Sezession
8. Mai 2019

Höcke, Flügel, Deutschlandlied

Götz Kubitschek / 67 Kommentare

Über  den Skandal um die überraschend auf einem AfD-Treffen abgesungene 1. Strophe des Deutschlandlieds ist das Wesentliche noch nicht gesagt.

Götz Kubitschek

Götz Kubitschek ist Verleger (Antaios) und seit 2003 verantwortlicher Redakteur der Sezession.

Auch wer im Mitschnitt den Moment der Gesangseinlage in Greding nur oberflächlich betrachtet, kann feststellen, daß Höcke und die anderen Protagonisten des Treffens von der Liedauswahl und der Einspielung der 1. Strophe überrascht worden sind. Höcke wundert sich, wendet sich an seine Nachbarn, singt ein paar Noten mit, schweigt wieder, und gegen Ende der Strophe gibt die bayrische Fraktionschefin Katrin Ebner-Steiner zur Bühne hin Anweisung, dieses Spektakel, von dem sie nichts wußte, zu beenden. Weil sie nicht verstanden wird, verläßt sie wenig später die Bühne. Mitten in der 2. Strophe bricht dann die musikalische Übertragung ab, die Teilnehmer der Veranstaltung singen a capella weiter.

Ich möchte hier nicht über die Frage nachdenken oder darüber diskutieren, ob man auf einer AfD-Veranstaltung die 1. Strophe des Deutschlandliedes singen solle. Das Argument, sie sei nicht verboten, ist kein politisches Kriterium, und das Argument, man wolle normalisieren, was nicht mehr normal sei, ist in diesem Fall das Argument politischer Tölpel. Bevor Höcke oder Gauland, Weidel oder Kalbitz etwas Normalgewordenes aufgreifen, muß es von denen normalisiert worden sein, die nicht gewählt werden müssen.

Es gibt Vereinigungen, in denen v. Fallerslebens "Lied der Deutschen" seit Generationen zum Traditionsgut gehört und sozusagen in einem historischen Resonanzraum gesungen werden kann. Aber der breiten Öffentlichkeit vermittelbar hält wohl auch dort keiner die 1. Strophe.

Es trägt daher auch nichts aus, den Sinn dieses Liedes historisch einzuordnen, sich über seine Umdeutung im Dritten Reich zu verbreiten und seine Harmlosigkeit im Vergleich zu den Hymnen anderer Nationen ins Feld zu führen.

Natürlich singt man dieses Lied, wenn überhaupt, nicht als politische Aufforderung, sondern historisch. Vor mir liegt eine Broschüre, die in der hessischen CDU kurz nach der Wende erstellt und verbreitet wurde, dort steht zu all diesen Punkten das Wesentliche. Aber eine politische Geste oder Inszenierung ist nicht dann geglückt, wenn zu ihrem Verständnis Passagen gelesen und begriffen werden müssen, und einen Skandal kann man nicht im Nachhinein aufgeklärt abwenden - vor allem dann nicht, wenn ihn sich eine intern und extern unter Dauerbeschuß stehende Gruppierung leistete.

Und auch darüber will ich nicht mehr diskutieren: daß es unfair sei, was denen, die nur ein Lied sangen, nun widerfahre. Hat je irgendeine realitätsnahe parteipolitische Analyse die Vokabeln "Fairneß" und "Machtkampf" unter einen Hut gebracht?

Kurzum: Verantwortlich war für den Fauxpax von Greding entweder ein naiver Trottel oder ein Größenwahnsinniger oder ein agent provocateur. Ich tendiere zu letzterem, aber trotz aller Interna, die ich in den letzten Tagen erfuhr, kann ich den Trottel und den Überzeugungstäter nicht restlos ausschließen.

Dies bringt mich zum einem Einschub: Wenn gute Firmen oder alte Parteien auf der Ebene der Inszenierung irgendetwas lehren, dann dies, daß man nichts, aber auch gar nichts dem Zufall überlassen dürfe. Der Charme des Unfertigen, der aufrichtigen Panne und der taufrischen Unprofessionalität mag den Friday-Kids rund um Greta der Heiligen Authentizität verleihen (die sie dringend benötigen), und das mag dort sogar zum PR-Konzept gehören. Man sieht bei dieser "Inszenierung des Spontanen" sogar über Müllberge, dummes Geschwätz und offensichtliche Widersprüche hinweg, aber das geschieht nur, weil die positive Ausrichtung der Medien bereits erfolgt ist.

Im Falle der AfD, vor allem des Flügels, ganz besonders Björn Höckes ist die Ausrichtung der Medien ebenfalls bereits erfolgt: Nichts ist ergebnisoffen, gesucht wird stets nach Wörtern, Symbolen, Gesten, Strophen, Begleiterscheinungen, Randbemerkungen, die das Bild des romantischen Teufels aus Thüringen nachschärfen. Selbst wenn ein "Skandal" dann nicht recht in der Öffentlichkeit ankommt: parteiintern kommt er an.

Die Grundfragen lauten: Wie konnte es passieren, daß man überhaupt an diesem nie glücklichen Element des gemeinsamen Gesangs auf der Bühne festhielt? Wie konnte es passieren, daß die Protagonisten auf der Bühne von der Strophenwahl überrascht wurden? Wer ist dafür verantwortlich, daß ein neben Aufstellern, Saalschmuck, Auslagen, Redeinhalten so zentrales Element wie die Musik (und der gemeinsame Gesang, von dem man nicht lassen wollte) nicht mit den prominenten Politikern abgesprochen war? Warum gab es auf dem Laptop mehr als eine Musikdatei? Wo war der Regisseur?

Kurzer Exkurs zur Erinnerung: Als sich vor dem Landesparteitag Baden-Württemberg die mit dem liberalen Kurs ganz und gar nicht einverstandenen Teile des Flügels um die Landtagsabgeordnete Christa Baum in Burladingen sammelten und gegen Parteiausschlußverfahren und interne Maulkörbe wetterten, war die Bühne für etwa eine halbe Stunde mit Konterfeis von Björn Höcke so ausstaffiert, als sei er entweder verstorben oder ein Heilsbringer.

Höcke, in Burladingen nicht anwesend, war nicht erfreut, als er diese Bilder sah. Baum ließ diese Inszenierung recht bald abbauen, aber die Bilder waren geschossen - nicht so sehr für die Öffentlichkeit, sondern für jene parteiinternen und im Vorfeld angesiedelten Kritiker, die der Meinung sind, es könnte ohne Höcke und den Flügel mit der AfD anders und besser vorangehen.

Diese Stimmen sind nun, nach Greding, erneut laut vernehmbar, und ich möchte als jemand, der an solchen Veranstaltungen nie beteiligt ist und sie ebenfalls nur von außen wahrnimmt, sagen: Wer will es ihnen verdenken?

Wenn nämlich ein naiver politischer Trottel die Liedauswahl treffen und das gesamte Podium überraschen konnte, darf man ob des Dilettantismus im sechsten Jahr nach Parteigründung mit gutem Grund aus der Haut fahren, und dasselbe gilt für den Fall, daß nicht der Idiot, sondern der selbstherrliche politische Überzeugungstäter seinen Liedwunsch plazieren durfte.

Pfusch ist immer lästig und peinlich, in politisch sensibler Lage und unter böswilliger Beobachtung jedoch darüber hinaus fahrlässig und schädlich.

Aus Pfusch wird Sabotage, wenn jemand gezielt Situationen herbeiführt und Szenen komponiert, die zu Skandalen führen, wenn also Dinge geschehen, die man Höcke zutraut, die man sozusagen stimmig dazuerfinden würde, wollte man ihm Böses.

Es gibt in Bayern einen flügelnahen Mann, der nicht Parteimitglied werden konnte, weil er nicht willens war, seine Identität mittels gängiger Dokumente eindeutig nachzuweisen. Er gilt als Hochstapler und zugleich als Organisationstalent, ist eine imposante Erscheinung und ein Schnurrenerzähler, und er verfügt über Geld und eine stets willkommene Großzügigkeit.

Er hat nach Burladingen die Höcke-Aufsteller gekarrt und sie ohne Absprache plaziert. Er hat die Veranstaltung in Greding mitorganisiert und zum Teil finanziert und ist trotz lauter Warnung etwa aus der Richtung des bayrischen MdB und Fraktionsvizesprechers Peter Felser noch immer in den Reihen der bayrischen und der überregionalen Flügel-Kreise unterwegs und tätig.

Er unterstützt dort, wo sich im Flügel selbst Risse zeigen. Im Namen und auf Kosten des Flügel wird nämlich von einigen hysterischen Flügelleuten jede Kritik an dummen Äußerungen sofort mit einer Kritik an der Gesinnung verwechselt. Solche Leute wollen immer alles sofort sagen dürfen, was ihnen durch den Kopf geht - gegen das sofort einleuchtende und politisch unverzichtbare Mindestmaß an Parteiraison.

Dazu zweierlei: Zum einen gibt es natürlich dumme Äußerungen, falsche historische Bezüge, Geschichts-Spleens, undurchdachtes Geschwätz, Halbbildung, die ans Freie will, und die Kritik daran ist kein Maulkorberlaß, sondern gerechtfertigte Kritik.

Zum anderen hat jeder in der AfD Engagierte an das, was er äußern will, nicht nur den Maßstab der Richtigkeit und des Durchdenkens anzulegen, sondern zusätzlich den der politischen Klugheit.

Was also, wenn ein zwielichtiger Mann für die falschen Bilder und Töne sorgt, wenn er unzufriedene Teile in der Partei in ihrer Aufmüpfigkeit gegen diejenigen stärkt, die den Flügel als eine Gruppierung anführen, die auf die grundsätzliche Ausrichtung der Partei achten wollen?

Zwei Möglichkeiten gibt es:

a) eiserner Besen gegen Pfusch, Dummheit, Sabotage, Beschädigung bei gleichzeitiger Professionalisierung aller öffentlichen Auftritte und Inszenierungen;

b) Auflösung einer für Pannen und Saboteure anfälligen Struktur.

Unbedingt also a), und erst, wenn das wirklich aussichtslos ist: b). Das wäre dann eine Katastrophe, denn die Bedeutung des Flügels für die AfD lag und liegt darin, daß in ihm ehrlich und kameradschaftlich gearbeitet wird, daß keine Karrieresprungbretter für Milchgesichter aufgestellt werden und daß man den Korrumpierungsprozessen des parlamentarischen Betriebs die "Selbstvergewisserung als Alternative" zur Seite stellt. Der Flügel bündelt etwas, ohne das die AfD nicht die AfD wäre. Aber gerade weil das so ist und weil das viele nicht gerne sehen, darf er sich durch Pfusch oder Blauäugigkeit oder seelige Selbstgefälligkeit keine Blößen geben.

Gesinnung ersetzt Professionalität nicht. Aus Greding muß man die richtige Lehre ziehen.


Götz Kubitschek

Götz Kubitschek ist Verleger (Antaios) und seit 2003 verantwortlicher Redakteur der Sezession.


Kommentare (67)

Niekisch
8. Mai 2019 17:15

Unser vollständiges deutsches Nationallied sollte jeder Diskussion entzogen sein, wie und durch wen auch immer in Gang gesetzt, klar, deutlich und textsicher gesungen werden.

Laurenz
8. Mai 2019 17:30

Die grundsätzliche Beschwerde über Sinn ergebende und kluge Organisation ist durchaus richtig. Aber anscheinend kam bei o.g. Veranstaltung auch keiner auf die Idee, den Stecker zu ziehen. Das geht relativ einfach. Das Wähler "Bilder mit Helden" wünschen, ist normal, aber man sollte das dann mit dem Helden zumindest abstimmen.

In meiner Heimat, der Hochburg des deutschen Wirtschafts- und Hochfinanz-Liberalismus überholt die AfD gerne die FDP links außen, andere Kreise andere Sitten.

Was das obige Liedgut angeht, so hatte es Heino interessanterweise auf Tonträger aufgenommen, und auch in seinen Konzerten mit 3 Strophen gesungen. Der Kritik gegenüber war Heino wohl immun, es interessierte ihn bis heute einen feuchten Kehricht.

Auch wenn Herr Kubitschek keine Lust auf inhaltliche Debatten bezüglich des Textes von von Fallersleben hat, was nachvollziehbar ist, so bleibt die Frage, was an "Germany first" in der heutigen Zeit so falsch sein soll? Man könnte ja auch mal die martialische und anti-germanische "Marseillaise" singen, und die Presse blöd gucken lassen. Wer noch mehr Blutfluß und Boden will, kann es ja mal mit der us amerikanischen Hymne probieren, allerdings sind da die Schlachthof-Strophen schon gestrichen worden. Hier mal den 2. Teil des Refrains der russischen Hymne, Zitat- Von den südlichen Meeren bis zum Polargebiet erstrecken sich unsere Wälder und Felder.

Du bist einzig in der Welt! Du bist so einzig von Gott zu beschützendes Heimatland!-Zitatende... Bis auf das Schwarze Meer reichte Rußland nie an südliche Meere. Da läßt man jeden Russen gleich das geo-strategische Ziel besingen. Gut, daß das die pösen Russen singen müssen. Aber Herr Alexandrow komponierte schon die coolste Hymne der Welt. Da sieht man mal wieder, was die Drohung eines stalinistischen Gulags alles so bewirken kann.

Wenn es denn nun bei AfD-Veranstaltungen schon ein patriotisches Liedgut sein soll, wogegen nicht wirklich was zu sagen ist, kann man auch mal den Text der jeweiligen Landeshymnen verteilen lassen und die singen. Gerhard Schröder singt ja auch das Niedersachsen-Lied, in dessen Text man sich rühmt, die Salvinis, Renzis und Berlusconis verdroschen zu haben. Die Freunde von der FPÖ sollten mal ihre Kameraden von der ÖVP beäugen, die singen sicherlich "Gott erhalte Kurz (oder kurz?) den Kaiser"....

Niedersachse
8. Mai 2019 17:35

Sehe ich ebenso. Politische Klugheit hat nichts mit übertriebenen Hygienewahn oder Distanzeritis zu tun, sondern ist ein Akt der Notwendigkeit. Wenn auf NPD- Stammtischen alle drei Strophen gesungen werden, interessiert das niemanden. Bei der AfD, die den Altparteien jetzt schon viele Mandate und Posten weggenommen hat, interessiert es halb Deutschland, allen voran natürlich die Gegner der AfD und insbesondere des Flügels. Ich bin kein AfD- Mitglied und schon gar nicht kenne ich die bayrischen AfD- Strukturen, folglich auch nicht den Mann, der hier als Hochstapler bezeichnet wird. Möglich ist es natürlich, dass hier ein "agent provokateur" im Auftrag unterwegs gewesen ist, der Zeitpunkt drei Wochen vor der Europawahl ist für inszenierte Skandale ideal. Bei kommenden Veranstaltungen, gerade bei solchen, die von oder mit "Flügel- Leuten" organisiert werden, sollte besser etwas genauer hingesehen werden. Je näher der Zeitpunkt der Europa- und später der drei immens wichtigen Landtagswahlen kommt, desto mehr muß mit Störaktion, Provokationen u.ä. gerechnet werden.

Ein gebuertiger Hesse
8. Mai 2019 18:51

Der blöde Witz an der Sache in Greding ist, daß das Lied ohne Absprache mit Höcke und den anderen auf der Bühne gespielt wurde und also gespielt werden konnte. Wo soviel Nonchalance oder, böser gesagt, Pfusch am Werk ist, können Übelgesinnte natürlich leicht einen Fuß in die Tür bekommen und werden es auch immer tun. Aber organisatorische Strukturen bekommt man selbst im Angesicht solcher akuten Schieflagen womöglich nur schwer verändert. Allein weil es DURCHWEG an guter Manpower fehlt, was im Krisenfall umso offensichtlicher wird, und das auch im bereits sechsten Jahr der Partei. Daher: vielleicht kleinere Brötchen backen, diese allerdings schon, und genau prüfen, wer die Musikauswahl da neulich getroffen hat. Den Protagonisten auf der Bühne darf wiederum auch die Frage gestellt werden, warum sie über das Ganze Ihrer Veranstaltungen so wenig im Bilde sind.

Hartwig aus LG8
8. Mai 2019 19:09

Der zweite Teil des Beitrages von Kubitschek überzeugt. Ja, eine Partei hat zu funktionieren. Sie muss taktieren, ebenso wie ihre Flügel. Da gelten andere Sitten. Da hat Disziplin zu herrschen, die tatsächlich unter Umständen das Singen des Deutschlandliedes verbietet. Vor einer bedeutsamen Wahl sind alle Zufälligkeiten auszuschließen.

Wer aber weit genug von den Parteizirkeln entfernt ist, wie ich, der hat den "Skandal" nur am Rande registriert; ehrlich gesagt, bei der Masse ist da so gut wie nichts angekommen. Also letztlich Partei-Interna!? Was das Deutschlandlied selbst betrifft: Es gehört wohl zu dem, was man als ein patriotisches Minimum bezeichnen sollte.

Ein völlig anderer Aspekt ist, ob man nicht Sellners "radikale Flanke" aufgreift. Die Öffentlichkeit muss an radikale Ideen und Begriffe gewöhnt werden, BEVOR Höcke, Gauland oder Meuthen damit kommen. Die "erinnerungspolitische Wende um 180 Grad" und die erste Strophe des Deutschlandliedes sollten schon 10 mal Schlagzeilen gemacht haben, bevor ein hoher Parteifunktionär die Sache wohlwollend kommentiert.

Stil-Bluete
8. Mai 2019 19:13

Wissen alle der AFD, daß 'Deutschland, Deutschland über alles' ursprünglich als 'Deutschland, geht mir über alles...' (als Einheit, als Ganzes statt gegen rivalisierende Teile und nicht als Herrschaft über die Welt) gemeint ist?

Synonym, im Guten wie im Schlechten: V o r a l l e m liegt mir Deutschland am Herzen/ liegt mir im Sinn/ geht mir an die Nieren /auf die Nerven. Also n i c h t gegen die Welt, sondern gegen rivalisierende Teile, Parteien, Fraktionen, Bundesländer... Im Grunde:

Seid einig!

mrspock
8. Mai 2019 20:00

entscheidend ist wer die Kampagne, den Move, den Spin, das Thema, den Begriff, die Aktion zu setzen vermag - wohlpräpariert, professionell, klug und durchdacht; überraschend & wirkmächtig nach außen, motivierend & verbindend nach innen. Aktuell ist nur Selbstbetrachtung, Nabelschau, Durchhängen und zänkisches Theoretisieren erkennbar... Das kann und muß besser werden...

Fredy
8. Mai 2019 20:18

Denk Höcke wird sich selbst verteidigen und behaupten können. Da muss die Sezession, ganz gegen die bisherige Richtung, nicht parteipolitisch aktiv werden. Und dass der Name nicht genannt wird, macht es nicht besser. Das hat was von einem Heckenschützen. Inhaltlich kann man der Sache aber durchaus zustimmen.

deutscheridentitaerer
8. Mai 2019 20:38

Ich habe es als befreiend empfunden, unsere Hymne in den entsprechenden Vereinigungen erstmals vollständig singen zu können. Wurde sie vorher anlässlich von Länderspielen, oder, selten, bei der Bundeswehr in ihrer verstümmelten Form angestimmt, hatte sie nichts erhebendes, nichts mehr einigendes, sondern nur deutlich gemacht, dass man Patriot hierzulande nur unter dem Vorbehalt sein darf, es damit ja nicht ernst zu meinen, nicht mal in den diesem Zweck gewidmeten Institutionen. Bevor man die dritte Strophe alleine singt, sollte man es als Patriot lieber komplett lassen.

LqM
8. Mai 2019 20:46

Lieber Götz Kubitschek,
selten hab ich Sie so eloquent gelesen, doch mir will nicht klar sein, warum nicht das Offensichtliche angesprochen wird. Es wurde die deutsche Nationalhymne gesungen. So what?

Erst vor kurzem war ich in der Befreiungshalle auf dem Michelsberg (ein Hügel eher) bei Kelheim. Dort steht geschrieben, in großen Lettern auf dem Boden des großen Runds:

"MOECHTEN DIE TEUTSCHEN NIE VERGESSEN WAS DEN BEFREIUNGSKAMPF NOTHWENDIG MACHTE UND WODURCH SIE GESIEGT"

buscem
8. Mai 2019 21:03

Ein ziemlich treffender und gelungener Beitrag von Kubitschek, den ich in letzter Zeit immer vernünftiger finde. Der Blick auf einschlägige "Flügel"-nahe Facebook-Seiten zeigt aber, dass die Kommentatoren sich dort einhellig die Argumentation "ist doch nicht verboten" und "gab es doch schon vor 1933" zu eigen machen. So viel zum politischen Realismus in unserem Lager.

Der bodenlose Dilettantismus und das organisatorische Chaos in der AfD ziehen sich natürlich durch alle Landesverbände und auch bis in die Bundesebene. Da gehört unabgesprochenes Liedgut ja noch vergleichsweise zu den Lappalien, über die man mit den Erfahrungen des Innenblicks nur müde lächeln kann. Da gibt es ja regelmäßig noch viel haarsträubendere Beispiele, aber lassen wir das. Diese massiven Defizite könnte die JF übrigens mal aufgreifen (ich weiß, sie wird die Botschaft wohl nicht hören), anstatt sich auf Boulevardberichterstattung sowie auf die Frage der "Abgrenzung nach rechts" zu fixieren und dabei nur einseitige Besserwisser-Kampfschriften von der Tribüne aufzubieten, ohne einen einzigen realistischen und praktikablen Lösungsvorschlag vorzubringen.

Dieser organisatorische Dilettantismus ist auch ein stets völlig ausgeblendetes Argument, wenn es um die Diskussion um eine zeitnahe (vermutlich sehr illusorische) Regierungsbeteiligung der AfD geht. Wie diese Regierungsbeteiligung unter den derzeitigen Umständen überhaupt praktikabel sein soll (selbst man sie wollte), ohne ständig Peinlichkeiten für die Presse zu liefern und dann bei der nächsten Wahl wieder abzuschmieren, ist mir schleierhaft.

Kubitscheks Vorstellung, dieses Problem mit einem "eisernen Besen" zu lösen, halte ich allerdings kurz- und mittelfristig für völlig illusorisch, da die AfD in ihrer politischen Mentalität eine anti-autoritäre Anarchisten-Truppe ist, die Ordnung und Führung scheut wie der Teufel das Weihwasser. Man will ja so "basisdemokratisch" und "anders" sein. Beim Vergleich mit der FPÖ ist halt immer zu bedenken, dass es die AfD seit 6 Jahren gibt und die FPÖ seit 1956. Diese Unprofessionalität der AfD wird vermutlich noch Jahrzehnte so weitergehen, wenn es Deutschland und Wahlen dann noch geben sollte.

Bei aller Kritik an diesen Defiziten muss man zu dem aktuellen Fall aber auch sagen: Ein Höcke und die dort auf der Bühne stehenden Protagonisten müssen dann halt in einer solchen Situation auch mal die Bühne verlassen bzw. ein Abstellen des suboptimalen Liedguts verlangen. Dass sie das nicht taten, ist deren Verantwortung und nicht die des mutmaßlichen anonymen Tölpels! Und wenn nur Höcke die Bühne verlassen hätte, wären doch mind. 90% des Rests hinterhergetrottet...

Aber dass er und die anderen Personen auf der Bühne es nicht taten, liegt eben auch an der Furcht vor Vorwürfen wie "Maulkorberlass" oder "Distanzeritis", vor reflexhaften Totschlagargumenten also, die in dem obenstehenden Artikel nun auch von Kubitschek zu Recht beklagt werden. Und insofern kann man Höcke & Co dann auch schon wieder ein bisschen verstehen; ein Millimeter von der reinen Lehre abgewichen, und man gilt als "CDU-2.0"-Apologet. Da haben so manche Vertreter des "liberalen Flügels" schon Recht, dass es da ein sektenhaftes Diskussionsverhalten gibt.

Dass es bei diesem "liberalen Flügel" in Teilen in der Tat eine Tendenz zur Weichspülerei und zur Anbiederung gibt, steht auf der anderen Seite der Medaille und soll hier ausdrücklich nicht bestritten werden.

Simplicius Teutsch
8. Mai 2019 21:16

@ LqM, Sie schreiben:
Lieber Götz Kubitschek,
selten hab ich Sie so eloquent gelesen, doch mir will nicht klar sein, warum nicht das Offensichtliche angesprochen wird. Es wurde die deutsche Nationalhymne gesungen. So what?
-----------------------------

Ich will nicht kleinlich sein, aber das stimmt so nicht, Q LqM:
+ Das „Lied der Deutschen“ hat 3 Strophen, die alle drei nicht verboten sind.
+ Die dritte Strophe des Liedes der Deutschen, das ist die heutige „Nationalhymne“.
+ Die erste Strophe des Liedes der Deutschen war unter den Nationalsozialisten die "Nationalhymne" und gilt heute allgemein als verpönt und für viele als verboten.

RMH
8. Mai 2019 21:26

Wer immer bislang dachte, Kubitschek sei kein echter politischer Kopf sondern eher in Literatur, Ästhetik und dem großen revolutionären Wurf verfangen, der wird mit diesem Artikel deutlich eines besseren belehrt.

Ich teile zwar nicht die angedeutete und sich aber durchaus auch regelrecht aufdrängende These von einer bewussten Falle oder einer geplanten Provokation bzw. würde ich so etwas nie öffentlich vermuten, um der Gegenseite nicht das ewige Argument von der "Opferinszenierung", des "an der Maus Ausrutschers" auch nur ansatzweise zu bieten, aber alleine Sätze wie:

"Bevor Höcke oder Gauland, Weidel oder Kalbitz etwas Normalgewordenes aufgreifen, muß es von denen normalisiert worden sein, die nicht gewählt werden müssen."

Sollten sich hier dann doch einige als tägliches Mantra in ihr Brevier schreiben, insbesondere die, denen die AfD immer eine Tendenz zu "cuck", zu "Abgrenzeritisch" etc. ist.

Danke für diesen Artikel!

Franz Bettinger
8. Mai 2019 21:30

Es wurde überraschend tonsicher gesungen! Doch meine ich wie Götz Kubitschek: Man soll auf das nie glückliche Element des gemeinsamen Gesangs auf der Bühne ganz und gar verzichten. Es wirkt wie bei unseren Fußballern unnötig pathetisch und gerne etwas peinlich.

Lotta Vorbeck
8. Mai 2019 21:53

Björn Höcke über das Lied der Deutschen und den Fauxpas zu Greding

https://youtu.be/TCdjq5yUwgg

veröffentlicht am 05.05.2019

eike
8. Mai 2019 21:59

Ein blamables Halb-Trauen und Halb-Kneifen und eine völlig unsinnige Diskussion darüber unter dem Deckmantel "politischer Klugheit".

Eine Partei, die sich den künstlich aufgestellten PC-Dogmen ihrer Gegner unterwirft, ist keine Alternative. Eine Bewegung, die nicht bereit ist, Tabus zu brechen, bewegt nichts. Schon deswegen nicht, weil sie als feige angesehen wird.

Zumindest das sollten wir von den Linken gelernt haben.

Lotta Vorbeck
8. Mai 2019 22:19

Bis dahin ist es in der BRD noch ein weiter, steiler und von Dornengestrüpp überwucherter Weg:

Im Sommer 2015 auf dem Roten Platz - Russen singen Russlands Hymne (Russischer Patriotismus)
https://youtu.be/czPtAlXR1Po

am 14.06.2015 veröffentlicht
Bekannter russischer Youtuber und Sänger Jaroslaw Sumischewski stellte sich auf dem Roten Platz hin und begann die russsiche Staatshymne zu singen. Passanten und Touristen stimmten mit ein.

Simplicius Teutsch
8. Mai 2019 22:29

@Herr Kubitschek,
klare und richtige Worte. Eigentlich haben Sie schon alles notwendige deutlich gesagt.
----------
Nichts gegen politische Provokationen, aber nicht mit dem eigenen Kopf gegen die Wand. Wem soll das imponieren? Da war doch abzusehen, dass es ein Schuss in den Ofen werden musste:

„Strophe 1, dieser Aufreger“, auf einer AfD-Veranstaltung mit Björn Höcke, diese diffamierte, diskreditierte Strophe, die unter den Nationalsozialisten die Nationalhymne war, von der heute die gesamte Jugend und die breite Bevölkerung in weiten Teilen überzeugt sind, dass diese Strophe faschistisch, imperialistisch und verboten sei.

Björn Höcke hat am nächsten Vormittag in München beim politischen Frühschoppen der AfD-Jugend diesen Vorfall von Greding aufgegriffen und das „Lied der Deutschen“ historisch eingeordnet. Höcke erweckte nicht den Eindruck, dass er glücklich darüber war, was in Greding am Ende der Veranstaltung auf der Bühne stattgefunden hat. Er versuchte in der Nachbetrachtung den Ball flach zu halten und den Vorfall als unklug herunter zu reden und riet: Wir müssen mit politischer Klugheit operieren.

Man kann die zerrissene, verwirrte Situation von Greding auf Youtube gut anschauen: https://www.youtube.com/watch?v=F8-xIHQV_SA

Auch wenn die erste Strophe nicht verboten ist, der Vorfall ist billige und wirkungsvolle Munition für den politischen Gegner des rechten Flügels außerhalb und innerhalb der Partei, um daraus einen Skandal zu machen. Björn Höcke: „gefundenes Fressen“ für die Medien.

Und nochmal: Man sieht doch, dass die oben auf der Bühne Stehenden überrascht worden sind, als das Lied mit der ersten Strophe abgespielt wurde.

Höcke und Ebener-Steiner waren in der Zwickmühle. Was tun in dieser Situation? Man kann schließlich von Höcke und den führenden AfD-Funktionären des rechten Flügels oben auf der Bühne nicht verlangen, dass sie beim Klang der 1. Strophe die Flucht ergreifen oder laut schreien: „Ausschalten! Ausschalten!“ Wie hätten sie also reagieren sollen?

Für mich persönlich ist der Vorfall an und für sich nur zum Kopfschütteln. Doch die Umstände! Wie kann auf einer relativ großen AfD-Parteiveranstaltung so ein „Fauxpas“ passieren? Der Tontechniker hat auf den falschen Knopf gedrückt!? - Der Skandal für mich ist: Wer war der verantwortliche Vollpfosten?

Das war extrem kontraproduktiv. Uns läuft die Zeit davon, um sinngemäß mit Björn Höcke zu argumentieren; solch ein Aufreger, der leicht zum Skandal gemacht werden kann, ist überflüssig, nachteilig und kräftezehrend. Es brennen im Moment so viele wichtigere, existentielle Themenfelder. Wir Rechten brauchen die Akzeptanz in der Mehrheit des breiten Volkes.

Max Piccolomini
8. Mai 2019 22:39

Was war doch gleich das "Wesentliche", das zuvor "noch nicht gesagt" war? Es muß meiner Aufmerksamkeit entgangen sein. Sinn und Zweck dieses Artikels? Unerkennbar. Vielleicht ein Kooperationsangebot an die Linke zum gemeinschaftlichen Skandalisieren rechter Umtriebe? (Das gibt dem Wort "Querfront" doch eine ganz neue Relevanz!)

Ernsthaft: Das ist der bei weitem überflüssigste, schwächste und schädlichste Text, den Sie, Herr Kubitschek, je geschrieben haben. Konnten Sie es nicht bewenden lassen mit der souveränen, gelassenen Stellungnahme Björn Höckes bei der JA-Veranstaltung am nächsten Tag in München? (Selbst Parteifreunde, die nicht dem Flügel nahestehen, ließen sich damit besänftigen.) War damit nicht alles "Wesentliche" gesagt? Trauen Sie Höcke wirklich nicht zu, die rein praktischen Unzulänglichkeiten still und leise zu beseitigen? Sind Sie wirklich der Meinung, das - unbeabsichtigte, aber in der gegebenen Situation vollzogene - Singen aller Strophen desjenigen Liedes, das bis 1991 in dieser Vollständigkeit offizielle deutsche Nationalhymne war (die Beschränkung des Vortrags auf die dritte Strophe stellte bis dahin nur eine pragmatische Regelung dar), sei dermaßen "widerlich" (um mal nebenbei an den österreichischen Bundeskanzler und dessen Hygienevorstellungen zu erinnern), daß daraus sofort schärfste Konsequenzen und als nächstes die Auflösung derjenigen Formation zu beschließen sei, die als einzige im gesamten formalen Politikbereich für eine - hier ist der Ausdruck tatsächlich einmal angebracht - wesentliche Veränderung zum Besseren steht?

Herr Kubitschek, ich glaube, Sie hat der Mut verlassen. Besinnen Sie sich. Machen Sie eine Pause. Fahren Sie für ein paar Tage nach Wien, oder nach Halle. Und dann schreiben Sie weiter und zeigen Sie uns allen, daß wir auch weiterhin auf Sie zählen können!

Laurenz
9. Mai 2019 01:49

@Fredy ... ich weiß es nicht, aber auch in den Köpfen von Herrn Kubitschek & Co. wird es mutmaßlich keine Einhelligkeit geben, ob man nur für 0,3% Intellektuelle und Querulanten schreibt, oder doch eine größere Reichweite, wie z.B. die gebildeten Kanalarbeiter (früher rechte SPDler), wohl alles ehemalige Spiegel-Leser, ansprechen mag. Auch der nachdenkliche Herr Müller ist z.B. ein Ex-Sozi. Herr Sarrazin, noch Mitglied der SPD, findet hier sicherlich Schnittmengen, oder wir finden sie mit Ihm. Von daher ist eine formale öffentliche Distanzierung lapidarer Sinnhaftigkeit vom Abgrund der Dummheit mancher Ereignisse kein Fehler.
@ alle Vertreter der harten Linie möchte ich bemerken, es gibt keinen Grund öffentlich nach rechts auszuweichen, so lange "rechts" von der AfD , wie Franz-Josef Strauß ähnlich bemerkte, nichts nennenswertes zu finden ist. Jedem sollte klar sein, Wählerstimmen dazu gewinnen, kann die AfD aktuell nur weiter links.

Andrenio
9. Mai 2019 06:34

Burladingen:
Dieses Treffen hatte zum Ziel die perfide Kampagne aufzudecken, mit der innerhalb der AfD aktive, bei den Wählern erfolgreiche Exponenten, mundtot gemacht werden sollen. Es sprachen dort ausschließlich mit Ausschlussverfahren konfrontierte Mandatsträger.
Gehen Björn Höcke hatte man erst kurz vorher dieses Verfahren zurückgezogen.

Warum allerdings ein Problem darin bestanden haben soll, dass Höckes Konterfei aufgestellt wurde, obwohl er doch die Ikone des Flügels ist, verschließt sich dem Beobachter.

Ein kritisches Wort:
Es trafen sich dort teilweise skurrile Gestalten, ganz im Gegensatz zu den Treffen in Schnellroda. Da kommt natürlich schnell der Gedanke auf „und mit solchen Typen soll man es reißen?“.

Hoffnungsvoll lässt sich unter solchen Umständen nicht in die Zukunft schauen.

Gotlandfahrer
9. Mai 2019 07:46

Hm.
Politische Klugheit.
In bezug auf was? 18 statt 13 Prozent? Ja, dafür ist es wichtig. Aber wie war das mit dem Stöckchen?

Professionalität steigern und Provokateure rausschmeissen selbstverständlich ja.

Aber dem Schändungshabitus des Gegners aus "Klugheit" nicht entgegentreten? Ich weiss nicht...

Ist denn eine in diesem Sinne klug agierende AfD eine Alternative? Also ist sie es, wenn sich die internen Gegner Höckes insoweit durchsetzen, als dass Sie ihn hierdurch vorauseilend selbst zu massregeln im Stande sind?

Der Teufel wird doch niemals durch sein Entgegenkommen entteufelt. Wenn nicht dies, wird etwas anderes bemüht.

In einer Welt, in der ich leben möchte, wird frohen Herzens unsere erste Strophe gesungen. Das ist für mich nicht verhandelbar. Nun stehe ich nicht zur Wahl. Aber stünde ich es, würde ich sagen: Seht her, hier stehe ich und kann nicht anders. Take it or leave it, wie der Lateiner sagt.

Sandstein
9. Mai 2019 07:52

@K
Tja und genau aus den genannten Gründen fand ich den Scherz dass Sie den Verlag in andere Hände übergeben und die AfD beraten gar nicht so schlecht. Ehrlich gesagt bitter nötig, gibt besonders im Flügel einfach zu viele Spinner.
Und das geht bei der Baum los..

Seneca
9. Mai 2019 08:42

Kubitschek ist ein “political animal” und hat vollkommen recht. Es ist weder im Stil noch in der Sache etwas hinzuzufügen.

Gustav Grambauer
9. Mai 2019 09:09

Von "Unsichtbarer Hand" sauber ausmanövriert wie nach dem Lehrbuch "Politik seit der Antike wie sie wirklich gemacht wird", dabei zugleich eine ganze Kaskade an Kollateraleffekten erreicht:

https://jungefreiheit.de/politik/deutschland/2019/geld-fuer-polen-weyel-bringt-rueckgabe-des-deutschlandlieds-ins-spiel/

- G. G.

HomoFaber
9. Mai 2019 09:24

Ein schmaler Grat

Imagine
9. Mai 2019 09:25

„Langsam aber sicher werden Kevin Kühnert und die Jusos ein Fall für den Verfassungsschutz.“ ließ Alice Weidel verkünden.
https://www.presseportal.de/pm/130241/4259764

Ein klarer Hinweis für alle denkenden Menschen darauf, was passiert, wenn die AfD mit ihren Wirtschaftsfaschisten an der Spitze an die Regierung kommt.

Kapitalistischer Wirtschaftsfaschismus und solidarische Volksgemeinschaft schließen einander aus.

Da Weidel viele Sympathisanten auf Seiten der neuen Rechten besitzt, wird deutlich, dass bei vielen Aktivisten deren angebliche Orientierung an der „sozialen Frage“ nur Verpackung ist. So wie beim als Großmutter verkleideten Wolf beim Rotkäppchen.

Aus Weidels Erklärung wird deutlich, dass sozialistische Positionen als verfassungsfeindlich behandelt werden soll. Mit dem Ruf nach dem Verfassungsschutz verengt Weidel das politisch korrekte Meinungsfester.

So wird immer offensichtlicher, wie das „alternative Deutschland“ aussehen wird, sollten Weidel & Co. an die Regierung kommen.

Das Absingen der ersten Strophe des Deutschlandliedes hingegen ist harmlose Nostalgie.

MARCEL
9. Mai 2019 09:27

"...von denen normalisiert worden sein, die nicht gewählt werden müssen". Der springende Punkt, daher die Notwendigkeit von Metapolitik (abgesehen von Parteidisziplin).
Dilettantismus tritt auf, da Profis abgeschreckt wurden durch die Kampagnen des Mainstreams gegen die AfD und zwar aus allen Rohren, während dieser Mainstraem jetzt daran arbeitet, die Grenzenlosigkeit und andere A-normalitäten zu "normalisieren" und uns ihrer Dynamik auszuliefern.
In einem anderen Artikel Kubitscheks wurde es fast en passant und contre coeur benannt: zuschauen, wie alles weiter den Bach runtergeht (fast wie Lenin, der dem Ersten Weltkrieg von Zürich aus "zuschaute")
Wohlgemerkt: zuschauen und sich bereithalten. Sich also nicht zurücklehnen, sondern metapolitisch arbeiten, ohne Parteibuch, ohne Bühne und...ohne Gesicht und Namen. Für den Gegner unsichtbar werden. Sich bereithalten heißt sich bereitmachen.

Arrow
9. Mai 2019 09:27

Ob diese ganze "politische Klugheit" klug ist?
Gotlandfahrer hat es wunderbar ausgedrückt: "Der Teufel wird doch niemals durch sein Entgegenkommen entteufelt".
Man verliert die Wahrhaftigkeit, wenn man die Instrumente der kommunikativen Manipulation (Overton-Fenster) vom Gegner übernimmt. Man ist aber nur solange Alternative zur linken Durcheinanderwerferei, solange man sich nicht auf Spielchen einlässt. Mit Trickserei kann man den Teufel nicht schlagen, weil er da a class of his own ist. Die Demokratie aber ist doch eine Spielwiese für Trickser, oder? Don Nicolás drückt es so aus: "Man könnte die Demokratie lächerlich finden, wäre sie nicht blasphemisch."

Lotta Vorbeck
9. Mai 2019 09:41

VOR 46 JAHREN ...

... 1973 - Karneval im öffentlich-rechtlichen BRD-TV:

https://youtu.be/ZJRUDaw8DJE

am 14.02.2013 veröffentlicht

Jonny Buchardt 1973

"... Lasst mal hören, wie ist denn die Stimmung ...
Zicke zacke ...hoi hoi hoi ... zicke zacke zicke zacke ....hoi hoi hoi ... hip hip ... hurra ... hip hip ... hurra ... Sieg ..."

---------------------------

Jonny Buchardt,
mit bürgerlichem Namen Herbert Günther Schlichting,
* 16. September 1925 - † 8. Oktober 2001

Carsten Lucke
9. Mai 2019 09:55

Sehr geehrter Herr Kubitschek,

in allem, was Sie hier schreiben, gebe ich Ihnen recht ! - Ein wichtiger Text !
Allein : Den " Fehler " ("Kleine Germanen"), den Sie unlängst - zusammen mit Ihrer Frau ( deren Wirken und Persönlichkeit ich über alle Maßen schätze) begangen haben, wirkt aus meiner Sicht wesentlich schwerer. Er ist nämlich medial für die Gegner ungemein brauchbarer - leider !
Was hat Sie beide da nur "geritten" ?!!
Also und bitte : Die Bälle flach und das Pulver trocken halten !

Kositza: Ich habs ja aus meiner Sicht geschrieben - einen solchen "Fehler" würde ich immer wieder machen. Ich finde das Vorgehen des Filmer menschlich schäbig - aber wo sollte uns dieser Film erntshaft schaden?

Ganz herzliche Grüße aus Thüringen !

Carsten Lucke

Homeland
9. Mai 2019 10:03

Ich empfinde die Einordnung zum Deutschlandlied von Götz Kubitschek als richtig. Erstens, weil hier eingeordnet wird. Zweitens, was und wie es eingeordnet wird. Drittens, wenn sie bewusst und für sich allein am 8.Mai online geht.
Erstens. Dass eine Verteidigungslinie gezogen wird, zu einer Person, hatte ich erwartet, und es ist ehrbar, wenn haltbar. Dass das Deutschlandlied eine Einordnung erfährt, und zwar so, war nicht zu erwarten, es war überraschend. Die Dokumentation dazu war angezeigt, und im Ergebnis erstaunlich.

Zweitens. Die 1. Strophe des Deutschlandlieds war (und ist) mit „Deutschland, Deutschland über alles, über alles in der Welt, wenn es stets zu Schutz und Trutze brüderlich zusammenhält“ ein Appell an den Zusammenhalt, „von der Maas bis an die Memel, von der Etsch bis an den Belt“ der geografische Rahmen dazu. Wird sie heute gesungen, entstehen für Zuhörerer (und Betrachter) Fragen. Und zwar zur Geografie, und das berechtigt.
Ob Nachkriegsordnungen gerecht sind, kann man als Frage in den Raum stellen. Es sollte in einer Demokratie, die sich Meinungsfreiheit auf die Fahnen geschrieben hat, möglich sein auch solche Fragen zu stellen. Es gibt dafür jedoch eine Einrahmung, u.a. Staatsrecht, internationales Recht und Staatsverträge. Man kann auch sagen: Grenzen. Beispiele sind die Nachkriegsordnung im Nahen Osten oder faktisch willkürliche Grenzziehungen in weiten Teilen Afrikas. Deutschland hat insbesondere und vornehmlich eine Vereinbarung mit Polen getroffen, um beim Thema zu bleiben. Es ist dabei erst einmal einerlei, ob über die Zeit hinweg nach WKII - wenn man so will - über ein sich gewöhnen (müssen) Fakten geschaffen werden (Enteignung, Verwaltung durch Dritte und Besiedelung mit Dritten), allemal, nachdem praktisch jeder Einfluss nach der Bildung militärischer Blöcke (NATO und Warschauer Pakt) ausgeschaltet war. Die Dinge waren wie sie waren, über Jahrzehnte hinweg. Und es folgte ein „Zusammengehen“ der Staatsgebiete der BRD und der DDR. Die „Republikaner“ hatten auf der Titelseite des Parteiprogramms 1992 Deutschland in den Reichsgrenzen von 1937 abgebildet. Es galt und wurde ausgesprochen: „Das ganze Deutschland soll es ein!“ Wer also die 1. Strophe des Deutschlandliedes öffentlich singt, macht aus dieser Forderung von damals eine öffentliche Frage heute. Herunter gebrochen auf die aktuelle Politik: Die europäische Rechte formiert sich im künftigen Europaparlament. Sollte ein Herr Meuthen diese Gedanken in die Diskussion mit Herrn Salvini und, nach Lage der Dinge, mit Herrn Orban einbringen, weil in Greding „Teile der AfD“ Position bezogen haben? Solche Überlegungen anzustellen ist vollkommen absurd. Und wir lassen die Frage einmal außen vor, ob hier nicht doch ein Provokateur unterwegs ist, der „geeignete“ Töne und Bilder produzieren will, unterstützt von ein paar Dummen. Wer also die Grenzfrage aufwirft, wenn auch nur latent, subtil, läuft Gefahr, das europäische Projekt zu töten, oder er will es töten. Wer als AfD-Mitglied öffentlich die 1. Strophe des Deutschlandliedes singt, hilft dabei mit. Lediglich durch Fragen, die eine Strophe entwirft. Der Todeskult der Republikaner hing an Franz Schönhuber. Er segnete die Landkarte als Titel ab. Und kandidierte dann am Ende für DVU und NPD. Die Republikaner endeten als vollkommen irregeleitete Partei, die dem Pathos des großen Vorsitzenden erlegen war und dessen Extremismus sich irgendwann doch Bahn brach. Ich kann vorgeben, „nur“ einfach die ganze Nationalhymne zu singen, weil ich es für „richtig“ halte. Ich kann auch eine Landkarte in ein Parteiprogramm drucken. Video und Parteiprogramm sind nicht das Gleiche, aber dasselbe.

Drittens. Die Einordnung erscheint eine Alternative zu den bekannten Erklärungen zum 8. Mai. Weil es keine weitere Erklärung zu diesem Tag gibt, entwirft sich die Einordnung zu Greding m.E.n. als Stellungnahme. Wäre Greding nicht zufällig eine Vorlage geworden, eine Einordnung entlang des Deutschlandlieds hätte sich empfohlen, und zwar genau so. Was ich lese, entwirft einen Blick in die Zukunft. Die Einordnung der Vergangenheit ist schon gemacht. Ein Bewusstsein dafür, was Unrecht ist, auch.
Das Rechtsempfinden, als Nation bestehen zu dürfen, ist rudimentär entwickelt. Dafür die Erinnerungskultur um 180 Grad wenden zu müssen, ist allerdings die falsche Losung, jedenfalls ist die Justierung des Kompasses für die Marschrichtung damit um ein paar Grad mißlungen. Öffentlich die 1. Strophe des Deutschlandliedes nicht mitzusingen, ist ein Signal, mehr aber noch nicht.

Wer, ich wiederhole mich, die ethnokulturelle Begriffs- und Anwendungserklärung noch vor sich hat, sollte sich sehr gut überlegen, welches Kochfeld als nächstes bei welcher Temperatur anzuschalten ist. Dies gilt für eine Diskussion um ein Deutschlandlied ebenso wie bei einer Diskussion um einen Sozialismus, der in den Kontext einer Kultivierung des Nationalen gehoben wird. Manche Dinge sind nicht nur fachlich schlicht falsch, in der tatsächlichen Wirkung wirtschaftlich oder gesellschaftspolitisch desaströs und allenfalls in einer, wenn überhaupt, akademischen Erörterung von Interesse, sondern stellen auch einen absolut ungeeigneten Kontext her. Auch eine Vorfeldorganisation muss das Umsetzungsfähige berücksichtigen, und das Absurde erkennen. Das erscheint mir die Botschaft zu sein. Und diese Botschaft ist richtig.

Sandstein
9. Mai 2019 10:10

@ Lotta

Herrlich!

"Ich hatte gar nicht gewusst, dass soviele ehemalige Kameraden anwesend sind"

Der Deutsche und sein Wesen, eingedampft auf ein paar Sekunden.

Der Gehenkte
9. Mai 2019 10:44

Ich bin heilfroh über diesen Artikel. Die Diskussionen der letzten Monate haben mich zunehmend zweifeln lassen, ob das noch der rechte Platz für mich ist. Von Kubitschek nun strategischen und taktischen Klartext zu lesen, Realitätssinn, unvoreingenommenes politisches Denken, bestätigt die Entscheidung. Im Kern ist das alles richtig hier. Man kann sich freilich nicht immer heraussuchen, von welchen Planeten man umkreist wird.

Freilich ist die Annahme eines "Idioten" viel ökonomischer, als die eines agent provocateurs aus gegnerischen Reihen. Dann noch eher aus den eigenen. Man sollte sie bis auf weiteres bevorzugen, denn Dummheit ist weiter verbreitet als Bosheit.

cso
9. Mai 2019 10:46

In einem System, das bestimmte Gesten oder Lieder, Muster oder Farben verbietet, das Zuwiderhandlungen bestimmter Gruppen verfolgt während es andere Gruppierungen gewähren lässt, lebt man nunmal unter stetem Druck, erst recht, wenn man sich keiner begünstigten Gruppe zugehörig zählen kann. Und natürlich erst recht, wenn man dann auch noch in der Öffentlichkeit steht bzw. beobachtet wird.

Ich habe überhaupt nichts dagegen, daß man das Lied der Deutschen singt, wenn die daraufhin einsetzende Emprörung dazu beiträgt, den Menschen die Absurdität dieses repressiven Systems vor Augen zu führen.

Sagittarius
9. Mai 2019 11:15

Da kann ich Herrn Kubitschek nur zustimmen. Ich habe zwar nichts gegen Hymnensingen auf der Bühne, aber diese Panne habe ich als abgrundtief peinlich empfunden. Nicht weil mir das Deutschlandlied peinlich wäre, sondern weil Björn Höcke und andere anscheinend nichts wussten von ihrem "Glück". Wer auch immer Höcke damit eine "Freude" bereiten wollte - es ist ihm gelungen. Mit solch einer AfD ist mir um den Fortbestand der "heute-Show" nicht bange.

cubist
9. Mai 2019 11:39

Kubitschek hat, natürlich, völlig recht: Die AFD muss sich dringend professionalisieren (man sieht das mit Schaudern bei der Geschäftsführung der Bundestagsfraktion ...). Aber mir stellen sich da zwei Fragen: Erstens, das wurde hier in den Kommentaren erwähnt, ist das mit dem politischen Wahlpersonal der Partei möglich? Es ist nicht nur politisch heterogen, zwischen (Anarcho-)Libertären, Konservativ-Liberalen oder Nationalkonservativen findet sich alles, es ist auch geistig mitunter eine Katastrophe (von Wirr- bis simplen und ordinären Dummköpfen); und das fällt mangels Disziplin aufgrund notorischer Mediengeilheit (obwohl auch dem dümmsten AFD-Funktionär klar sein müsste, dass jeder seiner Aussagen sofort negativ verwertet wird) natürlich eher auf als in der CDU, wo sich der eher einfach gestrickte Hinterbänkler im Parlament zurück hält und brav seiner Führung folgt.
Zweitens: Wo bei der gegenwärtigen politisch-medialen Hetzjagt soll denn das Personal herkommen, dass auf den Verwaltungs- und Sachebenen, zB der Bundestagsfraktion, für eine Professionalisierung sorgt? Fakt ist doch, wenn auch etwas von mir überspitzt, dass außerhalb einiger ostdeutscher Enklaven nur derjenige sich bei der AFD prominent oder hauptamtlich engagieren kann, der entweder gesellschaftlich (und politisch) eh nichts mehr zu verlieren hat oder abgeschlossen hat. Meine Hochachtung haben die, die es trotzdem tun, zB als wiss. Referenten der AFD für Bundestagsausschüsse (und es ist natürlich schön, wenn bspw. Identitäre so in den Genuss einer zumindest für vier Jahre gesicherten sozialen Existenz kommen können). Doch ist, man muss es ehrlich sehen, die Auswahl der AFD auch etwas beschränkt . Nicht jeder Referent ist ein Klonovsky.

Ach, zur eigentlichen Frage, wer war's: Ockhams Rasiermesser lehrt mich, dass es sicherlich schlichte (wenn auch kaum erträgliche) politische Dummheit war, die zu dieser Liederpanne führte. Ein politischer Wirrkopf fand die Idee Klasse und der Rest der Veranstalter war unprofessionell genug, sich nicht drum zu kümmern. (Oder sofort den Stecker zu ziehen. Oder einfach nicht zu singen.) Sabotage, Zersetzung, politische Gegner etc., all das braucht die AFD eigentlich nicht, um sich zu schaden.

Laurenz
9. Mai 2019 11:59

@Imagine ...... ich habe den harmlosen Link der AfD-Bundestagsfraktion, Herrn Lüth, gezeichnet von Frau Weidel, gelesen. Ich kann da nichts von einem Wirtschafts-Faschismus feststellen. Das ist eine reine Unterstellung Ihrerseits.
Historisch betrachtet, schreiben Sie groben Unfug. Es war Willy Brandt, der anfing in großem Maßstab mit langen Fingern in die Sozialkassen zu greifen, um z.B. seinem Freund Tito Geld zuzuschanzen.
Der versicherungsfremde Leistungszugriff in die deutschen Sozialkassen durch deutsche Regierungen hat sich leider bis heute erhalten. Gesamtgesellschaftliche Aufgaben, die aus dem Steuertopf bezahlt werden müßten, werden Arbeitsgebern und Arbeitnehmern angelastet, wie auch z.B. der Aufbau Ost durch Helmut Kohl. Es war Helmut Schmidt, der es zuließ, daß sein Minister, Hans Apel den Gebrüdern Sachs beim Verkauf ihrer Werke nach Britannien die Versteuerung ihres Veräußerungsgewinns erließ. Es war die Regierung Schröder/Fischer, die es durchsetzte, daß Veräußerungsgewinne durch Kapitalgesellschaften steuerfrei gestellt wurden. Direkt danach wurden schätzungsweise 700 Milliarden Euro stiller Reserven durch die deutsche Wirtschaft gehoben. Es war u.a. die SPD, die Gewinne aus Kapitalerträgen mit der lächerlichen Kapitalertragssteuer von 25% besteuern ließ, und es in dieser Form möglich machte, Cum-cum-Geschäfte zu tätigen um sogar die geringe Kapitalertragssteuer zu umgehen. Es ist also die Partei des Sozial-Faschisten Herrn Kühnert, die, wie sagten Sie, Wirtschafts-Faschismus betrieb und bis heute betreibt. Frau Weidel hatte bis heute keine Gelegenheit dazu, zu beweisen, was Sie auf der Regierungsbank zu leisten vermag. Bitte, Imagine, erst recherchieren, dann denken und dann erst posten.

Amos
9. Mai 2019 12:03

Ich plädiere dafür, das Lied gar nicht mehr auf AFD- Veranstaltungen zu singen. Erstens hört sich das an wie Katzengesang, zweitens ist ein gefühlig- schwelgerischer Patriotismus nicht nur dem politischen Gegner suspekt. Ansonsten gilt: erst siegen, dann singen.

Die ertse Strophe:
Deutschland, Deutschland über alles,
Über alles in der Welt,
Wenn es stets zu Schutz und Trutze
Brüderlich zusammenhält,
Von der Maas bis an die Memel,
Von der Etsch bis an den Belt –
Deutschland, Deutschland über alles,
Über alles in der Welt!

-wird zu recht üblicherweise gar nicht mehr gesungen, drückt doch "über alles in der Welt" eine unheilvolle und zurecht mit den 12Jahren des Tausendjährigen Reiches konnotierte Vergottung der Nation aus, die auch die AFD nicht dulden darf, wenn sie sich weiterhin klug als einzig verbliebene Partie des Rechts- bzw. des Ordnungsstaates positionieren will. Über Etsch und Belt als deutsche Kulturlandschaften oder Gebietsansprüche mögen andere raisonieren.

Dass hier Idioten oder Saboteure oder beides am Werk waren, Herr Kubitschek: vollkommen d'accord!

Lotta Vorbeck
9. Mai 2019 12:10

@Sandstein - 9. Mai 2019 - 10:10 AM

"Herrlich!

Der Deutsche und sein Wesen, eingedampft auf ein paar Sekunden."

***********************************

Wer möchte kann es, je nach Temperament tagtäglich in seiner unmittelbaren Umgebung still beobachten oder auch proaktiv antesten: In übergroßer Mehrheit hat man es mit windelweichen, gnadenlosen Opportunisten zu tun, die es selbst bei nichtigsten Anlässen für besonders schlau halten, scheinbar mühelos vom "Hosianna!" zu "Ans Kreuz mit ihm!" zu wechseln.

Sandstein
9. Mai 2019 12:49

@ Lotta

Volle Zustimmung!
Nur warum ist das so? Preußens Disziplin?
Die Holländer sind uns nicht unähnlich, gleichzeitig völlig anders: ehrlich, direkt und dabei trotzdem meist respektvoll. Man vergleiche Debatten dort mit denen des Pöbels im Bundestag.
Ich schweife vom Thema ab.. :)

Andreas Walter
9. Mai 2019 12:50

Harmlos.

Versteh' gar nicht die Aufregung. Bin weder "peinlich" berührt, noch würde ich mir durch so etwas die Laune verderben lassen.

Souveränität beginnt eben im Kopf, fällt mir auch bei dieser Diskussion wieder auf. Man ist es, oder man ist es nicht. Entspannt, gelassen, selbstsicher, souverän, zuversichtlich. An Höcke und anderen auf der Bühne daher ein Beispiel nehmen, weil nichts niemand schuldig.

Fritz
9. Mai 2019 13:14

Kann man denn wirklich ein Land oder eine Nation "über alles in der Welt" stellen?

Ich muss sagen ich liebe Deutschland durchaus, aber meine Frau liebe ich mehr.

RMH
9. Mai 2019 13:31

"Das Absingen der ersten Strophe des Deutschlandliedes hingegen ist harmlose Nostalgie."

@Imagine,

dieser Satz ist doch nur ihr Feigenblatt dafür, damit ihre mal wieder offenkundige und bewusst platzierte Themaverfehlung, mit der die Diskussion auf andere Gleise im Sinne ihres marxistisch-sozialistischen Dauermissionsauftrages gelenkt werden soll, überhaupt freigeschaltet wird. Sparen Sie sich solche Beiträge bitte zukünftig für die Diskussionsrunden auf, wo sie auch hineinpassen.

@Laurenz,
nur zur Ergänzung ihrer zutreffenden Aufzählung:
Die größten Einschnitte in Arbeitnehmerrechte fanden auch unter rot-grün statt. Man erinnere nur an die Anhebung der sog. Schwelle für die Kleinbetriebsklausel im Kündigungsschutzgesetz, mit der mit einem Schlag Hunderttausende dem gesetzlichen Kündigungsschutz beraubt wurden (die Vertrauensschutzregelung hielt nicht lange vor) bzw. erst gar nicht mehr in dessen Genuss kommen, an die Einführung des "Interessenausgleichs mit Namensliste" auch für größere Entlassungswellen außerhalb einer Insolvenz sowie an die unter rot grün verabschiedete Neuregelung des Befristungsrechtes (letzteres will die SPD wieder ändern, über die genannten ersten zwei dicken Brocken bereiten SPD und Grüne nach wie vor lieber den Mantel des Schweigens). Liese sich noch erweitern. Aber hier geht es ja um ein anderes Thema.

Laurenz
9. Mai 2019 13:50

@Fritz ... Ja, Sie. Aber wieso gehen Sie in politischen Fragen von Sich aus? Mir geht es anders. Entweder besitzen Sie ein Gefühl für das große Sein, welches über das eigene Ego und die Bedürfnisse der eigenen Lebensspanne hinaus geht, oder Sie besitzen es eben nicht. Ich z.B. liebe einige Frauen, aber keine kommt mit Deutschland mit, denn sie sind nur ein kleiner Teil Deutschlands. Logisch, oder?

Imagine
9. Mai 2019 14:21

@Laurenz 9. Mai 2019 11:59

Wenn Ihre Ausführungen zeigen sollen, dass auch die SPD eine wirtschaftsfaschistische Politik dergestalt betreibt, dass sie die arbeitende Bevölkerung betrügt und die gesetzlichen Voraussetzungen dafür schafft, dass die Kapitalisten und Funktionseliten diese ungehemmt ausbeuten können, dass der Anteil des Volkes am Staatseigentum (Post, Bahn, Autobahnen etc.) durch Privatisierung enteignet wird und die Politik nach dem Prinzip verfährt: „Gewinne privatisieren, Verluste sozialisieren“, dann ist dies Realität.

Das letzte Beispiel ist der Betrug der Automobilindustrie mit den Abgas- und Verbrauchswerten, wo von Seiten der Politik den Autokäufern ein angemessener Schadensersatz verwehrt wird. Und Eigentümer von Dieselautos werden de facto enteignet.

Nicht zu vergessen, die sog. Banken- und Euro-Rettungen, wo das Vermögen der reichen Privateigentümer gerettet wurde und das deutsche Volk zu Gläubigern gemacht und damit de facto enteignet wurde.

Der extreme Wirtschaftsliberalismus aka Neoliberalismus IST Wirtschaftsfaschismus und dessen Parteigänger sind Wirtschaftsfaschisten.

Spitzen der AfD, wie Meuthen, Weidel etc., favorisieren einen extremen Wirtschaftsliberalismus. Sie wollen mehr Liberalisierung und mehr Sozialstaatsabbau. Deshalb werden genau diese Personen von kapitalstarken Geldgebern im Hintergrund finanziert und promotet.

In der AfD wurde eine Alice Weidel zu einer Führungsfigur gemacht, die sich als Doktorvater den Professor Oberländer wählte. Jenen Professor, der eine Liberalisierung des Organhandels forderte. Arme sollen ihr knappes Budget ruhig mit dem Verkauf einer Niere aufbessern dürfen.

Im System des Wirtschaftsfaschismus werden jene, die aufgrund ihres Vermögens ein arbeitsfreies Einkommen erzielen, immer reicher. Und jene, die mit ihrer Arbeit den gesellschaftlichen Reichtum produzieren und das Funktionieren der Infrastruktur (Bildungswesen, Gesundheitssystem, Polizei etc.) aufrechterhalten, immer ärmer.

Trotz steigender Produktivität sinken die Reallöhne. Die Menschen arbeiten sich arm und kaputt. Ein Teil der Arbeitsbevölkerung, deren Arbeitskraft nicht mehr profitabel verwertet werden kann, wird aus dem Arbeitsprozess exkludiert und zum Prekariat gemacht.

Auch in der AfD werden die extremen Wirtschaftsliberalen – sofern sie an die Regierung kommen – KEINE Politik für die arbeitende Bevölkerung machen.
Wer glaubt, dass diese Partei eine Politik fürs Volk macht, ist naiv, politisch blind und/oder kognitiv limitiert. Sondern die AfD wird – wie die anderen etablierten Parteien – eine Politik für die Vermögenden und ihre Funktionseliten, also für Politiker, Wirtschafts- und Medien-Manager etc., machen und sich dabei selbst die Taschen vollstopfen.
Und eine Politik gegen die kleinen staatsalimentierten Sozialempfänger und für die großen Sozialparasiten.

Parteien im System der repräsentativen Demokratie funktionieren so. Robert Michels hat dies schon vor über 100 Jahren erkannt. Kubitschek hat ihn gelesen.

afdahaas
9. Mai 2019 14:25

"Es gibt in Bayern einen flügelnahen Mann, der nicht Parteimitglied werden konnte, weil er nicht willens war, seine Identität mittels gängiger Dokumente eindeutig nachzuweisen. Er gilt als Hochstapler und zugleich als Organisationstalent, ist eine imposante Erscheinung und ein Schnurrenerzähler, und er verfügt über Geld und eine stets willkommene Großzügigkeit."

Dieser Herr hatte auch die Halle für dieses süddeutsche Flügeltreffen in Greding angemietet.

Gegen ihn gilt seit heute ein Hausverbot bei allen Veranstaltungen der AfD in Bayern.

heinrichbrueck
9. Mai 2019 14:51

„Ich habe überhaupt nichts dagegen, daß man das Lied der Deutschen singt, wenn die daraufhin einsetzende Empörung dazu beiträgt, den Menschen die Absurdität dieses repressiven Systems vor Augen zu führen.“

Oder ein Herr Ramelow eine neue Hymne vorschlagen darf, und die Empörung daraufhin genutzt wird, eine andere Hymne in die Tat umzusetzen. Da wird doch gleich die Systemfrage gestellt!

@ RMH

"Bevor Höcke oder Gauland, Weidel oder Kalbitz etwas Normalgewordenes aufgreifen, muß es von denen normalisiert worden sein, die nicht gewählt werden müssen."

Die Intention ist klar, nichts dagegen. Aber auf dem Hochsitz der Verschwörungsbeobachtung, als Bösmensch schlechthin, kommt mir ein Seehofer-Zitat, bei Pelzig rausgehauen, vor mein Monokular. Man könnte auch noch den Wahlaufruf des Bankenverbandes, was hier vom eigentlichen Thema wegführen würde, mit dem bayerischen Angsthasen kombinieren.

KlausD.
9. Mai 2019 14:52

Ich kann es nicht mehr hören, ganz ehrlich, dieses ständige Ausweichen, Zurückweichen, Distanzieren. Wie will man eine Volkspartei werden, wenn man immer nur klein bei gibt? Letztens las ich hier irgendwo, wir befinden uns im Krieg. Wie will man einen Krieg gewinnen, wenn man sich ständig in der Defensive befindet?
Aber stopp mal, bei den Stichworten „Kämpfen, Ausweichen, Zurückweichen, Distanzieren“ fällt mir ein: Henry Maske, der Boxer, war ja auch kein Draufgänger, vielmehr ein Taktierer, ständig Ausweichen, Zurückweichen, Distanzieren, dann endlich mal eine Attacke, eigentlich kein attraktiver Boxstil – aber: Er ist damit Weltmeister geworden …
Kann man das vergleichen? Hoffentlich ...

t.gygax
9. Mai 2019 15:01

Ich habe mir den youtube Auschnitt angeschaut. Höcke ist einfach gut- er lächelt bei der ersten Strophe, bei der zweiten singt er gelassen mit ( warum auch nicht? ) und bei der dritten ist er ganz staatsmännisch.
Und Frau Baum lächelt entzückend , als die erste Strophe eingespielt wird, obwohl sie auch verblüfft wirkt.
Im Ernst: die AFD könnte die Internationale singen, die Herrschenden würden auch dort sofort etwas finden, um die AFD nachher wieder in den Dreck zu ziehen.
Die Oberstadt duldet eben keine Schmuddelkinder, so einfach ist das . ( frei nach F.J. Degenhardt)
Leute, hört euch mal an, wenn bei Marine Le Pen oder bei Wladimir Putin deren Hymnen angestimmt werden!
So sollten wir auch singen, und nicht kleinmütig geduckt und zitternd vor den Reaktionen anderer.
Aber das werde ich wohl nicht mehr erleben...alles zu seiner Zeit. Altes revolutionäres Lied aus dem Bauernkrieg: "geschlagen ziehen wir nach Haus, unsre Enkel fechten ` s besser aus".
Ich pflanze frei nach Schiller noch am Grab die Hoffnung auf.

Thomas Martini
9. Mai 2019 16:45

Der Ärger Kubitscheks, speist sich wohl aus der Sorge, daß der Hoffnungsträger Höcke wegen einem Vorfall wie in Greding in der politischen Bedeutungslosigkeit verschwinden könnte. Unbegründet ist diese Befürchtung nicht.

Die Überschrift des Beitrags ist ein Hinweis darauf, daß es hier um Veröffentlichung geht. Kubitschek bleibt scheinbar oberflächlich, richtet seine Worte zur "breiten" "Öffentlichkeit" aus.

Kubitschek ist aber zu schlau, um einer Diskussion, die er nicht geführt sehen will, die passenden Stichworte zu liefern.

Viele Kommentare tragen zur Normalisierung bei, einige erfreulicherweise zur Befreiung.

Es sind ewiggestrige Demokratiegläubige, die noch immer ihrem althergebrachten Irrtum hinterherlaufen, daß ein höchstseriöses Praktizieren der demokratischen Spielregeln irgendwann im Sankt Nimmerleins Tag noch Erfolg zeitigen wird.

"Der Deutsche ist imstande, um eines Hiatus willen eine Wahrheit nicht zu sagen oder sie minder schlagend zu sagen." - Christian Morgenstern, "Stufen -
Eine Entwickelung in Aphorismen und Tagebuch-Notizen"

Man sollte nicht den Fehler machen, und diesen Text nur "politisch" auffassen. Seine Tiefgründigkeit liegt in der Psychologie.

Wesentlich bleibt, daß dieser "Skandal" nicht ausreicht, um Björn Höcke politisch kalt zu stellen. Gott sei dank! Andererseits wird man von den Machern der demokratischen Spielregeln in den letzten Monaten, spätestens seit dem Christchurch-Attentat an die Wand gespielt. Man kommt nicht mehr aus der Deckung raus, und durch die vielen Rechtfertigungen, bleibt wenig Zeit, um die zahlreichen Skandale der Gegenseite aufzugreifen.

Beispiele wären die Vorgänge rund um die katholische Kirche, der Gerichtsprozess im Fall von Niklas P., oder auch die Raumnahme durch Hochzeitsgesellschaften:

https://coriolan.in/rom/raumnahme-durch-hochzeitsgesellschaften/

Es gäbe noch vieles mehr, denn es wird allzu leicht vergessen, daß die BRD ein polymorbides, verwesendes Staatsgebilde ist.

Gotlandfahrer
9. Mai 2019 17:08

@ imagine:
Netter Versuch. Solidarische Volksgemeinschaft und Sozialismus schliessen sich aus, Sie suggerieren Deckungsgleichheit. Das kann Ihnen jeder Antifadebile erklären.

Solution
9. Mai 2019 17:19

Für mich besteht der einzige Skandal darin, daß nicht alle gleich laut mitgesungen haben.

Search4M
9. Mai 2019 18:35

Die Veranstaltung war anscheinend nicht durchgetaktet und gecheckt. Es gab wohl keine Dramaturgiebesprechung. Die Exzellenz eines Vorhabens bricht manchmal am Mangel an Intelligenz, oder an Übereifer (was auch Dummheit ist). Im Übrigen finde ich das ständige Absingen der Hymne irgendwie albern und kindisch - wie wenn einem sonst nichts mehr einfällt.

nom de guerre
9. Mai 2019 18:43

Bin etwas befremdet über den Artikel. Ja, dass es diese Panne/das Handeln eines agent provocateurs geben konnte, spricht für einen Dilettantismus, der in einer Partei, die eine ernstzunehmende Rolle spielen möchte, nicht vorkommen sollte. Allerdings stößt die AfD, wie andere Kommentatoren schon angemerkt haben, bei der Rekrutierung ihres Personals auf Schwierigkeiten, die andere Parteien nun einmal nicht haben. Und ja, in diesem Rahmen etwas zu singen, das man nur unter Verweis auf den historischen Kontext verstehen kann, ist problematisch, wenn dieser historische Kontext nicht mehr allgemein bekannt ist. Dann wäre es aber doch unter Umständen eine lohnende Aufgabe Neuer Rechter, dies zu ändern, d.h. die Normalität, die dem Deutschlandlied m.E. zukommt, wiederherzustellen, zumal es daran, zu Schutz und Trutze brüderlich zusammenzuhalten, derzeit leider etwas hapert.

Dass die AfD durch Distanzierung hier irgendetwas erreichen kann, darf jedenfalls bezweifelt werden. Bis auf weiteres ist jemand, der rechte Positionen vertritt, eben "voll Nazi", egal wie abwegig das inhaltlich ist, daher sollte man vielleicht in Zukunft davon absehen, über die Stöckchen des Gegners zu springen. Was in einem Fall wie dem vorliegenden bedeutet, sich für die Panne zu entschuldigen und es dabei bewenden zu lassen.

Halenberg
9. Mai 2019 19:57

Guter Artikel.
@ Gehenkter: was Sie schreiben, waren auch meine Gedanken.

links ist wo der daumen rechts ist
9. Mai 2019 20:03

Mein nachgetragener Beitrag zum 8. Mai:

http://www.taz.de/!5193916/

Am letzten Abend des Seminars war Schwof angesagt. Zu später Stunde setzte sich Kempowski an den Flügel und spielte, in einer getragenen Version, das Deutschlandlied. Ich kriegte eine Gänsehäut. Das sei geschmacklos gewesen, sagte ich zu ihm, und da wandte er sich wortlos ab (was mich schmerzlich berührte). Seine Antwort erhielt ich erst einige Wochen später schriftlich: "Es tut mir leid Ihnen sagen zu müssen, daß zu unserer Sommergemeinschaft wortloses Verstehen gehört. Vor der Frage steht das Nachdenken, und zum Nachdenken gehört Sympathie - und sie eben ist nötig, wenn wir hier wie eine Familie drei oder vier Wochen gemeinsam verbringen wollen. Aus diesem Grunde muß ich meine Einladung an Sie leider rückgängig machen." Das war kurz nach Nikolaus. Unmittelbar vor Weihnachten revidierte Kempowski seine Entscheidung: "Also, meine Mädchen vom Sommerklub haben mir sehr eingeheizt, sowas könnt' ich doch nicht machen, und das gefällt ihnen gar nicht, daß ich den Gerhard wieder auslade. Dies hab ich mir inzwischen auch überlegt und vielleicht sollte ich mich sogar entschuldigen für meine abrupte Reaktion. Es würde mich freuen, wenn ich den Brief ungeschehen machen könnte, und ich erneuere die Einladung zum Sommerklub hiermit, allerdings unter einer Bedingung: Daß mir vaterländische Diskussionen unter der norddeutschen Sonne erspart bleiben."

Falls jemand diesen Artikel aus der taz (huch!) wie der Teufel das Weihwasser scheut: die Passage findet sich auch in Henschels Buch über Kempowski.

Immer noch S.J.
9. Mai 2019 20:10

Ich verstehe den Lärm nicht. Björn Höcke hat zu erkennen gegeben, dass ihn die Aktion anderer irritiert und wie er sich in der Sache positioniert. Es wurde ein Lied gesungen. Niemand hat den Einmarsch in Gebiete vom Etsch bis an den Belt in Wort oder Tat gefordert, nur weil ein Lied in Zeiten einer allgemeinen Desorientierung gesungen wurde. Es gab offensichtlich keine Tätlichkeiten und keine Aufforderungen zu was auch immer. Der Ministerpräsident des Landes Thüringen (geboren 1956) dagegen wird heute in den Medien mit Gedanken über die Abschaffung der deutschen Nationalhymne (geschrieben 1841) zitiert, weil sie ihn persönlich an die NS-Zeit erinnere. Obwohl das erkennbar unfassbar absurd ist und dieser Mann in seiner Funktion als Ministerpräsident und Repräsentant eines deutschen Bundeslandes mit seinen Worten Hand an die Überlieferung und das kulturelle Selbstverständnis einer ganzen Nation legt, zerbricht man sich den Kopf über die Art und die Geschwindigkeit einer Reaktion Höckes auf ein Ereignis, bei dem er lediglich anwesend war. Das alles ist lächerlich. Ich möchte viel lieber darüber reden, was Bodo Ramelow an der Tatsache stört, dass „Einigkeit und Recht und Freiheit“ des „Glückes Unterpfand“ sind. Was, verdammt noch mal, ist mit dieser Gesellschaft passiert?

Simplicius Teutsch
9. Mai 2019 21:14

Das für seine Gegner besonders Herausfordernde an der Person Björn Höcke ist, dass er eben nicht maßlos fanatisch, sondern gebildet, intelligent, rechtschaffen, bescheiden und geistig unbeugsam und unbestechlich für den Erhalt der Deutschen eintritt.

Für Götz Kubitschek, das stelle ich mal ohne Rücksprache in den Raum, ist Björn Höcke der König im tagespolitischen Spiel der Rechten. Der König muss geschützt werden. Und steht er im Schach, muss er sofort herausgezogen werden. Der König ist nicht ersetzbar. Wenn der König schachmatt ist, ist das Spiel verloren.

Vielleicht ist der Vergleich nicht passend: Aber mir scheint, in Greding wurde der König von einem eigenen Bauern angerempelt. Das darf nicht passieren. Der König muss geschützt werden, erst im Endspiel entfaltet er seine volle Stärke.

Inspektor
9. Mai 2019 22:44

@Siimplicus Teutsch

Höcke mag der König sein, oder auch nicht. Im königlichen Spiel ist aber bekanntlich die Dame die stärkste Figur, Simpel. Zum Glück hat die AfD auch dafür gesorgt, in der Person von Alice Weidel. Wie auch immer, es geht aufwärts!

Wolf Silius
9. Mai 2019 23:19

Dieses Deutschland hat seine Hymne nicht verdient.

Dancehall Rumsfeld
10. Mai 2019 00:30

Flügel sind normalerweise dazu da, aufzusteigen.

So was wie in Greding darf nicht vorkommen.

Punkt.

Und wer, wie Höcke, lieber mehr Energie auf umständliche, vermeintlich tiefschürfende historische Exkurse zur Rechtfertigung verwendet als darauf, die Masse zu erreichen, zu überzeugen, zu bewegen, versteht entweder nicht mal die elementarsten Regeln der Politik oder er hat etwas zu verbergen.

Sagt übrigens der gleiche, der kein Problem damit hat, Höcke zu verteidigen, wenn er was gescheites sagt.

https://protokollsatz.blogspot.com/2019/03/die-m-strategie.html

Atz
10. Mai 2019 01:40

Bekanntlich hat der Film Casablanca selbst die "Wacht am Rhein", das kaiserlich-altbackene patriotische Verteidigungslied gegen eine französische Invasion (wir alle wollen Hüter sein), zu etwas gemacht, dass man mit der bluttriefenden Marseillaise (Chant de guerre pour l'Armée du Rhin) kontern müsse.

Das Deutschlandlied bleibt eine Klemmveranstaltung der liberalen Mitte. Man vergleiche einen Deutschlandfunkbeitrag zum Deutschlandlied mit einem zur Eislerhymne. Immerhin spielt man dort die Hymne zur Nacht. Mit ihr Politik von rechts zu machen, weiss nicht. Dafür ist die ganze Dichtung zu bescheiden.

Was ist mit der 2. Strophe? Nichts. Auch nicht verboten. Aber mies.

Besser gleich, Gott erhalte Franz den Kaiser, bekannt von gewissen Beerdigungungen in Österreich, zu singen, vom Komischen (Hoch als Herrscher, hoch als Weiser, Steht er in des Ruhmes Glanz; Liebe windet Lorbeerreiser Ihm zum ewig grünen Kranz.) bis hin zum angezapften Herrscherlob (Er zerbrach der Knechtschaft Bande, Hob zur Freiheit uns empor! Früh' erleb' er deutscher Lande, Deutscher Völker höchsten Flor).

Kaum vorstellbar wäre heute ein Loblied auf die Kanzlerin!

Man erweist der Nationalhymne oder dem Lied einen Bärendienst, wenn man es von rechts spielt. Irgendwie satter, wenn Stephan Krawczyk faux pas macht mit der Nationalhymne als das Höcke Umfeld. Mit "Macht deutsche Kinder!" hat Krawczyk eh den sympathischen Ton der Zeit gefunden.

Wir brauchen neue Lieder. Wir brauchen Patrioten, die nicht da stehen, wo sie bereits erwartet werden.

Thomas Martini
10. Mai 2019 06:45

"Zum anderen hat jeder in der AfD Engagierte an das, was er äußern will, nicht nur den Maßstab der Richtigkeit und des Durchdenkens anzulegen, sondern zusätzlich den der politischen Klugheit."

Die Verwendung des Deutschlandliedes als Nationalhymne der BRD war so gesehen von vornherein eine politisch unkluge Wahl, es sei denn, man wollte patriotischen Nostalgikern eine Falle stellen.

Venator
10. Mai 2019 07:11

Dank an Immer noch S.J., daß er das ganze mal wieder auf die Füsse stellt!

Thomas Martini
10. Mai 2019 07:16

"Besser gleich, Gott erhalte Franz den Kaiser, bekannt von gewissen Beerdigungungen in Österreich, zu singen, vom Komischen (Hoch als Herrscher, hoch als Weiser, Steht er in des Ruhmes Glanz; Liebe windet Lorbeerreiser Ihm zum ewig grünen Kranz.) bis hin zum angezapften Herrscherlob (Er zerbrach der Knechtschaft Bande, Hob zur Freiheit uns empor! Früh' erleb' er deutscher Lande, Deutscher Völker höchsten Flor)." - Atz, 10. Mai 2019, 01:40

"Ich hatte unzählige Male den alten Kaiser gesehen in der heute längst legendär gewordenen Pracht der großen Festlichkeiten, ich hatte ihn gesehen, wie er von der großen Treppe in Schönbrunn, umringt von seiner Familie und den blitzenden Uniformen der Generäle, die Huldigung der achtzigtausend Wiener Schulkinder entgegennahm, die, auf dem weiten grünen Wiesenplan aufgestellt, mit ihren dünnen Stimmen in rührendem Massenchor Haydns >>Gott erhalte<>Kaiser<<, dieses Wort war für uns der Inbegriff aller Macht, allen Reichtums gewesen, das Symbol von Österreichs Dauer, und man hatte von Kind an gelernt diese beiden Silben mit Ehrfurcht auszusprechen." Stefan Zweig, "Erinnerungen eines Europäers", S. 378

Die Welt, die mit der k. u. k. Monarchie zusammenbrach, war historisch gesehen wohl die beste, die es je in Deutschland, Österreich und den angrenzenden deutschsprachigen Regionen gab.

Die Zeit vor dem "Zivilisationsbruch", war auch die der Meißner Porzellangespräche.

Heutzutage äffen bei uns TV-Moderatoren - das heißt Vorbilder der Gesellschaft - im Frühstücksfernsehen die königlichen Traditionen anderer Völker in aller Öffentlichkeit nach.

Zitat:

“am 3. Mai 2019 strahlte ProSiebenSat.1 Digital GmbH im SAT 1 Frühstücksfernsehen einen Beitrag über die Hochzeit Seiner Majestät König Maha Vajiralongkorn mit Königin Suthida aus. Hierzu möchte ich folgendermaßen Stellung nehmen:

Gegen die Sendung, in der die Hochzeitszeremonie des thailändischen Königspaares, insbesondere die würdigende Huldigung der Königin, in unwürdiger und ironisierender Weise nachgestellt wurde, möchte ich im Namen aller Thailänder Widerspruch einlegen. Die genannte Huldigung, in der eine Person auf dem Boden vor der anderen Person liegt, ist in Thailand ein Zeichen der Hochachtung und Würdigung in höchster Form. Diese Tradition wird von Thais bis heute bei Eltern, Vorfahren oder bei hochgeachteten Menschen bewusst ausgeübt. Es ist uns sehr wichtig, diese wertvolle Tradition fortzuführen und der Welt mit vollem Stolz zu zeigen. Tradition und Kultur sind zu respektierende Elemente, die nicht mit einer anderen Kultur verglichen oder beurteilt werden sollten. Weiterhin verletzt diese Tradition niemanden, weder körperlich noch seelisch.

Wir Thailänder haben die Deutschen immer für ihre Toleranz und ihren Respekt anderen Menschen gegenüber bewundert. Den Link zu dieser Sendung aber hat die Königlich Thailändische Botschaft jetzt von zahlreichen tief verletzten Landsleuten zugeschickt bekommen, mit der Bitte, diesen Sachverhalt mit Ihnen unverzüglich zu klären. Wir sind zutiefst enttäuscht, dass in diesem weltoffenen Land eine andere Tradition und Kultur dermaßen lächerlich gemacht wird und dies sogar im Fernsehen verbreitet wird. Seit mehr als 150 Jahren pflegen Deutschland und Thailand diplomatische Beziehungen, die von großem Verständnis und großer Hochachtung beider Länder einander gegenüber gekennzeichnet sind. Deshalb können wir nicht nachvollziehen, wieso eine Kritik ohne Hintergrundwissen und Würdigung ausgesprochen und in dieser Art verbreitet werden konnte. Dass Sie sich über eine so tief verwurzelte Tradition lustig machen, sie ohne Respekt und Verständnis kritisieren, empfinden wir sehr unangemessen. Diesen Vorfall können wir Thailänder auf keinen Fall akzeptieren. Es ist nicht auszuschließen, dass die deutsch-thailändischen Beziehungen durch die Sendung Schaden nehmen könnten.

Aus diesem Grund möchte ich Sie sowie Ihre beiden Moderatoren im Namen aller Thailänder auffordern, sich für diese Äußerungen öffentlich und in aller Form, insbesondere im Frühstücksfernsehen, zu entschuldigen. Kritik an Traditionen anderer Länder sollte in der heutigen Welt von Respekt und Toleranz gekennzeichnet sein. Thailand verwahrt sich gegen eine solche Verunglimpfung seiner wertvollen Traditionen.”

Zitat Ende

http://www.dasgelbeforum.net/forum_entry.php?id=486728

Fast zeitgleich wird die britische Königsfamilie und der jüngste Nachwuchs von RTL&Co. geradezu in den Himmel gehoben, Herzogin Meghan als Heldin verehrt.

Man darf gespannt sein, ob späteren Generationen dieses hündisch zur Schau gestellte Vasallentum, dieser allgemeine Selbstausverkauf, der sich in der BRD durch alle Bereiche der Öffentlichkeit zieht, bei einer Rückschau ins Auge springt.

Götz Kubitschek
10. Mai 2019 07:30

Liebe Mitglieder der AfD Bayern,

der Landesvorstand hat für die Person, die sich als Wolfgang von Krauss oder Wolfgang Freiherr von Krauss bezeichnet und deren Identität wir bis heute nicht kennen, einstimmig ein Hausverbot für alle Veranstaltungen der AfD in Bayern ausgesprochen. Dies umfasst sämtliche Veranstaltungen und Treffen der Partei, egal ob diese vom Orts-, Kreis- Bezirks- oder Landesverband ausgerichtet werden. Wir werden nicht zulassen, dass von außerhalb der Partei Versuche zur massiven Beeinflussung, Unterwanderung oder Spaltung der AfD betrieben werden.

Mit besten Grüßen
Martin Sichert
Landesvorsitzender

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na also. und: badeschluß.

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