Sezession
19. Dezember 2018

Die und wir – erbärmlich versus konstruktiv

Benedikt Kaiser / 8 Kommentare

Vor den Feiertagen noch Soziales, Konstruktives, Erbärmliches und Schönes aus Dresden, Graz, Hamburg und Schnellroda. 

Benedikt Kaiser

Benedikt Kaiser ist Politikwissenschaftler und arbeitet als Verlagslektor.

I. In Dresden hat die Bürgerinitiative Ein Prozent mit ihren lokalen Kooperationspartnern bewiesen, daß die soziale Frage nicht nur theoretisch diskutiert und beantwortet werden muß, sondern ganz praktisch werden kann und soll, gerade auch in der besinnlichen Jahreszeit.

Letzte Woche veranstaltete der Verein »Dresdner Bürger helfen Dresdner Obdachlosen und Bedürftigen« das dritte Weihnachtsessen für Obdachlose und Bedürftige:

Unterstützt von den Lokalmatadoren des Dresdner Handballvereins HC Elbflorenz und vielen weiteren regionalen Helfern wurde 500 Obdachlosen und anderen Bedürftigen ein Weihnachtsmahl gereicht.

Ein Prozent war als Partner der Aktion dabei (Bericht hier einsehen) und hat dieses besondere Ereignis dokumentiert:

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II. In Österreich vermeldete man Anfang 2018 die Einstellung der überlebten freiheitlichen Zeitschrift Die Aula. Nun, einige Monate später, präsentiert der Freiheitliche Akademikerverband (FAV) um Heinrich Sickl und Ulrich Novak – Partner der jährlichen IfS-Herbstakademie – ein neues, modern aufgemachtes Magazin.

In der Debütausgabe, die man hier gratis einsehen kann, ist neben Matteo Salvini auch Götz Kubitschek vertreten, Martin Lichtmesz erhält eine eigene Kolumne, und mit diversen Gastbeiträgen aus dem Umfeld der Sezession darf künftig gerechnet werden.

Freilich wird von seinen Machern so vorgestellt:

Der Print-Titel wird alle zwei Monate erscheinen und umfasst rund 100 Seiten. Die Themenbandbreite reicht von der österreichischen Innenpolitik über europäische Lageanalysen bis hin zu kommentierten sozialen und kulturellen Entwicklungen in Österreich und den Nachbarländern. Das alles passiert über Reportagen, Interviews, Lesestücke und Buchempfehlungen sowie belastbare Sachinformationen. (Weiterlesen.)

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III. Wie man es publizistisch nicht macht, zeigt einmal mehr der Spiegel. Das Hamburger Nachrichtenmagazin vermeldet heute via Twitter:

Ein Reporter des SPIEGEL hat in großem Umfang eigene Geschichten manipuliert. Durch interne Hinweise und Recherchen erhärtete sich in den vergangenen Tagen der Verdacht gegen Claas Relotius. Auch andere Medien könnten betroffen sein.

Und im dazugehörigen Bericht zur Causa Claas Relotius heißt es (für Beobachter syrischer Verhältnisse wenig überraschend) beispielgebend:

Der Text über einen Jungen, der ein Anti-Assad-Graffito an eine Wand in Daraa sprühte und so womöglich eine Massenbewegung lostrat, erschien im SPIEGEL am 23. Juni 2018. Es ist nur, leider, wie so viele andere Arbeiten aus Relotius' Manufaktur, ein fantasievolles Machwerk.

Wem fällt da nicht umgehend der herrlich absurde und doch so reale Fake-News-Roman Fake Metal Jacket von den geschätzten Nautilus-Kollegen ein?

Der Journalist Relotius war übrigens Praktikant bei ZDF und taz, prämiert mit allerhand Preisen des Medienkartells, politisch stets auf Linie. Die Befindlichkeiten des rotgrünen Bürgertums bediente er perfekt. Daß dafür Lügen, Manipulationen und Unwahrheiten vonnöten sind, wird den herrschenden Medienbetrieb nicht zum Umdenken bewegen können.

Zu erwarten ist, daß nun »Kommissionen« und »Kontrollinstanzen« eingesetzt werden. Nicht zu erwarten ist, daß damit die grundlegenden Probleme der »Lückenpresse« samt habituellen, strukturellen und ideologischen Ursachen einer Lösung näher kommen.

Gut, daß mit Freilich, Sezession und anderen Akteuren eine Gegenöffentlichkeit entstanden ist und weiter wächst, die nicht nur einzelne Fehltritte und Manipulationsmechanismen linksliberaler Establishmentautoren moniert, sondern sich bewußt ist, daß es selten richtiges Schreiben im großen, falschen Ganzen gibt.

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IV. Gelogen und betrogen, gerade wenn es um Politik und Krieg geht, wird seit jeher. Stefan Scheil hat nun bei Antaios Georges Demartials Studie Die dreiste Fälschung herausgegeben, die nahelegt, daß Deutschland 1914 Opfer eines französisch-russischen Komplotts wurde. Amazon hat umgehend reagiert – und das Buch gelöscht. Man kann es aber bei Antaios (portofrei!) beziehen.

Wer noch überzeugt werden möchte, sieht sich zunächst Ellen Kositzas Videobesprechung des Werkes an:


Benedikt Kaiser

Benedikt Kaiser ist Politikwissenschaftler und arbeitet als Verlagslektor.


Kommentare (8)

deutscheridentitaerer
19. Dezember 2018 15:24

Der Spiegelartikel rührt mich ein wenig in seinem Bemühen um journalistische Integrität.

Es ist nämlich so, dass all diese Phrasen, die dort als nun nicht mehr glaubhaft aufgeführt werden, gerade die typischen Spiegelphrasen sind, die in jeder Spiegelreportage massenhaft vorkommen und dieses Magazin so unleserlich machen.

Tatsächlich bin ich davon ausgegangen, dass es eine akzeptierte Praxis ist, derartige Reportagen mit einprägsamen Szenen (die ganzen Lieder) und Schilderungen des Innenlebens auszuschmücken, die zwar nicht so passiert sind, aber von denen der Autor glaubt, dass den wahren Kern seiner Geschichte deutlicher zu Tage treten lassen.

Nun stelle ich fest, dass diese Praxis gar nicht akzeptiert ist, aber Praxis ist sie dennoch, und zwar nicht nur bei dem, der jetzt aufgeflogen ist, jeder aufmerksamer Leser wird in diesen Reportagen zuhauf derartige Unplausibilitäten finden; ausgeschlossen, dass diese allesamt oder auch nur mehrheitlich so passiert sind.

Solution
19. Dezember 2018 20:48

Sollte man alleine, um den Boykott von Amazon zu unterlaufen, das Buch von Demartial kaufen? Ja, auf jeden Fall!
Was aber noch wichtiger ist: Das Buch ist ein wertvolles Mosaiksteinchen im Kampf gegen die Kriegsschuldmärchen zum WK I. Es gehört in jede Bibliothek.
Clark und andere sollten sich da eine Scheibe abschneiden. Der verharmlosende Quatsch mit den "Schlafwandlern" wird hier gut widerlegt.
Wer z.B. Sean McMeekins "Russlands Weg in den Krieg" und Douglas Newtons "The Darkest Days" über die unglaublichen Machnschaften der Russen und Engländer gelesen hat, wird sich über die Ergänzung von Demartial zu Frankreich freuen. Die Beweise sind einfach überwältigend. Bei Demartial überzeugt vor allem seine glasklare, logische, schlüssige Gedankenführung. Auch wer es sonst nicht so mit der Geschichte hat, wird hier auf seine Kosten kommen. Es ist unglaublich, wie seit mehr als 100 Jahren versucht wird, die Leute für dumm zu verkaufen. Dabei sind es vor allem die Politiker und Medien. Es lohnt sich, die Entstehungsgeschichte des 1. Weltkrieges einmal näher und objektiver zu betrachten.

Anna
19. Dezember 2018 22:03

#Relotius
"Zu erwarten ist, daß nun »Kommissionen« und »Kontrollinstanzen« eingesetzt werden."
Das ist mit Sicherheit nicht zufällig gerade jetzt aufgeflogen. Heute wird alles und jedes schnell wohlfeiles Vehikel für noch mehr Verbote und noch striktere Kontrollen. Wer darunter leiden wird ist der gemeine Bürger, der seine Meinung als Fake News auf Facebook gelöscht bekommt und bald auchbauf Twitter für jedes geteilte Video Quellenangaben machen und Datenschutzbeteuerungen unterzeichnen muss. So hindert man dann effektiv den schnellen Austausch im Feld. Hoffentlich nicht so bald...

Waldgaenger aus Schwaben
19. Dezember 2018 23:30

Dieser Relotius muss jetzt zur Strafe bei bento schreiben.

Zitat aus dem Netz.

Andreas Walter
20. Dezember 2018 04:59

Nichts für ungut, doch die überraschende Selbstgeisselung des Spiegels halte ich auch schon wieder für eine Fake-Aktion, mit der man lediglich medial den eigenen, mittlerweile doch sehr ramponierten Ruf wieder aufpolieren versuchen möchte. Das ist sehr wahrscheinlich darum nichts weiter als eine bewusst einfädelte Marketingkampagne.

Denn ob Krieg, Rosen- oder Wirtschaftskrieg, die Methoden sind überall die Gleichen, und die Schwachen bedienen sich immer der Lüge und Intrige, welche die Starken lediglich nicht nötig haben. Wahrheit und Wahrhaftigkeit sind nämlich ein Luxus, den man sich leisten, notfalls auch verteidigen können muss. Argumentativ, juristisch, emotional oder sogar militärisch.

Dann aber kann man sogar Lügen verbreiten, bis sich die Balken biegen, und an dem irren Punkt der Geschichte befinden wir uns derzeit. Oder wie es ein Nobelpreisträger einmal beschrieb: "Manche Ereignisse geschehen, sind aber nicht wahr. Andere sind wahr, finden aber nie statt".

Gustav Grambauer
20. Dezember 2018 12:38

Relotius: ob Fake oder nicht, die Botschaft zählt - wir werden in den sich abzeichnenden Verwerfungen erbarmungslos Bauernopfer optieren und in die Gosse treten.

Relotius, Zippelius, Justinius, Bucerius, Fresenius, Sartorius - heißen so nicht immer die Nazi-Akademiker in den ZDF-Tatort-Produktionen für Puttchen Brammel, in denen junge, urban-toughe Kommissarinnen Burschenschaften in kleinen, miefigen Universitätsstädten aufmischen? (Wobei ich nie auf den Gedanken kommen würde, daß dort mit "Stereotypen" gearbeitet wird ...)

- G. G.

starhemberg
20. Dezember 2018 13:39

Besonders schön an der Affäre mit dem Lügel-Spitzbuben ist die Tatsache, dass er unzählige Preise der ach so moralischen "Zivilgesellschaft" einheimste, ungeprüft und niemals hinterfragt. Es wäre doch nett, mal eine Auswahl der besten Laudationes über den Bengel zu lesen zu bekommen. Er selber wird jetzt sicherlich davon sprechen, krank und überlastet gewesen zu sein und nun Hilfe zu benötigen. Der arme, arme Bursche.

Laurenz
24. Dezember 2018 09:39

Relotius ist doch nur das Symptom des Zeitgeistes. Der Spiegel ist ursächlich eine Gründung des us amerikanischen Auslandsgeheimdienstes, um in Deutschland eine professionelle mediale Einflußmöglichkeit zu schaffen, quasi eine öffentliche Loge für die Kinder der intellektuellen Vor-Kriegs- und Kriegsgenerationen, quasi also Sprachrohr der Umerziehung im Sinne der Frankfurter Schule. In der geheimdienstlichen Tradition suchte der Spiegel nach der Machtergreifung der Alt68er 1998, wie auch unsere Inlandsgeheimdienste, also die jeweiligen Verfassungsschutzämter, ein neues Betätigungsfeld. Da die bundesrepublikanischen historischen Bemühungen der rechten Sektierer sich in der Wehrsportgruppe Hoffmann und dem Anschlag auf das Oktoberfest begnügten, versuchte man über Jahrzehnte den Bierkonsum der Skinheads zu finanzieren, um überhaupt einen rechten Gegner zu etablieren. Die starke NPD in einer der schönsten Städte Hessens, Büdingen, kann man jetzt wirklich nichts als staatsgefährdend einstufen. Allerdings reichte das nie, um dem Spiegel, wie auch dem Verfassungsschutz, eine echte Existenzberechtigung zu geben. Beide Institutionen wurden im Grunde überflüssig. Die offizielle staatliche Institution, der Verfassungsschutz, etablierte selbst härteres Geschütz, und etablierte die NSU, und freute sich über das Anwachsen der salafistischen Szene, die der eigenen Existenz endlich eine Berechtigung verschafften. Allerdings schließt sich eine Lösung des Problems natürlich aus, man stünde wieder vor dem Aus. Die bürgerliche Rechte in der CDU ließ sich, ohne Widerstand, die Butter vom Brot - und von den CDU-eigenen schwulen Seilschaften das Heft aus der Hand nehmen. Der Spiegel verschrieb sich in seiner Not dem Totalitarismus, wie üblich, versteckt hinter dem transatlantischen linken Liberalismus, mit der Promotion der EUDSSR (Abschaffung des Nationalstaats), der Förderung des Genderismus, Heterophobie, Völkerwanderung, Entwertung des Zahlungsmittels zu Lasten Deutschlands, etc, in solch einer extremen diffamierenden Art, daß er die Formung einer nationalen Opposition, auch im intellektuellen Bereich, quasi erzwang. Da die deutsche Linke, historisch, wie aktuell, bis auf wenige Ausnahmen, noch nie wirklich etwas Inhaltliches von Belang zu sagen hatte, radikalisiert sie sich immer mehr, und es braucht schon den symptomatischen Schreibstil eines Relotius & Co., um dieses zu verbergen. Man könnte den Spiegel schlicht als zeitgeistige Bibel bezeichnen, Fake-News per se.

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