6. August 2019

Hegemon: grüner Weltverbraucher

Gastbeitrag / 35 Kommentare

von Heino Bosselmann --- Warum läuft es gegenwärtig so, wie es läuft? Wer diktiert die Themen, wer bestimmt die Bewegungsrichtung?

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Wer setzt sich durch? Wer genau?

Mit Blick auf gesellschaftliche Prozesse und Tendenzen ist es erhellend, nach dem entscheidenden Agens zu fragen, also nach dem maßgeblichen Akteur, nach der treibenden Kraft. Es wäre dem Verständnis zuträglich, ließe sich diese Kraft bezeichnen und begrifflich fassen, wer maßgebend am Drücker ist.

Wenn sich dergleichen denn überhaupt trotz aller Heterogenität der politischen Interessen bestimmen läßt. Damit ist noch nicht nach Wertungen und Urteilen und schon gar nicht nach Ethik oder gar Emotionen gefragt, sondern zunächst nach kalter Analyse und Erkenntnis.

Marxistische Geschichtswissenschaft und vor allem deren „vergleichende Revolutionstheorie“ hatte für diese aufzuspürende Hauptkraft jeweiliger historischer Perioden einen besonderen Begriff. Sie suchte in Betrachtung des Widerspiels der verschiedenen Akteure nach dem „Hegemon“ und damit nach dem Machtmittelpunkt, der die Ereignisse nach eigenen Zielstellungen zu regieren vermag, mithin nach der sozialen Kraft, die einem Verlauf die entscheidende, bestimmende Prägung und Richtung gibt.

Diese Art der Analyse versuchte weniger die „Ideen“ zu bezeichnen, die sie, ebenso wie die jeweiligen Ausdrücke des Rechts, als sekundär empfand, sondern sie versuchte nach der Klasse oder Gruppe zu fragen, die gemäß ihrer ökonomischen und sozialen Interessen die entscheidenden Ideen und Moden erst liefert und sich damit durchsetzt, den Kurs bestimmen kann, Bündnispartner gewinnt, Gegner niederschlägt und Konkurrenten manipuliert. Der Hegemon verfügt über die Macht oder vermag es, sie zu gewinnen.

Hinsichtlich ihres Ansinnens, nach dem Ursprung der Macht und der Grundlage des Rechts zu fragen, sind sich der Marxismus und Carl Schmitt wenigstens in der Methode des Reduzierens auf das Wesentliche ähnlicher, als es den Anhängern beider Seiten behagt, darin nämlich, daß mit dem Bedürfnis hoher Genauigkeit und dem Ziel von Letztgültigkeit konsequent der Kern des Politischen gezeigt wird und davon klare Begriffe geliefert werden, die auf trostreiche wie irrige Illusionen von Aufklärung und Idealismus verzichten.

Mag sein, die intellektuelle Linke arbeitete sich, als sie noch las, in einer Ambivalenz von Faszination und Haß deswegen an Schmitt ab, weil ihr dessen „blutige Schlauheit“ (Ernst Bloch) intuitiv lag und als fremde geistige Verwandtschaft empfunden wurde. Daß beide, Marx und Schmitt, überdies geübte Stilisten waren und Komplexitäten griffig zu fassen verstanden, tat ein übriges. Der tragische linke Bildungsbürger Georg Lukacs lobte die „Politische Romantik“, Albert Salomon war beeindruckt von Schmitts Rede auf Hugo Preuß, Walter Benjamin sah sich von ihm inspiriert.

Naheliegend, daß Antiliberalismus und -parlamentarismus und die Gedanken zur Gegenläufigkeit von Rechtsstaat und Demokratie die Linke mit Schmitt beinahe widerwillig und auf reziproke Weise verbanden, bei aller Verschiedenheit mancher Vorzeichen und Herleitungen. Ernst Niekisch jedenfalls wollte in Schmitts Freund-Feind-Theorie sogar „die bürgerliche Antwort auf die marxistische Klassenkampftheorie“ erkennen, ganz abgesehen von der Tatsache, daß sich die Linke dort, wo sie zur Macht gelangte, radikal „dezisionistisch“ verhielt. –

Das Verfahren des „Historischen Materialismus“, nach dem Hegemon des jeweiligen geschichtlichen Prozesses bzw. Umbruchs zu fragen, erscheint sinnvoll, eben weil es ganz unmetaphysisch, nämlich pragmatisch von den wirtschaftlichen Bedingungen und Interessen ausgeht und eben nicht träumt, sondern analysiert und abstrahiert. „Hegemon“ sind nicht einfach „die da oben“, die Regierenden, sondern jene, die sie tragen und für ihre Ziele und Zwecke installieren.

In der Analyse der bürgerlichen Gesellschaft war der Marxismus befähigter als in seiner Prognose; in der materialistischen bzw. politökonomischen Anschauung der gesellschaftlichen „Basis“ liegt in Gestalt der antiidealistischen Kritik der Hegelschen Rechts- und Geschichtsphilosophie ein bleibender Verdienst.

Mit Blick auf unsere gegenwärtige Situation wäre gerade von links nicht primär danach zu fragen, wie der fortlaufend und stupide als negativ identifizierte „Kapitalismus“ zu überwinden sei, sondern zunächst, inwiefern alle Handelnden systemisch vielmehr Teil des kapitalistischen oder „marktwirtschaftlichen“ Produzierens, Verbrauchens und Verteilens sind. Mit ihren enormen Verbraucher- und Konsumbedürfnissen ist gerade in der Forderung nach „mehr Teilhabe“ die Klientel der Linken ganz vorn mit dabei und möchte idealerweise so umverteilen, daß sie selbst in einen  verbesserten Stand des Besitzes von Produktionsmitteln eintritt, um dann – quasi staatskapitalistisch – noch komfortabler und massierter verbrauchen zu können.

Die Linke war schon mit ihren historischen Vorläufern eine Bewegung der Profi-Shopper: Mehr Lohn, mehr Freizeit und damit mehr Lebensgenuß. Für alle und jeden! Gerade den Parteigängern der Linken ging es nie um Einschränkung der Bedürfnisse, nie um „Degrowth“, sondern um Forcierung der Maschinerie und um das große Mehr. Daß sich dieser „Traum“ eben nicht im systembedingt ineffizienten Sozialismus, sondern im geschmähten Kapitalismus – etwa in Gestalt des VW-Konzerns – erfüllte, sollte links gründlich bedacht werden, bevor man die Marktwirtschaft schmäht.

Bescheidenheit und Bedürfnisreduzierung jedenfalls sind gerade die Sache der Linken nicht! Ebensowenig geht es den Grünen um Selbstbeschränkung und Verzicht, worin die einzige, freilich wohl nie zu erhoffende Lösung auch des Umweltproblems läge, sondern ebenfalls um gesteigerten Lebenskomfort, nur eben nach vermeintlich grün-„intelligenten“ und grün-„innovativen“ statt gußeisern-sozialistischen Lösungen.

Wer ist Hegemon der deutschen Verhältnisse an der Schwelle des dritten Jahrzehnts unseres Jahrhunderts? – Offenbar ein sozial breit gefächertes Spektrum so liberal wie hedonistisch bestimmter Gruppen, denen es wesentlich um die Sicherung ihrer subjektiven Individualrechte wie um die umfassende Befriedigung ihrer Individualbedürfnisse zu tun ist, die ihnen letztlich über alle anderen „objektiven“ Notwendigkeiten gehen. Auch „Bio“ produziert intensiv und auf Masse! Auch ökologisches Bewußtsein ist letztlich natürlich egoistisch.

Ganz abgesehen von all der Umweltrhetorik und den Appellen zur Rettung des Planeten: Über den Konsum und die zügige Bedürfnisbefriedigung, für die die eigenen Lebenserwartung das alleinige Maß ist, geht den ökologisch korrekten Turboverbrauchern nichts; und wer ihnen diese Selbstreproduktion ermöglicht, den bringen sie politisch nach vorn. Wenn dies gegenwärtig nach Umfragewerten mehr denn je linksgrüne Kräfte sind, liegt das daran, daß diese Ökosozialisten eine Ideologie generieren, die verheißt: Mit „umweltbewußten Lösungen“ – auch marktwirtschaftlichen – findet der gesamtgesellschaftliche Hedonismus „CO2-neutral“ und „ökologisch“ seine Fortsetzung.

Das ist das Versprechen: Mittels „Innovationen“ retten wir zweierlei – euren bisherigen XXL-Genuß an allem, woran ihr gewöhnt seid, darüber hinaus aber gleich noch die ganze Welt, und zwar global gerecht und regenbogenbunt, der Farbe neuer Uniformität. Der große Einkaufswagen wird weiter durch einen riesigen Super-Markt an überbordenden Regalen entlang geschoben, nur daß es sich dabei um einen „Bio“-Super-Markt handelt. Diese Möglichkeit des totalen Verbrauchens suchen alle, gerade auch die Immigranten und „Flüchtlinge“. Sie wollen nicht unbedingt Bürger, in jedem Fall aber Kunden und Verbraucher sein.

Die konsumierenden Massen lassen sich nach Jahrzehnten des Überverbrauchs an allem eines nicht mehr bieten: Einschränkung. Sie lassen sich aber versprechen, daß alles so weitergeht wie bisher, nur eben CO2-reduziert, möglichst vegan und sehr verantwortungs- und umweltbewußt, also schmerzarm oder gar segensreich für die Natur. Das stillt die sehr berechtigte Angst, jedes Maß verloren zu haben und mit dem Ökosystem des Planeten die eigene Existenzgrundlage schon mit der Bevölkerungsexplosion zu unterminieren.

Der einzige, freilich nur theoretische Weg zur Rettung wäre anstrengend und bitter und wurde bisher nicht zugunsten der Schöpfung, sondern nur aus größter Not eingeschlagen, weil er Beschränkung verlangt, zu der nur eine vernünftige oder gar asketisch motivierte Selbstüberwindung befähigt, die den allermeisten fremd bis unmöglich ist, die aber im Vermögen, die eigenen Bedürfnisse zurückzustellen, gleichzeitig die Grundlage des Ethischen schlechthin bildet.

Massen jedoch wollen dergleichen Verzicht nie und nimmer leisten; sie folgen dem, der verspricht: Du darfst so weitermachen wie bisher, wenn du unseren Neuvereinbarungen folgst, mit denen du nicht nur besser lebst, sondern gleichzeitig die Welt rettest. Echte Einschränkungen wird es nicht geben. Aber genau die täten not: Weniger Verbrauch, weniger Ich, weniger Diktatur der selbstischen Bedürfnisse.

Der den Grünen wesenseigene Moralismus bewerkstelligt die Verdrängung der eigenen unausweichlichen Schuld gegenüber der Schöpfung. Es zu vermögen, harmonischen Umgang mit der Natur im Großen und Ganzen herzustellen, liegt nicht in der Natur des Menschen, der eben nur teilweise Naturwesen ist und die Welt in seinem Sinne und schließlich sogar gegen sich selbst umbaut, insofern er schließlich doch natürlicher Grundlagen bedarf. Notwendigerweise.  Darin liegt von Anbeginn seine Tragik.

Weltökologisch ging es der Natur – aufs Ganze betrachtet – von Jahrzehnt zu Jahrzehnt schlechter, so „innovativ“ die Ausbeutung der Ressourcen vermeintlich stattfinden mag. Die Technologie griff immer noch tiefer zu und riß stets noch größere Stücke Natur zugunsten des menschlichen Verbrauchs an sich. Das Wissen um die schwindende Artenvielfalt, das Erkennen des großen Sterbens befähigte bislang nicht, es zu beenden oder nur zu verzögern. – Man frage vielleicht nicht, was daraus folgt, eher danach, wie es auszuhalten und vermutlich hinzunehmen ist. „Trotz alledem!“ wird keine linke Parole bleiben.

Der verlorene Posten ist Ort des konservativen Denkens und Handelns im Als-ob.


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Kommentare (35)

zeitschnur
6. August 2019 15:03

"Wer ist Hegemon der deutschen Verhältnisse an der Schwelle des dritten Jahrzehnts unseres Jahrhunderts? – Offenbar ein sozial breit gefächertes Spektrum so liberal wie hedonistisch bestimmter Gruppen, denen es wesentlich um die Sicherung ihrer subjektiven Individualrechte wie um die umfassende Befriedigung ihrer Individualbedürfnisse zu tun ist, die ihnen letztlich über alle anderen „objektiven“ Notwendigkeiten gehen."

Ich habe hier mehrere begriffliche Fragen: Ist das wirklich "liberal"? Und woher kommen eigentlich die "Individualbedürfnisse"? Liegt der Fehler wirklich bei den genannten "Gruppen"?
Leben wir nicht in einem ausgeklügelten System eines Person-Framings, das über die Illusion einer grenzenlosen privaten "Bedürfnisbefriedigung" den einzelnen Menschen in eine massive Abhängigkeit zur Befriedigung der Erwartung einer ihm bereits vorgedachten und -geplanten "Bedürfnisbefriedigung" treibt, ihn andererseits aber jederzeit mit der Keule, er sei "egoistisch", wenn er sich dem ergibt, von der anderen Seite her erpressen kann?
Was geschieht denn mit Leuten, die sich ausklinken und nicht die suggerierten angeblichen privaten Bedürfnisse befriedigen, sondern echten Verzicht üben und so etwas wie eine breite Konsumverweigerung betreiben? Was ist mit Leuten, die all diesen gesetzten Bedürfnis-haben-sollen einfach nicht folgen?
Wenn überhaupt jemand echte existenzielle Probleme hat hierzulande, dann sie. Es genügt, den diversen, aber genormten Dresscodes nicht zu folgen inkl ständig neuer Garderobe. Was geschieht denn mit Menschen, die - wie früher - nur einmal in der Woche die Unterwäsche wechseln und nicht jeden Tag das Wasser in der Dusche herunterrauschen lassen - auch das wie früher, als man noch bescheiden war? Was erlebt man, wenn man nicht die maximale Miete herauspresst oder keine Wucherpreise für freiberufliche Aufträge verlangt, , sobald man sich beim Finanzamt mit der Steuererklärung meldet?

Echte Liberalität würde heißen, dass es all diese künstlich erzeugten Massenbedürfnisse, die als Individualegoismen getarnt werden, nicht gäbe, dass jeder sich jederzeit ausklinken könnte und auch ohne den technisch aufgeblasenen Apparat an Ressourcenraubbau "zeitgemäß" und "gesellschaftskonform" leben könnte.

In großen Flächenstaaten ist diesbezüglich oft noch mehr Freiheit, es gibt diese Survivaltypen, die in selbstgebauten Häusern im Niemandsland leben, versuchen, aus der umgebenden Natur zu existieren und aus Hanffasern und selbsterzeugter Wolle Fäden zu spinnen und auf Handwebgeräten Stoffe erzeugen, aus denen sie nachhaltig haltbare Klamotten nähen für die nächsten Jahrzehnte, gegessen wird, was hier wächst, ab und zu ein Tier erlegt, getrunken wird Wasser... bloß noch mal: wieviel Chancen hätte ein wirklich liberales, selbstbestimmtes Leben jenseits des Hedonismus wirklich? Traditionell schob man solche Verrückten in Klöster ab, wo sie gnadenlos kontrolliert wurden ("Gehorsam") in ihrem nachhaltigen Handarbeitsfimmel ("Labora"). Viele versuchten es aber auch auf eigene Faust... Jedoch: Spätestens auf dem Trienter Konzil wurde jeder Versuch, ein selbstbestimmtes Einsiedler- oder Beghinenleben zu führen, insbesondere für Frauen, per Beschluss kriminalisiert.

Diese Linie hat sich bis heute durchgezogen und verschärft. Nur im genormten Kollektiv unter einer Geldherrschaft wird der Mensch überhaupt "hedonistisch". Wesentlich ist dabei, dass der Lustgewinn und Konsum assoziiert wird mit "Macht" bzw. Herrschaftsteilhabe.

Monika
6. August 2019 16:54

Die Texte von Herrn Bosselmann sind die inspirierendsten auf SiN. Ich sagte schon mal, dass der Autor von Gott „in der Sprache der Welt redet.“ ( Ich weiß ,er ist Atheist).
1. Wenn es heißt, dass „noch gar nicht nach Wertungen und Ethik gefragt ist, sondern zunächst nach kalter Analyse und Erkenntnis“, dann vertritt Herr Bosselmann, vielleicht ohne es zu wissen, eine geradezu klassische Tugendlehre.
Denn die Verwirklichung des Guten setzt das Wissen um die Wirklichkeit voraus. Vorbedingung jeder sittlichen Entscheidung ist, dass die Realität gesehen und bedacht wird. ( Josef Pieper).
2. Die entscheidende Frage ist nicht, wie das System (Kapitalismus ) zu überwinden sei, sondern zunächst, inwiefern alle Handelnden Teil des Produzierens, Verbrauchens und Verteilens sind. Die Frage nach dem Hegemon, dem Machtmittelpunkt, der Gruppe wird gestellt. Zu Recht , denn gerade im Hinblick auf die vierte Kardinaltugend der Mäßigung ist die Entscheidungsmitte im Menschen angesprochen! Deshalb kann auch gesagt werden:
„Bescheidenheit und Bedürfnisreduzierung sind gerade die Sache der Linken nicht !“
Mehr Lebensgenuss für alle und jeden. Neudeutsch auch Teilhabe genannt. Die konsumierenden Massen lassen sich keine Einschränkung bieten. Also wird das Konsumieren selbst zur Moral ! ( deshalb, das „richtige“ Konsumieren). -
In diesem Zusammenhang sei mal wieder auf das Buch von Erich Fromm, HABEN ODER SEIN, hingewiesen. Hier ging es immerhin noch um eine wirkliche Alternative zum Konsumieren. Darum geht es heute kaum mehr.
Nun müssen sich allerdings auch die Rechten an die eigene Nase fassen und fragen, wie sie es mit dem Konsumismus halten und ob sie ihren Kindern etwas besseres zu bieten haben.
Und da komme ich ins Schleudern. Denn mit Verwunderung nehme ich etwa zur Kenntnis, dass Jugendliche aus bürgerlichen Elternhöusern mit 30 Jahren zwar fast die ganze Welt bereist haben ( 1Jahr Neuseeland oder Australien nach dem Abi ist das mindeste), aber die Gründung einer eigene Familie kaum ein Thema ist. Über das Ich kommen viele junge Leute nicht mehr hinaus.
Bescheidenheit, Selbstbeschränkung, Verzicht, das klingt seltsam altmodisch.
Leben für etwas Höheres ? Für einen moralisch korrekten Konsum. Das scheint mir etwas armselig...

Thomas Martini
6. August 2019 17:06

Wer die These aufstellt, der (grüne) Kunde, "ein sozial breit gefächertes Spektrum so liberal wie hedonistisch bestimmter Gruppen," (Bosselmann) sei der "Hegemon", müsste im Umkehrschluß die Großkonzerne und internationale Hochfinanz als unterdrückte und ausgenutze Seite des Spiels aufzeigen.

Der Unterschied zum grünen und zum normalen Kunden ist bloß der, daß sich der Grüne ein reines Gewissen beim Konsum verschaffen will, wohingegen ein überwiegender Teil der Bevölkerung für gewöhnlich ohne Gewissensbisse bei dem zugreift, was schmeckt, oder bequem ist.

In Bosselmanns Theorie kann man "rechte" und den großen Haufen an entpolitisierten Menschen nicht ausklammern, da sie genauso am globalistischen Produktionsüberfluß teilhaben wie der grüne Teil der Bevölkerung. Sie gehörten damit selbst zum "Hegemon", nähme man die von Bosselmann aufgestellte These ernst.

Hierbei wird auch sehr deutlich, wie unbrauchbar die Einteilung in Linke und Rechte sein kann, wo eine ehrliche Systemkritik vonnöten ist, und keine Agitation gegen Links.

Bei Bosselmann regiert nicht mehr das Geld die Welt, sondern der ökologische bewusste Verbraucher im Supermarkt. Eine Vorstellung so bizarr abwegig, daß sie bestenfalls zum Schenkelklopfer taugt.

Gegen die Forderung "Mehr Löhne, mehr Freizeit", kann nur der Mensch etwas einzuwenden haben, der sich den Wecker nicht nach dem Willen von anderen zu stellen hat.

Eines Sache ist doch wohl völlig klar: Predigt man jahrzehntelang Gewinnsucht, die in Deutschland sogar in einer von der Werbeindustrie angeheizten "Geiz ist Geil"-Mentalität mündete, dann werden sich alle egoistisch veranlagten Menschen einem solchen Wirtschaftssytem anschließen und es mit Händen und Klauen verteidigen. Mit der Grundvorraussetzung des Profits, beginnt sogleich die Negativauslese im liberal-kapitalistischen Wirtschaftssystem. Es braucht Menschen, die bereit sind, dem Profitstreben alles andere unterzuordnen.

Sich den Plutokraten nach Kräften zu verweigern, und Strukturen der Geldherrschaft nachzugehen, wäre das eine - das andere, sich gegen deren Manipulationsmethoden nach Kräften zu immunisieren. Das geht eben nicht, wenn man angloamerikanische Autoren zu Rate zieht, und den eigenen Verstand ausknipst.

Mir kann jeder Politiker oder politischer Mensch, ganz gleich ob rechts oder links, gestohlen bleiben, der vom gemäßigten Lebensstandard, den ich mir und meiner Familie erarbeitet habe, noch eine Scheibe abschneiden will.

Franz Bettinger
6. August 2019 19:27

Waffenverbot, Hirnwäsche, Trojaner, der gläserne Mensch (US-Patriot Act 2001 = Motiv für 9/11), digitaler Reisepass, digitales Plastikgeld, Zensur; ein Schritt noch, und fertig ist der perfekte moderne Sklave!

Vorgestern nahmen sie dem deutschen Bürger (anders als in USA, Australien und NZ...) die Waffen, gestern die freie Meinung, heute die Bank- und sozialen Kontakte (Konto-, Facebook- und Instagram-Sperrungen, digitale Zensur) und morgen das Geld (Plastik statt Bares). Wer wählt die Verbrecher? Antwort: 87% der Truthähne, die dem Ernte-Dank-Fest aka ihrer Schlachtung entgegen hüpfen. Zur Abschaffung des Deutschen sind die Willkömmlinge für die Merkel'scher Welt-Traum-Gesellschaft nicht einmal mehr nötig. Sie beschleunigen die Sache bloß.

1791 sollen die Adeligen in den Theatern, ungeachtet der um sie herum stattfindenden Metzeleien in Paris, immer noch ihre eigene Verhöhnung durch die linken Schauspieler bejubelt haben, bevor sie wenig später ihren Kopf unter der Guillotine abgeben durften. Was waren das für Typen? Antwort: Typen wie wir. - Sie sterben, immer wieder, aber sie sterben nicht aus.

Franz Bettinger
6. August 2019 21:12

Wer ist der Hegemon? Wird die Frage beantwortet? Soll die Antwort allen Ernstes sein: Weniger Verbrauch, und alles wird gut? Das erinnert an Sünde, an In-Sich-Gehen, Opfer bringen; es ist mittelalterlich! Es ist Unsinn! Arten-Rückgang, Raubbau an den Ressourcen, an der Natur, bla bla. Es trifft nicht ins Schwarze.

Eine Schwäche ist, den Gegner nicht benennen zu können. Die Großindustrie, die nach billigen Arbeitssklaven giert? Zu billig! Die nimmersatten Oligarchen der Welt, die "300 Familien"? Ach! - Die Bilderberger, Davoser, Freimaurer? Klingt nach Fantasie. Der Hedonismus eines dekadenten Volkes gar, das den Untergang verdient? Nie und immer! Das ist Augenwischerei, die auch Prof. Patzelt gerade wieder verantstaltet, um ins bequeme warme Boot der Etablierten zurück zu dürfen (https://www.youtube.com/watch?v=t2YOyDPN4RQ). All diese Versuche, einen Sinn hinter dem Großen Austausch zu finden, ein historisches oder Natur-Gesetz, sind Ausdruck hilfloser Verzweiflung und Nicht-Wahrhaben-Wollen. Auch Bosselmann versucht sich daran. Nein, seine Erklärungen gehen an mir vorbei.

In allen wesentlichen Punkten bin ich mit ihm und Patzelt nicht einverstanden: Das Klima hat überhaupt nichts mit der"Völkerwanderung" zu tun. Es handelt sich auch nicht wirklich um das Wandern ganzer Völker, sondern um die Invasion von Tausenden einzelner Abenteurer. Vor allem: all dies ist nicht zwangsläufig und also schicksalhaft. Das will man uns einreden. Nein, es ist von deep state gewollt.

Es wäre kinderleicht, so wie vor 2015 einen wirksamen Grenzschutz an Europas Außengrenzen (ja sogar an den Binnen-Grenzen) zu haben, wenn man dies wollte. Aber man will nicht. Man will das große Experiment, wobei die Völker Europas nicht gefragt werden. Wir wohnen dem größten Verbrechen der Geschichte bei. Es ist das - linke - Gift falsch verstandener Gleichheit und Menschlichkeit, das uns wehrlos gemacht hat und uns allmählich tötet.

Eine Stärke deep state's ist es, ohne Namen zu bleiben. Wir kennen die Marionetten, ja, aber die Puppenspieler kennen wir nicht wirklich. Die Menschen können einfach nicht glauben, dass sie zum Spielball ruchloser Figuren geworden sind, die ihrem Gott oder welcher spirituellen Idee auch immer Menschenopfer darbringen. Sie werden dieses Narrativ auch dann noch für ein Märchen halten, wenn hier bald Zustände wie 1994 in Ruanda herrschen - Hutus schlachteten mit Messern und Macheten in einer beispiellosen Mord-Hysterie 1 Mio. Tutsis ab - Zustände, wo nur der überleben (oder gar siegen) kann, der auf den Rassenkrieg vorbereitet ist. Den mordbrennenden Clans werden nur deutsche Gegen-Clans widerstehen können. Ob sich das im Augenblick des Geschehens spontan vor Ort organisieren lässt? Mit Erdbeeren im Burgunder nicht!

Simplicius Teutsch
6. August 2019 21:31

Wer ist der Hegemon?
Wir alle sind Verbraucher. Jede natürliche Person ist Verbraucher, so heißt es bereits im BGB §13.
Alles politisch-moralische und zivilgesellschaftliche Bestreben läuft auf die Befriedigung und den Schutz des Verbrauchers hinaus.
Alle sollen teilhaben am Konsum.
Die ganze Welt.
Und brav sein, wie die Fridays for Future-Kids. Die ganze Welt.
Alle machen mit. Die Masse fordert es, findet es gut.
Umfassend beschützt werden wir vom Verbraucherschutz, damit wir Dienstleistungen und Güter möglichst rechtssicher, umfänglich und genussvoll konsumieren können.
Alles ist Verbraucherschutz.
Endziel ist die Schöne Neue Welt: „There is always SOMA, delicious SOMA.“

HomoFaber
6. August 2019 22:15

Durch seine evolutionäre Prägung ist der Mensch (Achtung!: conditio humana - anthropologische Konstante) genetisch auf “gesteigerten Lebenskomfort” programmiert. Das rein Materielle wird dabei durch andere Triebe (z.B. Macht und Sex) ergänzt, die ebenso tief verankert wirksam sind.

Das funktioniert natürlich (im wahrsten Sinne des Wortes).

Ratwolf
6. August 2019 22:21

Die Marxistische Geschichtswissenschaft und vor allem deren „vergleichende Revolutionstheorie" haben ein Problem

Es ist eine Theorie

Das Kreisen im Strudel der "Theorie um der Theorie willen" ist eine Form des Erotismus.
Naziß lässt grüßen. Man kreist letztendlich um sich selber. Keine Theorie kann die Wirklichkeit abbilden, denn der Mensch als mitwirkender Sensor wirbelt jede fixierte Theorie nach der Aufnahme wieder durcheinander.

HomoFaber
6. August 2019 22:35

„die bürgerliche Antwort auf die marxistische Klassenkampftheorie“

Das ergibt Sinn. Vielleicht lohnt es sich, mehr Niekisch zu lesen.

Gracchus
6. August 2019 23:02

Ein sehr luzider Beitrag, der meine volle Zustimmung hat. Die "Rettung" sehe ich im Konsumverzicht, in der Überwindung des "Konsumismus". Geistig-seelisch als auch ökologisch-ökonomisch. Dies würde/wird aber auch eine Veränderung der Arbeitswelt nach sich ziehen.

Die EU hat sich nicht zufällig sehr stark den Verbraucherschutz auf die Fahnen geschrieben; wie effektiv dieser Schutz ist, sei dahingestellt. Ähnlich wie in der Umweltpolitik ruft das windige Geschäftemacher auf den Plan. Ich erinnere mich vage an eine juristische Schrift "Europa und das Politische", deren Kernthese sehr vereinfacht lautet, dass an die Stelle von Schmitts Begriff des Politischen der Konsum tritt; der Konsum schafft Identität und Gemeinschaft.

Laurenz
7. August 2019 02:19

Nachdem ich nachschauen mußte, was "dezisionistisch" ausdrückt, und nach der theoretischen Einleitung gespannt war, was jetzt kommt, war ich dann doch sehr enttäuscht. In meinen Augen verhalten sich Linke nicht dezisionistisch, sie sind es.

Am meisten stört mich am Text ein zu viel an belangloser Theorie und ein Mangel an konkreter Definition. Betrifft der Text in Wahrheit nur den jeweiligen Hegemon oder auch den Hegemonierten?`Die heutige Grün-Linke braucht doch gar nicht mehr nach einem Hegemon suchen, sie braucht auch nichts lesen, den sie stellt den Hegemon. Natürlich gibt es linke Ketzer, wie Sahra Wagenknecht oder Piers Corbyn, welche die eigenen Leute leichtens zerlegen, eingedenk dessen, daß Sozialstaaten und Mulit-Kulti einen inneren Widerspruch darstellen. Im Grunde kann Herr Bosselmann nur den Hegemon meinen, denn einerseits ging der Linken das Schicksal der Unter- und Mittelklasse schon immer am Allerwertesten vorbei, solange man selbst, andererseits, die feudale Schicht stellt. Wandlitz ist nicht überall.

Würde der Hegemonierte, der Untertan zur Analyse dazu gehören, wäre die Analyse falsch. Verzicht kann nur der üben, der etwas zu verzichten hat, Fasten ist Luxus. Dieser Sachverhalt würde doch eine gewisse polit-berlinerische Haltung des Autoren unterstellen.

Ende der 60er, in den 70ern bis in die 80er hinein, war es westdeutschen normal-Sterblichen möglich, Wohneigentum zu erwerben, aufgrund der horrenden Kaufkraft der Deutschmark. Das ging oft auch mit 3 Kindern und nur einem Einkommen. Aber Hedonismus war nicht möglich, unsere Flüsse waren noch dreckig und irgendwo starb der Wald, ok. Die Schaffung von Wohneigentum ist die am meisten sozial-politische Großtat eines Politikers. Deutschland ist diesbezüglich immer noch das Armenhaus Europas. Ganz Kapital-Europa kauft aufgrund der 0-Zins-Politik urbane Immobilien in Deutschland, weil hier noch eine Rendite von knapp 3% zu erzielen ist, und der deutsche Depp arbeitet dafür, anstatt dies für sich selbst zu tun. Auch die Digitalisierung der Peripherie und des ländlichen Raumes wird verzögert, um den Siedlungsdruck auf die Städte zu erhöhen, ein nicht-tarifäres, inflationäres Mittel der Marktverzerrung. Die Linke wollte und will alles das nicht wissen. Ihr ist es seit dem Zusammenbruch des Ostblocks lieber, die Armen zu knechten und wenn, am staatlichen Abhängigkeits-Tropf hängen zu lassen. Man kann die Almosen-Abhängigen sogar, Grundgesetz-widrig, an einen Wohnort binden. Heute muß die Untertan-Familie 2 Erwachsene arbeiten schicken, um über die Runden zu kommen, wobei das volkswirtschaftlich eine Milchmädchen-Rechnung ist, die Kinder-Verwaltungs-Kosten sind viel zu hoch, um hier einen Mehrwert zu erschaffen. Aber man erreicht damit, die Kinder den Eltern zu entziehen und zum "sozialistischen Menschen" zu verblöden. Die Degradierung der Frau zum Billig-Lohnsklaven war schon immer ein Beleg sozialistischer Planwirtschaft.

Der Hang der Linken, Bevölkerungsexplosion zu befürworten, liegt in der Gier begründet, über immer mehr Menschen herrschen zu können. Die Bevölkerung des Planeten wächst aktuell um 80 Mio. jedes Jahr, also 1x Deutschland. Da aber nur 27% der Landfläche des Planeten agrar-technisch nutzbar sind, und viele Böden aufgrund falscher Nutzung verloren gehen, muß immer weiter Land gerodet werden, um 1x Deutschland jedes Jahr mehr zu ernähren. An das Tabu der Bevölkerungsreduktion geht keiner ran, außer den Chinesen.

Der Altmarxist, Astro-Physiker und Meteorologe Piers Corbyn greift die Grün-Linke deswegen an, weil sie sich seit dem Zusammenbruch des Ostblocks mit den Neo-Liberalen gemein gemacht hat und die CO2-Religion dazu nutzt, Europa zu de-industrialisieren und quasi auf eigene Steuer-Kosten die Industrie-Standorte in die billigeren Schwellenländer zu verlegen.

https://youtu.be/DIucNnxKick

Jeder kann sich einen Ausgaben-Chart für sein laufendes Konto anzeigen lassen. Wäre doch mal interessant zu wissen, in wie weit jeder Interessierte hier "konsumiert".

Thomas Martini
7. August 2019 06:28

Was Heino Bosselmann hier rausgehauen hat, "Hegemon: grüner Weltverbraucher", kann man getrost als Beleidigung der kritischen Intelligenz auffassen. Es kommt eben immer auf den Blickwinkel an, nicht wahr?

Man muß sich das bewusst machen: Die größten sogenannten "Investmentfonds" enthalten der Weltwirtschaft derzeit ungefähr eine Billionen US-Dollar an Reserven. Alleine der Börsenguru Warren Buffet hält mit seiner Truppe eine Kriegskasse von 222 Milliarden Dollar für seine "Investoren" zurück.

Von den Billionen - für Bildungsliteraten womöglich nur abstrakte, letztlich nichtssagende Zahlen - welche die EZB in den letzten zehn Jahren in den "freien Markt" pumpte, um die hochverschuldeten Volkswirtschaften in Südeuropa zu "retten", kam nur ein Bruchteil des Geldes in der Realwirtschaft an.

Der allergrößte Teil, in Zahlen über 95%, fiel in die Hände der sogenannten "Heuschrecken" (Franz Müntefering), wobei wir wieder bei Buffet und Konsorten wären.

Und hier, wo sich die rechtsintellektuelle Intelligenz der deutschen Nation zu versammeln vorgibt, will man ernsthaft den "Hegemon: grüner Weltverbraucher" debattieren?

Das kann nur ein schlechter Scherz sein.

Die Massen, auf die sich Heino Bosselmann in seinem Schriftstück dreisterweise einschoß, sind in Wahrheit die Besitzlosen, die Armen, der Mittelstand, der einfache Mann von der Straße, sogar die "Wirsindmehr"-Fraktion, da schließlich die oberen 5% der Weltbevölkerung locker 95% des Besitzes ihr Eigentum nennen. "Privateigentum" nennen sie es, und der Konservative glotzt blöd, während Ausverkauf und Enteignung in Deutschland seit Jahrzehnten, das heißt allerspätestens seit dem "Euro", auf Hochtouren laufen.

Während das geschah und noch immer geschieht, hat sich der "grüne Weltverbraucher" zum "Hegemon" aufgeschwungen, und "Die konsumierenden Massen lassen sich nach Jahrzehnten des Überverbrauchs an allem eines nicht mehr bieten: Einschränkung."

Ernsthaft: Dieser Schwachsinn ist doch nicht auf dem Mist von Heino Bosselmann gewachsen? Kommt mir eher vor, als habe er seine Überlegungen nach der Lekture von diesem Millet-Buch niedergeschrieben.

Bezeichnend, was dabei herauskommt.

Thomas Martini
7. August 2019 07:20

Es tut mir sehr leid, wenn ich so deutlich werden muß. Auch Heino Bosselmann bedaure ich, denn er hat sich offensichtlich einen Bären aufbinden lassen.

Nun schlüpft er in folgende Rolle: Wir haben 1789, kurz vor der Revolution, und er stellt sich in Paris vor das wütende Volk und sagt: "Euer Elend hat nichts mit denen da oben zu tun, sondern ihr als Masse seid selbst Schuld. Das kommt daher, daß Ihr nach den guten Jahren die Askese nicht mehr zu leisten bereit seid."

Unter dem Blickwinkel betrachtet, habe ich meine Emotionen, denke ich, ganz gut im Griff, was Höflichkeit und so angeht.

Sollte meine Vermutung zutreffen, und dieser Text sozusagen ein Nachhall des Buches "Der verlorene Posten" sein, hätten wir hiermit ein gutes Musterbeispiel dafür, wie die anglo-amerikanische Systemkritik funktioniert. Bitte mit Verbeugung um Pardon, wenn ich mich davon nicht einlullen lasse.

Monika
7. August 2019 07:40

@ Thomas Martini
Es geht gerade nicht um einen von oben verordneten Konsumverzicht, sondern um eine freiwillig gewählte Selbstbeschränkung! Da mag der konsumverwöhnte westliche Bürger drüber meditieren.
Sie können sich weiterhin gerne für die unterdrücken Massen einsetzen. Aber nennen Sie das bitte nicht Moral.

t.gygax
7. August 2019 08:15

" viel der leeren Worte haben die Wunderlichen gemacht/ geschieht doch alles aus Lust und endet alles im Frieden/ Versöhnung ist mitten im Streite/ und alles Getrennte findet sich wieder"

Friedrich Hölderlin , den ich den Sezessionslesern ebenso empfehlen möchte wie Ernst Jünger.....zur Auferbauung in unseren trüben Zeiten.
Hegemon? Ist doch so einfach, dass es für Bosselmann schon wieder zu einfach ist. Der Hegemon ist der, den man nicht kritisieren darf- nicht mal als Hofnarr. Wer es trotzdem tut, zahlt teuer. Zu teuer.

Der Hegemon bleibt unsichtbar, er darf nicht genannt werden. Ich empfehle das deutsche Märchen von Rumpelstilzchen. Rumpelstilzchen will etwas "Lebendiges" (ich schaudere schon bei dieser Textstelle innerlich !) und er kann nur besiegt werden, in dem man seinen Namen (!!!!) offen benennt. Das ist allerdings nur eine Hoffnung der Gebrüder Grimm, vielleicht die Hoffnung des kollektiven Unbewußten im deutschen Volk, vielleicht.

Der große Dichter Martin Luther bringt es auf den Punkt: "Der alt böse Feind/ mit Ernst er ´s jetzt meint/ groß Macht und List/ sein grausam Rüstung ist/ auf Erd ist nicht seinsgleichen"

"Aud Erd ist nicht seinsgleichen"-das übersteigt Bosselmanns platten Materialismus, hier geht es um größere Bereiche ( kosmischer Art, aber das will ich hier nicht weiter ausführen...) Und wem Luther zu altbacken ist, et voila: der Nobelpreisträger Robert Zimmermann/ Bob Dylan kennt sich auch aus: "you know that satan sometimes/comes as a man of peace/"

Wenn Bosselmann nur ein bißchen Zugang zu einer entspannten Lektüre der Evangelien hätte ( hat er leider nicht, das ist ein blinder Fleck in seiner Wahrnehmung), dann könnte er mal lesen, was Jesus Christus über " den Fürst dieser Welt " gesagt hat.
Dann wird alles klar. "Die Wahrheit wird euch freimachen."

Monika
7. August 2019 10:36

Woher weiß der Herr @ gygax, dass Herr Bosselmann keinen Zugang zu einer entspannten Lektüre der Evangelien hat ? Über die blinden Flecke in des anderen Wahrnehmung hat hier niemand abschätzig zu urteilen! In der Bibel kann man mitunter nicht entspannt blättern. Von wegen Balken im eigenen Auge.
Es wird immer unerfreulicher in dieser illustren Runde der Burgundersekttrinker und Jüngerverschnitte.
Herr Bosselmann wirft Perlen vor die Säue.
Ich lese ihn gerne, von nun an unkommentiert...

Andreas Walter
7. August 2019 10:38

“Warum läuft es gegenwärtig so, wie es läuft? Wer diktiert die Themen, wer bestimmt die Bewegungsrichtung?

Wer setzt sich durch? Wer genau?"

Der Werwolf.

Nein, im Ernst, Herr Bosselmann, doch Sie wollen hier doch jetzt nicht die Frage nach dem Ursprung des Lebens, nach der Ursache von Allem stellen, oder?

Die durchschnittliche Lebenserwartung von Männern betrug im Deutschen Teich (Genpool) 35 Jahre um das Jahr 1880. Wer also um die 20 damit begann, Kinder zu zeugen, der konnte sich darüber freuen, den 15. Geburtstag seiner ersten Tochter mitzuerleben.

http://www.gbe-bund.de/gbe10/abrechnung.prc_abr_test_logon?p_uid=gast&p_aid=0&p_knoten=FID&p_sprache=D&p_suchstring=24101

Ich gebe Ihnen darum einen Rat. Glauben Sie des blauen Himmels wegen nicht alles, was die Grünen sagen, und um Gottes Willen auch nicht alles, was die Kirche sagt.

"Drum besser wär's, daß nichts entstünde."?

Weshalb? Sind denn auch alle Bäume und das Getier voll Sünde? [Mephistopheles lügt also auch]

Lieber darum weiter Wasser in Wein verwandeln, Materie in Energie, und gleichzeitig die Bevölkerung verringern, dann klappt das auch mit der Natur wieder besser. Extremismus und utopische Träumereien links liegen lassen.

Heino Bosselmann
7. August 2019 10:54

@Thomas Martini:

Sehr geehrter Herr Martini,

haben Sie herzlichen Dank für Ihr Interesse. Kein Grund zur Entschuldigung, insofern Polemik doch erwünscht ist und ich ganz anderen Gegenwind, allerlei didaktische Hinweise und ungefragte Lebenshilfe vertragen muß, vor allem mit Blick auf meinen gemutmaßten "platten Materialismus" und meinen - ebenso vermuteten - defizitären theologischen Kenntnisstand. Es wird in "Kommentaren" schnell mal projiziert, diagnostiziert und zurückgelehnt geurteilt. Das ist ja unter anderem Zweck dieser "Kommunikation" bzw. das eigene Risiko, wenn man etwas einstellt. Sie halten sich mit Lotungen zu meinem Denken und Empfinden doch ganz sympathischerweise dezent zurück und bleiben angenehm sachlich. Und Sie wissen: Ich möchte mich hier meinerseits eigentlich ebenso zurückhalten, da ein publizierter Text, wenn er denn etwas taugen soll, nun mal besser keinerlei Erläuterungen nachgereicht nötig haben sollte und da die erste grammatischen Person ohnehin zu stark regiert. Aber Sie fragen persönlich und daher hier persönlich doch mal in eiliger Notiz:

Ich halte es durchaus für relevant, danach zu fragen, inwiefern „die Massen“ nun mal, geleitet von ihren jeweils individuellen Bedürfnissen, einerseits Teil des Systems sind, das sie andererseits beklagen oder innerhalb revolutionärer Situationen dann bekämpfen. Gerade der Interessenkonpromiß zwischen grünem Moralismus und pragmatischem Kapitalismus interessiert mich sehr. - Noch salopper und übergreifender: Wir alle hängen mit drin; der Kapitalismus ist nicht irgendwo, sondern inwendig in uns, er korrespondiert praktikabel mit der Anthropologie; wie sind kompatibel mit dem, was gesellschaftlich läuft. Erst wenn es nicht mehr läuft, meldet sich Widerstand. Wir hier denken zunächst eher nach, als daß wir konsequent widerständisch handeln. Aber schon dieses Nachdenken gilt bereits als hochsubversiv.

Weiter: Die vermeintlich bösen „Heuschrecken“, also etwa Hedgefonds, sie Geld einsammeln und dann Rendite erwartend investieren, werden gehaßt, sicher, aber offenbar bedarf der Konsument ihrer zum Zwecke der "Beschaffung", um seine vielfältigen Bedürfnisse zu befriedigen. Sie, sehr geehrter Herr Martini, glauben offenbar mehr als ich an den vernünftigen Menschen, den es als Individuum da und dort geben mag. Seit einiger Zeit hänge ich dem Gedanken nach, alles moralische Handeln bedürfte grundlegend der Fähigkeit, die eigenen Bedürfnisse zurückstellen zu können, während wir heutzutage eher in dem Sinne erziehen: Du bist wichtig! Du hast ein Recht auf die Befriedigung deiner Bedürfnisse! Think big and XXXL!

Der jeweils Einzelne mag vernünftig und zuweilen sogar moralisch zu handeln. In der Masse oder gar "global" geschieht dies in gleicher Weise so m. E. nicht. Die exorbitanten Bedürfnisse der Massen bedürfen wohl des exorbitanten Finanzkapitalismus, mit dem sie sich nirgendwo ohne Not anlegen, solange ihnen alles an Konsum versprochen und sehr viel realisiert wird. Auch der Schlechtverdiener ist wenigstens potentiell Kunde; er war es insbesondere im Vorfeld der Lehman-Krise als Kreditnehmer. Auf die Barrikaden geht der Konsument erst, wenn seine Bedürfnisse durch das jeweilige System des Wirtschaftens, Produzierens und Verteilens nicht mehr befriedigt werden können. Solange die Regale gefüllt und die Preise verträglich sind, regt er sich nicht, und die Verwurstung des Planeten zu seinen Gunsten ist ihm weitegehend einverständlich einerlei.

Das Buch von Millet las ich leider nicht; ich bestelle es heute.

Mein Dank an Sie und Händedruck.

zeitschnur
7. August 2019 11:06

@ t.gygax @ Thomas Martini @ Monika

Der Untertan wird zum Konsumieren angehalten und gedrängt. Es ist tatsächlich zu einfach, dem, der am unteren Ende eines schlimmen Systems steht, nun den schwarzen Peter zuzuschieben. Er selbst produziert unwissend unter (ihm) fremder Regie (s. das Märchen der Gebrüder Grimm unten) aus Stroh Gold, um seine Kinder diesem System auszuliefern als Preis fürs Mitmachendürfen. Er wird in ein System versponnen, in dem er nur dann als sozialisiert und integriert gilt, wenn er das alles mitmacht. Andererseits schillern hier Askese und Konsum. Es wird im wesentlichen Sinnloses konsumiert, dessen Endergebnis Verarmung ist. Was konsumieren wir denn an Lebenswesentlichem wirklich zuviel? Im weitesten Sinne eigentlich nur die Energie und Rohstoffe, die für die Herstellung sinnloser Konsumgüter verschwendet werden. Diese Verschwendung ist aber v.a allem andern Einkommensquelle und Mehrwert der Blutsauger („Rumpelstilzchen“), die als Preis für dieses Katzengold, das wir verkonsumieren sollen, die ganze Welt unter Kontrolle halten. Im Grunde hat man uns in etwas gezwungen, das einer Drogenabhängigkeit ähnelt. Die Erwähnung des Märchens ist wirklich sehr treffend. Mithilfe der aufgedrängten Magie erzeugt hier eine verzweifelte junge Frau, die von ihrem aufstiegsversessen-patriarchalischen Vater, der selber nur unterer Mittelstand ist (Müller), als Ehefrau an den König verschachert wird, für den moralisch offenbar völlig verkommenen, habsüchtigen König aus Stroh Gold, alter Alchemistentraum. Der böse Geist, der half, aus Stroh Gold zu machen, fordert das Kind aus der Verbindung des verkommenen Königs und der verkauften Braut. Man weiß schon wofür. Der böse Geist verschanzt sich hinter seinem Namen, "Rumpelstilzchen", der NICHT "Hinz und Kunz" ist (!), sondern wie er selbst am Schluss des Textes sagt, der "Teufel".
Klar - das Märchen hat eine "Moral von der Geschichte", nein: zwei Moralen von der Geschichte, nämlich zunächst die, dass der Müller sich doch zufrieden hätte geben können mit seiner Mühlenwirtschaft und seinem sozialen Stand und seine Tochter einfach einen anderen Handwerker hätte heiraten lassen sollen. Und dass die Tochter sich von ihrem Vater hätte emanzipieren müssen und einfach nicht mitmachen sollen, sondern einen netten Schreinergesellen hätte nehmen sollen oder später die Mühle übernehmen. Warum ließ sie sich auf das teuflische Ansinnen ihres Vaters auch nur ein - war sie selber so versessen auf Machtzuwachs, oder hatte sie im alten feudalen System des Märchen als Tochter und Frau keine eigene Meinung zu haben? Wahrscheinlich eine Mischung aus beidem... Oder der König nicht so gierig und grausam hätte sein dürfen (er droht, die Müllerstochter umzubringen, wenn sie ihm NICHT aus Stroh Gold macht...). In der Geschichte streben alle, verstrickt in ein teuflisches System, "nach oben", alle restlos! Aber an der Spitze steht ein Teufel, der Blut sehen will und das Angebot, seine Reichtümer zurückzunehmen, ablehnt. Diese Königin bietet ihm die Schätze des Reiches, aber Rumpelstilz will „Lebendiges“ für das Tote. Das System selbst hat im Märchen diesen tödlichen Aufwärtsdrall. Aber wichtig ist in, dass hinter diesem Drang dieser böse Geist steht, dessen Macht erst durch die Nennung seines Namens erlischt. Im Märchen wird der Teufel überwunden.
Hätte mich interessiert, wie es danach weiterging, denn das wäre das eigentliche Thema des Artikels oben und auch des Threads hier. Denn das ist die verborgene zweite Moral von der Geschichte, was geschieht, wenn der Bann, der tatsächlich über allen steht, gebrochen ist. Erlischt mit dem Rumpelstilz auch der Aufwärtsdrall? Vielleicht hat Herr Bosselmann ein klein wenig diese Perspektive eingenommen, als wäre dieser Bann schon gebrochen bzw niemals vorhanden gewesen.

Laurenz
7. August 2019 12:13

@Thomas Martini ... ich hatte auch versucht, freundlich zu schreiben. Und das ist auch richtig so. Allerdings entsteht dadurch eine Divergenz zur Wahrheit. Vielleicht hat Herr Bosselmann ja auch nur einen Versuchsballon steigen lassen, um zu sehen, wie viele privilegierte Rechte auf den Artikel herein fallen. Hätte Herr Bosselmann auf spartanische Standards in der Kinder-Erziehung abgestellt, mit einer Verlustquote von an die 50%, hätte das wohl Empörung hervorgerufen, wäre aber zumindest ehrlich "zu rechts" gewesen. Vor allem, wer wären dann die Heloten, die ein Neo-Sparta auch finanzieren müßten?
Solange Herr Bosselmann, schon ziemlich mutig, die Bevölkerungsexplosion benennt, aber auch keine praktischen Maßnahmen der UNO in Erwägung zieht und lieber theoretisiert, bleibt eine echte Stellungnahme aus. Intellektuelles Gequatsche x 0 Plausibilität bleibt immer noch 0 Plausibilität.

Franz Bettinger
7. August 2019 12:27

@Zeitschnur schreibt: "Im Märchen vom Rumpelstilzchen wird der Teufel überwunden." Einwand: Ja, aber wie in einem schlechten Krimi nur durch einen deus ex machina, keinesfalls durch Logik oder ein moralisches Verhalten. In sofern taugt das Märchen nicht viel. Was sollten wir auch daraus lernen? Dass man nur weiter rumfragen muss, bis einer einem den richtige Namen verrät? Das nur nebenbei. Ist nicht wichtig.

Laurenz
7. August 2019 12:33

@t.gygax ... Rumpelstilzchen behandelt "verschwiegene" Schand-Kinder, was immer unglücklich ausgeht und sonst nichts. Schmähen Sie bitte nicht unsere Märchen, die haben mit Ihrer linken Teufelei nichts zu tun.

Es existieren hunderte von Evangelien, welches meinen Sie denn, etwa das Judas-Evangelium?

Zitat aus GotQuestions-Wenn die Bibel sagt, dass Satan die Macht über die Welt hat, müssen wir uns erinnern, dass Gott ihm die Kompetenz über Ungläubige gegeben hat. Gläubige fallen nicht unter seine Herrschaft (Kolosser 1,13). Ungläubige andererseits sind in “der Verstrickung des Teufels” gefangen (2.Timotheus 2,26), “liegen im Argen” der Welt (1.Johannes 5,19) und sind “Kinder des Ungehorsams” (Epheser 2,2).

t.gygax, Ihnen fehlt wohl der linke Glaube.

Franz Bettinger
7. August 2019 12:51

Nicht despektierlich gemeint, doch vielleicht erlaubt man mir, trotz ihrer journalistischen Qualitäten, den Vergleich der Patzelts usw. mit dem schottischen Adel, der seine Reiterei grinsend abdrehen lässt, sie aus der Schlacht nimmt und so William Wallace verrät, als es 1298 bei Falkirk drauf ankam. Will sagen: wir verlieren den wahren Feind aus dem Blick, wenn wir zu schwafeln anfangen, und seien unsere Elaborate noch so poetisch! (Der Kommentar macht nur Sinn, wenn auch der von 11:19 zugelassen wird - was fraglich ist.)

t.gygax
7. August 2019 12:58

@Monika
iIh habe sämtliche sezessions-Texte von Bosselmann aufmerksam gelesen, seine sonstigen im Netz veröffentlichten Texte seit 2010 ebenso, auch die alten Interviews mit ihm in ZUERST etc..., von daher komme ich zu meiner Einschätzung. dass Bosselmann keinen Zugang zu irgendeiner Form des Göttlichen ( damit ist es neutral formuliert!) hat und deswegen in einem für mich öden und leeren Materialismus befangen ist. Das ist kein persönliches Werturteil über Herrn Bosselmann, der vielleicht privat ein ganz liebenswürdiger Mensch ist.
Ich kann mich auch irren, bin nicht allwissend, störe mich aber an Ihrer Bemerkung "Perlen vor die Säue". Sie sind ja bibelfest, dann wissen Sie auch, in welchem Zusammenhang dieses Wort aus dem NT steht.
Nebenbei: zum Inhaltlichen schreiben Sie nichts, weder zu dem Märchen der
Gebrüder Grimm, noch zu den Luther und Dylan Zitaten. Die haben es aber in sich und sind des Nachdenkens wert, völlig unabhängig von meiner Sichtweise.

heinrichbrueck
7. August 2019 15:04

Um eine Sache systemisch umsetzen zu können, muß diese Angelegenheit finanzierbar sein. Also muß sehr viel Geld gemacht werden. Komplizierter ist es eigentlich nicht, auch wenn akademische Reden davon profitieren, den Experten geben zu dürfen. Es ist ein Spiel mit gezinkten Karten. Und damit dieses Spiel gespielt werden konnte, waren weltkriegerische Umwälzungen nötig. Danach, nachdem der letzte große Widerstand gebrochen war, Umerziehungs- und Manipulationsmethoden bis zum heutigen Tag.
Die Masse braucht regelmäßig drei gesunde Mahlzeiten am Tag, so praktisch kann das Leben verlaufen. Stattdessen bekommt sie Industrieware, trägt gesundheitliche Mangelerscheinungen davon, und ist als Exportweltmeister Sklave im Verschenken der eigenen Schöpfungskraft. Es tauchen Ideologiejongleure auf, hantieren mit Kommunismus, Kapitalismus, Sozialismus, und wie sie alle heißen, um dann einer fehlgegangenen Ideologie - der Masse die Schuld in die Socken zu schieben.
Was ist in diesem Zusammenhang eine Politikwende? Mit Politikwende ist nicht ein Systemwechsel gemeint. Die Methode des Geldscheffelns bleibt. Diese setzt eine Führung voraus. Und die ewigen Loser in diesem Spiel, die immer noch an einen vernunftgesteuerten Konservatismus glauben, sind der Garant dafür, schließlich lassen sie sich ihr Belogenwerden vergolden, daß das gezinkte Spiel weitergeht.
Als Deutsche sind wir ein Volk, ein weißes Volk. Ich hatte noch nie Schwierigkeiten, zu wissen, wer dazugehört und wer nicht. Solche Diskussionen zeigen nur den Grad der Verschüttung eigener Identität. Wie jedes Volk, kann ein Volk nur als Volk überleben, und nicht in der unehrlichen Vereinzelung der vorgegebenen Lüge. Diese Volksführung muß es geben, soll das Volk die eigene Kreativität nicht parasitär verlieren, stattdessen in die eigene Kultur und deren Wachstum investieren. Die Herrschaft der Medien wäre abgeschafft, die Herrschaft des Geldes obsolet, und der Staat als Vernichter auch. Aus dieser Perspektive gilt Selbstbeschränkung nur für Weiße.

Franz Bettinger
7. August 2019 15:15

Mein Kommentar rutschte irgendwie unter den falschen Beitrag (in Kubitscheks). Deshalb hier nochmals an der richtigen Stelle ud an die richtige Adresse. (Sorry!)

Wie viele haben's gemerkt? (Den Leim, auf den wir gehen sollen.) Nur: @Martini, @Lau, vielleicht noch @Zeitschnur. Der Rest besteht aus Theologen, Philosophen und Sozial-Irgendwas-lern, die vor lauter Brüten und In-Sich-Gehen nicht mehr zum Denken kommen. Ja, ja, ich weiß, das ist grenzwertig, unbescheiden und Besserwisserei. Und doch bemerkenswert: Da brauchen nur ein paar Bosselmänner und Patzelts und manchmal auch Wallasches in gewählten Worten einen großen Unsinn zu verschnörkeln, und schon klebt man an ihren ziselierten Abstrusitäten fest. Ja, habt ihr alle Tomaten auf den Augen? Glaubt ihr echt, wir (das Volk) seien selbst schuld an der Invasion? Und von DER sprechen wir doch hoffentlich. Oder sieht irgendwer neben dem brennenden Hausdach noch ein Problem, das dieser Katastrophe gleichkommt, die Farbe des Teppichbodens etwa, über die man streiten könnte? Muss man heute, wo das Land von Fremdlingen verheert wird, Mietsätze oder Benzinpreise oder Umweltfragen debattieren? Wie eingangs gesagt: Wir haben keine Waffen, werden täglich mehr belogen, werden gläserner, zerbrechlicher, wehrloser und haben demnächst auch kein Bargeld mehr. Wir werden aus- und abschaltbar und das demnächst per Knopfdruck. Und daran sind wir schuld? Weil wir zu viel konsumieren, zu viel rumreisen? Haben wir (das Volk) die D-Mark abgeschafft? Beschlossen, Griechenland und die Pleitebanken und "die Wirtschaft" und die Spekulanten endlos mit whatever it takes zu versorgen? Die Grenzen für jeden zu öffnen? Der Polizei zu verbieten, den Knüppel zu gebrauchen, ja nicht einmal zur Selbstverteidigung? Die Altersbestimmung per Handwurzel-Röntgen zu verbieten? Handy-Daten der Hereinschneienden nicht zur Herkunfts-Analyse zu verwerten? Haben wir der Justiz das linke Auge zugeklebt? Den Rechtsstaat gelähmt, ja pervertiert? Die Journalisten auf Reihe gebracht? Wir, das Volk? Im Ernst? Wenn Ja, was hätten wir denn (und wann) ändern können? Anders wählen, ach so.

@gygax: Danke für das Rumpelstilzchen! Schöne Allegorie!

Franz Bettinger
7. August 2019 15:16

@Zeitschnur schreibt: "Im Märchen vom Rumpelstilzchen wird der Teufel überwunden." Einwand: Ja, aber wie in einem schlechten Krimi nur durch einen deus ex machina, keinesfalls durch Logik oder ein moralisches Verhalten. In sofern taugt das Märchen nicht viel. Was sollten wir auch daraus lernen? Dass man nur weiter rumfragen muss, bis einer einem den richtige Namen verrät?

Franz Bettinger
7. August 2019 15:19

Es ist nicht despektierlich gemeint, doch vielleicht erlaubt man mir, trotz ihrer journalistischen Qualitäten, den Vergleich der Patzelts usw. mit dem schottischen Adel, der seine Reiterei grinsend abdrehen lässt, sie aus der Schlacht nimmt und William Wallace verrät, als es 1298 bei Falkirk drauf ankam. Will sagen: Wir verlieren den wahren Feind aus dem Blick, wenn wir zu schwafeln anfangen und auf Nebenschauplätze ausweichen, und seien die Elaborate noch so poetisch!

Andreas Walter
7. August 2019 17:14

@Heino Bosselmann

"Sie halten sich mit Lotungen zu meinem Denken und Empfinden doch ganz sympathischerweise dezent zurück und bleiben angenehm sachlich."

"Sachlich" betrachtet, ich sage dazu statistisch, bekommen Sie hier gerade eine Menge Gegenwind und das mag naturgemäss niemand.

Doch ich war sehr erleichtert, das zu sehen. Denn die massive Kritik an manchen Ihrer Glaubenssätze könnte auch ein Zeichen sein, diese noch mal zu überdenken, und sind nicht automatisch eine Folge von Unsachlichkeit oder Ablehnung ihrer Person als Ganzes.

Ich glaube sogar wahrgenommen zu haben, das Sie hier sogar recht beliebt sind, mit Ihren Artikeln, obwohl ich darüber keine Statistik im mathematischen Sinn geführt habe. Expertenbefragungen kommen allerdings, das wurde uns an der Universität gezeigt, meistens auch erstaunlich den statistischen Erhebungen nah.

Verkürzt könnte man das also beschreiben, mach' eine Umfrage oder befrag' 10 Experten.

Ich persönlich hätte mir gewünscht, ihren Artikel leichter in mehrere Unterabschnitte gliedern zu können, um die dann einzeln zu diskutieren. Weil Ihr Artikel auch einige Punkte enthält, die Sie als Prämissen für gegeben, für selbstverständlich halten, was sie aber gar nicht sind. Nur darum auch meine kurzen aber scharfen Spitzen, um hier nicht ganze Bücher verfassen zu müssen, womöglich auch noch mit zig Fussnoten.

Thomas Martini
7. August 2019 17:37

Interessierten Lesern empfehle ich zum Thema "Hegemon" den Artikel "Heuschreckenalarm: Die Beteiligungsgesellschaft KRR steigt in großem Stil bei Axel Springer ein" in der August/September-Ausgabe der deutschen Monatszeitschrift "Zuerst".

Etwas aus dem Sezessions-Fundus zu verlinken wäre schwer, denn Beiträge über die Welt der Wirtschaft und Finanzen, sind hier leider Mangelware.

Benedikt Kaiser hat hier und da ein paar Sachen geschrieben, man geht dann davon aus, daß allgemein ein gewisses Basiswissen über das (neo)liberal-kapitalistische Wirtschafts- und Finanzsystem vorhanden ist.

Der Hegemon ist selbstverständlich und unverändert der Geldadel. "Raider", wie der von mir erwähnte Warren Buffet, der ein ganzes Medienimperium besitzt.

Wenn es bei der Kontrolle einer Gesellschaft das Schlüsselmoment ist, die Aufmerksamkeit umzukehren, dann machen die Mainstream-Medien fast alles richtig.

" „Hegemon“ sind nicht einfach „die da oben“,... " - das mag dem eigenen Intellekt schmeicheln, aber es ist nichts weiter als ein Kniff, um den Blick von den Eliten auf die Masse umzulenken.

Was der Mainstream an "Nachrichten" bringt, dient zu 99% dazu, die Aufmerksamkeit von dem anglo-amerikanischen Geldherrschaftssystem, in dem wir alle leben, auf unwesentliche und untergeordnete Schauplätze zu verlagern. Das Wesentliche in einem Dickicht von Unrat und Nebelkerzen auch dann zu finden, geht nur, wenn man das Ziel nicht aus den Augen verliert. Sonst steht man plötzlich vor'm "grünen Weltverbraucher", dem "Hegemon", den es zu bekämpfen gilt.

Darüber kann sich der echte Hegemon nur freuen, liegt es schließlich in seiner Absicht, daß wir uns gegenseitig an die Gurgel gehen, und seine "Freiheit" unangetastet lassen.

Der_Juergen
7. August 2019 19:25

@Franz Bettinger

Zustimmung zu Ihren sehr treffenden Kommentaren. In einem Punkt dürften Sie freilich irren, nämlich wenn sie postulieren, dass die Grossindustrie "nach billigen Arbeitskräften giert" und darum die Invasion begrüsst. Die Industriekapitäne können nicht so dumm sein, zu glauben, dass die "Flüchtlinge", die in ihrer grossen Mehrheit nicht arbeiten wollen und aufgrund ihres mangelnden Bildungsstandes auch keine anspruchsvollen Arbeiten verrichten können, ihnen von Nutzen sein werden. Die afrikanischen und orientalischen Parasiten tragen aufgrund der abnormen Belastung der öffentlichen Finanzen, die ihre Betreuung, Unterbringung und Verköstigung nach sich zieht, im Gegenteil zum Kollaps der Wirtschaft bei, und das ist gewiss nicht, was die Industrie will.

Wenn prominente Industriebosse Lippenbekenntnisse zu "Multikultur", "Toleranz" und dergleichen ablegen, dann wohl ausschliesslich aus Konformismus. Man heult eben mit den Wölfen, um nicht von diesen zerfetzt zu werden.

Sehr gut gefallen mir u. a. auch die Kommentare von @t. Gygax (hier kapiert wohl fast jeder, wen er mit dem Rumpelstilzchen meint), @Zeitschnur sowie (mit Einschränkungen) Thomas Martini.

Andreas Walter
8. August 2019 11:41

Ja klar auch Rumpelstilzchen, ganz massiv, doch da sind ja auch noch der gierige König und der geltungssüchtige Müller (die hübsche Tochter lasse ich hier mal aussen vor, weil das Märchen historisch ist, doch heutzutage trägt auch die Fraktionen einen erheblichen Teil zu allem bei).

In der Beziehung hat Bosselmann schon recht wenn er schreibt, dass wir letztendlich alle irgendwie daran beteiligt sind, ausser vielleicht ein paar nackte Kokovoren.

https://youtu.be/LkgQ-UM_3Dg

Wodurch das Prinzip bei den Bonobos ausgehebelt ist weiß ich, doch was verhindert da die Degeneration? Wird das einzig und allein über die Fruchtbarkeit geregelt? Oder über sexuelle Vitalität? Oder die Menge an Sex?

Gracchus
8. August 2019 21:43

Die Diskussion scheint mir wieder etwas aus dem Ruder zu laufen. Wenn Sie, nichts für ungut, lieber Franz Bettinger, den Kopf schütteln, über die Gedanken anderer Foristen und das - in meinen Worten - als philosophischen, soziologischen und sonstwie Schmarren bezeichnen, kann ich meinerseits nur den Kopf schütteln, weil Sie anscheinend nicht verstanden haben, dass die Ideologie, die das geistige Klima in D bestimmt - und eben nicht nur das geistige, sondern auch politische Auswirkungen hat - in unseren Unis ausgebrütet worden ist, und zwar nicht an den natur-, sondern den geisteswissenschaftlichen Fakultäten. Und ich verstehe dieses Forum so, dass diesem Denken etwas entgegengesetzt werden soll, langfristig der intellektuelle Klimawandel gestoppt und gedreht werden soll - da hilft es nicht, das Denken einzustellen. Die Ideologie wird auch offen kommuniziert, so dass ich den Rückgriff auf den "deep state" benötige, zumal dies ja auch eine Chiffre bleibt. Es war ein Versäumnis, dass man die gender und cultural studies nicht ernst genomnen hat. Der Konservative hat's eben nicht so mit Theorien. Das rächt sich. Ich selbst habe während meines Studiums erlebt, wie die heutige Bundesverfassungsrichterin einen Lehrstuhl für gender mainstreaming an der Humboldt Uni bekam. Ich hielt das bestenfalls für kurios; wobei ich andererseits im Nachtleben, die "Verflüssigung" der Geschlechteridentitäten beobachten konnte. Lose war ich eine Zeitlang mit Kommilitonen in Kontakt, für die alles, was sie für böse hielten, rassistisch, frauenfeindlich, eben: Nazi nannten. Mir ging das auf die Nerven; aber genau so tickt heute der Medien-Mainstream.

Gracchus
8. August 2019 22:28

@t.gygax
Ich stimme Ihnen zu, sofern ich Sie richtig verstehe. Wahrscheinlich sucht Herr Bosselmann nicht den Hegemon, sondern den Dämon, der die Massen ergriffen hat. Wer Macht über einen Dämon gewinnen will, so sagen doch Exorzisten und so weiss das Rumpelstilzchen, muss erst einmal seinen Namen kennen. Natürlich: Bosselmann will ohne metaphysische Mucken analysieren, spricht dann aber von "Schuld gegenüber der Schöpfung". Die Als ob-Formel am Ende ist zudem von Paulus kopiert. Dennoch formuliert Bosselmann wertvolle Einsichten. Wenn er auf die Mogelpackung der Grünen hinweist, das Versprechen, ohne Verzicht die ökologische Krise bewältigen zu können, fällt mir wie Ihnen der Vater der Lüge ein, und Ihr Dylan-Zitat ist absolut zutreffend.

Beim Wiederlesen erscheint mir der Bosselmanns Konsum-Begriff verkürzt. Hilfreich könnte die Einsicht Walter Benjamins sein, im Kapitalismus werde nicht alles verdinglicht, die Dinge würden vielmehr verdinglicht, nämlich metaphysisch aufgeladen. An der Werbung kann man das leicht erkennen. Von einer entzauberten Welt keine Spur. Konsum dient nicht allein der Selbsterhaltung, sondern soll Sinn-, Distinktions- und Identitätsbedürfnisse befriedigen. Gewissermaßen religiöse Bedürfnisse - wobei die mir bekannten Religionen auch mit "Konsumregeln" in Form von Speisevorschriften operieren. Im Christentum gibt es zwar solche Speisevorschriften - ausserhalb der Fastenzeiten und -tage nicht mehr, aber Heil und Unheil hängen am Konsum des Leib Christi. Das ist jetzt ins Unreine gedacht, ohne echte Konklusion, wie das eine - offensichtlich relugiöse Elemente kopierende - Grünenbewegung erklärt.

Laurenz
8. August 2019 23:44

´@Der_Juergen .... noch in den 80ern hatten wir eine relativ starke Industrieflucht aus Deutschland, wobei die Billiglohn-Produktion von Gebrauchsgütern in der DDR stattfand, Quelle-Kataloge waren voll davon. Die ausgewanderten Firmen standen allerdings mangelnder Infrastruktur gegenüber, Schmiergeld-Mafia, Rechtsunsicherheit. Das fraß oft den Lohnvorteil auf, viele kamen wieder. Viel billiger ist der Import der Billiglöhner, auch indirekt. Die deutsche Reinigungsbranche ist in türkischer Hand, somit werden die Kosten für Reinigung für die gesamte deutsche Wirtschaft gedrückt. Der Sklaven-Import betrifft allerdings nur bestimmte Branchen. Wir tauschen teure EU-Beamte nicht gegen billige rumänische, und auch teure Dax-Vorstände werden nicht gegen bescheidenere Chinesen getauscht.

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