Sezession
3. März 2019

Sonntagsheld (98) – Gerade Typen…

Till-Lucas Wessels / 38 Kommentare

...schiefe Nasen.

Till-Lucas Wessels

Till-Lucas Wessels studiert und ist identitärer Aktivist sowie »Minenhund für zukünftig Zumutbares«.

Es ist schon bemerkenswert, welch großer Graben das akademische Milieu, seinen Dunstkreis und seine Aspiranten inzwischen vom Rest des Volkes scheidet. Das sieht man zuallererst an den Studenten und an ihrem pikierten Befremden, wenn sie mal einem "von der anderen Seite" an einem Tresen gegenübersitzen.

Wirklich - ich kriege das ja tagtäglich mit, weil in unserem Haus in Halle die einen wie die anderen verkehren – selbst, wenn man sich politisch nah ist, braucht es einiges an Zeit und an zusammen Er- und Durchlebtem um eine gemeinsame Sprache zu finden. Die einzigen Währungen mit denen zwischen diesen Lagern vermittelt werden kann, sind Leistung und Charakter, denn: Aufrechte Typen gibt es überall.

"Das ist ein guter Mann", nur wer sich dieses Prädikat täglich neu verdient gehört dazu. Es ist als Einschätzung mehr wert als jedes Qualitätssiegel und jedes Zeugnis, weil es umfassend und unmißverständlich ist, wenn es aus dem richtigen Mund kommt. Wir reden hier nicht von einer moralischen Bewertung, oder eine langanhaltenden Analyse, sondern von einem subjektiven Urteil, das schnell gefällt und noch schneller revidiert werden kann.

Es entzieht sich den wissenschaftlichen Kategorien, weil es nur zwischenmenschlich funktioniert und irrational ist – die Antwort auf die Frage, wie sich jemand verhält, wenn er mit einem von ihm gemachten Fehler konfrontiert wird, ist für uns wichtiger als die Antwort auf die Frage, ob derjenige die deutsche Rechtschreibung beherrscht oder einen Fahrradschlauch wechseln kann.

Gute Männer sind keine Saubermänner, sie können Heilige sein, oder gescheiterte Existenzen mit einem Vorstrafenregister bis nach Meppen. Sie sind meistens eher keine Bankangestellten, wobei ich das nicht ausschließen möchte, aber manchmal sitzen die besten von ihnen ganz unauffällig und unbemerkt in einem Jura-Tutorium oder irgendwo am Arsch der Heide auf einem Hof mit einer guten Frau und einem guten Hund daneben.

Alles das, was ich hier jetzt heruntergeschrieben habe, sind Gedanken, die mir kamen, als ich das kürzlich erschienene WELT-Interview mit dem Boxer Chuck "The Bayonne Bleeder" Wepner las.

Sein Kampf gegen Muhammad Ali ging in die Geschichte ein, weil er einer der wenigen war, der Ali mit einem Niederschlag (andere sagen: mit einem Tritt auf den Fuß) auf die Bretter schickte, weil er Sylvester Stallone zum legendären ersten "Rocky"-Film inspirierte, vor allem aber, weil Wepner hoffnungslos unterlegen war und sich dennoch wie ein Wahnsinniger bis in die letzte Runde durchbiß.

Das Interview befindet sich leider, wie so häufig, hinter einer Bezahlschranke, aber ich kann sagen: Es lohnt sich, weil Wepner genau den Ethos verkörpert, den ich in den paar Zeilen oben versucht habe einzufangen:

WELT: [...] Zehn Jahre nach Ihrem Rücktritt aus dem Boxring wurden Sie 1988 wegen Kokainbesitzes verurteilt?

Wepner: Ich hatte mich in der Party-, in der Rocky-Szene verloren. Mir ist alles zu sehr zu Kopf gestiegen. In dieser Zeit machte auch jeder mit Koks rum. Mich erwischten sie, als ich einem Freund einen Gefallen tun wollte. Ich holte etwas Kokain für ihn von einem anderen Freund, als sie mich anhielten. Ich sollte verraten, wer der Freund ist und wer den Stoff bekommt. Sie drohten, wenn ich es nicht auspacken würde, bekäme ich 20 Jahre. Ich sagte mir, das kannst du nicht tun, denn wenn du wieder rauskommst, bist du immer noch ein Mann. Ich bin nicht so eine Ratte wie andere Typen.

WELT: Wie ging’s weiter?

Wepner: Mein Anwalt kostete mich 55.000 Dollar. Er wollte einen Deal mit der Justiz machen, aber das lehnte ich ab. Daraufhin wurde ich für zehn Jahr verurteilt. Ich saß aber nur 37 Monate ab. Der Gouverneur von New Jersey half bei der vorzeitigen Entlassung. Er brachte mich in einem Rehabilitationsprogramm unter, was mir sehr half. Übrigens, als ich rauskam, wurde für mich eine Party organisiert, zu der 260 Leute kamen. Das war schöner als alles andere. Ich habe einen Fehler gemacht und habe dafür zu Recht gebüßt.

Verstehen Sie was ich meine? Ich hoffe es. Mich hat das Interview jedenfalls sehr berührt und ich denke der eine oder andere da draußen wird diesen Text während seines langweiligen Jura-Tutoriums, oder nach einem Tag harter Hofarbeit lesen und sich darüber genauso freuen, weil er bei vielen Dingen genau weiß, was Wepner meint:

WELT: Wie soll Sie die Nachwelt in Erinnerung behalten?

Wepner: Als einen guten Mann. Als einen Mann, der es verdient hat, daß man sich an ihn erinnert.


Till-Lucas Wessels

Till-Lucas Wessels studiert und ist identitärer Aktivist sowie »Minenhund für zukünftig Zumutbares«.


Kommentare (38)

Breckert
3. März 2019 23:18

Sorry, aber mit dem Beitrag kann ich nun gar nichts anfangen.
Einen Typ, der mit Drogen erwischt wird und behauptet, diese für jemand anderen besorgt zu haben (klassische Konstellation) und trotzdem einfahren muß, in den Heldenstand zu heben, befremdet mich.
Was hat er geleistet, wo Rückgrat gezeigt?
Die Geschichte mit dem dritten Mann kann man glauben, muß es aber nicht. Ich tu es nicht.
Da ist mir der Mensch, der einen Fahrradschlauch flicken kann, weil er sich das beigebracht hat, deutlich näher.

Das erinnert mich unangenehm an ein Interview im Radio mit einem ehemaligen Sportreporter, der früher mit irgendwelchen Hamburger Kiezgrößen unterwegs war, welche "...alle tolle Kerle waren. Manchmal gaben sie auch den Frauen auch einen Klaps, wenn es nötig war. Aber die hatten Rückgrat und waren ehrlich".

Ich hab mich damals fast erbrochen.

LotNemez
4. März 2019 01:33

Ein Ehrenmann! Noch ehrenhafter sind die Ehrenmänner, die es als unehrenhaft betrachten, zu ihrer Ehrenhaftigkeit ein Interview zu geben. So wird das ja in der Bibel empfohlen. Also man ist ein guter Mann und darf es keinem erzählen. Eigentlich fast ein Ding der Unmöglichkeit. Allerdings wäre ein schweigender Sonntagsheld wohl auch kein Sonntagsheld, da niemand von ihm wüsste.

Von daher: Gute Wahl! Werde mal sehen, was sich davon kommende Woche umsetzen lässt.

Laurenz
4. März 2019 04:35

Im Heimatort meiner Jugend war Handball der beliebteste Sport, Fußball, Tennis und Leichtathletik gab es auch im Angebot der Vereine. In den Mannschaften spielten junge Menschen aus allen (!) sozialen Schichten, und alle mit ihren persönlichen Stärken und Schwächen. Den Umgang mit jeder jeweiligen sozialen Schicht lernte man da automatisch. Und manchmal ist auch der sprachliche Ausdruck in einfachem proletarischen Deutsch in seiner Schlichtheit der am meisten präzise. Und umso älter man wird, vorausgesetzt, man hat im Leben etwas verstanden, spielen im persönlichen Umgang die langweiligen Klassenzugehörigkeiten sowieso keine Rolle, sondern das Herz zählt in den menschlichen Beziehungswelten. Ohne den Weg und die Offenheit des Herzens, mit der Inkaufnahme der bekannten Risiken, wird alles sinnentleert.

quarz
4. März 2019 09:26

"Wir reden hier nicht von einer moralischen Bewertung"

Doch. Wenn die Charakterisierung auch im Vagen bleibt, ist die Ambition doch die einer moralischen Bewertung. Was sonst?

Sandstein
4. März 2019 11:04

"Das erinnert mich unangenehm an ein Interview im Radio mit einem ehemaligen Sportreporter, der früher mit irgendwelchen Hamburger Kiezgrößen unterwegs war, welche "...alle tolle Kerle waren. Manchmal gaben sie auch den Frauen auch einen Klaps, wenn es nötig war. Aber die hatten Rückgrat und waren ehrlich".

Ich hab mich damals fast erbrochen."

Wer frei von Sünde ist, werfe den ersten Stein. Ich finde Erklärungen wie "alle haben das (mit dem Koka) so gemacht" auch lächerlich. Aber der Mensch ist ein soziales Wesen, die meisten Fehler erwachsen aus dem Wunsch, irgendwo dazu zugehören oder gefallen zu wollen.
Viel wichtiger ist doch die Größe in der Niederlage. Und in den Knast zu gehen, das kann nicht jeder. Gibt Leute die kriegen schon den Flattermann und verlieren sämtliche Prinzipien wenn man Ihnen nur Gitterstäbe zeigt.

Mein Urgroßvater war nach Stalingrad 3 Jahre in Kriegsgefangenschaft. Er hätte nur vor einem Sowjetkomitee aussagen müssen. Hat er aber nicht, und kam so deutlich später nach Hause, als so manch anderer, der, sagen wir, "flexibler" war.

Und ich glaube schon, dass das als Vorbild taugt. Danke für den Artikel. Ich kannte Chuck Wepner vorher nicht einmal!

Niekisch
4. März 2019 11:21

Der Beitrag ist schon wertvoll. Er belegt uns den Generationenunterschied in der Beurteilung dessen, was ein guter Mann sein kann. In meiner Jugend konnte es staunenswerterweise auch schon eine Frau sein. Wir nahmen nicht die Reaktion auf das Konfrontieren mit eigenen Fehlern zum Maßstab für das Bewerten eines Menschen, sondern ganz traditionell den Begriff "Herzensgut", moralischer Anstrich und Fehler machen eingeschlossen. Oder Pflichterfüllung, Tapferkeit, Treue, Fleiß, Familiensinn, Vaterlandsliebe, einfach das als gut Überlieferte. Ganz selbstverständlich gehörte dazu auch das Überwinden von "Klassen"schranken bereits in der Schule, wohl ein Überbleibsel aus der bösesten aller Zeiten.

"Nibelungentreue" unter Kriminellen bezeugt falsches Heldentum.

RMH
4. März 2019 11:33

FCK 31er! Bin Ehrenmann! Mit diesem Text wurde der bestehende Anschluss zur Rap und HipHop Szene offen gelegt ... ;)

Lotta Vorbeck
4. März 2019 11:45

Während der 1970er Jahre liefen wir immer wieder zum örtlichen Postamt, um zu fragen, "ob die neue 'Atze' schon da ist".

Atze
https://de.wikipedia.org/wiki/Atze_(Zeitschrift)

Großer Beliebtheit erfreuten sich "Pat's Reiseabenteuer" (mehrfarbig) mit allmonatlichem Preisausschreiben in der Heftmitte, sowie die "Fix & Fax" Mäusegeschichten (mehrfarbig) auf den letzten Seiten des Heftchens.

Aufmacher, der sich unterbrochen von einer Rätselseite über fast ein Dutzend Seiten des jeweiligen "Atze"-Heftchens hinzog, war jedoch immer eine (nur selten, teilweise in Farbdruck ausgeführte) Geschichte aus Zeiten der Oktoberrevolution, des WK2, des Mauerbaus oder des damals noch virulenten Vietnamkrieges.
Eine dieser Bildgeschichten, der Steuermann einer vietnamesischen Fähre, der sich während eines Luftangriffes seine zerschossenen Arme an das Steuerrad binden ließ, um seine Passagiere und kriegswichtige Fracht sicher ans andere Ufer des breiten Flusses zu bringen, blieb bis heute in des Lesers Erinnerung.

Ebenso die Geschichte des Soldaten Nguyen Van Be http://www.psywarrior.com/vanbe1b.jpg damals enthalten im Lesebuch der 2. Klasse.

Ohne den Wahrheitsgehalt der erwähnten Geschichten beurteilen zu wollen, gab es wohl zu allen Zeiten "gute Männer / gerade Typen" die sich buchstäblich für die Ihren opferten, indem sie beispielsweise den Rückzug der eigenen Kameraden deckend in den nahezu sicheren Tod gingen, sich mit ihrem Körper auf eine im nächsten Moment zündende Handgranate warfen, oder die US-Soldaten Gary Ivan Gordon und Randall David Shughart, die in Mogadischu (Somalia) den den verwundeten Piloten Michael J. Durant bis zuletzt verteidigten.

Die allermeisten dieser "guten Männer / geraden Typen" sind namenlos für andere in den Tod gegangen.

Fredy
4. März 2019 13:09

Unser Ehrbegriff ist schon stark kontaminiert worden. Tapferkeit gegenüber Wehrlosen:
https://www.youtube.com/watch?v=K-nWGY4F25Y

Lotta Vorbeck
4. März 2019 13:24

@Sandstein - 4. März 2019 - 11:04 AM

"... Viel wichtiger ist doch die Größe in der Niederlage. Und in den Knast zu gehen, das kann nicht jeder. Gibt Leute die kriegen schon den Flattermann und verlieren sämtliche Prinzipien wenn man Ihnen nur Gitterstäbe zeigt.

Mein Urgroßvater war nach Stalingrad 3 Jahre in Kriegsgefangenschaft. Er hätte nur vor einem Sowjetkomitee aussagen müssen. Hat er aber nicht, und kam so deutlich später nach Hause, als so manch anderer, der, sagen wir, "flexibler" war.

..."

______________________________

Den allermeisten Zeitgenossen braucht niemand erst "die Gitterstäbe zu zeigen", geschweige denn sie einer robusten Befragung vor einem NKWD- oder GRU-Komitee zuzuführen.
Bei denen reicht's, sie ein Mal böse anzugucken und schon hauen sie - man möchte ja schließlich keine Nachteile haben - die eigenen Kollegen bedenkenlos in die Pfanne.

Venator
4. März 2019 13:32

@Sandstein
Nur zum Verständnis. Ihr Urgroßvater war 3 Jahre nach Stalingrad in Kriegsgefangenschaft? Das bedeutet bis 1946? Das ist angesichts der Zeiten, wo die meisten in sowjetischer Gefangenschaft verbracht haben ( tlw. bis 1955) und der Tatsache, daß von den 108.000 Gefangenen nur ca. 6000 überlebt haben, aber schon viel Glück und eine sehr kurze Zeit gewesen.

Lotta Vorbeck
4. März 2019 13:52

Die anrührende Geschichte eines "geraden Typen", nämlich die des Luftwaffenpiloten

Franz Stigler (* 1915 in Regensburg; † 22. März 2008 bei Vancouver)

sei an dieser Stelle noch nachgereicht:

Franz Stigler stieß während eines Luftkampfeinsatzes über Norddeutschland kurz vor Weihnachten 1943 auf die bereits schwer lädierte 'Fliegende Festung' des US-Bomberpiloten Charles „Charlie“ L. Brown (* 1922; † 24. November 2008 in Miami).

Statt die sich mit nur noch einem Motor vorwärts schleppende B17, deren Bordschützen, wie Stigler aus der Nähe erkennen konnte, teils tot über ihren Maschinengewehren hingen, abzuschießen, geleitete er sie mit seiner Messerschmidt Bf 109 bis über die Nordsee.

Diese Tat hätte Stigler ganz sicher vor ein Kriegsgericht bringen können.

Nachdem es dem indessen nach Kanada ausgewanderten Franz Stigler mit Unterstützung Adolf Gallands im Jahre 1990 endlich gelungen war, den ebenfalls noch lebenden Bomberpiloten Charls L. Brown ausfindig zu machen und Kontakt zu diesem herzustellen, wurde Stigler - in dieser Hinsicht ist die US-Army nicht kleinlich - als Ehrenmitglied in die ehemalige Einheit der US Air Force bei welcher Brown gedient hatte, aufgenommen.

Zum Nachlesen:

1.) "... Durch den Formationsflug mit einer deutschen Maschine war die B-17 vor Flugabwehrfeuer geschützt. Da die Luftwaffe auch erbeutete Flugzeuge einsetzte, war ein solcher gemeinsamer Flug einer Bf 109 mit einer B-17 zwar sehr ungewöhnlich, aber nicht völlig abwegig. Zwischenzeitlich ließ Brown, der der Situation gegenüber immer noch misstrauisch war, ein Maschinengewehr auf Stiglers Bf 109 ausrichten. Als die B-17 die Nordsee erreichte, salutierte Stigler zu Brown, drehte ab und landete zu einer Reparatur auf dem Flughafen Bremen.

Die Ye Olde Pub landete sicher in Norfolk; Brown meldete den Vorfall sofort seinem Vorgesetzten und wurde zu Stillschweigen verpflichtet. Er setzte alles daran, bald wieder mit seiner Crew einen Einsatz zu fliegen.

Stigler erzählte zunächst niemandem außer seiner Frau von den Ereignissen. Erst im Sommer 1990 erzählte er Adolf Galland davon.

Nach dem Krieg

Brown setzte sich nach weiteren Einsätzen im Welt- und im Vietnamkrieg in Miami zur Ruhe, Stigler diente bis Kriegsende weiter und wanderte 1953 nach Vancouver, Kanada aus. Brown versuchte zeitlebens die Motive des deutschen Piloten zu ergründen, Stigler fragte sich dagegen, ob es die B-17 nach England geschafft hatte. 1987 begann Brown vor allem in Archiven zu suchen. Dank der Unterstützung von Adolf Galland veröffentlichte das Jägerblatt, die Zeitschrift der Gemeinschaft der deutschen Jagdflieger, einen Suchbrief von ihm. Daraufhin nahm Stigler 1990 Verbindung mit ihm auf. Die Männer und ihre Frauen verband fortan eine enge Freundschaft.

Die Ereignisse wurden in einem 2013 erschienenen Buch (A higher call) thematisiert. Das Buch erschien 2017 in deutscher Übersetzung."

[Wikipedia - https://de.wikipedia.org/wiki/Begegnung_zwischen_Franz_Stigler_und_Charles_Brown]

2.) hier die außergewöhnliche Begebenheit in Kurzform, dargestellt in farbig, detailreichen Zeichnungen:

Eine wahre Geschichte
https://youtu.be/fblEKytF140

3.) Die Deckseite des Bucheinbandes "A HIGHER CALL" / Eine höhere Pflicht"
https://images-na.ssl-images-amazon.com/images/I/51x8IAJ-zqL._SX350_BO1,204,203,200_.jpg

4.) "Eine höhere Pflicht" - Leseprobe
https://www.m-vg.de/mediafiles/Leseprobe/9783742301970.pdf

5.) Rezension des Lesers Franz Englram vom 23. September 2014 auf AMAZON:
das vorliegende Buch "Eine höhere Pflicht" bietet genügend Stoff für einen Hollywood Streifen! Mitten im wohl grausamsten Krieg der Geschichte treffen zwei Gegner aufeinander, die unter normalen Umständen wohl alles versucht hätten, sich gegenseitig abzuschießen. Ein amerikanischer Bomber schert nach einigen Treffern aus der Formation aus und wird dadurch zum leichten Ziel für deutsche Jäger. Als das kampferfahrene Fliegerass Franz Stigler mit seinem Jäger zum Angriff ansetzt, geschieht das Unglaubliche. Er bringt es nicht fertig, zu schießen! Er sieht den schwer angeschlagenen Bomber und erkennt den toten Abwehrschützen. Die wehrlose Besatzung waren plötzlich keine Feinde mehr, sondern Kameraden in Not. Stigler stellt Blickkontakt mit den Piloten her und will ihnen mit Handzeichen eine Notlandung nahe liegen. Die Besatzung um Brown traut ihren Augen nicht und versucht über die Nordsee zu entkommen. Franz Stigler weiß um die starken deutschen Flakstellungen an der Küste und eskortiert den Bomber darüber hinweg. Die deutschen Flugabwehrgeschütze lassen den Bomber ziehen, um nicht die kleine Messerschmitt zu gefähren... Die Geschichte geriet für Jahre in Vergessenheit, bis sich der Pilot der B-17 und Franz Stigler in den 1980er Jahren zum ersten Mal wieder trafen. Bis zu ihrem Tod im Jahre 2008 verblieben sie enge Freunde, ja wurden sogar wie zwei Brüder. Der Autor Adam Makos interviewte beide und konnte mit dem Material eine spannend zu lesende Geschichte schreiben. Beide Seiten kommen unvoreingenommen zu Wort. Dabei schafft es der Autor, den Werdegang beider Piloten packend und vor allem sehr bildreich zu beschreiben. Man fiebert mit beiden förmlich mit und wünscht ihnen, dass sie es beide schaffen. Ein uneingeschränkt empfehlenswertes Buch nicht nur für Luftfahrt Enthusiasten!

Niekisch
4. März 2019 14:22

@ Lotta Vorbeck 11:45: Stilles Heldinnentum deutscher Art: Tony Vaccaro in seinem Buch “Entering Germany 1944 – 1949″: “Nach der grausamen Schlacht im Hürtgenwald bekam unser Bataillon den Befehl, den Ort Gey einzunehmen. Am 10. Dezember 1944 griffen wir bei Tagesanbruch an. Als wir näherrückten, wurden wir aus einem Haus mit rotem Dach unter heftigen Beschuss genommen. Wir konzentrierten unseren Angriff auf dieses Haus. Als die Schlacht vorbei war, ging ich hinein. Auf einem Tisch an der rechten Wand stand ein Frühstück für eine Person. Es war nicht angerührt worden. Rechts an der Wand hing ein Bild der Jungfrau Maria, links eins von Hitler. Auf dem Fußboden lag ein toter Soldat. Unter dem Helm lugte etwas Rotes hervor. Als ich “ihm” den Helm vom Kopf nahm, sah ich in das Gesicht einer schönen jungen Frau, die rote Ohrringe trug.”

Lotta Vorbeck
4. März 2019 16:56

@Fredy - 4. März 2019 01:09 PM

Unser Ehrbegriff ist schon stark kontaminiert worden. Tapferkeit gegenüber Wehrlosen:
https://www.youtube.com/watch?v=K-nWGY4F25Y

********************************************************

2016 belegte Inglourious Basterds bei einer Umfrage der BBC zu den 100 bedeutendsten Filmen des 21. Jahrhunderts den 62. Platz. Die Deutsche Film- und Medienbewertung (FBW) verlieh dem Film das Prädikat besonders wertvoll. Die Produktionskosten des Films betrugen 70 Millionen Dollar. Eine annähernd so hohe Summe wurde am Startwochenende an den Kinokassen eingenommen.

Aus dem Deutschen Filmförderfonds erhielt Inglourious Basterds 6,8 Millionen Euro. Das Medienboard Berlin-Brandenburg förderte mit 600.000 Euro die Produktion. Die Mitteldeutsche Medienförderung steuerte 300.000 Euro bei.
[Wikipedia - https://de.wikipedia.org/wiki/Inglourious_Basterds]

_________________________

Das Einspielergebnis dieses Filmes in der BRD belief sich auf etwa 19 Millionen Euro, weltweit auf etwa 260 Millionen Euro.
Quelle: "Das Recht der Filmförderung in Deutschland" von Thomas Neumann

Lotta Vorbeck
4. März 2019 17:23

@Niekisch - 4. März 2019 - 02:22 PM

DANKE, für das Beisteuern dieser vom Tony Vaccaro dokumentierten Begebenheit!

Niekisch
4. März 2019 18:13

"Prädikat besonders wertvoll. ..Besser, Lotta Vorbeck, Prädikat besonders niederträchtig! Mein Vater hat diese Niederträchtigkeit im August 1944 am Nordrand des Kessels von Falaise als Angehöriger des II. Fallschirmkorps ganz konkret erlebt, als er mit einigen Kameraden direkt nach der Gefangennahme nach Schlägen mit dem Gewehrkolben zum Erschießen vor einer Ziegelsteinmauer stand und nur durch einen Granateinschlag in unmittelbarer Nähe davonkam.

Instruktiv in diesem Zusammenhang ist das Werk von John Sack, Auge um Auge-, Kabel- Verlag Hamburg 1995.

Lotta Vorbeck
4. März 2019 19:44

@Niekisch - 4. März 2019 - 06:13 PM

""Prädikat besonders wertvoll. ..Besser, Lotta Vorbeck, Prädikat besonders niederträchtig! ..."

****************************************

Volle Zustimmung, liebe @Niekisch!
"Besonders wertvoll" allenfalls im Sinne der Erziehung zum Selbsthass - und genau deshalb wohl auch großzügig gefördert von halboffiziellen BRD-Institutionen.

In welchem anderen, halbwegs normal situierten Land würde sowas gefördert?

Noch gut in Erinnerung wie sich BRD-Insassen unter dem Motto "Das mußt Du gesehen haben!" gleich gruppenweise aufmachten, ins Kino, zum "Inglourious Basterds" schauen ...

Lotta Vorbeck
4. März 2019 20:05

@Niekisch - 4. März 2019 - 06:13 PM

... ein bißchen im Archiv gekramt und fündig geworden:

# Tarantino in Berlin
von Martin Lichtmesz
veröffentlicht am 6. August 2009
https://sezession.de/6326/tarantino-in-berlin

# Noch mal: Inglorious Basterds
von Ellen Kositza
veröffentlicht am 25. August 2009
https://sezession.de/6695/noch-mal-inglorious-basterds

# Das allerletzte Mal: Inglourious Basterds
von Martin Lichtmesz
veröffentlicht am 26. August 2009
https://sezession.de/6840/das-allerletzte-mal-inglourious-basterds/2

heinrichbrueck
4. März 2019 23:22

Globale Erinnerungsarbeit. Toleranzerziehungsprojekt. Und wer tolerant ist, hat auch nichts gegen Einwanderung. Was ist gut, Selbsthaß oder Toleranz? Satanisch. Den Rest kann man bei Alexis de Tocqueville nachlesen.

Franz Bettinger
5. März 2019 05:28

@ Lotta Vorbeck ud @Niekisch:
Ich habe mit all den geschilderten Heldenstücke meine Probleme. 1.) Ein deutscher Kampfpilot eskortiert einen feindlichen Bomber heraus aus Deutschland, um ihn vor Beschuss zu schützen, statt am Angriff auf den Bomber-Verband teilzunehmen ?? Die Zivilisten in den brennenden Städten des Reiches hatten bestimmt Verständnis für die edle Tat, ha! Wieso wurde der Messerschmitt-Pilot nicht anschließend wegen Fahnenflucht zum Tod verurteilt? Er müsste ja von den Flak-Stellungen erkannt worden sein. Stimmt die Geschichte denn überhaupt? Oder hat sich da jemand nach dem Krieg etwas zusammenfantasiert?

2.) Wegen des Besitzes, Transportes und also Handels (?) von Kokain zu 10 Jahren Gefängnis verurteilt ?! Die hohe Strafe ist der eigentliche ein Skandal. Drogen sollte man völlig freigeben. Jeder hat das Recht, sich zu ruinieren! Es gibt ohnehin viel zu viele Menschen auf dem Planeten. Was mischen wir uns da ein?! Beim Fressen, Saufen, Rauchen und Sich Alkoholisieren halten wir auch still. Gesundheitsschädlich? Was geht's uns an? Außerdem: Opium-Raucher werden oft sehr alt (100 Jahre), Raucher nicht.

3.) Hat Quentin Tarantino nicht eher geschickt versteckt eine geheime Hommage an die Deutschen gedreht? Auch wenn es das dumme Feuilleton nicht wahrhaben will. Sind die verlogenen, folternden, brutal mordenden, zynischen und wortbrüchigen Basterds sympathisch? Die einzigen hässlichen Deutschen im Film, Hitler und Goebbels, sind so übertrieben hässlich aufgeführt, dass sie unschwer als Comic-Figuren erkennbar werden, die als Frame für den Hässlichen Deutschen nicht taugen. Die deutschen Soldaten, inklusive des unübertrefflichen Christopher Waltz, hingegen sind sympathisch, gut aussehend und heldenhaft dargestellt. Für mich war 'Inglorious Basterds' kein Anti-Kriegsfilm, sondern ein wunderbarer Film gegen die Klischee-reiche "Kriegsfilm"-Industrie, eine Verarsche auf höchstem Niveau. Und die Kritiker? Fielen fast alle darauf rein. Bravo Tarantino!

Niekisch
5. März 2019 10:55

@ Lotta Vorbeck: Besten Dank!

@ Franz Bettinger: Da ich als Kind noch den ekelhaften Geruch der Abgase von US-LKWs in die Nase bekam, mir chewing-gum von den Besatzern angeboten wurde, das meine Eltern mir wieder wegnahmen, die kompletten Feldpostbriefe meiner Vorfahren besitze, glaubhafte Geschichten von allen Fronten im Kopf habe, denke ich mal, daß die Stigler-story auf Tatsachen beruht und die "Inglorious bastards" besonders infam auf die Unterlegenheit deutschen Wesens gegenüber dem Sonderwesen verweisen wollen. Beweisen können wir es aber nicht...

Stiglers gab es in allen Armeen, sogar in der Waffen-SS, die während der Schlacht um Arnhem in den Niederlanden britische Verwundete auf Beutefahrzeugen aus der Kampfzone rettete, obwohl es da sicher in der Hektik des Kampfgeschehens Vorrangiges gab. Stiglers gab es auch in Kälte und Eis der Ostfront, wo mein ehemaliger Ausbilder während des Referendariats seine knappen Rationen und die Sänitätsmittel mit russischen Zivilisten teilte, obwohl er nie wußte, ob Nachschub kommt.

Unter allen Umständen Mensch bleiben, das sollte auch unsere Devise sein.

heinrichbrueck
5. März 2019 11:00

@ Franz Bettinger
"Drogen sollte man völlig freigeben."
Organisiertes Verbrechen wird schon längst ins BIP eingerechnet.
https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/wirtschaftspolitik/illegale-aktivitaeten-sex-drogen-und-waffen-fuer-das-bip-13090550.html
Würden die großen Drogenbosse nicht erlauben. Diese Branche ist mit der Öl- und Rüstungsbranche vergleichbar. Mit einem Typen wie Semjon Judkowitsch Mogilewitsch haben Geheimdienste Abkommen geschlossen (Robert I. Friedman: Red Mafiya; der Autor verstarb einige Jahre später).
Um etwas erlauben/verbieten zu können, muß man Macht haben. Allein fleißig zu sein, besonders wenn der Fleiß nicht in die eigenen Taschen fließt, reicht nicht. Was null Einfluß auf die Politik hat, kann man sich sparen.
Den Film von Tarantino habe ich nicht gesehen. Mir kam damals eine Besprechung von Thorsten Hinz in die Quere.
https://ef-magazin.de/2009/09/03/1452-der-film-inglourious-basterds-koscherer-rache-porno

Lotta Vorbeck
5. März 2019 11:16

@Franz Bettinger - 5. März 2019 - 05:28 AM

"Ein deutscher Kampfpilot eskortiert einen feindlichen Bomber heraus aus Deutschland, um ihn vor Beschuss zu schützen, statt am Angriff auf den Bomber-Verband teilzunehmen ??"

# Der Bf109-Pilot Franz Stigler hatte bereits an der Bekämpfung des Bomberverbandes teilgenommen, als er sich in der Absicht diese abzuschießen, an die B17 des Charles Brown heran manöverierte.

Was Stigler sah, während er die lahme, erheblich beschädigte 'Fliegende Festung' nochmals aus nächster Nähe in Augenschein nahm, ließ ihn zögern.

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"Wieso wurde der Messerschmitt-Pilot nicht anschließend wegen Fahnenflucht zum Tod verurteilt?"

# Stiglers Entscheidung die B17 nicht abzuschießen stellt keine Fahnenflucht dar.

Wegen "Feigheit vor dem Feind" konnte er nicht angeklagt werden, weil er außer seiner Ehefrau zunächst wohlweislich niemandem von dieser Begebenheit erzählte.

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"Er müsste ja von den Flak-Stellungen erkannt worden sein."

# Dies wäre bei entsprechend niedriger Flughöhe allenfalls per Fernglas möglich gewesen, elektronische Freund-Feind-Erkennungssysteme gab es 1943 noch nicht. Die Bomberverbände operierten üblicherweise aus größtmöglicher Höhe.

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"Stimmt die Geschichte denn überhaupt?
Oder hat sich da jemand nach dem Krieg etwas zusammenfantasiert?"

# Videos, welche während der Treffen von Stigler und Brown entstanden, sind für jedermann im weltumspannenden Rechnernetz verfüg- und ansehbar.

Ob man die Geschichte glauben mag, die beiden Protagonisten Stigler und Brown für authentisch hält oder eben nicht, muß jeder für sich selbst entscheiden.

Adolf Galland befand Stiglers Geschichte offenbar für glaubwürdig.

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"Hat Quentin Tarantino nicht eher geschickt versteckt eine geheime Hommage an die Deutschen gedreht?"

# Der gemeine Kinobesucher pflegt in den seltensten Fällen zwei-Mal-um-die-Ecke-zu-denken.

Oben aus dem SiN-Archiv verlinkt, beschreibt Martin Lichtmesz, seine während einer Aufführung von Inglourious Basterds in einem der Lichtspieltheater am Potdamer Platz in Berlin gesammelten Eindrücke.

Lichtmesz notiert einleitend:

"Ähnlich wurde ja auch anläßlich des Untergangs von Eichinger argumentiert, als es darum ging, Hitler jenseits des Teppichbeißer-Images "als Menschen" darzustellen (was indessen als "geschichtsrevisionistisch" attackiert wurde). Tatsächlich aber hat die Darbietung Waltz' so gut wie nichts mit dem Versuch zu tun, hinter dem Bösewicht-Klischee geschichtliche Komplexität sichtbar zu machen. Der Abstand zeigt sich etwa im Vergleich mit Kate Winslets imposanter Leistung im Vorleser. Es gibt im Grunde keinen Unterschied zwischen Landa und den attraktiv-kuhlen Schurken und Killern aus anderen Tarantino-Filmen wie etwa Kill Bill, Jules Winnfield aus Pulp Fiction oder "Mr. Blonde" aus Reservoir Dogs.

Und nun der Oberwitz: Das entscheidende Gimmick und Hauptärgernis von Inglourious Basterds, nämlich das brutale Abschlachten der deutschen Soldaten und das Verstümmeln ihrer Leichen, spielt in dem Film kaum eine Rolle. Nach dreißig Minuten Laufzeit ist das Motiv innerhalb einer einzigen Sequenz erledigt, und von da an dauert es noch ganze zwei Stunden bis zum bitteren Ende. Selbst der über die Voraus-Publicity so berüchtigte Baseballschläger des "Bärenjuden" kommt nur ein einziges Mal (!) zum Einsatz. Danach werden die "Basterds" vom nur gelegentlich blutigen, verschlungenen Plot verschluckt und haben bis zum finalen Massaker kaum etwas zu tun. Und ironischerweise ist es gerade diese eine Sequenz zu Beginn des Films, die eben wegen ihrer Anstößigkeit einen doppelten Boden hat, den aber offenbar weder die Hasser noch die Fanboys des Films zu bemerken scheinen:

Die Basterds haben einen Trupp deutscher Soldaten getötet. Zwei sind noch am Leben. Kommandant Pitt verlangt von einem der beiden Auskunft über den Aufenthaltsort weiterer deutscher Truppen. Der erniedrigte Soldat ringt sichtlich um seine Haltung und seine Würde. Die zynischen Basterds zeigen nicht einen Funken Ritterlichkeit oder Respekt, im Gegenteil verhöhnen und beschimpfen sie ihn. Dieser weigert sich jedoch, seine Kameraden zu verraten, obwohl er weiß, daß dies sein Todesurteil bedeutet: "I respectfully refuse... Sir!", sagt er zu Pitt. Dieser ruft den "Bärenjuden"´herbei: "Donnie, hier ist ein Deutscher, der für sein Vaterland sterben will!" Pathetische Italowestern-Musik braust auf. Der "Bärenjude" ist ein riesiger, brutaler Kerl. Er deutet auf das Eiserne Kreuz, fragt verächtlich: "Hast Du das fürs Judentöten bekommen?" "Für Tapferkeit!" Dann zertrümmert er dem Soldaten mit frenetischer Wut den Schädel, was schockierend realistisch gezeigt wird.

[youtube:https://www.youtube.com/watch?v=yIja0yValiE]

Eine scheußliche, quälende, in mehrfacher Hinsicht kaum erträgliche Szene. Tarantino selbst hat in einem Interview mit dem Spiegel ihre Ambivalenz betont:

Wenn alles, was ich mit dieser Szene erreichen wollte, gewesen wäre, daß das Publikum schreit: "Jawohl, hau ihn um, den Nazi", hätte ich den deutschen Soldaten einfach zu einem erbärmlichen Feigling gemacht. Doch dieser deutsche Feldwebel in meinem Film fürchtet sich nicht. Er ist ein äußerst tapferer deutscher Soldat. Der Punkt ist: Die Wirklichkeit des Krieges war eben kompliziert.

Schön und gut. Das sagen wir eingeschworenen Gegner der "Vergangenheitsbewältigung" ja auch immer. Wieviele Zuschauer aber haben das verstanden? Ich sah den Film in Originalfassung ohne Untertitel, im Cinestar-Center am Potsdamer Platz. Der Saal war knallvoll und ringsum wurde behaglich Popcorn aus riesigen Papptüten gemampft und Cola geschlürft. Das ganze Kino roch nach Popcorn, man hörte lautstark das Geschmatze und Papiergeraschel. Zwei Verkäufer mit Eiscreme machten noch schnell die Runde. "Mir bitte Schokolade und Karamel, aber ohne Nuß". Neben mir saß ein junges, ziemlich einfältiges Mädchen mit asiatischen Gesichtszügen, ihrer Sprache nach zu urteilen aber französischer Herkunft. Während der Vorführung lachte und kicherte sie ununterbrochen und zuckte in ihrem Sitz zusammen, wenn es gewalttätig wurde, dabei angeekelt-lustvoll stöhnend. Sie lachte, als Brad Pitt den vor ihm knieenden Soldaten mit flotten Sprüchen im Südstaaten-Kaugummi-Akzent verhöhnte. Und sie lachte und zuckte zugleich zusammen, als ihm der "Bärenjude" den Kopf zu Brei schlug.

..."

t.gygax
5. März 2019 13:50

"inglorious basterds"...Erinnerungen.
Ich kenne den Film nicht, las aber alle Besprechungen damals über ihn. ( bin eh kein Freund von widerlichen Gewaltszenen im Kino...)
2011: Unterricht an einer Bildungsstätte, die über den zweiten Bildungsweg zum Abitur führt. Die Lehrer: ohne Ausnahme pensionierte Oberstudienräte ab 62, die sich in der Pension langweilen und nebenher noch ein paar Stunden unterrichten, die Frauen Studienrätinnen mit verbeamteten Ehemännern, die, nachdem die Kinder aus dem Hause waren, auf Honorarbasis noch etwas unterrichten wollen. Alle wirtschaftlich mehr als gut versorgt.
Ich -ein völliger Outsider, Quersteiger, der seine Familie mit den Honorarstunden kärglich ernährte- sitze im Lehrerzimmer. Gespräche zweier älterer Geschichtslehrer: "Es wird immer schlimmer, die Schüler wissen nichts mehr von den Verbrechen der Nazis ,man muss endlich etwas tun" " Zum Glück ist da jetzt ein neuer Film angelaufen, ich glaube der heißt inglorious basterds, der soll sehr gut sein und wirklich aufklären über die Nazis ,denn sollten wir zeigen..."
Ich : "soviel ich weiß, ist das eine ziemliche Gewaltverherrlichung und wir sollten unseren Geschichtsunterricht nicht von den Klischees von Hollywood bestimmen lassen"
Antwort : "Ach so, Sie meinen, das ist dann nicht empfehlenswert ?"
Ich : "Ja"
Zwei Jahre später erlebte ich an einer anderen Schule, wie eine Lehrerin den Film in der 11. Klasse zeigte "ach, ich hatte keine Lust , etwas vorzubereiten, da sagte ein Schüler, er könne einen Film gegen Nazis mitbringen, da dachte ich, na, das ist gut...."
Ich: " das ist aber kein historisch akzeptabler Film, sondern ein Sammelsurium übler Klischees"
Sie: " ach, ist doch egal, Hauptsache die Richtung stimmt..."
Das Problem sind nicht Tarantino und seine Filme, sondern die geistige Verfasstheit der Deutschen, die dergleichen bejubeln. Dies kann man nur noch tiefenpsychologisch deuten..............

Andreas Walter
5. März 2019 14:36

Die meisten Superhelden in den Medien (Retter, Ritter, Übermenschen) dienen nur einem Zweck und werden bevorzugt von einer Art (aber auch Gruppe) von Menschen kreiert. Für die Underdogs.

Doch von denen ist ja hier nicht die Rede. Wessels schreibt ja von den Korrekten, den Wahrhaftigen. Von den aufrechten Menschen, welche natürlich den vielen Gebückten und Verbogenen, aber auch den Verlogenen und Falschen ein Dorn im Auge sind.

Wahres Heldentum ist daher spontan und entspringt darum selten dem Geist, sondern eher dem Gefühl. Wer sich dauerhaft aber der Wahrheit verschreibt endet oftmals mit dem vorzeitigen Tod. Das kann auch der soziale Tod sein. Durch Ächtung oder Ausstoss aus einer Gesellschaft, Gruppe.

Erst wenn auch die Gruppe der Wahrhaftigen und Echten darum gross genug und geschlossen, gut organisiert ist, kann sie den Kampf gegen die Lüge (Lügen) aufnehmen. Sie zu zerstreuen, in Deutschland auch ein paar Millionen Menschen, haben sich die Feinde der Wahrheit daher zum Ziel gemacht. Diese Leute zu indentifizieren, beziehungsweise, sie zu finden, auch dazu dienen die Neuen Medien. Sowohl ihren Gegenern wie auch denen, die frei sein wollen. Die Wahrheitsbewegung.

Wahrhaftigkeit aber kennt keine sozialen Grenzen, dazugehören kann darum jeder, ein wahrhaftiger Mensch sein zu wollen. Dazu muss man nicht einmal auserwählt sein, diese Entscheidung trifft jeder für sich selbst. Heldentum hat daher etwas mit Mut zu tun, mit Furchtlosigkeit, auch vor dem Tod.

Lotta Vorbeck
5. März 2019 14:57

@Niekisch - 5. März 2019 - 10:55 AM

Der Vollständigkeit halber sei noch nachgetragen:

Im Leopold-Stocker-Verlag erschienen ist dieses, momentan nirgendwo zu einem akzeptablen Preis erhältliche Buch:

"Menschlichkeit im Krieg: Soldaten der Deutschen Wehrmacht und ihre Gegner berichten"
(ISBN: 9783702008840)

Hier die Titelseite des Einbandes zur Ansicht: https://www.ares-verlag.com/uploads/pics/mensch_01.jpg

Inspiriert durch das im Leopold-Stocker-Verlag erschienene Buch entstand folgendes Video

"Menschlichkeit im Krieg | Alliierte Berichte über deutsche Soldaten"

https://youtu.be/_MAOVYmayss

Laufzeit: 19:43 min.

veröffenticht am 21.10.2018

Namentlich in diesem Video Erwähnung finden

+ der 17jährige Flak-Soldat Karl-Heinz Rosch, am 6. Oktober 1944 durch einen Grantenvolltreffer getötet, unmittelbar nachdem er zwei Kinder gerettet hatte

+ der Leutnant Friedrich Lengfeld, der 1944 im Hürtgenwald während des Versuches einen verwundeten US-Soldaten aus einem Minenfeld zu bergen, tödlich verletzt wurde

+ Rudolf Börner, der bei Smolensk dafür sorgte, daß zwei beim Spiel mit einer Handgranate verletzte, russische Jungen gerettet wurden

+ Günther Stüttgen, der gedeckt von seinem Regimentskommandeur Oberst Rösler kurze Feuerpausen zur Bergung Verwundeter mit dem Feind aushandelte und diese zeitweise gemeinsam mit US-Sanitätssoldaten behandelte, überliefert, als "Das Wunder vom Hürtgenwald" (hier bildlich dargestellt: https://i.ytimg.com/vi/_MAOVYmayss/maxresdefault.jpg)

+ der DAK-Soldat Weber, der sich mit Verbandszeug und einer Feldflasche voll Wasser an einen verwundeten, in der Wüstensonne liegenden Briten heranrobbte, um diesem zu helfen

Man beachte auch die (bisher) 2.470 unter dem Begleittext zum Video hinterlassenen Kommentare der Rezipienten.

Sandstein
5. März 2019 16:08

@ Venator

hier gehts glaube ich nicht um die Verdienste meines Urgroßvaters für Deutschland. Aber weil Sie fragen: er war 1. Weltkriegskämpfer, Eisernes Kreuz I+II Klasse, Schwarze Reichswehr, Annaberg/Schlesien. Und später, schon als alter Mann, Oberwehrmachtspfarrer in der 71. Inf.-Div./6.Armee. Er kam als Greis nach Hause, hat andere Kameraden vorgelassen.

Ich zweifel ja auch gern viel, aber nicht an der Integrität dieses Mannes.
Gruß...

deutscheridentitaerer
5. März 2019 20:45

@Lotta Vorbeck

Dieser Stigler ist alles andere als Held. Mitleid zu fühlen können ist schön und gut. Sich davon bestimmen zu lassen, ist aber nicht heldisch.

Der B-17 Pilot hat sich als Soldat bereit erklärt den Tod als mögliche Konsequenz seines Handelns in Kauf zu nehmen. Stigler hatte demgegenüber die Pflicht so viel feindliches Material und Personal wie möglich zu vernichten.

Was allerdings den Bastard-Film angeht, haben Sie Recht.

Ich war damals noch Tarantinofan und habe die Szene so gedeutet wie es ihrem Zitat nach wohl auch Tarantino selber gedacht hat.

Nur war ich eben wie auch von Ihnen geschildert der einzige im Kinosaal, der das so gesehen zu haben scheint.

Dass diese dummen Gestalten so scharf darauf waren, ihre Großväter erniedrigt zu sehen war noch viel schlimmer als die ständigen feindlichen Propagandafilme.

deutscheridentitaerer
5. März 2019 20:52

@Sandstein

Es wurden keine Verdienste bestritten, sondern dass schon das Überleben eines in Stalingrad in Gefangenschaft Geratenen eine große Ausnahme war und eine Heimkehr schon 1946 erst recht.

In diesem Licht gerät Ihre Schilderung etwas unglaubwürdig, gerade wenn Sie schreiben seine Heimkehr hätte sich durch diverse Umstände auch noch verzögert.

Vielleicht haben Sie sich ja verschrieben, was die Dauer der Gefangenschaft angeht oder Sie beziehen sich auf auf das Kriegsende und nicht das Ende der Schlacht von Stalingrad.

Franz Bettinger
5. März 2019 21:30

@Lotta Vorbeck: Ursprünglich wollte ich mir den Film nicht ansehen. Einer dieser primitiven Kraut-Bashing-Movies, so dachte ich, und dazu noch bluttriefend. Dann machte ich's doch. Die Rezeption der Kino-Besucher empfand ich ganz anders, als von Lichtmesz beschrieben. Ich sah Tarantino's Basterds in einem herrlich muffigen Dorfkino Takakas. Es war gerammelt voll, darunter viele deutsche Auswanderer. In der Pause, in der früher die Filmrolle gewechselt wurde (ja, das ist und bleibt hier eine nette Tradition), also in der Intermission standen wir draußen und traten verlegen von einem Fuß auf den anderen. Jeder hatte einen Pfeil im Rücken stecken und wollte nicht darüber reden. So erging es fast allen Kino-Besuchern. Es war gespenstig. Trotz der abstoßenden Geschichte, die da erzählt wurde, gefiel mir der Film sehr, grad weil er das Gegenteil dessen in mir und wohl auch in anderen erzeugte, als das, was die Zeitungen aus dieser Zitrone herauspressen wollten. Interviews mit Waltz und Tarantino rundeten dann später das Bild für mich ab. Jetzt weiß ich: der Pfeil steckt im Rücken der anderen, im Rücken der Brad Pitts.

Niekisch
6. März 2019 13:08

Lotta Vorbeck 5.3. 14:57: Besten Dank für die weiteren Hinweise. Tony Vaccaro schildert mit Foto eine weitere Begebenheit, an der ebenfalls eine tapfere Frau beteiligt ist. Die Einzelheiten möchte ich hier nicht schildern.

Die Schlacht um den Hürtgenwald hat mich schon immer besonders interessiert. Wußten Sie, das da mehr US - Soldaten gefallen sind als im gesamten Vietnamkrieg? Die Schauplätze habe ich einmal besichtigt, war am "Kall -trail", wo noch heute Relikte zu finden sind, und in Vossenack, wo erbittert innerhalb der Kirche gekämpft wurde. Wahnsinn! Es macht mir rein garnichts aus, zu betonen, daß hier versprengte Reste deutscher Truppen gegen Kriegsende zeigten, daß es weniger um Nazideutschland, sondern um Deutschland ging.

Sandstein
6. März 2019 13:26

"Es wurden keine Verdienste bestritten"
"In diesem Licht unglaubwürdig"

Merken Sie jetzt aber selber, dass Sie nicht viel mehr als 2 Absätze brauchen, um sich selbst zu widerlegen, oder?

Finde es beleidigend was Sie schreiben.
Ich kann alles belegen, und wenn Sie wirklich scharf drauf sind, dann lassen Sie sich von K meine private Email geben und ich meld mich gern bei Ihnen zum gemeinsamen Nachrechnen. Ganz simpel auf Grundlage von Memoiren und Stammbaum, kopiere Ihnen die entsprechenden Stellen, auch wenn es Sie eigentlich nichts angeht. Aber wer bestellt bekommt geliefert. Also, liegt jetzt an Ihnen, Identitärer.

Lotta Vorbeck
6. März 2019 14:02

@Niekisch - 6. März 2019 - 01:08 PM

"Tony Vaccaro schildert mit Foto eine weitere Begebenheit, an der ebenfalls eine tapfere Frau beteiligt ist. Die Einzelheiten möchte ich hier nicht schildern."

+ Den zunächst "Private" US-Soldaten und späteren Photographen Tony Vaccaro kannte ich zuvor nicht.

*******************************

"Die Schlacht um den Hürtgenwald hat mich schon immer besonders interessiert. Wußten Sie, das da mehr US - Soldaten gefallen sind als im gesamten Vietnamkrieg?"

+ Hab' in Büchern darüber gelesen, bin aber selber noch nicht in der Eifel am Ort des Geschehens gewesen.
Eigene Vorfahren kämpften und fielen an der Ostfront oder als U-Boot-Offizier.

Erzählen Sie, liebe @Niekisch, solange es in den Kontext dieses Stranges paßt, gern mehr über die Kämpfe im Hürtgenwald.

*******************************

"Es macht mir rein garnichts aus, zu betonen, daß hier versprengte Reste deutscher Truppen gegen Kriegsende zeigten, daß es weniger um Nazideutschland, sondern um Deutschland ging."

+ Dies ist vielfach belegt.
Nicht nur vom einstigen, zigarrenrauchenden, 1955 von der BRD mit dem Karlspreis dekorierten, britischen Marineminister sind dementsprechende Aussagen überliefert.

Liste der Karlspreisträger: https://www.karlspreis.de/de/preistraeger

Niekisch
6. März 2019 14:15

@ deutscheridentitärer:
"Dieser Stigler ist alles andere als Held. Mitleid zu fühlen können ist schön und gut. Sich davon bestimmen zu lassen, ist aber nicht heldisch.
Der B-17 Pilot hat sich als Soldat bereit erklärt den Tod als mögliche Konsequenz seines Handelns in Kauf zu nehmen. Stigler hatte demgegenüber die Pflicht so viel feindliches Material und Personal wie möglich zu vernichten."

Sie machen Ihrem nn etwas Unehre. Das Begleitkommando war auch für Stigler lebensgefährlich. Entweder durch Kollision mit dem waidwunden Bomber oder durch friendly fire. Übrigens ließ auch der heldenhafte Manfred Freiherr von Richthofen im WKI an der Westfront einen jungen, unerfahrenen Gegner davonkommen, als er an dessen Flugmanövern bemerkte, daß dieser kein ebenbürtiger Gegner war. Heldentum und Mitgefühl, Mitgefühl und Heldentum, bei wirklichen Helden können sie dicht beieinander liegen.

.."schon das Überleben eines in Stalingrad in Gefangenschaft Geratenen eine große Ausnahme war und eine Heimkehr schon 1946 erst recht.
In diesem Licht gerät Ihre Schilderung etwas unglaubwürdig, gerade wenn Sie schreiben seine Heimkehr hätte sich durch diverse Umstände auch noch verzögert."

Bevor Sie Unglaubhaftigkeit unterstellen, sollten Sie vielleicht ein wenig recherchieren: Es gab Seydlitz`Nationalkomitee und wenn sich der früh Zurückgekehrte dort angeschlossen hatte, was als Pfarrer nicht ausgeschlossen ist, dann kann er früh entlassen worden sein. Vielleicht auch aus ganz anderen Gründen, z.B. ansteckende Krankheit, Unverwendbarkeit für Reparationsarbeit o.ä., Auch der ursprüngliche Heimatort kann eine Rolle gespielt haben.

deutscheridentitaerer
6. März 2019 18:44

@Sandstein

"Finde es beleidigend was Sie schreiben."

Entschuldigen Sie bitte. Meine Wortwahl war unangemessen.

Mir schien Ihre Schilderung dahingehend unstimmig, dass Ihr Großvater seine Gefangenschaft sowohl dadurch verlängert habe, nicht ausgesagt zu haben als auch andere vor sich heimreisen zu lassen und dennoch bereits 1946 heimgekommen ist.

Ich dachte, die große Masse der deutschen Kriegsgefangenen in Russland sei deutlich länger in Gefangenschaft geblieben. Bereits eine oberflächliche Internetrecherche hat allerdings ergeben, dass ich mich hier geirrt hatte.

Boricua
6. März 2019 18:46

@Niekisch

Lieber Niekisch,

sein Sie doch so freundlich, und teilen Sie die Einzelheiten zur tapferen Frau mit. Geht es da zufällig um eine Zigarette?

MkG
Boricua

Sandstein
7. März 2019 10:36

@Identitärer

Danke für Ihre Entschuldigung, die war mir wichtig.
Mein Urgroßvater hat seine beiden Brüder im I. an der Westfront verloren. Was diese Generation durchgemacht hat, können wir wahrscheinlich nie ganz verstehen. An seinem Pfarrhaus hatte er einen Spruch für seine Konfirmanden anbringen lassen: "Deutschland unsere Aufgabe, Christus unsere Kraft".
Ich hätte diesen Mann gerne zumindest einmal gesprochen.

Gruß

Niekisch
7. März 2019 11:23

@ Boricua 6.3. 18:46:

Gerne, aber ich konnte nicht so schnell reagieren, weil ich das Werk "entering Germany" momentan in meinen umfangreichen Beständen nicht auffinde. Den Bericht zur Schlacht im Hürtgenwald hatte ich aus "Metapolitika" herauskopiert, schon da konnte ich das Buch nicht finden und so muß ich nun mein Gedächtnis bemühen: Tony Vaccaro war nach der Kapitulation auch im Raum Berlin. Es muß noch im Mai 1945 gewesen sein. Beim Herumstreifen in den Wäldern machte er eines seiner schrecklichsten Fotos aus dem Krieg. In einem Erdloch lag eine schöne junge Frau auf dem Rücken mit entblößtem Unterleib und einer Panzerfaust in der Hand, der Leib durchbohrt von einem Bajonett. Offenbar hatte sie die Reichshauptstadt noch mit verteidigen wollen. Manche deutsche Soldaten oder Zivilisten taten das bis zum bitteren Ende nicht immer aus Fanatismus, sondern weil sie ihre gesamte Familie verloren hatten. Wir wissen es nicht und werden es nie wissen.

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