Sezession
27. Januar 2019

Sonntagsheld (94) – So lach doch mal

Till-Lucas Wessels / 20 Kommentare

Hoffentlich habe ich Lichtmesz nicht das Thema geklaut...

Till-Lucas Wessels

Till-Lucas Wessels studiert und ist identitärer Aktivist sowie »Minenhund für zukünftig Zumutbares«.

Beim Blick über den Atlantik habe ich manchmal das Gefühl, dass die alltägliche Absurdität, die uns allenthalben umgibt, dort noch ein Fünkchen schriller zutage tritt, als in unseren Gefilden. Das gilt auch für den Vorfall um den es heute geht und der dem einen oder anderen schon unter die schwer geprüften Augen gekommen sein mag.

Für diejenigen, die besseres zu tun hatten, als sich auf Twitter oder Facebook herumzutreiben (wer kann's ihnen verdenken?) ein kurzer Abriss: Vergangene Woche fanden in Washington D.C. mehrere Demonstrationen statt, darunter der auch in Europa bekannte "March for life" und ein "Indigenous People March" amerikanischer Indigener.

Auch demonstrierte eine Gruppe sogenannter "Black Hebrew Israelites", einer besonders schillernden Auspräung des afroamerikanischen Identitätsdilemmas, welche sich nicht nur mit einigen Teilnehmern des "Indigenous People March" anlegten, sondern sich mit ebenso ausgeprägtem missionarischen Eifer bemühten, eine Gruppe weißer katholischer Schüler, die den "March for life" besucht hatten und jetzt auf ihre Busse warteten, über ihre angeblich inzestuöse Abstammung zu belehren.

Inmitten dieser chaotischen Gemengelage entstand ein Video, in welchem eine Art Blickduell zwischen einem älteren Indigenen und einem der Schüler zu sehen ist. Die Ikonizität des Filmchens, hier der ergraute Indianer mit der Trommel, dort der grinsende, weiße Jungspund, hinter ihm seine übermütig wirkenden Kumpels – allesamt rotbemützt mit dem "MAGA-Hat" der Trump-Kampagne – das war ein Dessert auf dem Silbertablett für die amerikanische Medienlandschaft, eines, das sie sich nicht würde durch Lappen gehen lassen würde.

Sofort stürzte man sich auf die Partizipanten: Der indigene Trommler Nathan Philips war schnell ausgemacht, tatsächlich hatte er schon begonnen erste Interviews zu geben, bevor sich die Situation mit der Abreise der Schüler aus Kentucky auflöste. Nach kurze Zeit und mit willfähriger Hilfe einiger "engagierter" Rechercheure war auch der dreist grinsende Jugendliche, Nicholas Sandmann, aufgefunden und es begann, was man auch hierzulande als Hexenjagd kennt.

Die ausgeprägten Selbstunterwerfungsmechanismen des alten, weißen Amerikas funktionieren nach wie vor tadellos und so dauerte es nicht lange, bis die ersten Distanzierungen und Disziplinierungsmaßnahmen einrasteten: Die Covington Catholic Highschool entschuldigte sich öffentlich beim belächelten Ureinwohner und behielt sich vor, die Schüler nach erfolgter Untersuchung von der Schule zu verweisen.

Diese Schmierenkampagnen hatten in der Vergangenheit hundertfach funktioniert, für den differenzierten Blick auf die Situation sind die Glasfaserleitungenn zu schnell. Es waren übrigens keinesfalls nur Demokraten, Antifas, oder Angehörige ethnischer Minderheiten, die in den sozialen Netzwerken zur Öffentlichmachung privater Informationen der beteiligten Schüler, oder gleich zur Selbstjustiz aufriefen: Einige der lautesten Stimmen kamen aus den gemäßigten Reihen der Republikaner, die offensichtlich um so lieber zutreten, wenn es mal nicht gegen sie geht.

Durch unzählige Aufnahmen ist inzwischen längst belegt, dass die Schüler sich weder von den Verbalattacken der "Black Hebrew Israelites" provozieren ließen, noch von denen der "native americans", deren einer sie am liebsten gleich zurück nach Europa geschickt hätte.

Den Anfeindungen der anderen Demonstranten stellten die Schüler tatsächlich eine Art von Kameradschaft entgegen, wie man sie aus Fußballkurven kennt und wie sie an amerikanischen Schulen nicht unüblich ist: Choreographierte Lobgesänge auf die eigene Highschool, Sprechchöre, die gute Laune verbreiteten und im krassen Gegensatz standen zum geifernden Wortführer der "Black Hebrew Israelites" und dem passiv-aggressiven Getrommel der anderen Demonstranten.

Als allmählich klar wurde, was da vor dem Lincoln-Memorial tatsächlich passiert war, sprang das Narrativ mit Windeseile um: Aus den rassistischen Highschool-Jungs mit Trump-Käppis, die eine Handvoll "Indigenous People" einkreisten und beleidigten wurde der unerzogene Schöler (Professor "Schnauz" aus der "Feuerzangenbowle" dixit), der frech genug war, dem indianisch-amerikanischen Armee Veteranen Philips nicht aus dem Weg zu gehen.

Aber es half alles nichts, schlimmer noch: In einem anderen Videoabschnitt ist zu sehen, wie der bereits als "neues Gesicht weißer Allmachtsfantasien" gehandelte Nicholas Sandmann beruhigend auf seine feixenden Schulkameraden einwirkt, als einer der "natives" beginnt aufdringlich zu werden.

Während die Krokodilstränen des eifrigen Trommlers Nathan Philips, unter denen er noch auf der Demonstration zu Protokoll gegeben hatte, mit "Build that wall!"-Rufen geschmäht worden zu sein (wofür es keinerlei Belege gibt, obwohl der gesamte Vorfall videografisch protokolliert ist), inzwischen sicher getrocknet sind, bleibt für die Covington-Schüler und vor Allem für den grinsenden Sandmann neben Morddrohungen und Antifa-Demos vor der eigenen Schule vor Allem die Gewissheit, dass sie sich im Zweifel nicht auf die Autoritäten verlassen können, die sich eigentlich vor sie hätten stellen müssen: Ihre Schule, die amerikanischen Konservativen und die katholische Kirche.

Was ihnen im Ernstfall bleibt, das sind ihre Schulfreunde mit ihren Gesängen und dem Lächeln des weißen Mannes auf den Lippen.


Till-Lucas Wessels

Till-Lucas Wessels studiert und ist identitärer Aktivist sowie »Minenhund für zukünftig Zumutbares«.


Kommentare (20)

Solution
27. Januar 2019 20:55

Die Schule hat sich doch hoffentlich nicht den Namen in Erinnerung an H. A. Covington, den Verfasser der übelsten rassistischen Gewaltbücher der Weltgeschichte gegeben? Die Ami-Schule sollte sich schleunigst umbenennen!

Laurenz
27. Januar 2019 21:18

Für die Redaktion: Nix gegen Laue, aber es waren wohl "Launen" gemeint.

Der_Juergen
28. Januar 2019 00:00

@Solution

Ich teile Ihr namenloses Entsetzen über den in den USA grassierenden schandbaren Rassismus, der dazu führt, dass eine Schule nach dem rassistischen, antisemitischen und neonazistischen Nazi Covington benannt wurde. Aber das ist noch längst nicht das Schlimmste. Aus Wessels' Artikel geht nämlich hervor, dass es in Washington, horribile dictu, ein LINCOLN MEMORIAL gibt, offenbar zu Ehren des rassistischen Erzschelms Abraham Lincoln, von dem folgender fluchwürdiger Ausspruch stammt:

"Ich werde sagen, dass ich nicht dafür bin, und niemals dafür war, in irgendeiner Hinsicht die gesellschaftliche und politische Gleichheit der weissen und der schwarzen Rasse zu verwirklichen, dass ich nicht dafür bin und auch nie dafür war, Neger (!!! man betrachte den diskriminierenden Ausdruck für Mitmenschen schwarzer Hautfarbe!) zu Wählern oder Juroren zu machen, oder sie zur Ausübung von Ämtern zu ermächtigen, oder ihnen die Heirat mit Weissen zu erlauben, und ich werde ausserdem noch sagen, dass es zwischen der weissen und der schwarzen Rasse einen physischen Unterschied gibt, der es meiner Ansicht nach für immer verhindern wird, dass die beiden Rassen unter Bedingungen der gesellschaftlichen und politischen Gleichheit nebeneinander leben. Und da sie nicht als Gleiche leben können, so lange sie zusammen bleiben, muss es einen Überlegenen und einen Unterlegenen geben, und ich bin wie jeder andere Mann (die Frauen erwähnt dieser misogyne Sexist natürlich nicht, von den anderen 58 Geschlechtern ganz zu schweigen) dafür, dass die Position des Überlegenen der weissen Rasse zuerkannt wird. Ich sage in diesem Zusammenhang, dass ich nicht der Meinung bin, weil dem Weissen die Position des Überlegenen gebührt, solle dem Neger alles und jedes verweigert werden."

Quelle: Fourth Debate with Stephen A. Douglas at Charleston, Illinois, September 18, 1858
(The Collected Works of Abraham Lincoln edited by Roy P. Basler, Volume III, pp. 145-146.)

Dass der rassistische, homophobe, transphobe und holocaustleugnende tote weisse Mann Lincoln in den USA immer noch geehrt wird, zeigt, wie wichtig der Kampf gegen den Rassismus in diesem Land ist.

Kahlenberg
28. Januar 2019 00:05

Schöner Sonntagsheld, bitter im Abgang. Einmal mehr, Zusammenhalt einmahnend.

Frika Wies
28. Januar 2019 02:05

Ungeachtet dessen, wer hier wen ausgebuht, niedegebrüllt oder angelächelt hat, bleibt festzustellen, daß sich die Fragmente des multikulturellen/multiethnischen Amerika im Jahr 2019 feindlich gegenüberstehen.
Der junge Nick Sandmann wurde Tage nach dem geschilderten Vorfall im Fernsehen vorgeführt wie ein Schulbub, der er ist, nach der Devise "Glei gehst her sonst pack i di bei di Ohrwaschln", und mit ihm sinnbildlich das gesamte weiße Amerika.

Was Liberals nicht verstehen (wollen): Es nützt nichts, am Ende einen Schuldigen (Trump) zu benennen. Ein Volk, das sich durch einen rechten Polterer spalten läßt, war bereits vorher gespalten.
In einem Land, in dem Individualismus gepredigt wird, einerseits, und andererseits ethnisch-kulturell völlig verschiedene Menschen zusammen leben müssen, läßt sich eine Spaltung der Bevölkerung nicht verhindern.
In Europa erleben wir die gleiche Fragmentierung wie in Amerika, obwohl wir diese verhindern könnten. Wer am Ende schuld an der Spaltung der Bevölkerung sein wird, steht für Linke jetzt schon fest: die weißen Rassisten.

Andreas Walter
28. Januar 2019 02:57

Ich habe heute/eben allerdings auch etwas ganz seltsames erlebt.

Heute nachmittag saß ich auf der Toilette und habe dabei tatsächlich folgendes (nur) gedacht (nicht gesagt): Als nächstes kommen die noch auf die irre Idee (die Grünen), das Toilettenpapier abzuschaffen, weil dafür doch so viel Energie gebraucht wird (Papierherstellung).

Ein paar Stunden später, also jetzt, entdecke ich folgende Meldung fast ganz oben auf Kopp-Report:

https://de.sputniknews.com/panorama/20190127323732207-klopapier-abschaffen-neue-initiative/

Über die Aluhutgeschichten lache ich darum jetzt nicht mehr. Hohoho.

Tobinambur
28. Januar 2019 10:07

Sie verdienen die Zuschreibung "'Minenhund' für zukünftig Zumutbares." Man muss wie in der Geometrie die von Ihnen aufgespürten Punkte mit dem Lineal verbinden, verlängern und somit in die noch etwas fernere Zukunft extrapolieren. So fern scheint mir aber diese Zukunft nicht mehr zu sein, wo diese Linie abbrechen könnte - für UNS zumindest.

Lotta Vorbeck
28. Januar 2019 11:49

@Solution - 27. Januar 2019 - 08:55 PM

"... Die Ami-Schule sollte sich schleunigst umbenennen!"

____________________

... vielleicht in "Adi-Amin-Dada-Highschool" ...

AlexSedlmayr
28. Januar 2019 14:06

Keine Sorge Herr Wessels, diese kurze Zusammenfassung dürfte eine gut lesbare Einführung abgeben, mit der richtigen Schlussfolgerung am Schluss.

Die tiefere Analyse dieses amerikanischen psychotischen Rassenwahns anhand seines kaplaken-Bandes kann Herr Lichtmesz ja trotzdem noch in einiger Ausführlichkeit besorgen. Es wäre definitiv nicht schade drum, dieses Thema mehrfach von unterschiedlichen Blickwinkeln zu würdigen.

Wir reden hier von einem halben Kind, das öffentlich gekreuzigt wird, wie ein Ku-Klux-Klan-Mitglied,das mit einer brennenden Fackel in der Hand erwischt wurde. Wir leben in unnormalen und beängstigenden Zeiten. Mehr als ein analytischer Blick darauf scheint angebracht.

Neander vom Thal
28. Januar 2019 14:35

Hallo Andreas Walter, so skurril das wahre Leben seine Seiten mit Geschichten füllt kann sie der beste Schriftsteller nicht erfinden.
PS. “Über die Aluhutgeschichten lache ich darum jetzt nicht mehr. Hohoho.“
Die vielen Netzgeschichten nerven mitunter ganz schön. Aber ich hab zur Sicherheit auch einen Aluhut im Kühlschrank.

Simplicius Teutsch
28. Januar 2019 22:34

These boys are heroes!

Und was macht CNN daraus?

CNN: SHAMEFUL ACT
VIRAL VIDEO CAPTURES TEENS MOCKING NATIVE AMERICAN VIETNAM VETERAN

Mit solchen Parolen (Bildschirmunterschrift) wurde vom linksliberalen Lügensender CNN die Hexenjagd gegen die katholischen Highschoolers aus Kentucky erst möglich gemacht und befeuert.

Doch diese Jungs haben unseren großen Respekt und die Auszeichnung „Sonntagshelden“ mehr als verdient.

Auf Youtube gibt es mittlerweile viele Videoaufzeichnungen, die die Lügen- und Hetz-Story von CNN und den anderen linksliberalen Medien widerlegen und das Gegenteil belegen. CNN, this is despicable! (= verabscheuungswürdig).

Ein beeindruckendes, auch für ungeübte Englischsprachige gut verständliches Analyse-Video (24min) ist z.B von „The Blaze“ (The Definitive Timeline For The Covington Catholic Run In At The Lincoln Memorial) veröffentlicht.

Aus dem Schlussplädoyer des Moderators Glenn Beck: „These boys are heroes who tried to do the right thing and were betrayed, betrayed by the media … and betrayed by all of us who might have said something that wasn't true because we believed the media ... And finally they were betrayed by their own school-principle, by their own priest, their own church, their own mayor … it's despicable what has happend.“

Andreas Walter
28. Januar 2019 22:41

@Neander vom Thal

Ach so, der muss gekühlt sein. Das wusste ich nicht. Nur bitte nicht zu kalt, sonst wird er Supraleitend.

Doch was man alles für Geschichten auch erfinden kann, das sehen Sie auch auf folgender Seite, den folgenden über 400 Seiten:

https://netzpolitik.org/2019/wir-veroeffentlichen-das-verfassungsschutz-gutachten-zur-afd

Die haben zwar alle nicht viel Substanz, doch das braucht es ja auch nicht, in einem korrupten Staat, einer Scheindemokratie, in der auch die Justiz gekauft, handverlesen ist, je weiter es nach oben geht. Kaum freie Presse, lediglich im Netz, trotzdem aber keine Meinungsfreiheit, Redefreiheit, Forschungsfreiheit, nichts. Nur Lügnern und Spinnern, denen verschafft man hier gerne jede Menge Gehör und Freiheiten, bis hin zu Kindesmissbrauch, Mord und Totschlag.

Ist das das Deutschland, von dem meine Eltern immer geschwärmt haben, als wir noch in Mexiko lebten? Doch die haben es wahrscheinlich auch verklärt, oder wussten auch zu wenig, um die Wahrheit zu erkennen. Wollten keinen Ärger haben mit den wahren Herrn auch hier über Leben und Tod, die immer alles und überall kontrollieren, anderen aber gerne etwas vom Zivilisationsbruch erzählen. Also von Hiroshima und Nagasaki, Dresden oder Katyn.

Simplicius Teutsch
29. Januar 2019 10:17

SPIEGEL-Relotius,
Alpen-Relotius und jetzt der
Indianer-Relotius in USA.

Herr Martin Lichtmesz, übernehmen Sie! Klären Sie bitte auf! Legen Sie am aktuellen Beispiel der CNN-Berichterstattung die stinkende Eingeweide der linksliberalen Bessermenschen bloß, - die dem Nachrichtenpublikum die Realität vorsetzen, wie sie selber hören und sehen wollen.

PS: Ich spüre den leichten Druck, dass ich - wegen meiner Erwähnung des verlogenen Indianer-Relotius - besser folgende gutmenschliche Rechtfertigung anfüge: Ich habe in meiner Jugend nicht nur die Winnetou-Verfilmungen g e s e h e n, sondern auch einige Bücher von Karl May g e l e s e n. Und ich darf ungelogen sagen, ich gebe Ihnen mein Indianer-Ehrenwort: Ich stand immer auf der Seite von Winnetou (und Old Shatterhand).

heinrichbrueck
29. Januar 2019 13:16

"in einem korrupten Staat, einer Scheindemokratie, in der auch die Justiz gekauft, handverlesen ist, je weiter es nach oben geht. Kaum freie Presse, lediglich im Netz, trotzdem aber keine Meinungsfreiheit, Redefreiheit, Forschungsfreiheit, nichts."

Wir haben eine Demokratie. Verstehe nicht die Flucht in die Scheindemokratie. Immer wieder wird eine Demokratie, deren Mißfallen sich in Kritik äußert und der eigenen Vorstellung von Demokratie widerspricht, als Nichtdemokratie in Schutz genommen. Solche Illusionen entschuldigen nur das Falsche, und nicht immer mit Absicht.
Den Herrschenden mit Meinungsfreiheit gefährlich werden zu können, für wie blöd hält man dieselbigen? Wo und wann gab es jemals eine freie Presse? Warum sollte eine Herrschaft sich von niederen Journalisten abhängig machen? Woher kommen diese Machtvorstellungen?
Man sollte sich von den Scheinsicherheiten verabschieden, auch von den demokratischen. Keine Flucht in totalitäre Illusionen, in denen die Demokratie den Sieg über das Ende der Geschichte verkörpert.

Franz Bettinger
29. Januar 2019 17:55

@Heinrich Brück:
Ihre Kritik an allen bisher existierenden Demokratien ist berechtigt. Gut, dass Sie darauf hinweisen, dass die Demokratie, wie wir sie bisher kennengelernt haben, nur ein schöner Mantel ist, unter dem sich die Fratze der Mächtigen verbirgt. ABER: Ich finde diesen Mantel schön; finde die Idee, die er ausstrahlt, schön; möchte, dass es unter dem Mantel so edel aussieht wie auf der Oberfläche. Naiv? Nicht unbedingt! Und hier sind wir beinahe bei der Reichsidee angelangt: Ich denke, wir können dahin gelangen; weg von der entarteten Demokratie, die wir kennen; hin zu einer besseren Demokratie, der Schweizer Variante. - Ja, lieber @Lotta Vorbeck, ich weiß, dass Sie mich an dieser Stelle auslachen, aber ich würde gerne mit der AfD (und Michael Winkler) zusammen an dieser alternativen Variante von Direkter(er) Demokratie arbeiten. Wer weiß, ob das Chaos, in das wir momentan durch Merkel hinein geschleudert werden, nicht dazu die Kraft gibt. Kurz gesagt: Ich glaube noch an die (Idee von) Demokratie. Ich glaube, dass diese Idee, könnten wir sie verwirklichen, die beste denkbare Staatsform wäre.

Andreas Walter
29. Januar 2019 21:34

@heinrichbrueck

Demokratie wie auch Rechtsstaatlichkeit kann es ohne freie Meinungsäußerung nicht geben. Beides aber ist in Deutschland nicht gegeben.

Ergo ist Deutschland keine Demokratie und auch kein freiheitlich demokratischer Rechtsstaat. Wenn Sie es aber noch nicht bemerkt haben, dann um so besser. Wozu schlafende Hunde wecken, die dann womöglich nicht bellen.

LotNemez
30. Januar 2019 02:57

@Franz Bettinger
Ich bin da bei Ihnen. Demokratie offenbart aktuell einige gravierende Schwachstellen. Allen voran das Phänomen der Ethnischen Wahl. Aber wäre es in einer grünen Monarchie denn besser? Es muss uns um eine Renovierung der inneren Haltung gehen, nicht um Abriss und Neubau der äusseren Form.

@Andreas Walter: Ich lese sie an sich übrigens gern und habe mir auch den Begriff der "Ausgehölten Demokratie" zu eigen gemacht. Wenn sie aber ernsthaft der BRD JEGLICHE Rechtsstaatlichkeit und Meinungsfreiheit absprechen, sollten sie sich doch nochmal mit dem einen oder anderen DDR-Zeitzeugen unterhalten. Es geht noch weitaus schlimmer. Folglich muss noch Restwärme im Nest der Republik vorhanden sein. Kein Grund, gleich im Flaum vom Baum zu hüpfen. Verabsolutierung der Argumentation schießt hier (und überall) übers Ziel hinweg und wirkt ebenso unseriös wie die Meinungsradikalen der Gegenseite, die ja (toitoitoi) längst nicht immer mit ihren Bemühungen durchkommen. Ich sehe da durchaus Licht am Ende des Tunnels.

heinrichbrueck
30. Januar 2019 11:40

@ Franz Bettinger
An den Schweizer Hochmut glaube ich nicht, auch wenn er einen Witz hat, der nicht ganz unlustig ist. Die Schweiz ist mehr ein Konsortium, im Angriffsfall kein Vergleich mit D. Solche Nichtländer können nur im Schutz und Schatten größerer Vereinbarungen existieren. Ist nicht gegen deren Kultur gerichtet, die schätzenswert bleibt. Deutschland ist nicht unwichtig genug, deshalb wird diese Variante nicht funktionieren.
Das Chaos hätte nicht in dieser Form auftreten müssen, was als Strategiewechsel gewertet werden kann. Über die Motivation läßt sich streiten, aber wir sollten es merken! Merkel war zu jener Migranteninvasionszeit Kanzlerin, hätte auch jemand anderes sein können. Der Frosch im Wasser wurde seit Jahrzehnten erhitzt, 2015 wurde Hitzegrad und Berichterstattung geändert. Warum? Ob ein solches langfristiges Projekt 30 oder 50 Jahre später abgeschlossen wird, spielt in diesem Plan und zeitlichen Maßstab keine Rolle.
Unter Direkter Demokratie stelle ich mir unsere Politiker vor, wie sie Milliarden für Beratertätigkeiten ausgeben. Die meisten Menschen sind damit beschäftigt, ihren Jahresablauf zu bewerkstelligen, haben auch nicht die Zeit den Aufwand zu betreiben, sich in komplexe Führungsebenen hineindenken zu können. Eine Weltanschauung sollte auf Illusionen verzichten.
@ Andreas Walter
Jeder Herrscher kontrolliert bzw. beeinflußt die Meinungsfreiheit, und ein Volk herrscht nicht.

Der_Juergen
30. Januar 2019 12:01

@LothNemez

Ihrer Replik an @Andreas Walter kann man zustimmen. Die Existenz dieses Blogs oder des Antaios-Verlags belegt, ebenso wie diejenige von Zeitschriften wie "Zuerst!" und "Compact", dass es in der BRD in der Tat noch ein erhebliches Mass an Meinungsfreiheit gibt, wenn man darunter die Freiheit versteht, seine Meinung zu sagen, ohne staatlich verfolgt zu werden. Vor dem Richter landet im allgemeinen nur, wer den Gründungsmythos der Republik in Frage stellt oder eine gewisse ethnische und religiöse Minderheit allzu heftig kritisiert.

Eine echte Meinungsfreiheit würde freilich bedingen, dass man seine Überzeugungen kundtun darf, ohne deshalb gesellschaftliche oder berufliche Nachteile zu erleiden. Glauben Sie, ein aktives AFD-Mitglied, von einem NPD-Mitglied ganz zu schweigen, könnte in der BRD Lehrer oder Richter werden? Ich bezweifle es und verweise auf den Fall des "Volkslehrers", der, obgleich er seine Ansichten nie im Unterricht kundtat, wegen seiner patriotischen Videos gefeuert wurde. Er dürfte einer von Hunderten, wenn nicht Tausenden von Berufsverbotsopfern sein.

Das in der BRD herrschende politische und geistige Klima ist unerträglich, und dieses Klima ist in der Tat menschengemacht. Die Hetzjagd auf Querdenker, mit deren Argumenten man sich niemals auch nur ansatzweise auseinandersetzt, hat längst Ausmasse erreicht, die es erlauben, diesen Staat als halbtotalitär zu bezeichnen. Ein Kennzeichen des Totalitarismus ist nämlich die totale Ideologisierung aller möglichen Bereiche. Wenn sogar die Fussballspieler jeweils am 27. Januar dem Grossen Götzen ihren Tribut errichten und die verlangten Sprechblasen absondern müssen, müssen, spricht das Bände.

LotNemez
30. Januar 2019 21:33

@Der Jürgen: Ich muss doch ein stückweit zurück rudern. Nach den Beispielen, die Vera Lengsfeld hier im Video anführt - die ich bisher nicht kannte, nämlich dass selbst Melker und Kellner sich keine öffentliche Meinung mehr leisten können, jedenfalls nicht im Westen - nach alldem muss die Zustandsbewertung doch deutlich kritischer ausfallen. In Sachsen kann man sich noch etwas sicherer fühlen, davon ist meine Sicht wohl auch verklärt. Wobei mir auch schon Ausschluss aus der Hochschulgruppe drohte u.ä.
Es scheint mir, dass etablierte und relativ gut situierte Rechte doch besser durch ihre Netzwerke geschützt sind als Leute, die diesen Rückhalt nicht haben. Während z.B. K&K, mit einigen Blessuren zwar, aber doch im wesentlichen ganz gut zurecht kommen, verlieren jedes Jahre Tausende(?) ihre prekäre Einkommensquelle für Nichtigkeiten (bei einer AfD-Veranstaltung zugehört). Der Feind des Volkes ist dabei nicht in erster Linie, wie noch in der DDR, der Staat und seine Institutionen, sondern der Denunziant im Büro nebenan. Hier das Video: https://youtu.be/d6RB6-IU0tk

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