Negative Pädagogik

von Heino Bosselmann -- Das will ich mal zur Debatte stellen: Besteht eine Hauptsymptomatik von Lehrern in deren latenter Infantilität?

 Gastbeitrag

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Wer sonst als die Leh­rer hät­te die Schu­le nur ver­las­sen, um zwi­schen­durch ein paar Jah­re zu stu­die­ren. Und dann zurück in die­se Kin­der­welt, wo es doch – nach Freud – eine Kul­tur­leis­tung wäre, sich davon abzu­kop­peln, anstatt wei­ter­hin ein behü­te­tes Leben in geschützt geschlos­se­nen Räu­men zu führen.

Außer­halb des Schul­ge­län­des die dra­ma­tisch beweg­te Welt, drin­nen das ewi­ge Expe­ri­ment, meist in der wohl­wol­len­den, aber trü­ge­ri­schen Illu­si­on, die Schu­le – mög­lichst ganz­tags! – bie­te das Wah­re, Gute und Schö­ne in rei­ner Gestalt, als trü­ge­ri­sches Para­dies­gärt­lein der Unver­trie­ben­heit, frei von Sün­de und noch ganz ohne Kain. Statt des gefähr­li­chen Lebens insze­nier­te Pro­jek­te, die den guten Men­schen her­aus­bil­den. Vom Baum der Erkennt­nis des Guten und Bösen wird zwar gekos­tet, aber Gel­tung hat nur das Gute.

Leh­rer ver­brin­gen Jahr­zehn­te damit, ande­ren die Welt zu erklä­ren – eine kom­mu­ni­ka­ti­ve Situa­ti­on, die außer­halb des Klas­sen­rau­mes so dreist wie pein­lich erschie­ne. Und das noch mit dem zwei­fel­haf­ten Kunst­stück, die „frei­heit­li­che Grund­ord­nung“ eben­so schlüs­sig dar­stel­len zu kön­nen wie die „Dik­ta­tur des Pro­le­ta­ri­ats“, wenn für die jewei­li­gen Aus­le­gun­gen ein Minis­te­ri­um die Recht­fer­ti­gun­gen lie­fert und das Gehalt über­weist. Typus kor­rum­pier­ter Erklärbär?

Pro­vo­kant gefragt: Ist nicht jede Schul­bil­dung in einem weit­ge­faß­ten Sin­ne wesent­lich Über­griff und „Miß­brauch“, min­des­tens gedank­li­che Pene­tra­ti­on, wenigs­tens Distanz­über­schrei­tung, indem sie im Auf­tra­ge wech­seln­der Auto­ri­tä­ten und Auf­fas­sun­gen per­ma­nent Men­schen­bil­der prägt, durch die Mani­pu­la­ti­on eines Publi­kums, das schul­pflich­tig fest­ge­setzt und zwangs­ver­ein­nahmt ist?

Wo über­haupt gibt es ver­gleich­ba­re Inter­ven­tio­nen wie in der Schu­le, die von der Welt­li­te­ra­tur hin­läng­lich als Ort ver­ord­ne­ter Lan­ge­wei­le, wenn nicht gar als übels­te Kor­rek­tur- und Krän­kungs­an­stalt doku­men­tiert ist, bevor sie seit den Sieb­zi­gern des vori­gen Jahr­hun­derts einer Art inne­rem Sozia­lis­mus mit­ten im Kapi­ta­lis­mus zuge­schla­gen wur­de? Was an der ihr eige­nen Imper­ti­nenz und den Indok­tri­na­tio­nen nichts ändert, son­dern die­se nur zeit­ge­mäß bun­ter erschei­nen läßt: Schu­le ist cool! Nie­mand glaubt das, aber alle müs­sen mit.

Wenn sich Leh­rer nach lan­gen Jah­ren im Dienst immer noch dar­über echauf­fie­ren kön­nen, wie Schü­ler, die­se Roh­wa­re der Natur, so sind (feh­len­de Haus­auf­ga­ben, blut­rüns­ti­ge Bal­ler­spie­le, Pöbe­lei­en auf Face­book), liegt das sicher an deren „Erzie­hungs­auf­trag“, aber vor allem an der nai­ven Erwar­tung, der Mensch, schon der her­an­wach­sen­de, wäre ver­nünf­tig oder – mit Goe­the – edel, hilf­reich und gut. Oder, wie in der DDR, ein „glü­hen­der Sozia­list“ oder, wie im Drit­ten Reich, ein jun­ger Natio­nal­so­zia­list oder, wie in der Bun­des­re­pu­blik, ein über­zeug­ter Demo­krat, der sich nach dem Wahl­recht mit sech­zehn oder vier­zehn sehnt, selbst­ver­ständ­lich dank poli­ti­scher Bil­dung aus­schließ­lich auf die „demo­kra­ti­schen Par­tei­en“ orientiert.

Und demo­kra­ti­sche Par­tei­en sind der­zeit alle­samt links, denn rechts zu ste­hen gilt als patho­lo­gisch. – Kon­ser­va­tiv zu den­ken gilt nur als eine gefähr­li­che Vor­form des rech­ten Den­kens. Wer sich als kon­ser­va­tiv bezeich­net, der ist längst infi­ziert. Wer von Nati­on und Hei­mat spricht, bei dem bricht rech­te Sym­pto­ma­tik schon durch, so daß er in Qua­ran­tä­ne muß.

So wie man als Kind vom „Sozia­lis­mus in der Schu­le“ hör­te, höre man jetzt von „Demo­kra­tie in der Schu­le“. Und erleb­te bei­des als frag­wür­di­ge bis gefähr­li­che, jeden­falls insze­nier­te Pro­pa­gan­dis­men. Wobei das ideo­lo­gisch Bestimm­te nicht so blut­arm wirk­te wie das von der Kul­tus­bü­ro­kra­tie über all die Initia­ti­ven und Fly­er neu­er­dings Ver­ord­ne­te. Immer­hin konn­ten DDR-Schü­ler ab sech­zehn Trak­tor oder LKW fah­ren, schrubb­ten Schich­ten in der Pro­duk­ti­on und spiel­ten nicht Coun­ter-Strike, son­dern schos­sen beim mili­tä­ri­schen Mehr­kampf Kalaschnikow-Kleinkaliber.

Nach Bewäh­rung muß­ten sie nicht lan­ge suchen. Man warf ihnen die Ver­ant­wor­tung zu wie ein Werk­zeug, das sie zu fan­gen hat­ten. Es hieß, sie wür­den gebraucht! Man müs­se sich auf sie ver­las­sen kön­nen, sie wären die sozia­lis­ti­sche Eli­te des neu­en Jahr­tau­sends. Zwar ging die Geschich­te dar­über schul­ter­zu­ckend hin­weg, aber genau die­se Grund­ver­ein­ba­rung zwi­schen den Genera­tio­nen erlosch. Denn wer­den die gera­de Her­an­wach­sen­den wirk­lich gebraucht? Über ihre Rol­le aus Kon­su­men­ten hin­aus? Sie sind sich des­sen nicht sicher, und die­ser Zwei­fel macht ihnen zu schaffen.

Lehr­kräf­te, schon phy­sisch meist zer­knit­tert, erschöp­fen sich psy­chisch an der ihnen abver­lang­ten Rol­lentäu­schung, selbst auf dem Weg zum bes­se­ren Men­schen – heu­te zum Demo­kra­ten, vor­mals zum Sozia­lis­ten oder Natio­nal­so­zia­lis­ten – bereits ziem­lich weit vor­an­ge­kom­men zu sein. Die hoch gehan­del­te Vor­bild­wir­kung strengt nicht nur an, sie kann schnell zu einer unfrei­wil­li­gen Kari­ka­tur ver­rut­schen. Wil­helm Busch und die „Feu­er­zan­gen­bow­le“ setz­ten das ein­drucks­voll ins Bild und waren dar­in schon damals rea­lis­ti­scher, als es offi­zi­el­le Stu­di­en und dau­ern­de „Eva­lu­ie­run­gen“ je sein können.

Schu­le will heut­zu­ta­ge zwar aus­schließ­lich lust- und freud­voll ver­fah­ren, aber kei­nes­falls komisch sein. Sie ist es den­noch durch­weg, auf bit­te­re Art. Viel­leicht wird es in Anleh­nung an Ador­nos Begriff der „nega­ti­ven Dia­lek­tik“ Zeit für eine „nega­ti­ve Päd­ago­gik“. Die Über­ein­stim­mung wäre sinn­fäl­lig, inso­fern der von links zu kurz­schlüs­sig ver­stan­de­ne Phi­lo­soph jenes Den­ken als nega­tiv dia­lek­tisch auf­faß­te, das sich selbst­kri­tisch gegen die Herr­schaft der Begrif­fe wen­det – mit dem Ziel, daß sich der Vor­rang des unmit­tel­bar Gege­be­nen vor den Wor­ten wie­der zei­gen kann.

Kaum ein Bereich ist der­art von irren Täu­schungs- und Trost­be­grif­fen umstellt wie die Bil­dung in Deutsch­land. Man grei­fe nur eini­ge der Mode­wör­ter her­aus – Inklu­si­on, Bin­nen­dif­fe­ren­zie­rung, Coa­ching, Metho­den­kom­pe­tenz, Ganz­tags­schu­le – , prü­fe die­se und ermes­se, was für Lebens­lü­gen oder gar wel­cher Non­sens sich hin­ter vie­len die­ser Kon­struk­ten und Euphe­mis­men verbergen.

Wenn neu­er­dings bei­spiels­wei­se der Man­gel das Zusam­men­le­gen von Klas­sen ver­schie­de­ner Alters­grup­pen ver­langt, wird das nicht etwa als Malus beschrie­ben, son­dern als Inno­va­ti­on „jahr­gangs­über­grei­fen­den Unter­richts“. Leh­rer­aus­fäl­le im natur­wis­sen­schaft­li­chen Bereich, die über Wochen nicht ver­tre­ten wer­den kön­nen, kaschiert Meck­len­burg-Vor­pom­mern mit der Sprach­re­ge­lung „selbst­ver­ant­wor­te­tes Lernen“.

Grund­sätz­lich müß­te eine „nega­ti­ve Päd­ago­gik“ bereit sein, den Men­schen ein­mal nicht aus­schließ­lich als aller Mög­lich­kei­ten voll und per se als Talent anzu­se­hen, nur weil er auf die Welt und zwangs­läu­fig in die Schu­le gekom­men ist, son­dern ihn durch­aus mit pes­si­mis­ti­schem Lebens­ernst und gera­de des­we­gen wohl­wol­lend in sei­nen Gren­zen betrach­ten, und zwar die Leh­rer wie ihre Schü­ler. Dies ent­spann­te nicht nur die ange­streng­te Situa­ti­on des auf­dring­li­chen Dau­er­lä­chelns, son­dern lie­ße kla­rer erken­nen, was Schu­le kann und wovon sie lie­ber las­sen sollte.

Vor allem: Weni­ger ver­spre­chen, dafür an ech­ten Befä­hi­gun­gen viel mehr bie­ten. Die geschmäh­te Schu­le des Kai­ser­rei­ches ver­stand sich dar­auf, die gan­ze Nati­on zu alpha­be­ti­sie­ren. Selbst der Land­ar­bei­ter konn­te lesen und schrei­ben, im Ver­gleich zum heu­ti­gen Durch­schnitt sogar qua­li­fi­ziert. So viel „funk­tio­na­ler Alpha­be­tis­mus“ wie in der „Bil­dungs­re­pu­blik Deutsch­land“ war nie! Was für ein Kulturverlust!

Bei­spiel: Weil das Leben weit mehr ist als sein Vehi­kel, die Wirt­schaft, könn­te man wie­der dar­auf kom­men, streit­ba­re Per­sön­lich­kei­ten zu bil­den, kraft­voll in der Wei­se, daß sie sich zu posi­tio­nie­ren ver­ste­hen und ihnen Urteils- über Markt­fä­hig­keit, Hal­tung über Geschwätz und Wis­sen über simp­len Prag­ma­tis­mus geht. Abge­se­hen vom kul­tus­mi­nis­te­ri­el­len Gedöns wäre die­ser Anspruch vor allem von einer Grund­be­din­gung abhän­gig: Die Leh­rer müß­ten selbst Per­sön­lich­kei­ten sein.

Waren sie das je? Durf­ten sie es? Mit­un­ter kön­nen Päd­ago­gen zwar von ver­meint­lich groß­ar­ti­gen Metho­den erzäh­len, wis­sen aber in den Klas­sen­räu­men nicht mal eine kom­mu­ni­ka­ti­ve Situa­ti­on her­zu­stel­len oder die Rele­vanz ihrer Unter­richts­the­men so geschickt nach­zu­wei­sen, daß ihre Schü­ler auf­ge­schlos­sen mitziehen.

Immer­hin: Fast jeder, der durch die Schu­le ging, kennt cha­rak­ter­vol­le Leh­rer, die – im Gegen­satz zu den faden Pflicht­er­fül­lern und ängst­li­chen Anpas­sern – Schü­ler zu inspi­rie­ren und ihnen Fens­ter auf­zu­sto­ßen ver­stan­den. Glück­li­cher­wei­se, denn sie haben uns geprägt, man­chen gar ent­schei­den­der als die Eltern. Kon­for­mis­ten waren sol­che ech­ten Päd­ago­gen nie, und Kar­rie­re im Sys­tem inter­es­sier­te sie wenig. Sie waren von ihren Fächern und Gegen­stän­den selbst begeis­tert und setz­ten auf das, was zuneh­mend ver­pönt ist, ja fast schon als bil­dungs­re­ak­tio­när gilt, näm­lich auf Inhal­te und auf den Erwerb anwen­dungs­be­rei­ter Fähig­kei­ten. Sie waren fair auch in der Wei­se, daß sie man­chem rie­ten: Schu­le und Stu­di­um ist nicht dei­ne Sache, aber versuch’s mit einem guten Hand­werk. Oder in der Kunst! Aber jeman­den aufs ehren­wert Prak­ti­sche zu ori­en­tie­ren galt lan­ge als Nega­tiv­aus­le­se, als dis­kri­mi­nie­ren­de Selektion.

Ein all­zu posi­ti­ves Men­schen­bild kann – ganz ent­ge­gen sei­ner ver­meint­li­chen Absicht – früh zu einer Mißer­folgs­kon­di­tio­nie­rung füh­ren, indem sich all­zu vie­le der als abitura­bel Dekla­rier­ten trotz stän­dig redu­zier­ter Anfor­de­run­gen immer noch über­for­dert sehen. Schon das Wort und den tra­di­tio­nel­len Anspruch „Gym­na­si­um“ ver­ste­hen die meis­ten gar nicht.

Von einer dazu erfor­der­ten Ein­stel­lung ganz zu schwei­gen. Über­haupt gehört das gegen­wär­ti­ge Gym­na­si­um selbst zu jenen Begrif­fen, die ledig­lich noch vor­täu­schen, was einst Bil­dungs­rea­li­tät war. Ein trau­ri­ger Eti­ket­ten­schwin­del, der nicht nur ver­spricht, was er nicht hal­ten kann, son­dern gar nicht mal mehr weiß, was er sagen will.

Die von der Schu­le an Schü­lern ver­ur­sach­ten schmerz­lich ambi­va­len­ten Über­sprei­zun­gen zwi­schen ego­zen­tri­schen All­machts­phan­ta­sien und tie­fer Ver­un­si­che­rung, zwi­schen Akze­le­ra­ti­ons­se­xis­mus und neu­ro­ti­scher Ver­klemmt­heit, zwi­schen nar­ziß­ti­schem Gel­tungs­drang und man­geln­der Erpro­bung und Bewäh­rung sind durch die bereits zwei, drei Genera­tio­nen prä­gen­den „Refor­men“ der „Erzie­hungs­wis­sen­schaft“ und „Bil­dungs­for­schung“ immer wei­ter­ge­trie­ben worden.

Hin­zu kommt das gesam­te Spek­trum psy­chi­scher und psy­cho­so­ma­ti­scher Kran­ke­heits­bil­der bei jenen, die erschöpft sind, weil sie trotz oder gera­de durch Dau­er­för­de­rung und Dau­er­be­treu­ung mit Anfor­de­run­gen gestreßt wer­den, die sie nicht erfül­len kön­nen. Indem fer­ner die Zer­ti­fi­ka­te infla­tio­niert und mit Zeug­nis­sen unge­deck­te Schecks aus­ge­stellt wer­den, macht man der Gefällt-mir-Genera­ti­on des Leit­me­di­ums Face­book zwar kurz­fris­tig Kom­pli­men­te, läßt sie lang­fris­tig aber mit der Hypo­thek im Stich, schmerz­lich erfah­ren zu müs­sen, wie­viel Kom­pe­tenz zum Leben und Arbei­ten selbst bei hoch­ge­rech­ne­ten Schnit­ten fehlt.

Ein Sys­tem, das nicht mehr qua­li­fi­zie­ren will, quan­ti­fi­ziert dafür um so mehr. Aller Schul­streß geht auf Quan­ti­fi­zie­run­gen zurück und eben nicht auf qua­li­ta­ti­ve Ansprü­che. Es ist allein der Streß der Klau­sur­plä­ne und Schnit­te, nicht aber der inhalt­li­chen Herausforderungen.

So, wie der­zeit beno­tet wird, deu­tet ein Zwei­e­r­ab­itur auf Limi­tie­run­gen und man­geln­de intel­lek­tu­el­le Belast­bar­keit, eines mit Drei aber schon auf kogni­ti­ve und sprach­li­che Defi­zi­te hin. Konn­te man vor drei­ßig Jah­re mit einer befrie­di­gen­den Rei­fe­prü­fun­gen noch alles stu­die­ren, dürf­te einem damit heu­te bereits die Lek­tü­re des Feuil­le­tons oder der Wirt­schafts­sei­ten schwer­fal­len, abge­se­hen davon, daß die kaum mehr ein Durch­schnitts­ab­itu­ri­ent liest. Die Welt wird ihnen von Power-Point-Stich­punk­ten und You­tube-Clips erklärt.

Daß ein direk­ter bil­dungs­po­li­ti­scher Zusam­men­hang besteht zwi­schen der wach­sen­den Über­zahl an Abitu­ri­en­ten und all­zu weni­gen Absol­ven­ten in Natur­wis­sen­schafts- und Inge­nieur­fä­chern des MINT-Bereichs, ging der Poli­tik noch gar nicht auf. Wenn sie ihre Ziel­stel­lun­gen for­mu­liert, so um sich selbst zu beru­hi­gen oder aus rein prak­ti­schem Kal­kül, etwa der Kurz­schluß­lo­gik fol­gend, daß, wenn Abitu­ri­en­ten bes­ser „in Jobs zu brin­gen“ sind, eben flott mehr davon her­müs­sen, und zwar am bequems­ten über recht­lich garan­tier­te Ansprüche.

Daß jeder krea­tiv, also schöp­fe­risch wäre, nur weil er in einem „Kom­pe­tenz­trai­ning“ blo­ßen Machens irgend­was tut, und daß ihm dank eines Abwah­len und Resul­tats­op­ti­mie­rung sichern­den Regu­la­ri­ums bei­na­he über­all ein Zeug­nis aus­ge­druckt wird, das frü­her mal Rei­fe­zeug­nis hieß, sind unlau­te­re Ver­hei­ßun­gen. – Mehr Redlichkeit!

Es kann schon heu­te nur der Leh­rer min­des­tens vor sich selbst bestehen, der bereit ist, in Wahr­neh­mung sei­ner Ver­ant­wor­tung bewußt gegen gän­gi­ge „Richt­li­ni­en“ zu arbei­ten, denen der päd­ago­gi­sche, also anthro­po­lo­gi­sche Unfug seit vier­zig Jah­ren folgt, aus­staf­fiert wie in Ander­sons Mär­chen von des Kai­sers neu­en Klei­dern, des­sen Schnei­der in die­sem Fall jene Exper­ten sind, denen die Welt ledig­lich ein Wunsch­bild ist, zu dem alle nur noch „erzo­gen“ wer­den müssen.

Mut dazu, inner­halb die­ser Far­ce kon­se­quent eige­ne Wege zu gehen, etwa auf Inhal­te und die Aus­bil­dung ech­ter kogni­ti­ver, sprach­li­cher und prak­tisch „poly­tech­ni­scher“ Fähig­kei­ten zu set­zen, muß nicht hero­isch sein. Es reicht dazu die auf­merk­sa­me Prü­fung der Zie­le völ­lig aus, denn eine „Schul­auf­sicht“ exis­tiert nur in bezug auf rei­ne Formalien.

Sie prüft, ob alle Spal­ten aus­ge­füllt sind und an deren Ende ein Signum steht. Und sie ist müde, sehr müde, so müde wie das Sys­tem selbst, so müde wie die Kol­le­gen in den Leh­rer­zim­mern, die erschöpft aus ihren Stun­den kom­men und Kaf­fee brau­chen, anstatt für eine geis­ti­ge und men­ta­le Selbster­fri­schung zu sor­gen, die wirk­sa­mer wäre, die aber, wie stets, einer Revi­si­on des eige­nen Stand­orts bedürfte.

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Kommentare (42)

Monika

1. Juli 2019 11:42

Schade, ich hätte im Strang „Der Islam und die Rechte“ gerne noch A. Kovacs, nom de guerre, Michael B. und Juergen geantwortet. Aber der Kommentarberich ist leider schon geschlossen.
☹️🙁🙁
Kositza: Ja. Das Thema "Beschneidung" nahm komischerweise überhand...

Niekisch

1. Juli 2019 11:51

"so müde wie die Kollegen"....wenn sie die anstrengenden Studien- und Bußfahrten nach Majdanek und Treblinka hinter sich gebracht haben und die traumatisierten Schülerinnen und Schüler ohne psychiatrisch-fachliche Begleitung beruhigen müssen.

Lotta Vorbeck

1. Juli 2019 12:26

@Heino Bosselmann: "Vor allem: Weniger versprechen, dafür an echten Befähigungen viel mehr bieten. Die geschmähte Schule des Kaiserreiches verstand sich darauf, die ganze Nation zu alphabetisieren. Selbst der Landarbeiter konnte lesen und schreiben, im Vergleich zum heutigen Durchschnitt sogar qualifiziert. So viel „funktionaler Alphabetismus“ wie in der „Bildungsrepublik Deutschland“ war nie! Was für ein Kulturverlust!"

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Die deutschen U-Boot-Kommandanten des WK2 gehörten allesamt zur Alterskohorte der 30- bis 35jährigen.

Neben dem Besuch "der geschmähten Schule des Kaiserreiches" [Bosselmann] hatten viele von ihnen als Schüler in der elterlichen Landwirtschaft oder im Handwerksbetrieb der Eltern mithelfen müssen. Sodann erlernten sie (nicht alle) einen Beruf, bevor sie in die Kriegsmarine eintraten. In den Bildungsanstalten der Kriegsmarine qualifizierten sie sich binnen weniger Jahre weiter, erwarben Ingenieurs-, Offiziers- und Käpitänspatente.

Wenn sie, verantwortlich für 60 bis 80 Mann Besatzung mit einer millionen Reichsmark teuren, tauchfähigen Kampfmaschine in See stachen, waren diese jungen Männer zugleich in maritim-nautischer, seemännischer, technischer, miltärisch-strategisch-taktischer Hinsicht, sowie in Sachen Menschenführung bestens qualifizierte Offiziere.

Hohles Wortgeklingel von "lebenslangem Lernen", "Lernen nach Neigung", "Schreiben nach Gehör", "inclusivem Unterricht", "Ausbildung von Kompetenzen", jahrzehntelangen "Selbstfindungs- und Orientierungsphasen" war damals völlig unbekannt.

Man vergleiche die einstigen U-Boot-Asse mit heutigen, infantil gebliebenen, lebensuntüchtig-hyperaktiven, häufig grotesk adipösen, zerpiercten und zutätowierten BRD-Dreißigjährigen ...

Maiordomus

1. Juli 2019 12:59

Unter den neueren wenigen wirklich bedeutenden Werken der deutschen Literatur thematisiert das Meisterwerk "Schilten - Schulbericht an die Inspektorenkonferenz" von Hermann Burger wie wenige Werke der deutschen Literatur den Gegensatz von Schule und Leben und zumal die Thematik des Lehrers, der im Grunde genommen, von seiner Ausbildungszeit abgesehen, nie aus der Schule herausgekommen ist. Am depressivsten fühlt sich der Lehrer bei Schulschluss, wie er sieht, dass die Schüler freudvoll aus dem Schulhaus rauseilen, wohingegen er "lebenslänglich" drin stecken bleibt, immerhin als leidenschaftlicher Professioneller, was heute, wo viele Lehrkräfte teilzeitbeschäftigt sind, kaum mehr der Fall ist, zumal Lehrpläne und vieles andere in der neueren Bildungsbürokratie kaum mehr anziehend wirken auf den genialischen Schulmeister, den es immer wieder mal gegeben hat. Blickt man auf die ganz grosse deutsche Bildungsgeschichte zurück, bleibt klar, dass zwar zum Beispiel das humanistische Gymnasium, das es heute nur noch ganz ausnahmsweise gibt, mal seine grosse Zeit hatte, dass jedoch die genialsten Vertreter der deutschen Bildung Privatunterricht genossen, zumal die ganz grossen Mathematiker etwa mit Namen Bernoulli und Euler, natürlich auch Goethe, im Musikbereich Bach und Mozart, so wie andererseits etwa Hölderlin, Hegel und andere als "Hofmeister", Privatlehrer, tätig waren, so Hölderlin in der Schweiz als Mädchenerzieher in Hauptwil im Kanton Thurgau. Auch die bis heute vielleicht gebildetste deutsche Frau, zumindest unsere grösste Dichterin, Annette von Droste-Hülshoff, war ein Produkt von Privatunterricht. Andererseits gab es im Deutschland des 19. Jahrhunderts noch absolute Eliteschulen wie Porta, dessen berühmtestes Produkt Friedrich Nietzsche geworden ist.

Noch zur Schulbildung der beiden wohl genialsten Physiker Deutschlands: Johannes Kepler war in der Tat das Produkt einer Stiftsschule, es gibt aber sehr zu denken, dass er trotz früher Hochbegabung im Baccalaureat nur den 32. Rang von 52 Schülern einnahm, was er selber als grosse Unrechtserfahrung registrierte. Die Maximalnote gab und gibt es bekanntlich oftmals dann, wenn man die vorgefertigten Antworten auf schon vorher festgelegte Probleme korrekt wiedergibt, auch politisch korrekt, was dann zu einem Fall wie Kepler führen kann. Andererseits muss das Märchen vom schlechten Schüler Albert Einstein zurückgewiesen wurde. Er war vielmehr an einer der besten Eliteschulen der früheren Schweiz, der 1802 gegründeten Kantonsschule Aarau, in mehreren Fächern unvordenkliche Spitze, verfügte jedoch über einen grossen Rückstand im Französischen zu einer Zeit, da Fächer nicht bloss nicht abgewählt werden konnten, sondern durchwegs mit genügender Note zur Bewältigung des Abiturs geleistet werden mussten. Zumal hat Einstein mit 16 Jahren mit Recht die Aufnahmeprüfung an die Eidg. Technische Hochschule nicht bestanden, weil dieselbe über Fachwissen eben auch sprachliche Fähigkeiten prüfte, die Einstein in modernen Fremdsprachen als Jugendlicher noch nicht erbrachte, so wie sein Französisch und auch sein Englisch noch zu wünschen übrig liess, im Gegensatz etwa zu Kepler, der mit 10 Jahren schon lateinisch schreiben konnte. Derzeit steht zumal an den Höheren Schulen nicht mehr Leistung im Vordergrund, sondern diskriminierungsfreie sog. Chancengleichheit mit maximaler Einfühlungsfähigkeit ins System, auch mit Betonung von sog. Fertigkeiten im Gegensatz zu den reinen Bestätigungen des intellektuellen Formates, das auch in den heutigen Lehrkörpern noch weniger im Vordergrund steht als dies schon immer der Fall gewesen war, wiewohl eines noch festzuhalten bleibt: Der Beruf der Lehrerin und/oder des Lehrers war in früheren Generationen zumal auf dem Lande vielfach die einzige Möglichkeit für noch begabte Junge, ein einfaches Studium zu machen, was letztlich für die Ausübenden dieses Berufes eine doch eher überdurchschnittliche Intelligenz generierte. Noch typisch für heute ist die Umstrittenheit der mathematischen Fächer, weil diese nach der weitgehenden Eliminierung der alten Sprachen heute fast allein noch echt selektionierend wirken, was natürlich einen "Diskriminierungsfaktor" mit sich bringt.

Leo

1. Juli 2019 13:12

Ein echter Bosselmann: Der Lehrer denkt nach, über Schule - und das selbst in den Ferien! (Aber wegen dieses quasi unerschöpfbaren Themenfeldes habe ich ihn schon vor x Jahren auf sezession.de schätzengelernt..)

Die Hauptsymptomatik von Lehrern besteht zumindest darin, in einem zutiefst künstlichen Feld zu arbeiten. "Who can, does. Who cannot, teaches" heißt es nicht ohne Grund auch bei unseren angelsächsischen Nachbarn, diesbezüglich. Eine gewisse Lebensuntauglichkeit prädestiniert heute noch, mehr als vor Jahrzehnten, dazu, Lehrer werden zu wollen und dies - einmal erreicht, auch ein Leben lang zu bleiben (Beamtenstatus hin oder her; Im mittlerwile "grünen" Berlin seit Rot-Rot, also nun fast fünfzehn Jahren, vollkommen irrelevant).

Im vor dreißig Jahren langsam abscheidendem "Vormundschaftlichen Staat" (R. Henrich) lag die Künstlichkeit dieser Lebens- und Wirkungswelt auf der Hand. "Lehrer sein" war, frei nach Hans-Joachim Maaz, mehr Diagnose als Beruf - damals hinterm Mond in der DaDaeR... Und nun ersteht er wieder, nur anders, dieser "Demokratie-in-der-Schule-Staat".

Und dennoch: Ein Schüler benötigt auch heute Lehrer als Persönlichkeiten, an denen er sich abarbeiten kann und muß, der (wie auch immer) Wissen vermittelt und nicht bloß Kompetenzen. Und es gibt diese auch. Aber, natürlich, wie auch früher, nicht in Massen-Fertigung, nur als Solitäre, Findlinge. Ist er, der Lehrer, doch selbst ein Produkt, kommend aus einer Fertigungsstrecke, über deren Eingang steht: "Unwissende! / Damit ihr unwissend bleibt / werden wir euch / schulen." [Na - von wem?!]

Laurenz

1. Juli 2019 13:40

Sehr geehrter Herr Bosselmann, darf ich Sie fragen, woher Sie alles das wissen, was Sie im Artikel geschrieben haben? Haben Sie denn eigene Kinder, die Ihnen zur Erkenntnis gereichen?
Ich höre in Medienbeiträgen und von mir bekannten Pädagogen meist nur, daß Lehrer und Kindergärtnerinnen die Erziehung, welche eigentlich von den Eltern zu übernehmen wäre, heutzutage leisten müssen. Das schlaucht.

Gegen das Lehrsystem im Kaiserreich möchte ich nichts einwenden. Aber gegen das Schulsystem. Immerhin kostete Schule ab Mittlerer Reife Geld und das wurde erst am Ende der 50er abgeschafft. Hier handelte es eine Besitzstandswahrung der Oberschicht, die man heute noch an den Voraussetzungen der Beamtenkarriere erkennen kann, eine eklatante Mißachtung des Leistungsprinzips.
Im Grunde sollten wir dafür eintreten, die Haupt- und Realschule abzuschaffen. Auch einem Handwerker schadet es nicht, wenn er Fachabi machen muß.

Noch ein Hesse

1. Juli 2019 13:43

Lieber Herr Bosselmann,
Ihre Eingangsfrage würde ich, jedenfalls für heutige Junglehrer, einfach mal mit einem pauschalen "Ja!" beantworten. Vor allem möchte ich aber zwei Gegenfragen stellen: a) Was genau ist Akzelerationssexismus? (Sorry, hessisches Abitur 1996, war wohl auch schon nicht mehr das Wahre...) b) Sind Sie selbst Lehrer?

Gustav Grambauer

1. Juli 2019 14:19

Everybody screamed when I kissed the teacher
And they must have thought they dreamed when I kissed the teacher
All my friends at school
They had never seen the teacher blush, he looked like a fool
Nearly petrified 'cause he was taken by surprise
When I kissed the teacher
Couldn't quite believe his eyes, when I kissed the teacher
My whole class went wild
As I held my breath, the world stood still, but then he just smiled
I was in the seventh heaven when I kissed the teacher
One of these days
Gonna tell him I dream of him every night
One of these days
Gonna show him I care, gonna teach him a lesson alright
I was in a trance when I kissed the teacher
Suddenly I took the chance when I kissed the teacher
Leaning over me, he was trying to explain the laws of geometry
And I couldn't help it, I just had to kiss the teacher
One of these days
Gonna tell him I dream of him every night
One of these days
Gonna show him I care, gonna teach him a lesson alright
What a crazy day, when I kissed the teacher
All my sense had flown away when I kissed the teacher
My whole class went wild
As I held my breath, the world stood still, but then he just smiled
I was in the seventh heaven when I kissed the teacher
(I want to hug, hug, hug him)
When I kissed the teacher
(I want to hug, hug him)
When I kissed the teacher
(I want to hug, hug, hug him)
When I kissed the teacher
(I want to hug, hug him)
When I kissed the teacher
(I want to hug, hug, hug him)

https://www.youtube.com/watch?v=BWnKGYnuE8o

- G. G.

Lotta Vorbeck

1. Juli 2019 14:28

@Noch ein Hesse - 1. Juli 2019 - 01:43 PM

b) Sind Sie selbst Lehrer?

****************************

Ja, Bosselmann ist Lehrer.

quarz

1. Juli 2019 14:28

"Ein System, das nicht mehr qualifizieren will, quantifiziert dafür um so mehr. Aller Schulstreß geht auf Quantifizierungen zurück ... "

"Daß ein direkter bildungspolitischer Zusammenhang besteht zwischen der wachsenden Überzahl an Abiturienten und allzu wenigen Absolventen in Naturwissenschafts- und Ingenieurfächern des MINT-Bereichs, ging der Politik noch gar nicht auf."

Mit einem Madigmachen der Quantifizierung steigern wir die MINT-Quoten sicher nicht. Sinnvoller wäre doch eine Erziehung zu größerer Stressresistenz.

Anthropofugaler Wanderer

1. Juli 2019 16:50

@Noch ein Hesse
1. Juli 2019 13:43

Es wird sich bezüglich a) um die verpflichtende Frühsexualisierung handeln, die absolut jedes Kind vom Kindergarten bis zur Schule über sich ergehen lassen muss. Diese seelische Vergewaltigung wird damit noch mehr psychisch geschädigt Existenzen generieren als sie sich bereits in der Gegenwart befinden.

Kositza: Ich denke, mit "Akzelerationssexismus" ist gemeint, daß die Grenzen, was als "sexistisch" zu gelten hat, immer enger gespannt werden. Mit der "Frühsexualisierung" ist es übrigens seltsam: Fraglos bin auch ich gg. eine solche. Nur: "absolut jedes Kind vom Kiga bis zu Schule" stimmt schon mal nicht. Meine Kinder wurden allesamt n i c h t mit sowas konfrontiert. Einmal habe ich verhindert, daß eine Tochter bei einer "Theaterfahrt" zu einem entsprechenden Grips-Theaterstück mitfährt. Aber außer diesem Einzelffal gab es von Kiga bis Schule nie eine frühsex. Indoktrination.
Bin gespannt, was Bosselmann antwortet.

Gustav Grambauer

1. Juli 2019 17:48

In der DDR gab es die Vorgaben der sogenannten Unterrichtshilfen für jede einzelne Unterrichtsstunde, mit der die Mein-Gott-ist-Margot-Lehrer an der ganz kurzen Hundeleine gehalten werden sollten. (Böses Karma des Gesamtkunstwerks Stalin: jederman konnte diese Bücher für hochsubventionierte - nach meiner Erinnerung - 1,50 Mark in jeder beliebigen Buchhandlung kaufen, habe alle besessen und war somit nicht nur im Besitz aller Lösungen aller Aufgaben, womit ich meine Zeit für Hausarbeiten auf ein Mini-Minimum reduzieren konnte, war sogar über die Schwerpunkte der Didaktik bestens im Bilde und konnte manchen Lehrer, der mir blöd kam, damit vor mir hertreiben. So war`s sicher nicht gedacht!) Wich ein Lehrer auch nur um eine einzige Urterrichtsstunde von diesen Vorgaben ab, riskierte er bereits einen disziplinarischen Vermerk in der Kaderakte, "Plansoll" wie in Industrie und Landwirtschaft, Ausdruck der Polytechnischen Doktrin.

Wir hatten aber eine Literaturlehrerin, die den Mut hatte, den gesamten unsäglichen Jahreskanon innerhalb von drei (!) Monaten mit uns durchzurasseln, unter Wegfall ganzer Welten der proletarisch-revolutionären Literatur und begleitet von Spitzen und bösesten Anekdoten über Fürnberg, Kahlau, Bredel, Kurella, Abusch & Co. - um dann ein dreiviertel Jahr Zeit für die Dinge zu haben, die sie für wichtig hielt. Dazu gehörte, daß jeder von uns einmal vom Lehrertisch aus, sie saß dann abseits auf einem einfachen Stuhl, eine Diskussion vor der Klasse zu einem frei gewählten und nicht vorab zensierten Thema initiieren und leiten mußte. Weiterhin haben wir bei ihr ausgiebig die kulturmarxistisch-subversive DDR-Literatur von Christoph Hein über Christa Wolf bis Heiner Müller sowie z. B. James Krüss gelesen. Kamen "Hospitatoren" vom Rat des Stadtbezirks oder vom Magistrat Abt. Volksbildung hat sie schnell und kurz auf Dienst nach Vorschrift umgeschaltet. Sie hat gesehen, um was für eine pathologische (nochmal:)

https://www.amazon.de/Leninplatz-Mark-Scheppert/product-reviews/3752804793/ref=cm_cr_dp_d_hist_1?ie=UTF8&filterByStar=one_star&reviewerType=all_reviews#reviews-filter-bar

Schule bzw. Schulklasse es sich handelte und hat mit ihren Mitteln der Provokation heilend eingegriffen. Das interessante Phänomen war, daß sie und ihr Unterricht allgemein nicht beliebt waren. Viele konnten mit ihrem Angebot der Freiheit nichts anfangen, es haben sich z. B. kaum je Freiwillige für die Diskussionen gefunden, in deren Verlauf auch viele das Maul gar nicht aufkriegten. Diejenigen mit der sonst am größten aufgerissenen Fresse schrumpften bei ihr zu Zwergen, zumal sie niemandem die üblichen opportunistischen Phrasen durchgehen ließ. Ihre Autorität der Kompromißlosigkeit, Strenge und Schärfe war wohl auch der Grund, warum es - soweit ich es bemerken konnte - niemand gewagt hat, sie zu verpetzen, obwohl es von SSD-Schüler-Zuträgern

https://www.kiwi-verlag.de/buch/vater-mutter-stasi/978-3-462-04723-3/

gewimmelt haben dürfte, jedenfalls gab es keine erkennbaren Maßregelungen. Frau Kü. wurde 1989 mit der politischen Säuberung der Schule Direktorin.

- G. G.
Im Ausdruck der Dankbarkeit

Caroline Sommerfeld

1. Juli 2019 19:28

Ich kenne eine ehemalige Schülerin von Ihnen - mindestens ein Fenster haben Sie also aufgestoßen!
Die drangvolle Lage der Schüler zwischen Einbettung (Hyperfürsorglichkeit, auch in der Schule, keiner darf mehr rausgeschmissen, angefaßt oder allein irgendwo hingeschickt werden) und Einspannung für eine wirtschaftshörige Schule, die "Leistungsträger" am Schnürchen produzieren will, also Bulimielernen als Kollateralschaden anrichtet, habe ich in "Wir erziehen" beschrieben - und auf "Arbeiten" als Gegenprogramm hingewiesen. Die Reformpädagogik hat uns da einiges vorexerziert, das allerdings heute so gut wie komplett korrumpiert ist, genau so wie Sie, verehrter Herr Bosselmann, es beschreiben.

Skaansdirmo

1. Juli 2019 19:42

Jaja, selbstverständlich ist jeder Unterricht ein Übergriff; wie sich "belehren" auf "versehren" reimt. Na und? Das ist abgedroschen.

Schon die Berufswahl Lehrer ist doch bei etlichen das Ergebnis eines mißglückten Starts in das Leben: Ich studiere mein Lieblingsfach, und mit irgendwas muß ich ja auch noch Geld verdienen. Und Leistungsdruck möchte ich im Beruf eigentlich auch nicht so gerne haben, also gehe ich zu den Kindern. Man kann diesen Typ sehr leicht identifizieren; u. a. weil die Kommunikation mit den Eltern eine Katastrophe ist.

Beispiel aus dem Leben: Ich schreibe der Klassenlehrerin: Mein Sohn will sich dann und dann widerrechtlich vom Schulgelände entfernen und zur Freitags-Demo, bitte verhindern Sie das. Bekomme ich zur Antwort: Der Schulleiter hätte gesagt, da könne man nichts machen, denn die Schule dürfe ja keine Gewalt anwenden.

Nicht zu fassen, daß solche Leute studiert haben. Für Jura hat es wohl nicht gereicht, aber das Bedürfnis, sich irgendwo dranzuhängen, ist Kennzeichen und Aushängeschild.

Aber mir fällt auch nichts besseres ein. Es braucht halt Lehrer. Irgendjemand muß den Job ja machen. Das Problem ist die verruchte Ganztagsschule, die die Kinder daran hindert, Erfahrungen im richtigen Leben zu machen, in Vereinen oder Jugendbünden.

Ellen Kositza

1. Juli 2019 19:57

@skaansdirmo

Wie bitte? Sie wollen Ihren Erziehungsauftrag an den Lehrer delegieren? Haben Sie denn keinen Einfluß auf Ihren Sohn?
Liebe Güte!

Skaansdirmo

1. Juli 2019 20:14

Liebe Ellen,
die Geschichte geht ja noch weiter. Um nun sicherzustellen, daß die Schüler in der Schule bleiben, anstatt heimlich zu gehen, habe ich das Schulgebäude betreten und mich mit einem selbstgemalten Pappschild "Parents for Education"vor den Klassenraum gestellt. Mehr Einsatz kann man nun wirklich nicht zeigen. Erst bildete sich eine Traube von Schülern. Nach 10 Minuten kam der Rektor. Und dann kam die Polizei. Jetzt habe ich Hausverbot in der Schule, und mein Chef hat mich wegen Selbstbeurlaubung abgemahnt, weil ich auf Arbeit so kurzfristig keinen Urlaub mehr bekommen habe. Dabei bin ich der einzige in diesem Narrenspiel, der seiner Verantwortung wirklich gerecht geworden ist.

RMH

1. Juli 2019 20:50

"Kositza: Ja. Das Thema "Beschneidung" nahm komischerweise überhand..."

Sorry, meinen Beitrag dazu hätten Sie gerne beschneiden dürfen (kleiner Witz) bzw. gar nicht frei schalten müssen - hatte mich angesichts der erstaunlichen Theorie nur zu noch erstaunlicheren Theorien hinreißen lassen.

DonFrederico

1. Juli 2019 20:51

Das heutige Berufsbild des Lehrers ist wohl nicht vergleichbar mit dem von vor fünfzig oder gar hundert Jahren. Ich will nicht polemisieren, aber mit den 68zigern musste dieser Beruf einiges an Respekt einbüßen, wie auch die Professoren und viele andere akademische Berufszweige. Gerade in heutiger Zeit ist er nur noch eine Verlegenheitsdiagnose in der Berufswahl verzweifelter junger Leute, die gerne irgendwie im unteren Mittelmaß mitschwimmend etwas aus ihrem Leben machen wollen. Selbst wenn sich diese jungen völlig unmotivierten Lehrkörper irgendwann mit ihrer Berufswahl identifizieren würden, so fehlt doch in der heutigen Zeit der Anstand und der Respekt! Es fängt in der Schule an, geht über die Schwimmbäder (Bademeister ) und hört wohl irgendwo bei der Polizei auf, wenn ein Hochzeitskorso nach dem anderen über Autobahnen tuckert oder im Görlitzer Park gedealt wird - egal ob es die "jungen Männer" sind oder die schwarzvermummten Wohlstandskinder, die ihre linken Triebe ausleben wollen. Bedauerlich ist der Lehrer an sich, da er am Anfang dieser Kette steht und wie auch die Polizei ohne jegliche Mittel ausgestattet ist um sich Respekt zu verschaffen. Tut er es dennoch, so hat er sein Amt wohl bald verwirkt und nicht nur die Eltern, sondern auch die Schulleitung auf den Fersen.

Schule an sich setzt heute wie damals die ersten Traumata des Lebens: Fehlerhaftigkeit, Unvermögen, Verzweiflung, Zurückweisung...die Reihe lässt sich beliebig fortführen, jeder findet wohl etwas. Mein Großvater, 92 Jahre alt, wacht noch heute nachts auf, weil er träumt, er würde im Abitur sitzen und hat die Aufgaben vergessen. Der Lehrer damals war wie der Arzt und der Pfarrer eine Institution. Wie Herr Bosselmann eben schon schreibt, Kinder sind nicht per se gut. Im Gegenteil, denke man an die Feuerzangenbowle wie Brett sagt: "Man muss einen jungen Baum wie einen Menschen anbinden, damit sie schön und gerade emporwachsen". Das war einmal - auch wenn frühere Züchtigungsmethoden sicherlich stark körperlich waren, so ist aus dieser Generation etwas geworden. Ihr ist Verantwortung zu Teil geworden. Heute sind wir bunt, politisch korrekt, hypermoralisch, inkludiert, queer, genderneutral und vor allem völlig ideenlos. Die jungen Bäume werden nicht mehr gebunden, sondern ihrem Wildwuchs überlassen, jeder verkrüppelter und geiler als der nächste.

Meine Generation wurde von 1968zigern Biolehrern geprägt, die am liebsten den Unterricht mit Softpornofilmen aus den Siebzigern garnierten, uns Schulbücher von 1978 abschreiben liessen (wir hatten da schon 1990) oder in Philosophie über Themen schwadronierten wie: Sterben Äpfel auch.
Neben dem Aspekt, dass ich vor diesen Leuten auch keinen Respekt empfinden konnte, weil sie diesen selbst nicht mehr für sich empfanden, kann ich Heino Bosselmanns Frage nur bejahen und das, obwohl in der beiden Großelternpaaren jeweils Lehrer hatte, die diesen Beruf mit Leib und Seele ausübten.
Heute denken viele, die den Beruf ausüben oder ausüben wollen, sie müssen auf das Niveau der Kindern zurück und in dieser latenten Infantilität einen pädagogischen Wer sehen. Sie verkennen dabei, dass Kinder und Jugendliche zu jemanden aufschauen wollen und sich nach oben orientieren - nicht nach unten. Nehme man noch mal den Lehrer Brett aus der Feuerzangenbowle: Er steht über den Schülern und will, dass die Kinder ihn verstehen - nicht andersherum.

zeitschnur

1. Juli 2019 20:58

"Sie waren von ihren Fächern und Gegenständen selbst begeistert und setzten auf das, was zunehmend verpönt ist, ja fast schon als bildungsreaktionär gilt, nämlich auf Inhalte und auf den Erwerb anwendungsbereiter Fähigkeiten."

Weiß immer nicht, ob man so etwas wie Pädagogik wirklich braucht. Dass einer, der schon in einem Bereich Fuß gefasst hat und Werke hervorbringt, in aller Regel — sofern er Geduld hat und Menschenliebe — auch sein Können und Wissen weiterzugeben weiß, sollte man annehmen. Das alte System lautete: ein Meister seines Faches ist der beste Lehrer — nicht der Fachdidaktiker, den es erst seit wenigen Jahrzehnten gibt. Lernen bedeutete vor allem, dass man sich selber seinen Meister sucht und vor seinen Augen autodidaktisch vorwärtsstrebt, regelmäßig auf dessen Urteile darüber hört. Dass man sich schon selbst einarbeitet ins Fach, sollte man eigentlich annehmen, sonst hat einer bei diesem Meister eh nichts zu suchen.

Wenn man sich ab und zu mal klar macht, dass keiner unserer großen Komponisten vor 1850 eine Hochschule von innen gesehen, geschweige denn langjährig Privatunterricht hatte, dann sollte es allmählich Klick machen. Das waren zum großen Teil fast reine Autodidakten — und sie waren es, die die wirklich große Kunst hervorbrachten. Die „Studierten“ brachten diese Frische nicht mehr, waren zu verbildet und gelähmt. Söhne und Töchter lernten im elterlichen Haushalt und der Werkstatt schon alles Wesentliche, und wenn sie weiterkommen wollten, sahen sie sich an, wie man es anderswo macht. Die größten Ingenieursleistungen - ja: das waren keine Werke doktorierter und ewig lang studierender Männer. Daniel Düsentrieb ist der Prototyp, der forscht, weil er nicht anders kann, nicht weil er studiert hat.

Nur Problemfälle brauchen so etwas wie eine umfangreiche "Pädagogik" - gesunde Menschen, früh herausgefordert, aber auch zugleich in Ruhe und bei sich gelassen, werden ihren Weg unter den Augen vernünftiger Mütter zuerst und dann selbstverständlich auch verantwortungsbewusster Väter in jedem Fall machen. Ohne diesen Vorbau nützen die besten Lehrer nichts. Mit diesem Vorbau aber ist dann ein guter Meister ein Gewinn!

Man kann hier wirklich viele Fragezeichen setzen, aber dass Staaten, die wie Deutschland Schulzwang ausüben und die Hand geradezu krampfhaft auf der Bildung halten, nicht in erster Linie Interesse an der Bildung und Entfaltung ihrer Untertanen (!) haben, sollte man sich klarmachen. Wenn es nach mir ginge, würde ich das sofort abschaffen und stattdessen eine Bildungspflicht einführen, deren Erfüllung ich aber ganz und gar den Eltern und ihren Kindern überlassen würde. Nur in objektiv problematischen Fällen sollte der Staat da eingreifen.
Ich sehe nicht, dass man als Mutter, als Vater da nicht eine enorme Aufgabe hat. Aber, wie ich in meinem Buch Das Schillern der Dinge“ u.a. darlege, stellt die Familie aus der Sicht eines Staates stets ein anarchisches Moment dar und muss eingehegt und kontrolliert werden. Zentral dabei die Rolle der Frau und Mutter, die von Anfang an das Kind einmalig prägt: ist sie unabhängig im Geist und frei, werden es auch ihre Kinder zumindest der Tendenz nach. Solche Kinder sind keine Untertanen, egal was man mit ihnen anstellt… Und genau das muss ein Staat zerstören, wenn er seine Herrschaft aufrecht halten will — entweder durch Entmündigung bzw Vermündelung der Frau oder durch Entfernung der Frau aus der Familie.
Und?
Hat man nicht genau dies fast durchweg getan, so oder so?

Nath

1. Juli 2019 21:16

Ich möchte mich der Bemerkung von @Monika anschließen und die Administratoren anregen, transparente Regeln für die Kommentarfunktion aufzustellen. Obwohl ich persönlich es für optimal hielte, die Anzahl der Kommentare zu einem bestimmten Artikel ü b e r h a u p t nicht zu begrenzen (wie dies in anderen Foren praktiziert wird), so kann ich andererseits doch nachvollziehen, dass man die Diskussion zu einem bestimmten Thema nicht ins Endlose "ausufern" lassen will. Gleichwohl sollten klare Leitlinien existieren, an welchen man sich orientieren kann. Beispielsweise gab es zu Martin Sellners Beitrag über hundert Kommentare, bevor "Badeschluss" verkündet wurde, wöhrend es bei dem von Monika erwähnten Artikel nur 53 waren. Dies erscheint zuweilen etwas willkürlich. Es gäbe etwa die Möglichkeit, eine zahlenmäßige Obergrenze festzulegen. Alternativ hierzu wäre auch eine z e i t l i c h e Limitierung (z.B. eine Woche) erwägenswert. Welche Lösung man seitens der Administratoren auch immer favorisieren mag, sie wäre m. E. sehr zu begrüßen und einem unvorhersehbaren Kappen des Themenstrangs vorzuziehen.

Gracchus

1. Juli 2019 21:55

Ich hätte gern noch was zum Islam geschrieben. Aber bei Bosselmann ist vom Islam keine Rede; sodass ich das schon sehr weithergeholt wäre, hier was zum Islam zu sagen.

Schule ist für mich die Zeit, in der sich das Leben woanders abspielt. Aus einer Familie engagierter Pädagogen kommend, stehen mir die Deformationen dieses Berufsgruppe lebhaft vor Augen. Lehrer als Mandanten oder Patienten - sagen mir Anwälte und Ärzte - seien aber so was von anstrengend.

Mein Patenkind sagte mir, ihre Grundschullehrerin habe zur Klasse, sie wolle ihre "Freundin" sein. Mich befremdet so was. Ich habe bei Lehrern nach Autorität gesucht. Ich finde diese Vermischung der Sphären nicht gut.

Nicht gut finde ich auch den Totalitätsanspruch, den das Erziehungssystem - nach Luhmann: ganz natürlich und wie jedes andere System - m. E. erhebt. Erziehung ist der Positivwert und soll alle Lebensbereiche erfassen. Das geschieht aber unter freiheitlich-demokratischen Vorzeichen. Also eine Zwangsveranstaltung, die ihren Zwangscharakter ständig verschleiert - ob das bei Schülern nicht zu einem double-bind führt?

Lotta Vorbeck

1. Juli 2019 23:27

@Skaansdirmo

Chapeau!

H. M. Richter

2. Juli 2019 07:06

Mit der Erinnerung an Ihre Deutschlehrerin haben Sie, verehrter Grambauer, ein ganzes Drehbuch abgeliefert, - sollte Andreas Dresen hier also mitlesen, dann ...

Ellen Kositza

2. Juli 2019 08:10

@skaansdirmo: Aber Ihr Sohn ist dann dennoch zu Demo gegangen? Oh weh.

Lotta Vorbeck

2. Juli 2019 11:07

Der Arbeitsalltag eines hessischen Volksschullehrers ... im Jahre 1959:

https://youtu.be/jBCBNr35E5k

Laufzeit: 6:15 min.

Lotta Vorbeck

2. Juli 2019 11:54

@Ellen Kositza - 2. Juli 2019 - 08:10 AM

"@skaansdirmo: Aber Ihr Sohn ist dann dennoch zu Demo gegangen? Oh weh."

**************************************

Das Kino der Kleinstadt - zu Beginn der 1990er Jahre zunächst geschlossen und dann alsbald abgerissen - befand sich weniger als fünf Minuten Fußweg vom Elternhause entfernt.

In denselben Kinosesseln hatten die eigenen Eltern schon zur Ufa-Wochenschau gesessen.

In Begleitung der Mutter schauten wir, nur zum Geburtstag als exorbitant seltenen, ultimativen Sonntagshöhepunkt zelebriert, nach dem Mittagessen DEFA-Märchenfilme, ein paar Jahre später (unbegleitet) in den 17:00-Uhr-Jugendvorstellungen "Jean-Paul-Belmondo"- und "Lois-de-Funes"-Filme, die Abenteuer der "Olsenbande", Jules Vernes "Geheimnisvolle Insel" und "20.000 Meilen unter dem Meer", Bud Spencer & Terence Hill, oder "Die Schatzinsel" als japanischen Zeichentrickfilm.

Als Vorfilm lief "Der Augenzeuge", der Lotte und Walter Ulbricht auch mal in leichter Sommerkleidung beim Federballspielen zeigte ...

... eines schönen Sommertages geschah es, daß am hausaufgabenfreien Mittwoch, an selbigem Tage während des Schulunterrichts angekündigt, des nachmittags eine Gratis-Kinovorstellung stattfinden sollte. Wie der Zufall so spielt, war um dieselbe Zeit, für die die Kinovorstellung angesetzt war, getrennt nach Klassenstufen, eigentlich der allwöchentlich in der Zeit von 14:00 bis 16:00 Uhr gehaltene, außerschulische Religionsunterricht terminiert.

In der Gratis-Kinovorstellung lief:

+ Ernst Thälmann – Sohn seiner Klasse (DDR, 1954)
https://youtu.be/-Tk1AUcGQd4

+ Ernst Thälmann – Führer seiner Klasse (DDR, 1955)
https://youtu.be/0NKRazAMSRc

Nicht daß das Leben des "Teddy" genannten Hamburger Kommunisten Ernst Thälmann in irgendeiner Weise als interessant erschienen wäre. Seelsorgehelferin, Ordensschwester und Vikar warteten an diesem Mittwochnachmittag vergeblich auf ihre Schüler. Gegen eine Gratis-Kinovorstellung konnten sie einfach nicht anstinken.

Venator

2. Juli 2019 12:04

Ja, es soll tatsächlich Kinder geben, die nicht immer das machen, was die Eltern gerne hätten. Überraschende Erkenntnis. Aber wer hier ohne Sünde, der werfe den ersten Stein.

Wahrheitssucher

2. Juli 2019 13:48

@ Nath

Zustimmung zu Ihren Ausführungen zum Thema „Badeschluß“!
Was sagen der/die Bademeister?

Laurenz

2. Juli 2019 13:54

Ich möchte mich hier @Gracchus anschließen und bitte um Verzeihung wegen des Postens eines Bezahlt-Artikels des Relotius-Spiegleins. https://www.spiegel.de/plus/globale-iq-vergleiche-unsere-intelligenz-sinkt-a-00000000-0002-0001-0000-000164523782 ... Die Überschrift reicht wohl. Das kommt doch nicht von ungefähr.

Noch ein Hesse

2. Juli 2019 14:12

@Lotta Vorbeck, Anthropofugaler Wanderer, Kositza: Danke für die Aufklärung, es gibt dem Text natürlich noch mehr Gewicht, zu wissen, dass Bosselmann sehr genau weiß, wovon er schreibt. Noch nicht überzeugt bin ich von dem akzelerativ-sexistischen Begriffsungetüm, vielleicht kommt ja tatsächlich noch ein Nachsatz des Autors?
--
Als noch recht neuer SiN-Forist an dieser Stelle übrigens mal ein Kompliment: Das gepflegte Deutsch, der respektvolle Umgang und das generelle Niveau in diesem Forum sind einfach eine Freude. Ich komme immer wieder hierher, um von einer Überdosis Systempropaganda zu entgiften, und es tut wirklich gut (so weit das eben online funktioniert ..).

Noch ein Hesse

2. Juli 2019 14:15

Ach ja, noch ein Nachtrag: Ich möchte noch einmal eine Lanze für die Waldorfschule brechen. So unangenehm ich es finde, dass man sich auch hier offenbar genötigt fühlt, in die allgemeine "gegen rechts"-Hysterie einzustimmen, so sehr schätze ich Lehrpläne, Didaktik und die völlige Abwesenheit von genderifizierter Frühsexualisierung.

Caroline Sommerfeld

2. Juli 2019 15:30

@Noch ein Hesse: zu Ihrer Frage nach Bosselmanns Worterfindung "Akzelerationssexismus". Das ist ganz einfach die Tatsache, daß die Jugend heute körperlich i.e. in Hinblick auf die Entwicklung der Sexualorgane, die Menarche, überhaupt die Pubertät) früher entwickelt ist als noch vor soundsoviel Jahren. Das Wort "Akzeleration" entstammt nicht etwa der Hochbegabungsforschung (wo ich es zum ersten Mal wahrnahm), sondern der empirischen Humananthropologie. Ich lese gerade zum Vergnügen in einem älteren "Praktischen Handbuch der Pastoralanthropologie" (1975) herum, und neben und vor allem in allen nur erdenklichen Lemmata zum menschlichen Sexualleben schaffen es die katholischen Autoren, kluge Rückbindungen auf den Erhalt der "Ordnung der Überfülle" unserer gottgegebenen Welt zu liefern.

Sandstein

2. Juli 2019 19:29

@ Nath

Sie fordern sowas wie demokratische Mitsprache, richtig (musste schmunzeln als Sie von Obergrenze schrieben. Transparenz, die ganze Nummer..)? Es gibt gute Gründe, warum "Moderatoren" die Teilnehmer in der Regel nicht fragen, wann es ihnen passt, mit dem Reden aufzuhören. Und wenn ich hier lese, dass es unter "Islam und die Rechte" hin zu Themen wie Abschneidung abdriftet, dann sollten wir alle froh über den spontanen und für manche unfreiwilligen Badeschluss sein. Ich hab auch schon mal etwas nicht mehr schreiben können..so what?

Weltversteher

2. Juli 2019 21:10

Was >>zeitschnur hier trefflich auf den Punkt bringt, ist die Frage nach Sinn und Unsinn der überaus bemühten Pädagogik. Bosselmann deutet auf Gestaltungsfreiräume hin, die seine Kollegen gar nicht sich zu nehmen im Stande sind.
Unsere Söhne und Töchter aber werden zwangsweise diesen meist täppischen Versuchen zugeführt und dabei verbraucht. Dabei scheint die Mehrzahl der Hiesigen dies für alternativlos zu halten, immerhin ist es eine Tradition, ein Relikt - der letzte Trost des Konservativen.

Wer ganz andere Persepktiven erwägen will, schaue sich "CaRabA" an - Leben ohne Schule. Zieht seit zwei Monaten durch die Programmkinos und ist seit dieser Woche auf Scheibe erhältlich: www.caraba.de

zeitschnur

3. Juli 2019 10:38

@ Weltversteher

Danke für den Link! In dieselbe Richtung geht zB auch Maxim Gorkis Buch "Meine Universitäten". Ein junger Mann, der auszieht, um zu studieren, dann aber merkt, dass das nichts für ihn ist und im Eigenstudium seiner Bücher und durch Beobachtung der Menschen und des Lebens um ihn herum studiert...

Dass der IQ sinke, wie oben @ Laurenz verlinkt hat, zeigt a. dass der IQ keine statische Größe ist (weder in einem Volk noch bei einer Einzelperson) und b. Konstrukt und Resultat eines Systems von "Intelligenz" und "Bildungsvermittlung" ist.
Viele beten den IQ gerade auch auf der Rechten ja förmlich an, assoziiert mit einem strammen Glauben an die Vorherrschaft mehr oder weniger starr vorgestellter genetischer Ausstattungen in einer Persönlichkeit. (Ich glaube dagegen, dass Erbgut zwar ein objektives Gut ist, das aber niemand wirklich messen kann und daher eine enorme und unvorhersehbare Plastizität aufweist! Wir messen ja immer nur innerhalb eines bereits relativ eng und starr gefassten kulturellen Rahmens.)
Wenn ich Argumente höre wie "der Durchschnitts-IQ in Malawi" liegt bei irgendwas weit unter 80 oder gar Sarrazin, der die gesamte sozialökonomische Verwertbarkeit eines Menschen am IQ festmacht, als sei das ein göttlich-objektives Maß über die Qualität einer Person... dann packt mich das kalte Grausen.
Das ist vollendeter Blödsinn, wenn Sie mich fragen.

Argumente:

Der IQ ist wie gesagt Geigerzähler für ein artifizielles und fragwürdiges Intelligenzkonstrukt. Schlägt er nach oben oder unten aus, weil der „Normbereich“ verlassen wird, würde es eigentlich erst so richtig interessant…
Dass ein Staat allzu „dumme“ Leute nicht gerne mitschleppen will, wundert niemanden. Diese „Dummen“ sind stets solche, die es nicht schaffen, ihre Funktionstüchtigkeit für jeweilige Systemanforderungen zu beweisen. Welche tatsächlichen Fähigkeiten sie haben, bleibt verborgen.
Aber:
Kein Staat kann noch viel mehr allzu intelligente Leute ertragen oder gar noch selbst heranziehen. Nichts ist gefährlicher als Menschen mit hohen geistigen, handwerklichen oder sozialen Fähigkeiten! Auch das beschreibe ich in "Das Schillern der Dinge". Ein Staat wird unweigerlich ein Mittelmaß im oberen Durchschnitt nach seinen eigenen Kriterien bilden wollen, das intelligent genug ist, für die Belange des Systems ins Rennen geschickt zu werden, aber zu dumm, um dieses System, das ihn zum Hamster im Rad macht, zu durchschauen, und unterwürfig genug, dankbar für sinnliche "Freiheit" (Essen, Sex, Freizeitvergnügen) zu sein, die der Staat ihm "schenkt".
Es ist ein leicht erkennbares Rechenexempel: Gesellschaften mit einem solchen Bildungssystem müssen zwangsläufig von Generation zu Generation nach unten nivellieren, denn die jeweils folgende Generation Verbildeter wird stets leicht unter der liegen müssen, die sie "bildet", um der nicht etwa überlegen oder kritisch zu begegnen. Das bildungsverursachte Niedrighalten kann nur einen Abwärtstrend erzeugen.
Ich fürchte, das wird bis zum bitteren Ende so weitergehen. Und gerade weil der deutsche Staat seit 1938 eine echte freie und unabhängige Bildung kriminalisiert, ist es für uns Eltern auch sehr schwer, unseren Kindern Alternativen zu suchen, zu finden und zu bieten. Aber auch alle, die echte meister sind, werden systematisch davon abgehalten, ihr Wissen und Können weiterzugeben.
Einzelne sind natürlich immer ausgenommen von dieser Phänomenologie. Kein System ist dicht genug verpicht. Aber gerade das deutsche System weist hier eine hohe negative Effizienz auf.

Interessant zum Thema autodidaktisches bzw unabhängiges Lernen sind übrigens auch Arno Stern und dessen Sohn André Stern, in Frankreich lebend, aber ursprünglich aus Deutschland stammend.

quarz

3. Juli 2019 15:34

@zeitschnur

"Der IQ ist wie gesagt Geigerzähler für ein artifizielles und fragwürdiges Intelligenzkonstrukt."

Der IQ ist so ziemlich die verlässlichste Prädiktorgröße, über die die empirische Psychologie verfügt. Wenn ein Personalchef den beruflichen Erfolg eines Bewerbers abschätzen will, dann ist der IQ erwiesenermaßen die treffsicherere Urteilsgrundlage als Schulzeugnisse oder persönliche Gespräche. Es ist auch ziemlich präzise ermittelt, welcher Mindest-IQ die notwendige Voraussetzung für die Bewältigung bestimmter beruflicher Aufgaben ist. Und in diesem Zusammenhang ist er ein ganz wichtiger Indikator dafür, was in Bezug auf die Arbeitsmarktsituation und - damit zusammenhängend - in Bezug auf die Überlastung der Sozialsysteme zu erwarten ist, wenn in Massen Menschen einwandern, die über einen IQ verfügen, der zu niedrig für fast alle Erwerbstätigkeiten in unserer Hochtechnologiegesellschaft ist.

Bei Geisteswissenschaftlern trifft man oft auf eine Abneigung gegen das Herunterbrechen des "Mysterium Mensch" auf nüchterne Messgrößen, die sich in feindseligen Polemiken gegen den IQ äußern. Aber warum denn? Wenn ich ein Kind davor warne, sich auf das dünne Eis des Teichs zu begeben, weil es zu schwer sei und das Eis brechen würde, dann erhebt ja auch niemand den Einwand, dass die Masse bzw. das Gewicht als schnöde physikalische Größe ein "fragwürdiges Konstrukt" sei, das den Menschen in seiner Komplexität zu wenig ganzheitlich erfasse. Nichts wäre fataler als die lebensrettende Warnung aufgrund von Ganzheitlichkeitsbedenken zu unterlassen. Oft wird vor "Vereinfachung" gewarnt. Vielfach ist aber "Verkomplizierung" viel gefährlicher.

Der IQ will gar kein "Wesensröntgen" des menschlichen Geistes sein. Er ist schlicht eine Messgröße, die erwiesenermaßen im Zusammenhang mit bestimmten Eigenschaften/Fähigkeiten ihres Inhabers steht und deshalb ein nützliches Instrument für deren Vorhersage in Situationen ist, in denen viel davon abhängt, ob er bzw. ob viele von seiner Sorte über diese Eigenschaften/Fähigkeiten verfügen.

Sandstein

3. Juli 2019 15:53

@zeitschnur

Natürlich ist jede monokausale Erklärung leicht zu zerpflücken, das macht sie deswegen aber nicht immer unbedingt gleich falsch.
Finde es genauso wie Sie bedenklich, wenn nur auf dem IQ rumgeritten wird.

Ich erinnere mich aber auch an einen ziemlich guten Artikel (meine fast sicher hier auf SiN) über Sprachen der Subsahara. In vielen afrikanischen Sprachen ist beispielsweise eine präzise Orts- oder gar Zeitangabe nicht möglich. So kann zwar in vielen dieser Sprachen eine Aussage darüber getroffen werden, dass eine Banane "oben hängt", aber eben nicht wo genau "oben" (seitlich von x, diagonal versetzt zu y, usw..).

Und wenn man davon ausgeht, dass Sprache ein Abbild der Lebensumwelt der Menschen und ihrer auch daraus resultierenden Vorstellungswelt ist, dann ergibt das zusammengenommen mit dem von Ihnen angeführten "Durchschnitts-IQ" durchaus ein aussagekräftiges Bild. Es gibt Gründe, warum wir im Deutschen beispielsweise mehrere Wörter für den Sonnenaufgang haben, Inuit gleich ein knappes Dutzend an unterschiedlichen Wörtern für Schnee usw.

Ich finde, man sollte solchen Tatsachen mehr Beachtung schenken. Im Falle von uns Deutschen erklärt es uns viel über uns. Nibelungen, Weltschmerz, Romantik, ..Morgenröte? Das kommt alles nicht von ungefähr.
Naja ich schweife ab..

Gracchus

3. Juli 2019 20:14

Ich gebe @zeitschnur, was den IQ betrifft, recht und empfehle H. M. Enzensberger "Im Irrgarten der Intelligenz" zur amüsanten Lektüre. Es ist ein überaus fragwürdiges Jonstrukt, und überaus fragwürdig, dieses Konstrukt als universellen Massstab zu gebrauchen - wo man doch sonst so gegen jede Art von Universalismus zu Felde zieht.

Ratwolf

3. Juli 2019 22:26

Es ist der Konflikt zwischen Männlichen und Weiblichen, in der Form von Väterlichen vs dem Mütterlichen als Projektion der einen Biographie.

Wir leben in Zeiten der Bemutterung.
Das Väterliche (strenge, begrenzende, auf Eigenversorgung ausgelegte) ist fast völlig abgeschafft. Es wird kollektiv als falsch abgelehnt.

Aber beide Seiten existieren immer und zu jeder Zeit. Auch im unterbewussten Lebensstiel (siehe Adler) jedes Menschen.

Eine Ausblendung bedeutet nicht, dass es nícht existiert. Es wird unbewusst beobachtet und bei Bedarf verdrängt oder bekämpft.

Es ist eine allgemeine Ablehnung der eigene väterlichen Seite seiner unterbewussten Strukturen zu beobachten. Das ist absurd und führt zu den allgemeinen Verwirrungen dieser Tage.

zeitschnur

3. Juli 2019 23:16

@ quarz @ Sandstein

Mit diesem Ihrem Aufschrei war zu rechnen - Sie irren vermutlich, denn es ist längst erwiesen, dass der IQ sehr wohl mit allgemeiner Geübtheit, bestimmten sinnlichen Fähigkeiten (v.a. bei den Speedtests) und weiteren Dingen zusammenhängt.
Tut mir leid - es ist auch nicht sonderlich überzeugend, mit Keulen gegen "Geisteswissenschaftler" zu kommen, die sowieso immer dies und jenes. Von stolzen MINT-Absolventen erwarte ich ein Minimum an Argumentationskunst. Pardon. Vielleicht sollte man die Philosophie doch nicht so gering schätzen…

"Intelligenz" ist nun mal keine objektiv messbare Größe, sondern immer ein Konstrukt der Gesellschaft, die bestimmte kulturelle Leistungen ausprägt.
Intelligenz kann sich tatsächlich selbst in IQ-Tests einer und derselben Person steigern oder wieder absinken. Das ist alles längst in zahlreichen Studien nachgewiesen.

Den Vergleich mit dem Eis finde ich mehr als hinkend. Es ist eine Kunst, jemandem zur Entfaltung von Möglichkeiten zu verhelfen. Von vornherein nur defensiv und mit Warnblinklampe einem heranwachsenden Menschen zu begegnen, ihm also zu suggerieren, er möge sich nur nicht zu weit aus dem Fenster lehnen oder gar zu hoch hinaus wollen - das hat durchaus neurotische und gewalttätige Züge und traumatisiert die Jugend. Es ist genau diese Haltung, die den IQ sinken lässt. Ich habe einmal einen sehr guten Artikel in der "Weltwoche" vor vielen Jahren gelesen, der gerade auch afrikanische Gesellschaften neben ihrer kolonialgeschichtlichen Tragik als Mitverursacher ihrer Misere beschrieb, eben weil in vielen afrikanischen Kulturen in weitaus höherem Maß als bei uns diese Deckelungsmentalität herrscht: niemand lässt den Mitmenschen allzu weit springen.

Es ist der verdammte Neid, der hier spricht, die "invidia", einer der Todsünden. Man gönnt dem andern die Butter auf dem Brot nicht.
Dabei ist es so einfach: wer wirklich nichts kann, wird es auch nicht bringen.
Na und?
Aber das wenigstens muss man ihn doch selbst versuchen lassen. Und mit dem ersten Versuch ist das oft nicht entschieden - auch hier stehen mir wieder viele unserer kulturgeschichtlichen Beispiel vor Augen, die von verknöcherten "Lehrern" abgehalten werden sollten, sich aufs Eis zu begeben... wie gut, dass sie auf diese Boandlkramer nicht gehört haben.
Die Massenmigration ist natürlich ein Fehler, aber nicht wegen solcher herbeigeredeter "Probleme", die wir zu den realen und vorhandenen nicht auch noch brauchen.

Und noch etwas: Sprachen entwickeln sich mit ihrer kulturellen Entwicklung und Alltagsnotwendigkeiten auf und ab. Das ist auch für das Deutsche gut nachweisbar. Sobald es für afrikanische Kulturen notwendig würde, etwas Bestimmtes zu sagen, würde auch deren Sprache eine Möglichkeit dafür bieten. Was alleine die Christianisierung an begrifflicher Schärfe auch ins Deutsche brachte, war nun mal vorher so nicht vorhanden.

quarz

4. Juli 2019 08:39

Genau um diesen Wildwuchs an Assoziationen und Querverbindungen zum Thema "Intelligenz" einzudämmen habe ich meinen vorigen Kommentar geschrieben. Anscheinend habe ich genau das Gegenteil davon bewirkt.

Doch: mit dem IQ wird sehr wohl eine empirische Eigenschaft gemessen. Und deren Kausalzusammenhänge mit anderen empirischen Eigenschaften sind vielfach und massiv belegt. Deshalb ist der IQ ein guter Indikator für die Prognosen dieser anderen Eigenschaften. Das sind geradezu mustergültige Rahmenbedingungen für Nutzung empirischer Erkenntnisse.

Vielleicht hilft es, wenn ich explizit einige Missverständnisse ausräume:

1.) Nein, durch den IQ wird nicht der Wert eines Menschen bemessen. Es wird nicht einmal der "intellektuelle Wert" eines Menschen ermittelt. Dazu sind die Begrifflichkeiten des "(intellektuellen) Wertes" viel zu vage und vieldeutig. Es wird schlicht und einfach die Reaktion auf einen Test ermittelt und auf Basis gut belegter Erkenntnisse daraus auf die Fähigkeit geschlossen bestimmte Aufgaben zu bewältigen. Und manche dieser Aufgaben bzw. die Unfähigkeit zur Bewältigung dieser Aufgaben sind von hoher gesellschaftlicher Relevanz.

2.) Ja, der IQ ist veränderlich. Aber die Variationsbreite, insbesondere im Zusammenhang mit dem Lebensalter (ab der späten Jugend ist sie nicht mehr sehr groß), ist abschätzbar und wird bei der prognostischen Verwendung berücksichtigt. Insgesamt schmälert das die Brauchbarkeit des IQ kaum.

Insbesondere ist in diesem Zusammenhang dem Irrtum entgegenzutreten, Migranten könnten durch Schulungen und sonstige "Integrations"maßnahmen ihr IQ-bedingtes Defizit überwinden. Dagegen spricht erstens der Umstand, dass - wie gerade erwähnt - das Lebensalter, in dem sie bei uns eintrudeln, keine große Steigerungsrate mehr zulässt. Und zweitens können sie ihre Biologie nicht ablegen. Und die genetischen Faktoren im Zusammenhang mit dem IQ gewinnen in der aktuellen Forschung immer mehr an Gewicht (wenn auch viel unternommen wird, um das zu verschleiern). In einem vor kurzem veröffentlichten "Expert Survey", einer weltweiten Umfrage unter über 70 führenden Intelligenzforschern, wurden die Gene als einflussreichster Einzelfaktor für die Höhe des IQ genannt.

3.) Nein, der IQ ist (bei seriöser Testung) nicht nennenwert "culturally biased", d.h. er weist Angehörigen anderer Kulturen keine unfair niedrigen Werte zu. Das wird u.a. dadurch belegt, dass die prognostische Kraft der bei ihnen gemessenen Werte nicht geringer ist als bei Angehörigen des westlichen Kulturraumes.

4.) Nein, der IQ ist auch in meinen Augen nicht das einzige Problem im Zusammenhang mit der Masseneinwanderung. Für einen Erhalt unserer Kultur wäre ich sogar mit einem niedrigeren gesellschaftlichen Durchschnitts-IQ einverstanden - ein Dilemma, das sich allerdings nur bei drohender Massenimmigration aus dem nordostasiatischen Raum eröffnen würde. Migriert wird aber in der Regel von Niedrig-IQ-Regionen in Hoch-IQ-Regionen, weil es dort aufgrund er IQ-bedingten Produktivität mehr zu holen gibt.

Sandstein

4. Juli 2019 09:02

"Dabei ist es so einfach: wer wirklich nichts kann, wird es auch nicht bringen.
Na und?
Aber das wenigstens muss man ihn doch selbst versuchen lassen."

@zeitschnur

wirklich schön gesagt, hier stimme ich auch zu. Was den IQ angeht wirken Sie mir allerdings ein wenig zu dünnhäutig. Sie gehen überhaupt nicht auf meinen Punkt ein, dass der IQ alleingenommen natürlich für jedermann leicht zu zerpflücken ist. Was machen Sie? Nehmen sich den IQ als Einzelmerkmal vor.. tja wie soll man hier noch adäquat antworten?

Vielleicht so: ja, Sprachen befinden sich sicherlich im Wandel, und wenn aus "Entschuldigen Sie bitte den Anrempler" "Wallah - was guckst du" wird, dann brauche ich keine Definition von Intelligenz, um daraus meine Schlüsse zu ziehen.
Ich brauche auch keine Theorie, mir reicht das Wissen, dass irgendwo auf der Welt Wissenschaftler an der Kernfusion mit Plasma im Magnetfeld experimentieren, während andere Erdbwohner zwecks Brautschau zeitgleich über Kühe springen.
Mich dünkt, Sie haben einen gänzlich anderen Standtpunkt zu Kultur und Ethnie als ich.

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