Sonntagsheld (87) – Zentrum für politische Zickenkriege

Die SOKO-Chemnitz fordert ihr erstes Opfer

 Gastbeitrag

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Die Nach­richt erwisch­te mich eis­kalt, irgend­wann zwi­schen 4 und 5 Uhr mor­gens. Ich saß mit einem Kame­ra­den auf Nacht­wa­che in der AK16 und hat­te soeben ein paar grim­mi­ge Zei­len über den Online-Pran­ger des Zen­trums für Poli­ti­sche Schön­heit (ZPS) und die kon­ser­va­ti­ven Reak­tio­nen dar­auf in die Tas­ten gehackt, die nach kur­zer Revi­si­on am heu­ti­gen Mor­gen viel­leicht doch nicht ganz Sezes­si­ons-taug­lich sind.

Der größ­te Feind des Pos­tens zur Nacht ist die Lan­ge­wei­le, weiß man ja. Des­halb lehn­te ich mich nach einem prü­fen­den Blick aus den beschmier­ten Fens­tern ein wenig zurück, nahm mein Mobil­te­le­phon zur Hand und rief das Twit­ter-Pro­fil eines ZPS-Kol­le­gen mit dem klin­gen­den Ali­as „Men­schMerz“ auf.

Oder ich ver­such­te es zumin­dest. Das hat­te erst­mal meh­re­re Grün­de. Zum einen schät­ze ich tief­gän­gi­ge Feind­ana­ly­sen, auch, wenn ich der Feind bin. Und davon waren auf besag­tem Pro­fil in der Ver­gan­gen­heit eini­ge ganz pas­sa­ble gelie­fert worden.

Min­des­tens eben­so unter­halt­sam waren natür­lich die Ein­schät­zun­gen, die kom­plett dane­ben­la­gen. Das ging zum Teil soweit, dass etwa der IB Stra­te­gien unter­stellt wur­den, die zwar kein biss­chen zutra­fen, aber trotz­dem eigent­lich gar kei­ne schlech­ten Ideen waren. Das eine oder ande­re Pro­jekt und man­che Akti­on (wel­che genau, das bleibt natür­lich mein Geheim­nis) wur­den so von flei­ßi­gen Twit­ter-Anti­fas inspiriert.

Zuletzt, das bleibt auf sol­chen Pro­fi­len nicht aus, gibt es stets eine gan­ze Men­ge von außen amü­sant zu lesen­der inner­lin­ker Que­re­len, aus denen nicht sel­ten die Ver­zweif­lung und Resi­gna­ti­on der Akteu­re sprach. Eine sol­che Aus­ein­an­der­set­zung war es dann wohl auch, die – ich kann hier nur auf­grund gerin­ger Quel­len­la­ge nur mut­ma­ßen – den Betrei­ber des Accounts „Men­schMerz“ dazu ver­lei­te­te, sei­nen Account zu löschen.

Das wäre nor­ma­ler­wei­se nicht der Rede wert, aber, wenn man bedenkt, dass die­ser Account zum einen eine nicht uner­heb­li­che Men­ge von meh­re­ren Tau­send Abon­nen­ten hat­te und zum ande­ren durch eine schon fast fana­ti­sche Fixie­rung auf die Arbeit der IB und dem­entspre­chen­de Pro­mi­nenz im links­ex­tre­men Lager auf­fiel, ist das doch beachtlich.

Nach dem, was ich mir zusam­men­kla­mü­se­rn konn­te, sah man sich auf Sei­ten der Recher­che-Anti­fa wohl aus­ge­rech­net von der „SOKO Chemnitz“-Aktion des ZPS vor den Kopf gesto­ßen. Die einen beschwer­ten sich über die uner­laub­te Ver­wen­dung „ihrer“ Fotos (also der von ihnen geschos­se­nen Fotos), ande­re sahen das klan­des­ti­ne Recher­che-Netz­werk durch den Vor­stoß der Ber­li­ner Kas­per­trup­pe gefähr­det und unnö­ti­ger öffent­li­cher Auf­merk­sam­keit ausgesetzt.

Wie dem auch sei, ich glau­be nicht, dass die Abwe­sen­heit ewig hal­ten wird. Zu groß ist noch der Hun­ger der Talk­shows, Radio-Fea­tures und lin­ken Zen­tren auf immer neue Refe­ren­ten und Rechtsextremismusexperten.

In die­sem Sin­ne, lie­ber Freund: Schlaf‘ gut, klei­ner Bär, Dan­ke für alles und bis bald am Honigtopf!

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Kommentare (3)

Stefanie

9. Dezember 2018 19:32

Wenn man die Außenwirkung der sogenannten Kunstaktionen dieses Schönheitszentrums betrachtet, kann man sich schon fragen für welche Seite die eigentlich arbeiten.

Hartwig aus LG8

9. Dezember 2018 20:04

Geehrter Herr Wessels, ich schätze Ihre Kolumne; auch wenn ich mich manchmal frage, warum sie partout mit "Sonntagsheld" überschrieben werden muss.
Eine Beobachtung von meiner Seite, die ich in den vergangenen Wochen vermehrt machen konnte und die das eine oder andere besser verstehen lässt: Die Angst auf der linken Seite ist echt! Sie ist echt, auch wenn man als Rechter stets deren Übermacht zu erkennen und zu spüren glaubt (siehe Halle/Saale im Kubitschek-Artikel etc.).
Angst, Furcht, Defensive, ja sogar Verzweiflung. Man trifft auf komplettes Unverständnis, wenn man darzustellen versucht, wie die Kräfteverhältnisse im Lande verteilt sind.
Und dann beginne ich selbst an meiner Wahrnehmung zu zweifeln. Vielleicht steht ja tatsächlich etwas Großes bevor ...

AlderHorst

13. Dezember 2018 15:49

Abgesehen vom begründeten Verdacht, dass es sich auch bei der "Honeypot"-Aktion um ein Hoax des ZfPS handelt, und den Umstand beiseite gelassen, dass die Mitwirkenden am Denuntiationsaufruf höchstwahrscheinlich Klagen aufgrund 241a StGB entgegensehen werden, haben die Initiatoren ausgerechnet dem Verfassungsschutz einen echten Bärendienst erwiesen, welchem man doch medienwirksam "zuarbeiten" wollte. Wer unter den tatsächlichen gewalttätigen Extremisten es noch nicht getan hat und nicht ganz auf den Kopf gefallen ist, wird sich künftig nur noch mit VPN und Emailverschlüsselungsdienst durch das Netz bewegen. Dadurch steigt der Aufwand für Identifikation, Überwachung und Verfolgung durch die Behörden enorm. Darüber sollte Horst Seehofer mal bei einem Kaffee mit den linken Aktivisten reden.
Der allseitigen Logik von Eskalation und Retaliation gemäß warte ich auf eine ähnliche Aktion der IB. Eine vorgebliche Anleitung zum Untertauchen für Ausreisepflichtige auf Arabisch, die sich als Honeypot herausstellt? Oder eine Fahndungsliste gesuchter Linksextremisten und RAFler ergänzt mit Schnappschüssen von der letzten Die-Linke-Demonstration oder vom Parteitag der Grünen, welche dann in einer vorgeblichen "Netzwerkanalyse" als Beziehungsgeflecht wild zusammengewürfelt werden? Der Ideen gibt es viele, die man mit "Kunstfreiheit" nur dürftig bemänteln könnte. Und irgendwann wird aus Satire Realität und wir finden uns in einer Gesellschaft der Gesinnungsschnüffelei und des Denuntiantentums wieder.