30. September 2019

Normalisierungspatriotismus

Götz Kubitschek / 98 Kommentare

Für das seit Jahren kräftig austreibende alternative, bürgerliche und widerständige Milieu muß eine Ausrichtungsfrage beantwortet werden:

Götz Kubitschek

Götz Kubitschek ist Verleger (Antaios) und seit 2003 verantwortlicher Redakteur der Sezession.

Was ist politisch noch möglich, wie lautet "unser" politisches Minimum? Man kann zur Beantwortung dieser sehr wichtigen und dringenden Frage auf dutzende Stellungnahmen aus den vergangenen Jahrzehnten zurückgreifen, aber bevor man dies tut, muß eines festgehalten werden:

Das Politische folgt anderen Bewegungsgesetzen als das Metapolitische. Was für den einen Bereich zwingend gilt, darf im anderen vernachlässigt werden oder kann sogar außer acht bleiben. Diese beiden Bereiche erneut deutlicher voneinander zu scheiden, mag also eine Nebenwirkung der folgenden Überlegungen sein, und das bedeutet: Neben einem politischen Minimum wird ein metapolitisches Maximum herausgearbeitet werden müssen - später einmal.

+++

1994 veröffentlichte der damals 35jährige Historiker und Gymnasiallehrer Karlheinz Weißmann unter dem Titel "Herausforderung und Entscheidung" einen Text "Über einen politischen Verismus für Deutschland" (so der Untertitel). Dieser Aufsatz erschien in dem von Heimo Schwilk und Ulrich Schacht herausgegebenen Sammelband Die selbstbewußte Nation – einem der wichtigsten und wirkmächtigsten Projekte der sogenannten "Neuen demokratischen Rechten", die den nicht-linken Schwung der Revolution von 1989 aufnehmen und Kräfte für eine politische Wende zu sammeln versuchte.

Neben Weißmann, Schwilk und Schacht ist der organisationsstarke Rainer Zitelmann als treibende Kraft dieses Versuchs zu nennen. 1994 war dieses Gegenlager auf dem Höhepunkt seines Einflusses angelangt, aber bereits Ende 1995 existierte die "Neue demokratische Rechte" nicht mehr, und es folgten die für den rechtskonservativen Ansatz schrecklichen zehn bleiernen Jahre – eine unerträgliche Zeit des Niedergangs der Projekte der Vorgängergeneration und des selbstausbeuterischen, unglaublich zähen Ausbaus weniger verlorener Posten: Die Junge Freiheit wäre an erster Stelle zu nennen, aber auch das Institut für Staatspolitik, der Verlag Antaios und die Sezession gehören dazu.

Zurück zu Weißmanns Text von 1994. Weißmann stellte darin zehn Thesen auf, in denen er die politische Lage zu beschreiben und Handlungsoptionen für eine realpolitische Rechte aufzuzeigen versuchte. Interessant sind seine Überlegungen auch nach fünfundzwanzig Jahren noch.

Er betonte das sich abzeichnende globale Pluriversum, thematisierte den schlechten Einfluß der Postmoderne auf die notwendige Verbindlichkeit der Institutionen , forderte mehr Staat und ein neues Denken und skizzierte die Umrisse eines "neuen Meinungslagers", das "im innenpolitischen Streit eine exzentrische Position bezieht, die jenseits der alten Abgrenzungen liegt".

Das für die Frage nach dem politischen Minimum Interessanteste an Weißmanns Text ist aber, daß er einen politischen Begriff zu setzen versuchte, hinter dem sich die "Neue demokratische Rechte" nicht nur sammeln, sondern mit dem sie zugleich Bescheidenheit nach außen signalisieren und eine Wahrnehmungs- und Sprechweise nach Innen festlegen sollte. Im Vorspann zu seinen Thesen schreibt Weißmann:

Als 'Verismus' bezeichnet man in der Kunstgeschichte eine Tendenz, die die Dinge ihrer 'wahren' Natur gemäß zeigt, d.h. auch vor der 'häßlichen Wahrheit' nicht zurückscheut, sondern dem Betrachter alles, wie es ist, vor Augen führt. Unter politischem 'Verismus' sei deshalb eine Position verstanden, die sich der Realität verpflichtet weiß, die 'Tabuisierung der Wirklichkeit' (Armin Mohler) ablehnt, den tröstlichen Unsinn meidet und dem inflationär gewordenen Schonungsbedürfnis mißtraut.

Soweit, und der einem politischen Verismus innewohnende Verzicht auf jedes Pathos, dieses Bescheidenheitssignal nach außen, diktierte Weißmann sozusagen die zehnte These in die Feder – sie wirkt wie eine nach außen gekehrte Handfläche, wie ein "seht her, wir kommen unbewaffnet". Sie lautet:

Alle großen politischen Verschiebungen haben vor allem einen Wandel der Mentalität zur Folge. Das gesellschaftliche Klima schwankt erst unmerklich, dann deutlicher, was Auswirkungen auf die kollektiven Wertvorstellungen und Dispositionen hat. In diesen Zusammenhang gehören zum Beispiel die Phasen der Großen Ernüchterung in der Geschichte, etwa der Übergang zur "Realpolitik" nach den Blütenträumen der 48er Revolution im 19. Jahrhundert. Dem vergleichbar ist der 'Verismus' bis jetzt nur ein Niederschlag der veränderten politischen Atmosphäre, es handelt sich noch nicht um eine 'Weltanschauung', noch nicht um eine 'Lehre'. Es entsteht vielmehr eine Plattform für Denkversuche, man beläßt es bis auf weiteres bei der Möglichkeit zur Revision und bewahrt sich davor, allzu schnell die notwendigerweise schwierigen Überlegungen abzuschließen.

In die Gefahr, schwierige Überlegungen allzuschnell abzuschließen, geriet die "Neue demokratische Rechte" gar nicht mehr – sie zerflatterte, nachdem ein erster großer, bis in die CDU hinein reichender Schulterschluß an der berühmten Feigheit der Mitte scheiterte. Was seit diesem Versuch immer und immer wieder im neurechten Lager diskutiert wird (nicht bezogen auf das innere geistige Reich, sondern ausschließlich auf Umsetzungsfragen!), hat in Weißmanns Text über den politischen Verismus eine Grundlegung erfahren.

Weißmanns nur andeutender, weil eben öffentlicher Hinweis auf ein kluges, mit einer seiner Lieblingsvokabeln ausgedrückt: realpolitisches Verhalten im vorpolitischen Raum, hat das schwierige und langwierige Herüberziehen der für Mehrheiten unabdingbaren Mitte bereits zum Hauptziel erklärt, dem alles andere unterzuordnen sei. Denn wer politisch gestalten will, braucht Macht, und Macht ist in einer Demokratie nur über demokratisch legitimierte Mehrheiten zu erreichen – parlamentarisch, direkt oder appellativ.

Auf dem mühsamen Weg dorthin muß die mögliche Mehrheit an Vokabeln, Argumente, Grundlagen, Wertungen und Tabus gewöhnt werden, deren sie jahrzehntelang entwöhnt wurde. Die Neudeutung und Rekonstruktion der kaputten Begriffe und falschen Schlußfolgerungen muß dabei wie ein langsames Unterschieben organisiert werden.

Die Gefahr der Ungeduld und der Machtphantasie bewog Weißmann dazu, der konservativen Intelligenz eine sehr bescheidene, aber gerade dadurch vielversprechende Grundlagenarbeit zu empfehlen: Ihr "politischer Verismus" müsse als ein Sammeln, Hinweisen, Aufdecken, Sortieren auftreten, keinesfalls als reine Lehre oder eine irgendwie geartete Kompromißlosigkeit, kurz: nicht als weltanschauliches Maximum, sondern als politisches Minimum, als anschlußfähiger Minimalkonsens, abgesichert durch eine geradezu brutale Abtrennung jener Teile von rechts, die in die Mitte hinein nicht vermittelbar wären.

Wer Weißmann je über das Scheitern der "Neuen demokratischen Rechten" sprechen hörte, weiß, daß dies sein politisches Trauma war und ist und daß er angesichts einer zweiten Chance (also jetzt, heute, gerade eben!) deren möglichen Verankerung in der mehrheitsbeschaffenden Mitte alles andere unterordnen würde.

+++

Sprung, dreizehn Jahre später, 2007, wiederum Weißmann. Er schrieb, das war selbstverständlich, den Eröffnungsband für die neue "reihe kaplaken" im Verlag Antaios. Das konservative Minimum erschien im Herbst und hat sich über die Jahre zu einem der bestverkauften Bände der Reihe entwickelt.

Weißmanns Ton ist in diesem Buch ein anderer als der von 1994. Das hat seinen Grund in der politischen Flaute, in der damals agiert werden mußte, in den von außen auferlegten Beschränkungen auf die Ausgestaltung und Konsolidierung der eigenen Strukturen. Noch 2011 bezeichnete Weißmann etwa die Junge Freiheit und das Institut für Staatspolitik als Projekte, die "zu einer Zitadellenpolitik gezwungen" seien.

In dieser Lage schrieb Weißmann härter, direkter, unversöhnlicher als 1994. Sein konservatives Minimum ist in seinen eigenen Worten "eine Kampf-Ansage". Er hatte längst die Gefahr erkannt, daß der Begriff "konservativ" zu einer Versöhnungs- und Beschwichtigungsfloskel verkommen würde, zu einem Sedativum, einem politischen Beruhigungsmittel. "Das", so Weißmann,

bedeutet allerdings einen Mißbrauch, dem hier begegnet werden soll. Deshalb ist das folgende als Inhalts- und Positionsbestimmung zu verstehen, als ein Versuch, dem Begriff 'konservativ' wieder einen guten Sinn zu geben, und das heißt: ihn als Kampfbegriff zu etablieren." Der Kampf müsse aufgenommen werden: "Das, was Reinhard Maurer treffend als 'nachfaschistischen Defaitismus' bezeichnet hat, müssen wir hinter uns lassen, den Kleinmut abstreifen, die lähmende Empfindung der vorweggenommenen Niederlage.

Das konservative Minimum ist die stringente und dichte Aufladung eines Kampfbegriffs. Um die harte Entgegensetzung zu illustrieren, zitierte Weißmann den damaligen Papst Benedikt XVI. und Thomas Mann: "Leben", so Mann, sei der "im höchsten, religiösen Sinn konservative Begriff"; und der Papst sprach mit Blick auf unsere Zeit von einer "Kultur des Todes", die sich als Vitalität maskiere und alles abräume, was an gedeihlicher Substanz, an Hegung, Dankbarkeit, Wohlverhalten, an Respekt vor der Vielgestaltigkeit, dem Schicksal und der Geschichte vorhanden sei.

Dagegen habe man anzutreten, so Weißmann, denn:

Unsre Existenz ist bindungslos, heimatlos, haltlos, glaubenslos geworden, und damit sind dem Leben feindliche Kräfte aufgestiegen." Daraus sei Legitimität zum Widerstand abzuleiten, und wenn dieser Kampf, dieser Widerstand heute möglich scheine, "jedenfalls aussichtsreicher als in der jüngeren Vergangenheit, dann vor allem, weil die Konservativen weniger Rücksicht zu nehmen haben. Die Parteiraison kann ihnen gleichgültig sein, denn von denen, die sie vertreten, haben sie nichts zu erwarten.

Weißmann wähnt – zurecht – die Wirklichkeit auf seiner Seite und schreibt in einem verhaltenen Zorn gegen den "Konsens der Beschwichtiger" an,

deren Entschlossenheit, die Fakten zu verschweigen oder ruchlosen Optimismus zu pflegen umso größer wird, je eindeutiger die Tatsachen gegen sie sprechen.

Und weiter:

Es geht aber um Tatsachen, ganz gleich, ob es sich dabei um die Kriminalitätsrate handelt oder um den Analphabetismus, um die Kosten der europäischen Integration oder die Fälschung der deutschen Geschichte. Die Tatsachen bilden – nach einem Wort Heimito von Doderers – 'unter den Erscheinungen des Lebens gewissermaßen das gemeine Volk … allerdings ein Volk mit derben Fäusten.

Es steckt in dieser optimistischen Legitimation des konservativen Widerstands die Überzeugung, daß die bizarren Gesellschaftsexperimente und Identitätskonstrukte, der hybride Individualismus und die Verbiegung des gesunden Menschenverstands, mithin die Vernutzung der Bestände tatsächlich von den derben Fäusten der Tatsachen und den kalten Duschen der Realität vertrieben und weggespült würden, wenn sie denn endlich mit voller Wucht direkt auf den Lebensvollzug durchschlügen.

So ähnlich hatte Weißmann das 1994 auch schon ausgedrückt, und das Warten auf den Kairos, den Einbruch der Tatsachen ist ja nachgerade eine konservative, rechte Hoffnungsphrase. Spätestens der Blick auf das Jahr 2015 sollte jedoch klarmachen: Die Hoffnung auf die Belehrung durch die Realität ist eben doch nicht nur eine Phrase.

Bleibt eines zu erwähnen: Den Begriff "politischer Verismus" versuchte Weißmann in seinem "konservativen Minimum" nicht erneut zu setzen.

+++

Es ist ein müßig, immer wieder auf die Bilanz der Politik der letzten Jahrzehnte hinzuweisen. Dieser schleichenden Katastrophe, dieser Auflösung aller Dinge fehlt das Alarmierende. Unsere Zivilisation? Für Arnold Gehlen ist das nichts anderes als die "Katastrophe im Zustand ihrer Lebbarkeit".

Das von Max Weber beschriebene "stählerne Gehäuse" aus Institutionen, Bedürfnisbefriedigung und Verwaltungsnotwendigkeit, in das sich der einzelne Mensch innerhalb der Massengesellschaft gezwängt sieht, garantiert diese Lebbarkeit und schnürt natürlich auch den Politiker in ein Korsett:

Er wird zum anti-erhabenen Typ – wenn er es nicht schon immer war – und kann keine Alternative mehr formulieren. Die einzig realistische politische Alternative besteht in der Erkenntnis, daß, wenn überhaupt, dann in der Stärkung des Mehrheitsprinzips noch Widerstandsreserven gegen die massiven staatlichen Selbstzerstörungstendenzen zu finden sind.

Dazu aber ist nicht nur eine eindeutige Parteinahme für die Demokratie erforderlich, sondern auch die Bereitschaft, "anknüpfend" zu agieren. Denn wo außer in einer Mobilisierung der "Mitte", im Namen des gesunden Menschenverstandes, wäre es heute noch möglich, Mehrheiten für eine andere Politik zu finden?

+++

Der wortgewaltige, SPD-konservative Publizist Peter Glotz prägte 1994 für die zu Anfang erwähnte Gruppe der "Neuen demokratischen Rechten" einen zweiten Begriff. Er nannte sie die "Normalisierungsnationalisten", und er tat dies nicht in zustimmender, sondern in beschreibend-entlarvender Absicht.

Denn in dem durchaus treffenden Wort steckte zugleich die recht bescheidene Absicht des Projekts (nämlich: der Normalität wieder zu ihrem Recht zu verhelfen) und eine Warnung (nämlich: vor einem neuen Nationalismus in einem größer gewordenen, vielleicht doch nicht ganz widerlegten Deutschland).

Ich plädiere dafür, diesen Begriff nun zu setzen, ihn affirmativ zu verwenden, denn er ist eingängiger als der vom "politischen Verismus" und dynamischer als der immer wieder kursierende "neue politische Realismus".

Aber: Geeigneter und treffender als die von Peter Glotz verwendete Variante ist eine um seinen denunziatorischen Aspekt bereinigte Fassung: Nichts dürfte das AfD-Projekt und sein "politisches Minimum" so genau treffen wie der Begriff "Normalisierungspatriotismus". Darin stecken Minimalziel, Anknüpfungsfähigkeit, Ungefährlichkeit, Bezugspunkt, kurz: der kleinste gemeinsame Nenner in einem Wort.

Die Normalisierung der Verhältnisse, die Herstellung von Normalität in allen Lebensbereichen, Verfahrensfragen und Politikbereichen ist zugleich eine politische Minimalforderung und beinahe schon eine Überspannung der Kraft, und dies, obwohl in dem Aufruf zur Normalisierung das Defensive, das In-ein-Gleichgewicht-Bringen steckt – und keinesfalls eine Überdehnung in die andere, die nicht-linke Richtung.

Normalisierungspatriotismus: Das ist die Wiederherstellung des Selbstverständlichen und Tragfähigen, die Rekonstruktion des Angemessenen und Zuträglichen, und bereits das ist, so bescheiden es klingt, eine Herkulesaufgabe. Sie anzugehen und zu meistern, bedarf eines Bekenntnis- und Widerstandsmutes, der weit jenseits dessen liegt, was dem durchschnittlichen Bürger unserer Tage zuzumuten wäre. Gleichzeitig aber muß dieser überschießende Mut zur Normalisierung getragen werden von einer "Einsicht in das, was geht". Dies ist im übrigen noch keine Annäherung an das Establishment, sondern eine an den großen, täglich größer werdenden verunsicherten Teil der Bevölkerung.

Der Normalisierungspatriotismus ist der kleinste gemeinsame Nenner und das maximal erreichbare politische Ziel. Man muß es beschreiben, formulieren, seine Sprödigkeit betonen, und man muß eine Art zurückhaltender Begeisterung für diese Sprödigkeit, diesen Rückbau, diesen nüchternen Dienst an und in einer Massendemokratie wecken.

Wer auf Seiten der Alternative (und das heißt: auf Seiten der Normalisierung) mittun möchte, muß wissen: Dort geht es um Politik, und das ist: das Anti-Erhabene und seine zähen Vertreter. Mehr gibt es nicht.


Götz Kubitschek

Götz Kubitschek ist Verleger (Antaios) und seit 2003 verantwortlicher Redakteur der Sezession.


Kommentare (98)

Franz Bettinger
30. September 2019 16:09

@Kubitschek: Sie schreiben von den Phasen der Großen Ernüchterung in der Geschichte, etwa der Übergang zur Realpolitik nach den Träumen der 1848-er. Wäre es nur das, ein Interregnum, eine Phase des Übergangs, so könnte ich ertragen, was mit uns geschieht, mit Deutschland, mit Europa, mit der ganzen Menschheit des 21. Jahrhunderts. Ginge es nur um „eine Sklavenzeit in Ägypten“ ein Ausgeplündert und Mißbraucht Werden, ein deutsches Vasallentum zum Nutzen der '300 Familien' und der USA, so verbliebe immer noch Hoffnung. Ich fürchte aber, dass die Geschichte (und also der Tiefe Staat) sich diesmal irreversibel überhebt. Dass ein Experiment mit schlechtem Ausgang läuft. Dass ein dunkles Mittelalter hereinbricht und viele zivilisatorische Errungenschaften verloren gehen. Vielleicht ist dies ja der Plan jener Schurken. Cut Bono? Diese Frage treibt mich um.

Imagine
30. September 2019 17:13

G.K. „Denn wer politisch gestalten will, braucht Macht, und Macht ist in einer Demokratie nur über demokratisch legitimierte Mehrheiten zu erreichen – parlamentarisch, direkt oder appellativ.“

Sicher, wer etwas machen will, braucht Macht.

Hingegen sollte die Aussage: „Macht ist in einer Demokratie nur über demokratisch legitimierte Mehrheiten zu erreichen“ einer Realitätsprüfung unterzogen werden.

Eine demokratische Legitimierung kann nur durch das Volk erfolgen. Aber in einer repräsentativen Demokratie kann das Volk inhaltlich überhaupt nichts entscheiden. Es kann „Volksvertreter“ wählen, jedoch diese jedoch nicht mit einem bestimmten Handlungsauftrag (cf. imperatives Mandat) versehen und kann auch nicht einem Volksvertreter das Mandat entziehen, wenn er gegen den Handlungsauftrag verstößt und Mandantenverrat begeht.

Das Handeln der „Volksvertreter“ wird beeinflusst durch die Medien, durch legale Korruption (Lobbyismus, Vortrags- und Beraterhonorare, Stellenversprechungen etc.) und durch jene Mächtigen in den Parteien, die darüber entscheiden, ob der Volksvertreter durch einen entsprechenden Listenplatz wiedergewählt wird und dadurch sein Spitzeneinkommen und seine Privilegien behält.

Die meisten „Volksvertreter“ kommen von unten, sind also Aufsteiger, und werden zu Absteigern, wenn sie nicht wiedergewählt werden. Der drohende Abstieg ist ein höchst effektives Druckmittel, eben weil die meisten Parvenüs sind und daher nicht über ein Vermögen und häufig nicht einmal über eine höhere Berufsqualifikation verfügen und daher entsprechenden Einkommens- und Statusverlust befürchten müssen.

Vom „unserem Gerd“, früher Linksaußen der Jusos und später als „Genosse der Bosse“ bezeichnet, der zum Kanzler aufstieg, wird die Aussage überliefert, dass er zum Regieren nur BILD, BamS und Glotze brauche.

Die wirkliche Macht sitzt bei der Oligarchie der Superreichen, ihnen gehören die Medien, sie verfügen über Korruptionsmacht und sie können die Parteien durch Parteispenden, Wahlunterstützung etc. beeinflussen.

Das System der repräsentativen Demokratie ist ein Herrschaftsmittel, das die oligarchische Herrschaft einer ganz kleinen Minderheit von Superreichen erhält.

Und sollte der unwahrscheinliche Fall - wie damals bei der Allende-Regierung in Chile - eintreten, dass eine sozialistische Regierung eine Strukturrevolution durchführt, dann wird auf jegliche demokratische Scheinlegitimation verzichtet und diese Regierung gewaltsam beseitigt.

„ ‚Die Demokratie‘, so wußte Junta-Chef General Augusto Pinochet ein Sprichwort zu zitieren, ‚muß gelegentlich in Blut gebadet werden, damit die Demokratie fortbestehen kann.‘ (www.spiegel.de/spiegel/print/d-41911346.html)

Auf Basis der Erfahrungen der Revolution Frankreich meinte Marx 1843/44:
„Die Waffe der Kritik kann allerdings die Kritik der Waffen nicht ersetzen, die materielle Gewalt muss gestürzt werden durch materielle Gewalt, allein auch die Theorie wird zur materiellen Gewalt, sobald sie die Massen ergreift."

Das mag damals noch möglich gewesen sein, aber angesichts des wissenschaftlich-technischen Fortschritts in den Waffen-, Überwachungs- sowie psychologischen und medialen Social Engeneering-Technologien ist dies heute nicht mehr möglich.

Die Massen sind objektiv machtlos.

Anders als vor 100 Jahren verfügen sie noch nicht einmal über Organisations- und Streikmacht. Ihre Organisationen – die Parteien der arbeitenden Bevölkerung sowie die Gewerkschaften – sind längst „gekapert“ und unter Kontrolle der Oligarchie.

In der industriellen Güterproduktion sind heute nur noch max. 10% der Arbeitsbevölkerung beschäftigt. Gesamt gesellschaftlich nützliche und notwendige Tätigkeiten üben vielleicht noch 30% aus, in der Verwaltung, in Bildungswesen, im Gesundheitssystem, im Infrastrukturbereich, bei Polizei, Feuerwehr, bei Energie-, Wasserversorgung etc.

Geschätzt über 50% der Lohnarbeitenden und Dienstleistenden sind vom Aspekt einer rationalen Ökonomie betrachtet gesamtgesellschaftlich unnütze und überflüssige Bullshit-Jobs in der Werbung, im PR-Bereich, in der Ideologieproduktion und –vermittlung, in der Demokratie-Simulation etc.

Das bedeutet nicht, dass eine gesellschaftliche Transformation unmöglich geworden ist, sondern zunächst nur, dass traditionelle Revolutionstheorien, welche auf die Macht der Massen setzten, obsolet geworden sind.

Gustav Grambauer
30. September 2019 17:39

Vorsicht, so bestechend die Untermauerung des Begriffs für Insider ist: das Wort "normal" ist verrufen, und mit guten Gründen. Wäre ich Philosoph, würde ich sowieso kategorisch fragen, was Normalität eigentlich sei. Maaz hat unlängst den - dankbar rezipierten - Tops "Normopathie" eingeführt, mit dem er nichts Gutes bezeichnet.

Darüber hinaus ist "Normalisierungspatriotismus" mißverständnisgeneigt, Puttchen Brammel in ihrer konditionierten Dummheit pawlowierte sofort, es ginge um das Framing der Normalität des NS. Ich wette, auf diesen - vor allem auch alle Denunzianten geradezu einladenden - Reflex hatte es Glotz schon damals abgesehen. Sehe auch keinen Grund zur Annahme, die Hetzmeuten oder auch nur die sogenannte Mitte wären geneigt, zwischen Nationalismus und Patriotismus zu unterscheiden. (G. K.: "also jetzt, heute, gerade eben!" - man bedenke gerade in diesen Tagen und Wochen die offenbar in irgendwelchen Think-Tanks ausgeheckte Taktik der verstärkten Nazi-Keule, die von einer solchen Steilvorlage b. a. w. abraten läßt.)

Mein Gegenvorschlag: "Die organische Rechte". Sehe auch hier die Schwierigkeiten: erstens gibt es einen verbreiteten Haß seitens derer, die ich die Monumental-Rechte nenne, auf jedwede Organizität (gut, mit "Normalisierungspatriotismus" fühlten die sich auch nicht repräsentiert), zweitens würden damit viele assoziieren, die Rechte sei ein "Organ" von jemandem im Hintergrund, vielleicht vom sinistren Putin oder vom Klu-Klux-Clan. Aber das wäre ein Mißverständnis in sehr begrenztem Umfang.

- G. G.

Caroline Sommerfeld
30. September 2019 18:00

@G.G.: So, wie ich G.K. beim Vortrag und nun in seinem Text verstanden habe, ist der Begriff "Normalisierungspatriotismus" ein kritischer Begriff. Er, der Begriff, beschreibt, was die AfD tut, getan hat und tun muß, und zwar a l s Element einer spectator democracy, einer "Gesellschaft des Spektakels". Das von G.K. so bezeichnete "Angemessene" ist ihr schmaler Handlungskorridor. So, wie es derzeit zugeht in unserer "Demokratie", ist ihr einziger Job, eine verdauliche Form des Patriotismus zu "normalisieren", neudeutsch: zu mainstreamen, oder zumindest ihre schiere Existenz als Rechtspartei notorisch zu behaupten (nach R. Safranskis Diktum, wo es Links gibt, müsse es auch Rechts geben dürfen).
Was das wirklich grundsätzlich Richtige ist, steht auf einem anderen Blatt, das "Erhabene" steht in zarten Lettern, nur im Gegenlicht sichtbar, auf demselben anderen Blatt. Normal oder normalisierbar ist es nicht.

Gelddrucker
30. September 2019 18:14

@Imagine

Ich stimme zu, allerdings übersehen sie eines: Damals hatten "die da oben" immer eine gehorsame Streitmacht zur Verfügung, die das Volk im Zweifelsfall niederschlagen würde.
Heutzutage gibt es das nicht mehr. Polizei/Armee würden - meiner Meinung nach - im Ernstfall zum Volk halten. Ich schätze als die Gelbwesten ernst machten, ging Macrons Arsch auf Grundeis. Im Zweifelsfall würde sich die Polizei gegen ihn wenden.

Ein gebuertiger Hesse
30. September 2019 18:17

@ Gustav Grambauer
"Das Wort 'normal' ist verrufen."
Und genau da steckt bereits die Verdrehung - Verquerung, Verqueerung - des Teufels drin. Man lasse sich erst gar nicht auf solche spitzfindigen Dekonstruktionen ein. Was normal ist, wissen wir und müssen es nicht im Detail verbalisieren. Das Normale ist ein uns gemeinsamer Nenner und stimmt viel mehr im Vagen als im Kleinen, erbsenzählerisch Überprüfbaren. Und als solches muß der Begriff von uns gesetzt und behauptet werden - nüchtern, kurz angebunden, unerklärt.

Janno
30. September 2019 21:10

Richtig erkannt, ab ca. Vierzig steht man dem Klima Hype etwas skeptischer gegenüber, weil man eventuell noch die DDR und das Ruhrgebiet kannte, weil man sich an die schwarzen Fassaden, an den winterlichen Smog, die braunen Flüsse, die häufigen Tankerunglücke, die dampfenden Schornsteine der Schwerindustrie, an von Kohle geschwärzte Kumpel, an Koksöfen, an rußende Lastwagen und schweres, stinkendes militärisches Gerät auf den Straßen erinnert.

Für die Liebhaber der Popkultur empfehle ich als Anschauungsmaterial die Folge S2E4 Dagger of the Mind der Serie Columbo. Spielt im London von 1972.

Ansonsten ist die Komplexität des Themas derart anspruchsvoll, von der Physik unserer Atmosphäre (dieses aus unendlich vielen Zufällen hervorgegangene Gottesgeschenk) über volkswirtschaftliche Dynamiken bis hin zu den kulturellen Strömungen (naturverklärende Romantik), dass es einfach nur grotesk ist, die Debattenführung einem radikalen Teenager zu überlassen.
Und da setzt die eigentliche Kritik an, denn wie in allen anderen relevanten politischen Feldern wie Geldpolitik, Migration, Digitalisierung, ist es diese Art der Banalisierung von hochkomplexen Themen, diese Infantilisierung des Erwachsenen Geistes, diese Unfähigkeit zu konstruktivem Denken und dem Hang zum Trotz, der alles vergiftet.
Dem gilt es sich entgegenzustellen.
Und es gilt, an den positiven Aspekt im Menschen, in seiner Anpassungsfähigkeit an die Umwelt und seinen Erfindergeist zu erinnern.
Denn wie alle sozialistischen Ideologien ist auch die ökologische eine misanthropische. Eine, die den neuen, den Übermenschen ans Firmament zeichnet, weil sie ihren Selbstekel gern auf uns alle projiziert und uns dabei unsere gegenwärtige Ethik, Kompetenz, Vernunft und in der Konsequenz unser Menschsein abspricht.

Nur eines noch, weil es hier so oft angesprochen wird. Sicherlich ist das Bevölkerungswachstum ein Faktor, der nachhaltig auf die Biosphäre wirkt und weniger Menschen auf dem Planeten wären evtl. sogar wünschenswert (Wer zieht den kurzen Strohhalm?)

Aber für mich ist das insofern kein Argument, weil es außerhalb meiner Souveränität liegt.
Wie stark sich Inder oder Nigerianer vermehren ist deren Entscheidung und es steht einem Deutschen nicht zu, sich in deren Angelegenheiten einzumischen, wenn ich mir gleiches für mein Land verbitte.
Es ist das tolle am Klima, dass es so schön global ist und die Rettung desselben sich damit als supranationales Zwangssystem etablieren lässt. Ganz im Sinne der Globalisten wie Internationalisten. Spielen wir ihr Spiel erst gar nicht mit, sondern beharren wir auf der individuellen Verantwortung. Und der Vernunft. Und der Souveränität.

zeitschnur
30. September 2019 21:59

Ehrlich gesagt fühle ich mich hier ein bisschen angesprochen, weil ich wohl zu denjenigen gehöre, die nicht viel geben auf die scheinbare Bedeutung der "demokratisch legitimierten Macht".
Wir sehen ja - negativ gedeutet - wie NGOs oder außerstaatliche Bewegungen sehr wohl Macht ausüben. Warum nicht auch aufseiten der Alternative dazu?
Man braucht schlicht etwas, das einem ein Alleinstellungsmerkmal gibt, das dauerhaft dringend benötigt und dann auch nachgefragt wird.
Und: war das, was letztendlich unsere Identität in Freiheit ausmachte nicht immer auch in Freiheit und außerhalb der "Legitimation" und damit Gängelung, geboren - ich weiß, genau das kritisiert der Artikel, aber ich frage trotzdem. Kann Gängelung Freiheit gebären? Oder geht es einfach drum überhaupt erst mal "reinzukommen". Bleibt man aber dann "Normalpatriot"? Frisst das Legitimierungssystem nicht seine Kinder?

Ich verstehe die Rede vom Normalisierungspatriotismus als so etwas wie einen Akt der Verzweiflung (irgendetwas muss man angesichts der Lage doch tun!).
Die "Alternative" wirkt auf mich total heterogen, vielleicht hat es einmal einen Normalpatriotismus gegeben, wie ein kurzes Zeitfenster, in dem das möglich war und im Gleichgewicht bleiben konnte und wir wollen das festhalten wie einen entschwindenden Traum.

Aber hier und heute?
Es zerbröselt doch alles, was an vorpolitischer Grundlage ganz verschiedener Art diesen Konsens stabil halten konnte in diesem Zeitfenster.
Ich wünschte, es gäbe diesen Konsens breit, ganz breit. Aber was sehe ich - ein Volk in mentaler und moralischer Auflösung, in dem fast alle Machtpositionen von korrupten und teilweise kriminellen Gehirnen abgeschöpft worden sind, und einen wachsenden Haufen Verzweifelter, die vielleicht viel zu spät erst anfangen, die Lage als eine brisante zu bedenken.

Aber eine andere Frage bleibt für mich, ob Macht denn wirklich nur über die Machtämter ausgeübt werden kann, die uns definiert werden als "demokratisch legitimiert" oder wie immer "legitimiert".
Es ist die Frage der Frauen, die trotz fehlender offizieller Machtteilhabe in den vorigen Jahrhunderten immer eine enorme Einflussmöglichkeit hatten, wenn sie es klug anstellten. Ist das nichts? Und wäre sie nicht mindestens als "Partnerin" des Normalpatriotismus sogar notwendig, wenn der nicht selbst, sobald er in den "legitimierten Ämtern" gelandet ist, auch wieder korrumpiert würde?

Skaansdirmo
30. September 2019 22:52

Also, ich bin der Meinung, daß politisch nichts mehr möglich ist. Deshalb ist auch die Frage, ob einem die AfD zu "normal" ist, obsolet. Es ist alles aus und vorbei. Vielleicht schon seit fünfzig oder hundert Jahren, nur laufen die Tendenzen behäbiger und massiger, als uns das beim Überreißen der eigenen Lebensspanne bewußt ist. Viele Probleme, die uns heute bewegen, wurden schon vor hundert Jahren genaus so erkannt - und nicht gelöst. Gerade habe ich in der JF gesehen, daß die Stadt New York jetzt auf die Richtung der Trump-Regierung reagiert, indem sie durch Gummi-Paragraphen rechte Äußerungen unter Strafe stellt - ein Paradebeispiel! Gegen die Umtriebigkeit und Skrupellosigkeit der Linken ist einfach kein Kraut gewachsen. Viele Linke scheuen sich überhaupt nicht davor, totalitär zu werden. In der clausewitzschen Eskalationsspirale vom "Gesetz des Handelns" haben sie immer die Nase vorn. Das hängt wohl auch damit zusammen, daß Linke grundsätzlich alles zerstören, was funktioniert. Das ist immer einfacher, als etwas aufzubauen. Politisch, das heißt: konzeptionell können wir nichts mehr bewirken. Alles, was wir tun, gerät früher oder später zum Hase- und Igelspiel mit der Abrißbirne. Das einzige, was bleibt, ist das Versprechen, das man als Rechter gegen das Leben gibt, in eigener Person einzulösen. Also wirklich das zu sein, was man für richtig befunden hat. Aber schon da sieht es ja teilweise finster aus im eigenen Lager. Auch hier sind wir im Nachteil. Als Linker kann man viel inkonsequenter leben, weil die wohltuende Beteiligung an der Zerstörung auch punktuell oder eruptiv sein kann, etwa durch "Aktionen" oder die gelegentliche Demo, sich sogar auf folgenlose Ersatzhandlungen beschränken kann wie Bio-Futter kaufen oder wählen. Irgendwas findet sich immer. Rechts ist es aber anders. Wenn du das, was dir heilig ist, nicht selbst lebst, und das heißt: dauerhaft verkörperst, hört es in dir auch schon auf zu existieren. Das nur zum Thema "Volk".

Andreas Walter
30. September 2019 23:03

Ante bellum?

Wird mit manchen Leuten schwierig.

https://www.welt.de/debatte/kommentare/article201159866/Lindner-Co-Wenn-Politiker-in-die-Antisemitismus-Falle-tappen.html

Doch seht euch mal die Bewertungen des Artikels an, darunter. Alan nein danke, abgelehnt. Der Geruch von Napalm am Morgen.

quarz
1. Oktober 2019 07:24

@zeitschnur

"Es ist die Frage der Frauen, die trotz fehlender offizieller Machtteilhabe in den vorigen Jahrhunderten immer eine enorme Einflussmöglichkeit hatten, wenn sie es klug anstellten. Ist das nichts? Und wäre sie nicht mindestens als "Partnerin" des Normalpatriotismus sogar notwendig ... ?"

Wenn wir da mal nicht vom Regen in die Traufe kommen. Wer war beim Klatschen am Bahnhof und bei der nachfolgenden Bemutterung bzw. erotischen Zuwendung in der ersten Reihe? Wer trägt durch sein geschlechtsspezifisches Wahlverhalten regelmäßig zur Misere bei? Gerade eben in Österreich: 100% mehr Männer als Frauen haben Rechts gewählt, bei den Grünen war es fast spiegelverkehrt. Dass es also zielführend ist, den Faktor "Frau" als Hoffnungsträger zu forcieren, darf bezweifelt werden.

MARCEL
1. Oktober 2019 07:57

Interessanter Rückblick! Dieser Verismus erhält bei einem der Patriarchen der deutschen Neuen Rechten auch den Charakter einer Offenbarung ("Zweite Geburt"), die den Empfangenden mit innerer (man ist versucht zu sagen "mystischer") Kraft ausstattet.
Dennoch: Normalisierungspatriotismus im Ausnahmezustand, in welchem wir uns de facto befinden...?
Wir sollten, frei nach Carl Schmitt, anstreben, zu Herren des Ausnahmezustandes zu werden.

Franz Bettinger
1. Oktober 2019 08:50

@Gelddrucker: Gute Bemerkung (das mit der fehlenden Armee)! Das macht ein bisschen Hoffnung.

@Janno schreibt sehr schön (hier leicht verfranzelt): 'Wie alle sozialistischen Ideologien ist auch die ökologische eine misanthropische, den Menschen abwertende. Eine, die den Neuen Menschen, ja den Übermenschen, ans Firmament zeichnet, weil der Linke und Erfolglose seinen Selbst-Ekel und Selbst-Hass gern auf alle Menschen projiziert und uns dabei die gegenwärtige Moral, Kompetenz und - in der Konsequenz - unser Menschsein abspricht. Klar ist das Bevölkerungswachstum ein Faktor, der auf die Biosphäre wirkt, und weniger Menschen auf dem Planeten wären wünschenswert.‘ Und dann frage Janno: "Wer zieht den kurzen Strohhalm?“ Antwort: Niemand. Die Ungeborenen bleiben einfach ungeboren. Sie werden erfolgreich verhindert (wie übrigens heute schon überall auf der Welt inklusive Indien - Wachstumsrate 2,2 - außer in Afrika - Rate 4,4.) Wunschkinder würden anstelle der zufällig (oder gar gegen den Willen und Familienplan der Frauen) Geborenen treten. Selbstverständlich steht niemandem zu, sich in die Angelegenheiten anderer (Staaten und Kulturen) einzumischen. Ha, auch nicht mit Entwicklungshilfe!

Imagine
1. Oktober 2019 09:01

Die repräsentative Demokratie mit ihren Parteien, ihren BerufspolitikerInnen, ihrem Lobbyismus, ihrem Fraktionszwang usf. funktioniert als Herrschaftssystem so gut, weil die Funktionsweise der Manipulation nicht durchschaut wird. Dabei spielt die Scheinlegitimation durch das Mehrheitsprinzip eine wesentliche Rolle.

Dort, wo soziale Systeme nach dem Prinzip von Sachlogik funktionieren, nämlich in der Wissenschaft, in der Wirtschaft, im Militär, im Krankenhaus etc. gibt es keine Mehrheitsentscheidungen nach dem Prinzip „one man, one vote“. Sondern dort entscheidet überall eine Minorität. Das mag eine Führungsperson sein oder ein kleines Führungsgremium. Immer ist Entscheidungsmacht exklusiv, weil an spezielle Bedingungen und Voraussetzungen gebunden, meist an Fachkompetenz, also an fachliches Wissen und Können.

Die repräsentative Demokratie ignoriert Wissen und Können als Voraussetzung der Teilnahme an Entscheidungsprozessen. Die Stimme eines Experten ist genauso viel bzw. wenig wert wie eines Nichtskönners. Es entscheidet lediglich die Quantität der Stimmen, dabei sind die Intelligenten und Hochkompetenten immer in der Minderheit. Die politische Propaganda der Parteien hat als Hauptadressaten daher nicht die Intelligenzschichten, sondern die „Normalos“.

Parteipolitik funktioniert ähnlich wie beim Fernsehen. Dort entscheidet die Quote, weil dadurch die Höhe der Werbeeinnahmen bestimmt wird.

So orientierte sich zunächst das Privatfernsehen an den Bedürfnissen der intelligenz- und bildungsfernen Massen, also der Plebs, und wurde zum „Unterschichtsfernsehen“. Inzwischen hat sich das öffentlich-rechtliche Fernsehen in der Hauptsendezeit inhaltlich immer mehr dem Privatfernsehen angenähert. Die Unterhaltungsformate von Sex and Crime, die Talkshows, die infantilen Spiele usf. sind flach und primitiv. Überall im TV dominiert kulturell eine „Diktatur der Proletariats“ bzw. der „Doofen“. Überall „Tittytainment“. (https://de.wikipedia.org/wiki/Tittytainment). Und das Volk verblödet fortschreitend und unaufhaltsam.

Natürlich wissen die Parteipolitiker, dass die meisten Stimmen bei den „Doofen“ zu holen sind und auf diese richten sie ihre Stimmenfang-Propaganda aus. Und zwar in JEDER Partei. Denn möglichst viele Stimmen bei Wahlen zu bekommen, wird zum Hauptzweck JEDER Partei.

Wer die Manipulationsmechanismen der repräsentativen Demokratie durchschaut hat, begreift, dass eine Wahlteilnahme - solange keine wirkliche Wahlalternative existiert - Selbstverarschung ist und wird zum Nichtwähler.

Waldgaenger aus Schwaben
1. Oktober 2019 10:17

"Was ist schon normal?"
Diese Frage kommt regelmässig in Teenager-Diskussionen, wenn andere, Ältere, sagen: "Also normal ist,..."

Eine sehr grundlegende Frage. Normal kommt von Norm.
Normal ist was den Normen entspricht.
Wer aber setzt die Normen? Wer ändert sie, mit welchem Recht?

Im Bereich des Politischen, den Kubitschek hier betrachtet, bringt die normative Kraft des Faktischen Normen hervor.
https://de.wikipedia.org/wiki/Georg_Jellinek

Die Fakten aber schafft die Politik.

Damit sehe ich einen Zirkel in Kubitscheks Aufsatz. Die Politik schafft die Fakten und setzt damit Normen. Der Normalsierungspatriotismus soll die Politik wieder dazu bringen, sich an Normen zu halten. Die Normen aber werden über die Fakten von der Politik gesetzt.

Was Kubitschek wohl kritisieren will, ist, dass die Politik aus eigener Machtvollkommenheit Fakten schafft und damit Normen setzt.

"Ist doch mir egal, ob ich dran schuld bin. Nun sind sie halt da.", sagte Merkel in Bezug auf die Grenzöffnung und meinte damit, dass sie Fakten geschaffen hat, die dann schon Normen setzen werden.

Den rechten Minimalkonsens, den Kubitschek meint, würde ich deshalb mit "Wiederherstellung der Volkssouveränität" bezeichnen.

Das ist aber IMHO nicht ausreichend. Der rechte Minimalkonsens umfasst auch die Ansicht, dass es einen Kernbereich der menschlichen Freiheit gibt, der von Mehrheitsentscheidungen nicht berührt werden darf.

Aus der Zusammenschau beider Aspekte, Volkssouveränität und unantastbaren persönlichen Freiheitsrechte, bevorzuge ich für einen anderen Begriff als rechten Minimalkonsens:

Nationalliberalismus.

Da der historische Nationalliberalismus aber seinen Zenit im 19. Jahrhundert hatte und der Minimalkonsens nicht rückwärts gerichtet erscheinen soll, plädiere ich für:

Neuer Nationalliberalismus

oder provokanter:

Neo-Nationalliberalismus

Der_Juergen
1. Oktober 2019 10:26

@Janno @Zeitschnur

Zustimmung!

Zum Artikel selbst. Dieser ist, wie alle Beiträge von Kubitschek, sehr schön geschrieben, und ich pflichte dem meisten bei. Genugtuung bereitet die Würdigung des bedeutenden politischen Denkers Karlheinz Weissmann, der wie Kubitschek selbst eine hervorragende Feder führt.

Der Satz

"... ist nicht nur eine eindeutige Parteinahme für die Demokratie erforderlich, sondern auch die Bereitschaft, "anknüpfend" zu agieren. Denn wo außer in einer Mobilisierung der "Mitte", im Namen des gesunden Menschenverstandes, wäre es heute noch möglich, Mehrheiten für eine andere Politik zu finden?"

wirft natürlich Probleme auf, die auch anderen Foristen aufgefallen sind. "Mehrheiten für eine andere Politik" finden sich auf parlamentarischem Wege nicht; dass die AFD die absolute Mehrheit gewinnt, ist schlecht nicht vorstellbar, und wenn sie stärkste Partei wird, koaliert die Union eben mit allen anderen gegen sie.

Selbstverständlich wäre es für jemanden, der im Rahmen des heutigen Systems Parlamentssitze gewinnen wird, politischer Selbstmord, Zweifel an der Demokratie zu äussern. Wer aber nicht auf solche Sitze aus ist, darf sich diese Freiheit ja nehmen.

brueckenbauer
1. Oktober 2019 10:37

Wieso eigentlich nicht "Normalisierungsethnizismus"? Patriot zu sein wird demnächst wieder jeder von sich behaupten. (Oder kann man den Begriff noch "besetzen" und damit den anderen wegnehmen?)
Das "Volk" ist auf jeden Fall der zentrale Stein des Anstoßes.

Gracchus
1. Oktober 2019 10:58

1. Also das Bohren dicker Bretter. Ich erinnere mich noch, wie Kubitschek gesagt hat, der Riss in der dt. Gesellschaft müsse noch tiefer werden. Hat ein Umdenken stattgefunden?

2. Ich bin zwar kein 100%-Luhmann-Anhänger, aber die These funktionaler Differenzierung hat schon was für sich. Heisst, das politische System kreiert sich seine eigene Realität, ist von Experten besetzt, der Normalbürger blickt da nicht durch. Luhmann: Das Volk ist das corpus mysticum des Staates. Die gepflegte Demokratie-Semantik ist besonders perfide, weil sie eine Identität von Herrschern und Beherrschten vorgaukelt, die de facto nicht gegeben ist und unter den herrschenden Bedingungen nicht eingelöst werden kann. Den meisten fehlt doch schonmal die Zeit, sich politisch zu informieren, geschweige zu engagieren.

3. Die Politik spiegelt sich in der öffentlichen Meinung, nicht im Volk. Die öffentliche Meinung wird massenmedial erzeugt, und wer die Mainstreammedien kennt - das muss ich hier nicht sagen -, sieht ja, welche Anschauung dominieren. Hinzu kommt, dass die Massenmedien simplifizieren. Politische Prozesse werden nicht in ihrer Komplexität dargestellt, das ist dem Publikum nicht zumutbar, im übrigen ist die demokratische Transparenz ebenfalls ein Gag, die Entscheidungsprozesse mit der ganzen Lobbyarbeit sind weitgehend der öffentlichen Beobachtung entzogen.

4. Simplifizierend heisst: Es werden moralisch aufgeladene, Empörung erzeugende Narrative benutzt. Vorwiegend sind die links konnotiert: Frau Rackete wird als Heldin gefeiert, obwohl jeder weiss, dass ihre Handlungen der Komplexität der Sachlage nicht gerecht werden.

5. Für ein inneres Gleichgewicht bedarf es - da stimme ich Fr. Sommerfeld zu - gewiss einer Rechten. Wichtig ist aber auch eine andere Form zu finden, wo sachliche, nüchterne, vernünftige Auseinandersetzungen stattfinden können. Wie also die Hysterie absorbieren?

5. Ohne Mentalitätswende? Schockierend - in dem Sinne, dass es mich zu einem Umdenken gebracht hat - fand ich vor allem die Reaktion auf die Ereignisse zu Köln Silvester 15/16. Die Reaktion lässt sich nur - Lichtmesz' "Hierarchie der Opfer" lässt grüßen! - nur durch das linke Narrativ erklären, wonach Deutsche Täter und Ausländer Opfer sind. Schockierend, wie dieses Narrativ angesichts dessen noch aufrechterhalten werden sollte. Das geht, weil die Massenmedien eben ihre eigene Realität erzeugen.

6. Ich nehme an, dass Kubitschek dies eingepreist hat, weshalb er von Herkulesaufgabe spricht.

7. Drum:

Anmut sparet nicht noch Mühe,
Leidenschaft nicht noch Verstand,
daß ein gutes Deutschland blühe,
wie ein andres gutes Land.

mons
1. Oktober 2019 11:04

G.G. liegt nicht ganz falsch, allerdings führen seine Bemerkungen operativ nicht weiter.
G.K. liegt ganz richtig, wenn er die Begriffsnotwendigkeit mit ihrer Öffnungsmöglichkeit in die patriotisch überhaupt noch ansprechbare Mitte unterstreicht.
Der Normalisierungspatriotismus stellt das Framing dar, mit dem begonnen werden kann, die jetzige Lage aufzubrechen. Und diese jetzige Lage beschreibe ich wie folgt:
Das Deutsche Volk führt einen Krieg gegen sich selbst. Wenn es siegt, ist es verloren.

RMH
1. Oktober 2019 11:14

Der Artikel von G.K. ist vielschichtig und erinnert vollkommen zu recht (und zum richtigen Zeitpunkt!) an die ideengeschichtliche Entwicklung und an Protagonisten wie Kh.W.

Der Reibungspunkt ist für mich - losgelöst vom Artikel und seinen nachvollziehbaren Erklärungen - wie bei anderen auch der blanke Begriff "Normalisierungspatriotismus".

Wenn ich nur diesen Begriff einfach einmal isoliert auf mich wirken lasse, dann bin ich im Ergebnis sehr nahe bei den Ausführungen von G.G.

"Normalisierungspatriotismus" - welch ein langes Wort und ich hoffe, keine Tippfehler dabei gemacht zu haben. Früher gab es einmal, gerne gerade auch in Unionskreisen verwendet, die Formulierung vom "gesunden Patriotismus", zu welchem man finden müsse und den man anstrebe (bla, bla, bla).

Beides, sowohl das "Normale" (= Ziel einer "Normalisierung") wie das "Gesunde" implizieren immer, dass es auch das Unnormale, mithin das Abweichende und das Ungesunde geben muss.

Ich denke, schon mit dem Begriff des "Patriotismus" an und für sich, also ohne Zusatz des "Normalen" oder "Gesunden" begibt man sich wieder in eine dieser typischen "-ismus Fallen", die immer auch Laberfallen sind.

Es gibt - seit Jahrzehnten nicht mehr oder war es gar schon immer so? - nicht den "Patriotismus" als Universalie, es gibt Patrioten oder keine Patrioten (ich verwende "Patriot" für alle Geschlechter), Patriot ist eine ganz eigene Sache, eine eigene Entscheidung/Einstellung des "Einzigen" (= Anspielung auf Max Stirner, der nicht ohne Grund von E. Jünger große Wertschätzung erfahren hat).

Gerade eben in der heutigen Zeit gibt es den Patrioten oder es gibt ihn nicht. Es gibt unzweifelbar auch Idioten, was sich auf Patriot ja irgendwie reimt. Es kann wieder Patrioten geben, aber dazu fehlt es mittlerweile an allen Voraussetzungen, ja ich möchte mich dahin versteigen, zu sagen, wer heute Patriot ist, ist vermutlich ein Idiot.

Jetzt werden sich viele Fragen, woran macht es denn der Schlaumeier RMH fest, dass man Patriot ist oder nicht. Hier kann ich nur für mich ganz persönlich sprechen:

Ein Patriot ist ein Mensch, der sich im Ernstfall, wenn es hart auf hart kommt, für sein Land erschießen lässt bzw. in den Krieg zieht. Nicht mehr oder weniger. Das ist die Frage: Ist Dir dieses Land Dein Leben wert? Tiefer kann man diese Latte leider nicht legen, denn sonst wären wir ja beim allzeit "Gesunden" und damit bei der Definitionsbeliebigkeit des "-ismus" bzw. der "-ismen" und fast schon bei der jungen Union. Wir bewegen uns bei Themen wie "Vaterland" ("pro patria mori"!) in Bereiche des Heiligen, bei dem es keine Rabulistik und Definition-Klauberei mehr geben darf/kann.

Vor 30 Jahren hätte ich mich wohl noch erschießen lassen (evtl. war ich damals ein Idiot) - heute sage ich glasklar: Nein, für Euch BRD-EU-ler nicht - PUNKT!

Mithin: Ich bin aktuell KEIN Patriot und ich hoffe unter den derzeitigen Bedingungen auch, dass meine Söhne KEINE Patrioten sind. Die Aufgabe ist daher kein Normalisierungspatriotismus sondern die Herstellung von Bedingungen in "diesem unserem Lande", für die es bei einem Angriff von außen zu sterben Sinn macht.

PS: Ich weiß, dass liest sich pathetisch - aber "cool" sind wir ja schon lange genug. Zeit, in medias res zu gehen, oder "Butter bei die Fische" ...;)

Ich bin mir auch bewusst, dass meine Ausführungen das große Thema des Bürgerkrieges nicht behandelt hat und ob "Patriot" zu sein, sich auch in einer Binnen-Auseinandersetzung, also bislang einer Politischen (!), festmachen lässt (wer weiß, evtl. kommt es auch zu ethnischen Bürgerkriegen, dann sieht die Bewertung wieder anders aus). Lange Rede, kurzer Sinn bzw. zusammengefasst: Ich würde hier die Diskussion gerne nur in Richtung "Wann ist man ein Patriot?" lenken. Halte ich für wichtiger, als über "ismen" zu debattieren.

Gotlandfahrer
1. Oktober 2019 12:06

„Widerständiges Milieu“ – dazu eine junge anekdotische Dialogerfahrung von mir, die u.U. ein Streiflicht auf die Blackbox „Bewusstsein der Masse“ erlaubt und damit eine Meinung zum Begriff Normalisierungspatriotismus:

Konfrontiert mit meiner moralischen Verwerflichkeit, die sich allein schon dadurch „beweisen“ lasse, dass „Konsens“ (90%) darüber bestehe, was richtig und gut sei, entgegne ich, dass es Wesensmerkmal der europäischen Aufklärung und damit aller durch sie ermöglichten Befreiungserrungenschaften ist, Zweifel und damit Widerspruch zum Konsens auszusprechen. Maß für die Verwerflichkeit jedes Widerspruches dürfe allein das geltende Recht sein, nicht der Konsens selber, der sei historisch nachweisbar keinesfalls vor Fehlstellungen gefeit.

Aber einer wie ich sei ja Nazi, mein Widerspruch wäre daher illegitim. Sage ich, dass ich keinesfalls Naziansichten widergebe, sondern aufgrund meiner Neigung zum Widerspruch – aber wer könne dies schon von sich wissen – unter Umständen damals sogar eher dem Widerstand zugetan gewesen wäre, mindestens innerlich.

Dies sei ja lächerlich, war die Reaktion, denn Hitler hätte ja gerade mal 44 % der Stimmen bekommen, von „Konsens“ könne keine Rede gewesen sein, die weitere Zustimmung danach sei allein aus Angst vor Repressionen entstanden. Nun gut, sage ich, dann ist doch die AfD, angesichts der Repression, die ihr widerfährt und der Angst davor, die - Gott weiß es – den heutigen Konsens vielleicht ja ebenfalls miterzeugt, umso mehr so etwas wie „Widerstand“. Und – lässt man die moralische Beurteilung zunächst außen vor – ist die AfD bzw. „Rechtssein“ doch allein aus diesem Aspekt heraus damit folglich eine Haltung im aufklärerischen Sinne.

Dies wiederum, war das Gegenargument, sei falsch, weil die AfD ja die herrschende Meinung verträte. Wie das denn angesichts der Stimmverteilung und Präsenz in den Medien sein könne, fragte ich zurück. Die Antwort: Weil die AfD den Status quo erhalten bzw. sogar zurück zu den Verhältnissen von früher (Frau am Herd usw.) will. Abgesehen von der Frage, ob dies überhaupt so sei, wäre ein solcher Wunsch doch geradezu Ausdruck dafür, dass die AfD eben nicht Vertreter der herrschenden Meinung sein kann, denn die anderen Parteien werden doch gerade deswegen mit großem Konsens gewählt, um eine gänzlich andere Politik zu machen, entgegnete ich verwundert. Da finde doch gar keine wirklich andere Politik statt, war die Antwort meines Gegenübers, das seien doch nur Scheingefechte. In Wirklichkeit wird doch quasi rechte Politik gemacht! Deswegen könne jemand, der AfD wählt, gar nicht im Widerstand sein. Man sage dort nur unverfrorener, was die anderen sowieso wie schon immer täten. Dementsprechend sei hier meine Neigung zum Widerspruch auch kein Ausdruck der europäischen Aufklärung, das könne ich nicht für mich in Anspruch nehmen. AfD zu wählen ist damit Ausdruck der Zustimmung zum Mainstream? Ja selbstverständlich, war die Antwort. Dass mit dieser Schlußfolgerung die AfD wenigstens die ehrlichere, aber keineswegs ansonsten moralisch anders zu bewertende Partei wäre, habe ich dann nicht mehr erwähnen können.

Vielleicht war mein Gegenüber von einer überdurchschnittlichen Selbstreferenzialität geschlagen. Aber einen Hinweis auf das Ticken und damit die Begrenztheit der Wirkungsmöglichkeit von Widerstand gibt diese Reaktion schon: Das eigene Leben, wie es ist und war, wird als so unerträglich empfunden, dass alles, was es nicht vollständig aufzulösen verspricht, als Bedrohung empfunden wird. Offenbar hat die westliche Sozialisation, vielleicht der Wettbewerbsdruck, beginnend bei dreisprachiger Erziehung, Abiturnotenzielen, Assessment Centern und dem lieblosen auf Selbstverwirklichung abgerichtet werden, zu einer fundamentalen „Kultur des Todes“, des Sterbenwollens durch Gutsein geführt. Des Erlöstwerdenwollens.

Ergo zu: „Die Neudeutung und Rekonstruktion der kaputten Begriffe und falschen Schlußfolgerungen muß dabei wie ein langsames Unterschieben organisiert werden.“

Ich befürchte, das setzt den Willen voraus, sich mit der Falschheit von Schlußfolgerungen überhaupt zu befassen. Wie soll das möglich sein, mit hermetisch abgeschlossenen Geistern, die sich solange nicht mit Fragen von Richtig oder Falsch befassen wollen, wie sie der physische Überlebensinstinkt nicht dazu zwingt, ihre inneren Regeln zu verwerfen?

Anders: Mit der Masse (im Sinne von: zu vielen, als dass sie nicht entscheidend wären) kann man nicht argumentieren. Wenn „Rechts“ mit der Masse kommunizieren können will, muss dies vermutlich über Erlösungsangebote geschehen, nicht über „Minimalkonsens“ oder sachlich völlig richtige Geistesleistungen.

Normalisierungspatriotismus daher: Das ist der Wunsch nach zurück, der bei den gepeinigten Wohlstandsseelen nicht verfängt. Zurück gibt es nicht. Nach vorn heraus wird ständig Neues geboren. Aus dem Trial and Error im Nebel vorgeblicher Vernunft. In diesem Nebel wird gefolgt, gestochert, gestochen, gestorben und sich erschrocken, erst dann geändert.

Imagine
1. Oktober 2019 12:10

Es gibt im Kapitalismus keinen „Normalzustand“. Und es kann daher auch keinen „Normalpatriotismus“ geben.

Die kapitalistische Gesellschaft befindet sich in ständigem Wandel. Was gestern normal war, ist es heute nicht mehr, und was heute normal ist, wird es morgen nicht sein.

Das betrifft alle gesellschaftlichen Bereiche, die Beziehungen der Menschen zueinander, das Recht und sogar die Wissenschaft, welche sich längst von Wahrheit und Objektivität verabschiedet hat.

Das einzig Beständige ist, dass die Bevölkerung – mit Ausnahme derjenigen, deren Vermögen so groß ist, dass sie davon leben können - ständig vor dem Zwang steht, irgendwie zu Geld zu kommen, um am marktwirtschaftlichen Leben teilnehmen zu können und nicht in Armut und Elend abzusinken. So werden ständig neue Geschäftsmodelle entwickelt. Legal, illegal, scheissegal … Moralische Grenzen gibt es nicht, wenn es um Geld und Profit geht. Der Kapitalismus – so Horkheimer - tendiert aus ureigenstem Prinzip zur Verbrecherherrschaft.

Es gibt im Kapitalismus keine Gemeinwohlorientierung und keine gesamtgesellschaftliche Planung. Die Nation ist keine Solidargemeinschaft, sondern die Individuen stehen in ständiger Konkurrenz zueinander. Es ist unmöglich, sichere Prognosen über die zukünftige wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung der Gesellschaft zu erstellen.

Das ist kein Politikversagen, sondern ist bedingt durch die strukturelle Anarchie des Wirtschaftssystems dieser antagonistischen Klassengesellschaft, eines Wirtschaftssystems, das von vorn bis hinten auf Täuschung und Betrug basiert.

ALAIN DE BENOIST:
„Arthur Moeller van den Bruck hat schon 1922 festgestellt: 'Am Liberalismus gehen die Völker zugrunde.' Im Liberalismus hat das Individuum Vorrang, sei es, daß man aufgrund einer mythischen Vorstellung annimmt, daß es dem Sozialen in einem prä-historischen Naturzustand vorausgegangen ist, sei es, daß man ihm ein einfaches normatives Primat zuspricht (das Individuum ist das, was am meisten zählt). Der Mensch nimmt sich also als Individuum wahr, ohne seine Beziehung zu anderen Menschen inmitten einer primären oder sekundären Sozialität bedenken zu müssen. Er ist ein Subjekt, das nur sich selbst gehört, Schöpfer seiner selbst aus dem Nichts, motiviert allein durch seine Sonderinteressen, unterm Strich ein Homo oeconomicus, da er als egoistisches Wesen begriffen wird, das einzig und allein auf die Maximierung seines rationalen Vorteils gemäß seiner persönlichen Interessen aus sei. Das soziale Leben erschöpft sich also in nichts anderem als in dem Utilitarismus und der Axiomatik des Eigeninteresses. Es ist nichts weiter als eine Angelegenheit von individuellen Entscheidungen und interessensgeleiteten Wahlen.

Sie werden nebenbei merken, daß der Liberalismus selbst die Spaltung Links-Rechts transzendiert, da es immer eine liberale Linke und eine liberale Rechte gegeben hat. Historisch gesprochen hat sich der wirtschaftliche Liberalismus (das heißt der Kapitalismus) besonders rechts manifestiert, während der gesellschaftliche Liberalismus sich besonders links manifestiert hat. Es macht Sinn, daß diese zwei Liberalismusformen heute dazu neigen zu fusionieren.“
https://sezession.de/47402/der-hauptfeind-heisst-liberalismus-alain-de-benoist-im-gespraech-ueber-sein-lebenswerk

Maiordomus
1. Oktober 2019 12:17

Der wichtigste Begriff in @Kubitscheks Artikel, fürwahr bedeutender als das, was das Kommentariat absondert, ist die "berühmte", eigentlich berüchtigte, leider vielfach berechtigte Redeweise von der "Feigheit der Mitte".

Ob der Begriff von Mohler, Weissmann, Zitelmann oder Kubitschek stammt , oder gar von Kaltenbrunner, scheint mir weniger wichtig als dass die "Feigheit der Mitte" wieder mal angesprochen wurde. Bei einer solchen "Mitte" aus Opportunismus handelt es sich um das maximale Missverständnis dessen, was Aristoteles, der Erfinder der Mitte, in der Nikomachischen Ethik damit postuliert hat. Die Position der Mitte ist nämlich für den "Philosophen" (so nannten Thomas von Aquin, Albert der Grosse und Meister Eckhart ihren Aristoteles von Stagira fast stets), diejenige, welche die höchste Tapferkeit einfordert, "das Äusserste, Eschaton, was einer erreichen kann". Das Gegenteil dessen, was man in einer noch relativ aufgeklärten bürgerlichen Gesellschaft als das "juste milieu" charakterisiert hat.

Juste Milieu. Eine politisch korrekte "Mitte" in der Art, wie diese von deutschen Bundespräsidenten wie Gauck, Steinmeier u. Co. interpretiert wurde, wobei man bei Theodor Heuss oder vielleicht Roman Herzog rein bildungsmässig noch am ehesten die Perspektive einer aristotelisch verstandenen, wirklich herausfordernden Mitte verspüren konnte.

"Feigheit der Mitte" - Daran musste ich auch denken, als ich vor einigen Tagen in Regensburg die vom Aufwand her gegenwärtig ehrgeizigste Geschichts-Ausstellung Deutschlands besucht habe. Sie findet im ultramodern gebauten "Haus der bayrischen Geschichte" statt, u.a. mit "1000 Jahre bayrische Geschichte" in hundert Bildmotiven präsentiert. Die Präsentation geriet laber leider etwas lokalchauvinistisch. Nicht gerade im Sinne dessen, was Nietzsche unter "kritischer Historie" verstanden hat. Als die zwei markantesten Persönlichkeiten werden Märchenkönig Ludwig II. und Franz Josef Strauss präsentiert. Es mangelt nicht an historisch verbrämter weissblauer CSU-Propaganda. Dessen hätte man sich als kritischer Historiker so unbedingt zu enthalten, desgleichen vom heute offenbar kaum mehr vermeidlichen Kulturmarxismus, der sich in nicht wenigen Perspektiven bemerkbar macht: Etwa in der Art, wie Bauerngeschichte, Frauengeschichte und dergleichen in die entsprechenden "Narrative" gebracht wird, so im Zusammenhang mit dem schönen Renaissance-Gemälde eines pflügendes Landwirts, betitelt mit "Landfrus statt Landlust". Das Bild steht in der Tat nicht etwa für die Unterdrückung vor dem Bauernkrieg als vielmehr die harte Arbeit im Kampf mit den Elementen, was gerade heute eine achtenswerte historische Würdigung des damaligen "Bauernstandes" verdient hätte.

Das absolute Non plus ultra von demagogischer Geschichtsvermittlung in Regensburg ist die Darstellung der Hugenotten-Flüchtlinge unter dem propagandistischen und plump aktualisierenden Merkel-Motto "Wir schaffen das!" Offenbar bewusst unter Ausklammerung der gewaltigen Unterschiede, betreffend die Ethik der einwandernden Migranten damals und heute, wie sie in einem schweizerischen lateinisch geschriebenen Hugenotten-Epigramm aus der Zeit um 1690 auf den Punkt gebracht wurde: "Von allen Seiten sind so viele in diese Stadt (Genf) zum Asyl eingeströmt, nicht um reich zu werden, sondern um arm zu sein; nicht um satt zu werden, sondern um zu hungern; nicht um glücklichere, sondern um armseligere Menschen zu werden; nicht um Güter zu horten, sondern um diese aufzugeben." Sinngemäss: Lieber hungern und arm sein, als der Gaststadt nicht alles wieder zu entgelten, was sie für das Asyl an Aufwand betrieben hat! Selbstverantwortung und schuldige Dankbarkeit als ethische Einstellung der Asylsuchenden, unter denen sich damals in der Tat zum Teil überlegene "Fachkräfte" befanden, welche zum Beispiel die Uhrenindustrie in der Schweiz und anderswo massgeblich aufgebaut haben und die als weltanschauliche Gemeinsamkeit mit den Gastgebern die christliche Religions auf der Basis des von Max Weber beschriebenen calvinischen Arbeitsethos gemeinsam hatten. Dies mit Merkels "Wir schaffen das!" zu vergleichen, ist auch für die Hugeneinwanderung in Deutschland nach 1685 eine nicht kleine Unverfrorenheit. Wobei klar gestellt sein muss, dass in der Alten Eidgenossenschaft jeweils nur ein kleinster Teil eines Stadthaushaltes für Flüchtlinge ausgegeben werden durfte; nicht zuletzt deshalb reisten viele Hugenotten nach Bayern, nach Holland und nach Preussen weiter, wobei aber auch dort die Plünderung des Armenwesens so gut wie ausgeschlossen war. Wie auch immer, ein solches Geschichtsbild, wie es derzeit auch sogar im einst bildungsstarken Bayern gepflegt wird, hat wohl kaum mehr was mit aristotelischer oder auch nur "christlichsozialer" Mitte zu tun. Es bleibt zu beachten, dass der universitäre Mittelbau und heutzutage wohl eine Mehrheit der Professoren und Assisten der jüngeren Generation nun mal wohl dem Mainstream des heutigen Geisteslebens an den Universitäten im deutschen Sprachraum angehören. (Der Hauptverantwortliche der Ausstellung ist indes ein noch braver bayrischer Historiker mit Spezialgebiet Wittelsbacher vor etwa 500 Jahren, wobei nun aber Historiker mit Jahrgang 1974 und Jüngere gerade unter den heutigen verschulten und tagesideologischen Bedingungen noch nicht als ausgereift gelten können. )

Damit komme ich zurück zu Kubitschek/Weissmann, ich zitiere: "Alle großen politischen Verschiebungen haben vor allem einen Wandel der Mentalität zur Folge. Das gesellschaftliche Klima schwankt erst unmerklich, dann deutlicher, was Auswirkungen auf die kollektiven Wertvorstellungen und Dispositionen hat." Genau bei diesem Punkt sind wir heute angekommen, aber wohl leider umgekehrt wie es die Weissmann, Zitelmann, Schwilk und andere wohl gern hätten. Auf dieser Basis wird ein "Normalisierungspatriotismus" wohl keine Chance haben. Kommt dazu, dass derjenige, welche diesen Begriff als "Normalisierungsnationalismus" noch kritisierte, der mir als Professor in St. Gallen noch persönlich bekannt gewordene Peter Glotz, für SPD-Verhältnisse einst durchaus, aufgrund seiner Biographie, als deutscher Patriot eingeschätzt werden konnte. Er galt, besonders zu seinen Spätzeiten, als "bürgerlicher" bis "rechter" Sozialdemokrat, mit Positionen, die im Einzelfall näher beim bürgerlichen Flügel der heutigen AfD waren als beim CSU-Opportunisten Söder, der die von mir oben kritisierte bayrische historische Landesausstellung für Geschichte eröffnet hat. Die Ausstellung ist unbeschadet ihres gigantischen Aufwandes und der von mir angebrachten Kritikpunkte einen Besuch wert. Freilich nicht in dem Ausmass, wie ich das hundertfach bescheidenere Sterbehaus von Johannes Kepler an der Keplerstrasse in Regensburg empfehlen könnte. In wissenschaftsgeschichtlicher Hinsicht sind die dortigen Exponate der frühen Astronomie ergiebiger als die prächtigen für bayrische Monarchen erstellten vergoldeten Planetenuhren und sonstigen astronomischen Requisiten.

Kubitschek nennt in seinem Artikel Schwilk und Weissmann noch Rainer Zitelmann. Dessen Vater, der historische Autor Arnulf Zitelmann, hat mit seiner tausendseitigen Biographie von Johannes Kepler indes ein Werk geschaffen, das auf Dauer wohl alle Publikationen seines Sohnes an Bedeutung übertreffen dürfte. Es ist auch nicht mit den zum Teil biederen schulmässigen Biographien von Arnulf Zitelmann über grosse Deutsche zu verwechseln, welche Tradition zwar Weissmann mit seiner ebenfalls eher biederen, wiewohl schulmässig brauchbaren Luther-Biographie fortgesetzt hat.

Laurenz
1. Oktober 2019 12:35

Sie, Herr Kubitschek, können es drehen und wenden, wie Sie wollen. Wir Konservativen wußten doch schon 1994, was passiert und wohin die Reise gehen wird.
Vordergründig war es das süße linke Leben, das noch tragbare materielle Sein, verbunden mit zuwenig politischem und materiellem Schmerz, was eine effiziente konservative Opposition verhinderte. Jeder (Mosaik-)"Rechte" kochte lieber sein eigenes Süppchen. Selbst, wenn wir tatsächlich davon ausgehen, daß Herr Weißmann Recht hatte, blieb Seine Haltung belanglos.
Daß typische intellektuelle Narzisse, wie Lucke oder Adam (neben Gauland eher Vertreter der Mitte), sich veranlaßt sahen, eine Partei zu gründen, war doch nur der Tatsache geschuldet, daß sich die Repräsentanten der Mitte der Linken bedingungslos und wider besseren Wissens beugten, nicht umsonst flog die FDP 2013 aus dem Reichstag. Die Schmerzgrenze war auch für Vertreter der intellektuellen Mitte 2013 erreicht.

Haben sich nicht mehr oder weniger alle "alternativen" Medien, ob nun linke oder rechte, aus dem Schmerz entwickelt, nicht mehr schreiben zu können, was sie dachten? Hatte dabei jeder Herrn Weißmann im Hinterkopf? War Herr Weißmann denn Kriegs-entscheidend den Antaios-Verlag und SiN zu gründen?
(Wir werden auch zukünftig Verluste hinnehmen müssen, da die JF von Roland Tichy abgelöst werden wird. Tichys funktioniert einfach multipler, variabler, ist mehr der Leserschaft verpflichtet.)
Für mich ist der Normalisierungs-Nationalismus oder -Patriotismus als gedachte Definition vollkommen in Ordnung, aber ich halte ihn für lapidar im Angesicht des Eingemachten. Der Schmerz wird mehr Menschen, ob gebildet oder ungebildet, erreichen und sie einigen, zusammenführen. Es ist die Destruktivität der Linken, die ihn verursacht, diesmal (historisch betrachtet) aber nicht aus der Opposition heraus, sondern aus der herrschaftlichen Rolle. Obwohl die Linke an der Macht ist, ist sie selbst nicht in der Lage, die ideologisch geprägte, bolschewistische Ur-Strategie anzupassen und zu verändern. Dies hilft aber grundsätzlich der Opposition und die sind wir, der Fehler in der linken Denkwelt.
Historisch sind wir dabei vollkommen in Linie. Die Linke, und nicht Herr Weißmann, sorgt für die notwendige Existenz der Rechten als politische Kraft. Ohne linke Unfähigkeit oder wie @Franz Bettinger es ausdrückt, ohne linken Menschenhaß, existierte keine politische Rechte.

@Gelddrucker ... Sie täuschen Sich. Schon jetzt läßt die linke Herrschaft ihre gewaltbereiten asymmetrischen Schläger auf uns los und importiert die Mörder. Die Linke hat nicht die geringste Hemmung, im Falle eines weiteren parlamentarischen Machtverlustes, auf uns schießen zu lassen. Darüber sollten Sie Sich im Klaren sein. Es war die SPD, die auf Matrosen schießen lies. Wir müssen trotzdem auf Gewalt verzichten und wie Gandhi, einen Stellvertreter-Krieg, der ganz woanders stattfindet, für uns nutzen. Das ist Erfolg-versprechender als jegliche Gewalt. Das sollten wir Deutschen am besten wissen.

@Imagine ..... Sie verkennen einfach den europäischen föderalen Menschen, dessen typischer Vertreter Sie aber Selbst sind.
So gut wie jeder Germane, egal welcher sozialen Herkunft, hält sich selbst für den Ausbund der Weisheit und alle anderen für blöd, siehe Maiordomus. Das ist selbst in virtuellen jugendlichen MRPGs-Welten so, "Kack-Noob, lösch' Dein Account" oder "Sucker, geh' sterben".
Wenn Sie das tatsächlich verstehen wollten, schauen Sie Sich die Geschichte Dr. Adams oder auch Herrn Münchs in der AfD des Hochtaunuskreises an. Beide sind sehr intelligente Männer, die politisch mehr der Mitte verhaftet sind. Ich kann Ihnen persönlich bestätigen, daß beide in der Lage sind, jovial, charmant und intelligent Konversation in einer Kneipe führen oder leiten zu können. Beide können auch gut Reden vor großem Auditorium schwingen. Aber Beide waren irgendwann nicht mehr in der Lage ihr Ego im Griff zu behalten, führten sich in feudaler Manier auf und scheiterten damit, daß Sie Sich rücksichtslos Ihren Mitstreitern gegenüber verhielten. Denn genau das will die Mehrheit in der AfD nicht, wie man an Lucke und Petry gut wahrnehmen kann, "no Merkelism, no Führer please". Wir leben in einer Welt von Nur-Experten und Nur-Hochbegabten. Von daher, werter Imagine, werden Sie Sich an die Demokratie gewöhnen müssen.

@Gracchus ... gestehen Sie doch Herrn Kubtischek eine persönliche Entwicklung zu. Im Vergleich zu Herrn Adenauer ist Herr Kubitschek auch in Seinen Äußerungen doch radikal bodenständig und kontinuierlich. Eigene Kinder werden Seine Empfindung und Verantwortlichkeit verändert haben, wie bei den meisten Menschen. Und mit jedem Tag, den wir alle, auch Sie und ich, zusammen erleben, kristallisiert sich immer das Machbare heraus. Niemand hindert einen gewaltbereiten Revolutionär daran, wie irgendwelche Araber in Türme, in den Reichstag zu fliegen. Aber revolutionäres Dumm-Gequatsche dient doch nur dazu, andere zu veranlassen, dies zu tun und sich selbst hinter dem Ofen das Mütchen zu kühlen. Überlassen wir doch solche Strategie der Linken.

quarz
1. Oktober 2019 12:58

@Gotlandfahrer

"Ich befürchte, das setzt den Willen voraus, sich mit der Falschheit von Schlußfolgerungen überhaupt zu befassen."

Der tiefste Graben verläuft in der Tat nicht zwischen Links und Rechts, nicht zwischen Westen und Osten, nicht zwischen Konservativ und Progressiv, nicht zwischen Mann und Weib, sondern zwischen denen, die bereit sind, sich rationalen Argumenten zu stellen und denen, die nicht dazu bereit sind.

Maiordomus
1. Oktober 2019 13:03

@Korr. zum untersten Abschnitt: Kubitschek nennt in seinem Artikel Schwilk und Weissmann, d a z u n o ch Rainer Zitelmann. Dessen Vater Arnulf Zitelmann hat, wie Weissmann, didaktisch wertvolle Bücher über Grössen deutscher Geschichte geschrieben, wobei aber als Arnulf Zitelmanns bedeutendstes Werk, wie ich ausführe, die Biographie von Johannes Kepler zu nennen bleibt. Das schlichte Kepler-Gedächtnishaus in Regensburg beweist, dass ein ganz kleines bescheidenes Museum ein dem Prestige Bayerns dienendes Millionenwerk an Substanz im Einzelnen übertreffen kann. Es bleibt beschämend, dass die formal gut gemachte Ausstellung über bayrische Geschichte Elemente von Propaganda enthält, wie man dies vor 40 Jahren eher bei einer Ausstellung in der DDR als normal angesehen hätte. Es ist dies ein Beispiel, dass es nicht nur eine extreme Linke gibt und eine extreme Rechte, leider nun mal auch eine extreme Mitte. Wobei jedoch gerade hier die Feigheit inbegriffen ist. Darum der Kommentar zur Thematik der "Feigheit der Mitte".

heinrichbrueck
1. Oktober 2019 13:32

Der mündige Bürger ist ein Phantasieprodukt. Natürlich wird man das Märchen vom mündigen Bürger solange erzählen, bis es wahr wird. Es muß mehr geben.

Normalisierungsmündigkeit für die Neunzehnhunderfünfundvierzigerdemokratie?

Demokratische Regierungen machen nicht, was das Volk will. Sie holen sich Zustimmung für eine Politik, die so oder so gerade dran ist, mittels gelungener Propaganda.

Mehrheitsentscheidungen in einer Massendemokratie?

Ein Übersetzungsmißverständnis.

Gotlandfahrer
1. Oktober 2019 13:42

Nachtrag:
Wie wäre es statt mit "Normalisierungspatriotismus" mit "Landesliebe"?

Inklusionsgeeignet, geschlechtsneutral, hat was von freier Liebe, kann als Küstenschutz gegen Klima verstanden werden, nicht grenzdeterminiert. Kannst nix gegen sagen.

Adler und Drache
1. Oktober 2019 14:27

Dieser Artikel macht mich ratlos.
Ich meine: Wer die Macht hat, wird diese zu sichern suchen und deshalb einen Apparat zu ihrer Erhaltung aufbauen, der nach der Logik der Verwaltung funktioniert. Wer dagegen die Macht will, muss nach der Logik der Eroberung vorgehen.
Freilich kann man (wie es möglicherweise Herr Weißmann tut) auch versuchen, den Apparat zu infiltrieren und ihn von innen heraus so verändern, dass er einem sozusagen als Leiter dient. Die Verschiebung des "Overton-window" mag eine Methode dafür sein. Aber es bleibt eben der Apparat des Gegners, es sind seine Strukturen, seine Instrumente, seine Begriffe, und die Ereignisse in Italien und Österreich wecken in mir doch stärkste Zweifel, dass es in der westlichen Welt möglich ist, auf diese Weise zu siegen. Der Gegner ist sehr mächtig, und der Apparat sehr effektiv, und selbst dann, wenn der Gegner die Lage mit dem Apparat nicht mehr bewältigt, wenn er nicht mehr zur Befriedung fähig ist, kann er sich damit doch immer noch selbst stabilisieren. Zudem ist es wohl kaum zu verhindern, dass man sich dem Gegner stärker anpasst und angleicht, als einem vielleicht lieb ist, wenn man sich auf sein Terrain begibt und das Spiel nach seinen Regeln spielt.
Normalisierung: ja, die ist wichtig. War es nicht Carl Schmitt, der gesagt hat, "es geht nicht ohne die Parteien"? Und da wurde ja gerade in den letzten Jahren viel erreicht, das soll man nicht kleinreden. Aber ob es wirklich nur mit Normalisierung geht, ohne Angriff, Befehl und Gehorsam? Funktioniert die "Good cop - bad cop"-Methode, wenn man nur den guten Cop spielt? Vielleicht hab ich "Game of Thrones" zu ernst genommen, oder vielleicht nehme ich Jünger zu ernst, aber ich glaube es nicht. Es ist stattdessen denkbar, dass im Stadium fortgeschrittener Normalisierung aus dem patriotischen Impuls Traditionspflege und Folklore wird und der politische Angriff im Sande verläuft.

Niekisch
1. Oktober 2019 14:50

"Normalisierungspatriotismus"....mhhhhhhhhhhh. Nö, eher nicht. Dann doch lieber: "German Revival" und wir die Mitteresistenten nennen uns dann die "German Revival Gang".

kommentar kubitschek:
ich glaube, Sie gehören zu denen, die das ganze für ein spielchen halten; oder zu den anderen, die politik mit 4 blocks verwechseln; oder zu der dritten gruppe, die keine verantwortung tragen muß. egal: "german revival" klingt scheiße.

Laurenz
1. Oktober 2019 15:24

@Adler und Drache ... wie Sie wissen, haben die Nationalsozialisten 10 Jahre und die Alt-68er 30 Jahre gebraucht, um an die Macht zu gelangen. Die Nationalsozialisten waren 12 Jahre dran, die Alt-68er sind es bereits 21 Jahre. Aber auch die leicht angenehmere Bonner Republik im Westen veränderte wesentliche Bestandteile der Gesellschaft und des Staates genausowenig wie die Alt-68er. Um Ihnen ein radikales Beispiel der Macht zu geben..... die Nationalsozialisten schmierten die Kirchen, die Bonner Republik, wie die Alt-68er nutzten dasselbe faschistoide Mittel der Bestechung bis heute in derselben Weise, um die eigenen Bestrebungen durchzusetzen. Zwecks Erhalt staatlicher Zuwendungen, singen die Kirchen die Lieder jeglicher Machtvorgaben mit, völlig verkommen und korrupt im Inneren.
Wir sind jetzt 6 Jahre unterwegs, und damit wir dran kommen, sollten wir uns zumindest nicht gegen die Kirchen öffentlich aussprechen, um sie nach einem Machtzugriff als öffentliche Körperschaft zerschlagen zu können.
Der Unterschied zwischen uns und den Mitbewerbern liegt nicht in den Mitteln, sondern in der Motivation.

Fredy
1. Oktober 2019 15:28

Meines Erachtens wird das polit-strategische Werk Weißmanns völlig überschätzt; er mag aber ein guter Geschichtslehrer sein. Und was den Patriotismus betrifft: Lasst das besser die PI-Leute machen - ich schließe mich RMH an. Die BRD ist nicht die gesunden Knochen eines einzigen Patrioten wert. Dieser Staat hat unsere Gefolgsamkeit in jeder Hinsicht nicht verdient. Der unversönliche Duktus des bisherigen GK hat mir da besser gefallen. Überhaupt sollte man für Probleme der Zukunft auch neue Begriffe und Ideen haben und nicht die alten Klamotten aus der Kiste holen. Mit verordnetem Patriotismus werden keine Probleme gelöst, sondern üblicherweise übertüncht. Der Statt, der seine Probleme löst, schafft automatisch Patrioten.

Niekisch
1. Oktober 2019 15:35

@ kubitschek zu 14:50:

Nein, vollkommen ernstgemeint, verehrter Herr Kubitschek. Im übrigen beruhigt mich, daß Sie meinen Vorschlag bloß vom Klang her Scheiße finden, nicht auch vom Geruch her.

Franz Bettinger
1. Oktober 2019 15:53

@Waldgänger: Normal kommt von Norm. Ja, aber auch nur, wenn sich diese abstrakte Norm konkret bei der Mehrzahl der (dann normierten) Menschen durchsetzt. Ergo: Die Norm wird normalerweise über die Zahl definiert, nicht über die Natur einer Sache. (Letzteres würde man ja ‚natürlich' nennen). Was die meisten tun und für richtig halten, (nein, es gilt nicht, es) IST normal. Es ist gesetzt, und wie jedes Gesetz kann es an der Natur der Sache völlig vorbei gehen und egoistischen Gründen dienen. Was normal ist, ändert sich mit der Zeit. Sklaven, Steinigungen, Kreuzigungen, Foltern, bei lebendigem Leibe Verbrennen, all das war einmal ganz normal. Normal ist heute u.a., koma-saufend auf Malle zu chillen. Ich war in diesem Sinne nie normal. Das Normalsein hat mich immer abgestoßen. Es definiert sich wie gesagt über die Mehrheit, die große Zahl, nicht grundsätzlich an Sachverhalten. Obwohl man den common sense aka den gesunden Menschenverstand nicht gering schätzen soll. Leider wird er immer arg manipuliert.

Nebenbei: Worte und Begriffs-Neuschöpfungen werden uns nicht weiterbringen. Ich empfinde solche Manöver (wie auch Majordomus'sens Lambda-Diskussion) eher als ein Zeichen von Schwäche und Gejagtwerden. Als ob ihr unter einem anderen Mantel wärmer hättet. Als ob man euch darunter in Ruhe lassen würde. Nee! Es gibt bereits gute, kurze (!) und bewährte Begriffe. Man darf sich nur nicht einreden lassen, sie seien verbrannt oder gar tabu: Patriot und Rechts zum Bleistift.

Gracchus
1. Oktober 2019 16:20

@Laurenz
Das hat Kubitschek zuletzt noch anlässlich der Grünbein/Tellkamp-Diskussion diesen Jahres gesagt. Natürlich gestehe ich Kubitschek Entwicklung zu. Es muss sich aber nicht notwendig ausschließen, dass man einerseits die Differenz klar ausspricht, andererseits auf einen Minimalkonsens zielt. Das Schlimme an der derzeitigen Situation, dass der Konsens mehr oder minder feststeht und massenmedial vor jeder Debatte diktiert wird.

nixlinksoderdoch
1. Oktober 2019 17:31

Doch, doch: Sich der Realität verpflichtet fühlen. Der Kultur des Todes entgegentreten. Das ist es. Mit dem Begriff Patriotismus kann ich dagegen nichts anfangen. Dazu assoziiere ich die „Patrioten für Deutschland“, eine EAP-Nachfolgeorganisation, die in den Fußgängerzonen Flugblätter verteilte. Mit dem Begriff eines „gesunden Nationalismus“ schon. Dieses Land kann sich nur schützen, wenn es zunächst die (noch) bestehende nationale Grenze wiederentdeckt und ernstnimmt.

Ich habe drei Jahrzehnte der Linken angehangen, weil ich in sie ein Freiheitsversprechen hineingelesen habe. Das hatte mit den realen grün-Linken nie etwas zu tun. Aber in dem Alter zwischen Kindheit und Jugend fühlte ich mich so geschunden, dass ich nur noch eines wollte: Frei sein. Mein Grundschulzeit war von einem katholischen Kriegsheimkehrer-Lehrer geprägt, der uns Kinder geschlagen und gedemütigt hat. Was muss er eine Angst vor uns gehabt haben. SO sah für mich über Jahrzehnte auch das Bild von einem „Rechten“ aus: Gewalttätigkeit, Spott und Härte aus eigener Traumatisierung. Damit wollte ich nichts mehr zu tun habe. Und flüchtete mich, ohne zu ahnen, was ich tat, in die Arme gerade von Mao, Pol Pot oder Enver Hodscha nach Grün umfimierter Roter.

Schließlich nahm mir die Unfreiheit auch dort die Luft – aber nicht nur die äußere der "Parteifreunde", vor allem meine innere Unfreiheit. Die erste Wende kam vor zwanzig Jahren: Ich zog mich erst innerlich und dann auch äußerlich aus der Politik zurück. Dann kam die entscheidende Wende vor zehn Jahren, als ich mich meiner persönlichen Realität und meiner eigenen Kultur des Todes stellen konnte. Ich fand für mich neue Haltungen, eine neue Lebenseinstellung – und sah die Unwahrheit und die Todeskultur der Linken zum ersten Mal deutlich. Die Kölner Silvesternacht rückte die Umvolkung in mein Blickfeld. Und dieses Thema erscheint mir neben der Zerstörung der „göttlichen Ordnungen“ (Familie, Mann-Frau, Ehe, Freundschaft) als das Zentrale.

Das ist das politische Minimum: Um Ordnungen zu ringen, sie zu erhalten, sich ihrer Zerstörung zu widersetzen. Christlich mit Paulus formuliert: Echte menschliche Ordnungen spiegeln göttliche Ordnungen wider. Die Höheren Ordnungen bedeuten nicht Gewalt-Herrschaft über Frauen, Kinder und Völker. Dort, wo sie sich spiegeln ist Gesundheit, Ehrlichkeit und Klarheit. Dort ist man der Realität und dem Leben verpflichtet.

Für mich geht es um die Möglichkeit, in Deutschland Herr im Hause zu bleiben. Vielleicht wäre der Begriff der Vaterlandsliebe wiederzuentdecken. Da könnte man den „Vater“ als zeitgemäßen entdecken und die Liebe zum Eigenen, die man braucht, um das Andere leben lassen zu können.

Franz Bettinger
1. Oktober 2019 17:48

@Maiordomus:
Er kann's nicht lassen. MD weist - zurück aus der Frische der Berge, zurück im Jammertal der Unwissenheit - wieder mal, angeekelt wie es scheint, auf den Eiter hin, den das unwerte Kommentariat absondert. Da bin ich baff. Gerade diesen Diskussions-Strang fand ich bereichernd. Wer bin ich schon, das zu beurteilen? Völlig ohne Maiordomus'schen 'Leistung-Nachweis‘!

Die Feigheit der Mitte also! Ja, sie muss vom Rande in die Mitte gezerrt werden, damit sie sichtbar wird. Wer hätte das gedacht? Aristoteles vielleicht? - Klar. Ohne ihn geht gar nix. Der alte Grieche, man höre und staune, war der Erfinder der Mitte. Nein, Ruhe! Hier widerspreche keiner, der nicht mindestens die Nikomachische (habe ich das richtig geschrieben?) Ethik studiert hat. „Die Position der Mitte fordert Tapferkeit ein.“ Junge, Junge, endlich sagt’s mal einer; da kann Lindner ja froh sein. „Die Mitte ist das Äußerste, was einer erreichen kann“ zitiert MD sein Vorbild und erklärt den Rätselspruch wie gewohnt nicht. Die Mitte, so erfahren wir erstaunt, sei aber das Gegenteil des Juste Milieu. Dieses wird wiederum als p.c. Mitte definiert. Dann muss die andere, die heldenhafte Mitte, rebellisch sein. Die rebellische Mitte? Klingt wie geile Nonne. Interessant. Ich komm ins Schwitzen.

Dann folgt ein weinschweifender, was sonst, Exkurs ins Haus der bayrischen Geschichte zu Regensburg, die was - man erfährt nicht was - mit der Feigheit der Mitte zu tun habe, also nicht der Aristotelischen, versteht sich.

Lieber MD, Sie haben heute wieder den Rekord im Wörter-Weitwurf aufgestellt. Können Sie ihre Tagebuch-Notizen nicht für sich behalten? Hier auf SiN stören sie irgendwie, denke ich. Wie mein Freund Toxer oft sagt: "In der Kürze liegt die Würze, in die Länge drängen Fürze, aber ich kann mich och irren.“ (Toxer's Leistungsnachweis besteht in der Maschinen-Schlosserei, einer von Philosophen gewaltig unterschätzten Kunst.)

Dann kommt doch noch etwas Bemerkenswertes: "Das absolute Non plus ultra (ein Pleonasmus, lieber MD!) von demagogischer Geschichtsvermittlung in Regensburg ist die Darstellung der Hugenotten-Flüchtlinge unter dem Merkel-Motto 'Wir schaffen das!‘“ - Nun, drei, vier Zeilen dazu hätten genügt und wären mehr gewesen als dieser lange, am Thema völlig vorbei gehende Aufsatz. Nun ja, wegen des Fleißes: „noch 4“. Setzen!

Atz
1. Oktober 2019 17:59

Es lohnt sich hier sich auch einmal genau die Thesen von Taleb anzusehen
https://medium.com/incerto/the-most-intolerant-wins-the-dictatorship-of-the-small-minority-3f1f83ce4e15

Er erklärt warum sich radikale Minderheiten immer durchsetzen und der gesellschaftlichen Mitte mit ihren Sonderwünschen auf dem Tisch tanzen.

Bemerkenswert, dass bestimmte Konflikte, sagen wir die aktuellen Konflikte in Hongkong, die Spannungen mit dem Iran usw. sich nicht im Schema links-rechts erzählen lassen.

In der Tat sind die einzigen, die in den letzten 30 Jahren eine neue tragfähige Nationalerzählung aufgemacht haben, die Multikulti-Romantiker. Sehr gewollt und ihnen selbst nicht geheuer wohlan voran zu schreiten.

Weil ja nicht die Rechte, sondern, wohl die Mitte die nationale Idee in einen Schneewittchensarg gelegt hat und so wirklich alle Prinzen niedermessert. Und dann aber doch mal wieder der nordische Erlösergeist in Greta inkarniert. Gute Zeiten.

Gelddrucker
1. Oktober 2019 18:27

@Laurenz:

Ich irre nicht, sie auch nicht, haben aber zu kurz gedacht. Klar würde die Linke auf uns schießen lassen, aber von wem? Die vergammelten Antifa-Gestalten? Die schießen vielleicht. Aber wie Sie mitbekommen haben dürften, sind Polizei und Armee wohl die rechtesten Gruppen der westeuropäischen Gesellschaften. Vergessen Sie es komplett, dass die auf die deutsche Bevölkerung schießen würden, in dem Fall egal ob die rechts oder links sind, sie würden es nicht tun.

Nemesis
1. Oktober 2019 18:34

Selbstverharmlosung - Normalisierungspatriotismus:
oder die Frage nach dem politischen Minimum.

I Selbstverharmlosung:
Wenn ich es richtig verstanden habe, basiert die im vorigen Artikel beschriebenen Methodik der Selbstverharmlosung auf der Basis des nun hier definierten Weißmannschen Begriffes des politischen Verismus (I):
"..dieser politische Verismus impliziert, dieses Bescheidenheitssignal ... sie wirkt wie eine nach außen gekehrte Handfläche, wie ein "seht her, wir kommen unbewaffnet".

Andererseits lautet die im Text gegebene Definition des politischen Verismus (II):
"Als 'Verismus' bezeichnet man in der Kunstgeschichte eine Tendenz..., die auch vor der 'häßlichen Wahrheit' nicht zurückscheut, sondern dem Betrachter alles, wie es ist, vor Augen führt..."

1. Das ist ein innerer Widerspruch:
Was dem Betrachter die häßliche Wahrheit vor Augen führt (Verismus II), wird i.d.R. mit allem Möglichen assoziiert, aber nicht als Bescheidenheitssignal oder als nach außen gekehrte Handflächen (Verismus I).

2. "Den Begriff "politischer Verismus" versuchte Weißmann in seinem "konservativen Minimum" nicht erneut zu setzen..."Er hatte längst die Gefahr erkannt, ..daß "konservativ" zu einer Versöhnungs- und Beschwichtigungsfloskel verkommen würde, zu einem Sedativum, einem politischen Beruhigungsmittel..."

Wie aber paßt dann dazu eine Methodik der Selbstverharmlosung?

Aus meiner Sicht ist die Methodik dafür auch nicht geeignet:
1. Bedarf einer Verharmlosung besteht nur dort, wo Gefahr ist (welche?). Selbstverharmlosung verharmlost zwar - aber eben nur SELBST. Das ist ein perfekter Aushebelungspunkt.
2. Zudem reißt eine Selbstverharmlosung aus meiner Sicht noch lange keine emotionale Barrieren ein. Sie sediert möglicherweise, aber reißt nicht ein. Und endet damit exakt wieder an einem Sedativum (bestenfalls). Das ergibt sich, weil die Selbstverharmlosung (jedenfalls nach meinem Verständnis) auf dem Prinzip des politischen Verismus (I) aufsetzt, der eben nicht zufälligerweise genau dort endet.

II. Normalisierungspatriotismus:
Wer soll der Empfänger sein?
Innerhalb des rechts-konservativen Lagers kann möglicherweise mit dem Begriff umgegangen werden. Aber außerhalb?

Meine Wahrnehmungsperspektive:
1. Mich stößt jeder -ismus aufgrund des ihm inhärenten Zwanges ab.
2. Deutschlandspezifisch ist alles was mit Nation in Verbindung mit -ismus zu tun hat i.d.R. auf NS konnotiert.

Was also sprachspezifisch in anderen Ländern offensichtlich völlig problemlos ist: in Deutschland ist es das nicht.
Wird diese Konnotation sprachlich bedient, werden sich auch nur die angesprochen fühlen (können), die diese Konnotationen auflösen können. Der überwiegende Rest wird mit dem Wort nichts anfangen können, eher die Abwehr verstärken.

Ich sehe eigentlich nur zwei Möglichkeiten, wie diese Konnotationen überschrieben werden können:
1. Die Zustände werden so bizarr, daß die Überschreibung von selbst, aus purer Not oder Selbsterhaltung geschieht (hoffentlich nicht).
2. Überschreibung durch Vertrauensbildung entsprechend vollzogener politischer Arbeit (Notwendigkeit wirksamer Selbstüberprüfungs- und Korrekturmechanismen (Vertrauensbildung), deutliche Kommunizierung derselben).

Aus dem Gesagten würde ich für einen anderen, positiv konnotierten Begriff plädieren:

Normalisierung der nationalen Verbundenheit.

Mit klarer, präziser Definition, was damit gemeint ist und was nicht (Ausschlußkriterien). Und welche Vorteile bzw. Nachteile (Verismus II !) damit verbunden sind.

Caroline Sommerfeld
1. Oktober 2019 18:44

"Wir sind jetzt 6 Jahre unterwegs, und damit wir dran kommen, sollten wir uns zumindest nicht gegen die Kirchen öffentlich aussprechen, um sie nach einem Machtzugriff als öffentliche Körperschaft zerschlagen zu können."

@Laurenz:
Pssst, das ist doch noch geheim ...

Maiordomus
1. Oktober 2019 19:20

Zum Hinweis auf die historische Landesausstellung in Regensburg 2019 in einem Tableau im Haus der bayrischen Geschichte: "L a n d f r u s t statt Landlust" wird die Arbeit des Bauern auf einem exemplarischen historischen Gemälde mit Landwirt, Zugtier und Pflug genannt. Bei aller harten Arbeit, die da dargestellt wird, nicht gerade eine Würdigung dessen, was in Bayern über Jahrhunderte B a u e r n s t a n d genannt wurde. Gerade auch zur Zeit der Bauernkriege gab es durchaus auch den Berufsstolz der Bauern, unbeschadet des harten Tagewerks.

zeitschnur
1. Oktober 2019 19:28

@ quarz

Nicht der "Faktor Frau" - ich gebe Ihnen in Ihrer Kritik zumindest zu einem großen Teil Recht.

Ich meinte etwas ganz anderes: die eher weibliche Strategie, Einfluss zu nehmen auch dann, wenn man keine Machtämter innehat. Diese Strategie hängt wiederum nicht an der Frau. Natürlich haben auch machtlose Männer sie immer angewandt, wenn sie dazu begabt waren.
Es geht um die Einflussnahme der Machtlosen, die Bedeutung derer, die keine formelle Machtteilhabe haben.

Thomas Martini
1. Oktober 2019 20:06

An Imagine: wie man die Sache mit der Demokratie kurz und knackig auf den Punkt bringt: "Demokratie ist die Methode, den Willen des Finanzadels so umzusetzen, daß das Volk glaubt, die Mehrheit hat es so gewollt."

-------------------------------

"Vordergründig war es das süße linke Leben, das noch tragbare materielle Sein, verbunden mit zuwenig politischem und materiellem Schmerz, was eine effiziente konservative Opposition verhinderte." - Laurenz

An Laurenz: Das rechte Leben war indessen ein karges, bei Wasser und Brot?

Die Rechten haben das süße Leben ebenso genossen und tun es noch immer! Sonst wären sie nicht so überaus risikoscheu, und würden sich mit Begriffen wie "Normalisierungspatriotismus" abspeisen lassen, oder aber - man halte sich fest, es wird jetzt mutig -: "Neo-Nationalliberalismus" dagegen halten.

Gestern hörte ich zum ersten Mal die 4. Sinfonie von Dimitri Schostakowitsch. Mahlers 6. Sinfonie ist dagegen der reinste Kindergeburtstag.

Mit dieser knochenbrechenden Vertonung, und dem Wagemut, sie 1936 uraufführen lassen zu wollen, setzte Schostakowitsch unter der Herrschaft Stalins als offensichtlicher Dissident sein Leben auf's Spiel.

In was für einer kläglichen Zeit wir doch leben; mutlos, kraftlos, halbherzig.

Louis-Ferdinand Céline hatte eben völlig recht: Die Revolution ist nur der Negerfaktor, und der weiße Mann, ob es nett klingt oder nicht, starb in Stalingrad.

Gustav Grambauer
1. Oktober 2019 20:22

Ein gebürtiger Hesse

"Man lasse sich erst gar nicht auf solche spitzfindigen Dekonstruktionen ein. Was normal ist, wissen wir und müssen es nicht im Detail verbalisieren. Das Normale ist ein uns gemeinsamer Nenner und stimmt viel mehr im Vagen als im Kleinen, erbsenzählerisch Überprüfbaren. ..."

Jawoll Herr Unteroffizier!, "und will hier einer Individuum sein, den werden wir auch ganz individuell behandeln." ..." "Der Blick ist frei geradeaus, das Gesicht ist angespannt aber ausdruckslos in Erwartung des nächsten Befehls." Bei 3:56:

https://www.youtube.com/watch?v=X71cvOCQJHI

Das genaue Gegenteil zu dem, was Sie sagen, wie es mir Frau Sommerfeld oben als Erwiderung mit viel Feinsinnigkeit zu bedenken gibt ("... das 'Erhabene' steht in zarten Lettern, nur im Gegenlicht sichtbar, auf demselben anderen Blatt. Normal oder normalisierbar ist es nicht.") kann ich gut annehmen.

- G. G.

Kaiza
1. Oktober 2019 21:10

Normalisierungspatriotismus.

Gefällt mir. Als Wort und als Agenda.

Packt die Mainstream Wortklauberei am Kragen und spannt sie für unsere Zwecke ein. Damit lässt sich alles machen.

Hier wurde die Taktik der Verzahnung umgesetzt und keiner hat's gemerkt. Stattdessen wird nur gemeckert. Aber so sind sie halt, die Rechten ;)

PS
@Maiordormus
Ihr ständiges Referenzieren liest sich schlecht. Sie verweisen im Text auf leere Inhalte. Wenn Sie etwas mitteilen wollen, dann tun Sie das bitte auch. Bis jetzt war das nur: seht her, ich weiß was!

Maiordomus
1. Oktober 2019 22:39

@Bettinger. Eingestandenermassen haben Sie die Nikomachische Ethik nicht gelesen, weswegen Sie zu meinem Bedauern n i c h t w i s s e n können, was man in der Abendländischen Philosophie unter "Mitte" versteht: nämlich das Treffende jenseits von Tollkühnheit einerseits und Feigheit andererseits: die wahre Tapferkeit. Keine Politik benötigt mehr Tapferkeit als eine solche Politik, sofern dieselbe der Aristotelischen Mitte als dem Äussersten und dem Besten entspricht. Also nicht mit einem faulen Kompromiss zu vergleichen. Wobei jedoch das Lob der Tapferkeit, wie Thomas von Aquin in seinem Kommentar zur Nikomachischen Ethik betonte,von der Gerechtigkeit abhänge. Der griechische Philosoph und Platonschüler fordert in diesem Sinn vom Tapferen, dass er für das unter Berücksichtigung aller Gesichtspunkte von ihm als richtig Erkannte sein Leben hingebe, wie das zum Beispiel einige der Männer vom 20. Juli vorgemacht haben. Wohl eher ethisch überzeugend als politisch völlig zu Ende gedacht.

Jedoch als Mitte-Partei jenseits der aristotelischen Ethik, im Sinne des (spiess-) bürgerlichen Juste-Milieu, also des Nichtaneckens, versteht sich weithin die heutige CSU, die in der Ausstellung über 1000 Jahre bayrische Geschichte in Regensburg sich als Höhepunkt derselben zelebrieren lässt. Eine Geschichtsausstellung als Propaganda, wohl mit einem Millionenbudget. Desgleichen machen die Historiker an der besagten Ausstellung, wie ich für Kubitschek erläutert habe, Propaganda für Merkels Flüchtlingspolitik. Historisch unkompetent wird dieselbe an der Bayernausstellung mit den Verhältnissen zur Zeit der Hugenottenflüchtlinge ab 1585 verglichen.

Eine Flüchtlingspolitik, die sich über den Tisch ziehen lässt, ist ebenso weit von der Aristotelischen Mitte entfernt wie eine Flüchtlingspolitik, die echt grausam und ungerecht wäre. So war es nun mal gemeint.

Klar ist, dass der Begriff der ethischen Mitte, was eigentlich das Vorbild der politischen Mitte wäre, von niemandem, wirklich von niemandem verstanden werden kann ohne das Studium der Nikomachischen Ethik von Aristoteles, gewidmet dessen Sohn Nikomachos, es gäbe noch die Eudemische Ethik. Mit Lindner hat das selbstredend nichts zu tun. Eher schon verstand Bundespräsident Theodor Heuss diese Zusammenhänge. Ich werde mich indes nun auf Seiten, wo Sie sich melden, doch besser nicht mehr äussern. Ich gebe zu, dass dies stört, äussere mich ja nicht zu Ihnen oder Herrn Laurenz, sondern nach Möglichkeit zu den Autoren der obigen Artikel. "Mass und Mitte" gehören zu jenen Grundlagen, die eine zum Scheitern verurteilte Politik etwa von HC Strache verhindern sollten. Auch Begriffe wie "identitär" oder "kollektiv" sind nun mal, als metapolitische Begriffe einseitig, obwohl sie zu Zeiten, da das Gegenteil herrscht, besondere Bedeutung erlangen und in Erinnerung gerufen werden sollten. Ändert aber nichts, dass jede einseitige, jeweils vielleicht als Kompensation berechtigte Position auf Dauer nach "Einmittung" verlangt, was wiederum nichts, aber auch gar nichts mit rein opportunistischer Politik in der Art von Merkel oder der in Regensburg präsentierten CSU zu tun hat.

Immerhin waren in neulichen Ausführungen von Friedrich Merz in einer im Internet abrufbaren Sendung der Augsburger Allgemeinen, die Kritik am Klimawahn betreffend, sowie Kritik an Greta unverblümt artikulierend, phasenweise Zwischentöne eines noch vernünftigen Mitte-Politikers zu vernehmen. Humanistische Bildung kann im Einzelfall immer noch zu klärenden Argumentationen führen. Zu befürchten bleibt jedoch, dass die Schäden an den Unionsparteien wohl trotz vernünftiger Töne, wie man sie auch im durchaus mutig widersprechenden Gespräch von Sebastian Kurz mit dem deutschen Propaganda-Fernsehen vernehmen konnte, langfristig irreparabel bleiben. Mit politischer Dummheit von seiten der Bürgerlichen und der Rechten lässt sich leider ebenfalls nichts reparieren. "Ethik ist nur für den ein Bedürfnis, in dem ein Ethos lebt", schrieb Reinhold Schneider 1940 in seinem bei Anton Kippenbergs Insel-Verlag erschienenen Essay-Band "Macht und Gnade". Es bleibt wohl dabei, dass Friedrich Schiller, wie ich vor 3 bis 4 Wochen hier schrieb, das Spannungsverhältnis zwischen dem Regenten und dem Parlament, wie es für England und generell für einen gelungenen Parlamentarismus wesentlich ist, exemplarisch beschrieben hat. So wie man ohne Aristoteles über Orientierungen, die ethische Mitte betreffend, mangels Grundlagenkenntnis besser schweigen sollte. In einem Institut für Staatspolitik kann man darüber jedoch nicht schweigen.

Im Zusammenhang mit Metapolitik sowie der Wiederherstellung des Geisteslebens bleibt die Frage nach den Grundlagen der Bildung wesentlich, vergleiche die einschlägigen Bände zu diesem Thema von Gerd-Klaus Kaltenbrunner, die von einem der besseren Foristen in letzter Zeit noch mehrfach zitiert bzw. erwähnt wurden.. Was indes den sog. Populismus betrifft, so ist mir schon klar, dass dieser mit dem Totschlagargument "Biertisch" weder angemessen gewürdigt noch gar widerlegt werden kann, wie der Schriftsteller Thomas Hürlimann neulich in einem Interview dartat. Er ist der wohl prominenteste noch lebende Schüler der Stiftsschule Einsiedeln und gehört zu den Autoren, die sich ähnlich wie Arnold Stadler und Botho Strauss konsequent frei von Linksdrall und frei von vulgärem Kulturmarxismus auf in der Regel literarischem Niveau artikulieren. In dieser Kommentarspalte würden sie sich aber wohl kaum sinnvoll äussern können.

Thomas Martini
1. Oktober 2019 22:43

"....das 'Erhabene' steht in zarten Lettern, nur im Gegenlicht sichtbar, auf demselben anderen Blatt. Normal oder normalisierbar ist es nicht." (Dr. Sommerfeld

Der Beamte der Union für Komponisten und der Kommunistischen Partei gegenüber Schostakowitsch nach der Generalprobe seiner 4. Sinfonie:

"Genosse Schostakowitsch, wir glauben nicht, dass dies das richtige Stück für unser Land in dieser Zeit ist. Sie ist nicht richtig für unsere Gesellschaft. Sie ist zu komplex."

Laurenz
1. Oktober 2019 23:24

@Gracchus ... sehen Sie, immerhin habe ich dafür gesorgt, daß Sie überlegter formuliert haben. Wenn Sie Ihre eigene Antwort lesen, beschrieb sie das in Schnellroda heimische SiN-Wesen kürzer und präziser als zuvor.

@Gelddrucker .... ich glaube Ihnen nicht. Sie können mir doch nicht erzählen, daß die Volkspolizei nicht wußte, daß Genosse Mielke ein Polizisten-Mörder war, genau wie die ehemals westliche Polizei wußte, daß ein Außenminister Fischer den Kollegen früher Steine um die Ohren warf. Der Goldstück-Anteil in den bewaffneten Organen wird immer größer. Das muß auch so sein, wieso sollte es unserer Exekutive besser gehen als uns. Historisch haben Sie Unrecht, man schoß in der Weimarer Zeit. Die Polizei und die Söldner-Bundeswehr wird schießen. Und alle diejenigen, die nicht schießen, werden selbst dran glauben müssen. China hat es nicht wirklich nötig in Hongkong hart zuzuschlagen, Berlin schon. Solange die amerikanischen Besatzer hier sind, wird es mit der linken Gewaltbereitschaft bleiben, wie es ist. Spannend wird es erst, wenn die Kuhhirten tatsächlich zu unseren unbelehrbaren Nachbarn abziehen.

Laurenz
1. Oktober 2019 23:39

@Thomas Martini ... Sie haben mich schon richtig verstanden und vertreten ja selbst eine ähnliche Sicht der Dinge. Aber den wenigen Klugen unter den Wohlhabenden ist doch klar, wer die zukünftige Zeche bezahlen wird. Weder die Politik noch die Dax-Vorstände werden dran glauben müssen, bei der Masse der Armen ist nichts mehr wirklich zu holen, auch wenn jüngst die aSPD wieder an den Rentnern sparte. Die obere Mittelschicht wird bis zur bitteren Neige bezahlen müssen, und einige dieser Mitbürger engagieren sich deswegen bei uns unter Eingehung von Kompromissen.

Gracchus
1. Oktober 2019 23:56

@Nemesis "1. Mich stößt jeder -ismus aufgrund des ihm inhärenten Zwanges ab" Mich auch. Unter Patriotismus kann aber jeder verstehen, was ihm beliebt.

@Fredy: Das haben Sie gut gesagt. Ich seh Weissmann ähnlich. Obwohl ich sehr wenig von ihm gelesen habe - aber eben deshalb: weil's mich nicht neugierig gemacht hat.

Franz Bettinger
2. Oktober 2019 03:00

Auch nicht schlecht, der schöne klare eingängige Begriff von Benedikt Kaiser: "Solidarischer Patriotismus“.

RMH
2. Oktober 2019 07:20

"Solidarischer Patriotismus“.

Was soll das sein? Ein weißer Schimmel?

Ich stelle fest, dass ich bislang offenbar der einzige in dieser Debatte war, der zumindest einmal den Versuch unternommen hat, festzustellen, was ein Patriot ist. Die Debatte zeigt klar, dass wenn man nicht weiß oder halbwegs gemeinsame Vorstellungen darüber hat, was ein Patriot ist, jeder aber bei seinen eigenen Ausführungen wie selbstverständlich davon ausgeht, dass doch jeder wisse, was ein Patriot sei und dass das selbstredend das ist, was er selber denkt, es ein Reden um den heißen Brei mit Teilen von heißer Luft wird.

@M.D.,
was ist für Sie ganz konkret ein Patriot?

Was machte bspw. gerade den gelernten Buchhändler P. Glotz, als SPD-Mitglied Teil der II. Internationalen bzw. sozialistischen Internationalen, dazu, damit sie schreiben können, dass er "als deutscher Patriot eingeschätzt werden konnte."?

Imagine
2. Oktober 2019 08:47

@Thomas Martini 1. Oktober 2019 20:06
„wie man die Sache mit der Demokratie kurz und knackig auf den Punkt bringt: ‚Demokratie ist die Methode, den Willen des Finanzadels so umzusetzen, daß das Volk glaubt, die Mehrheit hat es so gewollt.‘"

Diese Aussage halte ich für eine unzulässige Generalisierung und daher für falsch.
Denn es gibt nicht „DIE“ Demokratie.

Das Schweizer duale System mit repräsentativer sowie direkter Demokratie ermöglicht eine Gegenmachtposition des Volkes gegenüber der Plutokratie, die natürlich auch dort über Informations- und Medienmacht sowie Korruptionsmacht verfügt.

Es gibt daher eine Reihe von Beispielen, wo die Schweizer Bevölkerung gegen ihre Interessen gestimmt hat, obwohl sie das Gegenteil glaubte.

Bewusstseinsmanipulation und Täuschung durch Medien- und Korruptionsmacht sind immer möglich.

Dieses Problem ist unlösbar, selbst in nicht-plutokratischen Gesellschaften, wo diese Allokation von Geld- und Vermögensmacht wie im Kapitalismus nicht gegeben ist.

Denn Interessendurchsetzung ist immer auch eine Frage von Intelligenz und Wissen. Intelligenz und Wissen sind in der Bevölkerung ungleich vorhanden und werden es immer sein.

Insofern ist die Vorstellung einer herrschaftsfreien Gesellschaft eine realitätsferne Utopie.

Jedoch ist es so, dass die Möglichkeit von direktdemokratischen Abstimmungen eine wirksame Gegenmacht des Volkes darstellt, wenn offensichtlich eine Politik gegen die Interessen des Volkes gemacht wird.

Beispielsweise wären die Hartz IV-Gesetze oder Merkels Migrationspolitik in der Schweiz nicht durchsetzbar gewesen.

Aber keine Partei wird in Deutschland Formen direkter Demokratie einführen, auch wenn sie es in ihren Parteiprogrammen versprechen und dieses sogar im Grundgesetz vorgegeben ist.

Die SPD versprach: „Mehr Demokratie wagen!“ und hat mit ihrer Berufsverbotspolitik das Gegenteil gemacht. Die Grünen wollten „Basisdemokratie“. Davon ist nichts übriggeblieben – im Gegenteil.

nom de guerre
2. Oktober 2019 09:36

@ RMH

Ihr Versuch, den Begriff des Patrioten an dem "pro patria mori" festzumachen, ist an sich nicht schlecht, passt aber m.E. nicht in die heutige Zeit. Nicht, weil ich es für antiquiert hielte, fürs Vaterland zu sterben (wobei die Frage, was denn eigentlich die Patriotin ausmacht, noch einmal ein Sonderproblem darstellt), sondern weil eben dieses gerade plattgemacht wird, ohne dass auch nur ein einziger Schuss abgegeben werden muss, und sich somit die Frage des "dafür Sterbens" nicht stellt, gar nicht stellen kann. Wir haben es, Sie wiesen bereits darauf hin, eben nicht mit einem Angriff von außen zu tun, auf den der Patriotismusbegriff, wie ich ihn verstehe, bisher zugeschnitten war.

Eine bessere Alternative habe ich allerdings auch nicht zu bieten - es rein aus dem Negativen zu definieren, etwa zu schreiben, jeder sei ein Patriot, der "Deutschland verrecke" oder "mit Deutschland konnte ich noch nie was anfangen" nicht unterschreibt und der von Deutschen nicht als "schon länger hier Lebende" spricht o.ä., wäre ähnlich absurd wie "gute Eltern sind solche, die ihren Kindern keinen Schaden zufügen möchten". Das ist - offensichtlich - zu wenig. Vielleicht wäre der Amtseid des Bundeskanzlers ein guter Anknüpfungspunkt? Wobei dies wiederum zu der Schwierigkeit führt, es auf den normalen Bürger zu übertragen. Aber Sie haben Recht, es wäre sinnvoll, den Begriff einmal grundsätzlich zu klären.

Apropos "normal", und damit zum Artikel: ohne auf den Inhalt eingehen zu wollen, finde ich "Normalisierungspatriotismus" schon sehr spröde - ähnlich charmant wie Reichsdeputationshauptschluss oder Straßenverkehrszulassungsordnung.

Maiordomus
2. Oktober 2019 10:07

@RMH. @Peter Glotz. Ich danke Ihnen sehr für Ihre sachbezogene Anfrage. Was nun Peter Glotz betrifft, habe ich über ihn im leider eingestellten www.portal-der-erinnerung.de einen ausführlichen Nachruf geschrieben: Bezug nehmend auf seine Biographie aus dem einstigen Vertriebenenmilieu sowie seine Kenntnisse von patriotischen Gesichtspunkten in der Geschichte der SPD. man denke an Ebner und Schumacher. Bei Glotz wie auch bei Willy Brandt sind, was mich damals überrascht hat, um 1989 durchaus deutsch-patriotische Gedankengänge zum Vorschein gekommen. Die rechtsextremistische Losung im Zusammenhang mit den deutschen Ostverträgen der Siebzigerjahre "Willy Brandt an die Wand!" war mit Sicherheit nicht nur brutal-kriminell-dümmlich, sondern auch objektiv, Deutschland gegenüber, ungerecht. Auch Rudolf Augstein, zu Lebzeiten ein guter Bekannter von Glotz, dachte bei weitem patriotischer als mutmasslich heute sein intellektuell eher schwächerer Sohn (in Wirklichkeit der Sohn von Martin Walser), dem es leider vielfach an politischem Grundwissen fehlt, was ich auch schon anhand einer Buchrezension dargetan habe. Falls Sie mir allenfalls via Schnellroda Ihre private Mailadresse vermitteln, kann ich Ihnen meinen ausführlichen Nachruf auf Peter Glotz schicken.

@RMH. Patriotismus näher erläutern. Darüber veröffentlichte ich im Oktober 1973, also vor 46 Jahren, einen längeren Essay. Es ging um die Abgrenzung Nationalismus - Patriotismus, auch um die Kritik am Irrationalismus, woran in der Schweiz damals die Partei des Rechtsintellektuellen James Schwarzenbach leider krankte. Ich präsentiere Ihnen hier einen Ausschnitt aus jenem Essay zu Debatten, wie Sie auch heute geführt werden:

Aus meinem Originaltext von 1973, mit leichten Kürzungen, für Sie, Herr RMH. HIER FOLGT MEIN TEXT VON 1973:

Die meisten politischen Irrtümer entstehen auf der Basis falscher Alternativen. Eine falsche Alternative, die für viel ein Problem darstellt, ist die „Alternative“ Internationalismus – Nationalismus. Nun sind sich alle Rechtsorientierten einig, dass der Internationalismus als bewusste Distanzierung vom Eigenen auf einem gestörten, zum Teil selbstzerstörerischen Verhältnis zum eigenen Land beruht. Da sie die üblen Folgen des Internationalismus sehen, glauben nun einige, Nationalismus sei etwas Gutes. Vom Nationalismus seinerseits wieder zu unterscheiden ist der Patriotismus, worunter wir Pietät und Anerkennung gegenüber dem eigenen Erbe verstehen, gemischt mit Stolz und Demut angesichts nationaler Tugenden und nationaler Untugenden. Demgegenüber ist der Nationalismus etwas ganz anderes. Für den Nationalisten gibt es nur Nationaltugenden, keine Fehler. Das Nationale ist für ihn ein absoluter Wert der höchsten Ebene. Die nationale Geschichte – von den Internationalisten heruntergemacht – hat für den Nationalisten die Weihe eines Religionsersatzes. Für den schweizerischen Nationalisten ist es klar, dass die Eidgenossen bei Morgarten Recht und Freiheit gegen österreichische Usurpatoren (oft Aargauer) verteidigt haben. Nicht klar hingegen ist, dass der Bundesbrief von 1291 zu den nüchternsten Dokumenten der Weltgeschichte gehört, worin es um nichts anderes ging als um die Erhaltung der von der habsburgischen Krone (z. B. das von König Rudolf zugestandene Privileg, nicht von fremden Richtern beurteilt zu werden) gewährten Freiheiten. Ferner ist für den schweizerischen Nationalismus typisch die Überschätzung der kriegerischen Tradition der Eidgenossenschaft (Tell, Winkelried, Bubenberg u.a.m.) und ein eher weniger engagiertes Verhältnis zur geistigen Tradition (Pestalozzi, Zschokke, Dunant u.a.m.). Deshalb wohl können republikanische Augustfeiern nur auf historischen Schlachtfeldern und vor Soldatendenkmälern stattfinden. Der Anschluss an die geistige Tradition, der dort stattfindet, ist zum Teil leider sehr plump. Wenn Gottfried Keller am 1. August (1973, P.M.) auf der Forch zum „waschechten Republikaner“ deklariert wurde, war dies keine Auseinandersetzung, sondern die unfaire Einparteiung eines wehrlosen Toten. Die linksliberale republikanische Partei Gottfried Kellers hat doch mit der Republikanischen Bewegung von James Schwarzenbach nur den Namen gemeinsam.

Der Glorifizierung der nationalen Geschichte, zu der der Nationalist neigt, entspricht die Absolutsetzung der Nation in der Gegenwart: Eine übernationale Verantwortung wird grundsätzlich geleugnet. Stringente Pflichten gegenüber dem Nicht-Nationalen (Ausland, Ausländer) kann es nicht geben. Dies ist indessen nicht die Haltung der Republikanischen Bewegung. Eine sehr ausgewogene offizielle Erklärung stellt sich im Prinzip positiv zur Entwicklungshilfe, und Paragraph 4 des Parteimanifests begrüsst die „Schaffung eines föderalistischen, freien und geeinten Europa“. Es wäre also billig, die Republikanische Bewegung voreilig als hoffnungslos chauvinistische nationalistische Partei abzustempeln, wie dies einige ihrer Gegner tun. Ebenfalls sind sich fast alle Republikaner als Kleinbürgerpartei in der Brandmarkung einer nationalen Untugend einig: des Mammonismus. Auch bilden die Fremdenhasser in der Bewegung (auch bei der Nationalen Aktion gegen die Überfremdung von Volk und Heimat) nur eine Minderheit. Man darf sich die Kritik nicht zu einfach machen. In Wirklichkeit verhält es sich so, dass die Republikanische Bewegung heute weder restlos nationalistisch ist noch einen schlackenlosen Patriotismus vertritt. Am ehesten trifft wohl die Diagnose „nationalistisch verschmutzter Patriotismus“ den Sachverhalt. Es handelt sich primär Abgrenzungsproblem Patriotismus - Nationalismus.

Diese Abgrenzung ist zunächst einmal eine Frage der Intensität und des Stils. Das verräterischste Kennzeichen des Nationalismus ist massive Sprache bei der Vertretung nationaler Anliegen. Die patriotische Sprache liebt den Degen, der nationalistische Jargon hingegen bevorzugt Bleihammer und Pressluftbohrer. „Auf einen groben Klotz gehört ein grober Keil“ usw. Im Prinzip kann man sagen: Der Patriotismus hört auf und der Nationalismus fängt an, wo die Sprache zu marschieren beginnt, wenn Kampflieder gesungen werden, wenn mit den Emotionen einfacher Leute bewusst gespielt wird. Dass diese Gefahren bei den Schweizer Republikanern tatsächlich bestehen, hat mir eine jahrelange Erfahrung auf allen Ebenen der Bewegung nur zu klar gemacht.

Zum Thema Emotionalismus und Irrationalismus: Patriotismus und kritischer Rationalismus schliessen sich nicht aus. Wenn aber vom „Nationalcharakter als emotionaler Kraft“ („Republikaner“ v. 17.8.1973) gesprochen wird, beginnt es langsam unsauber zu werden. Da hilft auch die Berufung auf einen Staatsmann wie den britischen Premier Benjamin Disraeli nichts. Was will Disraeli beweisen, wenn er schreibt: „…nicht die Vernunft hat Troia zu Fall gebracht, nicht die Vernunft hat die Sarazenen aus ihren Wüsten zur Welteroberung getrieben, nicht die Vernunft hat die Kreuzzüge ausgelöst, die Mönchsorden gegründet; nicht die Vernunft hat zur Gründung des Jesuitenordens geführt; vor allem nicht die Vernunft hat die Französische Revolution ausgelöst. Der Mensch ist nur dann wirklich gross, wenn er aus Leidenschaft handelt, es ist nur dann unwiderstehlich, wenn er an die Kraft der Einbildung appelliert…“

Diese Sätze aus einem Grundsatzartikel des „Republikaner“ (Schwarzenbachs von Johann Baptist Rusch und Eduard Stäuble übernommene Einmann-Zeitung, gegründet 1798, M.D. 2019) müssen genauestens unter die Lupe genommen werden. Beweisen die oben zitierten historischen Ereignisse etwas g e g e n die Vernunft? Müsste man nicht den Gedankengang Disraelis weiterführen mit: Nicht die Vernunft hat zur Russischen Revolution geführt; nicht die Vernunft hat Adolf Hitler an die Macht gebracht; nicht die Vernunft treibt den Schwarzen September (Terror-Organisation, MD. 2019) zu seinen Untaten und vor allem nicht der Vernunft ist es zu verdanken, dass heute in der Dritten Welt und allenthalben wieder ein fanatischer Nationalismus sein Haupt erhebt. Vielmehr führen die Leidenschaften der Menschen zu den kollektiven Wahnsinnsausbrüchen, die die Weltgeschichte in der modernen Zeit zu einem Schlachthaus hat werden lassen.

Wie wollen wir die immer komplizierter werdenden Probleme der Industrie- und Massengesellschaft anders lösen als mit höchsten Anstrengungen einer ideologisch nicht verbrämten Vernunft? Die grossen Repräsentanten der konservativen Philosophie von Aristoteles, Thomas von Aquin, Edmund Burke, Franz von Baader, Alexis von Tocqueville bis zu dem im „Republikaner“ gern zitierten Wilhelm Röpke haben unbeirrt am Vorrang der Vernunft festgehalten, ganz zu schweigen von der schweizerischen Tradition von Pestalozzi über I.P.V. Troxler bis Friedrich Traugott Wahlen.

Einem irrationalistischen und nationalistischen Denken entspricht es, wenn im September 1973 im „Republikaner“ wieder einmal von „artfremden Ideologien“ die Rede war. Es gibt unter dem theoretischen Gesichtspunkt „falsche“ und „wahre“ Ideologen (im logischen Verhältnis zueinander). Unter dem praktischen Gesichtspunkt gibt es „taugliche“ oder „untaugliche“ Ideologien. Aber von „artfremden Ideologien“ zu sprechen ist biologistischer, nationalistischer und faschistischer Stumpfsinn. Auf dieser Argumentationsebene ist kein Staat zu bauen noch ist den linken Ideologien damit beizukommen. Eines müssen wir uns nämlich vergegenwärtigen: Ohne eine ganz sorgfältige geistige Anstrengung vonseiten der sogenannten „erhaltenden Kräfte“ wird zum Beispiel der Sozialismus (und der Kulturmarxismus M.D. 2019) nie überwunden werden.

Es würde nun darum gehen, in Theorie und Praxis sich vom Nationalismus endgültig zu distanzieren und der kommenden Generation einen glaubwürdigen Patriotismus vorzuleben. Die Jugend (meiner 68er-Generation, M.D. 2019) lehnt im Grunde nicht den Patriotismus ab, sondern seine Verfallform, den Nationalismus. Wenn wir heute so weit sind, dass Patriotismus bei den Jungen sehr klein geschrieben wird, so liegt das zur Hauptsache an einer verzerrten Optik, an der aber viele, die sich für Patrioten halten, nicht unschuldig sind.
ENDE DES AUSZUGES AUS DEM ESSAY, BEI WELCHEM ICH JAMES SCHWARZENBACH DAS VERSCHWINDEN SEINER PARTEI BIS SPÄTESTENS 1984 VORAUSSAGTE, WAS DENN AUCH EINTRAF.

PS. zu obigen Ausführungen als Antwort an RMH, was ich eigentlich unter Patriotismus verstehe:

Die Kritik "nationalistisch verschmutzter Patriotismus" trifft meines Erachtens auch auf einen Teil der deutschen, österreichischen und schweizerischen Rechten heute noch zu. Den Denkern sind die Probleme bekannt, doch gibt es nicht nur das Abgrenzungsproblem Patriotismus - Nationalismus. Sondern noch dazu das Problem der Korrumpierbarkeit, siehe Strache, wiewohl in diesem Fall das Endergebnis von Untersuchungen abgewartet werden muss. Grundsätzlich aber bleibt es zum Beispiel für die Gesundung der österreichischen Rechten wohl dabei, dass man sich vom Politikertypus Strache verabschieden muss. Dies wäre die eine Massnahme, die meines Erachtens not tut. Die andere wäre, zugunsten eines wünschbaren wachsenden Einflusses des im Prinzip integren und politisch begabten Martin Sellner einschliesslich des Kreises seiner Anhänger: die "Identitäre Bewegung" in Deutschland und noch wichtiger, dort absolut notwendig, in Österreich, muss durch einen selbst gefassten Entschluss aufgelöst und neu gegründet werden, damit in Sachen Metapolitik von einem "Patriotischen Lager" gesprochen werden kann. Es wäre zumal die mutmassliche Bedingung für einen zusammenführenden Dialog zwischen der Gruppe Sellner und der bürgerlich-sozialen FPÖ. Ich würde nicht ausschliessen, dass Sellner sich in seiner Heimat noch zu dem Politiker entwickeln könnte, zu dem Haider und Strache nicht werden konnten, weil sie über sich selbst gestolpert sind. Rein analytisch sehe ich in Sellner eine partiell vergleichbare politische Begabung wie in Deutschland bei Joschka Fischer, abzüglich der kriminellen Energie und dem Frauenverbrauch; also Eigenschaften, welche sich bei Sellner glücklicherweise noch nie manifestiert haben.

Franz Bettinger
2. Oktober 2019 10:10

@RMH: Benedikt Kaiser’s "Solidarischer Patriotismus" ist kein weißer Schimmel. Im übrigen darf es die gerne geben, wenn sie eine Funktion erfüllen; man denke an die „Volks-Demokratie“. Es gibt Patrioten, die ihr Deutschsein und ihr Land lieben (vielleicht wie es einmal war), aber mit den meisten Menschen, die heute darin leben und das Sagen haben, nicht mehr solidarisch sind. Also gibt es auch das Gegenteil. - Wir müssen damit leben, dass jeder Mensch seine eigene Vorstellung von Begriffen hat wie Identitär, Rechts, Nation, Volk, Würde, etc.. Aber Sie haben mit der Forderung recht, dass es nötig ist, über Begriffe zu reden, sie aus unserer Sicht - manchmal auch neu - zu definieren, und dass dies vermehrt noch als bisher eine Aufgabe von SiN sein müsste.

@Maiordomus: Danke für die nachgereichte Definition der (tapferen) Mitte, wie Aristoteles (und wahrscheinlich nur er) sie versteht. Sind wir jetzt klüger? Ein bisschen schon. Sollen wir mit dieser Niko-Definition der Mitte in Zukunft hantieren? Besser nicht. Denn keiner, der nicht die für Niko bestimmte Ethik studiert hat - also die Nikomachische; was für eine Arroganz, eine Ethik nach seinem Sohn zu benennen; ist Ihnen das schon aufgefallen, großer Meister? Es hätte also auch 'Gretchens Ethik' heißen können - also keiner, der das nicht studiert hat, würde uns gedanklich folgen können. Im Gegenteil, man würde uns für verrückt halten. Wie wäre es also, MD, mit etwas mehr „hier und heute“? Und lassen Sie doch bitte das Noten-Geben (hier beklagen Sie die "Absonderungen" des Kommentariats). Das stößt sauer auf. Nicht jeder ist ein Platon. Jeder gibt die Milch, die er hat. Bescheidenheit bitte!

Vox
2. Oktober 2019 10:29

"Normalisierungspatriotismus" ist mir zu sperrig, zu vage, mit zuviel Interpretationsspielraum. Ich benutze "Für Freiheit, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit". Oder noch deutlicher: "Konsequent, äußerst, sehr für Freiheit, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit."

Laurenz
2. Oktober 2019 10:44

@Maiordomus .... Herr Glotz inthronisierte seine damalige Freundin als Kultur-Dezernentin in Frankfurt am Main, die mit Mio.-Beträgen den Jazz förderte, eine musikalische Stilrichtung, die meist nur diejenigen interessiert, die diese Musik spielen. Mit diesem feudalen Gehabe unterscheidet er sich nicht von den vielen Amigos in den Alt-Parteien. Man fragt sich schlicht, warum solche Menschen den Hals nicht voll kriegen.

Maiordomus
2. Oktober 2019 12:11

Abschliessend möchte ich hervorheben, dass alle meine Beiträge in dieser aktuellen Spalte um den bei Kubitscheks Grundsatzartikel wichtigen Begriff der "Feigheit der Mitte" kreisen. Es ist diese zum Beispiel auch eine ganz grosse, vielleicht die grösste Versuchung des Politikers Sebastian Kurz, wobei Martin Sellner offenbar schon jetzt weiss, was dieser in nächster Zeit alles falsch machen wird. Besser wäre es, zunächst von eigenen Fehlern Abschied zu nehmen.

Es geht mir hier nicht um Abschweifungen und Exkurse um ihrer selbst willen. Zum Beispiel ist die CSU noch heute in Europa oder weltweit die einzige, zumindest erfolgreichste Partei, die mit dem Anspruch, eine Partei der rechten Mitte zu sein, aufgetreten ist. Darum ist gerade bei dieser Partei grundsätzliche Kritik erforderlich. Es geht nicht nur um die Feigheit, auch z.B. um die Begriffsbestimmung der Mitte in der politischen Theorie. Dabei genügt natürlich der Uralt-Rückbezug zu Aristoteles nicht. Zu studieren wäre zum Beispiel die Grundlagenarbeit von Pater Oswald von Nell-Breuning, des wichtigsten christlichsozialen Theoretikers des 20. Jahrhunderts, bei dem bekanntlich die CSU ihren Namen "getankt" hat. Nell-Breuning, bei dem zum Beispiel die Foristin @Monika noch studiert hat, wäre auch für die Grundlagenarbeit des Instituts für Staatspolitik genau so zu studieren wie zum Beispiel die Marxsche Analyse unter dem Gesichtspunkt "Marx von rechts" oder die über Mohler vermittelte Konservative Revolution.

"Feigheit der Mitte" - damit sind auch Grundprobleme von Politikern wie Horst Seehofer, Friedrich Merz und zumal Sebastian Kurz anzusprechen, nicht hingegen Merkel, weil diese Frau selbstverständlich nie zur politischen Mitte gehört hat und ganz sicher nicht vom Gedankengut von Oswald von Nell-Breuning beeinflusst ist, weder direkt noch indirekt. Das Wutvideo von Martin Sellner von heute morgen gegen Kurz hätte er sich, über nüchterne, durchaus notwendige Warnungen vor Illusionen hinaus, ersparen können. Noch ist, bezogen auf die Politik von Kurz, der immerhin zeitweilig die Politik von Kickl ermöglicht hat, diese Politik sogar noch gegenüber dem aufdringlichen Demagogen vom deutschen Fernsehen noch vorgestern Sonntag mit Nachdruck verteidigt hat. Wer aber die politischen Mechanismen kennt, weiss, dass Kurz aus psychologischen Gründen in den nächsten vier Jahren mit Kickl kaum direkt zusammenarbeiten will, weil in diesem Fall der Eindruck entstünde, er, Kurz, sei der Schwanz, der mit dem Hunde wedelt. Es geht hier offensichtlich um eine auch personale Machtfrage. Falls eine Neuauflage der zertrümmerten Koalition in Frage kommt, so gewiss nur ohne Kickl, vielleicht mit Hofer, wobei aber dann Kickl zum Beispiel das Parteipräsidium übernehmen könnte. Andererseits sieht es die FPÖ wohl richtig, dass sie, um wieder auf ihren alten oder sogar einen noch höheren Wähleranteil kommen zu können, vorläufig in die Opposition muss. Dadurch erschwert sich die Ausgangslage für Kurz. Noch ist indes in keiner Weise bewiesen, dass er zusammen mit den Grünen, deren Politik seiner Wählerschaft meistenteils widerstrebt, auf einen Merkel-Kurs umschwenken wird.

Sellner müsste wohl nicht primär über Sebastian Kurz ausrufen, sondern sich fragen, ob er bei der österreichischen Rechten mehr sein will als ein Papiertiger oder meinetwegen ein Video-Tiger. Will er vom politischen Arm dieser Rechten auch nur halbwegs ernst genommen werden, muss er seinen Identitären Club, der seine Schuldigkeit getan hat, beerdigen und eine breitere Basis für rechte Metapolitik begründen. Selbst wenn es bei genauerem Hinsehen nicht gerecht scheint, hat die sog. Identitäre Bewegung im Umgang mit Strache und im Vorfeld der verunglückten Wahlen der österreichichen Rechten nicht gerade glücklich agiert.

Stefan George kann meines Erachtens Sellner weiterhin zitieren, wiewohl in Sachen politischer Klugheit und zumal für Österreich Franz Grillparzer und Hugo von Hofmannsthal noch eine ganz andere Liga darstellen. Auf Thomas Bernhard, den Stifterhasser, und Elfriede Jelinek hingegegen kann man auf keine Weise setzen. Sie repräsentieren ein heruntergekommenes pseudogeistiges Österreich, das überwunden werden muss. Für europäische, zumal osteuropäische Perspektiven wäre allenfalls dann und wann Rat bei Peter Handke zu holen. Klar, muss wieder auf mehr Geist gesetzt werden. Mit diesem Ziel ist bekanntlich auch das gedruckte Heft Sezession angetreten.

heinrichbrueck
2. Oktober 2019 12:12

Mit Bildungsgeschwätz ein System reparieren zu wollen, ohne die Funktionsweise des globalen Systems richtig einordnen zu können, zeigt erst die Witzigkeit der Vorwürfe in einem Ausmaß, die das System vielleicht besser verstehen helfen. Vom hohen Roß der Schweizer Demokratie (Wir sind keine Schweizer!) so zu fabulieren, als ginge es um die CDU, irgendwelche Wählerstimmen, oder deutsches Propagandafernsehen gegen Kurz, ist zwar immer noch kein Beweis für die Richtigkeit der Einschätzung der Lage, aber wenigstens wurden die Gegner der Feigheit der Mitte sichtbar, und die ganze Herrlichkeit ihrer Systemverteidigung in Dienst gestellt. Das Dreckssystem muß repariert werden!
Und nein, die Probleme sind nicht bekannt. Ja, Haider ist über sein Auto gestolpert, es ist nicht zu fassen...

zeitschnur
2. Oktober 2019 12:18

Bedenkenswert erschienen mir hier die Kommentare von @ Nemesis und @ nom de guerre. Ebenso @ skaansdirmo und @ Adler und Drache:
Zusammengefasst gebe ich zu, dass ich diesen tunnelblickartigen Versuch, politisch irgendwie um jeden Preis ein Konstrukt, das noch gar nicht klar ist, zu "erhalten", für nicht wirklich zukunftsfähig halte. Zukunftsfähig ist aber immer ein informelles, reges Geistesleben, das wahrscheinlich an diesem Projekt hier vor allem für ältere und gereiftere Menschen attraktiv ist. Die Jugend will schnelle Ergebnisse, weil sie alles an ihrer bislang eher kurzen Lebenszeit misst - es fühlt sich alles (noch) anders an. Dass mancher Graukopf immer noch nicht reif ist, oder manche Junge früh gereift ist, ändert an diesem Phänomen nichts. Die Gelassenheit der etwas Älteren lässt mich eher in kritische Distanz gehen zu den etwas hektischen Entwürfen für Minimalkonsens, der ja hinter den missverständlichen und schillernden Begriffen "Normalpatriotismus" und "Selbstverharmlosung" steht. Andererseits habe ich in mir Respekt für alle, die sich mit allem, was sie sind und haben, für positive, bewahrende Ziele einsetzen.
Ich denke ebenfalls, wie einer der genannten Kommentatoren es schrieb, dass es zu spät ist für solche "normalen" Vorhaben, alleine schon, weil dafür alle Voraussetzungen fehlen. Minimalkonsens ergibt sich nicht aufgrund einer Deklaration, er muss in denen, die sich auf ihn einigen, bereits vorher vorhanden sein. Aber gerade die Relation zum "Patriotismus" ist in Deutschland mehr als gestört und dies seit Jahrzehnten mit wachsender Tendenz. Ich sehe nicht, wie man hier selbst in eher rechtskonservativen Gruppierungen noch "Konsens" erzielen soll. Es herrscht doch babylonische Sprachverwirrung einerseits und andererseits auch ein Trümmerfeld all dieser Begrifflichkeiten. Es mag ja einem Menschen im Jahr 1894 noch irgendwie einigermaßen intersubjektiv klar gewesen sein, was Patriotismus in seinem jeweiligen Heimatland bedeutet. Heute gibt es keine intakten Begriffe dieser Art mehr. Ich frage mich, wie sinnvoll es ist, sich an immer neuen Schöpfungen und Neoplasmen zu verquälen, die dann prompt wieder in tausend Splitter zersprengend missverstanden werden. An dem Punkt stimme ich @ Nemesis nicht zu, der am Ende Alternativbegriffe sucht.
Am meisten bedrückt mich, dass ich in einem Volk lebe, das unheilbar krank ist und diese Pathologien mit ihren Milliarsymptomen zum Volkssport gemacht hat. Deutschland ist wie eine Art Gutleuthof im Mittelalter, in dem die Aussätzigen ein völlig demoralisiertes Leben lebten und ... genossen. Und die Außenwelt ließ es ihnen zu, grenzte sich aber von ihnen ab.
Nun können wir uns natürlich nicht abgrenzen, weil wir mitten drin stecken. Andere halbwegs gesunde Geister sind längst außer Landes - in Russland, Kanada oder den Philippinen. Aber im Herzen sind sie eben doch hier ...
Es bleibt nur die Abgrenzung im Inneren, und ich würde sie nicht überladen mit zuviel "Unbedingt-machen-wollen", "Unbedingt-durchsetzen-wollen" - das wird ganz sicher schiefgehen.
Ich würde voll und ganz auf das freie Geistesleben setzen. das wird zwar nicht sofort, aber auf lange Sicht doch siegen, denn dieser mentale Schlamassel, in dem das Land gerade versumpft, hat ja objektiv keine Lebenskraft. Da wird bald Wüste sein, wir werden es alle noch erleben. Wenn inzwischen Männer wie Rolf Hochhuth fürs Compact-Magazin schreiben und auch sonst alle, die einen mehr als minimalen Geist haben, heimlich oder offen, in dem einen oder anderen - angeblich "rechten", oft aber auch eher links-alternativen (wie zB die NachDenkSeiten) - Forum angekommen sind, dann ist das aussagekräftiger als tausend Twitter-Hetz-Posts aus irgendeinem Berliner Ministerium oder antidemokratische Artikel von Herren wie Tauber, Stegner oder dem unsäglichen Heiko Maas.
Man kann zwar diesen Blockparteien den Spiegel vorhalten im Bundestag, aber ein geistig dermaßen heruntergekommener Sauhaufen hat keine Überlebenschance, auch wenn Merkel jetzt mit ihrem finsteren, erbärmlichen Gschau noch die Phoenix-Übertragungen aus dem Parlament verunziert. Das alles wird ein Ende haben, und das Ende werden nicht wir schaffen, sondern dieselbe Elite, die diese Jammergestalten derzeit noch erhält und "aufbläst", wie Hitler es damals zynisch über Pétain sagte und damit verriet, was eigentlich abgeht. Ja: dieses "G'socks", diese "Großkopfet'n" und "Blasengl", wie meine Oma es gesagt hätte, wird aufgeblasen, und wenn ihm die Luft ausgeht, wird nachgepumpt, bis der Zirkus beendet wird.
Ich glaube, dass das Volk gewappnet sein muss gegen den Tag, an dem dies geschieht und geistig sehr tat- und schlagkräftig sein muss. Das alleine hat eine Chance.

RMH
2. Oktober 2019 13:04

@Maiordomus,

vielen Dank für die direkte Antwort. Ich möchte daraus folgende Begriffsbestimmung des Patriotismus heraus nehmen:

" ... ist der Patriotismus, worunter wir Pietät und Anerkennung gegenüber dem eigenen Erbe verstehen, gemischt mit Stolz und Demut angesichts nationaler Tugenden und nationaler Untugenden."

Das ist ein schöner Ansatz, unter dem sich mehr versammeln können (mit dieser Definition kann auch ich mich als Patrioten bezeichnen), als unter dem von mir versuchten, radikalen und existentiellen Ansatz, zumal er auch dann noch Anwendung finden kann, wenn durch eine komplette Überfremdung und Spaltung eines Landes bereits Fakten eingetreten sind, die das "fürs Vaterland sterben" nicht mehr akzeptabel oder gar idiotisch erscheinen lassen.

Ich denke, damit ist auch @nom de guerre eine Antwort gegeben. In früheren Zeiten haben die Frauen als Patriotinnen ihren Teil getragen, der manchmal härter sein konnte, als an irgendeiner Front zu fallen ...

Gracchus
2. Oktober 2019 13:20

@RMH: Sie können es ja eine Nummer kleiner haben. Mit Hilfe Ihrer Steuern finanzieren Sie das Gebilde BRD/EU. Zahlen Sie gerne? (Nebenbei: Wieso Weissmann mehr Staat fordert, ist mir unerklärlich - was für mich nichts Anderes als die Ausweitung der Steuerknechtschaft. M. E. ist die Frage, wie wir zu einer gemeinwohlorientierten Politik gelangen!).

Imagine
2. Oktober 2019 14:23

Die Forderung nach einem „politischen Verismus“ durch den damals 35-jährigen Historiker und Gymnasiallehrer Karlheinz Weißmann stellt die Frage nach dem Adressaten für die politische Wahrheit.

Wer will die politische Wahrheit wissen, wer will sie kommunizieren?

Die Massenindividuen wollen die politische Wahrheit nicht wissen, die PolitikerInnen und Medien wollen sie nicht kommunizieren.

Wer will schon wissen, dass 2015 die Grenzöffnung nicht aus humanitären Motiven erfolgte, sondern dass die „Umvolkung“ schon lange durch die Eliten mit der Absicht der Herrschaftssicherung geplant war, wie im Buch von Manfred Pohl „Das Ende des Weißen Mannes. Eine Handlungsaufforderung“ (2007) nachzulesen ist.

Der Autor gehört zur Elite dieses Landes (http://www.prof-pohl.de/vita/). Das Buch wurde in den großen Zeitungen und auch im „Deutschlandfunk“ rezensiert. Bei der Buchvorstellung trat Hans-Olaf Henkel als Laudator auf.

Die „Umvolkung“ erfolgt nicht irgendwelchen multikulturellen oder humanitären Motiven, wie dies in links-grünen Narrativen erzählt wird. Sondern sie ist gewissermaßen ein hinzunehmender Kollateralschaden für das Ziel der Aufrechterhaltung der wirtschaftsliberalen Gesellschaftsordnung.

Ein „politischer Verismus“ hätte die Realität so darzustellen, wie sie ist.

Aber wer tut dies? Klären die „Identitären“ über die Hintergründe und Ziele der Migrationspolitik auf, indem sie über das Buch von Manfred Pohl berichten? Klären sie über neoliberale Thinktanks wie „Frankfurter Zukunftsrat“ und „Konvent für Deutschland“ auf, in denen höchst einflussreiche Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft zu finden sind?

Ein Großteil der deutschen Bevölkerung war 2015 froh, dass die Merkel-Politik nun der Welt ein anderes Deutschland zeigte. Ein scheinbar humanitäres Deutschland.

Ein „politischer Verismus“ müsste die Wahrheit aussprechen, dass die Prognosen von Manfred Pohl eintreten werden. Die Einwanderer und deren Abkömmlinge werden in absehbarer Zeit die Bevölkerungsmehrheit in Deutschland bilden, so wie es z.B. in Offenbach oder Heilbronn schon der Fall ist. Die ethnische und kulturelle Umstrukturierung der deutschen Bevölkerung ist irreversibel geworden.

Während die „Identitären“ noch auf „Re-Migration“ oder „Reconquista“ hoffen, hat sich die AfD-Führung schon längst der Realpolitik angenähert. Die Merkel-Regierungspolitik hat längst einen Schwenk auf „Migration begrenzen“ vollzogen.
So spricht Alice Weidel am 20.9.2019 in Schnellroda davon, dass es Ziel der AfD-Politik sei „Migration begrenzen“ (ab 41:40) sowie von „Neuregelung, Begrenzung und Steuerung der Einwanderung nach Deutschland“. Kein Wort von „Re-Migration“ oder „Reconquista“, denn dies ist nicht das Ziel der AfD. Ein solches Ziel wäre auch politisch völlig unrealistisch.

Bei meinen Besuchen in Berlin, Frankfurt, Hamburg, Heilbronn, Offenbach etc. muss ich feststellen, dass die ansässige Bevölkerung die Prozesse der ethnischen und kulturellen Umstrukturierung hinnimmt wie den Wandel der Jahreszeiten. Man nimmt es, wie es kommt, und passt sich daran an. Man hat sich daran gewöhnt, dass die Deutschen in der Innenstadt, in den Supermärkten und Einkaufszentren zur Minderheit geworden sind und sich die Nachbarschaft multikulturell verändert. Wer die Möglichkeit dazu besitzt, schickt seine Kinder in eine Schule, wo deutsche Kinder noch in der Mehrheit sind, ggf. auf eine Privatschule.

Wo findet sich „politischer Verismus“ auf Seiten der Rechten?

Niekisch
2. Oktober 2019 14:34

"..Patriotismus, worunter wir Pietät und Anerkennung gegenüber dem eigenen Erbe verstehen, gemischt mit Stolz und Demut angesichts nationaler Tugenden und nationaler Untugenden."

@ maiordomus 2.10. 10:07: Als Angehöriger der 68iger Generation ebenso wie Sie, werter Maiordomus, war ich dann in meinem auf humanistischer Grundlage gewachsenen Nationalismus - dem vernunftgeleiteten Willen zur Nation- in unpatriotischer Weise im "unsauberen" Bereich tätig. Eine bittere Erkenntnis, wenn denn Ihre Definition richtig ist.

Der_Juergen
2. Oktober 2019 16:21

@RMH @Maiordomus

Es gibt wohl keine allgemein anerkannte Definition des Unterschieds zwischen Patriotismus und Nationalismus. Für mich selber akzeptiere ich beide Definitionen gleichermassen; allerdings empfinde ich "Patriotismus" eher als Gefühl, als Stimmung, und "Nationalismus" als politische Geisteshaltung.

Mein Nationalismus ist defensiver Art. Ich behaupte nicht, die Europäer, oder Deutschen, oder Schweizer seien besser als nicht-europäische Völker und gehe, wie die Ethnopluralisten und neuen Rechten allgemein, nicht von einer Hierarchie der Rassen und Kulturen aus. Mein Gradmesser ist das Ausmass der Verträglichkeit bzw. Unverträglichkeit. So stelle ich anhand meiner Beobachtung der Realität und empirisch begründeter Statistiken fest, dass Muslime und Schwarzafrikaner sich in ihrer grossen Mehrheit in europäischen Gesellschaften nicht assimilieren und diesen zur Last fallen. Deshalb will ich sie nicht in nennenswerter Zahl in meinem Land und auf meinem Kontinent.

@Maiordomus schreibt:

"Für den Nationalisten gibt es nur Nationaltugenden, keine Fehler. Das Nationale ist für ihn ein absoluter Wert der höchsten Ebene. Die nationale Geschichte – von den Internationalisten heruntergemacht – hat für den Nationalisten die Weihe eines Religionsersatzes."

Hiermit definieren Sie den Chauvinismus, nicht den (im obigen Sinne definierten) Nationalismus. Mit Ihrer Ablehnung des Chauvinismus rennen Sie hier offene Türen ein. Somit ist dieser Ihr Kommentar wenig hilfreich.

Franz Bettinger
2. Oktober 2019 17:29

@Maiordomus: Ihr Elaborat lässt sich auf zwei Sätze zusammenschnurren: Unter Patriotismus versteht MD Pietät und Anerkennung gegenüber dem Erbe, gemischt mit Stolz und Demut angesichts nationaler Tugenden und Untugenden. Für den Nationalisten hingegen gebe es, so MD, nur National-Tugenden, keinerlei Fehler. Was hätten Aristoteles oder sein Sohn Nikos wohl zu dieser Dichotomie gesagt? Dass sie sehr eigenwillig ist? Vielleicht. Simpel in jedem Fall! Das eine sei gut, das andere schlecht. Ich meine: Das sind willkürliche Spitzfindigkeiten; unfruchtbare Tänze auf Nadels Spitze; die Spielwiese von Philosophen, die seit 3000 Jahren immer noch auf derselben Stelle rumtanzen und die nicht mal einen verunglückten Satz von Schiller in verständliches Deutsch übersetzen können. (Den sind Sie mir noch schuldig, verehrter MD.)

Gelddrucker
2. Oktober 2019 20:47

@Imagine
Das ist keineswegs unrealistisch, wie Sie schreiben, und Sie schreiben es wohl aus genau diesem Grund, um Leuten hier den Wind aus den Segeln zu nehmen. Es gibt eine große Zahl Menschen in der AfD und unter ihren Wählern, die sich dieses Land zurückholen wollen und dafür gibt es eine realistische Chance, denn Remigration ist kein Novum in der Geschichte, sondern schon viele Male geschehen.

Erst kürzlich las ich zwei Facebook-Posts der AfD über "Remigration" und "Bevölkerungsreduktion".

Es stimmt, dass Teile der Bevölkerung in diesen Städten dem Treiben tatenlos zuschauen, nichtsdestotrotz ist die Zahl der Unzufriedenen und derjenigen, die die Zustände schlecht finden, um einiges größer als die Zahl der AfD-Wähler. Darüber hinaus sind gerade aus diesen Städten schon viele geflüchtet um "noch" woanders unter ihresgleichen zu leben. Zwangsläufig wird in den nächsten Jahren die Zahl der Zufluchtsorte abnehmen und die Unzufriedenheit zunehmen. Die Auswirkungen sind noch nicht absehbar. Wie Sie vielleicht wissen, wäre Marine Le Pen ohne Migrantenstimmen schon Präsidentin von Frankreich. Eine tatenlose Übergabe Europas and Migranten erscheint mir ebenso unrealistisch wie ein mehr oder weniger reines Deutschland wie 1960 oder 70. Es bleibt sehr spannend.

Gelddrucker
2. Oktober 2019 20:52

Man verzeihe mir den doppelten Beitrag.

@Laurenz
Der Anteil der Goldstücke ist noch absolut gering. Ehrlich gesagt, ich habe noch nie einen schwarzen deutschen Polizisten gesehen (gibt es aber wohl). Ich lebe in der Nähe von Frankfurt am Main. Und selbst in dieser Stadt sehe ich so gut wie keine arabischen Polizisten. Die sind vielleicht nicht alle deutsch, aber zum allergrößten Teil weiß.

Und natürlich kann es keiner von uns beweisen und hoffentlich kommt es nie zur Eskalation aber ich behaupte steif und fest, die deutsche Polizei würde nicht auf deutsche normale Bürger schießen. Wenn überhaupt dann auf linksradikale Zottelfreunde. In dieser Personengruppe sind die meisten AfD-Wähler prozentual. So vollkommen durch den Wind und gehirngewaschen sind die auch nicht....

Lotta Vorbeck
2. Oktober 2019 23:33

@RMH - 1. Oktober 2019 - 11:14 AM

"... Ein Patriot ist ein Mensch, der sich im Ernstfall, wenn es hart auf hart kommt, für sein Land erschießen lässt bzw. in den Krieg zieht.

...

Vor 30 Jahren hätte ich mich wohl noch erschießen lassen (evtl. war ich damals ein Idiot) - heute sage ich glasklar: Nein, für Euch BRD-EU-ler nicht - PUNKT!

Mithin: Ich bin aktuell KEIN Patriot und ich hoffe unter den derzeitigen Bedingungen auch, dass meine Söhne KEINE Patrioten sind. Die Aufgabe ist daher kein Normalisierungspatriotismus sondern die Herstellung von Bedingungen in "diesem unserem Lande", für die es bei einem Angriff von außen zu sterben Sinn macht. ..."

@Fredy - 1. Oktober 2019 - 03:28 PM

"... Die BRD ist nicht die gesunden Knochen eines einzigen Patrioten wert. Dieser Staat hat unsere Gefolgsamkeit in jeder Hinsicht nicht verdient. Der unversönliche Duktus des bisherigen GK hat mir da besser gefallen. ..."

*************************************************

Bei @RHM und @Fredy konkret nachgefragt:

Kennen Sie jemanden, der bereit wäre, für die BRD in den Krieg zu ziehen und aus diesem Krieg schwerst verwundet/verkrüppelt/im Zinksarg/Leichensack oder überhaupt nicht mehr wiederzukehren?

Lotta Vorbeck
2. Oktober 2019 23:41

@Laurenz - 1. Oktober 2019 - 11:24 PM

an @Gelddrucker: "Ich glaube Ihnen nicht. Sie können mir doch nicht erzählen, daß die Volkspolizei nicht wußte, daß Genosse Mielke ein Polizisten-Mörder war, genau wie die ehemals westliche Polizei wußte, daß ein Außenminister Fischer den Kollegen früher Steine um die Ohren warf."

*************************************************

Friedrich Dickel hieß der von Ende 1963 bis Ende 1989 amtierende DDR-Polizeiminister.

Bei der BRD-Polizei dürfte man über die Vita des Joseph Fischer im Bilde gewesen sein.

Daß dies bei der DDR-Volkspolizei, den Genossen Erich Mielke betreffend genauso der Fall gewesen sein soll, ist (bisher) nirgendwo belegbar.

Lotta Vorbeck
3. Oktober 2019 00:04

@Gelddrucker - 1. Oktober 2019 - 06:27 PM

"... Klar würde die Linke auf uns schießen lassen, aber von wem? Die vergammelten Antifa-Gestalten? Die schießen vielleicht. Aber wie Sie mitbekommen haben dürften, sind Polizei und Armee wohl die rechtesten Gruppen der westeuropäischen Gesellschaften. Vergessen Sie es komplett, dass die auf die deutsche Bevölkerung schießen würden, in dem Fall egal ob die rechts oder links sind, sie würden es nicht tun.

@Gelddrucker - 2. Oktober 2019 - 08:52 PM

"Der Anteil der Goldstücke ist noch absolut gering. Ehrlich gesagt, ich habe noch nie einen schwarzen deutschen Polizisten gesehen (gibt es aber wohl). Ich lebe in der Nähe von Frankfurt am Main. Und selbst in dieser Stadt sehe ich so gut wie keine arabischen Polizisten. Die sind vielleicht nicht alle deutsch, aber zum allergrößten Teil weiß. ..."

*************************************************

Die Polizei des Bundeslandes Brandenburg beschickt ihre Polizeischule indessen mit im benachbarten Polen rekrutiertem Nachwuchs.

Polizeiarbeit ist immer genauso effektiv, wie dies politisch gewollt und beabsichtigt ist.

+++ Wer ist für die eklatante Überalterung und Unterfinanzierung der BRD-Polizei verantwortlich?

+++ Suggestiv gefragt: Wie würde die aktuelle BRD-Polizei wohl aus der Auseinandersetzung mit militanten, ebenfalls bewaffneten Ausländergruppen hervorgehen, käme es zu großflächig virulenten Ausschreitungen wie vor ein paar Jahren bei den London-Riots?

"Der Goldstück-Anteil in den bewaffneten Organen wird immer größer. Das muß auch so sein, wieso sollte es unserer Exekutive besser gehen als uns. Historisch haben Sie Unrecht, man schoß in der Weimarer Zeit. Die Polizei und die Söldner-Bundeswehr wird schießen. Und alle diejenigen, die nicht schießen, werden selbst dran glauben müssen. China hat es nicht wirklich nötig in Hongkong hart zuzuschlagen, Berlin schon."

[Zitat @Laurenz - 1. Oktober 2019 - 11:24 PM]

+++ Wer schoß in Kiew von den Dächern umliegender Gebäude mit Präzisionswaffen auf Berkut-Milizionäre und Maidan-Demonstranten?

+++ Wer schüchterte die Familien der Berkut-Milizionäre ein, verwüstete deren Wohnungen und quälte deren Haustiere zu Tode, so daß Putin den Berkut-Leuten nebst Familienangehörigen schließlich Asyl in RUS anbot?

+++ Haben Sie den Großen Gockel schon mal mit dem Suchbegriff "EUROGENDFOR" gefüttert?

Lotta Vorbeck
3. Oktober 2019 00:12

@zeitschnur - 2. Oktober 2019 - 12:18 PM

"... Man kann zwar diesen Blockparteien den Spiegel vorhalten im Bundestag, aber ein geistig dermaßen heruntergekommener Sauhaufen hat keine Überlebenschance, auch wenn Merkel jetzt mit ihrem finsteren, erbärmlichen Gschau noch die Phoenix-Übertragungen aus dem Parlament verunziert. Das alles wird ein Ende haben, und das Ende werden nicht wir schaffen, sondern dieselbe Elite, die diese Jammergestalten derzeit noch erhält und "aufbläst", wie Hitler es damals zynisch über Pétain sagte und damit verriet, was eigentlich abgeht. Ja: dieses "G'socks", diese "Großkopfet'n" und "Blasengl", wie meine Oma es gesagt hätte, wird aufgeblasen, und wenn ihm die Luft ausgeht, wird nachgepumpt, bis der Zirkus beendet wird.

Ich glaube, dass das Volk gewappnet sein muss gegen den Tag, an dem dies geschieht und geistig sehr tat- und schlagkräftig sein muss. Das alleine hat eine Chance."

*************************************************

An dem Tag, an dem der permanent nachpumpende Kompressor entweder total überhitzt kollabiert oder aber um "den Zirkus zu beenden" absichtlich abgestellt wird ... wäre es zumindest denkbar, daß es nicht das Volk sein wird, welches den Laden übernimmt.

Rabenfeder
3. Oktober 2019 04:09

@ zeitschnur

Sie schreiben:
„Heute gibt es keine intakten Begriffe dieser Art mehr. Ich frage mich, wie sinnvoll es ist, sich an immer neuen Schöpfungen und Neoplasmen zu verquälen, die dann prompt wieder in tausend Splitter zersprengend missverstanden werden. An dem Punkt stimme ich @ Nemesis nicht zu, der am Ende Alternativbegriffe sucht.“

Politsprech mag mitunter in den Niederungen des politischen Alltags nützlich sein.
Die Seele, selbst (m)eine schon bedenklich vom Nihilismus angefaulte, will und muss sich wenigstens einmal aus dem Gestank und dem Dunkel der Niederungen (mit @ Frau Sommerfeld) erheben um in der lichten Höh` tief und frei atmend bei sich zu sein.
Wie hier beim einzelnen Menschen so auch dort, wo sich auf mysteriöse Weise aus den vielen die eine, kollektive, die deutsche Seele aus dem Schmutz erheben will und muss, um ganz bei sich zu sein.

In diesem Sinne hat meines Erachtens @ Nemesis instinktsicher das Zauberwort in die Runde gesprochen: Verbundenheit.
Bund.
Ein deutscher Bund.
Kein leerer Begriff aus dem Politsprech, er muss durch die aktive Tat erhoben werden.
Ein deutscher Schwur.
Ein Schwurbund.
Ein heiliger deutscher Bundesschwur!

Hier oder irgendwo in der Diaspora: Wo immer auf der Welt sich zwei Verschworene im Zeichen des Bundes versammeln, da ist Deutschland mitten unter ihnen.

*Hust*

Bevor ich nun wegen Visionen zum Arzt gehen muss (und allerlei Gedankenbilder wie unter anderem solche von einem deutschen Orden unter dem Balkenkreuz, dessen Reich nicht von dieser Welt ist, lassen mich Schlimmes befürchten), seile ich mich rasch ab...

Laurenz
3. Oktober 2019 05:40

@Gelddrucker .... ich habe nichts gegen Ihren Glauben. Da wir die Zukunft debattieren, verbleiben wir im Bereich der Spekulation. Historisch betrachtet haben Sie Unrecht, denn linke Politik will Wirtschaft und Gesellschaft zerstören, etwas, was alle Liebäugler des Marxismus nie verstanden haben.

Und wie wäre es, Gelddrucker, Sie schreiben Ihre Landesregierung an und fragen nach, wie viele Goldstücke sich im Polizeidienst befinden? Falls Sie das tatsächlich tun sollten, fragen Sie dann auch, ob alle Goldstück-Polizisten einen Deutschen Paß haben.

Der_Juergen
3. Oktober 2019 08:14

@Imagine

Ich halte SIe trotz des Richtigen, das Sie ab und zu schreiben (wir kennen ja alle das Sprichwort vom blinden Huhn) nicht für satisfaktionsfähig, aber diesmal muss ich, wie Franz Bettinger auf dem nächsten Strang, meinem Unmut freien Lauf lassen.

Jeder Vernunft spottet z. B. Ihre These, die Umvolkung sei vom Grosskapital zwecks Aufrechterhaltung der bestehenden kapitalistischen Ordnung gesteuert. Bitte sehr, in was für einer Ordnung funktioniert die kapitalistische Wirtschaft wohl besser und macht das Kapital somit bessere Geschäfte, in einer stabilen oder in einer auseinanderbrechenden? Und wo ist die Wirtschaft wohl stabiler, in einer weitgehend homogenen und solidarischen Gesellschaft oder in einer fragmentierten, in der zudem astromische Summen für den Unterhalt der ins Land gelockten Parasiten aufgewendet werden müssen?

Ihre Behauptung, wonach die Merkel-Regierung Kurs auf eine Begrenzung der Einwanderung nehme, ist angesichts der massenhaft direkt per Flugzeug durchgeführten "Familienzusammenführung" sowie der Tatsache, dass die BRD offiziell ein Viertel der nach dem Ende der Salvini-Regierung wieder vermehrt in Italien eindringenden "Flüchtlinge" aufnehmen wird (d. h. in der Praxis eher 75%, denn von den restlichen drei Vierteln wandert mindestens die Hälfte bestimmt auch nach Deutschland weiter), blanker Zynismus.

Wen wollen Sie hier mit ihrem vulgärmarxistischen Geschreibsel eigentlich überzeugen?

Gelddrucker
3. Oktober 2019 09:27

@Laurenz
Ich schreibe die nicht an, ich laufe mit offenen Augen durch die Stadt und ich sehe wenige, und das in FFM.

@LottaVorbeck: Ach die Eurogendfor, die größte stehende Armee Europas, mit 800 Nasen und 2300 Reservisten, furchteinflößend.

@Der_Juergen:
Natürlich ist die Umvolkung vom Großkapital angeschoben. Woher kommt denn diese "Vielfalts"propaganda?
Natürlich wäre ein stabiles System besser, aber die haben die Wahl zwischen einem stabilen System mit fallender (!) Bevölkerungszahl und somit fallenden Profiten ODER einem instabilen System mit steigenden Profiten. Man entschied sich für Variante zwei und hat damit eine hochexplosive Mischung geschaffen von der man nicht weiß wie und ob sie hochgeht.
Manch einer stellt ja gerne "die da oben" als absolut unfehlbare alles lenkende Macht dar. Völlig Unsinn. Sind ganz normale Leute die fehler machen, sich verkalkulieren und das schon oft getan haben. Siehe etwas französische Revolution.

Imagine
3. Oktober 2019 10:28

@Der_Juergen 3. Oktober 2019 08:14
„Jeder Vernunft spottet z. B. Ihre These, die Umvolkung sei vom Grosskapital zwecks Aufrechterhaltung der bestehenden kapitalistischen Ordnung gesteuert. Bitte sehr, in was für einer Ordnung funktioniert die kapitalistische Wirtschaft wohl besser und macht das Kapital somit bessere Geschäfte, in einer stabilen oder in einer auseinanderbrechenden? Und wo ist die Wirtschaft wohl stabiler, in einer weitgehend homogenen und solidarischen Gesellschaft oder in einer fragmentierten, in der zudem astromische Summen für den Unterhalt der ins Land gelockten Parasiten aufgewendet werden müssen?“

Machen wir einfach einen Fakten-Check:

Fakt ist, dass die Kapitalisten die Gewinner der gegenwärtigen Entwicklung sind. Ihre Einkommen und Vermögen sind gewaltig gestiegen. Damit verbunden auch deren gesellschaftliche Macht. Das ist empirisch klar erkennbar und zeigt sich in den empirischen Daten. Diese werden von den Medien publiziert. Aber es braucht Verstand, diese richtig zu interpretieren.

Der polit-ökonomische Unverstand glaubt, dass die Kapitalisten Idealisten der kapitalistischen Marktwirtschaft sind. Nein, die ist ihnen egal. Was sie wollen ist, dass sie selbst reicher und mächtiger werden. Und wenn die kapitalistische Marktwirtschaft dabei zugrunde geht, dann machen sie einen Staatskapitalismus oder einen Neo-Feudalismus. Das System ist ihnen letztlich egal. Hauptsache sie sind oben, sie verfügen über Reichtum und Macht und beherrschen den Staatsapparat.

Im Kapitalismus ist der Staat eine Maschine zur Unterdrückung einer Klasse durch eine andere, und zwar der Mehrheit durch eine Minderheit. Das ist altbekannt.

Natürlich können oder wollen die Reaktionäre diese Zusammenhänge nicht sehen.

zeitschnur
3. Oktober 2019 10:37

@ Lotta Vorbeck

Ich meinte auch nicht, dass das Volk denn die Macht übernehmen wird, sondern dass es auf diesen Tag dennoch gewappnet sein muss: Im Geist und in der Tatkraft, die Sie nicht verwechseln sollten mit "Macht-an-sich-Reißen".
In dieser Welt hatte sowieso fast nie das Volk die "Macht", und wenn dann nur in kleinsten politischen Einheiten ("Polis", "Kleinstaat", arch. "Stammesverband").
Es geht aber alles auf immer größere Verbände und "Deutschland" seit 1871 war bereits die Einleitung des Endes der Deutschen. Deutschland war dagegen extrem stark, solange es in zig kleinen, aber wendigen und intelligenten Kleinstaaten bestand.
Es ist vorbei vorerst. Dieser Niedergang schwitzt sich garantiert bis zum bitteren Ende - weltweit - aus.
Aber nicht für das Geistesleben.
Nur dies gibt eine vernünftige und kluge Langsicht. Und aus einem klugen Geist kommt IMMER Tatkraft.

Lotta Vorbeck
3. Oktober 2019 11:01

@Gelddrucker - 3. Oktober 2019 - 09:27 AM

"Ich schreibe die nicht an, ich laufe mit offenen Augen durch die Stadt und ich sehe wenige, und das in FFM.
Ach die Eurogendfor, die größte stehende Armee Europas, mit 800 Nasen und 2300 Reservisten, furchteinflößend."

*****************************

... na dann besteht ja - nicht nur in FFM - keinerlei Grund zur Besorgnis, alles im Lot - Cheers!

clivestaples
3. Oktober 2019 13:40

Mittlerweile 80 Kommentare, ich höre draußen auf dem Flur bereits die Schlappen des Bademeisters, aber weil es hier thematisch besser passt, als bei dem neuen Beitrag von M.L., hier ein Link, wie sich der Gegner die Zukunft ausmalt. In diesem Fall Philipp Ruch, der Mann wegen seiner Nähe zum Fegefeuer meist mit Ruß im Gesicht zu sehen ist :

https://taz.de/So-koennte-die-AfD-an-die-Macht-kommen/!5626879/?fbclid=IwAR0Sjgplr-EWH8nrUdUSDjPS9RWgXlGGiDLOBH-ZMi9SGVk6qQwFQUK0KUc

Cugel
3. Oktober 2019 16:31

@DerJuergen

Es geschieht mir selten, daß ich mit Ihnen nicht übereinstimme,
aber Gelddrucker und Imagine sehen das schon richtig.
Das Handeln der Nomenklatura erscheint widersprüchlich, wenn man unter "die Wirtschaft" die klassische Volkswirtschaft versteht.
Betrachtet man das Ganze aus der globalen Perspektive des Finanzkapitals und der Konzerne, ergibt es durchaus Sinn.
Es ist deren nomadische Existenzweise, die unter modernen Bedingungen ihre totale Entgrenzung erfährt und ihnen die Generierung von Profiten in praktisch jedweder Lage gestattet.
Ungleichgewichte und Krisen sind da gar nicht hinderlich.

@Imagine
"Im Kapitalismus ist der Staat eine Maschine zur Unterdrückung einer Klasse durch eine andere, und zwar der Mehrheit durch eine Minderheit. Das ist altbekannt."

Das ist altbekannter Unsinn.
Schon alleine, weil der Klassenbegriff fehl geht.

H. M. Richter
3. Oktober 2019 16:43

Man kann den Tag der Deutschen Einheit auf gänzlich verschiedene Art verbringen.

Ich entschloß mich, seit Tagen über "Normalisierungspatriotismus" nachdenkend, für einen Blick zurück und vertiefte mich in die Akten der von stasi-mediathek.de der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellten Anklageunterlagen des am 26. Juni 1981 in Leipzig hingerichteten Dr. Werner Teske.

Vieles war nicht unbekannt und doch überraschte mich eines: Die DDR-Spione - insbesondere auch jene 'Bürger der BRD, die für das MfS der DDR tätig waren' - werden in diesen Unterlagen nicht etwa 'Kundschafter für den Frieden' o.ä. genannt, sondern samt und sonders 'Patrioten' ...

Beispielsweise hier:
https://www.stasi-mediathek.de/geschichten/verraeter-aus-den-eigenen-reihen/sheet/101-7/type/coherentEra/

Imagine
3. Oktober 2019 16:59

@clivestaples 3. Oktober 2019 13:40

Solche Paranoia erzeugenden, völlig unrealistischen Szenarien zu propagieren, gehört zum Geschäftsmodell solcher Typen wie Philipp Ruch vom „Zentrum für Politische Schönheit“.

Die leben davon. Und zum Teil sehr gut.

Das ist gewissermaßen ein „linkes“ Pendant zu politischen Hetzsendungen, wie damals von Gerhard Löwenthal im „ZDF-Magazin“.

In den heutigen Politsendungen bei ARD und ZDF gehört regelmäßig der „Kampf gegen Rechts“ mit der Darstellung von Bedrohungsszenarien dazu.

Andreas Walter
3. Oktober 2019 18:03

Das letzte Wort in Europa hat aber nicht der Bademeister, sondern?

https://www.nzz.ch/international/eugh-holocaustleugnung-ist-in-europa-kein-menschenrecht-ld.1513133

Ihr könnt daher behaupten, sagen was Ihr wollt, nur eben eines nicht. Nichtmal partiell dürft ihr es anzweifeln. Ist ein Dogma.

Geht es daher noch deutlicher, wer in Europa darum Sonderrechte, Privilegien besitzt, die sonst keine andere Gruppe hat?

Wir sehen uns deshalb, geschaffen als letzte Möglichkeit vor Krieg, vor dem Internationalen Gerichtshof der Vereinten Nationen wieder.

Das Recht auf freie Meinungsäußerung ist ein Grund- und damit Menschenrecht.

Ist es das nämlich nicht, wird es dadurch automatisch auch zum Gegenstand von Krieg. So wie viele andere Dinge auf der Welt leider auch. Nahrung, Wasser, ein Dach über dem Kopf, Kleidung, selbst die Grundversorgung also. Ein Recht auf Leben, Freiheit, Vermehrung gibt es ja aber faktisch auch nicht, ist auch alles Illusion.

Franz Bettinger
3. Oktober 2019 19:53

@imagine schreibt: "Fakt ist, dass die Kapitalisten die Gewinner der gegenwärtigen Entwicklung sind. Ihre Einkommen und Vermögen sind gewaltig gestiegen."

Die Kapitalisten? Ich bin einer von den Säcken! Habe grad noch mal in die Konten geschaut: Nee, Irrtum, also meine Einkommen sind nicht gewaltig gestiegen. Sie irren sich häufig, mein Lieber. Glauben Sie nicht alles, was Sie in den Zeitungen lesen.

Gustav Grambauer
3. Oktober 2019 21:06

H. M. Richter

"... und vertiefte mich in die Akten der von stasi-mediathek.de der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellten Anklageunterlagen des am 26. Juni 1981 in Leipzig hingerichteten Dr. Werner Teske."

"Zum Fall Teske bin ich der einzige im Saal, der die Akten kennt" sagte unser ehemaliger Leninplatz-Nachbar, der bei der Stasi wegen Kleingaunereien herausgeflogene und deshalb eine alte Rechnung mit ihr offen habende Jürgen Strahl 2007. (Er ist der Enkel des "Ministerpräsdenten " Kurt Eisner und war der Verbindungsmann der HVA zum Mossad.) Und: "Gestern im Fernsehen bei Graf von Stauffenberg zu sehen: 'Verräter erschießen sich selbst oder werden erschossen!'" Großmann und Schwanitz konnten sich gar nicht schnell und "entschieden" genug öffentlichkeitswirksam von diesem "empörenden Vergleich" mit Verweis auf die Achtung der Tschekisten "vor den Menschenrechten" distanzieren. Mit seiner Äußerung stehe Strahl allein. "Von ihr auf die Denkweise der Mitarbeiter des MfS zu schließen und eine neue Kampagne, ja Pogromstimmung, gegen die 'Stasi' auszulösen", sei "dem Antikommunismus" geschuldet.

https://kpf.die-linke.de/mitteilungen/detail/news/zeitzeuge-bei-der-konferenz-in-odense/

Schöne Patrioten allesamt! Man soll Toten nichts Schlechtes nachsagen, deshalb nur soviel: auch Teske war überhaupt nicht besser. (Es gibt auf Youtube eine Doku über ihn, in der sein Persönlichkeitsprofil sehr deutlich herausgearbeitet wird.)

Auch Jahn ist nicht besser, habe ihn von Anfang an als bis zum Extrem verdreht bzw. als extremen Verdreher gesehen, jedes Wort aus seinem Mund war seit jeher ein nachgekautes BRD-Framing-Mem, "einmal Spiegel-Journalist - immer Spiegel-Journalist". Haben Sie vorgestern seine neueste "Drehung" gesehen? Hätte man mir diesen Clip noch vor zwei Jahren vorgespielt, wäre ich bis zur letzten Sekunde von einem auf Jahn geschminkten Richling oder Krönert in einem lustigen Late-Night-Parodie-Contest ausgegangen. Aber wir sind im Jahr 2019, es ist tatsächlich Jahn und er sagt jedes Wort im Modus der Ernsthaftigkeit des Staubsaugervertreters wenn die Oma die Haustür offnet:

https://www.youtube.com/watch?v=uGJq9BQDoko

- G. G.

Ratwolf
3. Oktober 2019 23:01

Nüchtern betrachtet steht man einer unbesiegbaren Übermacht gegenüber.

Wenn ich (und mit mir immer mehr Menschen) in ihren stillen Kämmerlein die Situation treffend analysiert und beschrieben haben, dann ist das ein großer Schritt.

Es gibt nämlich zwischen den Menschen beim gemeinschaftlichen Treffen von Angesicht zu Angesicht einen Erkennungsreflex in Form eines vielsagenden Blickes, einer typischen Atmosphäre oder einer kurzen Bestätigung, bei der sofort klar wird, was beide denken.

Die Gesellschaft ist nun voll davon.
Ohne Vorauswahl würde ich in Deutschland 70% dazuzählen. In anderen Ländern mit gleichen Problemen ist es wohl nicht viel anders.

Sich seinen Teil zu denken währe die "Innere Immigration", wie man sie bei den stillen Gegnern der Nationalsozialisten bezeichnet hat. Sie leben nicht besonders gesund.

Was ich bei diesen Menschen sehen ist, dass sie dennoch mit dem alten System verbunden sind, und einen niedrig-schwelligeren Einstieg benötigen.

Normal im Zusammenhang mit Patriotismus finde ich gut. Es ist normal und logisch, wenn ein gewählter Politiker ein patriotisches Verhältnis zu seinen Land hat auf dessen Territorium seine Wähler leben.

Sonst ergibt seine Wahl und Existenz als Vertreter keinen Sinn. Außer seine Existenz besteht aus Verrat seiner Wähler und der Bereicherung seiner heimlichen Gönner.
Er ist dann Dienstherr nicht des Demos.

Normal steht für die nüchterne Sichtweise (Apollon) und nicht für den Rausch(Dionysos).

Politiker müssen in ihren Handeln dem Apollon verpflichtet sein. Wenn sie ihre Anhänger zum Rausch verleiten ("Gegen rechts", AntiFa, hysterische Umwelt-Bewegungen, Wiedergänger der Nationalsozialisten, ...), dann werden sie in der Tendenz zu Tyrannen.

Ratwolf
3. Oktober 2019 23:08

"Unsre Existenz ist bindungslos, heimatlos, haltlos, glaubenslos geworden.."

Menschen haben ein NOTWENDIGES methaphysisches Bedürfnis an Glaube in Form von Mythen/Geschichten/etc, welche sie als schön und wichtig empfinden.

Es gibt nichts mehr in Deutschland für Deutsche.

Fremde Völker formieren sich in Deutschland mit IHREN Mythen (Islam, etc)

Gute Grundlagen in Deutschland waren die Griechischen Mythen, der jüdische und der christliche Glaube, sowie das Germanische Wesen, aber die Welt und der Alltag haben sich geändert.

zeitschnur
4. Oktober 2019 10:22

@ Ratwolf

"Nüchtern betrachtet steht man einer unbesiegbaren Übermacht gegenüber."

Ja, so sehe ich das auf der bloßen formellen Machtebene auch. Und sie durchdringt auch immer mehr die informellen Bereiche. In Jahrzehnten wurden nicht nur die nichtstaatlichen Institutionen unterwandert, indem man immer mehr korrupte Gestalten in die Vorstandsebenen und Verwaltungsräte schleuste, sondern seit einigen Jahren agieren in einem merkwürdigen Einklang mit den Regierungsmarionetten die berüchtigten "NGOs".

An was erinnert das alles?
Es erinnert an die spätantike Durchdringung aller Machtämter mit Mitgliedern von Mysterienvereinen bzw eine Umgestaltung ehemals offener Gruppierungen an die Arkanstrukturen dieser Kultvereine. Neben dem Isiskult spielte der Kult um den "sol invictus" (die unbesiegte Sonne) eine große Rolle, der auch direkt einen Niederschlag in der Macht des Kaisers fand. Nach Nizäa 325 wurde auch der Christus zum "sol invictus".

Das mögen brave Leute für schnurrige Metaphern halten, aber ich halte das für Machttitel. Die "unbesiegbare Übermacht", von der Sie sprechen, ist ein postmoderner, in die Jahre gekommener, aber auch strategisch optimierter "sol invictus".

Es ist unmöglich, dem auf der formell-politischen Ebene zu widerstehen. Man kann ihm "nur" geistig widerstehen.
Wer einmal erlebt hat, wie es zugeht in der Parteiendemokratie, auf welche Weise Leute dort zu Wahl-Kandidaten werden, der weiß, dass darauf nicht zu hoffen ist.
Nehmen wir an, die AfD wäre eine vernünftige Gründung: was meint man hier im Forum - wird sie nicht sofort voller U-Boote sein (so wie das in allen anderen Parteien auch ist)? Unterschätzt Ihr hier diese "Übermacht", die sich möglichst "unbesiegt" aufstellt, nicht? Habt Ihr einmal verfolgt, wie so ein Politiker seinen Aufstieg macht, wenn er ihn macht? Alleine dass er durch den Geburtskanal einer Partei muss, bedeutet, dass da keiner nach oben geboren wird, der nicht bereits auf eine unsichtbare Linie gebracht wurde, egal, was er zeitweise daherschwätzt. Es wäre anders, wenn wir direkte Personenwahl haben, von Personen, die sich frei zur Wahl stellen und nicht von Parteiversammlungen "gewählt" werden müssen, bevor wir sie dann freundlicherweise wählen dürfen. Warum sollte nur Merkel sich um 180° drehen? Warum nicht auch AfD-Funktionäre? Das sind absolut nüchterne Fragen ...
Und wenn dazwischen mal der eine oder andere ist, der nicht mitmacht: sehen wir nicht an Wagenknecht, wohin es führt?

Imagine
4. Oktober 2019 10:53

@Franz Bettinger 3. Oktober 2019 19:53
„Die Kapitalisten? Ich bin einer von den Säcken! Habe grad noch mal in die Konten geschaut: Nee, Irrtum, also meine Einkommen sind nicht gewaltig gestiegen. Sie irren sich häufig, mein Lieber. Glauben Sie nicht alles, was Sie in den Zeitungen lesen.“

Vermutlich liegt das daran, dass Sie es als Kapitalist nicht allzu weit gebracht haben.

Sie wähnen sich als Kapitalist, aber sind nicht über den kleinbürgerlichen Mittelstand hinausgekommen, sonst sähe ihr Kontostand anders aus.

Maiordomus
4. Oktober 2019 13:06

@derjürgen. Sie vergessen im Zusammenhang mit "wenig hilfreich", dass die von Ihnen zitierte Stelle über den Unterschied zwischen Patriotismus und Nationalismus aus einem einst vielfach publizierten, in Auszügen 1973 in der "Weltwoche" gedruckten Essay über den Nationalismus und seine Tauglichkeit als Ideologie für die Schweiz bezogen war. Es ist also ein unterdessen bereits "historischer" Text aus einem grösseren, spezifisch eidgenössischen Zusammenhang. Eine Warnung vor Nationalismus als Ideologie für die Schweiz. Im Gesamtkontext kommt auch der Begriff Chauvinismus vor.

U.a. wandte ich mich damals gegen die Extremisten um Béguelin aus dem Jura, die für die "ethnie française" schwärmten und den Begriff "ethnie" zum politischen Programm erhoben, was auch im Fall der Identitären zu kritisieren neige. Selbstverständlich haben Sie recht, dass die zitierte Stelle im Allgemeinen besser zum Chauvinismus passt. Sie müssen aber ein für allemal wissen, dass noch kein einziger bedeutender Staatsmann der Schweiz, von Bürgermeister Wettstein über den Philosophen Troxler, die Verfassungsväter Ochsenbein und die besten Verteidiger der Schweizer Unabhängigkeit von General Guisan, Philipp Etter, Hans Schaffner bis Christoph Blocher nie und nimmer als Nationalisten anzusprechen waren. Nationalismus, wie es diesen zum Beispiel in Belgien gibt, würde die Schweiz zerstören. Dass Schwarzenbach, den ich übrigens notabene als Antisemiten kennengelernt habe, weil er im höchsten Grade fähige Juden nicht in seinen Zentralvorstand aufnehmen wollte, im Ernst daran dachte, einen sog. schweizerischen Nationalismus zu installieren, fand nicht nur meinen Widerspruch, sondern auch den von noch anderen hartgesottenen Rechtsföderalisten und Rechtskonservativen. Einen schweizerischen Nationalismus hat zum Beispiel auch der bedeutendste historische Führer der schweizerischen Konservativen, Philipp Anton von Segesser(1818 - 1888) immer abgelehnt. Darum stimmte er, was 1856 ungeheuren Mut benötigte, als einziger nicht für eine in hochgradig nationalistischen, staatsrechtlich fragwürdigen Formulierungen gefasste Entschliessung gegen Preussen, dessen König Friedrich Wilhelm IV. sich den Neuenburger Royalisten gegenüber zur Solidarität verpflichtet fühlte, wobei damals immerhin eine Kriegsgefahr für die Schweiz bestand. Zu dieser Zeit gab es bei uns im eigentlichen Sinn eine nationalistische Welle.
PS. An Schwarzenbach, den ich seit 1964 (da waren Sie noch ein Knabe) persönlich kannte, bleibt zu respektieren, dass er wegen der drohenden Übervölkerung der Schweiz das seit 1914 von der Neuen Helvetischen Gesellschaft betonte Problem der Überfremdung aufgriff, ohne diesen Begriff als "faschistisch" zu verteufeln. Als Parteiführer wollte er aber 1972 nach dem Vorbild der Fronten das "Führerprinzip" installieren mit Ablehnung der herkömmlichen Delegiertenversammlungen, die er sogar verbieten wollte; damit entlarvte er sich, bei allen intellektuellen Qualitäten und seiner sonstigen Brillanz, die mich als Jugendlichen noch beeindruckten, als nun mal unschweizerischer Politiker. Seine Partei gehörte, wie ich es voraussagte, ohne grosse Nachhilfe der Gegnerschaft in den Abfallkübel der Geschichte, was dann übrigens mit der Zeit auch sein Sekretär gesehen hatte, der heute noch eine respektable und rechtskonservative Zeitschrift führt, die ich ebenso wie das gedruckte Heft "Sezession" in der Regel mit Gewinn lese, eher lieber als die "Weltwoche", welche in der neuesten Nummer fünf Seiten Werbung macht für den am meisen linksradikalen Deutschschweizer Politiker, während sie dessen Gegenkandidaten als Ständerat des viertstärksten Kantons der Schweiz, einen wackeren gesund konservativen Müllermeister von der SVP, ehemaligen Schüler von mir, nicht mit einer Silbe würdigen. Ein hilfloser Versuch, die Parteiunabhängigkeit jener Zeitung unter Beweis zu stellen, was aber deren Herausgeber nicht mal im eigenen Lager zusätzliche Stimmen bei seiner Ständeratskandidtur im grössten Kanton, Zürich, bringen dürfte. Immerhin bleibt es dabei, dass die der Globalisierung, unter Wahrung der Unabhängigkeit des Landes, durchaus offene "Weltwoche" nicht als "nationalkonservativ" eingeschätzt werden kann, wiewohl Gegner dies ununterbrochen behaupten.

Noch empfehlenswert bleibt, trotz Geschwätzigkeit über weite Strecken, die neueste Ausgabe von Teleblocher, über youtube abrufbar, von wegen Blochers Kommentar über das Verbot des neuesten Plakates des Egerkinger Komitees gegen islamfreundliche sogenannt liberale Politiker.

PS. Warum "rechte" Historiker wie Jacob Burckhardt (ein Geist von weltgeschichtlicher Grösse) und Philipp Anton von Segesser gegen den Nationalismus waren: Beide waren Repräsentanten von ehemaligen Stadtstaaten, Luzern und Basel. Darum formulierte Segesser: "Ohne Luzern ist mir die Schweiz die innere und äussere Tartarei". Ein Bundesstaat ist letztlich für seine Bundesglieder da, so wie der Staat generell für die Bürger. Wobei jedoch nach "eidgenössischer" Lesart die Solidarität unter den Bürgern sowie die Solidarität unter den Bundesgliedern noch als ethisch selbstverständlich angesehen wurde, so durch die ältesten Bundesbriefe, eine Magna Charta der Freiheit, schon beschworen. Das war und ist mehr als "Verfassungspatriotismus". Von Sonderbündelei ist in der Schweiz jedoch wenig zu halten, so wie wir belgische Verhältnisse auf keinen Fall gebrauchen können.

Benno
4. Oktober 2019 20:43

Die Genese Belgiens ist doch schon eine ganz andere als die der Schweiz. Wie kann da der Hausmeier vor der Gefahr, welche durch den Nationalismus belgischer Prägung für die Schweiz erwachsen könnte, warnen. Die Schweiz ist doch über weite Strecken einfach ein friedliches Nebeneinander, kein Miteinander, zumindest was den welschen und den deutschen Landesteil anbelangt. Wenn ein Martin Sellner sich auf die Ethnie bezieht, dann meint er damit ja wohl kaum, dass ein Staat wie die Schweiz entlang den sprachlichen, respektive ethnischen Grenzen aufgelöst werden sollte. Die Schweiz funktioniert über weite Strecken doch noch ganz gut und so lange dies so ist, können die Landesteile auch gerne zusammenbleiben. Sollten sich die verschiedenen Gruppen einmal nicht mehr verstehen, dann kann es von mir aus auch gerne zu einer Sezession kommen. Ich bin da undogmatisch und würde mir ganz bestimmt nicht den Kopf dafür wegschiessen lassen, dass die Romandie im Bundesstaat verbleibt.
Woher das Wort Nationalismus kommt, Maiordomus, muss ich Ihnen ja wohl nicht erklären. Natürlich waren die meisten schweizer Staatsmänner keine Nationalisten. Segesser, von dem die Aussage überliefert ist, die Schweiz interessiere ihn nur insofern, als dass Luzern in ihr liege, war bestimmt keiner. Klar ist auch Blocher kein Nationalist, wie eigentlich in der ganzen SVP-Führung keine Nationalisten zu finden sind. Leider! Denn heute bedeutet Nationalist sein nicht, dass man die Westschweizer loswerden, oder die Rätoromanen alemannisieren will, sondern, dass man ein Verständnis für die ethnische Zusammensetzung der Schweiz hat. Dieses geht den meisten SVPlern leider ab. Während für die Linke einfach jeder Schweizer sein kann, knüpfen diese Leute das Schweizersein noch an ein paar Bedingungen. Vor dem hochhalten des Föderalismus oder der Fähigkeit die Nationalhymne zu intonieren, kommt aber meist die Forderung, die Schweizer in Spe sollen arbeiten, Steuern zahlen und nicht kriminell sein (Kriterien die auf die Mehrzahl der Bewohner dieses Planeten zutreffen). Eine solche Einstellung bringt unseren Völkern ebenfalls den Tod, wenn auch ein wenig langsamer als die linke Variante.
Ich gebe Ihnen allerdings insofern recht, als dass ich Führerkult und dergleichen als etwas zutiefst unschweizerisches Empfinde, kann aber einen James Schwarzenbach in anderen Belangen wesentlich besser verstehen als sie. Ich würde mich durchaus als Nationalisten bezeichnen, kann mich aber als Demokrat, Föderalist und Katholik ganz gut mit einem Philipp Anton von Segesser identifizieren.

Franz Bettinger
4. Oktober 2019 21:41

@imagine schreibt: "Sie haben es als Kapitalist vermutlich nicht allzu weit gebracht. Sie wähnen sich als Kapitalist, sind aber wohl über den kleinbürgerlichen Mittelstand nie hinausgekommen, sonst sähe ihr Kontostand anders aus."

Antwort: Sie müssen's ja wissen. Sie tummeln sich wohl unter den "wahren Kapital-Hirschen", deren Kapital enorm gewachsen ist. Wie viel muss einer denn haben, um zu den Kapitalisten zu gehören? Und wie kommt es, dass Leute wie Sie das Zins-Geld-System vehement dämonisierten, jedenfalls früher, als es noch existierte (!!), und es heute, trotz Negativ-Zinsen, immer noch dämonisieren? Ihren linken Vorstellungen gemäß, beginnt mit der Abschaffung des Zins-Wesens jetzt doch das Paradies. Oder? Nein, auch hier besteht die Linke nicht den Wirklichkeits-Test. Nie sind irgendwelche linken Prognosen wahr geworden.

Maiordomus
5. Oktober 2019 12:38

@Benno. Zu Beginn des zweiten Weltkrieges stand die Schweiz, wegen gegensätzlicher Sympathien von Deutsch und Welsch für die damaligen Kriegsparteien, wie selten vor einer Spaltung, vor der u.a. der spätere Nobelpreisträger Carl Spitteler, dessen Nobelpreisjubiläum diesen Herbst gross gefeiert wurde, mit Recht gewarnt hatte. In seiner Rede "Mein Schweizher Standpunkt" vom Dezember 1914, die damals äusserst umstritten war.

Die Vermeidung belgischer Verhältnisse ist eine Errungenschaft unserer politischen Kultur, auch des Verfassungssystems, es muss dazu aber Sorge getragen werden. Nichts, was politisch funktioniert, ist selbstverständlich. Dies spricht sich allmählich auch in Deutschland herum, wo man offensichtlich bis in die Parlamente hinein mehr und mehr unfähig erscheint, ganz normale politische Debatten auszutragen. Zwar hat sich unterdessen zum Beispiel der Unterschied zwischen Sarah Wagenknechteinerseits und Margot Honecker oder der Mao-Witwe herumgesprochen; wohingegen tatsächlich der Unterschied zwischen Höcke und Goebbels immer noch mühsam und geduldig erklärt werden muss und es einem trotzdem oft kaum geglaubt wird. Auch bei der ideologischen Analyse Rudolf Steiners würde es doch gelten, endlich mal die Proportionen aufrecht zu erhalten.

Zurück zur Schweiz: Als 1992 die Schweiz wegen dem sehr unterschiedlichen Abstimmungsresultat zum EWR-Unterwerfungsvertrag (vgl. den neuesten EU-"Rahmenvertrag", den die Weltwoche höchst verdienstvoll diese Woche voll veröffentlicht hat), als also wegen diesem 1992 dank Blocher und einem patriotischen Rest von Linken und Grünen abgelehnten Vertrag das Verhältnis Westschweiz - Deutschschweiz wieder mal echt gespannt war, schlug ein mässig kluger SVP-Ständerat vor, "die Welschen könnten doch gehen, wenn es ihnen nicht passe". Solches Öl ins Feuer zu giessen ist auch in der Schweiz verantwortungslos.

Die Nationalismus-Debatte kann indes hier nicht in extenso geführt werden; wenn schon wäre hier wohl mal eine Tagung des Instituts für Staatspolitik vonnöten. Zu den differenziertesten Kritikern des deutschen Nationalismus gehörte notabende nicht Nietzsche, mit dessen Äusserungen sich heute das Museum in Röcken bei Lützen wohl von der AfD abgrenzt, sondern als konservativer Gegenspieler Fichtes der bayrische Staatsphilosoph und frühe Pionier des Dialogs mit Russland, Franz von Baader (1765 - 1841. Zu den bestqualifzierten Gegnern des Nationalismus gehörten traditionell die Habsburg-Versteher unter den österreichischen Konservativen von Grillparzer über Stifter bis Kuehnelt-Leddihn (der bei SiN als Klassiker der Rechten geführt) und Otto von Habsburg, der vor bald 30 Jahren sogar mal als Staatspräsident von Ungarn ins Auge gefasst wurde.

Maiordomus
5. Oktober 2019 12:39

@Benno. Zu Beginn des zweiten Weltkrieges stand die Schweiz, wegen gegensätzlicher Sympathien von Deutsch und Welsch für die damaligen Kriegsparteien, wie selten vor einer Spaltung, vor der u.a. der spätere Nobelpreisträger Carl Spitteler, dessen Nobelpreisjubiläum diesen Herbst gross gefeiert wurde, mit Recht gewarnt hatte. In seiner Rede "Mein Schweizher Standpunkt" vom Dezember 1914, die damals äusserst umstritten war.

Die Vermeidung belgischer Verhältnisse ist eine Errungenschaft unserer politischen Kultur, auch des Verfassungssystems, es muss dazu aber Sorge getragen werden. Nichts, was politisch funktioniert, ist selbstverständlich. Dies spricht sich allmählich auch in Deutschland herum, wo man offensichtlich bis in die Parlamente hinein mehr und mehr unfähig erscheint, ganz normale politische Debatten auszutragen. Zwar hat sich unterdessen zum Beispiel der Unterschied zwischen Sarah Wagenknechteinerseits und Margot Honecker oder der Mao-Witwe herumgesprochen; wohingegen tatsächlich der Unterschied zwischen Höcke und Goebbels immer noch mühsam und geduldig erklärt werden muss und es einem trotzdem oft kaum geglaubt wird. Auch bei der ideologischen Analyse Rudolf Steiners würde es doch gelten, endlich mal die Proportionen aufrecht zu erhalten.

Zurück zur Schweiz: Als 1992 die Schweiz wegen dem sehr unterschiedlichen Abstimmungsresultat zum EWR-Unterwerfungsvertrag (vgl. den neuesten EU-"Rahmenvertrag", den die Weltwoche höchst verdienstvoll diese Woche voll veröffentlicht hat), als also wegen diesem 1992 dank Blocher und einem patriotischen Rest von Linken und Grünen abgelehnten Vertrag das Verhältnis Westschweiz - Deutschschweiz wieder mal echt gespannt war, schlug ein mässig kluger SVP-Ständerat vor, "die Welschen könnten doch gehen, wenn es ihnen nicht passe". Solches Öl ins Feuer zu giessen ist auch in der Schweiz verantwortungslos.

Die Nationalismus-Debatte kann indes hier nicht in extenso geführt werden; wenn schon wäre hier wohl mal eine Tagung des Instituts für Staatspolitik vonnöten. Zu den differenziertesten Kritikern des deutschen Nationalismus gehörte notabende nicht Nietzsche, mit dessen Äusserungen sich heute das Museum in Röcken bei Lützen wohl von der AfD abgrenzt, sondern als konservativer Gegenspieler Fichtes der bayrische Staatsphilosoph und frühe Pionier des Dialogs mit Russland, Franz von Baader (1765 - 1841.) Zu den bestqualifzierten Gegnern des Nationalismus gehörten traditionell die Habsburg-Versteher unter den österreichischen Konservativen von Grillparzer über Stifter bis Kuehnelt-Leddihn (der bei SiN als Klassiker der Rechten geführt) und Otto von Habsburg, der vor bald 30 Jahren sogar mal als Staatspräsident von Ungarn ins Auge gefasst wurde.

zeitschnur
6. Oktober 2019 13:48

Ob sich das konservativ-revolutionäre Lager nicht einfach auch vergaloppiert hat und deswegen die "bleiernen Jahre" erleben musste, von denen es sich bis heute nicht erholt hat?

Das Zitat aus dem Aufsatz oben mag das erahnen lassen:

"Er betonte das sich abzeichnende globale Pluriversum, thematisierte den schlechten Einfluß der Postmoderne auf die notwendige Verbindlichkeit der Institutionen , forderte mehr Staat und ein neues Denken und skizzierte die Umrisse eines "neuen Meinungslagers", das "im innenpolitischen Streit eine exzentrische Position bezieht, die jenseits der alten Abgrenzungen liegt"."

"Mehr Staat"? Vorpolitische Debatten und Aktionen, um am Ende "mehr Staat" zu installieren?
Ist das wirklich klug, noch mehr Kontrolle zu fordern, die einem doch allzu leicht aus den Händen gerissen wird, sobald etwas institutionalisiert ist?
Institutionalismus trägt in sich die Gefahr der Gleichschaltung und vor allem maximaler Kontrollmöglichkeiten über gesellschaftliche Bewegungen.
Wir sind doch staatlich bereits mega-überreguliert! Man mag mir entgegenhalten, dass etwa die illegale Grenzöffnungspolitik doch gegen Recht und Verfassung verstießen - nur alle Klagen dagegen scheiterten am BVerf. G, das in direkter Abhängigkeit von den staatstragenden Ämtern steht. Dass es einen "starke Staat" im Sinne einer abstrakt-handlungsfähigen "Person geben können soll, der im Zweifelsfall mit realen korrupten staatstragenden Amtspersonen gerechte Kämpfe ausficht, ist eine vollkommen irreale Vorstellung. Wer bitte "repräsentiert" denn diesen "starken Staat"? Hier liegt doch schon der bloße Repräsentationsgedanke quer zu jedem Gerechtigkeitskonzept, das nicht nur "im Sinne" der Bürger, sondern real durch die Bürger verwirklicht werde. Deshalb "gebe" ich ja "meinen Stimme nicht mehr AB" - genau das tue ich nicht mehr!

Ich fürchte, der politische Widerstand hat sich mit solchen Forderungen den Ast abgesägt, auf dem er sitzt: Noch mehr Staat also, noch mehr Institutionalismus, um dem kommenden, meinetwegen als "links" charakterisierten Faschismus also den Teppich auszurollen? Relevant ist, wer diesen Staat dann "okkupiert". Und das haben tugendhafte Leute nicht in der Hand. Und wer dann dem "Staat" nicht formell und informell gehorcht, wird gnadenlos verhetzt, sozial isoliert und verfolgt: wir haben das doch heute genauso schon im Anrollen. Der Staat alias Merkel und ihre Vasallen, mischt sich inzwischen schlimmer als je in alles ein, dominiert die Judikative und skandalisiert ihre noch gelegentlich spürbare Unabhängigkeit. Wenn etwa die AfD sich immer noch erfolgreich vor Gericht gegen Verhetzung, Verleumdung und Unterstellungen wehrt, gilt das in der Diktion der Staatsinstitutionen als "Rechtsruck" und "Gefahr". "Der Feind steht rechts" - das heißt, wen dieser Staat als "Feind" deklariert, der steht "rechts", auch dann wenn er lins steht oder auf dem Kopf oder einem Bein steht. Bei den AfD-Prozessen sind die Sachstände nicht rechts oder links, sondern gewöhnliche Straftaten des Mainstreams gegen die Partei oder einzelne Mitglieder wie eben Verleumdung etc. Hier ein Beispiel: https://www.nordkurier.de/mecklenburg-vorpommern/afd-politiker-hoecke-gewinnt-prozess-in-neubrandenburg-2329126206.html
Der Staat ist der Ursprung der Rechtlosigkeit, die wir immer schlimmer erleben.
Ist die widerständige Szene wirklich gut beraten, wenn sie nach mehr Staat schreit?
Und "beweist", dass sie nichts anderes will, als den Staat, der so viel Unrecht produziert hat, wieder "rekonstruieren" will?
Ich verstehe zwar das Ansinnen und es beweist v.a., dass die AfD alles, nur nicht "rechtsextrem" ist, sondern bürgerlicher als jede andere Partei.
Aber in der Sache selbst erscheint mir das sinnlos und ineffizient.
Wir spüren doch alle, dass in Wirklichkeit dringend eine Reform ansteht, die sich im Wettlauf mit dieser schleichenden Auflösung unserer Gesellschaft hin zu etwas befindet, das wir alle mit nicht wollen können, weil es uns entrechtet, enteignet und versklavt.