26. August 2019

Huntingtons Aktualität

Gastbeitrag / 33 Kommentare

von Jörg Seidel -- Vor mehr als 20 Jahren, 1996, erschien eines der am meisten diskutierten und skandalisierten Bücher der Neuzeit:

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Samuel Huntingtons Kampf der Kulturen. In ihm entwarf er ein neues Paradigma des globalen politischen Zusammenlebens für die Zukunft. Anlaß genug, das Buch erneut zu studieren und abzuklopfen.

In Deutschland war die Rezeption seinerzeit unisono negativ und das kann in der Retrospektive auch nicht überraschen, denn Huntington trat fast allen virulenten Überzeugungen mächtig auf die Füße. Sein Werk war eine deutliche Abkehr von der marxistischen Grundüberzeugung, die durch die Frankfurter Schule längst in Soziologie und Politikwissenschaft flächenübergreifend eingesickert war, daß gesellschaftliche Veränderungen sich ökonomisch und sozial erklären lassen müßten. „Die menschliche Geschichte ist eine Geschichte von Kulturen“ (49) – das war ein direkter Angriff auf Marx.

Auch der Neoliberalismus, der sich durch Fukuyamas These vom „Ende der Geschichte“ gerade als Endsieger der Historie begriffen hatte, wurde unsanft aufgeschreckt.

Die Konstruktivisten, Relativisten und Feministen wiederum konnten an einen Kampf der Kulturen nicht glauben, sondern nur „an den Kampf um Definitionen“ innerhalb von Kulturen (Thomas Meyer).

Selbst die Globalisierungsapologeten wurden nicht warm – Huntingtons Absage an den westlichen Universalismus mußte sie vor den Kopf stoßen. Weder hielt er den Sieg des liberalen Denkens für alternativlos, noch glaubte er das Mantra, daß Handel gleich Befriedung sei oder technische Modernisierung automatisch zu Verwestlichung führen müsse (93ff.).

Wieder andere warfen ihm „Kulturessentialismus“ vor, eine zu homogene Sicht auf die Kulturkreise, die er als statische, voneinander deutlich abtrennbare Bereiche betrachte und damit der Realität in einer zusehends sich globalisierenden Welt entbehre. Überhaupt fehlte der Vorwurf der Komplexitätsreduktion in fast keinem Kommentar, denn auch wenn Huntington von einer multiplen Welt ausging, so endete er doch in der Bipolarität, im Manichäismus von gut-böse, Wir-Sie etc.

Auch wenn dieses Argument recht einfach auf eine Leseschwäche zurückzuführen war, sowie die Unfähigkeit die Voraussetzung jeglicher theoretischer Modellbildung zu begreifen – nämlich mit abstrakten Begriffen, notwendigen Vereinfachungen zu arbeiten –, fand es schnell Eingang in den Mythos des Clashes. Ähnlich wie bei Sarrazin scheinen viele der Kritiker nur vom Hörensagen her zu argumentieren und haben das Buch selbst nie gelesen. Nur so ist auch der Rassismusvorwurf zu erklären, der immer wieder auftaucht und über den Kurzschluß Islam-Araber zustande kam. Hier gilt Sloterdijks Diktum:

Das schlechte Lesen ist eine Waffe, die von den Teilnehmern am Wettbewerb um Aufmerksamkeit immer unverhohlener eingesetzt wird. ... Die guten intellektuellen Manieren werden vom Textmobbing abgelöst.

Und schließlich gab es auch Feuer aus der postmodernen Ecke, wo man die plurale Identität verteidigen wollte und unter dieser ist die Kulturzugehörigkeit – für Huntington das Primat – eben nur eine. Unter all diesen Abwehrmechanismen lagen jedoch vier systemische Ursachen.

  • Zum einen konnte nicht sein, was nicht sein durfte.
  • Zum anderen fürchtete man, daß ein solches Paradigma zu einer self-fullfilling prophecy werden könne, denn wenn man mit Differenzen agiert, würde man selbst nur welche hervorrufen und dagegen hilft nun mal nur totale Toleranz und nachsichtiges Nachgeben. Jürgen Habermas sah es demzufolge auch utilitaristisch: Huntington konnte zur Legitimation genutzt werden, durch Bush etwa oder eben durch „den Kapitalismus“: „Das Thema ‚Kampf der Kulturen’ ist oft der Schleier, hinter dem die handfesten materiellen Interessen des Westens (zum Beispiel an der Verfügung über die Erdölvorkommen und der Sicherung der Energiezufuhr) verschwinden“.
  • Drittens schließlich kam der amerikanische Professor zur Einsicht, daß der Multikulturalismus zum Scheitern verurteilt sei, was man in Deutschland nicht gern hörte, wie man sich auch,
  • viertens, im Nachkriegsdeutschland das geopolitische Denken abgewöhnt hatte und es seither mit Argwohn betrachtete.

Im Jahre 2019 scheinen das starke Gründe zu sein, Huntington erneut zu befragen. (Auf die begrifflichen Schwierigkeiten, zwischen Kultur und Zivilisation zu unterscheiden, muß an dieser Stelle leider verzichtet werden.)

Das zentrale Thema dieses Buches lautet: Kultur und Identität von Kulturen, auf höchster Ebene also die Identität von Kulturkreisen, prägen heute, in der Welt nach dem Kalten Krieg, die Muster von Kohärenz, Desintegration und Konflikt. (19)

Kulturen sind die ultimativen menschlichen Stämme, und der Kampf der Kulturen ist ein Stammeskonflikt im Weltmaßstab. (331).

Dabei unterscheidet er acht große Kulturen und Kulturkreise, die sich als „höchste kulturelle Gruppierung von Menschen“ durch „Sprache, Geschichte, Religion, Sitten, Institutionen als auch durch subjektive Identifikation der Menschen mit ihr“ (54) definieren. Das sind nebst Kernstaaten: Sinisch (China), Japanisch (Japan), Hinduistisch (Indien), Islamisch (ohne Kernstaat), Slawisch-Orthodox (Rußland), Westlich (USA, Deutschland, Frankreich, Großbritannien), Lateinamerikanisch (ohne Kernstaat) und Afrikanisch (evtl. Südafrika).

Der Kern der westlichen Kultur bestünde aus der (nicht statisch zu verstehenden) Kombination: Klassisches Erbe, Katholizismus/Protestantismus, europäische Sprachen, Trennung von Kirche und Staat, Rechtsstaatlichkeit, gesellschaftlicher Pluralismus, Repräsentativorgane und Individualismus (99f.). Diese wie jede andere Kultur stünde in einem Spannungsverhältnis zu den jeweils anderen, wobei das Teilen einer gemeinsamen Grenze selbstverständlich ebenso intensivierend wirkt, wie die inhaltliche Nähe oder Ferne zu dieser Kultur.

Folglich ergibt sich für den Westen eine besondere Herausforderung durch den Islam. Dieser wiederum durchlaufe eine Phase der „Resurgenz“, des Erstarkens im Zuge des Versuchs der Modernisierung ohne sich zu verwestlichen. Hilfreich seien dabei „spektakuläre Raten des Bevölkerungswachstums“ (181) und ein Jungmännerüberschuß als tragender demographischer Impuls. Besonders volatil bleibt die islamische Welt auch durch das Fehlen eines Kernstaates.

Kernstaaten lösen bei Huntington die traditionellen Supermächte ab (247), stabilisieren aber auch die jeweilige Kultur. Diese findet sich entlang ihrer gemeinsamen Feindbilder und kulturellen Identität zusammen, was freilich einen dialektischen Prozess auslöst. Einerseits – das läßt sich am Europa des 21. Jahrhunderts gut verdeutlichen – rücken die Kulturen näher zusammen, sondern sich nach außen ab, andererseits findet eine Ausdifferenzierung nach innen, ein starkes Bewußtsein der nationalen und regionalen Identitäten statt.

Andersgeartet sind die Loyalitätsstrukturen im Islam, wo sie sich traditionellerweise mehr „am Stamm, an der Sippe und der erweiterten Familie“ orientieren (280). Einigende Kraft ist hier nicht die Nationalstaatlichkeit oder ein politisches Gremium, sondern die Religion. „Im Islam sind die kleine Gruppe und der große Glaube, der Stamm und die ummah, Grundlage von Loyalität und Bindung“ – was natürlich, wenn es denn stimmt, große Bedeutung für Migrationsgesellschaften haben würde. „Darüber hinaus ist der Gedanke eines souveränen Nationalstaates unvereinbar mit dem Glauben an die Souveränität Allahs und den Primat der ummah.“

Im Übrigen meint Huntington auch „umkämpfte Bruchlinien zwischen dem Islam und seinen orthodoxen, hinduistischen, afrikanischen und westlich-christlichen Nachbarn“ (291) feststellen zu können, der Konflikt Westen-Islam sei also nur einer von vielen. Der Satz „Die Grenzen des Islam sind in der Tat blutig, und das Innere ist es ebenfalls“ (420) fehlte in kaum einer empörten Reaktion. Dabei versucht Huntington deskriptiv zu bleiben und begründet seine Position selbstredend. Das „historische Konflikterbe“, das „von allen beschworen und instrumentalisiert werden kann“ (422) läßt sich theologisch, historisch und geographisch recht überzeugend nachweisen (429ff.)

Unter anderem affiziert das die sogenannten „Bruchlinienkriege“, die Huntington analysiert und voraussagt. Die Darstellung des Zerfalls Jugoslawiens läßt sich – trotz einiger Anomalien – damit ebenso erklären wie er den Ukraine-Konflikt inklusive Krimkrise sehr präzise ankündigen konnte. Auch Griechenlands Probleme mit der EU könnten mit den Bruchlinien, neben der allgemein anerkannten ökonomischen Verursachung, eine weitere Erklärung finden. Und ob die Türkei – deren Reislamisierung angekündigt wird – ein Mitgliedstaat der EU werden sollte, wird ebenfalls beantwortet … Dies sind nur einige Beispiele einer ganzen Reihe beeindruckender Erklärungen vielfältiger Konflikte; sie bestätigen die These des „Clashs“ als durchaus brauchbar.

Auch hochaktuelle Fragen lassen sich mit Huntington behandeln. Zehn Jahre vor Heinsohn erkennt Huntington die demographische Dynamik. Migrationsbewegungen sind die Folge, aber Migration schafft auch Migration, „hält sich selbst am Laufen“. Huntington hält sie für die westlichen Gesellschaften für essenziell wichtig: Sie

könnte eine potentielle Quelle der Auffrischung und neuen menschlichen Kapitals werden, sofern sie zwei Bedingungen erfüllt: erstens müßten Priorität tüchtige, qualifizierte, tatkräftige Menschen mit dem im Gastland benötigten Talent und Fachwissen haben; und zweitens müßten die neuen Migranten und ihre Kinder an die Kultur des jeweiligen Landes des Westens assimiliert werden (500).

Es gäbe ansonsten keinen einzigen historischen Beleg dafür, daß eine Gesellschaft Massenimmigration überlebt hätte. Multikulturelle Gesellschaften seien eine Illusion, eine „Chimäre“ (508):

Die Machthaber anderer Länder haben manchmal versucht, ihr kulturelles Erbe zu verleugnen und die Identität ihres Landes von der einen Kultur zu einer anderen zu verschieben. Bis heute haben sie damit in keinem einzigen Fall Erfolg gehabt, vielmehr haben sie schizophrene, zerrissene Länder geschaffen. Die Multikulturalisten in Amerika verwerfen auf ähnliche Weise das kulturelle Erbe ihres Landes. (...) Die Geschichte lehrt, daß ein so beschaffenes Land sich nicht lange als kohärente Gesellschaft halten kann. (503).

Zum Schluß wendet Huntington die Perspektive und wagt den Blick in den Spiegel:

Viel bedeutsamer als wirtschaftliche und demographische Fragen sind Probleme des moralischen Verfalls, des kulturellen Selbstmords und der Uneinigkeit des Westens. (500).

Kriminalität, Drogen, Verfall der Familie, sinkende gesellschaftliche Beteiligung, Entpolitisierung, nachlassende Arbeitsethik, Bildungsdefizite und Absenken der Bildungsstandards …, das sind die eigentlichen Probleme der westlichen Gesellschaft. Sie höhlt sich selber aus. Trotzdem hängt sie – das ist die Außenseite – dem Traum des westlichen Universalismus nach, glaubt also, ihre „Werte“ weltweit verkünden zu müssen.

Aus Huntingtons Ansatz ergibt sich stattdessen das Gebot der Nichteinmischung unter Akzeptanz anderer Kulturformen. Lange vor Irak, Libyen und Syrien schrieb er, „daß eine Intervention des Westens in Angelegenheiten anderer Kulturkreise wahrscheinlich die gefährlichste Quelle von Instabilität und potentiellem globalen Konflikt in einer multikulturellen Welt ist“ (514).

Ein Argument mehr – unter vielen – den „Clash of civilization“, den „Zusammenstoß der Kulturen“ (und nicht „Kampf“!) neu und ohne ideologische Scheuklappen zu lesen.


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Kommentare (33)

Der_Juergen
26. August 2019 09:57

Ein guter Artikel. Ich hatte Huntingtons Buch seinerzeit gelesen, und im Gegensatz zu Fukuyamas "Ende der Geschichte", das ich als reinen Unsinn einstufte (und einstufe), schien mir die Argumentation schlüssig. Die unqualifizierten Angriffe auf Huntington erinnerten stark an Christian Morgensterns Palmström, für den "nicht kann sein, was nicht sein darf". Dies gilt nicht zuletzt für Habermas, den der eine oder andere immer noch für einen begnadeten Denker hält.

Franz Bettinger
26. August 2019 10:05

Seit 2015 erleben wir Huntington's "Clash of Civilizations" in Reinform und als Real-Satire. Der Kampf der Kulturen wird zunehmen, denn die Schläger und Mörder haben das flache Land erreicht, die Provinz, das Dorf. Gab es vorher den Hass der Linken und Moslems auf den Westen, den man für alles Elend von Afrika bis Asien verantwortlich macht, so steht der Erbschuld-, Sünde- und Sühne-These nun in ganz Europa ein anderes, realistischeres Narrativ gegenüber und die immer heftigere Ablehnung des völlig versagenden Establishments, jener Elitioten, die sich selbst gern die Elite nennen. Der Bürger will sich nicht mehr jede Absurdität zumuten lassen. Er will nichts mehr von Gender und Klima hören und keine Kröten mehr schlucken. Er will nicht mehr politisch korrekt sein.

Franz Bettinger
26. August 2019 10:11

Aber: Sind wir überhaupt auf der richtige Party? Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Ganz Großen Spieler am Wohlergehen der Nafris und Araber oder, allgemeiner gesagt, an so etwas wie Menschlichkeit interessiert sind. Ich kann mir hingegen vorstellen, dass das ganz große Ding gedreht werden soll, ein Genozid, der alle Rekorde bricht. Und um die Durchführung dieses Verbrechen zu rechtfertigen, lassen die Hinterfrauen und -Männer das Pendel der Wut erst ganz weit nach links schwingen, um es dann mit ie gekannter Wucht ... - malt es euch aus.

zeitschnur
26. August 2019 12:40

Die grundsätzliche Idee, dass ideologische "clashs" nun abgelöst werden durch kulturelle, scheint sich in der Realität abzubilden.
Nur: Schon die ideologischen "clashs" (v.a. der Ostwestkonflikt) waren - wie man inzwischen weiß - als künstliche Schützengräben aufgezogen. Es genügt, Anthony Sutton zu lesen. Und diese Tatsache der Künstlichkeit der "clashs" lässt den Verdacht aufkeimen, dass auch diverse historische interne (Konfessionskriege) und externe (Kreuzzüge) Konflikte vielleicht wenigstens einen künstlichen Aspekt hatten oder haben.
Nachdem wir aber sicher den jahrzehntewährenden "clash" der Ostwestideologien zelebrieren MUSSTEN, kann man sich fragen, ob nicht auch der "clash" der Kulturen so künstlich herbeigeredet wird.
Ich will damit keineswegs Multikulti das Wort reden - hier bin ich einverstanden damit: es gibt historisch nirgends ein Multikulti iS der Vermischung und ein Durchein-Miteinander nur unter härtesten staatlichen Knuten. Und letzteres können wir ebenso wenig wollen wie das Chaos, das ausbricht ohne diese Knuten.
Huntington braucht das "Wir und die Anderen". Ich stimme dem insofern zu, als nur in der Reibung das Identitätsbewusstsein überhaupt reifen kann.
Aber vieles erscheint mir auch wieder unplausibel, etwa

1. die Tatsache von auseinander hervorgehenden, gleichzeitig nebeneinander bestehenden Kulturen (etwa Hinduismus-Buddhismus, oder Israel-Abendland, Christentum-Islam: das sind nicht im strengen Sinne wirklich "andere" Kulturen, sondern historische "Brüder")

2. Zwischen echten "anderen" Kulturen (etwa der echten (s.u.) fernöstlichen und der abendländischen) und der eigenen entsteht kaum ein Konflikt! Wundersamerweise haben wir kein Problem mit den vielen Asiaten in Deutschland!

3. "Clashs" entstehen in aller Regel zwischen den "Brüdern", historisch sogar fast ausschließlich unter Brüdern!

4. Ich sehe bei Huntington unterbewertet, dass es diese "sinische" Kultur etwa doch heute gar nicht mehr gibt - nach Jahrzehnten des Kommunismus ist sie derart (geistig) verwestlicht, dass ihre alten, gewachsenen Formen doch längst schon Opfer der ideologischen Überlagerung aus dem Ostwestkonflikt geworden sind. Auch die islamische Kultur mit ihren Facetten ist heute doch völlig eingedampft auf eine Salafisierung, die alles andere, "Eigene", plattgewalzt hat.

5. "Clashs" sind - neben künstlicher Erzeugung - historisch immer eingebettet in einen gewissen Wohlstand mindestens einer der betroffenen Kulturen. In abgelegenen sibirischen Regionen etwa leben seit Jahrhunderten Orthodoxe mit Muslimen und altslawischen Heiden friedlich zusammen. Das Leben ist derart hart und ärmlich, dass man sich das Sperenzchen des "clashs" schlicht nicht leisten kann. Man hat die Wahl anzuerkennen, dass man aufeinander angewiesen ist oder durch Rache-und-Vergeltung das eigene und das Leben der anderen langsam auslöscht.
Vielleicht funktioniert das nur im Kleinstmaßstab.

Jedenfalls wirkt Huntington auf mich - ähnlich wie Marx - als einer, der nur vorbereitet hat auf etwas, was nun geostrategisch als nächstes zelebriert werden soll. Er war natürlich kein Prophet, sondern ein Herold der zentralisierten Autorität, die er stets befürwortete.

Thomas Martini
26. August 2019 16:09

An welcher Stelle, geht der große, lesenswerte, erkenntnisbringende, unfehlbare Mister Samuel Huntington darauf ein, daß Staatenzerstörung, Kulturvernichtung und Völkermord seit mindestens 100 Jahren eine Folge der amerikanischen Geopolitik ist?

Wenn der intellektuelle, hochgebüldete, scharfsinnige Herr Huntington darauf nicht eingeht, dann ist sein Werk papier cul. Und je mehr er schreibt, will er davon ablenken, was wirklich in der Welt vor sich geht.

"Aber Herr Martini, wo sind Ihre intellektuellen Manieren?" Nun, ich schlage vor, Sie lesen Soral, Peltier, Prof. Bardéche oder Dr. Destouches, und dann Huntington. Wer dann immer noch der Meinung sei, es entspräche der intellektuellen Redlichkeit, für die Thesen eines Amerikaners zu werben, dessen Weltsicht zu übernehmen, dem ist genauso wenig zu helfen wie den verblendeten Grünen.

Thomas Martini
26. August 2019 17:33

Nur ein Amerikaner, oder eine "anglo-amerikanische Normalameise" (Stefan George) kann so abgesptumpft sein, Europa mit den USA als gemeinsamen Kulturraum namens "Westen" zusammenzumengen. Gehört die USA etwa zum Abendland?

Das Zusammenmengen ist die große Spezialität der englischsprachigen Welt. Nicht zu verwechseln mit dem Zusammenwachsen. Deshalb wurde auch das Cola-Bier erst dann ein Erfolg in Deutschland, als man daraus ein "Mixery" machte.

"Von Amerika kommt jene furchtbare Welle der Einförmigkeit, die jedem Menschen dasselbe gibt, denselben Overallanzug auf die Haut, dasselbe Buch in die Hand, dieselbe Füllfeder zwischen die Finger, dasselbe Gespräch auf die Lippe und dasselbe Automobil statt der Füße." - Stefan Zweig, "Monotonisierung der Welt"

Woher? Was war der Herr Zweig doch für ein "Klugscheißer" und "Besserwisser". Nein, Europa und die Vereinigten Staaten sind ein gemeinsamer Kulturraum wegen der europäischen Sprachen, und weil unsere Vorfahren dorthin ausgewandert sind. Diese Auswanderer haben unseren europäischen Kulturraum nicht etwa verlassen, um eine eigene, namentlich die amerikanische Kultur, zu erfinden. Äh, äh, gar nicht wahr. Die amerikanische Kultur und die europäische, das war schon immer ein Zusammenhang. So wie man beim "Mixery" auch nicht mehr weiß, was zuerst da war. Ich kann Samuel Huntington schon folgen, Frau Kositza wird hoffentlich stolz auf mich sein.

limes
26. August 2019 18:59

Begeht der westliche Kulturkreis wirklich kulturellen Selbstmord? Oder wird der Suizidalität kräftig nachgeholfen?

Absenken der Bildungsstandards und Bildungsdefizite sind sowohl Resultat gleichmacherischer Linkspolitik als auch Konsequenz der Konsumgesellschaft, die Grundlage des immerwährenden Wirtschaftswachstums ist. Die Freigabe von Drogen ist Ziel linker Politik - und Drogenhandel stellt eine gigantische Geldquelle dar, vor allem bei offenen Grenzen … Linke und „Kapitalisten“ ziehen – wie so oft - an einem Strang.

Den westlichen Kulturkreis machen aber nicht nur Rechtsstaat und Demokratie, Bildung und Arbeitsethos aus, sondern auch identitätsstiftende Traditionen und weltanschaulich bedingte Tabus. Diese werden zunehmend gebrochen.

Zwei Beispiele: Im heimischen Südbaden erobert scheinbar unaufhaltsam die modernistische Verballhornung von Motiven der Schwarzwaldromantik Kulturszene und Andenkenkioske. Und wem der Sinn nach morbidem Zeitvertreib steht, der besucht in Freiburg die Zurschaustellung toter Menschen, die sich „Körperwelten“ nennt. Sich an der radikalen Verdinglichung von Menschen zu ergötzen, wird in der Regel mit Wissensdrang gerechtfertigt – den man freilich besser mit dem Studium anatomischer Bücher befriedigen könnte. Die Verlosung von Eintrittskarten, mit denen man außerhalb der Öffnungszeiten nachts „mit der Taschenlampe“ den besonderen Gruselkick der plastinierten Leichname erleben kann, entlarvt die Trivialität dieser einträglichen Tabubrecherei.

Ergeben sich modernistische Traditionsbrüche und morbide Auswüchse von selbst? Oder werden solche Entwicklungen vorsätzlich gefördert? Ist der kulturelle Selbstmord vorprogrammiert wie die Karawane der Lemminge zur Klippe? Oder wird der Weg in den kulturellen Selbstmord von interessierten Akteuren vorsätzlich abgesteckt?

RMH
26. August 2019 19:42

Sehr guter Beitrag, der das Interesse an einer erneuten Lektüre des Buches weckt!

Als ich damals das Buch das erste mal gelesen habe, habe ich das ein kleines bisschen mit dem Text des Liedes "in the year 2525" in der Version der slowenischen Band Laibach assoziiert. Laibach haben dem bekannten Zager & Evans Klassiker einen neuen, wohl auch von den jugoslawischen Konflikten beeinflussten, Text verpasst. Hier zwei kleine Textauszüge davon:

"In the year 1994
War goes on just like before
War goes on, it never ends
War brings bigger dividends
...
In the year 1998
Why shut the door of the Open Gate
Rivers of people flow like blood
New race rises from the mud"

(Laibach, in the year 2525, 1994, Veröffentlicht auf der LP "NATO")

Thomas Martini
26. August 2019 21:24

Dr. Destouches, besser bekannt als Louis-Ferdinand Céline, war ursprünglich ein Seuchenmediziner. So ein Zufall, daß er die Auswirkungen der Amerikanisierung in seiner klarsten Form erkannte. Dazu gehört eben auch, das Häßliche zu erkennen, da nicht wegzusehen, wo es andere ekelt. Nicht nur die parfümierte, werbetechnisch aufgepeppte Seite Amerikas zu sehen, sondern auch die Brutalität, Obszönität, und dreckige Gestalt.

Was Huntington schreibt,

Gustav Grambauer
26. August 2019 21:40

So ein scheußliches Machwerk hier abzufeiern, das nichts, nichts, nichts als die Bibel der Sklaverei der dem oligarchischen Prinzip verschworenen Deepstate-Bush-Neocon-Technokraten in den 90ern war:

https://www.solidaritaet.com/neuesol/11sep.htm

zeitschnur

"Jedenfalls wirkt Huntington auf mich - ähnlich wie Marx - als einer, der nur vorbereitet hat auf etwas, was nun geostrategisch als nächstes zelebriert werden soll."

Genau das hat LaRouche, dessen ökumenische Konsequenzen, dessen Favorisierung der Neuen Seidenstraße u. v. a. m. ich nicht teile, mit anderen Worten vor fast zwanzig Jahren gesagt, lesen Sie mal hier den letzten Satz:

https://www.solidaritaet.com/neuesol/2001/38/hunting.htm

Und hier (im ersten Teil, danach wird es in Bezug auf Huntington uninteressant) wird besonders deutlich, inwiefern Trump genau das Gegenmodell zu Huntington liefert, man muß dazu über dessen Schaumschläger-Phrasen wie "Shithole Countries" hinweghören und in die tektonische Tiefe, insbesondere in dessen Verhältnis zum britischen Imperialismus hinein, blicken können:

https://www.solidaritaet.com/neuesol/50jahre-einl.htm

Ihr Huntington-Freunde, ich bin ja froh, daß Trump die Pläne für Euer Neues Finstere Zeitalter, neudeutsch, in die Tonne getreten hat. Hätten diese Pläne noch Bestand, dann hätte ich Euch zugerufen: ich will keinen von Euch winseln hören, wenn Euer heißersehntes NFZ für Euch heranbricht, und glaubt ja nicht, daß für Euch als Deutsche ein Platz in den Machtstrukturen dieses NFZ vorgesehen ist.

- G. G.

Rabenfeder
26. August 2019 22:17

@ limes

Sie schreiben:

"Ergeben sich modernistische Traditionsbrüche und morbide Auswüchse von selbst? Oder werden solche Entwicklungen vorsätzlich gefördert? Ist der kulturelle Selbstmord vorprogrammiert wie die Karawane der Lemminge zur Klippe? Oder wird der Weg in den kulturellen Selbstmord von interessierten Akteuren vorsätzlich abgesteckt?"

...selbst die Karawane der Lemminge zur Klippe war mitnichten durch die Weisheit der Natur zur Bekämpfung von Überpopulationen vorprogrammiert; vielmehr wurde sie von interessierten Akteuren vorsätzlich abgesteckt:

https://www.britannica.com/story/do-lemmings-really-commit-mass-suicide

mons
26. August 2019 22:26

Nur zu berechtigt, das Buch wieder in Erinnerung zu bringen! Huntington hat das Thema Identität von der internationalen Perspektive übrigends in seinem weiteren Buch " Who are we" (Europa Verlag 2004) auf die innenpolitische Konfliktlinie erweitert. Wer übrigends den Erfolg von Trump nicht versteht (verstehen will) wird hier fündig. Zusammen mit George Packer, Die Abwicklung, S.Fischer 2014, der u.a. die US Verlierer von Liberalismus und Globalisierung beschreibt. Wenn man dann noch wieder Sloterdijks "Zorn und Zeit" liest (Suhrkamp 2006) sieht man, dass die Haarrisse im System auftreten, lange bevor sie als Politik in die Parlamente gelangen. Wir werden noch Geduld brauchen; aber wir wissen ja:" meyn Geduld hat Ursach".

Gustav Grambauer
26. August 2019 23:55

Nachtrag zu meinem Beitrag ad "Francis Fukuyama: Identität" am 19. August bei M. L.:

Habe mich als Kind immer gefragt, was der Topos "Gelbe Gefahr" zu bedeuten habe, der mir unbeholfen-unglaubhaft mit der angeblichen gelben Hautfarbe der Chinesen erklärt wurde. Es gab zu dieser angeblichen gelben Hautfarbe sogar ein Kinderlied:

https://www.youtube.com/watch?v=UBmG7LuCejU

Der Sinn liegt in Heraldik begründet. Alle chinesischen Dynastien der Kaiserzeit, deren herausragendster Vertreter der Gelbe (!) Kaiser war, d. h. bis in vorchristliche Zeiten zurück, hatten gelbe Wappen bzw. Flaggen. Wir haben - im Wesentlichen - folgendes Farbenspiel:

Rot: (im Guten: Christus wie im Bösen: Mars, jedenfalls Blut = Dynamik / Martyrium)
Gelb: Erde (bei Mackinder: Landmacht - eurasische Fronde)
Blau: Wasser (bei Mackinder: Seemacht - transatlantische Fronde)

"Who rules Eastern Europe commands the Heartland
Who rules the Heartland commands the World Island
Who rules the World Island commands the World"

- G. G.

Gustav Grambauer
26. August 2019 23:55

Nachtrag zum Nachtrag:

"Am Sonntag Blau wählen"???

- G. G.

Laurenz
27. August 2019 00:49

Hallo Herr Seidel, für mich ist Ihr Artikel interessant zu lesen. Ich wage zu behaupten, daß die von Ihnen zitierten oder beschriebenen Huntington-Inhalte mehr oder weniger Konsens hier im Forum sind. Ich habe mal nachgeschaut, Herr Huntington lehrte in Harvard und Er war wohl tatsächlich politischer Berater der USA im Äußeren.
"Gefühlt" würde ich allerdings Seinen offiziellen politischen Einfluß als gering einschätzen.
Hier würde mich interessieren, inwieweit eine Politik-wissenschaftliche - oder philosophische (akademische) Debatte überhaupt Einfluß auf die reale Politik hat?
Der bekannteste "Influencer" der Nachkriegszeit war wohl Herr Brzeziński. Auch wenn man sich das berühmte Interview mit 4-Sterne-General Clark anschaut, sind, bis auf die gelungene Massen-Invasion Europas seit den 60ern, die Erfolge teurer US-Außenpolitik in den letzten 70 Jahren doch herzhaft dünn, viele Projekte gescheitert.
Macht die akademische Debatte dann überhaupt noch einen Sinn? Oder dient sie etwa nur der Unterhaltung der oberen Bildungsschicht?

Seit der Hangar-Sendung von Servus-TV mit Herrn Kubitschek und Herrn Broder, bin ich etwas schockiert desillusioniert. Drei akademische Hilfs-Inquisitoren hatten die gesamte Sendung entlang nur ein Thema, die persönliche Diskreditierung Herrn Kubitscheks in einem öffentlichen Freisler-Tribunal. Und einer versuchte den Nachweis zu finden, daß Herr Kubitschel irgendwann mal in Seinen Veröffentlichungen "Jehovah" gesagt/geschrieben hätte. Das war's, nichts, vollkommene Leere, Vakuum.
Höher karätige Inquisitoren waren wohl auch nicht anzuheuern, mutmaßlich um den offensichtlichen Tatbestand des linken nichts zu verschleiern. Reicht also die reine Existenz der neuen rechten Intelligenz aus, um in einer moderierten Debatte die geistig rechts-konservative Überlegenheit aufzuzeigen? Müssen wir dann überhaupt noch akademische Debatten führen, wenn die Linke die Welt des Denkens, wie früher schon, wieder verlassen hat?
Der Forist, @Der_Juergen, hat für mich hier den wesentlichen Punkt des Artikels pointiert. "Es nicht kann sein, was nicht sein darf". Wenn die gesamte Wissenschaft nur noch der marxistischen Revolution dienen darf, entbehrt sich doch die Wissenschaft, wie ehedem, selbst. Brauchen wir dann nicht nur noch faktisch stehen bleiben, wo wir sind, und warten, bis die Linke auf ihrer Welt ohne Fakten ausrutscht?

@Franz Bettinger & Thomas Martini ..... in meinen Augen hatte Herr Huntington nur nicht-öffentlich etwas mit den USA zu tun, abseits seiner öffentlichen Arbeit. Denn was haben die Inhalte in Herrn Seidels Artikel schon mit den USA zu tun? Herzlich wenig. Wir können die USA nur insoweit mit einbeziehen, wie der Kulturkampf in den USA schon vor einem europäischen Schauplatz existierte.

@zeitschnur .... 1. Geistig im Wertekanon sind Islam, Judentum, Christentum dasselbe. Mohammeds Hauptfrau war Jüdin und seine ersten Schreiber waren Juden. Die Islam erkennt, wie das Christentum auch, die alten jüdischen Gesetze an. Wir und Die, Gut und Böse, globaler Ansatz, etcetc.

Der einzige Unterschied besteht bei Jesus. Im Islam ist er nicht am Kreuz -, sondern als alter Mann gestorben und sein islamisches Grab befindet sich in Ägypten. Ist das wirklich relevant? Aus meiner Sicht, als Heide, nicht.
Der tatsächliche "Clash of Civilization" befindet sich am Anfang der Genesis, in der Metapher von Kain und Abel. Wir Seßhafte sind Kain, und die Nomadenvölker sind Abel.

2. Kein Konflikt mit Asiaten ...... Das ist historisch falsch. Die Siegermacht Japan wurde noch vor 100 Jahren in Versailles, wie die Araber auch, rassistisch ausgegrenzt. China/Ganz Asien wurde durch den Westen bis aufs Hemd ausgezogen, gedemütigt und gemordet. Und Sie glauben doch nicht allen Ernstes, daß das die asiatische NomenKlatura auch nur eine Sekunde lang vergessen hätte....
Die erste westliche Regierung, welche asiatische Regierungen als voll gleichberechtigt anerkannte, war die Regierung des III. Reichs, lange vor jeder sogenannten westlichen Demokratie.

Daß mit asiatischen Einwanderern erstmal keine Probleme bestehen, ist absolut richtig. Vietnamesen sind die erfolgreichste Minderheit im Westen. Nur hier wäre zu bedenken, daß China einfach ehemalige Konflikte auf ehemals fremden Territorien mit einer Han-Überbevölkerung aushebelt und nihiliert (zB Tibet). Es existieren dabei von Ostasien bis Rußland keinerlei moralische Bedenken. Moralische Befindlichkeiten des Westens werden rein als Schwäche angesehen und empfunden.

3. Brüder? .... da wir mutmaßlich von Einzellern abstammen, sind alle organischen Wesenheiten Brüder. Und wenn wir uns auf den Menschen reduzieren, wo ziehen Sie dann die Grenze zu Nicht-Brüdern?

4. Waren Sie schon mal in China oder Japan? In China herrschte Mao wesentlich kürzer als in jedem anderen kommunistischen Staat. Und schon ab 1979 regierte Deng Xiaoping, der alle ideologischen Dogmen über den Haufen warf. Wenn die Chinesen und Japaner Kultur verloren haben sollten, dann unter der brutalen Wirkung des Westens, auch wenn es den Japanern gelang, in der Schlacht von Shimabara die Christen entscheidend zu schlagen und aus Japan rauszuschmeißen, was aber nur bis 1853 wasserdicht anhielt. Ich habe 5 Jahre direkt für Japaner gearbeitet. Und aus meiner Erfahrung kann ich Ihre Behauptung einer Nicht-Existenz der "sinischen" Kultur nicht bestätigen.

5. Sibirien. ... Dieses Land ist geographisch die größte Kolonie des Planeten. Es wurde mit der brachialen Schlagkraft der Kosaken erobert, so wie Rußland einst aus dem Kampf der Wikinger gegen Christen, Moslems, Juden und hundert anderen Völkerschaften entstand. Die Russen beerbten quasi Dschinghis Khan und seine Nachfolger. Man nannte die Sowjetunion auch das Viel-Völker-Gefängnis. Und auch heute basiert die russischen Föderation rein auf der Macht der russischen Armee. Und da die russische Armee seit dem Tschetschenien-Krieg wieder sehr erstarkt ist, macht dort keiner auch nur einen Mucks. Und es vergeht kein Tag, ohne daß uns unsere polnischen Freunde nicht die Ohren, ob der russischen Gefahr, vollheulen. Ohne militärische Option der russischen Armee gäbe es ab morgen schon kein Rußland mehr.

Und wenn ich versuche, Ihren Beitrag historisch korrekt zu ergänzen, zu begradigen, verstehe ich gar nicht, wie bisher Ihre marxistisch- globalistischen Vorstellungen hier so unwiderlegt vom Forum durch die SiN-Sphäre schwirren können.

Franz Bettinger
27. August 2019 08:57

@Laurenz: Dass (den USA) die Masseninvasion Europas wirklich gelungen sei im Sinne eines Benefits für die USA oder wenigstens für deren Oberschicht, das glaube ich keinesfalls. Jedenfalls müsste sich diese These in der Zukunft erst noch bewahrheiten. Bisher hatten die US-Führer mit der EU ein prima Sklavenvolk, das gegen (aus dem Nichts geschaffenen) Papier-Dollars Waren liefern musste und wegen Target-2 nicht mal die Papier-Dollars ernten durfte, die ihm zustanden. Wieso also das Perpetuum Mobile zerschlagen? Ich kann die Sache drehen und wenden wie ich will, ich sehe nicht (und auch nicht für Afrika) den geringsten Sinn in einem kulturell zerstörten und de-industrialisierten Europa durch den massiven Import von kultur- und artfremdem Volk; es sei denn (siehe oben) meine verrückte Pendel-These, "the big backlash on Afrika and Arabia", würde stimmen, was ich aber auch nicht glauben kann.

Laurenz
27. August 2019 09:29

@Werter Franz ..... Alleine der Zwang, seit 1961 Türken bei uns aufzunehmen, (manche würden das noch als Resultat des Morgenthau-Plans und vieler anderer Pläne sehen) hat uns Inflations-bereinigt etwa 2.000 Milliarden Euro gekostet, in etwa das Geld, was Deutschland an Schulden aufgenommen hat. Das ist auch mehr als was die Amerikaner für den Irak-Krieg ausgegeben haben. Also schon die Türken-Frage ist wie ein verlorener Krieg anzusehen. Bei der aktuellen Masseninvasion kommen wir in kürzester Zeit auf über 100 Milliarden, die wir nicht besitzen, sondern leihen müssen. Eine Invasionssteuer kommt nicht gut, von daher nimmt man gerne das Thema einer Luftsteuer auf, eben wie Schlemihl Ernie in der Sesamstraße Luft verkauft. Die Macher der Sesamstaße hatten unsere Klimadebatte schon visionär vorausgesehen.

zeitschnur
27. August 2019 10:28

@ Laurenz

Sie werfen hier alles durcheinander - es geht bei Huntington nicht um Handels- und Eroberungskriege der Geschichte, sondern um einen behaupteten "Zusammenprall der Kulturen". Außerdem trennt er die japanische und sinische Kultur. Ihr letzter Satz in 4. ist daher - im Rahmen von H.s Theorie - daneben.

Selbstverständlich war ich in Asien! Habe dort sogar Verwandtschaft! Auch Ihr Satz "In China herrschte Mao wesentlich kürzer als in jedem anderen kommunistischen Staat" ergibt keinen Sinn. Davon abgesehen weiß wirklich jeder, wie verwestlicht weite Teile Ostasiens sind – nach den britischen Verbrechen entweder amerikanisiert oder durch den Kommunismus, der siamesischer Zwilling des Elitenkapitalismus ist, umgekippt. Neuerdings wird übrigens davon gesprochen, dass Mao Yale (in China)-Absolvent gewesen sei. Wikipedia dampft das herunter auf die ungenaue Aussage: "Between 1919 and 1920, future Chairman Mao Zedong had several encounters with the school: he edited its student magazine, re-focusing it on "thought reorientation," and operated a bookshop out of its medical college."
https://en.wikipedia.org/wiki/Yale-China_Association.

Bei der angeblichen VS-Theorie muss man aber sachlich fragen dürfen, wie einer, der angeblich dort nicht studiert hat oder geschult wurde, dann all diese Funktionen haben konnte und was er überhaupt dort suchte. Aufschluss gibt dies:
Antony Sutton schrieb “By about the year 2000 Communist China will be a “superpower” built by American technology and skill” in "American Secret Establishment published 1984"

Das meint natürlich nicht, dass es nicht noch traditionelle Gerichte, Teller mit eingebrannten Reiskörnern oder hübsche chinesische Stickereien oder bei Hochzeiten alte Trachten gibt. Das ist Folklore - es wird nicht mehr gelebt.

Zwischen den Kulturen selbst gibt es keinen "clash“. Die Kulturträger bewundern sich gegenseitig. Gute Beziehungen zwischen Kaiserreich und Japan zB gab es bereits im 19. Jh. Warum die Amerikaner Mitte des 19. Jh mit ihren Kanonenbooten vor der Küste auftauchten, 200 Jahre nach der friedlichen Edo-Zeit, nachdem das Shogunat im 17. Jh eine katholisch-jesuitische Verschwörung rausgeworfen hat, die es mehrfach (nicht erst beim Shimabara-Aufstand) seit dem Ende des 16. Jh versucht und sogar Kriegsflotten aus Spanien dazu geordert hatte, und Japan nun unter Kriegsdrohung Handelsverträge abpressten - darüber habe ich eine These in "Das Schillern der Dinge" entwickelt. Nur: das alles hat nicht mit einem "clash of civilisations" zu tun, sondern mit Geopolitik.

Ihre Anwürfe in 5. gegen mich zeugen von genau dem, was Jörg Seidel oben von Sloterdijk zitiert: Sie betreiben "Textmobbing", indem sie "schlecht lesen", mich zum Pappkameraden aufbauen und andisputieren gegen etwas, was ich niemals gesagt oder geschrieben hat.

Atz
27. August 2019 13:54

Der englische Titel ist Clash, Zusammenprall. Wie Plattentektonik.

Den Islam als Gesamtheit zu sehen ist falsch. Huntington spricht die innerislamischen Konflikte an, die ja dominieren.

Egal was passieren mag, Deutschlands Macht ist in den letzten 40 Jahren gewachsen und wird das weiter tun. Der Islam steht dazu nicht im Widerspruch. So viele Deutschland-Fahnen kann Herr Höcke gar nicht schwenken wie die Ahmadiyya.

Laurenz
27. August 2019 17:52

@zeitschnur .... ich werfe gar nichts durcheinander. Die japanische Sprache übernahm zumindest in der Schrift die ca. 26.000 chinesischen Schriftzeichen. Daß die Japaner mentale Probleme haben aus Korea abzustammen, braucht uns hier nicht zu kümmern. Und wenn Sie, zeitschnur, bezüglich des "Clash"s, nicht ins Wörterbuch schauen wollen, ist das erst dann ein Problem, wenn Sie es zu unserem/meinem machen.

Kositza: Männer!! Was ist los, warum immer so hysterisch? In eben diesem "Thread" hat gerade jmd. geschrieben namens "Limes", sehen Sie bitte weiter oben. S o kommuniziert man unter Ehrenleuten (oder stellen Sie sich vor: mit Frauen!) - höflich und verbindlich! Was soll denn immer dieses nervös-aufgescheuchte Geschnatter?

Dieses Wort bezeichnet sogar vordergründig eine militärische Auseinandersetzung. Die größte Seeschlacht aller Zeiten, die Skagerrack-Schlacht heißt im Englischen meist Jutland-Clash genannt.

Und warum muß es mich interessieren, ob Herr Huntington Japaner und Chinesen kulturell trennte? Die Europäer und US Amerikaner taten es historisch nicht. Also muß ich es, wenn, auch nur aus Höflichkeit tun. Abgesehen von Japan, ist die Wirtschaft Ostasiens eh komplett in chinesischer Hand.

Und 98% der us amerikanischen Dummbatzen wissen doch noch nicht mal wo das ist. Die meisten in Japan stationierten GIs könnten Ihnen auf der Karte noch nicht einmal zeigen, wo sie sich befinden. 

Und was meinen vielleicht unglücklich formulierten Satz über Mao angeht, so war dieser trotzdem nicht mißzuverstehen, außer man möchte Haare spalten. Mao gründete die Volksrepublik China 1949 und Dengs letztendliche Machtergreifung liegt zwischen 1978 und 79. Das sind 29 Jahre Maoismus. Das war's. Die Wahrschauer Vertragsstaaten und Kuba weisen ein wesentlich längeres bolschewistisches Regime auf. Deng veränderte China ziemlich "erfolgreich" in einen Wirtschafts-Faschismus. Kommunistisch ist nur noch die Flagge Chinas.

Was Sie als Verwestlichung bezeichnen, ist doch nichts anderes als technischer Fortschritt oder moderne Lebensart. Wer von uns rennt denn den ganzen Tag in Mittelalter-Markt-Klamotten/Kostümen durch die Gegend. Und daß die Asiaten Kohlekraftwerke am gros bauen um ihre Büros und Wohnungen auf abartige 16 Grad Celsius herunterzukühlen, ist ihr gutes Recht. Ich war im Juni erst wieder in Ostasien und konnte die weitere Veränderung wahrnehmen. Chinesen wohnen eben lieber in klinischen Beton-Hotels als in Dschungel-Hotels mit Palmen-Garten, wie wir das mögen. Und Ostasien wird eben dem chinesischen Geschmack gerecht. Was hat das mit Kultur und Tradition zu tun? 

Wenn das Chinesische National-Orchester zu Ehren Katy Perrys "Roar" spielt, mögen Sie das von mir aus gerne als Folklore bezeichnen, aber dann brauchen wir über Kultur nie mehr ein Wort zu verlieren. Und wenn Sie das dem Dirigenten persönlich sagen, werden´Sie wohl lebenslanges Einreiseverbot erhalten.

https://youtu.be/QEWcPsqDIx4
Übrigens ich habe nicht schlecht gelesen. Ihre Trennung von von Real-Politik und Kultur existiert nicht. Kulturen existieren gar nicht ohne Politik. Auf welchem terrestrischen Exoplaneten leben Sie?

Ihre Trennung von Kultur und Real-Politik ist ein marxistisches Konstrukt.

Als Kommodore Perry 1853 die Japaner zwang, Ihre "Grenzen" zu öffnen, hatte China bereits den ersten Opium-Krieg hinter sich. Die Zurückgezogenheit Japans basierte auf dem Mißerfolg im Imjin-Krieg gegen Korea. Und in Japan ist bis heute, außer Handel, nichts zu holen. Das und der bedingungslose Kampfgeist der Samurai bewahrte Japan vor frühzeitiger Kolonisierung.

Selbst Herr Seidel mag nicht erklären, ob nomadische Araber eine Kultur sind oder nicht, eine Zivilisation bleibt da noch zweifelhafter. Also schere ich ebenso über einen Kamm. Warum auch nicht? Wo gehobelt wird, fallen Späne.

zeitschnur
27. August 2019 19:23

@ Gustav Grambauer

Vielen Dank für Ihre Links, die ich inzwischen teilweise und mit großen Interesse dann doch ganz lese (nicht selektiv, wie Sie vorschlugen).
Ob allerdings Trump wirklich nicht zu diesem "ultramontanen Imperialismus" neigt, den ich für eine der Hauptlinien der Zusammenhänge halte? Er scheint einen Kontrast dazu zu setzen, aber ich befürchte, dass das nur so scheint. Die geistigen Kräfte, mit denen er sich dauerhaft umgibt, sprechen eine andere Sprache, aber vielleicht gehört das auch in ein weiteres Kalkül des xten Bodens dieser politischen Ränke.

limes
27. August 2019 19:33

@ Rabenfeder
Danke für Ihre Erwiderung! Ja, ich muss Ihnen zustimmen. Die Karawane der Lemminge habe ich – naturwissenschaftlich unsauber – als Metapher benutzt, ohne dies kenntlich zu machen. Freue mich aber auf jeden Fall über Ihre Antwort.

Rabenfeder
27. August 2019 23:40

@ limes

Sie bekennen:

„Die Karawane der Lemminge habe ich – naturwissenschaftlich unsauber – als Metapher benutzt, ohne dies kenntlich zu machen.“

na, ja eben die Tatsache, dass die meisten von uns die Lemmings-Metapher benutzt haben und vermutlich auch weiterhin benutzen werden, ist ja der im Sinne ihrer Frage:

„Ergeben sich modernistische Traditionsbrüche und morbide Auswüchse von selbst? Oder werden solche Entwicklungen vorsätzlich gefördert?“

der eigentlich interessante Aspekt. Mir war bis vor kurzem nämlich keineswegs bekannt, dass es sich beim Lemmings-Selbstmord um einen zynischen Schwindel aus Hollywood gehandelt hat; zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich überhaupt nicht weiter über die Lemminge nachgedacht habe, und wenn doch, dann eher aus der Perspektive der far side:

https://i.pinimg.com/originals/1b/87/3c/1b873c075085912a051915223151bcdb.jpg

https://i.pinimg.com/originals/84/99/2c/84992c9bff8019f9b99af7f8146275dc.jpg

https://i.pinimg.com/originals/b2/e9/a4/b2e9a4f24f4f3b2792f9cf39ba5f09dd.jpg

„wie die Lemminge“, diese brauchbare und für manchen gar witzige Metapher, erhält möglicherweise aber einen ganz anderen, durchaus düsteren Anstrich, betrachtet man die armen missbrauchten Lemminge und, wer mag und einmal in Schwung ist, gleich noch eine ganze Reihe anderer Metaphern und vermeintlichen Gewissheiten einmal im Sinne ihrer Fragestellung (framing, mind-control, usw.).

@ Gustav Grambauer

Mit Genuss und Gewinn verfolge ich die Grambauerische Farbenlehre!
Vom Fußball verstehen Sie zwar nix, aber selbst wenn ich nicht zustimme, sind ihre Beiträge immer ein Lesemuss in einem Strang auf SiN.

zeitschnur
28. August 2019 10:36

@ Laurenz

+ Pax + : "Clash" heißt zunächst "Zusammenstoß/prall", erst in einem spezifischeren Sinn "Konflikt", wobei der "militärische" nicht zwingend gemeint ist. Aber es geht hier nicht um den Langenscheidt, sondern um eine spezifische Begriffsbildung bei Huntington (s.u.)! Abgesehen davon, dass Ihr gesamtes Posting an mich keinen roten Faden außer dem, mir um jeden Preis irgendwie etwas entgegenzusetzen, im Bezug auf meine Aussagen schief ist und erneut verzerrt, was ich meinte... Ich stell das jetzt nicht mehr richtig, pardon...wer "gut lesen" kann bzw will, wird verstehen, was ich schrieb! Ich will auf diesem Niveau nicht Ihr Sparringspartner sein - + pax +!

@ alle
Huntington baut den "clash" der Kulturen als Nachfolger des Ostwestkonfliktes auf, bricht ihn aber kulturgeschichtlich auf eine Stufe tiefer herunter, nämlich den "Stammeskonflikt" im globalen Maßstab. Nicht jede Auseinandersetzung der Vergangenheit ist also im Huntington'schen Sinne ein "clash of civilisations". Es geht hier nicht nur um Gebiete, die man dem Nachbarn raubt oder das Höher-schneller-weiter der Eroberer, sondern um einen existenziellen, als "final" dramatisierten Konflikt, um ein kulturelles Entweder-oder, das nicht jedem Krieg innewohnt.

Huntington differenziert von seinem Begriff des "clashs" durch den des "Bruchlinienkriegs":

"Da sie (die Bruchlinienkrige) um fundamentale Gruppenidentität und Gruppenmacht geführt werden, ist es schwer, sie durch Verhandlungen und Kompromisse beizulegen. (...) Das Feuer gemeinsamer Identität und gemeinsamen Hasses wird selten anders ganz zum Verlöschen gebracht als durch Völkermord. (...) Bruchlinienkriege finden (...) fast immer zwischen Menschen mit unterschiedlicher Religion statt, da die Religion das Hauptunterscheidungsmerkmal von Kulturen ist." (In der Spiegel-Edition von 2006/7 S 410ff)

Huntington leugnet ausdrücklich die Bedeutsamkeit des Ethnischen und Sprachlichen gegenüber der Religion. Das "Eigene" ist für ihn der religiöse Großkreis, dem man angehört und der dominant Identität stiftet. Diejenigen, die das bestreiten, bezeichnet er als "laizistisch verblendet" (S. 413). Alleine die Religion vermag so tief zu greifen, dass sie den Menschen als Ganzen erfasst und formt. An diesem Punkt stimme ich ihm übrigens zu. Aber ich lehne seine Schlussfolgerungen ab.

Es geht um einen "clash" oder "clashs", die alle existenziell betreffen. Dass die USA Europa hier ebenfalls konkurrierend gegenüber steht, sollte jeden Europäer auf Zurückhaltung mit diesem Autor gehen lassen, der wie Brzezinski und Kissinger Anhänger der Mackinder-Doktrin ist.

Huntington kündigte die kommenden Eroberungsfeldzüge der Amerikaner als "Kulturkampf" hoch.
Dieser "Kulturkampf" ist das alte Muster aus dem kalten Krieg, nur musste er die "Kulturen" alias Ideologien nun anders nennen und zeichnen. Hauptsache, Amerikas Rolle bleibt erhalten und erhält eine Legitimation.

LaRouche (noch mal danke an @ Gustauv Grambauer) weist übrigens darauf hin, dass dieses Konzept die Annullierung der Nationalstaaten insbesondere Europas beinhaltet. Wir dienen in diesem Clash-Konzept als Abschussbasis und Kanonenfutter. Huntington Kulturkreise kennen keine Nationen mehr (außer Japan), Deutschland kommt sowieso nicht vor, sondern nur noch kulturelle Großstämme, die in letzter Konsequenz zu einem Alles-oder-Nichts-Armageddon rüsten.
Dass aber dieser "clash" längst zelebriert wird, seit Jahrzehnten schon, habe ich versucht anzudeuten. Huntington hat gewissermaßen irgendwann die "Katze aus dem Sack" gelassen.
Ich wäre sehr vorsichtig als Deutscher, mir die Gedanken dieses Mannes zu eigen zu machen, auch wenn in ihnen manches irrlichtert, was europäische rechte Bewegungen dem Anschein nach ebenfalls vertreten.

Laurenz
28. August 2019 12:25

Werte Frau Kositza ..... ich gehe mal davon aus, daß Ihr Lese-Pensum gewaltig ist, also allerhand Arbeit ist in der Redaktion zu leisten.
Zitat Frau Kositza: Männer!! Was ist los, warum immer so hysterisch? -Zitatende

Wir stammen eigentlich nicht aus einer Schrift-, sondern einer Erzähl-Kultur. Noch in der Jugend meiner Großeltern saß man abends zusammen, erzählte und/oder sang gemeinsam. Selbst als mein Großvater dement wurde, das Hirn verkalkt, konnte Er um ein vielfaches mehr Lieder Seiner Jugend auswendig singen, als ich heute. Das Fehlen von Stimme und Mimik reduziert unsere Kommunikation drastisch. Wollten wir unserer alt hergebrachten Kultur "gerecht" werden, müßten wir Audio- oder gar Video-Dateien an SiN schicken, anstatt schriftlicher Kommentare. Leider geht lesen schneller. Auch wenn man die von Eckhart Tolle beschriebene irrationale, unbewußte Wahrnehmung, die selbst durch das Netz funktioniert, nachvollziehen kann, so interpretieren wir doch meist das Gelesene selbst, und verleihen ihm unsere eigene Stimme oder Stimmung. Von daher lese ich immer recht gerne Ihre Ergänzungen/Bemerkungen, weil diese es erlauben, in Ihr Lesegefühl hineinschauen zu dürfen. Bei Schreiben meines 2. Beitrags @zeitschnur, entsprach meine Stimmung etwa dem Vortragston von Dietmar Wischmeyer, zB https://youtu.be/e55swn93lEA (03:14), neige ich doch wenig dazu, mit Antik-Marxisten viel Federlesens zu betreiben.

Zitat Frau Kositza - S o kommuniziert man unter Ehrenleuten (oder stellen Sie sich vor: mit Frauen!) - höflich und verbindlich! - Zitatende

Es waren im wesentlichen die Frauen, (bis auf wenige Ausnahmen), die sich von Alice Schwarzer & ihrer Alt68er-Bande auf's Kreuz legen ließen. Das hat natürlich auch Auswirkungen auf Männer/Kerle. Wenn man in die "moderne" virtuelle Welt von mRPGs eintaucht, stellt man fest, daß auch nach und nach Frauen von den männlichen Spielern zugelassen worden sind. Dort nennt man die Minne, Höflichkeit und Zuvorkommenheit gegenüber Frauen kurzerhand "Titten-Bonus". Und in Teamspeak erfährt man viel von der Macht weiblicher Stimmen über Männer. Für Frauen, die weniger von zeitgeistiger Schönheit gesegnet wurden, ist das Medium sogar von Vorteil, ist der Mann beim Kennenlernen doch nicht von den lapidaren Äußerlichkeiten abgelenkt. Aber auf Dauer, ohne tatsächlich entsprechende Weiblichkeit real genießen zu können, hat es sich heutzutage schnell ausgebonust. Es gibt heute allerdings auch keine Frauen mehr, die, wie Elisabeth Cook, 3 Jahre auf die Rückkehr ihres Mannes warten.

brueckenbauer
28. August 2019 16:04

Kultureller Pluralismus ist mir an sich sympathisch. Bloß: wo soll die von Huintington behauptete "westliche" Kultur eigentlich existieren? Der Bolschewismus ist in Frankreich erfunden worden, und Großbritannien trägt heute mehr stalinistische Züge als Russland.

Gustav Grambauer
28. August 2019 21:57

Rabenfeder

Allerbesten Dank für Ihre Lorbeeren. Sage Ihnen noch etwas zur Farbe Grün. Sie kennen Faust bzw. Mephistofel: Blut ist ein ganz besonderer Saft. Steiner sagt: Das Ich lebt im Blute. Dasjenige Blut, in dem noch kein Ich lebt, ist der grüne Pflanzensaft. Es gibt zur - eminenten - Erfahrung dieses Gegensatzes eine Rosenkreuzermeditation. Grün steht also für Regression, phylogenetisch gesehen für den Rückbau der technogenen, Ich-geprägten, konquistadorischen / prometheischen / michaelischen Zivilisation zur biogenen Zivilisation, die kollektivistisch von Gruppenseelen geleitet wird. Ein Pflanzendasein, ein Vegetrieren ist für die Menschen unter dieser Egide vorgesehen, zu dem auch das Verbot des Feuers, sogar des physischen Feuers gehört, deshalb z. B. die Rauchverbote, die Betreibung der Abschaffung des Verbrennungsmotors usw. von dieser Seite her. Im Islam, der ja ebenfalls unter der grünen Flagge marschiert, im Prinzip dieselbe Agenda mit etwas anders gesetzten Akzenten.

- G. G.

Laurenz
28. August 2019 22:50

@zeitschnur ..... ja korrekt, jeder kann sich nun eine eigene Meinung bilden.

Die Frage, die sich in Ihrer letzten Ausführung an @alle stellt, ist, hatte Herr Huntington Recht oder nicht?
Wenn ja, spielt es doch keine Rolle, wie man es als Deutscher sieht, oder?
In den letzten 1.500 Jahren spielte die eigene Kultur- oder Zivilisations-Zugehörigkeit in der Politik, speziell in militärischen Auseinandersetzungen, nur noch wenig eine Rolle. Man opferte global die eigenen Leute, wenn dies der politischen Absicht diente. Natürlich existierten bis in die 60er Jahre des 20. Jahrhunderts formal rassische Unterschiede in den westlichen Demokratien, was historisch
enorm große Opferzahlen forderte, Britannien scheute es nicht in hunderten von Kriegen, darunter 2 Weltkriege, für politische Absichten auch die eigenen Kulturträger zu opfern. Offiziell hat Britannien in 21 oder 22 Holodomors um die 80 Mio. verhungerte Menschen auf dem Konto, meist durch Blockaden der Royal Navy. Auch im 21. Jahrhundert hat es Dank des großen Bedarfs an Akkus tatsächlich niemanden interessiert, daß 5 Mio. Menschen im Kongo gewaltsam ums Leben kamen.

zeitschnur
29. August 2019 08:30

@ G.G.

Interessant - darf ich das noch ergänzen: das menschliche Auge ist natürlicherweise für die Farbe Grün besonders sensibilisiert und nimmt wesentlich mehr Grüntöne wahr als irgendeine andere Farbe, was auch die Technik (Foto-Film-Fernsehen-Digitale Wiedergabe) vor große Herausforderungen stellte und stellt.

https://www.movie-college.de/filmschule/filmgestaltung/farbe/gruen

Und: Grün ist die liturgische Farbe, die seit dem Vaticanum II im Jahreskreis getragen wird, also außerhalb der Fest- und Bußzeiten wie in der Natur die dominante Farbe ist. Wofür steht sie in der katholischen Kirche? Für die Auferstehung.

Man könnte das als eine Art Vorfarbe zur Reife, auch als krankhaft verstehen, wenn Grün nicht überschritten wird, daher auch Redensarten und Begriffe wie

"Grün hinter den Ohren"
"Greenhorn"
"Grünschnabel"
"giftgrün"

Im Farbkreis gilt Grün als kalt und ist die Komplemantärfarbe zu Rot, der Feuerfarbe.

Aber wie schrieb Rilke so schön in den "Sonetten an Orpheus" (XXII):

"Alles ist ausgeruht:
Dunkel und Helligkeit,
Blume und Buch"

Blume und Buch...

Das Verbot des Feuers wird in letzter Konsequenz auch das Pflanzliche unterdrücken: wo kein CO2, da kein Pflanzenwachstum mehr! Wenn man hört, dass manche Klimafans sogar am Himmel Chemikalien ausbringen wollen, um das Sonnenlicht zu absorbieren, wird klar, dass es das Rot nicht ohne das Grün und umgekehrt gibt. Dementsprechend blutig ist der Islam je mehr er einen auf Grün macht. Und die "Grünen" stellen zunehmend ein Potenzial dar, das extremistischen, totalitären Charakter hat.
Die Roten dagegen haben historisch die Grünen hervorgebracht.

https://www.mdr.de/wissen/umwelt/risiko-geoengineering-gegen-klimawandel-100.html

Laurenz
29. August 2019 20:51

@zeitschnur .... Herr Maaßen auf RT bei ca. 01:37 https://youtu.be/bTpBwr2bAzQ

Franz Bettinger
29. August 2019 22:30

Na gut, dann noch ein Schmankerl zu GG's Betrachtungen über Bio-Farben. Etwas hat mich als Student der Botanik doch sehr erstaunt: Nur ein Atom, ein einziges innerhalb von Abertausenden in seinem Trägerprotein, macht in der Biologie den Unterschied zwischen Grün und Rot aus. Das Zentralatom des Chlorophyll ist Magnesium, das im Häm (von denen es 4 im Hämoglobin gibt) ist Eisen. Ansonsten sind Häm und Chlorophyll völlig identisch. Riesenmoleküle, die nur 1 Atom unterscheidet! Der Unterschied zwischen Gut und Böse - so könnte man fabulieren (ich aber nicht; ich mache nur einen Scherz) - ist also minimal.

Gustav Grambauer
30. August 2019 22:48

@Moderation

Dritter Versuch einer Antwort an zeitschnur, nochmals um das, was sich mir nicht als anstößig oder verfänglich erschließt, gekürzt:

"... ultramontaner Imperialismus ..."

"Die geistigen Kräfte, mit denen er (Trump, - G. G.) sich dauerhaft umgibt, sprechen eine andere Sprache, aber vielleicht gehört das auch in ein weiteres Kalkül des xten Bodens dieser politischen Ränke."

Das ist wahrlich sozusagen 4-D-Schach, erklärt sich aber einigermaßen hinreichend im Wissen um die Tandemsteuerung. Die venezianisch-holländisch-britische Fronde ist doch nichts anderes als die Transatlantiker, denen jetzt die Steuerung der Weltzivilisation zugunsten der Eurasier entzogen wird und wobei Trump in der Hierarchie Sklave - Figur - Helfer - Spieler - Spielleiter - Herr des Spiels ein Helfer des Globalen Prädiktors, mag sein in Ansätzen auch selbst ein Spieler ist. Warum bekommt denn Deutschland so viele "Schutzsuchende" ausgerechnet aus Syrien kontingentiert? Doch wegen der Affinität Syriens zum Iran, denn das Steuerungszentrum Europas soll von London allmählich in den Iran verlagert werden, worin auch der Kern des Brexit zu sehen ist. Der Brexit verläuft erfolgreich, die Verlagerung in den Iran liegt weit außerhalb des Zeitplanes, ebenso die Umsiedlung der Myriaden europäischer Lakaien, Londoner Bankster usw., in die Geisterstädte Chinas, die - noch - mit Zuckerbrot betrieben bzw. beworben wird, noch nicht mit der Peitsche durchgesetzt wird. Zum Plan gehört insofern auch, den sunnitischen Islam zum Terror-"Schurken" aufzubauen und im geeigneten Moment den schiitischen Islam als Heilslösung anzubieten, usw. usf, es gäbe noch so viel zu diesem Prozeß zu sagen.

Trump wurde vom Globalen Prädiktor als Insolvenzverwalter des weltweiten transatlantischen Systems aufgebaut. Dies geschah über Jahrzehnte dadurch, daß ihn seine Trainer systematisch immer wieder nahe an die Pleite führten aber nie pleite gehen ließen. Dadurch wurde er trainiert, sich selbst aus den roten Zahlen heraus immer wieder nach oben zu arbeiten, denn diese Fähigkeit würde gebraucht werden und wird jetzt gebraucht. Trump gehört nicht zum transatlantischen Establishment. Ob jemand zu diesem dazugehört oder nicht hängt keineswegs von dessen Vermögen ab, logisch: es sind ja auch viele Eurasier, Neutrale und Sonstige steinreich, sondern vom Einweihungsgrad in satanistische Kulte ausgehend von der Doktrin der Aufklärung ("Illuminatismus") in ihrem seltsamen Nexus zu reduktionistischen (sozialdarwinistischen) Ideologemen, die LaRouche unter "oligarchisches Prinzip" subsumiert und sogar als faschistisch bezeichnet (worüber ich mit ihm diskutieren würde, was ich, da ich seinen Zugang zu dem Phänomen aus einer nicht im durchschnittlichen Sinne disputationstauglichen historischen Tiefe geschöpft erfasse, aber nachvollziehen kann).

Zugleich ist Trump Republikaner im wahrsten Sinne des Wortes anders als der erdrückend große Rest des Establishments der Republikanischen Partei. Hierzu konsistent hat er, vorbereitet durch die Tea-Party-Bewegung, die Abkoppelung der USA vom britischen Empire leise aber zielstrebig und überraschend schnell vollzogen und damit eine ganze Ära für die gesamte Zivilisation beendet sowie eine neue initiiert. Auch wenn dieses Empire jetzt steuerungstechnisch sowieso fallengelassen wird, s. o., kann man diese Tat gar nicht hoch genug würdigen, zumal in ihrer Konsequenz und in ihrem Gelingen. Sie wurde aber kaum gewürdigt, ja kaum bemerkt, selbst von den besseren Analysten nicht, obwohl sie vor ihren Augen vollzogen wurde, in ihrer äußerlichsten Begleitsymbolik mit der Erniedrigung der Königin sogar als Massenspektakel auf allen Fernsehbildschirmen.

(Oder sie stehen eben auf seiten des britischen Modells. Dann müssen sie aber auch wissen, daß sie sozusagen als Ungehorsame gegen ihr eigenes oligarchisches Prinzip handeln, weil, s. o., ihr Herr die britische Phase ja gerade beenden will, und es muß ihnen auch klar sein, daß sie sich somit auf der Verliererseite positioniert haben. Es wird dieser Fraktion jetzt nicht mehr gelingen, ihr heißersehntes Neues Dunkles Zeitalter durchzudrücken. Ich schaue ab und zu in den Blog von Herrn Seidel hinein. Er äußert dort durchgängig seinen Mißmut über die Symptome (!) des - ja bereits eingeleiteten - Neuen Dunklen Zeitalters, ohne aber, - wie sein Lob hier für Huntington zeigt -, dessen Urheberschaft auch nur im Ansatz zu verstehen.)

Jedenfalls sage ich auch hier wieder: die Formel Der Feind meines Feindes (Fukuyama) ist mein Freund (Huntington) wird der Komplexität und Vielschichtigkeit der Prozesse nicht gerecht.

---

Die LaRouche-Bewegung ist für mich hochambivalent. M. E. versteht man sie am besten, wenn man weiß, daß sie sich mit Nietzsche gesprochen allein dem Apoll verpflichet sieht und den Dionysos von Grund auf ablehnt (so wie ja alle wohlverstandenen Bolschewiken). Hieraus erwächst eine große Stärke, wie sie sich in der nichrt nur intellektuellen sondern auch kulturellen, ästhetischen, in summa moralischen Kraft insbesondere Lyndon LaRouches gezeigt hat. Diese einseitige Verpflichtung ist aber auch ihre größte Schwäche. Diese Einseitigkeit ist m. E. der Schlüssel zum Verständnis all der dortigen Abgründe einer Sekte, wie sie hier einmal zusammengefaßt wurden:

www.zvab.com/servlet/BookDetailsPL?bi=15741088222&searchurl=hl%3Don%26kn%3Dflensburger%2Beap%26sortby%3D20&cm_sp=snippet-_-srp1-_-title1

- G. G.

Gustav Grambauer
30. August 2019 23:22

zeitschnur

"Das Verbot des Feuers wird in letzter Konsequenz auch das Pflanzliche unterdrücken"

"Das tägliche Brot der Revolution
Ist der Tod ihrer Feinde, wissend, das Gras noch
Müssen wir ausreißen, damit es grün bleibt" - Heiner Müller: Mauser

Aber Gundermann, große Seele mit großem Herzen, großer Poesie und großen Kompositionen, auch wenn man sich seine Performance und seine sonstige Ansichten ja nicht zu eigen machen braucht, singt:

"immer wieder wächst das gras
wild und hoch und grün
bis die sensen ohne hass
ihre kreise ziehn
immer wieder wächst das gras
klammert all die wunden zu
manchmal stark und manchmal blass
so wie ich und du"

https://www.youtube.com/watch?v=BMYX1-k-VB0&list=PL30F25B52A383206C

- G. G.

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