30. Dezember 2018

Sonntagsheld (90) – Schmiedet das Eisen, solange es warm ist…

Till-Lucas Wessels / 6 Kommentare

...schmiedet das Eisen, solang' es noch glüht!

Till-Lucas Wessels

Till-Lucas Wessels studiert und ist identitärer Aktivist sowie »Minenhund für zukünftig Zumutbares«.

Zugegeben: Eigentlich wollte ich so zwischen den Jahren keinen Text für die Kolumne mehr einschieben. Der Fall Billy Six verdient durchaus eine Woche Echopause und ein gut mit Gänsekeule und Rehbraten gefüllter Bauch tut in Kombination mit einer hervorragenden Flasche Weißwein sein Übriges, um auch den fleißigsten Schreiberling von der Recherche abzuhalten.

Aber wie es halt so ist: Manchmal kommen die Sonntagshelden von selbst zu einem, klopfen energisch an und ersuchen um Niederschrift. So ging es mir, als ich über diesen Kurzfilm und damit über den Hamburger Schmied Johannes Rienhoff stolperte. Der Mann, der von sich sagt, dass er gerne "wie Siegfried" gewesen wäre, hat nicht nur denselben Beruf wie sein Vorbild gewählt, er sieht auch aus wie eine Figur aus der Nibelungensage.

Das Filmchen, welches kurioserweise vom Inbegriff des eingehegten Männerbiotops mit selbstgezimmertem Stammtisch, der Baumarktkette Hornbach, produziert wurde, bietet nicht nur vollendete Eisen-Ästhetik, er erinnerte mich auch an die liebevolle und berührende Reihe "Der Letzte seines Standes?", die der Bayerische Rundfunk von 1991 bis 2008 ausstrahlte und die hier nahezu vollständig auf YouTube zu finden ist.

Darin kommen, neben Köhlern, Sattlern und Bergbäuerinnen auch Xylographen, Zapfensteiger, Notenstecher und Kautabakmeisterinnen zu Wort, die ihre Zunft vorstellen, aus ihrer Lehrzeit berichten und zumeist ein düsteres Bild der eigenen Standeszukunft zeichnen.

Liegt ja auch in der Natur der Sache, manche Berufe sind an Werkstoffe gebunden, die längst an Relevanz verloren haben, andere Aufgaben werden von Maschinen oder Robotern übernommen, ja, es erscheint uns beinahe absurd, sich vorzustellen, dass es heute noch Feilenhauer, Ofenbauer, oder Türmer gibt.

Jeder geht mit dieser Situation anders um, mancher freut sich auf den Ruhestand, andere hoffen noch auf begeisterte Lehrlinge. Auch Johannes Rienhoff bildet aus: Ritalingeplagte Teenager, Gesellen auf Wanderschaft und Flüchtlinge (Hamburg halt).

Ist mir auch egal, ich erhebe zum Jahresabschluss mein Glas auf diese im besten Sinne vereinzelten Gestalten und Charaktergesichter, die auf uns nur so fremd wirken können, weil sie sich als die letzten Zeugen eines vergangenen Alltags durchgeschlagen haben. Zum Wohl!


Till-Lucas Wessels

Till-Lucas Wessels studiert und ist identitärer Aktivist sowie »Minenhund für zukünftig Zumutbares«.


Kommentare (6)

Laurenz
31. Dezember 2018 02:02

Ich kenne mindestens 20 Schmiede. Die meisten davon verdienen ihr täglich Brot als Hufschmiede. Und nebenbei betreiben einige Damast-Schmieden und verkaufen Ihre Produkte auf Mittelaltermärkten und im Netz. Ich kenne einen Messerschmied, der am Tag so ca. 500 Euro Umsatz machen muß, um einigermaßen über die Runden zu kommen. Hohe Energiekosten, zeitaufwendiges Schmieden erfordert dies. Tot ist der Beruf nicht. Es leben schon noch ein paar Erben Wielands. Schwertschmiede sind selten geworden, weil nur ein kleiner Fehler, die ganze bisherige Arbeit zunichte machen kann. Und im Vergleich zum Hufschmied braucht, bis auf Akrobaten und wenige professionelle Schwertkämpfer, niemand wirklich mehr ein Schwert, im Gegensatz zum Hufbeschlag vieler Freizeit-Pferde,

eike
31. Dezember 2018 05:34

Da sitze ich nun mit feuchten Händen und warte auf den Sonntagshelden des Jahres und was kommt? Ein paar lauwarme Zeilen über die "vollendete Eisen-Ästhetik" eines Siegfried-Verschnitts aus Hamburg (gähn!). Gänsekeule, Rehbraten und gefüllter Bauch schläfern in Kombination mit einer hervorragenden Flasche Weißwein offenbar auch Sezessionskolumnisten ein.

Nichts dagegen über Superstar Claas Relotius, der den Mut hatte, offen zu belegen, was selbst Rechtsaußen der AfD nur hinter vorgehaltener Hand zu flüstern wagen und auch nur unter Benutzung des Euphemismus' "Lückenpresse".

Nachdem Relotius schon die meisten seiner mainstream-Preise aberkannt wurden, sollten wir - diesseits des großen Grabens - ihn wenigstens würdigen. Preise wurden schon genannt, von Kujau bis Karl May, wobei man letzterem wohl Unrecht tut - geeigneter wäre wohl ein "Wilkomirski-Preis".

Laurenz
31. Dezember 2018 11:48

@eike ..... warum sollte ein Artikel nicht über Schlichtes oder Mythologie handeln? Die Sagengestalt oder Legende Siegfried ist sehr wohl ein Stern der deutschen Romantik.
Ich finde den Artikel gut, auch wenn der Beruf des Schmieds nicht so einsam ist, wie im Artikel dargestellt wird. Daher sind Einschätzungen über Helden subjektiv zu sehen.
Relotius ist kein Held, da er zu seinen Geständnissen quasi gezwungen wurde, weil andere ihm Betrug nachwiesen. Man kann ihn durchaus mit Kujau vergleichen, der gestand, als genialer Fälscher, auch nicht freiwillig.
Karl May hingegen war einer der besten deutschen Romanautoren überhaupt, und ist insofern entschuldbar, da Er wohl an einer Persönlichkeitsstörung litt, und Er selbst nicht mehr genau wußte, was wahre Realität ist und was nicht. Als dies Ihm auf Seiner großen Orient-Reise zu Bewußtsein stieg, erlitt Er auch eine große Krise. Sein ebenso krankhafter Hang zum Christentum und Humanismus mag daher, dem Zeitgeist entsprechend -, und somit auch entschuldbar sein.

heinrichbrueck
31. Dezember 2018 12:30

Solche Arbeitswelten zeigen doch, die Reihe "Der Letzte seines Standes?" geradezu anschaulich, wie die Schönheit durch die Häßlichkeit ersetzt wurde. Der "Schriftsetzer", "Ofenbauer", der bärtige "Schmied aus Böhmen, gesehene Abdankungen an eine Moderne, die schwermütig zurückblicken lassen.
Das Umvolkungssystem ist eine Tragödie ungeahnten Ausmaßes. Scheint auch immer wieder durch, das Alte, im Alltag, und im Vergleich, verliert das Häßliche. Spaziergänge durch die Stadt, ein Blick dafür haben, auf der Suche nach dem alten Deutschland. Die Kirgisen haben ihren Manas, wir haben unseren Siegfried.

Der tägliche Spiegeleierkonsum ist nicht von schlechten Eltern. Werden durch Kochen und Braten die Aminosäuren im Eiweiß zerstört, sportwissenschaftlich "Imbalanz" genannt, also eine Eiweißschädigung verursacht, kann die Muskulatur nicht mehr passend ernährt werden. Es kommt zu keinem Eiweißüberschuß im Körper. Von der Sportbiologie und Koelbel Trainingsforschung ausgefeilter zu haben, auch wenn diese selbstverständlich Werbung für ihre eigenen Produkte machen. Interessant der Unterschied zwischen Sport und Training.

@ Laurenz
Sie haben die guten Eisenpfannen vergessen. Eine Waidlerpfanne überlebt mehrere Generationen. Die Schmiede Kindermann zum Beispiel: die Pfannen freiform-warmgeschmiedet, an dem durchgehenden Stiel, nicht angeschweißt oder angenietet, erkennbar.

KlausD.
31. Dezember 2018 13:43

Zwei kleine Anmerkungen:
Zum Ersten: Ein "Siegfried" kann heutzutage auch weiblich sein und Meta Högg heißen, Schmiedelehrling in der "Krellsche Schmiede" in Wernigerode, vorgestellt in "Steimles Welt" ab ca. Min. 14 bis Min. 20:
https://www.ardmediathek.de/mdr/player/Y3JpZDovL21kci5kZS9iZWl0cmFnL2Ntcy9mOTUyZGJlNS0xMzllLTQ2ODEtODY3OC0yYTg3ZTA0NjVjZDM/

Zum Zweiten: Auch Ofenbauer sind heutzutage gar nicht so selten. An jeden (gut funktionierenden) Kamin hat ein solcher Hand angelegt, und auch Kachelöfen sind wieder im Kommen.

Laurenz
4. Januar 2019 21:06

@heinrichbrueck & KlausD. ..... klar, Schmiedekunst geht natürlich viel weiter. Im Grunde ist es bildende Kunst, auch ein echter Karosseriebauer ist nicht weit davon entfernt. Wer glaubt, Frauen könnten irgendetwas nicht, was auch Männer könnten, hat "konservativ" und "traditionell" nicht verstanden. Aufgrund unserer menschlichen Biologie sind Frauen einfach nur zu kostbar, um an dem heutigen Synonym für Jagd und Krieg, der Arbeit, verschwendet zu werden.

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