25. Juni 2019

Falsche Fährte Bauhaus

Gastbeitrag / 19 Kommentare

von Claus-M. Wolfschlag -- Jörg Dittus hat auf dem Blog "Jungeuropa" eine Würdigung der "Bauhaus"-Architektur verfaßt. Darüber wird zu reden sein.

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Das Verschwinden historisch gewachsener Vielfalt durch eine beschleunigte Moderne zeigt sich nicht nur in der Bevölkerungspolitik. Die Auswirkungen der Globalisierung sind auch in zahlreichen kulturellen Verästelungen spürbar: in der Angleichung der Kleidermoden, der Popkultur, der Ausbreitung internationaler Konzern-Ketten und nicht zuletzt in der uns täglich umgebenden Architektur.

Nun führen einzelne Architekten und Bürgerinitiativen seit Jahren einen fast aussichtslosen Kleinkrieg gegen den aktuellen Architekturtrend. Die meisten Initiativen basieren, auch wenn sie sich gegenüber dem politischen Tagesgeschäft als neutral verstehen, auf einem wertkonservativen Grundsatzfundament. Sie wollen Naturräume oder historische Ensembles erhalten, sorgen sich um die soziale Stabilität ihres Ortes, setzen sich für etwas ein, das sie als "Heimat" verstehen.

Von linksradikaler Seite und aus der modernistischen Architektenschaft werden sie dafür angefeindet. Verwunderlich, wenn nun auch Querschüsse von Seiten der Neuen Rechten stattfinden!

Kommen wir zum Text von Dittus, den man hier lesen kann.

Er hat insofern recht, als in der kunsthistorischen Betrachtung eine Differenzierung der unterschiedlichen Akteure jener Designschule von Nutzen ist. Zudem wirken keinesfalls alle Erzeugnisse der klassischen Moderne aus heutiger Betrachtung unästhetisch oder abschreckend. Gleichwohl aber sind die Folgen der klassischen Moderne, darunter des "Bauhauses", für viele heutige Probleme in städtebaulicher und architektonischer Hinsicht mitverantwortlich.

Statt eine kritische Auseinandersetzung zu suchen, gibt Dittus nur Argumentationsmuster wieder, die zum Kanon der modernistischen Apologetik gehören. Demnach habe das "Bauhaus" angeblich mit den heutigen Flachdach-Wohnsiedlungen nur wenig zu tun. Das Bauhaus stände nämlich - im Gegensatz zu aktueller Renditearchitektur - für einen gesamtkünstlerischen Anspruch und für Handwerkskunst. Zudem habe (laut Dittus) ein steiles Dach in unserer Region seine symbolische Bedeutung verloren. Ob Flachdach oder steiles Dach würde angesichts der Dämmung gesichtsloser Fassaden "keinerlei Unterschied" mehr machen. Dittus schreibt:

Der Bruch in der Formensprache, der durch das Aufkommen der Moderne zweifelsohne stattfand, ist nicht allein der Intention ihrer Repräsentanten geschuldet. Vielmehr war die ohnehin in Gang kommende Industrialisierung, der gesamtgesellschaftliche Umbruch, aber auch der neue Baustoff Beton ursächlich, Dinge zu versuchen, die vorher – mit Holz und Ziegel – nicht realisierbar, aber längst in den Köpfen der Ingenieure und Baumeister virulent waren.

Ihm fällt der Widerspruch in der Argumentation offenbar nicht auf. Denn waren nun die Absichten der einzelnen Architekten nur noch zweitrangig, da die neuen Baustoffe bestimmte Formen scheinbar erzwangen ? Oder waren die neuen Formen in "Köpfen der Ingenieure und Baumeister virulent", somit die Intention der "Bauhaus"-Repräsentanten doch entscheidend?

Zuletzt gibt Dittus die altbekannte Polemik gegen die Gründerzeit-Architektur wieder, die bis heute als Rechtfertigung des Modernismus Verbreitung findet. Auf die Differenzierung, die er für das "Bauhaus" fordert, verzichtet er bei der Beschreibung des äußerst vielseitigen Historismus hingegen völlig. Dittus:

Man wollte eine neue Zeit einläuten und den Menschen in den planerischen Fokus rücken. Diesen Ansatz kann man schlecht als etwas Negatives bezeichnen und, vor dem Hintergrund der Tristesse der Neo-Ismen der Jahrhundertwende in planerischer Hinsicht wie auch der Fassadengestaltung, nur begrüßen. Tristesse deshalb, da für die sich uns als besonders pittoresk darstellenden Häuser der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ein und derselbe Grundriss immer und immer wieder kopiert wurde. Der Bauherr konnte sich dann den Stil in Form von Verputz und Ornament auf die Fassade klatschen lassen – eine gestalterische Ehrlichkeit, bei der sich die Konstruktion in der Fassadengestaltung et vice versa abbildet und erschließen lässt, gab es nicht. Dies war in der klassischen Antike anders und dies sollte in der Moderne wieder Anspruch sein.

Seltsam nur, daß bis heute innerstädtische Gründerzeitstraßenzüge als beliebte Wohnquartiere fungieren. Obwohl sie solche "Tristesse" ausdünsten? Und mit der Ehrlichkeit ist das so eine Sache. Wie "ehrlich" sind eigentlich Glasfassaden, die vorgeben zu schweben und ihre Verankerung im Fundament kaschieren? Oder angeklebte Natursteinplatten? Oder warum ist ein Flachdach "ehrlicher" als ein spitzes Dach? Weil es leugnet, daß es in unseren Gegenden regnet?

Dittus möchte nun ausgerechnet das "Bauhaus" als Vorbild für die "Neue Rechte" empfehlen. Demnach dürfte Deutschland im Moment zumindest optisch jeden Tag "rechter" werden. Ein Blick auf die linke Gegenseite müßte Dittus eigentlich rasch ernüchtern.

"Arch+", das linke Leitorgan der Baumodernisten, veröffentlichte 2016 die Verlautbarung eines "projects bauhaus". Zu dessen Koordinationsgruppe gehörten Anh-Linh Ngo und Philipp Oswalt, neben Stephan Trüby zwei Hauptwortführer der universalistisch und anti-national argumentierenden Gegner von Architektur-Rekonstruktionen. In dieser Verlautbarung hieß es treffend zum Bauhaus:

Das Bauhaus wie auch die Klassische Moderne insgesamt engagierten sich für universale Gestaltungsprinzipien. Ganz im Geiste der Aufklärung sollte Gestaltung auf vernünftige, sachliche und allgemeingültige Grundlagen gestellt werden, den Wissenschaften vergleichbar. Damit suchten die modernen Gestalter/innen Anschluss an die erfolgreiche wissenschaftlich-technische Entwicklung, die auf universalistischen Ideen basierte. Zudem wollten sie die mit dem Ersten Weltkrieg offenkundig gescheiterten Nationalismen durch das Konzept des Internationalismus ersetzen. Der Universalismus diente hierbei auch gezielt dem Bruch mit den spezifischen historischen Traditionen. Universell verstandene Gestaltungsprinzipien lösten die einst gestaltprägenden lokal verwurzelten kulturellen Bedingtheiten ab; Geometrie und Physiologie lieferten die neuen naturwissenschaftlich herleitbaren, vermeintlich wertfreien und allgemeingültigen Methoden und Prinzipien.

Aufbauend auf der Annahme von anthropologischen Grundbedürfnissen ermöglicht der Funktionalismus, alle Bauwerke unabhängig von Klasse, Nation und Religion nach einheitlichen und allgemeinen Prinzipien und Methoden zu entwerfen. Damit erhalten alle Bauaufgaben die gleiche gestalterische Aufmerksamkeit und werden nicht etwa nach sozialen Wertskalen oder repräsentativen Erfordernissen hierarchisiert (etwa Fabrikantenvilla versus Arbeiterwohnung). Zugleich verändern sich auch die verwendeten Gestaltungsmittel. An die Stelle hierarchiebildender Formen wie Monumentalität und Symmetrie treten Serialität und Raster.

Demnach bestand der Anspruch des Bauhauses und anderer modernistischer Versuche gerade darin, durch serielles Bauen unter Abkehr von aller Tradition Wohnraum für die moderne Industriegesellschaft zu schaffen. Mit alter Handwerkskunst hatte das nicht viel zu tun.

Peter Cachola Schmal ist seit 13 Jahren Leiter des Deutschen Architekturmuseums in Frankfurt am Main. Nur widerwillig konnte sich der gut vernetzte Strippenzieher mit der Rekonstruktion eines kleinen Teils der Frankfurter Altstadt abfinden. In der Presse wurde unlängst seine Aufforderung an Politik und Architektur zitiert: "Neu bauen, höher bauen, dichter bauen. Äcker bebauen, Siedlungen der fünfziger und sechziger Jahre verdichten." Und das alles bewußt ohne  Rücksicht auf Anwohner und Bürgerinitiativen, die sich für den Erhalt von Grünflächen einsetzen und über chaotische Verkehrsverhältnisse durch neue Großsiedlungen vor ihren Fenstern sorgen.

Der durch die Politik verursachte Bevölkerungsdruck zieht technokratische "Lösungen" der Probleme nach sich. Und diese schrecken vor Natur, wertvollen Landwirtschaftsflächen und gewachsenen Ortsstrukturen immer weniger zurück. Derzeit überziehen Flachdachblocks mit Styropor-Dämmfassaden das Land. Möglichst klimafreundlich, mit etwas Rasen auf dem Dach. Längst wird offen darüber diskutiert, dem modularen und seriellen Bauen in Zukunft größere Bedeutung zukommen zu lassen.  Die Wiederkehr der "Platte" hätte sich beim Bau von Flüchtlingsunterkünften bewährt und sei "eine gute Maßnahme gegen den Wohnungsmangel".

Wir stehen vor einem Bau-Furor, der sich anschickt, viel Naturraum und bislang gemütliche vorstädtische Areale zu zerstören und radikal umzuformen. Deutschland wird sich dabei der restlichen Welt ein Stück mehr angleichen.

Daß hierauf Antworten gefunden werden sollten, liegt auf der Hand. Die aktuelle Rekonstruktionsbewegung kann nur einzelne Bauwerke und Ensemble als Symbole des kulturellen Erbes wiederherstellen. Schon das ist mühsam genug und mit bisweilen enormen Widerständen verbunden.

Für den Wohnungs- und Bürobau abseits kleiner Altstadtbereiche muß aber eine neue Baukultur entstehen, die ein Gegenmodell zur universalistischen Moderne bildet. Dazu gehört eine stärkere Berücksichtigung traditioneller Formen und regionaler Spezifika. Das könnte Bauherren die Chance auf eine Alternative ermöglichen. Die Empfehlung aber, dafür Anknüpfungspunkte beim 100 Jahre alten "Bauhaus" zu suchen, dürfte indes auf die falsche Fährte führen.


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Kommentare (19)

Lotta Vorbeck
25. Juni 2019 10:09

"Neu bauen, höher bauen, dichter bauen. Äcker bebauen, Siedlungen der fünfziger und sechziger Jahre verdichten."

[Peter Cachola Schmal]

"Wir stehen vor einem Bau-Furor, der sich anschickt, viel Naturraum und bislang gemütliche vorstädtische Areale zu zerstören und radikal umzuformen. Deutschland wird sich dabei der restlichen Welt ein Stück mehr angleichen."

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+ Die BRD ist ein exorbitant reiches Land.

+ Die BRD kann sich erlauben, Millionen unqualifizierter Drittwelter ins Land holen, zu behausen und vollzuversorgen.

+ Die BRD verfügt über einen unendlichen Vorrat bebaubarer Fläche.

+ Die BRD wird zu nie vergehender, ökonomischer Blüte gelangen, indem sie einen steuergeldfinanzierten Bauboom entfacht und verbliebene naturnahe Restflächen großzügig zubetoniert.

+ flächenfressende, monströse Gewerbegebiete mit Autobahnanschluß, nach französischem Vorbild geschaffene Gürtel von islamisch dominierten Banlieues um jede größere Stadt, verödete Innenstädte, Verfall und Vandalsimus preisgegebene Industriebrachen, sterbende Dörfer, für monströse Gigaliner ausgebaute Straßen, flächendeckend mit Windgeneratoren überzogene Landschaften (und nun auch Wälder) sowie, als letzter Schrei, Trassen für Oberleitungs-LKW sind vermutlich genau das, woran weltweit denkt, wer "deutsche Romantik" im Sinn hat.

Ja, die BRD wird sich der restlichen Welt, nicht nur äußerlich, mehr und mehr angleichen.

Na dann, wohlan!

t.gygax
25. Juni 2019 10:30

Danke für diesen guten Beitrag. Es lohnt sich auch, einmal Arbeit und Person des sich selbst "Le Corbusier" nennenden Schweizer Architekten zu untersuchen. was ist denn aus seinen vor 60 Jahren hochgerühmten Wohnquartieren geworden? banlieus, wo man hinschaut, weil bereits damals diese Architektur und ihr ideologisches Konzept eben nicht mehr dem Menschen entsprach.
Dass der heute noch gefeiert wird, ist mir ein Rätsel- und seltsamerweise haben die sattsam bekannten Jäger einer historischen Epoche seine guten Querverbindungen nach Deutschland in jenen Tagen noch nie entdeckt..aber jemand, der ein Kirchengebäude wie Ronchamp zu verantworten hat, steht ja turmhoch über dem gemeinen Volk.
Nebenbei: ich wohne in einem Stadtteil, der von Bauhaus-Funktionalität geprägt ist; auch dort kann man leben...nur schön ist das alles nicht, und die Häßlichkeit der Architektur prägt leider manchmal auch das Verhalten der Bewohner....wobei ich hier nichts verallgemeinern will.

Gustav Grambauer
25. Juni 2019 11:11

Wer Bauhaus sagt, sagt Hilberseimer. Was viele nicht wissen: Rußland, Osteuropa und das DDR-Gebiet wurden mit besonderer Begeisterung für Hilberseimer geschändet, was aber nicht offen ausgesprochen werden durfte, da er Amerikaner und Jude war.

https://www.google.ch/search?q=hilberseimer&source=lnms&tbm=isch&sa=X&ved=0ahUKEwiE9_vyq4TjAhXQs4sKHerJDJoQ_AUIECgB&biw=1623&bih=908

Der Bruder von Anetta Kahane (nochmal: das waren keine DDR-Apologeten!) hat einen Kinofilm darüber gedreht, in welch kafkaesker Agonie diese äußerste Konsequenz aus dem Bauhaus geendet hat:

https://www.youtube.com/watch?v=Q56mjUqsdkE

https://de.wikipedia.org/wiki/Die_Architekten

- G. G.

Lotta Vorbeck
25. Juni 2019 11:27

@t.gygax - 25. Juni 2019 - 10:30 AM

"... Nebenbei: ich wohne in einem Stadtteil, der von Bauhaus-Funktionalität geprägt ist; auch dort kann man leben...nur schön ist das alles nicht, und die Häßlichkeit der Architektur prägt leider manchmal auch das Verhalten der Bewohner....wobei ich hier nichts verallgemeinern will."

*****************************************

Architektur und deren Bewohner sind in einer stetigen Wechselwirkung untrennbar miteinander verbunden. Schauen Sie sich beispielsweise Bilder des alten (kolonialen) Manila, wo einst gar eine Straßenbahn verkehrte, dem alten (kolonialen) Cebu, des alten (kolonialen) Daressalam, des alten (kolonialen) Bombay, des alten (kolonialen) Arequipa, dem alten (kolonialen) Lima, des alten (kolonialen) Asunción, des alten (kolonialen) Quito an und vergleichen diese, mit dem aktuellen Zustand dieser Städte, stellen sie fest, daß die genannten Großstädte bis Mitte des 20. Jahrhunderts auch für gelernte Mitteleuropäer noch (ohne AirCon) bewohnbar gewesen sind, Flüsse, Flußufer und Küste noch nicht zu unübersehbaren Müllhalden degeneriert waren, die Anlage und Struktur dieser Städte einer an die jeweiligen topographischen Gegebenheiten angepaßten, sowohl funktionale als auch ästhetische Aspekte berücksichtigenden Idee folgte.

Heutzutage handelt es sich bei Städten dieser Art um von unüberschaubaren, viele Quadratkilometer großen Favelas, Slums respektive Squatter-Areas umschlossene, in Abgasen, Abwässern und Müll aller Art erstickende, hoffnungslos verschmutze, vielerorts bestialisch stinkende, unwirtliche, kriminalitätsgeplagte Moloche.

Rangun in Burma stellt diesbezüglich eine gewisse Ausnahme dar: Die Relikte der einst prächtigen, britischen Kolonialarichtektur sind runtergekommen und verfallen, während die Pagoden Ranguns in goldenem Glanz unter tropischer Sonne strahlen.

Laurenz
25. Juni 2019 12:24

Ja, und jetzt?

Ob von Dittus beabsichtigt oder nicht, ich finde die Idee links zu rechts zu machen, gar nicht verkehrt. Wie wollen wir sonst Betroffenheit des Bürgers erschaffen, um ihm dann Erlösung anzubieten?

Jeder kann sich im Netz die recht neue Riedberg-Siedlung Frankfurts im Netz anschauen. Hasenstallkäfige. Hier ein Beispiel http://main-riedberg.de/wp-content/uploads/2015/07/DSC_7188.jpg

Die Siedlung ist billigst gebaut. Aber um sich dort ein Haus finanzieren zu können, sind mindestens die Gehälter 2er Oberstudienräte notwendig. Das liegt wiederum, ganz abstrakt, an der Niedrigzinspolitik der EZB und der permanenten Verbilligung des Euros im Außenwert, was aber der normale Einheitsfront-Wähler nicht versteht. Einfacher gesagt, wenn das Geld Schrott ist, sind es auch die Neubauten.

AlexSedlmayr
25. Juni 2019 12:34

Ich habe durchaus etwas für das Bauhaus übrig und würde es von dem, was nach ihm (angeblich oder tatsächlich in dessen Geist kam) unterscheiden. Tatsächlich ist der indivuell gestaltete Bungalow das Herzstück dessen, wie das Bahaus gedacht war: Aus verschiedenen Naturmaterialien und unter Einbeziehung neuer Legierungen und Gestlatungsformen, neue individuelle Bau- und Einrichtungsformen zu schaffen.

Das Problem damals schon: Das kostet Geld und ist in einer Form, die den Bedürfnissen menschlicher Ästhetik nachkommt eben nicht in Fließbandarbeit zu bewerkstelligen.

Anlehnen kann man den klassischen Bungalow des Bauhauses an ähnliche Architektur griechischer Inseln oder arabischer Städte: Eine wo die Struktur des Hauses weniger seine Fassaden- oder Dachgestaltung dem Bedürfnis des Menschen nach Ästhetik dienen muss. Dort kann es sich auch an antiken Baustrukturen orientieren, in simplizierter Form.

Das Problem entsteht dort, wo der Massenbau eine Abweichung davon verlangt: Du errichtest gebäude die in ihrem Grundriss rechtecktig und quadratisch sind und auch in Form nichts anderes mehr darstellen als schmuck- und strukturlose Würfel. Bauklötze die aneinandergereiht werden.

Der Unterschied liegt also zwischen klassischem Designer-Bungalow und Katalog-Haus.

Am Ende hat sich das in der Nachfolge des klassischen Bauhauses in zwei Extrema "moderner" Architektur aufgespalten:

Massengefertigte zweckarchitektur, die eine völlige (aber womöglich ideologisch untermauerte) Universal-Verödung herstellt auf der einen und Singulare Monstranzen, die ohne jeden Bezug zu ihrer Umgebung als Einzelwerke in die Stadt oder die Landschaft gestellt werden auf der anderen Seite. Letzteres ist gut an Hochhäusern und Prestige-Wolkenkratzern zu sehen, wie sie zuletzt in asiatischen MEtropolen entstehen. Und die eben nicht den Zweck haben mit historischen Sichtachsen, mit der Stadtumgebung zu interagieren (bspw. wie man damals in Berlin das Stadtschloss im Bezug zum bestehenden Bauensemble geplant hat) sondern sie sollen monolithisch möglichst individualistisch aus der Masse herausstechen.

Man müsste also womöglich noch einen Schritt weiter zurücktreten, als sich am Bauhaus alleine aufzuhängen. Den Anspruch einer Unviersalarchitektur müsste man generell zurückweisen und der Begriff Bauhaus erlaubt immer wieder ablenkende Semantische Diskussionen, weil natürlich dessen geistige Nachfolger sich heute in viererlei andere Designströmungen aufgespalten haben, weshalb man das moderne Bauen oder dessen Grundprobleme generell kritisieren muss.

Lotta Vorbeck
25. Juni 2019 12:55

@Laurenz - 25. Juni 2019 - 12:24 PM

"... Einfacher gesagt, wenn das Geld Schrott ist, sind es auch die Neubauten."

******************************************************

Was einst als in Großplattenbauweise errichtete "Arbeiter-Schließfächer" die östliche Hemisphäre zwischen Magdeburg und Wladiwostock verschandelte, feiert in der siechen BRD in leicht modifizierter Form fröhliche Urständ.

KlausD.
25. Juni 2019 13:56

@Gustav Grambauer
"Wer Bauhaus sagt, sagt Hilberseimer."

100 Jahre Bauhaus – was für ein Hype … nun rede nochmal einer (abfällig) von Plattenbauten … Dass diese Art Architektur was mit dem Bauhaus zu tun hat, war mir bisher unbekannt. Allerdings nicht nur mir, sondern auch einem Freund, der in den 70-er Jahren in Dresden Architektur studierte, ihm sagt auch der Name Hilberseimer nichts. Also kurz, die Bauhausideen spielten in der DDR, zumindest bis Ende der 70-er Jahre offiziell keine Rolle. Die Architekturanregungen kamen vom „großen Bruder“ (und diese wiederum vielleicht von Hilberseimer, wer weiß …).

Nun stellt sich sogar heraus, dass Hilberseimer von 1929 bis zur Schließung 1933 Leiter der Baulehre am Bauhaus in Dessau war …
Noch dazu: Seine Ideen leben offenbar weiter, wie unlängst im Lokalblatt zu lesen war:
https://www.mz-web.de/dessau-rosslau/drei-wochen-bauzeit-studenten-verwirklichen-bau-nach-altem-bauhaeusler-entwurf-32688034

Niekisch
25. Juni 2019 17:25

Wer auf das "Bauhaus" zurückgreift, der sollte dies nicht ohne einen Blick auf die damalige Zeit und ihre Anschauungen tun, um dem Kreis um Walter Gropius einigermaßen gerecht zu werden. "in das deutsche Geschehnis sind wir eingebettet wie ein Baum oder ein Insekt in die Natur. Wird bei diesen ein Luftzug, eine Honigblüte, ein Regentropfen zum Schicksal, so bei uns das Schwert, der Tand, die Melodie, die Leidenschaft der Altvorderen; Tat, Gedanke, Irrtum der mit uns Lebenden (Diesel, Eugen, Die deutsche Wandlung, Cotta 1929, S. 1)

...mag es sich lohnen, einiges Bezeichnende der deutschen Wohnweise festzuhalten. Das lebende Geschlecht zwar fesselt zumeist der Stil, den es selbst seiner Zeit vorzuschreiben versucht, in unseren Tagen die technische Sachlichkeit. Aber der Stil einiger Jahre vermag immer nur sehr wenige der wirklich bewohnten Häuser zu prägen, während das Volk zum größten Teile in den Häusern vergangener Epochen lebt...In Deutschland zudem ist schwer etwas Allgemeines wahrzunehmen, weil sich auch hier wieder zeigt, wie wenig einheitlich der Lebensstil der Nation seit je gefestigt erscheint...Man könnte von deutschen Häusern nicht entscheiden, ob das Holz bevorzugt sei oder der Stein, denn beide scheinen in der deutschen Seele sonderbar zueinander zu gehören. Dieses Verhältnis von Holz zu Stein drückt (ebenda, S. 73) sich nicht nur im Fachwerk aus, sondern auch in steinernen Fliesen, Holzgeländern, Täfelung, Schnitzwerk, mächtigen Kachelöfen. Somit steckt im deutschen Hause ein Verhältnis zwischen sachlicher Kühle und zutunlicher Wärme, es handelt sich um etwas Bürgerliches, nicht allzu Verfeinertes, nicht allzu Lichtes, weiter auch um ein schönes Verhältnis zwischen traulicher Bewohnbarkeit und der Hingabe an Natur und Gemeinde; denn die Häuser stehen wohl oft für sich da, aber sie wirken keineswegs abweisend, weil sie meist genauso gut ins trauliche Innere ziehen, wie sie gemütvoll in den krausen, nutzbaren Garten mit Hecke, Beerenbusch, Beet, Gemüse, Linde und Sitzbank entlassen. ...Man liebt das Dämmern der Wohnung, ein Hineinschimmern der Natur, Licht im traulichen Spiegel geruhsamer Gegenstände, Aussicht, Auslug, Winkel. Truhe, Schrank, Bett stehen gewichtig da, aber die Einrichtung hat nicht selten ein wenig krausen, überladenen Charakter, worin man Heimtraulichkeit erblickt. Vieles in der deutschen Wohnung ist etwas stoff- und gegenstandsbeschwert. Die Wohnung liegt wie unter den Flügeln einer Glucke unter dem romantischen Dach (gemeint Satteldach, Niekisch) , dem roten oder grauschiefernen oder beschindelten, das innen von Balken- und Sparrenwerk kraus durchwinkelt und mit Bodenräumen erfüllt ist, wo die Wäscheleinen hängen und die Kinder spielen. Starke Bewegung der Dächer wogt über den deutschen Dörfern und Städten. Die industrielle Neuzeit hat die deutsche Wohnweise zersprengt, und die moderne Mietswohnung auf dem Rione Vomero in Neapel ähnelt der Wohnung auf Östermalm zu Stockholm, die "Villa" des Schiebers derjenigen des englischen War Profiteers. Und doch schlägt in solch national (ebenda, S. 74) zerrüttetes Wohnwesen Nationales hier und da wieder durch: in die Wohnung der kleinen Mietwohnungsbürger dringt vermittels Nippsachen, gedruckten Bildern, Renaissancemöbeln, Bräustübelgemütlichkeit, ausgestopften Tieren, Tonkrügen, Brandmalerei etwas Gemütvolles, Deutsches bruchstückhaft ein, während draußen auf dem Flur der Elektrizitätszähler surrt (ebenda, S. 75)

Diesel schildert ausgebreitet auf diese Art die deutschen Landschaften, Wohn- und Industriegebiete und bietet einen kleinen Ausschnitt der Grundlage, auf der das "Bauhaus-Bestreben" gewachsen ist. Um diesem ohne Lobhudelei oder allzu schnellem Verwerfen gerecht zu werden ist es unumgänglich, nach den Wurzeln zu suchen, auf denen es fußt. "Kulturbolschewismus"vorwürfe, wie sofort vom Nationalsozialismus erhoben, wirken da albern

AlexSedlmayr
25. Juni 2019 19:17

@KlausD.

Dieser ganze Artikel oder besser darin beschriebene Vorhaben ist so himmelschreiend hirnrissig, wie es besser nicht in den allgemeinen Zeitgeist passen könnte.

Warum man das macht ist außer ominöser Bereicherung so unklar, wie der Verwendungszweck, aber natürlich wahrscheinlich als soziales, interaktives Kunstprojekt konzipiert, wo die Leute aktive Mitarbeit und ein durch Schnorrerei irgendwie herbeiphantasierten Dialog etwas Soziales entstehen soll.

Ansonsten zeigt dieser Entwurf plastisch, was an der modernen Architektur schlimm ist und was das Bauhaus an seiner ursprünglich wenigstens noch halbwegs ästhetisch gedachten Grundidee seit den Anfängen verloren gegangen ist.

Hier sehen wir einen nicht zweckmäßiger ausschauend könnenden Gartenschuppen, ebenso windig wie windschief mit der Erotik eines Frachtcontainers.

Kallewirsch
25. Juni 2019 21:12

Lieber Herr Wolfschlag,

zuerst einmal vielen Dank für Ihr kunstgeschichtliches Essay. Allerdings bin ich der Meinung, dass Sie Inhalte miteinander vergleichen, die gelinde gesagt- stark hinken. Zuerst ein Hinweis auf ein Traktat von Adolf Loos" Ornament und Verbrechen", der zurecht das gefakte, industriell hergestellte aber handwerklich anmutende Produkt in Bausch & Bogen verdammte und das ich Ihnen sehr zur Literatur ans Herz lege. Er kritisiert in diesem Traktat auch noch nebenbei die Tendenz, einen Stich zu haben (wie Fr. Kositza mal so schön die Tatoos beschrieb) und das vor über 100 Jahren. Jenes industriell hergestellte Ornament ist genauso identitätslos, wie die von Ihnen bezeichnete Moderne. Schlimmer noch, es ist zutiefst unehrlich. Eine Rekonstruktionsarchitektur a la Römer oder "Berliner Schloss" sind es mindestens genauso. Reine Fassade- nix da historische Bauweise, die iene Gemütlichkeit und Behaglichkeit vorgaukeln. Disneyland für konservative Wertbürger. Wo ist hier der grundsätzliche Unterschied zum Aschenputtelschloß in Disneyland? Aussen Eichefachwerk und innen Stahlbeton mit Brandmeldeanlagen- authentisch geht anders. Diese Architektur hat in Frankreich schon Bofill mit seinen Wasserschlössern vor 30 Jahren probiert- mehr wie Problemviertel für noch nicht so lang daseiende ist nicht bei rausgekommen. Da ist mir eine Ernst- May Siedlung oder ein Terragni 1000x mal lieber. Ganz egal, ob der eine knalllinker Kommunist und der andere ein italienischer Faschist war. Die Architektur der beiden ist einfach gut, weil sie den genius loci beachtet haben. Und der genius loci hat mit Identität und nicht mit Beliebigkeit oder Fassadenarchtektur zu tun, das geht ja schon aus der Bedeutung hervor. Derer Beispiele gibt es viele, Alvaro Siza- Portugal, Tadao Ando- Japan, Jean Nouvel- Frankreich und, und, und. Das, was heute landläufig als "Bauhaus- Stil" bezeichnet wird, hat mit den Absichten der Moderne nichts mehr zu tun. Es ist trendy- so wie es vor 25 Jahren der Sechs- Eckerker an der Walmdachjodlerhütte war. "Licht, Luft, Sonne - gemütlich bin ich selbst", um mit Karl Kraus zu sprechen, hat aber noch immer Gültigkeit. Merke- nicht alles, was ein Flachdach hat, ist gleich ein Bauhaus und nicht alles, was ein Steildach hat, ist regionale Architektur.

Andreas Walter
25. Juni 2019 21:17

Bauhaus passt doch überhaupt nicht nach Deutschland. Das ist etwas für wärmere Gefilde, Tel Aviv, Odessa, Kalifornien, Florida, aber auch Südspanien, Mexiko, Griechenland.

Flachdächer und Regen, eine unendliche Geschichte. Grosse Fenster und Kälte, oder zukünftig auch Einbruchschutz? Genauso Blödsinn. Das ist etwas für Villenviertel, für reiche Leute, mehr aber auch nicht. Es gibt keine schöne Massentierhaltung auf engstem Raum, egal wie man die Käfige gestaltet. Das wird nirgendwo so deutlich wie beim Plattenbau.

Manche Dinge verbieten halt physikalische Gesetze, andere die Lage aber auch Rohstoffausstattung eines Landes. Nicht in einzelnen Projekten, aber in der Masse.

Doch ich vermute mal, die Diskussion bezieht sich eh nur auf die Städte und auf das Problem der Wärmedämmung all der alten Häuser mit bis zu etwa 6 Stockwerke, oft auch noch mit alten, schäbigen Hinterhäusern.

Da lässt man die Fassade stehen und entkernt dahinter wirklich alles und baut etwas ganz modernes. Für die Innenwände der Fassade gibt es dann als Kompromiss eine brauchbare Innendämmung, weil eh nur noch eine Fläche von 6 (auch pro Raum). Die gibt es nämlich, sind nur nicht so leistungsfähig wie moderne Aussendämmungen. Am Ende wird dann noch die Fassade renoviert, gereinigt und eventuell gestrichen, und man hat einen genialen Kompromiss. Nach vorne, zur Strasse weiterhin klassisch, dahinter theoretisch alles möglich.

Im Grunde vom Konzept her wie bei modernen Kreuzfahrtschiffen, deren Aussenfassade meist auch wenig spektakulär ist und völlig anders aussieht wie das, was sich einem im Inneren darbietet.

Man kann sogar über Techniken nachdenken, wie man die Fassade wärmetechnisch möglichst umfangreich von allem dahinter trennt, um Kältebrücken zu minimieren. Hier sind deutsche Ingenieure gefragt, die mit zu den genialsten der Welt gehören. Immer noch.

Vorteil einer solchen Architektur: Man kann das ganze Fassadenhintere, ganze Strassenblöcke auch als Gated Community betrachten und so auch gestalten (sogar mit Tiefgarage innen). Mit nur einem Zugang von aussen der auch gut kontrolliert werden kann, und dahinter eine ganz eigenständige Welt. Falls es weiterhin keine Grenzen mehr geben soll.

Das liesse sich sogar mit allen Stielen realisieren, die man optisch für erhaltenswert betrachtet. Den Unterschied könnte man nur aus der Luft erkennen, von aussen bleibt alles gleich. Sogar die alten Eingänge, die dann aber auch nur noch Optik sind oder Ladeneingänge im untersten Stock. Radikal ohne Durchgang nach hinten ausser vergitterte Fenster. Der Sicherheit halber.

Warum verschenke ich eigentlich immer meine ganzen tollen Ideen? Weil ich genug davon habe.

Man kann Bauhaus aber auch ohne Flachdach realisieren, nur dann eben bei Projekten, wo eh noch nichts steht. Dann ist das sogar ein ganz netter Kompromiss, zwischen Platte (Glasbau) und klassisch, wenn nicht zu minimalistisch und auch nicht zu monumental. Wer weiß, was aber auch noch mit 3-D Druckern möglich wird, auch in der Architektur. Die ganzen historischen aber auch völlig neue Fassadenelemente lassen sich dann vielleicht ja auch maschinell und in Serie fertigen, zu entsprechend günstigen Preisen.

Ratwolf
25. Juni 2019 21:38

Bauhaus kann auch schön sein. Wenn nicht das Geld und der Profit als einzige Maxime leitgebend fungieren.

Wenn man Bauhaus wirklich schön und großzügig macht, und nicht bei den Einfällen und den Materialien spart, dann ist diese Architectur ein bleibendes Erlebnis.

Was die Linken wollen, dass sind billige Massenunterkünfte im angeblichen Bauhausstil, in welche sich die Asylanten und Arbeiter gefälligst wohl zu fühlen haben, während sie selber (die Linken Bobos) in ganz anderen Gegenden wohnen.

Amos
26. Juni 2019 06:03

Das serielle, bzw. modulare Bauen an sich wäre noch nicht das Problem. Auch die Kathedralen wurden teils nach diesem Prinzip erbaut. Leergerüste für das Einwölben der Joche konnten wiederverwendet werden. Schlussteile, Masswerk oder Wasserspeier konnten selbstverständlich vorgefertigt an ihren Platz gelangen und wurden nicht in Situ aus dem Stein gehauen. Die Kunst Bauteile durch eine nässlicher Ordnung in ein Gesamtwerk zu integrieren ist deshalb nicht als geistlose Moderne zu kritisieren. Es ist das Gesamtwerk, das jeweils unter den Bedingungen von Sinn- und Geistlosigkeit entsteht. Eine Gesellschaft, die sich nur selbst zum Ziel hat, verkörpert in Massenlebenswert, Konsum, Freizeit mit ihren hypermoralischen Neurosen erzeugt genau die baulichen Produkte, die wir überall bewundern dürfen. Dabei ist die ganze Diskussion ein alter Hut und die Bestrebungen durch ökologische Baustoffe und neo- rurale Baustile wieder „Heimat“ zu bauen gehen vor allem im Alpenraum nun schon in die Jahrzehnte. Oder schauen Sie sich die Arbeiten der Kollhoff- Eleven an der ETH Zürich an, das ist nicht „steinernes Berlin“, sondern 19. Jahrhundert. Schön anzusehen, aber am Potsdamer Platz rieselte dennoch unlängst das Verblendmauerwerk auf die Straße und musste aufwändig saniert werden. Es ist halt alles nur Fassade.

Amos
26. Juni 2019 14:43

...masslich, nicht nässlich. Zum Kollhoff- Lehrstuhl geht es hier:

https://www.kollhoff.arch.ethz.ch/pages/navigation/frameset.html

Yvonne Cremer
26. Juni 2019 19:34

Gegen das Flachdach knallt das Auge, am Spitzdach kann es entlanggleiten, 1:0 daher für letzteres. Allerdings kommt es auf die bauliche Gesamtsituation an. Architektur muss sich einfügen, in die Umgebung passen, und es ist ja auch das originär Rechte, das Ganze in den Fokus zu rücken. Der elegante Mies-van-der-Rohe-Bungalow sieht eben nur auf einem großen uneinsehbaren Grundstück gut aus, die billige Kopie auf beengtem Raum führt zu hässlich verhängten Fensterfronten (abgesehen von Materialfragen).
Die Formensprache des Bauhauses ist sehr in die Breite gehend, dagegen könnte ein decorarmer Neo-Neoklassizismus stehen. Das 3. R. hat zweifellos sehr gute Architektur hervorgebracht, nicht unmodern. Das Schlimmste heute sind die aufgelösten Baufluchten, die in die Tiefe gestapelten Minigrundstücke. Überall stehen Häuser kreuz und quer, geschuldet dem Preis und der Ideologie, linke Hässlichkeit.

Gustav
26. Juni 2019 21:26

„Alles Alte – und damit alles Schöne – war immer ein wenig verdächtig.“ (George Orwell in „1984“)

Walter Gropius, Gründer des Bauhauses, forderte zusammen mit Bruno Taut die „Auflösung der bisherigen Grundlagen“ der Architektur und das „Verschwinden der Persönlichkeit“ des (Bau-) Künstlers. Nach der Emigration 1937 nach Cambridge (Massachusetts/USA) und dem Antritt einer Professur für Architektur an der Harvard-Universität ließ Gropius als erstes die gesamte Bibliothek des klassischen Bauens in den Keller verfrachten. Ziel der Bauhausideologen war von Beginn an die „Neuerschaffung der Welt ohne Vergangenheit“, ein „Bauen für die klassenlose Gesellschaft“.

Das Bauhaus als erste rein reduktive Architektursprache entfaltete in seinen frühen Anfängen durchaus eine beeindruckende Ästhetik, doch sein Problem ist, dass ihm nichts als Elend folgt, weil es eine linke Ideologie ist. Wir erkennen hier den typischen Verlauf eines sozialistischen Experiments. Auch die gegenwärtige Unbezahlbarkeit des Handwerklichen ist die Konsequenz der Umverteilung der Mittel an die Müßiggänger, einer auf Diebstahl von Produktivkapital gründenden Sozialordnung. Kultur ist jedoch der Luxus des Überschusses, den heute der Linksstaat konfisziert. Subventionierte Kultur ist Staatskultur. Die staatliche Kultur-Zuteilung der über immer höhere Steuern eingetriebenen Mittel soll Kultur geradezu verunmöglichen. Es soll niemand erzählen, dass eine gestalterisch und handwerklich ansprechende Architektur unwirtschaftlich wäre: Wieso war sie es nicht in Zeiten weit niedrigerer Produktivität? Die Bauhaus-Idee war nachweislich eine Prolet-KultIdee, die auf dem marxistischen Hass auf die tradierte Ordnung gründete – und Hass ist immer ein schlechter Ratgeber. Alexander von Senger meinte: „Statt einer Philosophie der Kunst finde ich die Propagandamethoden einer Sekte, statt einer neuen Ästhetik politische Dogmen, statt Wissenschaftlichkeit kabbalistische Tricks und statt Logik die Auflösung des Kausalitätsgesetzes. Aber das bloße Bauen ist sowenig Architektur wie Lärm Musik ist. Architektur ist Dichtung. Wir stehen nicht vor den Erscheinungen einer neuen Ästhetik, wenn man politisiert. Le Corbusier und seine Kreise spannen an ihren Wagen den Kommunismus, wie der Kommunismus an den seinigen Le Corbusier. Indem er die individuelle und organische Kultur und Kunst beschimpft, verbreitet er die kommunistische Mentalität, und indem er die serienweise industrielle Herstellung der Bauten verwirklicht, zerstört er Hunderttausende von unabhängigen Handwerkerexistenzen. Das Studium der Leeren des ‚Esprit Nouveau‘ erregt peinliche Empfindungen. Einzig das große Hassen aller Menschenwürde und Kultur sowie das Prophezeien des großen goldenen Zeitalters bilden eine unverrückbare Konstante. Die Bewegung, die mit der unschuldigen Bezeichnung ‚Neue Architektur‘ verbrämt wird, ist nicht weniger als gebauter Bolschewismus.“

http://www.familienwehr.de/zukunftsbauten.pdf

GuntherManz
26. Juni 2019 23:40

Bauhaus kann sinnvoll sein: Nutzbauten, Fabrikbauten, Zentralen, Bürohäuser, Verwaltungsgebäude. Und auch hier nur mit Abstrichen.
Baute man in der Gründerzeit noch so, daß z.B. eine gute Lüftung gewähleistet war, also unter handwerklichen bewährten Gesichtspunkten, so wurde dies durch die Skelettbauweise, durch Betonfertigteile und große Fensterflächen völlig zurückgedrängt. Es gab auf einmal, angefacht durch die USA nach dem WK eine ganze Industrie, die sich um handwerkliches gar nicht mehr scherte, die wie die Drückerkolonnen agierten. Deren Jünger (Gropius, Eiermann u.a.), und deren "Lehrer" Le Corbusier nebst vielen Dadaisten bedienten den neuen Markt.
Wer einmal in so einem Gebäude arbeiten musste, der weiß: Klimaanlage ausgefallen = Hölle, Jalousien sind Pflicht, Eintönigkeit liegt als unausgesprochene Belastung auf der Seele, da ist nichts vom Flair einer bspw. alten Bibliothek, eines alten Kontors.
Wo aber Menschen leben sollen, da sollten keine Schuhkartons stehen, die freien Plätze mit ihren unsäglichen Brunnen oder schrottigen Kunstprodukten sollten nicht so unwirtlich sein, daß sich jeder beeilt darüber hinweg zu kommen.
Doch wie sollte der Trend umkehrbar sein ? Wer könnte denn Handwerk heute noch bezahlen, wo sollen denn die (großzügigen)Flächen für solches althergebrachte Bauen kommen ?
Als Beispiel Alt mit Neu- Kombination könnte der ehemalige Dienstsitz Tebartz-van Elst gelten. Wie haben sich die Baumeister da feiern lassen, und wie gedrängt und verhunzt sieht das aus.
"Was du ererbt von deinen Vätern, erwirb es um es zu besitzen."
Aber was ist noch da vom Erbe und wer beschäftigt sich noch mit der Substanz um sie zu verstehen (zu besitzen) ?

Es wird im Gegenteil noch schlimmer; man schlage einen beliebiges Möbelprospekt auf. Darin abgebildet findet man leicht umgemodeltes Büromöbiliar im gefühlslosen Wohnzimmer des Flachdachbungalows.
Das Heimelige als Fortsetzung des Arbeitsambientes !

KlausD.
27. Juni 2019 12:47

@AlexSedlmayr 25. Juni 2019 19:17
„ … mit der Erotik eines Frachtcontainers ...“

Ja, gut gesagt. Allerdings ist die Form erstmal eine Sache des Geschmacks, die Bauausführung eine andere. Zumindest ist das Gebäude aus Holz, jedoch ungedämmt. Und nach dem Zweck frage man lieber nicht: „Ein Experiment, das bereichern soll ...“
Ein Bauhausgebäude als Experiment ähnlicher Art, jedoch aus Stahl, gibt es nicht weit davon seit 1927:
https://www.bauhaus-dessau.de/de/architektur/bauhausbauten/stahlhaus.html
Immerhin ist der Zweck nicht zu leugnen, das Haus wurde bis in die 90-er Jahre hinein bewohnt.
Doch bereits bei diesem Gebäude werden die Mängel bei der Bauausführung diverser nachfolgender Bauhausbauten ersichtlich – kurz gesagt: Innen im Winter kalt, im Sommer warm …
So auch bei den sogenannten Meisterhäusern
https://www.bauhaus-dessau.de/de/architektur/bauhausbauten/meisterhaeuser.html
als auch beim eigentlichen Bauhausgebäude selbst
https://www.bauhaus-dessau.de/de/architektur/bauhausgebaeude.html

Allerdings gibt es mMn durchaus Gründe, Anknüpfungspunkte beim 100 Jahre alten „Bauhaus“ zu suchen. Und zwar in einer Art sozialem Wohnungsbau (nach dem damaligen Motto: Wohnungen, die Licht, Luft und Sonne einlassen und für eine große Bevölkerungsschicht bezahlbar sind), wie er sich zeigt in den sogenannten Laubenganghäusern
https://www.bauhaus-dessau.de/de/architektur/bauhausbauten/laubenganghaeuser.html
sowie in den Häusern der Reihenhaussiedlung Törten
https://www.bauhaus-dessau.de/de/architektur/bauhausbauten/siedlung-dessau-toerten.html
die immer noch bewohnt werden.
(Zuzüglich diverser anderer künstlerischer Bereiche des Bauhauses, jedoch äußerst kritisch zu dessen gesellschaftspolitischen Bestrebungen)

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