Sezession
17. April 2019

Die Katastrophe von Notre Dame

Martin Lichtmesz / 89 Kommentare

Seit langem sehe ich zu, wie Notre Dame niederbrennt; in Zeitlupe, auf Jahre oder gar Jahrzehnte ausgedehnt;

Martin Lichtmesz

Martin Lichtmesz ist freier Publizist und Übersetzer.

inmitten einer großteils apathischen Menge, in der nur diejenigen wach sind, die auf jeden einprügeln, der erkennen läßt, daß ihm der Rauch in die Nase gestiegen ist.

Diese Grundstimmung ist wohl kennzeichnend für alle, die sich im politisch rechten oder konservativen Lager befinden, oder die - nicht selten gegen ihren Willen oder ihre subjektive Überzeugung - dort von den linksliberalen Diskurswächtern einsortiert werden.

Wer die rechten oder konservativen Kommentare der letzten Tage verfolgt hat, und zwar sämtlicher Schattierungen, egal, ob in Deutschland, Frankreich oder weltweit, wird durchgehend die gleichen Sentiments gefunden haben: Der Brand von Notre Dame ist aus dieser Sicht nicht bloß ein Unglück, bei dem ein bedeutendes Stück französischer, europäischer oder menschheitlicher Geschichte, Architektur und Kunst verwüstet und beinahe vernichtet wurde, sondern ein Menetekel, ein Zeichen der Zeit, ein Symbol für die Lage, in der sich die französische Nation, ja Europa oder das "Abendland" selbst befinden.

Der Verlust von Notre Dame gleicht einem Verlust eines Stücks unserer Seele, ja unseres kollektiven kulturellen Körpers (wenn es so etwas gibt in Gestalt der Artefakte und Daseinsgehäuse, die wir uns geschaffen haben). Er gemahnt auch an den Kern des konservativen Bewußtseins, die Überzeugung, daß alle, wirklich alle Dinge vergänglich sind, daß jede Zivilisation an einem seidenen Faden hängt, unablässig gehegt werden muß, daß sie stets brüchig und nach einem Wort Rivarols "nicht weiter von der Barbarei entfernt als das glänzendste Eisen vom Rost" ist.

Manche haben sich dieser Tage auch an die Eröffnungsszene der legendären (und immer noch herrlichen) BBC-Serie "Civilisation" aus dem Jahr 1969 erinnert, in der der Kunsthistoriker Kenneth Clark die Kathedrale von Notre Dame als Beispiel par excellence seiner Auffassung von "Zivilisation" nennt (das Buch zum Film hieß auf Deutsch "Glorie des Abendlandes"):

Was ist Zivilisation? Ich weiß es nicht. Ich kann sie nicht in abstrakten Begriffen definieren - noch nicht. Aber ich glaube, ich kann sie erkennen, wenn ich sie sehe. Und eben jetzt sehe ich sie vor mir.

Clark fügte hinzu, daß man sich angesichts der großen Leistungen des "westlichen Menschen", was Kunst, Gesetzgebung, Philosophie und Technik angeht, kaum vorstellen könne, diese Zivilisation könne eines Tages verschwinden. Und doch sei es schon einmal passiert: in den Jahrhunderten nach dem Zusammenbruch des weströmischen Reiches, in denen er seine dreizehnteilige Serie beginnen läßt.

Manche erblicken in dem Verlust von Notre Dame gar das Zeichen einer epochalen Zäsur. Pars pro toto für die vielen Stimmen sei Douglas Murray zitiert, Autor des Buches "Der Selbstmord Europas":

Die Zivilisation hängt immer nur an einem Faden. Heute ist einer dieser Fäden dünn geworden, vielleicht gerissen. Es ist unmöglich, sich die Aufnahmen aus Paris anzusehen. Alles, was man tun kann, ist zu stöhnen und sich wegzudrehen. Ist unmöglich, zuzusehen, wie der Turm von Notre Dame kollabiert. Es ist unmöglich, zuzusehen, wie die große Kathedrale vom Feuer konsumiert wird. Beinahe alles andere wäre erträglicher als der Verlust dieses Gebäudes. (...) [Der Brand] sagt uns etwas, das zu tief ist, um es ertragen zu können. Vor Jahren sagte ich in einem Buch, daß die Zukunft der Zivilisation in Europa durch unsere Haltung gegenüber den großen Kirchen und anderen kulturellen Gebäuden unseres Erbes, die in unserer Mitte stehen, entschieden wird. Werden wir mit ihnen ringen, sie ignorieren, uns auf sie einlassen und sie weiterhin verehren? Werden wir sie erhalten?

Murray spricht von einem rein kulturellen Standpunkt aus, an dem die Erinnerung an den Geist, der diese Kirchen erschaffen und erfüllt hat, nur mehr eine wehmütige Erinnerung ist, mehr Gegenstand des Respekts, dem man einem Ahnen entgegenbringt, als des Glaubens.

Rod Dreher, Autor der "Benedikt-Option" schreibt hingegen:

Obwohl viele (aber nicht alle!) Franzosen, sich von der Taufe abgewandt haben, ist Notre Dame das symbolische Herz der Nation.(...) Ich kann darin nichts anderes sehen als ein Zeichen. Die einzige Kirche der westlichen Zivilisation, die größere Bedeutung hat, ist die Peterskirche in Rome. (...) Wenn es sich um einen Terrorakt gehandelt haben sollte, stehen Frankreich unvorstellbare Wellen der Gewalt bevor. Auch wenn es ein Unfall war, dann symbolisiert es nichtsdestotrotz, was wir im Westen mit unserem religiösen und kulturellen Erbe geschehen ließen. Was heute in Paris geschah, ist innerhalb unserer gesamten Zivilisation geschehen.

Es geschieht, wenn wir verabsäumen, gemäß unserer Taufe zu leben und unsere Kinder taufen zu lassen. Es geschieht durch Nachlässigkeit, Gleichgültigkeit ebenso wie aus Absicht und Trotz. Es geschieht in den Klassen- und Nachrichtenzimmern, in den Kaufhäusern, in den vergifteten Seminaren und geschändeten Sakristeien. Überall werden die Wahrheiten, die Notre Dame verkörperte, lächerlich gemacht, gegeißelt, zerstört in den Herzen und Köpfen der modernen Menschen. Das Feuer, das die ikonische Kathedrale von Paris zerstörte machte nur manifest, was wir uns selbst seit über 200 Jahren angetan haben.

Der Schock über den Brand von Notre Dame ist eben auch deshalb so groß, weil die sakrale, ein Zentrum stiftende Ausstrahlung des Baus selbst von ungläubigen, atheistischen oder säkularisierten Menschen noch erfühlt oder erahnt wird. Umso mehr empfinden dies Konservative, bei denen nach Jonathan Haidt der Sinn für das "Heilige" innerhalb einer Gesellschaftsordnung stärker ausgeprägt ist (in seinem Kompaß der "moralischen Grundlagen" entspricht dies dem Wert "Sanctity/Degradation").

Eine brennende Kirche ist dann nicht bloß eine Katastrophe, für die allein die Feuerwehr zuständig ist, oder die Zerstörung eines Weltwunders, sondern eine Blasphemie, eine Gotteslästerung, eine Schändung des Heiligtums, ein unheimliches Zeichen der Abwesenheit oder Strafe Gottes, wenn nicht gar der triumphierenden Anwesenheit des Widersachers.

Mit diesem Schockeffekt arbeitet auch der Roman "Die Moschee von Notre Dame" von Jelena Tschudinowa, in der die Kathedrale das Schicksal der Hagia Sophia erleidet.

Emil Cioran prophezeite in den achtziger Jahren, daß Notre Dame in wenigen Jahrzehnten eine Moschee sein werde. Das bedeutet nicht bloß eine religiöse Umschaltung, sondern eine Machtübernahme, eine Unterwerfung, eine Besitzergreifung des Ganzen, indem sein Herz okkupiert wird.

Es ist wohl auch nicht ohne Bedeutung, daß es Paris war, wo 2015 zwei der schwersten islamistischen Terroranschläge auf französischem Boden stattfanden (Charlie Hebdo und Bataclan). Und es kam in Frankreich auch schon vor, daß Islamisten während einer Messe einen Priester enthaupteten.

Als ich die Bilder der brennenden Kathedrale sah, hatte ich als erstes eine buchstäblich "satanische" Assoziation: In Polanskis Horrormeisterstück "Rosemarys Baby" betritt die Titelfigur über einen Geheimweg die Wohnung ihrer teufelsanbetenden Nachbarn, und erblickt dabei ein Ölgemälde, das eine gotische Kirche in Flammen zeigt. Bald wird sie erfahren, daß die skurrilen Satanisten von nebenan sie dazu benutzt haben, den Sohn Satans, den Antichristen, zu gebären.

Der Verlusterfahrung und Menetekelstimmung steht die linke Hypermoral gegenüber, die auf den Brand etwa so antwortet (auch dies nur ein Beispiel unter vielen, und es bleibt linke Hypermoral auch dann, wenn es aus dem Munde eines CDU-Politikers kommt):

Wir sind erschüttert, weil mit #NotreDame unser europäisches #Kulturerbe brennt. Wenn #Flüchtlinge im Mittelmeer ertrinken, gehen unsere europäischen Werte mit ihnen unter. Auch daran erinnert #NotreDame.

Noch ein Beispiel:

Der Wiederaufbau von Notre Dame ist mir ein Herzensanliegen. Dabei dürfen aber nicht die abgebrannten Wohn-und Krankenhäuser in Aleppo, Mosul, Palästina, Nigeria, Jemen und die Menschen dort vergessen werden.

Und die noch eines:

Für Kunst und Gebäude wie #NotreDame kommt schneller Geld zusammen, als für Menschen in Not auf dem #Mittelmeer, die um ihr Leben kämpfen, und fast ertrinken. Es scheint, dass ein Stück Stein wichtiger als ein Menschenleben ist.. #Flüchtlinge

Und hier eine technokratisch anmutende Reaktion mit (wohl unbeabsichtigtem) Fukuyama-Flair:

Notre Dame ist zweifellos ein wunderbares Bauwerk. Warum die Kathedrale ein Symbol für ein gefährdetes Europa sein soll, leuchtet mir aber nicht ein. Die Kirche brannte, das Feuer wurde gelöscht, sie wird wieder aufgebaut und renoviert. Ende der Geschichte.

Ich sehe all dies als eine Art brutalen Lacmus-Test. Jetzt zeigt sich, wessen Seele wirklich mit Europa verwachsen ist, und wessen nicht. Die letzteren spüren die Schmerz und den unwiderbringlichen Verlust nicht, weil sie nichts verloren haben, was Teil von ihnen ist.

Dominique Venner, der sich am 21. Mai 2013 vor dem Altar von Notre Dame erschoß, hatte als dezidierter Heide und Nicht-Christ bewußt die 800 Jahre alte Kathedrale im Herzen der französischen Hauptstadt als Schauplatz gewählt. In seiner Abschiedsnote schrieb er:

Ich wähle einen hochsymbolischen Ort, die Kathedrale von Notre Dame de Paris, die ich respektiere und bewundere: das Genie meiner Vorfahren hat sie auf einer Kultsstätte errichtet, die viel älter ist und an unsere weit in die Geschichte zurückreichenden Wurzeln erinnert.

Venner protestierte mit seiner Tat, verstanden als "große Geste" des Selbstopfers, nicht gegen die Einführung der Homosexuellen-Ehe, wie vielfach verkürzt wiedergegeben wurde, sondern gegen die Zerstörung der europäischen Zivilisation schlechthin:

Da jedoch am Abend meines Lebens mein französisches und europäisches Vaterland in großer Gefahr schwebt, habe ich mich entschlossen, zu handeln, solange es meine Kräfte noch zulassen. (...) Ich erhebe mich gegen die seelenzerstörenden Gifte und gegen den Angriff individueller Begierden auf die Anker unserer Identität, besonders auf die Familie, der intimen Säule unserer jahrtausendealten Zivilisation.

Der Engländer Murray, der US-Amerikaner Dreher und der Franzose Venner verkörpern angesichts der Kathedrale von Notre Dame drei Varianten derselben Trauer und derselben Hoffnung auf Transzendenz.

Für Murray ist die Kathedrale ein sichtbares, materielles Band, das den modernen europäischen Menschen mit seiner Vergangenheit und Kultur verknüpft, als Quelle seiner Kraft und Identität. In der Tat ist immer noch für viele entsprechend gestimmte Menschen "Kultur" der wesentliche Religionsersatz. Wenn sie an Europa denken, dann eher an seine geistigen Schöpfungen, die Schönheit seiner Kunst, das in Jahrhunderten mühsam errungene Wunderwerk seiner Zivilisation, als etwa an seine Völker und seine Bevölkerung, die "weiße Rasse" und ähnliches.

Für Dreher verschiebt sich der Akzent ins eigentlich Religiöse: Die Kathedrale verbindet mit Gott und seiner Kirche, und eine  Nation, die sich dieser Bindung entledigt hat, wie es die von Freimaurern angeführten Franzosen des Jahres 1789 getan haben, ist zu ihrem Untergang verurteilt. Dreher ordnet die Nation und die Kultur dem Glauben unter, erst durch ihn werden diese Dinge veredelt und mit Sinn erfüllt.

Venners "Gott" ist, so muß man wohl sagen, das "Genie der Vorfahren", und er muß gemäß seiner Überzeugungen das Christliche der Kathedralen umschiffen, um gleichsam wieder zu den heidnischen Brunnen zu gelangen, auf denen sie errichtet wurden. Anläßlich seines Freitodes schrieb ich:

Im heutigen säkularen Europa scheint weit und breit keine zur »Verteidigung des Eigenen« geeignete Religion in Sicht zu sein. In einem seiner letzten Interviews drückte Venner die Hoffnung aus, daß unsere metaphysischen Quellen nicht versiegt seien: »Ebenso wie andere sich als Söhne von Shiva, von Mohammed, von Abraham oder von Buddha wie-dererkennen, ist es nicht verkehrt, sich als Söhne und Töchter von Homer, von Odysseus und von Penelope zu wissen.« Die Gestalt hingegen, in der sich das Abendland fast zwei Jahrtausende lang wiedererkannt hat, unter deren Zeichen es eine beispiellose, triumphale Blüte erlebt hat, fehlt: Jesus Christus. Zu Unrecht? Nur schwer kann man sich Christus heute als zentrale Figur einer »identitären« Religion vorstellen, wie sie Venner vor-schwebte. Fern sind die Zeiten, in denen Hilaire Belloc sagen konnte: »Der Glaube ist Europa«, ja: "Die Kirche ist Europa".

Angesichts der Schwere und symbolischen Bedeutung der Katastrophe ist es nun mehr als legitim zu fragen, ob es sich hier um ein "französisches 9/11" auch im Sinne eines gezielten Angriffs handelt. Man hat hier alles Recht der Welt, den offiziellen Verlautbarungen von Politik und Presse aufs Tiefste zu mißtrauen.

Und selbst wenn ein Unfall die Ursache war, so muß doch gefragt werden, wie heruntergekommen der französische Staat und seine Behörden sein müssen, daß sie hier auch nur das leiseste Risiko zuließen.

Die Entwarnung, daß es sich nicht um Brandstiftung handele, wurde auffallend früh, schon Stunden nach Beginn des Feuers, ausgegeben. Andererseits gab es bisher noch keinerlei Bekenntnis zu einem Terrorakt; wohl aber ist die unverhohlene Freude zahlreicher in Frankreich lebender Muslime bestens dokumentiert (Links gibt es u. a. hier).

Ebenso auffällig ist der Zeitpunkt der Katastrophe: Nicht nur fand sie pünktlich zu Beginn der Karwoche statt (eine seltsame Synchronizität ereignete sich, als zur selben Zeit Feuer in der al-Aqsa-Moschee in Jerusalem ausbrach), sondern sie reiht sich in eine beispiellose Serie von Kirchenschändungen, die Frankreich seit der Revolution nicht mehr erlebt hat.

Jürg Altwegg berichtete am 9. April in der FAZ,  daß in Frankreich täglich im Schnitt bis zu drei Gotteshäuser Opfer von Vandalismus werden, was von der Kirchenleitung vertuscht und verschwiegen werde. Dieser Artikel nennt sogar die ungeheure Zahl von 875 (!) Kirchenschändungen innerhalb eines einzigen Jahres. Auch die Welt berichtete darüber.

Dieses Jahr wurden bereits zwei weitere bedeutende Pariser Kirchen attackiert: St. Sulpice brannte am 17. März, konnte aber gerettet werden, St. Denis, jene Kathedrale, die die Sarkophage der französischen Könige beherbergt, die im Zuge der französischen Revolution geschändet wurden, wurde am 3. März verwüstet. Es fällt angesichts dieser Vorgeschichte schwer, an einen Zufall zu glauben.

Inzwischen haben sich etliche Stimmen zu Wort gemeldet, die sich verwundert darüber zeigen, daß eine Katastrophe solchen Ausmaßes überhaupt passieren konnte. Der Beststellerautor Ken Follet, der die Kathedrale sehr gut kennt, äußerte, es sei "schwer vorstellbar, dass ein kleiner Funke dieses Großfeuer habe auslösen können". Ebenso denkt der frühere Chef-Ingenieur von Notre Dame.  Auch diese Dombaumeisterin kann den Brand "kaum begreifen":

Ein alter Dachstuhl in einer Kirche mit jahrhundertealtem Holz brennt jedoch auch nicht so schnell. Das Holz ist natürlich sehr trocken, aber mit der Zeit entwickelt es auch einen Schutz. Holz ist nicht leicht entzündlich, es braucht eine gewisse Zeit.  (...) Ich will damit keinesfalls sagen, dass es Brandstiftung gewesen sein könnte. Man muss aber davon ausgehen, dass es eine andere Zündquelle gegeben hat. Einfach so entsteht im Holzdachstuhl nicht so ein Brand. Ich kann es aber auch deshalb kaum begreifen, weil ich daran denke, was dieses Gebäude alles überstanden hat.

Und schließlich fällt der Brand in eine Zeit, in der die französische Republik von monatelangen, gewalttätigen sozialen Unruhen schwer erschüttert ist, und das Mißtrauen in den Staat und seine Repräsentanten enorm gewachsen ist.

Dennoch gibt es Hoffnungsschimmer. Die Türme und die Grundstruktur der Kathedrale stehen immer noch. Etliche Kunstschätze und Reliquien konnten gerettet werden, darunter die Dornenkrone Christi. Als die Feuerwehrleute das ausgebrannte Kirchenschiff betraten, stand das Altarkreuz ungebrochen und leuchtete hell in die Dunkelheit.

Aber das größte Wunder von allen ist, daß die berühmten Fensterrosen aus dem 13. Jahrhundert das Inferno überlebt haben.

Da fiel mir die Zeile aus der Apostelgeschichte ein, die ich meinem Buch "Kann nur ein Gott uns retten?" vorangestellt habe:

Tu dir kein Leid an, denn wir sind alle noch hier.


Martin Lichtmesz

Martin Lichtmesz ist freier Publizist und Übersetzer.


Kommentare (89)

Der_Juergen
17. April 2019 15:56

Grossartig!

Auch mir kam gleich die Parallele zu dem grauenvollen Schluss von "Rosemary's Baby" in den Sinn, da ich diesen zutiefst bösen, aber genial gemachten Horrorfilm schon x-mal gesehen habe (die schauspielerische Leistung von Mia Farrow ist geradezu übermenschlich; die Musik geht tief unter die Haut). Polanski, ein kaum verhohlener Satanist, wusste Bescheid, ebenso wie sein Glaubensbruder Ira Levin, Verfasser des gleichnamigen Romans, auf dem der Film basiert.

Wenn man mir diese lange Abschweifung vom eigentlichen Thema nachsieht: Rosemarys Ehemann Guy Woodhouse, der erfolglose Schauspieler, dem die Teufelsanbeter, indem sie seinen Konkurrenten um eine wichtige Rolle erblinden lassen, eine fabulöse Laufbahn als Gegenleistung dafür ermöglichen, dass er den Leib seiner Frau dem Leibhaftigen überantwortet, ist für mich der Archetyp des verräterischen Politikers unserer Zeit, der sich dem Bösen verkauft und sein Volk dem Untergang preisgibt, um dadurch Karriere zu machen, an den Fleischtöpfen mitschmausen und nach Beendigung seines Zerstörungswerks eine fürstliche Pension kassieren zu können, bevor er schliesslich fettgefressen auf seinem Sofa das Zeitliche segnet und als abscheuliche Fussnote in die Geschichte eingeht.

Gelddrucker
17. April 2019 16:27

Ich wäre für Lichtmesz als Regierungssprecher.

Gustav Grambauer
17. April 2019 17:17

Kriminalkomissars-Frage nach dem Motiv: "Wem nutzt es?" (Im Wahlkampf?) Wem ist aufgefallen, wie Michelle gleich zur Schadenbegrenzung vors Mikro geschickt wurde? Wer glaubt, dass nur Islamisten und Linke zu so so etwas fähig sind und der "rechte" Flügel des Tiefen Staats dafür nicht in Frage käme? - G. G.

Old Linkerhand
17. April 2019 17:25

Es gibt größere Kathedralen, es gibt schönere Kathedralen und es gibt bedeutendere Kathedralen als Notre Dame de Paris, und trotzdem war für mich immer diese das Herz des alten Europas. Und niemand könnte in dieser Katastrophe besser die angemessenen Worte finden als Martin Lichtmesz. Wenn es nun noch der passenden Bilder für den Untergang des Abendlandes bedarf, hier haben wir es alle gesehen und niemand kann mehr behaupten von nichts gewusst zu haben.
Wer weiterhin an die dutzenden spontanen Selbstentzündung christlicher Gotteshäuser in den letzten Wochen und Monaten in Frankreich und Deutschland glaubt, soll das tun. Bei den Eskimos hat man früher die noch blinden Welpen auf eine Eisscholle gelegt. Diejenigen welche die Gefahr gespürt haben und nicht zum Rand gekrochen sind, wurden dann Schlittenhunde. Die anderen aber waren verloren...

Dieter Rose
17. April 2019 17:31

Auf Fotos sah man junge Menschen beten,
es sind wohl zu wenige,
die sich täglich bekennen.
Trotzdem eine Hoffnung.
Und das hat nichts nur mit Kirche zu tun.
Hoffnung auf etwas Größeres?

Laurenz
17. April 2019 17:35

Sascha Lobo kritisiert (im Spiegel) einerseits das metaphorische Abendland-Untergangs-Gesinge der Rechten, leugnet aber auch den Hohn einiger Muslime nicht, benennt ihn. Ehrlich gesagt, sowas passiert. Wem würde ein Terrorakt am meisten nützen? Wohl Herrn Macron. Mit jeder Rede zur Lage der Nation, verliert er locker 30.000 Wähler, hier, mit dieser Kathedrale kann er punkten, bald sind Europa-Wahlen. Es wäre absolut legitim, die Ruine stehen zu lassen, in Frankreich verrotten hunderte von Kirchen, warum auch nicht? Seit dem 2. Weltrkieg hat die französische Armee, vor allem im nahen Osten locker 50 Kirchen weggeputzt.
Interessanterweise wurde die aktuellen Renovierungsarbeiten durch Spenden getragen, da das Budget des Staates Frankreich nicht ausgereicht hatte. Da fragt man sich doch, warum die katholische Kirche sich nicht um ihre Kirchen kümmert. Immerhin schwimmen deutsche Bistümer in Milliarden, cash wohlgemerkt. Die Frage nach einer Moschee Notre-Dame ist absurd. Die zwangsweise Einführung des Katholiszismus durch Clodwig I war quasi eine antike orientalische Islamisierung mit dem üblichen bolschewistisch feudalen Herrschaftssystem. Die Fürsten der Aufklärung führten letztere gegen den Willen der Kirche ein. Ende des 19. Jahrhunderts glaubte man in der Kirche, Archäologie würde die Bibel untermauern und man bildete Seminaristen als Archäologen aus. Als sich dann im frühen 20. Jahrhundert dieses als falsch herausstellte, durften katholische Seminaristen noch nicht mal mehr die Zeitung lesen. Im Westen nichts Neues. Von daher sind Pseudo-Konflikte zwischen Christentum und Islam quasi ein Kampf zwischen Teufel und Beelzebub, ideologisch, durch Unkenntlichkeit, nicht zu unterscheiden. Geld sollte man lieber in Schulen stecken.

Immer noch S.J.
17. April 2019 17:39

Diese Katastrophe – und es ist eine, durch und durch – besteht aus dem Brand eines so bedeutenden Kulturguts und der Art, wie mit diesem Brand politisch umgegangen wird. Vom ersten Funken an ein Bild des Jammers: Journalisten, verzweifelt die Hände ringend, wann und wie sie die Berichterstattung beginnen, da der Brand die üblichen Fragen aufwirft; Politiker, die befürchten, dass das Feuer womöglich ihren Gegnern nutzt und auch unter ihren Stühlen wütet, auf denen sie kleben; unzählige Einträge in den sozialen Netzwerken, die selbst vor den größten Dummheiten nicht zurückschrecken; das Wort „Unfall", bevor die Ermittlungen überhaupt angefangen haben; die Scheu, die Kirchenschändungen in Frankreich zu thematisieren, auch wenn das eine mit dem anderen hier nichts zu tun haben könnte. Und nun, da die internationale Spendenbereitschaft den Wiederaufbau bereits garantiert, stellt sich die bedrückende Frage, wem es um dieses einmalige Kunstwerk oder die christliche Kultur geht und wem darum, mit diesen Millionensummen gewissermaßen offene Fragen aus dem Weg zu bezahlen.

Montesquieu
17. April 2019 18:19

Danke, Herr Lichtmesz.

Andrenio
17. April 2019 18:22

Martin, Deine Worte haben mich zum ersten Mal zuTränen gerührt. Danke, Du bist über Dich selbst hinausgewachsen.

Niekisch
17. April 2019 20:02

Gegen den Geist der Vorfahren,
aber mit begnadeten Händen
und dem Kopf der Ahnen,
errichtet auf deren heiligem Boden-
Jacque de Molay, du bist Zeuge:
Wer im Namen des Glaubens
unter dem Mantel der Liebe
Flammen des Hasses entfachte,
der gibt sich selber die Flammen
an sein morsches Gebälk!

Monika
17. April 2019 20:07

Danke, Herr Lichtmesz für diesen Beitrag.
Einige Anmerkungen
1. die Katastrophe von Notre Dame stellt eine Zösur in Frankreich und Europa dar, durchaus vergleichbar mit 9/11 . Besucher aus den USA, die in Paris waren, fühlten sich an dieses Ereignis erinnert.
Der 15.4.19 wird zu einem Wendepunkt werden.
2. Dieses Ereignis scheidet die Geister, in die Mitfühlenden, zutiefst Getroffenen und in die Funktionäre, Rationalisten, Säkulare.
Wie man das politisch oder religiös zuordnet, ist erstmal zweitrangig.
Auch Muslime zeigten sich betroffen ( und das sollte man auch zur Kenntnis nehmen) und sich nicht nur auf die entsprechenden Freudenausbrüche der "Moslemfraktion' stürzen.( bergern)
3. Dumme feixende Araber angesichts der brennenden Kathedrale finde ich nicht schlimmer als apathisch glotzende europäische Touristen.
Beide wissen nicht, um was es geht. Die letzteren sollten es allerdings wissen.
4. Ob es Brandstiftung war oder eine UNAUFMERKSAMKEIT - was ändert das im Blick auf die Folgen ?
5. der Wiener Dombaumeister Zehetner war sehr gerührt von den emotionalen Reaktionen. In einem FAZ interview "Das Feuer breitet sich sehr schnell aus" zieht er Vergleiche zum Brand des Wiener Stephansdomes 1945. Er sagt:" Es hat mich schon gerührt. 1945 war eine andere Zeit, aber da konnte man das auch beobachten. Es gab Mütter, die drei Söhne im Krieg verloren hatten und sagten, dass der größte Schock der Brand des Domes gewesen sei. Es ist ein Teil der Identität, der in einer solchen Stätte steckt".
Das mag uns heute hart vorkommen, aber es ist vielleicht das Spiegelbild zu der Einstellung, dass es zynisch sei, sich über den Brand eines Gebäudes aufzuregen, während woanders Menschen im Mittelmeer sterben.
Die Kathedrale war der trostreichste Ort, wo die Mutter über ihre Söhne trauern konnte. Auch Kardinal Woelki nutze den Kölner Dom zur Trauer über die im Mittelmeer Ertrunkenen. Das eine hat mit dem anderen nichts zu tun oder doch ?
6. Die Katastrophe kann zu einer intellektuellen katholischen Erneuerung in Frankreich führen. Paul Claudel erlebte am 25.12.1886 als achtzehnjähriger in Notre Dame mit einem Schlag die "ewige Kindheit Gottes", was zu seiner Konversion führte.
Er wollte sich lediglich über die katholische Religion lustig machen.
ich verweise auch auf die jüngsten Äußerungen Houellebecqs über die katholische Erneuerung. Interview in "First things".

Zum Schluß ein Zitat von Guardini
"Vielleicht ist Gott unserer frostigen Zeit näher als dem Barock mit der Pracht seiner Kirchen, dem Mittelalter mit der Fülle seiner Symbole, dem frühen Christentum mit seinem jungen Todesmut, nur empfinden wir es nicht. Er aber erwartet, daß wir nicht sagen: wir fühlen keine Nähe, also ist kein Gott - sondern daß wir Ihm durch die Ferne hin die Treue halten. Daraus könnte ein Glaube erwachsen, nicht weniger gültig, ja reiner vielleicht, härter jedenfalls, als er in den Zeiten des inneren Reichtums je gewesen ist."

FrankaFrey
17. April 2019 20:13

Danke Herr Lichtmesz,

vergelte Ihnen Gott, sofern es ihn geben mag, diesen schönen Artikel. Ich habe meinen Glauben vor langer Zeit verloren, bin aber von seiner Kraft überzeugt. Auch wenn es Gott nicht geben mag, der Glaube ist real und kann Berge versetzen. Als ich vorgestern in einem Video eine kleine Gruppe Christen während des Brandes der Notre Dame angesichts der Katastrophe singen und beten sah, hat es mich tief berührt. Es hat eine unglaubliche Kraft wenn Menschen in einer solchen Situation gemeinsam singen und beten und ich bin getröstet, wenn ich sehe und höre, dass es gemeinsame Gebete und Lieder gibt. Im Matthäus-Evangelium, Kapitel 18 heißt es: „Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen.“ Wo und wer auch immer Gott sein mag, er entsteht wohl in solchen Momenten mitten unter denen, die sich zum gemeinsamen Gebet versammeln.

Schön, dass Sie auch an Dominique Venner erinnern, der an diesem Ort seinen Geist aufgab. Sein Traditionsbekenntnis hängt als ständiger Begleiter über meinem Bett.

„Die Tradition ist eine Wahlentscheidung, ein Flüstern von alten Zeiten. Sie enthüllt mir, wer ich bin. Sie erzählt mir, woher ich stamme. Ich stamme aus dem Land des Baumes und des Waldes, der Eiche und des Wildschweins, der Rebe und der Schrägdächer, der Epen und der Märchen, der Winter- und der Sommersonnenwende, der blonden Kinder und der hellen Augen, der beharrlichen Taten und der abenteuerlichen Träume, der Eroberungen und der Weisheit. Ich komme aus dem Land, wo man das tut, was man tun muß, aus Achtung vor sich selbst. Deshalb bin ich ein rebellisches Herz, ein Rebell aus Treue.“

RMH
17. April 2019 20:38

Aus der Feder von "Kann nur ein Gott uns retten?" kommen die passenden Worte für diesen Blog.

Ich finde keine solchen passenden und kann daher nur trivial berichten, was mir durch den Kopf seit dem Brand ging:

Am Tag des Brandes war ich auch tief getroffen und konnte mir die Bilder nicht einmal ansehen, so sehr hat mich das bewegt. Jetzt, nur ein paar Tage später, läuft mir das Ganze jetzt doch irgendwie zu glatt, zumal heute auch noch durchsickerte, dass man mit den Renovierungsarbeiten offenbar noch nicht mal begonnen hatte und die auch bei uns recht oft vorkommenden Brände bei Dacharbeiten damit als Ursache ausfallen.

Superreiche, die z.T. noch vor kurzem tönten, sie wollen ob der hohen Steuerlast das Land verlassen bzw. sogar die Staatsbürgerschaft wechseln, überbieten sich schon zu einem Zeitpunkt, wo der Brand noch am Lodern war, in einem fast schon obszönem Spendenwettlauf (für Nizza war man nicht so spendabel - aber da gab es evtl. auch keine gescheiten Stiftungen etc., wo man die Spenden steuermindernd für den "guten Zweck" einbringen kann - denn wirklich freigiebig "schenken" tun Reiche meistens nichts. Und das schreibe gerade ich, der hier keinen Neidkomplex zu bedienen hat und als Rechter stets auch die in letzter Zeit - auch hier! Siehe Enteignungsdebatte - stark angegangene Eigentums- und damit Vermögensordnung verteidigt hat). Macron, der von den gelben Westen stark gebeutelt wurde und auch sonst im Lande massiv an Zustimmung verloren hat, kann sich staatstragend als der große Versöhner und Einiger verkaufen etc. ---- Brände werden bekanntermaßen ja gerne als Anlass für politische Maßnahmen genommen. Ich will aber nicht zu viel unken und raunen … nur das, was gerade daraus gemacht wird, erscheint mir nicht unbedingt koscher und es erscheint einem wie sog. "scripted reality" mit dem Unterschied, dass die Kirche tatsächlich gebrannt hat.

PS: Ich glaube aus den eben genannten Gründen auch nicht an eine Brandstiftung durch Moslems. Ich bin da näher bei der Hypothese von G.G.

tearjerker
17. April 2019 20:44

Clark versteht den Begriff der Zivilisation noch aus der Position der Überlegenheit der Gesellschaft, der er angehört. Notre-Dame drückte dies stellvertretend für ihn aus. Schon Huntington nivelliert das in 'Clash of civilizations', indem er den Begriff eher allgemein auf eine Auseinandersetzung organisierter Gruppen hin interpretiert. Dem Übersetzer der deutschen Ausgabe war das damals nicht gut genug und man verstärkte die Botschaft und übersetzte 'Kampf der Kulturen', um den gleichwertigen qualitativen Gehalt der gewachsenen Strukturen beider Seiten zu betonen und niemanden kleiner erscheinen zu lassen. So läuft das mit der Anpassung an die Verhältnisse. Das germanisierte Christentum baute seine Kathedralen auf den Kultstätten seiner Vorgänger, Charlie Hebdo veröffentlicht keine Mohammed-Karikaturen mehr, Macron twittert noch am Abend des Brandes, der Wiederaufbau werde in Vereinbarkeit mit den Werten der Diversität erfolgen und der 2016 geköpfte Priester verkaufte zuvor Liegenschaften seiner Kirche an die muslimische Gemeinde zum Bau einer Moschee. Das Gebäude ist übrigens ein nationales Monument und nicht im Besitz der Kirche, die sich deshalb auch nicht in die erste Reihe stellte als es um die Kostenübernahme der Sanierung ging. Die war bis zu dieser Woche komplett unterfinanziert. Meine Top-Verschwörungsvermutung lautet daher Stiftung des Brandes um mit Hilfe des Bausektors Gelder als Spenden deklariert zu waschen...

Caroline Sommerfeld
17. April 2019 21:03

"Ich würde dem Volke zeigen, daß ich die größten Bauwerke, zu deren Errichtung man einst Jahrhunderte brauchte, niederlegen und sie in wenigen Jahren neu aufbauen kann."

(Maurice Joly, Ein Streit in der Hölle. Gespräche zwischen Montesquieu und Macchiavelli über Recht und Macht, 1864).

Das Schicksal dieser Schrift zu recherchieren überlasse ich den geneigten Lesern.

quarz
17. April 2019 21:47

Von widerlicher Komik war ja der rhetorische Eiertanz Macrons, der im Bewusstsein dessen, dass er noch vor Jahresfrist einer französischen Kultur die Existenz abgesprochen hatte, angesichts der Katastrophe mit schlecht geheucheltem Pathos versuchte, an die kulturelle Identität zu appellieren und dadurch politische Ernte einzufahren.

Zooey
17. April 2019 21:54

Lichtmesz trifft die Stimmung, auch die meine, ganz gut, und ich war sofort geneigt, darin ein Menetekel zu sehen. Aber was für uns, wo das Naheliegende - ein vorsätzlicher Akt - doch wegzufallen schien. Aber kommt es darauf an? Ein Schmerz packte mich. Ein Verlustgefühl - mir schien, ich konnte etwas von dem Glauben spüren, der die Kathedrale erbaut hat, und zugleich den Verlust dieses Glaubens, und so, als würde uns gerade in dieser Zeit dieser Glaube fehlen. So genau ist der Glaube nicht zu definieren - nicht umsonst werden Venner und Dreher zitiert -, und daher beides umfassend. Für mich verbindet sich dieser Glaube am stärksten mit dem sursum corda der Hl. Messe.

Waldgaenger aus Schwaben
17. April 2019 22:03

Am 24.August 1939 färbte ein Nordlicht den Himmel in Deutschland und Österreich blutrot. Ein sehr seltenes Ereignis in Mitteleuropa.
So selten, dass - sieben Tage vor Beginn des Zweiten Weltkriegs - vielerorts die Feuerwehr ausrückte, weil sie meinte eine nahe gelegene Stadt stünde in Flammen. Nur wenige Jahre später brannten die Städte wirklich.
Viele Menschen sahen in diesem Nordlicht später eine letzte Warnung Gottes vor dem gewaltigen Unheil, dass die Menschheit zu entfesseln im Begriff waren.

Der Brand von Notre Dame ist so mit Symbolen beladen, dass ich darin auch ein Zeichen Gottes sehe.
Das Dach stürzte ein, die Mauern und die Fundamente stehen noch, die Kirche kann wieder errichtet werden. Hätte der Brand nur 15-30 Minuten länger gewütet, wären wohl die Mauern auch eingestürzt.
Durch die mutige Tat eines Einzelnen, wurden wichtige Reliquien gerettet, die Dornenkrone Jesu, Splitter und Nägel von Kreuz. Aber Kaplan Jean-Marc Fournier rettete unter Lebensgefahr auch das Allerheiligste aus dem Tabernakel.

Zur These eines Anschlags:
Lustig fand ich es, dass während die Kirche noch brannte, Brandstiftung ausgeschlossen wurde.
Aber gegen die These eines Anschlags spricht die Uhrzeit. Brandstifter hätten wohl eher mitten in der Nacht zugeschlagen. Ausserdem ist noch kein Bekennerschreiben aufgetaucht.
Wäre es ein Anschlag, würde dies Frankreich auch nicht mehr erschüttern als die Anschläge 2015 in Paris und der Anschlag in Nizza.

Laurenz
18. April 2019 03:21

@Immer noch S.J. ..... fahren Sie doch mal zur Rückseite unseres ehemaligen tausend-Mark-Scheins, dem Limburger Dom. Er hat durch seine vermehrten Bauelemente der Romanik noch wesentlich mehr Charme als die Kathedralen der reinen Gotik, und durch seine Farben wirkt er wie ein mittelalterlicher Harlekin. Ich besuche ihn seit meiner Jugend immer wieder begeistert gerne. Hinter dem Dom steht auch die alte Isenburger Burg, wirklich schön.
https://img.fotocommunity.com/blick-auf-den-limburger-dom-von-der-alten-lahnbruecke-37791e54-279e-45c7-85c4-7e1ea31b3443.jpg?height=1080

Man braucht sich aber nichts vorzumachen. Alleine der Sparziergang vom Parkhaus, fast unten auf dem Fluß-Niveau der Lahn durch die Altstadt auf den Burgberg, einem Fels hoch über die Lahn ragend, zeigt die wirklichen gesellschaftlichen Verhältnisse von mittelalterlichen Bürgern zur Kirche, der helle Wahn. Von kleinen, krummen Fachwerkhäusern zu diesem geometrisch perfekten Prachtbau über alles ragend. Trotz aller liebenswerten Baukunst steht solch ein Dom in keinem realistischen Maßstab zu den Lebensverhältnissen derjenigen, die ihn finanzieren mußten. Friedrich Wilhelm I von Preußen war einer der ersten von Adel, die erkannten, daß aufwendige Hofhaltung keine politische Macht mehr erzeugt, und hat die Vorbildfunktion mitgeprägt. Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst ist doch nur die Spitze des Eisbergs unserer ewig gestrigen Kirchenfürsten, und Bischof von Rom, Franz I, war quasi gezwungen, den Betrüger-Bischof, der eigentlich in den Knast gehört, abzuberufen. Und das Salaire der deutschen Bischöfe wird von allen Steuerzahlern bezahlt. Das ist die wahre Katastrophe.

eike
18. April 2019 05:06

Na ja, wenn man hier ein Symbol/Mentetekel für die Auslöschung der Weißen im Allgemeinen und der europäischen Kultur im Besonderen sieht, kommt man nicht umhin, die große Linie zu ziehen und unseren französischen Freunden klarzumachen, daß sie sich bei dieser Entwicklung stets unter den den Hauptakteuren befanden.

Von ihren jährlich gefeierten Massenmorden und Kulturschändungen der Französischen Revolution und ihrem "egalite" und "droit-du-sol"-Wahn über die napoleonischen Überfälle Europas, die Preisgabe ihrer Landsleute in St. Domingue und Algerien bis zu ihrer unprovozierten Kriegserklärung 1939 führt die Spur direkt zur Vernichtung der Kultur der einst "Grande Nation" und ihrer Nachbarn.

Fritz
18. April 2019 08:39

Nicht zu übersehen sind jedenfalls die Versuche, das Ereignis zu instrumentalisieren im Sinne der EU. Wir Europäer müssen zusammenstehen, deshalb die EU stärken.

Ein gebuertiger Hesse
18. April 2019 09:46

Die Zeile aus der Apostelgeschichte, die in MLs Gottes-Buch am Anfang und hier am Ende steht, ist ein unschätzbares Kleinod. Ich kenne wenig oder nichts, das tröstlicher wäre.

Rafael Wedel
18. April 2019 09:48

Tut mir leid, aber mich schockiert das mit Notre Dame nicht. Mit dem Stephansdom in Wien ist doch das selbe passiert. Heißt nicht, dass das nicht beides eine Tragödie ist.

So lang die Kirche nicht abgerissen wird, als Mahnmal gegen Terror, Faschismus, Kernkraft und Stickoxide… Es schmerzt mich immer wieder, die Nikolaikirche in Hamburg und die Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche in Berlin so zu sehen. Das ist, als ob der Krieg immer noch läuft. Das ist eine Selbstverstümmelung der Kultur.

MARCEL
18. April 2019 10:34

Die richtigen Worte! Vielen Dank.
Und dennoch ist es keine Trauerrede!
(Mir fiel spontan ein: Die Juden haben 70 n. Chr. ihren Tempel in Jerusalem verloren und waren seitdem geeinter als zuvor)

Nemo Obligatur
18. April 2019 10:56

"Kleener hamset nich?" würde wohl der Berliner sagen.

Im Moment sieht alles nach einer banalen Schlamperei infolge der Renovierungsarbeiten aus. Auch wenn im Internet (wo sonst?) schon die Verschwörungstheoretiker ihrer Kreise ziehen. Angeblich wurde ein geheimnisvolle Gestalt mitsamt zweier Helfer auf dem lodernden Gebäude gesehen. Es gibt auch die üblichen grobkörnigen Bilder dazu. Wie kommen wir eigentlich dazu, uns über das abergläubische Mittelalter lustig zu machen, wenn zu unseren wissenschaftsimprägnierten Zeiten solche Spökenkiekerei blüht?

Es bleiben zwei, freilich höchst symbolhafte, Reste. Erstens der Termin zu Beginn der Karwoche, dem vielleicht wirklich etwas Zeichenhaftes anhaftet. Zur Wiedervorlage in zehn Jahren empfohlen. Zweitens der flegelhafte Jubel, in den etliche halbstarke Migrationshintergründler ausgebrochen sind. Das ist für mich das Menetekel. Es erinnert an die Inbesitznahme deutscher Autobahnen durch türkische Hochzeitsgesellschaften oder die Art wie unlängst in Köln mit der sog. "Zivilgesellschaft" bei Einweihung der dortigen Großmoschee Schlitten gefahren wurde. Höhnischer Triumph der Besitzergreifung.

Zum Schluss ein Denkanstoß: Mit Notre Dame wäre in Deutschland allenfalls der Kölner Dom, vielleicht noch der Dom zu Speyer vergleichbar. Wie würde unsere Öffentlichkeit bei einem entsprechenden Ereignis reagieren? Ich fürchte, die meisten hier kennen die Antwort. Wäre übrigens ein schönes Thema für die diesjährige Abiturprüfung in den Fächern Gemeinschaftskunde oder Politik: "1. Welche Reaktion würdest Du in Deutschland nach dem Brand einer Kathedrale erwarten, wenn es a. Brandstiftung oder b. ein Unfall wäre? 2. Begründe Deine Antwort." Die Aufsätze samt der Benotungen gäben sicher ein erhellendes Gesamtbild unserer Zeit.

Lotta Vorbeck
18. April 2019 11:06

@Laurenz - 18. April 2019 - 03:21 AM

"... Und das Salaire der deutschen Bischöfe wird von allen Steuerzahlern bezahlt. Das ist die wahre Katastrophe."

**************************

B-besoldeten Spitzenbeamten gleichgestellt liegen sie mit dem System im Bett, die BRD-Kirchenfürsten und haben selbstverständlich keinerlei Interesse, daß sich daran je irgend etwas ändern könnte.

Kahina
18. April 2019 11:36

Vielen Dank Herr Lichtmesz, Sie schreiben mir aus der Seele!

Ein wunderbarer Artikel, der sehr treffend beschreibt, wie ernst
es um den Zustand der europäischen Zivilisation bestellt ist und wie zynisch die Symbolik dieser Katastrophe anmutet. Zu zynisch, um ein zufälliger Unfall zu sein? Wir werden es vermutlich niemals erfahren, sollte es sich um Brandstiftung gehandelt haben.

Auch ich fühlte den Schmerz, als ich die Kathedrale in Flammen stehen sah.
Wieder ein Stück Kultur, Identität, Geschichte verloren.
Obwohl ich keine Christin bin, versetzen mich alte, geschichtsträchtige (Sakral-)Bauten in Ehrfurcht-
eine Kathedrale ebenso wie ein griechischer Tempel oder ein Steinkreis aus der Megalithkultur.
Es wohnt kultischen Plätzen eine besondere Kraft inne- die Kraft unserer Ahnen. Es muss uns ein Herzensanliegen sein, ihre Vermächtnisse in Ehren zu halten, ihr Erbe weiterzuführen und unsere Kultur zu erhalten!
Noch schmerzhafter als der Verlust dieser Monumente ist nur die Gleichgültigkeit unserer Zeitgenossen angesichts dessen, was uns bevorsteht.

Laurenz
18. April 2019 12:28

@Nemo Obligatur .... der Kölner Dom kann zwar sicher brennen, aber da die Preußen den Bau erst im 2. Reich vollendeten, wurde viel Stahl anstatt Holz verwendet, was eine wesentlich höhere Standfestigkeit bietet, siehe 2. Weltkrieg.

@eike .... ich hätte es auch nicht, wie die französischen Revolutionäre gemacht und die Knochen der Bourbonen beisammen gelassen. Aber nach Jahrhunderten der Unterdrückung macht sich bei jeder Gelegenheit eben Anarchie breit. Der französische Adel & die katholische Kirche Frankreichs hatten sich eben am dämlichsten, also am größenwahnsinnigsten angestellt, die Freimaurer schlagen, wie jeder andere Aggressor auch, immer an der schwächsten Stelle zu. Die Hinrichtungen der meist adligen See-Offiziere hat dem Empire letztendlich den eigenen Kopf gekostet. Und Bonaparte griff in der elementaren Frage der Marine personell eben grundsätzlich daneben, weil er davon keine Ahnung hatte. Das Schlimmste an der Geschichte ist, daß Frankreich noch nach dem 2. Weltkrieg bis heute ganz christlich Kolonialmacht spielt.

deutscheridentitaerer
18. April 2019 12:59

@Nemo obligatur

Verstehe nicht, warum Sie die Möglichkeit einer Brandstiftung abtun. Die körnigen Bilder sind nun mal dennoch Indizien, die sich zwanglos in das große Bild der andauernden Serie von Kirchenvandalismus einfügen. Es zirkulieren noch weitere Hinweise, die der schnell verkündeten Unfalltheorie widersprechen, man wird sehen, was sich davon als stichhaltig erweist. Ich neige im allgemeinen nicht zu "Verschwörungstheorien", vorliegend zeichnet sich aber doch ein recht eindeutiges Bild ab.

Sandstein
18. April 2019 14:23

Hand aufs Herz. Wer ist hier Christ, und wer wird zum Christen, wenn erst eine Kirche brennt?

Pure Polemik, aber in den ach so konservativen und rechten Kreisen, in denen ich verkehre, ist Odin präsenter als Jesus.

In diesem Sinne, brenne und brenne, bis auch das letzte verteerte Herz entflammt ist.

Frohe Ostern.

Niekisch
18. April 2019 16:13

@ Sandstein 18.4. 14:23: Wie regelrecht pathologisch ist das denn? Da könnten wir Nichtchristen ja auf die Idee kommen, der Brand von Notre Dame sei zu begrüßen, weil durch dieses Brandopfer der geheiligte Boden unserer keltisch/germanischen Vorfahren wieder freigelegt wurde und seiner Neuheiligung harrt.

Noch pathologischer dürfte die Vorstellung des sicher katholischen Dombaumeister von St. Stephan in Wien sein, der deutschen Müttern 1945 unterstellte, vom Brand des Doms tiefer ergriffen zu sein als davon, daß ihre 3 Söhne gefallen waren. So wahr ich Vater bin, das glaubte ich auch dann nicht, wenn ich noch in einer Kirche wäre oder in die Flammen von Notre Dame geschaut hätte.

Oh Deutschland, hoch in Ehren,
wenn die Deutschen
wieder Deutsche wären!

quarz
18. April 2019 17:03

@Nemo obligatur

Mag sein, dass die Indizien für eine "Unachtsamkeit" letztlich überwiegen, aber so klar, wie Sie die Lage schildern und deren Bewertung zu einer Frage des Aberglaubens stilisieren, ist sie keineswegs.

Zwei wichtige Indizien haben Sie gar nicht genannt. Erstens, dass sich mehrere Dombaumeister bzw. technische Experten höchst erstaunt darüber geäußert haben, dass so eine "Unachtsamkeit" passieren kann, weil die Sicherheitsmaßnahmen extrem hoch sind und es einer sehr effektiven Brandursache bedarf, um dieses Gebälk zum Brennen zu bringen. Und zweitens den Umstand, dass es zuletzt in Frankreich über 800 Kirchenschändungen bzw. Vandalenaktionen in einem Jahr gegeben hat, Frequenz steigend. Gerade mal ein paar Wochen ist es her, dass in Paris eine andere weltberühmte Kirche gebrannt hat und dass es nördlich von Paris Zerstörungen in der symbolträchtigen Grabeskirche Karl Martells nördlich von Paris gegeben hat.

JanH
18. April 2019 17:17

"Ebenso auffällig ist der Zeitpunkt der Katastrophe: Nicht nur fand sie pünktlich zu Beginn der Karwoche statt (eine seltsame Synchronizität ereignete sich, als zur selben Zeit Feuer in der al-Aqsa-Moschee in Jerusalem ausbrach), sondern sie reiht sich in eine beispiellose Serie von Kirchenschändungen, die Frankreich seit der Revolution nicht mehr erlebt "
Solcherlei Koinzidenzen lassen sich immer finden. Ich bin sehr skeptisch bzgl. der Theorie eines Anschlags/Brandstiftung und denke, daß Sie sich und der neuen Rechten keinen Gefallen tun, wenn Sie strukturanalog wie tausende Internetspinner schreiben/argumentieren.

ML: "Strukturanalog", ich lach mich schlapp.

Fredy
18. April 2019 17:28

Kriegt Euch Mal wieder ein, Leute. Der Brand ist gelöscht.

Und offenbar bin ich kein Europäer. Das wird einem hier ja abgesprochen, wenn man nüchtern und rational bleibt.

deutscheridentitaerer
18. April 2019 18:20

@Niekisch

Ich halte ein solches Empfinden, wie es der Dombaumeister schildert, nicht für pathologisch, ganz gleich, ob man nun Katholik ist oder nicht.

Wie oben gesagt wurde, kontrastiert diese Haltung aufs Schärfste mit dem Unverständnis, auf den von mancher Seite auf die hohen Kosten des Wiederaufbaus reagieren, angesichts des großen Elends der Welt, zu dessen Linderung die nötigen Mittel dringender benötigt würden.

Wir haben hier also einmal eine Haltung, die keinen Wert mehr begreifen will, der über rein materielles Wohlergehen hinausgeht.

Auf der anderen Seite haben wir eine Mutter, deren Söhne ja gerade für den Stephansdom gekämpft und gefallen sind; nicht als Chiffre nur für den Katholizismus, sondern für die abendländische Zivilisation als solche, die nun mal von den mittelalterlichen Kathedralen repräsentiert wird wie durch sonst nichts, ganz egal, was man persönlich glaubt.

Natürlich weiß ich nicht, ob die Mutter und ihre Söhne nun so gesehen haben, aber darum wurde im 2. Weltkrieg jedenfalls gekämpft. Und diese Angelegenheit hielt man für bedeutend genug, dass man es für gerechtfertigt hielt, Millionen in den Tod zu schicken.

Man kann dazu stehen wie man will, aber es drückt sich hierin zweifelsfrei eine Vitalität aus, die wir heute nicht mal mehr denken können.

Venator
18. April 2019 18:40

"Wenn es sich um einen Terrorakt gehandelt haben sollte, stehen Frankreich unvorstellbare Wellen der Gewalt bevor."

Ich würde gerne mal wissen, von wem Rod Dreher glaubt, sollten diese Wellen ausgehen? Abgesehen davon, ist schon jetzt klar, daß es niemals öffentlich gemacht werden würde, falls es kein Unfall gewesen war. Das wird wohl eher ein weiteres 9/11 werden, was das angeht. Sie würden es niemals zugeben. Das Thema kann man also abhaken.

Der Satz von Dreher beinhaltet für mich aber die alte, rechte Lebenslüge von dem "einen Ereignis" das zu "dem kollektiven Erwachen führt". Obwohl die Degeneration und die Wehrunwilligkeit, gerade der jungen Westeuropäer, mit Händen greifbar ist, egal was alles in den letzten Jahrzehnten für Ungeheuerlichkeiten, ohne irgendwelche Gegenreaktionen, geschehen sind, dieser skurrile Glauben übersteht scheinbar alles.

Natürlich ist die Symbolgehalt dieses Feuer immens. Doch sie wird ja wieder neu aufgebaut. Bunter, vielfältiger, nachhaltiger und klimaneutraler als jemals zuvor. Sie hat also eine strahlende Zukunft vor sich, wie wir wohl alle...

Sandstein
18. April 2019 18:45

In der Tat bin ich froh über diesen Brand. Nicht aus Zynismus. Weil es das einzige ist, was scheinbar aufweckt.
Und ansonsten befassen Sie sich mal mit dem Gedanken des Agent Provocateur. Rechts sein heißt heute Grün wählen.

Können Se gern für pathologisch halten, für mich wirkt es deutlich verrückter von keltisch-germanischen Vorfahren zu schwafeln und irgendwelche Kultplätze christlich "heiligen" zu wollen. Das sind genau die Pesudo-Konservativen, Esoterik trifft auf Aluhut.

Sorry, da gehe ich nicht mit.
Gott mit uns oder niemand.
Lichtmesz hat da schon ganz richtig gefragt: "Kann nur ein Gott uns retten?"

deutscheridentitaerer
18. April 2019 19:09

@Venator

So schaut's leider aus.

Franz Bettinger
18. April 2019 21:04

@Laurenz: Was für einen umwerfenden Eindruck eine Kathedrale im Mittelalter auf die Menschen gemacht haben muss, erfuhr ich nur ein einziges Mal, und zwar bei Annäherung an die Kathedrale von York in Nordengland. Diese ist nicht die größte und nicht die schönste, aber die beeindruckendste (für mich). Warum? Weil das Umfeld - ähnlich wie Sie es an der Lahn beschreiben - unverändert mittelalterlich geblieben ist (sehr im Gegensatz zum hässlich modernen Umfeld des Kölner Doms). York besteht nach wie vor aus hutzelig schiefen ein- oder zweistöckigen Häuschen und engen Gassen. Die ganze, kleine Stadt duckt sich hinter der niedrigen (von W. Wallace einst leicht überwindbaren) Stadtmauer quasi wie Entlein um die Muttergans (die Kathedrale). Unvergesslich!

Der_Juergen
18. April 2019 21:20

@Sandstein

"Dem Manne kann geholfen werden", heisst es am Schluss von Schillers "Räubern". Wer über diesen Brand in Paris froh ist, dem kann nicht mehr geholfen werden, und ich begreife nicht so recht, was er auf diesem Blog zu suchen hat.

Ruewald
18. April 2019 22:18

Herr Lichtmesz, besser kann man es kaum zum Ausdruck bringen. Danke auch, an Dominique Venner zu erinnern.

Mein Vorschlag:
die Notre-Dame-Ruine nicht restaurieren, sondern als "Denkmal der Schande" – zuerst der Franz. Nation, und darüber hinaus ganz Kerneuropas – stehenlassen!

Frankreich hat eine zwiespältige Beziehung zur Notre Dame. Sie wurde in der Franz. Revolution geschleift. In der Gegenwart sträflich vernachlässigt vom Staat, der Eigentümer ist. Die Spendenaufrufe und das Versprechen des schnellen Wiederaufbaus stellen eine Privatisierung der Kosten und ein Ablaß für bisherige(s) Desinteresse und Verantwortungslosigkeit dar.

Unter dem Titel "Bamiyan, Babylon, Palmyra, Notre-Dame" schreibt Pepe Escobar am 16.4.19 auf www.globalresearch.ca :
"Notre-Dame belongs to the French state, which had been paying little to no attention to a gothic jewel that traversed eight centuries.
Fragments of arcades, chimeras, reliefs, gargoyles were always falling to the ground and kept in an improvised deposit in the back of the cathedral.
Recently, the custodians of the cathedral and the French state were actually at war.
The French state was making at least 4 million euros a year, charging tourists to enter the Twin (Bell) Towers but putting back only 2 million euros for the maintenance of Notre-Dame.
Notre-Dame basically survives on donations – which pay the salaries of only 70 employees who need not only to supervise the masses of tourists but also to organize eight masses a day.
The French state’s proposal to minimize the ordeal; organize a beneficent lottery. That is; privatize what is a state commitment and obligation.
So yes: Sarkozy and Macron, their whole administrations, are directly and indirectly responsible for the fire."

Solution
18. April 2019 22:56

Vielleicht wird hier etwas übertrieben.

Unsere Vorfahren waren wohl auch nicht einer Meinung und gespalten:

https://www.youtube.com/watch?v=twOJYCJfai4

Wenn unsere Art zum Teufel geht, dann spielt das wohl kaum noch eine Rolle.

Lotta Vorbeck
19. April 2019 00:27

@Venator - 18. April 2019 - 06:40 PM

"... Natürlich ist die Symbolgehalt dieses Feuer immens. Doch sie wird ja wieder neu aufgebaut. Bunter, vielfältiger, nachhaltiger und klimaneutraler als jemals zuvor. Sie hat also eine strahlende Zukunft vor sich, wie wir wohl alle..."

*******************************

... und je nachdem, aus welcher Richtung der zeitgeistige Wind dann justament weht, läßt sich die "bunter, vielfältiger, nachhaltiger und klimaneutraler als jemals zuvor" wiederaufgebaute Kathedrale - dem aktuellen Bedarf angepaßt - in einen Dukatenspeicher, ein Kühl- oder Lagerhaus, eine Markthalle oder eine öffentliche Badeanstalt umwandeln.

---

Die Christi-Erlöser-Kathedrale in Moskau: Vom Gotteshaus zum Schwimmbad und zurück

Die Sowjets sprengten die einst prächtige Christi-Erlöser-Kathedrale. Heute strahlen ihre goldenen Kuppeln wieder über Moskau. In der Zwischenzeit diente der Standort kommunistischen Prestigeprojekten.

Weiterlesen: https://www.dw.com/de/die-christi-erl%C3%B6ser-kathedrale-in-moskau-vom-gotteshaus-zum-schwimmbad-und-zur%C3%BCck/a-19561486

Laurenz
19. April 2019 04:09

@Sandstein ... Sie haben es genau beschrieben. Dombauten sind imperiale Baukunst im Innern des Staates. Das Politbüro zeigt dem Muschik, daß Widerstand zwecklos ist und er sein Haupt beugen und auf die Knie gehen soll, etwas, was sogar Martin Luther genau erfaßte.
Und etwas mehr Recherche wäre nicht von schlechten Eltern. Der Begriff "heilig", im Altdeutschen "heligo" und im Lateinischen "sanctus" ist in beiden Fällen heidnischen Ursprungs. Helgoland (heiliges Land) ist älter als jede Idee von Kuttenbieslern, Menschen zu Fischen oder Schafen zu degradieren. Wenn Sie andere Menschen treffen, und auch nur etwas Empathie besitzen, bemerken Sie sofort den seltenen Fall, wenn man einem "Heiligen" begegnet. Wenn das Heil mit einem ist, ist die Person ganz im Sein. Körper und Energiekörper sind "eins", was Sie vom kindlichen Begriff des "heile machens" also ganz machen, kennen. Dazu kann man niemanden sprechen, titulieren, wie es Ihre Kurie lächerlicherweise hält. Fast alle Standorte alter Kirchen, stehen an ehemaligen heidnischen Kraftorten. Selbst die Kanzeln wurden genau dort gebaut, wo die Kraft der Rede stark ist. Von daher wirken die Predigten der meisten Pfäfflein auch nicht mehr, weil sie nicht mehr auf die Kanzel steigen, stattdessen ein Mikrophon benutzen. Wenn hier also jemand "heiligen" faked, ist es Ihre Kirche und deren Imposanz. Ein freier Mann braucht das nicht.

@Franz Bettinger, lieber Franz, hier liegt der Hund begraben. Ich bin auch ob der Kunst unserer Altvorderen begeistert. Am besten gefällt mir der Baustil des 2. Reichs. Das III. Reich bemühte sich zu sehr, im Pomp zu vereinfachen. Aber es ist sinnentleert den Nationalsozialisten architektonischen Größenwahn vorzuwerfen, und selbst exakt so zu bauen, wie das heutige NomenKlaturae tun. Aber trotzdem müssen wir uns die Frage stellen, welchen Sinn es machte, so viel Schaffenskraft der Infrastruktur zu entziehen. Als die Normannen 1066 nach Britannien kamen, verteilten sie den Besitz von 3.000 angel-sächsischen Adligen an 200 Normannen und erhöhten die Steuern. Sie bauten erst Burgen, dann Kathedralen, natürlich nur bis Heinrich VIII, der sahnte dann allen kirchlich angehäuften Raub ab. Das 2. Reich steckte, neben Militär, das Geld lieber in infrastruktuerelle Kunst, siehe auch in Limburg, den Bahntunnel https://www.rhein-zeitung.de/cms_media/module_img/3857/1928694_1_mrvwallpaper_image_1a690a69b51ac62d.jpg oder den Schiffarts-Tunnel https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/4/46/MJL_WS03.jpg/800px-MJL_WS03.jpg. Den Kölner Dom fertig zu stellen, ging sicher mit gemischten Gefühlen vonstatten, denn damals waren wir säkular. Dazu hier, immer wieder gut, Dietmar Wischmeyer und sein "Köln, das Kackdorf". https://youtu.be/iDAiV_oQrdI

@Der_Juergen ... hier, für Sie, das Lied des Florian Geyer von der bündischen Jugend (aus den 20ern) ... Wir sind des Geyers schwarzer Haufen - Heyah Heyoh
Wir wolln mit Pfaff und Adel raufen - Heyah Heyoh
Spieß voran - hey! Rauf und ran
Setzt aufs Klosterdach den roten Hahn
Jetzt gilt es Schloß Abtei und Stift - Hey...
Uns gilt nichts als die heil'ge Schrift - Hey...
Als Adam grub und Eva spann - Hey...
Wo war denn da der Edelmann - Hey...
Wir wollen's Gott im Himmel klagen - Hey...
Daß wir die Pfaffen nicht dürfen totschlagen - Hey...
Als Adam grub und Eva spann - Hey...
Wo war denn da der Edelmann - Hey...
Wir woll'n nicht länger sein ein Knecht - Hey...
Leibeigen, frönig, ohne Recht - Hey...
Geschlagen gehen wir nach Haus - Hey...
Die Enkel fechten's besser aus - Hey...
Als Adam grub und Eva spann - Hey...
Wo war denn da der Edelmann - Hey...
Trad., 16. Jhd.

ML: Könnten Sie bitte Ihren arroganten Ton etwas mäßigen? Das Lied ist übrigens aus den 20er Jahren, im bündischen Umfeld entstanden.

eike
19. April 2019 04:56

@Laurenz
Der französische Adel & die katholische Kirche Frankreichs hatten sich eben am dämlichsten, also am größenwahnsinnigsten angestellt, die Freimaurer schlagen, wie jeder andere Aggressor auch, immer an der schwächsten Stelle zu.

Ja natürlich gab es gute Gründe, den Adel und die Kirche in die Schranken zu verweisen. Und das Pulverfaß der 400 000 Sklaven in St. Domingue mußte auch entschärft werden, und Algerien konnte auch nicht ganz französisch bleiben, und die Situation um Danzig war nicht haltbar, usw..

Aber unsere Nachbarn wählten halt in allen Fällen den, in Ihrer Terminologie "dämlichsten, also am größenwahnsinnigsten" Weg, mit dem Resultat:

St. Domingue - einst einst mit Cuba die reichste Gegend Lateinamerikas - ist heute (Haiti) das Armenhaus der Welt, die Algerier - reich an allen Bodenschätzen, aber unfähig, sie zu nutzen - fallen zu Millionen in das gehaßte und einst bekämpfte Frankreich ein. Von Danzig ganz zu schweigen, damit der Kommentar nicht zensiert wird.

Und die "Français de souche" jubeln schwarzen Fußballern aus Afrika und Sprinterinnen aus Guadeloupe zu und finden den Front National "extrême".

Wenn wir nun weinen, wenn ihre Kirchen brennen, dann deshalb, weil sie uns mit in den Abgrund gerissen haben.

JanH
19. April 2019 07:55

„Die Entwarnung, daß es sich nicht um Brandstiftung handele, wurde auffallend früh, schon Stunden nach Beginn des Feuers, ausgegeben.“
Das ist schlichtwegs falsch und eine unredliche Verdrehung. Es hieß in den meisten Quellen, daß man vermute, daß der Brand mit den aktuellen Renovierungsarbeiten im Dachstuhl, im dem das Feuer ausbrach, in Verbindung stehe. Eine plausible Vermutung zu einem frühen Zeitpunkt ist etwas anderes als der „auffallend frühe" Ausschluss einer anderen Ursache (Brandstiftung.)

ML: Sorry, das ist schlichtweg richtig.

Amos
19. April 2019 08:00

@Sandstein hat mit einer Feststellung vollkommen Recht. Wegen einer brennenden Kirche wird niemand Christ. Und nicht alle, die schockiert sind über diesen Verlust sind Christen. Aber um 325nach Chr. begann eben etwas, was die Kultur dieses Kontinentes überformt hat ohne, dass alle seine Bewohner zu jeder Zeit bekennende Christen waren. Im Gegenteil stammt z.B. das Wort Kretin ethymologisch angeblich ab von einer verächtlichen Bezeichnung für Christen. Spätestens seit es Staat im Staate geworden ist gibt es diese beiden Gesichter des Christentums in Europa. Die weltliche Kircheninstitution mit Korruption und Nepotismus bis zur Kinderschänderei heutiger Tage bedeutete seit jeher einen Widerspruch zwischen Wort und Tat. Aber sie streute die Ideen des Christentums und bereitete ein Substrat, auf dem trotz allem die mittelalterliche Ritterlichkeit, die Heiligung der Person und später die Menschenrechte, die Ideen von Gleichheit und Freiheit etc. reiften, wobei der Einfluss Roms und der alten Griechen sicher nicht verschwiegen werden darf. Auf der anderen Seite der Glaube, nach seinem Selbstverständnis eine Angelegenheit der Diaspora, der Minorität und gerade nicht der weltlichen Macht. Der Unterschied zwischen Glauben und dem verbunden Sein mit der christlichen Ideenwelt, dem Kulturchristentum, wird jedem sofort klar, der einmal laut und öffentlich bekannt hat: "Er ist auferstanden, er ist wahrhaftig auferstanden". (machen Sie das mal an Ostern) Der ganze vernünftige Mensch lehnt sich gegen diese Bekenntnis auf, will DAS als hanebüchenen Unsinn abtun. Schon Paulus spricht davon, welche Narrheit der Glaube denen ist, die keinen Zugang zu ihm haben. Es gab vielleicht deshalb in der Geschichte immer wieder Versöhnungsversuche zwischen den Ideen des Christentums, die eine größere Reichweite haben und dem bekennende Glauben mit seinen Zumutungen. In der Regel stellen diese Versuche eine Beseitigung der Zumutungen dar. Diese Zumutungen sind: Jungfrauengeburt, Messianität ohne weltliche Herrschaft, Kreuz, Tod und Auferstehung, Trinitätslehre und Gottessohnbegriff. Vielleicht ist es ein bisschen überinterpretiert, aber man könnte bereits im Arianismus einen Versuch erkennen dieser, der Vernunft widerstrebenden Lehre die Spitze zu nehmen, -Gott kann nicht am Kreuz sterben, etc. Das Christentum war in den ersten dreihundert Jahren stark in die Breite gewachsen und die Zumutungen, die wohl zum Teil auch als Lästerungen empfunden wurden und Konflikte mit dem Monotheismus produzierten, wollten durch Kompromisse entschärft werden. Im Konzil von Nicäa wurde dann der Arianismus verworfen, es setzte sich mit dem Nicäanischen Glaubensbekenntnis wieder die Vorstellung durch, der Sohn sei eines Wesens mit dem Vater. Dies ist um so erstaunlicher, als der Arianismus zur damaligen Zeit Mehrheitskirche war. Am Anfang des Weges der Kirche als Institution steht also auch das Bekenntnis zu einer schwer zu vermittelnden aber gleichwohl als Schatz zu hütenden theologischen Überlieferung. Man kann nur erahnen, was dieses Festhalten für die geistige Entwicklung Europas bedeutete.

Vielleicht wird das deutlich wenn man den andern Weg betrachtet, den der Islam später ging. Sein Standpunkt zu den christlichen Quellen ist bekanntermaßen, die Trinitätslehre als „Vielgötterei“ und die Lehre von Kreuz und Auferstehung und dass Gott einen „Sohn“ haben soll als Lästerung zu verwerfen. Manche Theologen behaupten seine Entstehung sei beeinflusst von arianischen Traditionen, die im Orient fortdauerten. Der Islam kann in diesen Punkten mit viel gutem Willen als früher Versuch gesehen werden, die jüdischen und christlichen Quellen mit dem menschlichen Verstand zu versöhnen und in einen „widerspruchsfreien“ Monotheismus zu überführen. Das Ergebnis, ein rein monotheistischer, aber menschenferner („totalitärer“) Gott und eine schicksalsergebene Lebenshaltung der Gläubigen mit den entsprechenden sozio- kulturellen Folgen seien hier nochmals als zur europäischen Kultur kontrastierend hervorgehoben.

Der Versuch, Gott mit der Vernunft zu versöhnen wurde aber auch im Europa des 18. Jahrhunderts gemacht. Die Aufklärer -Lessing war dem Islam zugeneigt- fürchteten wahrscheinlich Exzess und Chaos einer zwar insgesamt „vernünftigen“, aber gottlosen Welt, konnten sich aber mit der Überlieferung von AT und NT nicht anfreunden. Man führte einen Glauben an das „höchste Wesen“ ein. Robespierre rief sich gar zu dessen Messias aus (Greta lässt grüßen). Wir kennen diesen Glauben nur zu gut, denn er bedeutet den Glauben an den „lieben Gott" und an Jesus Christus als reinen Menschen oder Propheten wobei der Auferstehung maximal symbolischer Charakter zukommt. Er ist heute weitgehend Konsens in den Kirchenleitungen der Amtskirchen. Die badische evangelische Landeskirche gab jüngst ein Gesprächspapier an ihre Gemeinden aus, das kurz zusammengefasst die Worte Pilatus wiedergibt: „Was ist Wahrheit?“ -und das dem Islam genauso „Wahrheit“ zutraut wie dem Christentum. Das Papier, insgesamt eine Wiederauflage der Ringparabel, könnte man auch die Order der Kirchenleitung nennen, den eigenen Glauben auf dem Altar der Toleranz zu opfern.

Zurück zur Notre Dame: die Jakobiner weihten sie irgendwann nach 1793 dem Kult des "höchsten Wesens", bevor sie die Kirche in ein Weinlager (Marx und Opium vorwegnehmend) verwandelten. So betrachtet war die Notre Dame fast schon einmal so etwas wie eine Moschee.

Lotta Vorbeck
19. April 2019 10:12

@JanH - 19. April 2019 - 07:55 AM

„Die Entwarnung, daß es sich nicht um Brandstiftung handele, wurde auffallend früh, schon Stunden nach Beginn des Feuers, ausgegeben.“
Das ist schlichtwegs falsch und eine unredliche Verdrehung. Es hieß in den meisten Quellen, daß man vermute, daß der Brand mit den aktuellen Renovierungsarbeiten im Dachstuhl, im dem das Feuer ausbrach, in Verbindung stehe. ..."

*********************************

Es hieß allerdings auch, daß die ohnehin unterfinanzierten Renovierungsarbeiten zum dem Zeitpunkt als der Dachstuhl der Kathedrale in Brand geriet, noch überhaupt nicht begonnen hatten:

YOUWATCH, 17. April 2019

Keine Restaurierungsarbeiten an Kathedrale Notre Dame?

Paris – Der Chefarchitekt von Monuments Historiques, Francois Chatillon, teilte mit, daß die Restaurierungsarbeiten am Dach der Kathedrale Notre Dame noch gar nicht begonnen hatten. Es hätten deswegen auch keine Schweißarbeiten stattgefunden und die Entstehung eines Hot-Spots aus arbeitstechnischen Gründen sei daher auszuschließen. Lediglich das Gerüst sei vor kurzem aufgebaut worden. Das Feuer ist am 15. April kurz vor 19 Uhr bemerkt worden, als ohnehin niemand mehr gearbeitet hätte. Die Sicherheitsvorschriften für den Umgang mit Feuer und Chemikalien bei der Restauration historischer Gebäude seien aufgrund schlechter Erfahrungen in der Vergangenheit extrem verschärft worden.

Am 18. März brannte die katholische Pfarrkirche Saint Sulpice, die zweitgrößte Kirche in Paris. Es müßte sich um einen unglaublichen Zufall handeln, wenn innerhalb von weniger als 4 Wochen auch noch die bedeutendste Kathedrale der Stadt Feuer fängt. (ME)

[Quelle: https://www.journalistenwatch.com/2019/04/17/keine-restaurierungsarbeiten-kathedrale/]

Imagine
19. April 2019 11:03

@Amos 19. April 2019 08:00
„Spätestens seit es Staat im Staate geworden ist gibt es diese beiden Gesichter des Christentums in Europa. Die weltliche Kircheninstitution mit Korruption und Nepotismus bis zur Kinderschänderei heutiger Tage bedeutete seit jeher einen Widerspruch zwischen Wort und Tat. Aber sie streute die Ideen des Christentums und bereitete ein Substrat, auf dem trotz allem die mittelalterliche Ritterlichkeit, die Heiligung der Person und später die Menschenrechte, die Ideen von Gleichheit und Freiheit etc. reiften, wobei der Einfluss Roms und der alten Griechen sicher nicht verschwiegen werden darf.“

Adel und Klerus – „Schwert und Bibel“ – bildeten die herrschende Klasse. Klassenherrschaft hat sich entwickelt durch die Herausbildung eines Herrschaftskomplexes von Privateigentum, Staat und (Eigentums)Familie (cf. Friedrich Engels). https://marxwirklichstudieren.files.wordpress.com/2012/11/engels-ursprung-der-familie-usw.pdf

Das Christentum war ursprünglich eine Befreiungsreligion. Als Staatsreligion wurde das Christentum ein ideologisches („metapolitisches“) Instrument von Herrschaft, wobei die Kirche zeitweilig auch über Militärmacht verfügte.

Daher der „Doppelcharakter“ des Christentums als als humanistische Befreiungsreligion und repressive und reaktionäre Staatsreligion.

Die ständische Gesellschaft mit Adel und Klerus als herrschender Klasse wurde in Teilen Europas gestürzt durch das revolutionäre Bürgertum.

Jedoch leben wir inzwischen in einem post-bürgerlichen Stadium, von manchen als „Neo-Feudalismus“ bezeichnet, wekches durch plutokratisch-oligarchische Herrschaft sowie Wissenschaftszerstörung, Irrationalismus, Neo-Religiosität und verblödete Massen immer mehr Gemeinsamkeit mit dem Mittelalter aufweist. Zudem hat sich eine Adelsanhimmelei re-etabliert.

RMH
19. April 2019 11:17

Wer ein bisschen "Infotainment" abseits des Mainstreams zum Thema der Zeit mag, in der diese Kathedralen entstanden sind, dem sei das Video von Frank Stoner "Der Mythos des dunklen Mittelalters" empfohlen (ich verlinke nicht, findet man ganz leicht bei YouTube). Sehr nett gemacht, einschließlich dem aus meiner Sicht wertvollen Hinweis auf Karl Walker und dessen Theorien zur Geldwirtschaft im Mittelalter, die derartige Blüten wie den Bau der Kathedralen ermöglicht haben sollen.

Wie immer, bei solchen Unterhaltungssendungen: Es gibt Höhen und Tiefen …

PS: Dank an @Ruewald für den Hinweis auf die bisherige Finanzierungssituation von Notre Dame.

Laurenz
19. April 2019 11:46

@Herrn Lichtmesz ... ich habe die die Bündischen angeführt, [email protected]_Juergen ... hier, für Sie, das Lied des Florian Geyer von der bündischen Jugend (aus den 20ern) ... Wir sind des Geyers schwarzer Haufen...-Zitatende ..... es gibt eben auch andere Quellen im Netz, welche die Weise im 16. Jahrhundert ansiedeln, zB https://www.anarchismus.at/kulturbewegung/liedtexte/5980-des-geyers-schwarzer-haufen

ML: Sie haben geschrieben: "Trad., 16. Jhd."

Wenn Sie meinen "arroganten Ton" ansprechen, wäre ich bei Gelegenheit für ein Beispiel, auch gerne per Epost dankbar. Heiden waren bis in die Wikingerzeit hinein, recht liberal. Das Heidentum bezieht sich auf individuelle Wahrnehmung, nicht auf Schriften, von wenigen schriftlichen Zeugnissen im Übergang abgesehen. Die heidnische Methodik, der Klügere gibt nach, hatte sich als fatal erwiesen. Heiden konnte sich wohl den aus dem Orient stammenden antiken Bolschewismus nicht vorstellen. Wie sollte ich also nach unserer deutschen Geschichte noch eine liberale Haltung als Heide einnehmen können? Ich kann daher nur vermuten, was Sie als "arrogant" empfinden, ist meine Art der Auseinandersetzung mit den Christen im Forum. Auch ein linker Volker Pispers lügt ab und an in Seinen Vorträgen, aber er hat es hervorragend formuliert, "Zum Glück nimmt man die eigene Religion nicht so ernst, sonst wäre man ja auch Moslem", ... Ich nehme jeden ernst, der sich als Christ bezeichnet, aber dann mag er auch zur Geschichte und zu den Inhalten der Schriften stehen und sie verantworten.
@eike ... ja natürlich. Auf den Inseln Mittelamerikas kamen die Indigenen wohl auch ganz gut ohne Europäer klar. Und der Reichtum der Karibik kam wohl auch nur wenigen zugute. Das heute die Mehrheit der karibischen Bevölkerung afrikanisch ist, steht außerhalb unseres Einflußes. Hier stellt sich die Frage, überläßt man die Karibik sich selbst, oder schicken wir weiter Bananen-Company's dahin? Und daß in europäischen Stadien wieder internationale Gladiatoren, wie im antiken Rom, auftreten, ist bedauerlich, aber der Konsument will es doch so. 1/5 der Einnahmen im Fußball kommt vom Eintritt in die Stadien, der Rest aus Werbung und TV-Rechten. Bei Tichys steht gerade ein "lustiger" Artikel, daß der Frauensport zukünftig von genderisierten Männern bestritten wird. Wir müssen doch bloß warten, und die Alternative anbieten.
@Amos ... das haben Sie (historisch) insgesamt schön beschrieben. Einige Punkte mag ich Ihnen zu Bedenken geben. Alle christlich symbolischen Inhalte, die sie benannt haben, sind geklaut, also nicht-christlichen Ursprungs, man könnte wohl von einer Verfälschung sprechen. In der Bibel, wie auch im Quran, kann man Reste des einstigen Schamanismus finden, keine Frage. Aber wie von Eco wunderbar recherchiert und geschrieben, wurden alle Sektierer stalinistisch weggebügelt, es hat seit Nicäa über 1.000 Jahre gebraucht, bis sich ein Widerstand gegen das Politbüro in Rom breit machte.
Selbst bei Carlos Castaneda existieren, wie im Heidentum, mehrere Arten zu sterben. Die nicht geschenkte Auferstehung eines heidnischen Druiden oder Kriegers nennt Castaneda "the fire from within", in unserer Mythologie zieht man eben als privilegierter Jesus nach Walhalla ein, Saufen und Feiern erscheint mir persönlich eben attraktiver als auf einer Wolke Hosianna zu singen. Allerdings stand der Weg im Heidentum vielen offen, das Christentum reduzierte dann die Optionen auf nur eine, um den Unterschied zum göttlichen Politbüro klar zu stellen. Auch die von Ihnen benannte ritterliche Minne bezieht sich mehr auf das Heidentum, ein christlicher Impetus kam erst relativ spät, die Gralssuche ist wesentlich älter als die 7 - 8 bekannten historischen Jesus-Figuren.
Die Jakobiner waren Freimaurer. Freimaurer beziehen sich in ihren proklamierten Werten auch auf das Christentum und den Orient (siehe Mozart "die Zauberflöte"), wollten aber den feudalen Adel, wie die Kirchenfürsten gerne ablösen und beerben. So waren sie natürlich "gezwungen", die Statussymbole ihrer Vorgänger zu entwürdigen. Auch die heidnische SS schändete auf dem Vormarsch in Frankreich gerne Kirchen. Dieses Verhalten ist aber allen Herrschaftssystemen eigen. Wer würde schon von einer Schändung nationalsozialistischer Symbolik sprechen?
Wenn Sie, Amos, über "seit jeher einen Widerspruch zwischen Wort und Tat" schreiben, stellt sich doch zwangsläufig die Frage, ob das Wort nicht deshalb gefallen ist, um die Tat möglich zu machen. Nichts anderes finden wir im Marxismus und bei den Freimaurern. Nicht umsonst verbot unser "100 Tage-Kaiser" Friedrich III, nach Seinen eigenen Erfahrungen, Seinem Sohn Wilhelm II, ganz unüberlicherweise den Beitritt zu einer Freimaurer-Loge.

Hartwig aus LG8
19. April 2019 11:54

Es gibt die These, dass der Bau der gothischen Gotteshäuser nach den Kreuzzügen damit zusammenhängt, dass die frommen Kreuzfahrer erstmals wüstes Land zu Gesicht bekamen und entsetzt darüber waren; und wohl auch unterrichtet wurden, dass diese Wüste einst fruchtbar war, wie ihr begrüntes europäisches Land ... und das sie Kunde erfuhren, dass die Verwüstung einherging mit gottlosem Treiben.

Solution
19. April 2019 12:06

Ist das Christentum nicht wie eine Seuche, die viel zu vielen gerade heute das Mark aus den Knochen saugt? Jener Geister- und Wunderglaube aus der Wüste, der artfremd und pure Gegenevolution ist, kann als dominierende Religion in Europa"gottseidank" nicht wiederbelebt werden.

Ich stelle mir die Frage, was man statt der Sakralbauten anders und noch besser hätte bauen können? Was hätten wir heute an Großartigem - ohne Christentum?

ML: Ich finde das grotesk. Als ob das Vorhandene nicht groß genug wäre; als ob es ohne den christlichen Geist möglich gewesen wäre.

Und immer wieder Nietzsche: Europa ist groß geworden trotz und nicht wegen des Christentums.

Heute stirbt Europa. Der Anteil, den das Christentum daran hat, ist bekannt.

Der_Juergen
19. April 2019 13:22

@Solution

Unter dem Christentum blühte Europa, seit seinem Abfall geht es mit ihm steil bergab. Wer nicht in der Lage oder willens ist, hier einen Zusammenhang zu erkennen, tut mir aufrichtig leid, mag ich in vielen anderen Fragen auch voll mit ihm einig sein.

Allen Autoren und Foristen frohe Ostern, auch denen, die über solche Grüsse nur süffisant lächeln.

JanH
19. April 2019 13:45

@ Martin Lichtmesz

Pars pro toto von mir als Beleg ein Zitat aus der Tagesschau einige Stunden nach Beginn des Brandes (16.4. 0.56 Uhr):
„Das Feuer kurz vor Ostern könne mit Renovierungsarbeiten zusammenhängen, berichtet die französische Nachrichtenagentur AFP unter Berufung auf die Feuerwehr. Es sei auf dem Dachboden ausgebrochen und gegen 18.50 Uhr entdeckt worden. Auf dem Dach der Kathedrale war ein Baugerüst angebracht.“ Auch im Rest der Meldung keine Rede davon, man könne Brandstiftung als Ursache ausschliessen.

https://www.tagesschau.de/ausland/notre-dame-149.html

Dies behaupten Sie demgegenüber in Ihrem Artikel ohne jeden Beleg, entgegnen auf meinen Einwand flapsig „sorry das ist schlichtweg richtig“ und bleiben weiter jeden Beleg schuldig.
Das ist es, was ich mit intellektuell unredlich meinte.

ML: Hier pars pro toto ein Gegenbeispiel. Wer von uns beiden ist nun "intellektuell unredlich"?

Sara Tempel
19. April 2019 13:51

Der wieder einmal ausgezeichnete Artikel des Herrn Lichtmesz steht für sich. - Zu den möglichen Brandursachen habe ich die Befürchtung, daß der tiefe Staat des Macron dahinter steht und es kein Unfall war. Verräterich ist die Aussage der Polizei, daß es sich bei der Brandursache um einen Kurzschluß gehandelt haben soll, wogegen die Angabe eines Polizisten steht, es hätte derzeit noch keine Untersuchung des Brandortes gegeben!

Hartwig aus LG8
19. April 2019 13:52

"Ich stelle mir die Frage, was man statt der Sakralbauten anders und noch besser hätte bauen können? Was hätten wir heute an Großartigem - ohne Christentum? "

@ Solution
Aber bitte, man kann doch besichtigen, was für großartige Bauten in anderen Hochkulturen ohne Christentum entstanden - beeindruckende Tempelanlagen gibt es weltweit.
Dieses "was wäre wenn" ist völlig absurd.
Ich habe nicht geweint, als ich das Feuer sah. Aber drei Dinge gingen mir durch den Kopf. a) die Stärke der Symbolik, die eigentlich durch nichts zu überbieten ist. b) Der Verlust von etwas wahrlich Großem, das unsere Vorväter mit Schweiß, Tränen und (Herz-)Blut erschufen, und was wir weder materiell noch ideell bewahren können/wollen. Und c) Wem nützt der Brand? Da bin ich dann ganz unemotional.

Laurenz
19. April 2019 14:02

@Hartwig aus LG8 ... schon im Gilgamesch-Epos (dem ältesten zusammenhängenden Schriftstück des Planeten) wird beschrieben, daß Versalzung durch Bewässerung und damit verbundene Verdunstung den Boden des Zweistrom-Landes zerstörte. Auch wird exakt beschrieben, wie der Libanon seiner kostbaren, berühmten Zedern beraubt wird, welche bis auf einen heute noch existierenden kleinen Hain, allesamt auf dem Grund des Mittelmeeres liegen. Wenn man sich heute Kriegsberichte aus dem mittleren und nahen Osten anschaut, sieht es, einschließlich Israels, aus, wie eine tote Geröllhalde. Das war auch schon 1.000 Jahre vor den Kreuzzügen so, auch wenn die Römer Infrastruktur erschafften, die wüste Regionen wieder urbar machten. Mit den Einfällen der islamischen Eroberungen hatten diese Bemühungen allerdings ein Ende. Nur im Sultanat Cordoba hatten muslimische Machthaber (abgespaltene Omajaden) einen Sinn für römische Bewässerungstechnik. Die Kreuzzüge sind eher als mißlungener Gegenschlag bezüglich der islamischen Eroberungen zu sehen, um den Krieg wieder weg von Europa - und die Häfen der Seidenstraße am Ufer des östlichen Mittelmeers wieder in christliche Hand zu bringen. Jerusalem wurde wohl von den Jebusitern gegründet, welche dann von den Hebräern eliminiert wurden. Daß für den mittelalterlichen Reisenden Jerusalem eine Enttäuschung war, davon ist auszugehen, vor allem dann, wenn man vorher Konstantinopel gesehen hatte.
@Herrn Lichtmesz .... Solution hat schon recht. Ist wie im Fußball. Die deutsche International-Mannschaft wurde 2014 trotz des Trainers Löw Fußball-Weltmeister. Daß, was Sie an der, in meinen Augen korrekten Aussage von Solution kritisieren, ist die Reichsfrage gegen den Föderalismus. Was ist wichtiger? Sklavenkultur oder Freiheit, mit dem Verzicht auf zentralistisch organisierte Errungenschaften? Wenn Sie Sich darauf einlassen würden, ist das eine Debatte wert.
Es war der wirklich erste christliche Kaiser Theodosius, der anfing, das zumindest Wohlhabenden zugängliche antike Wissen in Klöstern zu monopolisieren, Bibliotheken abfackelte, und antike Kunst in Massen zerstörte, eine bolschewistische Vorgehensweise, die Zerstörung einer bürgerlichen Bildungsschicht. Es macht Freude Umberto Eco zu lesen, und es bringt Erkenntnisgewinn. Erst die Renaissance brachte Europa 1.000 Jahre nach Theodosius dazu, aus dem geistigen Tiefflug-Korsett des vatikanischen Politbüros auszubrechen. Von daher kann man wohl europäische Errungenschaften, wie von Solution betrachtet, bewerten. Sie wurden trotz des Christentums erschaffen, siehe Kopernikus, Galilei, Behaim, da Vinci, um die bekanntesten zu nennen. Ich würde mich freuen, Gegenargumente Ihrerseits lesen zu dürfen.

Sandstein
19. April 2019 14:41

"Ein freier Mann braucht das nicht"

Das ist genau die Geisteshaltung des modernen Menschen, die ich bekämpfe. Der moderne Mensch braucht keine Nation keine Kultur und keine Bindung, sondern kostenloses WLAN und Entfaltungsmöglichkeiten. Das nennt er dann frei und meint kostenlos. Freiheit kostet aber immer etwas. Ich glaube nicht, dass Sie da Wort Freiheit verstanden haben.

Ihre Polemik zum Christentum trifft mich nicht, es ist für mich jedenfalls keine Schwäche, an Gott zu glauben. Diese Demut, nicht alles zu vermögen, gibt sogar Kraft. Aber auch hier glaube ich nicht, dass ein Homo Deus so etwas versteht.

Ps: was ich hier auf der Seite suche, ist doch völlig mir überlassen. Überlesen Sie doch meine Kommentare einfach! Was ich definitiv nicht suche ist kleinkarierte Blasphemie und Thule-Gelaber!

JanH
19. April 2019 15:01

@Lotta Vorbeck

„Es hieß allerdings auch, daß die ohnehin unterfinanzierten Renovierungsarbeiten zu dem Zeitpunkt, als der Dachstuhl der Kathedrale in Brand geriet, noch überhaupt nicht begonnen hätten“

Sie wechseln die Fragestellung. Ob die Renovierungsarbeiten nur in Vorbereitung (Gerüste), erst seit kurzem, schon seit längerem im Gange waren oder vielleicht auch gar nicht im Zusammenhang mit dem Brand stehen hat mit meiner Ausgangsfrage: Wo wurde auffällig früh Brandstiftung ausgeschlossen? nichts zu tun.
Im übrigen: Es heißt immer vieles nach solchen Ereignissen. Ich halte es für Zeitverschwendung jedem jetzt im Internet kursierenden Gerücht, jeder zeitlichen Koinzidenz (al Aksa Moschee - worauf soll das eigentlich hindeuten, durchgeknallte Atheisten als Doppeltäter?) hinterherzuhecheln bevor es überhaupt eine offizielle Erklärung für die Ursache des Brandes gibt. Wer das tut, macht sich und seine Sache lächerlich und gibt den Affen, die alle ernsthaften rechten Oppositionellen zu Spinnern erklären, unnötig Zucker.

Lotta Vorbeck
19. April 2019 15:31

@JanH - 19. April 2019 - 03:01 PM

"... bevor es überhaupt eine offizielle Erklärung für die Ursache des Brandes gibt. ..."

*******************************

Gut - dann eben anders gefragt:
Wovon träumen Sie eigentlich nachts?

JanH
19. April 2019 15:41

@ Martin Lichtmesz

„Hier pars pro toto ein Gegenbeispiel, wer von uns beiden ist nun „intellektuell unredlich“?

In Ordnung, kannte ich tatsächlich nicht und gebe Ihnen an diesem Punkt recht. Wenn die Washington Times hier die Aussagen der Untersuchungsbehörden richtig wiedergibt, ist das ein tendenziöser Ausschluß einer möglichen Ursache (Brandstiftung/Terroranschlag) durch die zuständigen Behörden. Insofern nehme ich meinen Vorwurf zurück.

Imagine
19. April 2019 16:01

Je nachdem, wer auf Notre Dame blickt, wird er etwas anderes erkennen:

Für den gläubigen Christen ist Notre Dame ein Symbol seines Glauben und bestärkt ihn in seinem Glauben.

Der europäische Suprematist wird darin die Überlegenheit des Geistes europäischer, weißer Menschen sehen.

Der Humanist wird darin eine großartige Schöpfung des menschlichen Geistes und seiner Tatkraft sehen, als Ausdruck des „Götterfunkens“ im Menschen und der Großartigkeit der Schöpfung insgesamt. Als Kosmopolisten werden vor seinem inneren Auge Bilder von großartigen Werken von Menschen auf der ganzen Welt erscheinen.

Selbstverständlich kann beim Anblick von Notre Dame auch Destruktionslust entstehen.

RMH
19. April 2019 18:28

"Selbstverständlich kann beim Anblick von Notre Dame auch Destruktionslust entstehen."

Und damit wären wir wieder bei dem im Artikel genannten Film "Rosemary´s Baby" - "Hail Satan!" wurde im direkten Anschluss, nachdem die Protagonistin an dem Bild der brennenden Kathedrale vorbeigegangen war, mehrfach gerufen, was auch der wahre Schlachtruf aller internationalen Sozialisten/Kommunisten sein müsste, wenn sie auch nur ansatzweise in der Lage wären, ihr Denken und Tun spirituell einordnen zu können.

Niekisch
19. April 2019 18:46

@ deutscheridentitaerer 18.4. 18:20: ich bezweifelte nur, daß eine Mutter der Schaden an einer Kirche tiefer erschüttert als das Fallen der Söhne im Krieg.

Im übrigen wünsche ich a l l e n Autoren und Foristen frohe Festtage, wie auch immer sie zum Thema stehen. Übertreibe ich, wenn ich sage, daß Traditionales und Transzendentes für fast alle Teilnehmer zumindest bedeutsam sind und bei etwas gutem Willen ein Brückenschlag möglich sein muß? Immer können wir doch auch die Liebe zu Volk und Land als einendes Band flechten.

Robert
19. April 2019 20:27

Ja, es geht um „Respekt“ und auch mehr. Auch um Verpflichtung, weil man selbst Teil dieses kulturellen Lebens ist. Weil man mit dem Verlust solcher kultur-religiöser Monumente auch den Schmerz eines eigenen Verlustes fühlt.

Und: Ahnenkult ist bereits „Glaube“, ist bereits religiös – weniger bei den Christen, aber dafür umso mehr bei den Nicht-Christen, den Neu-Heiden.

Ich kann schon gar nichts mit dem Pathos eines Rod Dreher anfangen, genauso wenig mit seinen Begründungen aus der christlichen Glaubenswelt. Das ist geistig-religiöses Mittelalter und ist mit den rationalen politischen und wissenschaftlichen Erkenntnissen und irrationalen Tiefen einer natur- und lebensreligiösen Glaubenswelt andererseits längst nicht mehr versöhnbar; die christlichen Erklärungen und Begründungen sind uns über die Jahrhunderte und besonders heute fremd geworden.

Wobei man durchaus bei dem Wort, daß „Notre Dame Wahrheiten verkörpere“ bleiben könnte:
Notre Dame pars pro toto ist natürlich historisch ja im Zeichen des christlichen Kreuzes zu sehen, aber müssen wir denn heute ihre wahre Bedeutung nicht anders und neu reflektieren? Nämlich nicht als Monument einer starren, ewig gleichbleibenden religiösen Sicht der Dinge, sondern vielmehr als Dokument einer religiösen Epoche der Völker Europas, wo wir auch die Entwicklung unseres kollektiven religiösen Seelenlebens aufspüren, darüber sinnieren könnten, also auch mit religions-geschichtlichen und -psychologischen Augen an die Dinge herangehen und uns von den starren, uns hemmenden Dogmen einer uns doch immer im Kern fremd gebliebenen Lehre befreien könnten, hin zu einer wahren, mit unserem Wissen in Einklang stehenden Religiosität?

Und: Welche Dimensionen der „Wahrheit“ vermag eine letztlich manichäische christliche Lehre vor allem heute noch zu erfassen?
Die volkstümliche? Die, einer an Scholle, Brauchtum und Raum gebundenen Volks-Frömmigkeit? Die kulturell-historische? Oder vielleicht gar eine evolutions- und religionsgeschichtliche?

Die ur-christliche Wahrheit bleibt in alle Ewigkeit eindimensional, also ungeschichtet, sie vermag nicht auf unser reales – vor allem auch: nationales - Leben Bezug zu nehmen und es religiös zu vertiefen bzw. zu überhöhen – im Gegenteil, wie man heute es einfach sehen muss, wie es von den Kanzeln und Bildschirmen schreit: sie ist diesem großen Desiderat entgegengerichtet.

Ach, die „Strafe Gottes“ und die „Anwesenheit seines Widersachers“ (@Lichtmeß): Der eine läßt uns in auffälliger Weise in unserem nationalen Elend schon lange allein, er scheint sich andere Völker oder ein anderes Volk erwählt zu haben, wohingegen sein „Widersacher“ offenbar bei uns schon längst die Alleinherrschaft – und das auf Dauer – angetreten hat. Ja, hat dieser „Gott“ uns wirklich auch schon einmal im Auge gehabt, uns geliebt, uns geholfen? („Hilf Dir selbst, dann …!“).

Kultivierte, auch und besonders wenn sie Neu-Heiden sind, sehen in christlichen Denkmälern doch die Komprimierung geistig-kulturellen Lebens, ihr Betreten, so behaupte ich, läßt es einen sinnlich und intellektuell erfahren (Voraussetzung: Ruhe, Abgeschiedenheit!). Ja, und auch das „Religiöse“, in damaligem Gewande christlicher Heils- und Erlösungslehre, vermittelt es uns irgendwie schon auch – mit allem Respekt und Verständnis für ihre (damaligen und heutigen) Gläubigen.

Wird aber den Neu-Heiden dieses Verständnis, diese Toleranz, auch zuteil?

Wir erleben das auch im Wissen und Bewußtsein, daß die Kirche sich für ihre Standorte alte germanische Kultplätze, die man als heilige „Kraftorte“ ansah, ausgesucht hat (siehe auch @Laurenz, 19. April 2019 04:09); also kein notwendiger Gegensatz zwischen Kultur und Religiösem – es ist vielmehr der Kern von Kultur, sein Succus. Und das macht uns diese Stätten – neben den ursprünglich ureuropäisch und germanischen in erster Linie – gerade für uns Nationale so wertvoll und "heilig".

Die moralischen Vorstellungen jener Zeitgenossen jedoch, die in den von Lichtmeß genannten zeit-symptomatischen Beispielen sichtbar werden, atmen den Geist der christlichen-universalistischen, Einheits-Welt-Lehre bzw. Fernsten-Mitleidsmoral – und zwar in ihrer Essenz und ihrem Endstadium. Und genau darin wird das religiöse Dilemma/Kontroverse, - es mag auch an ein Verhängnis gemahnen (Nietzsche: Das mögliche Scheitern Europas an der religösen Frage!), der Rechten heutzutage sichtbar:

Die einen hängen einem, stark an Formalismen und Riten gebundenen Konservatismus nach, die anderen Rechten sehen jedoch das Konservative dynamisch, als Mittel zum Zweck zu etwas, das „über“ den Prinzipien „konservativ“ bzw. „progressiv“ steht: Nämlich, das Leben selbst im individuellen wie im über-individuellen (völkischem) Sinne, wie wir es in der Natur, außerhalb und innerhalb von uns, erkennen können (Goethe: „Der Sinn des Lebens ist das Leben selbst“).

Die einen glauben, daß diese zeitbedingte, und damals vielleicht auch unausweichliche (Spekulationen sind müßig!) Synthese zwischen Kultur und Christentum bis heute und in Zukunft unauflöslich wäre, weil sie einander angeblich bedingten bzw. befruchtet hätten (mag auch sein!?), die anderen jedoch fordern heute hingegen die Abnabelung von dieser nur noch als naiv und weltfremd zu bezeichnenden Lehre – und zwar eben genauso aus religiöser Notwendigkeit – hervorgehend aus einer neuen erkenntnis-philosophisch-religiösen Synthese – fernab von einer Buchreligion. Das respektvolle und geduldige miteinander Sprechen und Zuhören zwischen diesen beiden Lagern wäre die politische Notwendigkeit dafür – sonst könnte man wirklich an den großen „Widersacher“ zu glauben beginnen.

Solution
19. April 2019 21:49

"There is a God in man...and in nature."
https://www.youtube.com/watch?v=aGx9qkduIIs

Was für ein Dilemma: Die Linken, Liberalen und Pseudo-Konservativen, haben miteinander anscheinend kein Problem bezüglich des Christentums, ist dieses doch auch auf dem auch von ihnen beschrittenen Weg des Selbstmordes. Die Rechten sollten daraus lernen und die Religion nicht zu einem Thema der Spaltung werden lassen. Dennoch ist es unvermeidbar, auch den "rechten" Christen eine rote Linie aufzuzeigen.

Nach der durchaus empfehlenswerten Lektüre von "Rechtes Christentum" (Ares) ist für mich klar, daß es aussichtslos ist, beim Christentum auf eine Wende zu hoffen. Wahrscheinlich liegt es daran, daß das wahre Christentum eben so sein muß, wie es heute ist.

Sandstein
19. April 2019 22:04

@robert

Nein, Gott lässt uns nicht allein. Wir haben Gott vergessen, so einfach ist das.
Und jeder Neuheide der mit Okkultismus und Sonnenwende um die Ecke kommt, verkörpert das.

80% der Ostdeutschen sind konfessionslos. Danke an den Tumor "el communsismo", und dann gibts sogar noch Deutsche, die stolz auf ihre Gottvergessenheit sind und das für eine Tugend halten.

Mag jeder glauben was er möchte. Deutsche waren jedenfalls immer Christen. Die letzten germanischen Heiden waren Alamannen. Wer das fortleben möchte kann das tun, soll dann aber Vokabeln wie Abendland und Kirche einfach auslassen. Komischerweise mischen so Leute aber mit Vorliebe Kelten Germanen Triskele und Opferkult und europäische Geschichte in einem großen Kessel. Rauskommt eine Kultursoljanka. Wem's schmeckt!

Imagine
19. April 2019 22:38

Hitler wollte Paris zerstören.

„Paris darf nicht oder nur als Trümmerfeld in die Hand des Feindes fallen", so lautete der letzte Satz des Führerbefehls vom 23. August 1944.
https://www.n-tv.de/leute/film/Warum-Paris-noch-steht-article12975426.html

Dietrich von Choltitz war Kommandierender General und Wehrmachtbefehlshaber von Groß-Paris. Er war von alliierter Seite mehrfach unmissverständlich gewarnt worden, dass er als Kriegsverbrecher und nicht nur als Kriegsgefangener behandelt werden würde, sollte er den Zerstörungsbefehl ausführen.

Das Problem der Deutschen ist, dass sie sich in der Geschichte nicht nur als kriegerisches Volk, sondern zudem als zerstörerische und anti-humane Psychopathen geoutet haben.

Gerade die Deutschen sollten daher ein Interesse haben, eine Position zu vertreten, die Verhalten nicht mit genetischer Determiniertheit erklärt. Wobei diese Position – auch in Deutschland - allerdings nur noch von einer Minorität im rechten Milieu vertreten wird.

Nemesis
19. April 2019 23:59

@alle
Nicht was jemand glaubt oder nicht glaubt ist das Entscheidende.
Unsere Handlungen oder Nichthandlungen sind es.

Mir sind im Laufe meines Lebens wunderbare Menschen begegnet:
Es waren Christen, Atheisten, Moslems, Anhänger paganer Glaubensrichtungen und Agnostiker.

Mir sind im Laufen meines Lebens Menschen begegnet, die ich nicht in meiner Nähe haben will:
Es waren Christen, Atheisten, Moslems, Anhänger paganer Glaubensrichtungen und Agnostiker.

Es hat mich gelehrt:
Nicht was jemand glaubt oder nicht ist das Entscheidende:
Seine Handlungen sind es.

Er hier bringts auf den Punkt:
https://www.youtube.com/watch?v=xSpfcRVRMc4

Claire
20. April 2019 07:03

Um den Brand von Notre-Dame und die vorausgehenden Kirchenbrände (u. andere Zeitereignisse) im richtigen Licht sehen zu können, MUSS einfach die aktuelle Prophetie, in der der Hl. Geist sich uns heutigen Menschen mitteilt, die deutende Führung übernehmen; andernfalls bilden sich einseitige menschliche Meinungen mit mehr oder weniger richtigen Aspekten und falschen Schlussfolgerungen - die man nicht unterdrücken soll - denn - ob gut oder böse - das soll es letztlich alles geben und bekommt seine Zeit von Gott. (Es laufen unter Berücksichtigung der menschlichen Willensentscheidungen tatsächlich uns unbekannte Fristen für mehr oder weniger alles ab.) Egal ob das Feuer in Notre-Dame durch einen technischen Defekt, Unachtsamkeit, extreme Muslime oder die Freimaurer-Elite verursacht wurde, ist es als symbolischer Ausdruck für die Schwäche des westlichen Christentums und der aus ihm entstandenen u. ohne es langfristig nicht lebensfähigen Kultur als negatives Ereignis zu betrachten, das von Gott aber zugelassen wurde. Statt nun über den Verlust des westlichen Christentums bzw. seiner Kultur mit dem scheinbar zwangsläufigen Sieg des Islam zu spekulieren oder auch den aus hochgradig blasphemischem Irrtum und leider ekelhafter Selbstüberhebung herrührenden Suizid Venners als heroisches Fanal zu mißdeuten, hat Gott doch selbst mitgeteilt, dass letztlich alles gut werden wird: z.B. dadurch, dass die Kathedrale nicht vollständig zerstört wurde, die Rettung der Dornenkorne und auch das Läuten von Kirchenglocken in der ganzen Welt, die immer den Namen Jahwe verkünden (Jahwe = das Wort), der als Herr der Geschichte in Wahrheit siegen wird. Es bedeutet symbolisch wohl auch, dass ein Teil der westlichen Kultur vergehen wird, der man nicht als einem über einige Jahrhunderte gewachsenem Gebilde stolz (starr) , ggf. liebend - und - je nach Temperament - melancholisch nachtrauern sollte. Nichts bleibt ewig auf dieser Welt bis zu der Zeit, in der alle um einen Tabernakel den einen christlichen Gott anbeten werden; nur müssen wir die Art, mit welchen Mitteln und wie gefühlt lange das dauert (Ps 90,4)- schon Gott überlassen und seinen in der heutigen Prophetie durch den Heiligen Geist gegebenen Offenbarungen folgen.
D.h. auch wenn wir durch eine Zeit von voraussichtlich großen Verwerfungen und schrecklichen Ereignissen gehen (werden), dient es dem Kommen des Paradieses auf Erden - wir gehen nach dem verbitterten Endkampf Satans wunderbaren Zeiten entgegegen und sollen mit dieser Hoffnung (im biblischen Sinn) schon heute in der wahren Freude sein.
Auch z.B. die Migration nach Europa ist so zu sehen: Gott benutzt die Schwäche der westlichen Kultur und die mittlerweile tief eingesunkene, aber auch von der Gegenseite schon detaillert durchanalysierte verdrehte Haltung der Herrschenden zu unserer Kultur und Identität, damit kulturfremde Menschen einwandern, von denen sich viele einmal zum Christentum bekehren werden ("Du hast dich denen geoffenbart, die Dich nicht suchten, Du hast jenen Deinen Thron gezeigt, die Deinen Namen nie geehrt hatten; und nun sind es gerade diese, die kommen, um Dich zu verehren und anzubeten. Sie sind es, die Dir treu bleiben werden, denn Du, der Du das Lamm bist und auf dem Thron sitzt....(Off 14,4, Gebet vom 28.12.1993) . Auch westliche Christen in einer noch unbekannten Form und Menge werden bleiben, und den Deutschen sei daher dieses von Jesus gegebene Gebet empfohlen: Gebet für Deutschland - "Mein Gott, mein Gott! Du, Du selbst bis die Leuchte für Deutschland. So gib Deutschland Augen, die mit Deinem Licht sehen können oder es wird im Todesschlaf versinken. Befeuchte Deutschlands Lippen mit Gnaden, damit es Dich mit Ehre und Lobpreis anbeten kann. Ermutige Deine Tochter und bedecke ihren Pfad mit Saphiren 1), um sie zu stärken und zeichne Deinen Namen in Öl auf ganz Deutschland. O Geist der Liebe, heller als tausend Sonnen, Säule von Weihrauchduft, wenn sie aus tiefstem Herzen zu Dir den Schrei ausstoßen wird, komm aus den Höhen herab, denn Deine Herrschaft ist unendlich. Neige Dich zu ihr hernieder, und von Deinen Lippen gib ihr Deinen Namen - ihre Seele mit heiligem Öl salbend; und in der Größe Deiner Liebe wirst Du sie majestätisch schmücken, ihre Nachktheit 2) mit Deinem göttlichen Siegel bekleiden und sie so ganz Dir zu eigen machen für immer und ewig. Amen."
1) Saphire = Tugenden
2) Nacktheit = ohne heiligen Geist
Grundlage: Wahres Leben in Gott (die größte Prophetie unserer Zeit; Gesamtband im Parvis- Verlag); das Gebet wurde Vassula Ryden bei einem Deutschlandbesuch am 30.11.1997 gegeben, "...damit Deutschland ein schöner Garten für Gott wird"; www.tlig.org/de

Laurenz
20. April 2019 07:24

@Robert .... was Neu-Heiden angeht, so stimme ich Ihnen relativ häufig zu, daher eine gewisse Scherzhaftigkeit, daß die Klamotten von Thor und Freya kuhler sind, als die Kutten von irgendwelchen Michaels und St. Bonifatzens. Monty Python drückten es in das Leben des Brian recht genau mit der heiligen Sandale aus (https://youtu.be/Ka9mfZbTFbk), wobei Vorsicht in der Beurteilung geboten sein kann, was moderne Klima- oder unmenschliche Gleichheits-Religionen angeht. Wie will man beurteilen, was von sogenannten "Influencern" irgendwo unten ankommt. Normale Menschen lügen häufig jeden Tag, auch bei Meinungsumfragen.

Was allerdings Ihre Aussagen zu Altvorderen angeht, so argumentieren Sie unwissenschaftlich. Um eine Kultur aufzubauen, brauchen Sie immer noch 1.000 Jahre, vernichten kann man sie in einer Woche. Was unsere Kathedralen als Nachfolger der Heiden-Kultplätze angeht, so ist zu bemerken, daß normale christliche und islamische Mission gescheitert war. Mohammed hatte nach Seiner friedlichen 13 jährigen Phase in Mekka 150 "Follower" bevor er nach Medina ging und ihm die 10 Jahre als Massenmörder durchschlagenden Erfolg brachten. In Rom war das Christentum vor allem bei Räubern und Mördern beliebt, die das mit der Vergebung gut fanden. Auch in Europa scheiterte die einfache Mission, die wenigsten wurden freiwillig Christen. Interessant ist doch, was die Aufgabe eines Ahnenkults bedeutet. Heute gehen Christen in einen Tempel, dessen oberste Gott-Stellvertreter die eigenen Vorfahren knechteten, mordeten und zwangen diesen artfremden Tempel zu bauen, und das bisherige freie Leben aufzugeben. Liberalismus im ursprünglichen Sinne bedeutet immer Naivität, Blauäugigkeit. Im spirituellen Sinne hat dies Vorteile, weil die Wahrnehmung weniger belastet und von Vorurteilen bestimmt ist. Im geo-politischen Bereich ist Naivität eher von Selbstmord bedroht. Die Folgen der Leiden des jungen Werthers mögen von echten Gefühlen bestimmt sein, bleiben aber trotzdem religiös. Die jungen Werther werden aussortiert.

quarz
20. April 2019 07:47

@Robert

"Das ist geistig-religiöses Mittelalter und ist mit den rationalen politischen und wissenschaftlichen Erkenntnissen ... längst nicht mehr versöhnbar"

Politische Erkenntnisse gibt es ohnehin nicht. Es gibt nur politische Entscheidungen, die teilweise auf nichtpolitischen Erkenntnissen und teilweise auf Präferenzen beruhen. Aber an welche wissenschaftlichen Erkenntnisse denken Sie, wenn sie Unversöhnbarkeit unterstellen?

Laurenz
20. April 2019 09:50

@Solution ...... Der Erfolg des Islamismus bei westlichen Kirchenoberen ist die Verführung, territoriale, geistige und gesellschaftliche Ausgrenzung Andersdenkender wieder salonfähig zur Staatsraison machen zu können.

@Imagine .... In der historischen Betrachtung von kultureller Zerstörungswut gaben sich weiße Nationen nichts. Im weltweiten Vergleich waren die Deutschen mangels Kolonien eher am meisten zurückhaltend. Die Frage was Rechte lernen sollten, kann man auch anders beurteilen. Wenn das Kaiserreich, das III. Reich, die Bonner Republik und der Berliner Sauhaufen gescheitert sind, sind Reminiszenzen an die Vergangenheit, ob Religion oder Kultur zwar nett zu betrachten, aber vielleicht auch in der Realität, zumindest geistig, in der Konsequenz zu begraben. Die Linken hängen seit 3.000 Jahren am Orientalismus, von dort werden wir keine Unterstützung in der Erschaffung des Neuen erhalten. Daher müssen wir dazu bereit sein, das Gescheiterte als gescheitert zu betrachten, und uns was Neues, besser funktionierendes, einfallen zu lassen und zu erschaffen.

@Nemesis .... der Bibelspruch, "nicht an ihren Worten, sondern an ihren Taten werdet Ihr sie erkennen", ist natürlich nett. Aber der Mann hat Unrecht, gerade abrahamitische Religionen erschaffen das Böse, weil sie es unbedingt (bedingungslos) brauchen, um sich von ihm zu unterscheiden. Das ist die wesentliche Jahrtausend-Aussage Goethes im Faust. Um Ihnen ein Beispiel zu geben .... in vielen Regionen des Planeten führt eine Erderwärmung zu einer Verbesserung der Situation, aber das wird totgeschwiegen. Eine Akzeptanz des Standpunktes der dort lebenden Menschen, würde der Klima-Religion sofort das Genick brechen, weil man dadurch nicht mehr automatisch mit der Stimme für die "Grünen" einen Ablaßbrief erhalten würde.

RMH
20. April 2019 10:16

"Was unsere Kathedralen als Nachfolger der Heiden-Kultplätze angeht,"

Da die These, dass die Kirchen angeblich irgendwelche heidnischen Kultplätze okkupiert und für sich weiterverwendet hätten, hier im Forum jetzt so oft gebracht wurde und damit quasi als "Wahrheit" schon fast durch zu gehen scheint, möchte ich dieser These der guten Ordnung einmal widersprechen.

Klar, auch ich habe als junger Mann Bücher wie "Luzifers Hofgesind" (O. Rahn) mit fast schon Begeisterung gelesen, aber letztlich wird hier und auch an anderen Stellen auf einer geringen historischen Grundsubstanz ein eigenen Wunschbild errichtet. Das ist ein Stück weit romantisch und nachvollziehbar, aber eben am Ende a-historisch, insbesondere, wenn es dabei um Deutschland geht und nicht um Orte des alten römischen Imperiums, wo es selbstredend auch tatsächlich mehr Tempel und Kultplätze gab (das ist ja auch eine der Fragen im Hinblick auf den "Glauben" unserer Ahnen - sie waren offenbar keine großen Tempelbauer und Kultplatzgestalter).

Auch in Deutschland gibt es mit Sicherheit kleine Kirchlein und andere sakrale Bauten, an denen vor Urzeiten mal irgendein - ja, was war es denn, bei den Germanen? Priester, Schamane - wie wollen wir ihn/sie benennen? - mal irgendetwas geopfert hat. Die Masse der Siedlungen, die dann als Zentrum des Ortes, der neuen Stadt etc., eine Kirche überhaupt erst benötigte, waren aber doch eher Neugründungen (gerne an den Ortszusätzen wie "Roda", "Rieth", "Reuth", "Rupp" etc. erkennbar - als von Mönchen, Christen veranlasste Rodung von Wäldern zur Gewinnung von Ackerland). Für bspw. die romanischen Dombauten meiner fränkischen Heimat in Würzburg und Bamberg ist mit nichts belegt, dass hier irgendwelche "Kultplätze" irgendwann einmal waren, wo heute die Dome stehen, was auch nicht verwundert, da gerade die großen Kirchen erst in einem Zeitalter gebaut wurden, wo es wirtschaftlich möglich war, wo die Siedlungsform der Stadt, die eben gerade erst mit dem Christentum einherging, sich etabliert hat und wo das Heidentum formal schon nicht mehr existierte (geistig - im Hintergrund, als "Matrix" oder Blaupause für gewisse Weltanschauungen, Einstellungen, Glaubensvorstellungen und auch konkrete Handlungen und Riten quasi, existierte es dagegen noch Jahrhunderte, ja bis in die Neuzeit hinein - in manchem ländlichen Orten gab es bis in meine Jugendzeit bspw. Frauen, die als "Kräuterhexe" bezeichnet wurden - ohne Aufstand der örtlichen Kirche oder gar dem Versuch, die Damen dem Scheiterhaufen zuzuführen etc.).

Zusammengefasst: Mit der Christianisierung fand in Deutschland gerade erst die Phase der Orts- und Gemeindebildung, der Rodung von Wäldern (klar, jetzt kommt der Einwand, dass waren ja alles "heilige Haine") und der Städtegründung statt und damit wurden die Kirchen überwiegend auch an Stellen gebaut, die vorher mitnichten Kultplätze der vorhergehenden Religion waren (wie geschrieben, dies mag im römischen Reich anders gewesen sein - wir sprechen hier aber von Deutschland!).

Ich habe ja großes Verständnis dafür, dass man gerade so etwas wie die Kirchen - auch heftig - hinterfragt, aber das Christentum ist die letzte, ernsthafte historisch greifbare und gut dokumentierte Religion in unserem Land - alles andere ist zum großen Teil eben Phantasie oder von Nordländern auf unser Land übertragenes (auch diese norischen Quellen stammen übrigens aus christlichen Aufzeichnungen). Seriöserweise lässt sich damit rein politisch auch nichts mehr anfangen - ganz im Gegensatz zum noch manifesten christlichen Abendland, auch wenn wir aktuell z.T. vor dessen rauchenden Ruinen stehen.

In diesem Sinne auch von mir:
Gesegnetes Ostern!

Imagine
20. April 2019 10:22

Reinhold Oberlercher schrieb in den 70-er Jahren in einem Artikel, dass die politischen Parteien moderne Kirchen seien. Also ideologische Organisationen, wo oben die bezahlten Priester sind und unten das zahlende Parteivolk.

Politische Bewegungen – ja Politik insgesamt und heute besonders – zeichnen sich durch Religiosität aus. Der Marxismus-Leninismus ist eine Diesseitsreligion mit dem Glauben an das Proletariat als revolutionärem Subjekt und Erlöser von dem kapitalistischen Übel.

Auch der Nationalsozialismus – insbesondere der Hitlerismus – war eine Religion. Wilfried Daim analysierte im Buch „Der Mann, der Hitler die Ideen gab.“ die Hitler-Ideologie als „pervertiertes Christentum“, vermischt mit Rassismus. Hitler war der große Führer, der Messias und Erlöser der Deutschen vom Übel des verlorenen Krieges und des Versailler Vertrags.

Die postmodernen Linken und Grünen glauben wie 90+% der Bevölkerung an Markt und Geld als die neuen Götter, gemixt mit Feminismus, Multikulti, Ökologismus, Veganismus etc. Die grüne Katrin Göring-Eckardt vermischt Neoliberalismus mit Christentum und kommt in höchste Kirchenämter bei den Evangelischen.

Die prämodernen, völkischen Rechten glauben an Volk und Rasse, sie hoffen auf einen Aufstand des Volkes, vor allen der „Somewehres“, also der „unflexiblen“ und „immobilen“ unteren Schichten, insbesondere im Osten Deutschlands.

Religion wird vom Marx als „Opium des Volkes“ bezeichnet. Religionen sind sozialregulative Realitätskonstrukte, welche den „Verlierern“ – den Geknechteten und Erniedrigten - Trost und Hoffnung spenden und sie zum unterwürfig-friedlichen Weitermachen motivieren sollen.

Aber es gibt auch (Pseudo)Befreiungsreligionen die das Gegenteil wollen. Deren Priester und Führer predigen Revolution und wollen selbst an die Macht. Für Freud sind Religionen kollektive Neurosen, Realitätskonstrukte und Narrative, deren psychologische Funktion die gleiche ist wie bei den individuellen Neurosen. Neurosen haben tiefenpsychologisch die Funktion einer Droge. Die Individuen verdrängen und vermeiden damit unangenehme Gefühle.

Der Hitlerismus war eine völlig anachronistische Religion, eine Regression in ein vormodernes und vorbürgerliches Stadium. Irgendwie war das den Nazis auch unbewusst klar, dass der Hitlerismus in den Untergang führen wird, es zeigte sich an ihren nekrophilen Symbolen.
In der analytischen Sozialpsychologie von Erich Fromm ist unter Nekrophilie eine Charakterorientierung zu verstehen, die in Verkehrung der biophilen Kräfte des Menschen im modernen Sozialcharakter eine zunehmende Tendenz zur (Selbst)Zerstörung zeigt. Es ist Ausdruck eines pervertierten Lebens, wo die Libido zur Destrudo wird.

Der_Juergen
20. April 2019 12:25

@RMH

Danke für Ihre letzten Beiträge, die zu den besten und treffendsten auf diesem Strang gehören. Sie entschädigen mich für etliches, was "tintenklexende Buben" (Schopenhauer) hier zum besten geben, etwa jener dreiste Schmierer, der DIE Deutschen (er verwendet den bestimmten Artikel!) als "zerstörerische und anti-humane Psychopathen" betitelt, weil er offenbar von sich selbst auf das Volk schliesst, dem er angehört.

heinrichbrueck
20. April 2019 12:49

"Auch der Nationalsozialismus – insbesondere der Hitlerismus – war eine Religion."

Und wie lautete das Dogma? Hitler kritisierte Rosenbergs Mythus, entpuppte sich dabei als Positivist.

Gustav
20. April 2019 13:25

Eine identitäre Perspektive sieht Notre Dame als nicht bloß mit einer Religion oder Werten verbunden sondern auch mit unserem Volk.

Oswald Spengler sah gotische Kathedralen wie Notre Dame als Ausdruck der faustischen Seele. Sie fingen den Weltgeist der hohen Wälder des Nordens ein, der „Wipfel, die darum kämpfen, der Erde zu entfliehen.“ Ungeachtet des innerhalb seiner Mauern praktizierten Glaubens verkörperte Notre Dame die Essenz des westlichen Menschen. Dies war ein Monument, das niemals von äthiopischen Christen hätte hervorgebracht werden können. Es konnte nur von uns geschaffen werden.

Dies ist ein Faktor, der von anderen nie berücksichtigt wird. Ja, die Kathedrale wurde von Männern Gottes erbaut – aber sie waren weiße Männer. Sie konnte nur von spirituell gesunden Europäern geschaffen werden. Entwurzelte Architekten von heute könnten sie nie nachmachen. Die Werte, die durch Notre Dame ausgedrückt wurden, waren nicht jene der Aufklärung, oder irgendetwas anderes, das heute von „respektablen“ Konservativen als „westliche Werte“ hochgehalten wird. In seiner Essenz war es vielmehr zutiefst reaktionär.

Jene Nichtweißen, die den Brand von Notre Dame feierten, verstanden etwas daran, das die meisten Konservativen nicht kapierten. Es repräsentierte weiße Menschen und ihre Zivilisation. Das ist der Grund, warum sie seine Zerstörung bejubelten.

Wann immer die westliche Zivilisation von ihren Verteidigern zur Sprache gebracht wird, bedeutet sie eines von drei Dingen: es werden ihre „Werte“ beschworen, ihre Religionen oder ihre Menschen. Die erste ist die akzeptabelste und populärste Bedeutung. Die zweite ist etwas weniger gängig, aber dennoch gesellschaftlich akzeptabel. Die dritte jedoch ist verboten und wird von denjenigen verabscheut, die ihre anderen beiden Bedeutungen hochhalten. Aber es ist diese Sichtweise, welche die wahrste ist, und es ist die Sicht der Identitären. Während unsere Werte und Religionen sich ändern oder schwächer werden können, bleiben die europäischen Völker immer noch. Wir können den Geist wiederbeleben, der Notre Dame und andere große Werke schuf, solange wir noch existieren.

Wir sehen Notre Dame als Tragödie, weil wir wissen, daß man den Leuten an der Macht nicht trauen kann, daß sie es wiederherstellen. Wenn Identitäre Macht hätten, dann wäre es nur ein kleiner Rückschlag. Niemand würde bezweifeln, daß Notre Dame in seiner früheren Herrlichkeit wiederhergestellt werden könnte.

Das Original Whose Notre Dame? erschien am 19. April 2019 auf Counter-Currents Publishing.

Nemesis
20. April 2019 14:32

@Laurenz
"...der Bibelspruch, "nicht an ihren Worten, sondern an ihren Taten werdet Ihr sie erkennen", ist natürlich nett."

Bei der Aussage, daß man Menschen an Ihren Taten und nicht an Ihren Worten erkennt, geht es nicht um Nettigkeit.
Es geht um Wahrhaftigkeit. Sie ist zutiefst wahr.
Und zwar völlig unabhängig davon, aus welcher Quelle sie stammt.

"Aber der Mann hat Unrecht, gerade abrahamitische Religionen erschaffen das Böse, weil sie es unbedingt (bedingungslos) brauchen, um sich von ihm zu unterscheiden."

Jede Religion kann dazu benützt werden, nicht nur die abrahamitischen. Auch jene, die es sich zum Ziel gesetzt hat, Religionen abzuschaffen: nur heißt ihr Gott dann halt nicht Gott.
Und Sie brauchen ganz offensichtlich die abrahamitischen Religionen, weil Sie es (bedingungslos) brauchen, um sich von ihr zu unterscheiden, wogegen auch erstmal nichts einzuwenden ist: Wir brauchen offensichtlich das Gegenüber, das Andersartige um uns zu finden.

Was ich sagen will:
Die Motivation eines anderen Menschen, aus bestimmten Beweggründen zu handeln oder nicht zu handeln, geht mich grundsätzlich überhaupt nichts an und vice versa. Sein Handeln aber, wenn es Auswirkungen auf mich hat, sehr wohl.

Aus dieser ganzen Christen/Juden/Moslem/Germanen/Säkularnummer kommt man aus meiner Sicht nur dann heraus, wenn man die Motivation für das Handeln eines anderen genau dort beläßt, wo sie hingehört: Beim Anderen. Und nirgends sonst.
Und auf die Handlungen entsprechend reagiert. Dabei spielt die Motivation meiner Handlung für das Gegenüber genauso wenig eine Rolle wie umgekehrt. Und um aus diesem ewigen Spiel auszusteigen, werde ich sie ihm auch nicht nennen. Das Handeln oder das Nichthandeln ist das Entscheidende.

Man erkennt Menschen an Ihren Taten und nicht an Ihren Worten.

Franz Bettinger
20. April 2019 17:59

@RMH: Abgesehen von der historischen "Wahrheit": Es ist doch vollkommen normal und daher wahrscheinlich, dass prominente Plätze der Natur (eine Insel in der Seine, eine Bergkuppe, ein Felsvorsprung, ein uralter Hain...) als Kultplatz für welche Religion auch immer verwendet und eben immer wieder verwendet wird. Und dies überall auf der Welt, so auch bei den Maori in Neuseeland. Es ist also anzunehmen, dass Kathedralen und Kirchen auf ehemals Heiden-Kultplätzen errichtet wurden. Ma schlug damit 2 Fliege mit einer Klappe. Ist das schlimm? Nein!

Solution
20. April 2019 21:18

Es ist eine Tatsache, daß viele Kirchen auf alten vorchristlichen Stätten oder Punkten absichtlich errichtet wurden. Es ist ebenso bekannt, daß dies mit Absicht geschah, wenngleich man darüber unendlich spekulieren kann. Waren es Kultstätten, Kraftorte, Punkte in Gitternetzen oder alles zusammen?

Interessant wird es da, wo die rein wissenschaftliche Feststellung dieser Tatsache aufhört.

Hierzu ein interessantes Buch:

https://www.amazon.de/Himmel-ist-unter-uns-faszinierende/dp/3922750486/ref=sr_1_15?__mk_de_DE=%C3%85M%C3%85%C5%BD%C3%95%C3%91&keywords=der+himmel+unter+uns&qid=1555791138&s=books&sr=1-15

links ist wo der daumen rechts ist
21. April 2019 00:10

Mißtrauensvotum gegen Gott? Gott sei Dank (!) gibt es Feuerwehrleute

Im Grunde sind wir doch alle postmoderne Stümper.
Wir klau(b)en Sachen zusammen, die nie und nimmer über einen Kamm geschoren werden können.
Die eine Wahrheit gibt es nicht mehr, kann es nicht mehr geben.

Alleingültigkeitsideologien haben abgewirtschaftet bzw. sind historisch an ihr (wohlverdientes) Ende gekommen. Nennen wir es Säkularisierung, den „Verlust der Mitte“ oder das Ende der Metaphysik.
Nun versuchen wir arme Seelen Unvereinbares zu vereinen.
Die einen betreiben Geschichtsklitterung, die sich gewaschen hat oder geben in ihrer tatsächlichen Verzweiflung den kleinsten gemeinsamen Nenner als Retro-Wahrheit aus („christliches Abendland“), die anderen (zu denen ich meine Wenigkeit zähle) versuchen – frei nach Walter Hueck - die „Polarität der Wahrheit“ als „Philosophie des Sowohl-Als-Auch“ in ihrer Spannung zu ertragen; daß man darüber melancholisch werden kann, ist evident.

Wann hat diese Art der Postmoderne begonnen?
Vermutlich als Karl Kraus in seiner „Dritten Walpurgisnacht“ einen Heidegger-Aufsatz mit einem seitengleichen Käse-Inserat „dekonstruiert“ hat. Zugegeben, das klingt nach Blödelei a'la Robert Neumann oder Hans Weigel. Aber heute wird eben Ontologie und Käse-Werbung auf einen Nenner gebracht. Ohne Ausnahme.

Gibt es denn auch nur irgendeine weltanschauliche Position, der man nicht Schlemihl-gleich den Schatten stiehlt, um ihm dem Gelächter preiszugeben?
Beispiel?
Am meisten belustigt mich immer die Haltung im sogenannten nationalen Lager (bezogen auf die FPÖ seit den 80er Jahren): deutschnational und österreichisch, christlich und antiklerikal, national und pro-europäisch, philosemitisch und ...
Der letzte echte Nationale schien mir Norbert Steger zu sein; das war der, der mit einer 5%-Partei dahindümpelte, ehe er von Jörg Haider „weggeputscht“ wurde. Danach hielt auch die Postmoderne bei den „Nationalen“ Einzug.
Die jetzige Regierung gilt als „national“, obwohl sie eine reinrassige neoliberale Partie ist, die gegen die Interessen der Mehrheit des Volkes handelt; denn messen wir diese Typen an der „sozialen Frage“ und nicht am Kulturkampfgequatsche. Vom derzeitigen Katzenjammer in der IBÖ (wir werden ja noch davon hören) ob ihrer falschen taktischen Partner ganz zu schweigen.

Aber um das Ganze nicht zu pessimistisch enden zu lassen – und v.a. um zum Thema Notre Dame zurückzukehren:
Grenzenlose Bewunderung empfinde ich für die Feuerwehrleute, die – unter Einsatz ihres Lebens – einen Großteil der Kunstschätze retten konnten; und auch der bereits vorhandene Evakuierungsplan verdient Respekt.

Was über die Gotik und die „faustische Seele“ gesagt wurde, stimmt übrigens alles – was hat aber ein bewunderns- und erhaltenswerter, jahrhundertealter Sakralbau z.B. mit den Millionen an Touristen zu tun, die mit ihren Sandalen und Shirts Selfie-klickend Orte wie diese im Grunde unentwegt entweihen?
„Paris? Hamwa jesehen, nich. Louvre, Eiffelturm und Notre Dame, volle Kanne. Und dann nischt wie rin in de nächste Frittenbude...“.

Manche sehen in diesen „Volksgenossen“ die Verkörperung des christlichen Abendlands, wenn's nur gegen die Richtigen geht.
Meine Hoffnung liegt bei Menschen wie den Feuerwehrleuten.
Und hier würde vielleicht auch ein ewig satirischer Geist wie Karl Kraus mit seinem „Blitzableiter an Kirchtürmen als stärkstem Mißtrauensvotum gegen Gott“ aus Ehrfurcht verstummen.

Imagine
21. April 2019 08:33

@Heinrichbrueck 20. April 2019 12:49
„"Auch der Nationalsozialismus – insbesondere der Hitlerismus – war eine Religion."
Und wie lautete das Dogma?“

Das Dogma ist die nationalsozialistische Weltanschauung. Die Nazi-Gemeinde bilden jene, die daran glauben.

In der heutige postmoderne Gesellschaft findet sich eine Vielfalt von Glaubensgemeinschaften, die alle dadurch gekennzeichnet sind, dass sie Glauben für Wissen halten. Da gibt es Rassisten, Feministen, Multikulturisten, Ökologisten, Vegetaristen, Veganisten usw. usf.

Ein aufgeklärter Mensch hingegen hat gelernt, bei seinem eigenen Bewusstsein zwischen Glauben und Wissen unterscheiden, die prämodernen und postmodernen Menschen können dies nicht. Die halten Glauben für Wissen. Sie brauchen dies aufgrund ihrer Psychostruktur.

Daher auch der Biologismus in seinen Varianten, wie feministischer und völkischer.

Die einen sehen den Geschlechterkampf als das Entscheidende an, die anderen den Rassenkampf. Ein wissenschaftlich gebildeter, kritischer Mensch hingegen weiß, dass es keine lineare Kausalität zwischen biologischer (genetischer) Beschaffenheit sowie Charakter und Verhalten gibt.

Die völkischen Rechten haben bestimmte Dogmen, an die sie glauben, die postmodernen Linken haben andere. Sie hassen sich gegenseitig und bekämpfen sich in einer Weise, die an mittelalterliche Religionskriege erinnern.

Aus Sicht eines aufgeklärten Menschen sind die einen wie die anderen autoritäre Charaktere, die in einem infantilen Entwicklungsstadium verharren.

Ruewald
21. April 2019 10:22

Der von @links-wo-der-daumen-rechts-ist (21.4.19, 0:10) zitierte Karl Kraus läßt sich dem mit (überkommenen) Freudschen und freudo-marxistischen Thesen daherkommenden @imagine (20.4.19, 10:22) gerade treffend entgegenhalten:
„Psychoanalyse ist jene Geisteskrankheit, für deren Therapie sie sich hält. “
Das Prinzip der Selbstanwendung auf die einer These zugrundeliegende Theorie ist ein guter Lackmus-Test. Das Marxsche Diktum "Religion ist Opium fürs Volk" führt dann auf:
Die kommunistische Paradies-auf-dieser-Erde-Versprechung ist (war) Opium fürs Volk.

Solch extreme Verkürzungen, die allenfalls als Bon-mots (méchant-mots) taugen, werden dem komplexen Phänomen Religion keineswegs gerecht. Mindestens gehören dazu eine soziologische funktionalistische und individual- und kollektivpsychologische Sichtweise.

Durch Kritikimmunisierung und Dogmatismus ähnelt die Psychoanalyse selber einer dogmatischen Religion, deren Verkünder Freud mehr ein Propagator als ein strenger Wissenschaftler war.

Die Attraktivität der Psychoanalyse bei Literaten und Intellektuellen mag damit zusammenhängen, daß sie sich über empirische Validierung weitgehend hinwegsetzt und damit viel Freiraum für 'kreative Spekulation' bietet.

Imagine
21. April 2019 14:51

Die Geschichte eines Volkes ist kein Selbstbedienungsladen, aus dem man sich das herausnehmen kann, was den jeweiligen Bedürfnissen nach Selbstbild entspricht.

Insofern muss sich das deutsche Volk auch jene Zeit zurechnen lassen, in der es sich der Welt als ein Volk von zerstörerischen und anti-humanen Psychopathen dargestellt hat.

Die 68-er-Generation versuchte das, was ihre Eltern unterlassen haben, nämlich echte Vergangenheitsbewältigung, indem die Schuldigen für die NS-Verbrechen benannt wurden. Denn statt Vergangenheitsbewältigung hatte das Gegenteil stattgefunden, ein großer Teil der verbrecherischen Eliten aus der NS-Zeit nahm auch die Elitenpositionen in der Nachkriegszeit ein, nunmehr als „Demokraten“.

In einem gewissen Umfang gelang es der 68-er-Generation Licht ins Dunkel zu bringen, nämlich aufzuzeigen, welche die treibenden Kräfte und Finanziers hinter den Nazis waren. Aber dies ist heute alles aus dem Bewusstsein verschwunden.

Licht in die NS-Periode zu bringen, war der einzige rationale Weg, der Kollektivschuld-Zuweisung effektiv zu entgegnen und die nachfolgenden Generationen vor falschen Schuldzuschreibungen zu schützen.

Sebastian Haffner verfasste 1939/40 das Buch „Germany – Jekyll and Hyde“.
Er beschreibt, wie das Leben in seinen Kreisen in Deutschland war. „nämlich keineswegs so, dass alle Deutschen Nazis waren, aber auch wieder nicht so, dass es den Nazismus im Alltag gewissermaßen kaum gab.“

Deutschland war beides: Dr. Jekyll und Mr. Hyde.

Haffners Buch gehört zu den 10 Büchern, die man m. E. gelesen haben muss, um einigermaßen kompetent über den Nationalsozialismus mitreden zu können, aber es gibt noch hundert andere, die auch wichtig sind.

Nach den 1970-er Jahren hat man die Geschichte Deutschlands verdunkelt, so als habe es nur den NS-Staat („Mr. Hyde“)geben und nunmehr sei als sein Gegenteil die BRD („Dr. Jekyll“) entstanden.

Gegenüber Griechenland hat Deutschland sein (wirtschafts)imperialistische Fratze gezeigt und die pseudo-humanistische Förderung von Massenimmigration wird vom Ausland als Dummheit angesehen.

Der NS-Staat hat aus Deutschland die intelligentesten, wahrhaftesten und besten Köpfe vertrieben, gefoltert und ermordet. Und heute gibt es den Brain-Drain. Deutschland laufen die intelligentesten und qualifiziertesten Bürger weg.

Den Intelligenzverlust hat Deutschland nach dem Krieg nie wieder kompensieren können. Im Gegenteil, es ist erneut der kritischen Intelligenz mit Repression begegnet. So darf man sich nicht verwundern, dass ein großer Teil in den Intelligenzschichten nunmehr „anti-deutsch“ eingestellt ist.

Robert
21. April 2019 15:27

Zuvor, Dank für die Reaktionen.

Zu @Laurenz (20. April 2019 07:24) ... „was Neu-Heiden angeht, so stimme ich …“

Hier scheint symptomatischerweise, möchte ich sagen, das anscheinend unausrottbare Klischee durchzuschlagen: Der Begriff „Neu-Heide“ löst oft
sofort die Assoziationskette „Heide -Germanischer Götterglaube“ – gegenwärtiger neuaufgelegter Heidenkult (Odin preisend, Met trinkend, hörnertragend, … ) – usw.“ aus.

Ich habe versucht meine Position in meinem Text schon durch das Fallenlassen und Einbettung in gewisse Begriffe darzustellen und es läuft vielmehr auf etwas völlig Neues, aber umso Naheliegenderes hinaus:
Eine nicht-profane, nicht mehr rein materialistische (und auch nicht rein-idealistische) Einstellung zum Leben im Hier des Daseins; basierend auf den modernsten wissenschaftlichen Erkenntnissen über Mensch und Natur – man kann es demnach genauso gut eine „lebensreligiöse“ Einstellung nennen; im Kern bleibt ein gewisser irrationaler Rest, den man dann auch „Glaube“, „tiefe Überzeugung“, „Andächtigkeit“, was auch immer, von etwas nennen könnte, das in gewisser Relation mit unserem gegenwärtigen Wissen über die „Naturgesetzlichkeit“ der Welt steht. Diese Weltsicht bedarf dann keiner jenseitigen Überhöhung, weil die Welt qua Naturerkenntnis „wunderbar“ genug ist, und aus dieser Sicht durch einen kindlichen biblischen Wunderglauben eher „entweiht“ werden würde. Es verschieben sich also gegenüber dem Christlichen völlig die Perspektiven.

Ein auch bei mir positiver Bezug zum Glauben unserer Altvorderen hat demnach natürlich nichts mit einem Fetisch zu all den Formen oder Riten, sehr wohl aber mit der Innerlichkeit, mit der Menschenart, dem Charakter der europäischen Völker zu tun, mittels dem sie ihm seinerzeit religiös-rituellen Ausdruck verliehen. Diese Innerlichkeit überdauert in der Regel die Formen, denn sie ist biologisch-rassisch (als "Gruppen-Meta-Eigenschaft") bedingt.

Zu @Laurenz (Punkt 2) ... "Was allerdings Ihre Aussagen zu Altvorderen angeht, so argumentieren Sie unwissenschaftlich. Um eine Kultur aufzubauen, brauchen Sie immer noch 1.000 Jahre, vernichten kann man sie in einer Woche“.

Hier hätte ich gerne gewußt, auf welche Stelle/These Sie hier Bezug nehmen, zumal ich den Begriff „Altvordere“ im Text nicht verwendet habe und auch auf diese Weise den Bezug nicht finde.
Nichtsdestoweniger: Bei der Aussage, daß Kulturentstehung bzw. -entwicklung jahrhunderte, ja jahrzehntausende lange Prozesse sind, rennen Sie bei mir offene Türen ein, wiewohl zu klären wäre, ob man damit z. B. die Hochkultur oder Volkskultur, usw., meint.
Evolutionsgeschichtlich wird der Mensch vor allem über seine Kulturfähigkeit definiert (tatsächlich reichen ihre Anfänge (Prädispositionen) noch weiter zurück, und es geht hier um Jahrmillionen!).

Ebenso, daß ein Volkscharakter durch religiöse Indoktrination von außen sich nicht im Kern so leicht verändern läßt, - es sei denn auf biologische Weise -, habe ich gerade (oben) ausgeführt – was uns einerseits Zuversicht geben kann, aber genauso klar auf die große Gefahr, in der wir mitten drinnen stecken, hinweist.
Soweit meine Position.

Nur, Ihrer Argumentation kann ich nicht ganz folgen: Zuerst sagen Sie, „vernichten kann man sie [die Kultur] in einer Woche“ (wie das?), gleich später aber „daß [die] normale christliche und islamische Mission gescheitert war [nach so langer Zeit!]“, usw. Für mich ist aber Kultur und ihre daraus entsprungene (intrinsische) Religiosität untrennbar miteinander verbunden!?

Zu @quarz (20. April 2019 07:47 ) ... „Politische Erkenntnisse gibt es ohnehin nicht. Es gibt nur politische Entscheidungen, die teilweise auf nichtpolitischen Erkenntnissen und teilweise auf Präferenzen beruhen“:

Meine Definition: „Jeder, sei es, daß er selbst Politik betreibt oder nur beobachtet, analysiert, …, sammelt politische Erfahrung, kommt zu politischen Erkenntnissen und u. U. zu Entscheidungen“ (das entspricht schlicht und ergreifend dem Ablauf kognitiver Prozesse in Alltag und in Wissenschaft!).
Und: Es gibt eine Unzahl an politischen Bio- und Autobiographien und, ganz allgemein, wissenschaftlicher Literatur, bei dem es genau um diesen Gegenstand geht.
Viele Erkenntnisse übrigens, die wir uns heute wieder zu Gemüte führen sollten – denken Sie z. B. an Otto von Bismarck: „Gedanken und Erinnerungen“.

Der Zusammenhang zu meiner Aussage bzgl. Geschichte des Christentums bzw. seiner Kirche:
Das, was sich heute an volks- und insbesondere deutschfeindlichen Aussagen der höchsten kirchlichen Würdenträger bis hin zu seiner Spitze, diesem verheerenden, unappetitlichen Papst Franziskus, vor unser aller Augen am helllichten Tage unverhohlen abspielt, was wir als geradezu diabolische Lust am Zerstören unserer schieren völkischen Existenz empfinden müssen, hat eine historische lange Tradition: Der Kampf zwischen Kirche und deutscher Politik, beginnend bei den germanischen Stämmen, weiter gegen unsere Kaiser und Fürsten, gegen die Menschen (Ablaß, Hexen- und Ketzerverfolgung) usw., bis zum heutigen Tag gegen das Volk selbst unter Verbündung mit der politischen Herrschaft.
Es gab hier stets unversöhnliche, eben politische Interessenslagen.

Dieses insbesondere politische Faktum gilt es zu wahrzunehmen, zu erkennen, zu analysieren und daraus die Konsequenzen zu ziehen und es nicht als „Mißverständnis", als "Irrweg“ abzutun.

Zu @quarz (20. April 2019 07:47) ... „Aber an welche wissenschaftlichen Erkenntnisse denken Sie, wenn sie Unversöhnbarkeit unterstellen?“

Bei allem Respekt, welche Frage, aber ich beantworte sie natürlich gerne.

Zunächst: Der Kritiker der christlichen Welt findet i. a. eine asymmetrische Situation in der Diskussion vor: Er weiß meistens nicht, mit welcher Art von „Christ“ er es zu tun hat, weil das Gegenüber zunächst damit spielt, dass „Christ sein“ als eindeutig klar vorauszusetzen wäre. Das ist aber heute – im Unterschied zu früher – keineswegs mehr der Fall; auch bei den Christen sind die religiösen Patchwork-Kompilate aus diversen Versatzstücken gang und gäbe. Deswegen beziehe ich nun den historischen Prozeß mit ein:
Spätestens seit der Neuzeit spielte sich das große geistige Kampf-Drama zwischen dem von der Kirche autorisierten Dogmenglauben einerseits und heraufkommender zunehmender Wissenschaftlichkeit (vornehmlich bzgl. der Naturerkenntnis) ab.
Ich nehme an, ich kann mir nähere Ausführungen sparen, indem ich bloß die Eckpunkte „Kopernikus, …, Galileo Galilei, Giordano Bruno, …., Goethe, Schiller, Kant Hegel, Nietzsche, Charles Darwin, Mendel, Watson-Crick, Konrad Lorenz, usw., usw.,…, anspreche.

Die Kirche befand sich dabei in einem ständigen geistigen Rückzugsgefecht, sodaß man spöttisch von einer zunehmenden „Wohnungsnot Gottes“ oder dem "Siegeszug der Naturwissenschaften gegenüber einer stagnierenden (alten!) Philosophie" sprechen konnte. Diesen Kampf hat die Kirche nun insoweit für sich bereinigt, daß sie von sich aus der Naturwissenschaft (NWS) ein (einseitig gebliebenes) Agreement vorgeschlagen hat: Wir reden euch, der NWS nicht mehr in eure Angelegenheiten hinein – und ihr nicht mehr uns (quasi ein „Abstecken ihrer Claims“); sprich: es gibt für die Kirche bzw. ihre Lehre zwei voneinander unabhängige Wahrheiten: die der materiellen und die der ideellen Dinge. Z. B.: Abkunft, Wesen, usw. des menschlichen Geistes sei übernatürlichen, göttlichen Ursprungs und einer naturwissenschaftlichen Forschung prinzipiell unzugänglich (Papst Benedikt XVI). Gleichzeitig anerkennt man z. B. mittlerweile sogar die Evolutionstheorie (Papst Johannes Paul II) an.
Die Kirche selbst hat also erkannt, daß aus Gründen der Inkompatibilität (= Unversöhnbarkeit) ihres Glaubens mit heutigem ntw Wissens ihr als Ausweg nur mehr die Teilung der “Wahrheit“ in zwei Hälften/Welten übrigbleibt. Eine auf dem Boden der NWS befindliche Naturphilosophie und Erkenntnistheorie kann aber diesem dem christlichen Glauben immanenten Dualismus nicht folgen, da es für sie keinen Anlass für außerirdische Erklärungshypothesen gibt.
Eine Frage ist also vielmehr, welche Art von Religosität die kritische Vernunft in einem Kopf zusammen, erträgt.

@Sandstein (19. April 2019 22:04):
Nichts für ungut, aber da fehlen mir leider die Worte!

Niekisch
21. April 2019 17:34

Ostergedanken (I.) , die vielleicht auch dem seelischen und weltanschaulichen Ausgleich unter den Foristen dienen können:

Der kosmische Jahresanfang erlebt das Aufschwellen und Aufbrechen der Blatt- und Blütenknospen, er nimmt freudig wahr, wie die Keimlinge dem Ruf der Sonne folgen und die Erdkrume durchbohren. Die Zeit des Widders ist die Manifestation neuen Selbstbehauptungswillens, sie zeugt von der Zusammenballung gewaltiger Kräfte, die dem Leben zur Durchsetzung seines I c h verholfen hat. Der Aufbruch der Natur folgt dem männlichen Prinzip, welches durch das Licht der Sonne verstärkt, als treibende Kraft in den Naturzyklus eingreift. In diese Zeit fiel auch die germanische Sitte der ersten Furche, die mit einem heiligen und geweihten Pflug gezogen wurde und das Bestellen der Äcker einleitete. Die Osterzeit ist die Zeit des auferstandenen Lebens, der sich zeigenden Keime und der sich öffnenden Knospen. Der altdeutsche Begriff ostarum weist auf das alte Wissen hin, daß das erste Licht der Tage im Osten zu erblicken ist. Ostern, das ist gleichsam "durch alle Poren eingezogener Frühling". Das Oster - Ei symbolisiert in diesem Zusammenhang den stofflichen Untergrund aller Dinge, aus dem sich das Werden den Weg zum Licht durch die Schale bricht, um sich nach der Vollendung seiner Bestimmung im Vergehen zu verlieren. Das Ei ist Sinnbild für die Einheit des Menschen mit dem keimenden Leben, mit den Frühlingsmächten und dem Einverleiben der frühlingshaften Fruchtbarkeit.

Im Kult der vorchristlichen Ahnen steht der Mond der Osterzeit, der Ostermond - wie früher der April hieß - im Mittelpunkt. Elemente und Symbol sind das Quellwasser, das Oster-Ei und der Speer. Weiße Gewänder und Blumenschmuck werden getragen. Kultorte sind weites, offenes Feld oder Wiese bzw. eine Quelle. Eibe, Buchs, Weide, Birke Hasel- generell alle rasch wachsenden und heilkräftigen Pflanzen werden eingebunden. Die zentrale Handlung des Rituals im Ostermond ist die Aufnahme einer jungen Göttin in den Kreis der Gemeinschaft und die Initiation der Amazone, dem Archetypus des kriegerisch Weiblichen. - wird fortgesetzt, sofern der Bademeister will.- ( nach Björn Ulbrich, Im Tanz der Elemente - Kult und Ritus der heidnischen Gemeinschaft, Arun Verlag, 1999, 469 f.)

Übrigens besteht im Streit auch Gemeinsamkeit. Christen und Nichtchristen haben vereint einen Hängenden:

Ich weiß, daß ich hing am windigen Baum
neun lange Nächte,
vom Speer verwundet, dem Odin geweiht,
mir selber ich selbst,
am Ast des Baumes, dem man nicht ansehen kann,
aus welcher Wurzel er sproß.

Sie boten mir nicht Brot noch Met;
da neigt ich mich nieder
auf Runen sinnend, lernte sie seufzend:
endlich fiel ich zur Erde....

Zu gedeihen begann ich und begann zu denken,
wuchs und fühlte mich wohl.
Wort aus dem Wort verlieh mir das Wort,
Werk aus dem Werk verlieh mir das Werk.

(Odins Runenlied, Edda, ebenda S. 504)

Robert
21. April 2019 19:23

An @Niekisch (21. April 2019 17:34):
Besten Dank für diese wunderbaren Zeilen bzw. Sentenzen. Genau das ist es, was wir für die seelische Kraftentwicklung brauchen würden, nicht nur die intellektuelle Kost.

Für diesen Beitrag ist die Diskussion geschlossen.