Die ethnische Wahl

Vor rund drei Jahren beschäftige ich mich zum ersten mal mit dem Thema der ethnischen Wahl.

Martin Sellner

Martin Sellner ist Kopf der österreichischen Identitären Bewegung.

Ich glau­be die IB war sogar eine der ers­ten Grup­pen die die­sen Begriff über­haupt im deut­schen Sprach­raum ver­wen­de­te. In Frank­reich und Eng­land sind „mus­lim“ und in Ame­ri­ka „eth­nic vote“ schon län­ger Gegen­stand der For­schung und der poli­ti­schen Debatte.

Das Zah­len­ma­te­ri­al, das in den USA zum Wahl­ver­hal­ten eth­ni­scher Bevöl­ke­rungs­grup­pen vor­liegt, ist im Ver­gleich zu Euro­pa phä­no­me­nal. Doch unlängst fiel mir ein Buch in die Hän­de, das eine der weni­gen wis­sen­schaft­li­chen Arbei­ten zu die­sem The­ma dar­stellt. Über die erwart­ba­ren und über­ra­schen­den  Ergeb­nis­se aus Rafae­la Dan­cy­gie­rs Buch „Dilem­mas of inclu­si­on“, will ich in die­sem Bei­trag berich­ten. Denn die eth­ni­sche Wahl ist eines der ent­schei­den­den The­men des 21. Jahr­hun­derts in Europa.

Die ent­schei­den­de Fra­ge der Poli­tik, die jeder Sach­fra­ge vor­aus­geht, ist immer die nach dem Poli­ti­schen Sub­jekt. Es geht um das „wir“ das ent­schei­den und für das ent­schie­den wird. Jede Gemein­schaft hat eine kol­lek­ti­ve Iden­ti­tät, die ihr Abgren­zung nach Außen und Struk­tur im Inne­ren ermög­licht. Jede Poli­tik ist damit not­wen­dig „iden­ti­tär“. Die angeb­lich lin­ke „Iden­ti­täts­po­li­tik“ ist ein dümm­li­cher Pleonasmus. 

Die­se Gemein­schaft war seit der Neu­zeit pri­mär das natio­nal­staat­lich ver­fass­te Volk. Im Rah­men die­ses Vol­kes gab es kon­fes­sio­nel­le, ideo­lo­gi­sche und sozio­öko­no­mi­sche Unter­schie­de an deren Ori­en­tie­rung sich Par­tei­en bil­de­ten. Den Rah­men die­ses Vol­kes ver­such­ten und ver­su­chen uni­ver­sa­lis­ti­sche Ideo­lo­gien regel­mä­ßig zu spren­gen, indem sie die inter­na­tio­na­le Kol­lek­ti­ve die­ser Teil­men­gen zulas­ten des Vol­kes pro­pa­gie­ren. Doch selbst die­se ideo­lo­gi­schen Ver­ir­run­gen akzep­tie­ren das Volk und den Natio­nal­staat wider­wil­lig als das grund­le­gen­de Sub­jekt des Politischen.

Das Volk macht als eth­no­kul­tu­rel­les Fun­da­ment im Rah­men des Natio­nal­staats die Demo­kra­tie erst mög­lich. Die Auf­tei­lung in Par­tei­en ver­weist auf eine vor­he­ri­ge Ein­heit der Gemein­schaft. Das gegen­sei­ti­ge Ver­trau­en, das als sozia­les Kapi­tal, wirt­schaft­li­che Koope­ra­ti­on, sowie fried­li­chen Macht­wech­sel, ermög­licht baut instink­tiv auf gemein­sa­me Her­kunft und Kul­tur auf, wie zahl­rei­che Stu­di­en bestä­ti­gen. Es ist das inklu­si­ve „Wir“, das so gut wie jede poli­ti­sche Aus­sa­ge als gege­ben nimmt

Genau die­ses „Wir” ist aber nun bedroht. Der Gro­ße Aus­tausch, den die supra­na­tio­na­len Eli­ten den euro­päi­schen Völ­kern auf­nö­ti­gen, tri­ba­li­siert und frag­men­tiert die Gesell­schaft. Er rührt damit an die Grund­fra­ge des Poli­ti­schen. Die Fra­ge nach dem „Wir“ und der Iden­ti­tät der Gemeinschaft.

Durch die Poli­tik der Mas­sen­ein­wan­de­rung und des Mul­ti­kul­tu­ra­lis­mus, wel­che die eth­ni­sche Zer­split­te­rung der Gesell­schaft zum mora­li­schen Wert („Diver­si­ty“) hei­lig­te und das The­ma der Assi­mi­la­ti­on und erst recht die Fra­ge nach ihren Kapa­zi­täts­gren­zen ver­ket­zer­te, ist die­se Iden­ti­tät fra­gil und bedroht. Die­se Bedro­hung ist radi­kal anders als jede bis­he­ri­ge ideo­lo­gi­sche und reli­giö­se Spal­tung der Gesell­schaft.  Die Kon­flik­te zwi­schen Kom­mu­nis­ten und Natio­nal­so­zia­lis­ten, Pro­tes­tan­ten und Katho­li­ken, und sogar heu­te zwi­schen der Iden­ti­tä­ren Bewe­gung und der Anti­fa, sind inner­deut­sche Bin­nen­kon­flik­te, im Rah­men eines spe­zi­fi­schen ideen­ge­schicht­li­chen, eth­no­kul­tu­rel­len Nar­ra­tivs. Egal was dabei am Ende her­aus­kam: es war deutsch.

Ein roter Faden des Deutsch­tums, zieht sich durch die deut­schen Stäm­me, die deut­sche Mon­ar­chien, das deut­sche Kai­ser­tum, den deut­schen Sozia­lis­mus, den deut­schen Natio­nal­so­zia­lis­mus und die deut­sche libe­ra­le Demo­kra­tie. Nähe man den gro­ßen Aus­tausch aus dem Spiel, so wür­de auch das nächs­te ideen­ge­schicht­li­che Kapi­tel, nach dem Uni­ver­sa­lis­ti­schen Schuld­kult, eines auf jeden Fall sein: deutsch.

Der gro­ße Aus­tausch bringt jedoch kei­ne neue ideo­lo­gi­sche Frak­ti­on ins Spiel, die sich in die­ses Nar­ra­tiv ein­fügt, oder auch nur an es anschließt. Er erzeugt in sei­nen Ghet­tos und Par­al­lel­ge­sell­schaf­ten erra­ti­sche, eth­no­re­li­giö­se Blö­cke, die anders als gewach­se­ne eth­ni­sche Min­der­hei­ten, kei­ne Bin­dung zur Leit­kul­tur auf­wei­sen. Das „Gemein­wohl“ ist für sie unver­ständ­lich. Ihr poli­ti­scher Bezugs­rah­men ist der Clan, der dank Kettenmigration,Kettenmigration, aus fer­nen Län­dern impor­tiert und in urba­nen Ghet­tos rekon­stru­iert wurde.

Die Clans inter­es­siert ledig­lich der Wirt­schafts­stand­ort in sei­ner Aus­wir­kung auf ihren kol­lek­ti­ven Vor­teil. Die Opfer­be­reit­schaft und Soli­da­ri­tät, ohne die ein Sozi­al­staat zusam­men­bricht gibt es für sie nur inner­halb ihrer eth­ni­schen Enkla­ve. Der Staat ist ein Beutewert.

Die­ses Ver­hal­ten zeigt sich beson­ders deut­lich in einer frap­pie­ren­den Tat­sa­che, die Dan­ci­gier in ihrem Buch fest­hält. Sie unter­such­te dafür das Wahl­ver­hal­ten und die poli­ti­sche Par­ti­zi­pa­ti­on von Mus­li­men in Eng­land, Bel­gi­en, Deutsch­land und Frank­reich. Die­se eige­nen sich beson­ders gut als Ver­deut­li­chung für die beschrie­be­nen Phä­no­me­ne, da sie eine star­ke Grup­pen­iden­ti­tät, mit inten­si­ver Kohä­si­ons­kraft und ten­den­zi­el­ler Abwer­tung der Kul­tur des Gast­lan­des auf­wei­sen. Dan­ci­gier beweist: Mus­li­me wäh­len ten­den­zi­ell als eth­ni­scher Block und gegen ihre sozio­öko­no­mi­schen Präferenzen.

Die Gra­fik zeigt einen kla­ren Trend. Mus­li­me ähneln in ihrer Hal­tung zu Reli­gi­on, Umver­tei­lung und Homo­se­xu­el­len eher den indi­ge­nen Rechts­wäh­lern. Den­noch wäh­len sie aber über­wie­gend lin­ke Par­tei­en, deren ideo­lo­gi­schen Zie­le nicht den ihren ent­spre­chen. War­um? Die Fra­ge der Reli­gio­si­tät zeigt den wahl­ent­schei­den­den Fak­tor der Iden­ti­tät am deut­lichs­ten. Mus­li­me und ein­hei­mi­sche Rech­te mögen sich bei­de im abs­trak­ten Maß­wert der „Reli­gio­si­tät“ ähn­li­cher sein.

Die­se abs­trak­te Nähe bedeu­tet aber kon­kre­te Absto­ßung, da sie unter­schied­li­chen, theo­lo­gisch kon­kur­rie­ren­den Reli­gio­nen anhän­gen. Prak­tisch ist der lin­ke, natio­nal­neu­ro­ti­sche Athe­ist, der die Reli­gi­on der Mus­li­me schützt und för­dert, wäh­rend er hei­mi­sche Reli­gi­on ver­höhnt, dem Mos­lem viel näher.

Vor allem wegen die­sem „tole­ran­ten“ Schutz­ver­hal­ten für ihre Clan­struk­tu­ren und nicht etwa wegen öko­no­mi­schen Klas­sen­in­ter­es­sen wäh­len Mus­li­me bis­her links. Im tri­ba­lis­ti­schen Den­ken der Mus­li­me sind ideo­lo­gi­sche lin­ke Zie­le rela­tiv gleich­gül­tig. Ihnen geht es ganz prag­ma­tisch um das Gemein­wohl ihrer Enkla­ve. Sorg­ten die Sozi­al­de­mo­kra­tie doch für ihr die Ali­men­tie­rung und Gleich­zei­ti­ge lais­ser-fai­re Hal­tung gegen­über ihren Par­al­lel­stru­ku­ren, sowie für eine offe­ne Tran­sit­rou­te zum Heimatland.

Mit der demo­gra­phi­schen Zahl steigt ihre demo­kra­ti­sche Macht und mit ihrer der Macht ihre Mög­lich­keit die­se Poli­tik am Leben zu erhalten.

Die­se Macht ist gera­de des­halb so groß, weil die eth­ni­sche Enkla­ve sehr ver­läss­lich kol­lek­ti­ve Ent­schei­dun­gen tref­fen kann. In Eng­land nennt man die­ses Sys­tem „bira­de­ri“ und es ist sehr effek­tiv. Der sozia­le Druck, durch enges Zusam­men­le­ben und die patri­ar­cha­le Struk­tu­ren machen mus­li­mi­sche Ghet­tos zu den regel­rech­te „Stim­men­bat­te­rien“, die die losen, poli­tik­ver­dros­se­nen, ato­mi­sier­ten Bio­eng­län­der bei wei­tem über­tref­fen. Wenn 15% oder mehr Mus­li­me in einem Bezirk leben, steigt ihre Wahl­re­gis­trie­rung auf 96%. Leben nur 5% in einer Ein­heit so beträgt sie nur 58%. (Dan­cy­gier, S.122)

Das eng­li­sche Wahl­sys­tem, das dar­über hin­aus Grup­pen in urba­nen Räu­men mit hoher Dich­te bevor­zugt, und hohe loka­len Hand­lungs­spiel­raum auf­weist, macht es den Mus­li­men beson­ders leicht. Dazu kom­men regel­mä­ßi­ge Wahl­auf­ru­fe der mus­li­mi­schen Geist­li­chen, bestimm­te Par­tei­en zu wäh­len. Die East-Lon­don Mos­que wird bei­spiels­wei­se als „key power-bro­ker“ der loka­len Wah­len in Brad­ford gese­hen. „Jeder loka­le Poli­ti­ker ist dazu genö­tigt, sich mit ihren Anfüh­rern abzu­stim­men und sie öffent­lich sicht­bar zu besu­chen, wenn er eine auch nur eine Chan­ce auf Wahl­er­folg haben will.” (Dan­cy­gier, S.89)

In bereits 38 Wahl­be­zir­ken spielt die „mus­lim vote“ die ent­schei­den­de Rol­le. In Frank­reich wähl­ten 2012 93% der Mos­lems Fran­cois Hol­land, wäh­rend nur 52% der „fran­cois de sou­che“, dem glück­lo­sen Prä­si­den­ten ihre Stim­me gaben. Seit­dem ach­ten „kon­ser­va­ti­ve“ Kan­di­da­ten, pein­lich genau dar­auf, die mus­li­mi­schen Wäh­ler­schaft nicht zu verschrecken.

Die eth­ni­sche Wahl geht ten­den­zi­ell an Par­tei­en, die für Migra­ti­on und gegen Islam­kri­tik auf­tre­ten. Doch in ihrem Wesen ist sie ein mafi­ös. Sie ist vor allem lokal ori­en­tiert und pragmatisch.Sie hat kein Inter­es­se an der „gro­ßen Poli­tik“ und der Par­tei­li­nie, son­dern am Maxi­mum an Nut­zen für die loka­le Par­al­lel­ge­sell­schaft. Das Ziel der eth­ni­schen Wahl ist es am Ende immer die eige­nen Leu­te, also Sip­pen­an­ge­hö­ri­ge in Macht­po­si­tio­nen zu bekommen.

Und die­se Rech­nung geht auf. Nach­weis­lich för­dern Mus­li­mi­sche Poli­ti­ker die gesetz­li­che Lage für Moschee­bau­ten und Halal­ge­set­ze. Wei­ters gibt es deut­li­che Hin­wei­se, dass sie aus die­sen Posi­tio­nen die Auf­klä­rung von Ehren­mor­den, oder Sex­skla­ve­rei behin­dern­den und Frau­en­rech­te unter­gra­ben. (Bran­don and Hafez 2008) In Eng­land haben Mos­lems ihr Ziel bereits erreicht. In den von ihnen domi­nier­ten Regio­nen kommt kei­ne Par­tei mehr an einem mus­li­mi­schen Kan­di­da­ten vorbei.

Dan­ci­gier dazu am Bei­spiel Bel­gi­ens: (..) Wie zu erwar­ten, stel­len Rechts-Mit­te Par­tei­en sel­te­ner mus­li­mi­sche Kan­di­da­ten auf [als lin­ke]. Sobald jedoch die Mus­li­me mehr als 25% der Wahl­be­völ­ke­rung stel­le, ver­rin­gern sich die­se ideo­lo­gi­schen Unter­schie­de. (…). In Bel­gi­en stel­len Mit­te-Rechts Par­tei­en, dann mus­li­mi­sche Kan­di­da­ten auf, wenn die­se Ein­glie­de­rung ent­schei­dend für die Gewin­nung von Sit­zen ist.”  (Dan­cy­gier, S. 98)

Die­ser Trend mach­te bereits einen Mos­lem zum Bür­ger­meis­ter Lon­dons. Auch in Wien und Ber­lin könn­te das bald Wirk­lich­keit sein. Der Ego­is­mus der Par­tei­en, eine der Achil­les­fer­sen des Par­la­men­ta­ris­mus, wird hier zum Motor des Gro­ßen Aus­tauschs. Das eiser­ne Gesetz der Zahl, also die Zahl der Staats­gel­der die man für die Anzahl der Sit­ze erhält, und die Anzahl der Stim­men die man für die­se Sit­ze braucht, setzt die Par­tei­en unter Zugzwang.

„In Wahl­be­zir­ken in denen es immer schwie­ri­ger wird ohne mus­li­mi­sche Unter­stüt­zung zu gewin­nen, ist es extrem sel­ten der Fall, dass nur eine der gro­ßen Par­tei­en mus­li­mi­sche Kan­di­da­ten auf­stel­len. (…) Bei­spie­le zei­gen, dass Par­tei­en zwar Aus­wahl­feh­ler machen, aber schnell reka­li­brie­ren und die Inklu­si­ons­stra­te­gie wäh­len, die ihre Sie­ges­chan­ce für das nächs­te mal erhöht.“ (Dan­cy­gier, S. 109ff) Dan­ci­gier weist nach, dass in Eng­land die Tories, wider­wil­lig aber fast aus­nahms­los nach­zo­gen und in mos­lem­do­mi­nier­ten Bezir­ken, nach desas­trö­sen Wahl­nie­der­la­gen gegen mus­li­mi­sche Labour-Kan­di­da­ten, selbst auch Mos­lems aufstellten.

Je stär­ker sich die Mus­li­me ihrer stimm­li­chen Macht bewusst wer­den, des­to stra­te­gi­scher und wäh­le­ri­scher gehen sie mit ihr um. Dan­cy­gier schreibt: “Ein Resul­tat ist, dass Wahl­aus­gän­ge immer vola­ti­ler wer­den: Mus­li­me wäh­len als Enkla­ve, die ihre Unter­stüt­zung auf der basis eth­no­re­li­gö­ser Sipp­schaft wech­seln kann, egal um wel­ches Par­tei­lo­go es geht.” (Dan­cy­gier, S.19)

Der Clan gibt sei­ne Stim­me ein­heit­lich einer lin­ken Par­tei. Er kann sie aber genau­so ein­heit­lich einer „rech­ten“ geben, wenn das lokal und akut Vor­tei­le bringt. Doch er gibt sie immer ein­heit­lich und das macht die eth­ni­sche Wahl aus. Hier erge­ben sich neue chao­ti­sche Wahl­er­geb­nis­se, die nicht mehr ent­lang ideo­lo­gi­scher Lini­en ver­lau­fen. Eine par­la­men­ta­ri­sche Bra­si­lia­ni­sie­rung, die end­gül­ti­ge Pha­se der Plu­to­kra­tie und Och­lok­ra­tie bricht an.

Dan­ci­gier schreibt: „Die elek­to­ra­le Ein­bin­dung von Mos­lems hat die Par­tei­po­li­tik in mus­li­mi­schen Enkla­ven trans­for­miert, in denen kan­di­d­an­ten­zen­trier­te Kam­pa­gnen, die ideo­lo­gi­sche Par­tei­li­nie zu einer Neben­sa­che machen.“ (Dan­cy­gier, S. 19)

Hier sehen auch sog­gen­an­ten „Kon­ser­va­ti­ve“ einen Chan­ce Migran­ten­stim­men abzu­ja­gen. Solan­ge sie auf loka­ler Ebe­ne mit den Clans koope­rie­ren und kei­ne Islam­kri­tik, oder fun­da­men­ta­le Migra­ti­ons­kri­tik betrei­ben, steht dem nichts im Wege. Das Zeigt das Bei­spiel der CDU.

Jahr­zehn­te­lang waren impor­tier­te „Reser­ve­ar­mee des Kapi­tals“ treu­er Wäh­ler der SPD gewe­sen. In einem Stra­te­gie­pa­pier „Die gro­ßen Städ­te zurück­er­obern“, aus dem Jahr 2014, plan­te die „über das Kern­wäh­ler­po­ten­ti­al hin­aus“ zu grei­fen und „enge Ver­bin­dun­gen mit Moschee­ge­mein­den“ auf­zu­bau­en.  (Dan­cy­gier, S.83) 

Wenn die CDU das The­ma der Inte­gra­ti­on nicht auf­nimmt, müs­sen wir uns damit abfin­den, dass wir bestimm­te kul­tu­rel­le Grup­pen in urba­nen Milieus nicht gewin­nen kön­nen. Ohne die­se Milieus kön­nen Wah­len nicht gewon­nen wer­den.“ Als Lösung schlug er vor, meh­rer tür­ki­sche Kan­di­da­ten auf­zu­stel­len, was die Par­tei bei der nächs­ten Wahl prompt tat. (Dan­cy­gier, S. 102) Die Tak­tik der CDU war erfolg­reich, was sicher auch ein „Ver­dienst“ von Mer­kels Mul­ti­kul­ti­po­li­tik ist. Ihre natio­na­le Grenz­öff­nung und Tole­ranz­po­li­tik, in Ver­bin­dung mit eth­no­re­li­giö­se Sip­pen­mo­bi­li­sie­rung und Ein­bin­dung von Mos­lem­s­clans auf loka­ler Ebe­ne konn­te den Nach­sprung der „Christ­lich­so­zia­len“ gegen­über der SPD deut­lich schmälern.

Wähl­ten 2016 nur 6,1% der tür­kisch­stäm­mi­gen die Uni­on, so stimm­ten 2018 sat­te 32,9% der Tür­ken für die mul­ti­kul­tu­rel­le Mut­ti. Die­ser Trend steht auch im Ein­klang mit Dan­ci­giers erwähn­ten Unter­su­chungs­er­geb­nis­sen: je grö­ßer die Enkla­ven, des­to vola­ti­ler und tak­ti­scher wer­den ihre Stim­men­ab­ga­ben. Das bedeu­tet aber kei­ne Assi­mi­la­ti­on, also kei­ne Auf­spal­tung der eth­ni­schen Sip­pen in ver­schie­de­ne sozio­öko­no­mi­sche Wählerklassen.

Nach wie vor wäh­len die Enkla­ven auf loka­ler Ebe­ne rela­tiv geschlos­sen, nur fällt die Ent­schei­dung, wel­che Par­tei mehr Vor­tei­le für den Clan bringt, von Stadt zu Stadt und Wahl zu Wahl eben ver­schie­den aus. Die Treue der eth­ni­schen Wäh­ler gilt nicht einer Par­tei, oder Idee, son­dern der eige­nen Haut­far­be und Reli­gi­on. Exit-Polls in Bel­gi­en wäh­rend der Lokal­wah­len 2016 zeig­ten, dass nur 24% der Bel­gi­er, aber 79% der Tür­ken und 58% der Marok­ka­ner sagen, dass sie ihre Vor­zugs­stim­me, einem eth­nisch ver­wand­ten Kan­di­da­ten gege­ben hät­ten. (Dan­cy­gier, S. 125)

Im End­stand­ti­um der  eth­ni­schen Wahl kommt es teil­wei­se zu ech­ten Komö­di­en und Zerr­bil­dern der Demo­kra­tie, wie bei die Cha­os­wah­len in Man­ning­ham, Brad­ford. Die Bevöl­ke­rung in die­sem Wahl­be­zirk war bereits 2001 zu zwei Drit­teln mos­le­misch, die loka­le Poli­tik daher seit lan­gem „clan­ba­siert, kli­en­tel­haft und nicht­ideo­lo­gisch“. Par­tei­zu­ge­hö­rig­keit war ledig­lich eine „flag of con­ve­ni­en­ce“, die Par­tei­en selbst „Orga­ni­sa­ti­ons­ve­hi­kel“. (Dan­cy­gier, S. 127)

So kam es, dass der Torie-Kan­di­dat, ein Mos­lem aus dem „Jat clan“, gegen einen wei­te­ren Mos­lem aus dem „Bains Clan“ antrat. Bei­de hat­ten via Ket­ten­mi­gra­ti­on ihre Clan­struk­tur, aus Paki­sta­ni­schen Dör­fern, mit­ten nach Eng­land über­tra­gen. Dut­zen­de enga­gier­te jun­ge Män­ner ström­ten durch die Stra­ßen und mach­ten Wer­bung für „ihre Par­tei“. „Jats oder Bains“ war ein „häu­fi­ger Schlacht­ruf“ auf den Stra­ßen. Die Wahl wur­de zu einem Clan­kon­flikt. „Bei­de Par­tei­en hat­ten Kräf­te in Gang gesetzt, wel­che die Par­tei­spit­zen nicht mehr ver­stan­den und nicht mehr kon­trol­lie­ren konn­ten.“ (Dan­cy­gier, S.134)

Migran­ten spie­len die­ses Spiel mit eta­blier­ten Par­tei­en solan­ge bis sie es für sie vor­teil­haf­ter wird eige­ne Par­tei­en zu grün­den. Zag­haf­te Ver­su­che in die­se Rich­tung sind bereits wahr­nehm­bar. Noch sind es oft ewi­ge Polit­re­bel­len und Quer­köp­fe, die damit gegen einen schlech­ten Lis­ten­platz in den Mul­ti­kul­ti-Par­tei­en. Doch ein „Submission“-Szenario ist der nächs­te logi­sche Schritt. Die Sozi­al­de­mo­kra­tie, die als Erz­ver­rä­te­rin der euro­päi­schen Arbei­ter mit der eth­ni­schen Wahl anfing, wird im End­sta­di­um, also ab einer gewis­sen Grö­ße des migran­ti­schen Elek­to­rats von ihren Eth­no­wäh­lern weg­ge­wor­fen wie ein wert­lo­ser Kokon.

Dan­ci­gier drückt das fol­gen­der­ma­ßen aus: „Die Sipp­schafts­po­li­tik der Enkla­ve ist dem­zu­fol­ge mit vola­ti­le­ren Wahl­er­geb­nis­sen ver­bun­den, die weni­ger stark mit dem sozio­öko­no­mi­schen Cha­rak­te­ris­ti­ka der Wäh­ler­schaft zusam­men­hän­gen. Mus­li­mi­sche Bezir­ke, die eigent­lich auf Basis ihrer Klas­sen- und Ein­wan­de­rungs­zu­sam­men­set­zung lin­ke Bas­tio­nen sein soll­ten, sind somit im Gegen­teil weni­ger siche­re Sie­ge für die Labour Par­tei.“ (Dan­cy­gier, S.11) Der Ver­rat der Demo­kra­tie rächt sich nun an der Sozi­al­de­mo­kra­tie, die sich hem­mungs­los pro­sti­tu­iert, ihre Kern­wäh­ler­schich­ten ver­ra­ten und ein dop­pel­tes Spiel gespielt hat. Die links­li­be­ra­len Bobos ten­die­ren zu den Grü­nen, die hei­mi­schen Arbei­ter wäh­len rechts­po­pu­lis­tisch und die Migran­ten zei­gen ihnen immer kla­rer, dass sie ihre Loya­li­tät nicht natio­na­len Arbei­ter­be­we­gun­gen gilt.

Noch bestimmt Des­in­ter­es­se und loka­le Kor­rup­ti­on die eth­ni­sche Wahl. Doch mit dem Her­an­wach­sen einer neu­en, aka­de­misch gebil­de­ten, aggres­si­ven, von US-ame­ri­ka­ni­scher Iden­ti­täts­po­li­tik auf­ge­hus­te­ter Klas­se an Eth­no-Akti­vis­ten wird sich das rasch ändern. Dar­in liegt auch eine Chan­ce. Je rascher die bereits bestehen­de Tri­ba­li­sie­rung der Poli­tik sicht­bar wird, des­to bes­ser. Das fal­sche Spiel der eta­blier­ten Groß­par­tei­en muss offen gelegt wer­den. Sie ver­tre­ten nach Außen hin eine Poli­tik der Sach­the­men und Par­tei­li­ni­en, doch auf loka­ler Ebe­ne ver­ra­ten sie, Wahl für Wahl, alle Prin­zi­pi­en und ver­bün­den sich mit den isla­mi­schen Clans.

Wir müs­sen sie beim Wort neh­men und ihre eige­nen libe­ra­len, pro­gres­si­ven For­de­run­gen, unab­hän­gig von deren Kri­tik­wür­dig­keit, mit ihre­ren eth­no­re­li­giö­sen Stim­men­batta­ri­en kon­fron­tie­ren. Das bis­he­ri­ge Sys­tem funk­tio­niert, weil es im Ver­bor­ge­nen statt­fin­det, weil sich die mus­li­mi­schen Wäh­ler nicht um die Par­tei­li­nie und die Par­tei­eli­ten nicht um die Hal­tun­gen der mus­li­mi­schen Wäh­ler küm­mern. Doch hier liegt ein Spreng­po­ten­ti­al, das gan­ze Lan­des­ver­bän­de in die Luft jagen könnte!

Spreng­meis­ter die­ses ver­lo­ge­nen, anti­de­mo­kra­ti­schen, eth­no­re­li­giö­sen Fil­zes müs­sen die Rechts­po­pu­lis­ti­schen Kräf­te sein. Sie sind als ein­zi­ge Kri­ti­ker der Isla­mi­sie­rung und des Bevöl­ke­rungs­aus­tauschs, sowie als ech­te Ver­tre­ter einer euro­päi­schen Iden­ti­tät und Leit­kul­tur, auch fast unwähl­bar für die nicht­eu­ro­päi­schen Clanmitglieder.
Denn hier zeigt sich, neben dem mafiö­sen, loka­len Macht­ge­winn, und der Bluts­ver­wandt­schaft, die ein­zig wahr­nehm­ba­re ideo­lo­gi­sche Moti­va­ti­on der eth­ni­schen Wahl. Sie ist eine nega­ti­ve. Ange­hö­ri­ge von Migran­ten­clans wäh­len kei­ne Par­tei die migra­ti­ons­kri­tisch ist und für Assi­mi­la­ti­on ein­tritt. Mos­lems wäh­len kei­ne Par­tei, wel­che die Isla­mi­sie­rung kritisiert.

Migran­ten die einer authen­tisch iden­ti­tä­ren Par­tei ihre Stim­me geben, haben damit per­for­ma­tiv ihren Aus­tritt aus den Clan­struk­tu­ren und ihre Ein­fü­gung in die geschicht­li­che Nati­on bewie­sen, die in Euro­pa unmög­lich rein „zivil“ sein und auf abs­trak­ten Ver­fas­sun­gen fußen kann. In einem kom­men­den Bei­trag möch­te ich näher aus­füh­ren, war­um und wie das Phä­no­men der eth­ni­schen Wahl die der­zei­ti­ge Par­tei­en­land­schaft spren­gen und die Demo­kra­tie ret­ten könn­te. Wird uns die eth­ni­sche Wahl nicht voll bewusst, wird sie unse­re Demo­kra­tie und unser Volk irrever­si­bel zer­stö­ren. Wer­den wir uns ihr voll bewusst und zie­hen die logi­schen Schlüs­se und Kon­se­quen­zen, kann das unse­re Demo­kra­tie und unse­re Iden­ti­tät ret­ten. Grund genug sich und ande­re mit die­ser Fra­ge zu beschäftigen!

Martin Sellner

Martin Sellner ist Kopf der österreichischen Identitären Bewegung.

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Kommentare (16)

Nath

20. Dezember 2018 18:36

@Martin Sellner
Wenn man Ihre Youtube-Videos sowie Ihre Artikel in diesem Forum aufmerksam verfolgt, so ergibt sich in Bezug auf einen bestimmten Begriff folgender Tatbestand:
Aus, wie man vermuten kann, gutem Grund vermeiden Sie es, das Kompositum "ethno-kulturell" bzw. die sich aus ihm ergebende volkhafte Identität auseinanderzunehmen und den Anteil, welchen die so miteinander verbundenen Termini jeweils einnehmen, genauer zu bestimmen. (Ganz im Unterschied beispielsweise zu einer metapolitischen "Reizfigur" wie Richard Spencer.) Weder gewichten Sie den rassisch-biologischen Aspekt, der in "ethno" zum Ausdruck kommt, als das letztlich Entscheidende, noch priotisieren sie umgekehrt den Begriff "kulturell" im Sinne einer Anthropologie, welche den Setzungscharakter des Ich-Bewusstseins in den Vordergrund stellt.
Vielmehr - dies ist jedenfalls mein Eindruck - lassen Sie offen, was es mit dieser Beziehung genauer auf sich hat. Könnte es sein, dass die Relation, welche in jenem Kompositum zum Ausdruck kommt, in einem gewissen Sinne f r ü h e r ist als die beiden Begriffe, die für sie konstitutiv zu sein scheinen? Anders ausgedrückt, verdankt sich das, was durch die Worte "ethno" und "kulturell" mehr angezeigt als bestimmt wird, nicht der fundamentalontologischen Beziehung Entwurf/Geworfenheit bzw. der späteren seinsgeschichtlichen sprachlichen Fassung: "Streit von Welt und Erde", die prinzipiell niemals isoliert voneinander begriffen werden können? Stünde es so, dann würde jede voreilige Bezugnahme auf das vermeintlich "objektiv-biologische" Vorhandensein des Menschen einerseits (ethno), wie auf den selbstreferenziellen Charakter des menschlichen Bewusstseins andererseits (kulturell) auf einen Abweg gedrängt, von welchem aus man niemehr ins Freie gelangen könnte. Der Platz, den diese beiden "Teile" des Menschseins (Subjektivität und Objektivität) ausmachen, ist nämlich schon durch die ihnen zugeordneten Wissenschaften "besetzt" (Geisteswissenschaften und Biologie/Biochemie), die beide die fraglose Selbstverständlichkeit ihrer jeweiligen Gegenstandsgebiete behaupten - in der Meinung, völlig "metaphysikfrei" das real Gegebene zu erforschen. Dass es sich in beiden Fällen gleichwohl um einen metaphysischen Entwurf handelt (Seiendheit als Gegenständlichkeit) kommt ihnen dabei überhaupt nicht in den Sinn.
Abgesehen von der Behutsamkeit, an welche politische Klugheit überall dort gemahnt, wo man sich heutzutage dem Phänomen vorgeblicher biologischer Determinanten ("Rasse") auch nur von ferne nähert, könnte vor allem philosophische Behutsamkeit einen dazu anhalten, weder bezüglich des Menschseins noch des Seienden im Ganzen irgendetwas zu präjudizieren, welches letztere sich umso irreversibler erwiese, je harmloser es scheinbar daherkäme. "Synthesen" können hier kaum weiterführen, weder eine durch den "Geist" aufgestockte Grundorientierung am Biologischen, noch umgekehrt eine "Erdung" des Subjekts durch die Berücksichtigung seiner materiellen "Fundamentalschicht". Andererseits geriete die Verwendung heideggerscher Termini wie Entwurf/Geworfenheit sofort in der Verdacht "weltanschaulicher" Präferenzen, was aufs Ganze gesehen noch misslicher wäre. Kurzum, der heuristische Ausdruck "ethnokulturelle Identität" geht zwar keine der entscheidenden ontologischen Fragen wirklich an, aber er verbaut auch nicht die Wege, die zu ihnen hinführen können.
Es wäre vielleicht nicht uninteressant, Ihre Auffassung zu der hier angeschnittenen Grundproblematik zu erfahren.

Johannes Poensgen

20. Dezember 2018 19:02

GANZ WICHTIG: Um die Bedeutung der ethnischen Wahl zu erfassen muß man sich des Unterschieds zwischen Stimmenanteil und Stimmgewicht bewußt sein!

Das Stimmgewicht ist der Anteil aller möglichen Koalitionen, in der die Stimme dieses Stimmberechtigen den Ausschlag gibt, also die Koalition über die Mehrheitshürde bringt.

Ist der Stimmenanteil gleich verteilt (jeder Stimmberechtigte hat eine Stimme, oder jeder Stimmberechtigte hat zehn Stimmen, das ist egal), dann ist auch das Stimmgewicht gleich. Bei ungleichem Stimmenanteil steigt das Stimmgewicht weit überproportional zum Stimmenanteil.

Das heißt: 15% die geschloßen abstimmen und damit wie ein Stimmberechtigter handeln, haben weit mehr als 15% Stimmgewicht.

Nach den Feiertagen werde ich das auf diesem Blog genauer erläutern. Es ist sehr wichtig, das zu begreifen.

Ruewald

20. Dezember 2018 22:23

@Poensgen: Ihre angekündigten Ausführungen machen neugierig, zumal Ihre Andeutungen nicht unmittelbar verständlich sind. Dazu mein Vorschlag: nicht nur abstrakt beschreiben, sondern mittels eines einfachen Rechenbeispiels erläutern. -
In der Statistik gibt es überraschende, manche paradox erscheinende Zusammenhänge, die sich u. U. leicht durch einfache Rechenbeispiele plausibel machen lassen.

Ruewald

20. Dezember 2018 23:21

An dieser Stelle möchte ich an den, m.E. zu Unrecht zu wenig beachteten Soziologen Prof. Jost Bauch erinnern, der am 2. Dezember völlig überraschend im Alter von 69 Jahren verstorben ist. K.A. Schachtschneider hat einen Nachruf geschrieben. Empfehlenswert, insbesondere als Ergänzung zu Sieferle "Finis Germania", ist sein letztes Buch "Abschied von Deutschland. Eine politische Grabschrift" (2018, Kopp-Verlag). Kapitelüberschriften u.a.:
Massengesellschaft und technokratische Politik, Demografie des Verschwindens, Massendemokratie und Ochlokratie, hedonistisches Ich und Funktionsverlust der Familie; Multikultur und dissoziative Gesellschaft, Unsinn der Wertegemeinschaft, Retraditionsalisierung durch den Islam; Moralhypertrophie, Menschenrechte als Immunisierung des Humanitarismus, Glossarium moralistischer Kampfbegriffe; Opfermythologie, die Opfer der Opfer; Ringen um eine deutsche Identität, Germaniam esse restituendam.

Zum Einwand von @Nahr:
@Sellner hat es m.E. mit der Komposition "ethnisch-kulturell" gerade richtig gemacht: Für das Thema ist die Unterscheidung und die Frage des Vorrangs ohnehin irrelevant. Beides gehört wechselwirkend zusammen.
Jost Bauch hat in dem oben genannten Buch als maßgebend für die Bildung einer nationalen Gemeinschaft (Nation) drei Identitätskerne bestimmt:
1. der biologisch-ethnische,
2. der sozio-kulturell-historische, und
3. der politisch-konstruktivistische Identitätskern.
Der Kern 2 überlagert den Kern 1. Daß Sellner beides im Rahmen seines Artikels zusammenfaßt, ist legitim.
Zur Wechselwirkung gibt es interessante Beiträge des Soziologen und Humanethologen Frank Salter.

bhuber

21. Dezember 2018 00:59

Hallo Ruewald,

Interessiert habe ich nach Farnk Salter gegoogelt und fand gleich den Satz:

The book presents two separate studies that compare welfare expenditures around the world, both indicating that the more ethnically mixed a population becomes, the greater is its resistance to redistributive policies.

Das gibt erst mal zu Denken und könnte einiges erklären.

Danke und Gruss, Huber

Michael Kohlhaas

21. Dezember 2018 11:57

Danke für die Analyse. Zur Form: Wäre es möglich, den Text noch einmal gegenzulesen und die orthografischen Fehler zu entfernen? Zum Inhalt: Wie werden aus wertkonservativen Migranten nationalkonservative Wähler? Und noch eine Bitte: Weniger Fortsetzungsgeschichten. Mehr auf den Punkt kommen.

Simplicius Teutsch

21. Dezember 2018 12:17

@ Sellner, Sie schreiben: „Sprengmeister dieses verlogenen, antidemokratischen, ethnoreligiösen Filzes müssen die Rechtspopulistischen Kräfte sein. Sie sind als einzige Kritiker der Islamisierung und des Bevölkerungsaustauschs ...“

Ihre Hoffnung und Ihr bewundernswerter Einsatz für unser angestammtes Volk in Ehren. Ich neige für Deutschland eher zur düsteren Prognose der (zischenden) IMPLOSION als der (lauten) EXPLOSION. - Es sei denn, dem Staat geht schon bald das Geld aus und die Futtertröge können nicht mehr so üppig wie bisher gefüllt werden.

Mit der parlamentarischen AfD wird man ansonsten in wenigen Jahren fertig werden, wie auch mit anderen ernstzunehmenden „rechtspopulistischen Kräften“, da hat der politisch-mediale Komplex die Freifahrts-Erlaubnis bzw. den Auftrag der ausländischen „Freunde“, und im Innern in voller Übereinstimmung mit den zivilgesellschaftlichen Eliten (Gewerkschaften, Kirche, Wirtschaftsverbände, etc.) hat mittlerweile das Merkelregime alle Schaltstellen sicher besetzt und alle Machtmittel in der Hand. - Bis auf das Internet. Die Bundeswehr ist schon gesäubert und entmannt und den „Polizeiskandal“ von Frankfurt („Hessen ist erschüttert“), wo sich fünf Polizisten per WhatsApp Hitlerbildchen hin- und herschickten, wird man auch zu nutzen wissen.

heinrichbrueck

21. Dezember 2018 12:27

Die ethnische Wahl der Ausländer. Die Inländer wählen demokratisch. Unterschied Ethnos - Demos. Die demokratische Schulerziehung wird durch das Islamwissen und das Anderssein überlagert, und natürlich kommen in diesem Zusammenhang die ethnischen Interessen zuerst. Der Ausländer braucht in erster Linie Territorium für seine Nachkommen, den Rest finanziert der Demos. Die Ausländer bedienen geschickt die Elemente einer Ethnokratie. Warum sollte ein Ausländer für die Nachkommen der Deutschen wählen? Und warum sollte er seine Ethnoerziehung demokratisch zersetzen lassen, um die Demokratie der demokulturellen Nichtidentität zu retten?
Und schon wieder das Märchen Friedlicher Machtwechsel. Ein Taktikwechsel muß noch lange kein Strategiewechsel sein. Warum sollte jemand die Macht freiwillig abgeben? Dann wären die eigenen Nachkommen anderen Mächten unterworfen.

Solution

21. Dezember 2018 12:42

Ich glaube nicht, daß "ethnisch-kulturell" der richtige Begriff ist. Denn das sagt nichts über den tatsächlichen Inhalt aus: Etwa 10% ethnisch und 90% kulturell? Oder wie?

Tatsache ist, daß nur eine bestimmte "Ethnie" (lassen wir es einmal bei dieser Umschreibung eines eigentlich zutreffenderen, verpönten Begriffs) eine bestimmte Kultur hervorbingt.

Wenn "Ethnien" anfangen, sich zu vermischen oder sich nicht mehr reproduzieren können, ist es auch aus mit deren ursprünglicher Kultur.

Kultur ist an einen Kulturerschaffer, einen Kulturerhalter, gebunden, was eben eine homogene Gruppe, eine "Ethnie", voraussetzt.

Mischethnien können auch Kulturleistungen hervorbringen, die jedoch überwiegend heterogen, teilweise oder auschließlich minderwertig sind und abhängig sind von dem, was diese Mischung zuläßt.

Letztlich sind multikulturelle Gesellschaften nicht statisch. Eine Gruppe setzt sich früher oder später durch und dominiert dann den schrumpfenden Rest durch Geburtenstärke.

Wei schnell so eine multikulturelle Gesellschaft kippen kann, sieht man an der Veränderung in der Zusammensetzung der Bevölkerung in Südafrika, in dem in absehbarer Zukunft kein Platz mehr für eine weiße Minderheit sein wird.

Wenn auch nur 1% der Bevölkerung eine höhere Gebutenrate, einen kürzeren Reproduktionszyklus und vielleicht auch noch Zuzug durch Einwanderung erhält, ist es nur eine Frage der Mathematik, wann die 99% zur Minderheit werden und möglicherweise ganz verschwinden.

quarz

21. Dezember 2018 17:20

@Nahr

"den rassisch-biologischen Aspekt, der in "ethno" zum Ausdruck kommt"

Der kommt hier nicht zum Ausdruck. "Ethnos" hat etymologisch dieselbe Wurzel wie "Ethos" ("etho"=zusammen wohnen), bezieht sich also auf den kulturellen Aspekt. Ob es sachlich angemessen ist, diesen um einen biologischen Aspekt zu ergänzen, darüber kann man streiten. Sprachlich ist er jedenfalls nicht angelegt.

@bhuber

"Das gibt erst mal zu Denken und könnte einiges erklären."

Und dabei ist das nur einer unter vielen empirisch nachgewiesenen schädlichen Effekten der ethnischen Fragmentierung einer Gesellschaft:

https://documentcloud.adobe.com/link/track?uri=urn%3Aaaid%3Ascds%3AUS%3Ad0d92661-e56c-4c25-9e9f-44e7b5bb155a

All das wird freilich im UN-Migrationspakt unbekümmert ignoriert und die UNO verkündet dreist: "Let us focus on the overwhelming positives of migration and use facts, not prejudice to address its challenges."

bhuber

21. Dezember 2018 18:35

@quarz

Es zeigt dass es die Fragmentierung schädlich sein kann aber es auch für mich die erste wirklich einleuchtende Erklärung, welche Interessen jemand an ihr haben kann. Jede Bestrebung Einkommens/Vermögensscheren nicht weiter zu öffnen, oder gar ein Stck zu schließen, ein für alle mal zu blockieren. Das Gefühl, "wir müssen mehr teilen" wird unmöglich gemacht - "Was mit denen?".

Es ist ein aus der Spieltheorie bekanntes Phänomen, dass die Anwesenheit von Parasiten Solidarität "vergiftet", und damit auch die Forderung nach Solidarität-

Huber

Ruewald

21. Dezember 2018 21:37

@Solution
D'accord. Danke für die Klarstellung. So war es auch gemeint. Entscheidend ist die Homogenität.

Jost Bauch hat es recht treffend mit dem Wort "Eingesessenheit" zum Ausdruck gebracht. Diese impliziert Verantwortung. Der Eingesessene bekommt die Folgen seines Handelns selbst zu spüren, deswegen gehören Eingesessenheit und Bürgerrechte zusammen. Der neue globalisierte Wanderbürger mit optionaler Staatsangehörigkeit, der bei Problemen sein Ränzlein packt und weiterzieht, ist von den Traditionslinien der Verantwortlichkeit abgeschnitten.

Parallelgesellschaft ist ein Euphemismus, zutreffender ist: dissoziative Gesellschaft. Die einzelnen Gruppierungen existieren nur so lange friedlich nebeneinander, wie es noch eine Mehrheitsgruppierung gibt, die die Reste einer verbindlichen Ordnung durchsetzt. Wenn aber die Mehrheit in einer Multiminoritätengesellschaft auch zur Minderheit wird, dann beginnt der "Clash" der Kulturen und es gibt Konfliktlinien in Permanenz.
Das ständige Aushandeln des Zusammenlebens zielt auf die Abschaffung des Rechtsstaats.
Denn der Sinn des Rechtsstaats besteht darin, daß durch Recht und Gesetze der Rahmen und die verbindlichen Spielregeln des Zusammenlebens geschaffen werden.

Curt Sachs

22. Dezember 2018 09:53

Herr Kohlhaas, danke!

LotNemez

23. Dezember 2018 00:37

Du liebe Zeit. Macht es euch mit dem "ethno-kulturell" doch nicht so schwer. Das sind hier einfach zwei Einflussfaktoren. Die lassen sich als Mengen darstellen. Sind wir uns einig, das in ~ 90% der Fälle Andersfarbige auch eine andere Kultur leben? Dann ist diese 90%ige Schnittmenge das Ethno-Kulturelle. In der nur-ethnischen Restmenge schmollt Akif Pirinçi und in der nur-kulturellen Ecke wettert Pierre Vogel insha'allah. Fertig.

Der Feinsinnige

2. Januar 2019 01:29

Ja, das Ergebnis der zitierten Studie war wirklich erwartbar – für unabhängig denkende Zeitgenossen. Wichtig ist, daß diese Fakten nunmehr allgemein bekannt werden - gegen die geballte Macht der Multikulti-Ideologen.

Es drängt sich die Frage auf, warum sich das beschriebene Phänomen (bislang ?) offenbar nur in (noch) in der Minderheit befindlichen einschlägigen Migranten-Milieus zeigt und nicht auch bei den (noch) in der Mehrheit befindlichen Bio-Deutschen (Bio-Briten, Bio-Franzosen etc.). Bestimmte Migranten-Milieus wählen bereits jetzt weitgehend einheitlich, die angestammten Wähler (die „schon länger hier Lebenden“ in Großbritannien, Frankreich wie vermutlich auch in Deutschland anderen Ländern Westeuropas) dagegen überwiegend nach Gesichtspunkten, die nicht ethnisch oder kulturell bedingt sind.

Das muß sich ändern. Ob es realistisch klingt oder nicht: Die Antwort auf die ethnische Wahl von Migranten kann nur heißen: Ethnische Wahl der Einheimischen (also: Wahl der auch im obigen Artikel sogenannten „Rechtspopulisten“). Sonst kommt für die West-, Süd- und Nordeuropäer tatsächlich jede Hilfe zu spät.

micfra

3. Januar 2019 13:56

Danke für diese großartige Analyse, Herr Sellner. Der Ist-Zustand ist deprimierend und kann einem hoffnungslos erscheinen. Ihr Ansatz, das Dinge nur so lange sehr gefährlich sind, solange sie nicht bewusst sind und offengelegt werden, teile ich vollkommen. Dies ist auch in der Psychotherapie ein bekanntes Phänomen. Ich bin gespannt auf Ihren Folgeartikel.

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