Sezession
11. November 2018

Sonntagsheld (83) – Nie wieder Verdun!

Till-Lucas Wessels / 27 Kommentare

Ihr kriegt unsere Toten nicht.

Till-Lucas Wessels

Till-Lucas Wessels studiert und ist identitärer Aktivist sowie »Minenhund für zukünftig Zumutbares«.

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Wie schreibt man über einen Krieg, der den Heldentod zur industriell abgefrühstückten Massenware machen musste; der vor einhundert Jahren auf eine Weise endete, die schon unter Zeitgenossen einen "zweiten Dreißigjährigen Krieg" beschwor? Wie schreibt man heute über das Blut der Gefallenen, in dem sich jedes Jahr sogenannte "Staatschefs" suhlen, wenn sie die Denkmäler derer, die schon länger hier liegen, als Bühnen für ihre globalistische Seifenoper nutzen?

Am besten vielleicht gar nicht? Vielleicht lieber in einen Gottesdienst gehen und für die Seelen der Abberufenen beten? Vielleicht eine Kerze anzünden an einem der Denkmäler, die es (noch) in fast jedem Ort gibt? Womöglich ist ja sogar der eine oder andere nach Warschau gereist, um Seite an Seite mit Kameraden aus ganz Europa vor Ort die polnische Unabhängigkeit zu feiern, oder aber er ist gerade deswegen zuhause geblieben, weil er die Kraft, die diese Überwindung für einen Deutschen kosten würde, besonders heute nicht aufbringen kann.

Wer weiß, vielleicht schreibt man sich auch lieber heiß für all' die jungen Kerls aus den stolzen Nationen Europas, die mit einem Lachen auf den Lippen in ihr erstes und letztes Abenteuer zogen, beim Gedanken an die Familienväter die stoisch dem Ruf der Pflicht folgten, oder denen, die sich bis zuletzt ans Leben klammerten, weil sie sich im Schlamm der Schützengräben darum betrogen fühlten.

Man kann auch verfallen in den moralinsauren Tonfall der Pazifisten, wissend jedoch, dass ihre ewige Schwäche bleiben wird, dass sie einen guten Tod genauso wenig zu schätzen wissen, wie sich die nachträglich Kriegsbegeisterten in ihren warmen Stuben und Kneipsälen nicht vorstellen wollen, dass unzählige Helden unter den erbärmlichsten Qualen verreckt sind; zerfetzt von irgendeiner Kartätschengranate, die im Trommelfeuer nur unwesentlich weniger anonym ist als eine moderne Drohne, oder im Bann der Urangst erschlagen von einem angeschärften Klappspaten.

Einhundert Jahre sind auch eine lange Zeit; zwischen 1918 und 2018 liegt immerhin nochmal ein ganzer Weltkrieg, die deutsche Teilung und Wiedervereinigung und Aufstieg und Fall einer zweiseitigen Weltordung, die uns das heute unter der Oberfläche brodelnde Chaos hinterlassen hat. Einhundert Jahre also, in denen auch die Verbindung zu denen, die gefallen sind, strapaziert, verdünnt und vielfach durchgeschnitten wurde – wir leben in dem Jahrzehnt, das die letzten Soldaten des ersten Weltkriegs in die Ewigkeit heimgerufen hat.

Sie sehen vielleicht, werte Leser, so ganz mit mir im Reinen bin ich diesmal auch nicht. Aber, wenn ich in die Erde lausche, in der die Gefallen ruhen, dann weiß ich, dass ich die Hand meiner französischen, oder englischen Kameraden beim nächsten Treffen ein bisschen fester drücken werde, eingedenk der Tatsache, dass unsere Urgroßväter vielleicht aufeinander geschossen haben.

Was am Ende - auch heute noch - bleibt, ist das Opfer der Gefallenen, völlig losgelöst aus Zeit und Zweck als eigenes für sich selbst stehendes Fanal. Uns bleibt die Jugend von Langemarck, der Weihnachtsfrieden und der Unbekannte Soldat von Verdun – ein Bild, eine Erinnerung, ein gemeinsames Gewissen, das die Feinde der Völker niemals aus unserer Mitte reißen können, auch wenn sie es mit Pomp und Pathos, mit United Nations und Human Rights versuchen: Die Toten gehören ihren Völkern, nicht der Menschheit.


Till-Lucas Wessels

Till-Lucas Wessels studiert und ist identitärer Aktivist sowie »Minenhund für zukünftig Zumutbares«.

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Kommentare (27)

Tobinambur
11. November 2018 16:29

Danke für den Beitrag. Der letzte Abschnitt ist ergreifend.
Ich habe diesen Sommer die Normandie besucht - all die Orte der Schlachten, deren Namen wir nur zu gut kennen, die Soldatenfriedhöfe... nach Völkern getrennt. Wenn dann - wie in Bayeux, einem britischen Soldatenfriedhof - auch einige deutsche Soldaten auf dem Friedhofsfeld ruhen, dann ist das immer bemerkenswert im wahrsten Sinne dieses Wortes. Es bringt den Geist auf die richtige Fährte, ganz im Sinne Ihres Artikels. Das wäre nicht der Fall, wenn diese Friedhöfe "bunt" wären und der "Menschheit" gehörten - ja, dann wären es wahrscheinlich längst vergessene Massengräber.

W. Wagner
11. November 2018 19:36

Stimmig und schön, stimmig auch dies “nicht mit sich im Reinen sein”.
Aber wird uns diese stille Haltung noch erlaubt?
Mit Blick auf Frankreich dieser Tage und Italien letztes Wochenende bedauerlicherweise wohl nicht, aber ich muss noch darüber nachdenken ...
Später mehr.

Ostelbischer Junker
11. November 2018 20:43

Polen ist am 5. November 1916 unabhängig geworden. Es wärmt trotz allem das Herz, die Polnische Republik stark und unter nationaler Führung zu sehen.

Es gibt keine Gedenkfeier mit der deutschen Staatsführung auf deutschem Boden.
Nie wieder! Das geheime Deutschland lebt!

John Haase
11. November 2018 21:04

Eine der besten Kolumnen, die ich hier je gelesen habe. Das will was heißen.

Es ist immer wieder entsetzlich, darüber nachzudenken, was im Weltkrieg alles zerstört wurde und aus welchen Gründen. Bevor im Zweiten Weltkrieg Europas Städte in Schutt und Asche gelegt wurden und nach dem Krieg die Stadtplaner ihnen den Rest gaben, brachen ihre geistigen Fundamente im Ersten.

Eine über Jahrhunderte gewachsene Ordnung, in vier Jahren vernichtet und zwar bei den Siegern wie bei den Verlierern. Es wird wohl kein europäisches Volk geben, dem es danach besser ging als vorher. Viele Völker haben ihre dreckigen kleinen Staaten gegründet (Joseph Roth), aber wozu? Dieser kleinstaatliche Nationalismus erscheint einfach nur erbärmlich im Vergleich mit der Größe der alten Reiche.

Nicht einmal Serbien hatte etwas davon, es ist heute kleiner als damals.

Niedersachse
11. November 2018 21:29

Sehr schöner Text Herr Wessels. Eigentlich müsste die heutige Überschrift "Sonntagshelden", heißen, also im Bezug auf die millionen Gefallenen im Plural geschrieben. Unsere tapferen gefallenen Soldaten können sich gegen ihre Vereinnahmung durch die heutigen politische Minusmenschen leider nicht mehr erwehren. Wüssten sie, welch unwürdige Nachfahren die heutigen Geschicke (West) Europas lenken, sie würden sich im Grabe umdrehen. Es kann scheinbar kein offizielles Gedenken geben, das von den dort versammelten Witzfiguren für ihre Menschenrechts- und Buntheitsideolgie verschont wird. Pietätlos wird der Bogen von den Massengräbern in Verdun zur heutigen AfD gespannt, sie suhlen sich in ihrem ekelhaften, selbstgefälligen Moralismus und gefallen sich in ihrer Rolle als Bewahrer der Menschenrechte. Merkel und Macron sind heute die "Staats- und Regierungschefs" jener Länder, die heute nur noch ein erbärmlicher Abklatsch ihrer eigenen Vergangenheit sind. Die Soldaten des ersten Weltkriegs zogen voller Kriegsbegeisterung und Euphorie in einen grausamen Krieg, der in einer Materialschlacht begann und in einem Stellungskrieg an der Somme und in Verdun endete. Aus heutiger Sicht mag die damalige Kriegsbegeisterung befremdlich erscheinen; es gab damals jedoch etwas, was heute als rückständig gilt: Die Liebe zur Heimat und die Achtung der eigenen Nation.

Waldgaenger aus Schwaben
11. November 2018 22:36

Zum Kotzen finde ich die Verwendung der Gefallenen für heutige politische Propaganda, für jede Propaganda. Aus Achtung vor den Gefallenen möchte ich hier an dieses Stelle nicht darauf eingehen,

Wie würdige Trauer ohne jede Verzweckung des Leides gelingen kann, zeigt das Gedicht "Grodek" von Georg Trakl.

Der Dichter musste als Sanitäter alleine zwei Tage und Nächte 100 Schwerverletzte nach der Schlacht bei Grodek versorgen, er hatte nur wenig Medikamente und Schmerzmittel zur Verfügung.

Einige Tage später starb Georg Trakl an einer Überdosis Kokain. Ob es Suizid war oder eine versehentliche Überdosisierg ist unbekannt.

Sein letztes Gedicht trägt den Titel: Grodek.

Grodek
Am Abend tönen die herbstlichen Wälder
Von tödlichen Waffen, die goldnen Ebenen
Und blauen Seen, darüber die Sonne
Düstrer hinrollt; umfängt die Nacht
Sterbende Krieger, die wilde Klage
Ihrer zerbrochenen Münder.
Doch stille sammelt im Weidengrund
Rotes Gewölk, darin ein zürnender Gott wohnt
Das vergossne Blut sich, mondne Kühle;
Alle Straßen münden in schwarze Verwesung.
Unter goldnem Gezweig der Nacht und Sternen
Es schwankt der Schwester Schatten durch den schweigenden Hain,
Zu grüßen die Geister der Helden, die blutenden Häupter;
Und leise tönen im Rohr die dunkeln Flöten des Herbstes.
O stolzere Trauer! ihr ehernen Altäre
Die heiße Flamme des Geistes nährt heute ein gewaltiger Schmerz,
Die ungebornen Enkel.

Durendal
11. November 2018 23:07

Die Ideologie der Aufhebung der Grenzen und Auflösung der Nationen bezieht sich wie erwähnt vor allem auf diese Katastrophe und behauptet, dass sie Europa für immer davon befreien könne.

Dies erscheint vielen Menschen plausibel, die positive Bezüge auf die Nation deshalb mit Bildern verbinden, wie man sie sich z.B. in Büchern wie "Krieg dem Kriege" anschauen kann. Der Kommentar von "Niedersache" über die Verbindung von Kriegsbegeisterung und "Liebe zur Heimat und Achtung der eigenen Nation" stützt diese Wahrnehmung.

Die Frage danach, ob und wie ein positiver Bezug auf die Nation und das Ziel der zuverlässigen Verhinderung solcher Katastrophen zusammenpassen, ist angesichts des historischen Geschehens m.E. nicht trivial.

Mauerbluemchen
12. November 2018 11:58

Ja, ja, die polnische Unabhängigkeit ...

eine heikle Sache, wenn man bedenkt, daß man auch von den historisch versiertesten Polen niemals eine sinnvolle Antwort auf die Frage bekommt, ob Pilsudski Freimaurer war und wenn nicht, wie dann in den Kategorien alteuropäischen Denkens sein Eidbruch zu deuten ist (eigentlich hat Monsieur als k.u.k.-Offizier ja seinen Eid auf den Kaiser bzw. König abgelegt ... das verträgt sich - jedenfalls nach den steinzeitlichen Rechtsbegriffen der Vormoderne - nicht so einfach mit offenem Verrat, Eidbruch und der Zerstörung der eigenen Krone samt anschließender Leichenfledderei).

Aber für die gute Sache hat nicht nur die internationale Linke gerade im 20. Jahrhundert alle Augen zugedrückt (hier zeigt sich weider einmal, wie links im Grunde alle sind - auch die feiernden Fackelpolen et al.).

Und eigentlich hätten diese Operettenvölker von der Ostsee über Weichsel und Moldau bis zum Schwarzen Meer schon im 20. Jahrhundert klar erkennen können, was es ihnen einbringt, mit alliierten Geldsäcken ins Bett zu gehen. Stattdessen veranstaltet man Fackelzüge, verschenkt sein bißchen Goldreserve, läßt allen erdenklichen Dreck bei sich stationieren und robbt auf Kommando durch den Schlamm.

Dieses Villaine Alliance wird genauso daneben gehen wie 1938ff (aber diesmal von der rechten Seite der Landkarte).

Stil-Bluete
12. November 2018 12:21

@ Waldgänger aus Schwaben

Nachklang:

Trakl, der die Dämonen des Krieges im 'Grodek' zu bannen versuchte, suchte den Tod nicht auf dem Schlachtfeld, sondern im Frei-Tod.

Brief des 'Burschen' an Trakls Hinterbliebene:

'...Mir nähmlich erbarmt halt mein Herr immer und daß werde ich ihn meinen Leben nimmer vergessen...Ich denke immer und immer an meinen Werthen lieben guten Herrn. Also den 3. Abends war noch so gut und Brüderlich sagte er noch ich Soll Schlafen gehn. Und den 4. wars anders mein lieber Herr brauchte keinen Schwarzen mehr. Denn bei der Nacht hat ihn der liebe Gott zu sich gerufen. Euer mit Thrauender vom meinen Liebenden Herrn als Bursche Mathias Roth.

Wer gedenkt all dieser treuen Pferde, die in den Kriegen gefallen sind? Es gab Pferdelazarette, inzwischen Katzen- und Hundefriedhöfe, Pferdefriedhöfe gab es damals nicht. Nicht ein einziger Gedenkstein.

Wir Menschen sind undankbare Geschöpfe.

Waldgaenger aus Schwaben
12. November 2018 12:34

@Durenal
"das Ziel der zuverlässigen Verhinderung solcher Katastrophen"

Dieses Ziel diente und dient immer noch zur Rechtfertigung jedweden Mittels. Und für jedes Mittel findet sich immer eine logisch klingende Begründung, warum es zukünftige Katastrophen verhindern wird.
Nur noch ein Krieg, nur eine Säuberung, nur noch ein Vernichtungslager, nur noch eine kurze Herrschaft des Unrechts, dann wird immerwährender Frieden herrschen.

Sollen wir also nichts tun um solche zukünftige Katastrophen zu verhindern?
Auf solche Fragen, empfehle ich dann das tägliche Rosenkranzgebet.

Stil-Bluete
12. November 2018 15:42

@ Mauerblümchen
Beeindruckender Kommentar.

Frage: Muss ein Kleinstaat zwischen Großmächten auch mal ein Groß-Reich gewesen sein, um einigermaßen zur Ruhe, also zu Ruhe und Ordnung zu kommen? Beispiele: Österreich, Dänemark, Niederlande, Portugal, Spanien, Ungarn (Hunnen!). Was treibt die Polen als relativ kleines Volk an, sich immer wieder mit ihrer Existenz, mag sie noch so sehr von anderen anerkannt und gefördert werden, unzufrieden zu sein?

Stil-Bluete
12. November 2018 15:44

@ Mauerblümchen
statt 'Ruhe geben in Ruhe und Ordnung' besser 'mit sich im Reinen sein'

Ergon
12. November 2018 16:32

Till-Lucas Wessels ambivalente Haltung ist eine mögliche, vielleicht sogar angemessene, die europaweite Teilnahme der Identitären an den Feiern zur polnischen Unabhängigkeit angesichts dessen, dass das Datum ebenso die deutsche Niederlage samt ihrer weit in die Zukunft reichenden Folgen markiert, nur irritierend. Es ist eine Parteinahme, die nicht überrascht, ist doch, wie das zwei Tage vor dem Jahrestag des Mauerfalls im Netz veröffentlichte Editorial der Druckausgabe sehr explizit zum Ausdruck bringt, der Kristallisationspunkt des neurechten Umfelds das Europäische, Weiße und der deutsche Bezug nur insofern von Belang, als er dem Erhalt eines weißen Europas dient. Es liegt also uns, dass Narrenschiff, das die Bundesrepublik darstellt, zu einem Kurswechsel zu bewegen, gegen den orkanartigen Sturm und Nebel des global orientierten Liberalismus, aber auch gegen die "patriotischen Europäer", die Identitären, Neurechten und PEGIDAianern, die, vielleicht am klarsten formuliert in Martin Lichtmesz' "Wenn Aeneas vor der Wahl steht", bereits in den Rettungsboten sitzen und die Mannschaft umwerben, das Schiff zu verlassen.

W. Wagner
12. November 2018 17:44

@Stil-Bluete
Beim Tannenberg-Denkmal (Ostpreußen) gab es ein kleines Denkmal für die umgekommenen Pferde.

Teufel
12. November 2018 18:50

Kann mich einer der Anwesenden ueber den Grundkonflikt des grossen Krieges aufklaeren? Nach meinem Ermessen wird nirgendswo ein ehrliches, treffsicheres Wort mit einer diesbezueglich verstaendlichen Erklaerung weit. Was trieb Deutschland gegen die Franzosen? Ein Weinberg? Ein Froschteich? Philosophisch betrachtet? Was sollen die Unterschiede gewesen sein? Klar, die Pantomine haben keinen Sinn fuer Sinnesstreich und Sinnesstreicheln - aber das kann doch wirklich nicht ausreichend gewesen sein?

Ich persoenlich vermute tatsaechlich eine Art von Dekadenz (*gaehn*). Man hatte dieser Tage wohl aller feinen Sahnejoghurts viel zu viel. Und entsprechend wuchs das Begehren nach Maulschlagen!

Gustav Grambauer
12. November 2018 21:17

Habe sofort an Laboe gedacht. Durfte es noch in der Zeit vor der Schändung, äääh, soriii, "Umwidmung" sehen.

https://de.wikipedia.org/wiki/Marine-Ehrenmal_Laboe

- G. G.

Mauerbluemchen
12. November 2018 22:18

@Stilbluete

Keineswegs will ich Großreichen oder Riesenvölkern das Wort reden oder eben Kleinvölkern und Volksstämmen ihr Existenzrecht absprechen - im Gegenteil!

Allerdings sollte man sich als Völkerschaft der Randlage (um es einmal so plump zu sagen) bei der Auswahl der Großmacht, an die man sich zu Schutzzwecken anlehnt, etwas Sorgfalt, Redlichkeit und Anstand walten lassen und nicht bloß Neid und Habgier. Dann könnte man es nämlich vermeiden, von seinem zahlenden Großkunden im Zweifelsfalle als sein persönliches Kanonenfutter eingesetzt zu werden.

Aber wenn die Gier der eigenen korrupten Eliten obsiegt, dann läßt man sich als Operettenvolk halt billig und - wie man am Beispiel der unbeirrbaren Polen sieht- immerzu kaufen; Frieden und Ruhe stehen bei solchen Manövern - wenn überhaupt - an letzter Stelle der Wunschliste.

Diese törichte bis selbstmörderische Haltung ist wohl auch ein gewichtiger Grund, warum aus manchem der frühmittelalterlichen Völkerkeime im Laufe der Zeit kein Großvolk, sondern eben nur eine Ansammlung von Dummköpfen, Gaunern und Windbeuteln geworden ist (Ausnahmen gibt es immer; aber die Dichte an ausreichend intelligenten, tüchtigen und rechtschaffenden Charakteren ist in solchen Operettenvölkern offenbar zu gering; und wenn der Abstieg erst einmal angefangen hat, wird dieses kleine Häuflein Begabter verstärkt ausgedünnt).

So geht es halt zu in dieser Welt, in der die Dummheit und Gier allzuoft den Sieg davontragen.

nom de guerre
12. November 2018 23:12

@ Teufel
Falls die Frage ernst gemeint ist und Sie nicht lediglich nach einer Bestätigung für Ihre These vom Sahnejoghurt suchen: Christopher Clark beschreibt in The Sleepwalkers: How Europe Went to War in 1914 (Die Schlafwandler auf Deutsch, allerdings kann ich nichts zur Qualität der Übersetzung sagen) den Weg zum 1. Weltkrieg recht detailliert, was das Buch dann aber auf gut 700 Seiten aufbläht. Einseitig antideutsch ist es nach meiner Erinnerung nicht, wie ja auch schon der Titel nahelegt.

Cacatum non est pictum
12. November 2018 23:44

@Durendal

"...

Die Frage danach, ob und wie ein positiver Bezug auf die Nation und das Ziel der zuverlässigen Verhinderung solcher Katastrophen zusammenpassen, ist angesichts des historischen Geschehens m.E. nicht trivial. .."

Der kriegerische Konflikt ist doch eine der anthropologischen Konstanten schlechthin. In einer leeren, nicht globalisierten Welt haben sich einzelne Sippen, Stämme oder Stammesverbände bekämpft. Später sind die kriegsführenden Entitäten angewachsen, und die Waffentechnik ist vorangeschritten. Auf diese Weise dürfte sich - mindestens vom Prinzip her - auch der "Blutzoll" in den großen Kriegen stets erhöht haben. Im 20. Jahrhundert dann

- war die Welt vernetzter denn je, der internationale Handel gedieh, die Bevölkerung Europas hatte sich vervielfacht;
- waren mit Maschinengewehr und Artilleriegeschützen Waffen in Gebrauch, die bei geringem eigenen Aufwand hohe Opferzahlen verursachten;
- bildeten sich große Kriegsbündnisse (es kämpften ja nicht einzelne Nationen gegeneinander, sondern im wesentlichen Allianzen!), die für eine geographische Ausbreitung der Konflikte in bis dahin ungekanntem Ausmaß sorgten.

All diese Umstände haben zu jenem Grauen beigetragen, das wir heute in den Resultaten der Weltkriege erblicken. Was würde die Einebnung der Nationalstaaten daran ändern, daß sich dergleichen jederzeit wiederholen könnte? Nichts!

Die hohen Opferzahlen hatten - siehe oben - mit Vermassung, Vernetzung und technischem Fortschritt zu tun. Diese Parameter sind seit 1918 weiter gewachsen. Noch hinzugekommen sind die Massenvernichtungswaffen. Das Aufgehen der Nationen in beispielsweise einem europäischen Verbundstaat würde ja an diesen Rahmenbedingungen nichts ändern. Bei entsprechender Konfliktlage könnten dann vielleicht die europäischen Massen gegen die ostasiatischen Massen aufgehetzt werden, und wir würden die gleichen Tragödien erneut durchleben. Auch eine Auflösung der Nationalstaaten in die andere Richtung - hin zu einem Flickenteppich von Regional- und Mikrostaaten - würde die genannten Voraussetzungen nicht aus der Welt schaffen.

Nein, ich bleibe dabei: Kriege wird es immer geben. Sie werden wieder kleinformatiger und unblutiger sein, sobald im Zuge der Ressourcenvernutzung die Weltbevölkerung drastisch geschrumpft ist, die überregionale Vernetzung abgenommen und der stete technische Fortschritt zwangsläufig eine Kehrtwende vollzogen hat.

Wer behauptet, daß er die Nationalstaaten abschaffen will, um blutige Kriege zu verhindern, ist entweder ein Naivling oder ein Bösewicht. Trivialität hin oder her - wir sollten diesen Schamanen kein Gehör schenken.

Regenmeister
13. November 2018 00:05

@Mauerbluemchen

Danke für Ihren Beitrag.

Wer als junger deutscher Mann die polnische Unabhängigkeit mitfeiert, sollte sich selbst mal fragen, ob er noch alle Tassen im Schrank hat.

Cacatum non est pictum
13. November 2018 00:16

@Ergon

"... Es liegt also uns, dass Narrenschiff, das die Bundesrepublik darstellt, zu einem Kurswechsel zu bewegen, gegen den orkanartigen Sturm und Nebel des global orientierten Liberalismus, aber auch gegen die 'patriotischen Europäer', die Identitären, Neurechten und PEGIDAianern, die, vielleicht am klarsten formuliert in Martin Lichtmesz' 'Wenn Aeneas vor der Wahl steht', bereits in den Rettungsboten sitzen und die Mannschaft umwerben, das Schiff zu verlassen ..."

An guten Tagen möchte ich Ihnen zur Seite springen. Dann aber lasse ich mich immer wieder ernüchtern von dem Ekel, den ich empfinde, wenn ich beim Flanieren durch die Straßen meine Landsleute sehe, denen der Niedergang ihrer Heimat so unfaßbar egal ist. Und in diesen Momenten halte ich gelegentlich Ausschau nach den Rettungsbooten, in die wenigstens meine Kinder eines Tages steigen könnten, um der ihnen zugedachten Zukunft zu entgehen. Ich hege den Verdacht, daß diese Rettungsboote gen Osten fahren werden.

RMH
13. November 2018 14:07

Da die Diskussion sich leider zum Teil in diese Richtung dreht:

Für mich sind alle gedanklichen Vorüberlegungen zur Abspaltung von Landesteilen oder Ähnliches ganz klare Vorstufen zum Hochverrat. Das kann man in der momentanen Lage auch nicht mit irgendwelchen "Rettungsboot"- oder "Notwehr"-Floskeln schön reden. Deutschland hat schon Schlimmeres überstanden.

Auf diesen Seiten wird immer wieder von einer deutschen Schicksalsgemeinschaft geredet. Dieses Kokettieren mit einer Abspaltung bei gleichzeitigem zurücklassen wesentlicher deutscher Landesteile mit nach wie vor vorhandener, überzähliger deutscher Bevölkerung passt nicht dazu. Übrigens braucht man sich bei Vorbereitungen zum Hochverrat nicht darüber wundern, wenn der VS sich das ganze näher ansieht, denn das ist ausnahmsweise mal etwas, wo sein Aufgabenbereich eröffnet ist (beste Grüße diesbezüglich an den Pegida-Chef, falls er mitlesen sollte). Wenn man dann noch das Tatbestandsmerkmal der "Gewalt" mit ins Spiel bringen sollte (was hier ja zum Glück keiner auch nur ansatzweise getan hat), wäre es schon ein konkreter Fall für den Staatsanwalt und nicht mehr nur für den VS.

Gut, im Bereich der Metapolitik darf man solche Gedankenspiele betreiben, sollte dabei aber immer auch im Auge behalten, worauf so etwas hinaus laufen könnte.

PS: Damit es jetzt auch zum eigentlichen Thema passt:

War am 11. Nov. in Würzburg beim dortigen Ehrenmal, welches leider nur stiefmütterlich behandelt bzw. erhalten wird. Eine beeindruckende, würdevolle Anlage, direkt neben der weltberühmten Residenz. Sollte man, wenn man in der Stadt ist, unbedingt einmal besuchen:

https://www.denkmalprojekt.org/2013/wuerzburg_denkmal_wk1_bay.html

Ergon
13. November 2018 20:35

@Cacatum non est pictum Verlassen wir die Sphäre der Bilder und Metaphern und betrachten die Situation aus einer abstrakteren Perspektive. Auch wenn sich die Sezession stets an den Ideen der Nouvelle Droite im Sinne von "pour une civilisation européenne" mit variierender Betonung des biologischen Aspekts orientierte und zudem nicht alle Autoren dieser Linie folgen und folgten - im Europa-Heft setzt Scheil einen solchen Kontrapunkt - die Rolle, die den europäischen Völkern in einer solchen Konzeption zugedacht ist, wurde stets im vagen und unklaren gelassen. Die Artikel im Europa-Heft und insbesondere das Editorial machen nun überdeutlich, dass im Konfliktfall, wenn es um den Erhalt eines weißen Europas geht, die Völker eine sekundäre Rolle spielen und für ein projektiertes "europäisches Ich", das auf der Grundlage von Erzählungen über den "antitotalitären Befreiungskampf" konstituiert werden soll, geopfert werden.

Diese paneuropäische Sicht steht der Auffassung gegenüber, dass Völker, d.s. Gemeinschaften mit einer zum Teil über tausendjährigen Geschichte, die sich weder naturalistisch noch kulturalistisch reduzieren lassen, die wesentlich Abstammungsgemeinschaften sind, aber auch in der Lage sind, Fremde zu integrieren, die durch eine gemeinsame Sprache und Kultur gekennzeichnet sind und einen irreduzibel subjekten Bestandteil haben, der sich nicht durch eine beliebige Identitätskonstruktion simulieren läßt, anthropologische Konstanten sind. Mit dieser Differenzierung läßt sich die aktuelle Auseinandersetzung sowohl um die VS-Beobachtung der AfD als auch um die hier diskutierten offenen Briefe und Erklärungen konturieren. Der Angriffspunkt staatlicher oder staatlich subventionierter Institutionen ist nur indirekt die AfD, angegriffen werden in erster Line die international vernetzten Proponenten der paneuropäischen Idee, d.s. die Identitäre Bewegung, die Neue Rechte und PEGIDA, und ihr Umfeld.

Cacatum non est pictum
14. November 2018 00:32

@RMH

Vorab, um Mißverständnisse zu vermeiden: Ich schätze Ihre Wortmeldungen im allgemeinen sehr. Sie sind stets fundiert und ausgewogen. Es gibt nur wenige Kommentatoren bei der Sezession im Netz, die einen solch multidirektionalen Blick auf die Dinge pflegen wie Sie.

Dennoch muß ich Sie für Ihren letzten Beitrag scharf tadeln: Was soll dieser Hochverratshinweis? Als belesener und historisch gebildeter Mensch wissen Sie, daß alles stets im Fluß ist. Seit 1918 sind auf deutschem Boden drei Staaten untergegangen. Die politische Landkarte Europas ist seit Jahrhunderten ein bunter Flickenteppich, dessen Konturen sich permanent verändern. Ihnen ist ja außerdem nicht entgangen, daß das politische Gefüge in Deutschland seit einigen Jahren von tektonischen Verschiebungen erschüttert wird. Zu glauben, daß alles so bleiben wird, wie es momentan ist, würde ich als sträfliche Dummheit bezeichnen. Dafür spricht nachgerade gar nichts.

Wer also an die Zukunft seiner Kinder denkt, wird sich zwangsläufig mit der Frage beschäftigen müssen, wie es in unserem Land bald aussehen könnte. Sie und ich wissen, daß die Zukunftsaussichten nach aktuellem Stand eher düster sind. Das entbindet uns nicht von der Pflicht, alles für eine Wende zum Besseren zu tun. Aber es wäre töricht, sich nicht gleichzeitig auf die schlimmsten Szenarien vorzubereiten.

Wenn die derzeitige politische Entwicklung ungehemmt voranschreitet, wird es in Deutschland zu fundamentalen Eruptionen kommen. Das halte ich für sicher. Und dann werden irgendwann möglicherweise auch Gebietssezessionen anstehen. Das können Sie und ich und die hier mitlesenden Verfassungsschützer ruhig zutiefst bedauern - wir werden es nicht ändern können. Wohl dem, der sich dann im Vorfeld Gedanken gemacht hat, wie er seine Familie durch diese Krisenzeiten hindurchmanövriert.

Zum Thema noch einmal ein Literaturhinweis, den ich an anderer Stelle schon gegeben habe: Thorsten Hinz, "Der lange Weg nach Osten" (aus CATO 1/2018).

Cacatum non est pictum
14. November 2018 00:53

@Ergon

Eine interessante Wortmeldung von Ihnen. Rolf Peter Sieferle hat behauptet, daß es in unseren Zeiten unmöglich sei, politisch zu denken, ohne die allseits voranschreitende Globalisierung in den Blick zu nehmen. Ich bin mir sicher, daß er damit recht hatte, und vielleicht ist der paneuropäische Blickwinkel der sogenannten neurechten Bewegungen genau darauf zurückzuführen.

"...

... Der Angriffspunkt staatlicher oder staatlich subventionierter Institutionen ist nur indirekt die AfD, angegriffen werden in erster Line die international vernetzten Proponenten der paneuropäischen Idee, d.s. die Identitäre Bewegung, die Neue Rechte und PEGIDA, und ihr Umfeld."

Wenn das so ist: Was sind Ihrer Meinung nach die Gründe dafür?

RMH
14. November 2018 07:39

"Aber es wäre töricht, sich nicht gleichzeitig auf die schlimmsten Szenarien vorzubereiten."

@Cacatum non est piktum,
in aller Kürze, da es ja ein Nebenthema ist:
Vorbereiten bzw. gedanklich auf Szenarien einstellen, die hoffentlich nicht eintreten werden, ausdrücklich: Ja ---- Sezessionen etc. regelrecht propagieren (wie es bspw. L. Bachmann nach der Hessen-Wahl gemacht hat), ausdrücklich: Nein. Das war die Stoßrichtung meines Beitrages, der sicher ein wenig überzeichnet war.

qvc1753
17. November 2018 14:30

Interessant. Mir fällt beim Gang über Soldatenfreidhöfe immer nur auf, dass die Toten zumeist blutjung waren. Und das in grosser Zahl Männer auf den Feldern von Flandern, der Normandie oder eben in Rußland liegen, denen das Glück von eigener Familie, beruflicher Erfüllung oder auch den Rückblick auf Erreichtes nicht möglich war.
All das haben diese Toten gemeinsam: Vergeblichkeit - nicht gelebte Leben und damit ein Opfer, dessen Wert gänzlich unklar ist.
Bei allem Symbolischen an den Gräbern:
Ich bin dankbar, dass es Mechanismen und Wege gab und gibt, dass sich die Völker Europas seit 70 Jahren nicht mehr an die Kehle gehen.

Für diesen Beitrag ist die Diskussion geschlossen.