Ost und West (2) – Zwei Deutschlands

Felix Menzel plädierte für eine AfD, die auf benachteiligte Regionen setzen sollte, um zu beweisen, daß sie es (dort) tatsächlich besser kann.

 Gastbeitrag

Gastbeitrag

Roger Beck­amp, Land­tags­ab­ge­ord­ne­ter der AfD aus Nord­rhein-West­fa­len, setzt die Schwer­punk­te anders und sieht vor allem die Not­wen­dig­keit, eine Mit­te-Rechts-Par­tei zu bil­den, die in west­li­chen Bal­lungs­räu­men wie NRW punk­ten kann.

  1. Eine Ver­gan­gen­heit

Die Lage im Osten und Wes­ten Deutsch­lands ist in vie­ler­lei Hin­sicht unter­schied­lich, ganz vor­ran­gig ist dabei für die AfD ein Gesichts­punkt: Ver­gan­gen­heit, die nicht ver­geht. Im Osten ist die Ver­gan­gen­heit, und es geht hier offen­sicht­lich um die Jah­re des Drit­ten Rei­ches, zwar nicht ver­schwun­den, aber die­se Ver­gan­gen­heit hat „das Bedrän­gen­de ver­lo­ren, das sie für die Zeit­ge­nos­sen hat­te“.[1]

Im Wes­ten ist dies hin­ge­gen nicht der Fall, dort ist sie nach wie vor wirk­mäch­tig, gar ein ste­ter Schat­ten der Gegen­wart. Sehr tref­fend hat die­se unter­schied­li­che See­len­la­ge mit den Aus­wir­kun­gen für uns heu­te unlängst der Autor Mar­kus Vah­le­feld mit Blick auf die beseel­te Begeis­te­rung für die seit Sep­tem­ber 2015 erfolg­te Grenz­öff­nung beschrieben:

„(…) Auf­fäl­lig ist ja, dass die trei­ben­den Kräf­te hin­ter dem neu­en deut­schen Natio­nal­stolz eben jene (west­deut­schen) Gesell­schafts­krei­se und Men­schen sind, die sich bis 2015 noch in Grund und Boden schäm­ten, als Deut­sche gebo­ren wor­den zu sein. Und Scham ist bekannt­lich die Rück­sei­te des Stol­zes, speist sich aus der­sel­ben Kraft, nur das der Scham ver­wehrt bleibt, was der Stolz sich archa­isch und robust zu neh­men berech­tigt fühlt.“[2]

Die Jah­re 1933 bis 1945 wur­den im Wes­ten mit Blick auf die umfas­sen­de Nie­der­la­ge und die Mons­tro­si­tät der Ver­bre­chen lan­ge Zeit ver­drängt. Und als die poli­ti­sche Lin­ke die­se Zeit dann in den 60igern im Kampf gegen das Bür­ger­tum instru­men­ta­li­sier­te, war die­ses sprach- und wehrlos.

Manch einer ist glück­lich, im Aus­land nicht als Deut­scher erkannt zu wer­den und es ent­wi­ckel­te sich eine Ersatz-Iden­ti­tät durch Über-Iden­ti­fi­ka­ti­on mit „Euro­pa“ und selbst der dys­funk­tio­na­len EU, was sei­nen Nie­der­schlag auch in den Schwie­rig­kei­ten der EU-Wahl­kam­pa­gne der AfD fand.

Dies führt dazu, dass im Wes­ten der Igitt-Fak­tor, das Schmud­del­kind-Eti­kett, die Schwei­ge­spi­ra­le über alle Maßen wirk­sam ist. Denn sobald jemand bestimm­te Ansich­ten äußert oder Ver­ständ­nis für bestimm­te Äuße­run­gen zeigt bzw. Kon­takt mit so jeman­dem hat, wird Nähe zum Natio­nal­so­zia­lis­mus unter­stellt. Das sozia­le Stig­ma wirkt durch Asso­zia­ti­ons­ket­ten, ganz sche­ma­tisch: Rede von deut­schen Inter­es­sen oder dif­fe­ren­zier­ter Blick auf das Eige­ne = Natio­na­list = Chau­vi­nist = Nazi.

Anders im Osten, wo sich die DDR als „anti­fa­schis­ti­scher“ Staat begriff und als ideo­lo­gi­scher „Mit“-Sieger insze­nier­te.  Da man dort den Natio­nal­so­zia­lis­mus, jeden­falls auf die­se Wei­se, „bewäl­tigt“ hat­te, sind die Men­schen in den neu­en Län­dern erheb­lich unemp­find­li­cher gegen­über der Nazi-Keu­le, und lei­den nicht so unter ihrem „Deutsch-Sein“. Deut­sche Ver­gan­gen­heit wird nicht auf die natio­nal­so­zia­lis­ti­sche Herr­schaft ver­kürzt und die­se Jah­re sind schon gar nicht ste­tes Begleit­be­wusst­sein und hem­men damit gera­de nicht Dis­kus­sio­nen über Ent­wick­lun­gen der heu­ti­gen Zeit.

Die­se stark von­ein­an­der abwei­chen­den Ent­wick­lun­gen in den bei­den deut­schen Staa­ten, die hier nur ange­ris­sen wer­den kön­nen, wir­ken sich in erheb­li­chem Mas­se prä­gend aus.

Die Men­schen im Wes­ten wur­den für die natio­na­le Kata­stro­phe durch stei­gen­den Wohl­stand ent­schä­digt, die im Osten leb­ten in Man­gel, Demon­ta­ge und Unter­drü­ckung, vie­le wan­der­ten in den Wes­ten ab, bis die DDR dies mit Mau­er und Todes­strei­fen unterband.

Im Osten gab es zwei Revo­lu­tio­nen, die erfolg­lo­se, weil von der Besat­zungs­macht nie­der­ge­schla­ge­ne von 1953 und die erfolg­rei­che von 1989, bei der die Besat­zungs­macht pas­siv blieb und sich die Füh­rung der DDR nicht auf eine „chi­ne­si­sche Lösung“ eini­gen konn­te. In bei­den Fäl­len brach­ten die Revol­tie­ren­den unter Todes­ge­fahr den Mut auf, den Auf­stand zu wagen, eine Erfah­rung die dem Wes­ten fehlt.

Da die Deut­schen im Osten zwei Revo­lu­tio­nen gewagt haben, las­sen sie sich weni­ger ein­schüch­tern, zur poli­ti­schen Kor­rekt­heit zwin­gen. Dies durch­aus gepaart mit dem Wis­sen um den Ver­lust, die wäh­rend der Wen­de­zeit gera­de erst errun­ge­ne Selbst­be­stim­mung rasch wie­der ver­lo­ren zu haben, doch nicht „das Volk“ zu sein, das maß­geb­lich und direkt Ein­fluss auf sei­ne Geschi­cke neh­men kann. Die gera­de erst müh­sam erwor­be­ne poli­ti­sche Mün­dig­keit wich viel­mehr man­cher Ohn­macht und vor allem wirt­schaft­li­chen Zwän­gen im wie­der­ver­ei­nig­ten Deutsch­land.[3] Die dadurch viel­fach gebro­che­nen Bio­gra­fien, der bru­ta­le Struk­tur­wan­del und die erzwun­ge­nen Ver­än­de­rungs­pro­zes­se haben die Men­schen geprägt und sie zusätz­lich poli­tisch sen­si­bi­li­siert.[4]

Ganz anders ver­lief es im Wes­ten. Die dort weit ver­brei­te­te Scham führ­te zu einem sich wei­ter stei­gern­den Hel­fer­syn­drom, ver­bun­den mit dem Wunsch nach „Erlö­sung“. Mit maß­los über­stei­ger­ter  Frem­den­lie­be, noch exzes­si­ver nach Frau Mer­kels Grenz­öff­nung 2015, ver­sucht man die­se zu erlan­gen. Die emp­fun­de­ne Min­der­wer­tig­keit als Deut­scher soll durch hyper­mo­ra­li­sche Selbst­er­hö­hung über­wun­den werden.

Das  über­wie­gen­de Selbst­ver­ständ­nis, im „Wohl­stand“ zu leben und wegen der – für Deutsch­land vor über 100 Jah­ren – zu Ende gegan­ge­nen Kolo­ni­al­zeit ande­ren etwas zu schul­den, kommt noch hin­zu. Auch für „Kli­ma­f­lücht­lin­ge“ ist das klei­ne Deutsch­land angeb­lich ver­ant­wort­lich. Erst wenn durch die ufer­los stei­gen­den Migran­ten­kos­ten der Man­gel auch im Wes­ten noch sicht­ba­rer wird, wer­den sich die Ein­stel­lun­gen auch dort ändern. Denn bei einer wirt­schaft­li­chen Rezes­si­on wird es nicht mehr mög­lich sein, die Pro­ble­me mit Geld zuzuschütten.

Blick auf die Medien

Ein wei­te­rer wich­ti­ger Fak­tor ist die unter­schied­li­che Rezep­ti­on der vor­herr­schen­den Medi­en. Im Wes­ten hal­ten sehr vie­le Leu­te die Bericht­erstat­tung des öffent­li­chen Fern­se­hens und Rund­funks und der über­re­gio­na­len Medi­en für seri­ös, sie glau­ben was sie sehen und hören. „Nud­ging, framing, fake news“ wer­den nicht als sol­che erkannt, man iden­ti­fi­ziert sich mit den prä­sen­tier­ten Inhal­ten, hält die mani­pu­lier­ten, 4:1 oder 5:1 zusam­men­ge­setz­ten „Talk Shows“ für authentisch.

Im Osten ver­fängt dies nicht. Dort kennt man die Mani­pu­la­ti­ons­tech­ni­ken der Medi­en, dort hat man gezwun­ge­ner­ma­ßen gelernt, zwi­schen den Zei­len zu lesen. Man hör­te die Pro­pa­gan­da von „Plan-Über­erfül­lung“ und sah dann die Lee­re in den Rega­len, den Man­gel an Ersatz­tei­len und die ver­fal­len­den Häu­ser. Die Leu­te im Osten erin­nern sich noch dar­an, wie viel ver­schwie­gen, beschö­nigt und ver­zerrt wur­de. Sie sind dies­be­züg­lich auf­merk­sa­mer und las­sen sich das nicht noch ein­mal gefal­len.[5]

  1. Zwei Wirk­lich­kei­ten

Die Situa­ti­on, die die AfD antrifft ist ent­spre­chend unter­schied­lich. Im Osten kann sie sich, durch­aus über­spitzt, an einen reich gedeck­ten Tisch set­zen, es ist schon viel berei­tet. Es besteht vie­ler­orts Akzep­tanz für die vor­ran­gig har­ten The­men und auch die sprach­lich deut­li­che Her­an­ge­hens­wei­se. Hier ist es, mit Aus­nah­me grün-gen­tri­fi­zier­ter Ker­ne der gro­ßen Städ­te, kein sozia­ler Makel, sich zur AfD zu beken­nen. Hier sehen Ver­bän­de, Frei­be­ruf­ler und Unter­neh­mer kei­nem aus­ge­präg­ten Stig­ma ihrer Kun­den, Mit­ar­bei­ter und ihres Umfelds ent­ge­gen. Die AfD ist brei­ter auf­ge­stellt und tie­fer ver­an­kert und the­ma­ti­siert neben den „klas­si­schen“ The­men auch die Inter­es­sen einer gan­zen Regi­on[6], wofür frü­her eher die Lin­ke wahr­ge­nom­men wurde.

Im Wes­ten gibt es hin­ge­gen Was­ser und Brot, ohne Tisch, jeden­falls oft. Hier trifft man sich mit Unter­stüt­zern aus Unter­neh­mer­krei­sen und Behör­den in kei­nem Fall öffent­lich, es wird nicht mit Drit­ten dar­über gespro­chen. Sol­che Krei­se wer­den nur zag­haft und nur nach etwas län­ge­rer per­sön­li­cher Bekannt­schaft erwei­tert. Ver­bän­de sagen mal freund­lich, mal unfreund­lich distan­ziert, man sei noch nicht so weit für Ein­la­dun­gen zu Dis­kus­si­ons­run­den, zum „nor­ma­len“ Aus­tausch. Sach­ver­stän­di­ge für Anhö­run­gen im Land­tag sind fast gar nicht zu fin­den. Falls doch gera­ten sie oft unter Druck von Drit­ten und zie­hen sich wie­der zurück.

Dazu kom­men zusätz­lich auch die unter­schied­li­chen Lebens­ver­hält­nis­se in Ost und West, etwa dass der Anteil jun­ger Men­schen im Osten gerin­ger ist und die­se unter­durch­schnitt­lich AfD wäh­len, die Ein­kom­men pri­va­ter Haus­hal­te gerin­ger sind und gera­de auch vie­le länd­li­che Berei­che im wirt­schaft­li­chen Sin­ne abge­hängt sind bzw. sich so emp­fin­den.[7]

Die­se unter­schied­li­chen Lagen, Vor­aus­set­zun­gen, Dis­po­si­tio­nen, wie immer man es nen­nen mag, füh­ren zu den deut­lich unter­schied­li­chen Ergeb­nis­sen in Ost und West. Die­se machen die AfD im Osten fast zur Volks­par­tei und im Wes­ten ledig­lich zu einem stö­ren­den Fak­tor, der das Par­tei­en­gefü­ge bis­her zwar stark bedrängt, aber bei wei­tem kei­ne Mas­sen­ba­sis hat.

Die Ergeb­nis­se der Wahl, zuletzt zum Euro­päi­schen Par­la­ment, fie­len fol­ge­rich­tig für die AfD im Wes­ten deut­lich anders aus als im Osten. Der Osten wähl­te mas­siv AfD, der Wes­ten bis­her über­wie­gend nur ver­hal­ten. Resul­ta­te knapp über der 5% in eini­gen Gebie­ten im Wes­ten stan­den Ergeb­nis­se von über 20% im Osten gegen­über. Die unter­schied­li­chen Stimm­an­tei­le haben zu Dis­kus­sio­nen geführt und den West-Ver­bän­den wird von man­chen eine ande­re Stra­te­gie, gleich­be­deu­tend mit einer här­te­ren Gang­art nahegelegt.

Mit Blick auf die sehr ver­schie­de­nen Erfah­run­gen der Men­schen im Umgang mit der deut­schen Ver­gan­gen­heit und den Sys­tem­er­fah­run­gen in der DDR kommt es aber nicht so sehr dar­auf an, mit wel­chem Per­so­nal oder mit wel­chen Maß­nah­men sich die AfD auf­stellt. Natür­lich sind sym­pa­thi­sche Per­so­nen immer gut, ent­schei­dend ist aber, inwie­fern die Par­tei bestimm­te The­men auf­greift oder gera­de auch lie­gen lässt. Dazu gehört ganz ent­schei­dend alles, was mit den Jah­ren 1933 bis 1945 ver­bun­den ist.

Der Grund? Die his­to­ri­sche Debat­te ist ein Minen­feld. Es zu betre­ten, ist gefähr­lich. Es mit unge­eig­ne­ten und unpas­sen­den Begrif­fen zu betre­ten, kann töd­lich sein. Ich ver­wei­se inso­fern nur bei­spiel­haft auf bekann­te Fäl­le der letz­ten Jahr­zehn­te, wie Phil­ipp Jen­nin­ger im Jahr 1988[8] und Eva Herr­mann im Jahr 2007[9]. Miss­ver­ständ­nis­se, und noch viel weni­ger als das, im Zusam­men­hang mit dem Drit­ten Reich öff­nen die Ohren für Asso­zia­tio­nen, die im Hand­um­dre­hen wie eine Wahr­heit wir­ken.[10] Pro­fes­sio­nel­le Falsch­ver­ste­her wer­den schnell poli­ti­sche Blas­phe­mie wit­tern und das media­le Spek­ta­kel ist rasch zur Hand, also: Vor­sicht, man kann all­zu eilig zum Vogel­schiss der Par­tei­en­geschich­te werden!

  1. Schlußfolgerungen

Die AfD steht mit Blick auf die zahl­rei­chen Pro­ble­me, aber vor­ran­gig wegen der ange­leg­ten und bereits ein­ge­tre­te­nen mas­si­ven demo­gra­fi­schen Ver­än­de­run­gen in unse­rem Land unter Zeit­druck. Ganz anders als die Grü­nen in den 80iger Jah­ren, die Jahr­zehn­te ihren Weg gehen konnten.

Die AfD darf daher nicht schei­tern, es gibt schlicht­weg kei­ne zwei­te Chan­ce.[11] Dem hat sich alles ande­re unter­zu­ord­nen. Selbst­be­schrän­kung tut not. Poli­ti­sche Arbeit bedarf einer alten Tugend: Dis­zi­plin! Wer sein eige­nes Ver­hal­ten den stra­te­gi­schen und tak­ti­schen Not­wen­dig­kei­ten anpasst, ver­stellt sich nicht, er han­delt ver­nünf­tig. Bekennt­nis­zwang ist neu­ro­tisch, alles sofort haben wol­len ist kindisch.

„Der eine fragt, was kommt danach,

der and­re, fragt nur, was ist recht,

und also unter­schei­det sich

der Freie von dem Knecht.“[12]

„… doch lei­der hat man bis­her nie vernommen,

dass etwas recht war und dann war’s auch so!

Wer hät­te nicht gern ein­mal Recht bekommen,

doch die Ver­hält­nis­se, sie sind nicht so.“[13]

Vor dem Han­deln steht nicht die poli­ti­sche Über­le­gung, wie man es ger­ne hät­te, son­dern viel­mehr wie es ist! Vor­bei ist vor­bei, so wie die Schön­heit der „spre­chen­den Archi­tek­tur“ vie­ler deut­scher Städ­te vor dem Krieg. Das ist schmerz­haft, aber es ist so.

Aus­ge­hend von der Lage­schrei­bung unter den vor­ste­hen­den Ziff. 1 und 2 gibt es kei­nen spe­zi­fisch ost­deut­schen bzw. west­deut­schen Weg. Natür­lich gibt es Unter­schie­de, wenn im Osten Demos oder die Zusam­men­ar­beit mit Bür­ger­be­we­gun­gen funk­tio­nie­ren, im Wes­ten hin­ge­gen nicht bzw. sogar nach­tei­lig erschei­nen. Aber dar­auf kommt es nicht ent­schei­dend an, das sind Randnotizen.

Die hohen Stimm­an­tei­le der AfD in den neu­en Län­dern sind hoch­er­freu­lich, eine kri­ti­sche Grö­ße kann aber nur mit aus­rei­chen­dem Zuspruch im Wes­ten erreicht wer­den. Zur Erin­ne­rung, Nord­rhein-West­fa­len hat mehr Ein­woh­ner als alle neu­en Bun­des­län­der zusammen!

Die ver­schie­de­nen Vor­aus­set­zun­gen mit Blick auf den Umgang und die Wirk­mäch­tig­keit der deut­schen Ver­gan­gen­heit im Osten und Wes­ten sind daher nicht nur jeweils für sich gese­hen zu beach­ten. Die Asso­zia­ti­ons­ket­ten, die auf­grund angeb­lich ähn­li­cher The­men, Her­an­ge­hens­wei­sen, Begrif­fen oder was auch immer mit der Zeit des Natio­nal­so­zia­lis­mus in Bezie­hung gebracht wer­den kön­nen, sind näm­lich immer wirksam.

Sie sind nicht nur eine Gefahr für die­je­ni­gen, die sich ver­meint­lich auf bestimm­te Zusam­men­hän­ge ein­las­sen. Sie gel­ten sodann für jeden in der Par­tei, die Zurech­nung ist denk­bar weit, der Recht­fer­ti­gungs­kreis ist ufer­los. Daher gilt jeder Satz, jeder Spruch, jeder Begriff aus dem Osten auch für den Wes­ten und umge­kehrt, die AfD ist inso­fern eine Haf­tungs­ge­mein­schaft, was grund­sätz­lich auch rich­tig ist.

Bei all dem ist die ein­zi­ge Fra­ge, die sich immer wie­der stellt: Nützt es oder scha­det es der Par­tei und damit dem Land? Mei­ne Ant­wort mit Blick auf his­to­ri­sche Bezü­ge habe ich gegeben.

Der Erfolg der AfD darf unter kei­nen Umstän­den gefähr­det wer­den, dem muss sich alles ande­re unter­ord­nen. Die Siche­rung der Exis­tenz und der Effek­ti­vi­tät der Par­tei hat unbe­ding­ten Vor­rang vor allen per­sön­li­chen Befind­lich­kei­ten, vor „rei­ner Leh­re“, vor Wunsch­vor­stel­lun­gen und Versprechungen.

Sen­ti­men­ta­li­tät und Sek­tie­rer­tum sind unpo­li­tisch, und geben oft­mals nur den Geg­nern will­kom­me­ne Gele­gen­heit zum Angriff. „In Schön­heit ster­ben“ bringt nichts, es scha­det sogar. Die Par­tei muss viel­mehr anschluss­fä­hig blei­ben und als moder­ne Mit­te-Rechts­par­tei wahr­ge­nom­men wer­den, das gilt für Kom­mu­ni­ka­ti­ons­for­men, Pro­gram­ma­tik und Personen.

Die AfD ist die letz­te Chan­ce, die Deutsch­land noch hat.


 

[1] Ernst Nol­te, „Eine Ver­gan­gen­heit, die nicht ver­ge­hen will. Eine Rede, die geschrie­ben, aber nicht gehal­ten wer­den konn­te, Frank­fur­ter All­ge­mei­ne Zei­tung vom 6. Juni 1986

[2] Mar­kus Vah­le­feld, „Der gan­ze Stolz der Deut­schen“, achgut.com vom 3. Juli 2019

[3] Annet­te Simon, „Wenn Fami­lie zu sehr wärmt“, Die Zeit vom 4. Juli 2019, Nr. 28, S. 37

[4] Denk­schrift, Ers­te Ana­ly­se der Kom­mu­nal- und Euro­pa­wahl für Sach­sen-Anhalt, von Ulrich Tho­mas MdL CD und Lars-Jörn Zim­mer MdL CDU, Juni 2019, S. 5

[5] Annet­te Simon, „Wenn Fami­lie zu sehr wärmt“, Die Zeit vom 4. Juli 2019, Nr. 28, S. 37

[6] Mar­kus Weh­ner, „Die Stär­ke des Flü­gels“, Frank­fur­ter All­ge­mei­ne Zei­tung vom 13. Juli 2019, S. 8

[7] Mar­kus Weh­ner, aaO

[8] Tors­ten Krau­el, „Im ent­schei­den­den Moment folg­te er nur sei­ner inne­ren Stim­me“, Nach­ruf auf Phil­ipp Jen­nin­ger, Die Welt online vom 6. Janu­ar 2018

[9] Jörg Tho­mann, „Wie Eva Herr­mann den Fern­seh­tod starb“, Frank­fur­ter All­ge­mei­ne Zei­tung online vom 10. Okto­ber 2007

[10] Tors­ten Krau­el, aaO

[11] „Das gibts nur ein­mal“ singt Lili­an Har­vey 1931 in „Der Kon­greß tanzt“.

[12] Theo­dor Storm über Freiheit

[13] Ber­tolt Brecht, Ers­tes Drei­gro­schen­oper­fi­na­le (Über die Unsi­cher­heit mensch­li­cher Ver­hält­nis­se), Urauf­füh­rung am 31. August 1928

 Gastbeitrag

Gastbeitrag

Nichts schreibt sich
von allein!

Das Blog der Zeitschrift Sezession ist die wichtigste rechtsintellektuelle Stimme im Netz. Es lebt vom Fleiß, von der Lesewut und von der Sprachkraft seiner Autoren. Wenn Sie diesen Federn Zeit und Ruhe verschaffen möchten, können Sie das mit einem Betrag Ihrer Wahl tun.

Verein für Staatspolitik e.V.
DE86 5185 0079 0027 1669 62
HELADEF1FRI

Kommentare (30)

Der_Juergen

12. August 2019 17:41

Trotz dem unzweifelhaft Richtigen, das sich in diesem Beitrag findet: Nein! Eine solche "Alternative" braucht Deutschland nicht.

Herr Beckamp will es dem Gegner, oder präziser gesagt dem Feind, erlauben, das Terrain abzugrenzen, auf dem die politische Auseinandersetzung stattfinden darf. Ja, wer essentielle Schicksalsfragen zur Sprache bringt, betritt in der Tat ein Minenfeld, aber die Minen wurden von den Vertretern des "Systeme a tuer les peuples" (so ein Buchtitel des kürzlich verstorbenen französischen Nationalisten Guillaume Faye) gelegt. Eine ernstzunehmende Alternative für Deutschland wird sich, statt sich von den Volkszerstörern die Bedingungen für die Debatte diktieren zu lassen, Gedanken darüber machen, wie dieses Minenfeld geräumt werden kann.

Gewiss, es geht nicht über Nacht, aber jemand muss den Anfang machen. Die Herren Gauland, Meuthen, Padzerski, Jungen und Beckamp werden dieser jemand gewiss nicht sein. Ihre Vision der Alternative lässt sich, um eine Formulierung Benedikt Kaisers aufzugreifen, als "FDP 2 plus Islamkritik" definieren, und dieses Rezept garantiert den Misserfolg.

Waldgaenger aus Schwaben

12. August 2019 18:09

Da ich wohl zu den saturierten Wohlstandsbürgern im Westen mit ererbten und erworbenen Immobilien zähle, will ich kurz meinen Eindruck zur Zukunft der AfD schildern.

1. Bei der Zustimmung zur Grenzöffnung 2015 spielte die deutsche Geschichte eine sehr untergeordnete Rolle. Man sieht das auch daran, dass in anderen wohlhabenden Ländern wie der Schweiz, Dänemark oder Schweden ohne NS-Vergangenheit eine ähnliche Meinung zur Flüchtlingsthematik herrscht(e) wie bei uns.

Am besten gibt wohl ein Satz des französischen Präsidenten Hollande das Lebensgefühl vieler aus meinen Kreisen wieder:
"Das kostet nichts, das zahlt der Staat."

Nach Jahrzehnten des Wohlstands fühlt man sich vom Staat unabhängig. Die eigene Absicherung und der erworbene Wohlstand ist Ergebnis der eigenen Leistung und der der Vorfahren.

Sollen die da oben machen was sie wollen, solange sie mich nicht zu sehr belästigen. Wenn die da oben armen Menschen etwas Gutes tun wollen, warum soll ich da etwas dagegen haben.

Natürlich betrifft es einen persönlich dann schon ein bisschen. Die Steuern hätten vielleicht ohne den Zustrom aus armen Ländern etwas gesenkt werden können, und dass man der Tochter nachts das Taxi zahlen muss, weil man ihr den öffentlichen Nahverkehr nicht mehr zumuten kann - ist halt so.

"Du kommst mir vor, wie einer, der satt und vollgefressen vor einem vollen Teller sitzt und dem halbverhungerten Menschen neben sich nicht den halben Schöpflöffel gönnt, weil man den vielleicht von Deinem Teller nehmen könnte."
So sagte mal jemand zu mir - da fühlt man sich gleich als richtig schlechter Mensch.

2. Die Wähler, die die AfD mit dem Flüchtlingsthema erreichen kann, hat sie erreicht. Vielleicht bringen spektakuläre Verbrechen kurzfristig 1 bis 2 Prozent mehr, aber das verliert sich dann wieder nach einigen Wochen.

Die AfD muss sich in der öffentlichen Wahrnehmung breiter aufstellen:

- als Partei der wirtschaftlichen Vernunft. Die AfD wurde als Anit-Euro-Partei gegründet.

- als liberale Partei der persönlichen Freiheit statt staatlicher Bevormundung.

-als Partei der Wahrung der Demokratie. Den Bezug auf Willy Brandts "Mehr Demokratie wagen!" im Osten finde ich genial. Von der Forderung nach bundesweiten Volksabstimmungen hört man nichts mehr!

- als Partei des Rechtsstaats und der Gewaltenteilung.

- als Partei der ökologischen Vernunft. zur CO2 Reduktion, Kernkraft statt Kohle. Der klassische Naturschutz kommt leider in der öffentlichen Diskussion kaum mehr vor. Alle reden nur noch vom Klimawandel. Deutschland mit seinen 3% Anteil am CO2 Ausstoss kann da nicht viel dran ändern.

Niekisch

12. August 2019 18:40

"Die historische Debatte ist ein Minenfeld. Es zu betreten, ist gefährlich. Es mit ungeeigneten und unpassenden Begriffen zu betreten, kann tödlich sein."

Ja, das Betreten ist gefährlich, vielleicht sogar tödlich. Ist es aber nicht unumgänglich, die vom Feind gelegten Minen zu räumen? Er hat sie doch verlegt, weil die Hauptkampflinie für ihn zu lang ist, weil ihm Kampfmittel fehlen, weil er uns eine Falle stellen will oder weil er meint, Minen reichten für seine Absichten aus.

Da wir den Feind besiegen wollen, müssen wir durch und holen die Minenräumgeräte heraus. Sie sind modern, besitzen ein Zusatzprüfgerät mit blendfreiem Display, das jede einzelne Mine auf ihre Gefährlichkeit hinsichtlich Sprengwirkung und möglicher Strafbarkeit beim Räumen prüft, bevor sie beseitigt wird. Das ist eine komfortable Situation gegenüber früheren Zeiten, wo hin und wieder noch auf dem Boden kriechend von Hand geräumt wurde, durch den Sieger auch mit Gefangenen oder Zivilisten, die ohne Rücksicht auf Opfer durch die Minenfelder gejagt wurden.

Wir hingegen gehen aufrecht, haben Spezialisten und die modernsten Räummittel. Warum also nicht ins Minenfeld? Warum nicht räumen? Spricht nicht einiges dafür, daß gerade der direkte Weg durchs Minenfeld zwar gefährlich, aber erfolgversprechend ist? Daß er dem Feind am ehesten das Genick bricht?

Vielleicht werden einzelne von uns geopfert, aber die Kampfgruppe kommt durch. Verwundete werden wir versorgen, Tote bergen und würdig bestatten.

Wagen wir den Versuch nicht, dann leben wir jetzt und sterben später auch in Schande.

HomoFaber

12. August 2019 22:38

“Man sieht das auch daran, dass in anderen wohlhabenden Ländern wie der Schweiz, Dänemark oder Schweden ohne NS-Vergangenheit eine ähnliche Meinung zur Flüchtlingsthematik herrscht(e) wie bei uns.”

In Variationen ist dies ein oft bemühtes Argument. Mindestens ebenso schlüssig ist aber die Annahme, daß die deutsche Vergangenheit auf jeglichen “weißen Nationalismus” ausstrahlt. Überall in Europa bzw. der europiden Welt. Besonders aber natürlich auch in der Schweiz und in Schweden. Vielleicht ist dies besser zu verstehen, wenn man den WK2 als Bürgerkrieg der Ideen begreift.

micfra

12. August 2019 23:26

"Die hohen Stimmanteile der AfD in den neuen Ländern sind hocherfreulich, eine kritische Größe kann aber nur mit ausreichendem Zuspruch im Westen erreicht werden."
Ich kann dieses westdeutsche Geheule nicht mehr hören! Die mitteldeutsche AfD wird sich dem westdeutschen Führungsanspruch nicht mehr unterwerfen, es sei denn, dass sie ihren Anspruch durch Führungsstärke und eigene Erfolge untermauern können. Mathematische Beispielrechnungen werden dafür nicht reichen.

Schenkendorff

12. August 2019 23:27

Ganz so einfach ist es ja nicht, verehrter Niekisch. Minenfelder pflegen bewacht zu werden. Hier mindestens von der Systempresse. Eine Mine ist gerade Herrn Tönnies um die Ohren geflogen. Und ob wir da die Spezialisten haben? Die erfahrenen, mit dem Super-Duper-Ortungsgerät - die mit der 180- Grad-Wende? Diese Mine hat uns alle erwischt. Ihre Weise des Minenräumens dauert zu lange, Zeit, die wir nicht haben - Herr Beckamp erwähnte es. Das kann man machen, wenn man das Gelände erobert hat, und dann geht es auch schneller. Also das Minenfeld umgehen, es ist genug Gelände da, auf das Feld braucht man sich nicht locken zu lassen. Ich verstehe diese Sucht nicht, unbedingt Minen räumen zu wollen. Das ist als Pionierdienst zwar für alle Truppen, aber doch nur Kampfunterstützung. Der Kampf selbst wird anders und mit anderen Mitteln geführt. Mit anderen Worten: Es ist aktuelle Polöitik, an der sich die AfD zu bewähren hat. Sie hat Antworten auf die Sicherheitsfrage, die soziale Frage und die Lage an den offenen Grenzen zu geben, daran wird sie gemessen, nicht an Stellungnahmen zu vergangenen Dingen. So werden Stimmen gewonnen. Die Schulbücher sind am Ende dran.

Laurenz

13. August 2019 04:21

Herrn Beckamps Artikel teilt sich in 2 Teile auf. Der erste Teil, bezugnehmend auf das III. Reich, ist fürchterlich. Entweder man debattiert diese Geschichte gar nicht, weil man, wie Herr Höcke, nur unzureichend gelernt hat, diesen Teil unserer Geschichte öffentlich zu debattieren oder man nutzt sie, wie Herr Gauland, um mit Vogelschiß Aufmerksamkeit zu erzwingen. Hat hier wer jemals Frau Le Pen oder Herrn Salvini die Vergangenheit des Krieges debattieren hören? Die dritte Option ist, die Debatte klug und abseits Deutschlands zu führen? Dieser Teil 1 des Artikels ist insofern entlarvend, weil der Mangel an globaler kultureller Kompetenz, als Synonym der Multi-Kulti-Gesellschaft offensichtlich wird. Mark Steyn formulierte das in etwa so: "The multi-cultural society agrees to know nothing about anything." Auch Herr Beckamp scheint ein Kind dieser doch in Europa recht neuen Gesellschaftsform zu sein.

Alliierte - und Achsenmächte - Kriegspropaganda arbeitete in erster Linie dort, wo Staaten am 1. und 2. Weltkrieg beteiligt waren, um die Kriege jeweils vor der eigenen Bevölkerung rechtfertigen zu können. Außer Acht gelassen wurden Teile des Orients, Afrika, Südamerika und Asien, wobei sich der australische Kontinent mit seinen dort lebenden Underdogs heutigen Tages in der Abhängigkeit der asiatischen Konjunktur befindet, und der Commonwealth nur noch Reminiszenz an vergangene Zeiten darstellt. Die Bevölkerungen der ehemaligen Kolonien sind von einem westlich geprägten Geschichtsbild völlig unbelastet. Vielmehr ist es doch so, daß heutige "Schurkenstaaten" (zB BRICS und ähnliche) sich sehr wohl bewußt sind, wie Geschichte-machen funktioniert, aktuell ersichtlich an der Anti-China-Kampagne des Spiegleins bezüglich Hongkongs, der gescheiterten Linder-China-Reise etcetc.

Von Persien bis Japan ist das historische Deutschland-Bild ein ganz anderes, es wäre sogar schwer, das ehemalige Schurkenstaat-Image Deutschlands auch nur gelinde zu verkaufen, waren doch die Kriegsgegner Deutschland diejenigen, die Asien folterten, auch  massiv noch nach dem 2. Weltkrieg. Und Herr Beckamp, in Ostasien spielt zukünftig die Musik. Und dort bleiben west-alliierte historische Befindlichkeiten weitestgehend unberücksichtigt. Der asiatische Weltmarkt mit an die 4 Milliarden Menschen ist nicht mehr aufzuhalten, und hat sich zumindest der staats-ökonomischen Politik durch Deng Xiaoping dem historischen Deutschland vollkommen zugewandt.

Und warum soll dann aus einem asiatischen Geschichtsbild heraus in der permanenten historischen Aggression des Westens (ab Vasco da Gama und Ferdinand Magellan), Deutschland in denselben Boot sitzend, eine Ausnahme darstellen? Meinen Sie die Chinesen haben auch nur einen Deut brutaler westlicher Politik vergessen? Gewiß nicht.

Japan hatte es natürlich in der kurzen Neu-Zeit seiner Expansion mit westlichen Folter-Gepflogenheiten übertrieben. Aber im Grunde ist jeder Asiate stolz auf die Japaner, weil diese die ersten waren, die eine asiatische Gleichwertigkeit mit dem Bewohnern der westlichen Hemisphere vor und nach dem Kriege herstellten.

Das von Ihnen benannte Ausnutzen des Schuldkomplexes durch die Alt68er und das Schweigen der Konservativen dazu, basiert doch nicht auf Blödheit, sondern auf Angst vor unseren "Freunden". Niemand kann ein Nachlassen des Schuldkomplexes verantworten, wenn er nicht die ausstehenden Reparationsleistungen bis 2030 gefährden will. Denn wieso sollen Sie, Jahrgang 1975, noch dafür aufkommen wollen? Außer den Vereinbarungen Adenauers und de Gaulles existiert auch keine tatsächliche materielle Begründung dafür, daß Deutschland permanenter Netto-Einzahler in die EU ist. Selbst der am meisten unterbelichte Alt-Sozi weiß und proklamiert die EU-Solidarität Deutschlands als Friedensmodell. Bonaparte nannte das noch Tribut für Nicht-Krieg, (was einem sozial-schwachen deutschen Rentner aber nur schwer zu vermitteln ist). Solange die USA Weltmacht sind, können sie keinen deutschen Sieg in einem inner-europäischen Konflikt zulassen. Aber was interessiert das die AfD angesichts der globalen Machtverschiebung und eines geo-strategisch wertlosen Süd-Europas?

Auch ein Herr Putin sicherte sich wider besseren Wissens die Gefolgschaft des Altenteils seiner Bevölkerung. Um keinen Ärger zu provozieren, schloß er die sowjetischen Archive. Denn Er wollte auch die einzige Errungenschaft der Sowjetunion, neben Gagarin, den Sieg im Großen Vaterländischen Krieg den heutigen Russen nicht auch noch wegnehmen.

Zu Teil 2 des Beckamp-Artikels ist die Analyse zwar nicht ganz so mißraten, aber aufgrund Teil 1, insgesamt betrachtet, falsch. Für den ehemaligen Bürger der DDR war der real-sozialistische Nazi-Militarismus als Ersatz-Religion schnuppe, sondern er kämpfte im wesentlichen um persönliche Freiheit, Reisefreiheit und um eine werthaltige Währung. Wieso sollte in der DDR jemand zugunsten der privilegierten Kontrollinstanzen arbeiten? Machen Sie Sich mit den Fakten bekannt. In einem 14 Mio. Einwohner-Staat waren von den Besten der Besten 250.000 Mann bei der NVA, 50.000 bei den Grenztruppen, 50.000 in den Betriebskampfgruppen, 160.000 Angehörige der Volkspolizei, 91.000 hauptamtliche Mitarbeiter und +-150.000 inoffizielle Mitarbeiter der Staatssicherheit. Das waren 700.000 Privilegierte, die nichts produzierten und Maulaffen feilboten. Die Führung der DDR gab 1989 deshalb klein bei, weil man ihr in einem Papier non grata seitens der Bonner Bundesregierung Straffreiheit zusicherte. Nur Erich Mielke mußte sich wegen seiner Polizistenmorde 1931 verantworten. Aber natürlich riskierten viele Bürger der DDR ihr Leben, wenn sie sich auf Demos blicken ließen.

Und keiner der älteren Ex-DDR-Bürger hat Lust darauf im verengten Meinungskorridor der heutigen BRD die DDR wieder durch die Hintertür eingeführt zu sehen, ob es nun um Meinungsfreiheit oder eine Aluhut-Währung geht. Und er hat ebensowenig Lust als Indigener in die Röhre zu schauen, und seine Papiere auf dem Einwohner-Meldeamt selbst bezahlen zu dürfen, wenn die Invasoren diese geschenkt erhalten. Wer sich ein mobiles Telefon leisten kann, kann auch neue Papiere bezahlen. Die Betreuung minderjähriger Invasoren kostet im Monat über 6.000 Euro. Welches deutsche Pflege-Kind hat solch einen Satz zu Verfügung?

Von daher ist der begrenzte Erfolg der AfD im Westen nur auf die Saturiertheit der Bürger zurückzuführen. Nur wer materiell abhängig etwas zu verlieren hat, fürchtet gesellschaftliche Ausgrenzung. Daher ist es die falsche Taktik, still halten zu wollen. Ziel eines jeden AfD-Kommunal-Politikers muß es sein, gesellschaftliches Gast-Prekariat in die gesellschaftlich relevanten Wohngebiete zu bringen, auch wenn es das eigene ist. Nur die persönliche Betroffenheit des arg föderalen deutschen Wählers bringt uns Wahlerfolge.

Was Disziplin und Professionalität im Umgang mit Medien und der Öffentlichkeit angeht, so stimme ich Ihnen, Herrn Beckamp voll und ganz zu. Aber dazu sollte die Partei gerade Mandatsträgern Schulungen verordnen, die Talentierten sind überschaubar. Aber es kann nicht sein, daß wir zu einer konturlosen Angleichung an die neue Nationale Einheitsfront kommen. Wir müssen nicht nur in Regierungsverantwortung besser sein, als die verschlafenen Penner und Politik-Statisten der Berliner Junta. 

Jan

13. August 2019 08:04

"Die Wähler, die die AfD mit dem Flüchtlingsthema erreichen kann, hat sie erreicht. Vielleicht bringen spektakuläre Verbrechen kurzfristig 1 bis 2 Prozent mehr, aber das verliert sich dann wieder nach einigen Wochen."

Das hat man von den Grünen in Bezug auf Klima/Umwelt auch gedacht. Vor zwei Jahren standen sie in den Umfragen zweitweise bei 6%, heute bei 25%. Die meisten Stimmen bekommt derjenige, der in der Öffentlichkeit bzw. den reichweitestarken Autoritätsmedien (ARD/ZDF, Spiegel, Stern, FAZ, SZ, Bild, Welt usw.) die Deutungshoheit besitzt und damit gesellschaftsfähig ist.

t.gygax

13. August 2019 08:14

@Laurenz
"Von Persien bis Japan ist das Deutschlandbild ein ganz anderes"
Ich habe mich schon oft übern Herrn Laurenz hier geärgert, seine Formulierungen sind oft unerträglich, aber in diesem Punkt hat er absolut Recht. Genau so verhält es sich, und es stimmt mich froh, wenigstens einmal eine Übereinstimmung mit Herrn Laurenz zu sehen. Und als Ergänzung: in Süd - und Mittelkamerika sieht das auch ganz anders aus, aber das kapieren die Menschen, die uns regieren, nicht.
Bemerkung eines deutschen Studenten, der bei VW in Mexiko arbeitete: " meine Güte, so was gibt es doch gar nicht-sage ich, dass ich Deutscher bin, dann werde ich überall eingeladen, aber Amerikaner sind in Mexiko verhasst"
Was in Paraguay, Chile und Argentinien auch nicht anders sein dürfte.......
Interessant auch die Bemerkung einer usbekischen Studentin, die in Deutschlabnd studierte, mir gegenüber im Jahre 2017. " wir achten die deutsche Kultur sehr, an meiner Schule haben wir Goethes "Faust I" gelesen, der gehört zum Lehrplan".
Hier in D erlebe ich dagegen Studenten, die gar nicht wissen, wer Goethe war, und das sind Deutsche. Ein Jammer-aber ich steuere unverzagt dagegen, soweit es möglich ist. Ein Gedicht wie der "Zauberlehrling" fasziniert auch junge BWL und Ingenieursstudenten.

MARCEL

13. August 2019 09:22

Zwei notwendige, erhellende Beiträge! Vielen Dank.
1989/90 war der "Lange Marsch durch die Institutionen" der Linken im Westen weitgehend abgeschlossen, da geschah die Wende im Osten!
Die Brandanschläge gegen Türken in den 90igern haben überdies viele westliche Zeitgenossen propagandistisch an Multikulti festgenagelt. Schon damals ging ein erster Riß durch West-Ost.
Das Bedrohliche wird besonders im Westen nicht erkannt. Hier verhalten sich viele gleichsam wie Tiere im Zoo, die ihre Freßfeinde nicht kennen.
Was jetzt geschieht hat ein Gschmäckle von Revanche (mindestens).

Niekisch

13. August 2019 10:48

"Die Schulbücher sind am Ende dran."

@ Schenkendorff 12.8. 23:27: Stimmt schon, denn erst müssen die Kultusministerien besetzt sein, um den Stoff zu wandeln. Am Anfang aber sind unsere Kinder und Enkel dran, die systematisch in induziertes Irresein infolge Dauergehirnwäsche versetzt werden. In dieses Minenfeld müssen wir. Die AfD kann es unter ihrem fast schon vergessenen Motto "Mut zur Wahrheit" parallel zur öffentlichen Arbeit machen, indem qualifizierte Leute die Schulen, Volkshochschulen, Universitäten unsicher machen, für die außerparlamentarische Opposition gilt es im Rahmen der Metapolitik ohnehin.

Ohne Wahrheit keine Freiheit!

RMH

13. August 2019 11:18

"Herrn Beckamps Artikel teilt sich in 2 Teile auf. Der erste Teil, bezugnehmend auf das III. Reich, ist fürchterlich."

Dieser Feststellung möchte ich mich anschließen. Als ob die "Nazikeule" alles erklärt oder die Ursache allen Übels sei. Das ist mir - mit Verlaub - erkennbar zu einfach gestrickt. Der deutlichen Mehrheit der Bevölkerung sind die berühmten 12 Jahre doch mittlerweile eher egal - man sagt halt nichts, weil es einen eh nicht interessiert und wenn man was sagen sollte, könnte man Nachteile haben, also lässt man es von vorneherein. Wenn der Staat einen hier zu irgendwelchen Statements/ Commitments etc. nötigt, dann kommt das bei der Mehrheit der Bevölkerung einem Fahnenappell in der DDR kurz vor dem 09.11.1989 gleich. Man nimmt halt teil, aber innerlich geht es einem am Allerwertesten vorbei oder man schaut währenddessen mal dezent aufs Smartphone und checkt seine WhatsApp Nachrichten ... (Lehrer, die entsprechende Staats-Propaganda gerade unter das Schülervolk bringen müssen, können das bestätigen). Irgendwie hat man ja auch selbt bei Frau Merkel bei entsprechenden Anlässen den Eindruck, dass ist halt so Zeug, dass sie jetzt genau so runter betet, wie sie das einstmals als Agit-Prop Sekretärin der FDJ gelernt hat bzw. auch gemacht hat. Glaubenseifer, wie bei manchem Medienvertreter, erkennt man zumindest keinen.

Insofern nimmt man - insbesondere, wenn man so fast schon monokausal argumentiert, wie Herr Beckamp - viel zu sehr dieses Kampfmittel der Gegenseite an und lädt es damit mit eigener "Energie" auf, statt es als das zu nehmen, was es faktisch ist, nämlich in 99 bis 100% aller Fälle in Bezug auf den konkreten Anwendungsfall eine glatte Themaverfehlung und ein Ablenkungsmanöver. Wer die aktuellen Themen beackert, dem können die 12 Jahre gleich sein. Dies wurde auch Herrn Höcke sicherlich mehr als einmal ins Gebetbuch geschrieben und er scheint sich - so wie es auf den ersten Blick aussieht- daran offenbar auch zu halten.

Ab Teil 2 kann ich wiederum zu größeren Teilen Konsens erklären, insbesondere die Schilderung zum Medienkonsum und die Beeinflussung dadurch ist meiner Meinung nach durchaus zutreffend. Für die meisten >50 (und das sind ja die Hauptwähler der AfD bzw. potentiellen Wähler) in den alten Bundesländern gehört der Bezug der Tageszeitung und das tägliche Lesen derselben einfach dazu, die knapp unter 50-Jährigen halten den Spiegel, das Tabloid für Akademiker oder sonstige, die sich für irgendwie Gescheiter halten, nach wie vor für irgendwie maßgeblich ... was soll man dazu noch sagen?

"Die Partei muss vielmehr anschlussfähig bleiben und als moderne Mitte-Rechtspartei wahrgenommen werden, das gilt für Kommunikationsformen, Programmatik und Personen."

Diese Forderung findet wiederum meine Zustimmung.

Waldgaenger aus Schwaben

13. August 2019 16:23

@HomoFaber
Die Grenzöffnung ab 2015 wurde kaum mit den berüchtigten zwölf Jahren begründet. Wenn schon "Schuld und Sühne" als Begründung angeführt wurden, dann in der Form:
"Wir" sind für die Kriege verantwortlich, "wir" liefern Waffen, "wir" stützen korrupte Regierungen in der Dritten Welt, "wir" beuten aus, etc. Alles Sünden aus der Gegenwart.

Doch das Hauptargument war: Uns es geht so gut, wir können anderen helfen und mittelfristig sogar noch davon profitieren, weil direkt benötigte Arbeitskräfte zu uns kommen.

Anderen helfen ohne Kosten, wahrscheinlich sogar noch am Ende selber davon Nutzen haben - wer will da dagegen sein? Außer Rassisten und Nazis?

@Jan

Die Grünen haben ganz geschickt diese Argumentation auf die Klimarettung übertragen. Figuren wie Renate Künast, die mit Leichenbittermiene Verzicht verlangten, wurden abserviert, nachdem die Grünen 2017 nur 8,6% erreichten.

Es kamen die stets gut gelaunten Annalena und Robert, die uns verkünden, dass wir die Welt vor der Klimakatastrophe retten können - ohne Kosten, sogar noch mit Profit, weil die Welt deutsche Technik begehren wird, wenn bei uns erst mal alles gut läuft und die Welt erst mal die Höhe der Einsicht der deutschen Grünen erreicht hat, was angesichts der Klimakatastrophe nicht mehr lange dauern kann.

Doch wo Gefahr ist, das wächst das Rettende.
Wer mal sehen und hören will, wie miserabel die AgitProp-Truppe inzwischen ist, tue sich das im achgut-Artikel verlinkte youtube-Video an.
https://www.achgut.com/artikel/die_demokratie_ist_weiblich

Lange kann die Volksverdummung nicht mehr funktionieren, wirklich.

Niekisch

13. August 2019 18:00

"Wer die aktuellen Themen beackert, dem können die 12 Jahre gleich sein."

@ RMH 13.8 11:18: Stößt nicht der Pflug dabei nahezu immer unmittelbar oder wenigstens mittelbar auf die 12 Jahre, die zudem viele weitere Jahre Vorlauf hatten?

nom de guerre

13. August 2019 18:12

Was die 12 Jahre angeht: Wäre die Reaktion des Mainstreams auf die mit der Vergangenheit in keinem Zusammenhang stehenden Positionen der AfD wirklich eine andere, wenn es bspw. gewisse Äußerungen von Herrn Höcke nie gegeben hätte? Sarrazins Ansichten sind „voll Nazi“ und einem Herrn Stürzenberger wird bei seinen Auftritten quasi routinemäßig „Nazi“ entgegengerufen. Nur: Beide dürften in Bezug auf das Dritte Reich ziemlich mainstreamig eingestellt sein – jedenfalls ist mir nichts Gegenteiliges bekannt.

Hinsichtlich der Blauäugigkeit, mit der sehr viele Westdeutsche GEZ-Medien und überregionale Zeitungen rezipieren, teile ich allerdings (leider) die Analyse des Autors. Ein weiterer Punkt ist aber, dass die AfD immer noch sehr häufig als 1-Thema-Partei wahrgenommen wird – eine Erweiterung des Themenspektrums (bzw. deren wirksame öffentliche Kommunikation) erscheint mir daher dringend notwendig, wobei ich mich inhaltlich weitgehend @Waldgänger anschließe.

Der_Juergen

13. August 2019 19:50

@Lorenz

Wie @t.gygax habe auch ich mich schon unzählige Male über Ihre Beiträge, oder zumindest gewisse Passagen darin, geärgert, aber diesmal treffen Sie ins Schwarze (ausser mit der törichten Behauptung, die UdSSR könne ausser auf den Sieg im 2. Weltkrieg und Gagarin auf nichts stolz sein - und was ist mit dem Schach, dem Ballett, dem Theater etc.?).

Ja, ausserhalb der westlichen Welt ist das Deutschlandbild positiv, und die antideutsche Propaganda greift dort nicht. ...

@Schenkendorff

Ich kann Ihre Argumentation nachvollziehen, stehe hier aber auf der Seite von @Niekisch, der mit ganz ähnlichen Argumenten operiert wie ich. Sie wollen das Minenfeld umgehen und den Rest des Geländes besetzen, um das Minenfeld anschliessend räumen zu können, doch wie gelingt Ihnen diese Besetzung, wenn die grosse Mehrheit der Deutschen sich mit Klauen und Zähnen dagegen wehrt, weil die Lügenpropganda ihnen die Selbstachtung und den Selbsterhaltungstrieb genommen hat? Wer Deutschland retten will, muss den Stier früher oder später bei den Hörnern packen. Dies hat Höcke bisher ansatzweise, aber eben nur sehr ansatzweise, getan und wurde dafür von Teilen seiner eigenen Partei wüst attackiert.

RMH

14. August 2019 09:39

"Stößt nicht der Pflug dabei nahezu immer unmittelbar oder wenigstens mittelbar auf die 12 Jahre, die zudem viele weitere Jahre Vorlauf hatten?"

@niekisch,
natürlich habe Sie damit ein Stück weit recht und ganz umschiffen kann man die Themen selbstverständlich nicht immer - auf der anderen Seite kann man dann, überspitzt formuliert, aber auch bei wirklich jedem Thema leicht beim Sündenfall von Adam und Eva landen. Ich möchte daher an das Bild anschließen, welches ich in meinem ersten Beitrag in dieser Debatte gezeichnet habe.

Es besteht immer die Gefahr, dass man die Waffe des Gegner mit eigener Energie auflädt und damit in ihrer Wirksamkeit mindestens erhält, wenn nicht gar verstärkt.

Die berühmten 12 Jahre befinden sich eigentlich und ganz natürlich in einem kontaminierten Gebiet und einer Art von Abklingbecken, gefüllt mit brauner Gülle und allen möglichen Brocken, Bruchstücken, Resten, Artefakten und Ruinen. Normalerweise würde sich - spätestens, wenn die Generationen, die damals gelebt haben, verstorben sind - sich irgendwann mal einer in aller Ruhe und mit der gebotenen Sorgfalt die darin liegenden Brocken anschauen, um zu sehen, was da wirklich war, ist etc.

Wir erinnern uns: Beim WK I hat es an die 100 Jahre gedauert, bis die offizielle Geschichtsschreibung gewisse Korrekturen zugelassen hat.

Die Gegenseite tut aber nun alles, damit es nicht zu einem Abklingen kommen kann, sie kocht die braune Brühe regelmäßig auf, hält den Reaktor damit am Leben, zieht daraus eigene Energie, was bei manchem bekanntermaßen soweit geht, dass er davon ziemlich gut leben kann, lädt damit ihre Wasserspritzen und versucht jeden - ob der Anlass nun irgendwie passend ist oder nicht, ist dabei egal - mit dieser Sauce anzuspritzen und damit zu besudeln.

Das jüngste Bild "Der Anbräuner" von Neo Rauch (war bereits Thema hier bei SiN), gibt einen guten, verdichtenden künstlerischen Eindruck davon.

Wenn man nun selber ständig freiwillig in dieser Brühe taucht, weil man hofft, darin irgendetwas zu finden, was die Brühe klarer werden lässt, als sie auf den ersten Blick erscheint, dann führt man dieser Brühe regelmäßig eigene Energie zu, hält sie warm und reaktionsfähig, rührt sie auf, so dass es auch zu keiner Sedimentierung, Abschichtung, Kühlung und damit auch Klärung kommen kann.

Wie auch immer: Wie jedes Bild, hat auch dieses von mir in aller schnelle entworfene Bild sicher seine Fehler, aber zusammengefasst ist meine Botschaft: Die Zeit wird kommen, wir können sie nicht beschleunigen und man muss immer aufpassen, ob man durch ein Einlassen auf solche Diskussionen, dem anderen unfreiwillig eine größere Wirkmacht zukommen lässt, als ihm objektiv und auch im Sinne Deutschlands, zusteht. Seien wir alle wie Lotosblätter, an denen solcher Schmutz, mit dem uns die Gegenseite "anbräunen" will, in aller Natürlichkeit und Selbstverständlichkeit einfach abperlt. Zum Lotusblatt kann man aber erst werden, wenn man weiß, was der Gegner eigentlich will - nämlich gerade kein Andenken und Erinnerung in Würde an die Opfer dieser Zeit - sondern schlicht und ergriffen Instrumentalisierung als Mittel zum Zweck.

Evtl. geht in eine ähnliche Richtung (ich hätte das "offending word" "Sektierertum" hier nicht verwendet) auch der Satz von Beckamp:

"Sentimentalität und Sektierertum sind unpolitisch, und geben oftmals nur den Gegnern willkommene Gelegenheit zum Angriff. „In Schönheit sterben“ bringt nichts, es schadet sogar."

Andreas Walter

14. August 2019 09:52

Sobald man das böse Spiel als Teil des Ganzen begreift ist man auch nicht mehr so schockiert davon. Man geht dann gelassener damit um, mit einem gewissen Abstand, einer Art höflicher Ignoranz. War da was? Hörte ich da eben ein mir so sonderbar vertrautes Rascheln? Oder war es doch nur der Wind? Es war sicher nur der Wind, oder womöglich alles nur Einbildung.

Heute lese ich bei der NZZ, dass die Assistentin von Epstein eine der Töchter des ehemaligen britischen Medienmoguls Robert Maxwell ist.

https://www.nzz.ch/panorama/nach-dem-suizid-von-jeffrey-epstein-rueckt-seine-gehilfin-in-den-fokus-doch-niemand-weiss-wo-sie-ist-ld.1501709

Lustigerweise hatte ich sofort einen ersten Gedanken, als ich die Überschrift las, und das sogar noch bevor ich erfuhr, wer ihr Vater war. Argentinien war es allerdings nicht, daran denkt man erst später, wenn man ein wenig in den Gedanken blättert, in der Geschichte. Eine, die man allerdings kennen muss, was die meisten ja nicht tun. Manche aber auch deshalb vielleicht gar nicht kennen lernen wollen. Weil sie sie womöglich bereits ahnen, allein das Rascheln auch schon seltsam finden. Da ist nichts, alles nur Einbildung. Sagen sich darum viele. Wieder und wieder, allein schon aus Furcht.

Laurenz

14. August 2019 11:17

@nom de guerre & Niekisch &
Waldgaenger aus'm Ländle .....

Die Bezugnahmen auf Ihre 12 Jahre sind meist unglücklich. Natürlich kann man, wie Herr Gauland, Aufmerksamkeit erzwingen, wenn man in den Medien als politische Kraft wieder mal ignoriert wird, und diese Medien hüpfen ja auch ausnahmslos über's Stöckchen, wie die dümmste Töle aus Berlin. Herr Pawlow würde vor Freude täglich Parties schmeißen.

Mir persönlich, ob in Talk-Schauen oder in Interviews (zB Sommerinterview mit Herrn Meuthen), sind die AfD-Granden immer nicht aggressiv genug, befinden sich zu oft im Rechtfertigungs-Modus, deutsche Kinder Ihrer Zeit. Grundsätzlich gilt, wer blöde Fragen stellt, riskiert blöde Gegenfragen. Gegenfragen sind die besten Antworten auf Themen, die nicht unsere/meine sind.

Und ganz egal jetzt, wie jemand die 12 Jahre historisch einschätzt, so muß niemand, der im Kriege Kind war oder danach geboren wurde, sich rechtfertigen. Alle diejenigen, die das trotzdem tun, sind viel mehr Nazi-affin als diejenigen, die das nicht tun. Alle Medien, die ehemaligen alliierten Medien noch viel mehr als deutsche, die fast täglich Herrn Hitler aus dem Reich des Bösen wiederauferstehen und lebendig werden lassen, sind mit einer Art Haßliebe mit ihm verbunden, weil sie ohne ihn ein nichts und niemand sind. Genau das muß man diesen Nazi-affinen Leuten, meist Linke, auch mitteilen.

Am besten waren die DDR-Anti-Faschisten-Faschisten darin, sich faschistisch anti-faschistisch darzustellen. Da bleibt, wie Herr Tichy oder Herr Reitschuster desöfteren bemerken, Komödianten und Kabarettisten wahrlich nichts über. Auch heute wären ein Loriot und Dieter Hildebrandt wieder arbeitslos.

Aus historischen Gesichtspunkten, und das hat Herr Gauland propagandistisch natürlich arg verkürzt ausgedrückt, ist diese Haßliebe unangemessen. Eine damalige industrielle Großmacht, wie Deutschland mit 70 Mio. Einwohnern (inklusive Österreich) spielte tatsächlich nicht die Rolle einer Weltmacht, wie damals Britannien, die USA oder die Sowjetunion. Selbst Frankreich war nach Zahlen eine mächtigere Großmacht als das III. Reich und investierte selbst 1938 noch mehr in das Militärbudget als das Reich.
Solange das aber, selbst in Historiker-Debatten, nur ideologisch-religiös behandelt wird (& wie Herr Kubitschek das wortmächtig formuliert:) nur auf Debatten-Simulationen hinausläuft, brauchen wir uns doch darauf gar nicht einlassen. Denn diese Hitler-Messias-Teufels-Debatten dienen in ihrem Zweck doch nur dazu, zu verbergen, was die Weltmächte in dieser Zeit der 12 Jahre global, auch gegenüber Deutschland, unternahmen. Der verengte Blick, die Welt auf das kleine III. Reich in den Tunnel zu zwängen, löst sich sofort auf, wenn man den Blick darüber hinaus weitet und es reicht, den Blick von der 2. Reichsgründung bis zum heutigen Tag als Ereignisabfolge wahrzunehmen, um korrekte politische Einschätzungen vorzunehmen. Natürlich sind Herrn Gaulands 1.000 Jahre deutsche Geschichte provokanter in der Formulierung.

Solange der deutsche Staat es juristisch allerdings ablehnt, historische Dispute in Gerichtsprozessen nicht wissenschaftlich, sondern religiös a la Inquisition zu führen, brauchen wir uns mit Fragen über das III. Reich öffentlich nicht weiter auszulassen. In Hessen sagen wir, da kommt so viel bei raus, wie, wenn man einen Ochs' in's Horn petzt. Und was haben wir denn schon tatsächlich vom Recht haben wollen?

Da macht es doch viel mehr Sinn in der historischen Debatte, um den Bezug zu heute herzustellen, zB die Frage zu stellen, warum Britannien und die Sowjetunion 1941 in Persien einmarschierten? Waren da auch böse Nazis? Ja. pöse Öl-Nazis, deren Verbrechen es war, Geld für ihr Öl zu wollen.
In den Historiker-Debatten-Simulationen werden ja deswegen auch diejenigen, welche diese kontrovers führen könnten, nicht eingeladen, das ist wie beim UNO-Klima. Und solange die UNO-Sponsoren mehr Geld haben, als ihre politischen Gegner, bleibt nur das Netz, um dagegen zu halten.

Demzufolge habe ich Herrn Höcke und manch andere, mehr unbekannte AfDler nie verstanden, warum sie sich auf derartige Debatten aus unserer 12-jährigen Vergangenheit eingelassen hatten. Da war Herr Höcke auch nicht besser als die AfD-Liberalen, die meinen, sich anbiedern zu müssen. Schon der Versuch ist zwecklos und zeigt nur Schwäche. Mit Linken leben und reden funktioniert nur dann, wenn wir die Themen bestimmen, und nicht die Linke. Daß linke Verbrechen nicht ernst genommen werden, ist ein Witz der Geschichte, denn außer linken Verbrechen, existiert ja gar keine linke Geschichte. (Das könnten sich auch manche christliche SiN-Forumsteilnehmer hinter die Ohren schreiben.)

Solange wir jedenfalls einen Obama zum Kirchentag einladen, Herr Fischer mit der bekennenden Völkermörderin Madeleine Albright Beratungsfirmen führen darf, erübrigt es sich doch in die Vergangenheit hinein moralisieren zu wollen. Gerade hier kommen die oppositionellen linken Blogs von Albrecht Müller und Ken Jebsen, durch deren Ganserismus, häufig zu falschen politischen Schlußfolgerungen, die sich daneben real-politisch auch nie durchsetzen lassen. 

@t.gygax & Der_Juergen

(Der_Juergen) Zitat- und was ist mit dem Schach, dem Ballett, dem Theater etc.? -Zitatende

Ganz einfach, das sind Überbleibsel aus dem Zarenreich und haben nichts mit der Sowjetunion an sich zu tun. Sozialistische Kunstschaffende der Sowjetunion selbst, lebten auf dem tödlichen Grat des Links- und Rechtsabweichlertums und sind heute bis auf Michalkow und Alexandrow vergessen. Gut nachzulesen im Buch von Simon Sebag Montefiore, Stalin: The Court of the Red Tsar. 

Ich freue mich natürlich, wenn wir Sichtweisen teilen können, das schafft Gemeinschaft. Wir gehen ja nicht nur zum Spaß auf SiN. 

Bei der Beurteilung meiner Beiträge kann ich Sie Beide nur bitten, immer in Erwägung zu ziehen, daß ich anders als viele hier, weder Akademiker noch Intellektueller bin. Im weiteren Sinne bin ich Autodidakt und mein Steckenpferd ist die (Seekriegs-)Geschichte. Moral und Humanismus haben deswegen in meinen Beiträgen schlechte Karten, weil niemand ihnen gerecht wird, und sie darob sogar dafür sorgen, daß eine weitere Evolution des Menschen zum Homo Sapiens blockiert wird, im Prinzip sogar zur Degeneration führt, Moral und Humanismus sind also quasi an sich als inhuman zu definieren. Ideologische Manipulation des Menschen ist zwar leicht möglich, ist aber im Falle der Gewaltanwendung und der Marx'schen Eminenz des materiellen Seins schon seit 3.000 Jahren oder länger, gescheitert (der verübte Bann Gottes). Von daher erscheint mir eine diesbezügliche Argumentation in Ihren Beiträgen oft nicht plausibel und ich argumentiere infolgedessen gegen Ihre Thesen. Und ich schreibe Ihnen das nur deswegen, um unser gegenseitiges Verständnis, und damit ist nicht Zustimmung gemeint, zu verbessern.

@Franz Bettinger zB ist Akademiker, und wir sind desöfteren nicht einer Meinung, aber wir tauschen uns häufig aus, um den Standpunkt des anderen, zumindest zeitweise, einnehmen zu können.

Um auf @Niekisch speziell hier im Artikel einzugehen, so sehe ich Seine Position als nicht haltbar an. Hier liegt Herr Beckamp in der Schlußfolgerung vorne, auch wenn Seine Analyse unglücklich ist. Um Niekischs Minen-Debatte zu führen, braucht man politische und damit militärische Deutungshoheit. Und wenn man unsere beschränkten Ressourcen betrachtet, ist es sinnvoller, diese auf die Gegenwart und die Zukunft zu richten, als sich in der Vergangenheit verwundbar zu machen. Wenn wir mit der historischen Debatte konfrontiert werden, so haben wir immer die Wahl entweder auf eine sachliche Debatte zu bestehen, oder den moralischen Bezug zur Gegenwart herzustellen, welche eine moralische Verwertung der Vergangenheit aushebelt, denn die jetzige Gegenwart ist immer die grausamste.

Search4M

14. August 2019 13:27

Ich sehe in dieser ganzen Betrachtung zwei Fehleinschätzungen:
1), seit wann gehören manche Regionen Bayerns, wo die AfD über 20% bei den letzten Wahlen erreichte, zum "ehemaligen Osten"? Der pure Ost-West-Vergleich und die WK II-Schiene hinken gewaltig und in der Analyse fehlt was.
2), die heutige (gärig gespaltene) AfD ist nicht die letzte Chance für Deutschland, sondern ein Übergangsereignis, dessen Protagonisten zu viele Aspekte nicht annähernd abdecken können.

heinrichbrueck

14. August 2019 13:46

Die berühmten 12 Jahre spielen nur aus einem einzigen Grund moralisch eine Rolle: weil der Krieg verloren wurde. 1945 war es noch eine Niederlage, später dann eine Befreiung. Und mit der Befreiungslüge begann die Geschichtslüge in jede Gegenwart verfälschend einzudringen. Feindpropaganda wird zu Geschichtswissen. Wer jetzt noch das Eigene verteidigen können will, seine Möglichkeiten nur in der vorgegebenen Kompromißbereitschaft des Siegers ausschöpfen kann. Wenn falsche Voraussetzungen zu richtigen Ergebnissen führen sollen, jemand diesen Weg kennt, dann nur zu.
Apropos Wahlen, der letzte Satz des Beitrags, darin die AfD als letzte Chance, ist reichlich übertrieben.

@ RMH
So wird es wohl in den Köpfen der meisten zugehen, wie beschrieben das eigene Volk als „braune Gülle“; und ist der Kopf einmal mit Scheiße gefüllt, dann viel Spaß bei der Verteidigung des Eigenen. Deshalb ist jede Wahl schon deshalb kontaminiert. Und aus Sicht des Eigenen, ungültig. Das deutsche Volk ist nie der politische Akteur. Die AfD ist nur eine Partei, die zu dienen hat. Manchmal ist Schweigen besser, da haben Sie recht. Wahrscheinlich gibt es auch zwei AfDs.

RMH

14. August 2019 15:32

"seit wann gehören manche Regionen Bayerns, wo die AfD über 20% bei den letzten Wahlen erreichte, zum "ehemaligen Osten"? Der pure Ost-West-Vergleich und die WK II-Schiene hinken gewaltig und in der Analyse fehlt was."

Wenn wir jetzt in diese "Feinheiten" gehen, dann darf der (Achtung: diskriminierende und rassistische) Hinweis darauf, dass NRW zwar mehr Einwohner als die neuen Länder hat, aber die neuen Länder mehr deutsche (im Sinne der Abstammung) Einwohner als NRW haben, nicht fehlen ... ;)

Niekisch

14. August 2019 15:57

"Seien wir alle wie Lotosblätter, an denen solcher Schmutz, mit dem uns die Gegenseite "anbräunen" will, in aller Natürlichkeit und Selbstverständlichkeit einfach abperlt. Zum Lotusblatt kann man aber erst werden, wenn man weiß, was der Gegner eigentlich will"

@ RMH 14.8. 9:39: Gegenfrage. werter RMH: Wie soll mein Enkel Lotusblatt werden und den Gegner erkennen, wenn ihm im Rahmen einer Gymnasialfahrt in Majdanek durch die polnische Führerin erzählt wird, den Häftlingen dort sei Suppe mit eingerührtem Menschenfleisch vorgesetzt worden?

Zum Ganzen ein wenig Erich Fried:

Änderung

Änderung bringen zum Guten-
Doch wie mit diesen zum Schlechten
veränderten Menschen?

Also erst die Menschen verändern
zum Guten-
Doch wie in dieser zum Schlechten
verändernden Welt?

Also nichts mehr tun?
Oder tun, aber nicht mehr bedenken
daß es sinnlos ist?
Vielleicht bleibt es dann doch nicht
sinnlos in dieser veränderlichen Welt?

HomoFaber

14. August 2019 16:01

@Waldgaenger aus Schwaben

Womit die Grenzöffnung unmittelbar begründet wurde, ist die eine Sache. Die (tiefen)psychologischen Hintergründe für die Akzeptanz dieser Begründung in der Bevölkerung, sind die andere Sache.

"Außer Rassisten und Nazis? " Da sind sie doch gleich schon wieder: Die Nazis

RMH

14. August 2019 19:48

@heinrichbrueck,
wenn für sie die Nazis (= Erzeuger der braunen Gülle, um bei dem Bild zu bleiben) gleich das gesamte deutsche Volk sind, ist das Ihre eigene Anschauung und Interpretation und damit auch Ihr ganz eigenes Problem. Ich teile diese Auffassung nicht.

@niekisch,
vertrauen Sie Ihrem Enkel - wenn er nur ein kleines Stück nach Ihnen gerät, wird er zum richtigen Zeitpunkt auf die richtigen Fragen von ganz alleine kommen. Meine größte "Profilierung" habe ich durch einen 68er Geschichtslehrer erhalten - wenn etwas zu offensichtlich wird, erwächst der Widerspruch von alleine und hätte der Mann weniger dick aufgetragen, wäre ich vermutlich länger unkritisch geblieben. Das ist auch eines der Grundphänomene der Erziehung: Wenn der Erzieher meint, Kinder ganz besonders in eine bestimmte Richtung zu biegen, wird er automatisch genügend Kinder bekommen, die ihren eigenen Kopf entwickeln und nicht so werden, wie gewünscht.

nom de guerre

14. August 2019 21:19

@ Laurenz
Ihr Kommentar ist wie meistens höchst lesenswert (nicht zuletzt übrigens wegen Ihrer hessischen Reminiszenzen, das weckt Kindheitserinnerungen), ich bezog mich allerdings gar nicht auf die Sinnhaftigkeit einer Diskussion der 12 Jahre durch die AfD (das wollte ich bewusst ausklammern, da es m.E. ein zu weites Feld ist), sondern ich stelle lediglich infrage, dass etwa ein Schweigen des Herrn Höcke hierzu etwas genützt hätte; daher mein Verweis auf die Namen Sarrazin und Stürzenberger.

@ Niekisch
„Wie soll mein Enkel Lotusblatt werden und den Gegner erkennen, wenn ihm im Rahmen einer Gymnasialfahrt in Majdanek durch die polnische Führerin erzählt wird, den Häftlingen dort sei Suppe mit eingerührtem Menschenfleisch vorgesetzt worden?“

Die Frage richtete sich zwar nicht an mich und @ RMH hat sie auch schon beantwortet, aber ich möchte gerne trotzdem darauf eingehen, weil mich dieses Ergebnis einer „Studienfahrt“, das Sie vor ein paar Wochen schon einmal hier erwähnten, wegen der besonderen Perfidie, mit der dabei die Gedanken wehrloser Kinder vergiftet werden, nachhaltig erschüttert hat: Gerade diese ungeheuerliche Behauptung ist, sofern sie als bewusste Lüge in die Welt gesetzt wurde, ein ganz hervorragendes Beispiel dafür, was der Gegner erreichen will. Jemandem den Genuss von Menschenfleisch aufzuzwingen, indem man es ihm quasi unterschiebt, ist in unserer Kultur der Tabubruch schlechthin, sodass der Täter bzw. ein diesen Vorgang beförderndes Regime sich außerhalb der Zivilisation stellt – die entsprechende Unterstellung wird mithin verwendet, um genau diesen Zivilisationsbruch zu illustrieren. Das war bei den alten Griechen so (Atreus schlachtet die Kinder seines Bruders Thyestes und setzt sie ihm zum Mahl vor) und zieht sich bis hin zu dem Film Soylent Green (eine Dystopie aus den 70ern mit Charlton Heston in der Hauptrolle, in der es grob darum geht, dass in einem übervölkerten/von Katastrophen heimgesuchten Nordamerika Nahrungsmangel herrscht und den Leuten etwas verabreicht wird, das wie Plastikchips aussieht und sich am Ende des Films als Menschenfleisch herausstellt).

Sobald einem dieser Mechanismus bewusst wird und man im Übrigen weiß, dass die Darstellung der Nazis oder derjenigen, die im Kontext des Zweiten Weltkriegs zu Nazis erklärt werden, immer unmenschlicher wird, und diese Unmenschlichkeit immer beiläufiger, immer selbstverständlicher und gesichtsloser gezeigt wird, je länger der Krieg zurückliegt (in Schindlers Liste gibt es mit Amon Göth noch ein als Individuum präsentiertes Monster, das die KZ-Insassen von seinem Balkon aus abschießt, wobei es sich um einen wichtigen Erzählstrang des Films handelt, während in Der Pianist in einer kurzen Nebenszene ein ganzes SS-Kommando auftritt, das einen alten Mann samt Rollstuhl aus dem Fenster wirft – wohlgemerkt ohne betrunken zu sein und ohne dass diese Brutalität irgendwie erklärt würde, vielmehr „einfach so“), ist es wesentlich leichter, die Geschichte aus Majdanek einzuordnen.

Nun fehlt der Generation Ihres Enkels natürlich dieses Hintergrundwissen und jeglichem historischen Bewusstsein, das es ermöglichen würde, etwa die Totalitarismen des 20. Jahrhunderts zu vergleichen, wurde auch schon in meiner Schulzeit entgegengearbeitet. Zu kritischem Denken kann man aber trotz aller Widrigkeiten gelangen – die Diskussionen hier, an denen, soweit sich das einschätzen lässt, Foristen verschiedenster Altersgruppen teilnehmen, sind das beste Beispiel dafür.

PS an die Moderation: Ich bitte um Entschuldigung für die weite Abschweifung vom Thema. So lang hatte der Kommentar nicht werden sollen.

Atz

15. August 2019 00:41

"Autobahn geht gar nicht!"

Die AfD darf nicht den Eindruck der Zerstrittenheit abgeben. Man ist einfach nicht gut beraten disziplinlos Sachen rauszuhauen, die man den Historikern überlassen darf, aber realpolitisch irrelevant sind.

Jesuiten wissen zu welchen Themen man mit seinem Scharfsinn schweigt.

dreamingplanet7

15. August 2019 07:17

Das Problem ist aber doch nicht ob keiner oder welcher Umgang mit den 12 Jahren, auch nicht die Breite der Themen oder sonstiges hier thematisiertes...

Das Problem ist das wir einfach niemanden mehr erreichen der nicht sowieso schon auf unserer Seite steht.
Die Gesellschaft hat sich gespalten und entschieden. Niemand ist noch in irgendeiner Form fuer die derzeitige Politik und nicht nur in der Einwanderungsfrage... Aber AfD waehlt man nicht weil Nazi und rechts. Das macht man einfach nicht und da kommt man im Jahre 3 nach Merkelherbst auch nicht mehr durch - das hatten wir doch alles schon heisst es dann...

Ich sehe eigentlich nur noch eine Loesung, ein klassischer Fernsehsender fuer die Alten die immer noch Tagesschau sehen ohne Internet, die Tante Gerda die grundsaetzlich das im TV gesagte Wort als wahr erachtet und glaubt Merkel ist eine mutige Frau...
Dieses Projekt war schon oft in der Diskussion, man arbeite daran hiess es, nun kommt schon lange nichts was ist da los gehts es um Lizenzen oder was ist passiert?

Niekisch

15. August 2019 12:24

@ Laurenz 14.8. 11:57: Ach Laurenz, ich lasse mich gerne von durchschlagenden Argumenten überzeugen. Besonders dann, wenn sie auf das erwidern, was gesagt wurde und gemeint war. Ich habe halt meinen traumatisierten Enkel in seiner Hilflosigkeit vorgefunden und sein Flehen erlebt, daß ich ihm eine verständliche und ihn wieder beruhigende Erklärung für all die Ungeheuerlichkeiten liefere, denen er begegnete oder die ihm geschildert wurden. Mir geht es nur darum, zu geeigneter Zeit und an geeigneten Orten mit geeigneten Mitteln vor der eigenen Familie und unserem armen Volk meiner Verantwortung nachzukommen. Und wenn ich dafür bluten muß, dann blute ich. Jeder andere muß für sich entscheiden, eine Sache von Parteien ist es nur durch einzelne, geschickt vorgehende Mitglieder oder Sympathisanten in geeigneter Lage. Seit Jahren schlage ich schlicht und einfach vor, sobald uns Massenverbrechen vorgeworfen werden, wie bei jedem anderen Mord Tatort, Opfer und Tatwaffe kriminalistisch-forensisch mit den heutigen Methoden abzuklären, um Leugnern den Boden zu entziehen. Kann das nicht jeder sanktionslos sagen?

@ RMH 14.8. 19:48 und nom de guerre 21:19: Das kann ich bestätigen: als ich im Geschichtsunterricht den "Dokumentenband" von Walther Hofer zu bearbeiten hatte, fiel mir schon als 15-Jährigem auf, wie deutlich sich die dargestellten "Dokumente" von üblichen amtlichen Schreiben unterschieden, was das Formelle und die Sprache anging. Der Eindruck ließ mich nie mehr los, trotz Lesens ganzer Bibliotheken bekam ich Note 4- und gab zum Abi das mir durch den Direktor überreichte Werk von Golo Mann, Deutsche Geschichte..demonstrativ vor versammelter Mannschaft wieder zurück mit den jedermann verständlichen Worten: "So etwas brauche ich nicht!" Kritische Geister gibt es immer und überall, wir müssen sie halt ein wenig fördern und ihnen zeigen, daß sie nicht alleine dastehen.

Laurenz

15. August 2019 19:04

@Niekisch .... wertester Niekisch, eigentlich hatte ich für mich hier alles geschrieben, aber das mit Ihrem Enkel dauert mich nun doch. Falls der Enkel tatsächlich neugierig sein sollte, und Ihre gemeinsame enge Bindung das Gespräch blockiert, warum bitten Sie nicht einen Außenstehenden ohne familiäre Bindung in die Debatte? Meine bescheidene Empathie gehört Ihnen, meine völlige Rücksichtslosigkeit ebenso.

Für diesen Beitrag ist die Diskussion geschlossen.