24. Februar 2019

Sonntagsheld (97) – Treue Früchte finden Sie…

Till-Lucas Wessels / 7 Kommentare

...beim Kolonialwarenhändler Ihres Vertrauens.

Till-Lucas Wessels

Till-Lucas Wessels studiert und ist identitärer Aktivist sowie »Minenhund für zukünftig Zumutbares«.

Sie könnten es so einfach haben, mäßigten sie sich nur ein wenig" – alle paar Tage überkommt mich der Drang diesen Satz – der übrigens für uns Rechte nicht gilt – unseren linken Gegenparts ins Stammbuch zu schreiben.

Man ist ja nicht nur Aktivist, oder Publizist, sondern auch Mensch, oder? Und wenn man einander über Jahre hinweg immer wieder abklopft, sei es im Netz, oder auf der Straße, dann wird auch das schwärzeste Herz irgendwann einmal von Mitgefühl gepackt; zum Beispiel dann, wenn eine linke Opferkampagne mal so richtig vor die Wand fährt.

Eigentlich läßt sich ein ganz simpler Vergleich aufmachen: Man stelle sich vor, die Netzgemeinschaft (, denn nur die bekommt den ganzen Unsinn überhaupt mit) hätte ein eigenes Empörungsorgan, dessen vielfältige erogene Zonen nur darauf warten mit dem neuesten Skandälchen lustvoll traktiert zu werden.

Für den stetigen Nachschub an Stimulationen ist weitestgehend gesorgt, denn auf dem Weg zu wahlweise befreiten oder offenen Gesellschaft (besonders herzig ist es, wenn diese Konzepte auf Tuchfühlung miteinander gehen, etwa in der Leipziger Linkenabsteige "Conne Island") harren noch viele "marginalisierte Menschengruppen" der freiheitsbringenden Tastaturfinger der Netzaktivisten.

Und genau da fängt das Problem ja schon an: Wo keine Hierarchie sein darf, müssen alle Minderheiten auf einmal "befreit" und "empowered" werden, zumal ja auch immer wieder neue dazukommen. Das sorgt natürlich für ein unangenehmes Trommelfeuer auf die Empörungsepidermis und für eine zunehmende Überforderung des zweifelsohne immer noch großen Sympathisantenstammes, der nicht versteht, warum jetzt auf einmal transbinäre POCs auf dem Tableau stehen, wo doch die Arbeiteremanzipation noch gar nicht abgeschlossen ist?

Die Folgen sind bekannt: Densensibilisierung, Abstumpfung und letztendlich Erschlaffung. Genau diese letzte Phase trat ein, als man sich mit dem Saft-Hersteller "true fruits" eine Firma mit einer raffinierten PR-Abteilung vornahm, welche bereits Stammgast im Fadenkreuz der Dauerempörten war.

Ich erspare meinen Lesern den vollen Umfang der antifaschistischen Auslassungen und beschränke mich auf Einzelzitate. Wer am Ende nicht geschmunzelt hat, der bekommt von mir bei der nächsten Sommerakademie einen "true fruits"-Smoothie ausgegeben.

"Im folgenden finden Sie eine Auswahl der Texte, die true fruits auf ihre Flaschen druckt und die in den genannten Unternehmen erhältlich waren oder sind. Teilweise waren/sind besagte Slogans nicht auf die Flaschen selbst gedruckt, wurden aber als Werbeslogans von true fruits veröffentlicht. Die Diskriminierungen ergeben sich demnach nicht rein aus den vertriebenen Produkten, sondern entstehen teilweise erst im Kontext der Vermarktung.

autistische Liebe zum Detail” (Ableismus/ Behindertenfeindlichkeit)

Abgefüllt und abgeschleppt.” (Verherrlichung und Verharmlosung von sexueller Gewalt)

Du Mango.” (Ableismus/ Behindertenfeindlichkeit, da Bezug zur Beleidigung „Mongo“)

Schafft es selten über die Grenze.” (Werbeslogan zu einer schwarzen Flasche/ Rassismus)

Quotenschwarzer” (Werbeslogan zu einer schwarzen Flasche/Rassismus)

Schwarze Flaschen beworben mit dem Spruch “Unser Quotenschwarzer” sind nicht etwa Humor oder Sarkasmus, wie true fruits behauptet. Es ist Rassismus. Obwohl das Vorhandensein von rassistischen Machtstrukturen wissenschaftlich belegt ist, behauptet true fruits auf Kritik hin, daß “dieser nur in Köpfen der Kritiker_innen existieren würde”."

Ist schon lustig, oder? Nicht? Oder doch? Wie auch immer, so richtig gut, wird die Geschichte erst, wenn man sich die Reaktion des Getränke-Herstellers durchliest, der ein umfassende Stellungnahme unter der Überschrift "Ja, wir sind diskriminierend." veröffentlichte.

Auch hier erlaube ich mir eine partielle Zitation, der volle Text findet sich hier inklusive dem obligatorischen Toleranzablaß ("Wir finden Rassismus genauso zum Kotzen, wie alle Formen der Diskriminierung"):

"Und wenn nun genau diese Gruppe von dummen Menschen (ganz egal ob weiß, schwarz, weiblich, männlich, hetero- oder homosexuell, mit Holzbein oder Sprachfehler) meint ohne mal kurz nachzudenken mit brennender Mistgabel auf die digitalen Barrikaden gehen zu müssen und wie ein pöbelnder Mob Hetze gegen uns zu betreiben, ja dann senden wir ihnen eben ein kräftiges „Fuck you!“. Was sollen wir auch anderes tun, denn Intelligenz läßt sich nun mal schwer versenden!

Grundsätzlich möchten wir Euch aber darauf hinweisen, daß wir auch zukünftig Werbung betreiben werden, die ein gewisses Maß an Intelligenz und Humor voraussetzen wird. Ihr werdet bei uns also immer wieder auf dieser Art der Kommunikation stoßen, die dumme Menschen falsch verstehen könnten.

Aber wir wollen nicht nur spalten, sondern haben uns konstruktiv mit der Kritik auseinandergesetzt. Daher haben wir uns entschieden, zukünftig jegliche Kommunikation, die wir betreiben, zum Schutz einer vermeintlichen Minderheit (den Dummen), mit dem Warnhinweis „Achtung, diese Werbung könnte von dummen Menschen mißverstanden werden!“ zu versehen.

Wir hoffen damit unserer Fürsorgepflicht als guter Saftladen gerecht zu werden und versuchen dadurch diese Art der Diskriminierung zu entschärfen."

Bevor jetzt einer kräht: Ja, true fruits sind kein rechtes Unternehmen. Richtig, die Firma hat in einer Kampagne die Einwanderungspolitik der österreichischen ÖVP-FPÖ-Regierung kritisiert, aber das ist ja das Schöne am Rechtssein: Wir können über soetwas hinwegsehen, wenn es darum geht zum Sonntagabend etwas zum Lachen zu haben.

Wir wissen: Rechts sein, das heißt nichts anderes, als gruppenbezogen menschenfreundlich zu sein. Und genau das können sie nicht ertragen.

 


Till-Lucas Wessels

Till-Lucas Wessels studiert und ist identitärer Aktivist sowie »Minenhund für zukünftig Zumutbares«.


Kommentare (7)

Niekisch
24. Februar 2019 18:53

"true fruits"....wahre Früchte, da fällt mir zum Werben was anderes ein:-)

Laurenz
24. Februar 2019 20:30

Wir könnten aus Diskrimierungsvermeidungsgründen auch den degenerierten Rheinländischen Karneval abschaffen, der besonders in Mainz, aufgrund der ZDF-Nähe immer weiter abflacht. Immerhin wird auf den Straßen die französische Besatzungsmacht bis heute verunglimpft. In der TV-Sendung "Mainz, wie es stinkt & kracht", traut sich keiner mehr Witze auf Kosten anderer, außer Rechten natürlich, rauszulassen(, wie gut, daß es die noch gibt). Natürlich stehen manche privilegierte Menschen darüber und können sich alles erlauben, sogar für Geld im Bezahlt-Speigel ihre Kolumnen abzulassen....und Harald Schmidt ist Satire? Sicher nicht. "Der hat Neger gesagt" https://youtu.be/IUbNg0ifKqA

Johannes Poensgen
24. Februar 2019 21:30

Habe nicht geschmunzelt sondern gelacht.

Bin damit anspruchsberechtigt auf einen "true fruits"-Smoothie bei der nächsten Sommerakademie.

quarz
25. Februar 2019 10:22

"Rechts sein, das heißt nichts anderes, als gruppenbezogen menschenfreundlich zu sein. Und genau das können sie nicht ertragen."

Weil sie, um einmal die edelsten Motive zu unterstellen, befürchten, eine Verengung des Freundlichkeitsradius auf spezifische Gruppen würde der allgemeinen Menschenfreudlichkeit Abbruch tun.

Durchaus prominente Ethiker (wie z.B. Alasdair MacIntyre) vertreten aber im Gegenteil die These, dass eine gruppenbezogene Menschenfreundlichkeit notwendige Voraussetzung für eine generelle Menschenfreundlichkeit ist, weil die moralischen Konstituenten, die Letztere ermöglichen, nur im Rahmen einer spezifischen kulturellen Gemeinschaft erlernt werden können. Erst wenn man zu den eigenen Leuten freundlich ist, kann(!) man ein Menschenfreund werden.

Laurenz
25. Februar 2019 11:23

@quarz .... so kann man es auch ausdrücken. Wobei die Ethik im Menschsein, dem Dasein eines Raubtiers und Primaten, durch sogenannte Ethik etwas arg glatt gebügelt und widernatürlich empfunden werden kann. Warum sollte man zu Menschen freundlicher sein als zu Maulwürfen im eigenen Garten?
Die wesentliche Begrenzung des Menschen ist vordergründig seine Wahrnehmung. Mehr Menschen persönlich wahrzunehmen, als eine Dorfgemeinschaft, also so ca. 200 Menschen, ist ihm nicht vergönnt, jede Menschenliebe darüber hinaus, ist gestunken und gelogen, wenn wir von Ausnahmefällen der Massenphänomene mal absehen in denen der Mensch über sich hinaus ein größeres Wesen bildet. Nur mit Menschen, die man persönlich wahrnimmt, kann man eine (Werte-) und soziale Gemeinschaft leben. Alles darüber hinaus bleibt abstrakt. In Deutschland sterben jeden Tag ca. 2.500 Menschen. Man kann weder für alle beten, noch allen Familienangehörigen Mitgefühl bekunden, dasselbe gilt desweiteren im positiven Sinne dann zusätzlich noch für glückliche Geburten.
Daß die Abstraktion bis zu einem gewissen Grade im Alltag brauchbar wurde, mag durch die historischen Städtegründungen und ihrer bürgerlichen Organisation möglich geworden sein, findet aber auch irgendwann eine Grenze. Daher darf man den Unterschied von links zu rechts, ruhig negativer ausdrücken. Der Machtanspruch der Rechten bleibt lokal begrenzt, der Machtanspruch der Linken ist global und geht noch weit über Alpha Centauri hinaus und schließt den Andromedanebel mit ein. Und aufgrund der o.g. Begrenztheit der menschlichen Wahrnehmung kann die linke Herrschaft immer nur eine totalitäre - sein. Und wenn wir Menschenfreundlichkeit als Verantwortlichkeit definieren wollten, geht dies über die Wesenheit des Menschen hinaus, und gilt für Wesenheiten im allgemeinen.

Urwinkel
26. Februar 2019 03:48

@ quarz:

"Erst wenn man zu den eigenen Leuten freundlich ist, kann(!) man ein Menschenfreund werden."

Mmh(!), Autor Thomas Bernhard wäre der Schnappatmung nahe, ob dieser, Ihrer Bermerkung. Er galt übrigens als umgänglich, charmant, vor allem im Umgang mit Frauen. Er wurde darüber allerdings kein Menschenfreund. Und wollte es auch nie sein, werden und war dazu irgendwie unfähig. Ich könnte ein Enkel von ihm sein.

Warum so Wenige mit Bernhards Naturel im Alltäglichen? Der war über das True Fruits-Konzept weit hinaus - das Gequatsche darum hätte ihn kalt gelassen. Aber grundsätzlich haben Sie Recht, quarz. Es diszipliniert mich, was Sie sagten.

quarz
26. Februar 2019 10:43

@Urwinkel

Eine notwendige Voraussetzung ist eben oft noch keine hinreichende Voraussetzung.

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