Sezession
23. Dezember 2018

Sonntagsheld (89) – Nachts steht Hunger

Till-Lucas Wessels / 8 Kommentare

Freiheit für Billy Six!

Till-Lucas Wessels

Till-Lucas Wessels studiert und ist identitärer Aktivist sowie »Minenhund für zukünftig Zumutbares«.

Seit dem 17. November, also seit weit über einem Monat, befindet sich der deutsche Reporter Billy Six in venezolanischer Gefangenschaft. Vermutlich unter dem Verwurf der Spionage, der Rebellion und der Verletzung einer Sicherheitszone sitzt er derzeit im Gefängnis des Geheimdienstes, "El Helicoide" genannt, in der Hauptstadt Caracas.

Sixt befand sich bereits seit ungefähr einem Jahr in Venezuela, um über die örtliche Wirtschaftskrise und die großen Migrationsbewegungen in Südamerika zu recherchieren. Auf seinem YouTube-Kanal gibt eine Dokumentation Einblicke in seine Arbeit.

Mitte November dann wurde sein Hotelzimmer in den Morgenstunden von Soldaten gestürmt und Six, der zu dem Zeitpunkt am Dengue-Fieber litt, festgenommen. Seine Medikamente musste er zurücklassen, unklar ist, ob er inzwischen medizinisch versorgt worden ist.

Eigentlich bitter: Während die deutsche Medienlandschaft nach dem Relotius-Knacks einen bizarren Veitstanz um die Lügen des Spiegelreporters tanzt, sitzt 8500 Kilometer entfernt in einer fragilen Bananenrepublikein richtiger Journalist im Knast eines Geheimdienstes– und keinen interessiert's.

Dabei ist Six, den Eindruck hatte ich seit der JF-Dokumentation "Die Flüchtlingslüge" von 2015, die damals punktgenau am Puls der Zeit recherchiert war, auch einer, in dem das wildromantische Bild des echten Investigativ-Journalisten noch richtig lebt: Ein Eigenbrötler, von dem sein Kollege Peter Helmes sagt er sei "zu allem fähig", ein Typ mit einem Charaktergesicht, das man sich nicht in einem Anzug mit Pulitzer-Preis, wohl aber mit staubverschmiertem Gesicht und einem Shemag um den Hals in irgendeinem Drecksloch vorstellen kann.

Kein Wunder also, dass sich Six bereits neun Tage im Hungerstreik befand, den er erst gestern aussetzte. Zuvor hatte er einige Nachrichten aus dem Gefängnis schmuggeln können, infolgedessen wandte sich unter anderem der CDU-Bundestagsabgeordnete Hans-Jürgen Irmer mit einem Hilfegesuch an Außenminister Maas.

Was seitdem geschehen ist, ist nicht eindeutig nachzuvollziehen: Anscheinend wurde Six, der als Reporter eigentlich Zivilist ist, bereits einem Militärgericht vorgeführt, angeblich drohen ihm bis zu 28 Jahre Haft. Die Deutsche Botschaft in Venezuela scheint bereits ihre Arbeit aufgenommen zu haben, Erfolge sind bisher allerdings keine vorzuweisen: Six sitzt immer noch hinter Gittern und hat keinen Zugang zu einem Anwalt, Außenminister Maas und Angela Merkel verweisen auch auf Bitten der Eltern ans Auswärtige Amt.

Von Dezember 2012 bis März 2013 war Six bereits in Syrien inhaftiert, damals kam er durch die Vermittlungen russischer Diplomaten frei und normalerweise würde ich an das Ende eines solchen Artikels auch einen Aufruf zur Solidarität, zu Spenden, oder zum Unterschreiben einer Petition stellen.

Um ehrlich zu sein, bin ich in dieser Situation allerdings etwas ratlos und teile daher den Aufruf der Eltern des inhaftierten Journalisten:

Das kann jeder tun, der gegen Unrecht kämpfen will:

1) Berichtet, redet, diskutiert überall von der willkürlichen Verhaftung des Deutschen Journalisten Billy Six durch die Venezolanische Regierung
2) Unterstützt die Petition an den Deutschen Bundestag sich aktiv für die Freilassung von Billy Six einzusetzen https://www.openpetition.de/…/der-deutsche-bundestag-moege-…
3) Lest seine Publikationen und macht euch selbst ein Bild von Billys Recherchen in der Ukraine, in Syrien, in Ägypten, in Libyen, in Venezuela und an den vielen anderen Brennpunkten unserer Zeit http://billys-reisen.de/?page_id=114 und https://www.youtube.com/ch…/UCBwzo_QHMYp5F2LHVez0dgg/videos…
4) Besucht unsere Facebook-Seite @FreeBillySix https://www.facebook.com/freebillysix/ . Wir posten dort alle Informationen aktuell und veröffentlichen die neuesten Entwicklungen zur Haft von Billy Six. Helft Billy und unterstützt den Kampf um seine Freilassung mit einem „Like"

Vielen Dank für Eure Hilfe
Ute und Edward Six
(Eltern von Billy Six)


Till-Lucas Wessels

Till-Lucas Wessels studiert und ist identitärer Aktivist sowie »Minenhund für zukünftig Zumutbares«.


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Kommentare (8)

H. M. Richter
23. Dezember 2018 08:00

Ich danke Ihnen sehr für diese Sätze, Herr Wessels !

Wenn ein Weihnachts-Gedicht Kleppers mit den Worten beginnt "Mein Gott, dein hohes Fest des Lichtes hat stets die Leidenden gemeint", dann ist damit gegenwärtig ganz konkret auch Billy Six gemeint.
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Solidarität mit, Freiheit für Billy Six !

t.gygax
23. Dezember 2018 09:40

Als ob Angela Merkel oder ein Herr Maaß auch nur einen Finger krumm machen würden für einen Reporter, der für die falschen Leute ( in der Mainstream-Öffentlichkeit ist die JF genauso verbrannt wie sezession, IB, AFD etc..) schreibt...
Wäre das einer der Schreiberlinge von taz oder SPIEGEL, der wäre schon längst wieder umjubelt von der politischen Klasse im Triumph heimgekehrt.
Man kann den Eltern und Herrn Six nur wünschen, dass ein Wunder geschieht, was es ab und an ja auch geben soll.

Laurenz
23. Dezember 2018 11:03

Herr Six ist eben kein Deutscher mit venezolanischen Wurzeln. Wäre das der Fall, hätte unser Springer'sches Märchenwunder Spiegel/Bild schon die Kanzlerin dazu angehalten, sich zu äußern und den venezolanischen Botschafter einzubestellen.
Andererseits ist dieser Internationalismus, dieser schnelle Fluß von Informationen vielleicht auch unmenschlich und überfordert uns. Jahrtausende lang brauchten wichtige Infos Monate. Der Marathon-Lauf ist ein beredter historischer Beweis dafür. Die Zustände in Venezuela sind in erster Linie eine Angelegenheit des venezolanischen Volkes. Wer dort hinfährt, um lokale Informationen weiter zu verkaufen, lebt eben gefährlich.

Andreas Walter
23. Dezember 2018 13:50

"Von Dezember 2012 bis März 2013 war Six bereits in Syrien inhaftiert, damals kam er durch die Vermittlungen russischer Diplomaten frei ..."

Über diesen Draht würde ich es auch jetzt noch mal versuchen. Russland unterhält derzeit freundschaftliche Beziehungen zu Venezuela:

https://www.dw.com/en/russia-sends-nuclear-capable-bombers-to-venezuela/a-46709071

(Gut möglich, dass der "IS" auch hier destabilisiert hat, um sich später die Kontrolle über das Land, sprich, das Erdöl dort zu sichern. Wie es aber scheint ist auch das Projekt wohl vorerst gescheitert)

Venator
23. Dezember 2018 14:50

@t.gygax
Wenn man ehrlich ist, ist auch der MSM Deniz ( dem ich jeden Tag, in seinem türkischen Knast gegönnt habe) nicht gerade zügig freigelassen worden, obwohl so ein riesen tamtam um seine Verhaftung gemacht wurde.
Hier wird zwar weniger Interesse vorliegen, um ihn überhaupt frei zu bekommen, aber es zeigt vor allem, die reale, globale Macht der BananenRD, mit der jeder Kafferstaat (zurecht) glaubt umspringen zu können, wie es ihm passt. Sogar von einem failed state wie Venezuela müßen wir uns inzwischen alles gefallen lassen. Es ist also nicht nur die 5.türkische Kolonne hierzulande, auf die man Rücksicht nehmen muß, wie es einem noch bei yücel verkauft wurde.

MartinHimstedt
23. Dezember 2018 16:34

Weshalb sollten sich Herr Maas, Angela Merkel und Co. für einen ihrer (zugegeben kleineren) Widersacher stark machen? Die sind froh, wenn er weg ist. Außerdem hat Herr Six keinen Migrationshintergrund mit welchem man sich als Retter schmücken könnte. Die Ausgangslage bei Deniz Yücel war da schon eine deutlich bessere. Und ganz ehrlich? Ich würde Anetta Kahane, Philipp Ruch und anderen Menschenfeinden auch nicht helfen wollen.

Billi Six hat keine politische Agenda: Alle seine Reportagen, die ich auf YouTube sah, waren ungeschminkt direkt am Geschehen. Ich wünsche mir, dass er freikommt.

Martin sollte den Fall in einem seiner Videos thematisieren.

Alex Schleyer
27. Dezember 2018 18:39

Das Ganze erinnert mich an "Defend Europe", wo die C-Star in keinen Hafen reinkam, ich als Schiffsoffizier eines Tages die deutsche Botschaft eingeschaltet habe, da jeder Hafen rechtlich verpflichtet ist, einen abgemustertern Seemann inkl. Passagiere, sprich Aktivisten, von Bord gehen zu lassen.
Die zuständige Dame im Konsulat in Malta sagte wörtlich, daß sie nach Rücksprache mit dem Auswärtigen Amt in Berlin nicht intervenieren dürfe. Das Schiff sei "umstritten", Berlin könne und wolle sich damit nicht solidarisieren und ich sei eben zur falschen Zeit auf dem falschen Dampfer.
Dieser Staat ist eine immer offener auftretende Gesinnungsdiktatur mit abscheulichsten Repressionsmitteln.

t.gygax
28. Dezember 2018 09:57

@alex schleyer
Danke für Ihre klaren Worte am Schluss. Exakt das ist die Wirklichkeit.

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