1. April 2019

Durs Grünbein – Im „Labyrinth der Unheilsgeschichte“

Gastbeitrag / 14 Kommentare

von Heino Bosselmann –– Wer wissen will, wie sich das neulinke Neubürgertum das Verhängnis deutscher Geschichte vorstellt,

 Gastbeitrag

Gastbeitrag

  • Sezession

der konnte sich dies vom Bundesdichter Durs Grünbein in der FAZ vom 28. März 2019 erklären lassen.

Vordergründig geht es dabei um den Mißbrauch von Sprache in der Rhetorik der Diktaturen, aber ein historischer Abriß zum deutschen Verhängnis wird mitgeliefert (weil er so bezeichnend ist, nun ausgiebig):

Von den nationalen Bewegungen ging es zum Nationalstaat, zur Gründung des Deutschen Reiches. Von da war es ein Sprung nur zum Chauvinismus und hinein in den Weltkrieg, das brutale Völkermorden. Und vom Katzenjammer des verlorenen Weltkriegs zur ersten deutschen Republik, der ungeliebten, der Weimarer, in der die Spaltung des Volkes in linke und rechte Bewegungen von allen Seiten vorangetrieben wurde.

Den Bürgerkrieg hat der Faschismus kassiert, und der Faschismus musste, wie die Klügeren von Anfang an wussten, abermals zum Krieg führen – nicht zu irgendeinem, sondern zum ‚Hitlerkrieg‘, den die Geschichtsschreibung bald neutralisierte zum Zweiten Weltkrieg (der eine Mitschuld aller Teilnehmer suggeriert), und in Wahrheit war es ein deutscher Angriffskrieg gegen die Nachbarvölker, aus scheinbarer Not, die schließlich nichts als Eroberungswille war, basierend auf dem Mythos vom ‚Volk ohne Raum‘, Missachtung der Völkerrechte, arrogantes Herrenmenschentum, das an den europaweiten Massenmord an den Juden gipfelte.

Dem folgte die Niederlage, die zur Spaltung Deutschlands führte (noch einmal Bürgerkrieg, aber diesmal ein kalter, zum Glück) und zuletzt, in einem Moment einseitiger Abdankung, zur ‚Wiedervereinigung‘ der von den Siegern aufgeteilten Landesteile. Zu den Jahren des Wechsels 1989 – 1991, da der Rest der Welt sich die Augen rieb und sich fragte: Wie wird es weitergehen mit Deutschland.
(…)
Der Krieg, den sie angezettelt hatten, schien nicht ihr Krieg gewesen zu sein. Sie hatten ihn über die Nachbarvölker gebracht und bis ans Nordkap, an die Wolga und nach Nordafrika getragen, aber als er zu ihnen zurückkehrte und ihre schönen Heimatstädte verwüstete, sind sie vor Schreck verstummt. Seither versuchen sie, mal besser, mal schlechter, herauszufinden aus dem Labyrinth ihrer Unheilsgeschichte.

Durs Grünbein ist bereits vielfach geehrt worden.

Aber mit seiner hier vermittelten kurzen Geschichte für jedermann dürfte er es nach Auffassung der linken Wohlmeinenden jetzt gar zum jüngsten „Praeceptor Germaniae“ bringen, indem er das geschichtliche Unheil Deutschlands quasi genetisch begründet  und den Hort des Bösen im nationalen Selbstverständnis zu erkennen meint, von dem ausgehend kausal zwangsläufig nur Katastrophen für die Welt zu erwarten waren.

Dies bedeutet schlechterdings, daß jeder, der – als „Ewiggestriger“ – vom nationalen Erbe und dessen Sprache seinen Ausgang zu nehmen trachtet, unbelehrbar einen Virus weiterträgt, der zum wiederholten Mal zur Gefahr für die Welt werden kann, in deutscher Sprache und im Sinne Paul Celans: „Der Tod ist ein Meister aus Deutschland“.

Über das, was Durs Grünbein in seinem Beitrag problematisiert (die Manipulierbarkeit von Sprache und mittels Sprache in Diktaturen), muß man sich Gedanken machen, zumal Sprache gerade innerhalb der gegenwärtigen Demokratie vielfältig manipulativ und zunehmend ideologisch genutzt wird.

Nur liegt eine Hauptgefahr vielmehr in der Simplifizierung sehr komplexer, übergreifender und komplizierte Interferenzen erzeugender Zusammenhänge, die man historisch eben nicht so flott überblicken und auf KIKA-Niveau schrumpfen kann, wie der Dichter es exerziert.

Im schriftlichen Geschichtsabitur dürfte Durs Grünbein mit einer Maximalnote rechnen, da er seine Lektion politisch-historischer Bildung ganz im Sinne der Erklär- und Auslegungsbehörden gelernt hat und somit den Ausgangspunkt deutscher Schuld im vermeintlichen Frevel nationaler Selbstbesinnung und Selbstbestimmung erkennt. Mit solcher Haltung steht der Einladung zum nächsten Gartenfest beim Bundespräsidenten nichts im Wege.

Nur sind es gerade die Vereinfachungen, nicht zuletzt mittels Sprache, die in der deutschen Geschichte politisches Unheil heraufbeschworen. Wirft man sich schon zum Seher und Mahner auf, sollte man gerade auf Verkürzungen achten, die erhellend scheinen, aber verdunkelnd wirken.

Übertroffen wird dies nur noch von der Unsinnigkeit, daß Bekenntnisse zu Nation und Heimat unweigerlich zum Weltenbrand führen sollen, wohingegen die manische Beschwörung von „EU-Europa“ und „Weltbürgertum“ den großen Frieden eines eschatologisch ersehnten Endzustandes der Glückseligkeit verheiße.


 Gastbeitrag

Gastbeitrag

  • Sezession

Kommentare (14)

Der_Juergen
1. April 2019 14:40

Wenn Herr Durs Grünbein ein deutsches Verhängnis sehen will, soll er in den Spiegel gucken.

AlexSedlmayr
1. April 2019 14:54

Erstmal so sehr ich diesen Beitrag zustimme und so sehr das Beispiel Grünbein zeigt, wo eigentlich der große Prämissenstreit angebracht ist, weil wir über nationalbewahrende Politik nicht diskutieren müssen, solange dieser "Betonklotz" (Kubitschek) im Raum steht, ist dies hier doch weniger Kommentar als Affekt.

Man liest ihn, denkt, eine treffende, kämpferische Einleitung und dann... nichts mehr. Eine Auseinandersetzung, eine widerlegung, eine Argumentation findet nicht statt.

Man kann diesem Artikel jetzt jemandem zeigen, der so denkt wie wir und sofort versteht, dass es eben diese historische Linie so nicht gibt (auch weil es sie in anderen Nationen so nicht gibt und Selbstbestimmung immer Konflikte mit denjenigen heraufbeschwört, die sie nicht dulden wollen) aber er dürfte bei jemandem, den wir davon überzeugen wie falsch Grünbein liegt und wie einfach er es sich macht, nicht zeigen, weil der geneigte Autor es auch nur bei einem "Nein. Sehe ich anders" belässt.

W. Wagner
1. April 2019 17:36

Da gibt es nur eins: Lest anderes, lest vor allem das großartige neue Buch von Rolf Peter Sieferle „Krieg und Zivilisation“. Ich bin erst auf S. 509, also vor dem Ersten Weltkrieg angekommen, es liegen also noch fast 800 Textseiten vor mir, dennoch wage ich zu sagen: Wer Geschichte studiert, wer selbst Historiker ist oder werden will, der sollte ja muss sich dies Buch besorgen. Sieferle rollt ein Thema nach dem anderen auf, von den Anfängen, der Antike bis heute. An Stellen, an denen man meint, nun wiederholt er sich, wird man bald feststellen, dass er sich „nur“ mit einem neuen Gedanken dem schon Gesagten nochmals annähert. Ein großes, geistreiches, ideenreiches Buch. Machen wir es zum Erfolg! Was interessieren dann langweilige, ewig schon durchgekaute Null-Ideen eines Grünbein!?

Langsax
1. April 2019 19:58

Herr Grünbein betreibt Geschichtsklitterung! Warum, Herr Grünbein, schaffen Sie es, Vorurteile zu bestätigen?

Laurenz
1. April 2019 21:03

Hier mußte ich erstmal nachschauen, wer das überhaupt ist. Was finde ich? Ziatat -Fritz J. Raddatz hingegen überschrieb seine Rezension von Koloss im Nebel „Durs Grünbein – die dichtende Luftnummer“ -Zitatende. Bei der NVA mußte er wohl meist Latrinen putzen. Es ist leicht, vieles zu finden, was man den Nationalsozialisten vorwerfen kann. Aber im Zahlen lesen, waren sie wohl der damaligen und heutigen Linken überlegen. Und wer deutschen Honorar-Historikern nicht trauen mag, kann sich auf seriöse Ausländer, wie Paul Kennedy (The Rise and Fall of the Great Powers: Economic Change and Military Conflict from 1500-2000) zurückgreifen, ein Historiker, der sich quasi nur auf Zahlen verläßt.

Atz
1. April 2019 21:27

Der Wilhelminismus könnte eine Rehabilitierung gebrauchen.

Herrenmenschen war übrigens bereits in der fraglichen Zeit eine offiziös unterdrückte Formulierung. Durs Grünbein ist ein Wanderpokal der Staastdichterinstitutionen. Lohnt sich nicht. Die Linke hat es gerade mit dem Heimatbegriff, so ja auch jetzt beim Taz.Lab 2019: Europa - Heimat, Sehnsucht, Nachbarschaft. Am 6.4.

heinrichbrueck
1. April 2019 23:45

Leute, wenn Durs Grünbein in den Spiegel schaut, dann sieht er einen guten Demokraten. Das Wahlrecht wird jedermann zum 18. Geburtstag geschenkt. Also, dann wählt mal! Und der Durs mußte 28 werden, bevor der Kohl kam.

Mit dem Krokodil im Wohnzimmer gibt es keine Diskussion.

Außeinandersetzung mittels Argumentation ist eine demokratische Lüge, die wahre Macht und Demokratie verwechselt. Der kleine Trompeter hatte mehr Macht. Dagegen der kleine Demokrat, der seine Macht wahltechnisch umgesetzt sieht, oder auch nicht, seinem Hochmut anheimfällt. Hochmut mit Machtbeteiligung zu verwechseln, nicht gerade vertrauenerweckend. Vielleicht kommt in der Ukraine ein Komiker an die Stelle, an der die Sichtbarkeit der Wählerverhöhnung nicht mehr wegzudiskutieren ist. Der Demokrat denkt dann (besser: illusioniert), der Komiker hätte Macht.

Das Wahlrecht ist ein Geschenk, kostet nix! Abgesehen davon, muß ein Dichter keine Ahnung von Politik haben. Und ein Werkzeug wie die Intelligenz, sofern sie die vorgegebenen Denkbahnen nicht verläßt, kann systemerhaltend gekauft bzw. neutralisiert werden.

t.gygax
2. April 2019 06:31

Grünbein? Grün-Bein? Nomen est omen.
Mich langweilt das nur noch, was die Oberlehrer aus der Oberstadt beflissen von sich geben. Geschichte - wer da etwas finden will, muss die breiten Straßen des mainstream verlassen und sich zu den Schmuddelkindern begeben, zu den Erzählungen derer, die schildern, wie es gewesen ist und nicht wie es die Herrschenden als Machtmittel zur Unterdrückung vor- und fehlschreiben.
Diese Spurensuche ist mühsam, aber überwachsene Pfade sind spannender zu begehen als die großen Highways der etablierten Zunft.Man erfährt bisweilen überraschend Neues.......

RMH
2. April 2019 06:44

Kunst, Poesie, Gedichte, Lieder können eine Verkürzung (Verdichtung) der Darstellung einer ganze Geschichte schon wagen, eines der gelungenen Beispiele dafür ist dem hier wohl allseits bekannten Uwe Lammla mit "Deutsche Passion" gelungen (gibt es auch mit Musikuntermalung bei Deine Röhre).

http://www.lammla.de/register.php?reihe=10&teil=26

Was der Herr Grünbein dagegen abliefert, hat mit Kunst etc. nichts zu tun, es ist ein kleines politisches Glaubensbekenntnis im Duktus eines Oberlehrer- Schwadronierens. Unser Zeitalter ist überhaupt zum Zeitaltes des Schwadronierens geworden - jeder versucht dem anderen, möglichst schneidig und "überlegen" die Welt zu erklären und der Empfänger der Botschaft hat das dann so auch bitteschön zu schlucken.

Andreas Walter
2. April 2019 10:09

""Seither versuchen sie, mal besser, mal schlechter, herauszufinden aus dem Labyrinth ihrer Unheilsgeschichte.""

Von wem spricht er?

"Im schriftlichen Geschichtsabitur dürfte Durs Grünbein mit einer Maximalnote rechnen, da er ..."

Das allerdings, bezweifle ich. Sein Studium der Theatergeschichte an der Humboldt-Universität in Berlin hat er 1987 nämlich abgebrochen.

Warum, frage ich mich. War er unterfordert? Oder gar überfordert? Konnte er das dort Gelehrte mit seinen Überzeugungen nicht in Übereinstimmung bringen? Warum bricht ein junger Mann ausgerechnet in der DDR sein Studium ab? Dort ein Privileg. Denn dass er Talent hat ist unbestritten, doch was hat ihn mit 25 Jahren zu dieser Entscheidung getrieben? Oder wurde er vertrieben, oder wird er womöglich getrieben, und wenn ja, durch wen oder was? Ich denke, die Antwort findet man in seinem Buch Die Jahre im Zoo:

https://www.zeit.de/2015/49/die-jahre-im-zoo-durs-gruenbein/komplettansicht

https://youtu.be/DPFXGxozI2U

Ganz komisch. Was hat seine Kindheit ständig mit dem Nationalsozialismus zu tun? Da war er doch noch gar nicht geboren?

Laurenz
2. April 2019 11:33

@Atz .... also ich habe mal nachgeschaut, "Master Race" und "Subhuman" da ist die Quellenlage äußerst dünn. Da werden zwar Nietzsche und Rosenberg zitiert, aber gleichzeitig gesagt, daß der Begriff in Nietzsches Werken so gar nicht verwendet wurde. Alois Grillmeier scheint einen Bezug zu Christus gefunden zu haben. Im englischen Terminus wird die angeführte Quellenlage dicker. Das erscheint insofern recht spannend, vor allem dann, wenn es deutsch-sprachige Autoren betrifft. Noch spannender erscheint mir die weit-verbreitete Ignoranz bezüglich der Verbindung des Nationalsozialismus zum Alt-Testamentarischen. Apartheid ist alt-testamentarischen Ursprungs und reicht bis ins neue Testament bei der Betrachtung des Verhältnisses von Jesus zu seinen Adlati und Rekrutierungs-Beauftragten. Jesus sah in der hebräischen Apartheid wohl einen offensichtlichen militärischen Nachteil für die Hebräer.
@Andreas Walter ... vor allem in Anbetracht dessen, daß die Zonis zwar von den Sowjets mehr demontiert wurden, aber kein DDR-Bürger für Reparationen malochte, auch nicht für den 1. Weltkrieg, was ja dann gesamt- oder heute im maaslosen Zeitalter wieder großdeutsch nachgeholt wurde. Wenn wir alle gemeinsam nach "drüben" gegangen wären, würde unsere "Erbsünde" längst getilgt sein :-)

Gotlandfahrer
2. April 2019 16:04

Es gab und gibt viele Nationalstaaten. Ein Nationalstaat kann entweder vom Himmel gefallen oder von Menschen gemacht worden sein.

Ist er vom Himmel gefallen, können die Menschen mindestens anfänglich nicht für ihn verantwortlich gemacht werden. Für einen menschengemachten Nationalstaat hingegen bereits von Beginn an.

Für einen vom Himmel gefallenen Nationalstaat gilt: Die Menschen, die für seine Entstehung ja nicht verantwortlich sind, können ihn nach dem Herabfallen dann entweder verändern oder nicht. Wenn sie es nicht können, erübrigt sich jede weitere Diskussion: Die Menschen in einem solchen schlechten, vom Himmel gefallenen Nationalstaat wären unschuldig und könnten ihren Nationalstaat auch gar nicht verändern. Iss dann so.

Können sie ihn nach dem Herabfallen verändern, wären sie zwar zunächst unschuldig, müssten ihn angesichts eines von ihm ausgehenden singulären Unheils aber dringend verändern. Der deutsche Nationalstaat wäre sozusagen als geschenkte göttliche Prüfung der Deutschen zu verstehen gewesen. Nach dem Motto: Erkenne und behebe den Fehler, wenn Du sauber bleiben willst. Jedenfalls wäre es eine solche Prüfung gewesen, wenn das Unheil bereits vor seinen Eintritt von ihnen hätte erkannt werden können. Dann aber entsprach jedes weitere Handeln oder Unterlassen der Variante, dass die Menschen ihren Nationalstaat selber machen können. Dazu weiter unten.

Können Menschen hingegen das Unheil zuvor gar nicht erkennen, sondern erst nach dessen Eintritt, wäre es, da sie ja unschuldig für das vom Himmel gefallene sind, falsch, die Veränderung ihres Nationalstaates auf Basis einer Bewertung ihrer Eigenschaften zu betreiben. Was immer auch deutsch sein mag, es wäre dann nicht ausschlaggebend gewesen für das, was am deutschen Nationalstaat zu verändern gewesen wäre, denn dieser war – aufgrund des himmlischen Herabfalls - davon völlig unabhängig. Deutscher sein und Deutschsein wären also zwei Paar Schuhe. Logisch. Man müsste hier sogar folgern: Der singulär böse Nationalstaat der Deutschen war einfach nicht deutsch genug, denn er hat in seiner Schlechtigkeit den ansonsten völlig unschuldigen Eigenschaften der Deutschen nur noch nicht entsprochen. Ein bisschen mehr, und alles wäre gut geworden.

Für einen Nationalstaat hingegen, der von Menschen gemacht oder nach seinem Herabfallen von ihnen als schlecht erkenn- und von ihnen veränderbar ist, können sie selbstredend auch verantwortlich gemacht werden. Ein singulär böser Nationalstaat kann nun wieder entweder absichtsvoll oder unbeabsichtigt von den Menschen gemacht oder gelassen worden sein, wie er ist.

Haben die Menschen ihn absichtsvoll so gemacht oder gelassen, so beruht dies entweder auf einer singulär bösen Absicht oder einem singulären Irrtum, der zum Bösen verführt hat. Beruht er auf einem singulären Irrtum entspricht der Vorgang mehr oder weniger einer unbeabsichtigten Herbeiführung durch die Menschen und wird sogleich weiter unten betrachtet.

Trug er Zeichen einer singulär bösen Absicht, wäre neben einer singulären Bestrafung die Möglichkeit zu klären, ob dieser singulären Absicht resozialisierbare oder nicht resozialisierbare Eigenschaften zu Grunde liegen. Die Frage der singulären Bestrafung ist ein Thema für sich und soll hier nicht weitergeführt werden (unter Umständen ist alles, was am deutschen Nationalstaat derzeit ausgerichtet wird nichts anderes als eine singuläre Strafe).

Wenn der singulär böse deutsche Mensch resozialisierbar ist, müsste dies mit einer Entdeutschung einhergehen. Hierin liegt ja in diesem Fall die Singularität, denn es lag ja nicht nur am Herabfallen. Dann jedoch ist zu klären, was ein entdeutschter Mensch alternativ sein kann, um am Ende nicht als erneute Singularität in der Welt zu stehen, denn das soll er ja gerade endlich nicht. Als lediglich entdeutschter Weltbürger stünde er jedenfalls erneut einsam da unter all den Japanern, Brasilianern, Türken, Polen und sogar immer noch Franzosen.

Anstatt einer solchen nicht hilfreichen Entdeutschung der Deutschen käme alternativ eine fundamentale Umdeutung des Deutschseins in Frage. D.h. der Deutsche müsste zwar, um nicht mehr und nicht erneut singulär zu sein, sich wie jeder Mensch irgendwie national geprägt fühlen, also in seinem Falle eben weiter, immer weiter: Deutsch. Nur müsste dies für alle Menschen und auch ihn selbst etwas gänzlich anderes bedeuten als bisher. Der neue Deutsche müsste seine Eigenschaften verändern, jedoch unter Weiterverwendung der alten Selbstbezeichnung. „Deutsch“ müsste also auf einmal zu etwas Gutem, zumindest unauffällig Normalem werden. Zum Beispiel Deutsch = Welcome oder so. Wenn dies aber möglich ist, ist wiederum die ganze Aufregung ums Deutschsein falsch, denn dann wäre dies ein beliebig veränderbares Set an Eigenschaften und womöglich auch das Geschehen des 20. Jahrhunderts keine notwendige Folge des Deutschseins! Denn dann hätte das ja jedem passieren können, nicht nur zufällig den Deutschen. Somit: Ist er resozialisierbar, kann der Deutsche dies also nur auf Basis auch seiner eigenen Eigenschaften sein, die somit nicht selber verändert werden dürften, um ihn nicht erneut singulär herauszuheben. Es ist verzwickt.

Natürlich könnte der Deutsche wie gesagt auch nicht resozialisierbar sein. Auch dies dann aber nur aufgrund seiner singulären Eigenschaften, die nicht nur nicht verändert werden dürften, sondern auch gar nicht verändert werden können. Er wäre ein hoffnungsloser Fall. Dann sollte man den deutschen Problemmenschen aber eines keinesfalls ermöglichen: Regieren, und sei es sich selbst. Man sollte sichere Grenzen um sie herumziehen, auf das niemand von ihnen heraus (das hat schon mal auf Teilgebieten geklappt) und – zur eigenen Sicherheit aller Nichtdeutschen außerhalb dieses gefährlichen Siedlungsraumes - niemand rein kann. Jedes, insbesondere von den notwendigerweise böse sein müssenden deutschen Politikern und sonstigen Eliten, Hantieren am deutschen Wesen wäre nicht nur aussichtslos sondern selbst ebenfalls erneut böse. Ja, die Komplexität ist ein Meister aus Deutschland…

Wie oben erwähnt, könnten die Deutschen bei der Erschaffung ihres bösen Nationalstaates aber vielleicht lediglich nicht absichtsvoll bzw. zwar absichtsvoll, aber aufgrund eines singulären Irrtums gehandelt haben. Tja. Dann schützt auch hier zwar Unwissenheit vor Strafe nicht (womit wir wieder bei der diesem Fall angemessenen singulären Strafe sind, die hier ausgeklammert werden soll, weil Kollektivstrafe Nach- und Ungeborener ein heißes alttestamentarisches Eisen ist, und wer Luther schon als unzulässig empfindet, sollte nicht mit Augen und Zähnen des siebenten Gliedes spielen). Aber dann ist unbesehen einer ggf. angemessenen Strafe die Frage nach der Resozialisierbarkeit des Fehlenden oder einem notwendigen Mehr des Deutschseins gar nicht erst zu stellen, denn irren ist menschlich und keine singulär deutsche Eigenschaft.

Fazit: All diese Verwirrten tun mir mehr und mehr leid. Sie schreien wie blinde Insassen einer brennenden Geistesheilanstalt umher und wissen nicht wie ihnen geschieht. Es ist das Dilemma der Demokratie: In einer Vierfeldermatrix seien die Quadranten Intelligent/Nichtgut, Intelligent/Gut, Dumm/Nichtgut und Dumm/Gut gleichstark populiert. Dabei gilt: Das Gute ist schwerer zu machen als das Nichtgute. Die intelligenten Nichtguten haben automatisch die dummen Nichtguten auf ihrer Seite, da das nicht Gute einfacher zu haben und zu machen ist. Damit steht es schon mal Fiftyfifty. Der Kampf dreht sich also allein um die dummen Guten, die 25% ausmachen. Wenn das Gute aber schwieriger ist als das Nichtgute, werden die dummen Guten sowohl durch das Leichtersein des Nichtguten angezogen als auch durch die Tatsache, dass „Wir sind Mehr“ dann automatisch für das Nichtgute zutrifft.

Es sieht nicht gut aus.

LotNemez
2. April 2019 21:36

Warum man erwägen sollte, Durs Grünbein nach NRW abzuschieben:

Wendeprofiteur und antideutscher Sudelpudel Durs Grünbein ist gebürtiger Dresdner und kann uns als idealtypischer Defätist gelten. Es langt ihm nämlich nicht, das eigene Vaterland in immer neuen Anläufen zu schmähen. Das ist schließlich völlig normal und was normal ist, kann einem ehrgeizigen Menschen wie ihm nicht genug sein.

Nein, der beizeiten nach Rom emigrierte Durs beschreitet ganz neue Wege: Er besudelt die eigene Vaterstadt, und das schon since 1991. Welch ein Visionär und Vordenker des hausgemachten sächsischen Defätismus! Wir erraten sein verblüffend einfaches Geheimnis: Guter Hass kommt von ganz tief drinnen.

Wer das Pech hat, sein "Gedicht über Dresden" zu kennen, weiß, was ich meine. Hier nur ein kleiner Ausschnitt, es würde sonst zu widerlich: „scheintote Stadt, Barockwrack an der Elbe, schwimmend in brauner Lauge, spät fixiert"

Dazu muss man wissen: "Grünbein gilt als einer der bedeutendsten deutschsprachigen Poeten der Gegenwart." Er besticht "insbesondere durch höchste Sprachfähigkeit und einen Reichtum an fachlicher Kenntnis, der Grünbein wohl zu dem „am meisten gebildeten Poeten unseres Sprachraums“ macht."

Leider wurde diese Stinkmorchel von einem Gedicht in den ansonsten recht ordentlichen Reclamband 'Deutsche Gedichte - eine Anthologie' von Dietrich Bode aufgenommen. Danke dafür, Reclam.

Der Österreicher Karl Kraus, "scharfer Kritiker der vorherrschenden Presse und des Hetzjournalismus seiner Zeit", sinnierte damals: "Ich bin der Vogel, den sein Nest beschmutzt." Bei Grünbein ist es umgekehrt. Er verdreckt das Eigene und wird dafür in der alten Heimat gebauchmiezelt bis die Schwarte kracht. (Gastprofessuren, Auszeichnungen, Stipendien, Mitgliedschaften in etlichen Kunstakademien) Für letzteres kann man ihm allerdings nicht die Schuld geben.

1995 philosophierte G.: „Mag sein, dass die Utopien mit der Seele gesucht werden, ausgetragen werden sie auf den Knochen zerschundener Körper, bezahlt mit den Biografien derer, die mitgeschleift werden ins jeweils nächste hässliche Paradies.“

Ein selten wahres Wort, (Glückstreffer? Geistiger Diebstahl?) bei dem sich Dursbein aber bestimmt nichts gedacht hat, als er es anlässlich des, für vorbildliche Haltung und Linientreue eingeheimsten Büchnerpreises fallen ließ, wie der Gaul den Apfel.

10 Jahre später. Die Wahrheit ist ein scheuer Vogel geworden, möchte man meinen. Der Vogelfänger Grünfink weiß sich zu helfen: "Im Februar 2015 kritisierte er die fremden- und islamfeindlichen „Pegida“-Demonstrationen als Offenbarung der „Dresdner Seele“, die im Rufe „Wir sind das Volk“ genau wisse, „wer dazugehört und wer nicht“."

Genau, wußten wir auch. Leute wie Dünnbein gehören nicht dazu. Aber wollen sie ja auch gar nicht. Win-Win.

Offenbar wirkt der früher genossene ML-Unterricht gerade bei umgelernten Anywhere-Kosmo-Po-liten besonders lange nach. Und je länger man sich's hinten verkneift, desto garstiger kommt's oben heraus, nicht wahr, Herr .... ich will diesen Namen nicht mehr tippen. Ich hasse den Kerl!

Zur Strafe hole ich diesen gnadenlosen Verriss seines schwülstig-infantilen Stils aus dem Tiefen des Internets hervor. Auszüge sind auf Wikipedia zu finden:

"„Verse ohne Rätsel, ohne Geheimnis, ohne Erschütterung für den Leser“, in denen „das eigene Ich unter Schuttmassen von Angelesenem“ begraben werde. Diese „halbgebildete[n] Verblüffungseffekte“ seien ein „regelrechter Defekt seiner poetischen Architektur“, da sie in der Belehrung „jegliche Stille“ störten."

Da frohlockt der Dursophobe! Die Stelle muss für G. wie der Spiegel des Dorian Gray sein. Man getraut sich nicht hineinzuschauen, weil er dem Betrachter die eigenen Unzulänglichkeiten zeigt.

https://www.welt.de/kultur/literarischewelt/article108711083/Durs-Gruenbein-die-dichtende-Luftnummer.html

Der Autor der Welt schließt seine gnadenlos gerechte Versenkung Schmierdurs Sudelbeins übrigens mit einem Zitat von - und das war jetzt nicht geplant - Karl Kraus: "Steht die Sonne tief, werfen auch Zwerge lange Schatten." Das passt doch (Achtung, Polemik!) wie die Dresdner Faust aufs grüne Auge.

Ratwolf
3. April 2019 22:32

Viele schöne einzelne Worte gibt es in seinen bisherigen Gedichten. Es fehlt der Zusammenhang, die Eigenschaft ein komplettes Bild im Kopf der Leser zu erzeugen. Mir geht es jedenfall so.

Der Dichterfürst des linke Neubürgertum überzeugt genauso wie so vieles andere aus dieser Ecke.

Für diesen Beitrag ist die Diskussion geschlossen.