Rassismus? Eine Enquete-Kommission in Thüringen

2017 beschloß der Thüringer Landtag die Einrichtung einer Enquete-Kommission, die diesen prägnanten und knackigen Titel trägt:

Martin Lichtmesz

Martin Lichtmesz ist freier Publizist und Übersetzer.

“Ursa­chen und For­men von Ras­sis­mus und Dis­kri­mi­nie­run­gen in Thü­rin­gen sowie ihre Aus­wir­kun­gen auf das gesell­schaft­li­che Zusam­men­le­ben und die frei­heit­li­che Demokratie”.

Den am 1. März 2019 ver­öf­fent­lich­ten “Zwi­schen­be­richt” kann man hier ein­se­hen. Er ist 911 PDF-Sei­ten schlank und wird auch in eng­li­scher wie, Alham­du­lil­lah!, ara­bi­scher Über­set­zung ange­bo­ten (was für Thü­rin­gen offen­bar extrem rele­vant ist).

Das Epos geht auf einen Antrag der Links­par­tei, der SPD und der Grü­nen zurück, die sich 2016 eine „Aus­ein­an­der­set­zung mit Ras­sis­mus und grup­pen­be­zo­ge­ner Men­schen­feind­lich­keit in Thü­rin­gen“ wünsch­ten; Hand­lungs­be­darf sah man vor allem wegen der “ras­sis­ti­schen Mord­se­rie des Natio­nal­so­zia­lis­ti­schen Untergrunds”.

Es blieb der CDU-Frak­ti­on vor­be­hal­ten die­se rot-rot-grü­ne Initia­ti­ve, die schon in der Wort­wahl des Titels das ent­spre­chen­de  “Framing” vor­gibt, in klas­si­scher Cuck­ser­va­ti­ve-Manier links zu über­ho­len und statt­des­sen eine Enquete-Kom­mis­si­on mit dem Titel „Aus­ein­an­der­set­zung mit Dis­kri­mi­nie­run­gen durch Ras­sis­mus, poli­ti­schen und reli­giö­sen Extre­mis­mus und grup­pen­be­zo­ge­ne Men­schen­feind­lich­keit in Thü­rin­gen“ vor­zu­schla­gen, aus der dann die jet­zi­ge Fas­sung hervorging.

Damit waren die Rei­hen der Block­par­tei­en wie­der ein­mal geschlos­sen, und aus­schließ­lich die AfD posi­tio­nier­te sich gegen die­ses Pro­jekt, das ohne­hin von vorn­her­ein als Speer­spit­ze gegen sie kon­zi­piert wurde:

„Uns begeg­net hier in jeder Sit­zung eine unse­li­ge Koali­ti­on aus Par­tei­en, die sich gemein­sam einer Ideo­lo­gie ver­schrie­ben haben, die nichts so sehr fürch­tet wie die Wahr­heit“, beur­teil­te der Sach­ver­stän­di­ge Dr. Erik Leh­nert den Vor­fall in der Kom­mis­si­on. „Dis­kri­mi­nie­ren­de sind hier prin­zi­pi­ell immer die anderen“.

Der Text des Zwi­schen­be­richts ist in einen links­ra­di­ka­len Eso­te­rik­jar­gon ver­fasst, inklu­si­ve Gen­deras­te­ris­ken (“Mitarbeiter*innen”, “Stellvertreter*innen”, “Expert*innen”), um auch nicht-binä­re Geschlechts­iden­ti­tä­ten zu berücksichtigen.

Hier eine Geschmacks­pro­be der ideo­lo­gi­schen Prä­mis­sen, die die­ser Unter­su­chung zugrundeliegen:

Ras­sis­mus kon­stru­iert Ras­sen, sodass (zuge­schrie­be­ne) kör­per­li­che, kul­tu­rel­le oder reli­giö­se Aspek­te oder Beson­der­hei­ten (Nei­gun­gen, Cha­rak­ter­ei­gen­schaf­ten, Talen­te) als genui­ne Grup­pen­merk­ma­le erschei­nen, die für alle Grup­pen­mit­glie­der zen­tral bedeut­sam sei­en und einen grund­sätz­li­chen Unter­schied zur ‚eige­nen Grup­pe‘ mar­kier­ten. Die Kon­struk­ti­on von ‚Ras­sen‘ hat zum Ziel und/oder als Effekt, dass eine eige­ne Grup­pen­iden­ti­tät durch Abgren­zung von Ande­ren geschaf­fen wird und dass Aggres­sio­nen, Aus­schlüs­se und Pri­vi­le­gi­en damit legi­ti­miert werden.

Das Zau­ber­wort ist hier “Kon­struk­ti­on”, der Zweck sel­bi­ger “Legi­ti­ma­ti­on gesell­schaft­li­cher Macht­an­sprü­che”. Nach die­sem simp­len, dog­ma­tisch gesetz­ten Strick­mus­ter wer­den im Anschluß die Fra­ge- und Pro­blem­stel­lun­gen durchdekliniert.

Die AfD-Frak­ti­on Thü­rin­gen (ver­tre­ten durch die Abge­ord­ne­te Corin­na Herold und den Kom­mu­ni­ka­ti­ons­be­ra­ter Gün­ther Lach­mann) hat heu­te auf einer Pres­se­kon­fe­renz ein “Son­der­vo­tum” als Ant­wort auf die­se Far­ce vorgestellt.

Der mir vor­lie­gen­de, noch zu dru­cken­de “alter­na­ti­ve Bericht” (Umfang etwa 100 Sei­ten) ist eine sorg­fäl­ti­ge und detail­lier­te Kri­tik am ideo­lo­gi­schen Gehalt der Enquete-Kom­mis­si­on, die neben­bei den Steu­er­zah­ler eine beträcht­li­che Sum­me gekos­tet hat und wei­ter­hin kos­ten wird:

Von ihrer kon­sti­tu­ie­ren­den Sit­zung am 27. Juni 2017 bis zum Stich­tag 31. Mai 2019 ver­ur­sach­te die Enquete-Kom­mis­si­on Kos­ten in Höhe von 1.090.949,19 Euro.Allein die Per­so­nal­kos­ten betra­gen 979.438,85 Euro. (…) Wie groß­zü­gig die Enquete-Kom­mis­si­on das Geld der Thü­rin­ger Bür­ger aus­gibt, zeigt der Umgang mit dem Zwi­schen­be­richt. So ließ sie den drei­hun­dert Sei­ten star­ken Text auch über­set­zen. Zum einen ins Eng­li­sche, zum ande­ren ins Ara­bi­sche, aus Sicht der Kom­mis­si­on womög­lich die neue thü­rin­gi­sche Welt­spra­che. Die Über­set­zun­gen wer­den vor­aus­sicht­lich rund 27.000 Euro kos­ten und sind noch nicht in dem Gesamt­be­trag von rund 1,1 Mil­lio­nen Euro enthalten.

Die Kom­mis­si­on wird von der AfD-Frak­ti­on als  „Vor­stoß der regie­rungs­tra­gen­den Koali­ti­ons­frak­tio­nen, legi­ti­me Wider­stän­de gegen die Mul­ti­kul­tu­ra­li­sie­rung Thü­rin­gens zu bekämp­fen” abge­lehnt:

Zu die­sem Zweck wer­den „Posi­tio­nen der gesell­schaft­li­chen Mit­te, die sich mit nega­ti­ven Fol­gen der Zuwan­de­rung kri­tisch aus­ein­an­der­set­zen, zunächst als ‚men­schen­feind­lich‘ defi­niert, um sie anschlie­ßend mit ver­meint­lich wis­sen­schaft­li­cher Auto­ri­tät unsag­bar zu machen und zu bekämp­fen“, warnt die AfD wei­ter in dem Antrag. Libe­ra­le, kon­ser­va­ti­ve und patrio­ti­sche Sicht­wei­sen sol­len auf die­sem Wege als „aus­län­der- bezie­hungs­wei­se men­schen­feind­lich“ oder „ras­sis­tisch“ geäch­tet werden.

Zu Beginn des “alter­na­ti­ven Berichts” wird das Kern­stück der Kom­mis­si­on, der “Rassismus”-Begriff, kri­ti­siert, der aus einer dif­fu­sen, radi­ka­le­ga­li­tä­ren Ideo­lo­gie abge­lei­tet wird. Das Son­der­vo­tum unter­schei­det zwi­schen “Dif­fe­ren­zie­rung” und “Dis­kri­mi­nie­rung” (ver­stan­den als Abwer­tung oder “sach­wid­ri­ge Unter­schei­dung”), Din­ge, die von den Autoren des Enquete-Zwi­schen­be­richts ineins­ge­setzt werden.

(…) im poli­ti­schen Dis­kurs wird oft schon die blo­ße Benen­nung einer Grup­pe durch den poli­ti­schen Geg­ner als Dis­kri­mi­nie­rung skandalisiert. 

Eine Benen­nung als sol­che ist aber wie gese­hen nicht bereits „Dis­kri­mi­nie­rung“ oder „Ras­sis­mus“, son­dern ein­fach eine Unter­schei­dung. Erst im Zusam­men­hang mit einer Ideo­lo­gie der Ungleich­wer­tig­keit kön­nen abwer­ten­de und aus­gren­zen­de Phä­no­me­ne ent­ste­hen. In die­sem Fall kann gerecht­fer­tigt von Dis­kri­mi­nie­rung oder Ras­sis­mus gespro­chen wer­den. Vor­her aber nicht. Even­tu­ell kann kri­ti­siert wer­den, dass die Defi­ni­ti­on der Grup­pe falsch sei. Aber nicht, dass über­haupt eine Grup­pe defi­niert wurde.

Im Vor­wort schreibt der Sach­ver­stän­di­ge Dr. Erik Lehnert:

Ein wis­sen­schaft­li­ches Vor­ge­hen, in dem der Sinn einer Enquete-Kom­mis­si­on besteht, hät­te zur Vor­aus­set­zung gehabt, dass man eine Defi­ni­ti­on der Tat­be­stän­de (die sich außer­halb des Straf­rechts bewe­gen) leis­tet, eine empi­ri­sche Daten­ba­sis erstellt und sich dann über den Bedarf und die Mög­lich­kei­ten des Han­delns ver­stän­digt. Ange­sichts des Bera­tungs­ver­laufs muss man davon aus­ge­hen, dass das Ergeb­nis von vorn­her­ein fest­stand. Weder hat die Regie­rungs­ko­ali­ti­on eine genaue Bestim­mung der Begrif­fe geleis­tet, noch konn­te einer der vie­len „Exper­ten“ und „Betrof­fe­nen“ Daten lie­fern, auf deren Grund­la­ge man guten Gewis­sens eine Hand­lungs­an­lei­tung hät­te erstel­len können.

Weder die Lob­by­is­ten selbst (die Betrof­fe­nen und ihre Hel­fer) noch die­je­ni­gen, die als Poli­zei, Jus­tiz oder Leh­rer mit der Lebens­wirk­lich­keit der Thü­rin­ger kon­fron­tiert sind, konn­ten da wei­ter­hel­fen. Ers­te­re mal­ten die gegen­wär­ti­ge Situa­ti­on in düs­ters­ten Far­ben, ohne dafür empi­ri­sche Bele­ge lie­fern zu kön­nen. Letz­te­re sahen nicht nur kei­nen Bedarf an wei­te­rer Bera­tung und Super­vi­si­on, son­dern ver­wahr­ten sich teil­wei­se deut­lich gegen die Unter­stel­lung, nur der „struk­tu­rel­le Ras­sis­mus“ ver­hin­de­re die Wahr­neh­mung desselben. 

Die Ver­tre­ter der Regie­rungs­ko­ali­ti­on schwelg­ten wei­ter­hin in ihren eso­te­ri­schen Kate­go­rien, ver­stän­dig­ten sich in einer Art Geheim­spra­che über „Ras­sis­mus ohne Ras­sen“ und stell­ten die Deut­schen als Ras­sis­ten unter einen Gene­ral­ver­dacht. Wovon die rot-rot-grü­ne Koali­ti­on träumt, wur­de offen­sicht­lich, als ihnen der Faux­pas unter­lief, ihren bol­sche­wis­ti­schen Wunsch, die Ver­wal­tungs­ge­richts­bar­keit des Frei­staats zu einer wei­sungs­ge­bun­de­nen Behör­de zu degra­die­ren, öffent­lich zu machen. Auch vor dem Rechts­staat macht die Beu­te­ge­mein­schaft nicht halt.

Die Auf­ga­be der Kri­tik, Hin­ter­fra­gung und Dekon­struk­ti­on der links­ideo­lo­gi­schen Gum­mi­be­grif­fe mag oft wie eine geis­ti­ge Kärr­ner- oder Sisy­phos­ar­beit erschei­nen. Und sie mag ange­sichts der poli­ti­schen Über­macht, die auf Ratio­na­li­tät und Empi­rie pfeift, wäh­rend sie sich gleich­zei­tig als auf­klä­re­risch und ratio­nal camou­fliert, wenig aus­rich­ten kön­nen. Den­noch ist es für die AfD uner­läß­lich, ihr intel­lek­tu­el­les Pro­fil zu schär­fen, das Argu­men­te­ar­se­nal auf­zu­rüs­ten, die geg­ne­ri­schen Framings zu durch­schau­en und eine Gegen­spra­che und ‑erzäh­lung zu entwickeln.

Denn ganz nach dem immer und über­all gil­ti­gen Licht­mesz-Som­mer­feld-Gesetz könn­te man sagen:

Die Kon­struk­ti­on des “Ras­sis­mus” hat zum Ziel und/oder als Effekt, dass eine eige­ne Grup­pen­iden­ti­tät durch Abgren­zung von Ande­ren geschaf­fen wird und dass Aggres­sio­nen, Aus­schlüs­se, Pri­vi­le­gi­en und gesell­schaft­li­che Macht­an­sprü­che legi­ti­miert werden.

Dr. Erik Lehnert, Institut für Staatspolitik, zu Gast in Thüringen.

Martin Lichtmesz

Martin Lichtmesz ist freier Publizist und Übersetzer.

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Kommentare (18)

RMH

25. September 2019 14:39

"Von ihrer konstituierenden Sitzung am 27. Juni 2017 bis zum Stichtag 31. Mai 2019 verursachte die Enquete-Kommission Kosten in Höhe von 1.090.949,19 Euro."

In der heutigen Zeit sollte man bei solchen Aufstellungen immer versuchen, auch eine ungefähre Angabe des CO2 Ausstoßes, die eine solche Kommission durch Tagungen, Energieverbrauch etc. verursacht hat, mitzuteilen. Schlagt sie mit ihren eigenen Waffen.

PS: Unglaublich ... man kommt sich vor wie in einem Sketch bei Loriot (bspw. "Vorstandssitzung").

Pit

25. September 2019 15:12

Das Wort "Rassismus" sagen nur anti-weiße Hasser.
"Anti-Rassismus" heißt: weniger weiße Menschen. Thüringen ist zu weiß, nicht wahr? Es sollten dort also weniger Weiße leben, richtig? Und das, obwohl es doch gar keine Weißen gibt: was ist denn ein Weißer, wie definierst du das, ist doch nur ein Konstrukt... Weiße gibt es immer, wenn sie SCHULDIG sind; und wenn sie also bezahlen sollen. Weiße gibt es nicht, wenn sie Selbstbestimmung fordern. Es geht nur um Haß gegen Weiße, das ist alles.

quarz

25. September 2019 16:20

"Die Aufgabe der Kritik, Hinterfragung und Dekonstruktion der linksideologischen Gummibegriffe mag oft wie eine geistige Kärrner- oder Sisyphosarbeit erscheinen. Und sie mag angesichts der politischen Übermacht, die auf Rationalität und Empirie pfeift, während sie sich gleichzeitig als aufklärerisch und rational camoufliert, wenig ausrichten können. Dennoch ist es für die AfD unerläßlich, ihr intellektuelles Profil zu schärfen, das Argumentearsenal aufzurüsten ... "

Gerade weil die linksideologische Argumentationslage diesbezüglich derart dürftig ist, wäre es wünschenswert, dass jeder, der in eine einschlägige Konfrontation verwickelt wird, stets einen einfachen und für Disputzeugen (denn um die geht es ja!) leicht nachvollziehbaren Einwand im Köcher führt, den er bei Bedarf ins Treffen führt darauf besteht, dass sich ihm der Gegner "ohn einige Bemäntelung und Gleisnerei" stellt.

So lässt sich z.B. die notorische Unterstellung, bei Rassen handle es sich lediglich um "soziale Konstrukte", sehr einfach mit dem Hinweis darauf aushebeln, dass eine genetische Analyse eine praktisch 100%ig treffsichere Prognose der rassischen Selbstzuschreibung des Trägers der Gene ermöglicht. Daran wäre dann die Frage zu knüpfen: "Woher wissen die Gene, welche sozialen Konstrukte in der Gesellschaft ihres Trägers gerade en vogue sind?"

Der_Juergen

25. September 2019 16:56

Bravo Thüringer AFD. So stellt man sich eine Opposition vor, die diesen Namen verdient.

Andreas Walter

25. September 2019 17:46

Oh, Mann, nicht zu fassen, doch es war schon verdächtig viel zu lang' ruhig aus dieser Ecke, habe ich heute morgen auch noch gedacht.

Achtung, Achtung, Wähler des Königreichs Thüringen, Seitenhiebwarnung aus Ägypten:

https://philosophia-perennis.com/2019/09/24/die-afd-rueckt-der-ueberwachung-durch-den-verfassungsschutz-wieder-ein-stueck-naeher/

Lenkrad einfach weiter gut festhalten und nur leicht gegensteuern. Ruckartige Bewegungen vermeiden, dem leicht schrägen Wind möglichst wenig Angriffsfläche bieten, Lastwagen darum jetzt nicht überholen. Achten Sie auf die weiteren Durchsagen.

Gelddrucker

25. September 2019 18:33

Wie Pit richtig bemerkt, sind ausnahmslos ALLE "antirassistischen" Initiativen rassistisch: Sie fordern und fördern, wenn auch manchmal indirekt, weiße Dezimierungspolitik.

Dem nächsten Geistfreien, der behauptet, es gäbe keine Rassen oder ähnliches, schleudere man entgegen "Aber Rassismus gibts?"

Ansonsten ist Rassismus mittlerweile ein Wort wie "und" oder "wie", das ich mehr oder weniger einfach überlese, außer ich kann es dem Benutzer im Mund herumdrehen.

Grobschlosser

25. September 2019 19:15

wir dürfen unsere Sprache nicht dem Feind überlassen .

MartinHimstedt

25. September 2019 23:36

Och ja, der gute, alte Rassismus: Dieser völlig unbegründete Hass auf schwedische Models, irische Folk-Rock-Sänger und chinesische Geschäftsleute. Was wären Linke und Grüne nur ohne ihn?

Gustav Grambauer

26. September 2019 07:03

"A Race We must win" /
The nexus we must spin /
The double-talk we must pin ...

https://www.dw.com/de/dieses-schiff-soll-greta-thunberg-über-den-atlantik-bringen/g-50018033

- G. G.

Waldgaenger aus Schwaben

26. September 2019 07:25

Das dünnste Buch der Welt?
Italienische Heldensagen.

Das zweitdünnste Buch der Welt?
500 Jahre deutscher Humor.

"Rassismus konstruiert Rassen, sodass (zugeschriebene) körperliche, kulturelle oder religiöse Aspekte .."

In jedem anderen Land der Welt würde eine solche Aussage beste Satire provozieren, dass Rassist ist, wer sagt, dass Neger (*) schwarz sind. (zugeschriebener körperlicher Aspekt).

*) Schwarze, PoC, stark Pigmentierte, ...

Bei uns gibt es keinen Komiker, der solche Vorgaben zu nutzen versteht. Aber vielleicht liegt es auch daran, dass bei uns die Realität in kürzster Zeit jede Satire einholt und den Komiker alt aussehen liesse.

zeitschnur

26. September 2019 09:32

Ich hab das Thema über!
Diese dämliche Rassismus-Debatte ist doch nur eine Verlängerung der deutschen Einteilung der Welt in Täter und Opfer, in "Falsche" und "Wahre".
Abgeleitet von einer fehlgeleiteten christlichen Demuts-Tradition wird daraus:
Ein guter Christ (Deutscher) ist demütig und seiner ewigen Schuld eingedenk (auch schon vor dem NS). Er verzeiht daher großmütig bereits jede Schuld, bevor sie überhaupt getan wurde, aber nur den Anderen, den Fremden, er, der brustklopfende Zöllner aller Zeiten, dessen Über-Ich "Pharisäer" oder einfach "Gorilla" heißt... verzeiht seinen Brüdern niemals, denn sie sind "Falsche", nur er ist ein Wahrer, der in alter Herrschsucht die Seinen in Schach halten muss. Der ewige Blockwart...
Nirgends wurden Ketzer und Hexen stärker verfolgt als in diesem Land. Und daran scheint sich nichts zu ändern. Ein Volk von zweistöckigen Narzissten: Nimmt die zelebrierte Zöllnerdemut überhand, verwandelt sie sich in den Pharisäer. Hat der Pharisäer nach einer Zeit des Wahns eine Abfuhr bekommen, sitzt er erst einmal wie ein Häufchen echter Zöllner im Dreck, rappelt sich auf, einigermaßen natürlich, bis die Demut erneut in den Hochmut abstürzt. Dieses deutsche Kippbild geht mir auf die Nerven! Auch dann, wenn ein paar wieder mal meinen, die Rettung läge darin, nun gerade erst recht "rassistisch" zu sein und im furor teutonicus künstliche Unterscheidungsbegriffe hinzuerfinden, nach dem Motto: Wir neutralisieren den Antirassismus, die Gleichmacherei durch noch mehr absurde Differenzierungen (beides bedingt sich doch!).
"Rassismus" ist ein künstlicher Kontrollbegriff, säkulares Universalkruzifix, an dem ein Fetisch des universalen Opfers gebannt wurde, ein magisches Utensil, auch noch die letzte Ambition, Äpfel von Birnen zu scheiden, auszutreiben, stattdessen nun ... hm... Birnen von Äpfeln zu separieren...
Das ist mir zu viel Exorzismus, zu wenig nüchternes Denken, zu wenig Humor übrigens auch.
Die Logik dahinter: Weil jeder Organismus sterben muss, bringt man ihn vorsorglich gleich schon mal um. Wenn man dann alles weggeräumt hat, bleibt der Suizid. Und an dieser Schnittstelle stehen wir mental offenbar.
Aber wie sagte Jesus: der Mann, der sein Haus reinigte und den Dämon hinauswarf, musste erleben, wie der Dämon mit sieben Dämonen zurückkam, und es wurde schlimmer als je zuvor.
Wenn uns nicht ein Gott rettet, wird genau dies auch in Deutschland passieren.
Ich sehne mich so sehr nach Vernunft.

heinrichbrueck

26. September 2019 14:56

"Diese dämliche Rassismus-Debatte ist doch nur eine Verlängerung der deutschen Einteilung der Welt in Täter und Opfer, in "Falsche" und "Wahre"."

Wem tun solche Sätze einen Gefallen? Das politische Seelenheil hängt nicht vom Christentum ab, denn Gott wird in Berlin nicht Kanzler werden. Diese Vermengung von Christentum und Politik, den Nutzen der Gehirnwäsche. Den Leuten Schuld einreden, "der deutschen Einteilung der Welt", ist die Negation jeder Machtakkumulation. Außerdem sprechen Sie von einem Privatchristentum; mein Katholizismus ist da ganz anders drauf. Diejenigen, die uns Rassismus vorwerfen, historisch betrachtet, hatten immer Herrschaftsabsichten. Und wenn Deutschenfeinde herrschen, dann werden in der Realität die Vernichtungstaten sichtbar, denn es gibt immer weniger Deutsche. Ein politikfähiges Christentum, welches für Machtambitionen in Stellung hätte gebracht werden können, war immer mit Heuchelei verbunden. Der Feind hört nicht freiwillig auf, nur weil er überall nette Christen sieht. Und schlägt der Christ seinem Feind den Schädel ein, wird das Christentum schwerlich die Motivation liefern können. Dann sind meistens tiefere Bewahrungsgründe am Werk. Und warum gibt es diesen ganzen Durcheinander? Wie sagte Jesus: "Wenn ich aber die Dämonen durch Gottes Macht austreibe, so begreift doch endlich, dass Gottes Herrschaft jetzt beginnt - mitten unter euch!" Gottes Geist macht aber keine Politik. Und die Dämonen waren nie vollständig weg, also ohne Einfluß.

Laurenz

26. September 2019 18:45

Ist klar, es gibt nur noch Lebewesen. Warum schicken wir die Biologen nicht einfach in die Rente?

Andreas Walter

27. September 2019 08:22

@Laurenz

Weil Biologie nicht nur Taxonomie ist?

Wer soll den deutschen Kindern dann ausserdem erklären, was ein Darkroom ist?

https://youtu.be/Y2piS3j3NHk

Zumindest haben Sie jetzt bewiesen, dass sie Deutscher sind (von einem Extrem ins Andere, keine Mitte). Wobei ich Ihre Passion für's Schreiben und Kommunikation im Allgemeinen durchaus nachvollziehen kann. Liegt an der deutschen Meinungsfreiheit, oder zumindest das, was manche in Deutschland für Meinungsfreiheit halten. Meinungsfreiheit light.

Wo man nicht über jeden und alles schimpfen kann wie ein Rohrspatz existiert sie nämlich nicht.

https://youtu.be/KIGb4sIyJzo

Atz

27. September 2019 09:10

Bald ist Wahl in Thüringen.

https://www.wahlrecht.de/umfragen/landtage/thueringen.htm

Franz Bettinger

27. September 2019 19:45

@"Rassismus konstruiert Rassen … " - Als Zimmerleute, Schreiner oder Tischler getarnte Stuhlisten konstruieren Stühle, sodass diesen zugeschriebene Eigenschaften oder Besonderheiten wie Neigungen und Ebenen als genuine Gruppenmerkmale erscheinen, die für alle Stühle zentral bedeutsam seien und einen grundsätzlichen Unterschied zu anderen Holz-Gruppen wie Tische, Schränke oder Türen markieren. Die Konstruktion von Stühlen hat zum Ziel, dass die eine eigene Identität, nämlich die Kategorie „Stuhl“, geschaffen wird und zwar durch Ausgrenzung von anderen Holz-Gruppen, und dass Aggression gegen jedwedes Holz (außer den stühlen) legitimiert wird.

links ist wo der daumen rechts ist

28. September 2019 19:55

„Du schwarz, ich weiß“ zum Zwoten oder: Windhuk und Memel

Also schön langsam wird diese ewige „Rassismus“-Diskussion mehr als fad.

Ich fasse den bisherigen Gesprächsverlauf im Theorem der „paradoxalen Arschloch-Verlaufskurve“ (frei nach der folgenden Passage eines Mitforisten) zusammen.
Zitat:
„Weil das Wort "Rassist" seines deskriptiven Gehaltes weitgehend beraubt und semantisch auf ein bloßes Schimpfwort (wie "Arschloch") reduziert wurde, das keines wirklichkeitsreferentiellen Nachweises mehr bedarf, sondern als konditionierter Reiz seine intendierte Wirkung tut."
Meine Interpretation in Dialogform:

Du Rassist!
Gut, bin ich halt ein Rassist (Hmm, wie kann ich dem Begriff „Rasse“ seinen „deskriptiven Gehalt“ zurückgeben und den „wirklichkeitsreferentiellen Nachweis“ erbringen? Na schaun mer mal. Immerhin kann „die phänotypische rassenkategoriale Selbstzuschreibung von Menschen durch Analyse seiner genetischen Struktur mit einer Treffenquote von 99,87% erfolgreich prognostiziert werden“ – was auch immer dieses Geschwurbel heißen mag. Und wie war das nochmal mit dem „Juden-Gen“, das eilfertige Reporter dem armen Sarrazin entlockt hatten?...)

Du Nazi!
Gut, bin ich halt ein Nazi (Hmm, wie komme ich aus dieser Falle heraus? Helfen mir Kurzzeit-Nazis wie Heidegger, Schmitt oder Benn? Soll ich auf der „innerer Wahrheit und Größe“ beharren? War der Anfang gut und nur das Ende schlecht? Und haben die anderen nicht auch ihre Leichen im Keller?)

Du Arschloch!
Gut, bin ich halt ein Arschloch (Moment, wie kann ich als Arschloch überhaupt den Grad an Selbstreflexion erreichen , um meinen Gegner in seiner Selbstbezüglichkeit dumm aussehen zu lassen? Hmm...)

Daher:
Werfen wir den Begriff der „Rasse“ getrost auf den Müllhaufen der Geschichte (er kam ohnehin aus dem „Papierkorb des 19. Jahrhunderts“ – Werner Sombart); er hat weder Rasse noch Klasse.
Stattdessen plädiere ich für den Kampfbegriff „Kultur“, durchaus auch im Sinne der „Ideen von 1914“; aber endlich einmal Sieferles Buch „Konservative Revolution“ lesen? Nö, lieber sein „Finis Germania“ wie eine Monstranz vor sich hertragen und die Litanei vom ewigen Opfer perpetuieren.

Sollte es irgendwann eine völkerrechtlich verbindliche Petition geben, die „Deutschland in den Grenzen von 1914“ fordert, wäre ich der erste, der sie unterschreibt.
Wenn dann „Eingeborenen“-Regimenter aus Windhuk ihren Militärdienst an der Kurischen Nehrung leisten, hätte ich nichts dagegen.

Währenddessen kann Schrumpfdeutschland gern mittels Geheimwaffe Twitter den Kampf des weißen Mannes gegen den Rest der Welt führen.

quarz

29. September 2019 10:09

"„die phänotypische rassenkategoriale Selbstzuschreibung von Menschen durch Analyse seiner genetischen Struktur mit einer Treffenquote von 99,87% erfolgreich prognostiziert werden“ – was auch immer dieses Geschwurbel heißen mag."

Ich erläutere es Ihnen gerne:

1) Man hat viele Versuchspersonen vor die Aufgabe gestellt, sich selbst einer Rassekategorie zuzuordnen.

2) Genetiker haben die Gene dieser Personen untersucht ohne zu wissen, welcher Rassekategorie diese sich zugeordnet haben.

3) Aufgrund dessen, was die genetische Analyse ergab, war es den Genetikern möglich, in 99,87% aller Fälle (also praktisch immer) richtig zu "erraten", welcher Rassekategorie sich die Person zugeordnet hat.

Wie lässt sich diese erstaunliche Übereinstimmung erklären, wenn "Rasse" doch nur ein soziales Konstrukt ist? Woher wissen die Gene, die die Information für die übereinstimmenden Befunde bereitstellen, was in der Gesellschaft ihrer Träger aktuell gerade sozial konstruiert wird?

Offenbar beruht die Bedeutung der Rassebegriffe, die sich aus den Regeln ihres Gebrauchs ergeben, eben doch nicht auf irgendwelchen sozial bedingten Konventionen (denn davon könnten die Gene nichts wissen), sondern auf genetisch bedingten Merkmalen der äußeren Erscheinung, an denen sich die Sprachteilnehmer orientieren, wenn sie rassische Begriffe in ihrer Sprache verankern.

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