3. Mai 2019

Was fehlt: ein neurechtes Kontinuum

Martin Sellner / 125 Kommentare

Das Overton-Fenster ist ähnlich wie „Disruption“ oder „Framing“ zu einem Schlagwort geworden, das in keiner Debatte über Metapolitik fehlt.

Martin Sellner

Martin Sellner ist Kopf der österreichischen Identitären Bewegung.

Und das zurecht, denn wie kaum eine andere Theorie visualisiert sie den Kampf um Ideen, Positionen und macht ihn damit verständlich. Der Begriff geht auf eine Theorie des amerikanischen Politologen Joseph P. Overton zurück, der dem Fenster seinen Namen gab.

Wenn „Framing“ die taktische Rahmesetzung für eine konkrete Debatte bezeichnet, so befindet sich das Overton-Fenster auf der strategischen Ebene. Es setzt den moralischen Rahmen für den gesamtgesellschaftlichen Diskurs. Konkret markiert es, welche Meinungen auf der rechten und auf der linken Seite vertreten werden können, ohne als "extrem" zu gelten. In beide Richtungen findet eine graduelle Abstufung statt:

(In der Skizze bezeichne ich das gegnerische Lager der Globalisten als "links" und bitte die Verwendung des Begriffs in der Folge in diesem Sinne zu verstehen.)

Die Wahrnehmung der Begriffe von „populär“ bis „undenkbar“ ist als soziales Phänomen ständigem Wandel unterworfen. Durch gezielte Beeinflussung und Infoarbeit kann sie verändert und damit das Overton-Fenster verschoben werden. Wenn eine These in den Brennpunkt des „Aktuellen“ gerät und zur akzeptierten „gesellschaftlichen Frage“ wird, liegt ihre politische Umsetzung nicht mehr fern.
 Meinungen, die aus dem Vertretbarkeitsrahmen fallen, drohen hingegen brutale Konsequenzen. Sie gelten als unsagbar, werden emotional mit „Unreinheit“, „Krankheit“ und moralischer Verwerflichkeit assoziiert. Die Vertreter dieser Meinung werden folglich sozialer Ausgrenzung, wirtschaftlichen Boykotten, Gewalt und Terror ausgesetzt.

Führt das „Herausfallen“ aus dem Overton-Fenster und dieser Druck nicht zu einem Verschwinden dieser Meinungen und ihrer Vertreter, folgen in der Regel Kriminalisierung und juristische Verfolgung. Das Bestreben des kulturellen Hegemon ist es, diese "unsagbaren" Ideen und Gruppen in diesem Zustand zu halten, um das Zentrum zu stabilisieren. Wer diese Meinungen vertritt, muß mit schwersten sozialen und am Ende juristischen Konsequenzen rechnen.

Der oft zitierte „Narrensaum“, also Leute, welche die absurdesten Positionen auf eine platte Art vertreten und es oft bewußt darauf anlegen, durch Bestätigung von Klischees zu „schockieren“, sind nützliche Idioten des Zentrums.

Idealisten und „Fundis“ von Links und Rechts hingegen, welche die herrschende Lehre provokant, aber nachvollziehbar kritisieren, können das Zentrum in ihre Richtung ziehen. Der Unterschied zwischen Avantgarde und nützlichem Idiot besteht in Anschlußfähigkeit und planvollem Vorgehen. Erfolgreiche Manipulateure des Overtonfensters arbeiten einer Mischung aus „Schock“ und „Normalisierung“, die wir in Perfektion in den linken Bewegungen der letzten Jahrzehnte beobachten können. Jordan Peterson hat das perfekt auf den Punkt gebracht.

Das Fenster bewegte sich stetig nach links und nahm gleichzeitig den rechten Rand des Sagbaren auf seine gefährliche Reise mit. Damit gerieten ehemalige Mitte-Rechts-Positionen -  z.B. im Bereich der Einwanderungs- und Familienpolitik - langsam, aber sicher in den Bereich des Unsagbaren. Krude linke Thesen undVerschwörungstheorien wie der „Gender Pay Gap“ oder „struktureller Rassismus“, wurden hingegen systematisch, normalisiert und dann politisch umgesetzt.

Dieser Effekt wurde jüngst in einem Tweet perfekt auf den Punkt gebracht:
Die eigenen Standpunkte müssen sich dabei gar nicht ändern. Der gesellschaftliche Rahmen hat sich verschoben und sie im Bereich des Unsagbaren zurückgelassen. Damit werden täglich neue Nazis "produziert". Der Definitionsrahmen für "Nazi" wird erweitert, gleichzeitig zieht sich der Rahmen für eine gesellschaftlich akzeptierte Rechten immer weiter zurück, bis er er zum kleinen, harmlosen Grünstreifen vor der linken Ideologiehochburg wird. In Verbindung mit der ökonomischen, sozialen, juristischen und physischen Vernichtung, welche die linken Machthaber mit „Nazis raus“ meinen, ist der Linkstrend des Overton-Fensters für jeden Konservativen eine existenzielle Gefahr.

(In dieser Grafik des PEW-Research Centers, sieht man die Entwicklung des Overton Fensters in den USA. Dabei wird klar: 1. Die "Rechten" haben sich kaum bewegt. Die "Linken" sind radikal abgedriftete und haben damit eine neue Mitte geschaffen, die objektiv bereits weit in ihrem Lager steht.)

Was wir den „Cuckservatives“ vorwerfen: daß sie genau diesen Trend ignorieren, und sich ängstlich in die scheinbar subjektive „Mitte der Gesellschaft“ flüchten, die ideengeschichtlich-objektiv das linksliberale Lager ist.

Wie konnte es so weit kommen? Warum waren Rechte so ineffektiv im Kulturkampf? Eine Erklärung liegt in der 68er-Revolte, von der ausgehend die „kulturellen Kasernen“, Universitäten, Medienhäuser, Verlage, Theaterbühnen und Grundschulen gestürmt wurden. Linke haben dadurch metapolitisches Kapital gehortet, mit denen sie nun wuchern können.

Ein weiterer Grund dafür ist, daß sie im Unterschied zum rechten Lager wissen, was sie tun. Sie sind nicht nur ressourcentechnisch, sondern auch strategisch überlegen. Das beste Beispiel dafür ist, daß es die Rechten nie schafften, ein Kontinuum von gemäßigten bis fundamentalen Positionen herzustellen, welches eine Gegendynamik zum Linksdrift erzeugt hätte. Ich möchte im Folgenden anhand von zwei Beispielen zeigen, wie das Fehlen eines rechten Kontinuums das Verschieben des Overton-Fensters erschwert.

Eine Möglichkeit zu seiner Bewegung ist die „Themeninvasion“. Viele Ideen des heutigen Mainstreams starteten ihre Karriere in linksradikalen bis linksextremen Rändern. Auch „refugees welcome“ floß vom radikalen Rand der Antifa bis hin zur Mitte in die Regierungspolitik der CDU. Antifa Zeckenbiss und Angela Merkel kennen sich wohl nicht persönlich, prägten aber gemeinsam das Hetzjagd-Narrativ. Empörung und Gelächter sind, wie Walter Benjamin beschrieb, stets die Geburtswehen einer neuen, provokanten Idee.

Die Frage ist, wie es weitergeht. Wird sie im eigenen Rensonanzraum viral? Mobilisiert sie das aktivistische Kernpotential? Erzeugt sie damit Überreaktionen des Gegners, welche sie weiter befeuern? Wird sie von den idealistischeren Teilen der Parteien, z.B. von deren Jugendorganisationen, aufgegriffen? Gewinnt sie einen Wiedererkennungswert und wird zur „aktuellen Frage“, die Talkshows dominiert?

In dem Fall besteht eine große Chance, daß sie in weniger radikaler Form in den Mainstream eindringt und, wie ein Enterhaken, das Fenster in die Richtung zieht, aus der sie ursprünglich kam. Diese Themeninvasion ist nur durch ständige Wiederholung und Normalisierung eines Begriffs und seiner Idee, die sich vom Rand ins Zentrum fortpflanzt, möglich. Dazu braucht es ein metapolitisches Kontinuum, welches das linke Lager erfolgreich bis in die CDU expandiert hat. Von den Mitte-Links-Parteien wie der CDU, bishin zu linksradikalen Pressure Groups wie Attac, oder „jugendrettet“ und dem extremistischen Flügel der Antifa verläuft eine durchgehende Ideenstafette, die man sich auch als sanft ansteigende Rampe vorstellen kann. Sie erzeugt eine Dynamik, einen metapolitischen Strom, der das Overton-Fenster nach links zieht.

Eine zweite beliebte Variante, um das Overton-Fenster zu verschieben, ist die „radikale Flanke“. Die Taktik besteht darin, eine Position zu normalisieren, indem bewußt die "nächstradikale" popularisiert wird. In Abgrenzung zu dieser erscheint die eigene Forderung dann moderater. Dabei wird die zeitliche und soziale Kontingenz aller moralischen Bewertungen ausgenutzt. Der öffentliche Diskurs ist instabil und dynamisch. Dominieren ihn neue radikale Flanken, relativieren sich die gestrigen radikalen Positionen und werden zur neuen Mitte.

Im neu gebildeten, radikalisierten Kontext wird die eigene Position wie von Zauberhand von „radikal“ zu „akzeptabel“. Diese Variante wird vom linken Lager von Abtreibungen bis hin zu Enteignungen, von refugees welcome bis zum Grundeinkommen ständig gezielt angewandt.

Auch im Fall der Migrationskrise waren es die linksradikalen Flanken, die den Diskurs z.B. mit den Aktionen „Seebrücke“ oder „werde Fluchthelfer“ mit absurden Forderungen überschwemmten, in deren Kontrast auch Merkels Wahnsinn noch als „maßvoll“ erscheinen konnte. Eine optische Täuschung, mit der man die eigenen, beunruhigten CDU-Wähler sedierte. Der Bevölkerungsaustausch auf Raten, begleitet von christdemokratischer Folklore, erscheint als das „kleinere Übel“ gegenüber der linksradikalen Endlösung, die seine radikale Flanke ist. Beides geht aber in dieselbe Richtung und befindet sich auf der „linken“, multikulturalistischen, globalistischen und identitätsverleugnenden Seite der Politik des Großen Austauschs.

So verschieben all diese „absurden“, extremistischen Kuriositäten von links, über die wir täglich lachen, das Overton-Fenster, indem sie einen ultralinken Kontext bilden,  der das Linksradikale normalisiert.

Um das Geschriebene besser zu veranschaulichen, habe ich dazu ein kleines Schaubild erstellt. Wir sehen darin das linke politische und metapolitische Lager als ein Kontinuum, das ganz sanft zu radikalen Höhen ansteigt. Auf der rechten Seite sieht das Ganze weniger harmonisch aus.

In Deutschland gibt und gab es im rechten Lager - weder parteipolitisch noch metapolitisch - kein Kontinuum von der realistischen Mitte zu „Fundi-Rändern“. Es fehlte sowohl am Netzwerk als auch an einem einheitlichen neurechten Narrativ, in dem sich solche Flügel hätten bilden können. Schuld am fehlenden politischen Kontinuum ist die CDU, die im Gehorsam gegenüber den Besatzungsmächten ihre „rechts von uns ist nur der Nazi“- Politik durchsetzte. Dem fielen alle patriotischen Parteigründungen zum Opfer. Wenn die sanfte Repression nicht ausreichte, wie z.B. bei den Republikanern, dann beendete die Verfassungsschutzkeule die Aufbrüche von Rechts. Anders als in Österreich konnte sich daher kein „3. Lager“ entwickeln, welches als radikalere Flanke die Mitte-Rechtsparteien auf patriotischem Kurs hielt.

Das Ergebnis sieht man, wenn man die heutige ÖVP mit der CDU vergleicht. Die Union hackte alles ab, was rechts von ihr wuchs, es gab neben ihr kein Kontinuum, sondern eine steile Klippe, von der sie alle unliebsamen patriotischen Idealisten hinunterstieß. Sie arbeitete dabei freiwillig mit dem linken Lager zusammen, um die eigene Macht zu steigern. Die CDU wurde als Partei übermächtig -aber zum Nachteil des gesamten rechten Lagers.

Ideengeschichtlich entstand die unheilvolle Dichotomie von Neonazismus und liberal-atlantischem Cuckservativismus. Zwischen CDU und Parteien wie der NPD lag ein tiefer, unüberwindbarer Krater.  Letzterer ging es um Provokation und. Totalopposition. Sie rechtfertigte damit in Ausdruck und Auftreten die Abgrenzungspolitik der CDU. Sie war nie eine radikale Flanke, die ihr unzufriedene Wähler hätte abjagen oder ihre Basis beeinflussen konnte. Im Gegenteil: Josh Bolotsky schreibt in der metapolitischen Fibel „Beautiful Trouble“ dazu:

„Not all radical positions are effective in shifting the Overton window, so don’t just reach for any old radical idea. Ideally, the position you promote should carry logical and moral force, and must include some common ground with your own position — it needs to be along the same continuum of belief if it is to be effective. It also must not be so far out of the mainstream that it becomes toxic for anyone vaguely associated with it, or the backlash will in fact push the Window in the opposite of the desired direction.“

Genau das tat die NPD, weswegen sie in der Skizze keinen Anstieg, sondern einen schädlichen Keil darstellt. Ebenso sind sie und das subkulturelle rechte Lager farblich unterschiedlich. Zwischen konservativen Denkschulen der CDU und den geistigen Wegen der alten Rechten gab es sehr rasch keine Vermittlung und keine Schnittmenge mehr. Die alte Rechte radikalisierte sich in NS-Nostalgie. Die gesellschaftliche akzeptierte Rechte entkernte sich geistig und warf sich dem sogenannten "Fortschritt" in die Arme. Die Traditionen der Konservativen Revolution, welche eine Alternative zu NS und Cucks darstellten, verkümmerten und waren weder in Parteiakademien noch in Subkultur und Aktivismus  präsent. Der entstehende Extremistenkeil wurde jahrzehntelang benutzt, um das gesamte rechte Lager „in die Mitte“, also nach links,  zu treiben, wie der Ex-NPDler Holger Apfel in seinem Buch Irrtum NPD eingestand.

Das fehlende Kontinuum beschränkte sich nicht nur auf Parteipolitik. Die gemäßigt konservativen Zeitungen, Autoren, Think-Tanks und Wortführer gingen die Seuchengürtelpolitik der CDU mit. Die Flucht zur Mitte und das verzweifelte Ringen um Akzeptanz im Mainstream gingen Hand in Hand mit einer panischen Abgrenzung gegen alles, was rechts ausscherte. Sogar jene Medien, denen vonseiten der Linken „Scharnierfunktionen“ nachgesagt wurden, versuchten in der Vergangenheit nachdrücklich über Distanzierungen und Abstoßungseffekte ein Profil zu schärfen, das (rechts) neben sich nichts gelten ließ. Die NS-Subkultur nahm hier dieselbe metapolitische Rolle ein, welche die NPD für das Parteienspektrum hatte: Keine radikale Flanke und kein Außenpunkt des Kontinuums, sondern eine Vogelscheuche für die metapolitischen Wastelands.

Hier hat Österreich der BRD gar nichts voraus. Das 3. Lager hat es nie geschafft (und kaum versucht) , ein metapolitisches Umfeld aufzubauen. In der Alpenrepublik dominieren dieselben Ungeister Unis, Kirchen, Gewerkschaften und die Mainstreampresse.

Seit einigen Jahren hat sich die Lage geändert. Mit der AfD hat sich in Deutschland in einer nachholenden Normalisierung ein 3. politisches Lager gebildet. Mit der Stärkung des neurechten Resonanzraumes haben die vielen metapolitischen Ansätze die Aufmerksamkeit bekommen, die sie verdienen. Vor allem aber ist die neurechte Theoriebildung als schillerndes Mosaik mit altrechter Nostalgie und pseudorechtem Cuckservativismus in einen Streit geraten, der hoffentlich fruchtbar für das neurechte Wäldchen ausgehen wird. Es wächst genau dort, wo nach dem Willen unserer Gegner nichts wachsen dürfte und füllt eine klaffende Lücke. Hier könnte sich ein Kontinuum zu bilden, welches das Overton-Fenster wieder subjektiv nach rechts, also de facto in die verlorene Mitte bewegt.

Was genau meint hier der Begriff „Kontinuum“? Bewußt gebrauche ich nicht die Worte „Einheit“, „Lager“, oder Netzwerk. Solche Organisationsgrade werden gar nicht benötigt. Es reicht ein dynamischer Austausch von Ideen, eine gegenseitige Zitier- und Kritikfähigkeit bis hin zur Gesprächsbereitschaft.

Auch wenn Ideen oder Vorgehen der „radikalen Flanke“, z.B. auf einer PEGIDA Demo oder in einem IB-Flugblatt kritisiert werden können, auch wenn man sich von Organisationen und ihren Forderungen abgrenzen kann, darf es keinen harten Bruch, keine profilierungssüchtigen „Rechtsschläge“ geben. Die Grenze muß, wie es ihr englischer Terminus „boundary“ impliziert, trennend und verbindend zugleich sein.
 Die tolerante Abgrenzung, welche die Existenz des Anderen - bei klarer Trennung - nicht in Frage stellt und durch die man Mosaikrechte, Libertäre ebenso wie Nationalromantiker akzeptiert, muß Prinzip werden.

Voraussetzung ist, daß man  einen neurechten Grundkonsens teilt. Die entscheidende Frage der heutigen Politik ist die zwischen Globalismus und Patriotismus. Wird Deutschland zu einem Vielvölkerstaat, der seine Souveränität an supranationale Instanzen abgibt, oder behält Deutschland seine ethnokulturelle Identität sowie Souveränität als Nationalstaat?

Das neurechte Kontinuum befindet sich hier auf der identitären, populistischen, nationalstaatlichen und patriotischen Seite. Es umfaßt neben den neurechten Denkschulen, Verlagen, Aktionsgruppen und Kreisen auch die ökonomische Kritik der Machbarkeit, wie sie z.B. Sarrazin vorbringt, ebenso wie die Kritik des Islamismus und der Integrationslüge eines Sarrazins und Abdel Samads, die bedacht-beredte Kritik eines Sloterdijks ebenso, wie die Invektiven eines Pirinçci und die Kritik am linken Tugendterror durch Don Alphonso oder Julian Reichelt.

Der Vortrag von Raimond Unger in der Bibliothek des Konservativismus gehört dazu, genau wie eine Büttenrede bei PEGIDA. Kern des Kontinuums ist die entscheidende Frage, die unausgesprochen hinter der Kritik an Islamisierung, importierter Kriminalität und Überlastung des Sozialstaats und Scheitern von Integration liegt: die identitäre Frage, die Frage nach unserer Identität und ihrer demographischen, ethnokulturellen Aufnahmekapazität. Unsere Gegner wollen diese Frage unsagbar machen. Wir wollen sie zum Thema machen.

Die Aussagen Strache und Palmers sind in diesem Infokrieg metapolitische Siege. Terroristischer und extremistischer Mißbrauch dieser Ideen durch Wahnsinnige und Soziopathen sind Wunschszenarien unserer Gegner.

Die von Bolotsky „toxisch“ genannten Gruppen befinden sich außerhalb des Kontinuums. Sie vertreten nicht, oder nicht nur, die identitäre, demographische Frage, sondern bieten darüberhinaus ein ideologisch-totalitäres Paket an, das meist eine finale Endlösung der Krisis der Neuzeit will. Sie haben aus der Geschichte tatsächlich nichts gelernt und sind links wie rechts ideengeschichtlich deplaziert. Ihre Ästhetik, ihr Sprachstil und ihr pseudomilitantes Auftreten zeigen, worum es ihnen geht: Die pure Provokation. Selbstbestätigung ihrer Existenz durch den Schock, den sie bei anderen auslösen. Das ist ihr Lebenselixier und raison d’être.

Es ist keine politische Strategie, sondern vielmehr eine Profilneurose. Sie sind schon deshalb nicht in der Lage, Teil eines Kontinuum zu sein, weil sie sektenartig jeden, der nicht voll in ihr Denken einsteigt, als miesen Verräter oder gekauften Agenten betrachten. Und sie sind damit der unbewußte Verbündete der Gegenseite. Ihre Aktivität zieht das Overton-Fenster nicht nach rechts, sondern stößt, wie eine Seifenblase die andere, es ab - weiter nach links.

Dieser Abstoßungseffekt hat Methode. Die Linken haben ihn als "Nazikeule" perfektioniert und inszenieren gekonnt eine Hysteriewelle nach der anderen. Diese leidvollen Erfahrungen haben das rechte Lager übersensibel für jede radikale Flanke und Avantgarde gemacht., Ja einige Populisten gehen sogar soweit Metapolitik grundsätzlich abzulehnen. Sie sei unkontrollierbar, daher gefährlich und immer nur Werkzeug der Gegner.

Jede ernsthafte weltanschauliche Fragestellung, jede Systemkritik, jeder Pathos und jede Aktion wird als "nicht hilfreiche Störung", der Realpolitik betrachtet. Man beteuert verzweifelt sich von „linken wie von rechten Radikalen“ zu distanzieren. Kurz: Man cuckt. Dabei vergisst der "Realpolitiker", dass sich seine reale Politik im Rahmen des megapolitischen Fensters bewegt. Seine Ablehnung der rechten Metapolitik dient der linken Kulturhegemonie. Seine Flucht in die "Mitte der Gesellschaft" wird zur Flucht nach links. Er selbst ist der nützliche Idiot, das gut abgerichtete Haustier der linken Hegemonie.

Seit einiger Zeit wächst auf der rechten Seite ein faszinierendes Mosaik, das nicht mehr zu ignorieren und jeder intellektuellen Debatte gewachsen ist. Die Aufgabe des neurechten metapolitischen Lagers und des politischen 3. Lagers ist es, den linksradikal überfärbten Diskurs über Identität und Immigration wieder vernünftiger zu machen, also nach rechts zu rücken. Wir schaffen das, indem wir direkt an der unbewußt identitären Grundhaltung der gesellschaftlichen Mitte andocken und sie über ein langsam wachsendes Kontinuum mit einem breiten Angebot an Information, Aktion und Partizipation auf eine bewußtes Niveau anheben.

Jeder rechte Produzent und Konsument alternativer Medien ist  Teil dieses metapolitischen Prozeßes, indem er entweder als Beschleuniger oder Hemmnis fungiert. Um in der Sprache der Marxisten zu sprechen: Er ist entweder Revolutionär, indem er das Overton-Fenster nach rechts verschiebt und strategisch an Themeninvasionen und idealistischen Flanken arbeitet, oder er ist reaktionär, weil er aus Ignoranz oder in böser Absicht genau das bremst und verhindert. Die Frage ist nicht, an welchem Punkt der Skala man steht, ob man als Teil einer idealistischen Flanke aktiv auf der Straße provoziert oder  als Netzwerker eine verborgene Achsenfunktion hat. Die Frage ist, ob man sich als Teil des rechten Kontinuums wahrnimmt und entsprechend handelt. In dem Fall ist der Netzwerker ebenso "revolutionär" wie der Straßenaktivist, da sie am selben Werk: der Reconquista der linksradikalen Kulturhegemonie arbeiten.

Jeder trägt eine Verantwortung. Die provokanten Flanken dürfen ihre Positionen niemals so vertreten, daß sie einen radikalen Bruch zu den Gemäßigteren verursachen, nur um sich mit ihrer "Schneidigkeit" als einzig wahre Idealisten zu fühlen. Zielgruppe ist nicht ein sektenartiger Kreis an Überzeugten, der es den "gemäßigten Konservativen zeigen" will und sich an ihren Schocks und Distanzierungen erfreut. Das ist "konterrevolutionär" und bremst den Rechtsruck des Overton-Fensters.

Die Gemäßigten dürfen hingegen nicht bei der reinen Symptombekämpfung stehenbleiben und jede Grundsatzfrage und geistige Verschärfung abblocken. Eine Todsünde ist es in den Chor des Establishments einzustimmen und einen Teil des Kontinuums als "extremistisch" zu bezeichnen, obwohl er das nicht ist.

Zwischen den beiden Enden des rechten Spektrums muß es gar keinen direkten Kontakt geben. Zwischen der metapolitischen und parteipolitischen Ebene sind Überschneidungen unnötig. Doch ein ununterbrochener Fluß an Ideen und Konzepten, ein Stoffwechsel der Ideen, muß gegeben sein. Im Rahmen des neurechten Kontinuums kann es Aufgabenteilungen, wohlwollende Nichtbeachtung, ja sogar taktisch notwendige Abgrenzungen geben. Inhaltliche Distanzierungen zur Selbstprofilierung verhindern jedoch das Entstehen einer echten Dynamik und sind zu vermeiden. Intolerante Abgrenzungen, welche dem Gegenüber die Existenz absprechen, dienen den Plänen unserer Gegner und damit dem Großen Austausch.

Jede Lücke und jeder abrupte Zacken, der durch reaktionären Opportunismus oder blinde Radikalität erzeugt wird, schadet dem Kontinuum und verhindert die Verschiebung des Overton-Fensters. Erst wenn sein Brennpunkt sich in den Bereich dessen bewegt hat, der heute als „unsagbar“ gilt, kann eine politische Veränderung eintreten.

Das bedeutet in erster Linie eine Politik der Leitkultur, Deislamisierung und Remigration, die in ihrer Identitäts- und Einwanderungspolitik konkreten Vorbildern wie Ungarn, Israel und Japan folgen kann. Das ist die realpolitisiche Bedingung der Möglichkeit für alle weiteren ökologischen, geopolitischen, wirtschafts- und sozialpolitischen und kulturelle Fragen. Selbstverständlich müssen diese debattiert, herausgearbeitet und entwickelt werden, doch dabei darf dieses unmittelbare politische Ziel nie aus dem Blick geraten. Wir alle bewegen diesen Rahmen mit, indem wir den Diskurse gestalten, die Klischees unserer Gegner bedienen oder brechen und die emotionale Barriere anheben oder einreißen.

Jeder einzelne Aktivist, jedes Parteimitglied, jeder, der online und offline seine Meinung kundtut, auch jeder, der unter SiN-Artikeln postet, betätigt sich entweder als metapolitischer Revolutionär oder Reaktionär. Tertium non datur.


Martin Sellner

Martin Sellner ist Kopf der österreichischen Identitären Bewegung.


Kommentare (125)

Caroline Sommerfeld
3. Mai 2019 10:22

Revolutionär? Reaktionär? Mir ist schon klar, daß die Begriffe hier viel eher metaphorisch-provokant gemeint sind denn historisch-terminologisch. Und nur in diesem erstgenannten Sinne hast Du uns 300 vor dem Justizministerium als "Revolutionäre" adressiert.
Dennoch zücke ich sogleich den eben ausgelesenen Berdjajew "Von des Menschen Knechtschaft und Freiheit" (1954) - danke, @Monika! - und halte dagegen:

"In der Revolution vollzieht sich das Gericht Gottes. Revolution enthält ein eschatologisches Element, gleichsam eine Annäherung an das Ende der Zeiten. Revolution ist jedoch eine Krankheit; sie legt davon Zeugnis ab, daß sich schöpferische Kräfte fanden, um die Gesellschaft zu reformieren, daß die Trägheitskräfte siegten. An der Revolution sind dämonische Elemente beteiligt (...) Es bleibt nur übrig, Revolutionen zu wünschen, in denen keine dämonischen Mächte am Werk sind, und dennoch sind diese zu gewissen Zeiten immer die Sieger. Nur in einem ganz geringen Grade steht die Revolution im Zeichen der Freiheit; in weit höherem Maße steht sie im Zeichen des Fatums." (S.240f)

Der_Juergen
3. Mai 2019 10:29

Ob sich nach der Lektüre dieses ausgezeichneten Artikel wohl immer noch Kritiker zu Worte melden werden, die Sellner vorwerfen, er könne nur auf Videos posieren, aber keine theoretisch untermauerten Analysen liefern?

Ich stimme dem hier Geschriebenen Wort für Wort zu. Bei den Parteien der Altrechten missfällt mir, von dem hohen Prozentsatz an VS-Spitzeln abgesehen, vor allem ihre selbstzerstörerische Lust zur Provokation. Die Art und Weise, wie sich diese Leute oft darbieten, ist für die Medienschakale doch ein gefundenes Fressen.

Allerdings wird die Schwelle zum "Unsagbaren", die auf der linken Seite ständig niedriger wird, auch auf dem rechten Flügel kontinuierlich abgebaut werden müssen, wenn wir vorwärts kommen wollen, und das beschwört zwangsläufig die Möglichkeit einer Spaltung der AFD herauf. Man lese hierzu einen recht aufschlussreichen Kommentar, der gestern auf Michael Mannheimers Blog erschien und in dem ein Auseinanderdriften der AFD vorausgesagt wird:

https://michael-mannheimer.net/

MARCEL
3. Mai 2019 11:12

@Sommerfeld
Ähnliches sagte meines Wissens auch schon Bischof Bossuet (1627-1704), in der Revolution würde sich die "nackte Hand Gottes" offenbaren und das im Absolutismus...
(siehe auch: Jacques Ellul: "De la révolution aux révoltes")
Generell ist es interessant zu beobachten, wie viele nachmalige Konterrevolutionäre zuvor Anhänger der Revolution gewesen sind. Das gilt für Frankreich 1789, wie auch für Russland 1917 (hier bes. durch Frust über Rasputins Einfluss bei Hofe) oder sogar den Iran 1979.
Revolutionen (wie zuvor auch Meinungen) können gekapert oder verloren werden.

Thomas Martini
3. Mai 2019 12:07

"Wie konnte es so weit kommen? Warum waren Rechte so ineffektiv im Kulturkampf? [...]Das beste Beispiel dafür ist, daß es die Rechten nie schafften, ein Kontinuum von gemäßigten bis fundamentalen Positionen herzustellen, welches eine Gegendynamik zum Linksdrift erzeugt hätte."

Die Grundlage dafür sind die Gerichtsurteile des Internationalen Militärtribunals von Nürnberg. Das Eintreten für das Lebensrecht des deutschen Volkes, wird seit dieser Zeit als Neonazismus aufgefasst. Wie oft muss man das noch erklären? Seitdem hat sich dieses ominöse Overton-Fenster vom Prinzip her auch keinen Milimeter bewegt. Man erinnere sich bitte an Zeitzeugen wie Maurice Bardèche oder Emmanuel J. Reichenberger.

"Die entscheidende Frage der heutigen Politik ist die zwischen Globalismus und Patriotismus. Wird Deutschland zu einem Vielvölkerstaat, der seine Souveränität an supranationale Instanzen abgibt, oder behält Deutschland seine ethnokulturelle Identität sowie Souveränität als Nationalstaat?"

Der Kampf zwischen Globalismus und Patriotismus tobt spätestens seit der Französischen Revolution.

Außerdem ist die Fragestellung längst überholt. Wenn der Lack ab ist, und der Wagen verpfändet, hat sich die Frage erübrigt, ob das Auto seine ursprüngliche Form behalten soll. Die Frage wäre höchstens, unter welchen Bedingungen man das Auto zurückhaben kann. Vorausgesetzt man will es noch in dem Zustand.

Dieser aktuelle Aufsatz von Martin Sellner zeigt gute Ansätze in der Analyse, und erscheint oberbeflächlich betrachtet in sich schlüssig. Wie immer beim "Alpen-Jesus" und anderen Sezessions-Autoren, ergeben sich, zumindest aus meiner Sicht, die Denkfehler zwangsläufig durch die Annahme von falschen Grundvoraussetzungen.

In der BRD gab es nie ein Fenster, in dem man als Patriot - in dem Sinne, daß man deutsche Interessen zuvörderst vetritt - vor gesellschaftlicher Ausgrenzung und Existenzbedrohung geschützt war. Davon in seinen Überlegungen auszugehen, muss logischerweise zu falschen Erkenntnissen führen.

Weltversteher
3. Mai 2019 12:13

So viel Überlegtheit hatten wir hier lange nicht. Es ist spannend und lohnend, Ihren Gedanken zu folgen.

Es wird dabei noch außer Acht gelassen, daß sich die Welt in ihrer geistigen Dimension wirklich über die Jahrzehnte ändert, daß darum ein Mensch, der in seinem Gestern verharrt, tatsächlich irgendwann falsch liegen wird, und daß auch in dem, was unsere Feinde in zertstörerischer Weise zu ihrem Thema machen, die wahren aktuellen Aufgaben liegen.
Das tut aber diesen Überlegungen keinen Abbruch.

Laurenz
3. Mai 2019 12:36

Im Westen nichts Neues.
Die Römer schmissen erst Christen in die Arena, und Konstantin kultivierte danach das Christentum, indem er es übernahm. Heute macht man ein ganz natürliches Gas zum Teufel und die virtuelle Verbrennung des Ketzers reicht, ihn zu vernichten. Die Debatte um legale und illegale Haltungen, Positionen, sind (wohl seit es Menschen gibt, also immer) rein der Ausgrenzung geschuldet, "not one of us". Da die Linke, wie die Römer auch, selbst den tribalistischen Ansatz ins Abseits schossen, (gilt nicht für Minderheiten,) rücken Denkmodelle in den Vordergrund. Schon bei der Machtergreifung Stalins waren die Termini "revolutionär" und "konter-revolutionär/reaktionär" abgelutscht, und Stalin ersetzte diese durch Links- und Rechtsabweichler um die Staatsgenossen und internationalen Genossen auf Linie zu bringen. Eispickel bekamen eine ganz neue Verwendungsmöglichkeit.
Ich stimme Herrn Sellner nur insoweit zu, wie es sich um die "veröffentlichte Meinung" handelt. Die öffentliche Meinung und ihre Interessenlage spiegelt sich noch nicht mal bei Wahlen nieder, da Nicht-Wähler keine Vertretung beanspruchen und dafür eine von den Wählern geschenkt bekommen.

PhilipStein
3. Mai 2019 12:50

"Das ist die realpolitisiche Bedingung der Möglichkeit für alle weiteren ökologischen, geopolitischen, wirtschafts- und sozialpolitischen und kulturelle Fragen. Selbstverständlich müssen diese debattiert, herausgearbeitet und entwickelt werden, doch dabei darf dieses unmittelbare politische Ziel nie aus dem Blick geraten."

Der Beitrag verkennt leider, dass es eben genau jene kapitalen Fragen sind, die der Massenmigration und dem Identitätsverlust zugrunde liegen. Die Migrationsfrage wird langfristig nicht reichen, um ein Mosaik aus derlei grundverschiedenen Akteuren zusammenzuhalten. Das Verkennen bzw. Ablehnen jedweder politischer Theorie, die nicht nur aus Taktik, Strategie und Öffentlichkeitsarbeit besteht, ist eine große Gefahr. Ich würde mir wünschen, eine Jugendbewegung besinnte sich auf das Erarbeiten einer solchen politischen Theorie, die tief schürfend zu nennen ist und dann tatsächlich (!) ein neurechtes Kontinuum begründen kann, statt nur über die Möglichkeit nachzudenken, wie per Anschlussfähigkeit die öffentliche Meinung verschoben werden kann. Öffentlichkeit ist nicht alles. Die USA sind nicht Europa. Ein rechtes Mosaik zu gestalten, das heißt eben nicht, die BILD-Zeitung ins Boot zu holen (Stichwort Julian Reichelt), jeden noch so liberalen Migrationskritiker einzubinden oder stumpfe Islamhasser zu akzeptieren. Ein Mosaik ist nicht gleichbedeutend mit einem "Unite the Right"-Konzept, das lediglich die sog. Alte Rechte ausklammert. Unser Mosaik muss aus Steinen bestehen, die sich ähneln, und zwar in entscheidenden Fragen des Lebens. Du hast die KR selbst erwähnt, Martin. Wenn sie den Rahmen bilden soll, ist dein Mosaik definitiv zu groß.

Um es mit Benedikt Kaiser zu sagen: "Gemeinschaftsorientierung vor persönlichen Interessen, Politik vor Wirtschaft, Staat vor Markt, Volk vor Individualismus. Über den Rest kann man streiten, darüber nicht."

Der_Juergen
3. Mai 2019 13:55

@Thomas Martini

Vieles von dem, was Sie schreiben, stimmt, doch missfällt es mir aufs äusserste, dass Sie Sellner als "Alpen-Jesus" titulieren. Er selber war nie so vermessen, sich mit Jesus zu vergleichen, und wenn der Ausdruck spöttisch gemeint sein soll, hat Sellner solche Häme nicht verdient. Schon @Monika und @Maiordomus haben sich mit Fug und Recht über diese Dummheit aufgeregt. Lassen Sie es also künftig bleiben!

Wahrheitssucher
3. Mai 2019 14:26

„Wird Deutschland zu einem Vielvölkerstaat, der seine Souveränität an supranationale Instanzen abgibt, oder behält Deutschland seine ethnokulturelle Identität sowie Souveränität als Nationalstaat?“

Inwieweit bestand denn jemals bzw. besteht denn überhaupt eine Souveränität Deutschlands „seit dem 8. Mai 1945“ (Schäuble-Zitat vom 18. 11. 2011)...?

RMH
3. Mai 2019 14:32

Bei Strategie-Beiträgen über "Framing", "Overton" etc. läuft man leicht Gefahr, dem Vorwurf eines Kulturrelativismus bzw. sogar eines moralischen Relativismus anheim zu fallen bzw. gleich gar gänzlich dem "Undenkbaren" bzw. "Unsagbarem" undifferenziert zugeordnet zu werden ("der Nazi will doch nur "manipulieren").

Wenn bspw. einfach mal so geschrieben wird

"Der Unterschied zwischen Avantgarde und nützlichem Idiot besteht in Anschlußfähigkeit und planvollem Vorgehen."

kann einem leicht unterstellt werden, man hätte eigentlich gar kein Problem mit den Inhalten der "nützlichen Idioten". Das kann also gerade nicht der lapidare Unterschied sein.

Ggf. gibt man solchen öffentlichen (!) Beiträgen vorweg daher besser eine Art von "Gebrauchsanleitung" oder gar "Disclaimer" zum Verständnis, denn ganz so relativ und flexibel via "Overton-Schablone" möchte ich Werte, Weltanschauungen und damit zusammenhängende Gesinnungen nicht betrachtet und als "anerkannt" gelten haben.

Gerade für einen Konservativen gilt, was gestern für ihn nicht anschlussfähig war, wird es morgen schon gleich gar nicht sein und was er gestern vertreten hat, wird er mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit auch morgen vertreten. Kultur- und Werterelativismus, wie er ja gerade heutzutage von den herrschenden Systemen gerne gepflegt wird, ist einem Konservativen zuwider. Eigentlich auch einem neuen Rechten, oder?

Das man seine eigenen legitimen Standpunkte insbesondere durch Manipulationen ausgegrenzt sieht, ist ein berechtigter Einwand, der auch unter Hinweis auf die Techniken des Framings und auch unter Hinweis auf Overton zum Zwecke der Aufklärung darüber vorgetragen werden darf und muss, aber eben so, dass man seinerseits klar Abstände zu dem zieht, mit dem gerade die neue Rechte nun gar nichts mehr zu tun haben will, nämlich gewaltbereite Extreme, Kostümnazis und all den anderen vom tatsächlich existierenden und vom System (aus guten Gründen) unterhaltenen "Narrensaum". So komplett ohne das "Tabu Abgrenzung" geht es also leider doch nicht.

PS: Das der Beitrag von MS strategisch und aufklärend gedacht war, habe ich durchaus erkannt - ich rechne aber immer auch mit den Stellen, die alles verzerren und den Umstand, dass es sich hier um einen Beitrag zur Strategie und (Feind-)Aufklärung handelt, geflissentlich unterschlagen werden, wenn diese Kreise irgendwie daraus Honig saugen können, siehe dazu auch den Beitrag zuvor von E.K.

Johannes Poensgen
3. Mai 2019 14:34

Bei der Erwähnung Marxens musste ich schmunzeln.

Denn daß Martin hier ein fast reines Unterbau-Überbau System ausgebrütet hat, sollte doch klar sein.

Es ist im übrigen Zeitverschwendung, sich darüber zu streiten, wie groß das Mosaik ist.

Es gibt niemanden, der das entscheiden könnte.

Auf der Linken beginnt für einen Antifaschisten schließlich der Faschismus auch in der SPD. Der Laden funktioniert trotzdem.

Waldgaenger aus Schwaben
3. Mai 2019 14:40

Ob es so geschickt ist, jene mit denen man eine Rampe bilden will mit dem sexuell konnotierten Begriff cucks zu schmähen, sei mal dahin gestellt.

Insgesamt ist mir das zu zweidimensional. Es gibt auch die Rampe von weniger-Sozialstaat, wirtschaftsliberal, neoliberal, libertär bis hin zu anarcho-kapitalistischen Vorstellung. Dieser Rampe ist gemein, dass alle "weniger Staat" wollen und sie sich in dem Maß unterscheiden, in dem sie den Staat zuürck schneiden wollen. In das obige Schema passt sie nicht. Einwanderung in die Sozialsysteme lehnt sie ab, nicht aber Einwanderung an sich. Heimat, Tradition, Familie und Identität betrachtet sie Bereiche, aus denen der Staat sich raus halten soll.

Laurenz
3. Mai 2019 15:01

@PhilipStein .... Systeme kollabieren immer dann, wenn sie eine Überdosis verabreichen. Die Warschauer Vertragsstaaten scheiterten an den Kosten des Militarismus und den teuren Gesellschaftskontrollen, wie Spionage-Aktivitäten, die man brauchte, um die langsamere technologische Entwicklung auszugleichen. 70% der Agrar-Erträge der Sowjetunion wurden in den Vorgärten produziert, die 2,5% der Anbaufläche ausmachten. Selbst die Schulden Ronald Reagans belasten die USA heute noch schwer.

Die Linke kann nur deswegen ihre Deutungshoheit ausspielen, weil es die Positionen der Rechten gibt. Daher verlängert die Debatte um " jene kapitalen Fragen sind, die der Massenmigration und dem Identitätsverlust zugrunde liegen", nur der Verfallsprozeß und schwächt die Rechte. Wer System-relevant etwas verändern will, muß die Überdosis verabreichen.

@Der_Juergen .... richtig, der Vergleich mit Jesus ist eine satisfaktionsfähige Beleidigung für Herrn Sellner. Herr Sellner ist nämlich kein Terrorist, sondern ein friedfertiger ApO-Politiker.

@Wahrheitssucher ... Debatten, die außerhalb unseres Einflußes liegen, bringen nichts. Die Konzentration auf das Machbare sollte im Vordergrund stehen.

@RMH .... es liegt an der Rechten sich das sogenannte Overton-Fenster zu eigen zu machen. U.g. Sendung lief in Phoenix am gestrigen Abend und hat genau das zum Thema https://youtu.be/v8-pJr_U2nY Abgesehen, daß kein echter Rechter dabei war, liegt der konservative Medienwissenschaftler nach eigenen Worten weit außerhalb des Fensters, während die linken anwesenden Damen den Totalitarismus beschönigen und als adäquat definieren.

heinrichbrueck
3. Mai 2019 15:37

Woher kommt diese Bescheidenheit? Die Linksrechtsschizophrenie ist kein Welterklärungsmodell der Natur. Macht und Wahrheit sind gesetzt, darunter die Diskursspielwiese nicht am Steuerrad steht. Dieses komische Fenster verschiebt sich horizontal, Macht ist vertikal. Über die Finanzierung entscheidet die Vertikale in höchster Position, also kann sie auch die Richtung der Bewegung vorgeben. Die Ausarbeitung der Vorgaben, Expertenarbeit, wird dann vom jeweiligen Zuständigkeitsbereich kommuniziert. Die Medien, wichtiger als die CDU, in steter Wühlarbeit zersetzende Vorarbeit leisten, somit die Bereitschaft und das Einverständnis der Masse lenken.

Weil es also die NPD gab, konnte die neue NPD nicht regieren, Anstand rechtfertigt Opportunismus usw. Mit dieser Systemlogik verdienen Konservative ihr Schweigegeld, aber sie werden nie Macht bekommen. Ihr Revolutionskapital spiegelt ihre Käuflichkeit. Jede Partei ein Irrtum. Das fehlende Kontinuum ist das Volk. Als ob es den Weltkrieg nie gegeben hätte. Evolutionär? Besonders im Hinblick auf die Verwendung des Tauschmittels, auch genannt Geld.

Die Politik heuchelt Moral, wenn sie keine Macht hat. Und hier der vertikalen Macht eine Machtübergabe zu unterstellen, also dafür fehlen die Beweise. Nicht Gegner und Feinde verwechseln, sonst verhalten sie sich entsprechend. Gibt der Idealismus die Moralfrage vor, in der Politik des untergeordneten Systems zu vernachlässigen, im übergeordneten Machtzentrum schon längst entschieden. Wer entscheidet über den Ausgang des Kampfes? Jedenfalls nicht der Selbstmörder, der seine Niederlage eingesteht.

Arrow
3. Mai 2019 15:46

"and must include some common ground with your own position"

Damit kann es Probleme geben, wenn die wahrhaftige Position und die zulässige Position bereits zu weit auseinander gedriftet sind und "common ground" zur Aufgabe der Wahrhaftigkeit zwingt.

Denkbare Beispiele:
- die Forderung nach einem jus sanguinis im Staatsbürgerrecht
- die Forderung nach sanktionsbewehrter Verhinderung von Abtreibung
- die Forderung nach einer wahrhaftigen Erinnerungskultur
- die Forderung nach einer Beschränkung des Demokratieprinzips auf kleinräumige (nichtanonyme) Jurisdiktionen
...

Der Begriff "Narrensaum" ist zuletzt in etwas verstörender Weise von Uwe Junge auf innerparteiliche Gegner angewandt worden. Ich würde ihn daher als latent diffamatorisch einstufen.

Der_Juergen
3. Mai 2019 17:15

@Laurenz

Sie sind ein Esel.

Monika
3. Mai 2019 18:19

Nichts gegen Ideen, Positionen, Theorien...allein, ich stelle jetzt mal das „Framing“ ( das läuft bei mir noch unter Deutungsmuster) infrage.
1. Stimmt überhaupt die Gegenüberstellung Globalismus/Patriotismus ? Globalisierung/Globalismus verstehe ich vor allem als internationale Verflechtung ökonomischer Interessen im Zeitalter der Digitalisierung.
Da wäre der Gegenpart nicht der Patriotismus, sondern eine noch auszumachende Gegenströmung ( was immer das sein mag).
2. d.h. aber, auch ein Patriot oder Ethnopluralist wird zwangsläufig globalistischen Interessen folgen müssen , z. B. Im Konsumverhalten oder im Bezahlsystem. Da scheint es kein Entrinnen zu geben.
3. Warum sind Rechte so ineffektiv im Kulturkampf?
Auch wenn man die sogenannte „Reeducation“ und den Marsch durch die Institutionen beiseite lässt, erweist sich die linke Ideologie, (als innerweltliches Heilsversprechen) immer noch als attraktiv und sei es in der links-bunt-grünen Vielfaltsversion .
Zu der Linken Ideologie hat die Rechte kein ideengeschichtliches Pendant , sie kann es auch nicht haben, ohne in Schwulitäten zu kommen.
So verbleibt als rechtes Kontinuum die Aufgabe des permanenten Korrektivs.
4. Trotzdem gibt es natürlich einen neurechten Grundkonsens, nämlich , die Völker Europas nicht in einen EU-Funktionärs- und Vielvölkerstaat aufgehen zu lassen.
Inwieweit dies in einer Welt der Globalisierung und Digitalisierung möglich ist, ist die politische Frage und letztlich eine Macht- und Willensfrage.
P.S.
@ Philip Stein zu Benedikt Kaiser
Wieso „Gemeinschaftsorientierung vor persönlichen Interessen, Politik vor Wirtschaft, Staat vor Markt, Volk vor Individualismus ?“ Wieso nicht im Zusammenhang und in Gleichursprünglichkeit denkbar ?

Heinrich Loewe
3. Mai 2019 18:57

Was die Linke so stark macht: Der Globalismus / Universalismus ist nichts anderes als die säkularisierte christliche Heilsgeschichte. Die ist seit zweitausend Jahren in den kollektiven und individuellen Tiefenschichten des Westens verankert. - Vielleicht ist das auch gut so, ich weiß es nicht. Dem muß die Rechte, wenn sie sich durchsetzen will, etwas gleichermaßen Tiefgehendes entgegensetzen. Man kann das aber natürlich nicht erschaffen bzw. konstruieren. Kann man -woran?- anschließen? Die Idenditätsfrage wird da nicht ausreichen.
Das aufgezählte „Mosaik“ ist derart bunt, daß bei Wegfall des äußeren Feindes auf der Stelle die Selbstzerfleischung einsetzen würde. Erinnert sei nur an das Gespräch Kositza - Lichtschlag. Man hat vielleicht ein Verständnis und Respekt für die Konsistenz der Position des Anderen, könnte aber niemals gemeinsam Politik machen. Ayn Rand ist für mich unlesbar ob der Kälte, die einen anspringt; und bei Benedikt Kaiser Überlegungen zum Eigentum stehen einem Haare zu Berge.
Trotzdem ein ergiebiger Beitrag! Diskurstheorie ist heute Handwerkszeug für strategische Politik. Martin, Sie sind für mich wegen ihres unerschütterlichen Optimismus DER Held dieser Tage, mit besten Wünschen...!

Laurenz
3. Mai 2019 19:08

@Monika .... 1. Man stellt eigentlich das nationalstaatliche Prinzip der Globalisierung gegenüber. Man verschweigt meistens, daß des Feld schon lange beforscht wird, daß sich beides in Phasen abwechselt. Globalisierung ist nichts Neues. Spätestens seit der Rede von Ginsburg auf dem 5. Zionistenkongreß ist das einschlägig bekannt.
2. Nein, auch in Nationalisierungsphasen wird der Welthandel nicht ausgesetzt. Über die Art der Bezahlung bestimmen die jeweiligen Groß- oder Supermächte. Die bis 1948 private Bank von England bestimmte quasi seit 1694 die Weltleitwährung. Das endete 1944 in Bretton Woods.
3. Der Spiegel ist eine CIA-Gründung und der öffentlich-rechtliche Rundfunk wurde nach dem Vorbild der BBC gegründet und besetzt. Nach der Rechtslage müssen sie politische Macht ausüben, um in den Rundfunkräten mitzumischen.
4. Genau.

@Der_Juergen ... vielen Dank für das Kompliment. Der Esel gilt als sehr kluges Säugetier. Immer wieder spannend, wie Sie uns mit Ihrer Sachlichkeit und Ihrem Hintergrundwissen überzeugen.

Elvis Pressluft
3. Mai 2019 19:20

Gute Analyse im Ganzen, wenngleich (auch) ich der Opposition von Globalismus und Patriotismus mißtraue, sofern sie den (einzigen) Unterbau darstellen soll. Ceterum censeo: Richtig erkannt ist, daß so ziemlich alles daran hängt, dem Erfolg der linken Eigendynamik etwas entgegenzuwerfen. Soll ein rechtes Kontinuum entstehen können, dann muß man auch mit Stigmata wie „Narrensaum“ oder „alte Rechte“ (in Zusammenschau mit der Farbwahl im zweiten Diagramm ist das offenbar abwertend intendiert) wählerischer umgehen. Exempel: Ich habe von einer friedlich verlaufenen, gutgelaunten patriotischen Veranstaltung am 1. Mai in Plauen gehört … lassen wir uns zudiktieren, das seien Narren gewesen? Nur so aus Interesse.

eike
3. Mai 2019 19:22

In Herrn Sellners Beitrag wird völlig übersehen, daß es sich beim Overton-Fenster nicht um ein deutsches Phänomen handelt.

Es existiert in kaum abgewandelter Form in fast allen westlichen Ländern und die "cucks" sind in England die Tories, in USA die Republikaner und in Frankreich die rechten "rassemblements", wie immer sie gerade heißen. Insofern geht auch der Kommentar von Herrn Martini, so richtig er auf die BRD bezogen ist, an der Sache vorbei.

Wenn man also das Fenster verschieben will, muß man sich zunächst klar sein, mit welchem Gegner man es zu tun hat, wer die "usual suspects" sind und warum sie gerade die europäischstämmige Welt/Kultur - um nicht zu sagen die "Weißen" - schwächen wollen. Die Grünen, die CDU-cucks oder die deutschen Schoßhündchenmedien sind da nur Fußtruppen, servile Befehlsempfänger; die allein verschieben gar nichts.

Gelddrucker
3. Mai 2019 19:30

Ich möchte etwas anmerken zum Begriff Globalisierung.

Das ist generell nichts schlechts, denn in manchen Bereichen finde ich es sehr sinnvoll, global zusammenzuarbeiten, etwa im Bereich des Umweltschutzes. Da kann ich mir sehr gut globale Gesetze vorstellen, die es etwa untersagen, mehr Wald abzuholzen als aufgeforstet wird.

Globalisierung im Bereich Migration MUSS entlarvt werden als das was es ist: Alle kommen in weiße Länder. Es gibt nur eine Richtung. Quasi. Natürlich gibts den ein oder anderen Renter der nach Thailand zieht, aber letztenendes ist die Richtung klar. Wann immer Leute im Bezug auf Migration von Globalisierung reden, sollte hineingegrätscht und dies klargestellt werden.

Ebenso bin ich der Meinung dass dieses Gefecht höchst psychologisch geführt wird, meine Empfehlung sind dazu die Videos von John Mark auf Youtube. Wer gewinnen will, muss wissen, wie man mit Gesprächstricks im Gehirn von anderen herumpfuscht, wie man Schockmomente erzeugt, wie man Gehirnwäsche auflöst, Widersprüche aufzeigt.

Indem man das "Unsagbare" als normal darstellt und die Rechtfertigung umkehrt, hat man eine günstigere Ausgangsposition. Und das Unsagbare IST in dem Fall normal: Erhaltung der Völkervielfalt, Recht auf Existenz der weißen Völker.

Darum sehe ich die IB auch als eine "Gesellschaft zur Erhaltung der europäischen Völker", in Anlehnung an die NGO, die sich um farbige Völker kümmert.

Zarathustra
3. Mai 2019 19:33

Wahrscheinlich der bisher beste Beitrag Sellners überhaupt. Alle Achtung!

Der Abschnitt über die beiden Strategien der »Themeninvasion« und der »radikalen Flanke« sollte für jedes AfD-Mitglied und jeden AfD-Sympathisanten Pflichtlektüre sein.

Im Licht dieser Erkenntnisse zeigt sich die verbreitete Gewohnheit vieler Konservativen, sich und ihrer »moderaten« Umgebung immer wieder die neuesten Unverschämtheiten und Verrücktheiten des linksgrünen Gegners zu erzählen (sei es als reine Kuriosität oder als Beweis der Infantilität, Verdorbenheit und Politikunfähigkeit des Gegners), als ein fataler Fehler: Den linken Planern der Strategie der »radikalen Flanke« könnte man keinen besseren Dienst erweisen.

Auch Dieter Stein (ich hoffe, er bekommt dies mit) sollte sich ernsthaft fragen, ob die JF mit ihren täglichen Meldungen über solche Begebenheiten nicht der AfD einen Bärendienst erweist; oder um es harmloser und unpolitischer auszudrücken, ob er damit nicht ungewollt den linksseitig gewollten Ankereffekt auf die empfundene »Mitte« verstärkt, in deren sicheren Nähe so mancher seiner Leser sich wissen möchte (Zur Ankereffekt siehe https://de.wikipedia.org/wiki/Ankereffekt).

Zarathustra

Martin Sellner
3. Mai 2019 19:44

@PhilipStein
Es gibt auch westlich kapitalistische Gesellschaften, die Massenmigration und Multikulti ablehnen. Das eine geht also nicht zwangsweise mit dem anderen einher. Selbstverständlich begünstigen ökonomische Umstände die Massenmigration. Jedoch ist die Ablehnung der eigenen Identität, kein Phänomen, das sich rein wirtschaftlich entschlüsseln lässt.
Ich sage nicht, dass die Fragen nicht behandelt werden sollen und können. Ich denke aber auch dass Libertäre Teil einer Mosaik-Rechten sein können, ebenso wie Sozialisten. Die gegenseitige scharfe Kritik beider Lager ist fruchtbar. Versuche beider Flügel, einander aus dem neurechten Diskurs ins gegnerische Lager zu drängen halte ich für kontraproduktiv und schädlich für das Hauptziel: die Verhinderung des Großen Austauschs.

RMH
3. Mai 2019 20:10

"…. lassen wir uns zudiktieren, das seien Narren gewesen? Nur so aus Interesse."
@Elvis Pressluft,
die Antwort steht bereits im Artikel, das sind die "nützlichen Idioten" des Systems.

".... es liegt an der Rechten sich das sogenannte Overton-Fenster zu eigen zu machen."
@Laurenz,
ich dachte, dass war genau eine der Hauptintentionen des Artikels von M.S.

Nemo Obligatur
3. Mai 2019 20:47

Das ist mir zu selbstreferentiell. Mag ja sein, dass es solche Kommunikationstheorien gibt und im Laborversuch kann man manches nachexperimentieren.
Aber ich denke in anderen Kategorien. Es sind geschichtlich wirkmächtige Kräfte am Werk. Man muss wohl in Deutschland immer bis zum 3. Reich zurück. Nach dessen Untergang waren sämtliche Positionen die auch nur in vermeintlicher Nähe des NS-Regimes waren, gründlich diskrediert. Man denke nur an so an sich neutrale Veranstaltungen wie Bevölkerungspolitik zur Hebung oder Senkung der Geburtenziffer - alles "nazi" heutzutage. Die Medien waren seitdem in der Hand zuverlässiger Kräfte, ausbalanciert zwischen den gesellschaftliche relevanten Kräften und unter dem Schutz der Gesetze. Seither wurde Deutschland (und auch Österreich) immer reicher und bequemer, aber auch ängstlicher. Zugleich war West-Deutschland als Mitglied des Westens der Sorge um eine eigene Position in der Welt enthoben. Kein "Sonderweg" mehr. Für Ostdeutschland galt unter umgekehrten Vorzeichen dasselbe. Nur der wirtschaftliche Pfad verlief entschieden anders, womit wohl schon das meiste erklärt ist. Dieser Zustand hat seit 70 Jahren Bestand - seither sind drei Generationen herangewachsen! Kultur, Sitten und Moral, die Sprache, die ethnische Zusammensetzung - alles gewandelt.

Die alten Eliten halten immer und überall verbissen an der Macht fest - so lange sie es können. Nur ab und zu gelang das nicht mehr. Beim Aufstieg der Grünen nicht, und die Frauenemanzipation war auch so eine tektonische Verschiebung. Aus ostdeutscher Sicht waren Gorbatschows Reformen so ein Impuls. Das Bild vom "alten weißen Mann" ist nicht ganz verkehrt. Fakt ist aber auch, dass die Aufsteiger schnell wie die Etablierten werden. Die AfD wird da nicht anders sein. Da werden keine Fenster verschoben, sondern es geht um Macht über Ressourcen. Ich denke, die Kausalität ist genau umgekehrt, wie im Artikel beschrieben. Es gibt keinen Masterplan, es ist die Mechanik des Machtgewinns oder Machtverlustes. Man versuche nur einmal, das Overton-Modell auf eine afrikanische Despotie anzuwenden. Funktioniert nicht. Es braucht einen mächtigen Impuls von außen, "um das Fenster zu verschieben": Kriege, Krankheiten, Katastrophen und plötzlich ist der Kaiser nackt. So etwas haben wir mit Fukushima erlebt, mit der Finanzkrise, auch mit der Flüchtlingskrise.

deutscheridentitaerer
3. Mai 2019 21:18

@der Jürgen

Ich halte den Artikel von Mannheimer grundsätzlich für zutreffend. Eine typische Verirrung scheint mir aber seine Einlassung gegen Klonovsky als koscheren Konservativen, der die Juden als treibende Kraft des Bevölkerungsaustauschs nicht nennen will.

Viel zu oft wird die Frage, wie man zu den Juden steht, als Frage der Bündnisfähigkeit betrachtet. Antisemiten wollen nicht mit Semitophilen und umgekehrt.

Nun kann man der Haltung Klonovskys, bei aller grundsätzlichen Bewunderung meinerseits, vieles als politisch fehlgehendes Dandytum abtun. Wenn er sich in einem seiner letzten Beiträge als "Kulturchauvinist" in Abgrenzung zum dummen Rassisten inszeniert, ist mir das widerlich, schon deshalb, weil es ausweislich der Masse seiner Beiträge nicht stimmt, als intelligenter Mensch ist er selbstverständlich das, was heutzutage allgemein als "Rassist" gilt.

Aber das entscheidende ist, dass Klonovsky im Sinne des obigen Artikels eine produktive Kraft für unser Kontinuum ist, der sich etwa anlässlich der letzten Wochen ausdrücklich zu Sellner bekannt hat und eben auch gerade nicht zu feige ist, festzustellen, dass Juden hierzulande eine maßlos privilegierte Schicht darstellen.

@Philipp Stein/Sellner

Der Einwand von Herrn Stein ist mir anlässlich der Kaiserschen Kaplaken und Artikel auch schon gekommen.

Derlei theoretische Arbeit sehe ich allerdings nicht als primäre Aufgabe für eine Jugendbewegung, sondern eben für Publizisten und Denker, die ja im Falle Kaisers durchaus Resonanz in der IB findet

Man muss allerdings auch sehen, dass die Liberalen, die wirklich in unserem Lager sind, mit den üblichen Liberalen nur wenig zu tun haben, da sie den Vorrang der Gemeinschaft vor dem Individuum grundsätzlich akzeptieren, aber eben über das wie anderer Meinung sind.

Auch ich halte mich für liberal in dem Sinne, dass die Interessen der Individuen zwar so weit wie nötig zu Gunsten der elementaren Gemeinschaftsbedürfnisse zurückzustehen haben, aber eben nicht weiter.

"Liberal" bedeutet oftmals ja so eine Art Neo-con, die sind dann tatsächlich grundsätzlich nicht auf unserer Seite, aber diesbezüglich gibt es ja weder bei uns noch bei denen andere Vorstellungen.

HomoFaber
3. Mai 2019 21:43

Dem Schaubild entsprechend hätte ein Kontinuum die berühmt-berüchtigte “Scharnierfunktion”

Franz Bettinger
3. Mai 2019 22:06

Die Arbeit am Overton-Fenster beginnt ganz unten, vor Ort, in der Familie, bei Freunden, den Nachbarn. Erkenne den Feind und markiere ihn. 'Frame' ihn. Lege ihm einen Rahmen um. Das ist er nicht gewohnt. Das bringt ihn aus dem Konzept. Sag z.B: "Du glaubst, die Menschen wären alle gleich. Das hättest du wohl gerne, weil du selbst eine Schraube bist. Bist du das wirklich? Schrauben sind gleich. Möchtest du eine Schraube sein?" Oder sage: "Du bist also einer, der an 64 Geschlechter glaubt, und dass es keine Grenzen gibt oder geben sollte, und dass wir am Wetter schuld sind." Benutze einfache Worte, die von jedem verstanden werden. Noch besser, wenn sie jeden zum Lachen bringen. Deine Gegner würden dann am liebsten weglaufen. Die sind zu dumm, um sich auf Diskussionen einzulassen. Und wenn doch, kannst du sie noch besser mit deiner Waffe, dem Intellekt, in die Pfanne hauen. "Warum hast du keinen Flüchtling bei dir Zuhause aufgenommen? Sperrst du abends und tagsüber deine Haustür ab? Aber wieso denn?" "Wie viel von deinem eigenen Geld hast du schon nach Afrika geschickt? Warum bist du erst 2015 aufgewacht und warst vorher ein Arsch, der nur an sich selbst gedacht hat? Benutze immer wieder gute bewährte Frames wie Lügenpresse, Propaganda-Fernsehen, Staatsfunk, System-Parteien, Räuberstaat oder auch Volksaustausch und Volksverräter. Das sind unsere Keulen. Attackiere schon von Beginn an den Gegner. Warte nicht, bis er dich angreift. Komm ihm zuvor. - Das ist nicht fair? Stimmt! Aber es bringt dir den Sieg.

Wie gut Frames funktionieren, sieht man an den Frames unserer Gegner. Umfragen zeigen immer wieder: Über 70% der Deutschen sind gegen Massen-Migration. Gleichzeitig sind über 70% gegen die AfD . Das "Gegen Rechts"-Frame funktioniert also perfekt. Es wurde nach dem Krieg von den Alliierten, den Kommunisten und den Amerikanern, in die deutschen Köpfe gehämmert.

Simplicius Teutsch
3. Mai 2019 22:28

@ Thomas Martini.

Ahja – ich hab's vernommen, diesen kleinen biblischen Begriffs-Widerhall aus einem kürzlichen Debattenstrang. - Wollten Sie damit @Maiordomus ein kleines bisschen ärgern?

Nun aber zum Wesentlichen: Was Sie in Ihrem Kommentar kritisch anmerken, hat natürlich als Argument seine Berechtigung. Ich betrachte unsere nationale Entwicklung in Rumpf-Deutschland und die gegenwärtige Lage stets vom glorreichen Ausgangspunkt her. 1945 war ich noch nicht geboren, aber ich weiß zur Genüge um die glückseligen Umstände der Befreiung, die uns Deutschen damals widerfahren sind.

Martin Sellner, eine jüngere, neue Generation, hat mein uneingeschränktes Wohlwollen, und ich traue ihm mit seinen kommunikativen Talenten, seiner Frustrationstoleranz und seiner Zähigkeit noch viel zu. Klar, manchmal denke ich auch, er strampelt im glattwändigen, tiefen Milch-Bottich munter und unverdrossen gegen das Ersaufen, pfeift sein politisches Liedchen, als es ob es ein glückliches morgen gäbe; und ich hoffe für ihn und uns, dass aus der Milch vielleicht doch noch Butter werden möge, damit er sich nach oben abstoßen kann. - Vielleicht hilft ja auch ein plötzlicher eisiger Kälteeinbruch, so dass die Milch gefriert.

Früher meinte ich unter Freunden häufig polemisch, der Vulkan im Yellowstone-Park in Nordamerika müsste hochgehen, damit sich in Deutschland politisch etwas ändern kann, aber das würde nicht ins Bild mit der Milch passen und könnte mir außerdem als sehr grausam und antiamerikanisch ausgelegt werden.

Laurenz
3. Mai 2019 22:31

@Nemo Obligatur ... ob wir unbedingt theroretischen Bedarf haben oder nicht, da stimme ich Ihnen absolut zu, da halte ich Geld für Reichweite um ein vielfaches wichtiger. An der Kreativität liegt es wohl nicht, wenn man sich Videos von Herrn Sellner & Co. ansieht. Meines Erachtens geht es einzig allein um die Macht und das jeweilige Gesellschaftsmodell. Propagandisten nutzen die Mittel, welche grad funktionieren. Wenn man sich Wilsons Reden und Publikationen schon vor seiner Präsidentschaft und andere Veröffentlichungen us amerikanischer Denkfabriken im Laufe der Jahrzehnte anschaut, spielt das III. Reich, wie Herr Gauland bemerkte, immer mehr einen Fliegenschiss in unserer Geschichte. Aber Sachlichkeit spielt da keine Rolle, er wird weg-empört. Was den Wohlstand der Bonner Republik angeht (in der DDR gab es den nur in Wandlitz), so wurde dieser in den ersten 30 Jahren entwickelt, aufgebaut. Heute lebt der Westen nur von der Substanz. Um gesellschaftliche Veränderung schneller vonstatten gehen zu lassen, muß man härtere Besteuerung von Eigentum fordern, eine absolut linke Position. Und so bestimmt man nebenbei das Overton-Fenster, indem man permanent der Linken in den Rücken fällt.

@RMH ... der Linken stehen pro Jahr 8 Milliarden öffentlicher Mittel für Propaganda zur Verfügung. Darum geht es doch gerade im Konflikt zwischen dem ORF und der FPÖ. Ungarn, Rußland, Polen und die Türkei haben diesen demokratischen Prozeß bereits hinter sich.

@Zarathustra .... das stellt sich schwierig dar, sich nicht der Auseinandersetzung zu stellen. Wo Sie Recht haben, ist, daß der Angriff und getrennt marschieren, mehr Sinn ergeben als die ewige Rechtfertigung. Von daher sind uns die Möglichkeiten von Hasenhirn-Kevin, um Aufmerksamkeit zu provozieren, verschlossen. Wir müssen im grenzwertigen Bereich bleiben, außer wir argumentierten links. Ich weiß nicht, wer die deutsche Stürmer-Journaille von den Öffentlich-Rechtlichen, wie dem Springer-Mohn-Synikat dazu anhält, Herrn Habeck zu promoten, denn mit dem Denken hat der es nicht wirklich, aber vielleicht ja auch deswegen. Was die JF angeht, so hat sie zuwenig gute talentierte Schreiberlinge, die Dame und die Jungs von Tichys brezeln wesentlich mehr rein. Das sitzt ... vor allem deswegen, weil man dort angriffslustiger ist. Der AfD-/FPÖ-Rechtfertigungsmodus führt zu nichts, der Gegner bestimmt die Debatte.

@Gelddrucker ... Globalisierung bedeutet nie Zusammenarbeit, es bedeutet, politische Macht auf Konzerne zu übertragen. Allerdings haben sich die Konzerne von DEM Nationalstaat auf dem Planeten, China, fett penetrieren und ins Bockshorn jagen lassen. China agiert global imperialistisch als Nationalstaat und exkrementiert mit 1,3 Milliarden indigenen Han-Chinesen auf die Globalisierungs-Fetischisten.

dAnnunzio
3. Mai 2019 22:50

Als klassischer "Reaktionärer" kann ich immer nur meinen Hut ziehen vor Ihnen, Herr Sellner, und Ihren Kameraden. Was wären wir ohne Sie...

dAnnunzio
3. Mai 2019 22:53

@Der_Juergen: bzgl. Laurenz: Danke.

Franz Bettinger
3. Mai 2019 23:13

@Heinrich Loewe: "Dem Christentum muss die Rechte etwas gleichermaßen Tiefgehendes entgegensetzen". Wie wäre's mit folgenden neuen 'Mythen': direkte Demokratie, Bevölkerungs-Rückgang (Ziel: drei Mrd), Evidenz basierte statt korrupte Wissenschaften, Qualität vor Quantität, Nachhaltigkeit, saubere Umwelt, Recht und Ordnung. - Zu wenig? Brauchen Sie ein Jenseits? Ich nicht.

Simplicius Teutsch
3. Mai 2019 23:24

@ Der_Jürgen.
„Er selber war nie so vermessen, sich mit Jesus zu vergleichen, und wenn der Ausdruck spöttisch gemeint sein soll, hat Sellner solche Häme nicht verdient.“

Wie bitte? - Lese gerade chronologisch weiter in den Kommentaren und habe erst jetzt gesehen, auch @ Der_Jürgen hat den Kommentar von @ Thomas Martini (3. Mai 2019 12:07) gelesen - und kommentiert, siehe oben.

Der_Jürgen hebt aber gleich dermaßen mit Worten warnend den kritischen Zeigefinger, dass ich fast erschrecke. Ich habe ja eigentlich immer mit großer Zustimmung die Kommentare von @ Der_Jürgen gelesen. Die waren echt gut, soweit ich das in Erinnerung habe. Aber in diesem Fall? Krass! An welcher Art Sensibilität mangelt es mir selber, dass ich diesen doch schon sehr streng fuchtelnden Zeigefinger nicht verstehe?

Niemand hier hat doch bisher Martin Sellner auch nur ansatzweise unterstellt, dass er selber sich mit jenem verglichen hätte oder so genannt hätte, wie @ Der_Jürgen meint, dass man ihn keinesfalls nennen und damit charakterisieren dürfe. Wo ist denn bitte auch nur die geringste „Häme“ gegen Sellner, wenn andere einen Vergleich mit jenem anstellen, dessen Namen man aber nicht in Verbindung mit Sellner bringen darf?

Und es wird ja noch anstrengender. Denn nun lese ich noch weiter unten in den Kommentaren, dass @ Der_Jürgen dem regelmäßigen, manchmal streitlustigen Mit-Foristen @ Lauerenz in nicht gerade feiner Ausdrucksweise unterstellt - bzw. ihn exakt und knapp so bezeichnet -, nämlich das Palmsonntags-Tier zu sein, das jenen beim Einzug in Jerusalem getragen hat, dessen Namen man hier mit Sellner nicht in Verbindung bringen darf und dessen Verfolgung und die Beschuldigungen durch die Hohepriester und Schriftgelehrten man partout nicht mit der Verfolgung und Diskrimierung Martin Sellners durch die heutigen Machthaber vergleichen darf; oder umgekehrt. - Kompliziert.

Jetzt aber Gute Nacht.

links ist wo der daumen rechts ist
4. Mai 2019 06:24

Guten Morgen.

@ Thomas Martini

Zitat: Der Kampf zwischen Globalismus und Patriotismus tobt spätestens seit der Französischen Revolution.

Falsch.
Universalismus ist nicht gleichzusetzen mit Globalismus; das war und ist eher die angelsächsische Perspektive.
Denn es waren gerade die Deutschen, die sich seit der Romantik an diesem ursprünglicheren Gegensatz produktiv abgearbeitet haben.
Empfehle dazu – als Gegengewicht zu diesem ganzen „cuck“-Denglisch – Friedrich Meineckes „Weltbürgertum und Nationalstaat“ (sieben Auflagen 1907 bis 1927; Neuausgabe 1963).

Oder lesen Sie Schelers berüchtigte Schrift „Der Genius des Kriegs und der Deutsche Krieg“ - und was er ausgerechnet zum Stichwort „Kosmopolitismus“ schreibt.

Und im Zusammenhang damit gleich noch Rolf Peter Sieferles „Die Konservative Revolution“ (Fischer TB 1995), in dem er v.a. die „Ideen von 1914“ im Lichte der späteren KR anhand der Positionen von Spengler, Sombart, Lensch und Plenge, Freyer darstellt (Jünger ist ein Kapitel für sich). Interessantes Detail am Rande dabei wie oft Sieferle in seinen Analysen das Wort „Gemeinwohlorientierung“ verwendet.

Und was unsere Altvorderen 1914ff wußten, aber leider nicht umsetzen konnten, daß nämlich Patriotismus allein zuwenig ist, sollten wir heute beherzigen.

Imagine
4. Mai 2019 08:16

@Martin Sellner 3. Mai 2019 19:44
„Es gibt auch westlich kapitalistische Gesellschaften, die Massenmigration und Multikulti ablehnen. Das eine geht also nicht zwangsweise mit dem anderen einher.“

Ein Argument ohne Tiefgang. Es zeigt, dass nicht einmal in Grundzügen verstanden wurde, wie der Kapitalismus funktioniert.

Deutschland importiert billige Arbeitskräfte, um Lohndumping zu betreiben. Gewinne werden privatisiert, die Folgekosten – durch arbeitslose Sozialhilfeempfänger, durch Armutskriminalität etc. – werden sozialisiert.

In Polen, Ungarn etc. emigrieren Arbeitskräfte, weil dort die Löhne und der Lebensstandard so niedrig sind. Deshalb macht es für die Kapitalisten dort keinen wirtschaftlichen Sinn, muslimische Migranten zu importieren. Billige Arbeitskräfte gibt es dort mehr als genug.

Sozialhilfeempfänger importieren würde dort zu Lasten der Profite gehen, weil die Staatsausgaben erhöht werden müssten und in Folge auch die Steuern.

It´s the system,stupid!

Laurenz
4. Mai 2019 09:47

@Imagine .... das ist richtig analysiert. In den 80ern bis in die 90er verließen viele Firmen das Land, um in Billig-Lohn-Länder zu beehren. Das erwies sich als teurer Spaß, miserable Infrastruktur, Schmiergelder etcetc.
(Vor 10 Jahren traf ich in einem Hotel an der Mombasa Südküste ein deutsches Ehepaar, welches in Mombasa eine Mineralwasserfabrik unterhielt. Sie hatten vor, die Abfülle zu schließen, da jeder neu ernannte Minister aus Nairobi kam um 50k Euro abzuholen, was das Werk nicht hergab. Rechtssicherheit existiert eben nicht.) Also importiert man die Menschen und Zustände aus anderen Kontinenten oder Osteuropa.
Versorger, Energieproduzenten, Entsorger, Pharma- und Heil-Lobby, Sozial-Mafia, Vermieter, alle profitieren von der Zuwanderung in die Sozialsystem, Refugees & professionals welcome ist ein Geschäft, besichert durch Staatsgarantien. Dagegen anzustinken, ist und bleibt schwierig.

Simplicius Teutsch
4. Mai 2019 09:59

Ohne neutestamentliche Abschweifung (bringt ja hier nichts, außer Verstimmungen bis hin zu blanken Beleidigungen - „Esel“) nun eine ganz sachliche, zustimmende Bemerkung zu @ Nemo Obligatur (3. Mai 2019 20:47).

Gegenposition.
@ Nemo Obligatur, Sie beziehen ganz deutlich die pessimistische Gegenposition zu Martin Sellners Analyse, die die Möglichkeit in Aussicht stellt, ein herrschendes Regime bzw. die Machtverhältnisse von innen heraus zu verändern, indem mit viel kluger und widerständiger Öffentlichkeitsarbeit das metapolitische Overtone-Fenster verschoben wird. Meine Hoffnung ist bei Sellner, aber ich fürchte Sie haben recht, wenn Sie schreiben:

>Es braucht einen mächtigen Impuls von außen, "um das Fenster zu verschieben"<

Aber dann, wenn es soweit ist, brauchen wir auch gescheite, charakterstarke und an den hässlichen Gemeinheiten des politischen Lebens bereits gestählte Leute wie Martin Sellner.

heinrichbrueck
4. Mai 2019 10:03

@ Imagine
https://www.thenews.com.pk/latest/459246-jobs-in-romania-over-500000-workers-from-pakistan-needed-says-zulfi-bukhari
Ihr Humanitätsgedusel ist unpräziser Nonsens.

Thomas Martini
4. Mai 2019 10:40

Die Vorstellung eines souveränen deutschen Nationalstaates ist ein Mythos. Seit 1945, oder strenggenommen sogar seit 1918, gibt es einen solchen Staat auf deutschem Boden nicht mehr. Das hat übrigens auch Dr. Wolfgang Schäuble eingeräumt, und in dem Zusammenhang darauf verwiesen, daß nationalstaatliche Ideen sich bereits vor 100 Jahren überholt haben.

Die durch das Völkerrecht geschützte Souveränität, sei in Europa mit den beiden Weltkriegen „längst ad absurdum geführt“ worden. Pardon, aber das ist politisches Grundschulwissen. Es nicht in seine Betrachtung der Lage einzubeziehen, stattdessen dem Erhalt von etwas, das gar nicht mehr existiert, entscheidende Beudeutung einzuräumen, lässt sich auch mit viel Wohlwollen und patriotischer Solidarität nur mehr als politische Geisterfahrt bezeichnen.

Das ist aber nicht einmal das Entscheidende. Entscheidend ist die Frage, warum das fehlt, was Sellner ein "neurechtes Kontinuum" nennt. Da stellt sich doch die Frage nach der Ursache? Die Frage, warum es Rechten nicht gelingt, Normalität herzustellen?

"Wenn ich heute über – sagen wir mal – den Minnegesang etwas schreibe, so muß ich dabei die Degradierung der Frau durch ein autoritäres Patriarchat beklagen und darauf hinweisen, daß schon hier die Schrecken der dunkelsten Jahre zu ahnen sind oder ähnliches und wenn ich die Bürgerkriege zwischen den antiken griechischen Staaten behandle, so komme ich um ein spruchkammerhaftes Moralisieren nicht herum. Das ist etwas karikierend, aber die Tendenz geht in diese Richtung. Ich darf praktisch keine Epoche mehr aus sich selbst heraus sehen, aus dem Imperativ Rankes, daß alle Epochen gleich stehen zu Gott, – ich muß über alles die Sauce dieser diffusen, suggestiven, erpresserischen Moral gießen. Das Problem der Vergangenheitsbewältigung ist weniger, daß ich bei gewissen Namen, Daten, Tatsachen oder Tatsachenbehauptungen den Kopf einziehen muß und die gewünschte Meinung zu äußern habe,– sondern daß ich tendenziell alle geschichtlichen Ereignisse unter dem Aspekt vermeintlicher Emanzipation, von Schuld und Vorläuferei betrachten muß. Die Vergangenheitsbewältigung durchdringt und verpestet die Geistes- und Geschichtswissenschaften und zerstört die Fähigkeit zu geschichtlichem, psychologischem Denken und so weiter. Dieses Nichtwahrnehmenkönnen der jeweils eigenen gesellschaftlichen und geschichtlichen Bedingungen, diese damit in Gang gesetzte Verdummung ist vielleicht schwerwiegender als eine punktuelle Political correctness gegenüber dem Nationalsozialismus." - Günther Maschke

An diesem Punkt kommt keiner vorbei. Alle Intellektualität und vorgeschobene Bildungshuberei kann nicht darüber hinwegtäuschen, daß das Grundübel mit der Deutung der Geschichte zusammenhängt, die von den Siegern des Zweiten Weltkriegs beim IMT in Nürnberg durch Gerichtsbeschlüsse besiegelt wurde.

Es geht dabei nicht um eine Anklage. Die Siegerstaaten schadeten sich und ihren Völkern ungewollt selbst mit der Rechtsprechung, die fortan als Weltgewissen bestehen sollte. Es geht zunächst einmal darum, die Wirkmacht des IMT zu begreifen. Dieses Tribunal ist das Fundament und Gerüst der Nachkriegs- und damit aller Geschichte, wie Günter Maschke mit seinen Beispielen so glänzend belegt. Dr. Maurice Bardèche, ehemaliger Professor an der Sorbonne, hat in seinen Büchern zum Nürnberger Prozeß mit vielen Beispielen aufgezeigt, wohin diese Rechtsprechung führen wird. Im Grunde ist alles so eingetroffen, wie von ihm befürchtet.

Solange die Geschichtsschreibung des Zweiten Weltkriegs ihre unangetastete Gültigkeit behält, wird und kann es kein neurechtes Kontinuum geben, denn dazu fehlt in Deutschland die Legitimation. In diesem gegebenen Rahmen zu verharren, wird immer nur dazu führen, daß Rechte sich zu rechtfertigen haben.

Dafür ist doch Martin Sellner höchstselbst das beste Beispiel.

Niekisch
4. Mai 2019 10:42

Ziemlich ratlos sitze ich an meinem alten Eichenholzschreibtisch, fühle mich angesichts der Informations- und Argumentationsfülle "overtoned". Zurücklehnen! zurücklehnen!......durchatmen! ...ruhig und gelassen! Das Ganze visualisieren, Bilder entstehen lassen und Gedanken Raum geben. Und schon beginnt die Filmrolle zu laufen:
Das Fenster vor mir endet nicht in meinem Arbeitszimmer, das Glas reicht in den Raum links von mir, dessen Tür offensteht, mit linker Literatur und Symbolik angefüllt ist, wo ich jederzeit Zutritt und Zugriff habe. Die Glasfront rechts vor meinem Schreibtisch endet ebenfalls nicht an der Wand zum Nebenzimmer, sondern setzt sich fort. Ich kann nicht sehen, bis wohin. Denn die Stahltür zu diesem Raum ist mit einem rostigen Blechschild mit der Aufschrift "No entry!" und "death by hanging" versehen. Nur vom Hörensagen weiß ich, daß dort Relikte aus der Zeit meiner Vorfahren gestapelt sind, Akten, Bücher, offizielle und private Erinnerungsstücke, Beschreibungen eines uns eigenen Heilsweges, Erfindungen, Patente. No entry, also kein legaler Zugriff. Nur hin und wieder kommen Offizielle, als einzige im Besitz eines Schlüssels, stellen Begutachtungen an, nehmen in behördlichen, abgenutzten Aktentaschen Verborgens mit. Es ist mir und den meinen verwehrt zu ergründen, wo das Fenster dort endet. Das ist für den geplanten Um- bzw. Neubau des Hauses unglücklich, weil durch das Betretensverbot das Fenster nicht wirklich verändert, auch nicht verschoben werden kann.

Wie soll ich da der Baugenehmigungsbehörde meine Pläne zur Genehmigung vorlegen können? Wie ihr mein geplantes Vorhaben schmackhaft oder wenigstens plausibel machen können? Das Fenster ganz einfach verkleinern und an der Wand rechts enden lassen? Ich wollte aber doch die Wand nach rechts herausnehmen, um meinen Arbeitsbereich zu vergrößern, das dort gelagerte Material zumindest einmal sichten und ebenso wie dasjenige im linken Nachbarzimmer gegebenenfalls zur Korrektur der Einrichtung und weiterer Diversität verwenden, ohne das unbedingt heraus zu posaunen.

Ein echtes Dilemma! Es will mir nicht in den Kopf, daß die verschlossene Stahltür mich an der Ausgewogenheit meiner Planung hindern soll. "Death by hanging"? ...Das war 1946, heutzutage wird ganz soft hingerichtet. Also fasse ich allen Mut zusammen, sprenge mit einem Meißel die Stahltür auf, schaffe Zugang zum verbotenen Terrain und sichte, sammele, sortiere, baue in mein Denken ein so wie ich es im linken Nebenzimmer versucht habe. Anschließend wende ich mich dem Fenster zu, das jetzt in seiner ganzen Länge und Breite in meinem Zugriff ist. Ein tiefes Gefühl der Zufriedenheit ergreift mich: Jetzt kann ich planen, bauen, verändern, das Fenster verschieben, wie es meinen Vorstellungen entspricht. Vielleicht werden sich sogar Nachbarn zustimmend äußern und sich angespornt fühlen, ebenso zu verfahren.

Martin Sellner, dem ich für das Bild des "Overton"- Fensters und seinen Artikel danke, lade ich recht herzlich ein, das vollendete Werk zu besichtigen und sich bei uns zu stärken.

Ruhe da hinten in den restlichen, anderen Zimmern, in denen die Einquartierten mal wieder mit einem fremdländischen Gebrabbel herumlärmen, das ich nicht verstehe und wohl nie verstehen werde, auch gar nicht verstehen will !!

Metall-Hahn
4. Mai 2019 11:18

Eine sehr interessante und fruchtbare Diskussion die von Sellner hier angestoßen wurde. Hinzufügen oder in Erinnerung rufen möchte ich einen Aspekt, der glaube ich einmal von Poensgen in einer Erwiderung auf Sellner auf den Punkt gebracht wurde. Ein Teil des durchschlagenden Erfolgs der politischen Linken zu einer hegemonialen Position liegt auch darin begründet, dass man eine Synthese (eben zum heute vorherrschenden Linksliberalismus) mit dem Liberalismus transatlantischer Prägung, wie er den BRD-Deutschen nach dem Krieg als Korsett angelegt wurde, eingegangenen ist. So konnten die 68er, deren Exponenten zu Zeiten der "Revolte" noch als Staatsfeinde betrachtet wurden (incl. Berufsverbote etc.), den Marsch durch die Institutionen antreten und als das neue Establishment daraus hervorgehen. Nach meiner Auffassung war die conditio sine qua non dafür aber die Übernahme aller entscheidenden Imperative des Transatlantismus. Die heutige Mainstream-Linke sticht vor allem durch ihre durch und durch systemkonforme Haltung hervor, und hebt sich damit sowohl von ihren 68er Anfängen als auch von heutigen minoritären linken Strömungen ab. Am konsequentesten sind die Grünen diesen Weg gegangen, die daher auch den heutigen Zeitgeist beinah in Reinform repräsentieren. Die scheinheilige Indienstnahme des deutschen Schuld-Narrativs zur Rechtfertigung der Beteiligung am militärischen US-Imperialismus (früher vehement bekämpft) durch einen ehemaligen Steinewerfer im Außenamt, dürfte in dieser Hinsicht der Ritterschlag gewesen sein. Wenn die Linke dieses Korsett verlässt, bekommt sie sofort Gegenwind auch aus den eigenen Reihen. Erkennbar wird das am Umgang mit Personen wie Wagenknecht, die außenpolitisch non-konforme Positionen vertritt und die soziale Frage ernst nimmt, und gegen das System wendet. Selbst jemand wie Kevin Kühnert begibt sich auf dünnes Eis, wenn er das gegenwärtige kapitalistische Modell (auf der ja die US Hegemonie zu großen Teilen beruht) auch nur ein bisschen in Frage stellt (siehe aktuelle Debatte um Enteignungen und Vergesellschaftungen). Empörte Reaktionen von allen Seiten ließen jedenfalls nicht lange auf sich warten. Aus dem gleichen Grund waren wohl auch die durchaus bedenkenswerten Überlegungen Ludwig Erhards zur "formierten Gesellschaft" von vornherein zum Scheitern verurteilt, da eben außerhalb des doch recht engen Korsetts, welches als stahlhartes Gehäuse bis heute den bundesrepublikanischen Geist erfolgreich in gewünschter Form hält.

Nun, was bedeutet das? Es bedeutet, dass die Einordnung bestimmter Ideen und Konzepte innerhalb des Overton-Fensters zumindest AUCH etwas damit zu tun hat, wie sie sich zur Rolle der BRD als verwestlichter, liberal-kapitalistischer Staat im Rahmen der Pax Americana verhalten. Wer diese Rolle grundsätzlich in Frage stellt, landet ganz schnell im Bereich des "radikal" oder "undenkbar". Eine lustige Situation hat sich daraus ergeben, dass die USA unter Trump zeitweise selbst die seit Jahrzehnten etablierte Form (vielleicht nicht unbedingt die Vorherrschaft an sich) einer Pax Americana ein Stück weit in Frage gestellt haben. Jedenfalls einstand der Eindruck, es bestünde die Möglichkeit, sie von der Ideologie des Liberalismus und universalistischen Globalismus abzutrennen. Oder besteht diese Möglichkeit noch? Der tiefe Staat scheint Trump jedenfalls weitgehend eingefangen und eingehegt zu haben, und das gleiche droht auch patriotischen Kräften in Europa, falls sie ihre Version eines Marsches durch die Institutionen erfolgreich beenden sollten.

Niekisch
4. Mai 2019 11:35

"Selbst jemand wie Kevin Kühnert begibt sich auf dünnes Eis, wenn er das gegenwärtige kapitalistische Modell (auf der ja die US Hegemonie zu großen Teilen beruht) auch nur ein bisschen in Frage stellt (siehe aktuelle Debatte um Enteignungen und Vergesellschaftungen)"

@ Metall-Hahn 11:18 u. alle: https://www.t-online.de/nachrichten/deutschland/parteien/id_85691602/kuehnert-debatte-was-meint-die-spd-mit-sozialismus-wolfgang-thierse-.html

Wenn wir uns dieser Thematik, die Millionen Deutsche betrifft, nicht endlich ernsthaft widmen, dann werden wird zusammen mit der Merkel im Schwarzen Loch der Uneinsichtigen verschwinden, auf längere Sicht wird ein neu entstehender, des Totalitarismus und des Herabwürdigens anderer Menschen entsagender Nationaler Sozialismus unsere Stelle einnehmen.

Thomas Martini
4. Mai 2019 12:06

"Universalismus ist nicht gleichzusetzen mit Globalismus; das war und ist eher die angelsächsische Perspektive."

Die Französische Revolution war ein Projekt der liberalen, globalistischen Eliten, die mit den englischen Kapitalisten in einem Boost saßen. Und keine Volkserhebung, wie es uns bis heute weiß gemacht wird.

Minister Turgot, der in Frankreich den "Freihandel" durchsetzte, und mit der Privatisierung des Getreidehandels das Volk zum Hungern brachte, woher hatte er wohl seine Ideen?

Es ist naheliegend, daß GB die Revolution anzettelte, um die französische Monarchie zu zerstören und den Konkurrenten Frankreich auszuschalten. Die "neoliberale" Freihandels-Politik Turgots, führte im ersten Schritt zu fieberhafter Getreidespekulation und später zu Hungersnot und Hungerrevolten. (Marion Sigaut)

Die ersten Opfer der globalisitschen Revolution waren französischen Patrioten in der Vendeé, die man einfachheitshalber als "Banditen" bezeichnete, und so zum Abschuß freigab.

Der auf Rousseau zurückgehende Universalismus, kann nicht getrennt vom Globalismus betrachtet werden. Es handelt sich dabei bloß um die Kehrseite der Medaille. Die daraus erwachsene Menschenrechtsideologie, dient heute dem "Westen" als Werte-Paravent, um den globalen, jahrhundertelangen Raub- und Völkermord zu kaschieren, der mit der Demokratisierung der Welt einherging.

Laurenz
4. Mai 2019 12:34

@Thomas Martini & Niekisch ..... bin immer zwischen der historischen Erfahrung, daß die USA einerseits immer auf Seiten Europas anti-deutsche Nationen im Konfliktfall unterstützten und andererseits der Notwendigkeit einer europäischen Außen- und Sicherheitspolitik hin- und hergerissen. Adolf Hitler sagte mutmaßlich das nationslose Europa und den Euro voraus. Also eine Entsprechung linker Positionen. Rechte vertreten in der Regel etwas anderes. Vielleicht haben die Europäer auch begriffen, daß wenn Deutschland die Grätsche macht, es für alle duster wird, die Einschätzung ist schwierig. Thomas Martini liegt, meines Erachtens richtig, daß die künstliche historische Einschätzung der Geschichte des letzten Jahrhunderts, Europa total blockiert. Wir können allerdings nicht alles einem Impetus von außen überlassen. Präsident Putin hat alle sowjetischen Archive wieder schließen lassen. Die permanente Geschichtsklitterung auf RT und Sputnik bleibt offensichtlich. Aber auf was können Russen stolz zurückblicken, wenn sie die gut 70 Jahre Sowjetunion und 10 Jahre Manchester-Kapitalismus betrachten? Außer auf Juri Gagarin und dem Großen Vaterländischen Krieg, auf nichts. Da ist es um den russischen Nationalismus schlecht bestellt, denn auch vor der Sowjetunion ist nur ein rückgratloser verblödeter Zar und der verlorene Konflikt mit Japan und der übel selbst angezettelte 1. Weltkrieg gegenwärtig. Und die vielen Angriffskriege der Sowjetunion werden vollständig ignoriert.
Es läge an Deutschland, den Griechen und den Polen die Rechnung für den letzten Krieg aufzumachen. Aber davon sind wir weit entfernt und damit auch von Europa.

Wahrheitssucher
4. Mai 2019 13:06

Wenn auf diesen Seiten unlängst von verschiedenen Teilnehmern Kritik an einem vermeintlich sinkenden Niveau der Forumsbeiträge geäußert wurde, so zeigen eine Vielzahl der Beiträge als Antwort auf Sellners Artikel an dieser Stelle doch sicherlich das genaue Gegenteil!

Dank vor allem an @ Simplicius Teutsch, @ Thomas Martini, @ Niekisch und @ Metall-Hahn!

Elvis Pressluft
4. Mai 2019 14:03

Nachrichtlich @RMH:
„… die Antwort steht bereits im Artikel, das sind die ‚nützlichen Idioten‘ des Systems.“
Allenfalls interstitiell (so im Sinne Derridas, wo das Eigentliche immer das Ungesagte ist) stand es dort; sonst hätte ich die Frage nicht aufgeworfen. Aber Ihre Replik ist sehr bezeichnend – das Gleiche dekretieren die Cucks, wenn es um Höcke, Sellner oder die SEZESSION geht: „Ihr stellt’s doch nur den Regierenden die gewünschten Pappkameraden hin – so wird das nie was!“ – Eben diese Haltung erklärt das fehlende Kontinuum rechts von Merkel. Linke, die aus Langeweile oder zwecks Überwachung hier mitlesen, können mit Gender-Bionade (oder wat auch immer) anstoßen. I rest my case.

Imagine
4. Mai 2019 14:07

@heinrichbrueck 4. Mai 2019 10:03

Schönes Eigentor.

Denn der Artikel bestätigt meine Argumentation.

Rumänische Arbeitskräfte gehen nach West-Europa und Rumänien versucht, dies mit Arbeitskräften aus Pakistan zu kompensieren.

Imagine
4. Mai 2019 15:12

@Metall-Hahn 4. Mai 2019 11:18
„Ein Teil des durchschlagenden Erfolgs der politischen Linken zu einer hegemonialen Position liegt auch darin begründet, dass man eine Synthese (eben zum heute vorherrschenden Linksliberalismus) mit dem Liberalismus transatlantischer Prägung, wie er den BRD-Deutschen nach dem Krieg als Korsett angelegt wurde, eingegangenen ist. So konnten die 68er, deren Exponenten zu Zeiten der "Revolte" noch als Staatsfeinde betrachtet wurden (incl. Berufsverbote etc.), den Marsch durch die Institutionen antreten und als das neue Establishment daraus hervorgehen. Nach meiner Auffassung war die conditio sine qua non dafür aber die Übernahme aller entscheidenden Imperative des Transatlantismus. Die heutige Mainstream-Linke sticht vor allem durch ihre durch und durch systemkonforme Haltung hervor, und hebt sich damit sowohl von ihren 68er Anfängen als auch von heutigen minoritären linken Strömungen ab. Am konsequentesten sind die Grünen diesen Weg gegangen, die daher auch den heutigen Zeitgeist beinah in Reinform repräsentieren.“

Endlich einmal eine intelligente und zutreffende Darstellung dieser Zusammenhänge.

Ideologen – Politiker, Journalisten, Lehrer, Spin-Doctors, PR-Leute, Werbe-Fuzzis etc. – sind marktabhängige Dienstleister. D.h., sie produzieren die Ideologien und Narrative, für die ihre Kunden bezahlen.

Leute wie Schröder, Scharping, Cohn-Bendit, Fischer etc. sind opportunistische Parvenüs, welche die Seiten gewechselt haben und dann für jene arbeiteten, die über Geld und Macht verfügen.

Unzählige andere Linke, die dies nicht taten, zogen sich aus der Politik zurück oder landeten im Prekariat. Wie z.B. Ebermann, Dithfurt etc.

Auch ein Sellner produziert für den Markt. Nur eben für andere Kunden. Denn nur solange er Sponsoren findet, kann er seine Rolle als politischer Aktivist und Internet-Entertainer ausüben. Ansonsten muss er sich unter den herrschenden Marktbedingungen einen anderen Job suchen.

Die politischen Ideologen und Aktivisten müssen sich den Marktbedingungen anpassen. So funktioniert das. Und nicht umgekehrt.

Die Grünen funktionieren deshalb so gut im Interesse der Reichen und Mächtigen, weil sie dazu gezwungen sind, wenn sie Erfolg als gesellschaftliche Aufsteiger haben wollen.

Kaum einer der Grünen verfügt über einen bürgerlichen Beruf, der ihm einen wirtschaftlichen Erfolg und hohen Sozialstatus ermöglicht.

Fischer - ein Taxifahrer. Cohn-Bendit – ein Soziologe, der sich als Buchhändler durchschlagen wollte. Jede Menge abgebrochene Studenten bei den Grünen: Volker Beck, Claudia Roth, Oswald Metzger, Katrin Göring-Eckardt usw. usf.

Auch Leute wie Cem Özdemir, Boris Palmer, Annalena Baerbock, Robert Habeck etc. verfügen nicht über bürgerliche Qualifikationsprofile, mit denen man außerhalb der Berufspolitik zu wirtschaftlichen Erfolg und hohen Sozialstatus kommt.

Jenseits der Berufspolitik gibt es für all diese Politfiguren nur sozialen Abstieg. Deshalb funktionieren sie auch so gut angepasst und opportunistisch im Dienste der Herrschenden.

Ideologien werden dann und deshalb hegemonial, wenn sie den Interessen derer entsprechen, die über Geld und Macht verfügen.

Jenes Narrativ, dass die Linken die ideologische Hegemonie ergriffen hätten, ist daher Nonsens.

Metall-Hahn
4. Mai 2019 15:27

@Niekisch "kuehnert-debatte-was-meint-die-spd-mit-sozialismus-wolfgang-thierse" Nun, mal ganz unabhängig davon was man hier in rechten Kreisen von sozialistischen Ideen hält, die SPD hält ganz offensichtlich nichts davon, wenn man Thierse beim Wort nimmt und die Reaktionen auf Kühnerts Vorstoß bewertet. Das kann auch kaum verwundern, denn wer mit Vergesellschaftungen, Verstaatlichungen und Enteignungen tatsächlich Ernst machen würde, fiele sofort aus der so genannten "westlichen Wertegemeinschaft" heraus. Wie das endet, kann man derzeit in Venezuela besichtigen, das ja nicht wegen seiner tatsächlich niederschmetternden Misswirtschaft und Korruption ins Fadenkreuz der Regime-Changer geraten ist. So lange die globalen Kräfteverhältnisse so sind wie sie sind, wäre also auch ein "nationaler Sozialismus", der im Gegensatz zu südamerikanischen Kleptokratien oder der dystopischen namensgleichen historischen Version diese Bezeichnung tatsächlich verdiente, kaum realisierbar. Jedenfalls nicht in einem Staat von strategischer Bedeutung, weil er zum Beispiel die weltweit größten Ölreserven birgt (Venezuela), oder immer noch eines der bedeutendsten volkswirtschaftlichen Potentiale bildet (das unter dem Vorwand des "Klimaschutzes" allerdings gerade heftig unter Beschuss steht) - und zu allem Unglück faktisch weder voll-souverän noch militärisch gewappnet ist. Ob so etwas überhaupt anzustreben wäre, darüber gehen die Ansichten in unserem Lager wohl auseinander. Vielleicht könnte man sich auf den Minimalkonsens einigen, dass eine anzustrebende Wirtschaftsordnung zuvörderst dem Gemeinwohl zu dienen hätte, denn das Wohl der vielen, das Wohl eines Volkes, steht über den egoistischen Interessen aller kollektiven Bindungen abholder Einzelner.

RMH
4. Mai 2019 15:58

" Selbst jemand wie Kevin Kühnert begibt sich auf dünnes Eis, wenn er das gegenwärtige kapitalistische Modell (auf der ja die US Hegemonie zu großen Teilen beruht) auch nur ein bisschen in Frage stellt."

Nein, er begibt sich auf gar kein dünnes Eis, er verschiebt vielmehr auf sehr abgesichertem Grund das hiesige Overton-Fenster weiter nach links. Nach den ersten Empörungen kommen doch bereits jetzt die Wellen der Umarmungen, nach dem Motto, man muss als "Jugendlicher" übers Ziel hinaus schießen, um die Debatte in die richtige Richtung zu bringen. Einen besseren Beweis für die Richtigkeit der Overton-Theorie kann es eigentlich gar nicht geben und es ist sehr interessant, dass Sellners Beitrag gleich auf einen praktischen, aktuellen Fall voll Anwendung finden kann. Da hat M.S. den Zeitgeist gerade richtig eingefangen, Chapeau.

Hätte Kühnert gefordert, statt BMW (eine Firma, die auch noch zu großen Teilen der Familie Quandt (!) gehört) bspw. Kuka, mittlerweile in chinesischer Hand,

https://www.capital.de/wirtschaft-politik/chinesischen-uebernahmen-in-deutschland

zu enteignen oder dafür zu sorgen, dass bei Transaktionen in ausländische Hände immer ein deutsches Vorkaufsrecht besteht, tja dann wäre aber "Autobahn" gewesen. So geht der Plan 100% auf. Man palavert mal wieder am eigentlichen Thema vorbei und die faktischen Enteignungen finden schon sehr lange beim deutschen Kleinsparer (0 Zinsen), Berufspendler (Fahrverbote, keine Anhebung der Pendlerpauschale seit Jahren, obwohl geboten, zukünftig C02 Steuer), Häuslebauer (neue Grundsteuer, Energiekosten), Arbeitnehmer (keine Abmilderung oder Anpassung der steuerlichen Progression trotz steigender Einkommen und Lebenshaltungskosten, kein Ende des "Soli", kein ausreichender Steuergrundfreibetrag etc., überhöhte Umsatzsteuer auf den Faktor Arbeit bei Handwerkern und Dienstleistern etc., etc.), den zukünftigen Rentnern (es gibt immer weniger für das, was eingezahlt wird und das Ganze wird dann auch noch immer mehr bis voll besteuert und steigenden Krankenkassenbeiträgen unterworfen) und Familien (Erbschaftsteuer, keine volle steuerliche Befreiung des Existenzminimums bei Kindern etc.) statt - und das trifft nach wie vor mehrheitlich die deutsche, autochthone, arbeitende Bevölkerung.

Und hier im Forum wird etwas vom "US-Kapitalismus" geredet, der in den USA aber gerade nicht den Sozialismus in sich birgt, der bei uns bereits seit Jahrzehnten unter dem täuschenden Begriff einer vermeintlich sog. "sozialen Marktwirtschaft" voll und ganz und immer hemmungsloser (darauf zielt Kühnert ja ab) ausgelebt wird und aktuell vor allem auch Transfers zu den zuziehenden und nicht arbeitenden Kreisen dient (Thema "großer Austausch" - ohne unseren bereits existierenden Sozialismus wäre der aktuell in dieser Form nicht machbar, wenn man halbwegs "den Deckel" drauf halten will).

Think big ist ja auch Teil einer Strategie und ich kann es nachvollziehen, dass man sich eher im großen Terrain der Welt bewegen will, als im kleinen, aber eine (echte) rechte Politik hat mit den sozialistischen Ideen im wirtschaftlichen und Eigentumsbereich eigentlich per se keine Schnittmengen (schon Kolping ist nicht mehr rechts) - Querfrontüberlegungen hin, Querfront her. Es gibt eben auch Inkongruentes und das sollte man auch hier noch klar und deutlich erkennen können.

Die Frage des Artikels wird aber von Forum nach wie vor nicht beantwortet, außer, dass wieder zu viele ihre Standards zum Besten geben. Die Frage ist doch, wie man das Overton-Fenster zum eigenen Vorteil verschieben kann oder zumindest so weit verbreitern kann, dass auch Veranstaltungen mit eigenen Themen wieder ganz normal möglich sind, ohne dass man dafür ständig zuvor zu Gericht gehen muss (so wie aktuell die AfD in München) oder in die Konspiration getrieben wird (so wie bei manch anderer Veranstaltung der Veranstaltungsort erst kurz zuvor verdeckt angegeben werden muss). Es geht eigentlich vor allem auch um Selbstverständlichkeiten - dazu gehört auch die "Lappalie", dass eine AfD endlich auch einmal ohne Hochleitern zu verwenden, ihre Wahlplakate ganz normal aufhängen kann.

Immer noch S.J.
4. Mai 2019 17:54

Es ist interessant und natürlich hilfreich, wenn hier im Zusammenhang mit dem Artikel die Französische Revolution erwähnt wird. Mit einem kleinen Augenzwinkern in Richtung der hiesigen Chefetage sei jedem die fesselnde Arbeit über die Entstehung der Französischen Revolution aus der Feder des kaum bekannten französischen Historikers Augustin Cochin empfohlen, der in den Jahren bis zu seinem Tod im Ersten Weltkrieg wie besessen die Archive Frankreichs durchwühlte, weil er daran zweifelte, dass die Geschichtswissenschaft die Entstehung der Revolution wirklich genau genug unter die Lupe genommen hat. Seine Kernthese: Seit Mitte des 18. Jahrhunderts – also deutlich vor der Revolution - sei ein immer dichteres Netz von „Philosophen“, wie Cochin sie nennt, und „Zirkeln“ in Frankreich entstanden, die immer besser vernetzt bis in die kleinsten Ortschaften die große Umwälzung intellektuell vorbereiteten. Ausschlaggebend sei eine Umwertung der gültigen Begriffe und Vorstellungen gewesen, die es erlaubt habe, integrative Vorstellungen einerseits sowie Feindbilder andererseits zu schaffen.

Es ist überhaupt nicht abenteuerlich, die Ansichten Cochins auf die Gegenwart zu übertragen. Ein paar Meldungen und Ereignisse der letzten zwei Tage mögen das illustrieren. Wenn beispielsweise die Stadt Konstanz als erste Stadt Deutschlands den sog. „Klima-Notstand“ im Stadtrat einstimmig beschließt und sich niemand die Mühe geben muss, die Bedeutung dieser Maßnahme im Alltag zu konkretisieren, eine der Sprecherinnen der „Friday for Future“-Demonstrationen bei einer der Hauptversammlungen des Energie-Konzerns RWE Rederecht zugestanden bekommt oder Schüler Plakate hochhalten, auf denen wörtlich steht, es sei besser eine Fünf in Mathe zu haben als eine Sechs in der Klimapolitik, dann haben wir es mit einer weitgehend erfolgreich vollzogenen Umwälzung der gewohnten Vorstellungen in zentralen gesellschaftlichen Bereichen zu tun, die natürlich auf andere Fragen Auswirkungen hat. Man stelle sich vor, was beispielsweise passiert, wenn zukünftige Migrationswellen vermehrt mit dem Klimawandel begründet werden und der tapfere Stadtrat von Konstanz die Frage in die Hand nimmt, was nun zu tun sei. In Berlin will man dem Beispiel von Konstanz übrigens folgen.

Um Martin Sellners Gedanken aufzugreifen: Das Overton-Fenster hat sich so drastisch verschoben, dass – wie gestern zu lesen war – die Stadt München ein Hausrecht behauptet, welches es erlaube, Björn Höcke ein Rederecht in München zu verbieten. (https://www.welt.de/politik/deutschland/article192921175/AfD-Muenchen-erteilt-Redner-Bjoern-Hoecke-Hausverbot.html). Welches Kontinuum rechten Denkens ist in einem Land denkbar, in dem das alles passiert?

Thomas Martini
4. Mai 2019 18:09

Vielen Dank für den Zuspruch zur Sache.

Wenn z. B. Herr Sellner "unbewußte Verbündete der Gegenseite" erwähnt, gehe ich übrigens hart mit mir ins Gericht, und hinterfrage meine Ansichten und Erkenntnisse von Grund auf. Vielleicht hat Martin Sellner sogar recht, und mein Engagement zieht "das Overton-Fenster nicht nach rechts, sondern stößt, wie eine Seifenblase die andere, es ab - weiter nach links."

In der Realität aber schafften es bisher weder eine Partei oder eine außerparlamentarische Bewegung, das Fenster weiter nach rechts zu bewegen. Herr Sellner beschreibt korrekt, wie es sich immer mehr nach links verschob und er selbst hat in den vergangenen Wochen am eigenen Leib erlebt, wie viele vermeintliche Verbündete aus der FPÖ und der sogenannten "Mitte" ihn verleugneten. Das Geheul darüber war groß hier, die Empörung berechtigt.

Eine Reflektion der Ereignisse fand aber bis jetzt nicht statt. Wie üblich musste sich die Rechte für Dinge rechtfertigen, die sie überhaupt nicht verbrochen haben. Diese Quadratur des Kreises zu durchbrechen, kann nur dann gelingen, wenn man die Spielregeln ändert.

Wen wundert's, daß sich die FPÖ glänzend an die herrschenden Spielregeln angepasst hat? War es nicht sogar Strache, der auf einem Patriotenball feierlich erklärte, in den eigenen Reihen könne kein Platz für Geschichtsvergessene sein?

Nichts fürchten die Hüter über die kulturelle Hegemonie mehr, als eine aufrichtige Revision des Zweiten Weltkriegs. Das ist ein Thema, bei dem die Linksliberalen hysterisch werden, weil es "unerträglich" ist. Praktisch: Das Hinterfragen ist per Gesetz verboten. Die Konservativen wissen das, sehen ihre Reputation bedroht, und distanzieren sich per Reflex, sobald bestimmte Begriffe fallen.

Noch einmal: Der Grund dafür, ist die Rechtsprechung, die durch das Internationale Militärtribunal von Nürnberg in Kraft trat.

Folgt man dieser Rechtsprechung, und der daraus resultierenden Moral der Geschichte, gerät man eben in vielerlei Hinsicht in Erklärungsnot. Plötzlich muss man dann erklären, warum weiße, priviligierte Männer die dritte Welt ausgebeutet haben. Würde man dagegen halten, daß die Europäer viel zur Kultivierung in besagten Weltgegenden beigetragen haben, käme man sogleich in Verruf, ein "Rassist" zu sein, was im Grunde gleichbedeutend mit "Nazi" ist. Dazu könnte man dicke Bücher mit Beispielen bringen, hier muß die Anspielung des Gedankens genügen.

Ich kann nicht erkennen, wie man in diesem vorgebenenen Fenster ein Kontinuum für die Neuen Rechte herbeiführen könnte, das für den politischen Hauptstrom akzeptabel wäre.

Sähe ich bloß, daß die Herangehensweise von Sellner Erfolg zeitigt, wäre es was anderes. Würde man ihn, und Patrioten, die sich von jeglichem Nazismus und Rassismus abgrenzen, in den erlauchten Kreis derer aufnehmen, deren Meinung in Deutschland/Österreich sagbar ist, so gäbe es wenig Grund zum Widerspruch.

Das entspricht indes nicht der Realität.

Niekisch
4. Mai 2019 18:43

"Die Französische Revolution war ein Projekt der liberalen, globalistischen Eliten, die mit den englischen Kapitalisten in einem Boost saßen. Und keine Volkserhebung, wie es uns bis heute weiß gemacht wird."

@ Thomas Martini 4.5. 12:06: Ja, keine wirkliche Volkserhebung und einen Sturm auf die Bastille hat es auch nie gegeben. In der Vendee´ wurden 350000 Katholiken Opfer der republikanischen Horden.

M.E. war die "französische" Revolution ein Produkt der französischen Freimaurerei, denn London konnte nicht verhindern, daß sich der Grand Orient nach einigem Tauziehen entgegen dem Willen Walpoles selbständig machte. Nahezu alle Proklamationen und Entscheidungen im Rahmen der Revolution waren durch Brüder unterzeichnet, Besuche in Logen sind durch Dokumente und Zeugen belegt, z.B. hinsichtlich Dantons ( vgl. Maler, Juan, Die sieben Säulen der Hölle, Buenos Aires, 1974, S. 83 )

"In der Skizze bezeichne ich das gegnerische Lager der Globalisten als "links" sagt Martin Sellner, ist aber nicht so. Der Globalismus ist letztlich eine späte Blüte der religiös-messianistischen Vorstellung des orthodoxen Judentums, alle Völker zum Tempel zu führen und der späteren Vereinnahmung dieser Idee durch Adam Weishaupt und die Freimaurerei als Werkzeug und Flugzeugmutterschiff der um Emanzipation ringenden Juden schon im 17. Jahrhundert. A l l e s hat eine causa, man muß sie nur suchen und finden. Universalismus und Menschenrechtsideologie gehören ebenfalls in die Okkupation der Aufklärung durch weltverbrüdernde, den Traditionalismus auf den Kopf stellendes Gedankengut, das schon seit 500 Jahren, ja seit dem Jahweglauben wühlt.

Niekisch
4. Mai 2019 19:39

@ Immer noch S.J. 4.5. 17:54:

"...Kernthese: Seit Mitte des 18. Jahrhunderts – also deutlich vor der Revolution - sei ein immer dichteres Netz von „Philosophen“, wie Cochin sie nennt, und „Zirkeln“ in Frankreich entstanden, die immer besser vernetzt bis in die kleinsten Ortschaften die große Umwälzung intellektuell vorbereiteten. Ausschlaggebend sei eine Umwertung der gültigen Begriffe und Vorstellungen gewesen, die es erlaubt habe, integrative Vorstellungen einerseits sowie Feindbilder andererseits zu schaffen."

Gibt es doch die morphogenetischen Felder Stephen Hawkings doch? Gerade habe ich einen Kommentar zu @ Thomas Martini 12:06 zum Thema "franz. Rev." abgesetzt, da lese ich Ihren Kommentar. Die Bestätigung zu Ihrem Zitat habe ich schon aufgeschlagen vor mir liegen: "..wir ( der deutsche Geheimdienst 1940) ein Exemplar des Buches von Velbrueck in Luettich erbeutet hatten (und das unter den Augen der deutschen Freimaurergenerale v. Falkenhausen und v. Stuelpnagel)). ..Danton besuchte in seiner Eigenschaft als Commissaire de la Convention 1793 die Loge de la Parfaite Egalite´in Luettich, später -1808, Bruder Kellermann, Mare´chal de France, Duc de Valmy, Grand Administrateur ge´ne´ral des Ordens. Die enge Verbindung von Loge und Revolution, von Friedenssehnsucht und Massenmord, die aus so unendlich vielen bekannten Dokumenten jener Zeit spricht, belegt auch das Folgende. Es stammt aus dem Jahre 1790, aus der Gemeinde Theux und wurde aufgesetzt von Leuten, die eine revolutionäre Gesellschaft dort gründen wollten. "An den Gemeinderat von Theux:"...über politische Dinge diskutieren, Projekte machen, die für Vaterland und Menschheit (!) nützlich sind. Wer weiß, ob nicht durch eine Verallgemeinerung dieser Gedanken man nicht so der Menschheit (!) die hoechsten Dienste erweisen kann, indem diese anfangs so kleinen Reunionen sich in eine allgemeine Gesellschaft verwandeln, die sich der Aufgabe widmet, überall die Freiheit (!) zu propagieren. Man brauchte dazu als Modell nur die wirklich bewundernswerte Form der Freimaurerei (association maconnique) zu wählen, um die guten (!) Bürger der hauptsaechlichsten Orte dieser Gegend anzusprechen und aehnliche Klubs in der Form von Logen errichten, die alle dann den wichtigsten patriotischen und revolutionären Klubs in Paris, London usw. angeschlossen waeren, ...und in Gemeinsamkeit mit denen man dann Freiheitsboten ( !) in jene ungluecklichen (!) Gegenden schicken wuerde, die noch von den unreinen (!) Wolken des tiefen Unwissens (!) bedeckt sind, wo die Despoten noch die Menschen- und Buergerrechte (!) hintanhalten. "" (Maler, Juan, Die sieben Säulen der Hölle, Buenos Aires 1974, S. 93) Ausrufezeichen von mir.

Wie heutzeitaffin sich das alles doch liest. Wer zweifelt angesichts dessen noch daran, wer Universalismus, Globalismus, Zerstörung alles Traditionalen, alle Machenschaften Richtung Weltstaat, Weltregierung, Weltmoral und Weltrecht zu verantworten hat.

heinrichbrueck
4. Mai 2019 19:44

“Welches Kontinuum rechten Denkens ist in einem Land denkbar, in dem das alles passiert?”

Deshalb gibt es kein rechtes Kontinuum in unserem Land, damit es passieren kann!

@ RMH
Kühnert verschiebt das Fenster? Je länger dieses Fenster hin- und hergeschoben wird, desto erfolgreicher bestimmen die Medien die gewollten Inhalte.
Die Leute verstehen zwar nichts von Staatsführung, aber Hauptsache die Wahlplakate hängen korrekt. Wählen wir einfach, bis das Ergebnis paßt?

Solange immer nur irgendwelche Schlagworte benutzt werden, wird keine Klarheit herrschen. Die Wirtschaft hat dem Volk zu dienen, nicht umgekehrt. Es wird gerade so getan, als hätte Kühnert gefordert, Rothschild zu enteignen.

@ Imagine
Die Marktbedingungen werden von der Volksintelligenz eines Landes geschaffen, vorausgesetzt: kein Sklavenstaat leitet die Gewinne in volkszerstörerische Kanäle! Sie könnten auch einen Schimpansen aufzählen bzw. in den Bundestag setzen. Oder herrscht die Familie Quandt in Bayern?

Nemesis
4. Mai 2019 21:27

@MS
"Jeder einzelne Aktivist, jedes Parteimitglied, jeder, der online und offline seine Meinung kundtut, auch jeder, der unter SiN-Artikeln postet, betätigt sich entweder als metapolitischer Revolutionär oder Reaktionär."

Oha, da frage ich doch mal ganz vorsichtig an:
Ginge es eventuell auch eine Nummer kleiner?

Was mich betrifft:
Bevor ich hierherkam, wußte ich noch nicht einmal, wie man konservative Revolution buchstabiert. Jetzt weiß ich wenigstens, wie mans schreibt...

@Majordomus hat an anderer Stelle geschrieben:
"Was den allerdings fragwürdigen "Werbewert" betrifft, so erinnere ich mich an eine Predigt eines Altkonservativen katholischen Volksmissionars gegen Nietzsche 1958 oder 1959, welche kurz vor dem Amen die Passage enthielt "Und am Ende war der arme Teufel geschlechtskrank". Diese Warnung vor Nietzsche veranlasste mich, ihn schon im Alter von 13 Jahren zu lesen, so wie damals auch Sartre, der noch als einer der letzten auf den Index der von der katholischen Kirche verbotenen Bücher gekommen ist."

Genau das hat mich bewogen, trotz innerer und äußerer Widerstände, hier vorbeizuschauen und, soweit möglich, mir mein eigenes Urteil zu bilden. Und ich denke, ich bin da nicht der Einzige.

Bin ich deswegen ein metapolitischer Revolutionär oder Reaktionär? Wohl kaum.

Wo Sie hingegen aus meiner Sicht recht haben:
"Wir alle bewegen diesen Rahmen mit, indem wir den Diskurse gestalten, die Klischees unserer Gegner bedienen oder brechen und die emotionale Barriere anheben oder einreißen."

Das aber, gilt für alle Lager.

Nehmen Sie es mir nicht krumm, aber ich habe nun mal was gegen einseitige Vereinnahmungen.
Egal von welcher Seite.

Lotta Vorbeck
5. Mai 2019 00:13

@Laurenz - 3. Mai 2019 - 10:31 PM
"... der Linken stehen pro Jahr 8 Milliarden öffentlicher Mittel für Propaganda zur Verfügung. Darum geht es doch gerade im Konflikt zwischen dem ORF und der FPÖ. Ungarn, Rußland, Polen und die Türkei haben diesen demokratischen Prozeß bereits hinter sich."

*****************************

Suggestiv gefragt:
+ Was ist von einem Volk zu halten, welches mehrheitlich offenbar keines mehr sein möchte und sich von milliardenschwerer Propagandaberieselung dazu bringen läßt, sich einem ihm feindlich gesonnenen Sytem auszuliefern, nur um sich auf die von diesem System bereitgestellte Garotte zu setzen und sich widerstandslos langsam erwürgen zu lassen?
+ Um wessen "Goldenes Kalb" tanzen diese Leute morgen, wenn es Ihnen per Propagandalautsprecher souffliert wird?

Lotta Vorbeck
5. Mai 2019 00:21

@Imagine - 4. Mai 2019 - 08:16 AM
„Es gibt auch westlich kapitalistische Gesellschaften, die Massenmigration und Multikulti ablehnen. Das eine geht also nicht zwangsweise mit dem anderen einher.“
[Martin Sellner]

Ein Argument mit Tiefgang, wie sich an den in dieser Hinsicht beispielgebenden Ländern Japan, Südkorea und Taiwan beobachten läßt.

Gelddrucker
5. Mai 2019 07:21

Ich weiß nicht, wie einige behaupten können, der Rahmen des Sagbaren hätte sich nicht nach rechts verschoben:

Strache:
https://www.youtube.com/watch?v=qahMkLpR_qc

Salvini:
https://www.youtube.com/watch?v=8z1gl0U7M8I

Orban:
https://www.youtube.com/watch?v=Nqq4MlBFYhM

Identitäre Spitzenpolitiker.
Kommt bei uns auch noch.

Monika
5. Mai 2019 08:31

Klare Ansage von Philip Stein durch Zitat von Benedikt Kaiser:
„Gemeinschaftsorientierung vor persönlichen Interessen, Politik vor Wirtschaft, Staat vor Markt, Volk vor Individualismus. Über den Rest kann man streiten, darüber nicht.“
Was verbleibt noch als Rest ? Was ist mit den Foristen, die gerade über die genannten Parameter streiten wollen ???
Wenn das so unwidersprochen gelten soll, dann kann ich nur sagen: Gottseidank gibt es kein neurechtes Kontinuum.
Was unterscheidet die nationalen Sozialisten von den internationalen Sozialisten ?
Dann gilt für mich: Etiam si omnes, ego non.
Wo sind die Christen in diesem Forum ? Ich meine nicht die Anhönger der lateinischen Messe oder die staatsdienenden Orthodoxen.
Sehr erfreut bin ich darüber, dass Frau Sommerfeld Berdjajews „Von des Menschen Knechtschaft und Freiheit“ für sich „entdeckt“ hat.
En garde !!!

Achterndiek
5. Mai 2019 09:08

@ Monika

"Was unterscheidet die nationalen Sozialisten von den internationalen Sozialisten ?"

Die evolutionäre Strategie der Nächstenliebe als Gegensatz zur Fernstenliebe?

Metall-Hahn
5. Mai 2019 10:21

@RMH "Nein, er begibt sich auf gar kein dünnes Eis, er verschiebt vielmehr auf sehr abgesichertem Grund das hiesige Overton-Fenster weiter nach links".

Dass es bei den zur Debatte stehenden Äußerungen primär um das Overton-Fenster geht würde ich bezweifeln, denn an einer Verschiebung dieses Fensters in eine antikapitalistische Richtung kann die SPD eigentlich kein strategisches Interesse haben. Es geht Kühnert meines Erachtens eher um die nach wie vor miserablen Umfragewerte seiner Partei vor der Europa- und Bremenwahl, um vielleicht einen kleinen Teil des fahnenflüchtigen ehemaligen Stammwählerklientels mit folgenlosem Wortgeklimper zu beeindrucken. Klappt aber auch nicht, da die SPD inzwischen kaum noch irgendeine Glaubwürdigkeit besitzt, und das Ganze eh leicht durchschaubar ist. Habe allein schon beruflich mit vielen Leuten zu tun, die eher links ticken, aber die haben gleich abgewunken, als ich mal vorsichtig das Thema angeschnitten habe.

Warum kann die SPD also kein strategisches Interesse an einer Verschiebung des Overton-Fensters in eine antikapitalistische Richtung haben?

Zunächst einmal, weil es den - durch z.B. Benedikt Kaiser immer wieder exemplifizierten - historischen Kompromiss der etablierten politischen Linken mit dem liberalen und universalistischen Kapitalismus westlicher Provenienz gefährden würde. Man hat den Liberalen die Wirtschaftspolitik überlassen, und darf sich dafür im kulturellen und gesellschaftspolitischen Bereich austoben, was zur Dominanz der linken Identitätspolitik geführt hat. Die durch linke Gesellschaftsexperimente geförderte weitere Fragmentierung der Gesellschaft kommt den Interessen des Großkapitals sogar noch entgegen, womit sich diese Interessenkoalition gegenseitig stabilisiert. Dort wo tatsächlich "planwirtschaftlich" und dirigistisch in die "freien" Märkte (die in Zeiten des Monopolkapitalismus ohnehin nicht mehr als wirklich "frei" bezeichnet werden können) eingegriffen wird, geschieht es im Interesse des internationalen Groß- und Finanzkapitals. Das sollte man bedenken, wenn man bspw. von EUdSSR spricht. Ihre Ausführungen zur systematischen Enteignung und Benachteiligung des Bürgers oder des Mittelstands sind natürlich völlig korrekt, stellen aber absolut keinen Widerspruch zum heutigen Modell eines von internationalen Machtungleichgewichten geprägten Globalkapitalismus dar. Im Gegenteil passt das sehr gut zu einer politischen Linken, die jegliche nationalen Loyalitäten für überholt hält, und den Wohlstand des eigenen Volkes ohne zu zögern auf dem Altar eines abstrakten Kosmopolitismus zu opfern bereit ist.

Zweitens kann die SPD deswegen kein Interesse an einem verstärkt forcierten Antikapitalismus haben, weil sie angesichts der eigenen Schwäche mehr denn je auf Bündnisfähigkeit in alle Richtungen angewiesen ist. Man wird ihre Dienste wohl auch benötigen und in Anspruch nehmen, denn anders als in Österreich hat man sich in der BRD dazu entschieden, den erstarkenden parteipolitischen Rechtspopulismus so lange wie eben möglich maximal auszugrenzen - anstatt ihn à la Kurz zwecks Domestizierung einzubinden. So lange die Situation so ist wie sie ist, kann weder die Union sich substantiell nach rechts bewegen, noch die SPD in den Bereichen nach links, wo es Bündnissen mit den nominell "bürgerlichen" Parteien im Wege stehen würde - und das heißt auf ökonomischem Gebiet. Also kann man höchstens Kühnertsches Wortgeklimper betreiben, oder - wie es andernorts formuliert wurde - Nebelkerzen zünden und nach dem "Kevin-Prinzip" von entscheidenden Themen ablenken.

https://www.achgut.com/artikel/kevin_die_nuetzliche_nebelkerze

Waldgaenger aus Schwaben
5. Mai 2019 10:25

@Monika
Sie haben ja recht. Mir aber fehlt inzwischen die Motivation und Zeit auf jeden neuen sozialistischen Blödsinn (sei er national oder international) zu reagieren.

Ich lasse Pirinicci (zitiert nach pi-news) zu Wort kommen:

http://www.pi-news.net/2019/05/akif-pirincci-hurra-endlich-kommt-die-fluechtl-aehm-co%c2%b2-steuer/

"Jeder, der scheinheilig von der momentanen Wohnungsnot spricht, ohne die Hauptursache hierfür zu erwähnen, nämlich die Bevölkerungsexplosion der letzten Jahre durch die Import-Mieter und des Leerkaufens und Leermietens durch den Staat für diese Klientel, koste, was es wolle, ist ein Dreckslügner. "

Das gilt mutatis mutandis auch für die Folgen der Euro-Rettung und Null-Zins-Politik, die jetzt eben in der breiten Masse ankommen.

nom de guerre
5. Mai 2019 10:25

@ Monika (und Philip Stein)
"Klare Ansage von Philip Stein durch Zitat von Benedikt Kaiser:
„Gemeinschaftsorientierung vor persönlichen Interessen, Politik vor Wirtschaft, Staat vor Markt, Volk vor Individualismus. Über den Rest kann man streiten, darüber nicht.“
Was verbleibt noch als Rest ? Was ist mit den Foristen, die gerade über die genannten Parameter streiten wollen ???
Wenn das so unwidersprochen gelten soll, dann kann ich nur sagen: Gottseidank gibt es kein neurechtes Kontinuum."

Gut, Sie haben Recht, darauf nicht einzugehen, erweckt den Eindruck, als gäbe es keinen Widerspruch. Ich selbst habe aus zwei Gründen bisher nichts dazu gesagt: Zum einen habe ich Benedikt Kaisers "Marx von rechts", aus dem das Zitat vermutlich stammt, nicht gelesen, und es widerstrebt mir, mich anhand zweier Sätze dazu zu äußern. Zum anderen setzt eine echte inhaltliche Auseinandersetzung immer ein Grundmaß an Verständnis, ein Nachvollziehen der Position des anderen voraus. Nun habe ich aber große Probleme, mich in eine Denkweise, die Sozialismus - egal ob international oder national - für eine gelungene Idee hält, hineinzuversetzen. Eigentlich dachte ich, um zu beurteilen, wozu Sozialismus führt, reiche ein Blick in die Geschichtsbücher. Oder nach Venezuela, wobei ich nicht bestreite, dass dort auch die über das Land verhängten Sanktionen eine Rolle spielen dürften. Wenn jemand dennoch meint, eine Planwirtschaft (denn was könnte eine so rigorose Aussage wie "Staat vor Markt" sonst bedeuten?) würde funktionieren und weiter meint, der Staat (welcher ja keine abstrakte Größe ist, sondern immer aus Individuen besteht , die ihn, d.h. die Kaste der Regierenden, der Regelaufsteller, bilden) wisse besser, wie mit dem von den Bürgern Erwirtschafteten, letztlich deren Geld und Vermögen umzugehen sei, als diese selber, dann kann ich das so wenig nachvollziehen, dass ich nicht fundiert darauf eingehen kann. Vielleicht könnte Herr Stein bei Gelegenheit einen längeren Beitrag dazu schreiben, wieso er glaubt, ein für die Neue Rechte anschlussfähiges Bemühen um den Erhalt Deutschlands und des deutschen Volkes sei nur bei gleichzeitigem Eintreten für die Einführung eines nationalen Sozialismus denkbar. Eine ausführliche Begründung würde mich wirklich interessieren, zumal ich mir nicht mal sicher bin, ob ich den Kommentar richtig verstanden habe (wüsste aber auch nicht, wie er sonst gemeint sein könnte).

Martin Sellner
5. Mai 2019 10:52

Ich habe endlich eine statistischen Beweis für den Linksdrift des OW gefunden und in den Artikel eingebunden.

Maiordomus
5. Mai 2019 10:54

@Monika. Sie müssen wissen, dass Sie und andere mit diesen ideologischen Neu-Rechten, die ihre eigenen Grundlagen trotz noch anerkennenswerter ideologischer Bemühungen nur ungenügend kennen, bestenfalls Schnittmengen haben, aber nicht Gesinnungsgemeinschaft. So wie wir zur Zeit des Kalten Krieges noch mit Wirtschaftsliberalen Schnittmengen hatten, aber keine Gesinnungsgemeinschaft. Diese Rechten sind uns, im Sinne von Erik von Kuehnelt-Leddin, noch längst zu links. Aber klar, musste man einst durchaus mit guten Gründen den Sozialismus bekämpfen, so wie man heute die Umvolkung aber vor allem die noch schlimmere Gender-Ideologie bekämpfen muss, die z.B. mit der menschenfeindlichen Abtreibungsideologie und dem auf totalen Egoismus ausgerichteten Feminismus die Voraussetzungen für den abendländischen Selbstmord mit fundiert. Mir selber stehen Gender-IdeologInnen ferner als zum Beispiel gläubige Muslime, obwohl ich von einer christlich-jüdisch-muslimischen Oekumene im Gegensatz zu meinem langjährigen Kollegen Karl-Josef Kuschel eigentlich sehr wenig bis fast nichts halte. Wandte mich jedoch bereits 1989 dagegen, das bisherige Feindbild der bürgerlichen Rechten, den Kommunismus, aktuell mit dem Feindbild Islam zu ersetzen. Dies brachte mich dann in einen relativ konstruktiven Dialog mit dem Islamisten und angeblichen Nazi-Freund Ahmed Huber, der auch mindestens einem der hier aktiven Foristen wohlbekannt war

Thomas Martini
5. Mai 2019 11:07

"In Herrn Sellners Beitrag wird völlig übersehen, daß es sich beim Overton-Fenster nicht um ein deutsches Phänomen handelt." - eike, 03.05.2019

Darüber kann man hinwegsehen, aber bereits die Berufung auf das "Overton-Fenster" ist vom Prinzip wiedermal Orientierung an angloamerikanischen Denkschule.

"Es existiert in kaum abgewandelter Form in fast allen westlichen Ländern und die "cucks" sind in England die Tories, in USA die Republikaner und in Frankreich die rechten "rassemblements", wie immer sie gerade heißen. Insofern geht auch der Kommentar von Herrn Martini, so richtig er auf die BRD bezogen ist, an der Sache vorbei."

Die globale Nachkriegsgeschichte, auf der Organisationen wie die UNO aufgebaut sind, sollte man sich aus der Volgelperspektive betrachten, verbunden mit der Frage, wo die aus dem IMT resultierende Rechtsprechung keine Gültigkeit besitzt.

Die aus dem Prozeß von Nürnberg hervorgehende Beurteilung von Demokraten=Gut und Nichtdemokraten=Böse, betrifft seit den 1950er Jahren alle Staaten der Welt in Wechselwirkung. Interventionskriege werden mit dem Verdacht auf einen neuen Hitler begründet, faschistische Regierungen können ohne schlechtes Gewissen beseitigt werden. Deutsche können plötzlich Bomber losschicken, um ein neues Auschwitz zu verhindern, und so weiter und so fort.

Das ist Sache, und mich dünkt, daß der Nachhall des IMTs für gewöhnliche Geister zu groß ist, um in seiner Vielschichtigkeit auch nur annähernd erfasst werden zu können.

„Es gibt auch westlich kapitalistische Gesellschaften, die Massenmigration und Multikulti ablehnen. Das eine geht also nicht zwangsweise mit dem anderen einher.“ Martin Sellner

Es gibt aber keine westlich kapitalistischen Gesellschaften, die Amerikanisierung ablehnen, und das ist ein mindestens ebenso, wenn nicht sogar drängenderes Problem für den Erhalt der kulturellen und völkischen Substanz Europas. Daß die IB und weite Teile der Neuen Rechten das bis heute nicht erkannten, oder nicht erkennen möchten, trennt mich von einem neurechten Kontinuum.

"Dieses komische Fenster verschiebt sich horizontal, Macht ist vertikal." - heinrichbrück

Das darf nie vergessen werden, und ich selbst mache gelegentlich den Fehler, rechts mit unten zu verwechseln.

"Das fehlende Kontinuum ist das Volk." - heinrichbrück

Der Kampf, der gegen Rechts geführt wird, ist gleichbedeutend mit dem Kampf gegen das Volk.

"Ich weiß nicht, wie einige behaupten können, der Rahmen des Sagbaren hätte sich nicht nach rechts verschoben:"

Jedes Land war nach dem Zweiten Weltkrieg gezwungen, seine Geschichte in den Rahmen der Siegergeschichtsschreibung irgendwie einzufügen. So ergab sich in Ungarn ein anderers Fenster als in Frankreich, in Italien entsand ein anderes Fenster als in Deutschland.

Der Rahmen jedoch blieb stets derselbe, und somit wird jede Verschiebung des Fensters verhindert. Ich bin zutiefst davon überzeugt, daß dieser Rahmen zum Erhalt der Völker und Kulturen Europas gesprengt werden muß.

Der_Juergen
5. Mai 2019 12:28

Zur Debatte über den Sozialismus: Dass man sich hier nicht einig wird, hängt vor allem damit zusammen, dass es keine von allen Autoren und Foristen akzeptierte Definition dieses Begriffs gibt. Wenn Sozialismus Abschaffung des Privateigentums an Produktionsmitteln und völlige staatliche Kontrolle über das Leben des Einzelnen bedeutet, wird er auf diesem Forum wohl keinen einzigen Anhänger haben, auch Benedikt Kaiser nicht, denn die Geschichte beweist in der Tat, dass ein solches System miserabel funktioniert. Eine gesunde Gesellschaft braucht Wettbewerb.

Heute ist praktisch jede Wirtschaft der Welt eine Mischwirtschaft mit sozialistischen und kapitalistischen Zügen; es gilt das richtige Verhältnis zwischen diesen beiden Komponenten zu finden. Für mich ist der Begriff "Sozialismus" etwas Erstrebenswertes, wenn man darunter u. a. folgendes versteht:

- Gelenkte Marktwirtschaft. Die Politik ist Herrin, die Wirtschaft Dienerin;
- Nicht reproduzierbare Bodenschätze gehören unter staatliche Kontrolle (gilt z. B in Russland, wo blutsaugende Oligarchen sich an Gas und Öl fettmästen, während ein grosser Teil des Volkes darbt);
- Kostenlose ärztliche und zahnärztliche Grundversorgung (wer im Krankenhaus ein Einzelzimmer will, soll eine Privatversicherung abschliessen);
- Existenzsichernde Renten für alle, unabhängig davon, wieviel sie vorher eingezahlt haben. Natürlich wird, wer viel eingezahlt hat, weiterhin mehr Rente erhalten als wer nichts oder wenig eingezahlt hat, aber der Unterschied wird längst nicht mehr so massiv sein, und es wird eine Höchstrente geben. Wer im Alter in Saus und Braus leben will, soll beizeiten sparen;
- Schluss mit den wahnsinnigen Abfindungen für Manager; die Abfindungssumme darf ein Jahresgehalt nicht übersteigen;
- Begrenzung der Löhne auch für Kaderleute. 50.000 oder in seltenen Fällen 100.000 Euro pro Monat mag noch hingegen, 500.000 nicht mehr.
- Kein arbeitsloses Einkommen für körperlich und geistig gesunde Arbeitsfähige. Der Staat erwartet von seinen Bürgern, dass sie zwischen Berufsabschluss und Rente regelmässig arbeiten und zahlt Arbeitslosengeld nur für kurze Zeit. Anschliessend muss der Betreffende eine ihm angebotene zumutbare Stelle annehmen, will er nicht jeder Unterstützung verlustig gehen.
- Anerkennung der Mutterschaft als Beruf. Dadurch wird in die Zukunft investiert. (Gilt allerdings nur für Einheimische und allenfalls für ethnisch und kulturell Verwandte, die dazu aber die Staatsbürgerschaft ihres Gastlandes annehmen müssen.)

Und, ein entscheidender Punkt: Abschaffung des unproduktiven Profits. Keine Börsenspekulation, keine Derivate, keine Hedgefonds mehr. Liquidierung des parasitären Kapitalismus a la Rothschild, Goldmann-Sachs und Soros, während der produktive Kapitalismus a la Ford und Gates mit den oben erwähnten Einschränkungen bestehen bleibt.

Da "mein" Sozialismus patriotischer und nicht internationalistischer Natur ist, geniessen im Staat lebende Ausländer zwar noch ein Recht auf medizinische Versorgung, eines auf Arbeitslosengeld jedoch allenfalls für kurze Zeit, wenn sie vorher bereits lange hier gearbeitet haben.

Nun mögen andere Diskussionsteilnehmer ihre eigene Definition von "Sozialismus" liefern!

Imagine
5. Mai 2019 13:12

@Lotta Vorbeck 5. Mai 2019 00:21
„„Es gibt auch westlich kapitalistische Gesellschaften, die Massenmigration und Multikulti ablehnen. Das eine geht also nicht zwangsweise mit dem anderen einher.“
[Martin Sellner]
Ein Argument mit Tiefgang, wie sich an den in dieser Hinsicht beispielgebenden Ländern Japan, Südkorea und Taiwan beobachten läßt.“

Nein, das Argument ist seicht wie eine Pfütze. Denn es widerlegt nicht die These, dass die Politik der Massenimmigration durch Profitinteressen, also durch die Profitlogik des kapitalistischen Systems, motiviert ist.

Japan geht einen anderen Weg der Profitmaximierung. Dort lässt man die Arbeitsmenschen sich zu Tode arbeiten. Dafür gibt es einen eigenen Namen: Karaoshi. Zudem ist in Japan der Prozess der Automatisierung und Roboterisierung schon wesentlich weiter.
Unter diesen Bedingungen würde in Japan eine Förderung der Massenimmigration zu Lasten der Profite gehen.

It´s the system, stupid.

Wahrheitssucher
5. Mai 2019 14:23

@ Der_Jürgen

Ein konstruktiver und weiterführender Beitrag!
Ein Einwand: Sie fordern: „keine Börsenspekulation“.
Ist nicht jeder doch sicher zulässige Aktien-Kauf auch eine berechtigte Spekulation?

Imagine
5. Mai 2019 14:25

Das Overtone-Fenster ist nichts anderes als die Visualisierung eines Meinungs- und Einstellungsprofils und verbleibt auf der Ebene der Deskription. Soziologisch ist es nur beschränkt tauglich, weil man damit nicht erklären kann, warum und wie sich vorherrschende Profile ändern.

Eine freiheitliche Gesellschaft weist ein breites Spektrum dieser Profile auf. Sie sind unterschiedlich je nach sozialer Lage und Status, Schichtzugehörigkeit, Partei- und/oder Religionszugehörigkeit.

Diese Profile unterliegen einem Wandel. Man spricht dann von „Zeitgeist“.

In sich totalitär entwickelnden Gesellschaften ist eine zunehmende Verengung und Vereinheitlichung des Spektrums akzeptierter Meinungs- und Einstellungsprofile zu beobachten.

Gegen die Entwicklung einer totalitären Gesellschaft haben die neuen Rechten nichts, im Gegenteil. Sie soll allerdings in ihrem Sinn und nach ihren Zielen geschehen. Sie wollen den autoritären, völkischen Führerstaat, und zwar möglichst „weiß“ und „reinrassig“.

Dieser Führerstaat ist allerdings nicht kompatibel mit dem modernen Nationalstaat, der ein Verfassungsstaat ist. Dieser befindet sich jedoch im Niedergang. Die Erziehung zum „mündigen Bürger“ und „Verfassungspatrioten“ hat man bereits vor 50 Jahren im Rahmen der sozialdemokratischen Bildungsreformen eingestellt.

Inzwischen besteht die Demokratie nur noch als Demokratiesimulation. Es herrscht ein „sanfter Faschismus“(Sennett), und zwar in Form des Neoliberalismus.

Nun müssen manifeste Diktaturen nicht nachteiliger sein als repräsentative Demokratien, die im Grunde nur eine Herrschaft einer Minorität darstellen.

Historisch gibt es durchaus Beispiele von guten Diktaturen. Z.B. zeitweilig Preußen, die Atatürk-Diktatur und die chinesische Entwicklungsdiktatur nach Mao.

Es zwar in den USA und Europa eine gewisse Entwicklung zu Rechtsextremismus. Meist tritt er nicht offen auf, sondern verbirgt seine Ziele eines politischen Wandels. Er stößt auf breiten Widerstand.

Aus globaler Perspektive wird immer deutlicher, dass es nach dem Zusammenbruch des Sowjetkommunismus nicht gelungen ist, eine kapitalistische „One World“ zu erreichten, sondern dass eine neue Systemkonkurrenz zwischen der US-dominierten „Staatengemeinschaft“ aka US-NATO-Imperium sowie China und dessen „Partnerstaaten“ entstanden ist. Heute stehen sich das plutokratische, kapitalistische US-System und das gemeinwohlorientierte (sozialistische), staatswirtschaftliche chinesische System gegenüber.

Der_Juergen
5. Mai 2019 14:51

@Maiordomus

Zu Ihrer Wortmeldung einige Ergänzungen:

Genau wie Ihnen steht mir ein gläubiger Muslim weltanschaulich sehr viel näher als eine irrsinnige Gender-Furie oder ein Abtreibungsfanatiker. Dennoch ist die Umvolkung, die de facto weitgehend auf eine Islamisierung hinausläuft, natürlich die Bedrohung Nummer eins. Den Gender-, Schwulen-. Lesben- und Transenwahnsinn kann man, hat man erst die Macht, mit einigen Federstrichen in den Orkus zurückschicken, dem er entkrochen ist - einige Millionen weder integrierbarer noch integrationswilliger Muslime lassen sich nur unter furchtbaren Kämpfen repatriieren.

Den "Paradiesvogel" Ahmad alias Albert Huber, einen fesselnden und charmanten Mann mit ungewöhnlichen historischen und politischen Kenntnissen, habe ich sehr geschätzt. Er war im rechtsnationalen Lager (Avalon-Bewegung u. a.) als Gast willkommen, wurde aber dennoch oft nachsichtig belächelt. Wie kann ein überzeugter Muslim denn für den Stop der islamischen Einwanderung eintreten? Geht einfach nicht. Er versuchte das Problem auf der gemeinsamen Grundlage des Antijudaismus zu entschärfen, aber auch das war (und ist) ein ganz untaugliches Rezept. Zumal es sich seither immer klarer herausgestellt hat, dass die radikalen sunnitischen Muslime und die Israelis enge Verbündete sind.

Zur Frage der europäischen Islamkonvertiten würde sich übrigens eine Debatte lohnen. Die Islamkenner auf diesem Forum sind eingeladen, sich zu Wort zu melden. Der tiefgründige französische Denker Rene Guenon war das Paradebeispiel eines zum Mohammedanismus übergetretenen europäischen Intellektuellen, aber es gab und gibt auch andere sehr achtbare Autoren, die sich aus mir nicht leicht erkennbaren Gründen zum Islam hingezogen fühlten (Martin Schwarz, Roger Garaudy und der phänomenal gebildete Italiener Claudio Mutti fallen mir im Moment ein). Wer sich aus Abscheu vor der Dekadenz der modernen Welt einer traditionalistischen Religion zuwenden will, hat doch die Wahl zwischen den katholischen Integralisten und den Orthodoxen und verbleibt damit auf dem Boden der abendländischen Kultur!

Simplicius Teutsch
5. Mai 2019 15:41

@Der_Juergen
„Nun mögen andere Diskussionsteilnehmer ihre eigene Definition von "Sozialismus" liefern!“
------------------------------

Sozialismus und Kommunismus (im Sinne von: alles gehört allen) funktionieren nur in einer Gemeinschaft von Heiligen. - Aber das hatte ich schon als junger Mann gründlich kapiert, wenn ich bloß an die Gemeinschaftsküche und Stockwerksdusche im Studentenwohnheim denke.

Das Prinzip auf gesellschaftlich-ökonomischer Ebene, das ich befürworte, lautet: Leistung muss sich lohnen.

Wer in Not kommt, dem muss geholfen werden. Wer aber seine Not selber verschuldet, darf nicht erwarten, dass er zuhause auf dem Sofa lümmelt und alle zwei Jahre einen neuen Kühlschrank und Fernseher bekommt, während der Fleißige alles selber finanzieren muss, von dem, was der Staat ihm nach Abzug von Steuern und Sozialabgaben übrig gelassen hat, und der darauf achtet, dass im Winter möglichst sparsam die Heizung läuft.

Franz Bettinger
5. Mai 2019 15:44

@Jürgen: Zustimmung bis auf die Förderung von Familien; (Stichwort: Überbevölkerung gerade auch in Deutschland!) Abgewandelt und ergänzt sähe mein Sozialstaat so aus:
- eine direkte Demokratie nach Schweizer Vorbild,
- Wehrpflicht oder Ersatzdienst für jeden Einheimischen, Mann wie Frau,
- Gelenkte Marktwirtschaft. Die Wirtschaft ist für das Volk da, nicht umgekehrt,
- Keine sozialen Hängematten für Sozial-Schmarotzer. Arbeitslosengeld nur für kurze Zeit.
- Trink- und Abwasser, Autobahnen, Mülldeponien und Bodenschätze gehören unter staatliche Kontrolle,
- Steuer-finanzierte, auf Evidenz basierte Medizinische Grundversorgung, die unbewiesen Firlefanz ausschließt,
- Begrenzung der Manager-Löhne. 50.000 Euro pro Monat mag noch hingegen, 500.000 nicht mehr.
- Schluss mit Erfolgs-Boni und Wahnsinns-Abfindungen für erfolglose Manager (wie im Fall des Telecom-Versagers Aron Sommer),
- Zähmung des Aktienmarktes. Keine Börsenspekulation, keine Derivate, keine Hedgefonds mehr; dafür eine Finanz-Transaktions-Steuer von 1%,
- Steuer-finanzierte Grundrente von ca. 1000€ pro Mann, Maus und Monat wie in Neuseeland. Wer im Alter luxuriös leben will, soll das auf eigene Kosten können und eben dafür sparen.

Franz Bettinger
5. Mai 2019 16:10

@imagine: Sie schreiben: "Gegen die Entwicklung einer totalitären Gesellschaft haben die neuen Rechten nichts. Sie soll allerdings in ihrem Sinn und nach ihren Zielen geschehen. Sie wollen den autoritären, völkischen Führerstaat, und zwar möglichst weiß und reinrassig."

Na, wenigstens schreiben Sie nicht mehr "Die Rechts-Extremen". Dennoch: Wer einen solchen Blödsinn schreibt, den sollte ich keiner Antwort würdigen (auch wenn ich ihm in anderen Feldern recht gebe, z.B. bei "unseren Angriffs-Kriegen"). Da vergeht mir die Lust. Schade, denn damit entwerten Sie viele ihrer Gedanken. Lesen Sie mal das Partei-Programm der AfD oder - falls er freigeschaltet wird - meinen Kommentar zu @Jürgen bzgl. "meines Führerstaates à la Swisse". Ja, ich bin ein Neuer Rechter. Merken Sie was?

Franz Bettinger
5. Mai 2019 16:31

@imagine: Die Neuen Rechten? Pardon, ich vergaß zu erläutern: Das sind die, die zwar immer noch den Versailler für einen Schand-Vertrag halten, aber nicht mehr Polen oder sonst wen überfallen und auch die Welt nicht an unserem Deutschen Wesen genesen lassen wollen, und schon gar nicht an Merkels Wesen oder Unwesen. Wir wollen nur noch vor der eigenen Hautür kehren. Da gibt's genug zu tun. (Ja, ist gut, ist ein bisschen parodistisch. Löschen Sie's halt!)

Nemesis
5. Mai 2019 16:37

@Imagine
"Historisch gibt es durchaus Beispiele von guten Diktaturen. Z.B. zeitweilig Preußen, die Atatürk-Diktatur und die chinesische Entwicklungsdiktatur nach Mao."

Sie bezeichnen die Entwicklungsdiktatur nach Mao mit >100 Mio Opfern als gute Diktatur? Ernsthaft? Was wäre denn dann für Sie ein Beispiel für eine schlechte Diktatur?

"Heute stehen sich das plutokratische, kapitalistische US-System und das gemeinwohlorientierte (sozialistische), staatswirtschaftliche chinesische System gegenüber."

Die CCP führt derzeit ein Punktesystem zur Totalüberwachung- und Steuerung ein. Können Sie etwas genauer spezifizieren, was daran jetzt genau gemeinwohlorientiert sein soll?

Franz Bettinger
5. Mai 2019 16:40

@Jürgen: "Wenn sich Ihre "Mutter-als-Beruf"-Idee mal durchsetzt, wird jeder nur noch Kinder machen wollen. Wie herrlich! Und wer backt morgens die Brötchen?

Niekisch
5. Mai 2019 18:35

"Was verbleibt noch als Rest ? Was ist mit den Foristen, die gerade über die genannten Parameter streiten wollen ???
Wenn das so unwidersprochen gelten soll, dann kann ich nur sagen: Gottseidank gibt es kein neurechtes Kontinuum.
Was unterscheidet die nationalen Sozialisten von den internationalen Sozialisten ?
Dann gilt für mich: Etiam si omnes, ego non."

@ Monika 5.5. 8:31: Verehrte Monika, genau diese Frage nach dem Rest ist vollkommen berechtigt und sollte diskutiert werden. Es scheint aber wie immer, wenn "Butter bei die Fische" muß, nicht viel und dann auch noch unsystematischzu kommen. Das verwundert mich inzwischen auch nicht mehr, weil hier statt des Gemeinsamen fast immer das Trennende diskutiert wird, niemand wirklich einen Schritt auf den anderen hinschreiten will oder kann. Es ist zum Haare ausraufen auch deswegen, weil die einfachsten Regeln der politisch- weltanschaulichen Problemlösung nicht beachtet werden. Warum diskutieren wir nicht einmal zunächst, was unser "großes Ziel" ist, dann die unabdingbaren ideellen Mosaiksteine im Unterbau verbunden mit einer strategischen Ausrichtung. Anschließend einen Verhaltenskodex innerhalb der Mannschaft sowie taktische Regularien.

Ohne ein gewisses Schema verläuft immer alles ohne konkretes Arbeitsergebnis bis zum Pfiff des Bademeisters. Momentan haben wir die Situation, daß die Frage der Wollensbeschreibung sich im neuesten Artikel parallel zum hiesigen erneut stellt. Was soll das geben? Im Angesicht dessen warte ich jetzt erst einmal ab, ob von seiten der Redaktion ein konkreter Vorschlag zur Verfahrensweise kommt, z.B. die Einrichtung einer permanent auf SiN oben angesiedelten Plattform zur Diskussion des "großen Ziels" pp. oder einer anderen Möglichkeit.

Dann mag auch die hochinteressante Frage erörtert werden, was einen nationalen Sozialismus vom internationalen Sozialismus scheidet.

heinrichbrueck
5. Mai 2019 18:44

Was für Systemkonkurrenz ist denn entstanden? Bankenkapitalismus gegen Bankensozialismus, die Banken gewinnen, das Volk verliert. Staat vor Banken? Das Geld steht über dem “Zeitgeist”; ein Arbeitswandel ist kein Geldwandel.

“Gegen die Entwicklung einer totalitären Gesellschaft haben die neuen Rechten nichts, im Gegenteil. Sie soll allerdings in ihrem Sinn und nach ihren Zielen geschehen.”

Mit welcher Logik hier vorgegangen wird, schon lustig. Totalitär? Was ist daran totalitär, wenn in Deutschland Deutsche in ihrem Sinn und nach ihren Zielen leben? Ihr Verfassungsstaat ist das Beruhigungsmittel für den mündigen Bürger, damit er das Umvolkungsexperiment geduldig über sich ergehen läßt.
Führerstaat? Was haben wir denn jetzt? Eine Volksgemeinschaft aller mündigen Bürger, wenn das System humanistisch wird? Der Legitimation ist Gott abhanden gekommen, geblieben ist der menschenrechtsgestörte Psychopath in Eigenregie.
Vermischen sich die Völker in einen Weltstaat, wird das Wort Humanismus eine ganz neue Bedeutung bekommen.

Gelddrucker
5. Mai 2019 19:35

@LottaVorbeck:
"+ Was ist von einem Volk zu halten, welches mehrheitlich offenbar keines mehr sein möchte "

Diese Fragestellung würde mich brennend interessieren. Ich warte immernoch auf eine Umfrage von einem großen Meinungsforschungsinstitut zur Frage "Wollen Sie, dass Europa mehrheitlich von Nichteuropäern bewohnt wird?"

Ich glaube das Ergebnis wäre ein Fest für alle sogenannten "völkisch-rassischen Rechtsextremisten".

Franz Bettinger
5. Mai 2019 20:16

Lieber @Niekisch: "Warum diskutieren wir nicht einmal zunächst, was unser großes Ziel ist," fragen Sie. Schauen Sie ins AfD-Programm! Wir müssen hier das Rad nicht neu erfinden.

Simplicius Teutsch
5. Mai 2019 21:01

@Niekisch schreibt:
“Es ist zum Haare ausraufen auch deswegen, weil die einfachsten Regeln der politisch- weltanschaulichen Problemlösung nicht beachtet werden. Warum diskutieren wir nicht einmal zunächst, was unser "großes Ziel" ist, dann die unabdingbaren ideellen Mosaiksteine im Unterbau verbunden mit einer strategischen Ausrichtung. Anschließend einen Verhaltenskodex innerhalb der Mannschaft sowie taktische Regularien.“

---------------------------------

Ihr Anliegen ist groß und ehrenwert, aber nicht umzusetzen. Wir, das kommentierende Fußvolk hier, sind völlig unberechenbar und wechselhaft, in dem Sinne, dass keinerlei Kontinuität der Diskussionsteilnehmer gegeben und zu erwarten ist.

Den Versuch von zusammenfassenden „politisch-weltanschaulichen Problemlösungen“ müssen uns die kompetenten Autoren der Hauptartikel vorsetzen. Uns bleibt nicht viel mehr, als eine Art Juroren-Position, aber das ist ja viel. Wir können, wenn wir wollen, ausdrücklich zustimmen oder ablehnen. Und wir können eigene originelle oder auch mal nicht so treffende Kommentare von uns geben. Das letztere sollte auch erlaubt sein – und wenn, dann in der Regel nur freundlich missbilligt werden.

nom de guerre
5. Mai 2019 21:58

@ Der Juergen
Über Ihre Sozialismusvorstellungen könnte man m.E. zumindest diskutieren, wobei ich mich dem Einwand von @ Wahrheitssucher zum Thema Börse anschließe und Ihre Liste ferner um Umwelt- und Naturschutz (die echte Version - also das Gegenteil von Windrädern im Wald) als Gemeinschaftsaufgabe ergänzen würde. Auch über die Rolle der Landwirtschaft wäre dann zu reden. Dennoch halte ich an meinen grundsätzlichen Bedenken am Sozialismus fest - @ Simplicius Teutsch bringt das mit seinem Beispiel vom Studentenwohnheim (ähnliche Erfahrungen habe ich auch gemacht; so etwas kann funktionieren, sehr häufig tut es das aber nicht) gut auf den Punkt.

@ Niekisch zu dem Phänomen, dass hier meist das Trennende und selten das Gemeinsame diskutiert wird: Aber das ist doch zumindest im vorliegenden Fall unvermeidlich, wenn jemand, der schließlich nicht bloß irgendein Teilnehmer in diesem Forum ist, eine patriotische Wende offenbar davon abhängig machen möchte, dass von vornherein eine Entscheidung für ein bestimmtes Wirtschaftssystem getroffen wird, in dem sich viele, denen durchaus etwas an unserem Land liegt, nicht wiederfinden werden. Es wird ja damit gerade gesagt, es gebe keine (hinreichende) Gemeinsamkeit. Zielführend ist das in meinen Augen jedenfalls nicht.

@ Maiordomus und Der Juergen zu Ihren Ausführungen über den Islam auf der einen und Genderideologen sowie Abtreibungsfanatiker auf der anderen Seite: Ist das überhaupt ein geeigneter Vergleich? Der Islam ist historisch gewachsen als archaische Religion wie auch als darauf basierendes Gesellschaftssystem - zwei Aspekte, zu denen m.E. von Manfred Kleine-Hartlage und bspw. auch von Armin Geus bereits alles Notwendige gesagt wurde. Diese Gendergeschichten sind dagegen eine künstlich erschaffene Ideologie, die versucht, alles natürlich Gewachsene zu leugnen (Stichwort Geschlechter als Konstrukt) und allen Ernstes die Tötung lebensfähiger Ungeborener ohne besondere Voraussetzungen wie Lebensgefahr für die Mutter o.ä. als Erweiterung von Frauenrechten zu verkaufen; das ist, sage ich als Frau, pervers, es ist die völlige Umkehrung normaler Maßstäbe. Diese merkwürdigen Ideen werden zwar, sollten sie an Kindergärten und Schulen flächendeckend umgesetzt werden, eine ganze Generation von psychisch Kranken produzieren, die keine gesunde, stabile Identität aufweisen, sie sind aber lediglich ein Symptom der Krankheit, an der die westliche Gesellschaft insgesamt leidet, sie sind nicht im gleichen Sinn wie der Islam historisch gewachsen, sie sind nicht von Dauer und aus meiner Sicht nicht die eigentliche Gefahr. Die eigentliche Gefahr ist vielmehr der Grundzustand der westlichen Gesellschaft, der solche verdrehten Gedanken überhaupt erst hervorbringt. Sobald dieses Leiden (das man in der Entfremdung des Europäers von sich selbst sehen könnte) behoben ist, werden diese Ideologien m.E. von selbst verschwinden, ohne dass dafür dann noch etwas getan werden müsste. Der Islam dagegen steht für sich selbst (insofern, als er nicht Symptom eines Grundproblems ist) und breitet sich seit 1400 Jahren immer weiter aus. Er wird nicht verschwinden, man kann ihn nur zurückdrängen. Das ist für mich der entscheidende Unterschied und nicht, dass es im Koran neben den Gewaltaufrufen sicherlich auch schöne Stellen gibt und das auf ihm basierende Gesellschaftssystem aus abendländischer Sicht zwar problematisch, aber, anders als eine nach der Genderideologie modellierte Gesellschaft, nicht als (salopp gesagt) komplett irre zu bezeichnen ist.

Ratwolf
5. Mai 2019 22:33

"Was fehlt: ein neurechtes Kontinuum"

Vielleicht wird das von der Rechen nur rein subjektiv so gesehen oder gewertet.

Die Linke ist (oder besser war) ähnlich frangmentiert. Jetzt ein sie nur noch eines: "Gegen Nazis". Wobei jeder dabei zum Nazi gemacht werden kann. Ein Ausweichen, weil man sonst nichts mehr hat.

Laurenz
6. Mai 2019 01:22

@Lotta Vorbeck .... der heutige deutsche Mensch, der ökonomisch noch produktiv ist, ist im Vergleich zu früher .... (die 4 Jahzehnte Bonner Republik im Westen) ... mit weniger Zeit gesegnet. Man hatte es erfolgreich geschafft, die Frauen in den Arbeitsprozeß zu integrieren, und hat auf der anderen Seite die Einkommen im Außenwert halbiert. Wer richtig arbeitet, hat keine Zeit für Politik. Und ich wiederhole es auch für Sie gerne. In unserem föderalen europäischen, nur bedingt romanisierten, Volkscharakter, der reicht von Island bis Kiew, spielen die Betroffenheiten anderer nur sehr bedingt eine Rolle. Nur die eigene Betroffenheit zählt. Das ist zB gut an der Südlink-Debatte wahrzunehmen. Viele finden Windenergie gut, aber die Hochspannungsleitung bitte nicht durch meinen Landkreis. Solange die Hecke des Nachbarn bedrohlicher wirkt, als die abstrakte Diktatur eines Italieners in Frankfurt, bleibt der Michel auf seiner Kautsch sitzen. Bei dem Wunsch nach fundamentaler Veränderung des politischen Systems muß politische Agitation für eine massive Verschlechterung der Lebensverhältnisse einer Mehrheit sorgen und die Schuld dafür anderen glaubhaft zuweisen.

Imagine
6. Mai 2019 01:40

Mich erinnert die Diskussion um Programm und Ziele der neuen Rechten an ein TV-Interview mit einem Ossi (ca. 30 Jahre alt) kurz nach der Wende. Auf die Frage, wie er sich das wiedervereinigte Deutschland vorstelle, antwortete er:
„Völlig klar, Freiheit und Wohlstand West mit Sozialsystem Ost!“

So sehe ich die hier formulierten Sozialismusvorstellungen, nämlich als politisch naive Wunschliste. So als wäre der Staat der Weihnachtsmann, und man müsse nur die Regierung bilden und könne dann man die Ziele umsetzen.

In der Erwachsenenwelt verläuft dies anders. Da gibt es ein System und die politischen Figuren unterliegen dem Zwang zum Erhalt dieses Systems, weil nicht sie es sind, die über die wirkliche gesellschaftliche Macht verfügen. Diese Politfiguren reden dann vom „Sachzwang“.

Politische Naivlinge – rechts oder links – glauben, wenn ihre Partei an die Macht kommt, dann wird alles anderes. Sie glauben dies, weil nichts von Systemtheorie und den wirklichen gesellschaftlichen Herrschafts- und Machtverhältnissen verstehen.

Keine Partei hat jemals ihr Programm für gesellschaftliche Veränderungen umgesetzt. Nicht die SPD, nicht die NSDAP, nicht die Grünen, nicht die Linkspartei, nicht die Piraten.

Bei der AfD soll dies ganz anderes ein? Träumt weiter!

Wie kann man eine Alice Weidel zu einer Führungsfigur machen, die sich als Doktorvater den Professor Oberländer wählt? Jener, der eine Liberalisierung des Organhandels forderte. Arme sollen ihr knappes Budget ruhig mit dem Verkauf einer Niere aufbessern dürfen.

Viele Rechte wundern sich, warum sie so gefürchtet sind und warum ihnen ein derartiger Hass entgegenschlägt. Weil die Menschen mehrheitlich einen anti-humanen Sozialdarwinismus ablehnen.

Mir ist bewusst, dass nicht alle, die sich rechts positionieren, anti-humane und anti-soziale Sozialldarwinisten sind. Aber es fehlt die klare Positionierung und Abgrenzung.

Imagine
6. Mai 2019 01:50

@Nemesis 5. Mai 2019 16:37
„Sie bezeichnen die Entwicklungsdiktatur nach Mao mit >100 Mio Opfern als gute Diktatur?“

Ich beziehe mich auf die Zeit nach Mao. Aber auch in der Mao-Zeit gab es als Folge seiner Politik nicht „>100 Mio Opfer“.

Wie kann man so fanatisch sein, solchen Unsinn zu glauben und zu propagieren?

„Die CCP führt derzeit ein Punktesystem zur Totalüberwachung- und Steuerung ein. Können Sie etwas genauer spezifizieren, was daran jetzt genau gemeinwohlorientiert sein soll?“

Ein Programm, mit dem prosoziale und anti-soziale Aktivitäten erfasst werden und gemeinschaftsnützliches Verhalten belohnt wird - was ist dagegen ernsthaft einzuwenden?

Gerade die Rechten sind doch angeblich für Recht und Ordnung und gegen gemeinschaftsschädliches und sozialparasitäres Verhalten.

links ist wo der daumen rechts ist
6. Mai 2019 06:23

Eichelhäher, Luftzug und Lenin

Die Mainstream-Linke - oder das, was die (Neu-)Rechte dafür hält – hat einen klaren strategischen Vorteil. Ein linkes Kontinuum ist gar nicht notwendig (bzw. nach dem neoliberalen Sündenfall auch gar nicht angestrebt), nein, es genügt ein anlaßbezogener kleinster gemeinsamer Nenner als „Ernstfall“, und schon schallt der Ruf des Eichelhähers durch den Wald, um alle Tierlein zu warnen:
Das ewige, zeitenthobene „Wehret den Anfängen“ - oder wie es Rudolf Burger vor 20 Jahren treffend formuliert hat: der „antifaschistische Karneval“ feiert sich.
Je weiter das Dritte Reich zurückliegt, desto größer die Gefahr...

Was das (neu-)rechte Lager nun so hopatatschig macht, ist der unmögliche Versuch, gleich den größten gemeinsamen Nenner vorauszusetzen (Patriotismus), ehe der kleinste auch nur angepeilt wird: Was bedeutet Gemeinwohl?
Konkret sieht man das hier im Forum, wenn über DEN Sozialismus diskutiert wird. Einige wenige wollen die Systemfrage stellen (Anhänger einer Querfront wie meine Wenigkeit), während die Mehrzahl vermutlich eh mit den neoliberalen Wölfen heult (solange nicht zuviele „Islamisten“ herumlaufen), Angst vor „Enteignungen“ hat, ein Grundeinkommen (die Idee geht auf Milton Friedman zurück) für Bolschewismus pur hält und de facto einem tüchtigen Sozialdarwinismus das Wort redet.
Klingt, perdon, alles ein bißchen nach Anton Kuhs kurzem Prosastück „Lenin und Demel“:

Der Graf trägt noch immer sein Monokel und ißt die „Scheideln“ gedankenlos in sich hinein, als ob er an Weintrauben zupfe. Fragt: „Waren die Bojschewiken schon da?“ (Klingt wie „Chaudeau“.)
Der Schwesternchor: „Hihihi.“
„Nein, Herr Graf.“
„Das hat noch Zeit, Herr Graf.“
„Wir könnens noch derwarten, Herr Graf.“
„Hihihihi.“
„Ich hab mich schon gefürcht. Ich bin so furchtsam, weißt. Geh - eine Eiscreme, Thesa. Servus Pauckerl - wie gehts denn der Tant Klotüd?“
„Sie war bei der Hansi Palffy.“
„Hots auch schon Angst vorn Bojschewismus?“
„Kannst dir denken. Der Alexander hot xogt, sie traut sie nimmer raus - wegn en Bojschewismus, sogt er.“
„Ja, mir ham halt alle so eine Angst, was?“
„Hihi.“

Und weil das noch nicht genug ist, reißen manche auch noch ein welches-auch-immer-Fenster weit auf, damit's so richtig schön zieht, indem sie ihre z.T. wirklich abstrusen Steckenpferde reiten.
Wenn ich z.b. Friedrich Meineckes „Weltbürgertum und Nationalstaat“ zur Versachlichung (kleinster gemeinsamer Nenner) in die Debatte werfe – und wir landen dann bei einem „Juan Maler“ aka Reinhard Kopps, der so seine eigenen Ansichten zur Französischen Revolution hat: mon dieu!

Ähnlich die Konstrukteure verhängnisvoller Linien etwa „von Rousseau bis ...“. Auch das beherrscht die Linke besser, indem man zur Erklärung des „deutschen Sonderwegs“ seit je Schicksalslinien a'la „Von Luther zu Hitler“ entworfen hat. Klärt genau null, macht aber offensichtlich Spaß.
Kuehnelt-Leddihn hat eine dieser vermeintlichen Linien in Bezug auf Rousseau in seinem Buch „Amerika. Leitbild im Zwielicht“ (1971) versucht zu konterkarieren: würden die USA nur von Rousseau zum anderen großen Genfer, Calvin, zurückkehren, wäre alles wieder im Lot. Wie gesagt, Spielereien.
Oder man lese wie der im rechten Lager nicht unbekannte Heinrich Meier ohne Umweg über eine Verfallsgeschichte Rousseaus „Diskurs über die Ungleichheit“ uminterpretiert hat.

Ein weiteres Steckenpferd, das bloß Zugluft verursacht:
Die Rolle des IMT und Deutschlands nicht wieder erlangte Souveränität.
Wer von den Alliierten zu Recht auch vor ein IMT gehört hätte, hat ein gewisser Rudolf Augstein anläßlich des 40. Jahrestages der Zerstörung Dresdens unmißverständlich in einem Spiegel-Editorial formuliert; die rechte Memoirenliteratur wußte es ihm zu danken (etwa Reinhard Spitzy, So haben wir das Reich verspielt. Bekenntnisse eines Illegalen. 1986. 5 Auflagen).
Daß dann 1989/90 leider kein deutscher de Gaulle vor Ort war, um mit der neuen Gewichtung Deutschlands in Europa die unsägliche Ordnung von Jalta dorthin zu befördern, wohin sie gehört hätte, ist nur dem feigen Taktieren Kohls geschuldet. Dieselben, die Willy Brandts Kniefall nie verziehen haben, haben diesen Kniefall vor Mitterand und Thatcher anscheinend übersehen. Rußland war ohnehin auf unserer Seite, die USA seit Reykjavik unter Zugzwang.

Und für diejenigen, die – im Luftzug - den „heißen Brei“ immer wieder umrühren wollen oder den „rosa Elefanten“ sehen:
Es bleibt halt einerseits das historische Pech, daß das Dritte Reich mit dem 8.5.1945 moralisch diskreditiert war; das wußten am besten die eigenen Leute, am ehesten die, die eine kurze Zeit glaubten mitspielen zu dürfen, aber in der Masse die, die bis zum Schluß dabei waren, vgl. Sönke Neitzel, Abgehört. Deutsche Generäle in britischer Kriegsgefangenschaft 1942 – 1945 (2005), dazu Dokument 89:
„Ich fürchte, dass wir gezeigt haben, dass wir eine solche Vorherrschaft, leider Gottes, niemals ausüben könnten, weil wir einfach moralisch dazu nicht in der Lage sind – nicht mehr in der Lage, weil alles das, was bei einem Deutschen geschätzt worden ist, innerhalb von vierzehn Jahren, zehn Jahren, ins Gegenteil verkehrt worden ist. Es gibt kein Recht mehr, es gibt keinen Anstand mehr, es gibt nur noch Gewalt und Vergewaltigung der Meinung, des Rechtes auf's Leben, auf's Denken usw. Es hat noch kaum irgendwo mal eine solche Tyrannei gegeben wie bei uns, und wenn der Krieg so oder so ausgegangen wäre – davon bin ich überzeugt.“
Andererseits hätte man 1989ff gerade aus einer dann wiedergewonnenen moralischen Überlegenheit (wir haben – im Gegensatz zu euch - gesühnt, „Wiedergutmachung“ nicht zu knapp geleistet, wir haben unsere Lektion gelernt) anders agieren müssen.
Ich kann das Gequatsche vom „Nationalmasochismus“ und „Schuldkult“ nicht mehr hören, aber wenn, dann bitte nicht den IMT dafür verantwortlich machen, sondern diesen Pfälzer Saumagen.

Wie ein kleinster gemeinsamer Nenner lauten kann, weiß ich nicht, aber die Auseinandersetzung z.B. mit den „Ideen von 1914“ (grandios zusammengefaßt in Rolf Peter Sieferles Büchlein „Die Konservative Revolution“) könnte für den Anfang nicht schaden. Die damaligen Überlegungen zu einem „Nationalen“ oder „Preußischen Sozialismus“ als Gegengewicht zum angelsächsischen Kapitalismus sind aktueller denn je; interessant dabei, wie oft Sieferle in seinen Analysen der unterschiedlichen Konzepte das Wort „Gemeinwohlorientierung“ verwendet...

Ahja, noch was, könnte bitte jemand das Fenster zumachen, es zieht.

Der_Juergen
6. Mai 2019 06:46

@Wahrheitssucher

Solange es die Börse noch gibt, kann man keinem verbieten, dort zu spekulieren. Ich täte dies auch, verstünde ich etwas von der Sache. Aber in einem System, wie es mir und vielen anderen vorschwebt, gäbe es keine Börse mehr; die Geldschöpfung würde Monopol des Staates, und das Geld wäre nur noch ein Tauschmittel und kein Objekt des Handels mehr.

@Franz Bettinger

Wir sind uns offenbar weitgehend einig, ausser dass ich Ihre hartnäckige Ablehnung der Anerkennung der Mutterschaft als Beruf nicht begreife. Ich will ja in Europa gar keinen Bevölkerungszuwachs und habe, wie auf einem früheren Strang erwähnt, auch nichts gegen ein leichtes Schrumpfen der Einwohnerzahl, aber die Vergreisung der Gesellschaft ist alarmierend, schon allein, weil dann immer weniger Arbeitende immer mehr Rentner unterstützen müssen. Das müsste einem so klugen Mann wie Sie eigentlich einleuchten.

Ihr Brötchen-Witz ist noch fader als die Brötchen, die Sie offenbar zum Frühstück kriegen, denn wenn die Mutter zu Hause bleiben und sich um die Erziehung ihrer Kinder kümmern kann, statt sich "feministisch zu verwirklichen", indem sie acht Stunden vor einem Rechner oder einem Telefon hockt, findet sie ganz bestimmt die nötige Zeit, um leckere Brötchen zu backen.

Als ich Gymnasiast war, ging kaum eine Mutter eines meiner Klassenkameraden einer bezahlten Arbeit nach. Der Lohn des Vaters reichte, und zwar nicht nur bei Anwälten und Ärzten, sondern auch in der Familie meines Freundes Christoph, dessen Vater Zöllner war und dessen Familie (Eltern und zwei Kinder) nicht luxuriös, aber anständig lebte. Damals wurden die Steuergelder eben noch nicht zur Alimentierung von importierten Sozialschmarotzern sowie von Perversen vergeudet. Ginge auch heute ohne weiteres.

Monika
6. Mai 2019 08:28

@Der Juergen
Als „letzte“ Hausfrau fühle ich mich als Exotin. Trotzdem oder deswegen verteidige ich Mutterschaft und Haushaltsführung als Beruf. Und zwar als sehr anspruchsvollen Beruf. ( Kindererziehung, Ernährunskunde, sparsames Wirtschaften, soziale Verantwortung in Gemeinden , usw.) Allein, dieser Beruf ist völlig diskreditiert.
Und auch etliche Nettigkeiten durfte ich mir über die Jahre anhören. Und da ist natürlich die mangelnde Altersversicherung. Da muss die kluge Hausfrau sich mit der Börse beschäftigen. In Amerika gibt es einen überaus erfolgreichen Hausfrauenbörsenclub. Man kann aus dem Hausfrauenberuf durchaus etwas machen.
Wäre ich in heutigen Zeiten noch mal jung, würde ich mich allerdings nicht mehr auf ein Hausfrauendasein einlassen.
Es sei denn, ich wäre Moslem. Da ist das meist kein Problem, eine selbstbewusste Hausfrau zu sein.
Ansonsten bin ich über die Jahre zu folgender Erkenntnis gekommen: Müssten die Männer die Kinder bekommen, wäre Hausfrau ( ähm Hausmann) längst ein anerkannter Beruf.

Monika
6. Mai 2019 08:38

P.S. Hausfrau als Beruf und Berufung - das wäre es, das neurechte Kontinuum :))

Franz Bettinger
6. Mai 2019 09:01

@Jürgen: Die Vergreisung der Gesellschaft, die Sie beklagen, wird, ja kann aus mathematische Gründen gar nicht auf Dauer stattfinden. Sie ist ein vorübergehendes Phänomen und als solches akzeptabel. In 20-30 Jahren wird aus dem nicht wirklich gesunden demographischen Tannenbaum ein stabiler Mammut-Baum-Stamm werden, der unten nur wenig dicker ist als oben. Also mal ehrlich, werter @Jürgen, hätte man Ihnen oder mir vor 40 Jahren gesagt, dass Mutter-Sein und damit ja auch Vater-Sein ein ehrbarer, gut bezahlter Beruf ist, dann hätte wir uns viel Frust und Mühe im Leben sparen können und vielleicht aus der "schönste Sache der Welt" einen Beruf gemacht, den Beruf des Kinder-Zeugens. Mich würde interessieren, wie konkret ihre Pläne dazu schon aussehen. Wie viel sollen die (kinderlosen?) Steuerzahler einer Mutter (pro Kind?) ud für wie lange abdrücken? Wird es die Crème de la Crème sein, die sich heftig multipliziert, oder doch eher die intellektuell und körperlich (und charakterlich?) Benachteiligten? Auch die von Ihnen angeregte Förderung der Stammdeutschen allein wird in der Praxis so einfach nicht zu realisieren sein. Was ist mit den Halb-, Viertel- und Achtel-Deutschen? So viele Fragen! - Nee, nee, mein Traumland besteht aus 50 Mio. Deutschen - weitgehend Stammdeutschen, versteht sich, mit natürlichen Einsprengseln, die ich übrigens für sehr wichtig halte. Aber weder so noch so wird es kommen, lieber @Jürgen, und deshalb sollten wir den Seitenstrang auch wieder schnell schließen. - Ach so, damit wir uns nicht missverstehen: Ich will damit ganz und gar nicht der berufstätigen Frau oder gar Mutter das Wort reden. Eine Frau, die ausschließlich für den Haushalt, Garten und die Kinder da ist, wäre auch meine Traumfrau. Aber ich halte es für unlauter, diese meine Traumfrau dann von anderen alimentieren zu lassen. Das fände ich parasitär, um nicht zu sagen: link.

Niekisch
6. Mai 2019 09:11

@ Franz Bettinger, Simplicius Teutsch, nom de guerre: Das AfD- Programm werde ich nochmals lesen, an der Themenvorgabe der Redaktion mit Hilfe der Autoren nicht mehr zu rütteln versuchen, die Rolle der Kommentatoren selbstverständlich akzeptieren. Die Verschärfung der Verhältnisse löst eine zunehmende innere Unruhe mit der Folge eines äußeren Furor aus. Mea culpa!

@ nom de guerre 6:23: Ja, bis zum Beweis des Gegenteils: das antitraditionale, universalistische Denken um die "französische" Revolution hat mit den heutigen Verhältnissen nicht die Bohne etwas zu tun. Alles ist multikausal, wenn nicht sogar reiner Zufall! Es gibt keinen Generalangriff auf a l l e volkserhaltenden Werte, es hat ihn nie gegeben und es wird ihn auch niemals geben.

Komisch, daß es Ihnen so zugig ist, wenn Sie andererseits meinen, der Wind komme gar nicht aus e i n e r Richtung, sondern ständig wechselnd von überall her.

Nemesis
6. Mai 2019 09:28

@Imagine
Danke für Ihre Präzisierung. Ich habe "nach" nicht zeitlich, sondern "im Sinne von" gedeudet.
Was allerdings nicht in Ordnung ist, ist mich als Fanatiker zu bezeichnen. Nicht nur, weil es nicht stimmt, sondern weil es stigmatisiert und nicht zur Klärung beiträgt. Es macht einen erheblichen Unterschied meine Aussage in Frage zu stellen, oder mich als Person zu diskreditieren.

Zur Überwachung:
Das ein gemeinschaftliches Miteinander bestimmte Regelungen und Mechanismen zur Überwachung der Einhaltung dieser Regelungen bedarf, steht, denke ich, außer Frage. Die Frage ist die Tiefe dieser Überwachungen.
Oder anders Ausgedrückt: Das rechte (oder von mir aus auch das linke ;)) Maß.

Thomas Martini
6. Mai 2019 10:41

"Als 1961 in der westdeutschen Öffentlichkeit die „Fischer-Kontroverse” über Deutschlands initiierende Mitschuld am Ersten Weltkrieg ausbrach und das Kaiserreich unvermutet als Vorläufer, gar als Bedingung des Nationalsozialismus erschien, war das in der bildungsbürgerlichen Elite verankerte Weltbild des schwarz-weiß-roten nationalkonservativen Traditionalismus fortan einer wissenschaftlichen wie publizistischen Dekonstruktion preisgegeben. Das wurde zur wirkungsmächtigen Voraussetzung für die Entwicklung eines kritischen Verständnisses von Deutschlands Ort in der europäischen Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts, wie es sich seit 1960 herausbildete. Als sich ungefähr zur gleichen Zeit, 1959 und 1963, die SPD und der DGB im Godesberger bzw. Düsseldorfer Programm vom marxistischen Konzept des Klassengegensatzes zwischen Kapital und Arbeit trennten und die Partnerschaft der Tarifparteien in einer marktwirtschaftlichen Ordnung anerkannten, hatten consensus liberalism und consensus capitalism in der politischen Öffentlichkeit der Bundesrepublik eine weitgehende Dominanz gewonnen." - Prof. Dr. Anselm Doering-Manteuffel

Die Agitation gegen den Sozialismus ist eine logische Konsequenz der bundesdeutschen Westernisierung, die historisch gesehen eng mit der Amerikanisierung verbunden ist.

Nüchtern betrachtet sind die veramerikanisierten Gesellschaften Westeuropas nichts weiter als nützliche Hilfsvölker der USA. Das gilt insbesondere für den - teils einladenden, teils abweisenden - Umgang mit der muslimischen Welt. Ein solcher Zustand ist für ein kulturell hochstehendes Volk untragbar.

"Es ist unbestreitbar, dass die Vereinigten Staaten seit 1945/47 eine maßgebliche Rolle beim Zusammenschluss der französisch-belgischen und der (west)deutschen Montanindustrie spielten. Die USA förderten insbesondere die Politik des Ausgleichs zwischen der Bundesrepublik Deutschland und Frankreich sowie den wirtschaftspolitischen Zusammenschluss mit den Beneluxländern und Italien zum Europa der Sechs. Vom Marshall-Plan 1947 bis zu den Römischen Verträgen und der Gründung der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft 1957 war „Europa” ein Produkt amerikanischen Einflusses." - Anselm Doering-Manteuffel

Wenn die CDU für "Unser Europa" wirbt, ist damit dieses veramerikanisierte Produkt gemeint, oder nicht?

"Während der politische Antiamerikanismus der Protestbewegung der späten sechziger Jahre eine Episode bildete, erreichte der Stand amerikanischen massenkulturellen Einflusses an der Schwelle zu den siebziger Jahren eine neue Qualität. US-Produkte, die zuvor als Instrument im symbolischen Kampf der Generationen gedient hatten wie z. B. blue jeans und rock music, waren seither keine Sache der Jugend mehr, sondern wurden zu selbstverständlichen Konsumgütern für breite Teile der Bevölkerung. Die auf dieser Grundlage erfolgende weitere Entfaltung amerikanischer Einflüsse ist bisher allerdings noch nicht in den Horizont zeitgeschichtlicher Betrachtung gerückt worden, so dass auch die Frage offen bleibt, inwiefern, in welchem Ausmaß und von wem diese noch als "Amerikanisierung" wahrgenommen wird." - Dr. phil. habil. Axel Schildt

Gute Frage, von wem wird der exponentiell ansteigende und alle Bereiche des Lebens durchdringende Kulturtransfer aus den USA nach Deutschland, bzw. Westeuropa noch wahrgenommen?

"An dieser Stelle möchte ich einmal anmerken, dass es mich als Deutsche so richtig ankotzt , dass in Deutschland immer mehr" Mist" aus den USA eingeführt wird und man immer mehr "veramerikanisiert." Das fängt schon bei dem Wort SALE an. Früher reichte ein Schild mit AUSVERKAUF!!! Immer mehr deutsche Worte verschwinden aus dem Sprachgebrauch. Und sogar der Deutsche DUDEN oder WIKIPEDIA übernimmt manche amerikanische Worte.[...]

Ich habe buchstäblich den Kanal voll von Briefing, To-Du-Liste, Selfie und Co. Überall vermischt man sprachlich deutsch-amerikanisch. In den USA dagegen hängen nicht an jedem zweiten Geschäft Schilder mit deutscher Sprache wie zum Beispiel "Sommerschlussverkauf" usw." - Anonymer Verfasser

Ein Identitärer wandte einmal ein, daß Amis schließlich auch deutsche Autos fahren, der Kulturtransfer somit beidseitig verlaufe. Dabei sind die deutschen Automobilkonzerne selbst hoffnungslos western- und amerikanisiert.

"Bei meinem heutigen Sonntags-Streifzug durch die Spandauer Arkaden kamen mir die Tränen. Spandau wird jetzt Weltstadt und der Wahnsinn nimmt seinen Lauf. Um eine weitere Attraktivität ärmer, statt dessen um eine neuerliche Häßlichkeit reicher lautet das Resümee meines Ausflugs.
Der bis zuletzt für Berliner Verhältnisse als relativ dörflich geltende Bezirk Spandau, verliert gerade sein letztes Stück Individualität, forciert durch multinational globalisierende und damit monokulturfördernde Großkonzerne.

Die Spandauer Arkaden, ein riesiger häßlicher kalter Betonklotz, unverkennbar nach dem Vorbild amerikanischer Shopping Malls konstruiert, wird zukünftig das konsumgeile Volk in seinen Bann ziehen und die ehemalige Schönheit der Umgebung verunstalten.
Gleich nebenan der ebenfalls neue, monumental anmutende Hauptbahnhof, bei dessen Anblick ich mich des Gefühls von Überdimensionierung nicht erwähren kann. Scheinbar hat hier jemand schon für Kapazitäten des 22. Jahrhunderts geplant.
Gegenüber, am Ufer der Havel, wird demnächst ein sehr hohes großes Hotel entstehen, welches selbst das große Spandauer Rathaus in den Schatten stellen wird. Ein hoteleigener Jachthafen ist ebenfalls geplant, ausgerechnet nahe der Stelle, wo die Spree in die Havel fließt und das Wasser so unglaublich dreckig ist, daß ich damit nicht mal mein altes Auto waschen würde.
Die zentrale Architektur erscheint auf den ersten Blick praktisch, wird es den bewußtseinsuggerierten Konsumenten doch ermöglicht ohne große Fußwege unter freiem Himmel die Plätze der Begierde zu erreichen, demnächst nach amerikanischem Vorbild vielleicht sogar mit kleinen elektrischen Golf-carts.

Die einst wunderschöne historische Altstadt Spandau, geprägt von alter detailreicher Architektur mit niedlichen kleinen individuellen Geschäften, Cafes und Restaurants jeglicher Couleur, verkommt damit ebenfalls zur Monokulturstätte.
Fehlt nur noch die Ankündigung für ein Disney-Land in der altstadtnahen Zitadelle, einer sehr bedeutenden mittelalterlichen Burganlage und zugleich Europas größte Fledermausunterkunft. " - Die monokulturelle Veramerikanisierung

Das Disneyland haben wir doch in Paris, und an dieser Stadt kann man wohl noch am besten sehen, wo die Amerikanisierung früher oder später endet.

Die Ignoranz, mit der viele patriotisch gesinnte Deutsche das Thema Amerikanisierung behandeln, ist nebenbei bemerkt der Grund dafür, warum hierzulande keiner mehr an Befreiung denkt.

Von Widerstand gegen ein Imperium, das mit seiner Kultur, Sprache, und Rechtsprechung prägend auf die unterworfenen Gebiete einwirkt, fehlt jede Spur. Stattdessen orientieren sich Identitäre an amerkanischen Theorien, Denkmodellen und Anleitungen für ihren Aktivismus.

"Als ich das erste Mal in die Rathaus-Galerie in Leverkusen gegangen bin, da habe ich für einen kleinen Moment wirklich gedacht, ich bin noch in Amerika." – Amerikanisierung „Fast Food“ und „Sale“

Wo sind denn die Verteidiger der Westernisierung? Die Befürworter des Amerikanismus? Es muss doch, bei der überwältigenden Akzeptanz dieser Sache auch Zeitgenossen geben, die mir die Vorteile der Amerikanisierung aufzeigen können?

Quellen:

http://docupedia.de/zg/Amerikanisierung_und_Westernisierung?oldid=125786

https://www.ariva.de/forum/die-monokulturelle-veramerikanisierung-93037

http://www.bpb.de/apuz/25289/sind-die-westdeutschen-amerikanisiert-worden?p=all

http://old.wetterzentrale.de/cgi-bin/webbbs/wzarchive5.pl?noframes;read=11076

heinrichbrueck
6. Mai 2019 11:23

“Weil die Menschen mehrheitlich einen anti-humanen Sozialdarwinismus ablehnen.”

Der Sozialdarwinismus der gesellschaftlichen Rangfolge ist schon längst obsolet. Die Natur wird eine biologische Rangfolge nicht verneinen, weil irgendwelche Verbildung die Realität ausblenden hilft. Unmögliches wird nicht möglich, nicht einmal unwahrscheinlich, der humanen Gesinnung zuliebe. Spricht ein Sarrazin von Kopftuchmädchen, ist wohl kaum die biologische Rangfolge gemeint. Es geht ihm nicht um die biologische Qualität des Gesamtvolkes, in welchem die unteren Schichten nicht als biologisch minderwertig angesehen werden, sondern um gesellschaftliche Rangfolge des Geldadels. Die Geburtsstände sind erledigt, die Hierarchie bleibt.
Mit dem Humanismus der Frankfurter Schule wird das Umvolkungsexperiment durchgeführt.

“Bei dem Wunsch nach fundamentaler Veränderung des politischen Systems muß politische Agitation für eine massive Verschlechterung der Lebensverhältnisse einer Mehrheit sorgen und die Schuld dafür anderen glaubhaft zuweisen.”

Damit die Mehrheit sich in den Schützengräben verheizen läßt? Shithole und Produktivität passen nicht zusammen. Kann die Wahrheit nicht plausibel gesagt werden? Denken jenseits der Illusionen, in natürlichen Rahmenbedingungen.

Das Fenster gehört nicht geschlossen, es gehört in die Luft gesprengt. Dann ist Platz für einen neuen Rahmen.

Imagine
6. Mai 2019 11:48

@Nemesis …6. Mai 2019 09:28
„Was allerdings nicht in Ordnung ist, ist mich als Fanatiker zu bezeichnen. Nicht nur, weil es nicht stimmt, sondern weil es stigmatisiert und nicht zur Klärung beiträgt. Es macht einen erheblichen Unterschied meine Aussage in Frage zu stellen, oder mich als Person zu diskreditieren.“

O.K.

Bezeichnnen wir es als Gutgläubigkeit?

Einverstanden?

Denn es ist offensichtlich, dass es mit den „>100 Mio Opfer“ nicht stimmen kann, wenn man ein wenig im Internet recherchiert.

Es gab unter Maos Führung den Versuch des „Großen Sprungs nach vorn“.
https://de.wikipedia.org/wiki/Gro%C3%9Fer_Sprung_nach_vorn

Das war eine politische und wirtschaftliche Fehlentscheidung. Denn im Zusammenhang mit schweren Überschwemmungen und Dürren gab es in China in den Jahren 1959 bis 1962 eine schwerwiegende Hungersnot mit Millionen Toten.

Jedoch, wenn man sich die Bevölkerungsentwicklung in China anschaut, dann können dies nicht „>100 Mio Opfer“ gewesen sein.

Im ersten Diagramm sieht man ein kontinuierliches Bevölkerungswachstum in China. Da zeigt sich kein Verlust von „>100 Mio“ Menschen.
https://upload.wikimedia.org/wikipedia/de/0/05/Bvw_china.png

Im zweiten Diagramm sieht man eine kleine Delle im Bevölkerungswachstum, der bedingt ist durch die Hungersnot mit Millionen Toten.
https://upload.wikimedia.org/wikipedia/de/0/05/Bvw_china.png

Auch hier zeigt sich, dass die Behauptung der Anzahl von „>100 Mio Opfer“ durch Maos Politik nichts weiter als eine mediale Propagandalüge ist.

Imagine
6. Mai 2019 11:57

@links ist wo der daumen rechts ist 6. Mai 2019 06:23
„Andererseits hätte man 1989ff gerade aus einer dann wiedergewonnenen moralischen Überlegenheit (wir haben – im Gegensatz zu euch - gesühnt, „Wiedergutmachung“ nicht zu knapp geleistet, wir haben unsere Lektion gelernt) anders agieren müssen.
Ich kann das Gequatsche vom „Nationalmasochismus“ und „Schuldkult“ nicht mehr hören …“

Von moralischer Überlegenheit kann m.E. nicht die Rede sein, allerhöchstens von einer Normalisierung in dem Sinne, dass Deutschland nach dem Zivilisationsbruch in der Hitler-Zeit wieder Teil der zivilisierten Staaten wurde. Bei diesem Gequatsche von „Nationalmasochismus“ und „Schuldkult“ wird auch mir übel.

Nach 1945 bestand der braune Sumpf weiter. Ein Nazi-Justizmörder konnte Ministerpräsident werden und bleiben.

Es war insbesondere die 68-er Generation, die das Bild von den Deutschen als „ewige Nazis“ korrigiert hat, natürlich unterstützt von denen, die nach 1945 in der BRD eine humanistische Renaissance wollten. Diese Bemühungen werden heute von rechten Reaktionären als „Kultur-Marxismus“ diffamiert.

Die Merkel-Politik repräsentiert die Wiederauferstehung des „hässlichen Deutschen“. Da wurde und wird eine Politik gemacht, die als Fortsetzung der alten Nazi-Pläne zur Beherrschung Europas interpretiert werden kann.

So ist es keineswegs überraschend, wenn Merkel in den griechischen Medien als Nazi dargestellt wurde.

Was ist von den Retro-Rechten als „Schuldkult“ angesehen wird, kann aus anderer Perspektive auch als erneuter Versuch von Teilen der Jugend verstanden werden, aus dem wiederentstandenen sozialdarwinistischen Sumpf auszubrechen.

Treibende Kraft im moralischen Verfall sind die Plutokratie und die mit ihr verbundenen Eliten. Man kann das „Amerikanisierung“ nennen, aber es ist in Wirklichkeit ein transnationales („transatlantisches“) Phänomen. Und dessen Ursache ist das kapitalistische System.

Die heutigen Eliten im kapitalistische System sind ähnlich demoralisiert und dehumanisiert, wie die Eliten in Deutschland nach dem verlorenen Ersten Weltkrieg. Da gibt es eine historische Linie von den Freikorps-Mördern zu den Hitler-Mördern.

Christopher Lasch beschreibt und analysiert den moralischen und kulturellen Verfall der westlichen Eliten in seinem Buch: „The Revolt of the Elites and the Betrayal of Democracy“ (1994).

Es hat eine Revolte der Eliten gegen die Demokratie und die Gemeinwohlorientierung stattgefunden. Der deutsche Titel des Buchs „Die blinde Elite. Macht ohne Verantwortung.“ (1995) ist irreführend. Denn „blind“ war diese Elite nicht, sondern sie wusste genau, was sie tat.

Historisch gab es eine Zeitphase, in welcher der Kapitalismus eine progressive gesellschaftliche Kraft war, weil er die technische Entwicklung und den allgemeinen Wohlstand förderte.

Inzwischen ist jedoch die kapitalistische Marktwirtschaft zu einer destruktiven Kraft geworden. Der Verlust von Freiheit und Wohlstand für immer größer werdende Teile der Bevölkerung sowie die Umweltzerstörung sind evident.

Im kapitalistischen Westen gibt es eine zunehmende Prekarisierung.

Der kapitalistische „Terror der Ökonomie“ (Viviane Forrester) nimmt ständig zu, ganz besonders ausgeprägt in Staaten wie Süd-Korea und Japan, wo sich die Menschen zu Tode arbeiten.

Gemeinwohl-Orientierung ist der wahre Kern eines echten Patriotismus.

Auf Basis eines Gemeinwohl-Konsenses könnten die oppositionellen – linken wie rechten – Patrioten ihre Kräfte bündeln.

Bei einer intelligenten, kleinen Minderheit auf Seiten der Patrioten ist bereits die Erkenntnis vorhanden, dass die Realisierung einer gemeinwohlorientierten Politik und Ökonomie die Transformation des kapitalistischen Systems erfordert. Bei den pseudo-patriotischen Populisten jedoch nicht.

Niekisch
6. Mai 2019 12:01

Fehler! Pardon!: Statt nom de guerre meinte ich in 9:11 links ist wo der Daumen rechts ist.

nom de guerre
6. Mai 2019 12:10

@ Niekisch 6:23
"Komisch, daß es Ihnen so zugig ist, wenn Sie andererseits meinen, der Wind komme gar nicht aus e i n e r Richtung, sondern ständig wechselnd von überall her." - Nur zur Klarstellung: Der Kommentar, auf den Sie sich beziehen, stammt nicht von mir.

@ Der Juergen
"[...] das Geld wäre nur noch ein Tauschmittel und kein Objekt des Handels mehr." - Würden Sie demnach auch die Möglichkeit der Kreditvergabe gegen Zinsen abschaffen wollen? Falls ja, wie soll das in einer einigermaßen komplexen Wirtschaft gehen?

Robert
6. Mai 2019 12:22

Vorerst an alle Mit-Foristen @Niekisch, (5. Mai 2019 18:35), @Franz Bettinger (5. Mai 2019 16:40) und andere, die das „Große Ziel“ angesprochen haben - dazu meine Formulierung:

Das große „Ziel“ sollte wohl – grob gesprochen – die evolutionäre Weiterführung und Festigung der organisch gewachsenen Strukturen, genetisch wie kulturell, sprich: unseres und aller europäischen Völker sein – die näherliegenden Ziele und Wege dazu liegen, naturgemäß, noch im Streit.

Zum Aufsatz von MS:

Sellner Strategie erscheint auf den ersten Blick plausibel, ich halte sie aber dennoch für unrealistisch fehlgehend und unterziehe sie im Folgenden meiner Kritik.

1)
Wir beklagen zu Recht, was uns alles verboten wird, wie unser Freidenkertum vom System von Kindesbeinen an uns ausgetrieben wird. Das Erhalten und Ausbauen von Freiräumen ist für mich daher u.a. ein Alleinstellungsmerkmal für das große (national-rechte) Lager, dem ich mich verbunden fühle und zu dem noch viele Unschlüssige, aber Aufrichtige und vernünftig Gebliebene stoßen werden, sofern wir uns nicht im „Nichtmehr-Erkennbaren“ aufzulösen beginnen.

Daher zum sog. rechten “ Narrensaum“ (@MS): Wo beginnt er, wo endet er; wer sich das Recht herausnimmt, ausgerechnet dieses linke Schlagwort zu übernehmen, hat auch die Pflicht es zu definieren.
Dasselbe gilt für die angebliche Dichotomie „Alt-Rechte – Neu-Rechte“ (@MS); also nach MS kein erwünschtes Kontinuum!

@MS ... bei klarer Trennung - nicht in Frage stellt und durch die man Mosaikrechte, Libertäre ebenso wie Nationalromantiker akzeptiert, muß Prinzip werden".

Auch hier wieder: Wer sind die ominösen "Mosaikrechten, warum fallen also die "Nationalromantiker" (Björn Höcke) hier nicht rein und warum gehören ausgerechnet wieder dann wieder die "Libertären" (= anarchistisch, extrem freiheitlich), also liberale Extremisten, die mit dem Volk nichts am Hut haben, zu den "Neu-Rechten" - was ist also das verbindende Kriterium für diese drei Genannten. Und noch einmal: Wer sind die Alt-Rechten? Zählt z. B. ein Joachim Sondern mit seiner Mannschaft dazu?

All diese Kategorisierungen sind ohne Definition suggestiv, loyalitätsgefährdend und kommen außerdem der Nomenklatur und den Bestrebungen des politischen Establishments entgegen.

Ganz grundsätzlich: Der ungeklärte Begriff wird, wenn er bloß in einen, insbesondere von den Medien moralisch aufgeladenen Kontext gestellt wird, zu einem schwammig-nebulösen Etwas, und schließlich durch seine virale Verbreitung so zu einem reinen Agitations-Instrument. Er bekommt einen manichäischen Charakter und entzieht sich, ja er verbietet sich jegliche inhaltliche Erörterung.

Und genau damit wird diese zerstörerische Waffe scharf.

Wer diese Methoden gerade jetzt am eigenen Leib erfährt (#Rechtsextremist, #Faschist, …,) sollte dies nicht – auch nicht in gemilderter Form – in die eigene Szene weiterreichen.

Um nicht mißverstanden zu werden: Selbstverständlich gibt es in unserem Lager genügend Außenseiter, Verrückte, Randständige, ja auch Trolle, Querulanten, usw., usw.
Jede Interessensgemeinschaft muß diese natürlich in den Griff bekommen, damit umgehen lernen – und sie notfalls fernzuhalten. Eine in sich stabile Gemeinschaft kann aber von vorne herein nicht derart gefährdet werden – ein allzu großer Alarmismus wäre hier unangebracht.

Diese Leute können also insbesondere nicht als Alibi dazu dienen, jene, die von solcher Beschreibung weit entfernt sind, sich selbst auch in der nationalen/rechten Mitte wähnen, sie aus weltanschaulich-philosophischen, oder auch nur aus taktischen Gründen gleich einmal aus dem „Spielfeld“ hinauszustellen.

2.
Wer also glaubt, durch ein Neu-Arrangement, ja, Neu-Verortungen von politischen Standpunkten, Abschneiden irgendeines Narrensaums und diesen dann dem System zwecks Beruhigung zum Fraß vorzuwerfen liegt falsch – ein Moloch hat die charakteristische Eigenschaft nie satt, sondern durch Fütterung immer noch gefräßiger zu werden – aber auch das sollte MS selbst am besten wissen und hat es ja selbst thematisiert; denn:

Nur wer die politische Macht hat, bestimmt, ob direkt oder auch, wenn Zweite sich dieses Klitsches trittfahrerisch bedienen, wer der Narrensaum ist (siehe dazu auch @Thomas Martini, 4. Mai 2019 18:09).

Aus der politischen Objektsituation heraus ein sog. „Overton-Fenster“ zu verschieben, indem man ein "rechtes Kontinuum" am politologischen Reißbrett entwirft, sodaß man mit in diesem Fenster irgendwie zu liegen kommt, ist ein völlig falscher, weil ein typischer technokratischer, ein Ingenieurs-Zugang und zeugt auch von einer Verkennung der eigenen Machtmöglichkeiten.
Letztlich ist dies also prinzipiell irreal und auch kontraproduktiv.

Kurz: Durch Verschieben, Umdeutungen der eigenen Position, oder der von politischen „Nachbarn“, verschiebe ich machtpolitisch gesehen kein „Overton-Fenster“, sondern gefährde eher bisherige historisch entstandene ideologische Loyalitäten.

@Sellner: „Die Aussagen Strache und Palmers sind in diesem Infokrieg metapolitische Siege“.

Ich kann mit solcher „neu-rechten“ Bescheidenheit, die wohl auch zur Verbreiterung dieses angeblichen Fensters zur Macht bzw. mehr Kontinuuität des rechten Spektrums dienen soll, recht wenig anfangen.
Wenn MS dieses, natürlich aus reinen wahltaktischen Gründen vollzogene – und schon bald wieder von Strache „vergessene“ – Manöver nach den Zerstörungsversuch gegen sich und seine IB für uns schon unter „metapolitische Siege“ zu verbuchen imstande ist, dann können wir ja schon bald die Sektkorken zur großen Feier unseres national-politischen Endsieges knallen lassen. Und ob wir den "grünen" Sonderfall Palmers als Referenzbeispiel für einen ideologischen Abbröckelungs- oder Wandlungsprozess bei seiner Partei nehmen sollen, erscheint mir auch sehr fraglich.

Wenn mich nicht alles täuscht, dann hat MS nicht zufällig sich des Vokabulars „Revolutionär-Reaktionär – konterrevolutionär“ der Marxistisch-Kommunistischen Terminologie bedient und tadelt damit sinnigerweise die „provokant-schneidigen“ Rechtsausleger in „seinem“ (?) Lager.
Ich nehme diese Wortwahl doch etwas ernster als

@Caroline Sommerfeld, 3. Mai 2019 10:22 „… Mir ist schon klar, daß die Begriffe hier viel eher metaphorisch-provokant gemeint sind denn historisch-terminologisch…“.

Nein, die, von MS "wegzuschneidenden" Rechten ausgerechnet mit linksextremsten Vokabular maßzuregeln, ist m. E. ein nicht zu akzeptierendes Stilmittel. Zumal MS sich der Bedeutung der Stilfrage für sich und seine Bewegung – zu Recht und bekanntermaßen – sehr bewußt ist.
Ja, ich meine daher, daß sich Provokation in erster Linie auf den politischen Gegner richten sollte.
Wie auch immer: Jedenfalls ist MS mit diesem Vokabular i. S. der herrschenden politischen Lage auf der sicheren Seite. Ob er damit sein „Fenster“ verbreitern wollte, will ich doch nicht annehmen.

Laurenz
6. Mai 2019 13:00

@Imagine .... es gab ca. 60 Mio. Mao-Opfer. Das war der Preis, das verkrustete Mandarin-System Chinas aufzubrechen. Mao vertrieb den Westen aus China, auch eine Leistung, indem er dessen Schwäche nach dem 2. Weltkrieg ausnutzte. Und China konnte sich den Aderlaß leisten, vor allem in Anbetracht dessen, daß den Chinesen unser bigotter Humanismus, wenn, nur aus Büchern und der Artillerie der Kanonenboote bekannt ist.

Wahrheitssucher
6. Mai 2019 13:28

@ Franz Bettinger

Sie schreiben: „Eine Frau, die ausschließlich für den Haushalt, Garten und die Kinder da ist, wäre auch meine Traumfrau. Aber ich halte es für unlauter, diese meine Traumfrau dann von anderen alimentieren zu lassen. Das fände ich parasitär, um nicht zu sagen: link.“

War, ist oder wäre dieses - anders und schöner formuliert-
nicht genau ein Gedanke einer Volksgemeinschaft?

Wahrheitssucher
6. Mai 2019 13:54

@ Imagine

Sie schreiben : „Nach 1945 bestand der braune Sumpf weiter. Ein Nazi-Justizmörder konnte Ministerpräsident werden und bleiben.“

War nicht die Bundesrepublik Deutschland von vornherein als Gegenmodell zur Zeit des Nationalsozialismus ausgelegt? Hat sich das nicht auch dementsprechend im Grundgesetz niedergeschlagen? Wie können Sie von einem „braunen Sumpf“ sprechen, wenn schlimmstenfalls bzw. bestenfalls einige Personen gewirkt haben, die auch davor gewirkt haben und wohl unverzichtbar erschienen?

Niekisch
6. Mai 2019 14:05

"Das große „Ziel“ sollte wohl – grob gesprochen – die evolutionäre Weiterführung und Festigung der organisch gewachsenen Strukturen, genetisch wie kulturell, sprich: unseres und aller europäischen Völker sein – die näherliegenden Ziele und Wege dazu liegen, naturgemäß, noch im Streit." -insgesamt schöner Kommentar!

Da Sie, @ Robert 12:22, sich informieren wollten, hier der direkte link: https://diskuswerfer.wordpress.com/2012/11/04/identitare-bewegung-deutschland-das-grose-ziel-essentials-iii/
mit Hinweis auf 2 Vorartikel. Sie können sich da wohl wiederfinden. Vielleicht auch hier fündig werden: https://diskuswerfer.wordpress.com/2018/10/20/wer-das-nicht-begreift-ii/ oder zum "Weltanschaulichen Minimum hier: https://metapolitika.wordpress.com/?s=Weltanschauliches+Minimum

Ich bitte die Hinweise nicht als Eigenwerbung zu verstehen. Metapolitika wird voraussichtlich ohnehin nicht fortgeführt werden, um die Kräfte zu bündeln.

Imagine
6. Mai 2019 15:08

@Wahrheitssucher 6. Mai 2019 13:54
„War nicht die Bundesrepublik Deutschland von vornherein als Gegenmodell zur Zeit des Nationalsozialismus ausgelegt? Hat sich das nicht auch dementsprechend im Grundgesetz niedergeschlagen?“

Das Grundgesetz wurde von den Alliierten vorgegeben. Zudem war das Grundgesetz das eine, die gesellschaftliche Realität das andere. Die Funktionseliten bestanden zum großen Teil aus Ex-Nazis, die sich nun als Demokraten ausgaben, aber im alten autoritären und anti-demokratischen Geiste weitermachten.

Eine wirkliche Demokratisierung ist nie erfolgt – bis zum heutigen Tag nicht.

Wahrheitssucher
6. Mai 2019 15:33

@ Imagine

Adenauer soll einmal sinngemäß gesagt haben, wenn er schon kein sauberes Wasser habe, müsse er eben schmutziges nehmen. Einmal abgesehen davon, wie schmutzig das Wasser wirklich war, wäre ihm diese Einstellung zu verübeln? Wie hätte ein Aufbau auch der Bundeswehr ohne die alten Garden gelingen können?
Und was soll in diesem Zusammenhang eigentlich „Demokratisierung“ bedeuten?

Wahrheitssucher
6. Mai 2019 15:48

@ Der_Jürgen

Ein Rückzug Ihrerseits ist mit Sicherheit das falsche Signal!
Sie würden dem Forum und seinen Teilnehmern ohne Ihre Stimme mehr als nur schaden. Warum resignieren? Geben Sie es ihm doch!

heinrichbrueck
6. Mai 2019 16:27

“Diese Bemühungen werden heute von rechten Reaktionären als „Kultur-Marxismus“ diffamiert.”

Die 68er hatten eine miserable Phantasie. Eine recht gute Zusammenfassung: https://morgenwacht.wordpress.com/2015/01/22/was-ist-kulturmarxismus/

@ Der_Jürgen
15.08.1951 - Von einem Humanisten in die Flucht geschlagen?

Niekisch
6. Mai 2019 16:33

@ Imagine 11:57 und 15:08:

Was ist ein Zivilisationsbruch und worin explizit lag er in der Hitlerzeit?
Was ist eine Normalisierung und wieso genau liegt sie im wieder Teil der zivilisierten - Definition?- Nationen werden?
Wieso ist das Reden über Nationalmasochismus und Schuldkult Gequatsche. Warum wird Ihnen da übel? Müssen Sie kotzen?
Wenn es vor 1945 einen braunen -gibt es einen s o-farbigen überhaupt?- Sumpf gab, warum sind die Nazis damals nicht darin ersoffen? Kann eine einzige Person ein Sumpf sein?
Was genau ist ein Nazi-Justizmörder?
Wie dezidiert hat die 68er- Generation - die ganze also- das Nazi-Bild korrigiert. Mit welchen Mitteln? Wer genau und personalisiert waren die Unterstützer? Wer im einzelnen nannte sie Kultur-Marxisten?

Was ist der häßliche Deutsche? -aus wessen Sicht genau?

Woran genau machen Sie die Beherrschungspläne Merkels im NS-Sinne im einzelnen genau fest?

Was sind Retro-Rechte, insbesondere die von Ihnen genannten?

Was der e r s t e Versuch von welchen Teilen der Jugend?

Was ist der wiedererstandene sozialdarwinistische Sumpf? Wann entstand er erstmals und wann entstand er erneut?

Wie definiert sich die Plutokratie? Wer übt sie aus? Wieso ist sie treibende Kraft? Was ist moralischer Verfall? Wer stellt die mit der Plutokratie verbundenen Eliten?

Wie definiert sich das transnationale Phänomen? Warum exakt ist das kapitalistische System dessen Ursache?

Wieso stellten Freikorps-Mörder die Eliten nach 1918 und welche genau waren es? Welcher Fk.- Mörder steht zu welchem Hitler-Mörder - was ist das und wer ist das?- in einer Linie?

Warum wußte die Elite genau, was sie tat?

Warum genau ist Gemeinwohlorientierung der wahre Kern eines echten Patriotismus?

Wie definieren Sie einen Gemeinwohl-Konsens? Wer muß da wie nachgeben?

Wer repräsentiert die kleine, intelligente Minderheit?

Wie definieren Sie pseudo-patriotische Populisten?

Imagine
6. Mai 2019 17:51

@Wahrheitssucher …6. Mai 2019 15:33
„Und was soll in diesem Zusammenhang eigentlich „Demokratisierung“ bedeuten?“

Sie wissen nicht, was Demokratisierung bedeutet?

Oder wie soll ich Ihre Frage verstehen?

Der_Juergen
6. Mai 2019 18:21

@Wahrheitssucher

Jeder soll schreiben dürfen, was er will, aber nicht bei Sezession. Es gibt ja noch viele andere Blogs, den der Bildzeitung etwa oder den der Taz.

Wer sich auf dem mit Abstand niveauvollsten Forum der deutschen Rechten zu Wort meldet, von dem darf man erwarten, dass er a) kein historischer Analphabet ist wie der von mir anvisierte Vielschreiber; b) Achtung vor der abendländischen Kultur hat, zu der als unabdingbarer Bestandteil das Christentum gehört. (Das heisst natürlich nicht, dass er gläubig sein muss; Kulturchrist sein reicht völlig.)

Wenn dem Wirrkopf und Provokateur, der hier gemeinsam mit dem Troll die Debatte seit Monaten vergiftet, erlaubt wird, Jesus als Terroristen zu beschimpfen, ist das Mass des Zulässigen dermassen überschritten, dass man sich fragt, wo die Hausherren eigentlich bleiben. Und wenn der Troll, den nichts auf der Welt weniger interessiert als historische Fakten, hier tagtäglich seinen Unsinn zum Besten geben darf, heisst dies, dass Sezession zur Spielweise für Schmierer geworden ist. Tut mir leid, dies war mein letzter Kommentar hier, solange die beiden Schmierfinken auf diesem Blog weiterwüten dürfen. Ich will keine Zeit und Nervenkraft mehr darauf verschwenden, es ihnen zu "geben". Genau so gut könnte ich mit dem Stuhl debattieren, auf dem ich sitze.

Olaf
6. Mai 2019 18:32

Im dritten Schaubild "metapolitisches Kontinuum" illustriert Sellner sehr anschaulich die Lücke, die die "Nazi-Keule" rechts von der "Mitte" ins Meinungsspektrum schlägt.
Dabei kam mir der Gedanke, dass diese Grafik vor 30 Jahren wohl anders ausgesehen hätte:
Bis zum Beginn der Neunzigerjahre war das Spektrum nach links durch eine vergleichbare "Keule" eingehegt. Die lautete in etwa: "Geh' doch rüber in die Sowjetunion, Kommunist!"
Im Raum zwischen den beiden Keulen blieb die Position des Overton-Fensters über einige Jahrzehnte relativ unverändert und radikalere Gedanken konnten durch ihren Druck auf die linke, wie auch auf die rechte Grenze den Raum des Sagbaren symmetrisch ausweiten oder zumindest bewahren.
Nach dem Zerfall des Sozialismus löste sich die Kommunisten-Keule schnell auf, während die Nazi-Keule weiterhin mit großem Aufwand vom Medien- und Bildungssystems konserviert und gepflegt wurde. Letzteres vermutlich, weil die mächtigen Interessengruppen der Globalisten, Universalisten und Neoliberalen sie als Werkzeug zur Durchsetzung ihrer Agenda zu nutzen gelernt hatten.
Um das Gleichgewicht wieder herzustellen müsste es gelingen, auf der rechten Seite ein, der linken Seite ebenbürtiges Kontinuum zu erschaffen oder die linke Seite gleichfalls durch ein dystopisches Schlagwort zu kastrieren.
Allerdings sehe ich kaum eine Möglichkeit, eine linke Dystopie in ähnlich beklemmenden Bildern zu zeichnen, wie sie den Hütern der Nazikeule aus unserer Vergangenheit zur Verfügung stehen. Das Problem ist ja, dass ein solches Menetekel gleichzeitig schlicht, assoziativ und eindrucksvoll sein müsste, was für eine zukünftige Katastrophe schwer darstellbar ist.
Es bleibt also der beschwerliche Weg, unter der pendelnden Nazi-Keule das antagonistische Kontinuum zu errichten.
Es gilt zum Beispiel, durch regelmäßigen Gebrauch, Begriffe wieder positiv zu besetzen, die sich die Linken in missbräuchlicher Umdeutung angeeignet haben (Heimat, Volk, Kultur, Vielfalt, Demokratie, Freiheit ...)
und eigene Setzungen zu normalisieren. (Großer Austausch, Schuldkult, Lückenpresse, Islamisierung ...) Das heißt: Jeder Einzelne sollte dem Impuls widerstehen, bei jedem Aufschrei in einen devoten Distanzierungsreflex zu verfallen. Das gilt natürlich auch, und besonders, für Personen und Gruppen (Höcke, PEGIDA, IB, Orban, Trump ...) die ja gerade die Substanz des angestrebten Kontinuums bilden sollen.

Homeland
6. Mai 2019 18:48

Die hier von diversen Autoren und einer Vielzahl von Kommentatoren vorgelegten Auffassungen lassen in mir den Eindruck entstehen, dass es eine gewisse Affinität zur so genannten Querfront gibt und man aber darüber hinaus doch auch der Meinung ist, die bessere Variante eines wie auch immer gearteten demokratischen Sozialismus zu vertreten, weil man das Patriotische nicht außer Acht lasse, vielleicht sollte ich besser sagen, das Nationale. Die Liebesadressen an eine Frau Wagenknecht sprechen eine deutliche Sprache, allein dass sie sich gegen die Vaterlandsliebe ausspricht und die Nation offensichtlich nur aus ökonomischer Vernunft bereit ist in ihre Überlegungen mit einzubeziehen, gereicht ihr dabei allerdings nicht zum Vorteil.
Um Mißverständnissen vorzubeugen, ich habe seit Jahren an anderer - mit Verlaub - weitreichenträchtigeren Stelle explizit Götz Kubitschek und auch Sie, Herr Sellner offensiv verteidigt und ich weise darauf hin, dass andere Autoren eine in gewisser Weise entspanntere Haltung zu dieser (möglicherweise) „konservativeren Variante“ des Widerstandes gegen die Zerstörung unserer Nation eingenommen haben. Sie alle hier haben dies sicherlich zur Kenntnis genommen.
Nachdem die Einlassungen eines Herrn Kühnert (SPD) zur Kollektivierung der Großindustrie und auch jene zur Enteignung von Wohnbauunternehmen bei der deutschen Linken (PdL) - den Vertretern der Grünen ebenso - hier tlw. so wohlwollend zur Kenntnis genommen wurden, mehr noch, versucht wird die konkrete Einbeziehung von Sozialisten in die „Konservative Revolution“ philosophisch zu untermauern und strategisch zu fordern, bin ich mir unsicher, ob eine freiheitliche und bürgerliche Grundordnung dem Grunde nach aus diesem Rahmen hier überhaupt vorstellbar ist. Ich meine eine Staatsgläubigkeit, eine Ordnungsnotwendigkeit durch einen starken Staat auszumachen, die dem Bedürfnis des Bürgers nach einer weitreichenden Abstinenz dieses überbordenden Staates vollkommen zuwiderläuft. Damit wir uns richtig verstehen: Es bedarf gewiss eines Ordnungsrahmens, aber eben keiner wahrheitswertenden Überwachung für „ein richtiges Leben“.
Die Stärke der PdL im Osten verleitet offensichtlich zu der Annahme, dass für das sozialistische Grundgerüst in einem Gesellschaftsentwurf genügend Rückhalt geboten wird, um politische Stärke zu gewinnen, und zwar ganz konkret und vornehmlich über die Ost-AfD. Ich gehe noch einen Schritt weiter und sage, dass ein sehr gefährliches Spiel gespielt wird, wenn über die vielleicht bedeutendste Vorfeldorganisation, hier also, in der deutschen Sozialpolitik de facto linksradikale Szenarien diskussionswürdig werden, die zudem nur ideologisch und aber keinesfalls empirisch fundiert zu sein scheinen. Solche Denkansätze sind im Westen sicher nicht durchsetzungsfähig und schon die Frage, ob sie richtig oder falsch sind, stellt sich nicht ansatzweise, außer in der politisch verbrämten Ecke. Wenn hier Verantwortliche nicht gewillt sind damit zu beginnen, eine gesellschaftspolitische Brücke zu ersinnen, eine die dem potenziellen linken Wählermilieu des Ostens einen Weg in die Marktwirtschaft und hin zur Nation ebnet, sondern das Heil in der ideologischen Beeinflussung der Ost-AfD gesucht wird, Sozialisten weltweit mit Zähnen verteidigt werden, wissend, dass dieser Sozialismus ein wirtschaftpolitisches Desaster ist, dann sollte auch bedacht werden, dass die sehr absehbar einzige Chance auf Abwendung des drohenden Unheils für dieses Land sehr leichtfertig verspielt wird, weil dann die Spaltung einer Alternative droht, die deren Überleben unwahrscheinlich macht. Wohl niemand von Verstand redet einem entgrenzten Globalkapitalismus das Wort. Aber auch niemand von Verstand kann eine an den Sozialismus angelehnte Wirtschaftsordnung wollen. Wer sie will, reitet in die Kontingentierung, die ein Staat reglementiert. Und wer das will, der kann sich dann auch getrost der Illusion hingeben, eines Tags mit Frau Wagenknecht an einem Tisch zu sitzen, um dann zur „Konservativen Revolution“ aufzustehen. Wer darum nachsinnt, ist ein Träumer.
Das fehlende rechte Kontinuum bedarf keines Sozialismus, die „richtige DDR“, auch eine „richtig abgespeckte“ Form davon gibt es nicht. Und wer die ethnokulturelle Begriffs- und Anwendungserklärung noch vor sich, vor der Brust hat, sollte sich sehr gut überlegen, welches Kochfeld als nächstes bei welcher Temperatur anzuschalten ist. Wenn Björn Höcke als Vertreter und als DAS Aushängeschild dieses „richtigen Sozialismus“ stilisiert wird (und er sich selbst als solcher in Stellung bringt), dann sollte sich niemand hier wundern, wenn das Nationale und der Sozialismus in einen (un-)geeigneten Kontext gestellt wird. Wer es dennoch tut, ist nicht nur strategisch ohne Kompass, sondern auch wirtschaftspolitisch fehlgeleitet.
Wem dies Provokation ist, und ich hoffe es, möge bitte in der Höhle des Neoliberalismus, einer anderen Rechten, jener ohne Sozialismus, Tichy’s Einblick, seine Sicht der Dinge zum verkannten Sozialismus und zur Ausgeburt der linken Tat, der Antifa, die keine SA ist, wie man lernt, darlegen. Ich bin mir sicher, dass Beiträge dort im Kommentarbereich, Reaktionen hervorrufen, die hoffentlich gedeihlich sind. Und, ich denke, Alexander Wallasch wird sich früher oder später dann in einem Beitrag damit auseinandersetzen. Wem der Weg dorthin zu weit ist, möge bitte seine Sicht der Dinge hier vortragen, damit ein Diskurs stattfinde. Wallasch wiederum dürfte dieser Weg hierher nicht zu weit sein. Ich mag mich aber in diesem Fall täuschen. Einerlei, ein rechtes Kontinuum wartet.

Niekisch
6. Mai 2019 19:15

@ Imagine: Die Definition von "Demokratisierung " wüsste auch ich noch gerne von Ihnen. Danke!

Silent Reader
6. Mai 2019 19:17

@Der_Jürgen (eigentlich Jürgen Graf, ein interessanter und unabhängiger Autor) ist einer der wenigen Kommentatoren, die ich fast immer mit Vergnügen hier lese. Sehr schade, dass er sich vorübergehend zurückziehen muss!

Nemesis
6. Mai 2019 19:36

@Imagine
Bezeichnnen wir es als Gutgläubigkeit?
Einverstanden?

Aber klar doch, damit kann ich leben :)
Danke.

Bei der Größenordnung habe ich mich nach der Abschätzung des Sinologen Daniel Leese nach einem Artikel der auf sein Buch „Die chinesische Kulturrevolution“ verweist orientiert.
Wobei ich denke, daß der eigentliche Punkt nicht die Größenordnung an sich ist (und ich sie insofern auch gar nicht hätte benennen sollen): Denn selbst wenn es "nur" 50 Mio oder 30 Mio (oder weniger) gewesen wären: Mord ist Mord. Egal von welcher Seite.

Apropos Gutgläubigkeit:
Mit Wikipedia habe ich so meine Erfahrungen gemacht.
Da glaube ich so manches nicht mehr...

Lotta Vorbeck
6. Mai 2019 20:27

@Thomas Martini - 6. Mai 2019 - 10:41 AM

„Ist es denn wirklich so, dass wir jeden Dreck, der vom Westen kommt, nu kopieren müssen? Ich denke, Genossen, mit der Monotonie des Yeah-Yeah-Yeah und wie das alles heißt, ja, sollte man doch Schluss machen.“

Walter Ulbricht (1965)

Hier als Video dokumentiert: https://youtu.be/Q55mQpAGNMc

Simplicius Teutsch
6. Mai 2019 20:58

@ Imagine, 29. April 2019 15:06; im Debattenstrang „Rechtspopulistische Rohrkrepierer?“, Martin Sellner / 99 Kommentare, hat er noch die Erkenntnis und die frohe Botschaft verkündet:

„Die Unterschiede zwischen den Zielsetzungen der Neuen Rechten und den meinigen, sind deutlich geworden. Und auch die Inkompatibilität.
Daher ist dies mein letzter Beitrag.“ (schrieb @ Imagine).

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Ich selber verabschiede mich jetzt als Diskussionsteilnehmer - mindestens bis zum Wochenende; allerdings aus anderem Grund. Bin berufstätig und mir fehlt die Zeit. Naja, und gestern war ich bei Björn Höcke, und am Wochenende bin ich mit Freunden im Fußballstadion. Das nimmt auch Zeit.

Lotta Vorbeck
6. Mai 2019 21:30

@Der_Juergen - 6. Mai 2019 - 02:48 PM

"Bitte veröffentlichen, damit die Foristen mein Verstummen nicht fehldeuten!

...

... und es dem frechen Troll auch weiterhin erlaubt wird, diesen Blog tagtäglich als Müllhalde zur Ablagerung seines Unrats zu verwenden, sehe ich keinen Anlass mehr, mich an den Debatten zu beteiligen. Somit ziehe ich mich als Kommentator zurück, und zwar so lange, wie der Schmierer hier sein Unwesen treiben darf."

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Lieber @Der-Jürgen, selbstverständlich obliegt es einzig Ihnen allein, zu entscheiden, das SiN-Schiff zu verlassen, oder eben weiterhin an Bord zu bleiben.

Der Bademeister notierte am frühen Morgen des 30.April:

"es mißfällt mir, wenn kommentatoren anderen deren gesinnung um die ohren hauen und sie abdrängen. das hier ist keine partei, sondern der ort, an dem man seine geistigen säbel schleifen kann. also bitte: weniger gesinnungshygiene, mehr spitze feder."

Es wird demnach seyn ursach haben, @Imagine seine Humanisten-Torpedos weiterhin in den eigenen Hafen hinein abschießen zu lassen.

Vertrauen Sie doch einfach darauf, daß das Torpedofangnetz vor der Einfahrt zum SiN-Hafen dann ausgebracht wird, sobald das in seinen Heimathafen einlaufende SiN-Schiff tatsächlich in Gefahr geriete.

So Sie sich an diesem Kommentator nicht weiter abarbeiten möchten, könnten Sie's zunächst einstweilen mit ignorieren desselben versuchen.

Lotta Vorbeck
6. Mai 2019 21:38

@Laurenz - 6. Mai 2019 - 01:22 AM

"... der heutige deutsche Mensch, der ökonomisch noch produktiv ist, ist im Vergleich zu früher .... (die 4 Jahzehnte Bonner Republik im Westen) ... mit weniger Zeit gesegnet. Man hatte es erfolgreich geschafft, die Frauen in den Arbeitsprozeß zu integrieren, und hat auf der anderen Seite die Einkommen im Außenwert halbiert. Wer richtig arbeitet, hat keine Zeit für Politik.

...

Nur die eigene Betroffenheit zählt. Das ist zB gut an der Südlink-Debatte wahrzunehmen. Viele finden Windenergie gut, aber die Hochspannungsleitung bitte nicht durch meinen Landkreis. Solange die Hecke des Nachbarn bedrohlicher wirkt, als die abstrakte Diktatur eines Italieners in Frankfurt, bleibt der Michel auf seiner Kautsch sitzen. Bei dem Wunsch nach fundamentaler Veränderung des politischen Systems muß politische Agitation für eine massive Verschlechterung der Lebensverhältnisse einer Mehrheit sorgen und die Schuld dafür anderen glaubhaft zuweisen."

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Diejenigen, die das gegenwärtige System auf ihren Schultern tragen sind mittlerweile mehrheitlich grauhaarig.

Sobald die sogenannten "geburtenstarken Jahrgänge" dem Hamsterrad entsteigen, ist die Dekadenz-Party ausgefeiert.

Das System ist auf Selbstzerstörung programmiert und - siehe CIA-World-Factbook - nicht reformierbar.

Ohne das Stellen der Systemfrage, dreht man sich ergebnislos im Kreise.

Lotta Vorbeck
6. Mai 2019 21:44

@Laurenz
@Heinrichbrueck
@Niekisch
@Franz Bettinger
@Robert

"Das Fenster gehört nicht geschlossen, es gehört in die Luft gesprengt. Dann ist Platz für einen neuen Rahmen."

[Heinrich Brück]

Das 'Große Ziel' besteht einzig und allein darin, das von den Vorgängern bestellte, ohne eigenes Zutun ererbte Land zu erhalten, zu verteidigen und voranzubringen.

Jeglicher Weltrettungs- und Weltverbesserungsmumpitz ist bezüglich des "Großen Zieles" nichts andreres als kontraproduktiver Ballast.

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