes Deutschland?" Und wenn ich darüber nachdenke, dann machen mich der Fremdarbeiter-Oskar (Lafontaine), der Berliner Junge Gregor (Gysi), der aufrechte Lothar (Bisky), ja selbst die schöne Sarah (Wagenknecht) viel weniger besorgt, als all' die Dummschwätzer und liberalen Antideutschen in allen anderen Parteien und vor allem all' die Vaterlandsverräter, kulturellen Ausverkäufer, Identitätsaufweicher und fünften Kolonnen des Islam in Wirtschaft, Gesellschaft und Wortindustrie, die aus ihrer eigenen Heimatlosigkeit und ihrem Identitätsproblem unbedingt kollektive Heimatvernichtung und Identitätszersetzung machen wollen, um sich dann endlich geborgen und heimisch fühlen zu können.

PB
22. Juni 2009 19:40

Sieht man von Nitzsche ab, ist der Deutsche Bundestag uniform links okkupiert, denn auch der neue Pirat ist ja schließlich nur ein alter Sozi.

Man schaue nur mal in die taz von heute:

Jusos

CDU

Zur FDP findet sich zwar aktuell nichts passendes, aber wenn die Grünen stark genug bleiben, so dass eine Ampel rechnerisch möglich wäre, würde auch die FDP bereitwillig noch ein Stückchen nach links rücken, um endlich wieder mal am Kabinettstisch platznehmen zu dürfen.

tiberius
22. Juni 2009 20:25

Na liebe Macher von Jf. und Sezesion, überrascht ?

also ich finde es überaus bemerkenswert wie differenziert sich hier mit dem Thema "demokratie-Gefährdung" auseindandergesetzt wird.

Man würde sich so sehnlich wünschen, es gäbe eine politische Kraft die sich mit der gleichen Intelligenz und Pointiertheit für dieses Land einsetzen würde.

Oder anders: Wenn bereitwilligst jede seiner Überzeugungen und Positionen per Nachnahme ausliefert, darf man sich nicht beklagen, wenn andere das nicht tun wollen -auch wenn deren Ansichten noch so falsch sind.

godeysen
22. Juni 2009 20:56

Totalitarismus vs. Freiheitlichkeit

Im Sozialkundeunterricht in der Mittelstufe des Gymnasiums Anfang der 80er Jahre lernten wir (vereinfacht wiedergegeben): Es gibt freiheitlich demokratische Systeme, und es gibt totalitäre Systeme. Totalitarismus erkennt man an einer Reihe von Merkmalen, z.B. Einparteiensystem, Gleichschaltung der Medien, starke Einschränkung dessen, was die UN als Grundrechte definiert, staatliche Kontrolle auch im privaten Bereich. Diese Merkmale, so lernten wir damals, wiesen z.B. der Nationalsozialismus und der Sowjetkommunismus auf. Unser Lehrer war, wohlgemerkt, eher ein progressiver Linksliberaler.

Ich favorisiere diese Polarisierung bis heute, entgegen dem einige Jahr später gegen Ernst Nolte ausgesprochenen Dogma, daß der Nationalsozialismus einzigartig und also nicht mit anderen Systemen, vor allem nicht mit denen im Zeichen von Hammer und Sichel vergleichbar sei.

Die PDS/Linke steht für Merkmale des Totalitarismus. Sie ist die direkte Nachfolgeorganisation einer Staatspartei, viele ihrer Repräsentanten waren an der totalitären Bespitzelung der Bürger beteiligt und distanzieren sich auch heute kaum vom DDR-System. Auch die Haltung der Linkes zu Meinungs-, Versammlungs- und Pressefreiheit ist unklar.

Ich würde daher sagen: Ja, die "Linke" ist eine Gefahr für die Demokratie, da sie Merkmale des Totalitarismus vertritt, und der ist - ob rot, ob braun - das Gegenteil der freiheitlich-demokratischen Grundordnung. Ich stimme aber Götz Kubitschek darin zu, daß auch die anderen in Deutschen Bundestag vertretenen Parteien mittlerweile totalitäre Positionen vertreten, insbesondere im Hinblick auf Meinungs- und Versammlungsfreiheit.

rjaeck
22. Juni 2009 22:34

Die Linkspartei ist einerseits so lange eine Gefahr für die Demokratie, wie sie Strömungen wie die "Kommunistische Plattform" in sich birgt, die die bestehende Ordnung - mag man sie nun für eine echte Demokratie halten oder nicht - beseitigen will.

Andererseits hat sie wohl das Bestreben, auf ewig Oppositionspartei spielen zu wollen, siehe dazu die jüngst formulierten absurden Wünsch-Dir-was-Segnungen, also doch keine echte Gefahr.

Gefährlich eher für die wirtschaftliche Ordnung und die der Staatsfinanzen, denn wer soll denn der Meinung der Linken nach die ganzen Sozialgeschenke bezahlen? Die "Millionäre"? Die werden uns was husten und - falls die theoretische Gefahr einer Regierungsbeteiligung der Linkspartei droht - das Weite suchen. Unsere Kinder und Enkel? Sollten die die Lage unserer, also ihrer Nation dereinst bewußt begreifen, tun sie's den "Millionären" womöglich gleich? Gefahren bestehen, da stimme ich Corvusacerbus zu, eher für unsere Nation, aber nicht in erster Linie durch die Linkspartei.

Zur Demokratie an sich:
Das Parteiensystem und der Fraktionszwang behindern echte Mitbestimmung des Volkes. In kleinen Kommunalparlamenten klappt's eher noch mit der Demokratie. Da wählt man die Leute, die man kennt bzw. deren Ansichten zu Sachfragen man vernünftig findet. Parteizugehörigkeiten spielen da oft eine untergeordnete Rolle. Direktwahl der Abgeorneten - ohne Parteienlisten - das würde dem Parlament aller Deutschen auch gut zu Gesicht stehen!

Martin Lichtmesz
22. Juni 2009 22:40

Ich hätte vor dieser Umfrage auch gerne definiert gehabt, wie denn eine "Gefahr für die Demokratie" denn nun konkret aussehen soll. Wovon man eigentlich redet, wenn man "Gefahr" sagt, und wenn man "Demokratie" sagt. "Die" Demokratie - damit meint man in der Regel immer sich selber, und eine "Gefahr", das sind immer die anderen.

In der Tat geht man am Problem vorbei, wenn man blindlings immer nur in den rechten und linken Rändern "Gefahren" sucht. Damit folgt man kritiklos einer Strategie der politischen Oligarchen. Denn wahrscheinlich müssen die Ränder eben darum so oft als Sündenböcke und Malefize herhalten, weil die etablierten Massen/Mitteparteien es häufig nötig haben, von sich selber abzulenken.

Hohenstaufer
22. Juni 2009 23:06

An dieser Stelle nur der Hinweis auf den demokratiekritischen Klassiker Davilá und dessen zentrale Aussagen zu dieser Staatsform:

https://www.monarchieliga.de/text/davila-scholien.htm

Bauer Gerhard
23. Juni 2009 05:09

Auch im GG wird die Aufgabe etwas anders behandelt, wie sie heute Realität ist. Abstimmungen durch das Volk sind auch erwähnt, die Grundlage für Volksabstimmungen, die uns durch die Parteien verwehrt werden.

Artikel 20

(1) Die Bundesrepublik Deutschland ist ein demokratischer und sozialer Bundesstaat.

(2) Alle Staatsgewalt geht vom Volke aus. Sie wird vom Volke in Wahlen und Abstimmungen und durch besondere Organe der Gesetzgebung, der vollziehenden Gewalt und der Rechtsprechung ausgeübt…..

Artikel 21

(1) Die Parteien wirken bei der politischen Willensbildung des Volkes mit…..

Thomas
23. Juni 2009 09:44

Ja, die Linkspartei IST eine Gefahr für die Demokratie und noch mehr eine Gefahr für den freiheitlichen Rechtsstaat und für unser Vaterland. Sie paktiert mit außerparlamentarischen linksextremen Gruppen, sie duldet mit der "Kommunistischen Plattform" eine extreme Gruppierung in den eigenen Reihen, sie verharmlost totalitäre Regime, pflegt selbst eine totalitäre Ideologie und marschiert bei der Beschneidung von Freiheitsrechten für alle Nicht-Linken an forderster Front.

Daß die anderen Parteien ebenfalls Defizite aufweisen, sich den Staat zur Beute gemacht haben, abweichende (vorzugsweise rechte) Meinungen unterdrücken etc. beziehungsweise daß die Demokratie in ihrer derzeit real-existierenden Form Defizite aufweist, sollte nicht dazu verführen, die Gefahr, die von der Linkspartei ausgeht, für ungefährlich zu halten. Die Linkspartei - allem Oppostitionsgetue zum Trotz - ist Teil dieses totalen Parteienstaates, ja, sie ist gewissermaßen dessen Speerspitze.

Daher ist es gut und richtig, wenn die Junge Freiheit die Linkspartei, ihre totalitären Tendenzen und ihre Vernetzungen zum Thema macht.

netzwerkrecherche
23. Juni 2009 10:09

Es bietet sich an, bevor man die „Gefahr einer Demokratie“ feststellt, erst einmal die „Demokratie“ zu definieren. Wenn „Demokratie“ die partizipative Willensformung von Teilen einer Menschengruppe darstellt, dann ist jedes ideologische Denkgebäude zulässig und darf nicht durch Institutionen einer Mehr- oder Minderheit diskreditiert, diffamiert oder gar verfolgt werden. Wenn es ein staatliches Ordnungsgebilde mit Grundsätzen wie der „FDGO“ oder „verfassungsmäßigen Ordnung“ ist, dann kann die Ordnungsmacht zum Schutz und Erhalt der Ordnung Gruppen selektieren und negativ sanktionieren, die diesem Staatsgefüge vermutlich oder tatsächlich feindlich gegenüberstehen. Beide Demokratiebegriffe sind nicht miteinander kompatibel.

Es ist wie mit Schwarz-Rot-Gold: Sind es die Farben aufrührerischer Revolutionäre oder sind es die Farben eines repressiv-reaktionären Überwachungsstaates?

Der historische Realkommunismus ist gescheitert, doch schleicht die Ideologie der Gleichheit, oder besser: Gleichschaltung, längst in anderer Gestalt durch die Massengesellschaft mit dem Ziel einer diesmal endgültigen Beherrschbarkeit geistig und körperlich uniformierter Menschenkinder. Der moderne Bolschewismus kommt nicht mehr mit Peitsche und Aushungerung, mit Genickschuß und Gulag, sondern er formt über die Psychomacht der Massenmedien bereits die Hirne der Kinder und konditioniert das aus audiovisuellen Erinnerungen gespeiste Bewußtsein von erwachsenen Individuen der Massengesellschaft.

Nein, für DIESEN Menschenzoo ist die modernisierte Neo-SED keine Gefahr, sie wäre bestenfalls sein Beschleuniger, so wie etwa auch die GRÜNEN. Und die alten Kader – immerhin ist das Durchschnittsalter in der Partei 65 Jahre – sind zwar ein konservativ-reaktionärer Klüngel des historischen Realkommunismus, doch bereits auf Grund ihrer Senilität nur noch Humus.

Marco Reese
23. Juni 2009 10:13

"Freiheitlich-demokratisch" ist ein instabiles zeitweiliges Konglomerat, eigentlich ein Oxymoron, oder aber man gebraucht die Begriffe nicht eindeutig, will man damit auf etwas vermeintlich Tragfähiges verweisen und die Problematik übergehen. In dem Falle aber handelt es sich dann ohnehin um eine Phrase; so ist es doch heuer.

Die eigentliche persönliche Freiheit ergibt sich aus dem Wissen um einmal die eigene Geschöpflichkeit, damit zusammenhängend um die Sünde und aus beidem sich ergebend um die Erlösung in Christo; der uns "zur Freiheit befreit" hat, die aber eine Freiheit in Verantwortung ihm gegenüber, Gott überhaupt gegenüber und aber insofern auch dem Nächsten gegenüber ist, in den Zusammenhängen, in welche man gestellt ist: Zeit, Ort, Volk, Familie, Stand et c.

Die Linke hingegen versteht unter Freiheit die potentiell unbegrenzte Selbstverwirklichung des Individuums nach dessen eigenem Willen.

Die Ich-Bezogenheit wird nicht durch Kollektivierung aufgehoben, sondern hier handelt es sich dann um die Masse, die nicht mehr das Ganze, sondern nur noch sich selber will (nach Franz v. Papen bzw. Edgar J. Jung 1934)

Freiheit ist hier Freiheit von Verantwortung dem Ganzen und anderen Menschen und vor allem Gott, der einen dazu verpflichtet, gegenüber.

Dieser Wahn führt aber gerade in tiefste Unfreiheit, in Schutzlosigkeit, Verlassenheit, Handlungsunfähigkeit, Konformismus, Vermassung...

Die Kollektivierung dieses Individualismus ist ja die logische Folge, wenn zum entsprechenden Freiheitsbegriff derjenige der Gleichheit hinzutritt, und dies ist notwendig, um überhaupt Freiheit von Verantwortung und Gebunden-Sein einfordern zu können.
Daraus ergeben sich dann die diversen demokratisch-totalitären Menschheitsbeglückungsversuche. Denn der Linke meint es ja auch immer gut; und er hält "den" Menschen eben auch für gut, und ist daher der Auffassung, weltlicher Fortschritt sei möglich und nötig. Vor allem will er eigentlich seinen eigenen Lebensstil anderen aufzwingen, weil er sich aufgeklärt glaubt. Wer dies nicht annimmt, muß bekämpft werden.
Wer also den Allgemeinwillen, der sich entweder in einer bestimmten Person oder Gruppierung verkörpert oder aber wenigstens durch diese durchgesetzt werden soll, nicht als den seinen akzeptiert und mitträgt, ist ein Feind der Menschheit.

Rot (in unterschiedlicher Schattierung) und braun sind nicht Gegenteil der Demokratie im engeren Sinne, sondern ideologisch wie methodisch wie phänomenologisch wie strukturell ihre Konsequenz, d. h. die Konsequenz aus "1789".

Frau P.
23. Juni 2009 11:25

Interessant ist, daß die Linke von ihrer Warte aus durchaus überpersönlich argumentiert, mit eigenen Worten: die Systemfrage stellt, anstatt nur geschmäcklerisch über dieses oder jenes sich-einrichten zu diskutieren.

Interessant auch, daß zumindest im letzten Bundestagswahlkampf Lafontaine der einzige war, den ich wörtlich vom deutschen Volk habe reden hören. Und von der Verpflichtung deutscher Politik, vornehmlich dessen Interessen zu dienen, und nicht einer übernationalen Herrscherkaste der man selber so gerne angehören möchte.

Die traditionelle Feindschaft zwischen Rechts und Links dient leider vielen als Scheuklappe, die verdeckt daß nicht alle Linken zwingend 1918, 1948 oder 1968 stehen geblieben sind.

Auch dürfte sich doch mancher wiedererkennen, wenn ausgerechnet Lafontaine, der einzigen sozialdemokratischen Führungsfigur die NICHT bei der Demontage der eigenen Parteigrundsätze und der endgültigen Umstellung auf angloamerikanische Polit- und Wirtschaftslogik mitgemacht hat, sein Rücktritt als Einknicken und Wankelmütigkeit ausgelegt wurde - und das Volk solche Verdrehungen widerspruchslos frißt.

Ich halte diese Partei ebenfalls weder für undemokratisch noch für durchgehend vaterlandslos. Innere Widersprüche, seltsame Spinnerblöcke und meine eigene Dissenz zu vielen Programmpunkten - nun, das ist ein anderes (wichtiges) Thema und sollte für politisch denkende Menschen auszuhalten sein. Jedenfalls möchte ich nicht unter denjenigen Rechten leben, die auf diese Verschiedenheiten am liebsten gleich mit Verboten reagieren würden, was hier ja ganz leise wieder bei einigen durchschimmert.

godeysen
23. Juni 2009 11:54

Lieber Herr Reese,

bitte erklären Sie, wie das Wissen "um die Erlösung in Christo" ein tragfähiges Fundament eines diesseitigen Gemeinwesens darstellen kann.

Tommy S.
23. Juni 2009 12:48

Bei dem ergänzend von Herrn Lehnert zitierten Buch "Fibel der Demokratie" handelt es sich keineswegs um ein grundsätzlich systemkritisches Werk, das die Demokratie ablehnt. So schreiben die "Gewerkschaftlichen Monatshefte 12/1953 darüber in einer Rezension (aufzufinden im elektronischen Archiv der Friedrich-Ebert-Stiftung): "Fernau seufzt über seine lieben Landsleute, die immer noch nicht begreifen, was sie eigentlich an der Demokratie haben. (….) Fernau preist sie zwar als die humanste der Staatsformen, aber er kennt die Unzulänglichkeit von Menschen und Systemen genug, um sie zwar als unbedingte Notwendigkeit, aber nicht als Patentlösung zu bezeichnen."

netzwerkrecherche
23. Juni 2009 13:08

@marco reese
„Rot (in unterschiedlicher Schattierung) und braun sind nicht Gegenteil der Demokratie im engeren Sinne, sondern ideologisch wie methodisch wie phänomenologisch wie strukturell ihre Konsequenz, d. h. die Konsequenz aus „1789″.“

Methodisch wie phänomenologisch wie strukturell analog ist jede Massengesellschaft, mag sie ideologisch als Faschismus, Bolschewismus oder Demokratismus daherkommen. Die Handelnden und Nicht-Handelnden sind beliebig auswechselbar oder in jedes System implementierbar, fast alle. Die Zeitlosen kann man an einer Hand abzählen.

Aber Ideologie bzw. die ideologische Herrschaft ist selbst als Massenphänomen auch immer noch Kultur, ist auch immer ein Versuch der Neuformung eines komplexen Zivilisationsgebildes namens Staat. Der Versuch entsteht aus den Erfordernissen seiner Zeit, den artikulierten Bedürfnissen einer entschlossenen Gruppe, wird früher oder später scheitern, verflachen oder von selbst überflüssig. Aber ist ein Schritt der Menschheit, im Guten wie im Schlechten lehrreich.

Der historische Realkommunismus ist historisch! Laßt den letzten weißhäuptigen Relikten ihre Rente und ihren Glauben, den ihr sowieso nicht mehr werdet ändern können! Und schaut lieber auf das, was für euch, die ihr doch „konservieren“ wollt, viel gefährlicher erscheinen müßte!

@godeysen
Jede (tradierte) Anschauung, die Einzelpersonen zu Gemeinschaften binden kann, steht den Auflösern und Neuformern – den Predigern von Gleichheit und Individualismus – diametral entgegen und wird als Konkurrenz empfunden, was sie potentiell auch ist. Manch verzweifelte Vertreter dieser alternativ-konservativen, konkurrierenden, aber sich auflösenden und immer kleiner werdenden Gemeinschaften sind in der Heilserwartung durch ihre Apostel befangen. Wer wollte ihnen das verübeln!

Druide
23. Juni 2009 16:30

@ godeysen
"bitte erklären Sie, wie das Wissen „um die Erlösung in Christo“ ein tragfähiges Fundament eines diesseitigen Gemeinwesens darstellen kann."

Anders formuliert, könnte man sagen, dass nur die Inbezugsetzung des Selbst zum eigenen Tod eine tragfähige Lebensplanung ermöglicht. Man neigt heute doch sehr dazu, sich bis zur Diagnose für unsterblich zu halten und verschwendet deshalb seine Zeit. Vielleicht klingt das weniger theologisch.

Harry
23. Juni 2009 18:02

@ Druide

"... jeden Morgen den Tod überantworten ... vorstellen, auf alle möglichen Weisen umzukommen ... Dies ist keine Mahnung zur Vorsicht, sondern eine Methode, sich auf sein Schicksal vorzubereiten." (Tsunetomo Yamamotos Hagakure).

Geht auch ohne Jesus.

nico
23. Juni 2009 23:04

Ita est: Non accipimus brevem vitam, sed facimus, nec inopes eius, sed prodigi sumus. Sicut amplae et regiae opes, ubi ad malum dominum pervenerunt, momento dissipantur, at modicae, si bono custodi traditae sunt, usu crescunt: ita aetas nostra bene disponenti multum patet.

(So ist es: Wir erhalten kein kurzes Leben, sondern machen es dazu, wir haben keinen Mangel daran, sonder gehen nur verschwenderisch damit um. Sowie große und königliche Schätze, sobald sie an einen schlechten Herrn geraten sind, augenblicklich vergeudet werden, aber bescheidene, wenn sie einem guten Hüter übergeben worden sind, bei ihrem Gebrauch anwachsen: So dauert auch unser Leben lange für einen, der es gut einteilt.)
(Seneca)
Geht auch ohne Fernost :-)

Ansonsten finde ich es nicht schlecht, dass die Junge Freiheit die Linke aufs Korn nimmt und sie tut dies zu recht. Ob die Umfrage so gelungen ist, lässt sich sicher bezweifeln, ist aber in meinen Augen eher unwichtig. Im Übrigen kommen bei der JF auch die anderen, von Herrn Kubitschek zurecht mit eingebrachten Parteienkartelle nicht gut weg.
Ich mag die JF;-)

Vulture
24. Juni 2009 17:15

Liebe Leute, ueberseht im Eifer des Gefechts nicht, das bei der JF auch Angies CDU regelmaessig ihr Fett weg bekommt. Weiterhin meine ich mich zu erinnern das z. Bsp Hinz in der JF die vielzitierte Parteienoligarchie und ihre Beute Staat bestimmt mehr als einmal thematisiert hat.
Auch wenn ich Kubitscheks Ausfuehrungen inhaltlich nicht widerlegen kann und will, wuerde ich deshalb die Linken-Umfrage der JF nicht als generelle Tendenz ebendieses Blattes werten, sondern als einen der Oberflaechlichkeit geschuldeten qualitativen Tiefpunkt.
Unter diesem Qualitaetsaspekt ist Kubitscheks Beitrag zu begruessen, es kritisiert diesen Laden ja sonst niemand ernsthaft und oeffentlich. Hoechstens hetzt man gegen die JF.

godeysen
24. Juni 2009 20:08

Noch ein Wort zu meiner kritischen Frage weiter oben und zur Sache generell. Wenn Konservative (wieder) ernst genommen werden wollen, sollten sie sich vor irrationalem Gefrömmel hüten.
Grundsätzlicher Gedanke: Es gibt eine Polarität zwischen Freiheitlichkeit und Totalitarismus (das ist sozusagen die x-Achse des politischen Koordinatensystem) und es gibt eine Polarität zwischen Ratio und Ideologie (das ist die y-Achse). Zur Ideologie zähle ich die Vorstellung von der Gleichheit aller Menschen, den Glauben an 70 Jungfrauen im Jenseits oder an die Erlösung in Christo oder das Essen wirkstoffloser Milchzuckerkügelchen zwecks Heilung von Krankheiten.

nico
24. Juni 2009 22:40

Ich stimme meinem Vorredner größten Teils zu, sehe die Bedrohung für ein hübsches Bild im Koordinatensystem aber ausdrücklich nicht in einer Heilsvorstellung in Christus! Ich bin zwar kein Experte in Exegese, aber ich glaube es würde auch für kreative Exegeten schwer werden, anhand des Neuen Testaments zB. einem Massenmörder für einen Massenmord Massensex in Aussicht zu stellen. Das Gros des Christentums ist heute bis an den Rand der Selbstaufgabe aufgeklärt...leider, wie ich manchmal finde. Daher ist der Vergleich mit dem (zu erheblichen Teilen) unaufgeklärten Islam unpassend.
Am Ende sei noch auf den wissenschaftlich nachgewiesenen (oder?) Plazebo-Effekt hingewiesen ;-)

Druide
24. Juni 2009 23:18

@godeysen
Im Gegenteil, muss der Konservative den irrationalen Teil der Vernunft wieder in sein Recht setzen. Es ist gerade die Verleugnung der Irrationaliät des Menschen eine unter mehreren Voraussetzungen für den heutigen Missbrauch des Verstandes. Und auf metaphysischen Gebiet die Gedanken überhaupt wieder zu erforschen, geschweige denn zu ordnen, wird die einzige Möglichkeit sein, endlich Individuum und Gemeinschaft ins rechte Lot zu rücken.
Aber darüber wäre längere Konversation zu führen.

Druide
24. Juni 2009 23:25

Achja, und das Ergründen der Probleme des gesamten menschlichen Seins beginnt (klassischer Weise) in der Auseinandersetzung mit dem eigenen Tod.

Marco Reese
25. Juni 2009 16:26

Gerade der christliche Glaue bewahrt doch vor: einerseits Verlassenheit, andererseits - aus der Verlassenheit sich ergebenden - Drang nach Verbesserung der Welt in ihren Grundzügen; wobei dieser Drang wiederum meist sehr ich-haft ist.

Außerdem geht es hier um nicht weniger als um: Wahrheit. So weit sie von Menschen erfaßt werden kann. Nicht um ein möglichst gutes, reiches, schönes etc. Leben des Einzelnen oder der Gesamheit usf...

Erwalf
25. Juni 2009 17:27

Linke sind Antifaschisten; Antifaschisten sind Faschisten mit zwei Vorsilben, aber keine Demokraten; Demokraten haben kaum Chancen, in den Bundestag oder dergleichen zu kommen, weil sie auch demokratischen Rechten demokratische Rechte zukommen lassen würden, was selbsternannte Anständige nicht dulden; rechten Demokraten bleibt so nur die Sezession in Richtung Metapolitik, Metaphysik, Kultur und Glauben, bis der unberechenbare Geist der Zeit andere Möglichkeiten bietet, die dann zu ergreifen sich jeder bereit halten kann. - Im übrigen ist die Demokratie, mit den Worten Churchills, die schlechteste aller Staatsformen - aber es gibt keine bessere. Doch nicht jede deutsche demokratische Republik ist eine Demokratie, eher im Gegenteil.

Harry
25. Juni 2009 18:49

@ Druide

Sie schrieben: "Im Gegenteil, muss der Konservative den irrationalen Teil der Vernunft wieder in sein Recht setzen."

Wie und warum?

Kann den nicht auch die Anerkennung der Irrationalität des Menschen eine Voraussetzung sein, den Verstand zu missbrauchen? Ist den die Ordnung der metaphysischen Gedanken nur um den Preis zu haben, irrationaler Axiome zu haben?

Im Reich des Geistes kann man doch - bei Akzeptanz einiger Basics - sogar die Freuden des christlichen Martyriums rechtfertigen. Den Solipsismus religiöser "Wahrheit(en)" kann man jedenfalls nur als Solotrip akzeptieren. Wer sich verlassen fühlt, mag sich hier geborgen fühlen, das steht jedem frei. Aber als Basis eines Gemeinwesens!? No way.

Bleiben wir doch einfach bei dem, was ist.

Druide
25. Juni 2009 22:29

Selbstverständlich kann auch die Irrationalität missbraucht werden, was aber nicht rechtfertigen kann, sich damit nicht auseinanderzusetzen. Heute wird so getan, als seien Vernunft und Verstand eins. Dem ist aber nicht so und ein fehlgeleiteteter metyphysischer Trieb erschafft diesseitige Pseudo-Religionen wie Kommunismus (Reich Gottes auf Erden) oder Holocaust-Reliquienverehrung. Alles irrational, genauso wie die Arbeitsweise der Medien. Auch das szientistisch-technische Weltbild beruht auf einem Glaubenssatz - dem Fortschritt. Aber das alles kann ich hier nur umreißen. Ein Blog kann auch die eigene Erfahrung nicht ersetzen. Für seine Familie, seine Freunde und sein Volk muss man im Ernstfall aber das eigene Leben einsetzen, um deren Überleben zu gewährleisten. Nur das ist echte Verteidigungsbereitschaft und geht über Lippenbekenntnisse hinaus. Das ist übrigens Freiheit nach Kant, nämlich Einsicht in die Notwendigkeit.

"Bleiben wir doch einfach bei dem, was ist."
Wenn das gewollt wäre, wäre der Titel von Zeitschrift und Netzangebot obsolet.

Harry
26. Juni 2009 14:37

@ Druide

Mit dem "was ist", ist natürlich nicht der status quo gemeint, sondern das Konkrete.

Wenn es nur darum geht, dass Irrationale nicht zu verdrängen, sind wir ja einer Meinung. Wunderbar :)

Marco Reese
26. Juni 2009 16:26

Der Mensch ist nun einmal nicht rein rational, da seine ratio im guten Sinne infolge seines Sich-Kehrens gegen seinen Schöpfer beschädigt ist. Also neigt er zu Subrationalismus, zu Animalismus. Das ist genau das, was anderswo mit "Irrationalismus" bezeichnet wird. Das wirklich In-Rationale, also mit der Vernunft nicht zu Erfassende, ist hingegen eigentlich besser statt als in-rational/irrational als super-rational, übervernünftig zu bezeichnen, und von diesem Übervernünftigen, d. h. eher für den Menschen Übervernünftigen, denn bei Gott ist es ja vernünftig und log-isch (von logos = Wort oder Vernunft), von diesem hängt das (für den Menschen) Vernünftige ab.

Geist- und seelenloser Rationalismus ist eben gerade nicht rational im Sinne eines glaubenden, insofern aber vernünftigen und einsichtigen Anerkennes der übervernünftigen Voraussetzung der menschlichen Vernunft, sondern untervernünftig, subrational. Damit aber freilich dem Menschen schadend, aber vor allem und zuerst gegen das für uns Übervernünftige, gegen das Göttliche gerichtet, was das eigentlich Schlimme ist. Die schlechten Folgen für uns hier auf Erden folgen nur daraus.

Die ganze Moderne läßt sich geistesgeschichtlich so betrachten.

Das eigentlich Schlimme sind doch, wenn man mal wirklich ehrlich ist, gar nicht zuallererst die Massenmorde der Moderne, die Entwurzelungen, die Entartungen, sondern das, was dem voraufging, nämlich die Selbstermächtigung des Menschen qua entsprechender ich-hafter, hybrider, selbstgerechter, anthropozentrischer Ersatzreligion bzw. antireligiöser Menschheitsideologie. Für uns auf Erden freilich ist das daraus Folgende das augenscheinlich Schlimmste. Wir sollten uns aber fragen, woher das kommt.

Und ich betrachte es mit Bedauern, daß ein nennenswerter Teil der heutigen "Konservativen" oder "Rechten" dergleichen nicht einsehen will.

Dann müssen wir uns nicht formieren, dann müssen wir nicht debattieren, dann müssen wir nicht allerlei Beiträge schreiben. Dann reicht es, wenn eine "Rechte" nur der rechte Flügel der Moderne bleibt, der nur nicht ganz so schnell mitzieht wie der Rest. Und wenn jeder macht, was immer er will. Kein Bedarf. So geht es nicht.

godeysen
27. Juni 2009 13:13

"Den irrationalen Teil der Vernunft wieder in sein Recht setzen". Das ist schön formuliert, und ich stimme teilweise zu. Religion, re-ligio, ist eine anthropologische Universalie, biologisch und kulturell evolviert im Dienste der Stabilisierung von Gemeinschaften. Wer bereit ist, sich an strenge Regeln des Miteinander zu halten, wie sie die Religionen in ihren heiligen Schriften formulieren, ist in der Regel ein zuverlässiges zoon politikon, das für die Gemeinschaft Opfer bringt. Atheistische Systeme (um wieder mal die Kurve zu Kubitscheks Eingangsthema zu kriegen) wie der Kommunismus oder der Nationalsozialismus leugnen das Transzendente und ersetzen es zugleich durch das Pseudoreligiöse (z.B. Personenkult). Auch die integrative Kraft des Mythos ist offenbar universell. Wo kein Gott mehr ist, da ist dann etwa der "Gründungsmythos Auschwitz" (J. Fischer).

Erkennen wir die einzigartige kulturstiftende und gemeinschaftsbildende Funktion der religio an. Verstehen wir sie als evolvierte Verhaltensuniversalie mit adaptivem Wert. Aber hüten wir uns davor, die Ebene der Gotterkenntnis, des persönlichen Glaubens, verallgemeinern zu wollen. Da fängt der Mißbrauch an, der Fanatismus, die Verdrängung des Denkens durch das Wähnen.

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