Sezession
25. Januar 2019

Hans-Dietrich Sander – eine Ausschreibung

Götz Kubitschek / 34 Kommentare

Heute vor zwei Jahren starb mit Hans-Dietrich Sander einer der geistig radikalsten, aber faktisch ohnmächtigsten Denker der deutschen Rechten.

Götz Kubitschek

Götz Kubitschek ist Verleger (Antaios) und seit 2003 verantwortlicher Redakteur der Sezession.

Über das Werk Sanders und seine eigenwillige Person hat Siegfried Gerlich in der Sezession vor einem guten Jahr ein umfassendes und tiefgründiges Porträt verfaßt, lesen Sie bitte hier.

Sanders Beitrag zur Kräftigung nach der Wiedervereinigung war das Zeitschriftenprojekt Staatsbriefe. Er schuf mit ihnen eine anspruchsvolle (meta)politische und esoterische (je nach Neigung des Betrachters: versponnene oder geniale) Waffe im geistigen Kampf um die gute Zukunft für das deutsche Volk und seinen Staat.

Ein Leser schenkte uns sieben vollständige Jahrgänge der antiquarisch gesuchten frühen Staatsbriefe, von 1990 bis 1996, mit der Bitte, sie der Erinnerung an Dr. Hans-Dietrich Sander zu stiften. Die Hefte sind nicht taufrisch, sondern stark belesen, mit Stiften traktiert und durchgearbeitet, mit vielen An- und Unterstreichungen versehen - nichts für bibliophile Sammler, sondern für neugierige Leser.

Um an Sander zu erinnern, wird also der folgende Preis ausgelobt: Die genannten Staatsbriefe-Jahrgänge, dazu ein Exemplar eines brauchbaren zeitgenössischen biographischen Handbuches zur Staatstheorie erhält ein Beitrag, der sich mit der Frage auseinandersetzt, was das "Reich" für uns heute bedeuten könne: "Der Reichsgedanke im 21. Jahrhundert" ist das Thema. Nur Journalisten werden dabei an Braunhemden und eine totalitär formierte Gesellschaft denken, inspirierte Köpfe hingegen an Entwürfe, die der EU nicht gleichen.

Der Siegerbeitrag wird gut genug sein müssen, um in der Sezession abgedruckt zu werden. Er kann ein Essay oder ein strategischer politischer Text sein, aber auch ein Gedicht oder ein Lied. Etwas vom hohen Anspruch des Sander-Universums sollte der Gewinner spüren lassen - eine Erinnerung an den, der ernsthaft daran arbeitete, im Zeitalter von Globalisierung und Vermassung die staufische Reichsidee wieder zu erwecken.

Bei mehreren gleich preiswürdigen Einsendungen entscheidet nicht das Los; der Preis wird dann unter die Sander-Preisträger verteilt. Einsendeschluß ist der 17. Februar 2019. Einsendungen schicken Sie bitte an redaktion(at)sezession.de.

Sanders Werk wird derzeit von Heiko Luge im Verlag Arnshaugk herausgegeben - vier der auf zehn Bände angelegten Ausgabe sind bereits erschienen. Wer diesen auratischen Denker nach-lesen will, wird also hier fündig.


Götz Kubitschek

Götz Kubitschek ist Verleger (Antaios) und seit 2003 verantwortlicher Redakteur der Sezession.

Kommentare (34)

LotNemez
26. Januar 2019 12:37

Aus dem Konservativen Katechismus:
"Halt dich nicht damit auf, alles Alte zu bewahren! Der Konservative ist kein Trödler und kein Nostalgiker. Er will keine Konserven, in denen nur noch ein Schein des Lebens vorgewiesen werden kann. (...) Man muss auch Schritte machen, sich von Überkommendem zu trennen und soll nicht glauben, dass in jeder alten Hülle noch der alte Geist steckt. Es geht auch nicht um das Alte, sondern um das Erbe, nicht ums Archivieren sondern ums Tradieren. Es geht um den LEBENDIGEN ZUSAMMENHANG. Wenn der zerstört ist, bleibt Pietät vielleicht oder Trauer, aber nicht das, was die Anstrengungsbereitschaft des Konservativen wert ist."

Die hier formulierte Hürde hätte der Gewinnerbeitrag möglichst elegant zu nehmen. Außen rum zählt nicht! Ich bin gespannt und freue mich nach dem angekündigten Inhalt der Februarausgabe einmal mehr über mein junges Abo.

Niekisch
26. Januar 2019 13:58

"Die hier formulierte Hürde hätte der Gewinnerbeitrag möglichst elegant zu nehmen."

@LotNemez: das Sander - Universum habe ich damals als Autor und Leser der Staatsbriefe aber ganz anders kennengelernt. Das war weltanschaulich - philosophisch untermauertes, risikobereites Dissidententum von Menschen, die nicht nur über das ewige Reich redeten und schrieben, sondern es auch im Herzen trugen, weiterleben und neu verwirklichen wollten, allen Widerständen zum Trotz.

Solution
26. Januar 2019 15:27

HDS hat mir als Studenten mühevoll, mit großem persönlichen Einsatz, die Grundlagen des Schreibens beigebracht. Was ich am meisten geschätzt habe, war einerseits seine Geduld dabei, andererseits seine intensive, aber stets positive Kritik. HDS war immer für die Nachwuchsförderung bereit. Man fragt sich, wo er die Zeit hergenommen hat, die unzähligen, überwiegend handschriftlichen Briefe zu schreiben.

Die "Staatsbriefe" waren und sind das Beste, was je rechts veröffentlicht wurde. Ja, bis heute ist das so.

Was mich an der "Gesamtausgabe" stört, ist der misslungene Versuch, die Texte mehr oder weniger zu "aktualisieren".

Ich habe eine komplette Sammlung der Staatsbriefe, aber auch der "Deutschen Monatshefte", an denen er mitwirkte und wo er sogar eine gewisse Zeit Chefredakteur war. Über Dr. Sanders Gastspiel in der ersten Phase der "Deutschen Monatshefte" hört man nicht gerade viel, obwohl auch jene absolut lesenswert waren.

Der_Juergen
26. Januar 2019 15:39

Ich werde in Ermangelung von Zeit und Qualifikation nicht an diesem Wettbewerb teilnehmen, doch bereitet es mir tiefe Genugtuung, dass der Geistestitan Hans Dietrich Sander nicht vergessen ist. Ich habe seinerzeit die "Staatsbriefe" förmlich verschlungen; schon nach der Lektüre der ersten mir in die Hände geratenen Ausgabe begriff ich, dass Sander ein Mann von wahrhaft ungewöhnlicher Ehrlichkeit und Weitsicht war. Dass er einen so krassen Aussenseiter wie Michael Kühnen in seiner Zeitschrift zu Wort kommen liess - freilich nicht ohne Gegenrede -, hat mich besonders beeindruckt.

In den "Staatsbriefen" schrieb u. a. Gerhoch Reisegger, dessen Beiträge ebenfalls von ungewöhnlich hohem Niveau waren. Sander, der Protestant und Preusse, und Reisegger, der Katholik und Österreicher, haben sich gegenseitig gut ergänzt. Zu Spannungen zwischen den beiden Autoren kam es, als Reisegger, der als technisch geschulter Mann die Unmöglichkeit der offiziellen Version der Terroranschläge vom 11. September 2001 auf Anhieb erkannt hatte, als einer der ersten seinen Unglauben an diese Lesart bekundete, während es für Sander "eine elementare" Wahrheit war, dass nur Araber diese Anschläge begangen haben konnten.

Gustav Grambauer
26. Januar 2019 15:56

--- Kein Beitzrag, nur ein Kommentar: ---

Jeder hier kannt das Budde-Zitat aus "Heiliges Reich - Republik - Monarchie":

"Der Epochenwandel wird, wie es Kennzeichen jeder revolutionären Umwälzung ist, urplötzlich, urgewaltig und unwiderstehlich hereinbrechen ...".

Ja, Zustimmung, und Trump war dahingehend schon ein etwas gehaltvollerer Vorgeschmack als der vor diesem Hintergrund noch weitgehend unverstandene "Fall" der Mauer. Eichelburg überspannt maßlos, aber die Tendenz hat auch er erfaßt.

Ich weiß, viele hier bekommen bei dem Zitat von Budde glänzende Augen, aber werden wir mal konkret:

Über dem Wort Reichsidee steht mit flammenden Lettern "Vorsicht Instrumentalisierung!". Sehe mittlerweile, daß die letzte ernstzunehmende Aufwallung der Reichsidee im 19. Jahrhundert, daß womöglich große Teile des Wagnerschen Werkes (für mich als Wagnerianer eine bittere Erkenntnis ...) politisch gesehen nicht unwesentlich Begleitmusik zu Machinationen des Globalen Parasiten waren, die dieser im Wege seiner strukturlosen Steuerung über sein Logenwesen den Deutschen hat angedeihen lassen (um damals dem Dreibund ein starkes metaphysisches Fundament zu geben). Bitte anschnallen und tief Luft holen: es wird gemunkelt, daß Merkel, Schröder, Schäuble, Weidmann, Kaeser u. a. Mitglieder in den Logen "Der Ring", "Parsifal" und "Valhalla" sind (zwischen 1862 und 1881, also um die Reichsgründung herum gegründet), wundern würde es mich nicht, für mich liegt dies angesichts der auf dem Tisch liegenden Szenarien sogar nahe. Höre ab 31:48 bis 33:52 (die Untertitel sind leider etwas versetzt):

https://www.youtube.com/watch?v=npquQYwPiu0

Das Interview steht unter dem Thema "Hundert Jahre nach dem Ersten Weltkrieg" / "Wie Kriege beginnen", und es handelt vom Aufbau von Informationsfeldern für imperiale Kriege. Wüßte nicht, wie Bestrebungen zur Reichsidee hin immunisiert werden könnten gegen den - spätestens seit 1806 - offenbar als conditio sine qua non angelegten Mißbrauch mit der kurzen Hochzüchtung von deutschen Reichen von außen her zu Kriegszwecken / Stoßkeil-Zwecken - bei Einkalkulierung der späteren Zerschmetterung und zusätzlich der Zerschmetterung von möglichst viel an deutscher Substanz.

Eine Ausformung der Reichsidee müßte so stark konzipiert werden, daß sie unabhängig vom Mißbrauch durch fremde, feindliche Kalküle Bestand hat, zusätzlich müßte sie diese im Falle des Versuchs der Instrumentalisierung aus sich heraus aufsprengen können. (Aber in der Hinsicht sind die Deutschen sogar auf die mit viel billigeren Mitteln arbeitenden Nazis reingefallen.)

Werden die Verhältnisse das heute noch hergeben? Schon die Reichsgründung 1871, die in einem im Vergleich mit heute wesentlich unverdorbeneren geistigen Klima stattfand, war trotz einer fulminanten Welle der Romantik für die Reichsidee ein Rohrkrepierer, so daß Nietzsche sogar den Kehlkopfschnitt am deutschen Geist insgesamt - eben durch diese Reichsgründung - beklagen mußte. Immerhin war 1871 der deutsche Geist noch da. Wie wäre das erst heute, wo der deutsche Geist nicht nur exstirpiert sondern nahezu entröchelt ist?

Dafür lebt heute ein anderes Element stärker. Ich wage - in allem Respekt für den großen, verehrten, darf vielleicht sagen: seelenverwandten Sander - schon mal eine steile These: wir leben in einer Zeit, in der Joh. 18 / 36

"Mein Reich ist nicht von dieser Welt"

so stark zur Geltung drängt, daß gar kein Platz mehr für eine äußere Reichsidee ist, schon gar nicht für eine, die auf die Leimrute der ägyptisch-antiken Staatskonzeption und deren späterer Dekadenzen ginge; anders ausgedrückt, in einer Zeit, in der jede Reichsidee selbst dekadent wäre.

Wie wäre es, einmal anzunehmen, daß wir alle Könige und Königinnen bzw. Kaiser und Kaiserinnen, ja, sogar jeder von uns absoluter Herrscher in seinem Universum sui generis sei? Einen Anklang daran gab es in der Renaissance, am ausgeprägtesten bei den ernestinischen Herzögen in Thüringen (die formell eben weder Kaiser noch Könige waren), welche miteinander dank der damals außergewöhnlichen Erbfolgepolitik um das vollkomenste Herzogtum ergo Reich ergo Universum

https://www.gotha-adelt.de/adelsgeschichte/barockes-universum/

wetteifern konnten, übrigens maßgeblich getragen vom Protestantismus.

Heute ist dies im Prinzip für jeden Busfahrer möglich. Untertanen braucht er dafür nicht, darauf kommt es auch gar nicht an, eher schon andere "Kaiser und Kaiserinnen", die er in seiner "Pfalz" (vielleicht eine WBS-70-Platte in Berlin-Hellersdorf) mit standesgemäßem Gepräge empfängt bzw. die er mit der Erhabenheit besucht, mit der man einen Amfortas auf Munsalvaesche besucht. Der Anspruch wird einhergehen mit der sowieso gegebenen Notwendigkeit, in Zukunft seinen angemessenen Raum einzunehmen und zu verteidigen, den sonst andere einnehmen, vielleicht solche, die in naher Zukunft zynisch-grinsend und imperial abgesichert auf einer "Reichsidee" surfen. Der Anspruch wird einhergehen mit der im 21. Jahrhundert in Mitteleuropa sowieso gegebenen Zeitforderung kompromißloser Selbstverantwortung für alle Gedanken, Worte und Taten, der, würde er mit aller Konsequenz angenommen, jeden Billetkontrolleur, jede Polizei, jeden Staatsanwalt und jeden Richter überflüssig machte (und im unmittelbaren Leben der Betreffenden auch mittel- und langfristig überflüssig machen wird, die Betreffenden für die Massenjustiz unantastbar machen wird, schon wegen der grassierenden und zunehmenden Fragmentierung der Staaten).

Setzte sich die Reichsidee institutionell durch, müßte sich auch ein jeder als Untertan eines angeblich gottesbegnadeten (in Wahrheit zumeist verrotteten, bitte "schwarzer adel" googeln) Adelsschnösels ansehen, und zwar mit allen juristischen, insbesondere personenstandsrechtlichen Konsequenzen. Für meinen Teil: besten Dank, da ziehe ich für mich lieber die Apotheose vor. Die Verschrobenheit und Schrulligkeit der Briten ist nicht "liebenswürdig", sie ist pathologischer Ausdruck der Abgründe in ihrem Verhältnis zu Peerage und Gentry, bzw. gespiegelter Ausdruck derer pathologischer Abgründe. Es ist die Schrulligkeit von Leibeigenen, die eigentlich aus den Verhältnissen der Leibeigenschaft längst herausgewachsen sind.

Bin bestimmt nicht als Versöhner-statt-Spalter bekannt, aber die Restituierung des Adels in Deutschland wird auch so tiefe Risse bzw. Wunden in die deutsche Nation schlagen und den Bürgerkrieg so stark katalysieren, daß das hier eigentlich niemand wollen kann.

Sage immer: wären die Verhältnisse gesund (d. h. organisch konstituiert), so wäre es egal, ob Deutschland eine Demokratie oder eine Monarchie wäre, es würde keine Rolle spielen. Aber die Verhältnisse sind krank und es gieren nur Myriaden von Pfuschern nach Gelegenheiten zur Selbstprofilierung auf Kosten der allerletzten Rudimente an Gesundheit.

Wem die Reichsidee wirklich am Herzen liegt: ein anderer Weg wäre der evolutionäre, seinerseits organische, d. h. sie nicht mehr an den Anspruch der Ablösung eines Regimes zu binden, sogar wenn andere mit viel Tschingdarassabumm den Budde`schen "Epochenwechsel" vollziehen. Diese würden sich - zunächst - weniger an die sowieso fragwürdige Dimension der Staatlichkeit der Reichsidee anlehnen. Für solcherart Reichsidee-Träger wäre das Reich nicht mehr und nicht weniger als eine Ordination Gleichgesinnter, sein Territorium womöglich zunächst ein Privatgrundstück, ein solches Reich würde erst allmählich ausgedehnt und souveränisiert werden. Bei einer Entscheidung zur Verankerung im Geschichtsstrom können die Reichsinsignien später der Republik Österreich oder wem auch immer abgekauft werden, sofern sie nicht längst an irgendeinen Heuschreckenfonds verpfändet sind. Oder man pfeift darauf und stiftet einfach neue.

Das kann gut laufen so wie die Verhältnisse sich entwickeln, viele Kräfte mit ganz verschiedenen Intentionen arbeiten juristisch in diese Richtung, es wimmelt von Staats- und Reichsgründungen auf diese Art, es bestehen unzählige Staaten und Reiche insbesondere auf kleinen Inseln, auch viele der Yachten, Privatflugzeuge und Reisebusse der Millardäre sind de jure Staaten oder vielleicht auch Reiche, kleine fahrende Hoheitsgebiete mit diplpmatischer Immunität. Am meisten waren zwar nicht die Staufer sondern die Karolinger dafür bekannt, schon mal das Reich vom Pferdesattel aus regiert zu haben, die Historiker haben längst den Topos Reiseherrschaft geprägt, warum nicht daran anknüpfen. Lieschen Müller sieht auf RTL-II bei den "Geißens", daß am Heck der Yacht von Promi XY so eine "phantasievolle" Flagge weht und kommt nicht im Entfernstesten darauf, daß es sich um eine ernstzunehmende Hoheitsflagge handelt. Niemand wird in der Öffentlichkeit groß darüber reden, damit Lieschen niemals selbst auf den Gedanken kommt, einen Staat oder gar ein Reich zu gründen, zumal sie dann keine Steuern mehr zahlen würde. Auch viele Sekten bilden Keimzellen zukünftiger territorialer Reiche, kaufen Land soviel sie können, füllen ihre Konten, mischen in der Kommunalpolitik mit, in Deutschland z. B. das Universelle Leben von "Gabi" um Würzburg herum.

Oder denken wir an Wittenberg, welches die protestantische Kirche bekanntlich mit viel Geld zu einer Art kleinem Gegenvatikan hochziehen will. Hier gibt`s prächtigen Klamauk; jemandem, der ein wenig den kulturhistorischen Blick hat, rollen sich bei so viel Kitschsinnigkeit die Fußnägel hoch, F. erzählt auch von A bis Z nur bodenlosen Unsinn, und doch ist die Sache als Anzeichen und als Potentiale einer anrollenden Dynamik ernstzunehmen:

https://www.youtube.com/watch?v=wnNl6g2j4aE

- G. G.

Niekisch
26. Januar 2019 17:26

"Die "Staatsbriefe" waren und sind das Beste, was je rechts veröffentlicht wurde. Ja, bis heute ist das so".

@Solution 15:27: ….und es wird auch in Zukunft so gesehen werden. Warum? Weil das Äußere der Staatsbriefe Seriosität ausstrahlte, selbst Leute in Acht und Bann zu Wort kamen und die Themen sehr weit gestreut waren. Für mich war HDS der Stefan George und zugleich der Ernst Niekisch von Geschichte und Politik. Nie habe ich ihm für übel genommen, daß er mich erst zu einem Artikel über die alte Rechte bewegen ließ und anschließend der Betonköpfigkeit bezichtigte, obwohl der Inhalt das nicht hergab. Er hatte in der Tat vielleicht infolge seines überragenden Wissens und seiner konsequenten Haltung eine Neigung zu "elementaren Wahrheiten", wie der_Juergen meint.

Ehre seinem Andenken!

dAnnunzio
27. Januar 2019 09:21

Ich sehe dem Resultat der Ausschreibung mit Spannung entgegen, fällt mir selbst doch rein gar nichts ein, was ein wie auch immer geartetes Reich im 21 Jahrhundert noch für einen Sinn haben könnte...

heinrichbrueck
27. Januar 2019 12:46

Der Glaube darf kein Lückenbüßer für fehlendes Wissen sein. Deshalb die Reichsidee kein geschlossenes Denkgebäude, schließlich sind Glaube und Wissen getrennt, und die Ideen an ihrer Wirkung gemessen werden. Was in der Gegenwart so an jeden Mist geglaubt wird, hängt am eingetrichterten Wissen, welches Richtung und Ziel implementiert.
Die Reichsidee auch eine Frage der biologischen Qualität. Das gegenwärtige Erziehungsmodell unterschlägt die naturwissenschaftlichen Erkenntnisse Richtung Volkstod.
Eine Welt ohne Gewehre? Außerirdisch. Grambauer: "Sage immer: wären die Verhältnisse gesund (d. h. organisch konstituiert), so wäre es egal, ob Deutschland eine Demokratie oder eine Monarchie wäre, es würde keine Rolle spielen." Und genau deshalb wurde auch die Demokratie eingeführt?
Ein geschlossenes Denkgebäude ist immer der falsche Sieg. Und weiße Kinder können nur von weißen Eltern abstammen.

Niekisch
27. Januar 2019 13:20

""Mein Reich ist nicht von dieser Welt"
so stark zur Geltung drängt, daß gar kein Platz mehr für eine äußere Reichsidee ist,...."

@Gustav Grambauer 26.1.15:56:
vielleicht eine verbindende Zwischenlösung in Anlehnung an Josef Buchhorn:

Worte

Wort, für uns Glaube und aus dem Gewissen,
das uns der Not der Bedrängnis entrissen,
Wort, wie die Sonne uns Leuchtkraft der Welt,
das uns als Sinn unsres Wirken gestellt,
Wort, das uns Himmel und Erde zugleich:
liebes Deutschland aus innerem Reich!

Erstürbe die Sonne, verblichen die Sterne,
wären verhangen so Nähe und Ferne,
Hoffnung vergebens, vom Feinde bedrängt,
verbissen der Kampf, die Heimat umzwängt,
eins bliebe uns Seele und Wille zugleich:
unser unzerstörbares inneres Reich!

Hand in Hand zur Gemeinschaft verschworen,
wer durch die Ahnen als Deutscher geboren,
wer in der verworrenen heutigen Zeit
zum Streiten erkoren, zum Opfern bereit.
Wüchs unerträglich der Heimatseele Not,
höher als Leben und selbst als der Tod
bleibt, was uns Verheißung und Glück zugleich:
Geliebtes Deutschland, Du heiliges Reich!

Angesichts der Erlebnisse meiner Familie seit Mitte des 16. Jahrhunderts bei der schweren Arbeit im kargen Westerwald, bei Sedan, im Granathagel vor Verdun, in der eisigen Kälte von Stalingrad, im von Phosphor überschütteten Hamburg, im Kessel von Falaise und im Besatzungsterror 1945 und meiner Erfahrungen dürfte dieser Text nicht zu pathetisch sein.

Laurenz
27. Januar 2019 13:54

@Gustav Grambauer .... leider mußte ich Ihren Beitrag 3x lesen und nachschauen, was Apotheose heißt, bis ich Ihren Kommentar ziemlich gut fand. Muß das so sein?

In den letzten 25 Jahren hatte ich locker 15 Vorträge unterschiedlicher Reichsfetischisten ertragen, welche alle mehr oder weniger neue Reichsverfassungen entworfen hatten und als Möchtgern-Häuptlinge Indianer suchten.
Sie haben den föderalen Geist, mit all seinen Vor- und Nachteilen, der uns im Grunde ausmacht, "schön" beschrieben. Ich denke, dieser Geist ist älter als das deutsch sein an sich, und läßt einem wie auch immer gearteten Adel, ("erster unter gleichen") einen nur beschränkten Raum. Schon Arminius wurde für sein angestrebtes Königtum von seiner eigenen Sippschaft gemeuchelt. So sind wir wirklich. Die von Clodwig I begonnene Implementierung des christlichen Katholizismus "von Gottes Gnaden", einer juristischen christlichen Revolution von oben zu Lasten der Freien, wurde zu einem permanenten Kampf ("Götz von Berlichingen") und erst im 16. Jahrhundert zu unserem Leidwesen beendet. Die römisch-christliche Aushebelung eines Ausgleichs zwischen Täter und Opfer verfolgt uns bis zum heutigen Tag. Die wenigsten sogenannten Reichsideen werden davon abweichen, sind daher abzulehnen. Und wenn wir deutsche Geschichte betrachten bleibt es mir vollkommen schleierhaft, warum das "Deutsch-Sein" immer nur den Status eines Attributs erhält, wie "Das Deutsche Reich" oder Scheidemanns "Es lebe die -Deutsche- Republik". Auch in der Bundesrepublik Deutschland steht Deutschland erst an 2. Stelle. Was soll das? Wo und wem ist der Patriot verpflichtet?
Welche Staatsraison das Deutsche Volk auch zukünftig zugrunde legen wird, es ist unser Land, das Land der Deutschen, daher reicht "Deutschland", in meinen Augen, völlig aus.

Weltversteher
27. Januar 2019 15:43

Vielleicht müßte man zuerst den Begriff bilden. "Was ist ein Reich?"

Dann ergiebt sich womöglich auch Klarheit, ob es ohne eine Adelskaste nicht zu denken wäre. Und ob es dafür, was noch unwahrscheinlicher ist, auf die übriggebliebenen Namensträger des historischen deutschen Adels ankäme.

Ich habe jedenfalls in der Ausschreibung nicht zwingend von einem "Deutschen Reich" gehört.

RMH
27. Januar 2019 16:41

Ich bin auch gespannt auf die Ergebnisse des Wettbewerbs und hoffe auf breite Darstellung der Ergebnisse. Leben und Werk von Denkern, wie das von H.D.S., erinnern an Zeiten, wo das große Auge seinen Blick noch gen Osten gerichtet hatte und eine antikommunistische Haltung ausreichend war, um von größeren Repressionen halbwegs verschont zu sein und sein Brot verdienen zu können. Es gab dann noch die kurze Phase denkerischer Freiheit in den 90ern, als der Zusammenbruch der östlichen Hemisphäre kurzzeitig leicht anarchische Freiräume eröffnete, aber spätestens mit Beginn des neuen Jahrtausends werden die Schlingen täglich enger gezogen. Konstatieren wir ehrlich, Leute wie ein H.D.S. müssten heutzutage in aller Regel schon mit einem guten Vermögensstock geboren worden sein (oder ihn erheiratet haben), wenn sie nicht verhungern wollen.

Und wer heutzutage das Wort „Reich“ außerhalb einer Mediävistik-Vorlesung gebraucht, dem wird daran – ob zu Recht oder nicht, ist dabei egal, denn der Zweck heiligt die Mittel - sofort der „-bürger“ rangehängt, was die Tore zur psychiatrischen Verwahrung recht schnell und sehr weit öffnet. Umso mehr gilt es daher Früchte aus den Zeiten freieren Denks zu erhalten und zu ziehen, in diesem Sinne:

„Man darf nicht zögern, Theoretiker zu sein; man muss auf allen Fronten angreifen. Eine Überdosis Theorie erzeugt eine eigenartige Dynamik“ (Michelle Houellebecq, Gespräch mit Jean-Yves Jouannais und Christophe Duchâtelet, Februar 1995, veröffentlicht in „Die Welt als Supermarkt“).

Waldgaenger aus Schwaben
27. Januar 2019 17:08

Vielleicht erleben wir gerade die Geburt eines Reiches aus der Tragödie der EU.

Träten nach GB auch die romanischen Länder Frankreich, Italien,Spanien und Portugal aus, wäre die Rest-EU nichts anderes als großdeutsches Reich.

Spannender ist die Frage, was wäre, wenn nur ein Teil der romanischen Länder austräte, oder diese sich gar auflösen würden, Norditalien, Katalonien, der Osten und Norden Frankreich in der EU der Rest nicht.
Auch aus diesen Splittern könnte ein neues Reich wachsen mit Deutschland als Zentrum.
Möglicherweise kann sogar die gesamte EU ohne GB zum neuen Reich werden.

Quer zu diesen Gedanken über ein neues Reich geboren aus den Trümmern der EU, stehen die Rechtspopulisten in allen betroffenen Ländern. An denen könnte es scheitern.

Damit wäre ein Text für den Wettbewerb skizziert. Ihn auszuformulieren fehlen mir Talent, Bildung und Zeit.

Franz Bettinger
28. Januar 2019 11:17

Michael Winkler hat ein ganzes Buch über ein visionäres Vierte Reich geschrieben, sehr detailliert und interessant! https://www.michaelwinkler.de/ oder direkt zum Buch: https://www.michaelwinkler.de/Beschreibung4.html

Darin: "Wir leben in den letzten Tagen des uns vertrauten Staates, in den letzten Tagen trügerischer Ruhe. So wie 1910 bereits der Keim zu zwei Weltkriegen und zum Ende des Kolonial-Zeitalters gelegt war, so ist auch heute schon die Zerstörung dessen absehbar, was uns noch stabil erscheint. Es ist zu spät, die alte Bundesrepublik zu retten. Die Politiker, die diesen Staat an sich gerissen haben, wissen nicht mehr weiter. Es geht ihnen um den Erhalt von Privilegien, nicht um das Wohl des Landes. Das jetzige System lässt uns vor seinem Zusammenbruch noch die Zeit, ein Konzept für eine bessere Zukunft zu entwickeln, ein Konzept, wie Deutschland einmal aussehen soll. Wenn der Staat sich auflöst, in der kommenden Stunde Null, ist es zu spät, Konzepte zu entwickeln. Wenn dann nichts in der Schublade bereit liegt, wird improvisiert und der Not folgend auf die Schnelle organisiert, was wohldurchdacht aufgebaut werden sollte. Dieses Buch ist eine Anleitung für den Aufbau eines besseren Staates, der die Fehler der Vergangenheit meidet."

Ansonsten finde ich wie @Laurenz, man sollte auf das Attribut "Reich" verzichten. Deutschland, so soll mein Land heißen, ohne Zusatz.

Zur Definition: Die Deutsche Nation reicht über den Staat der BRD hinaus. Die Nation umfasst alle Länder, in denen mehrheitlich Deutsche leben, also auch Österreich und den deutschen Teil der Schweiz. Ein Reich aber müsste über die Nation hinausgreifen, ein Reich herrscht also über andere, fremde Länder, siehe das Römische Weltreich, oder The British Empire oder das Empire Napoléons. Gab es je ein solches Deutsches Reich? Das Heilige Römische vielleicht? Und war es gut? Nachahmenswert? Kann man sich solchen Imperialismus für die Zukunft erneut vorstellen oder gar wünschen? Ich nicht. Die Reichsidee steht der Identitären Idee diametral entgegen. Veto!

Niekisch
28. Januar 2019 11:56

"Frage....., was das "Reich" für uns heute bedeuten könne: "Der Reichsgedanke im 21. Jahrhundert" ist das Thema. Nur Journalisten werden dabei an Braunhemden und eine totalitär formierte Gesellschaft denken, inspirierte Köpfe hingegen an Entwürfe, die der EU nicht gleichen".

Eine schwierige Fragestellung: einerseits die Frage nach dem Reichsgedanken, andererseits die Frage nach "Entwürfen" wohl völkerrechtlich wirksamer Natur nach staatsrechtlichen Grundsätzen. Am ersteren können sich Viele beteiligen, am zweiten wohl nur Verfassungs- und Völkerrechtsexperten. Denn wie ist mit dem ausweislich der Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts nach wie vor existierenden, aber derzeit organlosen Deutschen Reich (von 1937) umzugehen? Es ist ja ein Faktum, nicht nur ein Gedanke.
J e d e r Versuch eines Entwurfs muß von ihm ausgehen.

Antworten zum Reichsgedanken sollten frei gegeben werden können, nicht durch prophylaktische Selbstzensur" beschränkt. Denn "die Gedanken sind frei". So singen doch gerade wir und wollen uns nicht vom freien Denken, Schreiben und Reden abhalten lassen. Warum sollte nicht auch ein Gedanke von Christoph Steding oder von Friedrich Alfred Beck einfließen? Letzterer hat einen brauchbaren Ausgangsgedanken liefert: "Sobald die Reichsmacht versank, war nicht nur das Gefüge des Reiches, sondern auch das Gefüge der Welt bedroht, mindestens aber die Zukunft Europas fraglich geworden".

Gustav Grambauer
28. Januar 2019 17:43

Rundumschlag, kann gar nicht so viele aufzählen wie ich anspreche:

So wie ein Rechtsinstitut in der Jurisprudenz eine theoretische Figur und nicht etwa ein Lehrgebäude bezeichnet (denn wiederum akademisch, wissenschaftmethodisch ist ein Lehrgebäude nicht als Bauwerk auf dem Campus sondern als didaktische Konzeption definiert) so ist auch der Begriff Reichsidee ein kulturgeschichtlicher und theologischer terminus fixus, den man nicht frei-assoziierend von Grundwort und Bestimmungswort her herleitet. Auch eine IT-Architektur bezeichnet kein aus Computergehäusen zusammengestapeltes Bauwerk und, kann mir den Gemeinplatz nicht verkneifen, ein Zitronenfalter faltet keine Zitronen.

- G. G.

Franz Bettinger
28. Januar 2019 22:01

@Grambauer:
Und der wäre, dieser terminus fixus? Diese fixe Idee der Theologen? Geht ein bisschen mehr zur Idee des Reiches? Wir niederen Geschöpfe, die einen harten Beruf gelernt haben, würden das gerne wissen, ohne Philosophie und Theologie und leider auch Juristerei studieren zu müssen. Ich meine, deshalb sind wir doch hier auf SiN. Wir möchten etwas von Ihrem Wissen haben, in verständlicher !! Form. Ist das wirklich zu viel verlangt ??

Franz Bettinger
29. Januar 2019 04:58

Allen, die turnusmäßig beklagen, dass das Niveau auf SiN gesunken sei, sei gesagt: Hebt es! Strengt euch an und kommentiert besser! Redet nicht bloß, sondern befolgt (oder erträgt wenigstens passiv) ein Gebot aus der Bibel der Konservativen: "Mach dich unbeliebt. Verblüffe deine Feinde." Aber nicht nur die, sage ich, verblüffe auch deine Freunde. Fordere sie heraus. Halte ihnen den Spiegel vor. Konfrontier sie mit ihren Lebenslügen und Widersprüchen. Mach es ihnen nicht bequem, deinen werten Freunden. Kreuze die Klinge mit ihnen, auf dass alle zusammen bessere Kämpfer werden! Ha, ich gebe zu, dieses Talent wurde einigen in SiN-City in die Wiege gelegt, Gott sei Dank! "Seine gute Erziehung darf einen Konservativen nicht an der notwendigen Klarheit und Grobheit hindern." Nix für ungut, aber das fordere nicht nur ich, sondern der große Karlheinz Weißmann. Ja, klar, es gibt Grenzen des guten Geschmacks. Nicht alles sollte durchgehen.

Niekisch
29. Januar 2019 11:04

@Franz Bettinger:
Das ist eben bei den heutigen konservativen Menschen das Problem: sie wollen in erster Linie beobachten und bewahren, wir hingegen umstürzen und neu erkämpfen. Das wirkt sich auf den Diskurs aus.
Ihrer Anregung folgend die Frage an Sie: wieso muß ein Reich die Grenzen überschreiten, wieso muß es imperialistisch sein? Wieso steht die Reichsidee der identitären Idee diametral entgegen? (28.1. 11:17)
Geht die Entwicklung nicht ohnehin weg vom äußeren Reich zum inneren Reich als Überlebenshilfe für demnächst völlig überfremdete Deutsche?

Franz Bettinger
29. Januar 2019 11:47

@Niekisch: Nennen Sie mir ein Reich, das seine Grenzen nicht überschritten und andere Völker nicht unterjocht hätte! Ich jedenfalls habe Kubitscheks Frage nach einer neuen Reichs-Idee nicht als theologisch ("inneres Reich"), sondern als konkret gemeint verstanden. Konkrete Reiche reichen nun mal über die eigenen Staats- und Nationen-Grenzen hinaus. Es sind Imperien, handeln imperilaistisch, und davon habe ich die Nase voll. - Die Idee der Identität hingegen ist genial. Mit identitär haben die Identitären, so nehme ich an, ein Wort gesucht und gefunden, das (anders als Volk und Nation, die dasselbe meinen) nicht verbrannt war. Deshalb die irre Anstrengung der Lügenpresse, auch diesen schönen und paneuropäisch verständlichen Begriff zu verbrennen, und leider macht die in diesem Fall dumme AfD das perfide Spiel Deep State's mit.

Niekisch
29. Januar 2019 12:23

@Gustav Grambauer 28.1.17:43:
Ja, ein Zironenfalter faltet keine Zitronen und wer nicht wenigstens versuchsweise inhaltsgemäß liest und zitiert, der liest und zitiert garnicht. In dem Beitrag v. 28.1.11:56 ist weder von einem Rechtsinstitut noch von einem juristischen Lehrgebäude die Rede, sondern von einer praktischen Rechtsanwendung aufgrund "herrschender" höchstrichterlicher Rechtsprechung, die nun einmal auch beim Gedankenfassen zu berücksichtigen ist. Und ein Lehrgebäude ist für den Juristen keine didaktische Konzeption, sondern ein Werkzeugkasten, in dem die verschiedenen Rechtsinstitute beim Tragen klackern. Und da im Kasten überwiegend Dunkelheit herrscht, dringen neue wissenschaftliche Erkenntnisse, insbesondere neurowissenschaftlicher Natur, nicht zu den stumpf gewordenen Werkzeugen durch, weswegen diese Wissenschaft auch für mich immer anfechtbarer wird.

Werter Herr Grambauer, falten wir in einer ruhigen Stunde gemeinsam ein Origami-Häuschen mit §§§§ am Dachfirst?

Der_Juergen
29. Januar 2019 13:07

@Franz Bettinger

Sie schreiben: "Verblüffe auch deine Freunde. (…) Konfrontiere sie mit ihren Lebenslügen und Widersprüchen."

Gerne, lieber Freund Bettinger. Ich konfrontiere Sie als eingefleischten Atheisten also mit der auf diesem Forum von mir vor geraumer Zeit aufgeworfenen und von keinem beantwortete Frage, wie sich ein so schwindelerregend kompliziertes Phänomen wie ein lebendes Wesen durch eine unendlich lange Kette von Zufällen spontan, ohne Zutun eines Architekten, gebildet haben kann, während noch kein Mensch je behauptet hat, aus einem Felsbrocken werde mit der Zeit ein Cadillac (also ein im Vergleich zu einem Menschen oder Tier weitaus einfacheres Objekt), wenn man der Evolution nur genügend viel Zeit lasse.

Jenem Foristen, der hier seit kurzem vermutlich nicht nur Maiordomus und mich, sondern auch etliche andere dadurch nervt, dass er seine unzureichende Bildung und die geringe Überzeugungskraft seiner Argumente durch einen aggressiven und schnoddrigen Ton wettzumachen versucht, stelle ich diese Frage nicht, weil er nicht mein Freund ist.

Valjean72
29. Januar 2019 14:05

@Niekisch:
"Ihrer Anregung folgend die Frage an Sie: wieso muß ein Reich die Grenzen überschreiten, wieso muß es imperialistisch sein?"
---

Ich bin zwar kein Linguist aber ich wage zu behaupten, dass das deutsche (germanische) Wort "Reich" nicht deckungsgleich mit "Imperium" ist.

Ein paar Beispiele:
Himmelreich, Schattenreich, Reich der Träume,
ostfränkisches Reich etc pp.

In den Niederlanden gibt es beispielsweise die Reichsuniversität ("Rijksuniversiteit") zu Groningen.

Und das schwedische Parlament lautet auf schwedisch "Riksdag" (Reichstag)

Schlussfolgerung: Der deutsche Begriff "Reich" ist keineswegs böse, wie man uns glauben lassen will.

Michael B.
29. Januar 2019 17:04

@Der_Juergen

> als eingefleischten Atheisten also mit der auf diesem Forum von mir vor geraumer Zeit aufgeworfenen und von keinem beantwortete Frage, wie sich ein so schwindelerregend kompliziertes Phänomen wie ein lebendes Wesen durch eine unendlich lange Kette von Zufällen spontan, ohne Zutun eines Architekten, gebildet haben kann

Diese sie selbst ja letztlich definierende Frage der Kreationisten ist ja nun ueberhaupt nicht neu und erschroecklich. Antworten dazu aus atheistischer Sicht finden sich in Lektuere zum blinden Uhrmacher bei Dawkins oder auch dessen "The God Delusion" in doch mittlerweile schon lang abgehangener Form selbst in dieser populaerer Auspraegung. Wir - die Atheisten und Agnostiker - koennen das auch in den meisten Faellen (selbst bei nur leichter Belesenheit) aus dem Hut ziehen.

Aber darum geht es doch gar nicht, egal wie gut oder schlecht Dawkins' Erguesse nun sind. Die Frage ist fuer viele von uns einfach nicht wichtig genug, so sehr das nun eine - manchmal denke ich, schon narzisstische - Kraenkung fuer viele Glaeubige darstellt. Es sind naemlich gar nicht so viele Unglaeubige Atheisten als eher Agnostiker, in den meisten Faellen attributisiert als 'atheistischer Agnostiker'. Im Allgemeinen wird der Agnostiker als schwacher Bruder des Atheisten hingestellt, aber eigentlich hat er eine eigentliche noch staerkere Position als dieser: Eben dieses Betrachten der gesamten Frage als eher marginal. Warum und weshalb, darueber kann man trefflich streiten. Das hilft aber in der gegenwaertigen Situation ueberhaupt nicht weiter und zersplittert nur Kraefte. Kann man sich diesen Kram nicht einmal fuer spaeter aufheben und etwas geeigneter priorisieren?

Niekisch
29. Januar 2019 17:20

@der_Juergen: ein wunderbares Buch in diesem Zusammenhang: Schrott, Raoul, Erste Erde Epos, Hanser.
Seit einiger Zeit ist bekannt, inwiefern aus dem All zu uns gelangte Mineralien über die Bildung weiterer, neuer Mineralien auf der Erde zur Menschheitsentwicklung beigetragen haben. Es gibt immer wieder neue Erkenntnisse, nur nicht hinsichtlich eines Architekten.

@Valjean72:
Das Wort Reich dürfte von gemeingermanisch Herrscher, Fürst, König abgeleitet sein und dann zur Bedeutung "einem Herrscher untertäniges Gebiet, Herrschaftsbereich" gelangt sein. Im Deutschen bezeichnet das Wort das Deutsche Reich sowie die Stände des Reiches. Franz Bettinger meinte, ein Reich müsse Grenzen überschreitend angelegt sein, ich hingegegen halte das nicht für zwingend. Die Weimarer Republik war Deutsches Reich, verhielt sich nicht imperialistisch, wurde vielmehr von anderen Staaten - Polen, Frankreich - imperialistisch bedrängt.

Die Niederländer gehen tatsächlich zwanglos mit ihrem rijk um, haben das rijksmuzeum und den rijkswaterstaat.

Franz Bettinger
29. Januar 2019 17:27

@Jürgen:
Es ist die Uhr-Uhrmacher-Allegorie, lieber Jürgen, auf die Sie anspielen. Nichts ist leichter, als diese zu widerlegen. Eine (für einen Laien) so komplexe Sache wie eine Uhr, die man in der Heide findet, müsse doch wohl einen Macher haben, heißt es. Und so verhalte es sich natürlich auch mit dem Rest der Welt, mit der Pflanzenzelle zum Beispiel (die übrigens weit weit komplexer ist als eine Uhr, und die vom Menschen nie nachgebaut oder auch nur verstanden werden kann). Es müsse für diese komplizierten (und also nicht auf Zufall beruhenden Dinge) "einfach einen Schöpfer" geben.

Meine Antwort: Der Macher der Uhr ist der Mensch, also ein viel komplexeres "Ding" als die Uhr. Der Macher der Pflanzenzelle und der ganzen Welt soll (ein) Gott sein. Gut, aber der muss dann noch komplexer sein als Uhr, Mensch und Welt zusammen genommen. Und da komplexe Dinge - angeblich nach der Logik im Uhrmacher-Gottes-Beweis - nicht von selbst oder zufällig entstehen können, muss Gott ebenfalls von jemandem gemacht worden sein. Von wem?? Und so weiter und so weiter!

Lieber Jürgen, Atheisten wie ich sind einfach bescheidener, als es gottesgläubige Menschen sind, und sagen: Ich weiß nicht. Ich weiß nicht, wie aus einem Felsbrocken und Eisen und ein paar anderen Zutaten aus dem Perioden-System der Elemente ein Cadillac entstehen kann (obwohl wir ja gerade dies mittlerweile wissen). Damit kann man leben. Ich jedenfalls. Für mich bleibt die Antwort nach dem Sinn meines Lebens: offen. Damit das so ist, muss das Leben allerdings schön sein. Daran muss man arbeiten, von klein an: dass das Leben lebenswert ist und bleibt. Damit meine ich gar nicht den Hedonismus (obwohl ich auch den nicht klein reden will). Die Vorstellung einer Evolution ist mir ein fast genauso großes Rätsel wie Gott. Nein, ich muss nicht alles wissen, es genügt, wenn ich morgens aufstehe und das Gold der Sonne auf dem Bergkamm liegen sehe. Es genügt, was ist. Und darin liegt der große Unterschied zu allen Religionen, die uns keineswegs "rückbinden", sondern anbinden, fesseln, verarschen! Der Sklave Mensch soll nicht im Diesseits seinen Sinn suchen; alle Religionen vertrösten ihn auf ein Jenseits. Das ist der uralte Trick der Mächtigen, für Ruhe im Karton zu sorgen. Ego non!

Seydlitz
29. Januar 2019 17:31

@Valjean72:

Endlich sagt's mal jemand. Sie haben völlig recht: "Reich" ist nicht Empire oder Imperium.
Rolf Schilling hat dazu in seinem Essay-Band "Das holde Reich" (problemlos via Antaios zu bestellen) schon 1984 Wesentlichstes gesagt. Lektüre sei allen hier dringend empfohlen. Zitat:"Das Reich kann -wie alles Wesentliche- nicht begriffen, sondern nur erschaut werden".

Das ist übrigens auch ein Maßstab, an dem sich die Teilnehmer an Herrn Kubitscheks Ausschreibung werden messen lassen müssen.

Bezeichnend, dass unsere Feinde in zwei Weltkriegen Deutschland kurzweg "The Reich" genannt haben
und nur selten German Empire. Es war das sichere instinktive Gefühl, etwas gegenüber zu stehen, dessen Kern
ganz anders geartet war als der ihre und dessen Wesen sie letzlich nicht verstehen konnten.

Natürlich war das zweite Reich schon stark von den Mächten des Materialismus und Nihilismus angekränkelt, was Nietzsche zu seiner bitteren Bemerkung betr. Exstirpation des deutschen Geistes führte und was Stefan George sich nach dem "Neuen Reich" sehnen ließ, welches sich -jedenfalls zunächst- nur in einem "Geheimen Deutschland" finden ließ.
Es war "jenes ewige Deutschland, zu dem wir alle gehören", wie Winifred Wagner dies einmal formuliert hat.

Siehe hierzu Sezession Nr.6 von 2004 mit Kubitscheks Aufsatz "Schwert des Geheimen Deutschland" und das perfekt dazugesetzte Gedicht von Rolf Schilling. Kann hier im Sezession-Archiv aufgerufen werden - bitte alle mal auswendig lernen, das hilft ungemein.

Jedenfalls bleibt das Wort des Hölderlin-Herausgebers Norbert von Hellingrath, der für Deutschland 1916 gefallen ist, bestehen, dass der innerste Glutkern des deutschen Wesens tief unter der (inzwischen noch gewaltig angewachsenen) Schlackenkruste seiner Oberfläche unversehrt ist.
Und wie Ihnen jeder Seismologe bestätigen wird:
der Vesuv ist seit langem nicht mehr explodiert - aber der nächste massive Ausbruch (je später desto heftiger) kommt bestimmt, denn tief unten rumort es immer noch ganz gewaltig im Berg.

Gustav Grambauer
29. Januar 2019 20:14

Franz Bettinger

Werde mich bemühen, mich im Stil verständlicher zu machen, mich vor allem in kürzeren Sätzen auszudrücken. Inhaltlich kann ich Ihnen nichts abnehmen, Budde sagt dazu (zugleich meine Erwiderung auf Niekisch):

"Die Behandlung der Monarchie als Staatsform (man könnte auch sagen: die Behandlung der Reichsidee, - G. G.) kann sich ... nicht in staatsrechtlichen Abgrenzungen zur Demokratie erschöpfen sondern setzt eine Auseinandersetzung mit theologischen, ideengeschichtlichen und staatsphilosophischen Gesichtspunkten voraus." - "HR-R-M", Seite 12

Wikipedia mögen wir alle nicht, aber hier ist die Reichsidee, wie gesagt ein topos fixus, schon mal gar nicht so schlecht umrissen:

https://de.wikipedia.org/wiki/Reichsidee

Die Schwäche des Wikipedia-Artikels liegt in der - selbstverständlich gewollten - empirischen Befangenheit. Rechnen wir das Fehlen von Aussagen z. B. zu folgenden Gesichtspunkten der Kürze an:

- die Herausarbeitung der Zweigewaltenlehre und dabei, sprechen wir von der Hochblüte der Stauferzeit, der Gegenpole Ghibbelinen vs. Guelfen (ohne den man die Europäische Aktion von Bernhard Schaub nicht versteht)

- der Figur des Katechon

- des Ausblicks nach Osten "Moskau - das Dritte Rom"

Daß Wikipedia jüngere und heutige Reichsidee-Vorstöße sowie, auf BRD- und EU-Treibsand stehend, juristische Grundlagen unerwähnt läßt, ist klar.

Wir wollen hier Hans-Dietrich Sander würdigen. Da er einer meiner großen Vorbilder in Querdenkerei ist, habe ich mir oben herausgenommen, sehr weit auszugreifen, aber doch in ungefährer Kenntnis der Ausgangsbasis

https://antaios.de/search?sSearch=sander
http://www.arnshaugk.de/index.php?autor=Sander,%20Hans-Dietrich%20(Hg.)

insbesondere:

https://antaios.de/buecher-anderer-verlage/aus-dem-aktuellen-prospekt/23913/der-ghibellinische-kuss

und nicht an ihr vorbei, wie hier teilweise demonstrativ.

Noch einmal Dirk Budde:

"Die wahre Monarchie ist im Herzen der Menschen verankert, setzt allerdings ein gewisses geistig-sittliches, religiöses Bewußtsein voraus. Nur umfassende Änderungen auf geistig-sittlichem und religiösem Gebiet können daher den Weg zur Monarchie freimachen." - "H-R-RM", Seite 10 (Habe ein Expl. ohne Angabe der Auflage.)

Nicht bei Antaios gelistet:

http://www.verlag-anton-schmid.de/139-heiliges-reich---republik---monarchie.html

- G. G.

LotNemez
30. Januar 2019 01:51

Das Reich ist die Sphäre, der "Bereich", in dem sich ein Wille entfaltet. Stößt ein Wille auf einen anderen, ist dort die Grenze seiner Gültigkeit "erreicht". Ein Reich ist umso "reicher", je umfassender es sich im Willen durchdringt. Es ist im Willen angereichert, gesättigt, seine Essens, sein Geist. Es verarmt, verdünnt sich, wenn ihm der Wille um seiner selbst Willen nicht mehr "reicht", wenn es etwas hinzu nimmt, um über seine Grenze hinauszureichen.

"Mein Reich ist nicht von dieser Welt." Mein Wille durchdringt diese Welt nicht, er ist nur verdünnt, in Spuren vorhanden. Erst im Ursprung, in meines Vaters Land, bin ich wieder reich an mir, bin ich wieder Geist.

Ich habe versucht, die verschiedenen Bedeutungen des Wortes zu verknüpfen. Da kommt dann sowas zustande. Das hilft manchmal, die Dimensionen eines Begriffs auszuleuchten. Möglich, dass diese Zeilen wiederum etwas anstoßen.

Der_Juergen
30. Januar 2019 11:46

Ehe der Bademeister die Gäste aus dem Schwimmbad komplimentiert, noch ganz rasch eine Antwort an den geschätzten @Franz Bettinger.

Die Uhrmacher-Allegorie kenne ich natürlich; sie stammt von dem englischen Theologen William Paley (1743-1805) und wird vom Darwinisten Richard Dawkins in "Der blinde Uhrmacher" zitiert. Ihr Gegenargument "Wenn die Welt einen Schöpfer hat, wer schuf dann den Schöpfer?" ist zwar nicht sonderlich neu, aber dennoch nicht übel. Es liegt an unserer begrenzten Vorstellungskraft, dass wir uns zwar ohne weiteres ein Objekt oder Wesen ausmalen können, das in alle Ewigkeit Bestand hat, nicht jedoch eines, das seit ewig existiert und daher unerschaffen ist.

Somit endet diese erste Runde der Debatte zwischen dem Kreationisten und dem Atheisten mit einem Unentschieden, doch damit hat der Atheist seinen im Grunde einzigen Trumpf bereits ausgespielt und gerät im folgenden in arge Nöte.

Ein zentrales Argument gegen die Evolutionstheorie ist das Gleichgewicht in der Natur, in der ein Lebewesen vom anderen abhängt. Angenommen, durch eine unendliche Kette von Zufällen ist eine lebensfähige Löwenpopulation entstanden. Dies bedingt, dass parallel dazu eine Population von Zebras und Antilopen entstanden sein muss, damit die Löwen nicht gleich verhungern, und dass diese Beutetiere um ein Vielfaches zahlreicher sein müssen als die Löwen. Und die Zebras und Antilopen brauchen natürlich zu ihrem Überleben Gräser, und die brauchen Regen, und damit Regen fällt, muss... Die Kette lässt sich fast beliebig verlängern.

Ein nicht minder zwingendes kreationistisches Argument ist die Tatsache, dass ein Organ erst funktionsfähig sein muss, ehe es seinem Besitzer Nutzen bringt. Ich verweise hier auf die Säge des Sägefischs mit ihren gleichmässig verteilten Dutzenden von Zacken. Eine Säge, die sich durch Mutationen aus einem winzigen Stumpf langsam entwickelte, war für den Fisch jahrtausendelang nutzlos. Also muss die Säge von Anfang an funktionsfähig dagewesen sein. Einzige logische Folgerung: Der Sägefisch wurde mit funktionstüchtiger Säge ERSCHAFFEN. Die Alternative wäre nämlich, dass sich durch unvorstellbare Zufälle im Lauf von Jahrtausenden oder Jahrhunderttausenden eine Zacke nach der anderen herausbildete, bis zum glücklichen Endresultat. Aber die ältesten bekannten Sägefischfossile haben bereits voll ausgebildete Sägen.

In einem Kommentar zum neuen Bosselmann-Beitrag schreiben Sie, geschätzter Franz Bettinger, sie hätten eine Evolution Ihres Denkens durchgemacht und glaubten mittlerweile an die Verschwörung satanischer Kräfte gegen das Gute. Wenn es aber satanische Kräfte gibt, gibt es auch einen Satan, und wenn es den gibt, muss auch sein Grosser Gegenspieler existieren, denn sonst hätten wir im wahrsten Sinn des Wortes die Hölle auf Erden. Die haben wir aber, ungeachtet alles Leidens, nicht, denn jedem von uns sind paradiesische Momente vergönnt, etwa beim Anhören eines musikalischen Meisterwerks, bei der Lektüre eines genialen Gedichts oder beim Betrachten eines gewaltigen Kunstwerks. Von wem kam der Impuls, der die begnadeten Komponisten, Dichter und Maler zur Schaffung solcher Werke befähigte? Von derselben Kraft, die den Paradiesvogel und andere Wunder der Natur schuf. Das Schöne in der Natur kann keine Frucht blosser Zufälle sein.

All dies beweist (indirekt, mangels einer möglichen alternativen Erklärung) die Existenz eines Schöpfers, nicht jedoch die Richtigkeit dieser oder jener Religion. Die lässt sich nicht beweisen. Darum sprechen wir ja auch vom "Glauben".

Michael B.
30. Januar 2019 15:32

> Angenommen, durch eine unendliche Kette von Zufällen ist eine lebensfähige Löwenpopulation entstanden. Dies bedingt, dass parallel dazu eine Population von Zebras und Antilopen entstanden sein muss, damit die Löwen nicht gleich verhungern

Evolution postuliert doch selbst in einfachsten Modellen keinen reinen Zufall, sondern Adaption. Das kann schon ganz simpel als vereinfachtes mathematisches Modell mit den einzigen Elementen Kombination (geschlechtliche Vermehrung) und Mutation beschrieben werden. Schwieriger wird schon die Zielfunktion, aber es geht auch ohne. Mit diesem Instrument koennen - fuer die Einfachheit des Modells erstaunlich gut - gan reale globale Optimierungsaufgaben geloest werden.
Das ist das Eine, weiterhin haengt damit zusammen: Der Zufall ist auch deswegen ueberschaubar, weil Loewen und Antilopen eben _abhaengige_ Variablen darstellen. Sie entwickeln sich _aneinander_ und nicht unabhaengig. Die dargestellte Variante waeren aber mathematisch gesehen unabhaengige Zufallsvariablen - und das gibt die Realiatet einfach nicht her, ganz im Gegenteil sind die Dinge eben stark gekoppelt.

> Sägefisch

Schlechtes Beispiel, weil die Saege i.Allg. nicht so verwendet wird, wie Sie wohl annehmen. Auch hat sie eine nicht unbedeutende sensorische Funktion. Alles zusammen ist problemlos als graduelle Entwicklung uber die Zeit sowohl der Laengenvergroesserung des Auswuchses als auch einer ebensolchen Zunahme der Zahl und/oder geometrischen Auspraegung der Zaehne darstellbar. Mit begleitender ebensolcher gradueller Verbesserung des Werkzeuges durch diese Iterationen ueber die Generationen.

Wahrheitssucher
30. Januar 2019 17:41

Zum Reichsgedanken:

Kein Essay, kein strategischer Text, auch kein Beitrag gut genug um in der Sezession abgedruckt zu werden (wie gefordert), sondern eine in der Zeit gesammelte Zusammenschau von Vorstellungen zur Reichsidee:

- die Fülle der Selbstfindung und Selbstentfaltung des deutschen Volkes.

- die auf Erden höchstmögliche Verwirklichung einer gerechten, alle Bereiche des menschlichen Lebens umfassenden, dauerhaften Ordnung.

- Gegensatz zu "imperium/imperare" (= befehlen)

- Ausdruck der gemeinsamen Freiheit der Entfaltung in Wesensart, in Kultur, Wirtschaft, in allen Bereichen des Lebens.

- Ein ideeller, kultureller Begriff, nicht ein staatlich organisatorischer. Staat und Organisation sind erst zweckgebundene Folgen der Reichsidee, um die gemeinsame Freiheit in der allumfassenden Lebensgestaltung zu sichern.

- sein Prinzip ist die Aufhebung des Gegensatzes zwischen dem Einzelnen und dem Gemeinwesen.

Die Verkörperung des kat-chon (letzten Grund) ist immer im Reich zu sehen (gesehen worden).

Der über Volksboden und Staatsgebiet hinausgreifende Großraum kultureller und wirtschaftlich-industriell-organischer Ausstrahlung (Carl Schmitt)

- Das Reich ist und bleibt die eigentliche politische Form und Heimat der Deutschen, das wird auch über alle Republiken der Zukunft Gültigkeit haben...

-

Franz Bettinger
30. Januar 2019 22:09

@Jürgen:
1.) noch zum Ur-Schöpfer / Uhrmacher: Gottes-Gläubige fantasieren ein größeres, ja das größte Wunder überhaupt herbei (Gott), um die vielen kleinen Wunder (Welt, Erde, Mensch, Uhr) erklären zu können; und glauben, das größere Wunder "einfach nicht erklären" zu müssen. Was soll das? Was daran zwingend und logisch sein?
2.) @Michael B hat den Zusammenhang gut erklärt. Homöostasen (=meist du negative Feedbacks eingependelt Gleichgewichte) gibt es überall, sogar in der unbelebten Natur, bei Kristallen, in der Chemie ("Produkt-Hemmung"). Da ist nichts Göttliches (Unerklärbares) im Spiel. Würde die sog. Erste Welt nicht durch Import von Technik, Lebensmittel, Medikamente und Moral Afrika aus dem Gleichgewicht bringen, hätte sich Afrika wohl wenig verändert und würde jetzt nicht explodieren.
3.) Ein Sägefisch sägt nicht. Typisch Mensch fantasieren wir einem Organ (es können auch die Schwanzfedern des Konrad Lorenz'schen Hahns sein) eine prä-existierende Funktion, eine Absicht zu. Manches geschieht einfach zufällig, spielerisch; die Natur hat Zeit. Aber ich kann und will nicht den Verteidiger der Evolutionisten spielen, weil mir die Vorstellung von Evolution wie gesagt ein beinahe ebenso großes Rätsel bereitet wie die Vorstellung eines Gottes. Beispiel: Es gibt "konvergente" (analoge, ähnliche) Evolution: Das Auge des Tintenfisches ist dem Auge des Säugers ähnlich, und doch sind diese zwei Wesen auch entfernt nicht miteinander verwandt.
4.) Die von mir erwähnten "satanischen" Kräfte, an die ich beim Blick auf die Merkel-Welt neuerdings glaube, sind nicht wörtlich sondern sprichwörtlich gemeint. Ich glaube nicht an Gott, Satan, Engel und dergleichen. Dann schon eher an Aliens. - Das schönste Weltbild, an das ich gerne glauben möchte, hat übrigens Michael Winkler in seinem Buch "Die spirituelle Welt" gemalt. Wäre es nur wahr!

Franz Bettinger
31. Januar 2019 02:43

Der Bürger versteht intuitiv und problemlos, was mit Volk gemeint ist. Schon die Abgrenzung zur Nation kriegen 80 Prozent nicht mehr hin. Bei dem Begriff Reich hört's ganz auf. Einem Reich anzugehören, müsste einen ja reich und stolz machen. Das ist für mich seit Herbst 2015 nicht mehr der Fall. Reich! Was für ein geschwollenes Wort! Und wie absolut unpassend für das verfaulende Etwas namens brd. Ich will niemandens Gefühle verletzen, aber lassen wir die Reichs-Idee dort, wo sie ist, ganz unten in der Mottenkiste. Wir machen uns lächerlich! - Wenn Deutschland halbwegs intakt die momentane Krise überstehen sollte, können wir von Glück reden und dem Herrgott oder wem auch immer danken. Alles andere wäre Hybris.

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