9. Januar 2019

taz, Döbeln, Magnitz, taz …

Götz Kubitschek / 57 Kommentare

Am 30. Dezember ist in der taz Ralf Sotschecks Artikel zur Debatte "Mit Rechten reden" erschienen. Sein Fazit ist ein Aufruf zur Gewalt gegen rechts,

Götz Kubitschek

Götz Kubitschek ist Verleger (Antaios) und seit 2003 verantwortlicher Redakteur der Sezession.

und zwar ein Aufruf zur organisierten, flächendeckenden Gewalt, die erst eingestellt werden dürfe, wenn sie an ihr Ziel gekommen sei: den Rechten das öffentliche Auftreten unmöglich gemacht zu haben.

Bisher hat kein Mainstream-Medium diese Blaupause Sotschecks vor dem Hintergrund des brutalen Angriffs auf den AfD-Abgeordneten Frank Magnitz zum Thema gemacht. Dabei liegt eine Auseinandersetzung mit der Argumentationslinie des Autors, mit seinen Schlußfolgerungen und dem Ort der Veröffentlichung dieses "Debattenbeitrags" mehr als nahe: Wer je zwischen rechten Aufrufen zum friedlichen Widerstand gegen die Politik der vergangenen Jahre und gewaltsamen Übergriffen auf Asylanten einen Zusammenhang konstruierte, muß hier nichts mehr konstruieren: Hier haben wir ihn tatsächlich, den Schulterschluß zwischen Schreibtisch- und Straßentäter.

Sotscheck definiert zunächst den Feind, lädt danach seine Handlungsanweisung mit einem historisch mobilisierenden Bild auf und schlägt seinen Lesern eine Anknüpfung an diese Tradition vor. Im Einzelnen:

1. Die in ganz Europa und in Amerika sich artikulierenden nicht-linken Parteien und Politiker sind für Sotscheck faschistische Bewegungen und faschistische Führer, zu deren Strategie es gehöre, gegen "moralische Grenzen" zu verstoßen, um auf diese Weise den politischen Spielraum auszuloten.  Daß es sich tatsächlich um Faschisten handle, weist Sotscheck mit einem 14-Kennzeichen-Katalog aus der Feder Umberto Ecos nach,

darunter Traditionskult, Ablehnung der Moderne, Misstrauen gegenüber der Welt des Intellekts, ein geschlossenes Weltbild, die Angst vor Unterschieden, Ausbeutung der individuellen oder sozialen Frustration, massenhaftes Elitebewusstsein und natürlich Nationalismus. Jedes einzelne Kriterium kann laut Eco „zu einem Kristallisationspunkt für den Faschismus werden."

Mit dieser ebenso beliebigen wie ausgreifenden Bestimmung wird aus einem um Wählerstimmen konkurrierenden Gegner ein Feind, mit dem es kein Auskommen geben kann. Aus einem Mehr oder Weniger wird ein Wir oder Die.

2. Fünfzig Prozent plus x seien, so Sotscheck weiter, zur Durchsetzung des Faschismus gar nicht notwendig. Vierzig Prozent reichten völlig aus. Eine Begründung für diese machtarithmetische Weisheit liefert Sotscheck nicht - aber er rückt die Machtergreifung in eine nicht völlig unerreichbare Nähe und lädt dadurch den Widerstand dagegen mit Dringlichkeit auf.

3. Gauland wolle Menschen "entsorgen", Höcke habe "Verbaldurchfall", aber das alles habe "nichts mit Verrohung der Sprache zu tun" (was ja immer impliziert, daß hier einer derber schwätze, als er es eigentlich meine. Sotscheck ist sich sicher:

Es sind keine Entgleisungen, sondern kalkulierte Testballons. Wenn die Proteste dagegen verklungen sind, kann man nachlegen. Das braune Fußvolk, mit dem man offiziell nichts zu tun haben will, erledigt die Drecksarbeit, etwa in Chemnitz.

4. Diese Argumentationskette (wir haben es mit 1. Faschisten in 2. der Nähe der Machtergreifung zu tun, die 3. ihr totalitäres Konzept als Saubermänner lancieren) führt nun zunächst zu einer Absage an jeden weiteren Verständigungsversuch, zu einer Erneuerung der Feinderklärung und damit zur Absage an die demokratische Auseinandersetzung:

Und mit solchen Leuten soll man reden? Es ist naiv zu glauben, dass man sie bekehren oder gar instrumentalisieren könne. Eine Parallele zumindest gibt es zu den 1920er und 1930er Jahren: Die Konservativen waren die Steigbügelhalter für die Faschisten.

Heutzutage verharmlosen Politiker wie etwa Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer oder Innenminister Horst Seehofer die braunen Horden. Faschismus lauert unter der Oberfläche jeder Gesellschaft. Opportunistische Politiker helfen dabei, dass er an die Oberfläche dringt.

Fehlt noch die Verungezieferung des Feindes - hier ist sie:

Ein Übriges taten lange die Maybrit Plasbergs bis Sandra Wills, sie luden AfD-Rechtsaußen ein und setzten deren Themen auf die Tagesordnung, weil das vermeintlich die Einschaltquoten erhöht. Man muss aber nicht an jeder Mülltonne schnuppern, um zu wissen, dass sie stinkt.

5. Was tun?, fragt sich Sotscheck, und sucht nach historischen Reaktionsmustern. Er stößt auf eine Gruppe von Schlägern, die im England der Nachkriegszeit gegen die englischen eurofaschisten unter Oswald Mosley vorgingen, und zwar äußerst brutal.

Die „Gruppe 43“ hatte eine andere Taktik. Das waren 43 Männer, darunter der jüdische Friseur Vidal Sassoon, die ab 1946 gegen Oswald Mosleys Faschisten im Londoner East End vorgingen. Sie verprügelten Mosleys Leute, wann immer die öffentlich auftraten. Die Gruppe erhielt ständigen Zulauf, am Ende waren es 900 Mitglieder. Nach vier Jahren löste man sich auf, die Faschisten waren von der Straße vertrieben, Mosley hatte sich vorerst zur Ruhe gesetzt.

Ende der Fünfziger meldete er sich wieder zu Wort, diesmal aus Brixton und Notting Hill, wo er nun gegen dunkelhäutige Einwanderer mobil machen wollte. Prompt entstand Anfang der sechziger Jahre die „62 Group“ mit vielen bekannten Gesichtern aus der „Gruppe 43“ und bot ihm Paroli. „Heute ist es viel schlimmer“, sagte ein Mitglied beim Jubiläumstreffen 1990, „heute bräuchte man zwei 43 Groups.“

6. Von Mosley zur AfD, von London nach Döbeln und Bremen und ... Wir werden es erleben. Sotscheck rief zum Ende seiner Absage an das Gespräch die Antifa zur Handarbeit auf:

Heutzutage bräuchte man sehr viele „Gruppen 43“.

Frank Magnitz hat das zu spüren bekommen, und die linke Publizistin Veronika Kracher, die als freie Journalistin unter anderem für die taz scheibt, begrüßte die tat auf ihrem twitter-Account mit den Worten:

„Dass #Magnitz zusammengelatzt wurde, ist übrigens die konsequente Durchführung von #NazisRaus. Abhauen werden die nicht. Die werden sich bei der größten möglichen Bedrohungssituation aber zweimal überlegen ob sie offen faschistische Politik machen. Deshalb: mit ALLEN Mitteln.”

Noch eine Sache, fürs Protokoll: Nicht ohne Grund riefen heute zwei unabhängig voneinander agierende Sicherheitsbehörden an: Am 19. Januar referiert Alexander Gauland in Schnellroda, im Rahmen der Winterakademie des Instituts für Staatspolitik. Er referiert vor 150 Schülern und Studenten, die sich von Freitag bis Sonntag treffen, um Vorträge über das Thema "Volk" zu hören und über den Populismus als Konzept oder auch die Legitimität der Parole "Wir sind das Volk" zu diskutieren.

Ein linkes Bündnis hat für den 19. Januar zur Demonstration im Ort aufgerufen, es gibt tweets mit der Empfehlung, nun (!) auch Schnellroda aufzusuchen.

Also: taz, Döbeln, Magnitz, taz ... nächstens mehr.


Götz Kubitschek

Götz Kubitschek ist Verleger (Antaios) und seit 2003 verantwortlicher Redakteur der Sezession.


Kommentare (57)

Der_Juergen
9. Januar 2019 15:07

Es sei darauf hingewiesen, dass es linksradikale Schreibtischtäter vom Schlage des Ralf Sotschek auch in der Schweiz gibt. Ein Beispiel ist die "Genderforscherin" Franziska Schutzbach, die in ihrem Buch "Rhetorik der Rechten" schreibt, es werde "nicht funktionieren, die rechtsnationalen Kräfte in Europa auf formal-demokratischem Wege zurückzudrängen". Sie skizziert im folgenden die Vision einer Gesellschaft, in der dir Rechten durch Boykotte und Ausgrenzung zurückgedrängt werden, eines Landes, wo sich Taxiunternehmen und Fluglinien weigern, Mitglieder der (gemässigt konservativen) Schweizerischen Volkspartei zu transportieren, und wo Parlamentarier den Saal verlassen, "sobald ein Rechter auch nur den Mund aufmacht".

Quelle: Ric Bandle, "Die Herrliberger Verschwörung"; "Weltwoche",1/2019, S. 18

Ein gebuertiger Hesse
9. Januar 2019 15:12

Die Gegenseite setzt mehr denn je auf Eskalation: Schädelspalten, wo man intellektuell keinen Fuß mehr in die Tür bekommt. In der Hinsicht steht zu befürchten, daß der Anschlag auf Magnitz - ein verdammter Mordversuch, nichts weniger, selbst wenn M. aus schleierhaften Gründen nun selbst von einem möglichen Raubüberfall spricht - einen Dammbruch bedeuten mag. AfDler wie überhaupt Leute, die rechts von den Torwächtern stehen/denken/sprechen, werden womöglich noch mehr dergleichen erleiden müssen. Und zwar bis es mal Tote gibt - was für die Haßprediger von taz, Antifa und Konsorten ja offenbar das eigentliche Ziel ist. Mehr denn je ist Selbstschutz und Selbstverteidung gefragt, und das in einem vollkommen physischen Sinn. Passen wir auf uns auf.

oneiros
9. Januar 2019 16:30

Stellt sich die Frage, wie lange die Konservative Szene es sich leisten kann, den totalen Krieg, der gegen sie geführt wird, pazifistisch zu ertragen. Links scheint man mal wieder an dem Punkt angekommen zu sein, dass man glaubt, dass nur Terror das eigene Überleben sichern wird.
Weitere Desensibilierung der linksfaschistischen Szene ist zu erwarten, da der Rückhalt aus Medien und Politik groß ist. Es braucht keinen Hellseher um vorherzusehen, dass es bald tote AfD Sympathisanten und Politiker geben wird. Das ist bereits "quasifaktisch" an der zunehmenden Gewaltqualität im Laufe der letzten Jahre zu erkennen.

Wer Kinder hat muss sich seiner Verantwortung für sie bewusst werden.

RMH
9. Januar 2019 16:54

Vielleicht findet sich ja ein strafrechtlich versierter Jurist, der einmal den taz-Text prüft, damit ggf. Strafanzeige deswegen eingereicht wird (erste Anzeichen dafür sind meiner Meinung nach gegeben, kenne mich mit der Materie aber nicht ausreichend aus).

Wie auch immer, man sollte aber auch jetzt den Schreiber des taz Beitrages nicht überhöhen und ihn als eine Art von Initiator hinstellen (da freut er sich doch noch darüber). Wer liest denn bitteschön noch die taz? Die Antifa-"Handarbeiter" brauchen solche Artikel, falls sie überhaupt irgendetwas lesen, nicht für ihr Tun. Derartige Artikel dienen eher den Nichthandarbeitern, den Salonlinken (vermutlich die letzte, aktive Lesergruppe der taz - viele linke haben das Blatt ja auch nur aus "Solidarität" abonniert und lesen es nicht wirklich. Die Rechten sind da schon fleißiger, was die "Hausaufgaben" und den Lektürekanon angeht. Ggf. lesen mehr rechte als linke mittlerweile das Blatt in seiner online-Ausgabe) dazu, ihre evtl. vorhandenen Rest-Skrupel gegenüber einer "zuschlagenden" Antifa herunter zu fahren.

Sehen wir es positiv (auch wenn es für persönlich Betroffene nur ein kleiner Trost ist): Die Strategie der garantiert 100% gewaltfreien Aktion seitens der Rechten (bspw. der IB und der AfD) geht auf. Der Gegner weiß sich nicht mehr anders zu helfen, als mit den Mitteln der physischen Gewalt. Hier gilt: Weiterhin 100% standhaft und legal bleiben und den Rechtsschutz seitens des Staates immer wieder aktiv einfordern. Steter Tropfen höhlt den Stein.

LotNemez
9. Januar 2019 17:16

Ich habe viel Verständnis für diejenigen, die angesichts solcher Nachrichten Angst haben, sich offen patriotisch zu zeigen. Mir ging es selbst so. Allerdings: das Einstehen für die eigene Überzeugung befreit und macht froh. Und hier ist nun noch ein Grund mehr, mal (wieder) bei einer patriotischen Kundgebung vorbeizuschauen und Gesicht zu zeigen gegen Gewalt und Hetze.
Aber was, wenn ich denunziert werde? Nun, wenn es wirklich dazu kommen sollte, dass der Denunziantenkollege davon Wind bekommt, zeigt man ihm einfach das Foto vom blutüberströmten Magnitz und fragt ihn, wie man seine Anteilnahme für dieses und andere Opfer linksradikaler Gewalt sonst hätte ausdrücken sollen. Etwas gutes hat diese feige Tat also doch: Es war noch nie so einfach, sich mit dem Volk zu solidarisieren.
Lieber Leser, ja genau Du! Es wird nicht besser, wenn die, die durchsehen, sich heraushalten. Auf die Straße! Wir sehen uns dort!

Old Linkerhand
9. Januar 2019 17:19

Die Gegenseite setzt auf Einschüchterung, die Eskalation der linken Gewalt wird dabei billigend in Kauf genommen. Mosley und sein "harter elitärer Kern" waren ideologisch geschult und sie waren wenige. Heute ist der Widerstand viel breiter gefächert und erreicht auch "normale" Schichten der Gesellschaft. Es hilft nichts, sie kriegen den Geist nimmermehr in die Flasche. Die linken Schreibtischtäter werden weiter hetzen und ihre kaum mehr versteckten Aufrufe zur Gewalt werden genügend kleine, feige und haßerfüllte Hansel finden, die bereit sind zu töten. 2019 wird ein Jahr der Zäsur, wenn es Tote gibt.

MartinHimstedt
9. Januar 2019 17:38

Ich kann dem gebürtigen Hessen nur Recht geben: Wie ich bereits einer Antaios-Autorin persönlich sagte, ist mir völlig schleierhaft, wie sich beispielsweise ein Martin Sellner überhaupt noch unbehelligt in Wien bewegen kann. (Dementsprechend reagierte ich auf das Bild von Frank Magnitz zwar emotional, aber eben alles andere als überrascht.) Ich lebe in einer Stadt, welche mit Wien vergleichbar ist, mit dem Unterschied, dass die „Anti“-Fa in Deutschland wohl deutlich rabiater zu Werke geht. Auch der Migrationsanteil liegt nahe der 50%, Tendenz steigend. Warnung sollte uns daher nicht nur Döbeln oder Bremen sein, sondern eben auch Köthen, Kandel, Leipzig, Chemnitz … Mein Wissen im Bereich der legalen Selbstverteidigung ist begrenzt, für Deutschland scheint mir ein kleiner Waffenschein jedoch das geeignete Mittel zu sein, sollten die Gesetze sich in den letzten Jahren nicht verändert haben. Wir werden hier 2019 noch Tote aus den eigenen Reihen beklagen. Alles Andere würde mich überraschen.

H. M. Richter
9. Januar 2019 17:53

Der Überfall in Leipzig auf den 5. Strafsenat des Bundesgerichtshofes sowie auf die die Generalbundesanwaltschaft in der Nacht vom 31. Dezember auf den 1. Januar bildete den unrühmlichen Jahresauftakt einer sich abzeichnenden Gewaltspirale.
Er war das Signal.
(Zu beachten ist: Dieses Gericht sollte - als Fanal - brennen wie eine Fackel ...
Wie einst der Reichstag in Berlin ...
Benzin dazu war vorhanden. Panzerglasscheiben verhinderten es.)

Unmittelbar danach folgte das blutverschmierte, malträtierte Antlitz des Bundestagsabgeordneten Magnitz als Menetekel.

Die zu erwartenden AfD-Ergebnisse bei den Landtagswahlen in Sachsen, Brandenburg und Thüringen haben in einschlägigen Kreisen Panik ausgelöst. Man setzt nun im Vorfeld dieser Wahlen - die Büttel und gehätschelten Erfüllungsgehilfen dazu sind vorhanden - auf die Verschärfung der Lage, nicht zuletzt auch um Gegenreaktionen zu provozieren.

Die Parallele zur untergehenden DDR ist wieder einmal überdeutlich. Auch damals gab es lediglich die Alternative zwischen Verschärfung (wie in China, Rumänien u.a.) oder Untergang.
Tertium non datur.
___________________

NB: Sotscheck ist Mitglied im PEN-Zentrum Deutschland. Die PEN-Charta beinhaltet unter Punkt 3: "Sie [die PEN-Mitglieder, HMR] verpflichten sich, mit äußerster Kraft für die Bekämpfung jedweder Form von Hass [...] zu wirken".

Leo
9. Januar 2019 19:37

Ralf Sotscheck war für mich in den 1990er Jahren ein wichtiger Name, wenn man sich über die Hintergründe und Konfliktlinien innerhalb des Nordirland-Konflikts informieren wollte. Ein Konflikt übrigens, der an Komplexität dem Nahost-Konflikt durchaus das Wasser reichen konnte und kann. (Auch wenn es seit dem Good-Friday-Agreement in den letzten 20 von mind. 400 Jahren deutlich ruhiger geworden ist.)
Aber was Sotscheck derzeit äußert, ist von anderer, deutlich minderer Güte und Kenntnis getrübt. Und in etwa den ideologischen Aufwallungen eines anderen 65-Jährigen, Arno Widmann von der Berliner Zeitung, vergleichbar. Auch der ist nicht blöd - aber die politisch einseitige Schräglage nach links macht den einen wie den anderen offenbar unfähig, die aktuelle Konfliktlage hier so analysieren zu können, wie sie nun mal ist.
Vielleicht ist es ja schlichtweg so: Die zornigen linken alten weißen Männer können es nur schwer ertragen, daß die Zeit über sie und ihre Deutungshoheit hinweg gehen wird. Rufen wir ihnen also gelassen-nachdenkend mit Brecht zu: "Es wechseln die Zeiten / da hilft kein Gewalt."
Es war nie anders.
Da können ein Widmann, ein Sotscheck schreiben, was immer sie wollen. Sie sind kein Schleef, kein Müller - wer wird sich in 10 oder 25 Jahren noch ihrer erinnern?!?

Elvis Pressluft
9. Januar 2019 20:23

In den Systemmedien ist der Backlash zu Magnitz im vollen Gang: Alles halb so schlimm – angeblich gab es kein Kantholz; er ist einfach unglücklich gefallen usw. Viele Kommentatoren geben sich auch kaum noch Mühe, ihre Genugtuung zu tarnen: Es hat schon den Richtigen getroffen! „Klammheimliche Freude“ hieß das zur Zeit der RAF-Morde. Ob Magnitz überlebt hätte, wären die Schläger nicht gestört worden? Vielleicht wacht die AfD auf und begreift, daß sie andere Probleme hat, als Patrioten aus der Partei zu drängen, um sich als „Partner“ (für wen nur?) angenehm zu machen.

Das blaue Quadrat
9. Januar 2019 20:53

Hat sich für den genannten Termin am Erfordernis der Präsenz von zufällig um Haus und Hof streifenden Handwerkern etwas geändert?

antwort kubitschek: danke der nachfrage. mannschaft komplett.

Laurenz
9. Januar 2019 21:01

Sotscheck ist doch nichts anderes als ein kleiner Möchtegern-Erich-Mielke, dem der Mumm zu Mielkes Polizistenmorden fehlt. Geschichte wiederholt sich. Umso mehr die Linke polarisiert umso mehr Rechte erschafft sie. Also ob die Etablierung der EUdSSR keine Reaktion(äre) hervorgerufen hätte. Da die ewig gestrigen Sotschecks & Co. nichts aus der Geschichte lernen, wird die Rechte weiter wachsen, und die politische Situation wird weiter eskalieren.

Immer noch S.J.
9. Januar 2019 21:07

Ralf Sotscheck ist nicht der einzige, der es irgendwie nötig zu haben scheint, politischen Frust in einer unsauberen Form der journalistischen Aggressionstherapie abzuarbeiten, um ein wenig Linderung zu verspüren. Wer könnte die Zahl vergleichbarer Texte nennen? Unzählbar. Hat man einen gelesen, kommt unverzüglich der nächste. Das stumpft ab. Es gibt sicherlich Leute, die derlei Geschreibe anhimmeln, aber nach allem, was aus Regierungs- und Parteienkreisen zum Fall Magnitz geäußert wurde, ist es glücklicherweise schwerlich denkbar, dass sich begeisterte Mehrheiten für Massenschlägereien auf den Straßen mit derzeit etwa acht bis neun Millionen potentiellen AfD-Wählern finden. Dass der Überfall auf einen Abgeordneten nun relativiert wird und die Medien sozusagen vor dem Krankenhausbett einen Erleichterungstanz aufführen, weil die Verletzungen von Frank Magnitz angeblich nur aus einem ungebremsten Sturz resultieren und es weniger von Bedeutung zu sein scheint, dass er angegriffen wurde, sondern eher, was die AfD aus dem Überfall macht, tut dem keinen Abbruch. Wer weiß, vielleicht beschäftigt sich gerade jemand nach der Lektüre des besagten Artikels von Ralf Sotscheck mit §130 StGB? Natürlich ist das für diejenigen, die im Visier von Gegnern stehen, kein Trost. In angespannten Situationen bekommen bestimmte Orte oder Personen gewissermaßen stellvertretend für ganze Gruppen und Vorstellungen eine symbolische Funktion. Diejenigen, die sich an solchen Orten aufhalten oder die zu diesen Personen zählen, bekommen folglich alles ab. Schnellroda ist ein solcher Ort geworden und man kann gar nicht genug Respekt vor der Bereitschaft derjenigen haben, die sich dort - notabene - gewaltfrei (!) den Anfeindungen des breiten linken Spektrums aussetzen. Dasselbe gilt für viele Politiker. Die Polizei wird aber vor Ort sein. Es ist zudem teilweise beruhigend, dass der Fall Magnitz einen gewissen Willen der Gesellschaft zeigt, eskalierende Gewalt nicht zuzulassen. Sogar Leute, denen man es schon gar nicht mehr zutraute, so etwas wie eine Distanzierung von Gewalt gegen ihren politischen Gegner über die Lippen zu bringen, haben die Tat und die Täter verurteilt. Das sollte anerkannt werden, selbst wenn es in einigen Fällen geheuchelt wirkte.

Fritz
9. Januar 2019 21:56

Es ist nicht zu übersehen, die Dominanz in der Diskussion entgleitet ihnen, sie merken es und reagieren entsprechend. Aber mehr vom Gleichen, wenn ein Medikament nicht hilft, hat noch nie genutzt.

Komisch übrigens dass man die Eskalation so selbstsicher propagiert, es ist ja keineswegs sicher, dass es immer die Rechten sein werden, die bei den Auseinandersetzungen den kürzeren ziehen. Und daß eher zarte Frauen wie Stokowski oder diese Veronika Kracher dabei so aktiv sind, wird wohl kaum bedeuten, dass diese dabei selbst aktiv werden wollen, oder?

Andreas Walter
9. Januar 2019 22:15

Mhm. Ein bisschen knapp, in 10 Tagen dort ein Volksfest zu organisieren. Vor allem auch wegen der niedrigen Temperaturen und dann auch noch für mehrere Tage. Ein Trupp Eisbären könnte die Eigensicherung dort eventuell übernehmen, die Sicherung des Demonstrationszugs die Polizei.

Darum schreibe ich es auch wieder und wieder: Ein ganzes Dorf muss her, besser noch eine kleine Stadt. Von mir aus kann auch die ganze Welt dann auf uns sehen. Wir sind keine Verbrecher. Nicht mehr als jeder andere auf der Welt, der sein Existenzrecht verteidigt.

https://youtu.be/3uUMI-4TFPk

John Haase
9. Januar 2019 22:27

Angesichts der langsam aber stetig steigenden linken Gewaltbereitschaft stellen sich mir eine Frage, auf die ich nicht so Recht eine Antwort weiß.

Ist dieses ganze Getue und der Kult um Gewaltfreiheit, Dialog, Friedfertigkeit u.ä. nur noch Fassade oder gibt es echt noch Leute, die ehrlich und aufrichtig daran glauben. So im Sinne von: „Wenn man die Gewalttäter aller Seiten endlich mal richtig bestrafen würde und wir anderen uns im Netz, in den Redaktionsstuben und auf Demonstrationen mal etwas mehr zusammenreißen würden, dann könnten alle friedlich zusammenleben.“

Ich für meinen Teil verspüre jede Menge und stetig steigenden Haß. Gar nicht auf die Ausländer, sondern auf diejenigen, die die sich gerade erst noch entwickelnden herrschenden Verhältnisse möglich machen, abfeiern oder decken. Seien diese Leute nun grüne Landtagskandidaten, Polizeipräsidenten in Freiburg, Bürgermeister in Amberg, Polizisten, die sich in einer Shishabar von den Gästen verprügeln lassen, Richter, die mit der Sprache von Grundschullehrerinnen Urteilsbegründungen für schwerste Verbrechen ausformulieren und und und und.

Alles dieselbe Bagage, mit der nimmermehr so etwas wie ein Staat zu machen ist. Ist dieser Haß nicht gerecht? Ist Haß generell etwas schlechtes? Ist es nicht sogar moralische Pflicht, das Böse zu hassen? Und sind alle diese Leute nicht Diener des Bösen?

Geht das anderen auch so wie mir? Oder stehe ich damit alleine?

Wenn ich z.B. Blogs wie Klonovskys „Acta Diurna“ lese, dann habe ich schon den Eindruck, daß zwischen den Zeilen deutlich mehr Galle herausquillt als vor einigen Jahren und die halbironische Fin-de-siècle-Haltung mit der Zeit zur bloßen Fassade wird oder vielleicht schon geworden ist.

Kann man so etwas als Gradmesser betrachten? Klonovsky ist ja nun wirklich kein Niemand.

Waldgaenger aus Schwaben
9. Januar 2019 22:31

Kubitschek hat mal nichts verstanden, Sotschek und diese Kracher haben doch nur Satiren verfasst.

Satire ist es auch was der sich bürgerlich nennende Teil der Altparteien von sich gibt: Er beschimpft die AfD als Nazis, ehrt - völlig zu Recht - die Widerstandskämpfer gegen die echten Nazis und gibt sich entsetzt, wenn Gewalt gegen die AfD angewendet wird.

Diese Satire, die wohl auch die meisten Wähler nicht verstehen und als Verlogenheit empfinden, wird sich zu einem Problem für diesen Teil der Altparteien auswachsen.

Denn der Kampf gegen Rechts ist deren wichtigster und fast einziger Programmpunkt.

Das fällt sogar der sich bürgerlich nennenden Presse auf:

https://www.focus.de/politik/deutschland/kommentar-beim-dreikoenigstreffen-versucht-die-fdp-aus-dem-tiefschlaf-aufzuwachen_id_10149252.html

"Wie bei allen anderen Parteien arbeiten sich die FDP-Vorsteher lieber an der AfD ab – pfui, pfui, pfui. ... Nicht selten wird in Hintergrundrunden 45 Minuten lang über die AfD hergezogen, um dann noch 15 Minuten etwas zur eigenen Politik zu sagen."

Wenn die lang erwartete Rezession kommt und von der Politik echte Lösungen für echte Probleme erwartet werden, wird der Wähler sich zwischen den linken Blockparteien unter Führung der Grünen, die außer dem Kampf gegen Rechts keine Lösungen haben, und eben der AfD entscheiden müssen.

Die deutsche Rechte muss nur bis dahin vernünftige Konzepte ausarbeiten, und Gewalt nur zum Selbstschutz anwenden.

Wie dann die Entscheidung in einer multikulturellen Gesellschaft ausfallen wird, lässt sich hier in einer schönen animierten Grafik angucken:

https://www.nzz.ch/international/amerika/verlangen-nach-konservativen-wo-suedamerika-nach-rechts-driftet-ld.111399

Kaiza
9. Januar 2019 22:48

Hallo.

Ich bin sehr um die Gesundheit derer besorgt, die sich für uns einsetzen.

Ihr nehmt das auf die leichte Schulter. Ich, als unfreiwilliges U-Boot in linksextremen Kreisen kann Sie nur warnen: Haben die freie Hand, schlägt man Sie tot. Kinder würden auf Ihrem Schädel herumspringen, angefeuert von Müttern und Vätern die bei den kleinsten Anzeichen von Gewallt selbst das ZDF weg-zappen würden.

Von einer Abteilungsleiterin wurde ganz offen eine Verstümmelung ins Spiel gebracht.
Wenn man Ihnen die Hände abhackt, können Sie keinen braunen Scheiß schreiben. Das war übrigens in einer Mittagspause. Einfach so. Ist aber schon ein paar Monate her. Woher die Sie kennt? Die Eltern sind Lehrer und sehr besorgt. Selbst von Polizisten habe ich schon solche Aussagen vernehmen müssen. Es ist sehr ernst.

Kurz formuliert: Familie K&K, Sie werden definitiv angegriffen. Damit meine ich nicht den Frankfurt Angriff sondern man wird versuchen Sie zum Krüppel zu schlagen und nicht ablassen.

Egal was wir hier schreiben oder tun, wir alle erwarten einen Heilsbringer.
Das sind Sie Herr Kubitschek. Ob Sie das wollen oder nicht.
Wir können es alleine einfach nicht. Wir brauchen etwas, an das wir uns anhängen können.
So sind wir nun einmal und das wird sich auch nicht ändern.

Es gibt keinen rechten Flash-Mob der sich gegenseitig beisteht.
Da würden die einen nicht mitmachen, weil da ein Anglizismus drin ist, die anderen wenden sich ab, weil das Rohe so primitiv ist und ganz andere wollen mit ihrem Kreuz ein starkes Zeichen setzen oder haben Angst das Bürgertum zu verschrecken. Inzwischen wird der Andere krankenhausreif geprügelt. Wir brauchen ein synchronisierendes Element, einen Kristallisationspunkt.

Gewaltfreiheit gut. Aber verteidigen, dass bitte, bitte mit allen Mitteln.
Sie sind viel zu wertvoll.

Simplicius Teutsch
9. Januar 2019 22:53

Warum hetzen oder greifen Linke zur Gewalt? - Sie wollen die Macht (behalten), um ihr Ziel durchzusetzen.

Wenn ein Rechter radikal oder gar gewalttätig gegen Linke vorgeht, dann tut er das idealistischer Weise im Antrieb für seine Nation, für ein besseres Deutschland.

Wenn ein Linker radikal oder gar gewalttätig gegen Rechte vorgeht, dann tut er das idealistischer Weise nach dem (selbst-)hassgetriebenen Motto: Jede Zukunft ist besser als eine deutsche.

Ich kann angesichts 1945 verstehen, dass man als Deutscher Deutschland aufgegeben hat, gemäß der Adolf Hitler'schen Erkenntnis: „Deutschland wird entweder Weltmacht oder überhaupt nicht sein.“ Sind die Rechten Unbelehrbare und die Linken doch die Schicksals echteren Deutschen?

Andererseits sind wir seit 2015 mit unserer Klima- und Flüchtlings-Kanzlerin Angela Merkel vorneweg zur moralischen, internationalen Supermacht aufgestiegen, mit einem beachtlichen, linken Größenwahn in der Psyche: „Weltweit lebt keine Länderelite Multikulti und Moralimperialismus fanatischer.“ (Prof. Günter Schold in Sezession 79, August 2017). Wir kritischen Rechten sind da lästig wie Läuse.

Waldgaenger aus Schwaben
9. Januar 2019 22:53

@John Haase

Es geht mir wie Ihnen. Tritt man aber gedanklich einen Schritt zurück und blickt auf das Große Ganze, sieht man das es nichts bringen würde, mit gleicher Münze heim zu zahlen.

Ich rechne mich nicht mehr zur bürgerlichen Mitte, aber kann noch verstehen, wie die denkt.

Letztlich wird sich in einem End-Kampf Rechts gegen Links die Seite die Unterstützung der bürgerlichen Mitte erhalten und sich deshalb durchsetzen, die glaubwürdig für Recht und Ordnung und ökonomische Vernunft steht.

micfra
9. Januar 2019 23:04

Nachdem die 68er nun alle wichtigen Positionen in Gesellschaft und die Köpfe der meisten Menschen erobert haben, werden sie sich nicht mehr freiwillig zurückziehen oder sich auf einen offenen Diskurs einlassen, den sie nicht gewinnen können. Was bleibt ihnen also anderes übrig als nun zur offenen Gewalt überzugehen? Als ehemaliger DDR-Bürger hatte ich nur nicht damit gerechnet, dass gerade der sogenannte freie Westen (keine sozialistischen Experiment mehr, hieß es von dort nach der Wende) sich zur nächsten linken Diktatur entwickeln wird.

W. Wagner
9. Januar 2019 23:17

Die Rettung wird wohl nur von außen kommen. Die internationalen Verbindungen sind zu schärfen und im Ausland zu verbreiten, was in der Bundesrepublik los ist. Die Italiener nicht nur unter Salvini fangen schon an, sehr genau zu schauen.

nom de guerre
9. Januar 2019 23:59

Was in Bremen passiert ist, hat mich schockiert, obwohl zu erwarten war, dass irgendwann jemand bei so einer "antifaschistischen" Aktion (inzwischen haben sich die Herrschaften ja laut PI-News dazu bekannt, das Spekulieren über einen angeblichen Raubüberfall kann also aufhören) ernsthaft verletzt würde. Das Gleiche gilt für die Reaktionen darauf: Ich kann mich nicht entscheiden, ob ich die Heuchelei eines Özdemir, der gleich ein "Nazis raus" hinterherschiebt und dem Opfer Hass unterstellt, schlimmer finde als die kaltschnäuzige Offenheit solcher Leute wie Frau Kracher (deren Namen ich bis heute nicht kannte und der ich wohlwollend und vermutlich naiverweise unterstelle, dass sie nicht weiß, was sie schreibt). Wahrscheinlich ersteres, bei letzterem frage ich mich lediglich, wie die Wissenschaft in 30 oder 50 Jahren diesen abgrundtiefen Hass, diese Empathielosigkeit und Kälte in einer im Vergleich zu anderen immer noch friedliebenden Gesellschaft erklären wird. Mit Gewalterfahrungen in der Kindheit, Kriegstraumata u.ä. wie bei früheren Generationen ja sicher nicht. Aber, und darauf will ich eigentlich bei diesem Kommentar hinaus: Ich finde es erstaunlich bis erschreckend, wie einfach es heute ist, diese Dinge - Anschlag auf AfD-Büro, Lokal in Leipzig wird nach Kreisparteitag der AfD verwüstet (habe ich erst hier erfahren) und eben das Attentat auf Frank Magnitz - unter der Decke zu halten. Nach meinem Eindruck haben viele Mainstreammedienkonsumenten das nicht einmal wahrgenommen, selbst wenn sie über ein mittelmäßiges Interesse an Politik und Gesellschaft verfügen. Von dem hessischen Provinzler, der, vermutlich ohne schnelles Internet, den Bundestag gehackt haben soll, haben in meinem Umfeld dagegen alle etwas mitbekommen, was zumindest eine seltsame Art ist, Prioritäten zu setzen. Ich weiß nicht, was ich davon halten soll. Jeder, der will, kann sich informieren, und niemand ist auf die gefilterten, die Dinge verzerrenden Darstellungen von GEZ-Medien und Spiegel Online (die über Magnitz allerdings durchaus berichtet haben, wenn auch gefühlt auf S. 5) angewiesen, und trotzdem verhalten sich intelligente Menschen so als gäbe es nur das Lokalblatt und den Volksempfänger.

quarz
10. Januar 2019 07:38

Zu Magnitz

Inzwischen haben wir fast schon wieder Chemnitz-Verhältnisse, was die Täter-Opfer-Umkehr im Fokus der Berichterstattung (und erst recht im Fokus der einschlägig motivierten Kommentierenden) angeht.

Eine Detail-Änderung in der Beschreibung des Tatherganges (offenbar war kein Kantholz im Spiel, sondern reiner Körpereinsatz) führt dazu, dass nunmehr die AfD als ungeheure Lügeninstanz und somit als eigentlicher Bösewicht inszeniert wird.

Das hat dazu geführt, ich gestehe es, dass sich auch bei mir die Aufmerksamkeit verlagert hat. Allerdings nicht im Sinne der Regisseure auf die AfD, sondern auf den psychischen Zustand jener, die diese Relativierung betreiben.

Franz Bettinger
10. Januar 2019 07:56

@John Haase:
Es gibt eine Notwendigkeit und sogar ein Recht auf Hass! Gefühle wie Wut, Zorn und Hass sind nicht die Ursachen, sondern Ergebnisse von was und durch das Bewusstsein kaum steuerbar. Es sollte keine Rolle spielen, ob ich einen ohrfeige, weil ich ihn hasse oder erziehen will (weil ich ihn liebe). Die Ohrfeige ist Körperverletzung und somit unter Umständen strafbar, basta. Es sollte keine Rolle spielen, ob ich aus Geiz Steuern hinterziehe oder den Staat für einen Räuberstaat halte oder weil ich die Kanzlerin hasse. Tut es aber. 2012 beschloss das Merkel-Regime eine Gesetzes-Änderung, mit der bestimmte (z.B. Fremden-feindliche) Motive unter der Bezeichnung Hass-Kriminalität straf-verschärfend wirken sollen. Im Ehe-Scheidungsrecht hat man das Schuld-Prinzip aus nachvollziehbaren Gründen aufgegeben, nun hat man die Motivation einer Tat (Hass, Gier, Not, Verzweiflung) an anderer Stelle wieder als strafrelevant definiert. Irre! Das Strafrecht wurde zur Auslegungs-Sache. Der § 46 Abs. 2 StGB war die Einführung von Gesinnungs-Justiz.

Ein Verbot des Hasses hätte, wenn es durchsetzbar wäre, keine guten Folgen. Alle Gefühle haben einen evolutionären Sinn. Alle! Ohne Vorsicht und Angst kein Überleben. Ohne Freude und Liebe keine sozialen Bindungen. Ohne Hunger, Durst, Neid und Machtgelüste keine Motivation. Ohne Lust kein Sex. Ohne Solidarität und Loyalität keinen Familien- oder Volks-Zusammenhalt. Ohne Ekel Vergiftungen. Ohne Wut und Zorn kein sich Wehren.

@Der Jürgen lieferte (am 16.6.2017 auf SiN unter der Überschrift "Streitschrift für den Hass") mit seiner Frage eine Erklärung, die Zorn und Hass unterscheiden hilft. Er fragte rhetorisch: "Darf eine Mutter einen Lustmörder, der ihr Kind misshandelt, vergewaltigt und erwürgt, hassen?" und gab die Antwort: "Ihr dies verbieten zu wollen, hieße von ihr Übermenschliches verlangen." - Ich ergänzte: Eine Mutter darf den Schänder und Mörder ihres Kindes auch dahinmetzeln. Bloßer Zorn gäbe ihr dazu nicht die Kraft. Hass schon! Das ist die evolutionär sinnvolle Funktion des Hasses: ausreichend zu motivieren!

Nein, Hass zu empfinden ist nicht verwerflich. Ohnehin: Der Hass fragt nicht nach Recht und Rechtfertigung. Er entsteht, ist dann da und basta. Mögen ihn Psychologen und Richter sezieren und sich an ihrem Erfundenen (!) ergötzen, dem Hassenden ist das egal. Er ist sich seiner Selbst sicher. Er braucht kein Abnicken seines Impulses durch die Ratio. Er spürt, was zu tun ist. Der Evolution sei Dank! Wer Kleists 'Michael Kohlhaas' gelesen hat, weiß, wie Hass entsteht und warum es des Hasses manchmal bedarf. Denn irgendwann sagt man sich: "Genug ist genug!"

Im übrigen ist gegen den Hass vorgehen zu wollen so effektiv wie gegen das Klima zu kämpfen. Eine ganze Armada linker Don Quichotes stürmt gegen Windmühlen an. Wer die Zahl hassender Menschen in unserem Land vermindern will, muss die Ursachen für deren Hass kennen und beseitigen. Nichts anderes wäre zu tun, als wenigstens Fairness walten zu lassen. Aber nicht mal das bringt sie hin, die Clique.

Waldgaenger aus Schwaben
10. Januar 2019 08:58

@nom de guerre

Der Hackerangriff auf die gesamte Nomenklatura zeigt die Inkompetenz unserer Eliten. Zuerst dunkles Raunen über russische Hacker, dann war es ein 20 jähriger Computernerd und nun soll dieser einfach die Passwörter im darknet gekauft haben. Vermutlich für wenig Geld.

Wir haben ein "Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik" mit 940 Mitarbeitern, jetzt sollen nochmal 350 dazu kommen. Und davon kam keiner auf die Idee mal ein bisschen im darknet zu stöbern.

Aber Deutschland will führend in der künstlichen Intelligenz werden - na ja vielleicht klappt es ja wenigstens mit der natürlichen Dummheit. Das schaffen wir.

Und straffällige gewordene Asylbewerber werden wir konsequent abschieben.

Meine Verachtung für diese ganze Bagage ist grenzenlos.

Gustav Grambauer
10. Januar 2019 10:15

Muß leider mal den Klugsch... geben. Macht besonders guten Eindruck von der gutgeheizten Stube aus, weiß schon ...

Der Gegner beobachtet uns und erstellt ein psychologisches Profil von uns. Er registriert, ob wir jetzt kurz vor den Wahlen die Nerven verlieren und in den Selbstzerstörungsmodus gehen oder nicht.

Seine Operatoren gehen, da sie selbst nichts als die Logik des Pawlowschen Hundes kennen, davon aus, daß auch wir nach der Logik des Pawlowschen Hundes funktionieren. Die können wir in die schiere Verwirrung treiben, wenn wir ihre Logik nicht bedienen. Insofern ist die Position des Spezialisten für Gallenkoliken mit Wolfgang Schäuble auch bereits bestens besetzt, da brauchen wir uns gar nicht zu bewerben.

Für diejenigen im Hintergrund hingegen sind Wahlen nur Indikatoren; sie prüfen nur, inwieweit sie den Pawlowschen Komplex bei uns in Zukunft einkalkuieren können bzw. ob nicht. Die haben Gandhi sehr genau studiert, wahrscheinlich haben sie Gandhi sogar selbst aufgebaut und, neudeutsch, gecoached. Um die in die Verwirrung zu treiben, um uns für die unberechenbar zu machen, müssen wir zu einer Logik auf einem Niveau nicht nur über deren Kaltblütigkeit, auch über deren gandhistisches-sharpistisches Verständnis von Gewaltfreiheit hinaus finden.

Von wem könnte man da lernen? M. E. am besten von WWP, der vom verzweifelten 95jährigen Kissiger viermal im Jahr aufgesucht wird (nicht umgekehrt), welcher ihn und sein 4-D-Schach gern verstehen würde, aber immer noch nicht versteht und niemals verstehen wird. WWP steckt seit 20 Jahren stoisch alle Demütigungen (Provokationsversuche) ein. Bei ihm geht dies noch auf Kosten a) des nationalen Prestiges, und zwar unmittelbar, sowie b) seiner eigenen Popularität, bei der Duma-Wahl hätte er für sich noch viel mehr rausholen können, wenn er "endlich mal dem Netanjahu so richtig die Fresse gestopft hätte", wenn er "endlich mal `nen paar T-15 nach Kiew geschickt hätte", wenn er "endlich mal in Syrien auf den dicken Raketenknopf gedrückt hätte", so wie die allermeisten Russen sich das gewünscht haben.

Hat er aber nicht, macht er aber nicht, auch wenn`s noch so weh tut, der Welt solchen Langmut zeigen zu müssen und vor denen, die`s nicht verstehen, als Zögerer, Zauderer, Feigling und Appeaser dazustehen. Stattdessen weiß er, wie sehr es seinen maßgeblichen, vielleicht an den Fingern abzählbaren Gegnern immerhin über ihn dräut. Stattdessen baut er leise und diskret denen gegenüber seine Machtbasis aus und hat auf lange Sicht bisher noch jeden in den Sack gesteckt. So wird`s was.

- G. G.

Elvis Pressluft
10. Januar 2019 10:30

Daß die Linken die diskursive Deutungshoheit verloren haben (wie hier immer wieder betont wird), ist offensichtlich. Diese Erkenntnis hilft aber nicht gegen die brutale Gewalt auf der Straße. Und man soll sich nichts vormachen: Der deutsche Michel hat’s gern ruhig und beschaulich; bestimmte Nachrichten und bestimmte Bilder (Magnitz, unzensiert in der Notaufnahme) verschrecken ihn, ganz von Ursache und Schuldfrage. Die AfD, und nicht nur sie, wird weitere Opfer verzeichnen. Die Systemschergen werden „Weimar!“ raunen – und der Bürger wird verstehen: Die Rechten sollen gefälligst verschwinden oder jedenfalls den Mund halten. Wenn wir das verweigern – und wir müssen es – werden wir auch mit den Gandhi-Methoden an Grenzen stoßen.

MARCEL
10. Januar 2019 10:56

Vielleicht nur ein Traum, aber:
Es müsste gelingen, unter einem Schlagwort, das nicht automatisch AfD-Handschrift trüge (taktisch würde man mehr Leute erreichen), ähnlich wie die Gelbwesten in Frankreich, für das gesamte linke Lager überraschend, einen Massenprotest bundesweit auf die Straßen zu kriegen. Wohlgemerkt: keine weitere lokale Demo, sondern handfestere Aktionen, wie Blockaden oder Besetzungen von Amtsgebäuden (alles waffenlos) u.ä. Linke wären damit gründlich desavouiert. Sie müssten in ihrer Ferne zum Volk öffentlich vorgeführt werden.
Vielleicht doch nur ein Traum...
Im übrigen ist diese entfesselte Gewalt auch bitteres Zeichen für den Erfolg der Neuen Rechten.

Maiordomus
10. Januar 2019 11:09

@Bettinger/Haase u.a. Bettingers Analyse ist im unteren Teil sehr treffend und auch im ethischen Sinne klug. Es scheint mir richtig, dass man "Hass", abgesehen vom Mordmotivationsmerkmal des "niedrigen Beweggrundes", angesichts z.B. im Vergleich zur Praxis bei der Einschätzung von Scheidungsgründen, juristisch nicht angemessen "einholen" und qualifizieren kann. Hingegen befinden Sie sich fundamentalethisch in der Tat "fundamental" auf dem Holzweg, wenn Sie "Hass" im letzten Grund rechtfertigen wollen, was Ihnen so wenig gelingen kann wie den linken Verteidigern des Neides. Was nötig wäre, allenfalls bei einer seminarmässigen Zusammenkunft, wäre eine Analyse des Begriffs "gerechter Zorn", worüber sich übrigens Thomas von Aquin bis hin zu seinen neothomistischen Nachfolgern auf sehr hohem ethischen Niveau, auf naturrechtlicher und biblischer Grundlage, ausgelassen hat. Auch über das Widerstandsrecht müsste wenigstens so vernünftig diskutiert werden, wie es Will-Erich Peuckert noch 1943 sogar in gedruckter Form hingekriegt hat, unter Bedingungen, die man ja keineswegs mit Geistesfreiheit verwechseln kann. Aber "Zensur verfeinert den Stil" (Ernst Jünger). Ich schreibe hier keine Korreferate mehr, äussere mich auch nur deshalb, weil ich die Problematik des "gerechten Zorns" früher schon mal angesprochen habe.

PS. Selber wurde ich auch schon auf dem Niveau von Magnitz krankenhausreif mit einem Klappspaten auf den Kopf geschlagen, zwar nicht aus politischen Gründen, sondern im Zusammenhang mit versuchter sexueller Misshandlung; habe auch Leute, die mich mit Berufsverbot zu beehren versuchten oder mich aus politischen Gründen als Lehrerfortbildner entlassen haben, nie gehasst; versuchte das Problem auf andere Weise zu bewältigen, wobei es dafür aber in der Tat keine Rezepte gibt.

heinrichbrueck
10. Januar 2019 11:39

@ nom de guerre

Mit dem VOLKSEMPFÄNGER haben Sie die Drehung hinbekommen, leider, was die Gesamtproblematik deutlich werden läßt, Ihrer Intelligenz auch keinen Gefallen getan zu haben. Es ist diese Besessenheit, immer einen Zwölfjahresvergleich bringen zu müssen; ein Hindernis den Teufelskreislauf zu durchbrechen, die Systemfunktionsweise in der Realität begreifen können. Sie haben nicht Rundfunkbeitragsmedien geschrieben.

Reaktion
10. Januar 2019 11:53

zur causa Magnitz:

Der berechtigten Empörung im "rechten Lager" entgeht die Wahrnehmung und Deutung im sogenannten Mainstream, der der tendenziösen und manipulativen "Berichterstattung" geschuldet ist:

Der durchschnittliche Medienkonsument hat davon bestenfalls am Rande mitbekommen. Wenn doch, ist die Deutung folgende:

1. Die AfD hat wieder einmal Lügen verbreitet: Es wurde kein Gegenstand (Kantholz) verwendet. Reiner Körpereinsatz. Das war jedenfalls kein Mordversuch, Magnitz ist nur unglücklich gefallen. Also eigentlich selbst schuld.

2. Die AfD inszeniert sich wieder als Opfer: Ein politisches Motiv kann zwar derzeit (aber sicher bald) nicht gänzlich ausgeschlossen werden, ist aber unwahrscheinlich. Sogar Herr Magnitz selbst sprach von einem Raubüberfall. Und wenn doch: Es hat nicht den falschen getroffen. Die AfD bekommt nur die Gewalt zurück, die sie selbst predigt. Also eigentlich selbst schuld.

Ich halte es für ausgeschlossen, dass die Täter gefasst werden.

Es hat übrigens einen ähnlichen Fall in Wien im Juni 2016 gegeben: Von einem Dach ein Stein auf die Identitären-Demo in Wien geworfen. Ein 17-Jähriger Demo-Teilnehmer wurde schwer verletzt. Er wurde meines Wissens auf der Intensivstation in den künstlichen Tiefschlaf versetzt. Letztlich ist es glimpflich ausgegangen und der Betroffene liest vielleicht sogar hier mit. In der Presse wurde das teilweise sogar so dargestellt, dass der unbedarfte Leser glauben musste, die Gewalt sei von den Identitären ausgegangen und der Täter sei in ihren Reihen zu suchen. Damals hat die Polizei ergebnislos wegen Mordversuchs ermittelt.

nom de guerre
10. Januar 2019 12:26

@ heinrichbrueck
"Volksempfänger": Ja, stimmt, das kann man im Grunde nur als Zwölfjahresvergleich auffassen, aber ich wollte lediglich auf den trotz der was weiß ich wie vielen Programme vorhandenen Einheitsbrei, den die Mainstreammedien bieten, hinaus. Sehen Sie es mir nach, wie die Kinder von Frau Kositza bin auch ich fernsehfrei aufgewachsen (und das war gut so!), daher liegen mir Radiovergleiche bis heute näher als bspw. "nur 3 Programme und nachts das Testbild".

starhemberg
10. Januar 2019 12:39

Nichts davon sollte uns überraschen. Wir sehen derzeit jeden Tag in Venezuela, wie schnell und brutal der Reale Sozialismus ein eigentlich reiches Land zerstört. Das linke Utopia hat seit 1989 endgültig abgewirtschaftet, doch die Herrschaften sind Meister der Agitprop und sie besetzen unzählige Stellen im vorpolitischen Raum. Ich persönlich finde, es bringt nichts mehr Argumente auszutauschen, da diese Gestalten keine haben. Man sehe sich nur die Fälle Relotius oder Menasse an, was wollen wir mit solchen verkommenen Lügenbaronen? Rechts steht meines Erachtens auch für Ehrlichkeit und Handschlag-Qualität, für Menschen die unter einem "Ehrenwort" immer noch genau das verstehen. Links steht für die Lüge und für das Manipulieren, das war doch schon immer so. Der eigentliche Skandal für mich ist das Verhalten des bürgerlichen Lagers, also Union und FDP, die sich gemein machen mit den linken Ewigmorgigen. Mit Sozis, Grünkommunisten und der SED 2.0 gibt es, so finde ich, keine Diskussionsgrundlage mehr.
Wir befinden uns in der Vorstufe zu einem molekular-asymmetrischen Bürgerkrieg, und ich wüsste nicht, wie man das noch aufhalten soll. "Aber immer noch besser, als an der Ostfront", wie mein schon lange verstorbener Großvater früher gerne zu sagen pflegte.

Franz Bettinger
10. Januar 2019 12:44

@Maiordomus: Seien Sie froh, dass Sie nie den Hass kennengelernt haben. Ich übrigens auch nicht. Aber er existiert, und manchmal zurecht, und er fragt nicht nach dem Aquiner. Götz Kubitschek hat es mal angedeutet; sinngemäß: "Wenn meiner Frau oder meinen Kindern etwas passiert, mache ich mich auf den Weg ... ". Dafür habe ich Verständnis und wünsche ihm die notwendige innere Kraft (Motivation), beim Auffinden der Schuldigen das zu tun, was ihm sein Zorn (ist es nur Zorn?) aufträgt.

@Reaktion: zum Fall Magnitz verweise ich auf meine drei Kommentare (am Schluss der Spalte) im letzten Beitrag von Wessels Held. Übrigens: Warum setzt die AfD keine Belohnung für die Ergreifung der Täter aus?

quarz
10. Januar 2019 13:12

@Bettinger

Der Vergleich mit der Sexualität ist mir auch schon durch den Kopf gegangen. Wir erleben eine Epoche, in der die negative affektive Einstellung zum Handeln einer Person (vulgo "Hass") einer ähnlichen gesellschaftlichen Ächtung unterworfen ist wie die Sexualität im viktorianischen England.

Natürlich steckt in jeder Disziplinierung von Affekten eine gewisse Berechtigung indem verhindert werden soll, dass diese das zuträgliche Maß überschreite. Genauso aber kann das Ausmaß der Disziplinierung das rechte Maß verfehlen. Das tut es vorzugsweise dann, wenn die Disziplinierung als Mittel zu einem anderen Zweck als dem der emotionalen Ökonomie eingesetzt wird.

Aktuell wird die Bekämpfung von "Hass" als Ziel vorgetäuscht, um die Knebelung von Kritik zu bemänteln. Und je mehr die Missstände sich unbekämpft ausweiten, die der Gegenstand der unterdrückten Kritik sind, umso mehr bieten sie Anlass zu weiterer und schärferer Kritik. Und umso mehr sieht sich der Leviathan veranlasst, seine Kontroll- und Sanktionswerkzeuge intensiver zu gebrauchen.

Diese Dynamik hat unübersehbar die Form einer Spirale, in der sich Ungelöstes Stockwerk für Stockwerk verschiebt und dabei seine explosive Qualität intensiviert. Dass ein "Weiter so" schon bald nicht mehr möglich ist, dürfte mehr Leuten auf allen Seiten der "Miterlebenden"-Arena klar sein als die beschwichtigende Medienanästhesie uns glauben machen will. Das Augenmerk richtet sich zunehmend auf die Frage, ob bzw. wann und wo man aus dieser Spirale aussteigt. Maelström.

KlausD.
10. Januar 2019 16:05

@starhemberg
"... Das linke Utopia hat seit 1989 endgültig abgewirtschaftet ..."
Das ist mit Sicherheit der Fall, aber daß es derzeit in Venezuela so besonders schlimm aussieht hat noch andere Ursachen. Die Entwicklung in diesem Land paßt gewissen Kreisen so ganz und gar nicht. Und das hat seine Gründe, siehe hier:
https://www.rubikon.news/artikel/der-fall-venezuela

Ein gebuertiger Hesse
10. Januar 2019 16:13

Was das Gebaren der AfD-Führung nach dem Mordversuch sowie die Beschwichtigung von Magnitz selbst angeht, muß man allerdings sagen: Man läßt keine Elfmeter liegen und sagt nicht dem Schiedsrichter, daß die Blutgrätsche, die der Gegner einem verpaßt hat, doch bloß ein hartes Tackling war und höchstens gelb verdient. Geht's noch? Manchmal liegt PI-News richtig: http://www.pi-news.net/2019/01/das-pr-desaster-der-afd/

starhemberg
10. Januar 2019 16:37

@KlausD.

Danke für den Hinweis. Werde ich mir ansehen.

Reaktion
10. Januar 2019 17:07

@Bettinger
Ich gebe Ihnen vollkommen recht. Das ändert aber nichts. Leider.

Ein gebuertiger Hesse
10. Januar 2019 19:15

Und noch etwas, die möglichen "U-Boote" betreffend (die es selbstverständlich geben dürfte, wie auch nicht?): so man den AfD-Betrieb nicht ein wenig von innen kennt, kann man angesichts der windelweichen Parteireaktion auf den Mordversuch an Magnitz die Idee bekommen, da säßen so einige Eingeschleuste an den Hebeln. Andernfalls weiß man jedoch, wieviel Erfahrungslosigkeit und Dilettantismus da weiterhin am Werke ist. Die 5000 Euro plus, die die diversen Wissenschaftlichen Mitarbeiter der Bundestags-AfDler verdienen, machen die Sache nicht besser, da sie zur Aufweichung (in der Sache) und zur persönlichen Dekadenz-Verfettung beitragen. ABSPECKEN im einen wie im anderen Sinn sind jetzt bereits angesagt.

2Rueckert
10. Januar 2019 19:53

Der Islam hat mit 10% (?) ganze Länder übernommen. Die Bolschwiki ("Mehrheitler") dürften in Rußland keine 10% an Stimmen erreicht haben, so diese zu vernehmen gewesen wären. Es braucht jedenfalls keine 40%, um ein System zu übernehmen.
"Die braunen Horden" - so ähnlich dämonisierte Hitler die Juden!
"Gruppen 43" - genau solche hat Hitler als "Schutzstaffeln" (SS, so nicht gewusst) eingesetzt.
Ob rot, ob braun, sie sind vom gleichen Baum!

Maiordomus
10. Januar 2019 20:44

@ "Der Hass existiert, und manchmal zurecht, und er fragt nicht nach dem Aquiner", von dem Sie glauben, er hätte ihn, wie ich, nie "kennengelernt". Ich schliesse aus, dass Sie des Aquinaten auf den Hass bezüglichen Kommentare zur Nikomachischen Ethik sowie zur Bibel angemessen studiert haben, ferner den Theologenhass untereinander im 13. Jahrhundert, der Epoche Dantes. Im Vergleich zum Wissen über Hass, das bei Jesus, Paulus, Thomas von Aquin bezeugt sind, sind Ihre Kenntnisse und Ihr Wissen mutmasslich noch ziemlich unterentwickelt; das hat aber indes nichts mit Gläubigkeit oder Ungläubigkeit zu tun. Karl Popper war sogar überzeugt, dass Hass bei Theologen und Ideologen intensiver verbreitet sei als bei Waffenfabrikanten, was man natürlich auch mit deren Abgrenzungsfanatismus (der Ideologen und Theologen) gut erklären kann. Und Dabei verstand aber ein Machiavelli mehr von Politik als Thomas von Aquin, weswegen gerade er vom Politiker im Zusammenhang mit der virtu optimale Freiheit von Hass und anderen ungezügelten Emotionen forderte, selbst Mordbefehle allenfalls zur Rettung des Vaterlandes sollten möglichst frei von Hass erteilt und ausgeführt werden. Noch schlimmer als Töten aus Hass findet er übrigens Enteignen aus genau dieser perversen, politisch völlig destruktiven Einstellung. Sie könnten aufgrund Ihrer Vernunftfähigkeit wissen, Herr Bettinger, dass es Leute geben könnte, die aus Erfahrung und Wissen mehr von Politik und vom Menschen verstehen als diejenigen, die hier hilflos über den Hass quatschen. Man stelle sich nur einmal das aktive und passive Hasspotential vor, welches im Leben zum Beispiel eines Paulus eine in der Tat denkwürdige Rolle gespielt hat. Über Himmel und Hölle schlug Friedrich Nietzsche als Inschrift am jeweiligen Eingangsportal vor: "Auch mich schuf der ewige Hass!" Vgl. FN, Zur Genealogie der Moral, 1887/88.

nom de guerre
10. Januar 2019 23:06

@ Ein gebuertiger Hesse
Zur Reaktion der AfD: Es mag sein, dass eine professionellere, da länger im Geschäft befindliche (wobei: in welchem Geschäft eigentlich? das, was da läuft, ist keine normale Politik in einem normalen Staat mehr; woran muss man sich eigentlich gewöhnt haben, um auf so etwas angemessen zu reagieren?) Parteiführung es anders gemacht hätte, aber könnten Sie den Beteiligten ggf. zubilligen, dass es sie kalt erwischt hat, dass sie vielleicht wirklich nach den ersten Bildern von Magnitz an eine lebensgefährliche Verletzung dachten und daher weniger abgeklärt reagiert haben, als es von weitem betrachtet wünschenswert erscheint? Auch wenn sie wie jeder andere auch natürlich wussten, dass mit so etwas zu rechnen war, ist es ein Unterschied, ob man eine Gefahr abstrakt kennt (und sie im vorliegenden Kontext mglw. nicht völlig ernst genommen hat) oder ob sie dann tatsächlich eintritt. Jeder dieser Politiker, die sich öffentlich dazu geäußert haben, weiß, dass ihn oder sie das genauso gut selbst hätte treffen können bzw. in Zukunft treffen kann - ich finde, das sollte man bei der Bewertung der Reaktionen in Rechnung stellen, ohne sofort den U-Boot- oder Dilettantismusvorwurf zu erheben. Davon abgesehen hat die AfD in diesem widerlichen Spiel offensichtlich die Rolle des geprügelten Schülers zugewiesen bekommen, der nach Meinung aller anderen, auch derjenigen, die bloß zuschauen, und des Lehrers, genau das bekommt, was er verdient, d.h., sie kann m.E. reagieren wie sie will, sie wird sich immer "als Opfer inszenieren", "es instrumentalisieren", "Tatsachen verdrehen", "Hass verbreiten" usw. usf.

Franz Bettinger
11. Januar 2019 01:50

@Maiordomus:
Es gibt neben Theologie und Philosophie Gebiete der echten (!) Wissenschaft, von denen Sie, verehrter Meister (jedoch nicht aller Klassen), wohl wenig verstehen, z.B. die Biologie, die Medizin, die Verhaltensforschung. Verzeihen Sie meinen unwürdigen ad personam-Kommentar, aber er könnte Ihnen vermitteln, wie wenig überzeugend oft Ihre Hinweise auf die 1001 Experten sind, die Sie alle in Ihrer Hosentasche mit sich rumtragen. Es ist schade, dass Sie es bei Ihrem sicher vorhandenen Wissen so selten verstehen, dieses auch an weniger Belesene zu vermitteln. Hinweise auf Ihre Bibliothek helfen da wenig. Butter bei die Fisch wäre besser.

Waldgaenger aus Schwaben
11. Januar 2019 07:48

Die Kommunikationsstrategie der AfD war wohl nicht optimal, aber am Ende vielleicht gar nicht so schlecht.

Die Staatsanwaltschaft hat in ihrem Eifer die Darstellung der AfD zu widerlegen, sehr schnell bekannt gegeben, dass es ein Video vom Tatablauf gibt und dessen Inhalt präzise beschrieben.
Die Existenz dieses Videos aus angeblich ermittlungstaktischen Gründen zu verschweigen und es dann eventuell versehentlich zu vernichten, geht jetzt nicht mehr. In anderen Fällen (z.B NSU, Barschel) ist es ja vorgekommen, dass Beweismittel plötzlich weg waren.

Nun will die Staatsanwaltschaft das Video veröffentlichen:

http://www.spiegel.de/politik/deutschland/frank-magnitz-ermittler-wollen-videoaufnahmen-veroeffentlichen-afd-ist-dafuer-a-1247495.html

Die Täter zu fassen ist nun nicht mehr so unwahrscheinlich. Da wird nun, ausser den Tätern, vielen die Muffe sausen. In welchen Organisationen und Netzwerken mögen die wohl aktiv sein?

Zum Thema Hass:
Wer es mit der Evolution rechtfertigt, dem Hass freien Lauf zu lassen, unterliegt dem Naturalistischen Fehlschluss, dem Trugschluss vom Sein auf das Sollen.
Vom Sein eines Antriebs oder einer Verhaltensweise kann man nicht auf das Sollen schliessen, dass sie gut ist.

Es stellt auch einen evolutionären Vorteil dar, wenn der neue Geschlechtspartner einer Frau die Kinder seines Vorgängers tötet, das kommt wohl auch bei Affen häufig vor. Auch bei Menschen besteht für Kinder ein größeres statistisches Risiko vom Stiefvater misshandelt oder getötet zu werden als vom eigenen Vater. Ethisch weniger verdammenswert ist es aber deswegen nicht.

https://de.wikipedia.org/wiki/Naturalistischer_Fehlschluss

MARCEL
11. Januar 2019 10:52

Ungesühnte Antifa-Gewalt wird Normalbürger abschrecken und davon abhalten, sich offen auf Demos etc. zu zeigen. Hinzu kommt der Druck am Arbeitsplatz.
Dieses Volk ist (im Westen ganz klar) für den Kampf mit offenem Visier noch nicht bereit.
Die gegnerische Strategie der massiven Einschüchterung scheint aufzugehen. Da nützt es wenig, zu wissen, dass dies die Strategie einer gescheiterten Sache ist.
Im verdeckten Kampf gilt es mehrere Strategien parallel zu fahren (auf eine eigene Feindaufklärung wird man dabei nicht verzichten können).
Auf den ersten Blick unverdächtige Themen und Schlagwörter müssten als Banner dienen, unter denen man den Normalbürger wieder ansprechen, sammeln und mobilisieren kann.
Cleverer sein als der Gegner, ihn überraschen und bloßstellen

quarz
11. Januar 2019 11:52

@Waldgänger

Der Vorwurf des "naturalistischen Fehlschlusses" gehört zwar seit gut einem Jahrhundert zur ethischen Folklore, hat aber dennoch keine uneingeschränkte Berechtigung. Andernfalls stünde er nämlich in einem Widerspruchsverhältnis zu einem noch altehrwürdigeren normativen Grundprinzip: "Ultra posse nemo obigatur." Demnach kann nichts geboten sein, was dem Handelnden unmöglich ist. Und insofern Evolutionsbiologie oder andere empirische Wissenschaften Grenzen des möglichen aufzeigen, lässt sich aus diesen Befunden (und der Prämisses dieses Grundprinzips) immerhin der negative Sollenssatz ableiten, dass dem Handelnden dies oder jenes nicht geboten ist.

Das Prinzip ist aufgrund seines formalen Charakters auch neutral gegenüber konkurrierenden metaethischen Grundpositionen und kann deshalb nicht wie etwa der ethische Naturalismus als solcher (der, nebenbei bemerkt, aufgrund neuerer Entwicklungen durchaus auch aktuelle Beachtung verdient) aus prinzipiellen Erwägungen wie etwa dem klassischen Einwand G. E. Moores verworfen werden.

Waldgaenger aus Schwaben
11. Januar 2019 23:04

Das Video ist jetzt online. Und eine Belohnung von 3000 Euro für die Ergreifung der Täter ist auch ausgesetzt. Es möge sich jeder sein Bild machen. Die Wirklichkeit unserer Epoche ist wohl zu kompliziert um sie mit einfachen Verschwörungstheorien zu erklären.

@Quarz
Zu mehr als zur ethischen Folklore reicht es halt bei mir nicht.
Deswegen verstehe ich auch nicht wie eine sicher berechtigte Regel für Einzelfälle: "Demnach kann nichts geboten sein, was dem Handelnden unmöglich ist."
gegen ein allgemeines Prinzip:
"Vom Zustand der Welt (Sein) kann nicht darauf geschlossen werden, wie sie idealerweise sein sollte (Sollen). "
in's Feld geführt werden kann.

Konkret:
Wenn ein Mann aus Hass und Zorn den Mörder seiner Frau und Kinder tötet, dann ist dies zwar verständlich und in Einzelfall kann er schuldlos oder nur mit geringer Schuld belastet sein, aber dass lässt nicht den Schluss zu, dass tief empfundener Hass und Zorn zu jeder Tat berechtigen, nur weil die Evolution - die Göttin unserer Zeit - Schöpferin dieser Gefühle ist.

Maiordomus
12. Januar 2019 11:53

Es ist gut, sind in Sachen Magnitz jetzt Videoaufnahmen veröffentlicht worden, wobei trotz noch vorhandenen Unklarheiten der politische, sicher nicht rein kriminelle Charakter des Niederschlags zum Vorschein gekommen zu sein scheint, wiewohl man die "Schlagverstärkung" in der Hand des einen Täters aus der noch vergleichsweise jugendlichen Schlägermeute nicht genau identifizieren kann. Es ist übrigens falsch, die Methode von Gandhi und Martin Luther King als nicht erfolgreich einzuschätzen, sie war langfristig erfolgreich, wobei jedoch der theoretische Hintergrund Henry David Thoreau ist, dessen Grundlagenschriften über den Widerstand gegen die Staatsgewalt ich auch europäischen Oppositionellen von heute sehr ans Herz legen möchte. Weniger die klar kriminelle Handlungen nie ausschliessende Methodik von Nelson und Winnie Mandela, deren heutiger Heldenstatus auf Wegschauen und Verdrängung beruht und im Sinne der Rassismus-Ideologie als rein parteilicher Heldenkult einzuschätzen ist.

@Bettinger. Was soll das heissen und wo liegt eigentlich Ihr Leistungausweis? Ich spreche seit Jahrzehnten an medizinhistorischen Kongressen, z.B. auch über die Geschichte des Krebses, bilde seit rund 40 Jahren Naturheiler weiter, stand in persönlichem Kontakt mit Irenäus Eibl-Eibesfeld, der letztes Jahr verstorben ist und dessen Beiträge zum Verhältnis Philosophie - Biologie ich meinen Abiturienten mehrfach nahe gebracht habe; beobachte ausserdem seit 1960 fast täglich Vögel, zuletzt vor ein paar Tagen den in Deutschland gerade noch mit 8 Brutpaaren präsenten Alpenstrandläufer, weil mir dieser Gesichtspunkt für Umweltpolitik relevanter zu sein scheint als das Abbeten des natürlich stets real existierenden Klimawandels; gehöre ausserdem zu den angeseheneren Tierschützern meines Landes, weil ich nachweisbar den Begriff "Würde der Kreatur" ins Verfassungsrecht eingebracht habe, wofür ich 2015 mit einem Award ausgezeichnet wurde. Natürlich sind aber meine praktischen naturwissenschaftlichen Kenntnisse mehr historisch, etwa die Geschichte des Thermometers betreffend, während ich Spitzenleistungen auf aktuellem Gebiet meinen Schülern überlasse, die zum Teil auf dem Gebiet der Chemie, der Logik, der Wirtschaft Spitzenleistungen erbracht haben, wobei sie in ihren Dissertationen oder bei öffentlichen Auszeichnungen unter ihren Lehrern mich regelmässig genannt haben. Wichtig bleibt freilich, dass man sich auf diesen wissenschaftlichen Gebieten, auch wenn man mit seinen Schülern längst nicht mehr mithalten kann, sich eine gewisse Zuhörkompetenz aufrechterhält; gilt zum Beispiel auch für das Gebiet der Atomtechnologie, bei welchen Spezialisten ich dank jahrzehntelanger Freundschaft mit einem führenden Strahlenschützer auch schon ein paar mal für kulturhistorische Referate aufgeboten war. Nicht gut bekam es mir jedoch für sogenannt liberale Magazine und Organe, dass ich mich z.B. im Streit um die Hayek-Gesellschaft sowie in Einwanderungsfragen, Genderfragen, historischen Einschätzungen eben regelmässigen auf der falschen Seite und in falschen Kreisen bewegte, was besonders im kirchlichen, geisteswissenschaftlichen und pädagogischen Feld, wie allgemein bekannt ist, nicht gerade gut ankommt. Unter "rechtsintellektuell" verstehe ich indes nicht gerade ein Meutenverhalten auf der Basis eines gemeinsamen Feindbildes. Eher schon eine wissenschaftliche Lebenseinstellung, für welche der einstige St. Galler Professor Rolf Peter Sieferle trotz seines existentiellen Scheiterns Massstäbe gesetzt hat.

quarz
12. Januar 2019 17:57

@Waldgänger

"Zu mehr als zur ethischen Folklore reicht es halt bei mir nicht."

War ja kein ad-personam-Vorwurf, sondern ein Hinweis auf die erstaunliche Tatsache, dass das Stoppschild "Kein Sollen aus Sein ableiten" seit langer Zeit mit geradezu ritueller Selbstverständlichkeit ins Treffen geführt zu werden pflegt, obwohl es keine allgemeine Gültigkeit hat.

"Deswegen verstehe ich auch nicht, wie eine sicher berechtigte Regel für Einzelfälle: "Demnach kann nichts geboten sein, was dem Handelnden unmöglich ist." ... "

Jede Regel ist eine Regel "für Einzelfälle", nämlich für all jene, die unter sie fallen.

" ... gegen ein allgemeines Prinzip:
"Vom Zustand der Welt (Sein) kann nicht darauf geschlossen werden, wie sie idealerweise sein sollte (Sollen). " in's Feld geführt werden kann."

Dieses Prinzip ist - wie dargelegt - eben nicht allgemein gültig.

"das lässt nicht den Schluss zu, dass tief empfundener Hass und Zorn zu jeder Tat berechtigen, nur weil die Evolution - die Göttin unserer Zeit - Schöpferin dieser Gefühle ist."

Das behauptet doch auch keiner.

Franz Bettinger
12. Januar 2019 23:19

@Maiordomus,
Sie fragen nach meinem Leistungsausweis? Der besteht in dem, was ich hoffentlich verständlich erkläre. Ihrer: in ihrer Vita, ihrem Lehrerstatus, den Lorbeeren vergangener Tage und den 1001 Quellen, die Sie zu nennen nie müde werden. Sagen Sie uns besser, WAS Thomas von Aquin zum Hass Wesentliches gesagt hat. DASS er dazu etwas gesagt hat, ist mir und wohl auch anderen hier schnuppe. Wir werden so nicht schlauer. Wenn es Ihnen aber gelänge, uns an den brillanten (?) Gedankenblitzen des berühmten Aquiners in einer kondensierten Form teilnehmen zu lassen, würde ich ihre Beiträge höher schätzen. Ohne es vielleicht selbst zu merken, ist Ihre Methode immer wieder das Autoritäts- und das Massen-Prinzip. "Ich, der Professor,..." oder "123 Experten glauben an Gott! Was unterstehen Sie kleiner Hund sich, dagegen anzubellen; wer sind Sie denn? Wo ist Ihr Leistungsnachweis?" (Den könnte ich locker erbringen, doch wozu?!) In der Tat kann man mit einer Auszeichnung und seinem Doktor- oder Professor-Titel bei vielen Leuten Punkte machen. Nicht auf SiN. Hier tummeln sich manche furchtlose und selbständige Denker, die dem 'Experten' zu misstrauen gelernt haben. Hier müssen Sie mit Fakten und Ideen und eben ganz anders überzeugen als mit Verweisen auf Ihre Veröffentlichungen. Hic Rhodos!

Juerg_Jenatsch
13. Januar 2019 00:34

@ Der Waldgänger Zum Thema Hass:
Wer es mit der Evolution rechtfertigt, dem Hass freien Lauf zu lassen, unterliegt dem Naturalistischen Fehlschluss, dem Trugschluss vom Sein auf das Sollen.
Vom Sein eines Antriebs oder einer Verhaltensweise kann man nicht auf das Sollen schliessen, dass sie gut ist.
Man sollte aber auch nicht den umgekehrten Fall des Moralistischen Fehlschluß begehen und vom Sollen auf das Sein zu schließen.
Franz Bettinger hat durchaus recht, daß die Verhaltensbiologie und dazu gehört auch unser Gefühlshaushalt Teil unserer menschlicher Natur ist. Dem steht nicht entgegen, daß eine gewisse Sublimierung und kulturelle Überformung oftmals angebracht ist. Das gilt aber nicht in allen Situationen. Unter bestimmten Umständen sollte man seinen Instinkte vertrauen.

Gustav Grambauer
13. Januar 2019 10:12

An alle, die das "Überwachungsvideo" ernst nehmen:

In Zeiten von AIVC

https://www.youtube.com/watch?v=AmUC4m6w1wo

hat kein Video mehr Beweiskraft, man kann alles manipulieren. Bei dem schemenhaften, grauschleierigen Material hätte das sogar jeder picklige Nerd zwischen Raviolibüchsen und Fantadosen ohne teure Ausstattung tun können, und was der kann, kann der Tiefe Staat erst recht. Darf doch ein wenig das anmahnen, was man in meiner Kindheit proletarische Wachsamkeit genannt hat. Das Geheimdienst-Seehoferpolizei-Antifa-Lügenpresse-Konglomerat liest hier fleißig mit, die rollen sich vor Lachen über soviel Gutgläubigkeit bei SiN. Das "Überwachungsvideo" nennt man im Geheimdienstjargon einen Lutscher. Beim Militär würde man Nebelkerze sagen.

Auch die Veröffentlichung des Fotos aus der Notaufnahme, nebenbei gesagt ein Kulturbruch, geschah offensichtlich im Interesse des lachenden Dritten. Es soll die Aggression umgelenkt werden, damit sie sich nicht so wie z. B. - begrüßenswerterweise - in Frankreich kanalisiert; Leute, schlagt euch endlich gegenseitig so richtig die Schädel ein, wir trinken derweil Schampus auf eure Kosten:

https://deutsch.rt.com/newsticker/82342-gelbwesten-protestler-zerstoeren-60-prozent-der-blitzer/

Übel, daß Magnitz in diesem üblen Spiel zusätzlich zu seinem Leid als Dummy mißbraucht wurde. Aber dennoch und gerade dennoch: nicht auf das Spiel hereinfallen! Kaltblütigkeit! Eisiges Mißtrauen!

- G. G.

quarz
13. Januar 2019 14:32

@Grambauer

Zur Sicherheit bekommen wir ja neuerdings die kanonische Exegese immer amtlich mitgeteilt: Chemnitz: "Hetzjagd", Bremen: "kein Gegenstand", ...

Waldgaenger aus Schwaben
13. Januar 2019 17:36

@G.G.
Enscheidend ist was hinten raus kommt, wie ein Bundeskanzler mal sagte. Werden die Täter jetzt aufgrund des Videos gefasst, ist alles gut. Wenn nicht muss man weitersehen.

Gerade der dritte Mann, der hinter den beiden anderen läuft und nicht in das Tatgeschehen eingreift, könnte, mit einem guten Anwalt, wohl straffrei ausgehen und die 3000 Euro mitnehmen, wenn er sich jetzt stellt.

@Juerg_Jenatsch @quarz
wir können uns wohl darauf einigen, dass der Schluss vom Sein aufs Sollen nicht zum alleinigen Prinzip der Ethikbegründung erhoben werden soll, aber eine gewisse Rolle schon spielen kann.
Meiner Meinung nach aber eine eher geringe Rolle.

Das Sein, wie es in diesem Kontext verstanden wird, wird heute von der Wissenschaft beschrieben.

Und ich halte wenig davon Wissenschaft zur Ethikbegründung heran zu ziehen. Erstens gehört zur Wissenschaft der Irrtum und zweitens erhebt dies die Wissenschaftler in den Rang von Klerikern, deren Grad der empfangenen Weihen über ihre moralische Autorität entscheidet: Akademischer Abschluss, Doktor, Professor: Diakon, Priester, Bischof

Und drittens ist der Wissenschaftler immer auch von der politischen Macht abhängig und wir nähern uns einem totalitären Staat, wenn die politischen Macht die "Kleriker" einsetzt, die dann die Ethik begründen.

Aus diesen Gedanken heraus habe ich etwas Bauchweh, wenn in ethischen Debatten Evolutions- oder Verhaltensbiologie oder gar die historische Wissenschaft angeführt wird.

Die Kirche im Gegensatz zur Wissenschaft hat den Vorteil, dass durch die Offenbarung und die Tradition ein Rahmen gegeben ist, ausserhalb dessen sich auch korrupte oder staatshörige Kleriker nicht dauerhaft bewegen können.

quarz
13. Januar 2019 22:23

@Waldgänge

"Meiner Meinung nach aber eine eher geringe Rolle."

Naja, immerhin lässt sich damit das Mantra widerlegen, das Grundgesetz "kenne keine Obergrenze".

Wie sich empirisch leicht belegen lässt und auch ohne wissenschaftliche Sonderanstrengung unmittelbar einleuchtet, ist es nicht möglich, beliebig viele Menschen in Deutschland aufzunehmen. Folglich gibt es eine Obergrenze dafür, was an Aufnahme möglich wäre. Nach dem Prinzip "Ultra posse nemo obligatur" besteht demnach keine Pflicht, mehr aufzunehmen als dieser Obergrenze entspricht. (Dass es darüber hinaus Gründe gibt, weshalb wir nicht einmal verpflichtet sind, diesen Rahmen auszuschöpfen, spielt für dieses Argument keine Rolle)

Die normative Obergrenze lässt sich also - im Verbund mit einem normativen Fundamentalprinzip - aus einer empirischen Prämisse ableiten. Da das Grundgesetz, wie alle normativen Systeme, der Normlogik unterliegt, "kennt" es alle Implikationen, die sich daraus ergeben. Es "kennt" also eben doch eine Obergrenze für die Verpflichtung der Aufnahme von Immigranten im Allgemeinen und Asylaspiranten im Besonderen.

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