Sezession
23. Juni 2019

Sonntagsheld (111) – Desinteresse ist politisch

Till-Lucas Wessels / 14 Kommentare

Rustikale Robustheiten zur Nacht

Till-Lucas Wessels

Till-Lucas Wessels studiert und ist identitärer Aktivist sowie »Minenhund für zukünftig Zumutbares«.

Wer als Städter mal wirklich das Glück hat, in etwas abgelegenere Gegenden zu kommen, der merkt: Der ländliche Raum und insbesondere das Dorf als eigener Organismus ist etwas, das offenbar allen Anbindungs-, Integrations- und Partizipationsversuchen zum Trotz nicht ganz kontrollierbar wird. Zu urwüchsig, zu eigen und – zum Glück - von den großen, wachsamen Augen in den Redaktionen und Schaltzentralen der Metropolen lange Zeit nur wenig beachtet, fristen unzählige Gemeinden wie knorrige Gewächse ihr gemächliches Dasein in der Peripherie.

Wer in einer Großstadt lebt und einige Zeit auf dem Land verbringt, sei es in Bayern, in Mecklenburg-Vorpommern, oder in Sachsen, dem wird auffallen daß diese Regionen, gerade, weil sie sich in Charakter und Landschaft so unterscheiden, doch etwas gemein haben. Es ist eine bestimmte Art zu sprechen, es ist die (nahezu) Omnipräsenz von freiwilliger Feuerwehr, Fußballverein oder Kirche und Kneipe und allgemein eine verwurzelte Robustheit, die sich gern auch zur Grobschlächtigkeit verwächst.

Diese Robustheit der Dörfler wirkt wie eine Antithese zur Flexibilität jener alles stetig neu aushandelnden neuen Klasse aus den Ballungszentren der Welt, die sich am ehesten auf ihrem Sitzplatz im Flugzeug beheimatet fühlt. Sie hat Nachteile, weil sie polternd und unbarmherzig sein kann, aber aus ihr entspringt auch die Kraft und das Selbstbewußtsein jenes Vaters bei Jünger, der im entscheidenden Moment mit seinen Söhnen in der Tür auftaucht.

In der niederösterreichischen Gemeinde Dörfles (der Name ist Programm) ist genau dieser Fall eingetreten. Nachdem die elfköpfige Familie Abu El Hosna aus Palästina ein Haus in dem 300-Seelen-Dorf erwerben wollte, stellte sich die zuständige Grundverkehrskomission quer. Beziehungsweise, um es genau zu sagen, sie hatte “kein Interesse” daran, den staatenlosen Flüchtlingen eine Immobilie zu verkaufen.

Die Begründung der an der Entscheidung beteiligten Gemeinde ist auf den ersten Blick unspektakulär - das niederösterreichische Recht sieht einen Rechtserwerb durch Ausländer nur vor, wenn ein "volkswirtschaftliches bzw. wirtschaftliches, soziales oder kulturelles Interesse [...] besteht." Wie gering dieses Interesse ist, das bewiesen 100 Bürger (immerhin ein Drittel der Dorfbevölkerung), die sich in einer Unterschriftenaktion gegen den Zuzug der Großfamilie aussprachen.

Für die eigentliche Aufregung und das darauf folgende Interesse der österreichischen Öffentlichkeit sorgte indes ein zusätzlich beigefügter Passus:

"Es wird zu obigem Absatz noch angeführt, daß die unterschiedlichen Kulturkreise der islamischen sowie der westlichen Welt in ihren Wertvorstellungen, Sitten und Gebräuchen weit auseinander liegen. Das zieht sich bis in ein gesellschaftspolitisches Leben."

Die Folgen dieser Feststellung ließen nicht lange auf sich warten: Dem hysterischen Hüsteln in den Redaktionsstuben der österreichischen Medienschickeria folgten Verbalinterventionen migrantischer Sozialdemokraten und erste Fernsehteams mit schlauen Fragen und mitfühlenden Augen - viel mehr Aufmerksamkeit also für die kleine Gemeinde in der man an soviel Trubel offensichtlich “kein Interesse” hat.

Soviel Medienbuhei bleibt nicht folgenlos: Die sich arg diskriminiert fühlenden Abu El Hosnas überlegen inzwischen, ihre Traumimmobilie vor Gericht zu erklagen. Zu den Erfolgschancen kann ich nichts sagen, ich glaube auch nicht, daß sie wirklich in einen Ort ziehen wollen, in welchem sich jeder Dritte klar gegen sie ausgesprochen hat. Vielleicht findet sich in der nächsten Zeit ohnehin ein Speckgürteldörfchen um Wien herum, welches die Familie mit Kußhand zu sich einlädt.

Dörfles hingegen, so bleibt zu hoffen, kommt bald wieder zur Ruhe und kann so bleiben, wie ein Dorf eben ist: Rustikal, eigen und im richtigen Moment unhöflich genug.


Till-Lucas Wessels

Till-Lucas Wessels studiert und ist identitärer Aktivist sowie »Minenhund für zukünftig Zumutbares«.


Kommentare (14)

eike
24. Juni 2019 03:44

Hut ab, Herr Wessels! Nach den Komikern, die in der Karibik wohnen, endlich wieder würdige Sonntagshelden.

Ich hoffe die Niederösterreicher halten den zu erwartenden Sturm durch und

"Die sich arg diskriminiert fühlenden Abu El Hosnas überlegen inzwischen, ihre Traumimmobilie ..."

auf den Golan-Höhen zu erwerben.

andreia
24. Juni 2019 06:08

Was sind das eigentlich für Menschen? Ich käme nie auf die Idee, sagen wir mal, nach Kambodscha zu gehen, mir dort mit moralisch aufgeladenem Fingerzeig auf die Roten Khmer fremdes Eigentum zu erpressen und Landnahme zu betreiben und falls das dann alles irgendwie nicht klappt, laut das Opfer zu spielen.

Dass wir diese Leute in unserem grenzenlosen Bußkrampf ermutigen wissen wir, das sei mal geschenkt, aber das dann auch anzunehmen und auszunutzen ist charakterlich auch eher ungenügend.

Laurenz
24. Juni 2019 06:37

Die Spiegel-Umfrage-Butze Civey zeigt oft schön das Diffuse, das permanent widersprüchlich Absurde eines Teils des deutschen Wahlvolks. Offensichtlich wird allerdings der Wunsch vieler Spieglein-Online-Leser gerne auf dem Land leben zu wollen, und nur durch die politischen & gesellschaftlichen Gegebenheiten (z.B. Jobsuche) zum Leben in der Stadt gezwungen zu werden. Immerhin haben es in diesem Land die Immobilien-Spekulanten geschafft, die Digitalisierung des ländlichen Raumes, ohne die heute kein kleiner (Handwerks-)Betrieb mehr auskommt, weitestgehend zu verhindern, und damit bis jetzt einen Sieg der Anywheres gegen den Föderalismus errungen. Diejenigen, die es bis jetzt geschafft haben, auf dem Land ihre Existenz zu fristen, gehören daher zu den besonders Harten und haben eine solche Ehrung durch Herrn Wessels, auch ruhig mit einem Ösi-Beispiel, verdient.

Ein gebuertiger Hesse
24. Juni 2019 07:05

"Im richtigen Moment unhöflich genug sein" - DAS ist die Bewahrung des Eigenen und gehört zu seiner Kultivierung mit dazu. Sollte man sich regelmäßig hinter die Ohren schreiben.

Andreas Walter
24. Juni 2019 07:39

Sehe ich trotzdem eher ungünstig.

Unbewegliche Truppen. Stellung halten um jeden Preis. Ohne Waffen. Die werden darum enden wie die Kulaken, auf längere Sicht:

https://www.zeit.de/2008/48/A-Holodomor

Bei meinen (aus heutiger Sicht "unnötigen") Vorbereitungen zum Jahreswechsel 2000 habe ich viele solcher Szenerien im Kopf bereits durchgespielt. Man muss eine Burg, eine Festung, eine Stadtmauer auch verteidigen, notfalls auch genügend Hilfstruppen anfordern können zum entsetzen. Das haben Stalingrad aber auch Wien gezeigt, oder auch Demjansk.

https://de.wikipedia.org/wiki/Entsatz

Es geht in Zukunft ja nicht um ein schmales Dutzend Fremde, sondern um weitere Millionen. Ein falsches sich in Sicherheit wiegen ist der Artikel darum.

Fritz
24. Juni 2019 08:54

@andreia: Vom Kalifen Umar, dem zweiten Nachfolger Mohammeds, gibt es einen Ausspruch über das Verhältnis von Muslimen und Ungläubigen:

"The Muslims of our day will eat [from the work of] these people as long as they live, and when we and they die, our sons will eat their sons forever, as long as they remain, for they are slaves to the people of the religion of Islam as long as the religion of Islam shall prevail.” Abu Yusuf, Kitab al-Kharaj, trans. and ed. by Bernard Lewis, Islam from the Prophet Muhammad to the Capture of Constantinople (Oxford: Oxford University Press, 1987), 2:224.

Das gibt genau die Einstellung dieser Leute wieder, die wir so schlecht verstehen. Wir meinen, es sei unwürdig zusammen mit und auf Kosten von Menschen zu leben, die man verachtet. Die Muslime nicht, sie haben das immer getan und finden es ganz normal. Die sogenannten Blütezeiten des Islam, in den die prächtigen Moscheen entstanden, waren auch immer Zeiten der kolonialen Ausdehnung.

RMH
24. Juni 2019 09:07

"Was sind das eigentlich für Menschen? Ich käme nie auf die Idee, sagen wir mal, nach Kambodscha zu gehen, mir dort mit moralisch aufgeladenem Fingerzeig auf die Roten Khmer fremdes Eigentum zu erpressen und Landnahme zu betreiben und falls das dann alles irgendwie nicht klappt, laut das Opfer zu spielen."

@andreia,
wo haben Sie denn bitte diesen Sachverhalt gelesen? Im Artikel von Wessels sicher nicht, denn da steht kein Wort darüber, wer die Immobilie bezahlt oder finanziert, geschweige denn etwas von Erpressung.

Ein bisschen bei der Sache bleiben schadet, bei aller Empörung, meistens nicht.

Dutzend andere Dörfer winken dagegen bei Leuten mit richtig Kohle (die gibt es gerade unter Arabern bekanntermaßen auch) so etwas sicher durch.

Von daher: Mal geht´s so, mal so ... die Verantwortung für das Ganze liegt aber nach wie vor bei Leuten, die man nicht raus aus der Verantwortung nehmen kann, in dem man auf irgendeine Araberfamilie zeigt.

Auch hier wieder als Gegenbeispiel Dänemark: Die dortigen Sommerhäuser an den Meeresküsten Jütlands wären zu mindestens 1/3 bis zur Hälfte in fester deutscher oder anderer ausländischer Hand, wenn dort nicht bereits vor Jahrzehnten ganz oben, also von Regierungsseite, ein sogar EU-fester Riegel vorgeschoben worden wäre, was übrigens mittlerweile sogar Teile der Dänen nicht mehr so besonders gut finden, insbesondere, wenn sie so ein Haus mal verkaufen wollen. Beibehalten wird es trotzdem, da die Sommerhaus-Kultur als Teil des nationalen Erbes angesehen wird, welches man eben nicht ausverkauft. Wo ein Wille, da ein Weg. Damals wie heute.

Laurenz
24. Juni 2019 10:45

@RMH & @andreia ... in der hessischen (ländlichen) Heimatgemeinde meiner Eltern werden 7 offiziell minderjährige Orientalen, die allerdings allesamt so aussehen, als wären sie über 20 Jahre alt, vom echten IB (Internationaler Bund, quasi eine säkulare Caritas/Diakonie) 24/7 betreut, was pro Nase mit über 6.000 Euro Kosten im Monat zulasten der Kommune ins Buch schlägt. Das juckt kein Schwein, dem Bürger ist es egal, wo die Kohle dafür herkommt. Erst, wenn eine Gebührenerhöhung zur Finanzierung anstehen würde, könnte es in den Gemeinderatssitzungen lustig werden.

andreia
24. Juni 2019 11:17

@RMH

»Ein bisschen bei der Sache bleiben schadet, bei aller Empörung, meistens nicht«

Wohl wahr. Ich bin ein einfacher Mensch, ich habe den hier vorherrschenden Jargon nicht so drauf. Wundere mich dennoch über diese Leute. Nichts läge mir ferner, als mich in einem anderen Land vergleichbar aufzuführen.

In Kambodscha übrigens darf ich gar nicht kaufen. Weder Land noch Haus. Das dürfen nur Kambodschaner. Und Kambodschaner ist, wer kambodschanische Eltern hat. Die spielen da keine lustigen Passspielchen.

Laurenz
24. Juni 2019 13:46

@andreia ... im gesamten ostasiatischen gilt für Grundstücke und Häuser mehr oder weniger die 49%-Regel. Auch an Börsen sind die Lizenzen für internationale Spieler eingeschränkt. Allerdings wird das mit bezahlten Strohmännern umgangen. Die Schlüsselfunktionen in der Wirtschaft werden bis runter in den Hotel-Manager-Bereich meist von Chinesen ausgefüllt. Deswegen können Sie sehr wohl dort Eigentum erwerben, aber wofür?

andreia
24. Juni 2019 15:54

@Laurenz Die Korruption da unten ist mir sehr bewusst und ich habe sicher nicht (mehr) vor, mir da unten Land oder Immobilien zu kaufen.

Niekisch
24. Juni 2019 16:11

"Vielleicht findet sich in der nächsten Zeit ohnehin ein Speckgürteldörfchen um Wien herum, welches die Familie mit Kußhand zu sich einlädt."....und wenn nicht, dann werden sich Tausende westdeutscher Gemeinden finden, die Empfangskommittees aussenden, um diese unser Blut und unseren Geist aufwertende family "heim ins Reich" zu holen.

Maxx
25. Juni 2019 19:39

Zitat @Fritz: "Das gibt genau die Einstellung dieser Leute wieder, die wir so schlecht verstehen. Wir meinen, es sei unwürdig zusammen mit und auf Kosten von Menschen zu leben, die man verachtet. Die Muslime nicht, sie haben das immer getan und finden es ganz normal."

Linke finden dies auch normal und sehen keinen Widerspruch darin, auf Kosten des Staates und (konservativer, d. h. rechtsgesinnter) Steuerzahler zu leben, die sie verachten und bis aufs letzte Hemd ausplündern möchten.
Verständlich, dass Linke Muslimen solch starke Sympathie entgegenbringen, nähren sich doch beide Gruppen vom selben Wirt und frönen einem ähnlich extraktiven Lebensstil auf Kosten der von ihnen verachteten (ungläubigen oder falsch gesinnten) Steuersubjekte.

Ratwolf
25. Juni 2019 21:55

Im Dorf hält man zusammen. Wer sich einfügen will, muss mitspielen. Gleiche Regeln für alle.

Das ist mit einer solchen arabischen Großfamilie nicht zu machen.

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