20. Mai 2019

Ein Schülerheftchen und unsere Aufgabe als Eltern

Caroline Sommerfeld / 34 Kommentare

Gestern brachte der Kleine eine neue Ausgabe der Lux-Zeitschrift aus der Schule heim. Kennt kein Mensch außerhalb Österreichs.

Caroline Sommerfeld

Caroline Sommerfeld ist promovierte Philosophin und dreifache Mutter.

Hierzulande wird sie jedoch in den Volksschulen monatlich verteilt (gegen einen mit dem Schulgeld abgebuchten Beitrag, man kann sie also nicht nicht beziehen). Für die allgemeinbildenden höheren Schulen gibt es das Jugendmagazin Topic.

In Wir erziehen habe ich solche Zeitschriften mit den folgenden Worten beschrieben:

Es gibt im Kinder-Mediensektor eine geschickte Mischung aus Propaganda und Infotainment. Abgesehen vom Kinderkanal "KiKa" gelingt dies auch Zeitschriftenformaten wie dem Kinderheft des "Spiegel" (Angela Merkel auf der Titelseite, Kinderfragen: "Wie lösen Sie einen Streit?" "Regieren Sie eigentlich gern?"), "GEOlino", oder der "KinderZEIT", in Österreich bekommen die Kinder als Klassensatz Topic“ (neben Lerntips, Popsängerplakatmittelseite und Tierrekorden gehen Che Guevara, die Verbrechen des Dritten Reiches Teil I-III und das Leben im Flüchtlingslager so durch). Im Radio laufen "Kakadu" und "Radio Mikro", in die immer mal wieder offene Propagandaelemente gestreut werden.

Dieses Lux-Exemplar ist bei genauer Betrachtung gespickt mit subtilen politischen Botschaften an die Sieben- bis Zehnjährigen. Kostprobe?

Seite 5 ein Gedicht über die Liebe, das beginnt mit der Zeile „Liebe will frei sein“ und endet mit den Zeilen „Was kann sie nicht sein? (Hass kann sie nicht sein.)“. Naja. Dumm aber harmlos, solange es einem beim framing nicht auf die eingeführten Begriffspaare ankommen will.

Nächste Seite große Überschrift „Es ist Fastenzeit!“ Die ist doch schon vorbei? Ach iwo, „Feiern & Feste: Ramadan“. Ach so. „Wann: 6. Mai bis 4. Juni 2019. Wo? Weltweit. Beliebte Tätigkeiten: Fasten, Beten, gemeinsames Abendessen.“ Weltweit, nicht etwa: in islamischen Ländern.

Ein paar Seiten weiter (dazwischen Märchen, Witze, Tiere) „Was gibt’s Neues, Europa?“ „Nie wieder Krieg!“ natürlich – dank der „Römischen Verträge“ 1957, dasselbe Info-Kastl endet mit dem Satz, leider wolle Großbritannien ausscheren, obwohl der Brexit doch „extrem kompliziert“ sei. Der Rest des Beitrags geht über den Euro. Kinder interessieren sich in der Tat oft für Geldscheine und zählen und vergleichen hingebungsvoll Münzen. Ganz sicher ist das Euro-Zeichen, das wie ein Satellit die Zahl umkreist, wenn man den Geldschein passend hält, „cool“.

Folgende Doppelseite enthält ein Liebesmärchen aus Afrika. Dann wieder Blumengärten, der Weltraum, Rätsel. Die letzten Seiten des Heftes sind umgekehrt zu lesen, das ist er englischsprachige Teil namens join in. Lerneinheit „family and friends“: „My step-mother's name is Aylin. She has long black hair and she wears glasses.“ Die Gartenparty auf der Folgeseite ist natürlich hübsch divers bestückt. Danach ein Länderporträt Jamaica, dann Kompaßlesen und der Wüstenfuchs als Sachunterrichtsthemen. S.15 zeigt zwei wegweisende „faces“: einen Schwarzen mit Bart und eine Blondine, außerdem eine fröhliche Familie mit einer Latinaamama und einem schwarzen Papa, auf dessen T-Shirt das rassetypische „E=mc²“ zu lesen ist.

Wie damit umgehen? Es würde mich brennend interessieren, da ich nun einmal eine gebürtige „Wessi“ bin, wie Kinder, Jugendliche und ihre Eltern die DDR-Jugendzeitschriften wahrgenommen haben. FRÖSI und die Trommel wurden genau wie unsere Topic und Lux von den Staatsschulen als Lesematerial empfohlen. Fielen die politischen Themen als solche auf? Nahm man das ernst oder lachten alle darüber? Gab es subliminale ideologische Beeinflussung, oder stach diese dem Leser sofort als überaus platt und absichtsvoll ins Auge? Was haben ausgerechnet Jugendzeitschriften überhaupt ausgerichtet und angerichtet? Erinnert man sich als Erwachsener noch daran?

Mein vorliegendes Lux-Exemplar ist weder besonders kraß (wie etwa diese offene politische Propaganda gegen die IB im Schulunterricht samt Vorschlag, sie in Topic zu drucken), besonders abartig (wie die hier reißerisch angeprangerten Sexualerziehungspläne) oder besonders einflußreich (Kinder schauen doch lieber YouTube als in Schulzeitschriften zu schmökern, seien wir ehrlich).

Und doch muß man als kluge, unverdrehte Eltern damit umgehen. In absteigender Reihenfolge der Radikalität ergeben sich mindestens die folgenden Handlungsmöglichkeiten, die wir situationsgerecht und je nach ganz individueller Lage und Konstitution haben. Es geht ja nicht um bestimmte Schülermagazine, um diese nur pars pro toto, sondern um einen ganzen Komplex:

1. Seine Kinder diesem Propagandasystem vollkommen entziehen. Eine solche blöde Zeitschrift gibt es dann in der Lügenwelt da draußen gratis und en gros, uns kommt sie nebst allen anderen Gehirnwaschmitteln nicht ins Haus. Dazu braucht man sein Kind nur auf einer Schule in freier Trägerschaft ohne öffentlichen Lehrplan anzumelden oder es – in Östereich möglich und erlaubt! – zuhause zu unterrichten. Das ist echtes „Anderssein“.

2. Kommt 1.) aus vielerlei Gründen nicht in Frage, und zieht man das Ding nun einmal allmonatlich aus der Schultasche, kann man es mit dem Kind einer kritischen Besprechung unterziehen. „Schülermanipulation“ (Helmut Schoeck) läßt sich umkehren. Das geht am besten durch Fragenstellen: Warum ist da ein schwarzer Papa zu sehen? Was heißt „Fastenzeit“ eigentlich? Wofür ist das hier eine Werbung? Ist das normal? Usw. Kinder verstehen erstaunlich schnell, daß ihnen da offensichtlich etwas schmackhaft gemacht werden soll. Doch ich schrieb nicht umsonst: Schülermanipulation läßt sich umkehren. Diese Zugangsweise ist nämlich ihrerseits nicht frei von Manipulation: man will als Eltern nicht, daß die eigenen Kinder etwas bestimmtes denken und glauben, sondern stattdessen das Gegenteil davon. Das „kritische Hinterfragen von Herrschaftsverhältnissen“ ist ursprünglich ein nicht unproblematisches Erziehungsmuster aus der Pädagogik der Neuen Linken.

3. „Ridicule is man's most potent weapon“ (Saul Alinsky) – man mache sich gemeinsam mit dem Kind über zentimeterdick aufgetragene Propaganda lustig. Um das zu können, darf man eben nicht den kritischen Miesepeter spielen und jedes Regenbogeneinhorn, jedes Hootonplankindergartenbildchen und die natürlich nicht ausgebliebene Greta-Ausgabe von Topic aufs ideologiekritische Korn nehmen und drüber schimpfen. Humor gehört sparsam dosiert, vielleicht reicht bei unserem Lux-Heftchen das Einsteinleiberl für eine kleine Bemerkung. Ich gehe jede Wette ein, daß es ein ganzes Repertoire von DDR- und Ostblockwitzen gibt, aus dem wir Heutigen uns bedienen könnten um sie genüßlich weiterzuspinnen. Allerdings setzt die Humoroffensive ein bereits gut entwickeltes „gespaltenes Bewußtsein“ (so Hans Dieter Schäfer über das Seelenleben im 3. Reich) voraus: unterscheiden zu können zwischen offiziöser und privater Denk- und Sprachsphäre und diesen Unterschied als Familie auch zu kultivieren.

4. Kinder reagieren oftmals allerdings richtiggehend allergisch darauf, wenn Eltern ihre Lehrer, ihre Schule oder das „coole“ Projekt kritisieren. Sie identifizieren sich mit diesem Teil ihres Lebens zutiefst, was anthropologisch gesehen ganz normal und gut ist. Eine Heftbesprechung kann daher durchaus nach hinten losgehen, und schließlich ist auch nicht das eigene Kind der richtige Adressat der Beschwerde. Also los zur Lehrerin, mindestens ein nachhakendes E-Mail abgeschickt. Die Notbremse (jegliches Auf-die-Pauke-Hauen: Direktor anrufen, Kind von Veranstaltungen abmelden, Medien einschalten, rechtliche Schritte) spare man sich tunlichst für die Extremfälle, die da vielleicht noch kommen werden an einer Schule mit öffentlichem Lehrplan im Laufe einer langen Schülerbiographie.

5. Doch man wird erfahren – ich habe es ausprobiert anhand anderer Situationen –: die Lehrerin fällt aus allen Wolken. Was soll bitteschön an dieser Zeitschrift „schlimm“ sein oder etwa den Kindern schaden? „Ich-sehe-was-das-du-nicht-Siehst“ haben wir diese völlige Inkompatibilität von Perspektiven in Mit Linken leben genannt. Genauso nämlich wie die Kinder umhüllt von ihrer eigenen Lebenswelt sind, sind es die Lehrer auch. Es verhält sich wie in der berühmten Metapher von dem Frosch, der langsam gekocht wird. Menschen sind Gewohnheits- und Perspektivübernahmetiere. Ohne Einbettung, Hülle, Vergemeinschaftung können sie nicht existieren. Wir werden stetig und ständig in Normalitäten hineinsozialisiert. Doch während man es den kleinen Kindern und den kleinen Fröschen nicht sagen kann, was mit ihnen passiert, kann man das bei den großen Lehrerinnen sehr wohl. Doch man muß sie behutsam entwöhnen. Der etwas zu heiß gebadete Frosch will wieder hinein in den warmen Komforttopf und hält den, der das Experiment abbricht, für einen Störer oder gar einen „rechten Verschwörer“. Sodaß auch dieser Schritt mit Vorsicht zu genießen ist, sonst ist das Vertrauensverhältnis zur Lehrerin gleich dahin, was allen Beteiligten schadet, und zwar mehr als das Schülermagazin. Viele Gespräche, auch mit anderen Eltern, ohne Angriff, ohne Polemik, ohne Drama können ein gangbarer Weg sein.

6. Anders leben. Die allerbeste Waffe gegen subtile und bisweilen auch etwas weniger subtile Propaganda in Unterrichtsmitteln und Massenmedien ist immer noch die heimische Wirklichkeit. Meistens muß man nämlich gar nicht direkt thematisieren, was das „falsche Leben“ (Hans-Joachim Maaz) so alles an immer neuen Schmankerln bereithält, sondern das richtige Leben leben. Nicht überall ist Schnellroda, braucht es auch gar nicht zu sein. Aber unsere Familie ist eben nicht multikulti, unser Eheleben geht nur die Erwachsenen etwas an, wir lesen andere Bücher vor, singen altmodische Lieder und machen allerhand einprägsame Ausflüge in Wald und Wiese. Und so weiter – das Gesamtbild dürfte klar sein. So eine sich undogmatisch behauptende und selbstverständliche Wald-und-Wiesen-Kindheit hat mit ein wenig Glück den Effekt der jüngerschen „Lektüren, die Impfungen gleichen“. Dann ist so ein Schülermagazin gar nicht mehr so wichtig, mögen die Macher, das „Österreichische Jugendrotkreuz“ und das „Bundesministerium für Bildung“ und ihre Geld- und Geisteskräftegeber auch noch so gute medienpsychologisch wirksame Indoktrinationsstrategien ersonnen haben. „Wir pfeifen auf den Gurkenkönig!“

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Caroline Sommerfelds neues Buch Wir erziehen! Zehn Grundsätze ist bei Antaios erschienen und kann hier bestellt werden.


Caroline Sommerfeld

Caroline Sommerfeld ist promovierte Philosophin und dreifache Mutter.


Kommentare (34)

Caroline Sommerfeld
20. Mai 2019 12:29

Mir schrieb gerade eine österreichische Mutter: natürlich könne man die Hefte auch nicht bezahlen - einfach abziehen vom Schulbeitrag, was man als Eltern inhaltlich nicht unterstützen will. Desgleichen Sexualprojekte. So frei seien wir ja immerhin noch.

Gustav Grambauer
20. Mai 2019 16:44

Bericht von der helvetischen Station des Irrenhauses:

Tochter hat seit heute "Projektwoche Nachhaltigkeit"; Ziel ist es, anschließend als Schulklasse ein sogenanntes Energieversprechen und dessen Einlösung auf diesem Portal

https://www.energie-klimapioniere.ch/projekte/

abzusetzen, die vorhandenen sind bis in den Feinschliff der Formulierungen hinein eine grüngewaschene Neuauflage der "Pionieraufgebote Roter Oktober" meiner Kindheit, siehe etwa:

https://www.energie-klimapioniere.ch/projekte/detail/?L=0&tx_ecproject_detail%5Bproject%5D=1454&cHash=a0e54368403303e8c5d4d3e6ef50199b

Dazu gab es einen Handzettel, Verzeihung bitte, "Flyer" mit allerhand Verpflichtungen, die wir bis Ende der Woche als Eltern unterschreiben sollen. (Unsere Unterschrift kriegen die aber nicht):

https://www.energie-klimapioniere.ch/fileadmin/user_upload/Projekt_Zusammen_für_mehr_Nachhaltigkeit.pdf

Damit noch nicht genug. Unentwegt singt die ganze Schule jetzt "Häbet Sorg`" ("Habt Sorge" bzw. "Seid besorgt"), die Schweizerische (weichgespülte / konsensdemokratiefähige) Version von "I want you to panic bc. your house is on fire":

https://www.youtube.com/watch?v=S-HgBrGueUI

Kind, acht Jahre, hat nicht mitgesungen, fand Sänger und Lied "grüesig" und war sich sicher, daß der "Grüsel" (bitte googeln) von Körperhaltung, Kleidungsstil und Schleimigkeit her ein Lehrer sein müsse. Volltreffer!: "Andrew Bond arbeitete nach einem Theologiestudium 17 Jahre als Musik- und Religionslehrer an der Oberstufenschule in Wädenswil." (Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Andrew_Bond) Es grummelte in ihr, dann rückte sie raus mit der Sprache: sie sei sich auch sicher, die Kampagne käme irgendwie "aus der Karl-Marx-Ecke". (Karl Marx hat sie von mir für den kindlichen Behelf als Inbegriff der Linkswelt vermittelt bekommen.) Kurze Verständigung: sie möchte niemand beleidigen, Schweizer sind höflich, also tut sie so, als ob sie mitsinge.

Andrew Bond tourt regelmäßig durch die Schweiz und war dabei auch schon mehrmals bei uns im Dorfgemeinschaftshaus. Die Konzerte sind immer schon Monate vorher ausverkauft, es sind immer regelrechte "Family-Events", auch viele Eltern gehen voll darin auf - und bemerken unter der Oberflächchenschicht gar nichts. Die Eltern im Umfeld haben wir alle mit kleinen Provokationen auf Gehirnwäsche angetestet: bis auf wenige Ausnahmen sind alle durchgefallen, viele sind hoffnungslos dem Wahn verfallen, manche schon durch Winzigkeiten der Devianz bis zur Hysterie reizbar. Einer meiner Tests in gespielter Naivität geht auf simple Ratio: viel wichtiger als das notorisch propagierte Wasser-Sparen sei es doch, das Grundwasser nicht zu verunreinigen. Ein paar Milligramm an synthetischen Arzneien, synthetischen Hormonen u. dgl., die ja über die Fäkalien ins Grundwasser gingen, verseuchten doch ganze Gigaliter Grundwasser,

www.blick.ch/news/schweiz/wegen-medikamenten-prothesen-herzschrittmachern-jeder-dritte-friedhof-muss-saniert-werden-id168724.html

aber die Klima-NGOs machten immer nur PR-Kampagnen zum Wasser-Einsparen und nie zur Vermeidung der Wasser-Verseuchung; wie diese Diskrepanz wohl zu erklären sei. Oh, wie man manche Leute, darunter viele Akademiker, allein mit dieser an den indoktrinierten Schablonen vorbei (und damit in die Verunsicherung hinein)führenden Frage in den intellektuellen Offenbarungseid treibt und teilweise zur Weißglut reizt!

- G. G.

Gotlandfahrer
20. Mai 2019 17:19

Verehrte Frau Sommerfeld,

meinem Eindruck nach haben junge Menschen, erstens, ein natürliches Gespür für Ungerechtigkeit. Gerade dieser Sinn wird ja erfolgreich von den Linken missbraucht. Zweitens, wie auch die meisten erwachsenen Menschen, haben sie Angst vor dem Ausgestoßen werden. Aber selbst über gutgemeinte und redlichste Belehrung bzw. „Beweisführung“ dahingehend, dass die wahrgenommene Welt ein Kulissentrick ist, wird man das Interesse an (1.) nicht über das Bedürfnis für (2.) setzen können. Denn Überleben in der Gruppe ist wichtiger als die Beseitigung von Ungerechtigkeit.

Kurz gefasst lautet mein Rezept für dieses Problem: Wer fragt, der führt. Eingeleitet aber mit einer unverfänglich lapidar gemachten Kurzbemerkung, die das Interesse des Jugendlichen weckt, ohne das Tabupotenzial des sich anschließenden Themas schon zu verraten.

Diese Erfahrung habe ich nach Jahren experimenteller Diskursversuche gemacht. So ertrug meine jetzt 13jährige Tochter zwar zumeist – höflicherweise - meine vorlesungsartigen Großzusammenhangsdarstellungen. Aber augenrollend und nicht wertschätzend. Weswegen ich es seit Langem unterlasse. Viel mehr Erfolg hat ohnehin zum einen das, was Sie völlig richtig als Vorleben bezeichnen. Aber manchmal reicht selbst das nicht, um den Hirnschiß zu entfernen, den die Kinder intuitiv nachahmen. Daher gehe ich mittlerweile wie folgt vor: Ganz nebenbei raune ich einen Ausdruck der Fassungslosigkeit hin, der auch Ausdruck der Erschütterung angesichts der Wettervorhersage sein könnte.

Dann gibt es eine Rückfrage („hä, was ist los?“). Und schon ist der Einstieg gefunden. Idealerweise folgt die Bezugnahme auf einen selbst für zeitgeistlich normierte Jugendliche immer noch wenigstens ‚komisch‘ anmutenden Ausdruck politischer Korrektheit (z.B. schwule Ampelmännchen, auch wenn die doch „süß“ sind, so ganz normal findet das kein 13jähriger).

Beispiel:

Ich sage, iPad lesend (= akzeptiertes Medium, bei der Papierzeitung würde sie sicherheitshalber nicht nachfragen…) „Ich fasse es nicht“. Mehr nicht.

Sie, von der Stickarbeit aufschauend (Scherz: Vom Handy…): „Was denn?“ Ich: „In Hannover müssen Straßenbauarbeiter jetzt alle Fahrrad-Querstangen aus den Fahrbahnmarkierungen kratzen.“ Sie: „Wieso?“. Ich: „Weil Fahrräder mit Querstangen Herrenfahrräder symbolisieren.“ Sie weiter (weil inzwischen schon erfolgreich sensibilisiert): „Weil das Frauen diskriminiert?“. Im Weiteren stelle ich dann Fragen, wie die, ob Sie sich durch so etwas diskriminiert fühlt etc. „Natürlich nicht“ (= Zustimmungskette, ich kann genauso fies sei, wie die Linken…).

Es entspannt sich daran ein durch meine Fragen geführter Dialog beispielsweise hin zum Thema, ob sie schon einmal in ihrer Klasse oder auf dem Schulhof das Gefühl gehabt hätte, dass einige Schüler dazu neigen, sehr empört über andere Meinungen zu sein. Und dass man bei vielen Themen irgendwie ein ungutes Gefühl hat, jetzt etwas Anderes zu sagen, als die, die sich besonders selbstsicher und mit viel Zustimmung des Lehrers äußern. Und schon hat man das Entree für eine jugendgerechte Auseinandersetzung der Schweigespirale, ohne vorher anzukündigen, jetzt ein konkretes Schwefelthema umdrehen zu wollen.

Es ist also eher die Übung des jungen Geistes im Erkennen von Gruppendynamiken („wie fühlt sich das für Dich an, wenn diskutiert wird“, statt „die liegen alle falsch, weil sie manipuliert werden“), die aus meiner Sicht den Schlüssel zur Aufklärung über sich selbst und das Funktionieren der Gruppe darstellt, als ein Überzeugen mit Argumenten. Man erzeugt besser das Gefühl, „hey, stimmt, irgendwas ist da komisch“, ohne dazu zu nötigen, gegen oder für irgendwas sein zu sollen. Wenn dann eines der linken Stereotype kommt, gilt es nicht zu sagen, „das ist falsch, weil“, sondern eher „hm, OK, aber wie siehst Du denn dann dies und jenes?“ Der Jugendliche ist ja – zum Glück – noch nicht so ausgeframed, dass er einfachste logische Widersprüche qua Selbstreferenz ignorieren kann. Man redet ja nicht mit Altlinken sondern mit Küken, deren Synapsenformation noch nicht erstarrt ist.

Über diesen Zugang kann man dann im Grunde die ganze Palette des politischen Hirneiters absaugen, ohne den jungen Menschen zu drängen, seine Peergroup erst zu verlassen um dann zuzuhören. Es gelingt in wenigen gesegneten Momenten Detailtiefen zu erreichen, die sonst weit vorher abgeblockt würden. So würde ich auch nie eine progressiv-verbrämte Zeitschrift oder Sendung frontal angreifen oder darauf hinwirken, dass dies nicht konsumiert wird.

Ich neige dazu, die Anschauung dazu zu intensivieren. „Schau es Dir genau an, ist das alles richtig?“ ist im Grunde die Frage, die stets Ansporn ist, das, was da ist von selbst zu hinterfragen. Wenn man dann aber selber ein Gegenargument gefunden hat, bröckelt die Fassade der Selbstverständlichkeit von alleine, zumindest bekommt sie Risse.

Beispiel, sage nie: „Die Klimalobby will nur unser Geld.“ Das ist sachlich korrekt aber schwer vermittelbar. Besser: „Jaja, das Klima wandelt sich – schon wieder mal, denk an die Mammuts früher. Sag mal, weißt Du, was die Temperaturunterschiede zwischen Sommer und Winter ausmacht? „Die Nähe zur Sonne?“. „Nein, die unterschiedliche Neigung der Erdachse, deswegen wird es früher bzw. später dunkel und hell. Im Winter ist die Erde sogar wesentlich dichter an der Sonne als im Sommer. Irre, oder?“ „Ah. OK.“. „Und wenn diese jahreszeitliche Neigungsänderung schon mehr Temperaturunterschied ausmacht, als die extrem unterschiedliche Nähe zur Sonne, glaubst Du, dass sich ein starkes Herumeiern der Erde, weil es haufenweise schwere Meteorieteneinschläge gab, also das so entstandene völlig ungleichmäßige Trudeln, sich auf das Klima auswirken kann?“ (Man darf mit dem Begriff Milanković-Zyklen kokettieren, soweit ist man dann schon in diesem Augenblick) Usw usf.

Es kommt dabei nicht darauf an, am Ende des Dialogs zu „gewinnen“, sondern ein Gefühl für die Unvollständigkeit der sonst stattfindenden Diskussionen erzeugt zu haben. Wenn sie denkt: „Hm, warum sagt das sonst keiner, klingt doch zumindest interessant?“ ist das der Touchdown.

Schon bei meinem Sechsjährigen, der – im Grunde herrlich treuselig – bei allem was er tut daran denkt, „ob es auch gut für die Umwelt“ ist, konnte ich so im Anschluss an einen einschlägigen Kika-Beitrag – ohne ihm das Konzept des ersatzreligiösen Klima-Missbrauchs, das gegen die europäischen Identitäten gerichtet wird, erklären zu müssen – durch eine einfache Frage sensibilisieren: „Ja stimmt es denn, dass es Mama und Papa egal ist, dass in Afrika Menschen sterben?“ „Nein“. „Hm. Soll man also immer alles glauben, was im Fernsehen gesagt wird?“ „Ne, Papa, natürlich nicht.“

Der Rest ergibt sich.

owenmeany
20. Mai 2019 18:42

Hallo,
als ich aufwuchs in der DDR, gab es wohl Frösi und Atze und wie diese Propagandaprodukte alle hießen. Sie waren ein zwangsläufiges Begleitprodukt. Doch, wie durch alle Ideologien und Zeitalter hindurch, beeindruckt das Kind und den Erwachsenen Authentizität. Natürlich kann auch diese auf das falsche Gleis führen, Begeisterung für die falsche, sogar die abscheulichsten Sache ist zwar kein Regelfall, aber geschichtlich vielfach belegt.
Ich würde sagen, die Hälfte meiner geschichtlichen Allgemeinbildung entstammt den Digedags, kein ideologisch durchorchestriertes Machwerk, sondern an pädagogisch durchdachter Gang durch alle Menschenalter in Gestalt von 3 kleinen Jungs.
Bildungserlebnisse, nein, eher Eruptionen hatte ich durch zwei Lehrerinnen, meine Chemielehrerin sagte gern und oft ganz lapidar: “ Die Theorie ist Marx, die Praxis Murks“. Und am Nachdrücklichsten meine Deutschlehrerin, Sie rezitierte die Ballade von Becher: Kinderschuhen aus Lublin. Dabei weinte Sie, von ersten bis zur letzten Strophe, es sind 36. Danach war ich kein Kommunist, aber ein glühender Antifaschist, in seinem DDR-Sinn, nicht in dem Zusammenhang, wie es heutzutage pervertiert wird.

Thueringer
20. Mai 2019 19:12

Ich bin als interessiertes Kind, das gern alles kommunistische richtig gemacht hätte, mit Frösi, Trommel und später der Jungen Welt in einem unpolitischen Haushalt in der DDR aufgewachsen. Die Realität war aber sogar für mich als verblendetes Kind so offenkundig verschieden von der heilen Propagandawelt, daß ich allenfalls neidisch wurde. Bei und gab es kein Pionieraktiv, in dem nützliche Arbeit für die Gesellschaft betrieben wurde - es gab hingegen langweilige Pioniernachmittage und peinliche Altstoffsammlungen. Bei uns gab es keine Patenbrigade, die den Kindern die Wichtigkeit der sozialistischen Arbeit näherbrachte, sondern einmal jährlich ein verdruckstes Kaffeetrinken in einem Betrieb, bei dem die Arbeiter recht schnell zum Bier übergingen und alle froh waren, wenn es vorbei war. Bei uns gab es keine gelebte Völkerfreundschaft mit den Kindern aus aller Welt, wie in der Frösi abgedruckt, sondern höchstens Brief"freundschaften" in die Sowjetunion, die sich nie entwickeln konnte, weil die die zu schreibenden Themen vorgegeben waren. Die Propaganda der DDR war plump und offenkundig realitätsfremd, man kann sie bei weitem nicht mit der heutigen Beeinflussung vergleichen. Von uns Schülern der 80er wäre keiner auf die Idee gekommen, zu einem Friedenskonzert der Puhdys, zu Karat oder gar dem Oktoberklub zu gehen. Da sind zu Gewalt aufrufende Konzerte der heutigen Zeit deutlich erfolgreicher, denn die geben der sich mit #wirsindmehr feiernden staatstreuen Jugend trotzdem das Gefühl, etwas revolutionäres zu tun.

Was tut man mit den eigenen Kindern? Sie sagen es: vorleben, nicht moralisieren, die dickste Propaganda wahlweise lächerlich machen oder mit eigenen Kindheitserfahrungen vergleichen, die "Goldene Regel" anwenden. Als das eine Kind, das sich meiner Beobachtung nach eigentlich nur für Minecraft und Comichefte interessiert, am Abendbrottisch beiläufig erwähnte, daß es bei einer Klimadiskussion im Unterricht offen zu seiner Abneigung der Greta-Vergötterung stand, da hatte ich das Gefühl, daß in unserer Erziehung manches doch geklappt hat.

Stefanie
20. Mai 2019 19:24

Ich wurde 1989 eingeschult - Frösi und Trommel kenne ich daher nicht mehr im Originalkontext. Allerdings wurden in den ersten drei oder vier Schuljahren noch die DDR-Schulbücher parallel zu den neuen Schulbüchern verwendet (in bestimmten Fächern wie Musik und Astronomie sogar noch viel länger) , wahrscheinlich weil der Lehrplan nach wie vor an diesen Büchern ausgerichtet war - bzw. andersrum). So hatte ich gewissermaßen noch einen Einblick in die Pionierwelt. Da es bei uns zu Hause nicht so viele Bücher gab, laß ich auch öfters die Schullektüre und andere Jugendbücher meiner Eltern, die irgendwo auf dem Dachboden verstaubten. z.B. von einer Liebesgeschichte, die im Kontext der Ferkelproduktion im Lehrbetrieb der Protagonistin stattfand und die es, meiner Erinnerung nach, wohl zur Heldin der Arbeit/Aktivistin brachte, weil sie es schaffte 20 Ferkel von einer Muttersau aufzuziehen - und das neben einer herzerreißenden Romanze! (Der Wechsel von der Romantik zur Planübererfüllung hatte einen ganz eigenen Reiz:-) Allerdings wunderte ich mich auch über das (Cornelsen?)-Lesebuch für die 2.Klasse, in dem ein Ali eine zentrale Rolle spielte. Ich fragte mich, wie der wohl aus dem Morgenland ( das war für mich Märchenland) in diese Alltagsszenen gekommen sein mag. Über Winnetou und Apanatschi hätte ich mich auch nicht mehr gewundert.
Vielleicht wären gerade die Propagandabüchlein von gestern eine gute Impfung, um Kinder aufmerksam für die Manipulationsversuche gegenwärtiger Medien zu machen?
Aus der Dachbodenlektüre erinnere ich mich auch an ein Buch, daß im 2. WK spielt (den Titel weiß ich leider nicht mehr - ein See spielte eine Rolle). Darin wurde sehr gut geschildert, wie der Freund der Hauptfigur unbedingt auf eine Napola will, um den Makel, einen italienischen Vater zu haben, abzuschütteln. Allerdings ringt er mit sich, weil er gehört hat, eine Mutprobe bzw. Aufnahmeprüfung für diese Schule wäre, einer lebendigen Katze die Augen auszustechen. (Er wird vorher als sehr tierlieb geschildert.) Am Ende des Buches kommt dieser Freund in en Ferien zurück in sein Heimatdorf und die Hauptfigur fragt ihn, wie es denn bei der Aufnahmeprüfung war. Der verrät nichts über die Details, meint nur lapidar, daß man eben tun muß, was getan werden müßte. Ich fand das eine der eintüglichsten Beschreibungen für den Einfluß von Gruppendruck und dem Dazu-Gehören- Wollen.
Tschinigis Aitmatow wäre in diesem Kontext vielleicht auch interessant - er schreibt ja schließlich aus einer Binnenperspektive vom Aufwachsen in der Stalinzeit.

Noch ein Hesse
20. Mai 2019 20:06

Schöner Text. Volle Zustimmung zu Punkt 6: Anders leben ist das, worauf es letztlich ankommt. Anmerkung zu den "Schulen in freier Trägerschaft ohne öffentlichen Lehrplan": Ich stelle derzeit doch etwas enttäuscht fest, wie sehr auch die deutschen Waldorfschulen in das besinnungslose "Alle gegen rechts, wir sind ja soooo bunt und gegen Kohlendioxid"-Geschrei einstimmen - Steiner würde seinen Laden nicht wiedererkennen, aber das brauche ich gerade Ihnen ja nicht zu erzählen ...

FrankaFrey
20. Mai 2019 20:12

Da ich aus religiösen Gründen in meiner Schulzeit zum gebrannten Kind elterlicher Ein- und letztendlich auch Übergriffe wurde (Kein Sexualkundeunterricht, kein Religionsunterricht, keine Evolutionstheorie, kein Schwimmunterricht, keine Klassenfahrten und eine strenge Auswahl was die Deutschlektüre anbetraf. So wurde ich z.B. als 15-jährige von meinem Vater aus dem Deutschunterricht genommen weil „Frühlingserwachen“ von Frank Wedekind gelesen wurde), habe ich mich dazu entschlossen, meine Kinder alles mitmachen und mitlesen zu lassen jedoch immer unter elterlicher Begleitung und auch Bewertung.
Solche Hefte, wie das von Ihnen erwähnte, finde ich aus Ihren Ausführungen schließend recht harmlos. Man kann den Kindern die Augen für die Propaganda öffnen vor allem mit Humor. Die kapieren das vielleicht noch nicht mit 7 und vielleicht auch noch nicht mit 10 aber in der Pubertät sind sie dann soweit sensibilisiert. Solche Magazine wie der „Fluter“ von der Bundeszentrale für politische Bildung sind da schon ein anders Kaliber. Das ist wirklich fiese Indoktrination aber in diesem Alter blicken die Kinder es dann schon, wenn man sie zum kritischen Hinterfragen (Cui bono?) angeleitet hat.
Eigentlich reicht es, wenn man immer wieder alles mit der Realität abgleicht, so wie es Boris Palmer vor Kurzem mit der Werbung für die Deutsche Bundesbahn getan hat.
Wir waren da als Eltern ohne jegliche Verbote recht erfolgreich. Die Kinder erkennen die Gehirnwäsche sehr gut aber nicht alle Kinder positionieren sich.

Es ist ein so sensibles Thema, weil die Kinder ja auch irgendwie dazugehören wollen und elterliche Eingriffe sie in der Regel zu Außenseitern machen. Ich erinnere mich noch gut daran, dass ich meinen Mitschülern und auch Lehrern gegenüber in Rechtfertigungsnöte geriet und mir dabei zusah, wie ich meine Eltern verteidigte, mir aber über die Argumentation meiner Eltern eigentlich gar nicht im Klaren war. Ich erinnere mich auch noch sehr gut an die mitleidigen Blicke meiner Klassenkameraden und Lehrer und daran wie sehr ich mich damals für meine Eltern und insgesamt geschämt hatte auch wenn ich jetzt im Nachhinein den Widerstandsgeist meiner Eltern bewundere.

Laurenz
20. Mai 2019 21:59

Es ist überhaupt kein Problem als Weißer in 2 Wochen Kenia-Urlaub oder auch in Ostasien hunderte von dort beheimateten Damen zu ehelichen. Solche Ehen werden auch häufig geschlossen, leben aber meist befristet, in Europa, sonst würden diese Ehen nicht geschlossen. Daß auf besagten Bildern Misch-Partnerschaften gezeigt werden, ist Imperialismus pur. Nur der Aufschrei der Linken fehlt. Moral spielt also keine Rolle.

Louise
20. Mai 2019 22:04

"Wir pfeifen auf den Gurkenkönig"? Soll Christine Nöstlinger etwa eine Leseempfehlung sein?! Na, besten Dank. Das ist genau die Art von Kinderliteratur, bei der mir als Kind schon die Galle übergelaufen ist. Eben genau die Literatur, bei der man durchgehend die oben beschriebene subtile Beeinflussung spürt. Christine Nöstliner und Peter Härtling würde ich (unter vielen anderen!) aus dem Leseplan für die Schulen streichen, wenn ich was zu sagen hätte. Fällt Ihnen da nichts besseres ein? Oder sollte das nur ein "flotter Spruch" sein?

Kommentar Sommerfeld: Doch keine Empfehlung! Sie haben vollkommen recht, daß das exakt die Art Propagandaschulbuchlektüre ist, gegen die es die Kinder zu immunisieren gilt. Meine als Schlußsatz hingepfefferte Anspielung sollte das Doppelbödige herausstreichen: Können wir auf Ideologiekritik für Kinder pfeifen oder müssen wir sie umkrempeln, um auf die heutigen Ideologieproduzenten pfeifen zu können? Vielleicht wäre ein Fragezeichen hinter Nöstlingers Titel besser.

Lotta Vorbeck
21. Mai 2019 02:05

@Caroline Sommerfeld:

"... Es würde mich brennend interessieren, da ich nun einmal eine gebürtige „Wessi“ bin, wie Kinder, Jugendliche und ihre Eltern die DDR-Jugendzeitschriften wahrgenommen haben. FRÖSI und die Trommel wurden genau wie unsere Topic und Lux von den Staatsschulen als Lesematerial empfohlen. Fielen die politischen Themen als solche auf? Nahm man das ernst oder lachten alle darüber? Gab es subliminale ideologische Beeinflussung, oder stach diese dem Leser sofort als überaus platt und absichtsvoll ins Auge? Was haben ausgerechnet Jugendzeitschriften überhaupt ausgerichtet und angerichtet? Erinnert man sich als Erwachsener noch daran? ..."

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BUMMI

+ Während der 1960er Jahre von der Mutter manchmal beim Postboten (die Haustür war offen, der Postbote kam in die Küche) erworben. Bärchengeschichten von Bummi (dem gelben Bärchen) und Maxel (dem braunen Bärchen) waren sowohl zu Hause, als auch im Kindergarten beliebt. Die Mittelseite des Heftchens aus verstärktem Papier enthielt Bastelanleitungen.

ABC-Zeitung

+ Nur selektiv rezipiert. Schlechte Zeichnungen. Dick aufgetragene Propaganda. Mitunter interessante Bastel-Ideen im Heft enthalten.

TROMMEL

+ Als völlig uninteressant ignoriert.

DURCH DIE WELT / PO SWETU

+ Propagandablatt im Stile einer Zeitung aufgemacht. Herausgegeben von der Pionierorganisation. Mehrsprachig. Russisch, Französisch, Englisch. Gratis von der Schule bereitgestellt und im Russischunterricht verwendet.

ATZE

+ Eigentlich nur wegen der unpolitischen, mehrfarbigen Fix & Fax -Mäusegeschichten und der Mittelseite des Heftchens interessant. Die Mitteldoppelseite enthielt eine Bildergeschichte. Für die richtige Beantwortung der Frage "Was gab es damals noch nicht?" wurden aus den eingesandten Postkarten jede Woche drei Globen (Man fragte sich immer wieder neu: Was sind denn "Globen"?) verlost. Aufmacher war jeweils eine umfangreiche, nur teils farbig gedruckte Bildergeschichte deren Handlung im Mittelalter angesiedelt war, Spionage- und Sabotagefälle zum Nachteil der DDR, den Mauerbau, den Vietnamkrieg oder den WK2 zum Thema hatte. Retrospektiv betrachtet waren diese Bildergeschichten handwerklich auf hohem Niveau gemacht. Auf einer der hinteren Heftseiten gab's unter der Rubrik "Post an Atze" Adressen von Kindern aus der UdSSR, Rumänien, Bulgarien, Polen, die sich Brieffreunde wünschten.

FRÖSI

+ Im elterlichen Haushalt (ohne plausible Begründung verpönt). Enthielt neben dick aufgetragener Propaganda interessante Bastelbögen.

TECHNIKUS

+ Die technikorientierten Beiträge waren eindeutig erkennbar politisch grundiert, man stellte aber beispielsweise auf der Heftrückseite auch immer ein Westfahrzeug vor.

MOSAIK

+ Absolute Bückware, stets binnen Stunden ausverkauft. Enthielt in verschiedenen Epochen angesiedelte Geschichten, dargestellt in hinreißend schönen Wimmelbildern, gezeichnet von Hannes Hegen und Kollegen.

Rezeption wie @Thueringer - 20. Mai 2019 - 07:12 PM

Einzelne Titelbilder sind auch nach Jahrzehnten noch immer in der Erinnerung präsent. Komplette Sammlungen wurden seinerzeit zu horrenden Preisen gehandelt.

Die Zeitschrift wurde laut Impressum mit jeweiliger Preisangabe in der Landeswährung auch nach Ungarn sowie ins NSW (BRD, Österreich, Schweiz, Liechtenstein, Luxemburg, Monaco) exportiert. Wir fragten uns immer: Wer liest denn im Westen das "Mosaik"?

Das Geschäft mit Reprints blüht bis heute.

Dem generell nichtlesenden Vater total verhasst. Die Rezeption des "Mosaik" erfolgte deshalb möglichst außerhalb von des Vaters Sichtweite.

NEUES LEBEN

+ Bückware, selber nie gelesen.

Heinrich Loewe
21. Mai 2019 07:03

Verehrter @Grambauer, ich wüßte nicht, was daran verkehrt sein soll, den Jugendlichen etwas Achtsamkeit, Reflexion des eigenen Lebensstils, Ökologische Bewußsein, Hinterfragen von scheinbaren Selbstverständlichkeiten beizubringen.
Ich erlebe es im eigenen Patchwork-Haushalt oft mit Schmerzen, wie ausschließlich aus dem eigenen Bedürfnis heraus und ohne Reflexion mit Lebensmitteln oder Energie umgegangen wird.
Der Wohlstand wird für vollkommen selbstverständlich genommen.
Mann will ja die jungen Leute gerne ein wenig auf Zeiten vorbereiten, wenn es mal härter kommt, und das wird es.
Von diesem Ökologie-Thema zu unterscheiden ist natürlich die Multikulti- und moralisierende Gleichheitspropaganda im weitesten Sinne, die auch vor Schulen in freier Trägerschaft nicht Halt macht.
In einer konservativ eingestellten Region würde ich im Elternabend Tacheles reden oder mit den betreffenden Lehrern. In der Minderheit ist natürlich alles schwieriger.
Von der FRÖSI war ich begeistert, kann mich auch nicht an eine Ideologisierung erinnern, die mich beeinträchtigt hätte. Das kann aber an den wirklich herausragenden Bastelideen liegen, auf die es mir ankam. Die Trommel war, glaube ich, politischer.
Die vermittelten Grundwerte waren zumindest teilweise strukturell konservativ, siehe die Gebote der Jungpioniere (Familie, Vaterland usw.). Der propagierte Sozialismus war auch quasi ethnopluralistisch ausgerichtet und nicht vermischend. Es wäre interessant, dies nochmal ausführlicher zu reflektieren.

Gustav Grambauer
21. Mai 2019 07:31

"Es würde mich brennend interessieren ..."

Ulbricht hatte 1964 die FDJ in einem kalten Streich mit dem Pfingsttreffen entmachtet; dazu gehörte auch, daß er ihr den Geldhahn weitgehend zugedreht und die Gelder in seine eigenen Projekte wie etwa DT-64 umgeleitet hat, lanciert über Kurt Turba,

www.wikipedia.org/wiki/Kurt_Turba

flankiert vom Jugendkomminique, einem Frontalangriff der - bürgerlichen - Technokraten (oft mit NS-Mitläufer-Vergangenheit) auf die proletarisch-revoluzzerischen / Antifa-Ideologen und Betonköpfe, einhergehend z. B. auch mit einer völligen Neuausrichtung des Verlags Neues Leben unter dem Ulbricht-Mann Bentzien,

https://de.wikipedia.org/wiki/Hans_Bentzien

dem man später im Regierungskrankenhaus den Kehlkopf halb durchgeschnitten hat. Die FDJ hat sich bis 1990 von dieser finanziellen Exstirpation nicht mehr erholt. Die Honecker-Clique hätte diesen Geldhahn wieder aufdrehen können, hat es aber nicht getan, weil Entbehrung in der Jugend für sie Teil der proletarischen Klassenerziehung war. Wer gesehen hat, in welch niedergeschlissenen Baracken und mit welcher auf dem letzten Loch pfeifenden Ausstattung die FDJ seit 1964 gehaust und gewirtschaftet hat, weiß, wovon ich rede.

Mir wäre außer dem Mosaik keine solche Zeitschrift ins Haus gekommen, zumal auch die anfangs ambitionierte Jugend+Technik im Niveau ins Peinliche hinabsank. Hier der Auftritt des Filmregisseurs Konrad Wolf im - sonst nicht zu ertragenden - FDJ-Fernsehen, ab 34:28:

https://www.youtube.com/watch?v=DYDAEpwTZT0

Und jetzt der Clou: nach 1989 ist rausgekommen, daß die FDJ sich - aus dieser Not heraus - maßgeblich mit dem subversiven, doppelbödigen Mosaik des Dandys Johannes Hegen finanziert hat!

- G. G.

Caroline Sommerfeld
21. Mai 2019 07:35

@Heinrich Loewe: Ökologisches Bewußtsein und Klima-Ideologie sind doch zweierlei, da sie vollkommen unterschiedlichen Quellen entstammen. Ich erinnere mich an ein Erlebnis. Ein Soziologe befragte mich einmal vor Jahren für eine Studie zum Thema "Umweltbewußtsein". Der Fragenalgorithmus lief ungefähr wie folgt: "Halten Sie den Klimawandel für menschengemacht?" "Nein." "Was tun Sie, um den menschengemachten Klimawandel zu stoppen?""Äh, da ich ihn nicht in einem relevanten Maße für menschengemacht halte ... gar nichts!?" "Welche der folgenden Optionen, den Klimawandel zu stoppen, wählen Sie persönlich? a.) Verpackungen recyclen, b) weniger verpackte Produkte beim Direktvermarkter kaufen, c.) Kleidung second hand kaufen, d.) keine noch genießbaren Lebensmittel wegwerfen etc. ...? "Natürlich alle!" Verstehen Sie?

Heinrich Loewe
21. Mai 2019 08:13

@ Caroline Sommerfeld "Verstehen Sie?"
Nicht ganz. Ich habe mir die Links bei dem sonst wirklich verehrten @Grambauer angeschaut, da ging es allgemein um Nachhaltigkeit in einem breiten Spektrum. In grosso modo konnte ich da nichts Schlechtes drin sehen. Der konnotierte klimahysterische Hintergrund sei geschenkt. Auch ohne dem macht es mir ein gutes Gefühl, mit dem eigenen Holz zu Heizen und Warmwasser von der Sonne zu bekommen.
Habe gerade Ihren Erziehungsratgeber bestellt und bin gespannt...!

Dietrich Egon
21. Mai 2019 08:35

Werte Frau Sommerfeld, geschätzte Mitforenten!

Dieser Beitrag bzw. dieser Themenkomplex rennt bei mir derzeit offene Türen ein.

Es naht die Zeit, in der das älteste Kind den in Rede stehenden Einflüssen und Indoktrinationsversuchen ausgesetzt sein wird. Die Frage: "Wie gehen wir als Eltern damit um?" hat mich schon so manch ruhige Nachtschicht beschäftigt. Schlußendlich stellte ich fest, daß uns (damit meine ich jetzt meine Familie, mein Umfeld) eigentlich nichts weiter bleibt, als dagegen anzuleben.

PS: Ihr aktuelles Buch liegt gerade vor mir, aus Zeitmangel leider erst halbgelesen, dennoch: ein grandioses Werk und die Bestätigung, daß wir mit unseren Kindern -vielleicht instinktiv- vieles richtig gemacht haben.
Für mich als Nichtakademiker bzw. semigebildeten Schichtarbeiter hat das Buch streckenweise seine intellektuelle Schwere; regt aber durchaus dazu an, sich mit den entsprechenden, historischen Begebenheiten mal intensiver zu beschäftigen.

PPS: Meiner Ausgabe lag eine Postkarte bei, auf der stand: "Diese Aufgabe muß jetzt und von Dir erledigt werden. Es gibt keinen bequemen Ausweg." Habe ich zurechtgeschnitten und dem gern mal bequemen, faulen Kind in dieses Klarsichtabteil der Federmappe gesteckt. Kommentar vom Kind zum Wochenende: "Papa, immer, wenn ich in der Schule keine Lust mehr habe, lese ich den Spruch auf Deiner Postkarte. Dann geht´s erstmal wieder."

Sax
21. Mai 2019 09:58

Der Vergleich mit DDR-Zeiten hat einen kleinen Haken. In der DDR wurde Propaganda nicht subtil oder verdeckt betrieben. Sie war ein offen forcierter Teil des Alltags. Insofern "ehrlicher" . In den Schulen wurden Begriffe wie Agitation und Propaganda sogar offiziell benutzt und positiv besetzt. Der Antiimperialismus war ja jederzeit ein offizielles Thema, und sogenannte Wandzeitungsredakteure wurden offiziell in ihrer Funktion als Agit-Prop-Beauftragte benannt und bezeichnet. Der Kapitalismus oder der Westen war böse, und das hatte man zu agitieren. Die Fronten waren klar benannt. Deshalb war Propaganda in Kinderzeitschriften nichts Verdecktes, sondern bestenfalls eine Störunterbrechung zwischen den ansonsten auch brauchbaren Bastelbögen oder ganz unpolitischen Sachen. Diese Offenheit nahm dem Phänomen der Agitation das Verdeckte und Klandestine. Wie man sich als Kind dazu verhielt, hing vom Elternhaus oder der eigenen Sensibilität ab. Propaganda wurde also offen und klar gehandhabt, so, wie heute die Werbung. Das Perfide an der von Frau Sommerfeld beschriebenen Art der Indoktrination ist ja die leise unauffällige und subtile Art der Einflussnahme. Die Propaganda in der DDR war nicht subtil, sondern relativ scharf. Das machte es auch einem Kind viel leichter, aber auch den Eltern , die Inhalte und Botschaften zu erkennen, zu diskutieren oder in Frage zu stellen.

Adler und Drache
21. Mai 2019 10:13

Frösi, Trommel etc. habe ich mir angeguckt mir einem gepflegten Desinteresse. Manchmal gabs Bilder, die ich schön fand, oder einen Bericht, den ich interessant fand, aber von all dem Politischen kam nichts bei mir an. Gar nichts. Ich hatte das Gefühl, bei der dort behandelten Welt handele es sich um eine Kunstwelt. Man traf in der Schule auf diese Welt, aber mit dem normalen Leben hatte sie nichts zu tun. Es war ein ähnliches Gefühl wie Werbung auf ARD oder ZDF zu gucken (was wir konnten) - auch das eine Kunstwelt. Ich nahm sie zur Kenntnis mit so einem jüngerschen "Das alles gibt es also"-Gefühl. Das hatte nichts mit dem echten Leben zu tun. Natürlich könnte man jetzt denken: Mag sein, aber vielleicht wirkt es unterschwellig. Vielleicht werden im Geist des Kindes Fährten gelegt, die sich mit der Zeit zu Pfaden vertiefen, aus denen schließlich Straßen werden. Bei mir nicht. Antifaschismus war rund um die Uhr Pflichtprogramm, aber es interessierte mich gar nicht. Es floss rückstandslos durch. Stattdessen schnitt ich mir Karten des Reichs zu verschiedenen Jahrhunderten aus alten Büchern und hängte sie, chronologisch geordnet, an meinem Kleiderschrank auf. Ich fragte meine Tante (eine Lehrerin), ob wir Deutschen nicht doch was Besonderes seien - sie verbot mir, diese Frage je wieder laut zu stellen. In der vierten Klasse begann ich "zu schreiben", kürzlich fand ich einen Text, wahrscheinlich eine Art Märchen, in dem ein christlicher König über ein völkisch homogenes Land blonder und blauäugiger Leute herrscht, die Ausländer werden dagegen in Ghettos separiert, alle sind froh darüber, weil jeder weiß, dass es besser so ist. Mir ist beim Lesen das Maul offen stehen geblieben. Wie es aussieht, war ich wohl in der Vierten Klerikalfaschist, trotz aller Propaganda. Die konnte ich allerdings auch aus dem FF runterbeten, in StaBü hatte ich immer die 1. Ich übertrug nur nichts davon auf meine Lebenswelt, nicht mal auf die innere. Entweder bin ich von Natur aus unempfänglich, oder das Schiff der Ideologie scheitert notwendigerweise an der Klippe Kind. "Aus dem Mund von Kindern und Säuglingen hast du eine Macht zugerichtet um deiner Feinde willen", Psalm 8.
Auch für mich war das Mosaik die Lieblingspublikation schlechthin, allerdings die späteren Abrafaxe, nicht die Digedags. Es gewährte interessante Einblicke in Erdkunde, Völkerkunde und Geschichte und bot eine abenteuerliche und witzige Handlung. Das andere Zeug wurde mal durchgeguckt udn dann in einer Ecke liegen gelassen, bis irgendwer es wegwarf.
Meine Vermutung: Leben schlägt Ideologie, zumindest bei Kindern.

Lotta Vorbeck
21. Mai 2019 10:57

@Gustav Grambauer - 21. Mai 2019 - 07:31 AM

Ihr Link zu Kurt Truba führt ins Leere.

Vermutlich meinten Sie: https://de.wikipedia.org/wiki/Kurt_Turba

Niekisch
21. Mai 2019 11:34

"Wie gehen wir als Eltern damit um?"

@ Dietrich Egon 21.5. 8:35: Viel in die Natur, Bücher lesen lassen und gegen Gehirnwäschemärchen ohne größere Belehrungen positive Narrative setzen und öfter wiederholen.

Laurenz
21. Mai 2019 11:48

@Heinrich Loewe & Caroline Sommerfeld .... wer sich die letzte "Phoenix persönlich" mit dem norwegischen Wirtschaftsphilosophen Anders Indset angesehen hat, kann schlicht bemerken, was selbst dieser gefeierte Protagonist bei seinen Thesen weitestgehend ausgelassen hat. Wie auch bei den meisten Statistiken über Wachstum, hinkende Ökologie etc., wird das Bevölkerungswachstum weggelassen. Vielmehr wird die 1-, beispielsweise 2-Kind-Politik Chinas völlig ausgeblendet, oder hat jemals wer einen Artikel über das daraus resultierende Rentenproblem Chinas gelesen oder eine Debatte darüber bemerkt?
Eine permanent steigende Bevölkerung macht eine stetig expandierende Wirtschaft notwendig, auf Kosten der Ressourcen und der Natur notwendig. Für diese Erkenntnis braucht man weder Philosoph, noch Ökonom oder gar Ökologe zu sein.
Welche Gründe kann es geben, das humanistisch christlich islamische Mäntelchen über den Supergau der Bevökerungsexplosion zu werfen? Vielleicht das Streben zur Macht über mehr und "mehr Menschen"? Frau Baerbocks 500 Mio + x für Europa seien doch kein Problem, konterkariert geradezu faschistoid die ökologische Lage. Aber mit einer CO2 Steuer für die Masse der Blöden schafft man leider nur auf Papier Abhilfe, und das reicht anscheinend auch einer hochstilisierten Intelligenz, wie Herrn Indset, der die Neuauflage einer Gretchen-HJFDJ begrüßt. Das passiert, wenn schon der sehr wohl nette Phoenix-Moderator, Herr Krons, zu blöd ist oder sich weigert, die richtigen Fragen zu stellen.

Teufel
21. Mai 2019 11:51

Hier ein umfangreiches FRÖSI-Archiv:

http://www.ddr-comics.de/froesind.htm

Hatte ich mir letztens aus nostalgischen Gruenden angeschaut und war entsetzt ueber die Diskrepanz zwischen diesen - geradezu - Kulturwerken und dem, was man heutzutage praesentiert bekommt. Kein Wunder, dass ehemalige Ossis irgendwie immer ein bisschen wacher daherkommen...
Es ist im Nachhinein so bitter, wenn man begreift, dass sich der falsche deutsche Staat dem anderen angeschlossen hat.

Teufel
21. Mai 2019 11:54

PS: Man beachte den Wertezerfall in der Wendezeit, als ploetzlich David Hasselhoff und andere Wichsvorlagen die Kultur abloesten. Besser kann man gar nicht ausdruecken, was beim Wechsel von DDR zu BRD im Kern tatsaechlich passiert ist.

RMH
21. Mai 2019 12:43

"als ploetzlich David Hasselhoff und andere Wichsvorlagen die Kultur abloesten."

@Teufel,
Cool, wenn D.H. für Sie ne Wichsvorlage war, dann braucht sich keiner mehr über die vermeintliche "Intoleranz" der Rechten gegenüber LGBT aufregen ... ;)

Im Übrigen ist es ziemlich das Gleiche, wie mit der hier immer wieder so oft beklagten "Reeducation" - ohne aufnahmebereites und nachfragendes Publikum hätte die auch nicht so reibungslos geklappt. Ohne Nachfrage auch kein Angebot. Bezogen auf die "fünf neuen Länder": Glauben Sie im Ernst, dass so ein Schrott wie SuperIllu und MDR-Fernsehen erst nach einer künstlichen Bedürfnis-Erzeugung kamen oder war es nicht eher so, dass dieser Trash exakt die vorhandene Nachfrage bzw das Interesse gewisser Kreise befriedigte?
Wer hat denn ganz heimat- und kulturvergessen und rein materialistisch "Kommt die D-Mark, bleiben wir, kommt sie nicht, geh'n wir zu ihr!" geschrien?

Das waren natürlich alles böse Wessis, welche die armen, naiven DDR-Bürger verführten, ganz klar ...

Insgesamt hat der Sozialismus mit seiner atheistisch-materialistischen Propaganda und Agenda vielmehr ganze Arbeit bei der Verproletarisierung, Verpöbelung und damit auch Materialistisch-Werdung ganzer Bevölkerungsschichten geleistet. Die DDR war eine kulturelle Abrissbirne, auch wenn sie in deutscher Sprache und deutscher Form auftrat, und da helfen keine kulturellen Inseln und "Türme" (Tellkamp), die sicher auch stehen geblieben waren, da der Abriss eben eher grob mechanisch erfolgte, statt subtil (wie im Westen, wo es unbestritten auch einen kulturellen Verfall gab).

Gustav Grambauer
21. Mai 2019 13:36

Heinrich Loewe

Die CO2-Kampagnen sind nur Vehikel der Pläne zur NWO-Totalversklavung via poll tax, die dabei erst noch ihre eigentliche Bedeutung entfalten soll. (to) poll (engl., https://dict.leo.org/englisch-deutsch/poll):

= 1. (pollution) Verschmutzung (wir alle sollen auf die Eigenschaft als pollutors = Verschmutzer reduziert werden)

= 2. Stimmenzahl bei Wahlen (nur wer Atemsteuer zahlt soll noch Bügerrecht haben und somit wählen dürfen, alle anderen sollen die capitis deminutio maxima erleiden)

= 3. Köpfen i. S. v. Hinrichten (hier wieder caput, Kopf; wer keine Atemsteuer zahlt bzw. wessen "ökologischer Fußabdruck" - beachte Joh. 1 / 13 - 11 - als zu groß angesehen wird, soll sein Lebensrecht auf diesem Planeten verwirkt haben und getötet werden). Höre auch:

https://www.youtube.com/watch?v=ptPlwnyRm9o

Siehe:

https://de.wikipedia.org/wiki/Georgia_Guidestones

Oder wer es etwas härter aushält, kann einmal "denver airport murals" googeln.

Diejenigen hinter diesen Plänen haben sicher nicht im Sinne, Kindern und Jugendlichen die Liebe zur Natur zu vermitteln. Dies merkt man allein daran, daß eine solche Vermittlung, wäre sie glaubhaft, (1.) unmittelbar in und mit der Natur, (2.) organisch in ihrer Methode und (3.) mit Freude geschehen würde, stattdessen aber

- abstrakt aus offensichtlich in "klimatisierten" (!) Psy-Labs heraus

- mit noch den kleinsten Intellekt beleidigenden beschäftigungstherapeutischen Kampagnen

- über einen Schuldkult mit moralischer Erpressung sowie Angst- und sogar Panikmache

- und dann Stachanow-Aktionismus, dabei

- ästhetisch wieder mal bezeichnend plakativ

läuft. (Andrew Bond mit großen Abstrichen, de isch eifach e armi Totsch.)

https://www.srf.ch/radio-srf-virus/aktuell/die-15-besten-kraftausdruecke-uf-schwiizerduetsch

Besten Dank, Lotta Vorbeck

- G. G.

Maxx
21. Mai 2019 15:17

Zur Frage, was Frösi, Trommel und Co. in mir (Jg. 1968) bewirkt haben: Weniger, als man denken würde. Oder sogar das Gegenteil vom Erwünschten: eine bis heute wirksame Grundimmunisierung und Gleichgültigkeit gegenüber staatlichen Propagandaartikeln und Indoktrinationsversuchen. Nur die Bildergeschichten waren für uns überhaupt interessant, alles andere nahm man doch gar nicht bewusst wahr. Und die aus einer Frösi-Papiervorlage gefaltete Budjonny-Mütze setzte niemand auf, nicht aus pol. Gruünden, sondern weil die war im Gegensatz zum ausgeschnittenen Teens-Poster oder dem eigentlich als Abschreckung gedachten und extra eingerahmten Rambo-Foto total uncool war.
Ich war eine Zeitlang Trommel-Kassierer in meiner Klasse und musste von jedem Schüler den Preis (10 Pfennig) gegen Übergabe der Pionierzeitung einsammeln und beim Sekretariat abrechnen.
In der Trommel waren zwei Rubriken lesenswert: Die Karikaturbildchen auf der ersten Seite oben rechts (Piefke & Schniefke) und die Witze auf der letzten Seite unter "Die Fröhliche Minute". Alles andere war Einwickelpapier, Altpapier oder ggf. Wandzeitungsmaterial.
Auf meinem Schreibtisch liegt irgendwo noch mein Deutsch-Lesebuch aus der vierten Klasse, das ich letztens zufällig fand und das von der ersten bis fast zur letzten Seite kommunistische Agitprop enthält, das unsere Kinderseelen infizieren und vergiften sollte. Es ist für mich heute erstaunlich, dass all dies an uns abperlte bzw. vorbeizog. Folgenlos? Na ja, ich weiß nicht. Gelesen wurde es intensiv, denn ich kann noch immer Bleistiftmarkierungen vom Vorlesewettbewerb in der Klasse und die Unterstreichungen von Interpretationen und Erklärungen sehen: sozialistische Jubelgedichte, Erzählung über heldenhafte und freundliche Sowjetsoldaten, die deutsche Kinder an der Gulaschkanone füttern, während in den Straßen Berlins gegen die "Faschisten" gekämpft wird; Legende vom gerechten Rotgardisten, Legende vom mutigen Arbeiterjungen, der eine rote Fahne vor der SA versteckt, ausgeschmückte Geschichtchen über August Bebel, Artur Becker, Liebknecht, Luxemburg et. al. - Aktivisten, sich aufopfernde sozialistische Brigaden, mutige Spanienkämpfer gegen Faschisten, die vorbildhaften NVA-Soldaten usw. rote Liedtexte, Gedicht von HoChiMinh, Brüder zur Sonne, zur Freiheit ... usw. alles ein dicker, unverdaulicher Propagandasud. Man wusste, man muss mitspielen, auswendig lernen und Phrasen nachplappern, und das war's dann auch.
Kinder verfügen über ein feines Sensorium für Aufrichtigkeit und Redlichkeit. Und wie schon andere Kommentatoren sinngemäß schrieben: Ideologie war das unvermeidbare Hintergrundrauschen, und die Wirklichkeit war eben eine andere. Heute mag es subtiler vonstatten gehen, aber letztlich ist das Grundmuster ähnlich. Alles wiederholt sich, alles fügt sich.
PS: Die Digedag-Mosaiks waren vielleicht das einzig Gute an der DDR (aus Kindersicht), aber auch die waren natürlich immer politisch. Besonders die Weltraum- und Amerika-Serie. Habe mir mal alle Sammelbände zugelegt. Na denn, Freundschaft, Kameraden ...

Gustav Grambauer
21. Mai 2019 15:18

RMH

Die Super-Illu war als Knalldoof-Revolver- und Tittenblatt von München aus gestartet worden, hieß anfangs glaube ich Super-Ossi, war aber ein Rohrkrepierer (weil der "Stratege" Burda die Ossis kulturell und intellektuell weit unterschätzt hatte) und erfuhr deshalb ein, neudeutsch, Relaunch als Super-Illu auf einem Niveau, das knapp zwanzig Jahre weit, weit über dem des gesamten Spektrums Ihrer Bunten über Freizeit Revue bis hin zum Goldenen Blatt lag, der zwischenzeitliche Chefredakteur hatte ein durch Heirat bezeugtes Herz für den Osten und genoß ungewöhnlich hohes Vertrauen bei Interviewpartnern usw. Später, vor etwa zehn Jahren, wurde das Niveau der Zeitschrift unter einem neuen Chefredakteur den westlichen Üblichkeiten des Segments angeglichen, und zwar drastisch nach unten (!) hin. Effektiv handelt(e) es sich in allen Phasen ein verkapptes (West-)CDU-CSU-Propagandablatt, Burda ist stramm CSU. Sie sollten sehen, daß es solche Seicht-Heftchen überall und immer geben wird. Meine Mutter liest die auch, jedes Exemplar wandert von Nachbar zu Nachbar zu Nachbar, Entgelt an den Bezieher ist Gartenobst, Konfitüre, Rührkuchen oder Birnenschnaps aus eigener Herstellung. Alle bedauern, daß das Heft auf "Westniveau" herabgesunken ist.

Oben zum "Ökologischen Fußabdruck" habe ich falsch zitiert, bitte um Entschuldigung:

https://www.saatlen-schwamendingen.ch/content/e7742/e8311/e8335/

- G. G.

Lotta Vorbeck
21. Mai 2019 15:21

@Gustav Grambauer - 21. Mai 2019 - 01:36 PM

"... Oder wer es etwas härter aushält, kann einmal "denver airport murals" googeln. ..."

*****************************

DANKE für den Hinweis, hab's sogleich gegurgelt ...

https://www.outtherecolorado.com/gallery/whats-creepy-apocalyptic-paintings-denver-international-airport-2/

... man glaubt seinen Augen nicht zu trauen, das kommt daher, wie feinster, internationalistisch-sowjetischer Realismus.

Michael B.
21. Mai 2019 16:09

@RMH

> Wer hat denn ganz heimat- und kulturvergessen und rein materialistisch "Kommt die D-Mark, bleiben wir, kommt sie nicht, geh'n wir zu ihr!" geschrien?

Die Antwort ist nicht simpel. M.E. sehen Sie wie viele Leute ohne eigene Systembrucherfahrung da ein sehr vereinfachtes Bild.
Die Schreier bleiben immer haengen oder werden durch entsprechende Interessen ins Gedaechtnis speziell der Aussenstehenden gedrueckt. Auch spaetere Ereignisse wie Wahlergebnisse oder Zustimmungsraten zur Wiedervereinigung bestaetigen dabei nur vordergruendig Ihr Bild. Inhaltliche Wahlmoeglichkeiten gab es naemlich nicht viele und auch kein Bewusstsein fuer die Konsequenzen (wie auch?).

Ich erinnere mich auch an den Wechsel der Sprueche von 'Wir sind das Volk' in 'Wir sind ein Volk' in Dresden. Ich war in der Innenstadt bei Kohls Auftritt. Nicht als Interessent des Auflaufs, aber mir sind die schwitzenden lauten 30-jaehrigen Diederich-Hessling-Verschnitte (auch aeusserlich) immer noch in widerwaertiger Erinnerung. Viele - politisch heute ganz verschieden positionierte DDR-Buerger - teilen diese Fremdscham. Masse sieht man oft nicht, damals wie heute. Von Simulationsuebungen wie 'demokratischen Wahlen' etc. sollte man sich darin nicht taeuschen lassen. Ebenso damals wie heute nicht.

Lotta Vorbeck
21. Mai 2019 17:44

@RMH - 21. Mai 2019 - 12:43 PM

"Im Übrigen ist es ziemlich das Gleiche, wie mit der hier immer wieder so oft beklagten "Reeducation" - ohne aufnahmebereites und nachfragendes Publikum hätte die auch nicht so reibungslos geklappt. Ohne Nachfrage auch kein Angebot. ... Glauben Sie im Ernst, dass so ein Schrott wie SuperIllu und MDR-Fernsehen erst nach einer künstlichen Bedürfnis-Erzeugung kamen oder war es nicht eher so, dass dieser Trash exakt die vorhandene Nachfrage bzw das Interesse gewisser Kreise befriedigte?"

+ In dieser Hinsicht wird durchaus ein (nicht geringes) Massenbedürfnis befriedigt. Mit MDR und ORB, nunmehr RBB, verhält es sich genauso wie mit den lokalen Matelausgaben der Systemblätter die auf "Heimatzeitung" getrimmt sind. Der nimmermüde Gevatter Hein mit seiner Sense mähnt, mäht und mäht, die Reihen der Tageszeitungsleser und GEZ-Fernsehkonsumenten lichten sich rapide ... ganze Landstriche dämmern ihrer Entvölkerung entgegen, wo bis vor 30 Jahren lokaler Handel, Dorfpostämter, Dorfgaststätten, Kirchengemeinden existierten, zwischen mehreren Dörfern gelegene Bahnstationen fahrplanmäßig bedient wurden, regelmäßiger Busverkehr in die Kreisstadt angeboten wurde, es Arbeitsmöglicheiten im örtlichen Handwerk, in der Forst- und Landwirtschaft oder bei den Rückwärtigen Diensten der GSSD gab, siechen ihrem vermeintlichen Untergang entgegen.

Vom System abgeschriebener, gewachsener Infrastruktur beraubter, systematisch unattraktiv gemachter Lebensraum muß nicht wüst fallen und leer bleiben.

Das hilflos-empörte Mimimi trieft dem Filmchen aus sämtlichen Knopflöchern:

Kontraste - Die Reporter: Bio, braun und barfuß - Rechte Siedler in Brandenburg

https://youtu.be/KV2loiw-x8w

ARD

292.509 Aufrufe

am 15.05.2019 veröffentlicht
Die Siedler der "Anastasia"-Bewegung sehen aus wie Hippies und Öko-Aussteiger, doch bei so manchem verbirgt sich hinter der grünen Fassade eine völkische, braune Ideologie. In Deutschland hat die Bewegung ca. 800 Anhänger, die sich in ländlichen Regionen bundesweit ausbreiten - in Brandenburg derzeit an vier Orten. Die Anführer pflegen Kontakte zu Reichsbürgern, Holocaust-Leugnern und Anhängern der Identitären Bewegung. Der Film wirft einen exklusiven Blick in eine verborgene rechtsesoterische Lebenswelt. Zwei Jahre recherchierten die Kontraste Reporter undercover.
Film von Silvio Duwe und Lisa Wandt

oder

"Völkische Siedler/innen im ländlichen Raum"
Basiswissen und Handlungsstrategien
https://www.amadeu-antonio-stiftung.de/w/files/pdfs/voelkische_siedler_web.pdf

****************************

"Wer hat denn ganz heimat- und kulturvergessen und rein materialistisch "Kommt die D-Mark, bleiben wir, kommt sie nicht, geh'n wir zu ihr!" geschrien?"

+ ... und belagerte, angeführt von einem "Willi der Hammer" aka Willibald Böck (agierte später in Thüringen ähnlich wie ein gewisser Günther Krause auf Bundesebene) mit Koffern den Grenzübergang bei Duderstadt.

Dieselben, die noch wenige Monate zuvor an staatlichen Feiertagen ihre Privathäuser und Fenster ihrer Wohnungen mit den offiziellen Fahnen und Fähnchen beflaggten und zu eben jenen Anlässen in den staatlich organisierten Demonstrations- und Fackelzügen mitgelaufen waren.

Selbsterklärend dazu zwei Sequenzen aus dem vorstehend verlinkten ARD-Investigativ-Filmchen:

1.) https://youtu.be/KV2loiw-x8w?t=1113

2.) https://youtu.be/KV2loiw-x8w?t=1340

****************************

"Insgesamt hat der Sozialismus mit seiner atheistisch-materialistischen Propaganda und Agenda vielmehr ganze Arbeit bei der Verproletarisierung, Verpöbelung und damit auch Materialistisch-Werdung ganzer Bevölkerungsschichten geleistet."

+ Ja, das hat er wohl, der "Sozialismus in den Farben der TäTäRä".

Adler und Drache
22. Mai 2019 07:55

Der Unterschied zwischen der Situation in der DDR und der Situation heute: Die DDR hatte ein klares Ordnungskonzept. Es war sozialistisch. Es wirkte sich in der sozialistischen Erziehung in der Schule, der Pionierorganisation und der FDJ aus. Ich kann mich nicht erinnern, dass hundertprozentige Überzeugung und Zustimmung gefordert wurden - man sollte sich nur nicht offensiv dagegen positionieren. Die Rituale mussten mitvollzogen werden. Von den Zehntklässlern kam beim Fahnenappell immer ein arschlahmes, hingemaultes "Freundschaft!" aufs markige "Freundschaft!" des Direktors. Für Pioniere unerhört - man hatte sofort ein beklemmendes Gefühl und dachte "Die traun sich ja was!" Sie kamen aber damit durch. Beide Seiten wussten letztendlich, dass man die Ordnung "spielte". Sie sollte als Vorgabe akzeptiert werden, als das, was im öffentlichen Raum Geltung hat. Der Staat und seine Vertreter bis hinunter zur Schule wussten ja selber, dass man Menschen nicht "umschaffen" kann. Die waren doch dankbar, dass sich überhaupt jemand halbwegs brauchbares fand, der sich als Pionierleiter zur Verfügung stellte. Hin und wieder wurde mal ein Exempel statuiert, wenn sich jemand zu weit abseits der Linie wagte. Das musste mit viel Getöse vor sich gehen, um Abschreckungswirkung zu entfalten und die anderen auf Linie zu halten. (Ich glaube, Bernard Wilms hat im kaplaken-Bändchen "Identität und Widerstand" über die Schwerigkeiten geschrieben, eine Ideologie mit diktatorischen Mitteln im Volk zu verankern, und wie es dabei immer zu gegenseitigen Anpassungsdynamiken kommt, er brachte als Beispiel u.a. jene Juden, die entgegen der Ideologie von nationalsozialistischen Kadern begünstigt wurden.) - Die heutige Situation ist von einer offenen Verneinung jeglicher Ordnungsvorstellung geprägt. Der gesellschaftspolitische Liberalismus gibt jedes Ordnungskonzept auf und verheißt "Freiheit". Die Propaganda kommt nicht im Gewand der Erziehung, sondern mit den Methoden des framing und des nudging. Kinderbücher, die zeigen, wie toll eine Familie mit zwei Mamas oder zwei Papas als Eltern ist, "Laura und Aische entdecken die Moschee" usw. Das ist sehr viel effektiver, dagegen war der Sozialismus Kinderkram. Hier wird die kindliche Psyche von Anfang an bewusst entgrenzt. Kinder kommen mit Ordnung gut zurecht. Kinder brauchen Ordnung. Der Sozialismus schuf Ordnung, die Ideologie war halt der unvermeidliche Nebeneffekt. Der Liberalismus kommt dagegen mit der Stimme der Paradiesschlange, mit der Stimme der Versuchung und Zersetzung. Die DDR war in vielerlei Hinsicht Mist, aber sie war auch das letzte deutsche Bollwerk gegen den entgrenzenden und zersetzenden Liberalismus. Jetzt hängt es allein von den Eltern ab, für sich und ihre Kinder Ordnung zu schaffen inmitten dieser Sündflut aus Unordnung, Entgrenzung, Zersetzung.
Das hat durchaus etwas Heldenhaftes an sich.

Valjean72
22. Mai 2019 13:54

Zitat von Sax:

“Der Vergleich mit DDR-Zeiten hat einen kleinen Haken. In der DDR wurde Propaganda nicht subtil oder verdeckt betrieben. Sie war ein offen forcierter Teil des Alltags. Insofern "ehrlicher".“

Zitat von Adler und Drache:

“Die DDR war in vielerlei Hinsicht Mist, aber sie war auch das letzte deutsche Bollwerk gegen den entgrenzenden und zersetzenden Liberalismus. Jetzt hängt es allein von den Eltern ab, für sich und ihre Kinder Ordnung zu schaffen inmitten dieser Sündflut aus Unordnung, Entgrenzung, Zersetzung.“

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Mich befremden Äußerungen konservativer Alt-BRD’ler, wenn sie in Zusammenhang mit der gegenwärtigen BRD von einer „DDR 2.0“ oder auch von Angela Merkel als Honeckers letzter Rache sprechen.

Der Propaganda-Apparat des „Westens“ (inkl. Film, TV, Pop-Musik etc.) ist weitaus subtiler, perfider, allumfassender, dadurch durchdringender und letztlich weitaus effizienter als jener der ehemaligen DDR.

Dies galt bereits für die Bonner Republik aber noch mehr für die Berliner Republik der letzten Jahre, wo zu konstatieren ist, dass die Intensität der staatlichen und staatsnahen Propaganda noch mal entscheidend an Fahrt aufgenommen hat, z.T. zunehmend deutlicher hervortritt, dadurch allerdings auch immer mehr riskiert erkannt, durchschaut zu werden.

Gerade in Bezug auf „Schuldkult“, „Frühsexualisierung“ und „Gender Studies“ sind die Kinder der DDR doch geradezu gebenedeit (mehr der kindlichen Natur entsprechend) aufgewachsen, zumindest im Vergleich zur aktuellen Kindergeneration der BRD, die einer beinahe permanenten Gehirnwäsche und einer daraus resultierenden seelischen Verwirrung ausgesetzt ist.

Leo
23. Mai 2019 22:36

Danke, Frau Sommerfeld, für Ihr Buch! Obwohl sich das Schuljahr dem Ende entgegen neigt, habe ich es vor einigen Tagen beendet. Chapeau!

Wie umgehen mit diversen Propaganda- und Mit-dem-Zaunpfahl-Wink-Elementen?

Variante 1: Entsorgen! So mancher Klassensatz "Fluter" wanderte schon, aufgrund seines m.E. unuzumutbaren Inhalts, schon vordem Verteilen in meiner Klasse an einer Kreuzberger Schule in die "runde Ablage" (sprich: blaue Tonne). Wat weg is', brummt nich' mehr - und es hat nie einer nachgefragt. - Privat: schon schwieriger. Aber nach ein paar Tagen Aufgeregtheit des Zweitkläßlers (Broschüre "Kinderrechte"!) wurde auch diese Heft dem ökologischen Kreislauf zugeführt. Das Bibelstickeralbum von "Kirche in Not" hat dann auch knorkere Bilder... und ersteres scheint vergessen.

Variante 2: Nicht thematisieren. Wir werden nächste Woche die gefühlt 3.176. "Schule ohne Rassismus - Schule ohne Courage". Die Informationen dazu weiterzugeben gehört für mich nicht zur Kernaufgabe dessen, wofür der Steuerzahler mich bezahlt. Natürlich haben jeweils über 80 Prozent der Schüler und Lehrer sich dafür ausgesprochen, daß man gegen Rasssismus ist. (Wer möchte dafür sein? Selbst der 100%ig identitäre Gottseibeiuns ist ja für 0 % Rassismus, also---!). Nicht werben, nicht behindern; machen lassen. It doesn't matter, anyhow.

Variante 3: Selber widersprechen (wie in Ihrem Buch ja empfohlen): Gerade Hauptsätze, kein Lavieren. Sokratische Fragen stellen (lassen). Gegenmeinungen zu Wort kommen lassen und ermutigen. 08/15-Trump- und AfD-Bashing im Smalltalk konsequent verweigern.

Bummi, Trommel, Junge Welt - ja, das war eine andere Welt. Vor allem aber: Als Kontrast dazu gab es die andere Welt der West-Sender: SFB, RIAS, Ost-West-Journal, SFBeat, Presseclub, Frühschoppen. - Heute ist die Ost-, nein West-Propaganda für die beste aller Welten allüberall, und ein Flüchten um 20 Uhr zur Tagesschau: vorbei, verweht, nie wieder...

Und dennoch: Es gibt kein Grund zur Klage. Schweizer Zeitungen lesen ist das neue Westfernsehen! Und es gibt CATO, Cicero, Compact, JF, PAZ, Sezession, Tagespost, Tichy, Zuerst (to name only a few)...
Aber, stimmt, für Kinder/Jugendliche gibt es kaum etwas: einmaliger Bezug von "Geolino" führte sofort zur telefonischen Kündigung wegen übler Gehirnwäsche. --- KIKA wird nicht gekuckt. Punkt. Aber Klassikradio im Auto gehört (Kind besteht darauf...)

Ratwolf
26. Mai 2019 13:29

Solche Lehrer lassen sich gehen.
Es muss der Herdentrieb sein, und kein klares Denken.

An solchen Beispielen lässt sich verstehen, wie es sein konnte, daß Adolf Hitler und seine Bewegung so eine solch große Macht in Deutschland erlangen konnten.

Sucht der Deutsche instinktiv nach Gemeinschaft im Kampf für seine Sache?

Zentral produzierte Zeitungen, Radio, TV sind kein Ersatz für echte Gemeinschaft!

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