Sonntagsheld (114) – 20. Juli 2019, Halle (Saale)

Ein Bericht.

 Gastbeitrag

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Ein Bericht.

Am Sams­tag ging es in Hal­le heiß her: Die Iden­ti­tä­re Bewe­gung hat­te zum Som­mer­fest und zur Demons­tra­ti­on gela­den und bereits im Vor­feld hat­te die Gegen­sei­te unter dem Mot­to “Nice to beat you” ange­kün­digt, an die­sem Tag die Eska­la­ti­on zu suchen.

Gleich vor­ab, weil die Kom­men­tar­spal­te ohne­hin vor Netz­stra­te­gen und ere­mi­tier­ten Möch­te­gern-Napo­le­ons nur so wim­meln wird: Wir wuß­ten, daß es schwie­rig und gefähr­lich wer­den wür­de, eine iden­ti­tä­re Demons­tra­ti­on in Hal­le durch­zu­füh­ren. Wir wuß­ten aber auch, daß wir uns nicht ewig dar­um wür­den drü­cken kön­nen. Und, Freun­de, ich sage Euch: Es war groß, es war heiß, es war schön.

Wir hat­ten alles auf dem Zet­tel: Kon­zer­tier­te Aktio­nen gegen das Haus im Vor­feld, eine mit Mut­wil­len zur Unfä­hig­keit berei­te Ver­samm­lungs­be­hör­de und das übli­che “brei­te Bünd­nis” von mili­tan­ten Alt-Mao­is­ten, über hedo­nis­ti­sche Anti­deut­sche bis zur Boo­mer-Oma mit selbst­ge­mal­tem Papp­schild – alles das hat­ten wir mit ein­kal­ku­liert und das meis­te traf auf die eine oder ande­re Art und Wei­se ein.

Wir hat­ten auch gerech­net mit jener Hand­voll absei­ti­ger alt­rech­ter Gestal­ten, die – manch­mal wohl­wol­lend, nicht sel­ten aber auch genau kal­ku­lie­rend und ent­spre­chend von staat­li­cher Sei­te pro­te­giert – ihre eige­nen Feti­sche und krank­haf­ten Fixie­run­gen in unse­re Mit­te zu tra­gen ver­su­chen würden.

Sie mer­ken schon: Die Demo­vor­be­rei­tung hieß für uns vor allem: Rech­nen hier wie da, abwä­gen, abschät­zen, auf­drö­seln, neu ins Ver­hält­nis set­zen und am Ende eine gro­ße Glei­chung auf­stel­len. Ein Glei­chung aller­dings, die doch bei einer öffent­li­chen Ver­an­stal­tung stets bis zu einem gewis­sen Grad von einer gro­ßen Unbe­kann­ten getra­gen sein wür­de: Der Zusam­men­set­zung der Teil­neh­mer und der Stim­mung am Tag der Veranstaltung

Was wir nicht ahnen konn­ten, war, daß genau die­se gro­ße Unbe­kann­te es sein soll­te, die uns an die­sem Sams­tag wie­der und wie­der aufs neue über­ra­schen wür­de und das durch­weg positiv.

Auf den obli­ga­to­ri­schen Abriß der Ereig­nis­se für die­je­ni­gen, die über den Ablauf im Unkla­ren sind, ver­zich­te ich an die­ser Stel­le. Nur soviel: trotz akti­ver Behin­de­run­gen durch die Poli­zei gelang es uns schließ­lich am Nach­mit­tag den Groß­teil unse­rer Ver­an­stal­tungs­teil­neh­mer vor der AK16 zu ver­sam­meln. Allein das ist eigent­lich schon ein klei­nes Wun­der – hat­te man von staat­li­cher Sei­te doch ver­sucht, mit allen Tricks ein Durch­kom­men der mit dem Zug ange­reis­ten Demons­tra­ti­ons­teil­neh­mer zu verhindern.

Ohne ins Detail gehen zu wol­len, wagen wir einen klei­nen Blick in die ver­samm­lungs­be­hörd­li­che Zau­ber­kis­te: Absicht­lich fal­sche Orts­an­ga­ben an orts­un­kun­di­ge Besu­cher, die nach dem Weg frag­ten, Platz­ver­wei­se und “Stadt­ver­bo­te” an Demons­tran­ten, die dar­auf bestan­den zum Ver­an­stal­tungs­ort durch­ge­las­sen zu wer­den, Nicht­ein­hal­tung sämt­li­cher Zusa­gen, die die Anrei­se zu unse­rem Haus betra­fen (z.B. Ermög­li­chung der Anrei­se mit Stra­ßen­bahn, oder zu Fuß), usw. usf.

Wer nach lan­ger Irr­fahrt vom Haupt­bahn­hof (teil­wei­se mit Umweg über den Leip­zi­ger Flug­ha­fen) doch bis in die Nähe des Hau­ses kam, den erwar­te­te zumeist eines von zwei Schick­sa­len: Ent­we­der er wur­de durch ein anti­fa­schis­ti­sches Spieß­ru­ten­spa­lier gelei­tet und kam – um eini­ge Sprit­zer unap­pe­tit­li­cher Flüs­sig­kei­ten, blaue Fle­cken, und Schürf­wun­den rei­cher – schließ­lich in unse­rer Mit­te an, oder er wur­de gar nicht erst durch­ge­las­sen und von den Beam­ten in die von Spä­hern und mili­tan­ten Jagd­grup­pen durch­völ­ker­ten Quer­stra­ßen zurückgeschickt.

Wer sich am patrio­ti­schen Demons­tra­ti­ons­ge­sche­hen der ver­gan­ge­nen Jah­re betei­ligt hat, der ist sol­cher­lei ja irgend­wo gewohnt und doch war es in die­sem Fall aufs neue erschre­ckend, mit wel­cher Bos­haf­tig­keit bereits die Anrei­se der Teil­neh­mer sabo­tiert wer­den soll­te. Kein Grund zu ver­za­gen, sicher­lich – ist es doch gera­de die­ser Bereich, in dem der Staat die Grund­rech­te, die er sich selbst gesetzt hat, nicht mehr garan­tie­ren kann bzw. will, der für uns poli­ti­sche Akti­vis­ten zum natür­li­chen Habi­tat gewor­den ist, weil unse­re Aktio­nen auf sei­ne Kennt­lich­ma­chung und Mar­kie­rung aus­ge­legt sind.

Um 15 Uhr, als die Demons­tra­ti­on star­ten soll­te, war das Haus ein­ge­schlos­sen. Hier zeig­te sich der gro­ße Vor- und Nach­teil unse­rer Lage im Her­zen des links­ge­präg­ten Uni­ver­si­täts­vier­tels: Schon unse­re schie­re Anwe­sen­heit, allein die Tat­sa­che, daß Rech­te in die­sem Bio­top über­haupt leben kön­nen und wir­ken dür­fen, war für die Gegen­sei­te so uner­träg­lich, daß sie den hal­ben Tag wie ein wüten­der Amei­sen­hau­fen auf unser Haus ein­drin­gen mußte.

Um das Haus her­um hat­te man die übli­chen “Spon­tan­kund­ge­bun­gen” geneh­migt und so die fünf mög­li­chen Zugän­ge nach und nach abge­rie­gelt. Die nach­fol­gen­den Ver­hand­lun­gen mit der Ver­samm­lungs­be­hör­de, die ihren End­punkt in der Unter­sa­gung des Demons­tra­ti­ons­zu­ges fan­den, sind kei­ner Rede wert. Sie bestan­den aus dem übli­chen Wech­sel­spiel von Zeit­ver­zö­ge­rung – denn die Ein­satz­lei­tung befand sich zu kei­nem Zeit­punkt vor Ort – und revi­dier­ten Zusagen.

Am Ende des zähen Hin und Hers lag alles offen zuta­ge, was es zu wis­sen gilt. In anwalt­li­chem Bei­sein bestritt die Ver­samm­lungs­be­hör­de, daß ein poli­zei­li­cher Not­stand vor­lie­ge, gleich­zei­tig bestand man jedoch dar­auf, die Sicher­heit unse­rer Teil­neh­mer auf­grund der Bedro­hung durch lin­ke Gewalt­tä­ter und deren Unter­stüt­zer nicht gewähr­leis­ten zu kön­nen. Zitat (sinn­ge­mäß): “Wir sind schon froh, daß sie über­haupt alle heil hier ange­kom­men sind.”

Im Raum ste­hen für uns eigent­lich nur drei Schlußfolgerungen:

1. Die zustän­di­ge Ver­samm­lungs­be­hör­de war nicht in der Lage eine rea­lis­ti­sche Gefah­ren­ein­schät­zung im Vor­feld zu machen, hat­te die Situa­ti­on daher gna­den­los unter­schätzt und muß­te vor der links­ex­tre­men Gewalt kapitulieren.

2. Es gab eine poli­tisch moti­vier­te Ent­schei­dung der Ein­satz­lei­tung, die dazu führ­te, weni­ger, womög­lich zu wenig Kräf­te anzu­for­dern und damit nicht nur uns um unse­re Demons­tra­ti­on zu brin­gen, son­dern auch die Gesund­heit der ein­ge­setz­ten Beam­ten zu gefährden.

3. Es war genug Poli­zei vor Ort, unse­re Demons­tra­ti­on wäre mög­lich gewe­sen, aber es gab “von Oben” eine Anwei­sung uns unter kei­nen Umstän­den lau­fen zu lassen.

Gegen Abend ser­vier­te man uns noch­mal einen klei­nen Absur­di­täts-Absa­cker, indem man mit­teil­te, daß die Gefah­ren­ein­schät­zung sich nicht wesent­lich geän­dert, man aber einen Groß­teil der Poli­zei­kräf­te bereits auf den Heim­weg geschickt habe und des­halb ein Demons­tra­ti­ons­zug wei­ter­hin nicht mög­lich sei. Zu die­sem Zeit­punkt befan­den sich kei­ne drei­ßig Gegen­de­mons­tran­ten mehr am Haus, der Groß­teil war bereits gegen 18 Uhr abge­zo­gen. Ich ver­lie­re kei­ne wei­te­ren Wor­te über die­se Clow­ne­rei­en, unser Anwalt ist bereits mandatiert.

Apro­pos Gefah­ren­ein­schät­zung: Wie sah denn die Lage nun über­haupt aus?
Bereits im Vor­feld zur Demons­tra­ti­on hat­ten nachts in Ros­tock und in Leip­zig Autos von Akti­vis­ten gebrannt. Am Tag der Demo folg­te in Hal­le ein wei­te­rer PKW mit dem Ber­li­ner Akti­vis­ten ange­reist waren. Eben­falls am Sams­tag tags­über wur­den drei Pri­vat­woh­nun­gen mit But­ter­säu­re atta­ckiert (dies­mal hat’s mich auch erwischt) am Abend wur­de außer­dem ein Ver­bin­dungs­haus mit der ätzen­den, stin­ken­den Flüs­sig­keit angegriffen.

Hin­zu kamen Angrif­fe auf Poli­zis­ten – unter ande­rem berich­te­te uns ein poli­zei­li­cher Ansprech­part­ner, daß zwi­schen­zeit­lich ver­letz­te Poli­zei­be­am­te nicht behan­delt wer­den konn­ten, weil Lin­ke den Ret­tungs­wa­gen blo­ckiert hat­ten; im sel­ben Atem­zug wur­de uns von stra­te­gisch ange­leg­ten Stein­de­pots im Umfeld des Hau­ses berich­tet, die als Muni­ti­on für Angrif­fe auf unse­re Demons­tran­ten die­nen sollten.

Dazu gesell­ten sich die übli­chen Über­grif­fe rund um die An- und Abrei­se unse­rer Ver­samm­lungs­teil­neh­mer, wobei die Betrof­fe­nen eine schon an Pazi­fis­mus gren­zen­de Dis­zi­plin an den Tag leg­ten; und ein Brand­satz, den man aus einer der geneh­mig­ten “Spon­tan­kund­ge­bun­gen” unter die Gäs­te unse­res Som­mer­fes­tes warf.

Es war die­ses Som­mer­fest, auf des­sen Erfolg von Anfang an unser gan­zer Orga­ni­sa­ti­ons­auf­wand gerich­tet gewe­sen war und das sich als unser größ­tes As im Ärmel her­aus­stell­te: Wäh­rend um unser Haus her­um bereits nach zwei Stun­den die ers­ten Demons­tran­ten wie­der abzo­gen, nach­dem sie mit ihren Lei­dens­ge­nos­sen ohne Schirm, Schat­ten oder Geträn­ke in der pral­len Son­ne hat­ten ste­hen müs­sen, war unser Vor­pos­ten für die ange­kün­dig­te Bela­ge­rung bes­tens ausgerüstet.

Das Geträn­ke­la­ger war voll, der Grill lief genau so auf Hoch­tou­ren, wie der Holz­ofen. Jede neue Hiobs­bot­schaft prall­te an der aus­ge­las­se­nen und zufrie­de­nen Stim­mung ab, der die küh­le Apfel­schor­le in der einen und der damp­fen­de Flamm­ku­chen in der ande­ren Hand sicher­lich nicht abträg­lich waren.

Der gro­ße Frust blieb aus, umso mehr, als gegen Abend nach stun­den­lan­ger Odys­see die Akti­vis­ten der IB Bay­ern ein­tra­fen und von ihrer aben­teu­er­li­chen Rei­se durch unse­re Saa­le­stadt berich­te­ten. Aus­ge­rüs­tet mit einem Hoch­trans­pa­rent, auf dem die tref­fen­den Wor­te “Patrio­ten wei­chen nicht zurück” zu lesen waren, hat­ten sie ihre durch die Poli­zei erzwun­ge­ne Wan­der­schaft kurz­fris­tig in einen spon­ta­nen Demons­tra­ti­ons­zug ver­wan­delt und somit das lin­ke Dog­ma, daß kei­ne iden­ti­tä­re Demons­tra­ti­on durch Hal­le lau­fen wer­de, zumin­dest pro for­ma und als Ehren­ret­tung widerlegt.

Mit ihrer Ankunft brau­te sich über unse­rem Haus ein präch­ti­ges Unwet­ter zusam­men und wäh­rend die Schwal­ben immer tie­fer flo­gen und die Luft noch ein­mal dicker wur­de, hing eine Span­nung im Raum, die noch­mal ein Ereig­nis anzu­kün­di­gen schien. Die Poli­zei erhoff­te von unse­ren Akti­vis­ten offen­bar eine Eska­la­ti­on, hin­ter den Absperr­git­tern zogen die Beam­ten Sturm­hau­ben und Hel­me auf.

Was dann geschah, damit hat­te wohl kei­ner der Anwe­sen­den gerech­net, wir Orga­ni­sa­to­ren am aller­we­nigs­ten. Mit einem strö­men­den Platz­re­gen und grol­len­dem Don­ner zog das Som­mer­ge­wit­ter direkt über unser Haus hin­weg, inner­halb kür­zes­ter Zeit flos­sen Bäche von Regen­was­ser über die Stra­ße, es wur­de rasch dun­kel und in den anwach­sen­den Pfüt­zen spie­gel­te sich das grel­le Glei­ßen der Blitze.

Und das Som­mer­fest vor unse­rem Haus? Das fing spon­tan an zu tan­zen! Ich selbst konn­te mei­nen Augen kaum trau­en, als ich aus dem Fens­ter blick­te und unten einen fröh­li­chen Rei­gen durch den Dau­er­re­gen hüp­fen sah. Es dau­er­te nicht lang und immer mehr Akti­vis­ten und Unter­stüt­zer gesell­ten sich in die Run­de und fan­den sich schließ­lich grin­send im Ange­sicht des letz­ten Res­tes der Gegen­de­mons­tran­ten wie­der, denen sie bis zum Ver­samm­lungs­en­de um 22 Uhr (und auch dar­über hin­aus) herz­haft ent­ge­gen­lach­ten, ohne sich über Gebühr aus der Ruhe brin­gen zu lassen.

Die­se Ruhe und (Aus-)Gelassenheit kam aus einer Erkennt­nis, die sich auch in den Reden auf unse­rer Kund­ge­bung immer wie­der nie­der­ge­schla­gen hat: Was der Geg­ner für einen Kes­sel im gesell­schaft­li­chen Vaku­um hielt, den er in unsi­che­rer Unent­schie­den­heit wahl­wei­se als größ­te Bedro­hung für den Lan­des­frie­den ver­nich­ten, oder als belä­chelns­wer­te Min­der­heit iso­lie­ren woll­te, sah von oben betrach­tet anders aus: Wir lagen als Avant­gar­de direkt vor ihren Toren – das Ant­litz nach vor­ne gewandt, den Geg­ner im Rücken wis­send. Wie anders auch soll­te es mög­lich sein, einen Vor­pos­ten im Her­zen jener zu hal­ten, für die unser schie­res Dasein schon eine Uner­träg­lich­keit dar­stellt?

Wer ist nun, mag sich manch’ ein Leser fra­gen, der Sonn­tags­held die­ses denk­wür­di­gen Tages? Ist es Mar­tin Sell­ner, der nach stun­den­lan­gen Umwe­gen eine ergrei­fen­de Rede in unse­rer Mit­te hielt? Ist es das hal­le­sche Urge­stein Sven Ebert, das uns einen mit 3000€ dotier­ten Bür­ger­rechts­preis über­reich­te? Sind es die wacke­ren Bay­ern, die der Ver­samm­lungs­be­hör­de und den Lin­ken trotz­ten, oder sind es doch jene Ver­schwö­rer von vor 75 Jah­ren, deren Schwur wir die­ser Tage in der Stil­le oft wie­der­ho­len, wenn es in der Frü­he wie­der ein­mal unver­hofft an der Tür klingelt?

Mei­ne zwei Hel­den, aber das ist eine ganz per­sön­li­che Aus­wahl, sind ande­re: Da ist zum einen die Taxi­fah­re­rin, die zwan­zig Minu­ten auf unse­ren Anwalt war­ten muß­te, weil die Poli­zei ihn absicht­lich in die fal­sche Rich­tung geschickt hat­te und die, als sie hör­te, daß er uns Rechts­bei­stand geleis­tet hat­te auf eine Bezah­lung ver­zich­te­te und ihn kos­ten­los zu sei­nem Hotel und anschlie­ßend wie­der zurück zum Haus fuhr.

Zum ande­ren ist da der jun­ge Poli­zist, der sich an einen Akti­vis­ten wand­te und ihm sag­te, daß er damals Beam­ter gewor­den sei, um die Mei­nungs­frei­heit zu schüt­zen und für ihn nicht mehr ver­ständ­lich sei, wes­halb man uns – obwohl die Sicher­heits­la­ge es her­ge­be – nicht demons­trie­ren las­se. Er reih­te sich damit ein in jene Hand­voll Poli­zis­ten, die am Sams­tag die Anwei­sun­gen ihrer Vor­ge­setz­ten teils offen igno­rier­ten und immer wie­der ein­zel­ne Teil­neh­mer zu unse­rer Ver­an­stal­tung ein­lie­ßen, obwohl vor­her von höhe­rer Stel­le gewis­ser­ma­ßen eine Zugangs­sper­re aus­ge­spro­chen wor­den war.

Die Ver­samm­lungs­lei­tung hat­te die­se Vor­ga­be, wie über­haupt jeden ein­zel­nen ihrer Rechts­brü­che mit der Ver­hält­nis­mä­ßig­keit begrün­det. Jener Ver­hält­nis­mä­ßig­keit, die es nicht erlaub­te, unan­ge­mel­de­te Ver­samm­lun­gen aus denen her­aus Brand­sät­ze und Stei­ne flo­gen, aus denen her­aus Poli­zis­ten und Demons­tran­ten atta­ckiert wur­den, ein paar Meter bei­sei­te zu schie­ben, um einer ange­mel­de­ten und gegen alle Unver­schämt­hei­ten unbe­dingt fried­li­chen Demons­tra­ti­on den ihr zuste­hen­den Weg freizuräumen. 

Ver­hält­nis­mä­ßig­keit also ist das Wort der Stun­de. In wel­chem Ver­hält­nis ste­hen die links­ex­tre­men Angrei­fer zum “brei­ten Bünd­nis” des Bür­ger­meis­ters, das er aus Furcht vor “Stra­ßen­schlach­ten” auf den Markt­platz ver­leg­te – frei­lich, ohne sich von den Gewalt­tä­tern an sei­ner Sei­te zu distan­zie­ren? In wel­chem Ver­hält­nis ste­hen sie zum Bünd­nis “Hal­le gegen Rechts”, das nach wie vor aus Lan­des­mit­teln finan­ziert wird und den erwähn­ten Brand­satz mit den Wor­ten Bei jedem Der­by wäre das kei­ne Nach­richt” baga­tel­li­sier­te? In wel­chem Ver­hält­nis steht die Frei­heit und Unver­sehrt­heit jener, die uns angrei­fen zu der unse­ren? Und: In wel­chem Ver­hält­nis stand jener Poli­zist am Sams­tag noch zu sei­nen Vorgesetzten?

Fest steht: Jene, die am Sams­tag unse­rem Auf­ruf auf die Stra­ße gefolgt sind, ste­hen in einem Ver­hält­nis zu uns und wir zu ihnen, das nicht zu lösen ist. Es ist ein Ver­hält­nis der Hoff­nung, der Zuver­sicht und des Ver­trau­ens, das uns dar­an bin­det, allen Nied­rig­kei­ten und Gemein­hei­ten zum Trotz, Tage wie die­sen 20. Juli durch­zu­ste­hen und zu bewei­sen, daß wir uns nicht nur auf den Gip­fel­li­ni­en zu hal­ten ver­mö­gen, son­dern, daß wir auch noch in der schar­fen Höhen­luft in der Lage sind zu tan­zen und den schwar­zen Wol­ken am Hori­zont mit einem Lachen ins Gesicht zu sehen.

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Kommentare (40)

H. M. Richter

22. Juli 2019 07:50

Im so wunderbaren Verhalten der Taxifahrerin aus Halle scheint Tieferes auf.

Als im Jahre 1989 Leipziger Bürgerrechtler ins Gefängnis geworfen worden waren, wurden als Zeichen der Solidarität und Verbundenheit Blumen an ein vergittertes Seitenfenster der Nikolaikirche gesteckt. Bald schon reichte dort der Platz nicht mehr aus, und so lagen zahlreiche Blumensträuße zunächst auf dem angrenzenden Bürgersteig und schließlich auf einem Teil des Nikolaikirchhofes, - also auf der Straße. Um dieses widerständige Zeichen so schnell wie möglich verschwinden zu lassen, wurde die Stadtreinigung gerufen. Ein Kehrfahrzeug rückte an. Doch der Fahrer hatte - wie die Taxifahrerin vorgestern in Halle - einen eigenen Kopf: Wieder und wieder fuhr das Kehrfahrzeug über den Nikolaikirchhof, doch um die Blumensträuße wurde stets ein Bogen gefahren ...

Dieter Rose

22. Juli 2019 08:19

"In welchem Verhältnis stand jener Polizist . . . zu seinen Vorgesetzten?" Diese Frage stelle ich mir seit langem in Bezug auf Beamtenschaft und Ministerialbürokratie. "Hauptsache der Job ist sicher", wird das Motto sein.

deralbatros

22. Juli 2019 09:50

Mein persönliches Highlight aus dieser von Oben gelenkten Farce war der "Stadtverweis". Ich kannte bisher nur den Platzverweis. Aber für "Rechte" scheint mittlerweile der Grundsatz zu gelten, das Verlassen der Stadt bis zum Sonnenuntergang, sonst Brandbombe.

deutscheridentitaerer

22. Juli 2019 10:42

@Dieter Rose

Man hat als Rädchen im Getriebe schlicht keine Möglichkeit, sich irgendwie querzustellen. Was man tun kann, ist in seinem eigenen kleinen Wirkungsbereich Vorgaben zu unterlaufen. Das geschieht auch oft genug. Freundliche Worte, Nachlässigkeit bei repressiven Maßnahmen erleben Aktivisten immer wieder. Bringt natürlich wenig, wenn die Institution als solches von Feinden geführt wird, aber persönliche Vorwürfe sind den normalen Beamten nicht zu machen.

Der mit dem Wolf tanzt

22. Juli 2019 10:55

Die Sichtweise der Hetz-Postille zu den Ereignissen in Halle.
Faszinierend, zu sehen, wie immer deutlicher die Maske fällt, gerade bei den politischen Wasserträgern:
https://www.mz-web.de/halle-saale/3-000-demonstrieren-gegen-identitaere-bewegung-so-lief-der-protest-am-samstag-in-halle-32883456

Sandstein

22. Juli 2019 10:57

"Man hat als Rädchen im Getriebe schlicht keine Möglichkeit, sich irgendwie querzustellen."

Nach der Definition natürlich nicht, aber Gottseidank ist es ja nicht ganz so. Natürlich hat jeder die Möglichkeit, sich zu wehren, und zwar jederzeit.
Es ist ja genau die Vorstellung, man sei alleine, die die Herrschenden so selbstsicher macht, dass sie mittlerweile unumwunden zugeben, was sie genau vorhaben.
Ein Anfang des stilllauten Protests wäre die Einstellung der GEZ Zahlung. Was glauben Sie, was dann loswäre? Aber klar, man kommt in den Knast, wenn man nicht zahlt. Was schätzen Sie, wieviele aus "unserem" Lager zahlen dennoch GEZ? Ich schätze 90%.

"aber persönliche Vorwürfe sind den normalen Beamten nicht zu machen."

Doch, irgendwann schon. Man hat ja auch schon ein ganzes Volk haftbar machen können.

stzellrich

22. Juli 2019 11:02

Ich finde Ihre Schilderungen oft sehr konzise, Herr Wessels, aber dieses Mal, nein: Ich habe mich nun sogar extra angemeldet, um Widerspruch zu erheben (dass ich ein Anmelden und also Kommentieren bislang nicht für nötig hielt, sei hier als Kompliment zu verstehen - es gab schlichtweg nichts zu bemängeln soweit).

Vorweg: Wir sind uns ja einig über die Schikane der Gegenseite. Das Trommelfeuer der Medien, die Boshaftigkeit der aufmarschierenden Gegenseite und des politischen Establishments. Wer sich als Sandkastenstratege aufschwingt und anderen ihr Versagen vorwirft, ohne diese Faktoren miteinzubeziehen, schweige lieber. Das ist klar. Aber: Wir sollten uns trotzdem nicht in die Tasche lügen.

Und das tun Sie leider, Herr Wessels. Nehmen wir nur folgende Stelle: "Nur soviel: trotz aktiver Behinderungen durch die Polizei gelang es uns schließlich am Nachmittag den Großteil unserer Veranstaltungsteilnehmer vor der AK16 zu versammeln. Allein das ist eigentlich schon ein kleines Wunder".

Es war nicht leicht in Halle an diesem Samstag, wie gesagt: Klar! Aber wir sollen nun feiern, dass wir uns WENIGSTENS vor einem Haus treffen und dort begafft wie im Zoo ein wenig Musik hören durften?

Im Süden machen sich wieder die Massen an Goldstücken bereit, um unser Land zu erstürmen. Unser Recht wird jeden Tag ausgehöhlt und viele Regionen kann man nur noch aufgeben; keine Reconquista denkbar, die sie für unser Volk retten könnte.

Aber hey, halb so wild: Wir konnten immerhin ein wenig Musik hören. Man kann nicht monatelang eine Demonstration im ganzen Land (und darüber hinaus) massiv bewerben, einen Schicksalstag ausrufen und heroische Selbstfeierei aussenden - und dann, wenn es in die Hose geht, nicht einmal die Niederlage eingestehen. Und Schlüsse darausziehen.

Das ist unredlich. Und vor allem: Verprellt es jene Jungen, die wir doch so dringend brauchen. Man kann ihnen nicht werweißwas vom Himmel versprechen, dann nichts bieten - und diese kognitive Dissonanz nicht einmal ansprechen. Ich sehe darin, in dieser auch durch äußeren Druck erzeugten Pleitenserie der IB, die sich nun leider schon über längere Zeit fortsetzt, auch den Grund, warum am Samstag leider nicht mehr als 300 Menschen erschienen sind.

Ist das alles, auf das wir hoffen können? Wie soll einem da nicht jede Zuversicht verlustig gehen? Verstehen Sie mich nicht falsch: Ich werfe Ihnen das Versagen am Samstag nicht vor. Ich weiß um die Gegenmächte. Aber man müsste halt ehrliche Schlüsse daraus ziehen. Anstatt sich die Misere schön zu lügen.

Michael B.

22. Juli 2019 11:21

> Man hat als Rädchen im Getriebe schlicht keine Möglichkeit, sich irgendwie querzustellen.

Stimmt doch nicht, einfach (na ja, oder ohne 'einfach') mal probieren. Ich habe vor einiger Zeit einen guten Auftrag verloren, weil ich mich geweigert habe einen sogenannten 'Code of Conduct' des Auftraggebers zu unterschreiben der - besonders aergerlich - u.a. auch eine Denunziationspflicht enthielt. Trotzdem ich zu beidseitiger Zufriedenheit schon eine Weile in dem Projekt taetig war.

Unerfreulich, aber es gab auch Zustimmung von Einzelpersonen fuer das Zeigen von Haltung. Das tut ziemlich gut, trotz des Aergers. Ich koennte auch herumgreinen, dass das nur im Zwiegespraech erfolgte, aber was soll es. Es ist ein Anfang und mitunter zeitigt so etwas auch Ueberraschungen. Es gibt viele Dinge, die man als Anlass nehmen kann. Man muss es nur gelegentlich auch tun.

Atz

22. Juli 2019 11:35

Vielleicht muss erst noch jemand von uns todgeprügelt werden, bevor die Behörden umdenken.

Tiuri

22. Juli 2019 12:32

@stzellrich

Ich stimme Ihnen zu - man sollte sich Niederlagen nicht schön reden, lügen schon gar nicht, aber als einer jener "Jungen, die wir doch so dringend brauchen" und derjenigen die Samstag vor Ort waren kann ich Ihnen die freudige Mitteilung machen, dass es sicher keine Niederlage war.

Vorweg mein einziger Kritikpunkt an der Organisation: Während die mediale Welle den ganzen Samstag und Sonntag über uns hinweg spühlte, kam von Seiten der Gegenöffentlichkeit viel zu wenig Gegendarstellung. Die Rede von Sellner beispielsweise war historisch und wurde von den Anwesenden so auch empfunden, man konnte sogar sehen wie die Einsatzhundertschaften um uns herum aufhorchten, das hätte man livestreamen müssen oder mindestens noch am gleichen Abend ins Netz stellen.

Zu den Ereignissen: Es war zu Beginn eine Abnutzungsschlacht, eine Probe der gegenseitigen Ausdauer, denn stundenlang bei über 30° in der prallen Sonne stehen schlaucht. Aber: Wir hatten ein Haus im Rücken mit Verpflegung, Schatten, Toiletten und Musik und haben die Abnutzungsschlacht folgerichtig auch gewonnen. Um 16Uhr waren von uns nach wie vor 300-400 Mitstreiter vor Ort, auf der Gegenseite 100, die Demonstration hätte nun problemlos stattfinden können, insofern war die Planung exzellent! Das die Einsatzleitung/Versammlungsbehörde derart einknicken würde, gerade in Sachsen-Anhalt, war meines Erachtens nach nicht vorhersehbar und insofern auch nicht zu verhindern.
Von 16Uhr bis 22Uhr war von der Gegenseite überhaupt nichts mehr zu spüren, bei uns wurde da überhaupt erst die volle Mannstärke erreicht.

Wer die Ereignisse nur durch die Medien nachvollziehen konnte, wird vermutlich Frustration und ein Gefühl der Niederlage empfinden, wir vor dem Haus haben das nicht und in den nächsten Tagen werden sicherlich noch viele Videos erscheinen die von Anzahl, Motivation und Durchhaltewillen unserer Leute Zeugnis geben.

Breckert

22. Juli 2019 12:57

Drei Sachen von mir praktisch denkendem Menschen dazu:

1.
Glückwunsch zu Eurem Mut! In dieser Situation der staatlich geförderten Repression überhaupt noch aktiv zu sein, überstiege meine persönliche Kraft. Ehrlich. Da möchte ich Euch ernsthaft danken. Auch wenn Ihr vielleicht nur den zweifelhaften Titel "...es waren damals nicht alle konform.." erreichen werdet.

2.
Die Polizisten stehen auf unserer Seite! Ganz eindeutig und ohne wenn und aber. Ich weiß das durch persönliche Kontakte. Alles, was Uniform trägt und sich deshalb mit Fremden und Linken herumschlagen muß, ist zwangsläufig mit einem größeren Realitätssinn ausgestattet als die Führung. Überstunden, körperliche Verletzungen, Beleidigungen, Autoritätsverlust und das "im Stich lassen" bei schwierigen Situationen durch die Vorgesetzten haben da die Wut auch auf die Politik wachsen lassen.
NUR: Im Zweifel ist ein Polizist erst einmal Polizist und gehorcht seinen Vorgesetzten. Polizisten sind keine Idealisten wie Ihr, sondern Beamte und haben Familien zu ernähren. Gebt Ihnen keinen Grund, sich zwischen unseren (und damit auch ihren) Interessen und den offiziellen Anweisungen entscheiden zu müssen.

3.
Ich vemisse hier ganz dringend die Grundsatzdiskussion (jetzt auch mal persönlich an Herrn Kubitschek!) darüber, wer die Urheber für die Veränderungen sind, die uns durch Merkel als Statthalter ja nur vermittelt werden und wohin diese führen sollen. Sollte es nämlich so sein, wie es z.B. im gelben Forum diskutiert wird http://www.dasgelbeforum.net/board_entry.php?id=493004 (und dieser Sicht des Threaderstellers schließe ich mich an) bohren wir nicht nur an der falschen Stelle, sondern erfüllen genau die Erwartungshaltung, die die Thinktanks sich für die Opposition in Deutschland ausgedacht hat und damit immer zwei Schritte voraus ist.
Dann ist es auch egal, ob man identitär aktiv ist, die AfD wählt oder sich alternativ eine Kugel in den Kopf schießt. Ohne die Hintermänner und deren genaue Ziele zu kennen, machen solche Aktionen wie die hier dann überhaupt keinen Sinn. Es wird mir auch hier viel zu viel herumphilosophiert, geahnt und gemunkelt. Wir brauchen mehr als Anschuldigungen. Wir brauchen Fakten.
Wir brauchen ein Recherchenetzwerk. Es muß(!) auch im linken Lager genügend Leute geben, denen die jetzige Entwicklung langsam unheimlich wird und die sich mit der Verknüpfung "Regierungsopposition=Nazi" nicht abfinden können. Ich selbst habe mich hier ja auch schon als Ex-Grüner geoutet, finde hier aber wirklich nichts, wo ich mich mit meiner teilkonservativen Einstellung praktisch einbringen könnte.

Dieter Rose

22. Juli 2019 13:07

@ deutscheridenditärer
so ist es. sollte ja auch kein Vorwurf sein. Man kann sich ja in bestimmte Kreise/Personen hineinversetzen. und wünscht denen, dass sie
gut zurechtkommen und vielleicht doch einmal zum Wohle des Landes agieren können. es geht ja auch im Hinterkopf um die Frage,
die wir ja auch schon mal (öfter) gestellt haben: "Wie konntet Ihr das zulassen?" und mein Gefühl ist, dass wir in der Veränderung unseres Systems zum Schlechten schon sehr weit fortgeschritten sind.

@stzrellrich
kann Ihre Argumentation gut nachvollziehen. auf der anderen Seite soll man das Beste aus den "Niederlagen" machen. dann sind es keine niederlagen. "In der Not wächst das Rettende." oder so ähnlich. etwas mithelfen an seinem Platz bringt vielleicht auch weiter.

Janno

22. Juli 2019 14:08

Ich habe mir ein paar Aufnahmen des Tages bei YT angeschaut.

Erstmal waren mir die meisten der dokumentierten Teilnehmer recht sympathisch, junge Menschen ohne martialisches Auftreten, keine Spur der Stirnacken-Hools, die zwar gut für Bambule (Hogesa in Köln), aber schlecht für die öffentliche Rezeption (Chemnitz) sind. Und der Sache vermutlich nicht dienlich, solange die Sezession und die Notwendigkeit einer eigenen Prätorianer-Garde nicht geben sind.

Es gibt für die Gegenseite vermutlich keine unangenehmeren Feinde als eine junge, zarte, blonde Frau, die in tiefstem Chemnitzer Idiom der Polizei ihren Unmut kundtut. Da wird auch der resoluteste Truppenführer kleinlaut.

Wie überhaupt die Frauen in ihrer Relevanz nicht zu unterschätzen sind. Einmal, weil physische Gewalt gegen diese viel weniger akzeptiert wird als gegen Männer, aber auch metapolitisch-tiefenpsychologisch, weil nur sie als jene, die dem Volk den Fortbestand garantieren können, auch deutlich machen müssen, dass sie es nicht sind, die als Gebärende des zukünftigen Mischvolkes zur Verfügung stehen. Denn ein Punkt wird in der ganzen Migrationspolitik bisher auch von unserer Seite sträflich vernachlässigt.

Ein Staat, der in ganzen Alterkohorten das Geschlechterverhältnis aufbricht, in dem er den deutschen Frauen ein Überangebot an (paarungswilligen) fremden Männern vor die Nase setzt, verrät nicht nur die autochthonen Männer, er zwingt auch die Frauen in eine Rolle, die dem Staat nicht zusteht und dem die Frauen ein lautes, entschiedenes Nein entgegenschleudern müssen. Beides, der Verrat an der eigenen männlichen Jugend, sowie die Verpfändung der deutschen Frauen durch diesen Staat müssen von uns immer wieder benannt werden.

Zum Schluss aber noch ein ziemlich dickes Haar in der Suppe. Bei dem erzwungenen Irrlauf durch den Baustellen-Tunnel am Hallenser Bahnhof konnte man auf dem Live-Stream einige fragwürdige Kommentare der Demoteilnehmer vernehmen. Auf eine am Rande der Baustelle stehende Gasflasche, auf dem Marsch durch den Tunnel wurde mit Buzz-Words wie "Gaskammer", "Konzentrationslager", "Wolfsschanze" und andere Begriffe aus dem NS-Narrativ reagiert. Mir ist bewußt, dass insbesondere in Mitteldeutschland bis heute gerne mit diesen Nazi-Allegorien provoziert und gespielt wird, dass der ein oder andere das für humoristische hält, wie das berühmte Internet-Meme von der Katze, die darauf dressiert wurde, bei den Worten "Heil, Hitler" die rechte Pfote zu heben. Mich kotzt das ehrlich gesagt nur noch an. Da sind junge Menschen, die sich Patrioten nennen und doch selbst mit ihren gerade 20 oder 30 Lenzen nicht umhin können, immer wieder in den braunen Haufen zu latschen, und wenn auch nur als fragwürdiges popkukturelles Banalisieren der Nazi-Verbrechen.

Hört auf damit und prüft eure Assoziationsketten.

Munin

22. Juli 2019 18:54

Am Ende zählt es, welchen Eindruck die Demo bzw. Veranstaltung hinterlassen hat!
Hierbei kann ich mich nur zum äußeren Eindruck melden.
Mehrere tausend linke Demonstranten, gedeckt und gesponsert von der herrschenden Obrigkeit, haben erfolgreich die Demo verhindert. Die Polizeiführung hatte durch ihre Zermürbungs- (Demo hinhalten), Kessel- (im Bahnhof festhalten) und Salamitaktik (kleine Gruppen ziehen lassen) viel dazu beigetragen, dass nichts aus einer sichtbaren starken Demonstration werden konnte.
Was blieb, waren Bilder von relativ wenigen Leuten, eingeschlossen von vielen Gegendemonstranten bzw. der Polizei, vor ihrem Zentrum ausharrend, Entschuldigung, feiernd.
Natürlich ist es leicht, gute Ratschläge im nach hinein zu verteilen, doch war das so ähnlich nicht absehbar? Schließlich gab es schon Beispiele (wie Chemnitz), die gezeigt haben, dass es schwer bis unmöglich wird, wenn die Herrschenden sich vorbereiten können. Es kann ja nicht das Ziel sein, sich als kleine Gruppe von „Verirrten“ zu präsentieren. Ziel einer Elite muss es sein, voran zu gehen, damit die anderen folgen können und nicht hilflos zu wirken, wenn die Polizei nicht mitspielt.
Wir werden in diesem Land kein Bein auf den Boden bekommen, wenn wir dermaßen unattraktiv auf die unentschiedene oder wartende Jugend wirken.
Ich meine damit nicht, durch den Gebrauch von Gewalt in die aufgestellte Falle zu laufen, sondern die vorhandene Intelligenz zu nutzen und sich auf mögliche Szenarien vorzubereiten.
Vielleicht ist es zurzeit dann auch besser, nicht die große Demo anzukündigen, die man dann doch nicht durchsetzen kann, sondern lieber gleich nur ein „Fest“ anzukündigen.
Für eine große Demo brauchen wir noch besondere Ereignisse, die die Menschen auf die Straße treiben. Kleine Demos, in der Form wie bei den Altrechten, können ja kein Vorbild sein, sonst sind wir in 30 Jahren auch nicht weiter.
Vielleicht täuscht mein Eindruck, aber vielleicht bin ich auch nur von meinen eigenen Erwartungen enttäuscht, die den Durchbruch ersehnen.

Monika

22. Juli 2019 19:31

Nein, noch wimmelt die Kommentarspalte nicht von „emeritierten Netzstrategen und Möchtegern-Napoleons“.
So sollte es wohl heißen: „emeritiert“. Und da stolpere ich über „eremitiert“. Und da Herr Wessels immer sehr ordentlich schreibt, überlege ich gar, ob er diesen Fehler mit Absicht eingestreut hat ?
Ja, von außen betrachtet sieht das nicht sehr schön aus, es ist deprimierend und schönzureden gibt es aus meiner Sicht auch nichts. Allerdings ist die Niederlage der einen Seite noch lange nicht der Sieg der anderen Seite. Spätestens nach der Lektüre von Friedrich Sieburgs „DIE LUST AM UNTERGANG“ (besprochen von Ellen Kositza) versteht man, warum der Deutsche „sich lieber mit einem Exoten verständigt als mit einem politischen Gegner eigenen Stammes“ . Darüber wird man zum Eremiten.
Eremitiert zieht der Einzelne aus diesem Halleschen Geschehen vielleicht wichtige Erkenntnisse.
Oder es kommt zu Konversionstherapien ?
Nice to meet you. Ein identitärer Junge becirct eine linkes Mädel... hat schon vor 30 Jahren geklappt:))

stzellrich

22. Juli 2019 19:42

"als einer jener "Jungen, die wir doch so dringend brauchen" und derjenigen die Samstag vor Ort waren kann ich Ihnen die freudige Mitteilung machen, dass es sicher keine Niederlage war."
Na, dann erklären Sie mir doch bitte, warum es "sicher keine Niederlage" war. Notitiam: Wir brauchen hier (!) keine Beschwörung. Sondern Analyse, klaren Blick und Mut.

Jedenfalls: Monatelang zu einer Demonstration mobilisieren, die letztlich nicht stattfindet und nicht mehr als 300 Leute, die überhaupt hätten teilnehmen wollen - wenn das ein Sieg ist, will ich unsere Niederlagen gar nicht kennen. Da kann man ja direkt auf den Dachboden gehen und sich das Lasso nehmen. Verstehen Sie mich nicht falsch: Ich will nichts schlecht reden, bin kein Defätist. Aber ich habe in meiner aktiven Zeit viele kennengelernt, die über Niederlagen hinwegsehen, sie schönreden, sich an "sich selber aufgeilen".

Das waren meistens jene, die nach einiger Zeit wieder weg waren. Charakterlose ohne Substanz. Ihnen geht es nicht um die Sache, sondern um "Entertainment", was die Reflexion hemmt, freilich.

Niekisch

22. Juli 2019 20:28

Für uns Ältere, die den Antifa-Terror in den 60iger Jahren miterlebt und erlitten haben, ein bewegender Bericht.

Weiter so und immer schön ruhig und gelassen bleiben! Ein Lächeln ins Gesicht des Feindes bewirkt mehr als jeder Faustschlag.

Venator

22. Juli 2019 23:02

Eine Demo die nicht geklappt hat, im Nachhinein zum Erfolg erklären zu wollen, ist aber verdammt "alt-rechts". Man kann es drehen und wenden, wie man will, es gibt einfach nicht ansatzweise genug (neu)rechte, nationale Jugendliche.

Laurenz

23. Juli 2019 03:28

@Sandstein, werden Sie Wahlhelfer oder Wahlbeobachter.

Ralph

23. Juli 2019 06:51

Zu den Neurechts- und Altrechts-Vergleichen:
Diese unsauberen Vergleiche zwischen der vermeintlich neuen Rechten mit der vermeintlich alten Rechten hinken gewaltig. Es gibt nämlich nicht DIE homogene Rechte. Und so lässt sich in der neuen Rechten der gleiche Typus wie in der alten Rechten wiederfinden. Also der, der Niederlagen beschönigt und verfälscht. Und aber auch der, der diese realistisch analysiert. Als Christian Worch in Leipzig noch tausende Demonstranten auf der Straße versammeln konnte, betrieb er im Nachgang tagelange Auswertungen. U.a. zählte er die eigenen Leute bis auf den letzten Mann und veröffentlichte das Datenmaterial. Das war seine Auffassung von korrekter Berichterstattung.
Ansonsten kann man Stzellrich nur zustimmen: Gerade einmal 300 Leute mit so einer aufwendigen Kampagne zu mobilisieren ist kein Erfolg. Aufgrund einer Blockade und eines schikanösen Polizeieinsatzes nicht laufen zu können ist ebenso kein Erfolg. Das sind die Fakten, so wird das Wochenende vom Beobachter wahrgenommen.

Weserlotse

23. Juli 2019 07:54

Diese sich vorgenommene Demonstration hat leider nur eines gezeigt: daß es für unsereinen in diesem Staat faktisch kein Demonstrationsrecht mehr gibt. Wenn man das damit zeigen wollte, dann hat das sehr gut funktioniert. Anderenfalls muß daraus die Schlußfolgerung gezogen werden, daß dies keine geeignete Aktionsform mehr ist, sondern daß sie nur bewirkt, dem Feind, der es geschafft hat, mit einem zahlenmäßig überlegenen Mob die Straße zu beherrschen, berauscht von seinen Vernichtungs- und Auslöschungsphantasien einen billigen Triumph zu verschaffen.

Martin Heinrich

23. Juli 2019 10:14

300.
Viel zu wenig, um etwas auszurichten.
300.
Genug, um in die Geschichte einzugehen.
"Wanderer, kommst Du nach Sparta ..."

Frieda Helbig

23. Juli 2019 10:16

@ alle Kritiker der Wesselschen "Schönrederei":

Was sollen die Jungs und Mädels anders bzw besser machen? Sollen sie es gar sein lassen mit ihren Aktivitäten und Festen?

Die Lage ist so wie sie ist. Vielleicht sollten wir Älteren mal in uns gehen und uns fragen, warum wir es soweit kommen ließen?? Irgendwie haben wir es ja auch nicht hinbekommen, diesen Unsinn hier zu verhindern!!

Deswegen: wenige hundert sind mehr als gar keiner. Respekt an alle, die noch kämpfen!!

heinrichbrueck

23. Juli 2019 10:40

Es mag eine Perspektive geben, aus der heraus gesehen, dieses identitäre Fest kein Erfolg gewesen sein kann; aber muß unbedingt diese Sicht der Dinge, wenn die gegebenen Zeiten veranschlagt werden, die ausschlaggebende sein? In der Politik halte ich Idealismus für trübes Gewässer, bei einem Identitätsfest allerdings nicht, denn in diesem spiegelt sich eine Seelenhaltung einer richtigen Gemeinschaft. Und wenn nur hundert junge Deutsche versammelt gewesen wären, an der Richtigkeit gibt es keinen Zweifel. Und gerade deshalb schickt der Feind seine Truppen, damit ein deutsches Fest überhaupt nicht mehr gedacht werden kann. Wer seiner inneren Stimme vertraut, sieht in einen Spiegel des Eigenen, wird sie nicht zertrümmert oder vergewaltigt, der Analyse einen besseren Weg weisen kann; nicht angewiesen auf die konsumistisch verschleißenden Ablenkungsversuche eines selbstoptimierenden Demontagesystems, deren Ergebnis die Selbstzerstörung wäre. Halle, Chapeau!

Niekisch

23. Juli 2019 11:41

"Gerade einmal 300 Leute"

@Ralph 6:51: Nicht viel, aber wenn wir in den 50iger und 60iger Jahren nicht trotz ebenso bescheidener Zahl weitergemacht hätten, dann gäbe es heute nicht einmal diese 300. Denn ausgesät haben wir sog. Altrechten, die gar nicht so altmodisch- hausbacken waren, wie es heute zumeist unterstellt wird. Wir lasen noch Literatur aller Lager, sprachen mit Leuten aller Lager, bauten Ideen aller Lager in unser Wollen ein und waren uns völlig bewußt, daß ein Ankämpfen gegen einen mächtigen Zeitstrom nicht möglich ist, daß wir aber mit unserem kleinen Floß den großen Fluß wie auf dem Rücken des Tigers befahren, uns gleiten lassen können, bis sich Gelegenheiten ergeben, die sich ganz sicher auf der langen Fahrt hinter einer der nächsten Biegungen des Stromes zeigen.

Vorpreschende Reisende, die sich wagemutig vom Floß in das von fressgierigen Krokodilen wimmelnde Wasser stürzen, um sich gegen die Strudel von Geschichtslügen zu behaupten, sollten wir nicht verachten. Sie machen uns den Weg frei und verdienen sich die allergrößten Meriten.

Laurenz

23. Juli 2019 12:15

@Ralph ......

Herr Kubitschek & Mitstreiter nennen die Rechte deswegen ja auch Mosaik-Rechte. Vielleicht wäre der Terminus "Flickenteppich-Rechte" adäquater, weiß ich aber nicht. Es reicht weit bis in die Weimarer Zeit zurück.
Die jungen Leute einer womöglichen Neu-Rechten haben selbst die Absurdität einer rechten Existenz in den 90ern oder früher gar nicht erlebt.
Seinerzeit kam man als Rechter für den veröffentlichten Begriff "Imperium Americanum" noch wegen Anti-Amerikanismus' in den Verfassungsschutzbericht dieses oder jenes Bundeslandes. Heute tänzelt Herr Ganser mit dem Imperium Americanum von Vortrag zu Vortrag, und macht dies, gemeinsam mit Herrn Jebsen, Herrn Müller und Herrn Mausfeld zur Grundlage seiner Friedens-bewegten Robin-Hood- und Wilhelm-Tell-Existenz. Im Prinzip ist das eine nationalsozialistische Methodik der Volkshelden-Stilisierung. Ken und Daniele gegen das Neo-Habsburg mit seinen üblen Sheriffs.

Der existentielle Druck von Verfassungsschutz-Ämtern schien vor einer Generation so hoch gewesen zu sein, daß die extreme Pseudo-Rechte fast nur aus VS-Leuten bestand und die hatten auch das Geld (Staatsknete), ähnlich wie bei der Antifa.

Auch damals gab es rechte Intelligenz, aber ohne Welt-Netz war die öffentliche Artikulation schwierig. Der Staatsschutz hingegen selbst prägte das Bild vom blöden Neanderthal-Neo-Nazi indem er die Alkoholflutwelle auf die Skin-Head-Szene entfesselte, und damit dieses Bild bis heute in die Videos von Jasinna hinein prägte.
Historisch hatte es auch damit zu tun, daß es den Nationalsozialsten gelang, 3 Mio. ehemals linke Proleten und Schläger in der SA zu bändigen und der damaligen Schwulen-Szene, wie heute in der Bundesregierung oder Vatikan, dazu verhalf, dort zur Herrschaft zu gelangen, um sie dann zu kastrieren.

Im Grunde ist es jetzt nur eine hervorragend ausgeführte Projektion des linken Seins auf den historisch "konter-revolutionären" Erfolg der Nationalsozialisten. Das linke Prinzip, in allen historischen Fällen beruht auf dem Neuen Testament, das den materiellen Klassenkampf zum Pseudo-Thema macht und an dessen Ende das Paradies steht. Die Bolschewisten taten in der Antike, wie in der Neuzeit faktisch ja nichts anderes, als die Feudalisten zu töten und abzulösen. Jesus, Paulus, Augustinus, Marx, Lenin und Engels waren keine Intellektuellen, denn wie will man über "das nichts" in einen Diskurs kommen? Das heißt, Links-Intellektuelle existieren bis heute gar nicht. Um die Worte des jungen Atheismus-Protagonisten Philipp Möller zu benutzen, handelt es sich hier bei besagten Protagonisten um Besucher eines Rhetorik-Kurses, welcher den Feudalisten die Deutungshoheit abnehmen soll(te). Nur heute ist die Linke ja selbst, wie in der Sowjetunion, die feudale Kaste.

Was hier und heute den Unterschied ausmacht und was Sie, Ralph, nicht verstanden haben, ist, daß besagte "300 erfolglose Kampagnen-Betreiber" ein echtes Weltbild vor sich hertragen, welches sich vom beliebigen und unverbindlichen "nichts" mit Werten und Identität (das Wissen darum, wer man selbst ist, und was die anderen sind), vor allem medial, abhebt. Das ist so gefährlich, daß die feudale linke Kaste alles in Bewegung setzt, damit Martin Sellner & Gefolge nicht zu einem El Cid oder Giuseppe Garibaldi mutieren. Also, um mal bei linker Dialektik zu bleiben ..... wenn man den Aufwand der Reaktion gegen die Identitäre Revolution in Augenschein nimmt, ist der Erfolg doch gewaltig.
Sie, Ralph, hegen nur zu hohe Erwartungen an andere, ohne hinsichtlich dessen selbst etwas zu leisten.

Sandstein

23. Juli 2019 18:02

"@Sandstein, werden Sie Wahlhelfer oder Wahlbeobachter."

@Laurenz

ersteres war ich schon öfter, letzteres würde ich mir mit Ihnen teilen.

Haben Sie mich jetzt eigentlich auf den Kieker, oder wie soll ich Ihren "Beitrag" bewerten?

Ach Laurenz, kommen Sie zur Sommerakadamie (wenn Sie nicht zu alt sind), dann trinken wir ein Bier oder nicht und reden oder nicht und vielleicht haben Sie sogar Recht, oder: Sie ahnen es: eben nicht.

Oh man... SiN war doch schon viel weiter als alte Rechte gegen junge Rechte, oder?!

Solution

23. Juli 2019 18:11

Unter einem "Erfolg" verstehe ich auch etwas anderes, als ein "Fest". Geben wir doch zu, daß der Wind uns derzeit wieder ins Gesicht bläst und unsere Möglichkeiten schwinden. Da muß schon was ganz anderes passieren, damit wir wieder in die Offensive gehen können.

Daniel Fiss

24. Juli 2019 06:36

Nachdem Kollege Wessels zutreffend die allgemeine Stimmungslage beschrieben hat, haben wir hier auch für die "Netzstrategen und eremitierten Möchtegern-Napoleons" eine Chronologie des Tages aus Sicht der IB Versammlungsleitung zusammengefasst.

https://www.identitaere-bewegung.de/blog/20-juli-in-halle-stellungnahme-und-chronologie-des-tages/

Ralph

24. Juli 2019 10:09

Laurenz

Den Druck bekommen keineswegs nur die Identitäten zu spüren. Am gleichen Tag veranstaltete die Kleinstpartei DIE Rechte in Kassel ebenso eine Demonstration welche mit ähnlichen Schikanen zu kämpfen hatte. Wirklich gefährlich für den Staat war aber keiner der beiden Aufmärsche. Natürlich ist man bestrebt einen Mythos zu schaffen. Nur muss man hierbei halt aufpassen, dass es nicht peinlich wird. Zudem, werter Laurenz, kann man auch ein Weltbild vor sich hertragen und trotzdem strategische und taktische Erwägungen in seine politische Arbeitsweise einfließen lassen. Im konkreten Fall der IB hätte man auf einen Demonstrationsversuch verzichten sollen und es bei einem gut organisierten Straßenfest belassen sollen.

Laurenz

24. Juli 2019 12:08

@Sandstein ... nein natürlich nicht. Ich mag nur nicht immer dieses Endzeit-Gedönse lesen, egal, wer hier jetzt die Flinte ins Korn schmeißt. Das macht unsere Klima-Linke schon bis zum Erbrechen. Das wird auch kurzfristig Folgen haben. Wer will sich schon von einer feudalen Kaste dauernd Kuchen verschreiben lassen, wenn er denn kein Brot hat? Die kleinen politischen Aktivitäten sind eben oft wichtiger als die großen Lösungen, deswegen hatte ich das Amt im Falle einer Wahl erwähnt.
Verlassen Sie Sich darauf, ich habe rein gar nichts gegen Sie. Und ich trinke ausnahmsweise auch mal Bier, mit Ihnen und allen anderen gerne.

Ratwolf

24. Juli 2019 21:32

Schöner Artikel

Am meisten dürften sich Linke, Medien und politische Führung in Halle über die Disziplin geärgert haben.

KlausD.

25. Juli 2019 07:58

@Ralph 24. Juli 2019 10:09
"... auf einen Demonstrationsversuch verzichten sollen und es bei einem gut organisierten Straßenfest belassen ..."
Genau, guter Vorschlag, die Taktik ändern, so wie es die Gelbwesten neuerdings in Frankreich vorhaben: Sie wollen jetzt statt uneffektiver Demonstrationen Blockaden durchführen.
S.a. im folgenden Beitrag ab 9:30 bis 10:30
https://nuoviso.tv/home/markmobil/markmobil-aktuell-die-neue-strategie-der-gelbwesten/

Ralph

25. Juli 2019 09:28

An Klaus D.:

Die Taktik muss natürlich den hiesigen Gegebenheiten angepasst werden. Mit Blockaden, wie nun scheinbar von den Gelbwesten praktiziert, wird man hier, bei einer deutsch-österreichischen Mannstarke von 300 Personen, nichts reißen können. Man sollte sich z. B. auf die Schaffung von Hausprojekten konzentrieren. Zumindest dort, wo man, wie scheinbar in Halle (Flammberg) und Cottbus (Mühle), über ein quantitativ und qualitativ ansprechendes Personal verfügt. Gerade aktuell, wo man scheinbar nur eine begrenzte Personenzahl öffentlich mobilisieren kann, ist die Schaffung von Orten der Begegnung und des freien Austausch ein wichtiger Baustein innerhalb der oppositionellen Arbeit.

Ralph

25. Juli 2019 09:39

An Daniel F.:

Angesichts des gescheiterten Aufmarsches in Halle, sollte man derart überhebliche Äußerungen meiden. Zumal in diesem Kommentarstrang sehr konstruktive Hinweise gegeben werden. Weiterhin ist natürlich nicht erkennbar wer sich hinter den hiesigen Pseudonymen verbirgt; in dem einen oder anderen Fall also wohlmöglich mehr als nur "Netzstrategen und eremitierte Möchtegern-Napoleons".

Niekisch

25. Juli 2019 16:30

"Der existentielle Druck von Verfassungsschutz-Ämtern schien vor einer Generation so hoch gewesen zu sein, daß die extreme Pseudo-Rechte fast nur aus VS-Leuten bestand und die hatten auch das Geld (Staatsknete), ähnlich wie bei der Antifa.
Auch damals gab es rechte Intelligenz, aber ohne Welt-Netz war die öffentliche Artikulation schwierig."

@ Laurenz 23.7. 12:15: Ein paar Beispiele der persönlich erlebten Verfolgung in ihrer Absurdität habe ich hier ja schon geschildert, ich nenne noch ein Extrem: Mir wurde in den 70iger Jahren durch behördlich-städtische Verfügung schriftlich verboten, mit Menschen in der Öffentlichkeit zu sprechen. "Freihester Rechtsstaat aller Zeiten"? In meinem Keller lagert ein Zeitungsarchiv von 1965 bis heute, das Vorfälle ausweist, die sich von Angehörigen der moralingeschwängerten jungen "Neuen Rechten" sicher niemand vorstellen kann: Von Überfällen berittener Polizei in Demoteilnehmer, angezogenem Polizei-Knie in den Unterleib, Bewurf mit Pflastersteinen und Betonplatten, Schlägen und Schüssen, Wegreißen von Sicherheitsgittern durch Antifa - LKws mit Stahlketten, systematischem Vernichten bürgerlicher Existenzen durch Boykotthetze usw. Die politische Arbeit war zumindest genauso schwierig wenn nicht schwieriger als heute. Dennoch verfallen wir Älteren nicht in Häme gegenüber dieser heutigen Avantgarde, sondern unterstützen sie von ganzem Herzen, notfalls immer noch unter Einsatz unseres Restlebens, so wie wir auch früher dazu bereit waren. Aber nur dann, wenn das tödliche Feuer der gegenseitigen Verdächtigung endlich ausgetreten wird.

deutscheridentitaerer

25. Juli 2019 18:04

@Artikel

Kritik muss natürlich geübt werden, wo sie angebracht ist. Gleichzeitig ist die Frage, ob eine solche Veranstaltung wie in Halle ein Erfolg ist oder nicht, immer eins des daraus entstehenden Narrativs. Dieses Narrativ sollte man nicht ohne Weiteres sabotieren, indem man es öffentlich aus den eigenen Reihen heraus als Niederlage darstellt, gerade eben wenn man selber nicht dabei war, und also gar nicht weiß, ob es nicht zumindest ein "interner" Erfolg war.

@Niekisch

Ich bin als IBler/Neurechter verstehe nicht ganz, woher ihre Empfindung kommt, wir würden Sie und ihresgleichen mit Häme überziehen. Die Neue Rechte ist in ihren Traditionslinien ja nun so neu nicht, sie ist eben nicht Nationalsozialistisch, weswegen hier eine klare Distanzierung erfolgt.

Leute wie Sie, auch wenn ich nicht in allen Punkten Ihrer Meinung bin, aber wann ist man das schon, werden von uns sicherlich nicht verstoßen. Wenn ich mich recht erinnere, waren Sie ja sogar in der Gründungszeit der IB D dort aktiv. Ich jedenfalls lese Ihre Beiträge gerne und grundsötzlich mit Zustimmung, auch bin ich ehrlich schockiert über das Ausmaß an Repression, das Sie erfahren haben.

Laurenz

25. Juli 2019 20:57

@Niekisch .... als ich 1998 nach Hannover kam, lief an einem der ersten Wochenenden (samstags) dort in der Innenstadt eine Demo von 500 Jung-Nationalen ... "Wir marschieren für nationalen Widerstand" ... so wieder mit Fahnen rumhampelnd. 10.000 Linke waren da und lieferten sich mit der Polizei eine echte Straßenschlacht. Ich empfand es damals von allen Seiten wenig werbewirksam, den arbeitenden Bürgern den Einkauf am Samstag zu verwehren. Lokale Aktionen mit Medien-Effekt sind meines Erachtens zweckdienlicher. An der Lokalität meines Brauchtums-Vereins auf dem Lande, verirrten sich dauernd abgedunkelte Vans und Angler, die nicht angeln konnten, an unserem Anwesen. Vermutlich wartete man damals vergeblich darauf, daß wir nachts mit Stahlhelm bekleidet einen Königstiger aus der Scheune schoben. Der VS bestand auch seinerzeit nur aus Vollidioten, weil denen mehr als definierte Symbolik verfolgen, nichts einfiel. Auch heute noch werden schreibenden Aktivisten die Rechner beschlagnahmt, insofern hat sich wenig geändert. Anzunehmen ist, daß die VS-Ämter längst der Kontrolle der Parlamente entfleucht sind, wie der Fall Edathi zeigt. Weder damals, wie heute gab es eine Debatte, die wäre ja auch gefährlich, weil sich irgendeine, wie auch immer geartete echte Opposition artikulieren könnte. Denn nur darum geht es. Echte Opposition wird grundsätzlich rechts verortet, was über das Selbstverständnis der herrschenden Kaste alles aussagt. Von daher finde ich die Strategie Herrn Kubitscheks so spannend, den Diskurs auf eine anderen Ebene quasi zu erzwingen. Daß das Netz heute mehr Möglichkeiten bietet, als damals, ist einfach so. Trotz der Fascho-Maas'schen Netz-Gesetze läßt sich die Organisation von Aktionen nicht mehr verhindern. Und Dank Trump ist der Friedens-bewegte Anti-Amerikanismus sogar hoffähig geworden.

Laurenz

25. Juli 2019 22:33

@deutscheridentitaerer .... hier liegt doch der Hund begraben. Als ob die Rechte vor 30 Jahren dem Nationalsozialismus anhing, das ist Quatsch. Wie schon beschrieben, das Bild des nicht-menschlichen Neo-Nazis war inszeniert. Wir wußten damals auch schon, daß die Beschäftigung mit einem gescheiterten politischen Model sinnentleert bleibt. Das einzige, was man aus der Historie ziehen kann, ist die Erkenntnis, wie es nicht funktioniert.

Niekisch

26. Juli 2019 16:14

@ deutscheridentitaerer 25.7. 18:04: Gerne beruhige ich Sie. Meine Sympathie für die Identitären ist nach wie vor ungebrochen und ich bewundere ihren Ideenreichtum, ihre überlegene Ruhe und Standhaftigkeit. Das einzige, was mich von Anfang an gestört hat und auch jetzt noch verwundert, das ist die Verehrung Stauffenbergs sowie die konsequente Verweigerung, gute Seiten des NS wahrzunehmen, als Signum der eigenen Vorfahren zu erkennen und als Ideenreservoir für das eigene Wollen zu nutzen.

@ Laurenz 25.7. 20:57 u. 22:33: Selbst der große Aufmarsch 1970 im Rahmen der "Aktion Widerstand" gegen die Ostverträge mit 15000 Teilnehmer verpuffte nahezu wirkungslos, weil wir durch nahezu menschenleere Straßen Bonns geleitet wurden und dann am "Pützchens- Markt" stundenlang bei eisiger Kälte eingekesselt, sozusagen gefangengenommen wurden und dann durch Polizeireiterstaffeln in den Stacheldraht des Pferdepferches um uns herum gejagt wurden, wobei eine alte Frau vor meinen Augen niedergeritten und schwer verletzt wurde. Die damaligen Organisationen haben es nie verstanden, metapolitisch zu arbeiten und dabei kreative Aktionen zu starten. Vielleicht wäre auch das vergeblich gewesen, weil es kein Netz gab, über das Vernetzung und Außenwirkung möglich sind.

Ernsthaft politisch Tätige waren auch damals keine dümmlichen Apologeten des NS, sie waren an dieser Zeit nur näher dran, um nicht jeden offiziös verkündeten Quatsch für bare Münze zu nehmen.

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