Das war’s. Diesmal mit: Leben auf twitter …

... Schule ohne Rassismus und "Kubitschek" als Chiffre.

Ellen Kositza

Ellen Kositza ist Literatur-Redakteurin und Mutter von sieben Kindern.

Sep­tem­ber 2019 – “War­um schreibt eigent­lich die Kositz­ka nicht mehr?”,  so wur­de in den letz­ten bei­den Mona­ten hier und da ange­fragt, selt­sa­mer­wei­se zur Hälf­te mit dem “k” in der Mit­te zuviel. Eini­ge ande­re Leser wuß­ten Bescheid: „Twit­ter kil­led Das war´s“.

Ja, das stimmt irgend­wie. Seit Juni 2019 kom­mu­ni­zie­re ich näm­lich täg­lich in Kurz­form das auf twit­ter, was ich zuvor jah­re­lang wöchent­lich in mei­ner Das war’s‑Kolumne auf­be­rei­tet hat­te. Jetzt also twitter.com/EKositza. (Man kann mir dort auch fol­gen, ohne selbst „aktiv“ zu sein.)

Wer sich über die­sen Tat­be­stand ver­wun­dert, weiß ver­mut­lich, wie rück­stän­dig ich eigent­lich bin. Haus­ar­bei­ten – Schnip­peln, Schä­len etc.  – erle­di­ge ich bei­spiels­wei­se gern in der Hocke. Kubit­schek kennt das sonst nur aus Kame­run und ver­mu­tet des­halb afri­ka­ni­sche Gene. Ich habe nicht nur kei­ne „Küchen­ma­schi­ne“, son­dern auch kein Handy/Smartphone, und ich weiß meis­tens nicht, wie elek­tro­ni­sche Din­ge wirk­lich funk­tio­nie­ren. Ich bin also reich­lich alt­mo­disch und wenig tech­ni­kaf­fin. „ Auf twit­ter“ gefällt es mit den­noch ziem­lich gut. So sehr, daß ich mei­ne Kolum­ne hier ver­nach­läs­sigt habe!

Die Sache ist: Mir begeg­nen täg­lich etwa drei bis zehn Din­ge, die ich als bizarr und erzäh­lens­wert emp­fin­de. Und zwar seit Jahr­zehn­ten. Wie schön, eine Aus­wahl des­sen in maxi­mal 240 Zei­chen raus­las­sen zu kön­nen! Nicht tage­lang ansam­meln und das „best of“ dann leicht aus­ge­walzt preiszugeben!

Hin­zu kam, ich muß es geste­hen, daß ich eine gewis­se Sät­ti­gung unse­rer Kom­men­ta­ri­ats beob­ach­ten muß­te. Durch­schnitt­lich wird ein Arti­kel auf sezession.de um die 15 000 Mal gele­sen, Spit­zen­wer­te lie­gen bei 70 000. Das ist sehr ordentlich.

Aber: Wenn ich es über­schla­ge, kom­me ich auf etwa 25 Stamm­kom­men­ta­to­ren und wei­te­re 25 „gele­gent­li­che“. Ich bin sicher­lich nicht reprä­sen­ta­tiv, aber ich habe mich da doch satt­ge­le­sen. Es ermun­tert mich jeden­falls nicht, logs zu schrei­ben. Kubit­schek ist da anders. Er sagt immer, daß etli­che Leser, auf die es auch ankommt und in denen die Tex­te gären, nie kom­men­tie­ren würden.

Etwa 70% unse­rer Stamm­kom­men­ta­to­ren sind eine ech­te Berei­che­rung. 20–30% defi­ni­tiv nicht. Ich habe manch­mal den Ein­druck, als müß­te ich man­chen (eher aggres­si­ven, bescheu­klapp­ten, ein­gei­gel­ten) Kom­men­ta­to­ren die Teil­ha­be am Schüt­zen­ver­ein o.ä. anbah­nen! So ist es aber nur soge­nann­te „Männ­lich­keit“, die im Netz ver­pufft. Wei­te­re Asso­zia­tio­nen mag ich mir lie­ber ersparen.

Twit­ter (es twit­tern unter unse­ren Stam­m­au­toren übri­gens auch Mar­tin Licht­mesz, Bene­dikt Kai­ser und Ras­kol­ni­kow; alle­samt leicht zu fin­den) hat ein gewis­ses Sucht­po­ten­ti­al. Vie­le Mitt­wit­te­rer kom­men­tie­ren oder „ret­wee­ten“ Inter­es­san­tes – man könn­te da leicht in einen „News“-Rausch gera­ten. Da ich viel auf Aske­se hal­te, über­schrei­te ich – wie­viel Input auch immer ich erhal­te – nie die gute hal­be Stun­de täg­lich, die ich mir als Gren­ze gesetzt habe, die­sem Por­tal an Zeit zu widmen.

Ich muß hin­zu­fü­gen, es ist eine höl­lisch gute hal­be Stun­de! Ob Sie mir fol­gen können?

– – –

10. Sep­tem­ber – Ich zur Toch­ter: „Aha, Ihr habt am 13. Sep­tem­ber Schul­fest? Komisch. Gro­ßes Schul­fest war doch gera­de vor den Sommerferien?“

„Hmja, das jetzt ist aber sozu­sa­gen das Dop­pel­plus­gut­schul­fest. Dau­ert den gan­zen Tag und fin­det des­halb statt, weil wir ja, weiß­te ja, Schu­le ohne Ras­sis­mus sind. Das ist das Mot­to. Und jeder Schü­ler muß sich dafür in so einen Wörk­schopp einwählen.“

„Klingt wirk­lich dop­pel­plus­gut. Laß mal sehen!“

Ich sehe: Es gibt im Netz kei­ne Was? Wann? Wo? War­um und wie­so über­haupt?- Beschrei­bung, son­dern nur die Vor­stel­lung von 31 Wörk­schopps. Jede/r Schüler/in muß einen aus­wäh­len. Nicht alle sind für alle Alters­klas­sen geneh­migt! Indok­tri­niert wird altersgerecht!

Die Klei­nen dür­fen „gegen Ras­sis­mus Kra­ni­che fal­ten“: „Wir brin­gen euch bei, wie man Kra­ni­che aus Papier fal­tet! Das Sym­bol des Frie­dens wird am Ende des Fes­tes umher­flie­gen!“ Kra­nich wäre also die neue Taube?

Dane­ben gibt es (Klas­sen­stu­fen 7–12) einen Wörk­schopp mit „Igor Mali­ti­s­kyj [sic] & Über­set­zer Petro Tivi­kov“ „Unser Schul­pa­te Igor schil­dert sei­ne Lebens­ge­schich­te und stellt sich euren Fra­gen!“  Herr Igor ( de fac­to Malitsky, hier trägt er erneut „Dress“ https://www.nwzonline.de/politik/70-jahre-befreiung-des-kz-auschwitz-die-welt-haelt-inne_g_23,0,908254400.html) ist Holo­caust­über­le­ben­der und „Schul­pa­te“ unse­res Gym­na­si­ums „gegen Ras­sis­mus, für Courage“.

Als er in die­ses sein Amt beru­fen wur­de, vor Jah­ren, muß­ten die Schüler/Innen für ihn Geld sam­meln. Herr Igor hat­te damals näm­lich noch gar kei­nen Com­pu­ter! Der soll­te finan­ziert wer­den, damit Herr Igor in Kon­takt zu den Schü­lern gegen Ras­sis­mus etc. blei­ben konn­te. Es hat­te böses Stirn­run­zeln gege­ben, als unser Kind (mitt­ler­wei­le auf einer ande­ren Schu­le) damals nur … wenig spendete.

Sei’s drum; es gibt zum Mega-Schul­fest wei­te­re „Ange­bo­te“, etwa für „Klas­sen­stu­fe 9–12“. Etwa zur Fra­ge: „Wie tra­gen wir dazu bei, dass kein Flücht­ling mehr ertrin­ken muß?“

Und, eben­falls für Klas­se 9–12: „Mehr oder weni­ger gleich? Ein prak­ti­scher Work­shop über die Gleich­be­rech­ti­gung von Mäd­chen* und Frau­en* heu­te. Wir freu­en uns auf euch – jedes Geschlecht ist will­kom­men (Smi­ley)“.

Alter­na­tiv und bereits ab Klas­se 8 kann man/frau ein Pro­jekt besu­chen, das „ Alles Gen­der – oder was?“ titelt. Wie bit­te? „Es wer­den Grund­la­gen und aktu­el­le Ent­wick­lun­gen zu Inter-und Trans­ge­schlecht­lich­keit, nicht-binä­rer Geschlechts­iden­ti­tät sowie zu Geschlech­ter­rol­len ver­mit­telt-.“ Hah! Ich ken­ne die Typen und Tus­sis die­ser Alters­klas­se in Quer­furt ganz gut. Alles alte Schu­le. W und M fah­ren Sim­son, die einen kurz­haa­rig, die ande­ren mit flat­tern­dem Zopf. Nied­lich, zu den­ken, man könn­te durch Indok­tri­na­ti­on etwas an anthro­po­lo­gi­schen Grund­mus­tern ändern! Land­le­ben ist old­schol­le. Selbst in  der Provinzstadt.

Oder, eben­falls ab Klas­se 9, ein wei­te­res Pro­jekt: „Ene mene muh und raus bist du – Flucht und Asyl in Deutsch­land“. Hier wird ein „Plan­spiel“ gebo­ten, das die Schü­le­rIn­nen „in die Situa­ti­on Geflüch­te­ter“ ver­setzt:  „In wel­che Schu­le dürft ihr gehen? Wie wohnt ihr? Wel­che Kon­flik­te ent­ste­hen?“ Ich bin mir rela­tiv sicher, daß Kon­flik­te, die mit „Mes­ser“, „Wut“, „Ehre“ und „Kopf­tuch“ zu tun haben kei­ne Rol­le … „spie­len“

Des wei­te­ren gibt es einen Wörk­shopp zur „soge­nann­ten Iden­ti­tä­ren Bewe­gung“ und einen zum The­ma „Rech­te Sym­bo­le erken­nen – Stadt­rund­rang auf der Suche nach rechts­ex­tre­men Gra­fit­ti und Stickern“.

Im Ernst: Ich habe gar nichts gegen Bestre­bun­gen, die sich gegen Ras­sis­mus rich­ten. Schon in Ord­nung und gut so! Aber der gan­ze ande­re Quark? War damals unser Haupt­ar­gu­ment beim Rek­tor: daß unter dem Deck­man­tel “gegen Ras­sis­mus” die kom­plet­te grü­ne Dekon­struk­ti­ons- und Gesell­schafts­um­bau­ideo­lo­gie durch die Gän­ge der Schu­le gespült wer­den würde.

Neben­bei bin ich aller­dings auch gegen Aus­gren­zung all­ge­mein. Und gegen Denun­zi­an­ten­tum, gegen Dro­gen­miß­brauch, gegen Mob­bing, gegen jed­we­de Heim­tü­cke, gegen ideo­lo­gi­sche Indok­tri­na­ti­on, gegen Halb­wahr­hei­ten etc pp!  Und: Logisch dür­fen Schü­ler mit der mör­de­ri­schen Iko­ne eines Che Gue­va­ra auf der Brust her­um­lau­fen – so lan­ge die Auf­schrift „Rape­fu­gees not wel­co­me!“ eben­falls gedul­det wird. Hal­lo, Beu­tels­ba­cher Kon­sens?

Unse­re Toch­ter hat dann übri­gens einen Kurs gewählt, den ich gou­tier­te. Was mit Schau­spiel. Das scha­det nie.

– – –

11. Sep­tem­ber

Mit Kind beim Fach­arzt. Pra­xis­schwes­ter: „Wie buch­sta­biert sich das? K‑u- b- i; und dann? Tsche­chisch oder deutsch?“

„Na, deutsch. Also mit t‑s-c-h‑e k.“

„Oha. Gewis­ser­ma­ßen ein belas­te­ter Name, oder?“

Ich. „Ohje, hören Sie auf…“

Sie: „ Ah, ich sehe, Sie wis­sen, wen ich mei­ne…. Egal. Kann man ja nichts für, der könn­te ja auch Mül­ler, Mey­er, Schul­ze hei­ßen, aber nu heißt er halt so. Und ich find’s im Grun­de auch gar nicht schlimm. Also: mei­ne Mei­nung… aber die hat hier gar nichts zu suchen.“

Sie zwin­kert. Ich zwin­ke­re. Kind zwin­kert. Dunkeldeutschland.

Ellen Kositza

Ellen Kositza ist Literatur-Redakteurin und Mutter von sieben Kindern.

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Kommentare (29)

Lotta Vorbeck

11. September 2019 14:07

EK: "... Sie zwinkert. Ich zwinkere. Kind zwinkert. Dunkeldeutschland."

**********************

Solange man sich (in Dunkeldeutschland) noch zuzwinkert, scheint zumindest auch noch nicht alles verloren zu sein.

Niekisch

11. September 2019 14:44

"Kubitschek ist da anders. Er sagt immer, daß diejenigen Leser, auf die es ankommt und in denen die texte gären, nie kommentieren würden."

Mich interessiert zu erfahren, woran sich das festmachen läßt.

Langsax

11. September 2019 14:51

Nun muß ich mich doch mal melden. Ja, ich lese hier regelmäßig mit. Mache mir meine Gedanken über die Themen, die buchstäblich auf der Straße liegen und hier und anderswo beschrieben werden. Interessant finde ich, daß Sie Twitter nutzen. Man liest doch in jüngerer Zeit öfters, daß dort Zensoren metternichscher Art ihr Unwesen treiben und all das, was der Obrigkeit nicht paßt, zensieren. [... und daß, obwohl ich ein Freund der sehr kurzen Ansprache bin].
Ist schon mal jemand auf die Idee gekommen, das doch die gegenwärtige Politik (die sich auch in der "Schule ohne Rassismus") wiederfindet eigentlich streng genommen antideutscher Rassismus ist? Es geht ja um nix weiter, als die Verdrängung der Deutschen und ihrer Ideenwelt in Deutschland!

PS: Mit dem Begriff "Rassismus" wie er heute verwendet wird, habe ich ein echtes Problem. Es soll keine Rassen geben, aber es gibt Rassismus, sogar "kulturellen" Rassismus. Logik war noch nie die Stärke von stalinistischen Ideologen.

Ein gebuertiger Hesse

11. September 2019 15:07

"Er sagt immer, daß diejenigen Leser, auf die es ankommt und in denen die Texte gären, nie kommentieren würden."

Da steckt was Wichtiges drin. Kann es sein, daß es Energie (in puncto Beherzigung, Umsetzung des Gelesenen) NIMMT, wenn man eine starke Lektüre-Erfahrung allzu schnell kommentiert? Tut man sie damit ab? Entkräftet man sie, da man die eigene Reaktion auf sie bereits mitgeteilt, an den Mann gebracht hat? Steckt hier eine der üblichen Verwechslungen einer Sache mit ihrer Verbalisierung dahinter? Das kann verdammt nochmal sein.

Michael B.

11. September 2019 15:19

> Mich interessiert zu erfahren, woran sich das festmachen läßt.

Na an denen, die kommentieren :D

zeitschnur

11. September 2019 16:10

Origami: 1000 Kraniche falten und dann einen Wunsch erfüllt bekommen.

https://de.wikipedia.org/wiki/Sadako_Sasaki
Gibt auch eine gleichnamige Novelle von Yasunari Kawabata. Es gibt ein traditionelle Stoffdruckmuster der 1000 Kraniche, das in der Erzählung eine Rolle spielt. Schöne Geschichte.

Die Friedenstaube ist einfach zu eurozentristisch. Und nach so viel Kopftuch, "Walla" und "halal" überall kommt jetzt auch mal der Ferne Osten als Gewürz dran im bunten Eintopf.

Apropos "Leser, in denen die Texte gären, auf die es ankäme, die aber nie kommentieren würden" etc.pp. - Ich fürchte, diese Leser werden immer Projektionsfläche eines anspruchsvollen, aber hoffnungslosen Blicks sein. So eine Art Warten auf den politischen Märchenprinzen. Meine Oma hätte gesagt. "Die müssen dem auch erst noch gebacken werden".
Und wenn dann mal einer kommt, auf den es ankäme, kann es sein, dass der Rausch schnell vorbei ist, weil auch dessen glanzvolle Fassade einen Haufen Dunkel-Dunkeldeutschland verbirgt.

Caroline Sommerfeld

11. September 2019 16:32

Würden wir eigentlich umgekehrt ein Volkstanz-, II-WK-Kriegsursachen-, Antifapickerlnabkletzel- und Remigrationsworkshop-Schulprojekt wollen?

Flor Redoersch

11. September 2019 16:35

Liebe Frau Kositza,

Sie wiesen auf den Beutelsbacher Konsens hin. Statt auf Wikipedia hinzuweisen, möchte ich vorschlagen, zukünftig sich diesbezüglich bei der „Bundeszentrale für politische Bildung“ zu bedienen: https://www.bpb.de/die-bpb/51310/beutelsbacher-konsens.
Ob die gar nicht weiß, dass soetwas auf ihrer Seite zu finden ist?!

Liebe Grüße,
Flor Redörsch

Niekisch

11. September 2019 16:48

"Kann es sein, daß es Energie (in puncto Beherzigung, Umsetzung des Gelesenen) NIMMT, wenn man eine starke Lektüre-Erfahrung allzu schnell kommentiert? Tut man sie damit ab? Entkräftet man sie, da man die eigene Reaktion auf sie bereits mitgeteilt, an den Mann gebracht hat? Steckt hier eine der üblichen Verwechslungen einer Sache mit ihrer Verbalisierung dahinter? "

@ Ein gebuertiger Hesse 11.9. 15:07: als ebenfalls gebürtiger Hesse wage ich die Behauptung, daß es auch umgekehrt sein kann, wobei eine Erfahrung nicht kommentiert werden kann. Nur der Text wird kommentiert. Bestärkt sich nicht vielleicht die Lese-Erfahrung - das innerliche Bewerten- dadurch, daß ein Kommentar formuliert wird? Ist er doch Ausfluß der beim Lesen gemachten Erfahrung. Wenn schnell kommentiert wird, dann kann das den Vorteil haben, daß Erkenntnisgewinn nicht durch Abwarten wieder verwässert wird, gar durch weitere Überlegungen verfälscht wird. Spontaneität muß nicht nachteilig sein.
Die erste Frucht ist oft die beste Frucht.

Verwechslung einer Sache mit ihrer Verbalisierung? Das sollten Sie erklären. Es verbalisiert doch der Autor des Artikels seine Gedanken und der Kommentator verbalisiert ebenfalls seine Gedanken, die er beim Lesen des Artikels bildet, bzw. die sich in ihm bilden. Wo findet da ein Verwechseln statt?

Fredy

11. September 2019 17:26

So, ich wollte Mal zu den 20-30% gehören. Bei mir gärt nichts.

nom de guerre

11. September 2019 17:39

„Kubitschek ist da anders. Er sagt immer, daß diejenigen Leser, auf die es ankommt und in denen die texte gären, nie kommentieren würden.“
Im Umkehrschluss scheint der kommentierende Leser jemand zu sein, der die Texte nur oberflächlich rezipiert und auf den es (deshalb?) nicht ankommt. Nun, eigentlich gäbe es das eine oder andere dazu zu sagen, inwiefern der Austausch mit Gleich- oder ähnlich Gesinnten solche geistigen Gärungsprozesse fördern und dessen Fehlen sie behindern kann (nicht muss, das will ich gar nicht behaupten), aber wozu der Aufwand, wenn die Kommentare hier ohnehin entbehrlich sind? Daher nur soviel: Was für eine Einstellung, die eigenen Texte offenbar für so perfekt, so durchschlagend zu halten, dass sie im Leser nur noch gären müssen, ohne dass eine wie auch immer geartete Rückmeldung, eine Diskussion etc. erforderlich wäre. Was für eine unglaubliche Arroganz dem eigenen Publikum gegenüber und, nicht zuletzt, was für eine seltsame Vorstellung von fruchtbringendem Denken!

Frieda Helbig

11. September 2019 18:15

Liebe EK,
bitte nicht so streng ob der Kraniche. Soweit ich mich erinnere ein japanisches Symbol. Wir falteten die zu DDR-Zeiten immer brav in der Schule, um den Atombombenabwurf auf Nagasaki und Hiroshima zu gedenken. Also eigentlich ein schönes Symbol und wohl typisch dunkeldeutsch...

Augustinus

11. September 2019 19:13

50 Kommentatoren. Das ist echt wenig. Vielleicht verzichten Sie auf Anmeldung. Anmeldung ist eine gewisse Hürde. Ohnehin erscheint mir beim Anmeldeverfahren das hin und herschicken von E-mails sinnlos. Des weiteren könnte man natürlich die Länge der Kommentare technisch begrenzen.

Nemo Obligatur

11. September 2019 19:31

Aber: Wenn ich es überschlage, komme ich auf etwa 25 Stammkommentatoren und weitere 25 „gelegentliche“. Ich bin sicherlich nicht repräsentativ, aber ich habe mich da doch sattgelesen.
+++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++

Geht mir ähnlich. Deswegen melde ich mich nur noch selten zu Wort. Aber Twitter ist Hyperakzeleration. Ich habe dagegen mehr Gefallen an Langsamkeit gefunden und lese wieder Bücher. Jedem das Seine. Und irgendwann kommen dann auch wieder andere Zeiten.

Nemesis

11. September 2019 19:50

"Hausarbeiten – Schnippeln, Schälen etc. – erledige ich beispielsweise gern in der Hocke.
Kubitschek kennt das sonst nur aus Kamerun und vermutet deshalb afrikanische Gene."

Cultural Appropriation?

"Er sagt immer, daß diejenigen Leser, auf die es ankommt und in denen die texte gären, nie kommentieren würden."

Ganz ohne Gärröhrchen?
Oder wollen Sie den Blog runterfahren?
:))

Achterndiek

11. September 2019 19:56

@ Langsax

"PS: Mit dem Begriff "Rassismus" wie er heute verwendet wird, habe ich ein echtes Problem. Es soll keine Rassen geben, aber es gibt Rassismus, sogar "kulturellen" Rassismus. Logik war noch nie die Stärke von stalinistischen Ideologen."

Meines Wissens hat Trotzky als erster den Kampfbegriff "Rassismus" in die Umlaufbahn gebracht. Die Logik der BUNT-Bolschewisten geht so: Zwar gibt es keine Rassen, was den Bösmenschen aber nicht daran hindert, eine solche zu konstruieren. Es handelt sich um eine Erscheinungsform des "Othering", zwar seien wir Menschen alle gleich, was aber kein Hinderungsgrund ist, künstlich Andersartigkeiten zu erzeugen.

Götz Kubitschek

11. September 2019 20:14

Gut, gut: Auch die meisten Kommentatoren sind Leser, auf die es ankommt. Sollte ich mit einer von Kositza paraphrasierten Äußerung Gefühle von Menschen verletzt haben, werde ich meinem inneren Social Media Team die Ohren langziehen.

Aber: Es ist schon so, daß es Kommentatoren gibt, die unter fast edem Artikel dasselbe Lamento anstimmen, oft zeilenlang, und das muß nicht sein. Und dann gibt es eine zweite Sorte, die jeden, der abweichen will, des Abweichlertums bezichtigt und Beschimpfungen ausstößt. So etwas löschen wir meist, aber manchmal rutscht's halt durch. Daher: Gären lassen, durchkauen - fällt dch auf, daß wir nicht fünf, sondern bloß einen, manchmal zwei Beiträge pro Tag veröffentlichen, also auch die Tinte sparen.
Also, das ist mein Vorschlag: gründlich nachdenken, ergänzen, verstehen wollen, höflich bleiben.

Mischka

11. September 2019 21:26

Ich lese regelmäßig, kommentiere nie - und in mir gärt es. und wir sind viele. Qed.

heinrichbrueck

11. September 2019 22:17

@ nom de guerre
Warum wollen nur alle immer diskutieren? Worüber? Wenn ich etwas wissen will, muß ich zuallererst lernen. Anfangs habe ich hier keine Kommentare gelesen, die Texte reichten mir völlig. Kommentare waren vorurteilsbeladen; andernorts wohl welche gelesen. Das Gekünstelte, Verlogene, schon nach zwei Absätzen der meisten Druckerzeugnisse, wird es sichtbar. Und das Gefühl dabei, als müßte ich etwas rauswürgen, was dort nicht hingehört. Die Sprachsphäre dieser Zeitepoche hatte einen dermaßen versauten Eindruck hinterlassen wollen, daß ich immer gegensteuern mußte. Deshalb sind Beiträge, wie in der Sezession zu lesen, das Netz hier wird nicht ausgeklammert, ein präventiv wirkendes Gegengift. Deren Arroganz der Normalität, nicht weiter schlimm. Und alles immer noch keine Diskussion.
Meine Informationssammlung hält einen gewissen Speicherinhalt besetzt, zuweilen in einer Art und Weise geladen, daß die Hoffnung schwarz sieht. Ich kann mich an keine Diskussion erinnern, deren Ergebnis, ob richtig oder falsch, nicht schon vorher festgestanden hätte. Die meisten Menschen haben nicht die geringste Ahnung, von einem Verständnisbereich einer Diskussionsmöglichkeit ganz zu schweigen, was in diesem Land abgeht. Diese falsche Sicht der Dinge, deren Programmierung politisch keine Kursänderung vorsehen kann, fährt mit Höchstgeschwindigkeit auf einem toten Gleis in den Abgrund. In diesem Zug können alle diskutieren, den Abgrund können sie nicht wegdiskutieren. Wenn also jemand es schaffen kann, diesen Leuten die Wahrheit so zu sagen, dann wird diese Wahrheit kein Ponyhof sein. Meine Befähigung ist in diesem Bereich eher ungeeignet. Ich befand mich aber auch noch nie vollständig in diesem Zug. Und gab es jetzt eine Diskussion?

Ein gebuertiger Hesse

11. September 2019 23:09

@ Niekisch
Was das Verwechseln einer Sache mit ihrer Verbalisierung angeht, meinte ich, daß intellektuelle Leute eben gern das Schriftwort so hoch werten, daß es mit dem Beschriebenen praktisch in eins gesetzt wird. Das Beschriebene gewinnt seine Faktizität geradezu erst über die Verschriftlichung und wird mit dieser allzu schnell abgehakt.

Aber daß, wie Sie sagen, Spontanität nicht nachteilig sein muß und die erste Frucht oft die beste ist, da laufen Sie bei mir offene Türen ein und ich erkenne den Landsmann. Das hessische Temperament bevorzugt den unmittelbaren Zugriff.

Laurenz

11. September 2019 23:13

Twitter hin oder her, wie hoch ist denn bitte die Reichweite auf Twitter?

Karl Hrdlicka

12. September 2019 06:37

Noch ein Grund warum wir (mein Weib und ich ;) )
die Reihe "Das Wars" mögen.

Es ist faszinierend Kinder zu haben. Uns hat es im
Entschluss bestärkt. Ich schlafe jetzt weniger, aber
das war es Wert.

Waldgaenger aus Schwaben

12. September 2019 07:59

Sättigung ist das Wort, das ich gesucht habe. Ich lese hier alle Artikel, überlege mir zu den meisten einen Kommentar und schreibe ihn dann doch nicht. Den Lauf der Welt werde ich mit meinem Kommentar nicht ändern, auch nicht ein bisschen. Also lasse ich es sein.

Wutbürger oder Mutbürger bin ich nicht mehr, eher Gleichmutbürger. Wenn ich gelegentlich Tagesschau oder Heute-Journal einschalte, ärgere ich mich nicht mehr. Die Bilanz des Tages fällt immer ähnlich aus: Auf der Habenseite eine Errungenschaft zum Klimaschutz, meist in Form eines Vorschlages oder einer Rede oder etwas Positives zu Flüchtlingen, auf der Sollseite etwas Schlimmes aus der Ecke Trump, Johnson, AfD.
Langeweile, nicht Ärger, lässt mich den Ausschalteknopf nach weinigen Minuten drücken.

Ich dachte immer dieses Gefühl der Sättigung scheint sich nur bei mir einzustellen, geschuldet meiner derzeitigen Lebenssituation. Aber anderen scheint es ähnlich zu gehen.

Was mich noch aufregt, ist unsäglicher linker Kitsch, der aus allen Löchern quillt- aber das vorwiegend aus ästhetischen Gründen. Die Merkel-Huldigung im ZDF "Tage der Enstweidung" (oder so ähnlich), hätte ich wohl nicht anschauen können, ohne etwas gegen den Fernseher zu schleuern.

Noch etwas zum Klimaschutz. Im Gegensatz zur AfD-Parteilinie und den meisten Bürgern rechts der Mitte, halte ich den Klimawandel schon hauptsächlich vom Menschen verursacht, und es ist wichtig, etwas zu tun, aber auf rationaler Basis zu handeln.

Bei uns soll der Klimaschutz als Hebel zu einem neuen Sozialismus dienen, dem Klima wird es so wenig helfen, wie der Sozialismus den sozial Schwachen geholfen hat.

Nun denn, für meine Kinder habe ich im Rahmen des mir Möglichen das Beste getan. Wenn die Deutschen in ihrem Größenwahn sich zur Rettung der Welt einem neuen Sozialismus hingeben wollen, sollen sie glücklich damit werden. GottSeiDank hat Deutschland nicht die Möglichkeit, mehr als nur das eigene Land in's Unglück zu stürzen.

Frieda Helbig

12. September 2019 08:21

@Hrdlicka:

Geht uns ganz genauso, was die Kolumne und Kinder betrifft!

Monika

12. September 2019 08:27

War‘s das ?
Twitter ist kein Ersatz für das altbewährte, leider kränkelnde SiN Forum. Warum ?
1. Twitter ist wie ein süßes Törtchen, es fasziniert, macht süchtig, die ersten Bissen sind lecker, schnell wird es klebrig und wenn man zu viel isst, wird einem schlecht.
2. Twitter ist kein soziales Medium, eher ein asoziales. Es befördert die negativen Charaktereigenschaften wie Neugier, Eitelkeit, Selbstdarstellung usw. Man schielt nach Clicks und Followern, probiert sich aus, erfindet sich neu und bleibt am Ende alleine zurück. Im besten Fall trifft man ein/zwei interessante Leute, mit denen man privaten Kontakt herstellt. Das ist ja keine schlechte Nebenwirkung.
3. Die meisten Menschen verlieren auf Twitter, da sie eigentlich mehr können.
Der geniale, liebenswerte Anarcho Raskolnikow ist auf Twitter nicht mehr zu erkennen. Martin Lichtmesz braucht für seine Analysen mehr als 280 Zeichen und auch Vieltwittern kann sein analytisches Talent t nicht im mindesten abbilden.
Und damit komme ich zum derzeitigen Kommentariat:
1. Wenn Herr Lichtmesz oder Herr Kaiser sich (noch) die Arbeit sehr genauer Analysen machen, dann verdienen sie m. E. auch anregende und anteilnehmende Kommentatoren .
Eine ignorante, selbstgefällige Altphilologenrunde als Kommentariatsblockierer ? Das kann es ja nicht sein.
Oder ist das eine subversive Aktion ?
Nein, Herr Kubitschek, so einfach kommen Sie nicht davon !
Wer die bedeutendste rechtsintellektuelle Zeitschrift Deutschlands bleiben will, der braucht ein in jeder Hinsicht anspruchsvolles Forum. Das müssen nicht viele Leute sein, das können 30 bis 50 Leute sein, denen aber viele gerne zuhören, sich anregen lassen, auch mal aus der Ecke kommen usw. Ein solches Forum kann Twitter nicht bieten.
SiN hatte durchaus einmal das Alleinstellungsmerkmal auf ein anspruchsvolles Rechtes Forum. Jetzt kann man auch JF oder PI lesen.
Ich hoffe mit @ Nemo Obligatur, dass es neben der Twitterakzeleration und dem einsamen Rückzug mit einem guten Buch doch irgendwann mal wieder einen interessanten Markt für rechte Ideen gibt.
Von einem solchen Markt hängt m. E. auch die Druckausgabe der Sezession ab.
Ich hoffe also, das war‘s nicht!

zeitschnur

12. September 2019 09:12

@ Monika

Auch wenn es mir gegen den Strich geht, mich dazu überhaupt zu äußern, aber weil es mir unangenehm auffällt, sag ich es doch mal:
Was klingt da durch (nicht zum 1. Mal!)? Ein "Wenn 'Altphilologen' kommentieren, dann schreib ich nimmer mit, weil die sind alle arrogant und selbstgefällig"? Warum dieses Gekeile gegen andere? Ist es nicht in Wahrheit genau das, weswegen viele die "Rechten" nicht mögen und weswegen so viele Foren letztendlich niveaulos werden?

Dreierlei dazu:
1. Der Neid ist ein schlechter Ratgeber. Und nicht jeder, der etwas kann, was mir fehlt, ist deswegen arrogant oder selbstgefällig. Vielleicht liegt die Arroganz ja bei mir selbst, die glaubt, das alles nicht nötig zu haben. Es dürfte folglich nicht schade sein um solche Neider, die nichts zu sagen haben, sobald andere etwas zu sagen haben.
2. Ist es alleine von mir abhängig, ob und was ich zu sagen habe. Die anderen dürfen sagen, was sie wollen, solange es den Anstand und das Recht nicht verletzt!
3. Niemand muss die Kommenatare lesen, die ihn eher nicht interessieren! Pardon: aber dieses ständige, irgendwo im mittleren Sandkastenstadium befindliche Lamento, warum der oder die nicht verjagt wird aus dem Revier, ist mehr als peinlich. Wenn das "rechts" ist, dann Gutenacht.
4. Aber es fällt auf, dass die Metaebenenfraktion in aller Regel sachlich kaum etwas zu sagen hat und dafür mit langen Anwürfen gegen die anderen glänzt.

Ich finde das so überflüssig wie einen Kropf.

starhemberg

12. September 2019 09:39

In mir gärt es nicht, sondern kocht eher. Eines täte mich dann aber doch interessieren - da es laut linker Diktion gar keine Rassen gibt, wie kann man dann eine "Schule gegen Rassismus" betreiben? Ist das nicht irgendwie, ähem, rassistisch? Dumm und links scheinen mir eineiige Zwillinge zu sein.

Monika

12. September 2019 10:22

@ Liebe Zeitschnur
Ich wollte niemandes locus minoris resistentiae treffen. Fühlen Sie sich nicht angesprochen !
Nochmals nüchtern betrachtet:
1. SiN Artikel werden 15000 bis in Spitzenzeiten 70000 mal gelesen.
2. Das Kommentariat wird von 30 bis 50 Leuten bestritten
3. Twitter ersetzt nur sehr ungenügend ein gutes Diskussionsforum, welches wiederum Leser der Sezession und Buchkunden ansprechen soll.
4. Sezession gilt als bedeutendste rechtsintellektuelle Zeitschrift Deutschlands.
Das Ganze muss eine Verlegerfamilie und etliche Mitarbeiter ernähren.
Darüber gilt es nachzudenken. Persönliche Befindlichkeiten sind zweitrangig.
@ Starhemberg
Ja, da braut sich ein schönes Thema zusammen ( „es gibt keine Rassen“) und ich bin sicher, Herr Lichtmesz ist schon am Schreiben. Denken wir also an 70 000 Leser des sicher kommenden Lichtmesz‘ Beitrages. Und überlegen schon Argumente für ein anregendes Gespräch...

Götz Kubitschek

12. September 2019 10:29

Badeschluß nach diesem wesentlichen Kommentar!

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