31. Juli 2019

Toleranz gegenüber den Blumen des Bösen

Martin Lichtmesz / 64 Kommentare

Im folgenden ein paar lose Gedanken zu einem Video des amerikanischen Youtubers Devon Stack alias "Black Pilled".

Martin Lichtmesz

Martin Lichtmesz ist freier Publizist und Übersetzer.

Dieser hat einen programmatischen Namen gewählt. Während die "blaue Pille" den Normalo im Mainstream-Tiefschlaf hält und die "rote Pille" die Erweckung aus der Scheinwelt der globalistischen Lügen bringt, so bedeutet die "schwarze Pille" den Absturz in den Pessimismus: Das erblickte Biest kann niemals besiegt werden und die Niederlage  all dessen, woran man glaubt und hängt, scheint gewiß.

Das ist eine Gemütlage, die unter Rechten nicht selten anzutreffen ist, und es wird uns generell gerne vorgeworfen, daß wir notorische und zwanghafte Schwarzseher, Untergangspropheten oder Möchtegernkassandren seien. Ich selber zähle konstitutionell auch eher zu diesem Typus, möchte allerdings niemanden dazu "ermuntern", es mir gleichzutun.

Das besagte Video hat den Titel "How High Is Your Tolerance? ("Wie hoch ist deine Toleranzschwelle?"), und es fesselte meine Aufmerksamkeit, weil es über weite Strecken um eine (immer noch aktive) Ein-Mann-Band aus den neunziger Jahren geht, die ich einmal sehr mochte: Nine Inch Nails. Die Fortsetzung zu dem Video gibt es hier. Wer des Englischen mächtig ist, dem empfehle ich vor der weiteren Lektüre, sich die Videos anzusehen.

Stack stellt sich darin die Frage, inwiefern das, was er als "degeneracy" (Entartung, Verkommenheit) der heutigen Welt wahrnimmt, durch ein langsames, jahrzehntelanges Senken der ästhetischen und moralischen Toleranzschwellen vorbereitet wurde. Was war nötig, um die (angloamerikanische) Gesellschaft derart zu konditionieren, daß sie heute unfaßbare Phänomene wie das "Transgender-Kind" Desmond teilweise passiv hinnimmt, teilweise als den letzten Schrei von Fortschritt, Emanzipation und Individualismus feiert?

Um dies ergründen, schildert Stack den emotionalen Schock, den ihm als Teenager Ende der achtziger, Anfang der neunziger Jahre die Begegnung mit der Musik von Trent Reznor bereitete. Als ein Mensch, der in einem religiösen Umfeld aufwuchs, hatte er das Gefühl, etwas Verbotenes und Böses zu tun, wenn er Platten wie "Pretty Hate Machine" oder "Broken" auf seinem Walkman hörte. Etwas, das ihm ewige Schande brächte, würde er dabei erwischt. Und genau dieses Gefühl versetzte ihm einen Kitzel, der ihn süchtig machte.

Von Album zu Album wurde die Musik extremer, wurden die Texte finsterer, und um den initialen Schauder zu wiederholen, mußte die Dosis gesteigert werden, gleich einer Droge. Die Gewöhnung setzte rasch ein, härteres mußte her. Rückblickend meint Stack, daß ihm die Musik teilweise auch heute noch "gefällt". Aber möglicherweise würde es ihm auch "gefallen", Heroin zu nehmen oder sich allerlei Lastern hinzugeben. Nur, weil einem etwas "gefällt", muß es noch lange nicht "gut" sein. Die Musik von Nine Inch Nails, mit ihren Texten voller Verzweiflung, Trauer, Gewalt, Aggression, Schmerz, Einsamkeit, Perversion, Wahnsinn, Nihilismus, Sadomasochismus und so weiter, habe das Ziel, den Hörer "so weit von Gott zu entfernen wie nur möglich".

Ich habe mir das Video (optisch voller Anspielungen auf den berüchtigten Videoclip zu dem Song "Closer") und sein Sequel zwar mit großem Interesse, aber mit gemischten Gefühlen und unentschiedenen Gedanken angesehen.

Es gibt etliche Songs von Nine Inch Nails, die mir zu früheren Zeiten tief aus der Seele gesprochen, kathartische Kicks und einen etwas perversen Rausch verschafft haben. Viele mag ich heute noch, und sei es bloß deswegen, weil sie in mir nostalgische Erinnerungen an meine Zeit in der Gothic-Szene wecken. Aber ich hatte schon anno 1995 kapiert, daß es in dem Song "Closer" mit dem Zeilen "I want to f**k you like an animal / You get me closer to God!" nicht um Sex ging, wie manche wähnten, die nur sehr oberflächlich hinhörten.

You can have my isolation
You can have the hate that it brings
You can have my absence of faith
You can have my everything...

Ich sehe diese Art von Musik oder Kunst immer noch als legitim an. Anders als Devon Stack meint, hatte ich nie das Gefühl, daß Nine Inch Nails gezielt zum Bösen und Satanischen verführen wollen. Das wäre mir schon deswegen lächerlich erschienen, weil es sich hier bloß um Popmusik, Entertainment handelt, wenn auch der eher abwegigeren Sorte. Oder? Das war vielleicht naiv von mir oder vielleicht reflektierte meine Haltung bloß meine eigene, recht firme Liebe zum Guten und Schönen, die mir solche Geschmacksausflüge ohne größeren Schaden erlaubte. Auf keinen Fall waren Reznors Songs, wie "Black Pilled" heute urteilt, Aufrufe zu einem seichten, nihilistischen Hedonismus und "anything goes": Hurra, Gott ist tot! Alles ist erlaubt!

Eher erschienen mir die Songs als Rollenprosa, die von allerlei finsteren Gemütszuständen erzählte, und das mit einer Radikalität, die gewiß auf viele erschreckend und abstoßend gewirkt hat. Diese Songs erzählten, ziemlich glaubhaft und authentisch, vom Grauen und der Qual der von Gott verlassenen Seelen, allerdings zogen sie daraus unzweifelhaft eine abseitige, ekstatische Lust, wie Stack formuliert, "ein trügerisches Gefühl der Macht" oder Ermächtigung.

Konnte man sie dennoch auch als Warnungen vor dem Abgrund hören? Der Ahnherr aller Schockrocker, Alice Cooper, ist abseits seiner Bühnenpersona ein gläubiger evangelikaler Christ, der behauptet, daß seine Songs vor der Sünde und dem Bösen warnen wollen, und wenn man sich etwa seinen Klassiker "Poison" unter diesem Gesichtspunkt anhört, ergibt das sogar einen gewissen (wenn auch ambivalenten) Sinn.

Im Juli 2017 besuchte ich das Johnny-Cash-Museum in der Country & Western-Hauptstadt Nashville, Tennessee. Dort lief als Dauerschleife das Video zu einem Song aus Cashs Alterswerk, den "American Recordings", seinen wohl schönsten Alben, die seinen Kultstatus generationenübergreifend zementiert haben. "Hurt" ist ein sehr trauriges, sehr schönes, sehr einprägsames Lied, eines von Cashs populärsten, mit einem sehr schönen, sehr traurigen, sehr bewegenden Video.

Und es ist ein Cover eines Songs von Trent Reznor, dessen Text sich wie das Psychogramm eines Menschen mit Borderlinesyndrom oder ähnlichem seelischen Leiden liest.

Zu diesem Zeitpunkt dachte ich viel über Amerika nach. Cash, einer der unangefochtenen Götter der Country-Musik, war zeitlebens ein vom Südstaaten-"Bible Belt" geprägter, gläubiger Christ, dem es mit seinem Glauben sehr ernst war. Er war auch ein glühender amerikanischer Patriot der alten Schule.

Gleichzeitig war Cash, Jahrgang 1932, so etwas wie der "Grufti" unter den Country-Sängern, der Mann mit dem harten, melancholischen Gesicht und dem schwarzen Hemd, das er, wie er in einem Lied sang, aus Mitgefühl mit den Erniedrigten und Beleidigten, den Hoffnungslosen und Hungrigen trug, und denen, die nie auf die Worte von Jesus gehört hatten. Viele seiner Songs handelten von reuigen und unreuigen Sündern, und er scheute sich nicht, sich per Rollenprosa in die Perspektive von Mördern und Kriminellen zu versetzen: "I shot a man in Reno just to watch him die."

Und er wußte um seine eigenen dunklen Seiten, und um die Notwendigkeit sie - mit Gottes Hilfe - in Zaum zu halten:

The beast in me
Is caged by frail and fragile bars
Restless by day
And by night rants and rages at the stars
God help the beast in me...

Trent Reznor, der 1965 geborene Kopf von Nine Inch Nails, hingegen, steht für ein spätes, gottloses, dekadentes, "entartetes" Amerika, voller Selbstzweifel und sogar Selbsthaß. Wie Cash hatte er zeitweilig mit Drogensucht zu kämpfen, allerdings in einem weitaus heftigerem Ausmaß. Sein Prinzip schien aber eher zu sein, "das Tier in mir" von der Leine und toben zu lassen.

Um sein Album "The Downward Spiral" (1994) aufzunehmen, mietete er sich allen Ernstes das Haus, in dem die Manson-Family 1969 Sharon Tate ermordete, vermutlich, um die finstere Energie zu channeln, oder Fühlung mit dem "Mythos" von Charles Manson aufzunehmen, der jahrzehntelang  - allmählich gerät er in Vergessenheit - als popkulturelles Symbol für die dunkle Seite der USA und der sechziger Jahre galt, jener Dekade, in der (in einem gewissen Sinne) die Büchse der Pandora endgültig geöffnet wurde, sodaß sich ihr Inhalt über die ganze Welt ausbreitete wie eine Seuche.

Meinem Kaplaken "Rassismus - Ein amerikanischer Alptraum" wollte ich ein Zitat von Manson als Motto voranstellen:

The United States of America is the demon of the world.

Ich finde das sehr treffend, und sehr ironisch, daß es aus dem Munde des dämonischen Outlaws und Hippie-Messias kam, der aus dem Mittleren Westen, dem Herzland der USA, stammte (er verstarb letztes Jahr im Gefängnis).

Das Zitat war von mir als doppelbödiger, schwarzer Witz gedacht, wie die beiden Zitate von Milo Yiannopoulos und Ta-Nehisi Coates, die ich stattdessen verwendete, da sich Götz Kubitschek hartnäckig gegen Manson gesträubt hatte und ich mich seinem Verlegerwillen beugen mußte.

Nun also sind zu Beginn des 21. Jahrhunderts Johnny Cash und Trent Reznor miteinander verschmolzen (Cashs Version hat auf Youtube 30 Millionen Aufrufe), und obwohl Cash das Lied "Hurt" gleichsam "erlöst" und ganz seinem abgeklärten Sündertum angeeignet hat (mit einer signifikanten Textänderung), scheint mir dieser Vorgang doch eine gewisse Symbolik zu haben, was den inneren Zustand der USA angeht. Die Vereinigten Staaten sind in ihre Zerfallsphase übergegangen, und vermutlich werden noch einige, die heute leben, ihren Niedergang mit eigenen Augen sehen.

Nun bleibt für mich die Frage offen, inwiefern ein Kunstwerk ein authentisches Kunstwerk sein und dennoch eine verderbliche Wirkung ausüben kann. Explizit hat die Frage wohl erstmalig Charles Baudelaire aufgeworfen, dessen lyrische Meisterschaft niemand bestreitet, und den Walter Nigg zu den "großen Unheiligen" zählte, den heiligmäßig Begabten, die so nahe am Licht sind, und es am Ende doch verraten, die berufen, aber nicht auserwählt sind.

Die einfachste Antwort kann man in das Auge des Betrachters verlegen. "One man's meat is another man's poison", was den einen nährt, vergiftet den anderen, was den einen hinabzieht, bereitet dem anderen eine heilsame Katharsis. Die einen können an den Blumen des Bösen schnuppern oder sich mit Nine Inch Nails stimulieren, und gewinnen womöglich an Geistigkeit und innerer Erfahrung, die anderen nähren damit nur eine Krankheit und den Spleen der Seele. Ein- und derselbe Mensch mag sich zu einem Zeitpunkt seines Lebens an Dingen laben, die ihm zu einem anderen den Magen umdrehen.

Aber ist die Kunst wirklich jenseits von Gut und Böse (und ich sage nun nicht, daß Nine Inch Nails große Kunst sei)? Hört sie auf, Kunst zu sein, wenn sie aufhört, sich dem Wahren, Guten, Schönen zu verpflichten? Kann es soetwas wie einen satanischen Bach oder einen satanischen Michelangelo geben? Ohne Zweifel kann ein Künstler seine Meisterschaft in sehr fragwürdige Dienste stellen. Und wenn das Sujet des Künstlers das Dämonische, das Häßliche, das Abgründige ist, wo verläuft die Grenze, sich zu seinem Medium zu machen? Wann geht die "Mitte" verloren? Hans Sedlmayr etwa war der Ansicht, daß Goya Zeuge der Dämonen, Picasso aber bereits ihr Komplize sei.

Ich zeigte einer Freundin die Gemälde von Saturno Butto, und sie wich zurück vor Ekel. Eben noch war ich im Bann der altmeisterlichen, an der Renaissance-Malerei orientierten Perfektion, und nun sah ich, daß diese Bilder bis ins Mark satanisch waren. Das mag nun etwas komisch klingen, denn die Motive sind explizit und offensichtlich satanisch. Aber meine Bewunderung für das Können Buttos hatte mich geblendet, und ich bin immer noch empfänglich für baudelaire'sche Reize. Früher war für mich der Könner alles, war gleichsam ein Gott, der stets Respekt verdient, und ich hatte mir abgewöhnt, Kunst auch moralisch zu betrachten.

Lag ich falsch? Ist es manchmal doch von Bedeutung, was ein Gemälde darstellt, und nicht wie es dargestellt wird, was Gevatter Michael Klonovsky immer wieder als Hauptsache betont? Nun, hier ist kein Widerspruch: Denn was Buttos Gemälde so satanisch macht, ist exakt die Art, wie er das Satanische malt. Nicht, daß er Teufel malt, sondern daß er diese Teufel im Stil von Caravaggio-Heiligen malt, sie schön, attraktiv, reizend macht, sie verherrlicht, ihnen eine sakrale Aura verleiht - das ist das eigentlich Satanische und Blasphemische an seinen Bildern. Das Urteil über ein Kunstwerk kann sich also meiner Ansicht nach nicht auf die Frage beschränken, ob es "gut" gemalt ist - analog zur obigen Frage, ob einem etwas "gefällt" oder nicht.

Nun mag mancher einwenden: Macht das einen großen Unterschied? Gott und der Teufel sind gleichermaßen Fiktionen und Phantasien der menschlichen Seele. Ein Bild ist ein Bild und sonst nichts. Wer damit nicht umgehen kann, oder es zu ernst nimmt, ist selber schuld.

Nun, da wäre ich mir nicht so sicher.

Die Bilderstürmer von Konstantinopel hatten einen Kern Wahrheit auf ihrer Seite. Sie wußten, daß ein Bild, ein Bildnis, ein Abbild aufhört, harmlos zu sein, wenn es entscheidende geistige Dinge darstellen will. Und das wußten auch die Ikonophilen, die strenge Regel aufstellten, wie das Sakrale zu repräsentieren sei. Eine Ikone kann noch so meisterlich gemalt sein, wenn sie Charles Manson oder Josef Stalin zeigt, hört sie auf, eine zu sein, und mehr noch: sie wird teuflisch.

Toleranzschwellen gegenüber bestimmten geistigen Einflüssen können steigen und sinken. Manche Menschen können, wie gesagt, mehr verdauen als andere, und sich mehr Toleranz leisten, andere wiederum werden intolerant, weil sie die Gefahr bemerken, die für ihr Inneres ausgeht, oder weil sie sich eine Reinheit und Unschuld bewahren wollen, die eine Quelle ihrer Kraft ist. Andere wollen sich schlicht und einfach nicht abstumpfen lassen.

Dávila bemerkte:

Der Mensch gewöhnt sich mit entsetzlicher Leichtigkeit an die absolute Häßlichkeit und das reine Böse. Eine Hölle ohne Qualen verwandelt sich leicht in einen etwas heißen Urlaubsort.

Nun erinnere ich mich an etliche Gespräche, Begegnungen und Szenen, in denen mich diese Frage berührte. Bei einem abendlichen Gespräch mit Ellen Kositza und anderen erklärte Kubitschek sein völliges Unverständnis dafür, wie man freiwillig Scheußlichkeiten wie Stephen-King-Romane lesen und in seinen Kopf hineinlassen könne. Seine Toleranzgrenze für das Abgründige und Perverse ist sehr niedrig, er hat hier keinen Funken Affinität, und einen Charles Manson wollte er auf keinen Fall in eines seiner Bücher schlüpfen lassen, nicht einmal als ironisches Moment.

Ich selbst hatte leider mit elf Jahren einen Roman von King in die Hände bekommen, viel zu früh, und mich damit geradezu traumatisiert. Bis heute bereue ich die Lektüre, und doch habe ich damals eine Intensität erfahren, die ich später in dieser Form nicht mehr erlebt habe. Ich habe mich im Laufe der Jahre nicht abgebrüht, und sehe mir selten Horrorfilme an; und doch kenne ich zwei, drei Menschen, die damit ihre Angstpsychosen in den Griff bekommen haben - similia similibus curentur.

Dann denke ich an die junge, sehr vergeistigte Frau, die zunehmend Abschied von ihrem geliebten Richard Wagner nahm, je frommer und gläubiger sie wurde, nicht aus "moralistischen", sondern "organischen" Gründen, aus einer Wandlung der Seele und daraus entstehenden chemischen Unverträglichkeiten heraus.

An einen katholischen Freund, der eines Tages eine tiefgreifende "Metanoia" und Konversion erfuhr, und heute die Helden seiner Jugend wie Current 93, Psychic TV und Death in June nicht mehr hören kann (ganz im Gegensatz zu mir).

An einen Mönch, der mit Leidenschaft E. T. A. Hoffmann las, aber entsetzt war, daß ich Gefallen an einem teuflischen Sadisten wie Edgar Allan Poe fand, der für seinen Geschmack viel zu weit ging.

Und an die Tatsache, daß ich selbst inzwischen bei manchen Szenen von "Das Leben des Brian" geradezu physisches Unbehagen empfinde, so sehr ich immer noch über den Film lachen kann.


Martin Lichtmesz

Martin Lichtmesz ist freier Publizist und Übersetzer.


Kommentare (64)

Fredy
31. Juli 2019 13:19

Sehr starker, wichtiger Text!

Bei aller Erkenntnis über die Scheußlichkeiten sind wir eben auch selbst, mal in hohem mal in geringerem Maß, auch Opfer dieser. Wir wandeln auf dieser Welt, und da werden die Stiefel nunmal dreckig. Wir können nur dem groben Schlamm ausweichen. Und manchen geht es dabei wie dem Hund, der zuerst das Wasser scheut, aber sobald er nass ist, das Wasser nicht mehr verlassen will.

Dieter Rose
31. Juli 2019 13:19

@RMH
"Was wird mit der globalen Migration in den Köpfen und Seelen der Menschen angerichtet?"

mir verleidet es meine Städte,
mir verleidet es meine täglichen Verrichtungen,
mir verleidet es einkaufen zu gehen,
mir verleidet es meine Erinnerungen,
mir verleidet es meine Hoffnungen,
mir verleidet es meine Zukunft,
mir verleidet es das Denken an meine Kinder
mir verleidet es das Denken an meine Enkel,
mir verleidet es meine Hoffnung an mein Leben im Alter,
mir verleidet es die Lust am täglichen Aufstehen -
wenn ich nicht versuche, mich doch noch an Schönem und Gutem ganz dicht und nah um
mich zu erfreuen. Es fällt manchmal sehr schwer - wenn mir dann klar wird, dass das
alles, was um uns herum kein böser Traum ist.

Muss ich jetzt zum Psychiater?
Dann müssten ds wohl viele um mich herum!

Achtung vor einer solchen Bevölkerung!!!

Ein gebuertiger Hesse
31. Juli 2019 13:31

Wichtiger Beitrag. Das Austesten der eigenen Belastbarkeit angesichts von Horror (oder überhaupt von Schrecknissen und Schmerz) ist eine elementare Selbsterfahrung und gehört zum Menschsein dazu. Daß pro Horrordosis die Toleranzschwelle steigt, ist ein natürlicher Vorgang. Allerdings kann sie auch wieder sinken. Ich erinnere mich, daß ich den Horrorfilm "Die Fliege" von David Cronenberg damals mit 14 fast ohne mit der Wimper zu zucken goutiert habe (und bubenhaft stolz war, nicht wie die anderen Kinobesucher in ständige Kreisch-Ohnmachten zu verfallen). Als ich ihn neulich wiedersah, krümmte sich mir Magen wie Seele auf eine Weise zusammen, wie ich es nicht für möglich gehalten hatte. Das ist doch interessant, daß ein einmal verschobenes Toleranzniveau nicht auf Dauer bestehen bleibt, sondern sich sogar angesichts des gleichen Objekts zu verschiedenen Lebenszeiten nach oben oder unten bewegen kann. Auch das eine Erfahrung, die, wenn man sie macht, nicht mehr missen möchte. Warum auch? Man lernt sich über diese Dinge (wenn's gut geht und man keinen Schaden zurückbehält) ein wenig besser kennen, das soll mal nichts Schlechtes sein.

Bran
31. Juli 2019 14:04

Wie man Trent Reznor nicht als abgrundtief böse und absichtlich schädlich für den Menschen und seinen Seelenkern anschauen kann, erschliesst sich mir nicht. Wer "Broken" aus dem Jahr 1993 anschaut (https://archive.org/details/NineInchNails-Broken/BROKEN_DVD.img) kann doch eigentlich zu keinem anderen Schluss kommen, als dass hier jemand bewusst dem Bösen huldigt.
Was das blackpilled sein anbelangt: Ich kenne den Gemütszustand nur zu gut. Ich bin zwar nicht so orthodox in irgendeiner Richtung veranlagt, dass ich niemals Horrorbücher gelesen hätte oder lesen würde, aber ich bin dennoch der Ansicht, dass z.B. auf Twitter das blackpilling dringend eingedämmt gehört. Sarkasmus und gelegentlich auch ordentliches Trollen in allen Ehren, aber das Prinzip des "hohen Mutes" gehört auch wieder vermehrt vermittelt und gestreut. Wir dürfen uns nicht vom Abgrund verschlucken lassen, in den zu schauen wir täglich gezwungen sind.

RMH
31. Juli 2019 14:34

Ein wichtiger Text - Gerade auch für die jüngeren Leser hier. Ohne die verlinkten Videos gesehen zu haben (dies ist mir derzeit gerade nicht möglich), möchte ich nur anmerken, dass auch in diesen Bereichen der Kunst, der Musik etc. der alte Grundsatz gilt, die Dosis sowie die Dauer des Konsums machen das Gift bzw. die bleibenden Schäden. So ist es auch bei den anderen "verbotenen Themen", wie Drogen und Rausch.

Gerade die USA sind das Labor der modernen Zeiten, gerade dort zeigte sich als erstes, was dann nach Europa zurückkehrte, gerade dort gab es eben einen E.A. Poe und eben auch einen H.P. Lovecraft und viel, viel später diesen kleinen Trivial-Autor namens S. King, der den zuvor genannten nicht einmal ansatzweise das Wasser reichen kann. Gerade deshalb war der Blick "nach drüben" immer gewinnbringend (in den 90ern bspw. B. E. Ellis "American Psycho" - eigentlich unlesbar bzw. unerträglich, die darin geschilderten Gewaltorgien).

Wie der erwachende bzw. bereits erwachte Drache Asien nunmehr sich stellen wird und an den Platz der USA treten wird, ist nicht abschätzbar. Vermutlich wird es bei ihm nicht diese unmittelbare kulturelle Rückkopplung nach Europa geben, so wie es diese nicht mehr aus den USA geben wird, wenn die "Latinos" das Land übernommen haben werden - aber was wird bis dahin überhaupt noch von Europa übrig sein?

Wie auch immer und nichts desto trotz findet man immer wieder auch Weisheit, ja sogar zum Teil auch Trost in diesen "dunklen" Bereichen und von daher gebe ich mir gerne ab und an eine gute Dosis davon - wer aber glaubt, dadurch sich zu verbessern, gar zu "vergotten" und dem Leben und dem Tode trotzen zu können oder echte tiefere Weisheiten zu erlangen, der begibt sich auf den linken Pfad der Erkenntnis und ist letztendlich ein Narr.

Die wahren satanischen Bestrebungen sind nun einmal genuin okkult und bedürfen einer Initiation, die mit einem strikten Schweigegebot einhergeht. Die sichtbaren "Blumen des Bösen" sind daher evtl. oft nur Tarnung und Ablenkung oder eben Auswüchse - im besten Falle wie Pilze, bei denen man auch nur den sichtbaren, nach oben gewachsenen Pilz an der Oberfläche auf den ersten Blick erkennen kann, dessen eigentliches Leben aber weitverzweigt im Verborgenen stattfindet. Wie der Pilz brauchen aber auch diese Bewegungen ihr organisches Substrat.

Wenn Gott tot ist (Nietzsche), dann will der Mensch an seine Stelle treten - zumindest einige davon, die sich dann zumeist "Elite" nennen. Dem Verlust aller Werte folgen zumeist die Umwertung aller Werte und keine genuin neuen Werte.

Abschließend möchte ich den Text eines Liedes von Death in June zitieren:

BUT WHAT ENDS WHEN THE SYMBOLS SHATTER?

"When life is but disappointment
And "nothing" is amusing
The one wild hunt
For loneliness
Is a life without god
Is an end without love
Soulless today
And soulless tomorrow
We struggle for the joy
Oh, we struggle for the joy
That life is haunted by
Its memories - its meaninglessness
Yearn to be gathered, cracked and saved
A thought for a life time
A thought for a night time

But, what ends when the symbols shatter?
And, who knows what happens to hearts?
But, what ends when the symbols shatter?
And, who knows what happens to hearts?"
(D. Pearce)

What happens to hearts --- dazu habe ich mich dann ansatzweise schon in meinen Beiträgen zum vorherigen Artikel von Herrn Mack versucht zu äußern.

quarz
31. Juli 2019 14:47

Ich glaube, bei der Aversion gegen die Zumutungen des Bösen muss man unterscheiden zwischen denen, die aversiv sind aus Angst, das Böse könnte sie auf seine Seite ziehen und denen, die den Generalbass des Daseins erfahren haben und denen das Böse nur noch wie ein zwar lästiges und ärgerliches, aber letzlich (ihnen selbst) ungefährliches Insekt erscheint, das sie abwimmeln wollen, um ihre Ruhe zu haben.

Letzteres kommt in den Worten J.S. Bachs zum Ausdruck, wenn er schreibt:
"[Es] soll wie aller Music auch des Generalbasses Finis und Endursache anders nicht, als nur zu Gottes Ehre und Recreation des Gemüths seyn. Wo dieses nicht in Acht genommen wird, da ist's keine eigentliche Music, sondern ein teuflisches Geplärr und Geleyer."

Ein gebuertiger Hesse
31. Juli 2019 15:01

@ Bran
Mit ihrer Betonung des "hohen Mutes" liegen Sie natürlich ebenfalls richtig. Dieser fegt jeglichen "black pill"-Defätismus mit Leichtigkeit davon (es sei denn die Hölle ist wirklich bereits zum Urlaubsort geworden). Aber es ist eben immer auch eine Frage der Perspektive: Wenn es bei uns immer wieder heißt, daß der linksgrün-wählende und migrations-empathische Wohlstandswessi erst einmal einen Blick in den Abgrund tun müsse, etwa angesichts einer arabischer Clanfamilie als direkten Nachbarn, ist damit letztlich das "red pilling" gemeint. Erst NACH der einschneidenden Erfahrung, des Ansichtigwerdens des Schlechten, kann dieses erkannt werden - einschließlich der nötigen Gegenmittel. Vorher kann die Medizin, die "weiße Magie", vermutlich gar nicht in ihrem praktischen Wert wahrgenommen werden. Das ist leider eine Krux.

Thomas Martini
31. Juli 2019 15:16

"Während die "blaue Pille" den Normalo im Mainstream-Tiefschlaf hält und die "rote Pille" die Erweckung aus der Scheinwelt der globalistischen Lügen bringt, so bedeutet die "schwarze Pille" den Absturz in den Pessimismus: Das erblickte Biest kann niemals besiegt werden und die Niederlage all dessen, woran man glaubt und hängt, scheint gewiß." - Martin Lichtmesz

Man kann es auf eine Gemütlage reduzieren, oder aber man beschreibt diese Einsicht als nüchternen Realismus.

"Das besagte Video hat den Titel "How High Is Your Tolerance?[...] Stack stellt sich darin die Frage, inwiefern das, was er als "degeneracy" (Entartung, Verkommenheit) der heutigen Welt wahrnimmt, durch ein langsames, jahrzehntelanges Senken der ästhetischen und moralischen Toleranzschwellen vorbereitet wurde." - Martin Lichtmesz

Mit ganz viel Wohlwollen, bei gleichzeitiger Biedermann-Naivität, könnte man argumentieren, die Nachfrage nach hartem und immer härterem Stoff, habe das Angebot letztlich bestimmt.

Realistisch gesehen, haben die westlichen Demokratien, wo das liberal-kapitalistische Politikmodell überall vorherrscht, seit 100 Jahren Zeit gehabt, gegen diesen unheilvoll herandräuenden Kultur- und Zivilisationsverlust einzugreifen. Man muß allerdings zugeben, daß im "Westen" das genaue Gegenteil dessen geschah. Politik, Medien und nahezu der gesamte Kulturbetrieb, sind dem angloamerkanischen Kommerzsystem gefolgt, bei dem Musik, Schauspiel und Literatur zur billigen Handelsware degradiert werden. Nicht mehr die Inhalte, will sagen, die Seele eines Machwerks, bestimmt den Preis, auch nicht Können oder Talent sind die wichtigsten Kriterien. Das Einzige, das wirklich zählt, ist der Marktwert.

Damit wird die kapitalistische Seite des Demokraten befriedigt. Seine liberalistische Befriedigung zieht er aus dem Neuen, Modernen, dem was "In" ist. Irgenwo zwischen ABBA und Zappa, verlor dann auch der gewöhnliche Deutsche jeglichen Bezug zur heimischen Musik und Kultur.

"Ich sehe diese Art von Musik oder Kunst immer noch als legitim an. Anders als Devon Stack meint, hatte ich nie das Gefühl, daß Nine Inch Nails gezielt zum Bösen und Satanischen verführen wollen. Das wäre mir schon deswegen lächerlich erschienen, weil es sich hier bloß um Popmusik, Entertainment handelt, wenn auch der eher abwegigeren Sorte. Oder?"

Wenn man ein kulturelles Fundament besitzt, und somt eine Art Hausapotheke gegen jedwedes Propagandagift, dann kann man alles mit Erkenntnisgewinn aufnehmen.

Was aber ist, wenn das Antidot nicht vorhanden ist?

"Meinem Kaplaken "Rassismus - Ein amerikanischer Alptraum" wollte ich ein Zitat von Manson als Motto voranstellen:" - Martin Lichtmesz

Gegenvorschlag:

"Only in America could you find a way, to earn a healthy buck, and still keep your Attitude on self-destruct." - MF DOOM, "Rhymes likes Dimes", aus dem Album "Operation: Doomsday"

Bücher darüber, was Pop, Rock, Heavy und Rap beim Einzelnen anrichten, werden in Zukunft womöglich ein großes Publikum finden.

"Scheiß auf ein freundliches High-Five
Denn dein heutiger Lifestyle ist nix gegen ein 90er Drive-By
Wir hingen ab auf dem Basketballplatz
Genau solche Jugendlichen, die die Staatsgewalt hasst
Kleine Einbrecher, klauten auchmal Fahrrad
Die Mode war Homeboy, Dickies oder Carhartt
Menace II Society, Boyz n the Hood
Above the Rim war, was man in den 90ern guckt
Starter-Jacke, Knopfhose war in Deutschland der Look
Und die Wirtschaft war noch nicht durch den Euro kaputt
Die 90er, es gibt noch Vinyl
In der Kiste gewühlt, Hip Hop gefühlt..." - Eko Fresh, "90er Drive-By", aus dem Album "Ek to the Roots"

Filmszenen aus den im Song erwähnten Streifen, haben wir früher im Freundeskreis nachgespielt, da war nix mit Shakespeare oder Schiller.

Es lässt sich mit felsenfester Sicherheit begründen: Hip Hop und Rapmusik waren ein maßgeblicher Wegbereiter für die weltoffene Gesellschaft. Diese unter Jugendlichen allgegenwärtige "Kunst", kann man getrost als "Soundtrack" der Globalisierung betrachten.

Wenn einem, wie oben erwähnt, ein kulturelles Fundament fehlt, dann kann man - wie ich als Jugendlicher - auf den Gedanken kommen, beim Rap handle es sich noch um das beste Mittel, um gegen die "da oben" zu protestieren, gegen das System zu rebellieren. Darin liegt ja die Crux. Ähnlich war und ist es bei der Punk-Musik, und dem was davon heute noch übrig ist.

Und so treffen sich dann Rapper und Punker in trauter Gemeinsamkeit beim #Wirsindmehr-Konzert, um den politischen Kampf der Bundesregierung gegen Andersdenkende zu unterstützen. Die dabei oft und oft verkörperte Schamlosigkeit der jeweiligen Interpreten, lässt die Art wie Hans Albers oder Zarah Leander sich zu ihrer Zeit für Staatspropaganda einspannen ließen, geradezu jungfäulich erscheinen.

Auf ihre Weise sind die Stones, Beatles, Pop, Rock und Rap genauso spießig und systemkonform wie Franzl Lang und Karl Moik. Wobei diese Männer immerhin für sich verbuchen könnten, nicht der Veramerikanisierung vorschub zu leisten.

Caroline Sommerfeld hat hier kürzlich die angeblich auf Noam Chomsky zurückgehenden Manipulationsstrategien vorgestellt, wo eine Regel unter anderem lautet, der Bevölkerung den Eindruck zu verschaffen, daß es völlig okay sei, dumm, laut und vulgär zu sein.

Und wo kann man die Präsenz dieser Manipulationsstrategie stärker wahrnehmen als in den heutigen "Charts"?

Dieter Bohlen, unser "Poptitan", was produziert der Unmengen an wertlosem Plastikmüll. Dann kommt so ein liberalistisch-kapitalistischer Schlaumeier daher und merkt an: "Ja, aber der Erfolg gibt ihm Recht."

Wäre es nicht längst an der Zeit, diesem verhurten Argument endlich mal den Boden zu entziehen?

Der_Juergen
31. Juli 2019 15:24

"Bei einem abendlichen Gespräch mit Ellen Kositza und anderen erklärte Kubitschek sein völliges Unverständnis dafür, wie man freiwillig Scheußlichkeiten wie Stephen-King-Romane lesen und in seinen Kopf hineinlassen könne. Seine Toleranzgrenze für das Abgründige und Perverse ist sehr niedrig."

Kubitscheks Haltung ist die eines gesunden Menschen. Obwohl ich mich nicht als abartig oder krank betrachte, muss ich eingestehen, dass mich gewisse offenkundig böse Werke in Film und Literatur genau so in ihren Bann ziehen, wie sie offenbar Lichtmesz faszinieren. Beispiele hierfür sind die Filme "Rosemary's Baby", "The Shining" und "Das Schweigen der Lämmer" oder manche Romane von Stephen King, von denen ich allerdings mindestens einen, "Die Grüne Meile", nicht als blossen Horrorthriller, sondern als literarisches Meisterwerk einstufe.

Unfassbare Grausamkeiten werden in zahllosen klassischen Werken der Literatur und Malerei geschildert, von Dantes "Inferno" bis hin zu den Geschichten von Poe oder den Gemälden von Bosch. Haben diese begnadeten Künstler die Menschen lediglich vor dem Bösen warnen wollen, oder wohnte ihnen auch eine gerüttelte Portion Sadismus inne? Ich fürchte, letzteres ist der Fall.

So wie bei Lichtmesz ein Stephen-King-Roman, den er mit elf Jahren las, hat bei mir in etwas jüngerem Alter die Lektüre von Wilhelm Busch mit seinen teils grausigen Zeichnungen Albträume hervorgerufen.

Montesquieu
31. Juli 2019 15:36

Ich glaube die zentrale Textstelle in Reznor´s "Hurt" ist: "Everyone I know
Goes away in the end"....die Anderen...man selbst, manchmal auch, wenn man noch lebt....

Letztendlich beschäftigt sich die auf Ernest Becker basierende "Terror management theory" mit den Implikationen unseres Bewußtseins um unausweichliche Verabschiedung. Gerade in "Zeiten wie diesen" (Silbermond wird in meinem Kopf gerade von Reznor zerkaut) habe ich Texte der "Terror management theory" als anthropologisch erhellend und ein Stück weit befriedend erlebt.

Man könnte sagen , dass die USA wenigstens noch einen adäquaten popkulturell modernen Soundtrack zu der kulturellen Desintegration (Desegregation wäre eine bessere Option gewesen) aufbieten....bei uns verkleistern sich junge Menschen, die nie erleben durften, was Abschied bedeutet, mit schmissig feiner Sahne und toten Hosen das Gehirn.

Für mich ist Kunst, was berührt, anhaltende Resonanzen hervor ruft und Ausdruck von nicht beliebig vorhandener Expertise ist. Die Verengung auf die "schöne Kunst" ist eine Verengung.

Davila ist ein Quell interessanter Gedankenanstöße, aber eine "Hölle ohne Qual"ist keine Hölle.

An die Qual gewöhnt sich auch der letzte Gutmensch nicht. Möge sie ihm widerfahren.

Laurenz
31. Juli 2019 16:56

Ohje, Herr Lichtmesz, ich hatte den Fehler begangen, Ihren Artikel zu lesen.

Black Pilleds Analyse der Toleranz ist recht gelungen, allerdings läßt er unvorsichtigerweise die Intoleranz außen vor, anscheinend, weil er der Meinung ist, das ergäbe sich von selbst. Das ist wohl mit seiner religiösen Herkunft und der US Flagge an der Wand begründet.  Ich muß nicht mit einem Mann ins Bett gehen, um zu wissen, daß ich nicht schwul bin. Es handelt sich also um ein angeborenes Wissen. Daß dieses innere Wissen dem Menschen anscheinend verloren geht, mag an einer medialen Manipulation liegen, allerdings wird dieses auch, wie in der Kunst, vom Zwang/Sucht nach Aufmerksamkeit begründet. Im Falle von Opiaten existiert kein inneres Wissen, dort ist der junge Mensch auf externe Informationen, also auf Erziehung angewiesen, bekanntestes Beispiel Hermann Göring, der zwangs-entzogen wurde. Ein Kaspar Hauser wäre quasi wehrlos.

Was körperliche Toleranz angeht, so liegt BlackPilled nicht ganz richtig. Die Suchtgefahr ist bei jedem Menschen, außer bei Opiaten etc., individuell unterschiedlich. Aufgrund unserer Entwicklungsgeschichte verträgt unsere weiße Rasse/Ethnie besser Milch und Alkohol als jede andere. Mutter Natur nimmt einfach die Verluste und Ausfälle wie bei Herrn Cash oder der Krankheit Cystis Vibrosis hin, um uns diesen evolutionären Vorteil der besseren Verträglichkeit von Milch und Alkohol im Norden zu verschaffen, eben um die seelische/körperliche Belastung von mangelndem Licht und zuwenig Vitamin D besser ertragen zu können. Hier kommt auch die spirituelle Düsterkeit unseres Volkscharakters aus der tatsächlichen halbjährlichen Düsterkeit zum tragen, sagen wir, neben unserer blutrünstigen Geschichte, die es immer zu verarbeiten gilt.

Der erste grandiose Fehler in BlackPilleds Analyse schleicht sich mit Gott ein. Die mißbräuchliche Früh-Konditionierung durch Religion und Flagge erschafft nach Goethe erst das Böse, um sich von Ihm unterscheiden zu können. Erst die Implementierung von moralischen und nicht natürlichen Regeln erschafft das Verlangen nach universalem Ausgleich. Das läßt sich an den organisierten Reisen in Sex-Tourismus-Staaten wie Deutschland oder Thailand erkennen, die vor allem aus restriktiven katholischen oder muslimischen Staaten organisiert werden. Nicht christliche Wikinger brauchten keine Pornos. Kopuliert wurde öffentlich auf der Hausbank neben der Haustüre zum Dorf hin. Daran erkennen Sie, wie verkorkst wir durch artfremde orientalische Prägung geworden sind. Eine mächtige göttliche Allmacht kennt weder Moral noch handelt sie nach ihr. Würden wir uns tatsächlich nur in ihr spiegeln wollen, gäbe es nur Abneigung oder Zuneigung, aber keine BlackPilled'sche Polarisierung. Die Dosis des Konsumierten macht jeweils das Gift oder die Medizin.

Musik, braucht wie jede Kunstform, Aufmerksamkeit des Tabus, des Verbotenen, allerdings auch nur deshalb, weil die Frauen als Kulturträger seit dem 1. Weltkrieg ausgefallen sind und arbeiten müssen, sie sind nicht mehr zuhause gegenwärtig und aufmerksam. Das heißt, die Wertigkeit der Volkslieder/Gedichte aus der deutschen Romantik oder früher, ging verloren. Aber Ihre Gothik-Düsterheit tritt auch schon da zutage, ob Sie nun "Sah ein Knab' ein Rös'lein stehn, Ich hatt' einen Kameraden, Horch was kommt von draußen rein, oder den König in Thule" singen. Wenn ich, unter Rechten, letzteres eine Oktave unter dem Original gesungen habe, kam das meist gut an. Das kann man so, wie Sie im Gothik-Modus sehen, oder einfach nur unter einem zeitgeistigen Mangel an offensichtlicher Männlichkeit in der Gesellschaft. Lesen Sie doch mal hier bitte kurz die Essenz der Autorin über Rammstein in Rußland. https://de.sputniknews.com/kultur/20190730325535685-rammstein-moskau-konzert-reportage/

Auch Mozart nutze gerne die morgenländische Exotik um Aufmerksamkeit zu erheischen, einerseits Effekthascherei andererseits war er Freimaurer mit politischen Zielen. 

Wenn wir in Ihren mystischen Konflikt gehen, stellen wir fest, Jesus ist stink langweilig, außer man läßt ihn ganze Schwadronen von Magdalenen-Darstellerinnen flach legen, wie Karl Marx oder August der Starke auch. Der düstere Hagen von Tronje ist in seiner Nibelungentreue wesentlich spannender als alles licht-mächtige Gesocks, wie zB Siegfried (real Arminius, Hermann), im Universum. Mit Siegfried alleine hätte Wagner keinen Hund hinter dem Ofen hervorgelockt. Und wer sich Wagner 5 Stunden antut, ist ein Masochist. Nur die visuelle Stimmung mit Ohrenstöpseln kann die Aufführung retten. Und lesen Sie doch mal Grusel- oder Geistergeschichten tagsüber im sonnendurchfluteten Schwimmbad vor, klappt bestimmt wunderbar.

Die Verfassung der USA ist klar ersichtlich von Freimaurern definiert, und bildet mit der Bibel die einzige Identität stiftende Basis der Vereinigten Staaten von Amerika. Christen ignorieren hier wieder gerne das Gesetz von Ursache und Wirkung, BlackPilled auch. Daß Präsident Woodrow Wilson diese angeblich gereute degenerierende Wirkung durch die Gründung der FED noch verstärkte, bleibt fast belanglos. 

Auch Karl May (*1842, +1912) nutzte literarisch das von Ihnen skizzierte BlackPilled-Bild. Auch er beschrieb in christlicher Manier seine teuflischen, wie verbrecherischen Gegner und Verführer mit singulär schönen Gesichtszügen, die aber im gesamten Anblick nicht harmonierten. Und das ist schon etwas her. Und selbst reale existierende Gestalten, wie zB López Jordán, wurden so skizziert, ob es nun stimmte oder nicht. https://en.wikipedia.org/wiki/Ricardo_L%C3%B3pez_Jord%C3%A1n

Ich mag auch vieles von Rammstein und Depeche Mode, auch die Düsterheit (früher Dark-Awakening-Parties), aber ebenso bin ich frei, Mozart, Vivaldi, Udo Jürgens und Fritz Wunderlich zu hören. Wobei wahrscheinlich Fritz Wunderlich sich am besten als Sterbe-Begleitung eignet, falls man noch hören kann. Ich höre nur das, was ich als für mich gut erachte, und wenn es zuviel wird, der Kanal voll ist, schalte ich ab oder gehe aus der Konzert-Halle raus. Und weil ich meine Ohren noch länger zu benutzen gedenke, höre ich meist leise Musik und drehe nur selten volle Kanne auf. Laut kann jeder, aber leise gut klingen nur wenige.

Was die Gothik-Szene angeht, so bin ich der Meinung, daß sie mit der Musik und Tatoos kurzfristige, volkswirtschaftlich günstige Trauma-Therapie betreibt. Tatoos bringen, wie mehr Geld/Einkommen, meist nur kurzfristiges Glück und Erlösung. Macht man sich in seinem Befinden davon abhängig, braucht man bald wieder neue BlackPilled-Dosen. Das ist insofern ungünstig, weil es sich in den Nachkriegsgenerationen meist um ererbte Traumata handelt, die mit dem aktuellen eigenen Schicksal weitestgehend nichts zu tun haben. Tatoos helfen auch Borderline und altersbedingten Narzißmus zu verbergen oder gewissermaßen zu therapieren. Aber in meinen Augen geht es eben nie an die Wurzel einer Depression oder Degeneration.

Persönliche oder globale Endzeit-Szenarien, die auch hier auf SiN öfters einschlagen, bleiben sinnentleert. Entweder verdampfen wir im Supergau und brauchen uns keine Gedanken mehr zu machen, oder es wartet immer wieder eine Lösung auf uns.

Was die Haltung des Chefs angeht, so habe ich volles Verständnis für Seine Sichtweise. Es gibt Bereiche, ob nun in der Kunst oder im Erleben eines Psychopathen jenseits des menschlichen Seins. Die Phantasie eines Stephen King ist einfach krank für mich. Ich habe mir nur "Stand-by-me" angetan, das bleibt im menschlichen Bereich, und ist auch für Jugendliche nachvollziehbar und ganz gut geschrieben. Bei Edgar Allen Poe, ist das wieder eine Frage der Darstellung. Ich denke, Herr Kubitschek hat/hätte nichts gegen das Musik-AlbumTales of Mystery and Imagination" von Allan Parsons einzuwenden. Weiß ich aber nicht, ist nur eine Vermutung. https://youtu.be/0KTXuFU-2RM

Das Leben des Brian, oftmals in der deutschen Synchronisation besser als im englischen, bereitet wohl deshalb Unbehagen, weil das Lachen der spirituelle Beweis der Wahrheit ist, egal wie lange das Ereignis her ist. Wer kann schon über Holocaust-Witze lachen?
Und eine Divergenz zwischen Wahrheit und Überzeugung bereitet meistens Unbehagen.

Von daher bleibt am Ende von BlackPilled-Video 2 nur die alte Nummer vom Sündenbabel. Wie wäre es mal mit was Neuem?

Nordlicht
31. Juli 2019 17:03

"The United States of America is the demon of the world."

Diesen Satz halte ich für falsch und als Motto für das Buch irreführend bis schädlich.

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Was die düstere bis satanistische Kunst angeht: Da testen Leute Grenzen aus, und etliche jugendliche Konsumenten zieht das an, sie provozieren (auch) damit ihre Eltern und Lehrer. Als normal würde ich ansehen, dass man als Erwachsener von den Abgründen in sich einen sicheren Abstand hält. Man muss nicht damit spielen.

Dass Sänger wie Cash oder Cohen die Düsternis in sich spüren und sich darüber mitteilen, ist verständlich; vielleicht hat sie das vom Selbstmord abgehalten.

Waldgaenger aus Schwaben
31. Juli 2019 17:06

Ein Artikel von Lichtmesz, dem ich voll zustimmen kann. Kommt selten vor, weil wir wohl zu unterschiedlich "konstitutionell" geprägt sind. Ein Freund nannte mich mal Zwangsoptimist. Es war wohl in der Zeit des Tschernobyl-Unfalls. Vielleicht auch zur Zeit des Nato-Doppelbeschlusses.

Ich las mit elf Jahren Karl May.

Um das Bild der Pillen aus meiner Sicht weiter zu führen:

Der Tod ist des Schlafes Bruder und wenn die blaue Pille nicht mehr genügt kritische Geister ruhig zu stellen, kommt die schwarze zum Einsatz.

t.gygax
31. Juli 2019 17:09

Das erfreut mich sehr, dass GK das Manson Zitat rauswarf. Zum Glück! Man muss nicht jede Pforte der Wahrnehmung öffnen....
Cash- mit dem ich mich seit 42 Jahren beschäftige- war ein Mann, der seine Zerrissenheit künstlerisch auslebte ( The beast in me"- ein bezeichnender Titel mit dem Schluss "God help the beast in me") , aber trotz aller seiner destruktiven Seiten fand er im Glauben an Jesus Christus einen Halt. Selbst hartgesottene Nichtchristen haben mir gesagt, dass Lieder wie "Spiritual" oder "Redemption" sie tief bewegt haben. ( die live Aufnahme vom Jazz Festival in Montreux ist faszinierend!)
Zur Malerei: es gibt für mich ohne Zweifel eine göttliche und eine teuflisch inspirierte Kunst. Vergleicht man Angerer den Älteren mit Hans Ruedi Giger, dann versteht man das. Vom Stil her- magischer Realismus- sind die sich nahe, aber geistig tut sich da ein trennender Abgrund auf, der nicht zu überbrücken ist.
"Das Leben des Brian" ist abstoßend, geschmacklos und lästerlich. Der überzeugte Atheist Ingmar Bergman näherte sich trotz seiner Ablehnung christlichen Themen mit großer Ehrfurcht- wie auch Benn, Brecht etc. um ein paar Literaten zu benennen.

Thomas Martini
31. Juli 2019 17:17

"Kubitscheks Haltung ist die eines gesunden Menschen."

Das ist wahr. Und in letzter Instanz geht es bei dem, was Martin Lichtmesz hier zu meiner großen Überraschung ansprach, um die Frage ob "Krank", oder nicht?

"Wir sind krank!
Und ich mein' nicht den Rap aus'm Süden
Ich mein' das, was wir täglich in der Glotze sehen.
Das ganze Übel,
macht uns krank!
Doch das reflektiert nur, was wir sind
Egal ob Vater, Mutter oder Kind, wir sind alle, wir sind alle
Krank!
Wären gern gesund, aber wissen nicht mehr, wie.
Zwischen Lügen, Drogen, Fun, Partytime und Hysterie.
Zwischen Krieg, Eltern, Ärger, Arbeit, Druck, Psychatrie.
Zwischen "Wir wollen hier sein und gleichzeitig fliehen"!
Ist es nicht alles krank?
Doch, ist es und wir wissen's
Wir sind kranke, kaputte Menschen,
Im Fernsehen
Und finden das witzig, ehrlich,
Das ist krank!

Vater und Sohn heiraten, schwören sich ewige Treue
Bei Olli Geissen, perverse Scheiße,
Das ist krank!

Mit 13 das erste mal Gangbang,
das ist krank.

Menschen töten Menschen für ein Land, das ist krank.

Kein Dach über'm Kopf, manche leben auf der Bank:

Krank!

Keine Hoffnung, Leute saufen sich um den Verstand:

Krank!

Andere bestimmen über dein Leben, das ist krank.

Du sagst die Wahrheit, aber sie lassen dich nicht reden, das ist krank.

Der eine hat alles, der andere nichts:

Krank!

Einige sprechen nur noch mit Waffen, ist das nicht krank?

Manche verlieren vor lauter Schmerzen den Verstand,
suchen Hilfe bei Ärzten, die nicht helfen wollen, das ist krank!

Wir fühlen uns wie verloren, warten auf Hilfe von oben,
lindern die Symptome durch Drogen, obwohl wir wissen,
das ist, das ist, das ist...

Krank!

Wie wir hier leben, unsere Verfassung, der ständige Kampf in uns und mit jedem:

Das macht uns krank!

All' diese Regeln, die Überwachung, Mauern und Käfige, die uns umgeben:

Das macht uns krank!

Das Glück, nach dem alle streben, wir kriegen's nicht zu fassen,
suchen's vergebens und verzweifeln:

Das macht uns krank!

Wir hoffen und beten, heben die Waffen und zerstören uns gegenseitig.

Weswegen?

Denn wir sind krank!

Und ich red' nicht von Prothesen und Krücken;
Ich mein' unser Wesen, die meisten von uns sind geistige Krüppel.

Verwirrt, weil uns keiner wirkliche Werte vermittelt,
sie meinen, was wir wert sind, misst sich an dem, was wir besitzen!

Is' das nich krank?

Wir werden reingeboren in diese kranke Welt
In der man DICH, wenn DU gegen das Kranke kämpfst, für den Kranken hält.

Keine Entwicklung, wir sind Schafe, folgen den Hirten,
nehmen seine Medizin ein und versprechen uns Wirkung:

Aber das ist krank!

Drogen machen krank, Gier macht uns krank.

Keine Liebe innerhalb der Familie, das macht uns krank.

Der Hass in uns, den sie schüren, wird zum Geschwür und macht krank.

Blut, das wir vergießen, Kriege, die wir führen, machen krank!

Was? Eltern erziehen Kinder durch Schläge, das ist krank.

Fast niemand ist glücklich mit seinem Leben, das ist krank.

Wir sind, - krank, voller Panik, Ängsten und Wahnsinn,
und fügen uns selber Schmerzen zu um zu fühlen, daß wir da sind
Das ist krank!
Beuten Tiere aus, machen sie zu des Menschens Sklaven.
Quälen sie, töten sie und essen dann ihre Kadaver, das ist krank.

Arroganz, Ignoranz, das ist alles krank.

Herzlosigkeit, Neid, Gefühlskälte ist krank.

Zwänge, Depression, Volksverdummung, Rassentrennung, wir sind krank.

Kennen keine Grenzen, Menschen hassen Menschen, fühlen sich verloren,
suchen Hilfe von oben, lindern die Symptome durch Drogen
Obwohl sie wissen das ist, das ist, das ist krank."

Kool Savas, "Krank" aus dem Album "Tot oder Lebendig"

Ostelbischer Junker
31. Juli 2019 17:17

Manchmal kommt die Vermutung auf, dass Hr. Lichtmesz mit höheren Mächten im Bunde steht:

Seit Tagen grüble ich darüber nach ob eines meiner Lieblingslieder, ,,America" aus der West Side Story, nicht eigentlich eine Hymne des Bösen ist und nun tritt Hr. Lichtmesz auf den Plan und stellt seine Machete im Gedankendschungel zur Verfügung.
Leonard Bernstein als der Saturno Butto der Klassik.
Das Lied ist dynamisch, kraftvoll, witzig, berauschend. Dann wird man sich immer klarer über die darin vermittelte Botschaft: Hass auf die eigene Herkunft:,, Puerto Rico, my hearts deep ocean, let it sink back in the ocean"
Der Kampf aller gegen alle um seinen Anteil in der Verwertungsmaschine:,, life can be bright in America!
If you can fight in America! " und die Akzeptanz dass dabei viele unter die Räder kommen.
Der Wille für den Konsum zu leben, das Preisen von Waschmaschine und neuem Appartement.
Das perfide ist, dass der (mehr als berechtigte!) Wunsch der Armen auf Wohlstand mittlerweile auf einer Stufe mit der zusätzlichen Milliarde auf Zuckerbergs Konto steht.
We all just wanna improve our life's, don't we?
Schönheit der Form verleiht dem Bösen nur mehr Macht. Und ich bete dass Gott mich trotzdem nicht fallen lässt, obwohl ich zu schwach bin, mich von solcherlei Dingen vernzuhalten, die ich mir selbst eben noch als Adiaphorum verharmlost hatte.

Zum Thema Blackpilling: 2014 habe ich eine Riesige Dosis zu mir genommen. Die Erkenntnis, dass die dem NSU unterstellten Morde nicht von diesem begangen wurden, ja dass der Staat hier eine Terrorgruppe nachträglich erfunden hat und ungeklärte Morde unter Migranten gekonnt entsorgt hat, ließ das Monster unbesiegbar erscheinen.
Aber zum Glück gibt es den Herrn Jesus.
Das hier ist alles Windhauch, wenn du dich nicht für das Monster interessierst, dann wird es dich nicht bemerken.
Raspail gibt Hoffnung: wir Leben hier für einen Humbug, immer schon. Aber dieser Humbug ist schön und wenn nur eine Winzigkeit der Schönheit bewährt werden kann, so war auch ein Leben im Schmutz nicht vergebens und wert gelebt zu sein. Mittlerweile bin ich tolerant gegen jedwede Dosis schwarzer Pillen.
Meine Seele kriegst du nicht Satan!

Andreas Walter
31. Juli 2019 19:25

Folgender Satz denke ich macht am deutlichsten klar, was Trent Reznors Konflikt auch mit dem "Vater im Himmel" begründet:

"After his parents divorced, he lived with his maternal grandparents from the age of six, while his sister Tera lived with their mother.[13]"

Das Phänomen heisst in der Psychologie Übertragung. In Reznors Fall eine Strategie seines Schattens, mit dem Schmerz darüber gesellschaftlich akzeptiert umzugehen. Männer bleiben dabei häufig aufgrund gesellschaftlicher Erwartungen und Traditionen in der Wut, im Vorwurf oder im Zorn stecken, während es sich bei Mädchen oft auch anders bemerkbar macht, ein gesellschaftlich akzeptiertes Ventil findet:

https://youtu.be/VKOOnpqsOrs

"Ihr Vater Emanuel Streisand war Grundschullehrer und starb, als sie 15 Monate alt war."

Es kommt auch dabei aber immer auf die genauen Umstände der Ereignisse an, die man sehr gut auch mit Familienaufstellung bewusst, sichtbar, begreifbar machen kann. Weshalb sich nicht wenige auch davor fürchten. Nämlich vor den Gefühlen, die einen auch dabei womöglich überfluten können. Nix für Amateure, zumindest betreffend des Therapeuten. Das ist aber auch die Erklärung, warum sich trotz der Engst in negative Gefühle hineinfallen lassen heilsam wirkt. Da wo die Engst sitzt geht's lang.

Mit Religion und religionsähnlichen Ideologien, Gruppen und Sekten muss man daher auch sehr vorsichtig sein, da nicht wenige dieser Gruppen genau solche Umstände sich gerne zu Nutze machen. Entweder finanziell, für ehrenamtliche Tätigkeit oder aber auch noch für andere, grenzüberschreitende Aktivitäten (Sexualität, Kindesmissbrauch, kriminelle Handlungen bis hin sogar zu Mord und Totschlag, Terrorismus). Gerade wohlhabende Länder sind für solche Gruppen daher ein unwiderstehlicher Magnet.

Stefanie
31. Juli 2019 19:41

Was ist Kunst? - Kunst stellt die existentiellen Fragen des Lebens (z.B. nach Liebe/Tod/Gier/Haß/Verrat/Liebeskummer). Sie übersetzt sie in eine Bild- oder Tonsprache, findet Begriffe, formt Archetypen, Handlungsabfolgen, die es dem Rezipienten ermöglicht, über diese Dinge selber weiter Nachzusinnen – Sie macht diese Innenwelt (oder Überwelt) dem Denken zugänglich. Und zu diesen Existentiellen Dingen gehört in unserer manichäisch geprägten Welt eben auch "das Böse" (mag sein, daß polytheistische Religionen hier differenzierter vorgehen: Hades, Hel und Khali sind ja bei weiten nicht die großen Bösewichte, wie der alte Pferdefuß.)
Deshalb glaube ich auch nicht an das Dogma, daß Künstler und Kreative generell links wären; sobald die von den rechten wahrgenommen Problemfelder in weiteren Kreisen existentiellen Charakter annehmen, wird es auch die entsprechende künstlerische Bearbeitung dazu geben. (Allerdings wahrscheinlich weniger aus dem Sezzesionsumfeld: hier tummeln sich dazu wahrscheinlich zu viele Analytiker und Kopfmenschen.) Nun mögen der hier anwesenden Leserschaft ganz andere Begriffswelten eingängig sein, als dem gemeinem Tatort- bzw. Telenovelazuschauer, doch man sollte diese populären (oder populistischen?) Formen nicht gleich als seicht und eindimensional verwerfen : oft sind es sehr starke Motive, die ihre Wirkung sicher auch beim Intellektuellen nicht verfehlen (wenn er nicht gerade hohe Mauern und tiefe Gräben um seinen Geist errichtet hat, um "redpillt" oder "blackpilled" bleiben zu können). Der kommerzielle Bereich wirkt hier noch am unproblematischsten: er bedient eben einfach einen Massenschmack, um rationell produzieren zu können. - Die Alternativen sind das Erziehungsfernsehen und ein Kulturbetrieb, der von der Selbstbestätigung lebt. - Andererseits liegt das Problem der Konzentration auf den kleinsten gemeinsamen Nenner eher darin, daß die "Masse" nur noch mit einer sehr eingängigen und reduzierten Formensprache in Berührung kommt und damit auch deren eigene Ausdrucks- vielleichts sogar Empfindungsmöglichkeiten sich immer weiter degenerieren und transzendentere Bereiche oder die Graustufen in moralischen Fragen gar nicht mehr wahrgenommen werden können. So wie man eben in Newspeak keine rebellischen Gedanken mehr formen kann.

Wo passt in diesem Zuammenhang ein Stephen King hinein? Nun, er behandelt ganz offensichtlich die Frage des Bösen in einer amerikanischen Lebens- und Begriffswelt, die über den Siegeszug Hollywoods eben auch für den Rest der Welt die maßgebliche ist. Er ist jedoch definitiv kein Nihilist: er läßt das Gute gegen ein geradezu übermächtig Böses antreten – und in den meisten Fällen gewinnt das Wahre, Schöne und Gute -wenn auch unter schweren Verlusten. Er laßt damit wahrscheinlich eine Saite bei seinen Lesern erklingen, die im Happy-End-lastigen Unterhaltungsgewerbe sonst kaum angeschlagen wird: die Möglichkeit von Verlust und Scheitern wird thematisiert, die klassische Tragödie eben. Das Böse bildet in diesem Genre die finstere Vorlage, vor der das Gute erstrahlen kann. Es ist Mittel, kein Zweck. Persönlich würde ich selbst die Linie ziehen, wenn der Horror (also der Schrecken) zum reinen Schock und Stimulans wird oder das Böse als Möglichkeit umarmt, also zum reinen Nihilismus wird.

Um aus der abstrakteren Welt der Musik ein Beispiel zu bringen: Im Lauf der Geschichte hat sich die Toleranzschwelle für Dissonanzen deutlich erhöht: man brauchte immer mehr und immer schärfere dieser "Mißtöne" um ein Gefühl von Spannung zu erzeugen (also eine klassische Eskalation). Andererseits finden sich aber schon bei Bach solche "Teufelsintervalle" (Tritonus), also verminderte Akkorde, die Verlust, Angst und Leid verkörpern und geradezu nach Erlösung verlangen. Diese kommen dann erst im 20.Jahrhundert wieder z.B. Im Jazz oder der Zwölftonmusik in Gebrauch. Allerdings wirken sie hier eher wie ein manieriertes Stilmittel oder Produkt irgendwelcher abstrakter Theorien. Anders sieht es im Blues aus: hier wirken die Dissonanzen und der schleppende Shuffle-Rhytmus als glaubhafte Darstellung des Elends der Schwarzen – die dann mit der breiteren Erfahrung des Elends auch weißer Kreise in der Weltwirtschaftskrise eine gängige, allgemeinverständliche Ausdrucksform wird, die später von den rebellierenden Halbstarken der 50er und 60er im Rock `n Roll aufgegriffen wird. Man triftt auch auf die Anschauung Elvis und Co. Hätten den Schwarzen den Rock `n Roll gestohlen – sprich ihnen dessen Stilmittel als eigene Ausdrucksmöglichkeit genommen, indem sie ihn kommerzialisierten. Die Reaktion darauf wäre dann der Rap, der schließlich den Rock irgendwann in den 90ern in seiner "Rebell"-Funktion ablöste, als dieser seinen "roll" verloren hatte (also Bluespentatonik und den swingenden Rhytmus) und zum Mainstream geworden war. Das Problem der heutigen Populärmusik liegt weniger in den fehlenden Dissonanzen, als in der harmonischen Verflachung. Den Verzicht in der musikalischer Formensprache muß man dann durch expliziertere Texte kompensieren, den Verlust der alten Tabuthemen (Sex/Drogen) mit einer Eskalation zu Schock, Gewalt, Tod und dem Bösen.

HomoFaber
31. Juli 2019 21:17

Dies alles gibt es also

Laurenz
31. Juli 2019 22:54

@Stefanie .. die von Ihnen angesprochene Künstlerproblematik geht grundsätzlich von 2 unterschiedlichen Prämissen aus. Entweder verhungert Kafka oder der von den degenerierten feudalen Hofschranzen geliebte Goethe muß Seinem Fürsten entsprechen, Ihn gekonnt unterhalten. Beide sind niemals frei in der Kunst, der eine durch den Tod, der andere durch den Fürsten. Und derjenige Künstler, der bereits begütert ist, erlebt nichts an emotionaler Not, ohne die die Kunst nicht wertvoll wird.

Heute gibt es mehr Künstler als jemals zuvor, wir haben bald mehr davon als Konsumenten. Von verkauften Tonträgern kann man nur noch im Schlagersegment leben, wobei dort nicht wirklicher Produktions-technischer Aufwand betrieben werden muß, die Konsumenten sind mit wenig zufrieden. Helene Fischer Silberlinge sind wenigstens noch mit etwas Aufwand produziert. Im Metal-Bereich Bereich geht das gar nicht. Dort zählt jedes 1/4 DB mit dem man die Produktion fetter klingen lassen kann, aber die wenigsten Musiker in diesem Genre können noch von der Musik leben, und wenn, nur von Live-Konzerten, es ist eher ein Zuschuß-Geschäft. Und selbst wenn man jetzt in Wacken spielen kann, sind die Gagen minimal, weil das eher als Promo zählt.
Jazzer haben generell von Produktionen überhaupt keine Ahnung, weil das bei deren Musik völlig egal ist, wie es klingt. Versteht ja eh niemand. Jazzer spielen eigentlich nur für sich selbst oder Intellektuelle ohne musikalisches Gehör und andere Jazz-Musiker. Leute, wie Gilad Atzmon kann man zumindest für eine halbe Stunde ertragen, ähnlich wie Wagner.
Bei Schönberg und Webern kann man sich die Eintrittskarten sparen und sich auf der Baustelle neben einen Preßluft-Hammer setzen, kommt auf dasselbe raus. Ich wurde damit in der Oberstufe ein halbes Jahr gefoltert. Das wäre eine Klage bei der UN-Menschrechtskommission wert gewesen. So krank die Frankfurter Schule ist, so Menschen verachtend ist die Non-Musik.

Was uns heute von den 70ern bis in die 90er unterscheidet, ist das Netz und das Geld. Das Geld, welches heute noch da ist, kassieren im wesentlichen Netflix, Itunes, Amazon, Google etc. ab. Für durchweg gute Produktionen fehlt einfach das Geld. Nur bei Top-Acts wie Adele ist dafür noch Geld da. Auch gut budgetierte Produktionen wie "Game of Thrones" oder "Star Wars" sind mit genügend Geld ausgestattet, um die Musik in sehr guter Qualität zu produzieren. Die bekannteste Metal-Band, die bei Nuclear Blast neben 120 anderen Bands unter Vertrag ist, ist Nightwish. Nightwish kann sich es erlauben, Londoner Orchester für die Studio-Alben und die Live-Playbacks zu buchen, aber für eine Tournee ist das unbezahlbar.
Im Vergleich dazu nehmen Sie das Pink-Floyd-Album "Wish you were here". Da hatte man einfach mal für ein Jahr die Abbey-Road-Studios gebucht, ohne vorher auch nur ein Lied geschrieben zu haben, heute unvorstellbar.
https://youtu.be/9yP2_ljagGI
Natürlich gab es auch sparsame Bands, wie Deep Purple, die mit harter Arbeit die "Machine Head" in 3 Wochen einspielten. https://youtu.be/QTKI8DV8NsE
Aber damals mußte man dazu auch noch das teure Rolling Stones Mobile (Studio) mieten, nicht gerade billig. Heute sitzt man quasi nur noch am Rechner. Wenn man es richtig macht, schneidet man die Atempausen des Gesangs heraus, nur um den Pegel zu sparen, den solch kleine Nebengeräusche verursachen. Potentielle Konsumenten verstehen keinen Spaß.

Im Cross-Over wird meist auch schlecht produziert, was sehr schade ist, bringt aber eben kein Geld, siehe hier https://youtu.be/2csfvIEO5kU

Auch in der Klassik, meist öffentlich - oder durch gewerbliche Sponsoren subventioniert ist der heutige Aufwand enorm teuer. Bei Studio oder Live-Aufnahmen wird jedes einzelne Instrument abgenommen, entweder mit Mikro oder mit Tonabnehmer, einzeln effektiert und später im Studio gemischt. Siehe zB hier die beste Aufnahme (aller Zeiten) des Imperial March aus StarWars mit den Wiener Philharmonikern, weil die die besten Hornisten (weltweit) haben.
https://youtu.be/4wvpdBnfiZo
Hier nutzte die Ton-Technik durchweg Mikros am Platz. Im Vergleich dazu nahmen die Berliner Philharmoniker schon bei der Expo-Hannover im Jahre 2.000 grundsätzlich Ton-Abnehmer oder Mikros direkt am Instrument. Gut hier zu sehen. https://youtu.be/mNI9Rp0jzn4
Wenn man sich im Vergleich dazu Aufnahmen mit Karajan oder Bernstein anhört aus den 70ern, ist das ganz anders. Man nutzte da nur ein paar Raum-Mikrophone, die im Prinzip nur das aufnahmen, was auch der Zuschauer im Auditorium hörte und zwar mit allen Interferenzen, die bei heutigen Aufnahmen weitestgehend wegfallen. Ich tendiere eher zu alten Aufnahmen, die digital re-mastered sind, sprich mit heutiger Technik, aber analog komprimiert werden.
Heute entspricht das, was wir zu hören und zu sehen kriegen, eher dem Goethe-Model, es ist eben politisch bestimmt subventioniert, Hofnarren. Nur wenige Künstler wie Lisa Fitz oder Uwe Steimle trauen sich noch den Mund aufzumachen, anscheinend garantieren sie Quote. Natürlich kann man auch mit kontroverser Politik Aufmerksamkeit erhalten wie zB Chris Ares https://youtu.be/2RWDoMN9yMM

Wir haben heute eher ein Geld-Problem, schon bei der kindlichen Erziehung, und weniger einen Mangel an künstlerischer Qualität.

Gracchus
31. Juli 2019 23:16

Wahrscheinlich hat mich die frühe Lektüre von E. A. Poe, F. Kafka, Dostojewski, Bernhard vergiftet. Dennoch gehören die Werke von Dostojewski und Kafka noch immer zu meinem Kanon, im Laufe der Zeit sind die komischen Seiten stärker hervorgetreten. Hinzu gekommen sind noch Julien Green und Denis Johnson.

(Was mich aber am meisten "traumatisiert" hat, was ich heute nicht mehr in die Hand nehmen würde, war Adorno/Horkheimer: Die Dialektik der Aufklärung und Gudrun Pausewang Die Wolke.)

Lichtmesz interessanter Artikel eröffnet natürlich ein weites Feld, und ich kann darin mitgehen, dass ich früh schon von düsteren Kunstwerken angezogen war. Das entsprach wohl einer eher düsteren Gestimmtheit und - wie @Stefanie schreibt - die beginnende Beschäftigung mit existentiellen Fragen.

Man sollte dabei unterscheiden. Das Böse, scheint mir, ist oft nur Pose und und zeigt die selbstreferentielle Schliessung der Kunst an, wie sie sich im Schlagwort des "l'art pour l'art" an. Von einem mittelalterlichen Standpunkt muss diese Selbstbezüglichkeit als abgrundtief böse erscheinen. Sie spricht ihr "non serviam" und dient ab sofort nur sich selber. Man kann das aber als notwendige oder unvermeidliche Phase sehen.

Gut, das ist ein Thema, das leicht zu Abschweifungen verleitet. Das Dunkle muss nicht immer das Böse anzeigen, es kann sich auch um den Schatten handeln, um das Verdrängte. Mich interessiert das, weil sich eben da auch die existentiellen Fragen verbergen; und böse ist dann eher das, was davon abhält, sich damit zu beschäftigen.

Laurenz
1. August 2019 05:29

@Stefanie ... Nachtrag .... Es ist meist eine technische Frage oder die der Umwelt in der man sich befindet, die das künstlerische Sein bestimmt.
Die Rock-Musik erfand quasi der Schwarze Jimmy Hendrix, aber wie schwarz war Er denn? Die weiße Definition von Louis Farrakhan bedeutet, daß ein Tropfen schwarzen Blutes reicht, um schwarz zu sein. Jimmy Hendrix machte im Prinzip weiße Musik und ohne die Erfindung der richtigen Nutzung von Tonabnehmern/Pick-Ups durch Les Paul https://de.wikipedia.org/wiki/Les_Paul gibt es keine Rockmusik. Lenny Kravitz, Seal und Tony MacAlpine machen im Prinzip weiße Musik, eben weil sie so sozialisiert wurden. https://youtu.be/X88wG66UDkk während der schwarze Chorgesang auf Adiemus von einer weißen Sängerin eingesungen wurde, die in Süd-Afrika sozialisiert wurde https://youtu.be/aL8kZ-iVk90.

Bach, Vivalidi und Mozart waren musikalisch absolute Rocker. Und sie verkauften sich auch als solche. Sie hatten seinerzeit eben nur keinen Strom.

https://youtu.be/YuF4oYRktcA Vivaldi damals

https://youtu.be/J5NBoIKrSns Vivaldi heute

Allerdings ist es viel schwieriger schnelle klassische oder barocke Stücke auf der Gitarre presto zu spielen, als auf der Violine, einerseits durch die viel längere Mensur der Gitarre und die Violine ist in Quinten gestimmt, die Gitarre nur in Quarten.

Was die Exzesse von Musikern angeht, so ist der Kiss Bassist Gene Simmons (Chaim Witz) heute noch als Unternehmens-Berater vor allem für Finanz-Investoren gefragt. Er erfand das Merchandising (ein Verkaufs-Schlager waren leere Kiss-Saiten-Packungen für Kiss-Luftgitarren), und trinkt keinen Alkohol. Aber wenn die Zeitungen nichts schrieben, zertrümmerte man halt mal ein Hotelzimmer. Drogen- und Alkohol-Karrieren von Dave Gahan, Lemmy Kilmister, James Hetfield, Tommy Bolin, Bon Scott oder Kurt Cobain sind weniger dem Bösen/Guten geschuldet als vielmehr dem erlebten Ereignis. Wenn man mit 25 Jahren vor 60.000 Leuten spielt, welche alle Lieder mitsingen, ist es eben schwierig, die Füße auf dem Boden zu halten. Die menschliche Neigung abzuheben, ist groß. Siehe hier so ab 03:50 https://youtu.be/5981Ay4q1nQ

Der größte Teil der Debatte, die Herr Lichtmesz hier gestartet hat, basiert auf Verkaufs-Strategien. Darüber hinaus sollte man weniger hinein interpretieren, als wirklich da ist. Denn das macht uns nur lächerlich.

Bei der Ziel-Kundschaft des Verlages zu Schnellroda ist es eben nicht nötig, sich das Gesicht mit einer Dämonen-Maske a la Gene Simmons zu schminken, die Dämonisierung besorgt schon kostenlos die linke Presse, so ganz ungeschminkt. Allerdings kommt es beim Zielpublikum gut an, wenn ein kluges Tolkien'sches Elbenweib Bücher präsentiert. Etwa so wie hier bei 01:42 https://youtu.be/Xm-8LXUG-C0

Thomas Martini
1. August 2019 05:33

Ich erinnere mich an einen Beitrag von Götz Kubitschek, indem er ausführte, wie er alles in seinem Leben auch von einem politischen Blickwinkel betrachtet, selbst so banale Dinge, wie das Unkraut jäten im eigenen Garten.

Martin Lichtmesz hat den Leser hier mit seinen losen Gedanken offen animiert, die Dinge nicht nur auf der Ebene der Unterhaltung aufzufassen.

Am Ende haben die wenigsten überhaupt versucht, eine politische Bedeutungsschicht zu erkennen, geschweige denn, sie auszuformulieren.

Kürzlich las ich ein Buch, in dem u. a. das schöne Wort "Bildungsliteraten" herausstach, verbunden mit einer knappen Beschreibung, was dieser Menschenschlag natürlicherweise für jedwede politische Bewegung mitbringt. Denken Sie mal bitte darüber nach, was das sein könnte.

Jede Menge Quatsch mit Soße, ist ein schlechter Ersatz für eine politische Analyse der veramerikanisierten Pop-Kulturindustrie.

Laurenz
1. August 2019 07:59

@Thomas Martini .... selbst Herr Goebbels finanzierte politische Jazz-Musiker. Aber die Kunst selbst ist abseits des politischen Geschehens eher unpolitisch, weil sie sich Politik nicht leisten kann, ähnlich in der DDR.

Atz
1. August 2019 08:56

Die klanglichen Beiträge von Coil für Reznor waren Offenbarungen. Ich habe den sadomasochistischen Aspekt gar nicht wahrgenommen. Für mich war es die Komplexität der Tracks, die man immer wieder anders hörte, und die klangliche Unkonventionalität. In dieser Qualität war das singulär und frisch. Wenn man zuviel Wildes hört, will man danach halt Folk. Wenn man zuviel CGI schaut, Heidi. Normal.

ML: Ich liebe Coil!

Kreolen wie Peter Bocage waren schon immer die schwärzesten, einfach mal in die wilden Boston Nocturne Live-Aufnahmen reinhören.

Schaut Euch auch mal Beat Club Folge 78 an. Knaller! Chuck Berry und die Stones zu Besuch. Der Mann muss sich wohl ganz gegen die Erwartungen aufgeführt haben gegenüber dem damaligen Bremer Rotfunk. Nach dem Interview war in Bremen Essig. Denn Chuck Berry, musikalisch in Höchstform, wird links-musiktheoretisch verschwurbelt vorgeworfen nicht wirklich schwarz(enbefreiend) zu sein, ein "bürgerlicher" Knecht der Musikindustrie zu sein. Eine Realsatire in Höchstform, ab Minute 15 kommt der Verriss, den Inger Zielke (Schauspielsternchen aus "Frisch, fromm, fröhlich, frei") entgeistert abliest, ein Interview-Ausschnitt mit Chuck und dann geht es wieder mit der Oberlehrerin mit Kneifzange weiter usw.: "...von daher ist auch seine unhistorische Auffassung vom Blues zu erklären". Ihm wird seine "Psychologie des Musikverkaufens" vorgeworfen, dass er sich "nur als Zulieferer der Musikindustrie" begreift. Sprich, Radio Bremen wollte ihn in den eigenen Vorverständnissen der musikalischen Negerbefreiung einrahmen, was Chuck verweigerte. Die Stones mussten sich solche Behandlung nicht gefallen lassen und ihre jedenfalls "handwerklich gute Qualität" "ohne Scheinrealität" loben lassen.

https://www.youtube.com/watch?v=pm5NDZwJGJQ

Man sieht die Großeltern der heutigen SJWs hatten auch schon einen Sprung in der Schüssel.

RMH
1. August 2019 09:53

Habe mir jetzt auch die Videos von Herrn Stack angesehen --- ja, mei ... das Musik Stimmungen und Emotionen anspricht und damit auch die Seele direkt berühren kann und über die Notation der Musik (wohl eine europäische Erfindung, oder?) damit auch zu einem Simmungsreplikator bzw. Stimmungs- und Emotionsspeicher geworden ist, ist meiner Meinung nach nichts wirklich Neues.

Mein Argument, dass auch in diesen Bereichen die Dosis das Gift macht, sehe ich bestätigt.

Gut finde ich den Hinweis vom @Waldgänger, dass die Black Pill quasi die Fortsetzung der blauen Pille für die kritischen und skeptischen Geister sein kann.

Im Übrigen ist es doch ein zum Teil alter Hut, dass Rock- Popmusik etc. irgendwie in den Bereich des Bösen gehöre und als Seelenverderber wirken kann. In den 80er Jahren hatte ich kurzzeitig Kontakt zu evangelikalen Kreisen (war dort niemals ernsthaft Mitglied oder so) und damals wurden dort bspw. Bücher über Backward-Masking etc. stark verbreitet.

https://de.wikipedia.org/wiki/R%C3%BCckw%C3%A4rtsbotschaft

Dass man einmal durch das Kassettenfenster meines Walkman eine Kassette mit der Aufschrift "Black Sabbath" sah, hat vermutlich die eine oder andere Fürbitte ausgelöst --- offensichtlich erfolglos, denn meine Gothic-Neofolk-Phase folgte darauf ;), wie ich auch im übrigen mit dem biblischen Fundamentalismus nicht klar kam.

"Der größte Teil der Debatte, die Herr Lichtmesz hier gestartet hat, basiert auf Verkaufs-Strategien. Darüber hinaus sollte man weniger hinein interpretieren, als wirklich da ist."

Hier spricht @Laurenz eine große Wahrheit aus. Letztlich geht es um den Flinz und da kann man mit positiver Stimmungsmusik genauso punkten, wie mit düsterer.

Gerade bei NIN habe ich so meine Zweifel, ob das alles authentisch ist, da es doch typisch amerikanisch alles etwas too much und zu dick aufgetragen wirkt. Ein Indiz ist auch dieser Umstand:

"... mietete er sich allen Ernstes das Haus, in dem die Manson-Family 1969 Sharon Tate ermordete, "

Nun ja, dieses Haus hat fast schon eine ähnliche Symbolik bzw. in der "Szene" eine ähnliche Bedeutung wie das berühmte Dakota Building (= Haus, welches im Film Rosemary´s Baby vorkommt, das Haus, vor dem John lennon erschossen wurde etc.).

Es war das Haus von Terry Melcher, bekanntermaßen Sohn von Doris Day und Produzent von Bands wie den Byrds, in der Nachbarschaft wohnte Dennis Wilson (Beach Boys) und das Haus wurde dann an Roman Polanski vermietet und dort schlug dann Manson zu. Überhaupt war die ganze Gegend, in dem das Haus steht, quasi ein "hot spot" der damaligen "Szene".

https://de.wikipedia.org/wiki/Laurel_Canyon

Die weiteren Assoziationsketten sind dann noch Boby Beausoleil, Kenneth Anger (Hollywood Babylon) etc., eben der american way of Satanism (oder wie man sich das eben dort vorstellte - Gnosis ist auch hier der Schlüssel zum Verständnis dieser Kreise und die Amis können aus allem ein Geschäft oder eine Selbstvermarktung machen, bestes Beispiel hierfür: L. Ron Hubbard) .... braucht man nicht vertiefen. Es gibt auch Spekulationen zu staatlichen Verstrickungen via Geheimdienste etc., um die sog. "counter culture" zu steuern etc. (da findet man jede Menge dazu u.a. nach wie vor auf youtube, auch z.Thema Laurel Canyon etc.).

Wie auch immer, wenn jemand so ein Haus zum "channeling" mietet, dann hängt er es nicht an die große Glocke, wenn jemand Platten verkaufen will und berühmt werden will, dann wird er es entsprechend promoten.

Musikalisch und textlich gesehen war mir persönlich aber der "Glam-Rocker" dieser musikalischen Spielart, der erfolgreichere Marilyn Manson, ohnehin lieber als NIN; da er mehr typisch amerikanisches Ice Cream ist, als eben NIN. Wenn Trash, dann richtig, aber ich schweife ab.

Sex, drugs, rock ´n Roll - das umschreibt es eben nach wie vor mit am Besten, oder wie es Blackie Lawless, Mastermind der Heavy Metal Gruppe W.A.S.P ausdrückte,
"I wanna be somebody ...
I want shiny cars and dirty money
Lotsa rock and roll
I will live in fame and die in flames
I'm never gettin' old ..."

In diesem Sinne, ab und an mal Sex, drugs & rock´n´roll können auch der Seele gut tun und einem das Leben anders sehen lassen. Ganz früher nannte man das "Orgie" oder Bacchanal und gehörte in richtiger Dosierung zum Jahresablauf dazu --- und wer tauchte da auf?

Ein kleiner, gehörnter Gott ...

Andreas Walter
1. August 2019 11:41

Papa Kubitschek von 6 Mädchen sieht zudem die Welt viel stärker durch die Augen eines Beschützers als du, Martin.

Durch seine männliche Hauptrolle, neben Frau Kositzas Weiblicher, als Ernährer ist er zudem auch noch extrem geerdet, hat auch darum für Spökes wohl nur wenig Verständnis.

Dieser Anspruch an Ernsthaftigkeit spiegelt sich sogar im Niveau, dass er auch unter den Kommentatoren versucht aufrecht zu erhalten.

Extrem fokussiert, was ihn auch zu einem Hassobjekt vieler Menschen macht, die verspielter, verträumter, womöglich romantischer sind.

Menschen, die echte Verantwortung für die traditionelle deutsche (Groß-)Familie fühlen, (darum) auch im übertragenen Sinn, sind bei ihm sicherlich immer herzlich willkommen.

Lediglich mit seinem zurück zu den Wurzeln Anspruch sehe ich Probleme, weil diese Form des (übrigens auch Die Grünen) Eskapismus auf Dauer nicht funktioniert, schon gar nicht für alle.

limes
1. August 2019 13:40

Auf die Gefahr, als Banausin zu gelten: Warum sollte man sich auch noch fiktivem Horror aussetzen in einem Land, in dem ein Kind vor den Augen seiner Mutter vor einen Schnellzug gestoßen wird? In einem Land, in dem blutiger Terror Dich auf dem Weihnachtsmarkt trifft? Schwertergemetzel in einer einst biederen Schwabenmetropole auf offener Straße vollführt wird? Der Verkehrsbericht nach den Radionachrichten von Unfällen kündet, die ich mir nicht vorstellen möchte?

In einer Welt, in der vor allem Christen Massakern ausgesetzt sind, die meine Vorstellungskraft (Gott sei Dank!) übersteigen? In einer Welt, in der Menschenhandel, Steinigung, Folter und Organraub Realität sind? Wo in jeder Sekunde und in unvorstellbarer Zahl Tiere gequält werden, sei es aus Stumpfsinn oder systematisch?

Notwendige Informationen aufzunehmen, kann belastend sein: Das Faltblatt der Bürgerbewegung Pax Europa zur Praxis der Halal-Schlachtung hat meinen Bedarf an Horror eigentlich gedeckt. Doch gilt es auch, sich über die Praxis der Organentnahme an Menschen zu informieren, da die Herrschenden unsere Körper zu verschachern beabsichtigen. Es ist kein schauriges Vergnügen, sondern harte Notwendigkeit, sich damit auseinanderzusetzen, was „Spender“ von Organen durchmachen müssen, bevor sie sterben dürfen (aepol.net).

Viele dieser Grausamkeiten waren gewiss schon immer in der Welt, die meisten weit weg. Seit etwa fünf Jahren aber – seit ich die „rote Pille“ geschluckt habe – erlebe ich mein schönes Vaterland als Kulisse von Albträumen. Auch in anderen Ländern, die ich gern besuchte, verdunkeln neue (oder auch von mir erst nach meinem Redpilling entdeckte) Gefahren das schöne Lokalkolorit.

Die Wirkung der roten Pille ist hart genug, wozu also die schwarze?

Der Gehenkte
1. August 2019 15:06

Will man historisch an die Wurzel dieses seltsamen Spiels mit dem Bösen gelangen, dann muß man weiter zurück gehen als bis zu Baudelaire, Poe etc. Man findet die Ursünde - wie das bei extrem reduktiven Lehren (Kynismus, Buddhismus, Stoa, Taoismus) fast immer der Fall ist - beim Gründer in Vollkommenheit und Vollendung. Diese Lehren zeichnen sich dadurch aus, daß sie keinen Fortschritt, sondern nur noch Dekadenz kennen. Ihre Gründungsurkunde was das Vollkommene.

So ist es auch beim philosophischen Sadismus. Der Marquise de Sade hatte das gesamte Alphabet bereits durchbuchstabiert. Und das in historisch heikler Lage. Das ist der Grund, weshalb er in der "Dialektik der Aufklärung" eine solch prominente Rolle spielt, wo ihn H und A ohne Schwierigkeiten zu den Aufklärern der ersten Stunde zählen.

In der Tat ist de Sade ein Kind der Aufklärung und ohne sie nicht denkbar. Sie ziehen zu recht die Lehre, daß der Preis der Aufklärung immer die Verdunklung ist. Sehr schön versinnbildlicht sich das in dem Wort Apokalypse/Offenbarung.

De Sade macht uns auch auf das tragende Lustelement des Negativen aufmerksam. Man sollte in modernen und populären Melancholie- und Wutformen eher nach diesem fragen; sie drücken weniger ein negatives oder melancholisches, sondern ein positives lustbesetztes Begehren aus.

Im Übrigen würde ich davor warnen, populären Künstlern zuviel Metaphysik einzuschreiben, vor allem dann, wenn sie damit Erfolg haben. Dieser müßte m.E. systemisch ausgeschlossen werden, wenn man es ernst meinte. Ich kann Figuren wie Ozzy Osborne, Marilyn Manson oder Alice Cooper nicht wirklich ernst nehmen, weder künstlerisch noch metaphysisch.

Als Gegenbeispiel sei an "Psychotic Waltz" erinnert, die mit "A psychotic waltz" und "Into the everflow" zwei glaubhafte und tiefschürfende Alben vorlegten, ihre Innovation aber in dem Moment verloren, als sie begannen, populär zu werden.

https://www.youtube.com/watch?v=YpTzekgH9UM

Not so long ago there was a time
The naive animal was a wiser thing
And these devils that we accept as reality
Did not exist here before
Nor do I think they were meant to be

They have enshrouded themselves
With the comforts of wealth
Inside this temple of material things
Which they cling to
All because the hand
Was much easier to see than the spirit
And upon the educated discovery of this
They have made their decision
Not only for themselves
But for everyone else as well

Everything you've ever come to experience
To anyone else here has never been
And will never be

Life does not exist
Memory is nothing more than photographs
A looking glass to see just where you've been
Not what you've been there for
Realize your insignificance to the universe
And to infinity

You will have then cast away
The pride of all these things you held so dear
Agony and pleasure are a suffering to one another here
The wisest is the fool who realizes he knows
Nothing, nothing

Turn your back on this misconception
That the body is the temple
It's just the tool of the soul
The brain is only the house of the mind
And soon you'll have to give back
Everything you've borrowed for this lifetime
Only then you'll find
You have spent all this time
Struggling for the wrong things
And all of your works here have been nothing

Everything is nothing

Tobinambur
1. August 2019 15:46

Den vielen Lesern, die bereits die Wichtigkeit des Artikels betonten kann ich nur zustimmen. Ästhetik, oder besser: eine Übereinstimmung oder ein Gleichklang im ästhetischen Empfinden, also dem Urteil schön-hässlich, hat mehr Gewicht für die Gemeinschaftsbildung und Stabilität als eine Übereinstimmung im moralischen Urteil von gut-böse oder im politischen Urteil von Freund-Feind. Letztere können nur nachgeordnet sein. Das ästhetische Empfinden ist archaischer, tiefer limbischer. Volkszusammengehörigkeit zum Beispiel gab es immer schon vor der religösen Missionierung (die Sachsen gab es vor Karl dem Großen, die Juden vor Moses...) und der damit verbundenen Moralisierung und Politisierung der Völker. Als ein "religös unmusikalischer" Mensch sind mir die vielen Christentumsbeschwörungen auf diesen Kommentarseiten oftmals regelrecht zuwider - und dies ist zuerst ein ästhetisches Gefühl.
Das gemeinsames Empfinden des Schönen ist ein starker Attraktor, so wie die gemeinsame ästhetische Degeneration in der Anbetung (oder zumindest Tolerierung des Hässlichen) ein "Disruptor" ist. Das kurzfristige Zusammentreffen derer, die sich über das Hässliche identifizieren, endet schnell im Krieg gegeneinander.

Waldgaenger aus Schwaben
1. August 2019 16:11

@limes
Ich verweise nur kurz auf den Isenheimer Altar. Speziell auf die Darstellung Christi.

https://de.wikipedia.org/wiki/Isenheimer_Altar#Darstellung_Jesu_Christi

Die Darstellung extremen Leides muss nicht per se eine schwarze Pille sein.

Niekisch
1. August 2019 16:56

@ Dieter Rose und Thomas Martini 31.7. 13:19 u. 17:17:

Ganz einfach nur: Danke!

Adler und Drache
1. August 2019 18:53

Lieber Martin Lichtmesz, dies ist ein für Sie ungewöhnlicher, für mich aber sehr schöner Text. Sie schwanken, tasten, fällen kein endgültiges Urteil. Meiner unmaßgeblichen Meinung nach geschieht es viel zu selten, dass auf der rechten Seite den Ambivalenzen des Lebens und daraus folgend der Kunst ernsthaft Rechnung getragen wird.
Horror ist keineswegs immer, aber durchaus oft der Versuch, das humanum via negationis wiederzugewinnen. Gerade bei Stephen King ist mir das aufgefallen. Er hat keine Lust an Zerstörung oder Qual, aber er weiß darum und versucht, diesen Phänomenen eine Gestalt zu geben und sie in dieser Gestalt zu besiegen. William Peter Blatty, der Autor des „Exorzist“, war bekennender und praktizierender Katholik. Er meinte, wer an Gott und das Gute glaube, könne unmöglich die Existenz des Bösen leugnen. Schlussendlich gehören auch Teufel und Dämonen zum christlichen Glauben, und es ist bezeichnend, dass sie erst im liberalen Protestantismus „entmythologisiert“ wurden.
Es gibt Bücher oder Filme, die die Zerstörung eines Menschen und des Menschseins als Nervenkitzel und „eyeball-kick“ inszenieren und zelebrieren, sie sind verwerflich. Stephen King gehört gewiss nicht dazu, Quentin Tarantino jedoch sehr wohl. Bei King spürt man immer das Erschrecken, bei Tarantino ist es „cool“.
Ist David Lynch ein Besessener, oder treibt er Dämonen aus? Ich weiß es nicht. Nichts hat mich mehr geängstigt als „Twin Peaks“, aber es war auch, als würde eine Decke weggezogen, ein Blick aufs tiefste Wesentliche gewährt und Klarheit im metaphysischen Sinn geschaffen. Ich war damals 15 oder so und gehörte einer frommen, evangelikalen Jungen Gemeinde an, in der die biblische Rede von dämonischen Kräften ernst genommen wurde. Nur ein sehr oberflächlicher, unerfahrener Mensch kann leugnen, dass hinter dem Menschsein Kräfte sowohl des Dämonischen als auch des Heiligen wirksam sind! Bei Lynch fand ich sie derart klar dargestellt, dass ich ihn ebenfalls für einen evangelikalen Christen hielt (was er gar nicht ist).
Kunst, auch auf einer so banalen Stufe wie bei Stephen King, und christliche Wahrheit berühren einander an manchen Stellen. Per aspera ad astra!

Marselis
1. August 2019 21:30

Die Beschäftigung mit dem Negativen, dem Depressiven oder auch dem Dämonischen ist typisch für Heranwachsende, die noch auf der Suche nach ihrem Lebensweg sind.

Meine Teen- und frühen Twen-Jahre waren u.a. geprägt von der Musik der Smiths und der Literatur von H.P. Lovecraft.

Beiden sind in ihren Bereichen großartige Künstler, beide wurden zu Begründern jeweils eines ganzen Genres (die Smiths des Gitarren- und später Brit-Pops, H.P. Lovecraft der modernen Horrorgeschichte).

Die Smiths – und vor allem die Texte ihres ikonischen Sängers Morrissey – spendeten einer ganzen Generation von Heranwachsenden Trost beim oftmals frustrierenden Prozess des Erwachsenwerdens, vor allem bei der vergeblichen Suche nach Liebe. Morrissey konnte dies deshalb so gut verkörpern, weil er trotz seines sympathischen Wesens, guten Aussehens und Popularität nie seine zweite Hälfte finden konnte. Das Gefühl, ewiger Außenseiter zu sein, aber in dieser Rolle dennoch Selbstachtung zu finden, hat wohl nie jemand besser verkörpert. Für mich war dies auf jeden Fall eine Stütze im Alter zwischen 16 und 18.

Bei H.P. Lovecraft faszinierte mich die Fähigkeit des Autors, die Illusion, einer festgefügten Welt mit gesicherten Erkenntnissen, in der der Mensch sich heimisch fühlen kann, Stück für Stück zu zerlegen. Seine bürgerlichen Helden, oftmals Professoren oder andere Gelehrte finden im Rahmen ihrer Forschungen heraus, dass unter der Oberfläche unserer scheinbar harmlosen Welt namenlose Schrecken lauern, die früher oder später die gesamte Menschheit vernichten oder versklaven werden. Lovecraft nutzt hier sehr geschickt die Phantasie des Lesers – praktisch nie beschreibt er Monster en detail oder lässt das Chaos wirklich über die Welt hereinbrechen – seine spärlichen Andeutungen erwecken in der Vorstellung des Lesers einen größeren Horror als plumpe Schilderungen es könnten. Eben diese Subtilität und sowie die Qualität, die Fragilität einer scheinbar sicheren Welt darzustellen, schien mich damals an Lovecraft zu definieren.

Lovecrafts Motivation, solche Dinge zu schreiben hat Michel Houellebecq in seiner Biographie (Contre le monde, contre la vie) bemerkenswert klar dargestellt. Lovecraft war aufgrund seiner schwachen Gesundheit, Menschenscheu und Weltabgewandheit unfähig, das moderne Leben erfolgreich zu bestreiten. Er, der sich als angelsächsischer Gentleman sah, war selbst im prosperierenden Amerika der 1920er Jahre unfähig, eine Arbeit zu bekommen. Seine praktische und physische Unterlegenheit gerade auch gegenüber Einwanderern, die trotz ihrer scheinbar schlechteren Voraussetzungen viel durchsetzungsfähiger waren, riefen letztendlich Hassgefühle gegenüber andersartigen Menschen hervor und auch gegenüber der Welt, die diesen Menschen den Vorzug gab. Diese Welt untergehen zu lassen war der unterbewusste Treiber seines Schreibens.

Zweifel, ob man sich in der Welt durchsetzen kann, haben wohl viele Heranwachsende. Kein Wunder, dass ich mich von Lovecrafts Literatur angezogen fühlte, freilich ohne Grund dieser Anziehungskraft zu verstehen.

Beide, The Smiths und H.P. Lovecraft, gaben mir damals das Gefühl, nicht allein zu sein in meiner noch unsicheren Situation. Kann man also sagen, dass mir diese Künstler gut getan haben? Damals hätte ich dies rundheraus bejaht – inzwischen wohl nicht mehr. Denn dieses Gefühl des Verstandenseins ging auf Kosten eines positiven, aktiven Ansatzes, seine Probleme selbst anzupacken und sein Leben selbst zu gestalten. Stattdessen gefiel ich mir viel zu oft in Passivität und Larmoyanz – eine bequeme Haltung und Selbstrechtfertigung, die aber die Situation nicht ändert und einem nicht einmal ein gutes Gefühl gibt!

Inzwischen bin ich nach vielen Aufs und Abs familiär wie beruflich in geordneten Bahnen. Was ich dazu brauchte und tun musste, konnte ich nicht den Smiths-Liedern und auch nicht in den Geschichten Lovecrafts finden. Morrissey und Lovecraft waren bzw. sind großartige Künstler, aber am Leben sind sie gescheitert. Man sollte sie sich nicht zu Vorbildern nehmen und sich auch mit ihrer Kunst nicht zu intensiv beschäftigen. Womit man sich umgibt, das formt einen. Also, keine schwarzen Pillen! Eine optimistische Grundhaltung gepaart mit einem Blick für das Machbare und einem Willen zu Handeln führt allemal weiter.

franzheister
1. August 2019 21:48

Die Erfahrung Grenzüberschreitung durch Kunst habe ich gemacht. Mein Studium bei einem bekannten Landsmann hat nicht wirklich eine "Erleuchtung" gebracht. Die Zeit war eine andere und damals in den frühen 90er Jahren, gab es tatsächlich noch allerlei Grenzüberschreitungen. Heutzutage, und das gefällt mir gut an deinem Text, ist das "anything goes" tatsächlich das Problem: Alles und nichts ist wichtig. Ich habe gerade vor einigen Tagen einem Künstlerfreund (mittlerweile betreibt er mehr "Ackerbau und Viehzucht"), Erik Kessels vorgestellt. Kessels hat eine Arbeit umgesetzt, bei der er einen Raum mit allerlei Ausdrucken beliebiger Motive/Sujets "zumüllt". Dieser bildhafte Datenstrom entwertet nicht nur das einzelne Bild, sondern die sich daraus abzuleitende Beliebigkeit zeigt gut auf, wo wir angekommen sind: Wir alle sind Plankton im Ozean der Möglichkeiten. Mehr nicht. Kessels hat sogar in diesen Installationsräumen eine Messe lesen lassen. Das Quasireligiöse des digitalen Wahns führt zu dem was du beschrieben hast, die ständige Entgrenzung aller Werte und Ordnungen und genau darum geht es dem US-Imperialismus. Diese Ortlosigkeit, diese Leblosigkeit des Daseins kann doch eigentlich nur zur kollektiven Borderline Kultur hinführen?! Wie sollen wir überhaupt noch empfinden, was sollen wir empfinden? Oft habe ich den Eindruck (einschließlich mir selbst) die Menschheit simuliert sich selbst, dass Leben ist nur noch eine Simulation. Wir haben bei Nitsch natürlich viel in dieser Richtung diskutiert. Wirklich "frei" und "offen" war damals damit niemand. Wir waren oft irgendwelchen Patienten einer Tagesklinik näher, als das wir uns als Kunststudenten wahrnehmen konnten. Diese ständige visuelle Entgrenzung führte geradewegs in den Wahnsinn.
Bilder und Werke leben natürlich von der Authentizität ihrer Macher, also ob da etwas Substanzielles dahinter steckt. Ansonsten hat man diese designte Sch... welche schon in den 80er Jahren irgendwie blöd war. Ich habe mich vor einiger Zeit von der Sackgasse der „bildenden Kunst“ gelöst. Auch hier wurde alles immer platter. Blättert in den Ausgaben der aktuellen Kunstforum Ausgaben, gruselig. Auch hier hinterlässt Frau M. ihre Handschrift. Und die Künstler? Die machen brav mit! In Frankfurt gab es vor einigen Jahren eine Gruppe die sich Frankfurter Hauptschule nannte und in einer Galerie „live“ fixen wollten. Vor fünfundzwanzig Jahren hätte das Sinn gemacht, aber heutzutage ist es platter Gag, mehr nicht. Es gab auch ein wunderbares Gespräch zwischen Birgit Richard und Peter Weibel um 2003 im Kunstforum. Da konnte man das lesen wie eine lange Historie von Bildfolgen (9/11) die Gesellschaft in eine kollektive Psychose getrieben hat.
Nach dem islamischen Staat war das ähnlich, die Menschen waren wie hypnotisiert und seitdem ist mein Eindruck der, dass auch die Refugee welcome Fraktion genauso tickt. Diese Leute sind behämmert, sie haben die Kontrolle über ihren Geist verloren. Das ist das Problem. Kurzum, als ich Sieferle und Antaios entdeckt habe, angefangen habe meine Skepsis gegenüber Sellner zu überwinden, bin ich ein glühender Anhänger eurer Agitation und Polemik geworden.
Abschließend: Die Kunstszene wird in einigen Jahren kein Publikum mehr haben, nicht nur weil kein Geld mehr da sein wird, sondern weil die nachwachsenden Generationen einfach intellektuell gar nicht in der Lage sein werden, Kunst zu verstehen. Diese Menschen werden Mark Rothko oder einen Nitsch für „voll Nazi“ halten. Habe heute gerade in der PAZ gelesen, wie geschickt de Gaulle Maghrebiner ansiedelte und heute gehen wir mit Ausweisen schwimmen. Guter und wichtiger Artikel.

Ratwolf
1. August 2019 22:26

Das Spiel mit der "Faszination des Dämonischen" ist eine therapierbare Störung des menschlichen Geistes.

Augustinus
1. August 2019 23:21

Ich erinnere mich an ein Gespräch mit einem hochintelligenten Soziologen, der mir von dem Film "Die 120 Tage von Sodom" erzählte. Mit glänzenden Augen hat er mir davon berichtet wie Menschen in diesem Film Scheiße essen und er hat, als irgendwie Erleuchteter, diesen Film als ganz großes Kunstwerk angepriesen.

Nun sind die Geschmäcker ja verschieden. Intellektuelle mit einer Neigung zu den "Blumen des Bösen" sollten anerkennen, dass kein Intelligenzdefizit bei Menschen vorliegt, die solche Abartigkeiten aus ästhetischen Gründen völlig ablehnen.

Thomas Martini
1. August 2019 23:36

"Niekisch

1. August 2019 16:56
@ Dieter Rose und Thomas Martini 31.7. 13:19 u. 17:17:

Ganz einfach nur: Danke!"

Bitte, gern geschehen. Aber wofür?

Für meinen Versuch, ein "langsames, jahrzehntelanges Senken der ästhetischen und moralischen Toleranzschwellen" (Lichtmesz) auf die Politik zurückzuführen?

Das ist keine große Kunst, und auch nicht auf Beifall ausgelegt.

Heute habe ich Depp mir stundenlang zurechtüberlegt, was ich alles an Beispielen dafür bringen könnte, wie politisch die Pop-Kulturindustrie seit Jahrzehnten ihr Geschäft betreibt. Das hat einer sogar munter bestritten. Schlußendlich war mir Aufbau des Kinderzimmers wichtiger, man hat ja auch nichts besseres zu tun, als sich hier verzweifelt um Aufklärung zu bemühen. Außerdem sollte ich wohl Rücksicht nehmen auf jene zarten Seelen, die sich vor einer Überdosis schwarzer Pillen fürchten.

Es war schon blöd von mir, überhaupt den Versuch zu starten, mit Agitation an die Sache heranzugehen.

Den roten Faden von "In the Ghetto" (Elvis Presley) über "Imagine" (Lennon) hin zu "Black or White" (Jackson) und schließlich zu "Eine Welt, eine Heimat" (Adel Tawil) wollen oder können die Deutschen in ihrer launigen Verschnarchtheit eben nicht zur Kenntnis nehmen.

Amerika ist der Dämon der Welt? Nur ein Scherz, eine spaßige Aussage, die es halt ganz gut trifft.

Drüben hatten sie "Public Enemy", wir bekamen mit Bushido den "Staatsfeind Nr. 1". Ein Rapper mit Migrationshintergrund ("Sie stellen mich als Anarchisten dar, mit dem Salafistenbart"), bei dem alles eine Machtfrage ist - eher unpolitisch eben.

Den Bildungsliteraten ficht das aber nicht an, treffsicher scheidet er das Gute vom Bösen, wenn es um die Romane von Stephen King geht, oder die Filme von Quentin Tarantino.

Die Frage, warum es fast ausnahmslos angloamerikanische Erzeugnisse sind, die möglicherweise schädlichen Einfluss auf die kulturelle Entwicklung des deutschen Volkes ausüben, quält den tiefschürfenden Bildungsliteraten nicht.

Was geht es ihn an, wenn deutsche Jugendliche dem Vorbild von Negern in amerikanischen Ghettos nacheifern, was sollte es ihn tangieren, wenn deutsche Kinder einen Kriegsheld wie "Rambo" richtig toll finden, aber in Scham und Verachtung gegenüber der eigenen Militärgeschichte aufwachsen.

"Wir sind jeden Tag umgeben von lebenden Toten
Umgeben von Schildern, die uns sagen: „Betreten verboten!“
Umgeben von Skinheads, die Türken und Afrikanern das Leben nehm'n
Während Bull'n daneben steh'n, um Problem'n ausm Weg zu geh'n
Umgeben von „Ja“-Sagern, die alles nur nachlabern
Den'n kaltes, dunkles Blut pumpt durch die Schlagadern
Umgeben von Kinderschändern, die grad mal Bewährung kriegen
Genau wie die scheiß Nazis, deren Opfer unter der Erde liegen
Hat dieses Land wirklich nicht mehr zu bieten
Als ein paar Millionen Arschgesichter mit 'ner Fresse voller Hämorrhoiden?" Samy Deluxe, "Weck mich auf"

Hat Deutschland noch mehr zu bieten?

Natürlich nicht, denn es ist ein durch und durch krankes Land, in dem nach knapp 100 Jahren fremdbestimmter Demokratie fast nichts mehr HEIL ist. Das ist der Grund, warum heute Menschen wie Götz Kubitschek und Ellen Kositza so wichtig erscheinen, warum sie herausstrahlen aus der kranken Masse.

Vor etwas über 100 Jahren, kamen afroamerikanische Studenten noch nach Deutschland, um eine andere, besser gesagt: eine heile Welt kennenzulernen, um sich zu berauschen und zu stärken, für den eigenen Freiheitskampf im rassistischen "Melting Pot".

Wenn heute ein amerikanischer Soldat unweit seines Stützpunktes in "Deutschland" unterwegs ist, fühlt er sich heimisch.

"Das Wort Amerikanisierung bedeutet, ein Land oder auch eine Stadt wird immer mehr „amerikanisch“. Leverkusen ist ein perfektes Beispiel für eine solche Stadt in Deutschland. Ich lebe in den USA und glaube, die Effekte der Amerikanisierung in Leverkusen gut erkannt zu haben. Ich besuche nämlich regelmäßig während der Schulferien im Sommer für einige Wochen meine Großeltern in Leverkusen. Jedes Jahr hat sich in der Stadt ein bisschen geändert - sie wird immer amerikanischer."

https://www.ksta.de/amerikanisierung--fast-food--und--sale--11831316

Sie wird amerikanischer, Jahr für Jahr. Was bedeutet das, wenn Amerika - natürlich spaßhaft gemeint - der Dämon der Welt ist?

Grübel, grübel und studier...an der Stelle folgt der Kurzschluß. Alles was man in der Regel auf solche Fragen vernimmt, ist dröhnendes Schweigen, bevor dann in einem anderen Strang wieder unverblümt das übliche Kaffeehausgeschwätz unters Volk gemischt wird.

Monika
2. August 2019 07:25

Wenn schon black pilled, dann bitte richtig !
Die Realität hat diese Kunst auch und gerade in Europa inzwischen doch längst überholt!!!
Was ist ein Hermann Nitsch gegen die life-Inszenierung eines Schwertmassakers im Ländle mit synchroner Videoinstallation ???
Teresa Margolles, eine mexikanische Künstlerin, würde das Blut und Leichenwasser im Anschluss auch noch weiterverarbeiten...
Und der Christus des Isenheimer Altars wird durch Darstellungen Gekreuzigter im Irak zum realen „Kunstwerk“.
Wir sind doch ganz wild auf diese Bilder.
Seid ehrlich: Wenn schon, dann ganz oder gar nicht !
Ich glaube inzwischen weiter hoffnungslos naiv, dass nur
die „Schönheit die Welt retten wird“. ( Dostojevski)

limes
2. August 2019 08:43

@ Waldgaenger aus Schwaben
Sie schreiben als Entgegnung auf meinen Kommentar: "Die Darstellung extremen Leides muss nicht per se eine schwarze Pille sein."

Dem stimme ich uneingeschränkt zu. Von der komplexen Kunstdebatte wollte ich mich fernhalten, obgleich mir natürlich viele Beispiele in Ihrem Sinn durch den Kopf gingen, wie die meisterhaften Kurzgeschichten Ambrose Bierces beispielsweise, die sich mit dem Sterben befassen.

Mir ging es um die Schwarze Pille als frivoles Spiel mit dem Grauen.

nom de guerre
2. August 2019 09:01

@ Monika
"Wir sind doch ganz wild auf diese Bilder."
Ist das so? Ich finde es zwar irritierend, dass Leute bei so einem Gemetzel wie in Stuttgart mit dem Handy draufhalten, aber das kann auch eine Methode zu sein, die Eindrücke zu filtern, irgendwie damit umzugehen, dass man mitten im sogenannten Frieden, mitten in einer normalen Wohngegend so etwas sehen muss. Selber versuche ich gerade, diese Dinge so weit wie möglich von mir wegzuschieben. Der Kindermord in Frankfurt hat eine Betroffenheit in mir ausgelöst, die ich von weitem so nicht für möglich gehalten hätte. Ich darf gar nicht genauer darüber nachdenken, um nicht verrückt zu werden.
Der Sinn nach künstlerisch verbrämtem Dreck wie den Bildern von diesem Saturno Butto steht mir jedenfalls weniger denn je. Bleibt nur noch die tägliche Mediation oder - wenn man Christ ist - das Gebet.

A. Kovacs
2. August 2019 09:02

Dieser Text ist deshalb wichtig, weil er etwas anspricht, was ein Größerer als „Umkehr“ bezeichnet hat. Wer umkehrt, zieht einen neuen Menschen an und steht dem alten ratlos, fremd, sogar ablehnend gegenüber. Die psychologische Richtigkeit der Folgen ist so evident, dass man nur hoffen kann, dass Deutschland zu eben dieser Umkehr fähig sein wird.

Laurenz
2. August 2019 09:04

@Monika ...

ML: Geht's auch ohne ständig andere Teilnehmer abzuwerten oder persönlich zu werden?

Welche Eltern hätten noch nie den Gedanken gehabt, nörgelnde und schreiende Kinder vor Wut mit dem Kopf an die Wand zu klatschen? Der Unterschied zwischen normalen Menschen und Psychopathen ist, es auch zu tun. https://www.haz.de/Nachrichten/Der-Norden/19-Jaehriger-schuettelt-vier-Monate-alten-Neffen-zu-Tode
Weil das Eltern manchmal überfordert, wird der Kindsmord im Affekt weniger bestraft als normaler Mord.
Wir wissen alle, der Firnis der Zivilisation ist hauchdünn, ansonsten sind wir blutrünstige Raubtiere zu 99,9%. Im tiefen archaischen Inneren wollen im Grunde alle Blut sehen. Daß wir uns selbst unter zivilisatorische Aufsicht stellen, liegt in unserer damit verbundenen Selbsterkenntnis der eigenen Lebensverlängerung begründet und unserem Wesen als soziales Säugetier.

Daß ein menschliches Schlachter-Video durch die Technik selbst zum Kunstwerk wird, bringt die Moderne so mit sich. Und ich halte es für günstiger, daß Menschen, gemäß Herrn Lichtmesz, sich in der Kunst ausdrücken, als tatsächlich im realen Leben. Sind nicht ganze Besucherströme um sezierte Tote, konserviert in Kunstharz, in Museen/Ausstellungen zu bewundern, mehr oder weniger dem Voyeurismus geschuldet und grenzwertig?
Die Frage, die Sie, Monika, aufgeworfen haben, liegt ganz woanders. Wo zieht eine Gesellschaft tatsächlich ihre Grenzen?
Seit gut hundert Jahren oder etwas mehr haben wir das Recht, Waffen zu tragen, abgelegt. Und nur der Staat hat das Gewaltmonopol. Was wäre denn gewesen, wenn eine der anwesenden Damen beim Schwert-Mord zu Stuttgart, dem Täter mit einem Baseball-Schläger den Schädel eingeschlagen hätte, anstatt auf die Polizei zu warten?

Laurenz
2. August 2019 09:34

Hallo Herr Lichtmesz, ich habe mit Ihrer Kritik kein Problem. Es ist in der Tat so, daß ich andere Teilnehmer auf Ihr Verständnis hinweise. Das mag man als neutrales Ereignis oder, wie Sie, als persönlichen Angriff auffassen. Allerdings, mit Verlaub, hatte ich das Vergnügen, in 2stelliger Anzahl ganze Posts, zB von Maiordomus, lesen zu dürfen, die rein mit persönlichen Angriffen gegen meine Person beschäftigt waren, ohne wesentlich irgendetwas mit einem Thema zu tun zu haben oder auch nur dazu etwas beizutragen.
Aber ich verspreche Ihnen, zukünftig meine Aufmerksamkeit darauf zu richten, generell weniger auf eine persönliche Ansprache zu setzen.

Ein gebuertiger Hesse
2. August 2019 09:55

Vorsicht, Leute, blendet nicht die Darstellung "schwarzpilliger" Dinge mit den aktuellen Mordtaten und Scheußlichkeiten auf unseren Straßen in eins. Der hiesige Beitrag (inklusive der meisten Kommentare) beschäftigt sich mit dem Für und Wider der HINWENDUNG zu dunklen oder auch fauligen Inhalten in der Kunst. Zu sagen, daß diese notwendig ein Amalgam mit den Eindrücken aktueller "echter" Killer-Videos auf PI-News usw. ergeben, ist zwar naheliegend (denn es wirkt ja beides auf dasselbe Gemüt des Betrachters), führt aber leicht dazu, die Eigenständigkeit der Kunstdarstellung zu negieren oder diese als bloßen Steigbügel zum "realen Bösen" zu sehen.

nom de guerre
2. August 2019 10:15

@ Laurenz
"Was wäre denn gewesen, wenn eine der anwesenden Damen beim Schwert-Mord zu Stuttgart, dem Täter mit einem Baseball-Schläger den Schädel eingeschlagen hätte, anstatt auf die Polizei zu warten?"
Erstens: Dafür hätte sie einen Baseballschläger haben müssen. Zweitens: Was bitte soll eine durchschnittlich gebaute Frau mit einem Baseballschläger - oder einem Stein, den könnte man immerhin vom Boden aufheben - denn gegen einen schwertschwingenden Kerl ausrichten, ohne selbst hinterher die zweite Leiche auf dem Bild bei Klonovsky zu sein? Tun Sie bitte nicht so, als ob man, also der/die zivile Durchschnittsdeutsche in so einer Situation irgendetwas anderes tun könnte als auf die Polizei zu warten. Das Ganze ist so schon schlimm genug!

t.gygax
2. August 2019 10:26

Ein nachdenklicher Zwischenruf frei nach Schiller:
" man treibt nicht mit Entsetzen Scherz"

vereinfacht: das Häßliche /Zerstörererische soll uns nicht unterhalten, und schon gar nicht einen "Nervenkitzel" übler Art zu bedienen.

RMH
2. August 2019 11:15

"... oder diese als bloßen Steigbügel zum "realen Bösen" zu sehen."

Das scheint mir ja gerade einer der zentralen Punkte der Diskussion zu sein. "Verdirbt" das "Black-Pilling", der Konsum "schwarzer Kultur" einen Menschen soweit, dass er nicht nur selber depressiv und ggf. auch aggressiv gegen sich selber ist, sondern eben auch gegenüber seinen Mitmenschen aggressiv und schädlich werden kann?

Das wir wohl alle aktuell eher aufgewühlt sind und uns die letzten Tage mitgenommen haben, macht den Beitrag und diese Diskussion aber nicht unwichtig - im Gegenteil, in Tagen des Horrors ist es wichtig, gewisse Selbstvergewisserungen vorzunehmen. Debatten wie diese, können dann auch Teil eines Läuterungs- und Abklärungsprozesses sein.

@Laurenz,
"Welche Eltern hätten noch nie den Gedanken gehabt, nörgelnde und schreiende Kinder vor Wut mit dem Kopf an die Wand zu klatschen? "
Da muss ich Sie enttäuschen und ich denke, viele andere Eltern auch. Der Brut-Erhaltungs- und Pflegeinstinkt (in voraufgeklärten Zeiten vulgo: Elternliebe) ist so stark, dass man an so etwas selbst im Zorn nicht denkt. Zumindest habe ich solche Gedanken als Vater noch nie gehabt.

Übrigens: Seit Sie sich mit Ihrem ADHS geoutet haben, kann ich deutlich größeres Verständnis für Ihre Beiträge und Ihr Kommentier-Verhalten entwickeln bzw. dieses besser einordnen. Manchmal sind "Outings" doch sinnvoll.

@T. Martini,

bitte machen Sie es sich mit Ihrer These zur "Amerikanisierung" nicht allzu einfach, sondern klopfen Sie diese bitte regelmäßig von allen Seiten ab und denken Sie dabei auch einmal à rebours.

Die Gründung und die erste, weitreichende Führung der USA war ein Projekt europäischer Eliten. Dass diese in Eliten damals fast alle Freimaurer waren, berechtigt übrigens nicht zu dem Kurzschluss, es sei ein Projekt der "Freimaurer" gewesen, denn, wie geschrieben, Elite und Mitgliedschaft in irgendeiner Loge gingen damals mehr oder weniger Hand in Hand, dies kann man nicht mehr sauber auseinanderhalten. Europäer und insbesondere auch eine hohe Anzahl von Deutschen prägten dieses Land und seine Kultur. Insofern wurde Nordamerika zunächst erst einmal vorrangig europäisiert und nicht amerikanisiert. Nicht ohne Grund habe ich in einem meiner vorherigen Beiträge davon geschrieben, dass es fortwährende Rückkopplungen nach Europa aus den USA gegeben hat und gibt (fraglich nur, wie lange, wenn das alte WASP- Regime nunmehr schwindet - aber in Europa schwindet das "weiße" ja auch), die USA quasi wie ein Labor für alles Künftige in Europa sind.

Vor der Gründung der USA und noch lange Zeit danach, waren die deutschen Herrscher und Eliten übrigens eher "französisiert".

Die Rückkopplungseffekte aus den USA nach Europa und gleichzeitig der Einfluss aus Europa nach USA fanden fortlaufend und bis heute statt. Insbesondere, was kulturelle Fragen betrifft.

Man kann meiner Meinung nach daher nicht uneingeschränkt behaupten, dass z.B. Deutschland erst mit seiner totalen Niederlage ab 45 "amerikanisiert" wurde. Das begann doch alles schon deutlich vorher, eigentlich seit Gründung der USA (s.o.) und so verdiente die amerikanische Industrie bekanntermaßen an der deutschen Rüstung und an den deutschen Kriegsausgaben glänzend mit. Auch die Einführung von Coca-Cola, wohl eines der Dingsymbole des Amerikanismus schlechthin, wurde von den Nazis nicht abgelehnt (warum auch? Auch Putins Russland lehnt das ebenso wie McD nicht ab), sie wurde nur schlicht durch den Ausbruch der Kampfhandlungen verzögert. Umgekehrt dürften die Filmproduktionen der UFA wiederum maßgeblich die Entwicklung der filmischen "Blockbuster" Hollywoods bis heute beeinflusst haben.

Es ist mithin also schwierig, hier recht pauschal und vereinfachend von einer oder der "Amerikanisierung" seit 45 zu sprechen.

Die europäische und einstens weiße Welt umfasste immer auch die USA (auch wenn es dort einmal starke Tendenzen zu einem Isolationismus gab und man mit europäischen Angelegenheiten nichts zu tun haben wollte. Es waren dann wiederum die Europäer, welche die USA wieder zurück auf das europäische Spielfeld gebracht haben, natürlich ab einem gewissen Zeitpunkt auch mit dem Ziel, eine deutsche Dominanz, später eine russische, zu verhindern) und die Zusammenhänge und Vernetzungen sind doch deutlich größer, als dass man hier eine absolute Trennung, fast wie schwarz und weiß, künstlich vornehmen kann, um dann zu sagen, seit Tag X bzw. 45, springt Kontinentaleuropa und insbesondere Deutschland nur noch nach der Pfeife der USA. Gerade im Kulturbereich sind die Wechselwirkungen doch sehr ausgeprägt - und in dem Artikel von M.L. steht die Kultur ja auch im Mittelpunkt.

Andreas Walter
2. August 2019 11:18

@Laurenz

Sie sagen viele kluge und richtige Sachen.

Gehen Sie einfach spielerischer und freundlicher damit um. So als wenn manche Ihrer Mitforisten Ihre jüngeren Brüder und Schwestern wären - oder Ihre Kinder.

Sonst kauft man Ihnen nicht ab, dass Sie ein Teil dieser wie immer und überall recht gemischten Gemeinschaft sein wollen. Den Fehler mache ich auch immer noch oft, ist aber völlig unnötig.

Weil man nur sehr selten im Leben auf einen Menschen trifft, der einem identisch ist. Darum hat selbst die Natur die "Liebe" erfunden und versuchen viele Menschen auch die immer weiter zu raffinieren. Sogar im Paternalismus.

Oder wollen Sie am Ende nur noch Monologe halten? Dann schreiben Sie lieber ein Buch.

Oder spielen wie AlphaZero nur noch gegen sich selbst. Das macht aber auch KI nur so lange bis sie erkennt, dass das womöglich nicht der Sinn und Zweck des Spiels ist. Hoffe ich zumindest.

Stefanie
2. August 2019 12:05

@Thomas Martini
"Sie wird amerikanischer, Jahr für Jahr. Was bedeutet das, wenn Amerika - natürlich spaßhaft gemeint - der Dämon der Welt ist? "

Ich verstehe, glaube ich, was sie sagen wollen. Man schaue sich nur einmal dieses dämonische Machwerk an:

https://www.youtube.com/watch?v=1lWJXDG2i0A

Wer mit dem blackgepillten Herrn Stack aus Herrn Lichtmesz`Videoempfehlung konform geht, würde das Problem dieses Songs bzw. Videos darin erkennen, daß der Protagonist/Erzähler aus dem bürgerlichen Leben ausbricht, seine Freundin verläßt und in eine Subkultur eintaucht, die auch noch klar dämonische Züge trägt (Vampires). Vielleicht würde er sich auch noch darüber erregen, daß hier ein Erwachsener Typ vom Garagendach aus eine Poolparty mit jungen Mädchen beobachtet (wie in einem der Kommentare - ich bin mir aber nicht sicher, ob dieser ernstgemeint war) und deren promisken Kleidungsstil wohl auch. Das eigentliche Problem liegt aber wohl kaum bei den hedonistischen Vamps und den Skatern, sondern darin, daß diese kalifornische Kultur mit ihren Malls und Gangs über die ganze Welt schwappt und die lokalen Unterschiede auslöscht. Die Ursache dafür wiederum könnte der nette, pflichtbewußte boyfriend sein, der möglicherweise mit seinem Flugzeug nicht nur Herzchen in den Himmel mahlen kann, sondern auch weltweit die Demokratie zu exportieren hilft.
Bezeichnend ist vor allem der Titel des Liedes: die Zelebrierung des freien Falls als Lebensgefühl. Das Lied ist dreißig Jahre alt, die Handlung könnte gut nochmal dreißig Jahre früher spielen, aber das Thema ist deutlich älter: ein Taugenichts läßt sein Mädchen sitzen und zieht in die Welt hinaus um Abenteuer zu erleben und Spaß zu haben. Musikalisch dargestellt ist es äußerst einfach mit drei Akkorden mit absteigenden Basston (Quintfall?), z.T. Suspended chords (ohne Terz) und viel Hall, die dem ganzen einen schwebenden Klang geben, das ganze ostinato über vier Minuten.
Dieses Lied kam mir in den Sinn, als ich vor kurzem Peter Sloterdijks "Schreckliche Kinder der Neuzeit" las. Er zitiert darin Nietsche "Stürzen wir nicht fortwährend?" und sieht in diesem Sturz nach vorn (und nach allen Seiten) die Grundbewegung der Menschheit seit der Aufklärung, bzw. Der französischen Revolution. Allerdings kann man, wie @Der Gehenkte anführt, den Abstieg als Leitmotiv in Form des Sündenfalls oder dem gestürzten Engel auch schon vorher finden.
Wer sich im freien Fall befindet, fühlt sich schwerelos, was durchaus ein angenehmes Gefühl sein mag und wahrscheinlich auch eine Art Suchtwirkung auslösen kann, z.B. Bei Fallschirmspringern oder Basejumpern, die vermutlich ebennfalls ihre Dosis erhöhen müssen, um wieder denselben "Kick" zu bekommen, wie beim ersten mal. - So wie es Devon Stack den Horrorfilmfans unterstellt. Er unterstellt den Konsumenten von Kunst mit Schockwirkung, sie würden wie bei der Heroinsucht einen inneren Mechanismus im "animal brain" anstoßen, der man dan folgt und jede Selbstbehrerrschung und alles Streben nach Höherem sein läßt, nur noch der sofortigen Triebbefriedigung folgt. Das Gleiche kann man man über Sex sagen ("Porno- Epidemie"), Essen ("Cafeteria-diet") oder über Selbstwertbestätigung über soziale Medien ("digitale Demenz" -Manfred Spitzer): Es läuft etwas aus dem Ruder. Das Belohnungszentrum im menschlischen Gehirn kann dank moderner Technologie immer stärkeren Reizen ausgesetzt sein, während die inneren Möglichkeiten zu Widerstehen, die Selbstdiziplin im Gegenzug immer weiter degenereiert – unter anderem durch das Mantra des "Do what you wilt". Allerdings heißt das nicht, daß Sex, Essen und derWunsch nach sozialer Akzeptanz an sich schon dämonisch wären – sowenig wie das für Opiate gilt. Es geht eher um die Überdosierung und die Toleranzentwicklung.
Transportiert dieses Lied nicht auch schon den Wunsch aus alten Rollen auszubrechen, nicht mehr der nette Junge oder das nette Mädel von nebenan zu sein und endlich etwas Spaß zu haben? Braucht man wirklich den Flirt mit dem Bösen (wie bei nine Inch Nails oder Seven), um auf eine abschüßige Bahn zu geraten? Dieses Video hätte dann eine wesentlich verherrendere Wirkung, weil es zusammen mit z.B. Stephen King, eben so eine große Verbreitung findet. - Der ganze Gothic-Trend etc. Ist doch letztlich eine kleine Subkultur, während man Popmusik praktisch ununterbrochen ausgesetzt ist. Wenn man das konsequent durchdenkt, wäre dann allerdings auch ein Eichendorff ein Verführer der Jugend gewesen. Der Wunsch aus seiner Rolle auszubrechen, oder der Unwille (bei Jugendlichen) seine Rolle überhaupt erst einzunehmen wäre dann an sich schon dämonisch - aber eigentlcih ist er ziemlich menschlich - gerade in diesem Alter.
Der "american way of life" beruht letztlich auf dem Recht auf ein "Streben nach Glück" für Jedermann, das letzlich wie eine Aufforderung wirkt, unbedingt sein persönliches Glück, seine Selbstverwirklichung suchen zu müssen und nicht seinen Lebenssinn z.B. Darin sehen kann, Glied einer Kette zu sein. Dazu kommt die moralischen Legitimierung der Gier im liberalen Wirtschaftsdenken, die demjenigen, der wirtschaftlich erfolgreich ist unterstellt, er wäre von Gott begünstigt (Werkgerechtigkeit). Man findet das gerne auch als Rechtfertigung für das Handeln der Flüchtlinge: Sie wollen ja ein besseres Leben und wenn wir es Ihnen so leicht machen, sich Leistungen zu erschleichen, ist es verständlich, daß sie es ausnutzen "Man würde es ja genauso machen". Das amoralische Handeln, das Andere-Übervorteilen-wollen, wird praktisch zur Grundprämisse im Wirtschaftsleben und davon ausgehend in immer mehr anderen Bereichen. Das ist inzwischen so antrainiert, daß keiner mehr etwas Verwerfliches darin erkennt. Vor allem sieht auch keiner mehr die Notwendigkeit, die wirtschaftlich Handelnden, die in dieser inneren Logik gefangen sind, durch übergeordnete Regeln zur Kooperation (in Form des Staates) zu zwingen, der ihnen im Grunde erst die Möglichkeiten für wirschaftliches Handeln zur Verfügung stellt (in Form von Rechtstiteln: z.B. Eigentumsrechte samt Gerichten, um es einzuklagen und das staatliche Gewaltmonopol).
Was aber nun wieder ein ganz anderes Thema ist, was in einem anderen Beitrag kommentiert werden könnte... Wenn man "dem Bösen" auf die Spur kommen will, kommt man irgendwie leicht vom hundertsten ins tausendste ;-)

Janno
2. August 2019 13:15

Trent Reznor habe ich es zu verdanken, dass ich in der späten Phase der Adoleszenz plötzlich einen langen schwarzen, von Jean-Paul Gaultier insperierten, Männerrock trug, der mir erst die Schadenfreude einer drallen, afrikanischen Nutte in den Gassen von Amsterdam bescherrte, die dann aber nach ihrem ersten Lachanfall und beim Anblick meiner Rückseite mich mit den Worten "well, pretty ass in there" beglückte.

Monika
2. August 2019 15:59

Es ist, wie @Kovacs sagt:
Es geht um UMKEHR, um das Gefühl, dem alten ratlos gegenüber zu stehen...
@nom de guerre, mein Toleranzpunkt war beim Tod von Mia Valentin überschritten, mehr Betroffenheit ist bei mir seitdem nicht mehr möglich. Wir sollten auch nicht abwarten, dass andere den gleichen Betroffenheitslevel erreichen in der Hoffnung, dann kehren die Menschen um.
Es gibt keine Steigerung des Horrors.
In Kandel gibt es eine Marienkapelle mit einer Schmerzensmadonna, diese Madonna hat ein riesiges Schwert in ihrem Herz stecken. Mehr an Symbolik gab es damals für mich nicht, als ich eine Woche nach Mias Tod nach Kandel fuhr und eigentlich nur mal in die dortige Kirche zum Gebet gehen wollte.
Können wir in der Kunst das Leid abbilden ? Natürlich können wir das ! Wer Augen hat zu sehen, wer Ohren hat zu hören...
Im Gespräch „aufgeblättert - zugeschlagen“ ging es kürzlich um das Buch DER FINDLING von Heinrich von Kleist. Herr Klonovsky und Frau Kositza brachten beide damit in Verbindung den TOD von MARIA LADENBURGER , ein Schicksal, das auf eine künstlerische Verschriftlichung nur wartet!
Der Tod des kleinen Jungen auf Gleis 7 ist ebenfalls ein „Thema“ für eine künstlerische Bearbeitung.
Gustav Mahler schrieb die Kindertotenlieder, Paul Gerhard schrieb im Grauen des 30 jährigen Krieges die ergreifendsten Kirchenlieder.
Zu diesen Künstlerischen Niveau sind wir Heutigen nicht fähig.
Ein armseliger Gottesdienst vor dem Frankfurter Hauptbahnhof - zu mehr reicht es nicht mehr.
Ist es vorstellbar, den abgestumpften Wohlstandürger im Innersten aufzuwühlen, in einem kollektiven Akt ? Das wäre doch die Herausforderung an einen Künstler...
Vielleicht statt einer Verkehrsdurchsage im Bahnhof eine ergreifende Musik, eine Stille ...

nom de guerre
2. August 2019 18:33

@ Monika

Kurz vor der Ermordung von Mia Valentin hatte in meinem weiteren privaten, alteingesessen deutschen Umfeld ein vergleichbares Ereignis stattgefunden, das zwei Tote (Täter und Opfer) hinterließ. Dieses gibt es also auch ohne einen Zusammenprall der Kulturen, wobei mir die Unterschiede (Mia war erst 15, der Afghane wohl kaum so jung, wie behauptet wurde, das Risiko, dass so etwas passiert, ist bei dieser Klientel um ein Vielfaches höher und im übrigen hätte er gar nicht hier sein dürfen) durchaus bewusst sind – jedoch war meine Betroffenheit damals eine andere als bei dem Kindermord in Frankfurt.

Was Sie über die Verarbeitung von Grauen und Leid in der Kunst schreiben, ist natürlich richtig, und eine literarische Bearbeitung des Falles Ladenburger wäre tatsächlich hochinteressant, wenn der richtige Autor sich an diese Aufgabe heranwagte (habe die Sendung auch gesehen und fand die Parallele zum Findling, dessen Lektüre bei mir allerdings schon eine Weile zurückliegt, einleuchtend), aber ich habe, unabhängig von dem heutigen künstlerischen Niveau, auf das Sie verweisen, meine Zweifel, dass dies oder etwas ähnliches in der derzeitigen gesellschaftlichen Situation möglich wäre – ohne dass es von der anderen Seite des Grabens schlicht und ergreifend als Hetze wahrgenommen und entsprechend diffamiert würde.

Wie der evangelische Theologe Paul Gerhardt im 30jährigen Krieg ergreifende Kirchenlieder geschrieben hat, schrieb der nach meiner Kenntnis aus einer katholischen Familie stammende Andreas Gryphius nicht minder ergreifende Gedichte, in denen er das Grauen, das über das deutsche Volk gekommen war, eindringlich schildert (etwa „Tränen des Vaterlandes Anno 1636“). Was ich damit sagen will: Im 30jährigen Krieg brachten katholische und protestantische Deutsche einander um (dass es dabei auch und vor allem um weltliche Machtpolitik ging, weiß ich, aber die Fronten verliefen dennoch weitgehend konfessionell), aber trotzdem haben beide Seiten den Schrecken und das Leid gleichermaßen als solche wahrgenommen! Sogar der an der Eroberung Magdeburgs beteiligte Söldner Peter Hagendorf schrieb in seinem Tagebuch, ihn dauere die schöne Stadt, die nun völlig zerstört sei. Heute dagegen haben wir eine schweigende Mehrheit, die sich in ihren WhatsApp-Gruppen gegenseitig mit Bildern von den aktuellen Freizeitbeschäftigungen beglückt und ein paar öffentlich sehr laute und anscheinend mit einem Herz aus Stein gesegnete linksgrüne Politiker und Medienleute, die bspw. empfehlen, doch bitte mal auf dem Teppich zu bleiben, gegen die ganzen Verkehrstoten sei das doch gar nix. Wenn eine Gesellschaft auf künstlerischer oder überhaupt geistiger Ebene mit furchtbaren Ereignissen umgehen soll, darf sie nicht so zerrissen sein wie unsere. Ich würde Ihre Hoffnung, dass die Schönheit die Welt retten wird, gerne teilen, aber im Moment gelingt mir das nicht.

franzheister
2. August 2019 20:49

@Monika

Vielen Dank für Ihre Erwähnung von Nitsch, Brus, Mühl u.a. Der sog. Wiener Aktionismus wollte die Überwindung des bis dahin bekannten Kunstbegriffs. Es gab zudem bereits in den 70er Jahren etliche Science Fiction Filme und Literatur en masse welche sich auf den Zukunftsbegriff beriefen. Wir wollen diese Bilder wirklich, weil wir darauf konditioniert wurden. Das Stille und Leise ist uns unerträglich geworden. Das Laute und Schrille ist Teil der Leerheit in der heutigen Politik. Mit Moral oder Ethik kommen wir dort nicht weiter. Der Universalismus versperrt und den Blick auf das Meer der Klarheit.
Die Bilder die unsere Gesellschaft produziert, sind Teil einer ganzheitlichen Umerziehungskampagne (Hier ist Lutz Dammbecks letzter Film „Overgames“ absolut sehenswert (https://www.youtube.com/watch?v=RK7V9hUlI-8 ). Sieferle hat es für mich in „Das Migrationsproblem“ auf den Punkt gebracht, denn uns steht kaum noch der Sinn nach dem Wahren, Schönen und Guten. Man muss sich selbst dazu erziehen. Dies hat mich auch am Antaios Verlag und seinen Autoren fasziniert. Sie sprechen mir aus der Seele. Ich persönlich brauche diesen verlogenen Mainstream gar nicht mehr, ja ich leide darunter. Die Blödheit, die Plattheit und der ewige zirkuläre Müll. Herr Lichtmesz hat es in einigen Publikationen gut auf den Punkt gebracht. Ich bin zudem der Meinung, dass es bei einer durch die USA systematisch herbeigeführten Angleichung der Verhältnisse genau darum geht. Wir träumen nicht mehr chinesisch oder polnisch, wir träumen amerikanisiert. Die Band Gwar spritzte Anfang der 90er Jahre mit Kunstblut herum und sang dazu „I am americanized“. Ich hier noch weitere und unendlich viele Facetten abbilden, aber das sollen andere für mich machen. Die können besser schreiben als ich und kommen weniger assoziativ auf den exakten Punkt. Man muss viel gesehen, gehört und vor allem noch mehr gelesen haben, um diese gut durchdachte „Verflüssigung“ der Verhältnisse durchschauen zu können. Die Kritiker, die dumm konditionierten Linken sind fast immer moralisch im Recht. Nicht wirklich, aber sie glauben es, denn ihre Ideologie ist wie jede Ideologie eine Glaubensfrage und damit schaffen sie ihre Begründungen für das Verschwinden des deutschen Volkes. Sie bejubeln den Volkstod und interessieren sich gleichzeitig für die Kultur Kurdistans.
Das Gespräch zwischen Birgit Richard und Peter Weibel kann hier abgerufen werden, ist ein PDF. Ich schließe mit einem Zitat von Chögyam Trungpa:

Manche Menschen fühlen sich durch gewalttätige Kunst inspiriert, zum Beispiel durch Bilder von explodierenden Köpfen und Hirnen. Aber die Einzigen, die wirklich daran interessiert sein werden, dürften die mit einer militärischen Weltanschauung sein. Obwohl auch solche gewalttätige Kunst in einer schönen, zen-mäßigen friedlichen Art präsentiert werden kann, bleibt sie dennoch absolut schwarze Kunst. Damit schafft man schwarze Magie, die Menschen eher Menschen eher schaden als nutzen kann. Deshalb sollte man sehr vorsichtig damit umgehen. Kunst zu schaffen ist einfach keine harmlose Sache, sondern Kunst ist stets ein kraftvolles Medium. Kunst ist sogar außergewöhnlich kraftvoll und wichtig. Sie ist eine echte Herausforderung für das Leben der Menschen. Du hast also zwei Möglichkeiten: Entweder du verdrehst den Leuten den Kopf damit, oder du schaffst eine Form grundlegender geistiger Gesundheit. Diese zwei Möglichkeiten hast du, deshalb solltest du ganz besonders vorsichtig damit umgehen.

Chögyam Trungpa, Über Kunst, Edition Steinrich.

Birgit Richard und Peter Weibel: http://www.share-online.biz/dl/FV02JMVPT20W

Thomas Martini
2. August 2019 23:20

"1. Kehre die Aufmerksamkeit um

Das Schlüsselelement zur Kontrolle der Gesellschaft ist es, die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf unwesentliche Ereignisse umzulenken, um sie von wichtigen Informationen über tatsächliche Änderungen durch die politischen und wirtschaftlichen Führungsorgane abzulenken. Jene Strategie ist der Grundstein, der das Basisinteresse an den Bereichen Bildung, Wirtschaft, Psychologie, Neurobiologie und Kybernetik verhindert. Somit kehrt die öffentliche Meinung dem wirklichen gesellschaftlichen Problemen den Rücken zu, berieselt und abgelenkt durch unwichtige Angelegenheiten. Schaffe es, dass die Gesellschaft beschäftigt ist, beschäftige sie, beschäftige sie so, damit sie keine Zeit hat über etwas nachzudenken, entsprechend dem Level eines Tieres."

Zudem Zitat von Chögyam Trungpa passt die erste der angeblich auf Noam Chomsky zurückgehenden "10 Strategien der Manipulation". Die "eher unpolitischen" Erzeugnisse der amerikanischen Kulturindustrie, sind in ihrem unbegrenzten Angebot nicht zuletzt ein weiches Machtmittel, ein "Soft-Skill", um die Volksmassen von den wichtigen Fragen der Politik abzulenken. Die Kunst selbst muß in dem Fall also gar keine politische Botschaft transportieren.

Adler und Drache
3. August 2019 18:39

Martin Lichtmesz: Kenn Sie eigentlich so etwas wie deutsches Blackpilling? Hermann Nitsch und Lars von Trier fallen mir ein - würden Sie die darunter verorten? Im Bereich der Literatur ist das Schwärzeste wohl "Hiobs Spiel" von Tobias O. Meißner. Ich kenne den Autor, und auf ihn trifft zu, was ich auch von Stephen King vermute: Er hat keine Lust an Qual und Zerstörung, er denkt sich ins Schlimmste hinein, zu dem er fähig ist, um ihm dann eine Gestalt zu geben und es in dieser Gestalt zu besiegen ... nein, zu exorzieren.

Monika: Ausnahmsweise bin ich nicht mit Ihnen d'accord. Den realen Horror gab es bereits vor der Migrationskrise. Der Fall "Jessica" ("Zicke ist tot") von 2005 bereitete mir große Schmerzen und tut es noch immer. - Als ich eine Reportage über die Verbrechen des Marc Dutroux las, eilte ich nach Haus und schloss meine damals vierjährige Tochter mit einem Gefühl tiefer Verzweiflung in die Arme, weil man seine Kinder nie perfekt schützen kann, weil es jeden treffen kann (gewiss: manche eher, manche eher nicht), und weil das, was menschenmöglich ist, so unausdenkbar und abgrundtief böse sein kann.
Es hat nichts mit politischen Entscheidungen zu tun, sondern mit der Kraft des Dämonischen, die in, mit und unter dem Menschsein wirksam ist.
Nebenbei: Das ist auch meine Kritik zu Thomas Martinis Kommentaren. Es ist nicht immer alles bloß politisch. Im Gegenteil, das Politische ist eine recht oberflächliche Ebene, und man muss nicht alles zwanghaft auf diese Ebene ziehen und andere, die dies nicht tun, als bekloppte "Bildungsliteraten" verächtlich machen. Von der Ebene des Existentiellen her ist alles Politische nur Wellenkräuseln auf der Wasserfläche eines Teichs.

Laurenz
3. August 2019 22:42

@nom de guerre ... Sie weichen aus. Ich bin selbst schon überfallen und mit einer Schußwaffe beschossen worden und habe die Angreifer mit einem Wagenheber ziemlich verdroschen. Und ich stand vor Gericht, wurde dann zwar freigesprochen, aber verstehen Sie vielleicht jetzt besser, was ich ausdrücken wollte?

@RMH .... Sie sind solch ein Stoiker, daß Sie Sich in Ihrem ganzen Leben noch nie beherrschen mußten?

Monika
4. August 2019 06:20

@Adler und Drache
Natürlich gab es das Böse und das Grauen schon vor der Masseneinwanderung. ( Eine Krise ist die Migration nicht ! Eine Krise geht vorbei ) . Ich spreche nur von dem Horror im Zusammenhang mit dem „historisch einmaligen Experiment“ ( Yascha Mounk). Hiervon ist jeder früher oder später betroffen und muss sich positionieren. Auch der Fall „Maria LADENBURGER“ ging mir unter die Haut. Mein Sohn studierte damals in Freiburg. Soweit ich es mitbekommen habe, wurde dieser schreckliche Mord in Freiburgs Ökoschickeria völlig verdrängt. Als wäre nichts geschehen.
Kandel liegt in meiner Nähe. Die Anfangswut und die Trauer waren spürbar und es kamen Tausende zur Demonstration. Das war beeindruckend, aber spürbar war für mich, dass dieses schlimme Ereignis ein schönes Städtchen für immer verändert, spaltet. Das gilt bis heute. Hier wird exemplarisch die politische Teilung unseres Landes manifest. Auch darüber ließe sich ein Buch schreiben. Die Rollen sind hervorragend besetzt. Die örtlichen Politiker und Pfarrer. Der Kirchenpräsident, die Ministerpräsidentin. Die zerstörte Familie usw.
In Kandel wurde mir mit einem Schlag bewusst, dass diesem Land eine umwälzende Veränderung bevorsteht, die alles bisher gültige zerstört, vor allem das Vertrauen zwischen den Bürgern eines Städtchens durch die Ideologisierung des gesamten Lebensumfeldes usw.
Man ist jetzt bunt , wie man früher braun war oder schweigend dagegen.
Beim Kindermord in Frankfurt gibt es bei mir auch einen regionalen Bezug. Der Bahnhof ist mir seit Kindertagen vertraut. Dort ist die Stummung etwas anders gelagert. Frankfurt war schon immer etwas bunter ( was ich durchaus sympathisch fand) . Nun protestiert dort auch die Gastarbeitergeneration gegen die Neuzugänge. ( gut zu erkennen auf dem Video von Herrn Stöckl ( oder wie der nette reisende Reporter heißt). Auch darüber ließe sich ein Buch schreiben. Es gibt also genug Stoff für eine künstlerische Verwertung. Der Kunstbegriff wird sich durch die Masseneinwanderung ebenfalls grundlegend verändern!
Und es wird eine offizielle bunte Kunst geben und eine widerständige.

Thomas Martini
4. August 2019 10:46

Für die einen, ist das Politische "nur Wellenkräuseln auf der Wasserfläche eines Teichs", für andere aber "alles, was die Lebensfragen eines Volkes als eines einheitlichen Ganzen betrifft"(Carl Schmitt).

Für die einen, ist die von Martin Lichtmesz aufgeworfene Frage, "inwiefern das, was er [Black Pilled] als "degeneracy" (Entartung, Verkommenheit) der heutigen Welt wahrnimmt, durch ein langsames, jahrzehntelanges Senken der ästhetischen und moralischen Toleranzschwellen vorbereitet wurde" eine dankbare Gelegenheit für politische Ursachenforschung. Für andere ist es ein Anlaß, über ewige Grundkonstanten der Menschheit zu philosophieren.

Keiner hat behauptet, man müsse es auf die politische Ebene ziehen, aber ich stehe in der Hinsicht näher bei Carl Schmitt.

Hier fiel einmal der Name Marquis de Sade, sowie einmal der von Marc Dutroux. Das ist für die einen Gelegenheit, die allgegenwärtige Präsenz des Bösen zu erkennen.

Andere wissen um die direkte Querverbindung zwischen diesen beiden Monstern, und daß sie beide glänzende Aushängeschilder für das pädo-satanische Elitenprojekt "Demokratie" sind.

Mein Eindruck ist, daß die meisten Leser nicht wirklich verstanden haben, was mit der ominösen schwarzen Pille gemeint ist. Noch einmal in den Worten von Martin Lichtmesz:

"Während die "blaue Pille" den Normalo im Mainstream-Tiefschlaf hält und die "rote Pille" die Erweckung aus der Scheinwelt der globalistischen Lügen bringt, so bedeutet die "schwarze Pille" den Absturz in den Pessimismus: Das erblickte Biest kann niemals besiegt werden und die Niederlage all dessen, woran man glaubt und hängt, scheint gewiß."

Dr. Thor von Waldstein vertritt die Ansicht, daß sich die meisten BRDler, auch viele auf der rechten Seite des politischen Spektrums, noch immer keine wirklichen Vorstellungen vom Ausmaß der mit "künstlichem Flittergold" übertünchten Misere gemacht haben, die unser aller Heimatland bedroht. Dennoch verfällt er nicht in Pessimismus, da er an die hier schon erhoffte Umkehr glaubt.

Um umkehren zu können, muß man aber zunächst einmal wenden. Diese Wendung, meine sehr verehrten Damen und Herren, kann nur ohne die USA und in einer ihr entgegengesetzten Richtung erfolgen. Nur diese Wahl haben wir: Entweder, wir fassen den Beschluß, uns freundlich aber bestimmt von der USA abzuwenden. Oder aber wir rasen weiter auf dem "Highway to Hell", um dann irgendwann mit der USA zusammen in der Hölle zu schmoren.

Tertium non datur.

Thomas Martini
4. August 2019 13:13

Wie kommt ein Psychopath zu der Feststellung, "The United States of America is the demon of the world."?

Dieser Frage nachzugehen ist doch kinderleicht. Sehen wir uns das amerikanische "Role Model" an, wo es unter anderem heißt:

"Okay, ich werde versuchen, mich zu ertränken
Du kannst das zu Hause versuchen
Du kannst genau so wie ich sein[...]

Mach mit und tu genau das, was im Song gesagt wird:
Rauch Gras, nimm Pillen, schmeiß die Schule
Töte leute und betrinke dich
Und setz dich ans Lenkrad, als wär das dann noch erlaubt[...]

(...)
Follow me and do exactly what the song says
Smoke weed, take pills, drop out of school, kill people and drink
Jump behind the wheel like it was still legal[...]

I came to the club drunk with a fake ID
Don't you want to grow up to be just like me?
I've been with 10 women who got HIV
Now don't you want to grow up to be just like me?
I got genital warts and it burns when I pee
Don't you want to grow up to be just like me?
I tie a rope around my penis and jump from a tree
You probably want to grow up to be just like me"[...])

Eminem, "Role Model"

Den Rest dieses Machwerks erspare ich dem Leser. Der Kontrast dazu wäre nun sowas wie "Oh, du schöne Nachtigall", halt irgendwas aus unserem eigenen Volksmusikschatz. Schon hätte man das Antidot zur Hand, ohne jemals Gefahr zu laufen, dem Pfad des Bösen zu erliegen, wenn man sich mit Phänomenen der Popkulturgeschichte ernsthaft auseinandersetzt.

In einer Zeit, in der Künstler wie Eminem die Meßlatte für gesellschaftliche Tabubrüche in den westlichen Demokratien vorgeben, und als Folge darauf in Deutschland einheimische Kinder von Psychopathen vor Züge geschmissen werden, deutsche Rentner mit Messern und Macheten abgemetzelt werden, und so weiter, kann man doch nicht so tun, als habe das eine mit dem anderen nichts zu tun.

Geben wir das Prinzip von Ursache und Wirkung aus, wenn wir uns mit den Folgen der Amerikanisierung beschäftigen?

Was deutschsprachige Migrantenrapper, die USA nachäffend, in den letzten Jahrzehnten vertont haben, angefangen von Taktlo$$ über Kool Savas bis hin zu Farid Bang und Kollegah, ist das Spiegelbild der Realität. Und die sieht dann dementsprechend eben anders aus als zu Haydns und Brahms Zeiten.

Darüber sollte man sich klar sein, und sich nicht davon blenden lassen, daß der Mensch seit dem Sündenfall eine Faszination am Bösen findet. Dagegen können wir in der Tat nichts tun, da wir eine übermenschliche Dimension berühren. Was wir aber ganz sicher tun können, ist es, das politsche System in dem wir leben zu hinterfragen, und zu versuchen, dabei unbequemen Einsichten nicht aus dem Weg zu gehen.

Andreas Walter
4. August 2019 16:02

@franzheister

Danke für den Verweis auf den Film Overgames. Ich hätte ihn beinahe übersehen, weil Sie ihn nur nebenläufig im Text eingebettet erwähnen.

Sollte sich jeder hier ansehen, auch wenn der Missbrauch (auch) unseres Volkes und durch wen nur schwer zu ertragen ist, sobald die Ahnung zur Gewissheit wird. Ich zumindest bin gerade sehr traurig und verstimmt. Ein Schlag in die Magengrube, von dem ich mich jetzt erstmal mit zusammengepressten Lippen erholen muss.

nom de guerre
4. August 2019 21:34

@ Laurenz
"Sie weichen aus." Das war eigentlich nicht meine Absicht. Wenn Ihre Anmerkung darauf bezogen war, dass jemand, der den Schwert- oder Machetenmörder erschlagen hätte, möglicherweise von einem Gericht verurteilt worden wäre, habe ich Sie missverstanden. Das kann so sein, muss es aber nicht. Sie sind schließlich auch freigesprochen worden.

Ich bleibe aber dabei, dass eine solche Diskussion in einem Fall wie diesem müßig ist. Der Mann hatte kein langes Messer, sondern ein Schwert! Mit anderen Worten eine Waffe mit einer gewissen Reichweite, um sich Angreifer vom Leib zu halten - was bitte wollen Sie denn als Einzelperson gegen diese Reichweite machen? Da wären Sie auch mit Ihrem Wagenheber nicht weit gekommen, und auch mit nichts anderem, außer einer Schusswaffe oder einem effektiven Wurfgeschoss. Erstere darf man in der BRD aber nun mal nicht mit sich führen und für letzteres muss man gut werfen können, was bei den meisten Menschen eher nicht der Fall sein dürfte.

Auf einem anderen Blatt steht, dass die bundesdeutsche Gesellschaft generell kaum noch wehrhaft ist. Das Geschehen auf der Kölner Domplatte wäre mit weniger domestizierten deutschen Männern definitiv anders verlaufen. Aber von den dortigen Angreifern trug auch niemand ein Schwert.

RMH
4. August 2019 21:41

"@RMH .... Sie sind solch ein Stoiker, daß Sie Sich in Ihrem ganzen Leben noch nie beherrschen mußten?"

@Laurenz,
bin ich nicht, aber ihre Frage bzw. ihr Bild ging ja in Richtung der eigenen Kinder und genau und nur darauf habe ich mich bezogen ...

@T. Martini,
"Entweder, wir fassen den Beschluß, uns freundlich aber bestimmt von der USA abzuwenden. Oder aber wir rasen weiter auf dem "Highway to Hell", um dann irgendwann mit der USA zusammen in der Hölle zu schmoren.
Tertium non datur."

Den von mir weiter oben beschriebenen dialektischen Prozess scheinen Sie offenbar komplett auszublenden und harren weiter in einer Art manichäischem schwarz-weiß.

Selbst wenn die USA sich bspw. aufgrund einer fiktiven Ursache binnen einer Sekunde in Luft auflösen würde, hätten wir hier nach wie vor so ziemlich die selben Probleme, die selbe Führungsclique, die selben Medien etc..

Der Fehler an allen, die eine "Amerikanisierung" als das vermeintlich zentrale Grundproblem sehen ist, dass Amerikanisierung keine zufriedenstellende Beschreibung globaler Phänomene sind, die sich in den USA eben am besten und am ersten sichtbar zeigen - würde man eine ernsthafte Umfrage in den USA machen und eine bei uns, dann würden vermutlich von den weißen Amerikanern ein deutlich größerer Prozentsatz sich gegen die hier beanstandeten Phänomene, die unter "Amerikanisierung" verschlagwortet werden, wenden, als die eigenen Bürger bei uns. Man zeigt mit dem Finger auf "die USA" und trifft damit nicht das Ganze und eigentlich auch nicht so richtig das Thema (gerade im Kulturbereich). Fast so ähnlich, wie einige PI-Ler auf "den Islam" zeigen und meinen, dass wenn dieser weg wäre, gäbe es keine Problememehr. Im dritten Reich und davor identifizierte man recht eindeutig und mit umfangreicher Argumentation "die Juden" als die Ursache allen Übels, auch, weil viele Vertreter dieser uns alle beschäftigenden "Avantgarde" eben Juden waren und welch Überraschung bei solch vereinfachenden Vorgängen, bezahlt haben dafür dann die 99,9% der Juden, die gar nichts damit zu tun haben/hatten.

Amerikanisierung ist mithin nur eine Umschreibung, genauso wie die "Globalisierung" eine solche ist. Globalisierung beinhaltet bislang immer auch Amerikanisierung (mal sehn, wie sich das entwickelt, wenn Asien noch mehr mitredet). Amerikanisierung ist nur ein Teil der Globalisierung, aber eben nicht "die" Globalisierung und Globalisierung ist ebenfalls noch lange nicht alleine der Grund für den Zustand unseres Landes. Die Moderne und ihre dabei mit ablaufenden Dekadenzerscheinungen - oder aus Sicht der Linken, der "Fortschritt" - ist ein Prozess, der weltweit abläuft aber lokal und regional mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten. Vor diesem Hintergrund kommt die Warnung vor der "Amerikanisierung" ungefähr dem Bild gleich, nachdem die Bimmel-Bahn vor dem D-Zug und dessen Geschwindigkeit warnt, obwohl beide den gleichen Zielbahnhof haben.

Adler und Drache
5. August 2019 10:46

Thomas Martini
Nun, gewiss: Das Biest kann nicht besiegt werden, es sei denn durch die Macht Gottes. Eben das ist ja eine der "ewigen Grundkonstanten der Menschheit". Das Biest kann eben auch durch Politik nicht besiegt werden. Es erscheint nur immer in anderer Gestalt, und das Beste, was (politisch) machbar ist, ist eine zeitweilige Zurückdrängung oder Bändigung. Für jemanden, der im archaischen biblischen Realismus verankert ist, ist das Fakt. "Politische Ursachenforschung" ist richtig und wichtig, aber die Kunst reicht allemal tiefer, ins Schicksalhafte hinein. Ich stehe in dieser Hinsicht näher bei Jünger und dem "Waldgang".

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