Sezession
1. Februar 2019

Corey Robin: Der reaktionäre Geist – eine Rezension

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Eine Rezension von Felix Dirsch

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Vorsicht, das ist kein schlechtes Buch! Bitte nicht gleich aus der Hand legen, so der gutgemeinte Rat des Rezensenten. Liest man den tendenziösen Titel und das Vorwort, das auf eine nicht geringe Voreingenommenheit des Autors gegenüber seinem Untersuchungsgegenstand hindeutet, könnte man prima vista zu einem anderen Ergebnis kommen. Auf den zweiten Blick sieht man schon klarer. Zwar ist Robin unstrittig ein Gelehrter, der die Strömung des Konservatismus weniger analysieren denn entlarven will; dennoch taucht er ungemein kenntnisreich in die Materie ein.

Wenngleich der US-Konservatismus und sein britischer Zwillingsbruder den Schwerpunkt bilden, geht Robin in seiner Darstellung darüber hinaus. An Nietzsches Denkperipherie wird die Geburt des Neoliberalismus ausgemacht. Eine bisher wenig beachtete Entdeckung.

In drei größeren Abschnitten sagt der Politologe, was zu sagen ist: Reaktion; Europas Erbe und Aufbruch; ein amerikanisches Panorama. Ziel Robins ist es herauszuarbeiten, daß ein roter Faden in der Entwicklung der rechten Strömung existiert. Natürlich gibt es starke Kontinuitäten bezüglich einer politischen Richtung, die Kontinuierliches grundsätzlich präferiert. Nicht unbedingt bahnbrechend, diese Erkenntnis!

Gerade in den USA sind etliche Brüche in der jüngeren Geschichte des Konservatismus zu verzeichnen: Die Regierung von George W. Bush und ihre neokonservativen, israelfreundlichen Spindoktoren verfolgten bekanntlich als zentrales Ziel die Demokratie- und Nationenkonstitution in Regionen, in denen der soziokulturelle Unterbau außen vor bleibt. Das vorhergesagte Desaster blieb nicht aus. Der in penetranter Einseitigkeit als Rechtspopulist verschriene derzeitige US-Präsident lehnt hingegen die Rolle seines Landes als Weltpolizist ab. Größer könnten die Differenzen in der politischen Grundausrichtung kaum sein. Ganz so simpel, wie der Autor meint, läßt sich die Entwicklung des Konservatismus nun doch nicht referieren.

Robin bemerkt mit Recht, daß im amerikanischen Konservatismus stets eine Kluft bestanden hat: die zwischen Marktgläubigen und den Nations- und Gottesanbetern. Sie konnte bis heute – so die schlechte Nachricht – nicht überbrückt werden. Die gute ist: Die Grand Old Party wird daran auch in Zukunft nicht sterben.

Corey Robin: Der reaktionäre Geist: Von den Anfängen bis Donald Trump. Aus dem Englischen von Bernadette Ott, Berlin: Ch. Links Verlag 2018. 343 S., 25 € - hier bestellen

 


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