Sezession
17. November 2018

Das war´s. Diesmal mit: Aufstehen auf rumänisch …

Ellen Kositza / 6 Kommentare

... drei Lehrern gegen rechts und beten für Angela Merkel.

Ellen Kositza

Ellen Kositza ist Literatur-Redakteurin und Mutter von sieben Kindern.

14. November

Ein guter Freund schreibt mir heute:

Ein witziges Fundstück. Ich bin gerade zu Google Translate gegangen, um das rumänische Wort für "aufstehen" zu suchen. Dabei werden mir zwei Treffer angezeigt. Einmal "a ridica" für "aufstehen".... Und dann?.... "se opune instigării de dreapta" für "Aufstehen gegen rechte Hetze".

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15. November

Deutschland ist bunt, Gottseidank! Ein Hoch auf die Mentalitätsunterschiede! Ich bin schon an der Papiermülltonne, da sticht mir ein älterer ZEIT-Artikel (31. 10. 2018) ins Auge, den ich nun nachlese, Überschrift, in dicken Lettern: „AUCH EIN kleiner Nazi KANN EIN GUTER FACHARBEITER SEIN“.

Genau so wird ein sächsischer Schulleiter zitiert, nämlich im Abschlußbericht des 2015 begonnenen Modellprojekts mit dem wunderbaren Titel „Starke Lehrer - starke Schüler“. Initiiert hat es die Robert-Bosch-Stiftung gemeinsam mit dem sächsischen Kultusministerium.

Im Rahmen dessen sollten 25 Berufsschullehrer „gecoacht“ werden, damit sie „Strategien entwickeln im Umgang mit rechtsextremen Schülern“. Nur drei davon wollen nun, drei Jahre später, ihr erlerntes Wissen an Kollegen weitergeben.

Einer erklärt, er habe nun „eine Art Hobby“, nämlich, „an Pinnwänden, Garderoben, Waschbecken und in unauffälligen Ecken seiner Schule nach Aufklebern und versteckten Hinweisen zu suchen“ und solche dem Hausmeister zu melden. Schönes Hobby, guter Mann!

Und die anderen Lehrer? Haben aufgesteckt. Unverschämterweise gebe es noch immer Schulen ohne klare Kleiderordnung, in denen auch das Tragen bestimmter Schuhe (welcher denn?) reglementiert werde.

Manche sächsischen Lehrer (man reibt sich in der Tat die Augen!) kämen mit der Ansage „ich unterrichte keine Migranten“ tatsächlich „immer noch durch“.

Andere Lehrer (gegen-rechts-Lehrer) sähen sich Anfeindungen im Kollegium ausgesetzt. In vielen Fällen herrsche ein „akzeptierender Umgang“ mit „ausgrenzenden und menschenverachtenden Positionen“; dort sei man der Meinung, erst bei „manifestem Extremismus“ eingreifen zu müssen – ergänze: noch nicht bei den falschen Schuhen.

Etliche Lehrer, so wird hier, in der ZEIT, in kaltentsetztem Ton vorgetragen, hielten unbotmäßige Standpunkte ihrer Schüler für einen „Ausdruck der Suche nach Orientierung“ und den „Versuch der Bewältigung schwieriger Lebenslagen“.

Wohlgemerkt, das sagen jene Lehrer, die sich gern „gegen rechts“ schulen lassen wollten! Viel schlimmer noch stehe es um jene Kollegen, die etwa offen bekundeten: „Pegida? Wieso, ich lauf da mit, aber deshalb bin ich doch kein Nazi!“ Teile der Kollegien, das wurde im Rahmen des „krassen Lernprozesses“ klar, verträten offensiv rechtspopulistische Positionen. Pah. Sachsen. Krass bunt.

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16. November

Habe den Tag allein mit der Kleinsten verbracht. Momentan sind orakelhafte / magische Spielchen (es gibt bestimmt ein Fachwort dafür?) angesagt, dieser Art: Wir müssen es schaffen, mit weniger als 500 Schritten am Altglascontainer zu sein! Oder: Immer, wenn die Baumreihe (beim Spaziergang) unterbrochen ist, müssen wir die Luft anhalten! Oder: Wer die Uhrzeit am besten schätzt, hat gewonnen!

Dazwischen finden auch normale häusliche Aktivitäten statt, Quittenbewältigung zum Beispiel; das Radio läuft. Wir unterhalten uns über Radiothemen. Für was steht und stand eigentlich die SPD, was ist mit den Dieselfahrverboten, was ist das Gendersternchen, warum heißt es Kultusministerium? Die Jüngste ist ein dankbares Streberkind, das alles wissen will.

Das große Thema beim Zähneputzen: die Spendenaffäre.

Am Abend, beim Beten bestimmt sie: „Und jetzt beten wir noch für alle, die uns einfallen! So lange, bis uns … fünf Sekunden lang keiner mehr einfällt. Aber immer im Ernst, also aus ganzem Herzen!“

Na klar. Es geht los mit Papa und allen Geschwistern, dann die Opas, Omas, Tanten, Onkel, Lehrer usw., ein Ultragebet, eine Allerweltslitanei der Nächsten. Ich freue mich, daß bei ihr auch nicht so sehr geliebte Klassenkameradinnen drunter sind. Sie nennt den Fußballtrainer, ich die Nachbarin.

Langsam wird es langsamer. Dann sie: „Und für Alice Weidel!“ Ich: „Oh, dann bin ich erstmal… baff!“ Sie, stakkato: „Wegen der Spendenaffäre, und jetzt, Mama, schnell! Fünf Sekunden! NagutdannochmalichAngelaMerkelaberimErnst!“


Ellen Kositza

Ellen Kositza ist Literatur-Redakteurin und Mutter von sieben Kindern.

Kommentare (6)

Der_Juergen
17. November 2018 23:06

Darf ich statt des geschätzten Maiordomus mal den Oberlehrer spielen? "Aufstehen" im Sinn von "sich aus dem Bett erheben" heisst auf rumänisch "a se scula". "A ridica" bedeutet u. a. "aufheben". "Gegen etwas aufstehen" ist allerdings mit "a se opune" (= sich widersetzen) richtig wiedergegeben.

Ansonsten ist der Artikel wie alles von Ellen Kositza höchst vergnüglich.

Gustav Grambauer
18. November 2018 10:26

Die Wut ist groß, weil unter den neuen Verhältnissen so richtig deutlich wird, wie glanzlos und ranzig die linken Stil-Ikonen auch um die Füße rum waren:

https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/das-ledermuseum-offenbach-erzaehlt-menschheitsgeschichte-15658620/joschka-fischers-turnschuhe-im-15658723.html

https://noizz.de/fashion/trump-bringt-eigenen-sneaker-raus-mit-new-balance/3tvpy07

- G. G.

John Haase
18. November 2018 11:09

Es ist witzig, wie deutsch Typen wie der hobbymäßige Naziaufklebersucher in Wirklichkeit sind.

Man vergegenwärtige sich: da läuft dieser Typ durch die Schule auf seiner politischen Ostereiersuche als plötzlich...
[dramatische Musik] ein AfD-Aufkleber auf dem Handtuchspender auf dem Schülerklo seinen wachsamen Blick einfängt. Nun, eigentlich war es mal ein „FCKAFD“-Aufkleber, aber jemand hat den oberen Teil größtenteils weggekratzt. Was tun? Sein Motto fällt ihm ein: to serve and to protect! Hehre Worte, hier muß klare Kante gezeigt werden beim Aufstehen gegen Rechts. Was tut also unser wackerer Lehrer? Kratzt er den Rest ab? Macht er ihn weg mit etwas Nagellackentferner, den er immer dabei hat? Beileibe nein, der Deutsche in ihm ist einfach zu stark: er meldet!

Und zwar gleich dem Hausmeister, denn wozu hat er denn studiert und so spart er sich jede Menge Papierkram, müßte sonst vielleicht gleich mehrfach melden: Hausmeister, Schulleiter...

Viele Klischees stimmen einfach.

JohannesStreck
18. November 2018 13:10

Werte Frau Kositza,

und ich habe Sie mit Ihrem wie immer geerdeten Kommentar schon sehr vermißt! Na endlich - ich habe mehrmals sehr gelacht.

Immer noch S.J.
18. November 2018 19:10

Nur mit Ihrer Erlaubnis würde ich Sie, Ihre Tochter und alle anderen Interessierten bitten, sich an den Händen zu fassen, die Worte "Alice Weidel und eine Spendenaffäre?" (mit gekonnter Betonung, versteht sich) auszusprechen und dann gemeinsam herzlich zu lachen.

starhemberg
19. November 2018 10:39

Von mir aus halt auch "Aufstehen gegen rechte Hetze", solange diese Leute am Morgen überhaupt aufstehen, um dann einer geregelten Tätigkeit nachzugehen. Ich würde zu diesem Zwecke noch gelbe Kleber mit der Aufschrift "Kauft nicht bei rechten Hetzern" empfehlen. Die kann man dann auch in den bunten Schulen an den Wänden anbringen. Oder jeder, der einen "rechten Hetzer" sieht, muss dann ganz lange die Luft anhalten, am besten, bis er blau wird, im politisch korrekten Gesicht. Ansonsten vielen Dank - (wie immer) sehr spaßig!

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