Sezession
16. Dezember 2018

Sonntagsheld (88) – General-Streik

Till-Lucas Wessels / 13 Kommentare

Revolte in Uniform

Till-Lucas Wessels

Till-Lucas Wessels studiert und ist identitärer Aktivist sowie »Minenhund für zukünftig Zumutbares«.

In seiner autobiographischen Schrift Das rebellische Herz stellte der französische Aktivist und Historiker Dominique Venner dem revolutionären Potential der französischen Generalität ein vernichtendes Urteil aus. Verständlich, hatte er doch nach dem gescheiterten April-Putsch der Generäle mehr als ein Jahr im Knast gesessen.

Die lange französische Tradition politischer Militärs (man denke etwa an Napoleon, Philippe Petain oder Charles de Gaulle) scheint trotzdem nicht so richtig abreißen zu wollen. So kam es beispielsweise 2016 zu einem Eklat, als der ehemalige Kommandant der Fremdenlegion, Christian Piquemal, im Rahmen einer Demonstration des französischen PEGIDA-Ablegers in Calais verhaftet wurde.

Genau dieser General Piquemal hat sich nun abermals zu Wort gemeldet. An der Seite eines Dutzend weiterer Generäle und des ehemaligen Verteidigungsministera Charles Millon forderte er den französischen Präsidenten Emmanuel Macron auf, den UN-Migrationspakt nicht zu unterzeichnen.

Statt dessen verlangten die Unterzeichner eine Volksabstimmung, in welcher die Franzosen über die Annahme bzw. die Ablehnung des Paktes entscheiden sollten. Die Zeilen, die diese Forderung einrahmen, lesen sich dabei fast wie eine Drohung:

Wenn Sie sich nun im Alleingang entscheiden, diesen Pakt zu unterzeichnen, fügen Sie der Wut eines bereits geschundenen Volkes einen weiteren Grund zur Revolte hinzu.

Daß dieser Brief, den die Genannten bereits vor gut eineinhalb Wochen veröffentlichten, in den deutschsprachigen Medien weitestgehend unbeachtet geblieben ist, mag dem Terroranschlag in Straßburg und den anhaltenden Protesten der Gelbwesten-Bewegung geschuldet sein, ich erlaube mir daher, ihn untenstehend in voller Länge zu dokumentieren.

_____________________

Paris, 7. Dezember 2018

Herr Präsident,

Sie bereiten sich darauf vor, am 10. und 11. Dezember „Globalen Pakt für sichere, geordnete und regelmäßige Migration“ zu unterzeichnen, der ein reguläres Recht auf Migration begründet. Er könnte über bereits bestehende Verträge oder den in diesem Pakt niedergelegten Grundsatz der gemeinsamen Verantwortung auch in unsere nationalen Rechtsvorschriften einfließen.

Es erscheint uns, daß die einzige Souveränität, die Frankreich bleiben wird, darin bestehen wird, in freier Entscheidung die Art und Weise festzulegen, in der die Ziele des Paktes umzusetzen sind. Sie können nicht ein weiteres Stück nationaler Souveränität ohne eine öffentliche Debatte aufgeben, während 80 Prozent der französischen Bevölkerung es für notwendig halten, die Einwanderung drastisch zu stoppen oder zu regulieren. Wenn Sie sich nun im Alleingang entscheiden, diesen Pakt zu unterzeichnen, fügen Sie der Wut eines bereits geschundenen Volkes einen weiteren Grund zur Revolte hinzu. Sie würden sich des Vorenthaltens der Demokratie oder des Verrats an der Nation schuldig machen.

Außerdem werden die Finanzen unseres Landes ausgezehrt und unsere Schulden steigen. Sie können nicht das Risiko eingehen, einen Aufruf zur Migration in die Welt zu setzen, ohne zuvor sicherzustellen, daß Sie nicht weiter die Steuern erhöhen müssen, um die Ziele des Pakts zu erreichen. Zudem müssen Sie vom Gesichtspunkt der Sicherheit aus in der Lage sein, die Folgen der Ankunft außereuropäischer Bevölkerungsteile einzudämmen.

Schließlich können Sie nicht außer Acht lassen, daß das Wesen der Politik darin besteht, die Sicherheit nach außen und die Harmonie nach innen zu gewährleisten. Diese Übereinstimmung kann jedoch nur erreicht werden, wenn eine gewisse innere Kohärenz der Gesellschaft aufrecht bleibt, die in der Lage ist, gemeinsam zu handeln, was heute immer problematischer wird.

Tatsächlich hat der französische Staat zu spät die Unmöglichkeit erkannt, eine zu große Zahl an Menschen zu integrieren, wozu noch völlig unterschiedliche Kulturen kommen, die sich in den letzten vierzig Jahren in Parallelgesellschaften zusammengefunden haben, die sich nicht mehr den Gesetzen der Republik unterwerfen.

Sie können nicht allein entscheiden, unsere zivilisatorischen Kennzeichen auszulöschen und uns im wahrsten Sinne des Wortes unserer Heimat zu berauben.

Wir fordern Sie daher dazu auf, die Unterzeichnung dieses Pakts aufzuschieben und den Franzosen die Möglichkeit zur Abstimmung über dieses Dokument per Referendum zu geben. Sie sind den Franzosen gegenüber für Ihre Handlungen verantwortlich. Ihre Wahl ist kein Blankoscheck.

Wir unterstützen die Initiative von General Martinez gegen die Unterzeichnung dieses Paktes, der von den Mitgliedstaaten der Vereinten Nationen auf der Regierungskonferenz von Marrakesch angenommen werden soll.

General Antoine MARTINEZ
Charles MILLON – ehemaliger Verteidigungsminister
General Marc BERTUCCHI
General Philippe CHATENOUD
General André COUSTOU
General Roland DUBOIS
General Daniel GROSMAIRE
General Christian HOUDET
General Michel ISSAVERDENS
Admiral Patrick MARTIN
General Christian PIQUEMAL
General Daniel SCHAEFFER
General Didier TAUZIN
Oberst Jean Louis CHANAS


Till-Lucas Wessels

Till-Lucas Wessels studiert und ist identitärer Aktivist sowie »Minenhund für zukünftig Zumutbares«.


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Kommentare (13)

Heinrich Loewe
16. Dezember 2018 21:09

Soviel Arsch in der Hose würde man sich mal von deutschen Militärs wünschen. Aber es kann auch sein, daß diese gleich andere Saiten aufziehen. Ich meine den Zwischenfall mit der Kanzlermaschine.
http://www.spiegel.de/politik/deutschland/kanzler-airbus-was-an-bord-passierte-beschaeftigt-bundeswehr-bis-heute-a-1243945.html

Moravius
16. Dezember 2018 21:30

Was für eine klare Sprache, sachlich unaufgeregt, höflich und doch deutlich. Hätten wir nur solche (aktiven) Soldaten - wenigstens einen einzigen von diesem Kaliber ...

Simplicius Teutsch
16. Dezember 2018 23:44

Stark der Satz: „Sie können nicht allein entscheiden, unsere zivilisatorischen Kennzeichen auszulöschen und uns im wahrsten Sinne des Wortes unserer Heimat zu berauben.“

Dieser besorgte und deutliche Mahn-Brief hoher französischer Militärs, gerichtet an ihren Präsidenten Macron, ist meines Erachtens Ausdruck einer vernünftigen, sachlichen Vorstellung von einer funktionierenden Demokratie. Ich denke, es ist das legitime Recht nicht nur der Generäle, verhindern zu wollen, dass Frankreich abgeschafft wird, indem der Staat die nationale Souveränität über die Einwanderung aus der Hand gibt.

Solch ein selbstbewusster, Hoffnung gebender Brief einer militärischen Elite, wenn es sie denn in Deutschland noch gäbe, würde eigentlich auch sehr gut mit dem Inhalt des deutschen Grundgesetzes, Artikel 20, zusammenpassen: „Alle Staatsgewalt geht vom Volke aus … Gegen jeden, der es unternimmt, diese Ordnung zu beseitigen, haben alle Deutschen das Recht zum Widerstand, wenn andere Abhilfe nicht möglich ist.“

Aber für Deutschland sehe ich nicht, dass wir nochmal aus eigenem Antrieb und Aufbegehren die Kurve kriegen können. Wie Rolf Peter Sieferle schrieb: Wir sind ein "Volk von Geisterfahrern". - Und mit Volldampf unterwegs.

Laurenz
17. Dezember 2018 00:35

Das französische Militär trägt große Schuld an der finanziellen Misere Frankreichs. Flugzeugträger, Force de Frappe, Kolonialmachts-Bestrebungen oder der Erhalt letzterer kosten enorm viel Geld. Wer weiß, wie die gallo-römische Mittelschicht lebt, braucht nicht zu fragen, wo das deutsche Geld seit Adenauer geblieben ist. Der neue Mut der der Generäle basiert wohl auf den Erfolgen in Libyen und Mali, welche den französischen Staat 2014 vor der Pleite bewahrten. Wenn 80% der Franzosen für eine Einschränkung der Völkerwanderung nach Frankreich sind, warum haben dann die Franzosen Napoleon Macron gewählt?

Ratwolf
17. Dezember 2018 06:16

Die Geburtenraten der gesammten (weißen) westlichen Welt gehen stark nach unten. Selbst in China.
Eine Ausgleich durch Verschiebung von Menschen anderer Ethnien und Kulturen wird dies kaum ausgleichen können. Es wird eher so aussehen wie in den USA. Frankreich ist hier näher dran, als Deutschland oder der Osten. Aber selbst der Osten hat Probleme mit den Geburtenraten. Für einen konkreten Angriff auf Russland reicht das nicht mehr.

Andrenio
17. Dezember 2018 09:11

Es wird gemunkelt, dass die deutsche Generalität und Amiralität sich vor dem letzten Kommandeurstreffen in Berlin auf Waffen durchsuchen lassen musste.
Man habe das ohne erkennbaren Widerstand über sich ergehen lassen.
So hat man auch den Niedergang der Kampfkraft der Bundeswehr mitgemacht, die absurdesten Entscheidungen der Ministerin abgenickt.
Wenn verdiente Generäle wie Günzel abgewatscht und unehrenhaft rausgeschmissen werden, wenn General Schultze-Rhonhof Kasernenverbot bekommt, es regt sich kein Widerstand.
Zusammenfassend: Ein unwürdiger Haufen von reinen Befehlsempfängern, denen man schon früh das letzte Mark aus den Knochen gesaugt hat.
Welch ein Gegensatz in Frankreich! Ein „Hurra“ auf die standhaften Offiziere!
Wäre die deutsch-französische Armee entstanden, hätte der deutsche Offiziersnachwuchs nicht in Hamburg, sonder in Saint-Cyr studiert, Mitteleuropa sähe jetzt anders aus.
Wenn Frankreich international überhaupt noch Respekt genießt, dann nur wegen der Force de Frappe. Selbst mit 10.000 Panzern wäre Deutschland immer noch ein Papiertiger.
Trotz weit fortgeschrittenerer Auflösung in vielen Bereichen, für Frankreich besteht noch mehr Hoffnung als für Merkelschland.

Maiordomus
17. Dezember 2018 10:54

Würden deutsche Generäle so was erklären, würde man Hitler II schreien, allenfalls von Militärputsch und Machtergreifung schwafeln.

heinrichbrueck
17. Dezember 2018 11:23

Die Ehre der Generale. Gegen Gaddafi durfte der französische Schuldenberg etwas reduziert werden. Deutsches Geld ist auch immer hochwillkommen. Sich hinter einem "geschundenen Volk" verstecken, ihm ein Argument der Revolte in den Mund zu legen, sich Sorgen um die Finanzen des Landes zu machen, in schönster Tradition den Gesetzen der Republik unterworfen. Dieser Heldensonntag geht an meinen Gartenzwerk.

Laurenz
17. Dezember 2018 14:53

@Ratwolf .... um wie viel sollte die Erdbevölkerung, alles Methanfurzer, mittlerweile über 7 Milliarden, noch steigen? Mit Verlaub, solch einen Unsinn erzählen doch bloß abrahamitisch geprägte Erdenbürger. Das historisch kleinste Deutschland in seiner Geschichte, ist total überbevölkert. Mit 231 Einwohnern pro Quadrat-Kilometer haben wir den Kanal voll. Das reicht von Mecklenburg-Vorpommern mit 70 Einwohnern bis ins Ruhrgebiet mit über 1100. Im Pott leben die Menschen doch schon, wie in einer Legebatterie, unmenschlich. Im Vergleich: Das am dichtesten besiedelte Land Afrikas, wegen des Öl-Reichtums, ist Nigeria, der Sudan hat keine 20.Die Mär unserer ungesunden Alterspyramide ist doch nur was für die intellektuellen Giganten der Grünen. In 30 Jahren sind die geburtenstarken Jahrgänge fast komplett tot, dann stimmt die Pyramide wieder wunderbar. Allerdings werden wir auch dann nicht die wesentlich gesündere Bevölkerungsdichte Frankreichs mit 103 Einwohnern pro Quadrat-Kilometern erreichen. Daher braucht Deutschland ganz dringend Abwanderung, am besten von denjenigen, die noch nicht so lange hier leben. Und wer Facharbeiter braucht, sollte welche ausbilden und anständig bezahlen. Die deutsche Wirtschaft sucht ständig Facharbeiter, die noch Geld zur Arbeit mitbringen. Sie, Ratwolf, könnten vielleicht in Erwägung ziehen, Ihre Haltung zur Bevölkerungsentwicklung zu überdenken.

Laurenz
17. Dezember 2018 15:05

@Adrenio ..... Ihre Analyse stimmt. Eine Armee ohne Tradition funktioniert nicht, wie man sieht. Ein guter Soldat kämpft wenn, für mehr als nur für den Sold. Hier bei uns bleibt aber nur der Sold. Und das Offizierskorps besteht aus Parteibuch-Helden. Allerdings sollten Sie Sich da weniger Sorgen machen. Denn, aktuell, brauchen wir ja keine Armee. Die imperialistischen Wünsche der aktuellen Bundesregierung scheitern alle. Und die Verbündeten wollen mit Deutschen nicht in den Einsatz, weil deutsche Soldaten nicht wirklich schießen dürfen. Von daher regelt sich das Problem in 10 Jahren von selbst, wenn Maßnahmen ergriffen werden müssen, welche die Kampfkraft der Bundeswehr erhöhen. Und die Art und Wahl der Maßnahmen ist unausweichlich. Von daher, die Franzosen schießen sich durch die Welt, sollen sie auch für ihren Neo-Kolonialismus sterben. Erinnern Sie Sich. Als Trump androhte, anfangs seiner Amtszeit, aus der NATO auszutreten und us amerikanische Truppen aus Europa abzuziehen, sprang das politische Berlin vor Angst und schlechtem Gewissen im Dreieck. Solch eine Maßnahme hätte das Machtgefüge in Deutschland zugunsten der deutschen Generalität deutlich verschoben.

MARCEL
17. Dezember 2018 15:25

Nicht zu vergessen: Der im Disput mit Macron 2017 zurückgetretene Generalstabschef General Pierre de Villiers (Adelssippe aus der rebellischen Vendée), den viele Gelbwesten im Elysée sehen würden!
Gruß Marcel Kehlberg

Maiordomus
17. Dezember 2018 22:59

@Revolte in Uniform? So lautet eine Formulierung hier in diesem Blog, wenngleich Geschehnisse in einem Nachbarland betreffend. Unterdessen vernimmt man in Mainstreammedien bei auf "Entsetzen" geschalteten Skandalisierungsgrad, dass in einer deutschen Stadt Polizisten untereinander im Chat angeblich "rechtsextreme Inhalte" ausgetauscht hätten. Abgesehen davon, dass wir hier keine umstrittenen oder gar verbotenen Symbole verwenden, wäre die Beteiligung eines Polizisten auch nur schon an der Debatte, die wir hier übrigens ergebnisoffen führen, nicht schon ein Entlassungsgrund? Wenn ich an Pfarrer Wawerka denke, würde ich es nicht ausschliessen. An vielen Hochschulen werden ununterbrochen linksextreme Inhalte ausgetauscht. Das sind aber weder ordinierte Pfarrer noch Polizisten in Uniform.

Maiordomus
18. Dezember 2018 09:47

@Marcel. Ja, der Aufstand in der Vendée. Wie man den einschätzt, das trennt in europäischen Dimensionen das, was ich die alte Rechte nennen würde (analog etwa zu Eric von Kuehnelt-Leddihn), von der Linken aller Schattierungen. Für das Jahr 2018 waren die Gelbwesten noch aus der Sicht einer "langfristigen Rechten" noch am ehesten ein Hoffnungsschimmer. Betrüblich bleibt, wie es mit dem sog. Brexit weitergegangen ist.

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