Sezession
9. Dezember 2018

Sonntagsheld (87) – Zentrum für politische Zickenkriege

Till-Lucas Wessels / 3 Kommentare

Die SOKO-Chemnitz fordert ihr erstes Opfer

Till-Lucas Wessels

Till-Lucas Wessels studiert und ist identitärer Aktivist sowie »Minenhund für zukünftig Zumutbares«.

Die Nachricht erwischte mich eiskalt, irgendwann zwischen 4 und 5 Uhr morgens. Ich saß mit einem Kameraden auf Nachtwache in der AK16 und hatte soeben ein paar grimmige Zeilen über den Online-Pranger des Zentrums für Politische Schönheit (ZPS) und die konservativen Reaktionen darauf in die Tasten gehackt, die nach kurzer Revision am heutigen Morgen vielleicht doch nicht ganz Sezessions-tauglich sind.

Der größte Feind des Postens zur Nacht ist die Langeweile, weiß man ja. Deshalb lehnte ich mich nach einem prüfenden Blick aus den beschmierten Fenstern ein wenig zurück, nahm mein Mobiltelephon zur Hand und rief das Twitter-Profil eines ZPS-Kollegen mit dem klingenden Alias „MenschMerz“ auf.

Oder ich versuchte es zumindest. Das hatte erstmal mehrere Gründe. Zum einen schätze ich tiefgängige Feindanalysen, auch, wenn ich der Feind bin. Und davon waren auf besagtem Profil in der Vergangenheit einige ganz passable geliefert worden.

Mindestens ebenso unterhaltsam waren natürlich die Einschätzungen, die komplett danebenlagen. Das ging zum Teil soweit, dass etwa der IB Strategien unterstellt wurden, die zwar kein bisschen zutrafen, aber trotzdem eigentlich gar keine schlechten Ideen waren. Das eine oder andere Projekt und manche Aktion (welche genau, das bleibt natürlich mein Geheimnis) wurden so von fleißigen Twitter-Antifas inspiriert.

Zuletzt, das bleibt auf solchen Profilen nicht aus, gibt es stets eine ganze Menge von außen amüsant zu lesender innerlinker Querelen, aus denen nicht selten die Verzweiflung und Resignation der Akteure sprach. Eine solche Auseinandersetzung war es dann wohl auch, die – ich kann hier nur aufgrund geringer Quellenlage nur mutmaßen – den Betreiber des Accounts „MenschMerz“ dazu verleitete, seinen Account zu löschen.

Das wäre normalerweise nicht der Rede wert, aber, wenn man bedenkt, dass dieser Account zum einen eine nicht unerhebliche Menge von mehreren Tausend Abonnenten hatte und zum anderen durch eine schon fast fanatische Fixierung auf die Arbeit der IB und dementsprechende Prominenz im linksextremen Lager auffiel, ist das doch beachtlich.

Nach dem, was ich mir zusammenklamüsern konnte, sah man sich auf Seiten der Recherche-Antifa wohl ausgerechnet von der „SOKO Chemnitz“-Aktion des ZPS vor den Kopf gestoßen. Die einen beschwerten sich über die unerlaubte Verwendung „ihrer“ Fotos (also der von ihnen geschossenen Fotos), andere sahen das klandestine Recherche-Netzwerk durch den Vorstoß der Berliner Kaspertruppe gefährdet und unnötiger öffentlicher Aufmerksamkeit ausgesetzt.

Wie dem auch sei, ich glaube nicht, dass die Abwesenheit ewig halten wird. Zu groß ist noch der Hunger der Talkshows, Radio-Features und linken Zentren auf immer neue Referenten und Rechtsextremismusexperten.

In diesem Sinne, lieber Freund: Schlaf‘ gut, kleiner Bär, Danke für alles und bis bald am Honigtopf!


Till-Lucas Wessels

Till-Lucas Wessels studiert und ist identitärer Aktivist sowie »Minenhund für zukünftig Zumutbares«.


Kommentare (3)

Stefanie
9. Dezember 2018 19:32

Wenn man die Außenwirkung der sogenannten Kunstaktionen dieses Schönheitszentrums betrachtet, kann man sich schon fragen für welche Seite die eigentlich arbeiten.

Hartwig aus LG8
9. Dezember 2018 20:04

Geehrter Herr Wessels, ich schätze Ihre Kolumne; auch wenn ich mich manchmal frage, warum sie partout mit "Sonntagsheld" überschrieben werden muss.
Eine Beobachtung von meiner Seite, die ich in den vergangenen Wochen vermehrt machen konnte und die das eine oder andere besser verstehen lässt: Die Angst auf der linken Seite ist echt! Sie ist echt, auch wenn man als Rechter stets deren Übermacht zu erkennen und zu spüren glaubt (siehe Halle/Saale im Kubitschek-Artikel etc.).
Angst, Furcht, Defensive, ja sogar Verzweiflung. Man trifft auf komplettes Unverständnis, wenn man darzustellen versucht, wie die Kräfteverhältnisse im Lande verteilt sind.
Und dann beginne ich selbst an meiner Wahrnehmung zu zweifeln. Vielleicht steht ja tatsächlich etwas Großes bevor ...

AlderHorst
13. Dezember 2018 15:49

Abgesehen vom begründeten Verdacht, dass es sich auch bei der "Honeypot"-Aktion um ein Hoax des ZfPS handelt, und den Umstand beiseite gelassen, dass die Mitwirkenden am Denuntiationsaufruf höchstwahrscheinlich Klagen aufgrund 241a StGB entgegensehen werden, haben die Initiatoren ausgerechnet dem Verfassungsschutz einen echten Bärendienst erwiesen, welchem man doch medienwirksam "zuarbeiten" wollte. Wer unter den tatsächlichen gewalttätigen Extremisten es noch nicht getan hat und nicht ganz auf den Kopf gefallen ist, wird sich künftig nur noch mit VPN und Emailverschlüsselungsdienst durch das Netz bewegen. Dadurch steigt der Aufwand für Identifikation, Überwachung und Verfolgung durch die Behörden enorm. Darüber sollte Horst Seehofer mal bei einem Kaffee mit den linken Aktivisten reden.
Der allseitigen Logik von Eskalation und Retaliation gemäß warte ich auf eine ähnliche Aktion der IB. Eine vorgebliche Anleitung zum Untertauchen für Ausreisepflichtige auf Arabisch, die sich als Honeypot herausstellt? Oder eine Fahndungsliste gesuchter Linksextremisten und RAFler ergänzt mit Schnappschüssen von der letzten Die-Linke-Demonstration oder vom Parteitag der Grünen, welche dann in einer vorgeblichen "Netzwerkanalyse" als Beziehungsgeflecht wild zusammengewürfelt werden? Der Ideen gibt es viele, die man mit "Kunstfreiheit" nur dürftig bemänteln könnte. Und irgendwann wird aus Satire Realität und wir finden uns in einer Gesellschaft der Gesinnungsschnüffelei und des Denuntiantentums wieder.