10. Mai 2019

Netzfundstücke (10) – Straub, Buchbindung, Ökologie

Jonas Schick / 23 Kommentare

Am 26. Mai sind Europawahlen. Leider hat sich die Gleichsetzung des Kulturraums Europa mit der EU in den Köpfen verankert.

Europa, das sei Brüssel und Brüssel, das sei Frieden. Der habilitierte Historiker und langjährigen FAZ-Redakteur Dr. Eberhard Straub räumt mit dieser Mystifikation der EU auf.

In seinem Vortrag anläßlich der jüngsten Winterakademie des Instituts für Staatspolitik (IfS) referiert er ausführlich und wortgewandt aus seinem breiten Wissensschatz über die Deutschen als Kulturvolk und zeigt gleichzeitig ihre europäische Strahlkraft und Prägung auf:

Wer noch nicht in den Genuß eines Vortrags von Straub gekommen ist oder seinen Ausführungen zum wiederholten Mal lauschen möchte, der hat bei seiner Lesereise zu seinem kürzlich im Jungeuropa Verlag erschienen Werk Zur Tyrannei der Werte die Chance dazu.

Den Auftakt der Reise macht der Staatspolitische Salon des IfS am 15. Mai in Westberlin. Einlaß ist hier ab 18:30 Uhr und Beginn um 19:00 Uhr. Die Anmeldung erfolgt über [email protected]

Kommen Sie zahlreich! Nur hier haben Sie die Möglichkeit sich Ihre Tyrannei vom Autor signieren zu lassen und mit Ihm ins Gespräch zu kommen.

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Einen Jahrgang der Sezession wirft man nicht weg. Manche stapeln die Hefte, manche stecken sie in einen Holzschuber von IKEA, vielleicht locht sogar einer Heft für Heft.

Die eigentliche Lösung bietet die Buchbinderin Irmgard Hanke seit Fertigstellung des 1. Jahrgangs an: Sie band die damals vier und bindet die heute sechs Hefte in einen festen Einband, der die Jahrgangsfarbe trägt. Rund 40 Abonnenten gehören zu ihrem Kundenstamm.

Für eine Leserin hat Hanke nun auf Wunsch Schuber in den Jahrgangsfarben angefertigt – paßgenau abgestimmt auf die Heftumfänge.

So gibt es also zwei Lösungen, die Sezession-Sammlung anständig und standesgemäß aufzubewahren. Selbstverständlich arbeitet Buchbinderin Hanke Sammlungen auch rückwirkend auf – Jahrgang für Jahrgang.

Und: Während Kositza und Kubitschek die Jahrgangsfarben bevorzugen, läßt Benedikt Kaiser grundsätzlich ganz in Schwarz einbinden.

Fragen Sie hier nach dem Preis und nach den Möglichkeiten: Irmgard Hanke.

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Der Blick über den Tellerrand fällt diesmal auf eine Dokumentation von ARTE:

„Die Erdzerstörer: Sind wir Menschen die Bösen?“ betrachtet die Geschichte der Moderne durch ein technologisch-energetisches Brennglas:

Mit der Erfindung der Dampfmaschine fing es an. Mit revolutionärer Rasanz machte sich der Mensch die Erde Untertan (sic). Eine Erfindung jagte die nächste, eine Technologie toppte die andere. Für mehr Komfort. Mehr Konsum. Mehr Wohlstand.

Für eine Rechte, die in diesen Tagen um eine Wiederentdeckung ihrer ökologischen Traditionen ringt und beginnt, ein Anknüpfen an diesen aktiv einzufordern, finden sich im ARTE-Beitrag etliche bedenkenswerte Mosaiksteinchen.

Indes ist die energetisch-ökologische Frage und das sisyphusartige Anrennen der Konservativen gegen eine Wand aus Überfluß schon vor Jahren in der 46. Sezession (Lage 2012, gratis Download, Spende erwünscht!) von Thomas Hoofs und Götz Kubitschek unter den Titel Der Tanz auf der Nadelspitze und Wir Unbeholfenen präzise expliziert worden.

Der aktuellste Beitrag zu diesem Themenkomplex – »Energie und Moderne – vorletztes Kapitel« –entstammt meiner eigenen Feder und findet sich im aktuellen Heft, das hier bei Antaios bestellt werden kann.

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Aber kein Einfordern konservativer Ökologie, ohne auf den Ex-CDUler und Gründervater der Grünen Herbert Gruhl zu verweisen.

Mit seinem 1975 erschienen Buch Ein Planet wird geplündert, das man ohne Probleme für wenig Geld bei Gebrauchtbuchhändlern im Netz finden kann, legte er einen Grundstein rechter Umweltbetrachtung. Der Sozialwissenschaftler Volker Kempf sah in ihm einen Pionier der Umweltsoziologie.

Und weil den selbsternannten „Paradekonservativen“ vom Hohenzollerndamm heute alles rechts der Liberalkonservativen Reformer (so heißt wohl die derzeitige Partei Bernd Luckes) als „nationalbolschewistisch“ gilt, zum Abschluß ein gruhlscher Gedankengang als freundlicher Fingerzeig gen Berlin:

Der begrenzte Zeithorizont der Wirtschaft ist identisch mit ihrer Gewissenlosigkeit. Diese Gewissenlosigkeit, die schon im Umgang mit der Natur sichtbar wurde, äußert sich auch den Menschen, ganz besonders den Nachkommen gegenüber, die zum Überleben auf die gleichen Naturgüter angewiesen sein werden wie wir selbst.



Kommentare (23)

Dancehall Rumsfeld
12. Mai 2019 05:08

Was die Kritik an der Gleichsetzung Europas mit der EU betrifft? Völlig d'accord:

https://protokollsatz.blogspot.com/2013/10/ayn-rand.html

Was die "ökologische Frage" betrifft: Ist man eigentlich rechts oder links, wenn man die bestenfalls als nachgeordnet erachtet?

Ruewald
12. Mai 2019 10:06

Danke, daß Sie an Herbert Gruhl als "Pionier der Umweltsoziologie" erinnert haben, was mich veranlaßt, auch noch an sein 1992 erschienenes Spätwerk und Opus magnum "Himmelfahrt in Nichts. Der geplünderte Planet vor dem Ende" (432 Seiten) zu erinnern, welches natur- und kulturhistorisch weit ausgreift und noch weit über die bloße Umwelt-Soziologie hinausgeht, allerdings sehr pessimistisch endet.

Inhalt:
Teil I: Die Etappen der natürlichen Evolution:
1) 4 Mrd. Jahre Anlauf des Lebens; 2) 3 Mill. Jahre Anlauf des Menschen; 3) 100 Td. Jahre Anlauf des Denkens; 4) 10 Td. Jahre Anlauf des Machens; Was ist Leben?
Teil II: Historische Evolution der Hochkulturen.
Teil III: 200 Jahre Siegeslauf der technischen Zivilisation.
Teil IV: Die zerstörten Fließgleichgewichte der Natur
(Unterkapitel u.a.: Unser labiler Planet; Die Menschenflut; Die Unratlawine; Die Entropie; Verschwinden der fruchtbaren Böden und der Wälder; Verderben der Gewässer; Vergiftung der Lüfte; Selbststeuerung der Natur ist gestört, usw.)
Teil V: Der Mensch als göttlicher Lenker?
(Unterkapitel u.a.: Umweltpolitik?, Qualitatives Wachstum?, Naturreservate?, Multikulturelle Gesellschaft?, Das schreckliche Ende des wohlgemeinten Guten)
Teil VI: Das zwangsläufige Ende
(Unterkapitel u.a.: Unaufhaltsam rollt die Maschinerie; Freiwilliger Verzicht ist dem Leben fremd und befohlener Verzicht muß scheitern; Zukunftspolitik bleibt unmöglich; Gibt es ein Danach?)

Klarsichtig hat er die immensen Probleme der Bevölkerungsexplosion (damalige Schätzung der Weltbevölkerung für 2025 auf ca. 8,5 Mrd - "Unser Planet wird um so früher zum Friedhof der Menschen werden, je schneller deren Zahl zunimmt ... Die Zahl der Toten wird ... apokalyptische Ausmaße annehmen", S. 248), der Multikulti-Gesellschaft und das "schreckliche Ende des wohlgemeinten Guten" erkannt.

Eines der wichtigsten – und immer noch aktuellen - Bücher, die ich kenne.

Simplicius Teutsch
12. Mai 2019 11:40

Presseclub, heute Sonntag, ab 12.05 Uhr, Schicksalswahl für Europa – Alarmismus oder ernste Gefahr?

Die europaweiten EU-Gegner werden innerhalb der ersten Minuten der Diskussionsrunde gleich zweimal als „die Europafeinde“ verteufelt, als „Menschen, die das Europa zerstören wollen“, deren „gemeinsames Programm in der Destruktion“ besteht, als „nationale Zampanos“, die nur die „Abrißbirne“ ansetzen können.

In der Runde aus „Handelsblatt“, „taz“, „ARD“, “Der Tagesspiegel“ und „ARD“ (Moderation) ist nicht ein einziger Diskussionsteilnehmer, der auch nur ansatzweise bemüht wäre, abwägend zwischen dem zentralistischen Gebilde der EU-Machtelite und einem Europa der Vaterländer zu differenzieren.

Nach einer halben Stunde schalte ich den Zwangsgebührensender aus.

RMH
12. Mai 2019 11:40

Na dann wählt doch die ÖDP, zu deren Gründervätern Gruhl zählt, wenn euch die AfD zu wirtschaftsliberal und unökologisch ist. In der Migrations- Ausländerpolitik sind die mir persönlich aber zu soft.

Laurenz
12. Mai 2019 12:20

Der Vortrag von Herrn Dr. Straub ist wirklich klasse. Man könnte sich allenfalls um Böhmen streiten, wie an Seiner Herkunft des Wortes "deutsch" zweifeln, aber das bleiben in Anbetracht des Gesamtwerks kleine Schönheitsfehler.

Andrenio
12. Mai 2019 12:35

Neuestes Video von Jasinna: Die kleine CO2-Horrorgeschichte.

Alle ihre Videos sind empfehlenswert.

Ruewald
12. Mai 2019 13:33

@Rumsfeld

weder rechts noch links, sondern blind, würde ich sagen –

wenn man als Gegenstandsbereich der Ökologie die komplexen vernetzten Wechselwirkungen und Regelkreise in der Gesamtheit der Erde und ihrer Störungen versteht, einschließlich des Wirkens des Menschen; dann ist nämlich auch die Ökonomie der Ökologie untergeordnet.

(ich meine nicht die von herrschenden Kreisen lancierte Klimapseudoreligion, die in simplizistischst eindimensionaler Form die "Ökologie" und das Hauptweltproblem auf einen einzigen Parameter, das CO2, reduziert und Hunderte Millionen gläubige Schafe dysphorisiert und mobilisiert, Ungläubige verketzert und beide tyrannisiert)

Niekisch
12. Mai 2019 17:13

"Was die "ökologische Frage" betrifft: Ist man eigentlich rechts oder links, wenn man die bestenfalls als nachgeordnet erachtet?"

@ Dancehall Rumsfeld 12.5. 5:08: Nicht rechts, nicht links, ganz einfach nur dumm. Zur Identität zählt auch eine intakte Heimatnatur.

Simplicius Teutsch
12. Mai 2019 18:43

Der freie Vortrag von Eberhard Straub ist unterhaltsam, souverän und lehrreich und zeugt von großer Kenntnis der europäischen Geschichte. Aber die letzten 25 Sekunden sollte man so bald wie möglich wegschneiden. Damit wird seine ganze Kompetenz als Historiker entwertet, indem E. Straub für die europäische Epoche zwischen 1814 und 1914 eine hundertjährige Friedenszeit in Europa proklamiert. Das stimmt doch nicht. Ein Lapsus, oder? Das springt auch einem wie mir ohne beruflich-historische Kenntnisse sofort ins Gesicht. Wie kann E. Straub z. B. den deutsch-französischen Krieg von 1870/71 übersehen?

Simplicius Teutsch
12. Mai 2019 19:02

Ich stelle fest, in Schnellroda gehen die Uhren um eine Stunde nach. Das sehe ich an meinem Kommentar vom 12. Mai 2019 11:40. Die Uhrzeit 11:40 kann nicht politisch-korrekt sein, denn ich habe den Kommentar während der Ausstrahlung des ARD-Presseclubs geschrieben und gesendet, und der begann nach bundesrepublikanisch üblicher Zeit erst um 12.05 Uhr.

Hartwig aus LG8
12. Mai 2019 20:00

Welcher Staatenlenker, Präsident, Ministerpräsident, Kanzler, Premierminister, König, Sultan, Emir ... macht zur Zeit die beste Umweltpolitik??
Es ist Donald Trump. Importzölle, Kündigung von Freihandelsabkommen, Grenzmauern - der Versuch, die Globalisierung einzubremsen. Nichts ist ökologischer als das! Ein durch und durch rechtes Thema.

Laurenz
12. Mai 2019 20:12

@Andrenio ... Jasinna ist inhaltlich meist sehr gut, aber arg langatmig. Die hört sich noch lieber reden, als wir uns hier selbst lesen wollen. Das sind die Vorträge von Herrn Prof. Kirstein oder Herrn Prof. Giaever gestraffter und informativer.

@Dancehall Rumsfeld ..... die Linke hat den Umweltschutz mit einem Putsch bei den Grünen, zumindest in Deutschland, übernommen. Andere linke Gruppierungen, wie die CDU/SPD etc., oder die Demokraten in den USA, nutzen diesen Umweltschutz, um repressive Maßnahmen durchzusetzen. CO2-Treibhausgas ist quasi die Erde als Scheibe, man nutzt es, ohne Beleg, als Teufelsaustreibung. Historisch entstammt der Umweltschutz in Form des Tierschutzes auf staatlicher Ebene dem Nationalsoziaslismus. Und ob der links oder rechts war, dürfen Sie Sich Selbst aussuchen.

@Rumsfeld ... Zitat- Die Zahl der Toten wird ... apokalyptische Ausmaße annehmen -Zitatende. Wie Sie Selbst schreiben, ist die Zahl der lebenden Menschen bereits apokalyptisch. Wenn dadurch viele Menschen sterben werden, ist deren Abgang doch eine ganz natürliche Entwicklung. Aber das haben wir weder politisch noch militärisch in der Hand. Wir können nur versuchen, unseren Lebensraum hier in den Griff zu bekommen und wirkliche Umweltprobleme, wie die rapide Versiegelung unseres Landes zu lösen.

Nemo Obligatur
12. Mai 2019 20:15

Der Vortrag von Dr. Dr. habil. Straub ist eine Offenbarung. Frei gehalten, voller Substanz. Wer kann so etwas noch? Ich behaupte, der Vortrag ersetzt die Lektüre einiger Bände der Propyläen-Reihe und zeigt außerdem die Fallhöhe der Berliner Republik.

Anthropofugaler Wanderer
12. Mai 2019 23:17

Fragte mich erst, wie ich denn hier geschrieben haben konnte, ohne es zu wissen, aber das kam von Ruewald. Sehr erfreulich!
Diese Definition ist ein sehr wichtiger Aspekt, denn die verkürzte landläufige von Ökologie ist Umweltschutz, und dieser reduziert auf den technischen, und dieser wiederum reduziert auf CO²-Besteuerung (die Finanzwirtschaft profitiert immer) und andere üble Phrasen. Gegen solcherart Entgeistigung erhebt kaum jemand noch Einspruch., ohne ins andere anthropozentrische Lager mechanistischer Denkprägung zu schwenken.
Gruhl (und viele Mitstreiter) düpierte all diese Scheindebatten und thematischen Verflachungen, nahm sie in einer Tiefe vorweg, die man heute kaum mehr denken kann, wenn man öffentliche Diskurse oder gar die Politik sieht, denn dort ist jene Tiefe weitestgehend verschwunden. Wer nicht so im Dunkeln tappen will, der sollte auch Mal Gruhl lesen (vorzüglich die drei Hauptwerke), denn die neue Rechte stellt sich beständig die Frage nach Identität ohne damit fundiert(!) und standhaft uralte Traditionslinien wieder aufzunehmen. Man wird mit und im organischen Denken immer in einer Minderheit sein, aber das kann auch Vorteile haben.

Die ÖDP war übrigens schon mit Gruhls Austritt (bzw. sein Grund dafür) nicht mehr das, was sie sein sollte, indem man sich einem Rechtsabgrenzungsbeschluss (ein Mittel der Politischen Kastration) ergab. Die heutige ÖDP, das kann man sich denken, hat gewiss noch weniger mit der der Gründungszeit zu tun.

Nachfolgend einige Zitate aus Büchern und Reden H. Gruhls.

„Rechts uns links ist passé. Es geht um den Fortbestand des Lebens auf dieser Erde oder dessen schnellstmögliche Vernichtung. Der Entscheidungskampf der Bewahrer gegen die Zerstörer hat längst begonnen. Warum sollten sich die Bewahrer nicht als konservativ bezeichnen? Weil dieser Begriff pervertiert wurde? Um alle Irrtümer zu vermeiden (...) schlage ich vor, dass wir uns hinfort naturkonservativ nennen. Das heißt, für uns steht die Natur im Mittelpunkt, die bis heute ausgeplündert, vergiftet und nach Gebrauch weggeworfen wird, weil nur das, was von ihr als „Sache“ ökonomisch genutzt werden kann, den entsprechenden Wert bekommt. Der Eigenwert der Natur hingegen wird mit Null angesetzt, obwohl ohne sie gar kein menschliches Leben möglich wäre.“ (Grundsatzrede auf ÖDP-Bundesparteitag in Hannover, 1.10.1988)

„Wo die Mischungen zu bunt und zu heterogen sind, dort wird es zu erbitterten Auseinandersetzungen kommen. Gemischte Gesellschaften funktionieren in Schönwetterlagen der Geschichte; jedoch beim ersten Windstoß zerplatzen sie wie Seifenblasen.
Es wird in dieser Welt nie eine multikulturelle Gesellschaft geben, die das Adjektiv kulturell wirklich verdient. Je stärker die Völker durcheinander brodeln, um so stärker die Entropie, ein umso geringeres Maß an Kultur ist das Ergebnis. Und auch zu einer friedlicheren Welt kann dieser Weg gerade nicht führen. Schon Kant wußte, daß der Weg zum Frieden über die Autonomie der Regionen führen müsse; er sah in Sprache und Religion Trennungslinien der Natur, die darauf hinweisen, daß es kein einheitliches Weltimperium geben könne; darum seien nur Handels- und Kommunikations- und Besuchsrecht erlaubt, aber kein dauerndes Gastrecht.
Darum folgert auch der Ökonom Mishan: »Die Konflikte und Zwiste unter Ländern und innerhalb der Gastländer werden im gleichen Maße anwachsen wie die illegale Immigration aus ärmeren Ländern in Afrika, Asien und Südamerika in die reicheren westlichen Länder.«
Karl Jaspers sagte noch deutlicher voraus: Bei Kollision der materiellen Lebensbedingungen »wird eine tiefere Solidarität der Menschen, die sich im Ursprung ihres Selbstbewußtseins geschichtlich als zueinander gehörend bewußt sind, den Kampf um Sein und Nichtsein gegen das Fremde aufnehmen.«
Aber auch ein Philosoph, der die Dinge vom christlich-ethischen Standpunkt aus betrachtet, Hans Jonas, urteilt:
»Die übernationale Sache der Menschheit wäre praktisch unhaltbar, wenn sie die Verleugnungen des Näheren zur Bedingung machte, und der Versuch, dies zu erzwingen, könnte nur zum Unheil führen, wovon eines schon die Kompromittierung eben der Idee der Menschheitssache selbst wäre.«
Die »multikulturelle Gesellschaft« ist im Grunde eine waschechte kommunistische Idee, wie sie von Lenin in seinem zitierten Ausspruch prägnant gekennzeichnet wird; eine technokratisch-bürokratisch organisierte Ansammlung von »gleichen« Menschen, die wie Atome zu funktionieren haben. Weil sich die historisch gewachsenen Individuen dagegen sträubten, ließ Stalin um die 20 Prozent aus den eigenen sowjetischen Völkern liquidieren.“ (Himmelfahrt ins Nichts, S. 314)

„Der große Vorteil der Natur war seit jeher ihre Diversifikation, ihre räumliche und zeitliche Wandlungsfähigkeit. Schon diese aufzuheben heißt, ihr die Überlebensfähigkeit abzuschneiden. Die Vereinheitlichung der Welt ist ein Meilenstein zum Ende der Welt.“ (HiN, S. 357)

„Der Satz vom „ökologischen Umbau der Industriegesellschaft“ ist dummes Geschwätz. Denn das ganze Wesen der Industriegesellschaft besteht darin, dass sie antiökologisch ist. Retten könnte uns nur der „Ausstieg aus der Industriegesellschaft“. Dazu sind aber schon fünfmal zuviel Menschen auf diesem Planeten - und nach einer Generation werden es bereits achtmal zuviele sein! Sie ohne Arbeit zu lassen, schüfe brodelnde Dampfkessel überall in der Welt, die in Kettenreaktionen explodieren würden. Also werden alle Völker lieber weiter an ihrer Selbstvernichtung arbeiten, und ihre Regierungen werden sie dabei anleiten.
(...)Die Wohlstandsländer der Welt haben nur noch einen allerletzten Glauben, dass der „Fortschritt“ weitergehen werde, und zwar in Gestalt irdischer und materieller Güterfülle. Sie fürchtet sich aber instinktiv davor, dass ihnen dieser Glaube auch noch genommen werden könnte. Darum haben nur solche Umweltschützer Zuspruch, die den Fortschrittsglauben im Grunde nicht antasten, ja die mit Umweltschutz sogar einen „besseren Fortschritt“ in Aussicht stellen. Darin treffen sie sich mit den Wirtschaftsmanagern, die immer bereiter werden, ihre Wachstumsraten mit kosmetischen Verschönerungen zu versehen, denn sie haben gemerkt, dass es sich auszahlt, mit Grün zu werben. Und die Parteien tun das ebenso.“ (HiN, S. 365)

„Warum ereifern sich Teile der heutigen Jugend so für die Menschheit, während sie für das eigene Volk, für die Heimat- oder Vaterland nur Gleichgültigkeit, oft sogar Verachtung zeigen? Weil die weltweite Solidarität genügend abstrakt ist. »Die Menschheit? Das ist ein Abstraktum«, sagte Goethe zu Luden. Weltweit kann man sich ganz beliebig in humanitären Theorien ergehen, ohne persönlich gefordert zu werden.
Statt Nächstenliebe gilt also Fernstenliebe, die aber keine echte Liebe sein kann; sie dient nur als »General-Alibi der Liebe zum Guten«.“ (Das irdische Gleichgewicht, S. 126)

„Somit rebellieren heute viele Menschen gegen die Zwänge der Zivilisation, also gegen den weiter zunehmenden »Anpassungsdruck«; sie rebellieren jedoch in der Regel gegen die Auswirkungen, nicht gegen die Ursachen. Sie rebellieren zum Beispiel gegen die Bürokratie, gegen die Steuern, gegen die Überwachung. Neuerdings rebellieren nicht wenige gegen die Umweltverschmutzung. Doch nur ein Bruchteil dieser Protestierer nimmt zur Kenntnis, daß die Umweltverderbnis eine automatische Folge des eigenen Konsumverhaltens im technischen Zeitalter ist; eines Verhaltens dessen Steigerung die große Mehrheit weiter fortzusetzen wünscht“ (DiG, S. 182)

„Bis auf den letzten Punkt (Besitzverhältnisse) ist und bleibt der Marxismus die vollendetste Lehre des technischen Zeitalters. Sie wird erst dann ihre Anziehungskraft ganz verlieren, wenn sich die organische Weltauffassung durchgesetzt haben wird. Mit der derzeitigen mechanistischen Ideologie kann sich der Westen gegen den Marxismus nicht behaupten, weil dieser in allen wesentlichen Punkten der konsequentere Vollstrecker der mechanistischen Weltauffassung ist. Wenn alle Irrtümer dieser Auffassung aufgedeckt werden, dann hat auch das gegenwärtig praktizierte westliche System seine theoretische Grundlage verloren.“ (DiG, S. 136)

„Was ökonomisch nützlich erscheint, ist darum keineswegs biologisch nützlich – in vielen Fällen sogar schädlich“ (DiG, S. 212)

„Unter den Gesichtspunkten der Ökologie und der Ethik angesichts der biologischen und psychologischen Folgen für den Menschen ergibt sich für die derzeitige Wirtschaftsweise des Menschen ein verheerendes Urteil. Wenn man auch noch ihren höchst mangelhaften ökonomischen Nutzen in die Bewertung einbezieht, dann dürfte das bevorstehende Ende des totalitären ökonomischen Zeitalters keinen Schrecken verbreiten.“ (DiG, S. 244)

„Daß die materielle Katastrophe um so größer sein und um so früher eintreten werde, je erfolgreicher das sogenannte »wirtschaftliche Wachstum« noch vorangetrieben würde, war das Ergebnis meines ersten Buches.
Daß der psychische und kulturelle Niedergang jeder menschlichen Gemeinschaft im gleichen Ausmaß zunimmt, wie der materielle Wohlstand Triumphe feiert, ist das Ergebnis dieses Buches.“ (DiG, S. 249)

Andreas Walter
13. Mai 2019 13:01

Schon etwas älter, doch immer noch Stand auch meiner jüngsten Nachforschungen (letzten Monat zumindest sehr intensiv):

https://youtu.be/SG3yT0Ol8ik

Wobei ich Klimaforschung trotzdem begrüsse, weil sie nebenbei auch noch andere interessante Informationen zu Tage fördert.

Jetzt freue ich mich aber erstmal auf Jasinna.

Asenpriester
13. Mai 2019 13:20

Als Gruhl-Ökologen quatschen wir nun mittlerweile seit 40 Jahren über die Naturkreisläufe und politischer Ökologie (bezüglich zu den "Grenzen des Wachstums" von Dennies Meodows 1972). Nirgendwo ist nur einmal ein Ökologe in Politik und Wirtschaft in Führung gelangt, weil das Thema einfach nicht begriffen wird, wie z.B. auch die Bevölkerungsexplosion in den südlichen Regionen der Erde und die initiierten Völkerwanderungen in die "Wohlstandsländer". Ganzheitliche Ökologen wie Herbert Gruhl, Baldur Springmann gibt es überhaupt nicht mehr.

Ruewald
13. Mai 2019 16:22

@Andrenio
Das Video von Jasinna ist zwar ganz intelligent und allgemeinverständlich gemacht, aber als Referenz nicht aus zweiter
sondern aus erster Hand würde ich bevorzugt auf die Internetsite des unabhängigen EIKE (Europäisches Institut für Klima & Energie) gehen, wo man eine große Menge fundierter Beiträge von Physikern/Klimatologen findet, insbes. Prof. Lüdecke und Ewert mit ihren verfügbaren Vorträgen auf der 12. Internationalen Klima- und Energiekonferenz im Nov. 2018 in München.

Gracchus
13. Mai 2019 20:55

Der Straub-Vortrag ist in der Tat hervorragend. Damit lässt sich arbeiten. Ist Ökologie rechts oder links - egal: offensichtlich ist's den Deutschen ein Anliegen.

Andreas Walter
13. Mai 2019 21:42

@Ruewald

Manche Gedanken/Fragen von Jasinna sind aber gar nicht aus zweiter Hand, denn die Eine davon hatte ich vor ein paar Wochen auch und habe die Antwort darauf trotzdem nicht im Netz gefunden. Was nur einen (dann aber sogar zwei) Schluss (Schlüsse) zulässt.

Nur wo sie die Zahl 3% her hat ist mir derzeit noch ein Rätsel, oder ich habe womöglich das Wort "fiktive Zahl" überhört. Denn die sogar 110% mehr CO2 (gegenüber dem Maximum und Minimum der letzten 500.000 Jahre) sind ja tatsächlich da, sogar direkt in der Atmosphäre (sonst könnte man sie ja nicht messen), nur machen sie da nicht, was von ihnen behauptet wird. Die mittlere Temperatur müsste dann nämlich schon längst bei über 30 Grad Celsius liegen, was aber nicht der Fall ist. Es sei denn jemand oder sie hat eine 0,5°C Temperaturerhöhung mit 3% Klimawirksamkeit gleichgesetzt, was aber auch nicht sein kann, denn dies gilt dann ja auch nach unten. Doch dem wiederum widersprechen die Eiskerne, mit wesentlich niedrigeren Temperaturen in den Eiszeiten als in den Zwischeneiszeiten (15 bis 16 Grad Celsius Differenz).

Was aber tatsächlich bereits kleine Änderungen der Temperatur deutlich beeinflusst sind das Pflanzenwachstum, und damit auch die landwirtschaftlichen Erträge, und die wiederum die allgemeine Ernährung- und Versorgungslage.

Eine weitere, in meinen Augen neben EIKE auch sehr gute deutschsprachige Seite (bei leider deutlich mehr Englischen) ist auch KalteSonne(Punkt)de:

http://www.kaltesonne.de/klimanews6-3/

Die Chinesische Mauer (gegen die Mongolen-Stürme, höhö) halte ich seit ein paar Wochen allerdings auch für eine Folge des ständigen Klimawandels auch bereits über Jahrhunderte, Jahrtausende, nicht nur über Jahrmillionen. Das letzte Gletschermaximum in den Alpen war um 1600, das war der (erste?) Tiefpunkt darum auch der Kleinen Eiszeit. Den Beweis dazu hat mir die Geschichte einer kleinen warmen Quelle in Gletsch geliefert, die sogar heute noch existiert.

Wer sich übrigens mit der Jugend von Charles Keeling beschäftigt kann sich vorstellen, wie er wahrscheinlich auf die irrige Annahme kam und warum er überhaupt nach einer Ursache für den Rückgang "seiner" geliebten Gletscher im Staat Washington gesucht hat:

https://en.wikipedia.org/wiki/Charles_David_Keeling

"Klimapapst" schon um 1800 Alexander von Humboldt (Engelhard Weigl - Wald und Klima: Ein Mythos aus dem 19. Jahrhundert)

https://publishup.uni-potsdam.de/opus4-ubp/frontdoor/deliver/index/docId/3331/file/hin9_komplett.pdf

könnte am Ende aber womöglich doch noch "rehabilitiert" werden, wie nämlich Schweizer und Deutsche Forscher festgestellt haben:

https://www.scinexx.de/news/geowissen/menschengemachte-wolkenkuehlung-geringer-als-gedacht/

https://home.cern/science/experiments/cloud

Riesige Pinienwälder also auch ein "kluger", manipulativer Organismus. Genial, die Natur. Die ganze Schöpfung darum ein "Meisterwerk". Oder auch zweier Meister, wer vermag das schon zu sagen, zu entscheiden und zu beurteilen.

Robert
14. Mai 2019 19:55

Ökologie, Ökonomie und Geld: Ein untrennbarer Zusammenhang

Die letzten zwei Jahrhunderte werden auch als das Anthropozän bezeichnet, die Zeit, wo der Mensch mittels Industrialisierung, Technisierung, verkehrstechnisch, usw., ganz massiv – nun, um Dimensionen stärker – in die Veränderung, den Umbau des Globus samt Atmosphäre auch in den Ressourcenabbau eingegriffen hat. Mit den Zusammenhängen, Wechselwirkungen zwischen Umwelt und Lebewesen beschäftigt sich die Ökologie. Deswegen wird die ökologische Frage, ob global oder lokal gesehen, von Tag zu Tag brisanter.

Der Mensch ist also Teil der lebendigen Welt aber nun auch selbst Teil der Umwelt geworden, vor allem durch den Eingriff über die Ökonomie.

Wir alle leben unter der Dominanz der Ökonomie – und die Politik ist ihr Vollstrecker.

Das goldene Kalb der Ökonomie – und damit der Politik – ist wiederum das Wirtschaftswachstum (WW).
Die Behauptung lautet: Gäbe es kein WW, stünde uns der Zusammenbruch bevor.
Dazu eine kleine Überlegung, wo es nur ganz einfach um die Dynamik dieses Geschehens gehen soll:

Wenn (Geld)-Kapitalanleger ihre Renditen von z. B. 2,8%/J erhalten wollen, müßte nach 25 Jahren eine Verdopplung der Produktion, nach 50 Jahren eine Vervierfachung, usw., stattfinden.

Das ist einfach beschrieben der Zusammenhang zwischen dem Mechanismus der Geldentstehung/ Geldvermehrung im Kapitalismus und den daraus entstehenden Notwendigkeiten des dazugehörigen Wirtschaftssystems.
Wächst also das Geldvolumen, erzwingt es das Schulden- und Steuerwachstum, den Ausverkauf bzw. Enteignung der Völker durch Privatisierung u. a. von staatlicher Infrastruktur, also Volksvermögen an Kapitalsammelgesellschaften, es treibt das WW, und damit die Umweltzerstörung in Form von Ressourcenraubbau, Artensterben, usw, mit ungeheurer Dynamik weiter an.
Das ist keine Theorie, sondern das, was sich vor unser aller Augen abspielt.

Schon allein die Endlichkeit unseres Planeten zwingt uns andererseits, diesen ständig stärker drehenden Wachstumsmotor herunterzufahren – abgesehen davon, daß ein Leben unter solchen Umständen nicht mehr lebenswert, sogar unmöglich wäre. Aber wie?

Das Wachstum in der Wirtschaft ist also zum größten Teil vom automatischen Wachstum der Geldmenge durch das verzinste Schuldgeldsystem verursacht und nur zu einem kleinen Teil durch natürliche Faktoren, wie höherer Lebensstandard, vermehrte echte Bedürfnisse, usw..
Der eigentliche Motor für die Zerstörung unserer natürlichen Lebensgrundlagen liegt also in dieser gegebenen Konzeption des Mediums Geld, das ja einst dafür ursprünglich geschaffen war, um in einer immer komplexer werdenden Gesellschaft überhaupt erst Wirtschaft treiben zu können, also eigentlich Dienerin von Wirtschaft und Mensch zu sein, ja, ohne dessen Einführung es diese Zivilisationsstufen überhaupt nicht hätte geben können.

Und auch die Technisierung, die grundsätzlich positiv zu betrachten ist, weil sie u. a. auch eine ungeheure Arbeitserleichterung schafft, kommt dem Menschen nicht im ganzen Umfang zu Gute.
Innerhalb der letzten 20 Jahre gab es Produktivitätssteigerung von rund 35% in der BRD.
Mit anderen Worten:
Das, was früher in 40 Stunden produziert wurde, kann als heute in 30 Stunden produziert werden.

Warum jammert aber die Wirtschaft trotzdem darüber, daß ihr die Arbeitskräfte ausgehen und sie deswegen mehr Menschenimport benötigt, anstatt die einheimische Bevölkerung zu entlasten und ihr mehr Freiraum zu geben?
Natürlich wird damit auch ein Lohndumping betrieben bzw. die einheimischen Arbeiter in Angst um ihren Arbeitsplatz erpreßbar und unfrei gehalten.

Fürchtet das System vielleicht, dass die Menschen – aus der Tretmühle befreit – mehr Zeit für sie auch privat nützliche Dinge hätten, z. B. sich mit Kultur und Politik zu beschäftigen, und so sich über vielleicht Hintergründe aufzuklären?
Die Wirtschaft – sprich die dahinterstehende Geldmacht - läßt dies aber mit ihrem Systemzwang nicht zu.

Kurz: Wer die „Soziale Frage“, „Die ökologische Frage“, usw. angehen will, muss sich gleichzeitig um die Frage der Koppelung von Geldwesen, Geldschöpfung und Ökonomie – sprich das Medium Geld - kümmern.

Abschließend:
Das alles geht aber natürlich nicht mit Karl Marx, seinen Epigonen und Vollstreckern. Dieser hat sich nämlich gehütet, den Finger auf diese Wunde zu legen. Stattdessen hat er den Blick und den Haß der proletarischen Massen auf die produktive, die tatsächlich Werte schaffende Wirtschaft gelenkt und die Expropriation von Besitz und Produktionsmittel bis zum kleinsten Bauern und Besitzenden gefordert. Die Problematik des Bank- und Geldwesens hat er nur gestreift und nicht als die eigentliche Crux behandelt – im Gegenteil:

Er hat, nur um hier ein Beispiel zu nennen, z. B. gegen den französischen Ökonomen und Zeitgenossen Pierre-Joseph Proudhon extremst polemisch Stellung bezogen, der ihn in einem Briefwechsel auf die besondere Rolle des Geldes aufmerksam machen wollte. Hier aber stellt sich Marx vollkommen naiv und das Zinsnehmen als einen kapitalistischen Vorgang wie jeden anderen dar, also nichts, dass einer besonderen Analyse und Kritik unterzogen werden müsste – das Geld sei nur eine bestimmte Form des Kapitals (also einschließlich der Produktionsmittel, usw.). Das Geld gehöre nur dem Verleiher, da hier kein Tausch passiere, diese erste Transaktion sei bloß eine juristische Transaktion und kein echter Teil der „Zirkulation“ (marxistischer Begriff). Proudhon wird von Marx zynisch als Scharlatan, unwissenschaftlich abgekanzelt (Siehe „Das Kapital III“, S 213 ff).

Dabei lebte Marx ja in einer Zeit, wo er über die totale Machte des eigentlichen, des Geldkapitals hätte längst Bescheid wissen müssen, so z.B. über das schon seit dem 18. Jhdt. beginnende Wirken der Familie Rothschild und über etwa folgende, von den Gebrüdern Rothschild stammenden und unmissverständlichen Aussage:

„Die Wenigen, die das System verstehen, werden dermaßen an seinen Profiten interessiert oder so abhängig von seinen Vorzügen sein, dass aus ihren Reihen niemals eine Opposition hervorgehen wird. Die große Masse der Leute aber, geistig unfähig zu begreifen, wird seine Last ohne Murren tragen, vielleicht sogar ohne je Verdacht zu schöpfen, dass das System gegen sie arbeitet.“

Oder, vom Vater Mayer Amschel Rothschild:

„Gebt mir die Kontrolle über die Geldversorgung einer Nation, und es ist mir egal, wer ihre Gesetze macht.“

Aber dieses Thema der geldtheoretischen Kapitalismuskritik ist so hochaktuell und schon weitest verbreitet, daß es einen nur wundern kann, dass dieser rein wissenschaftlich-sachliche, - daher von endloser ideologischer Streiterei befreite – Zugang nicht von rechts-antikapitalistischer Seite gewählt und stattdessen in alten, ideologisch feindlich-fremden Mottenkisten gegraben wird.
Hier könnte man auf die Unzahl von neuesten Analysen, Arbeitskreisen, Initiativen, Denkern, die selbst aus der Finanzwelt, Wirtschaftswissenschaften, Systemtheorie, usw., stammen (z. B. ein Helmut Creutz, Dirk Müller, Rico Albrecht, Prof. Dr. Wolfgang Berger, und vielen anderen mehr) zurückgreifen.

Anthropofugaler Wanderer
14. Mai 2019 23:26

Und weil es diese untrennbaren Zusammenhänge gibt, kann man niemanden für voll nehmen, der Ökologie als (wissenschaftliche) Sparte unter vielen Sparten begreift, Ökonomie von Umwelt trennt, oder den Menschen aus der Betrachtung nimmt und somit auch dessen Population und letztlich dessen Migrationsströme - was u. a. (Gründe und Auswirkungen) die linke Achillesferse darstellt.

Um die "Klimathematik" anzuschneiden ist dies ein weiterer Aspekt dieses Spartendenkens, weil klar sein muss, dass jenes multikausal wechselwirkt, wer die Umwelt verändert, verändert auch das Klima. Das tut der Mensch vermutlich bereits seit über 20.000 Jahren und insbesondere seit der industriellen Revolution, weshalb die grundlegende Haltung von z.B. EIKE, der Mensch übe keinen anthropogenen Effekt auf das Klima aus, doch recht naiv erscheint (wenn nicht, wie immer, gewisse Interessen dahinterstehen). Auf der anderen Seite neoliberale Wachstümler, welche mit dem propagierten Vorwand das Klima zu schützen (was für eine absurde Nullaussage?), in alter Manier, nur moralisch erdrückend grün eingefärbt, fortschreiten. Warum das so ist und nicht anders sein kann, wissen wir alle. Und demnach auch, dass, wenn sich eine technisch entwickelte Zivilisation erhalten will, sie ihre schädlichen Auswirkungen auf die Scholle, auf die sie aufbaut, die sie erhalten muss, sich also den natürlichen Kreisläufen anpassen muss - auf das exakte Gegenteil ist die jetzige ausgerichtet. Die Bedingungen dafür wären freilich sehr streng (Hauptproblem Weltbevölkerung) und deswegen, bereits unter jetzigen Umständen, utopisch, weswegen man wohl den höchsten Wahrheitsgehalt in der pessimistischen Haltung erwarten könnte, welche die Determinierung des neuerlich menschlichen Fortschrittsdrangs als Folge des technischen Denkens und damit als geistig getriebene degenerative Kraft als zu dominant erkennt, oder optimistischer, diesen Zusammenhang bezweifelt und jenen Fortschritt als Ausweg aus den jetzigen destruktiv wirkenden Zwängen wähnt (welche jedoch durch diesen selbst erst geschaffen wurden).

Letztlich entscheidet sich mit der (nun verständlichen) radikalen Tiefe der Ökologischen Frage, ob sich das Anthropozän selbst beendet oder eben nicht, damit wäre der Rang unbestritten und zweifelsfrei wert mehr, auch im metapolitischen, Raum in Betrachtungen, Analysen und Konzeptionen zu bekommen. Die Linke kann diese Ganzheitlichkeit genuin nicht (er)fassen.

@Robert
Bezüglich neuer ökonomischer Kreislauf-Konzepte findet man sehr vielversprechendes in der Degrowth- bzw. Postwachtumsökonomie um Prof. Niko Paech (welche sich ausnahmsweise sehr breit mit Gruhls Analysen und Implikationen deckt).
http://www.postwachstumsoekonomie.de/material/grundzuege/

Nebenbei, Gruhl hätte sich selbst nie als „Umweltsoziologen“ gesehen und sehen wollen, denn er hatte eine Aversion gegen die Soziologie.

Robert
15. Mai 2019 10:37

@Anthropofugaler Wanderer, 14. Mai 2019 23:26

Danke für den Hinweis. Ich habe auch seinerzeit Herbert Gruhl in starker Verbundenheit und mit viel Gewinn gelesen.

Gleichzeitig aber auch Autoren, die sich mit den bio-, erkenntnistheoretischen und natur-philosophischen sowie gesellschaftspolitischen Grundlagen befassten, wie Konrad Lorenz, I. Eibl- Eibesfeldt, Rupert Riedl, F. Wuketits, Hoimar von Ditfurth (Vater der unseligen Jutta Ditfurth!), um nur einige der bekanntesten zu nennen. Sie alle haben gemeinsam, daß sie auch die praktisch-existentiellen Auswirkungen der von ihnen analysierten Natur des Menschen im Focus hatten – sprich das Schicksal des Menschen an sich, in das auch die Völker eingebettet sind und dem sich niemand, gleich welcher Weltanschauung, entziehen kann.

Ich kann ihren weiteren Aussagen nur meine uneingeschränkte Zustimmung geben.

Zu den „GRÜNEN“: Alles was sie angreifen, ist und bleibt verdorben.
Insofern ist es für ganzheitlich und naturwissenschaftlich-fundiert Denkende, die in philosophischer Konsequenz alle in das politisch rechte Fahrwasser kommen müssten, selbstverständlich, daß man ihnen kein Thema „überlassen“ kann – ihnen es also aus der Hand nehmen muß; und andererseits als Rechter nicht automatisch eine Gegenposition zu einzelnen Aussagen oder Themenkomplexen einnehmen dürfte, nur weil Grüne sich auch damit beschäftigen.

Eine Re-Naturalisierung – geistig wie praktisch – tut also not, ohne dabei aber eine Verteufelung oder eine Grund-Skepsis gegen die Technik einzunehmen - ganz im Gegenteil; wir müssen nur die damit einhergehende Hybris in eine selbstbewußte Hinwendung und Anerkennung zu unserer natürlichen Herkunft und unserem Sein umwandeln. Ein großer Geist hat es so ausgedrückt: Ein Bewusstsein, eine Haltung gewinnen, abseits von Gier und unterwürfiger Demut.

Was den Ausgang der von Ihnen am Schluß angesprochenen, geradezu zwangsläufigen, Entwicklung betrifft:
Ich versuche ein optimistischer Realist zu bleiben, sehe für uns aber ohne eine Bremsung des Haupt-Motors des kapitalistischen Systems – das nur als Moloch beschrieben werden kann - als letztliches Korrektiv nur das Szenario einer hoffentlich wieder überwindbaren, mittleren Katastrophe.
Um es mit einem ökologisch-systemtheoretischen Prinzip auszudrücken:
Globale, vom Menschen induzierte Entwicklungen kennen keine stabilisierende negative Rückkopplung, wie sie lokale ökologische Systeme haben – es sei denn, wir greifen massiv, z. B. einmal auf den europäischen Raum beschränkt, ein.

Nur noch zur Entwicklung der Soziologie etwas sehr Positives, zumindest aus meiner Sicht:

Die alte, von der Linken dominierte Soziologie ist de facto tot, wenn sie auch noch von den Schülern, der Schüler, …, unermüdlich weitergetragen wird.
Die neue, biologisch-evolutionistisch grundierte Soziologie heißt Soziobiologie (Edward O. Wilson, Wickler & Seibt, Richard Dawkins, ..) und ist Nachfolgerin der klassischen Ethologie K. Lorenz, N. Tinbergen,...) und ist heute mehr denn je „heiß umfehdet, wild umstritten“, weil von den Linken aufs Schärfste bekämpft. Von der anderen Seite, der klassischen Soziologie, hat sich die sogenannte Bio-Soziologie in Richtung Biologie entwickelt (Peter Mayer: Soziobiologie und Soziologie. 1982, Peter Kappelhoff: https://temme.wiwi.uni-wuppertal.de/index.php?id=2224).

Ruewald
15. Mai 2019 19:31

@Robert, @AnthropofugalerWanderer (Anspielung auf Horstmanns "Untier"??)

Zustimmung zu ihren Ausführungen.
Auf die entscheidende Wichtigkeit der "Naturalisierung" (holistisch, nicht reduktionistisch gemeint) der Sozialwissenschaften und Ökonomie kann gar nicht oft und deutlich genug hingewiesen werden, insbesondere Einbeziehung der Ethologie, Soziobiologie, Populationsdynamik (als Teilgebiet der ..), Ökologie, etc.
Ergänzend möchte ich noch auf die Arbeiten des australischen Soziologen Frank Salter hinweisen, der zeitweise eng mit Eibl-Eibesfeldt zusmmengearbeitet hat.

Zur Ökonomie interessant: Bernd Senf "Die blinden Flecken der Ökonomie. Wirtschaftstheorien in der Krise".
Senf kritisiert das Geldsystem, dabei besonders das Zinssystem, das seiner Meinung nach für ein exponentielles Geldmengenwachstum sorgt. Alle Unternehmen stünden unter Wachstumszwang, um Schuld und Schuld-Zins zu bedienen. In der Konsequenz bedeutet dies eine ebenfalls exponentiell wachsende Verschuldung, wodurch die Zinslasten ansteigen, die vom Soialprodukt aufgebracht werden müssen, was so lange gut geht, wie das Sozialprodukt mit der Rate des Kreditzinses anwächst.
Anlässlich der Finanzkrise ab 2007 werden aus seiner Sicht nur Symptome kuriert, was in eine Hyperinflation führen könne. Alternativen sieht er im zinskritischen Konzept von Silvio Gesell. Allerdings kritisiert Senf bei Gesell als blinden Fleck - wie bei fast allen Wirtschaftstheorien - Natur und Ökologie.
(mit der freudomarxistischen Schlagseite von B.Senf kann ich mich jedoch nicht anfreunden)

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