Corey Robin: Der reaktionäre Geist – eine Rezension

Eine Rezension von Felix Dirsch

 Gastbeitrag

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Vor­sicht, das ist kein schlech­tes Buch! Bit­te nicht gleich aus der Hand legen, so der gut­ge­mein­te Rat des Rezen­sen­ten. Liest man den ten­den­ziö­sen Titel und das Vor­wort, das auf eine nicht gerin­ge Vor­ein­ge­nom­men­heit des Autors gegen­über sei­nem Unter­su­chungs­ge­gen­stand hin­deu­tet, könn­te man pri­ma vis­ta zu einem ande­ren Ergeb­nis kom­men. Auf den zwei­ten Blick sieht man schon kla­rer. Zwar ist Robin unstrit­tig ein Gelehr­ter, der die Strö­mung des Kon­ser­va­tis­mus weni­ger ana­ly­sie­ren denn ent­lar­ven will; den­noch taucht er unge­mein kennt­nis­reich in die Mate­rie ein.

Wenn­gleich der US-Kon­ser­va­tis­mus und sein bri­ti­scher Zwil­lings­bru­der den Schwer­punkt bil­den, geht Robin in sei­ner Dar­stel­lung dar­über hin­aus. An Nietz­sches Denk­pe­ri­phe­rie wird die Geburt des Neo­li­be­ra­lis­mus aus­ge­macht. Eine bis­her wenig beach­te­te Entdeckung.

In drei grö­ße­ren Abschnit­ten sagt der Poli­to­lo­ge, was zu sagen ist: Reak­ti­on; Euro­pas Erbe und Auf­bruch; ein ame­ri­ka­ni­sches Pan­ora­ma. Ziel Robins ist es her­aus­zu­ar­bei­ten, daß ein roter Faden in der Ent­wick­lung der rech­ten Strö­mung exis­tiert. Natür­lich gibt es star­ke Kon­ti­nui­tä­ten bezüg­lich einer poli­ti­schen Rich­tung, die Kon­ti­nu­ier­li­ches grund­sätz­lich prä­fe­riert. Nicht unbe­dingt bahn­bre­chend, die­se Erkenntnis!

Gera­de in den USA sind etli­che Brü­che in der jün­ge­ren Geschich­te des Kon­ser­va­tis­mus zu ver­zeich­nen: Die Regie­rung von Geor­ge W. Bush und ihre neo­kon­ser­va­ti­ven, israel­freund­li­chen Spin­dok­to­ren ver­folg­ten bekannt­lich als zen­tra­les Ziel die Demo­kra­tie- und Natio­nen­kon­sti­tu­ti­on in Regio­nen, in denen der sozio­kul­tu­rel­le Unter­bau außen vor bleibt. Das vor­her­ge­sag­te Desas­ter blieb nicht aus. Der in pene­tran­ter Ein­sei­tig­keit als Rechts­po­pu­list ver­schrie­ne der­zei­ti­ge US-Prä­si­dent lehnt hin­ge­gen die Rol­le sei­nes Lan­des als Welt­po­li­zist ab. Grö­ßer könn­ten die Dif­fe­ren­zen in der poli­ti­schen Grund­aus­rich­tung kaum sein. Ganz so sim­pel, wie der Autor meint, läßt sich die Ent­wick­lung des Kon­ser­va­tis­mus nun doch nicht referieren.

Robin bemerkt mit Recht, daß im ame­ri­ka­ni­schen Kon­ser­va­tis­mus stets eine Kluft bestan­den hat: die zwi­schen Markt­gläu­bi­gen und den Nati­ons- und Got­tes­an­be­tern. Sie konn­te bis heu­te – so die schlech­te Nach­richt – nicht über­brückt wer­den. Die gute ist: Die Grand Old Par­ty wird dar­an auch in Zukunft nicht sterben.

Corey Robin: Der reak­tio­nä­re Geist: Von den Anfän­gen bis Donald Trump. Aus dem Eng­li­schen von Ber­na­det­te Ott, Ber­lin: Ch. Links Ver­lag 2018. 343 S., 25 € – hier bestel­len

 

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