27. Juni 2019

Sezession: Thema „Sachsen“ und Abokampagne

Götz Kubitschek / 14 Kommentare

Auf das jüngst erschienene Themenheft "Sachsen" unserer Zeitschrift haben wir viele begeisterte und einige kritische Briefe erhalten. Das war vorhersehbar.

Götz Kubitschek

Götz Kubitschek ist Verleger (Antaios) und seit 2003 verantwortlicher Redakteur der Sezession.

Begeistert haben sich die Abonnenten über die Zusammenstellung des Hefts geäußert, über die Komposition des Ganzen also. Ich nutze die Gelegenheit, um einen knappen Werkstattbericht zu liefern, denn auf meinem Schreibtisch laufen die Fäden zusammen.

Die Idee zum Sachsen-Heft stammt aus dem Vorjahr, in der Jahresübersicht war dieses Heft bereits aufgeführt, die Feinplanung setzte im März ein. Benedikt Kaiser, Erik Lehnert und Ellen Kositza beteiligen sich stets an solchen Aufrissen, am Zusammentragen von Themen und Autoren, an der Anordnung und der Bewertung der Lücken, die zwangsläufig bleiben.

Das Sachsen-Heft sollte nicht vor allem eines über die Sachsen, sondern unter Beteiligung möglichst vieler sächsischer Publizisten und Autoren sein, und recht bald war klar, daß diese Wunschvorstellung leichter als in anderen Fällen würde umgesetzt werden können. Das lag wiederum an den sächsischen Autoren selbst: Michael Beleites oder Thomas Wawerka, Uwe Tellkamp oder Jörg Bernig, Sebastian Hennig oder Jörg Seidel - keiner von ihnen zierte sich, hatte "Bedenken", verwies auf seine "Karriere" oder brachte ein Pseudonym ins Gespräch (man stelle sich Bernigs großartiges Gedicht "in untergegangenen reichen" oder Tellkamps Tagebucheinträge unter dem Namen Jörg Anders oder Uwe Dresden vor!).

Kurzum: Zusagen, und dann ein starker Beitrag nach dem anderen, oft ohne Lektoratsaufwand gleich nach der Lektüre und ein, zwei Rückfragen an den Autor satzfertig.

Und die kritischen Briefe? Kamen von Lesern, die mehr und mehr den Eindruck gewinnen, der Osten hänge den Westen ab - mentalitätsmäßig, im Hinblick auf den Widerstandsgeist und jene innere und äußere Freiheit, die wir alle so dringend brauchen, um der "Dicken Berta" des Mainstreams standzuhalten.

Was soll ich dazu sagen?

Jedenfalls: Wir haben dann 4500 Hefte drucken lassen, sind ja nicht am Kiosk, haben ja keinerlei Auslageschwund, sondern verschicken knappe 4000 an die Abonnenten und normalerweise rund 300 im Verlauf des Erscheinungsmonats an Leser, die ein Einzelheft bestellen.

"Sachsen" auch in dieser Hinsicht besonders: Von den 4500 sind zwei Wochen nach erscheinen gerade noch 150 übrig, und jetzt spiele ich mal den Marktschreier:

+ Das sehr gelungene Sachsen-Heft der Sezession kann man hier einsehen und erwerben - und ich würde mich sputen, liebe Leute, denn es wird uns für eine unter gründlicheren Nachdenkern geradezu untypische Art und Weise aus den Händen gerissen.

+ Auf jeden Fall berücksichtigt werden Neuabonnenten, und wir würden uns über derer 50 bis Montagfrüh freuen - denn dann können wir behaupten, daß wir satte 4000 Dauerabnehmer haben (was für eine so anspruchsvolle Zeitschrift wie die Sezession in den Worten Kleine-Hartlages eine Ansage ist!). Wir unterscheiden zwischen Sozial-, Normal- und Förderabo, und Auslandsabonnenten müssen ein wenig mehr Porto bezahlen. Jeder Abonnent erhält eine Einstiegsprämie, und für 2019 gilt nun nur noch der Preis für die Hefte von Juni bis Dezember, also vier an der Zahl. Zu den Abo-Möglichkeiten geht es hier.

+ Bleibt noch der Hinweis auf das neue Format, das Benedikt Kaiser und ich seit dem 2019er-Jahrgang der Sezession betreiben: Heftpräsentation per Video-Diskussion. Hier ist der Film zum Sachsenheft. Vorher aber: abonnieren!


Götz Kubitschek

Götz Kubitschek ist Verleger (Antaios) und seit 2003 verantwortlicher Redakteur der Sezession.


Kommentare (14)

RMH
27. Juni 2019 11:03

"... keiner von ihnen zierte sich, hatte "Bedenken", verwies auf seine "Karriere" oder brachte ein Pseudonym ins Gespräch."

Das sagt doch im Grunde genommen schon alles über unsere "freieste aller möglichen Welten" aus. Ein echtes Dilemma für alle Medien, die ernsthaft "frei" oder alternativ sein wollen. Denn frische, neue Autoren braucht eine Zeitschrift, sonst schmort sie sich irgendwann im Saft der eigenen Haus- und Hof-Autoren zu Tode. In diesem Sinne wünsche ich der Sezession in diesen Zeiten der totalen Mobilmachung ein gutes Händchen im Aufspüren von Autoren, die es noch wagen wagen.

Suedburgunder
27. Juni 2019 13:50

Mein Vater, gebürtiger Königsberger, stammt aus OSTdeutschland. Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen sind MITTELdeutschland!

Frieda Helbig
27. Juni 2019 18:17

@ Suedburgunder:

100% korrekt und volle Zustimmung. Nur was hat das mit Kubitscheks Artikel zu tun, in dem zumeist von Sachsen gesprochen wird?

Lotta Vorbeck
27. Juni 2019 20:14

@GK: "Und die kritischen Briefe? Kamen von Lesern, die mehr und mehr den Eindruck gewinnen, der Osten hänge den Westen ab - mentalitätsmäßig, im Hinblick auf den Widerstandsgeist und jene innere und äußere Freiheit, die wir alle so dringend brauchen, um der "Dicken Berta" des Mainstreams standzuhalten."

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Die "Dicke Bertha" verursachte während des WK1 schwere Schäden an französischen Festungen.

Der "Schwere Gustav", das mehrere Güterzüge mit Schwerlastwaggons für seinen Transport an den Einsatzort, 1.500 Mann für seine Bedienung, sowie nochmals über 4.000 Mann für Gleisbau, Wartung und Bewachung, sowie zwei spezielle 1.000-PS-Diesellokomotiven zum Richten in den eigens gebauten Doppelgleisradien bindende 80-Zentimeter Eisenbahngeschütz sorgte für beeindruckende Filmsequenzen während der Belagerung der Festung Sewastopol.

Nach jeweils 100 Schuß war der Lauf des "schweren Gustav" verschlissen.

Kriegentscheidende Bedeutung kam weder der "Dicken Bertha" noch dem "Schweren Gustav" zu.

Neue Abonnenten verstärken, um im Bilde zu bleiben, die Festungsmauern.

+ Schwerer Gustav DORA 80,0 cm Eisenbahngeschütz beim Beschuß der Festung Sewastopol

https://www.facebook.com/DieDeutschePanzerwaffe/videos/286150345550814/

Annotation
27. Juni 2019 22:12

Keine Angst @suedburgunder, der Sachse denkt die Weiber mit, wenn er „Müller“ sagt.

Suedburgunder
27. Juni 2019 22:17

@ Frieda Helbig

Ich beziehe mich auf das Video, in dem mehrmals von "Ostdeutschland" und den "Ostdeutschen" die Rede ist. Vielleicht bin ich da auch etwas zu empfindlich. Heute ist es leider allgemein üblich, die neuen Bundesländer und dïe dort lebenden Landsleute als solche zu bezeichnen. In meiner Schulzeit in den 60er Jahren wurde auch in der DDR noch offiziell von Mitteldeutschland gesprochen.

Der mit dem Wolf tanzt
27. Juni 2019 22:29

@Südburgunder. Ost-und Mitteldeutschland.
Danke für den Hinweis, dessen Inhalt leider auch in unseren Kreisen nicht (mehr) Konsens zu sein scheint.
(Oder ist es ein Mangel an Bewußtsein über diesen Terminus, der ja wie kaum ein anderer für die Diskurshoheit linker (antideutscher) Geschichtsdeutung steht?)
Um so wichtiger: Immer wieder in Erinnerung rufen!

Olsenbande
28. Juni 2019 18:55

@ kubitschek
Sachsenheft sehr gelungen .Habe 2019 Sezession laut Ihrem
Angebot an jemanden geschenkt.
Wissen Sie näheres zur Absage von Hernn Steimle in Lohmen?
Grüße Uwe Ola

antwort kubitschek: sommerkrippe.

Niekisch
28. Juni 2019 18:59

@ Der mit dem Wolf tanzt 27.6. 22:29: Es ist heute fast völlig vergessen, dass unserem Volk nach 1945 völkerrechtswidrig mehr als 2oooo Städte und Dörfer geraubt wurden.

LotNemez
28. Juni 2019 21:15

Kann man erfahren, warum der angekündigte Artikel von Wiggo Mann bzgl. einer Sezession Sachsens es nicht ins Heft geschafft hat? Offenbar hat man Benedikt Kaisers "Zweierlei Deutschland, zweierlei AfD?" den Vorzug gegeben. War auch gut. Die Sezessionsfrage und wie man bei Ihnen darüber denkt, steht aber weiter im Raum. Ich vermute, dass Sie die westdeutschen Leser nicht verschrecken wollten. Die erwähnten Leserbriefe lassen schließen. Nun gut. Verständlich aus Sicht des Verlegers. Dennoch: 49% im Osten sagen ja zu Koalitionsverhandlungen CDU/AfD. Im Westen sagen 2/3 Nein! und wie wir alle (wenigstens unbewusst) wissen: Das wird auch so bleiben. Sagen wir nun "Alles oder nichts" und lassen uns im Osten von der Titanic mit in den Abgrund reißen? Vertagen wir die Entscheidung auf einen Zeitpunkt nach dem Untergang? Ich bin zunehmend fassungs- und ratlos, dass man sich dazu hier weitgehend ausschweigt.

H. M. Richter
29. Juni 2019 07:11

"Wissen Sie näheres zur Absage von Hernn Steimle in Lohmen?"

antwort kubitschek: sommerkrippe.
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Zwar wurde in einer Erlanger Kirche unlängst tatsächlich eine Sommerkrippe aufgestellt, ganz ohne Caspar, Melchior und Balthasar, dafür mit Personen aus Kirche, Politik und Kunst, doch die war es wohl nicht, die den waschechten Sachsen Steimle nicht nach Lohmen fahren ließ.

Ihm sollten stattdessen in diesen Tagen ganz besondere Genesungswünsche gelten, denn gejagt wird er schon länger, da er auf seiner ureigenen Sicht beharrt, doch nun soll er ganz offensichtlich medial 'erlegt' werden, wie vor drei Tagen zu lesen war: "Der MDR hat ein Problem. Es heißt Uwe Steimle."

Noch hat man sich seiner beim dortigen 'Heimatsender' nicht entledigt, wie die nach "Grenzen der Sastire rufende" Autorin Mitzkat feststellen mußte, denn, "beim Publikum ist Steimle beliebt. Der gebürtige Dresdner gilt als einer, der die Dinge beim Namen nennt, auch wenn es unbequem ist."

Ja, so sind sie, die Sachsen.

https://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/zapp/Grenzen-der-Satire-Der-MDR-und-Uwe-Steimle,steimle102.html

Monika
29. Juni 2019 07:16

Dazu passt auch der Beitrag von Thorsten Hinz in der JF
Mit Fontane raus aus der Erregungsspirale
https://jungefreiheit.de/

Lotta Vorbeck
29. Juni 2019 22:10

@H. M. Richter - 29. Juni 2019 - 07:11 AM

"Wissen Sie näheres zur Absage von Hernn Steimle in Lohmen?"

antwort kubitschek: sommerkrippe.
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Wer die, extra wegen ihm - ein paar trugen gar öffentlich die blauen, unter seinem Namen vertriebenen, mit Sinnsprüchen bedruckten Leibchen - teils von weit her in die Sächsische Schweiz gereisten Leute zwei Stunden vor Veranstaltungsbeginn, per SMS-Absage wegen 'Sommerkrippe' schnöde im Regen stehen läßt, muß sich seiner Sache entweder verdammt sicher sein, oder ist eh' nur der Hofnarr beim Mitteldoofen Rundfunk.

KlausD.
30. Juni 2019 12:47

@Monika 29. Juni 2019 07:16
„Mit Fontane raus aus der Erregungsspirale“

Apropos „Fontane“ und „raus aus der Erregungsspirale“: Fontane befand sich ja 1892 in einer akuten Lebens- bzw. Nervenkrise, aus der er schließlich herausfand, indem er den Rat seines Hausarztes befolgte und wieder zu Schreiben begann - „Meine Kinderjahre“. „Hierbei empfand der Dichter ein Glück, wie es sich ihm bei dem Versuch einer kritischen Bewältigung von Problemen der Gegenwart mit ihren tragischen Diskrepanzen nur selten erschlossen hatte. Unruhe und Seelenangst wichen.“ (aus „Fontane“ von Heinrich Reuter S. 767) Und genau diese Effekte stellen sich mMn auch heutzutage bei der Beschäftigung mit Fontane insgesamt ein.

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