12. Oktober 2019

Ohne Lesebuch

Gastbeitrag / 41 Kommentare

von Heino Bosselmann -- Demokratie, aber überhaupt jede von der aktiven Mitwirkung getragene Gesellschaft bedarf der Urteilskraft des Bürgers.

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Der Parlamentarismus etwa bindet die Entscheidung nicht einfach an die Mehrheit und deren bloßes Meinen, wie es im Plebiszit geschieht, sondern an die Begründung, mithin an das Argument. Argumente und Urteile wiederum basieren zum einen auf Kenntnis, um zu wissen, zum anderen auf Sprache, um Erkenntnisse, Positionen und Entschlüsse vermitteln zu können.

Vor diesem Hintergrund ist es fatal, daß das Schulfach Deutsch in seinen Inhalten und Bewertungen über die letzten drei Jahrzehnte hinweg reduziert  und degradiert wurde. Übrig blieb nicht mal der Rumpf, den früher einmal das elementarsprachliche Vermögen bildete. Rechtschreibung und Grammatik haben für Berufsreife, Mittlere Reife und für das Abitur ihre Bedeutung beinahe verloren, insofern Fehlerquoten die Bewertung kaum mehr beeinflussen. Als richtig gilt, was verstanden wird.

Absolventen dürfen für höhere Schulabschlüsse durchaus agrammatische Texte verfassen; im Abitur Mecklenburg-Vorpommerns konnten von maximal fünfzehn lediglich ein bis zwei Notenpunkte abgezogen werden, wenn Orthographie und Grammatik das Verständnis des Textes entscheidend erschwerten. Man vermochte also sogar noch sehr gut abzuschließen, auch wenn man kaum richtig zu schreiben verstand.

Die Mittlere Reife in den meisten Bundesländern kennt indes schon gar keinen Prüfungsaufsatz mehr, so wie der deutsche Schulaufsatz generell kaum mehr geschrieben wird. Der größte Teil der auf simples Textverständnis orientierten Prüfungsaufgaben wird neuerdings im Multiple-Choice-Verfahren durchgekreuzt. Man kann sich das an dieser oder jenen Stelle auf den Seiten des Kultusministeriums Mecklenburg-Vorpommern ansehen.

Am Ende der Aufgabenblätter finden sich zwar „kreative Aufgabenstellungen“, die das Schreiben ganzer Sätze verlangen, aber recht beliebig abgearbeitet werden können. Da es sich weder um komplexe problem- noch textgebundene Erörterungen handelt, sondern eher um kurzläufige Übungen, reichen ein paar halbwegs sinnvolle Gedanken aus; die Schreibweise selbst ist für die Bewertung wiederum fast unerheblich, weil Fehler kaum Abzüge eintragen.

Wie aber steht es ums Lesen? Daß der Deutschunterricht seit Jahrzehnten keine eigens aufgelegten Lesebücher mehr nutzt, war für das kulturkritische Feuilleton nie und nirgends Thema. Es gibt einfach keine Lesebücher mehr! Phänomenal: Der Wegfall jenes Schulbuches, das Generationen den Zugang zur literarischen Welt ermöglichte, wurde überhaupt nicht bemerkt. Die Didaktiker und Methodiker müssen also nichts erklären, würden aber meinen, daß sich die Literatur viel besser „integral“ behandeln läßt.

Wer ein aktuelles Deutsch-Lehrbuch durchblättert, dessen nervöses Layout sich einem für jugendlich gehaltenen Geschmack anzubiedern versucht, findet also da und dort eine eher fade und vor allem politisch sehr korrekte Geschichte, ein paar Gedichte und Auszüge aus Romanen oder Dramen – wie überhaupt alles gern in „Auszügen“ behandelt wird oder in Anwendung des „exemplarischen“ Prinzips, erschließe sich der Schüler doch heutzutage Wissen und Weltbild eben nicht über die von der „Bildungsforschung“ verpönte Allgemeinbildung, sondern über „Methodenkompetenz“. Heißt es.

Während die Bestandsverluste des Faches Deutsch in der Alt-Bundesrepublik in den Siebzigern begannen, hielt die DDR an einer geradezu orthodoxen Schul-Germanistik fest. In dualer Weise existierten Muttersprach- und Literaturunterricht im Stundenplan der Woche nebeneinander. So hatte der Schüler für die linguistische und stilistische Grundausbildung das Deutschlehrbuch „Unsere Muttersprache“ auf dem Tisch, die von der Klasse fünf bis zehn von der Morphologie aus über Wortbildung, Syntax, Lexikologie bis zu anspruchsvollen Ausdrucksübungen pyramidal aufbaute, andererseits

„Unser Lesebuch“, das einer literaturgeschichtlichen und gattungstheoretischen Systematik folgte. Hinzu kam ein fester Kanon von bis zu sechs Ganzschriften im Schuljahr. Alles ideologisch überfrachtet, klar, dabei aber motiviert, ein „nationales Erbe“ sprachlich und literarisch zu pflegen. Das schöne Wort „Muttersprache“ dürfte mittlerweile den Kultusbürokraten ebenso suspekt sein wie das Wort Vaterland.

Unterschiedliche Ergebnisse der zwischen Ost und West diametral verschiedenen Deutsch-Didaktik wurden nach der Wende sogleich augenfällig. Die Ossis staunten, wie flüssig die Wessis zu reden verstanden, aber wie fehlerhaft sie mitunter schrieben, gerade im Kontrast zur für DDR-Bürger bestechenden Eloquenz.

In den schriftlichen Deutsch-Abschußprüfungen der einstigen DDR, bei denen es sich sowohl nach der zehnten Klasse der Polytechnischen Oberschule wie im Abitur stets um Aufsätze handelte, konnte die Gesamtnote maximal eine Note besser sein als die Rechtschreib- und Grammatikzensur, die nach rigoros streng festgelegten Fehlerquoten erteilte wurde.

Kritischer ausgedrückt: Als totalitärer Staat alphabetisierte und literarisierte die DDR auch totalitär. Ihre Analphabetenrate war signifikant gering. Gegenwärtig jedoch sind fünfzehn Prozent der Bundesbürger, zwischen sieben bis acht Millionen, funktionale Analphabeten, weitere 26 Prozent, um die 13 Millionen, haben erhebliche Probleme mit dem einfachen Lesen und Schreiben. Das „Handelsblatt“ beklagt zwölf Prozent Analphabetismus unter Berufstätigen.

Der generelle Ansatzfehler der Analyse dazu besteht bislang im Lamento, dies wäre trotz der Schule so. Nein, es verhält sich genau so eben wegen der Schule! – Man versucht dieses Desaster im Einklang mit gegenwärtigen Gerechtigkeits- und Teilhabevorstellungen nicht über eine Revision des Deutschunterrichts aufzuarbeiten, sondern durch die Präsentation von Texten und Sendungen in sogenannter „einfacher“ oder „leichter“ Sprache dem strukturell verursachen Analphabetismus vielmehr entgegenzukommen.

Zur Gegenwart: Will sich ein Schüler oder wollen sich „Studierende“ tatsächlich in vermeintlich moderner „Methodenkompetenz“ Inhalte selbst erschließen, bedürften sie dazu der Geduld, der konzentrierten Gründlichkeit, idealerweise der Muße. Gerade eine aufmerksame Korrektur bedarf der Zeit und Ruhe. Dies widerspricht allerdings der „Effizienz“ durchgeplanter Verläufe. Etwas Umfangreiches durchzulesen, gar ein ganzes Buch, ist innerhalb der „Module“ eines Studiums oft weder möglich noch verlangt.

Schwierig ferner, daß ruhiges Lesen umfassender Texte kaum je erlebt oder gar geübt wurde. Ein gegenwärtiger Abiturient dürfte etwa einen ganzseitigen Essay in einer der noch existierenden traditionellen Zeitungen, falls er die je aufschlägt, als viel, viel zu lang empfinden, weil ihm ein solcher Text vom Deutschunterricht nie zugemutet wurde. Die Deutsch-Methodik setzt bis zum Abitur auf möglichst kurze Einheiten; sie fürchtet geradezu den Umfang anspruchsvoller Essays oder längerer Erzählungen und Novellen.

Abgesehen davon, daß es für ausdauerndes, gar genießendes oder nachdenkliches Lesen in den durchgetakten Verläufen an Zeit fehlt, warnen die Methodiker, daß das Interesse erlahme, wenn nicht permanent „Methodenwechsel“ erfolgten, die neue Impulse setzten. Man folgt so der die Generation kennzeichnende Nervosität durch Reizüberflutung. Kinder und Jugendliche können nurmehr über kurze Sequenzen hinweg fokussiert lesen und schreiben. Wenn überhaupt.

Insbesondere digitale Geräte und Internetmedien reißen sie mindestens außerhalb der Schule sofort aus einer begonnenen Arbeitsphase. Schon das bloße Vorhandensein des Smartphones verhindert jede Vertiefung in einen Arbeitsgegenstand, aber ebenso die Kontemplation.

Tatsächlich erschiene das Bild eines sich in seine Lektüre vertiefende Schülers geradezu als romantisch, so am Schreibtisch mit Gartenblick oder einfach auf der Lesecouch. Gut, früher konnte man das Radio anschalten, den Kassettenrekorder oder gar das Fernsehgerät, aber selbst diese Medien boten in den Sechzigern, Siebzigern und Achtzigern im Vergleich zum heutigen Programm noch Hochkultur. Irgendwann war Sendeschluß.

Den gibt es nirgendwo mehr! Man folgte damals meist einer Sendung oder einem Programm; das „Zappen“ begann erst mit dem durch Privatsender erweiterten Spektrum und mit den Werbepausen mitten in Beiträgen oder Filmen. Heute sind die meisten Beiträge zur „Prime-Time“ aus Quotengründen der landläufigen Verblödung im Sinne eines simplen Utilitarismus abgepaßt, hinzu kommt der Streß der Screens, der Apps und der leerdrehenden Dauerkommunikation über „soziale Medien“, in denen meist Trash ventiliert wird.

Wer also wollte sich neben Instagram und WhatsApp tatsächlich noch eine „Lesebuch“ vorstellen und seinem auf Bildschirme stierenden Enkel mit völlig Antiquiertem kommen: Schau mal, das ist ein Lesebuch. Zu jedem Schuljahr gab es ein neues, und ich war so gespannt drauf, daß ich es mir schon den Sommerferien durchgelesen habe.

Selbst wenn der „digital native“ einmal hineinblickte, würde er bedrückt feststellen: Oje, Erzählungen von einem Dutzend Seiten! Was für eine Bleiwüste! Nur ab und an eine Illustration, eine Graphik und die verkleinerte Reproduktion eines Gemäldes, ansonsten Text, Text, Text! Nichts zu klicken, nichts „Interaktives“, nichts zu wischen, nichts zu spielen, nicht mal was zu „teilen“. Wie trist! Geht ja gar nicht! – Und das hat sich der Alte in den Sommerferien durchgelesen? Seltsam. Ebenso seltsam wie der spricht.

Wer über Jahrzehnte Deutsch zu unterrichten hatte und reaktionär an kulturellen Restbeständen festzuhalten versuchte, dürfte verwundert darüber sein, daß es die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“, die „Süddeutsche Zeitung“, auch „Die Welt“ überhaupt noch gibt. Wer eigentlich liest diese Blätter?

Klar, die Auflagen sind eingebrochen, aber für das, was die Schule noch leistet, erscheinen sie immer noch enorm hoch, dürften sie doch an sich längst nicht mehr auf gründliche Leser hoffen. Mag aber sein, es existiert eine beinahe subversive bildungsbürgerliche Konstante, die am Unerläßlichen festhält, wiederum nicht wegen, sondern trotz der Schule. Indem sie sich selbst bildet.


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Kommentare (41)

limes
12. Oktober 2019 16:30

Der im ersten Satz formulierten These Heino Bosselmanns stimme ich aus ganzem Herzen zu und möchte dazu einige Aspekte ergänzen.

Staatsbürgerliche Mündigkeit beruht auf Anstrengungsbereitschaft, Alphabetisierung und der Befähigung zur Abstraktion. Das Erlernen der Schreibschrift im ersten Schuljahr mittels Schiefertafel, Kreidestift und Schwamm ist dafür eine tragfähige Grundlage.

Wahlprogramme in leichter Sprache sind eine Farce. Jeder, der wählen darf, sollte in der Lage sein, die Grundsätze eines freiheitlichen, demokratischen Rechtsstaats im Allgemeinen und unser Grundgesetz im Besonderen zu verstehen. Selbst in der Hauptschule sollten Grundlagen der Logik und des sachlichen Argumentierens vermittelt werden sowie grundlegende Möglichkeiten, Manipulationsversuche zu erkennen. Auch die wichtigsten Errungenschaften der Aufklärung müssten von jedem Staatsbürger verstanden werden. Doch politisch, gesellschaftlich und kulturell geht es in die entgegengesetzte Richtung: Hauptsache, Ihr habt Spaß!

Während die Altparteien einerseits mit nichtssagenden Schönwetterfloskeln in »leichter Sprache« auf Stimmenfang gehen, basteln ihre Mandatsträger mit an Manifesten supranationaler Strukturen wie EU und UN, in denen weitreichende politische Absichten hinter endlosen Lippenbekenntnissen zu einer friedlichen und gerechten Welt verborgen werden. Diese Manifeste, denen unser Recht zusehends unterworfen wird, können nur noch hochgezüchtete Fachjuristen nachvollziehen.

Einzig die AfD setzt offensichtlich auf den mündigen Bürger: In einer Aufzählung der Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württembergs zur EU-Wahl 2019 fehlt die Alternative bei den sprachlichen und intellektuellen Billigangeboten von Wahlprogrammen in »leichter Sprache«.

https://www.europawahl-bw.de/eu-wahlprogramme_leichte_sprache.html

Postskriptum zum letzten Satz Heino Bosselmanns: In politisch korrekten Medien ist nur politisch korrekte Bildung zu vermuten. »Ein ganz dünnes Süppchen«, hätte mein Deutsch- und Geschichtslehrer in den 1970-er Jahren wohl dazu gesagt.

Nemo Obligatur
12. Oktober 2019 17:09

Ein Text, den ich mit Genuß gelesen habe. Zwar antiquiert und moralinsauer. Aber dann über mich selbst nachgedacht Ich lese zu hastig! Das Denken zerhackt und zerstückelt. Wo und wann kann ich mich denn heute noch zwei oder drei Stunden in Ruhe hinsetzen, mit einem Buch und konzentriert? Allenfalls zu Hause. Und dann die vielen Schreibfehler! Grauenvoll! Ich schreibe heute mehr als vor 30 Jahren. Aber auch besser, gründlicher, genauer? Werde mir mehr Mühe geben müssen, denke ich.

PS: Die Leser von FAZ, Welt und Süddeutsche sind einerseits Jahrgänge, die noch eine solide Ausbildung genossen haben. Andererseits sind auch die vorgenannten Zeitungen längst nicht mehr auf dem Niveau von vor dreißig Jahren. Wenn, dann eher unbeabsichtigt.

PPS: Bleiben Sie uns erhalten, Herr Bosselmann! Machen Sie doch mal was über das Thema Handschrift.

RMH
12. Oktober 2019 18:35

Der Text behandelt ein berechtigtes Anliegen. Leider wird er von der Realität des deutschen Föderalismus teilweise ausgehebelt, da man aufgrund dieser keine pauschalen Aussagen wie "ein gegenwärtiger Abiturient" überhaupt machen kann. Es gibt in Deutschland aktuell eben 16 unterschiedliche "Abiturienten" mit höchst unterschiedlichem Niveau.

Ich habe bspw. im Moment noch Kinder in Bayern (selbstredend ist auch dort einiges im Argen und schon lange nicht mehr alles Gold, was vermeintlich glänzt) auf dem Gymnasium und kann die an einzelnen Punkten aufgehangene Kritik daher auch nicht vollständig nachvollziehen, da es viele dieser Punkte eben in Bayern (noch) nicht gibt (bspw. Schreib- und Grammatikfehler bedeuten hier immer noch knallhart Punktabzug, da wird auch nicht diskutiert).

Ich vermute, in den Ländern, die die DDR gebildet haben, wird es mittlerweile auch erhebliche Unterschiede wegen der "Kulturhoheit" der Bundesländer geben. Sachsen soll hier ja immer noch ein Maßstab sein, hinter dem die anderen "neuen Länder" und fast alle "alten" nicht mitkönnen.

Richtig und berechtigt ist aber die Kritik an deutschlandweit in Schulen bestehenden Moden wie der "Methodenkompetenz" - diese kann meiner Meinung nach ein kleines Kind bis angehender Teenager noch gar nicht entwickeln oder erwerben, da man dazu einfach ein solides Bildungsfundament haben muss, welches man nur über eine solide Anleitung durch gutes Lehrpersonal, welches auch nicht ständig wechselt, erwerben kann. Wer nicht lesen und schreiben kann, kann auch nur sehr schlecht die Methode begreifen oder erwerben, es sich selber bei zu bringen. Wer nicht zählen kann, wird auch nicht rechnen können etc.

Thomas Martini
12. Oktober 2019 21:05

"Heute sind die meisten Beiträge zur „Prime-Time“ aus Quotengründen der landläufigen Verblödung im Sinne eines simplen Utilitarismus abgepaßt, hinzu kommt der Streß der Screens, der Apps und der leerdrehenden Dauerkommunikation über „soziale Medien“, in denen meist Trash ventiliert wird."

Passable Beschreibung der Symptome.

Allerdings wurde es einmal mehr versäumt, die Ursache zu nennen, die Wurzel allen Übels.

Man erlaube mir bitte, das nachzuholen. Der Grund für das Siechtum ist auch hier einmal mehr die Veramerikanisierung des Abendlandes.

Wie oft muß man das noch sagen?

Lotta Vorbeck
12. Oktober 2019 21:45

@Thomas Martini - 12. Oktober 2019 - 09:05 PM

"... Passable Beschreibung der Symptome.

Allerdings wurde es einmal mehr versäumt, die Ursache zu nennen, die Wurzel allen Übels.

Man erlaube mir bitte, das nachzuholen. Der Grund für das Siechtum ist auch hier einmal mehr die Veramerikanisierung des Abendlandes.

Wie oft muß man das noch sagen?"

*****************************************

Der Grund für das Siechtum ist hinreichend oft erörtert worden.

Haben Sie eine praktikable Idee, wie sich immer weiter drehende Abwärtsspirale zumindest anhalten ließe?

Oder ist es tatsächlich so, daß es, bevor alles in Scherben gefallen ist, keine Möglichkeit zur Umkehr gibt?

Thomas Martini
12. Oktober 2019 21:47

Habe Herrn Bosselmanns neuesten Beitrag eben meiner Frau in Ruhe vorgelesen, von meinem "Smartphone" aus.

Möchte nun nicht besserwisserisch oder pedantisch erscheinen, aber der Beitrag weist eine Menge Flüchtigkeitsfehler auf, die einem erst beim Aussprechen des Textes deutlich werden.

Das erinnert mich wieder einmal an Wolf Schneider, der in "Deutsch für Profis" darauf hinweist, daß er sich seine Texte vor Veröffentlichung immer selbst laut vorliest oder vorlesen lässt.

zeitschnur
13. Oktober 2019 01:11

Muss an Siegfried Lenz' "Deutschstunde" denken!

Und an das romantische Diktum (Heine, später von Reich-Ranicki aufgegriffen) von der deutschen Literatur als dem "portativen Vaterland".

Da war/ist mehr dran, als es aussah und viele anerkennen wollen:
Wer in dieser Literatur NICHT lebt, die übrigens auch die der Nachbarländer integriert hat (!), ist kein kulturell Deutscher, Pass hin, Pass her.

Andreas Walter
13. Oktober 2019 09:36

Ihr seid zu alt. Ihr verwechselt Nostalgie mit Konservatismus. Ihr verwechselt Kulturmarxismus mit einer digitalen Enzyklopädie, und damit meine ich bewusst nicht Wikipedia. Wikipedia ist gelebter Sozialismus, und dadurch automatisch eine kulturmarxistische digitale Enzyklopädie (2. Wahl, viele Fehler, nur die halbe Wahrheit, dafür billiger).

Der digitale, multimediale Brockhaus war den meisten aber zu teuer, auch das Projekt wurde darum wegen Unwirtschaftlichkeit eingestellt. Enthielt/enthält allerdings auch nicht die ganze Wahrheit, doch das ist ein anderes Thema.

Schreiben und lesen ist sogar eine verdammt umständliche und zeitaufwendige Art und Weise, die Welt zu erklären und zu erfassen. Kinder und Jugendliche sind aber wie der Rasenmähermann, und das sichert ja auch im Normalfall das Überleben. Zack, zack, schnelle Auffassungsgabe, blitzschnelle Reaktion, Taktikwechsel, Umdenken, bei Frauen sogar Multitasking, also mehrfache Aufmerksamkeitskoordination, dafür nicht so tief, Ziel-, Objektorientiert. Anderes Programm.

Hinzu kommt, dass der grösste Teil der Kommunikation emotionaler Natur ist, wie wollte man das nur mit Büchern vermitteln.

"Er freute sich sehr" muss man daher mindestens ein mal im Leben gelebt, erlebt haben, sonst versteht man den Satz nicht.

Doch genau das unterscheidet darum ja auch den Kopfmenschen, den Intellektuellen, den Nerd, den Wissenschaftler, den Politiker, den Manager vom Rest der eher durchschnittlichen bis sogar unterdurchschnittlichen Menschheit. Nicht absolut, aber eben graduell.

Darum bewundern auch hier doch so viele die Figur des Ritters, oder jemand wie Jünger, weil er eben zwischen beiden Extremen wählen konnte, beides exploriert und an sich weiterentwickelt hat. Kriegerpoet.

Das aber erschwerend kommt heute hinzu:

a) Die Menge an Wissen ist auch in den letzen paar Jahrzehnten schon wieder weiterhin exponentiell gewachsen.

b) Krieger in Deutschland und besonders für Deutschland sind seit 1914 unerwünscht, die Deutschen sollen lediglich arbeiten, fronen, schuld-en. Früher auch noch konsumieren, doch das Privileg wird jetzt auch noch gestrichen, des Klimas angeblich wegen.

Die alten K(n)acker sind eh nicht so leistungsfähig wie junge afrikanische Sklaven, darum haben auch die Spanier und Portugiesen nach 1500 kein langes Federlesen mit den Eingeborenen gemacht. Das Durchschnittsalter der Deutschen liegt heute mit 44 Jahre eben schon beunruhigend nah an den 50, zumindest für Renten- und Steuerfachleute innerhalb auch unserer Regierung. Die demographische Katastrophe, darum auch nicht so viel über Malthus lachen. Wobei es auch dafür Lösungen gibt, ich kenne mittlerweile sogar 2.

Ja, ich würde auch gerne fehlerfrei Deutsch, Englisch, Spanisch, Französisch und Chinesisch schreiben, doch der Tag hat auch heute ebenso wie auch 1871 nur 24 Stunden. Unternehmer sind schon heute auch unzufrieden selbst mit dem Nachwuchs, der von den Universitäten kommt, bilden daher immer mehr auch selbst aus, nach.

Womit wir wieder zurück bei Punkt a) sind. Zunehmende Diversifikation, immer mehr Wissen, die babylonische Sprachverwirrung.

So wie wenigstens jetzt zu schreiben habe ich übrigens erst vor 7 Jahren angefangen zu lernen, also kurz vor den 50. Nur mit Worten auf "Papier" erreicht man aber nicht die Jugend, die Neue Rechte, blöder Ausdruck, deutsche Patrioten müssen daher noch viel mehr auf moderne Kommunikations- und Erziehungsmittel zugreifen.

Die Filme von der Sezession, 1% usw. sind doch mittlerweile hervorragend, an die 20 Minuten Regel hält sich leider trotzdem niemand, auch Elsässer nicht, weil auch wir uns alle viel zu gerne selbst reden hören, eben weil wir so viel zu sagen, zu schrieben, mitzuteilen und zu erklären haben, und das ist doch das wirklich Schöne. Nur muss man es auch jugendgerecht aufbereiten, denn die ist und war schon immer ungeduldig.

Konservativ sein heisst für mich nicht automatisch darum auch technikfeindlich zu sein und junge Leute sind nun mal junge Leute, die sich schon immer von den Älteren unterscheiden, vor allem aber auch, unterscheiden wollen. Wenn man ihnen das daher auch zugesteht, anders zu sein, dann lassen sich auch viel leichter die wichtigen, die bleibenden, die ewigen Werte vermitteln. Weil es nur dann überhaupt zu Kommunikation kommt, und nicht nur zu sprachloser, gegenseitiger Ablehnung.

Der_Juergen
13. Oktober 2019 10:46

Alles richtig, aber der Artikel reisst mich trotzdem nicht vom Stuhl. Erstens glaube ich schon lange nicht mehr an den "bündigen Bürger" - gäbe es diesen, so würden nicht 85% der Deutschen ihre Abschaffer wählen -, und zweitens nennt Bosselmann den Grund für die schleichende Zerstörung des Bildungswesens nicht.

Dieser ist nicht nur, wie Kollege @Martini mit gewohnter Oberflächlichkeit behauptet, die "Amerikanisierung", sondern Bestandteil des Projekts zur stufenweisen Idiotisierung des Volks, pardon, der Bevölkerung. Die Herrschenden wollen eine Helotenkaste heranzüchten, die funktional arbeitstauglich ist, also z. B. einen PC bedienen kann, zum selbständigen Denken und zum Ziehen von Schlüssen jedoch unfähig ist. Für diese Kaste wird der Ausdruck "Gedankenfreiheit" sinnlos sein, weil sie, wie die "Proles" in Orwells "1984", keine Gedanken mehr haben wird, die diese Bezeichnung verdienen.

Laurenz
13. Oktober 2019 10:59

Es ist im Prinzip schlimmer, als Herr Bosselmann schreibt.

Wir alle "denken" in Worten, (Taubstumme wohl mehr in Gesten, aber letzteres weiß ich nicht).

Ist die Sprache ungenügend, so ist es folgerichtig das Denken auch.

Ein Freund muß in Seiner Firma alle Briefe an die Kundschaft, geschrieben von jungen akademischen Mitarbeitern, durchlesen und korrigieren, schlimm.
Was Herr Bosselmann nicht direkt, nur bedingt beschreibt, ist, daß Sprache wieder ein Privileg der Reichen wird, die sich Privatunterricht für ihre Kinder leisten können. Bildung klassifiziert eine Gesellschaft. Die linke Idee scheitert an sich selbst, wenn Frau Schwesig & Co. ihre eigenen Kinder auf Privatschulen ausbilden lassen. Dieses linke feudale & asoziale Pack muß weg von der Macht. Hier zeigt sich wieder, daß der Marxismus, oder wie Frau Weidel sagt, der Kultur-Marxismus ebenso, wie der antike Bolschewismus, das Christentum, Bildung in Eliten monopolisiert. Unsere christlichen Freunde auf SiN sollten Sich dessen eingedenk sein und Ihre Haltung überdenken.
Ebenso wie @Nemo Obligatur hat mich der Artikel dazu gebracht, über mich selbst nachzudenken. Handschrift fiel mir schon immer - und fällt mir bis heute, mangels Übung, schwer. In meiner Schulzeit schmerzte immer die rechte Hand vom seitenlangen Schreiben. Deutsche Grammatik lernte ich meist, bezeichnenderweise, im Latein-Unterricht. Allerdings konnte ich in meinen besten Zeiten den "Herrn der Ringe" in 2 Tagen durchlesen.
Was die Konzentration beim Lesen angeht, so liegt dies auch an den Autoren. Es liegt eben auch an diesen, einen Spannungsbogen über längere Zeit aufrecht zu erhalten.
Man kann von "Game of Thrones" halten, was man will, aber dieses unvollendete Werk von Herrn Martin ist jetzt nicht gerade klein, hat es aber geschafft, daß viele Mio. Leser es lesen.

Für mich lernt man Deutsch ein Leben lang, was die Innovation fördert. Und man ist fertig damit, wenn man stirbt.

tearjerker
13. Oktober 2019 12:08

Die Äusserung zum Parlamentarismus eingangs läßt mich schmunzeln, denn die hohe Lese- und Verständniskompetenz zwischen 1900 und 1950 hat ja bekanntlich zu Entscheidungen geführt, die heute allgemein als richtig erkannt werden. Es war eindeutig Deutschlands schönste Zeit. Dabei geht es dabei leider nicht um Bildungsfragen oder Fähigkeiten sondern um Machtfragen. Das deutsche Schulsystem untergräbt intakte Sozialstrukturen und zielt auf die Zerstörung der Eltern-Kind-Beziehung. Der ganze Betrieb vom Hort bis zur Erwachsenenbildung ist ein Proxy für das Heer aus Verwaltern und Pensionsschwämmen wie Lehrern, Polizisten, Parteien, Beamten und Ihren Pets vom Hartzer bis zum syrischen Computergenie, das ganz profan die kulturelle und zivilisatorische Basis der Nation auffrisst. Das geht, weil selbst die bescheiden kritische Opposition nicht fähig ist, überhaupt zu denken, man solle diesem Staat als Einstieg in etwas Anderes erstmal die eigenen Kinder entziehen und Strukturen durchsetzen, in denen ein Bosselmann mit Gleichgesinnten das tun kann, was er für richtig hält.

Thomas Martini
13. Oktober 2019 14:25

"Dieser ist nicht nur, wie Kollege @Martini mit gewohnter Oberflächlichkeit behauptet, die "Amerikanisierung", sondern Bestandteil des Projekts zur stufenweisen Idiotisierung des Volks, pardon, der Bevölkerung." - Der Juergen

An Der_Juergen: Und wo haben Sie nun die Ursache benannt? Sie machen das Gleiche wie Bosselmann. Sie werfen ihm zuerst vor, er nenne den Grund für die schleichende Zerstörung des Bildungswesens nicht, und schreiben dann symptombeschreibend von einem "Projekt zur Idiotisierung". Nun muss dieses Projekt aber irgendwo seinen Ursprung haben, oder etwa nicht?

Und da können Sie sich auf den Kopf stellen, und sich weiterhin dieser so simplen wie allumfassenden Einsicht verweigern: Der Grund für die schleichende Verblödung ist die geistig-seelische Orientierung an der englischsprachigen Welt und an der Unkultur der USA. Das beginnt übrigens schon mit solchen Nichtigkeiten wie der Verwendung von "@", wo man seine Worte an jemanden richtet.

Bosselmann erwähnt private Fernsehsender, vergisst aber, daß deren Programmatik von Beginn an streng am US-Fernsehmarkt ausgerichtet war, und daran hat sich bis heute nichts geändert. Oberflächlich, darf ich mal lachen? Über die Veramerikanisierung in Deutschland könnte man ganze Bücher schreiben, bis in die Untiefen der "Re-Education" und Umerziehung.

Immerhin kann ich den Grund für die Katastrophe angeben, und bisher habe ich noch nirgendwo jemanden gesehen, der eine bessere Erklärung anzubieten hätte. Allenfalls schmeißen Akademiker mit Begriffen wie "Kulturmarxismus" um sich, und lenken mit solchen verbalen Fehlgriffen eher von der Ursache der Misere ab. Das zeigt sich nämlich am vom Herrn Bosselmann geschilderten Bildungswesen in der DDR, wo Marx tatsächlich zur Tagesordnung gehörte. Und in China werden die Kinder heute ebenfalls nicht systematisch verblödet.

Wer also behauptet, der Grund für den Niedergang des deutschen Schulssystems sei ein wie auch immer gearteter "Marxismus" oder "Sozialismus", sitzt auf dem völlig falschen Dämpfer.

heinrichbrueck
13. Oktober 2019 14:29

@ Thomas Martini

Und wer hat die USA veramerikanisiert? Die deutschen Demokraten haben den Weltkrieg gewonnen, sie wurden befreit. Mit dem Geschichtsbild der Befreiung im Kopf, bilden sie eine europaweite Allianz im Dienste der Sieger. Die Befreiung ist noch nicht abgeschlossen.
David Engels in der JF: "Am heutigen Sonntag findet, von den meisten westeuropäischen Medien ignoriert, eine Wahl statt, welche nicht nur über die Zukunft Ostmitteleuropas, sondern vielleicht sogar des gesamten Kontinents entscheiden wird: die polnische Parlamentswahl." Fast die gesamte intellektuelle Riege des Kontinents: befreit. Die Pointe ist doch, die Intellektuellen wollen das Volk dem System anpassen, auch wenn das Volk dabei draufgeht. Deshalb ist das Bildungsgeschwätz gescheitert.

Grobschlosser
13. Oktober 2019 15:27

Frau Schwesig (SPD ) hat sich für eine Privatschule entschieden .

Immer wieder entscheidet sich die linksliberale Oberschicht für die Privatschule - die eigenen Kinder möchte man nicht mit der bunten Lebensrealität deutscher Großstädte konfrontieren .

Julian Nida - Rümelin heute im "Deutschlandfunk" ( sinngemäß ) : natürlich ist das politische System liberal - die FDP hat gewissermaßen ihre Agenda umgesetzt und sich überflüssig gemacht " und weiter :" der globalisierte Liberalismus kennt Gewinner und Verlierer .... Wettbewerb um bezahlbaren Wohnraum ; " usw. Leute wie Herr Nida Rümelin wissen sehr wohl wie es an staatlichen Schulen ausschaut - sie können aber den Segnungen des Multikulturalismus aus dem Weg gehen - sich "irgendwie anders entscheiden" .

Deutsche Arbeiterkinder sind die Verlierer der sozialdemokratischen "Bildungspolitik" ; sie können weder den Schulstandort , noch den Wohnsitz wechseln - sie sind die Gefangenen der sozialdemokratisch -liberalen Experimentalpädagogik ; sie sind die Protoheloten der neuen Zeit .

Schwesig muss ihre Entscheidung nirgendwo rechtfertigen - auch die hippen Leute aus Berlin Mitte müssen sich nicht erklären - noch nicht .

Der Klassenkampf der deutschen Sozialdemokratie gegen die deutschen Arbeiterkinder ist gnadenlos und effektiv ; natürlich sind alle Menschen gleich - entsprechend muss das Niveau an staatlichen Schulen an die Möglichkeiten der orientalischen Neubürger angepasst werden - da stört Lektüre natürlich .

"Aufstieg durch Bildung" - diese freche Sozilüge wird gebetsmühlenartig von den Sozimultiplikatoren wiederholt - jeden Sonntag beim "Deutschlandfunk" , immer und immer wieder bei "anne will" & Co.

Die "einfache Sprache" lässt sich durch den norddeutschen GEW - Pädagogen leicht "rechtfertigen" ist sie doch so hübsch integrativ - oder möchte eines der hier anwesenden Elternpaare den kleinen Ali ausgrenzen ?

Der Sohn einer Frau Schwesig kennt solche Probleme nicht einmal vom Hörensagen - er lebt paramilitärisch geschützt in einer Bildungsoase , klassische Musik , ganz viel frische Luft , Nachhilfeunterricht falls die Privatschule ihren Job nicht gemacht hat .

Der Sohn einer Frau Schwesig wird eine private Hochschule in England oder den USA besuchen ; er wird irgendwann für eine der vielen Gutmensch-NGOs arbeiten und "sich dann für den höheren Dienst entscheiden" .

Im Jahr 2029 ( vielleicht auch früher ) lernt der Schwesigsohn einen geeigneten Herrenclub kennen ("kommen Sie uns doch mal besuchen ; bald ist Weihnachtszeit " ) ; er wird eine bildhübsche Frau heiraten ; sich immer für den richtigen Weg entscheiden und glücklich werden .

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gefährlich wird es für die bundesrepublikanische Oberschicht genau dann wenn die Facharbeiterintelligenz den roten Hirten abwählt - wohin mit den nutzlosen Verwaltern des Irrsinns , wohin mit den Sesselfurzern ?

Elvis Pressluft
13. Oktober 2019 16:35

Grober Unfug ist natürlich das antichristliche Ressentiment (Laurenz!): Luther wollte das Priestertum aller Gläubigen; er wollte, daß die Menschen Predigtwort und Schriftzeugnis ins Verhältnis setzen können. Der Priester ist fehlbar und kann auch (was wir heute eklatant erleben) die Heilige Schrift gewollt verzerren. Ohne hinreichende Lesekompetenz wird dies kein Laie feststellen können. (Natürlich interessiert die Thematik die überwältigende Masse heute so oder so nicht mehr.)
Der Hut ist ansonsten denkbar alt: Unter der Kanzlerschaft Brandts erfolgte die „Öffnung der Hochschulen“, vorgeblich mit dem – legitimen – Ziel, soziale Benachteiligungen abzubauen, effektiv letztlich zum Geburtsprivileg des Abiturs für alle führend. Warum man heute von niemandem mehr die sichere Beherrschung der deutschen Sprache fordern kann, hat auf der Hand liegende politische Gründe. Meine Beobachtung bspw. des „Welt“-Forums ergibt, daß auch dort elementare Fertigkeiten der Ausnahmefall sind: daß/dass (Konjunktion) vs. das (bestimmter Artikel) – für grob geschätzt 90% der Kommentatoren unbekanntes oder als irrelevant (Rechtschreibnazis!) erachtetes Feld. Hier gilt wieder das oben Vermerkte: Wer über digitalisiertes Gestammel, „Bild“ oder allenfalls anspruchslose Belletristik niemals hinauskommt, ist leichter zu steuern; genau das wünschen und benötigen die Machthaber. Der ihrerseits häufig heuchlerisch beklagte Mangel an Bildung spielt ihnen direkt in die Hände. Dabei gelten m.E. in den seltensten Fällen schlüssige Entschuldigungen für Leseabstinenz. Im Gegensatz zu früheren Zeiten sind die Ressourcen (noch?) allgemein verfügbar. Man kann sich sehr vieles im Selbststudium aneignen. Der Rest ist Gleichgültigkeit und Indolenz.

Valjean72
13. Oktober 2019 18:42

Ein gut verfasster Artikel, der ein äußerst wichtiges Thema notwendigerweise in den Mittelpunkt der Betrachtung rückt. Gleichwohl stimme ich sowohl Thomas Martini als auch dem Juergen in ihren obigen Stellungnahmen zu.

Der von Thomas Martini zitierte Ausschnitt weißt wohl nicht zufällig gleich mehrere Anglizismen auf.

"Heute sind die meisten Beiträge zur „Prime-Time“ aus Quotengründen der landläufigen Verblödung im Sinne eines simplen Utilitarismus abgepaßt, hinzu kommt der Streß der Screens, der Apps und der leerdrehenden Dauerkommunikation über „soziale Medien“, in denen meist Trash ventiliert wird."

Die Deutschen werden mit jeder Halbgeneration mehr „ver-amerikanisiert“ und damit letztlich "ent-deutscht".

Allein, es ist ein globales Phänomen und eines, welches mit bestimmten Absichten angeschoben wird.

Zitat von Der_Juergen:

"Die Herrschenden wollen eine Helotenkaste heranzüchten, die funktional arbeitstauglich ist, also z. B. einen PC bedienen kann, zum selbständigen Denken und zum Ziehen von Schlüssen jedoch unfähig ist."

In diesem Zusammenhang sehe ich auch folgende Stellungnahme von Laurenz, welche die Tragweite des Verfalls des Sprachniveaus herausstellt:

"Ist die Sprache ungenügend, so ist es folgerichtig das Denken auch.

"

Franz Bettinger
13. Oktober 2019 19:59

Das beste Negativ-Beispiel für Unbildung ist Merkel:
"Da müssen wir noch viel arbeiten. Ich muss natürlich auch für Europa arbeiten. Mit aller Kraft." So heißt's bei Merkel nach jedem dritten Satz. "Frau Will, stellen Sie sich mal vor, ich bin ein Mensch, der immer an die Dinge herangeht, und Deutschland ist ein starkes Land und reich. Ich mag mein Land, aber nicht nur ICH mag mein Land, sondern Millionen anderer mögen das Land auch. Dann ist doch die Aufgabe einfach, dass man so herangeht, dass man das schafft, und wenn uns was am Islam nicht passt, müssen wir mehr in die Kirche gehen." So redet sie immer.

Die Kanzlerette denkt wie sie redet. Ein schlechter Redner aber ist - da hat @Laurenz völlig recht - gewöhnlich auch ein schlechter Denker. Die Weisheit “Nun sind sie halt da” ist so richtig wie “Die Kniescheibe ist kaputt”, nachdem ich sie vorher eingetreten bekam. Verantwortlich sind all jene, die diese Lady Gaga nicht frühzeitig eingefangen und in die Anstalt zurück gebracht haben.

Haben wir jetzt mehr oder weniger Probleme als vor vier Jahren? Die Wasserleitung leckt immer noch. Das Wasser tropft durch die Decke. Statt das Loch zu stopfen, greift Die Merkel nach dem Wischer. Die Lage erinnert an einen Spruch der Dakota-Indianer: “Wenn du entdeckst, dass du ein totes Pferd reitest, steig ab!” Wir sehen den Tsunami, aber wir reiten ihm freudestrahlend entgegnen als wäre’s der Sonnenaufgang. Leute: Die Pfarrers-Tochter ist nackt und ihr Pferd ist mausetot! Aber das wisst ihr ja selbst.

quarz
13. Oktober 2019 23:02

@Bettinger

"Die Kanzlerette denkt wie sie redet. Ein schlechter Redner aber ist ... gewöhnlich auch ein schlechter Denker. "

Mir scheint, dass einem Gedanken - so banal er auch ist - gemeinhin zu wenig Beachtung geschenkt wird: dass die Kanzlerin einfach zu wenig intelligent für ihren Job ist. Dieser Umstand wird deswegen permanent überquasselt, weil viele Leute in einflussreichen Positionen, die selbst intellektuell potenter wären, der diesbezüglich nackten Kaiserin auf merkwürdige Weise hörig sind.

Dass sie in rhetorischer Hinsicht in komischem Ausmaß ungelenk ist, das will ich ihr nicht zum Vorwurf machen. Es gibt manche klugen Leute, die nicht fähig sind, ihre Gedanken sprachlich virtuos zu verpacken. Aber hier haben wir es, so scheint mir, mit einem eigentlichen Mangel an Urteilskraft zu tun, um es mal abgesichert zu formulieren.

Ich muss ja immer schmunzeln, wenn ich auf Merkels methodische Selbstoffenbarung stoße: sie pflege die Probleme "vom Ende her zu denken". Was auch immer sie da vom Ende her macht - mit Denken dürfte das eher wenig zu tun haben.

qvc1753
14. Oktober 2019 06:47

Ob die Jahre 1900 bis 1950 tatsächlich Deutschlands beste Jahre waren, das wage ich zu bezweifeln.
Zwei Weltkriege, Diktatur und Teilung sprechen nicht dafür. Und letztendlich hat erst die Bundesrepublik es den Deutschen ermöglicht als Bürger im eigentlichen Sinne zu leben.
Nach meiner Ansicht gab es „den Bürger“ weder im Kaiserreich, noch in der Weimarer Republik. In den danach folgenden Diktaturen sowieso nicht.

Was nun den im Artikel beschriebenen Bildungszustände angeht, so teile ich einige der beschriebenen Punkte. Wer aus meiner Generation die e-mails der Generation 20+ durchliest, der bekommt bisweilen das Grausen.
Relativiert wird das Ganze jedoch dadurch, das das Bildungswesen und die Berufsausbildungen insgesamt immer mehr akademisiert sind. Selbst Polizisten durchlaufen heute eine Hochschule.

Wer also noch in den 1950er Jahre studierte, der war definitiv Bestandteil einer kleinen Elite.
Fünfzig Jahre später ist dies nicht mehr der Fall. Selbst Gerichtsvollzieher durchlaufen heute eine akademische Ausbildung.
Dies führt m.E. alleine schon zu einer Verwässerung der akademischen. Kenntnisse (bei Verbreiterung der Basis).

Auf der anderen Seite ist aber auch der Anspruch an das Geschriebene anders.
Bis zur Einführung moderner Textverarbeitungsprogramme waren Briefe unter Firmen oder auch Seminararbeiten mit der Hand getippte Unikate. Ab 1980 konnte man das aber mit Software bearbeiten und professionalisieren.

Eine Seminararbeit heute oder Geschäftsbrief sehen deutlich besser und professioneller aus. Was den Inhalt angeht, so mögen wir darüber gerne streiten.

Insgesamt ist der im Artikel beklagte Zustand auf die moderne Massengesellschft zurück zu führen. Ob das dann „Amerikanisierung“ ist, das bezweifele ich durch die Globalität.

zeitschnur
14. Oktober 2019 08:32

Hier kommen mehrere Aspekte zusammen: eine tatsächliche Verflachung der Sprachbildung im Bildungskanon, eine vollkommenen veränderte und sich weiterhin verändernde Medienlandschaft inklusive permanenter elektronischer Soft Mind Control, das Dogma, man müsse jedweden noch so komplexen Sachverhalt auf anderthalb DIN A4-Seiten darstellen, weil er sonst "nicht mehr verständlich" sei, dagegen ausufernde politische Paper von teilweise fast 1000 Seiten, die tatsächlich keiner, selbst wenn er es wollte, mehr lesen kann. Daneben ein Verfall der Handschrift, die Aneignung, Ausdruck und Reflexion zugleich war (ist) und eigentlich zum Bildungskanon jeder Kultur gehört(e). Verheerend dabei die Entfremdung des Menschen aus seiner natürlichen Umgebung. Ideal gilt das urbane Leben in Megacities, totalverkabelt, elektronisch "angebunden", permanent berieselt, angeklickt, angeSMSt, zugeflimmert, zugedröhnt entweder aus dem Smartphone oder von den lauten Geräuschen der Stadt.

Dies hat sich aber schon lange angebahnt. Nur hat sich das Tempo der Abwärtsbewegung immer mehr beschleunigt.

Vor allem die Entfremdung aus der natürlichen Umgebung sollte man nicht unterschätzen. Wir werden aus der Möglichkeit gerissen, das, was man uns über uns und die natürliche Welt sagt, zu überprüfen. Man sagt uns genau genommen, wer wir sind und (angeblich) sein können. Das (benutzte) Smartphone lenkt alle unsere Gedanken, auch dann, wenn es uns nicht bewusst ist. Wenn Kant die Korrespondenz von sicher auch "anerzogenem" bzw kulturell geformtem "Sittengesetz in ihm" und dem freien, natürlichen, "bestirnten Himmel über ihm" als Ausgangspunkt der freien Erkenntnis ansehen konnte, fehlt uns heute diese Korrespondenz zur Freiheit: Der bestirnte Himmel ist weg, verstrahlt, unsichtbar geworden, manipuliert und mechanisiert.
Stattdessen flimmert uns eine NASA-Simulation als Microsoft-Bildschirmschoner von einem Kunsthimmel so entgegen, als sei das echt, erzählen uns never ending SciFi-Stories von den "Galaxien", alles Ausgeburten einer gewollt-dumpfen Fantasie schlechter Erfinder und perfekter Manipulateure. T-Shirts mit "Weltraum"-Simulationen im Star Wars-Design vertreibt jede Modekette.
Die meisten Menschen halten diese Kunstwelt für eine unumstößliche Wahrheit und ihre reale, echte Umgebung, sich selbst für Geschöpfe in der Welt medialer Erfinder.
Wenn ihnen dann gelegentlich wieder einmal aufgeht, wie "Plastik" das alles ist, kippen sie ins Gegenteil, sie, die nicht mit der Natur leben, umarmen nun plötzlich Bäume und brummen in einem Kurs zusammen mit anderen Entfremdeten "Om", essen die nächsten drei Wochen vegan, während draußen Drohnenkriege über Tausende von Kilometern weg geführt werden, an denen sie sich nicht weiter stören in ihrem klimaneutralen Kokon.
Kann auch sein, dass sie einen "Kalligrafie"-Kurs besuchen - wo sie lernen, mit Tinte und Feder zu schreiben, so wie es mal früher alltäglich war, jetzt für viel Geld Sonderwissen und Lifestyle-Vergnügen.
Und dann taucht turnusmäßig eine "neue" Jugendkultur auf, schließlich muss man was tun für die jungen Leute, alles angeblich aus deren Kreisen, in Wahrheit aber inszenierte Sehnsucht, die sie immer tiefer in einen Sumpf von Entfremdung, Einsamkeit, Tattoos, okkulter Musikkultur, enthemmt-frisierter Sexualität, geschlechtlicher Selbstverleugnung und Verrohung treibt. Zum Ausgleich dafür besucht man Yin Yang Yoga und fühlt sich virtuell als Mann oder Frau, real aber als verordneter Transgender. "Über allen Gipfel ist Ruh'" dringt in die Bewusstseinsgefängnisse nicht mehr durch. Und dann erst diese Liebesgedichte der Dichter! Meine Güte, wie peinlich und verklemmt. Farblos ist das, langweilig, nichtssagend, es "passiert da nichts", null Speed, man ändert die Welt ja nicht, und das muss es ja mindestens sein, wenn man die linke A-Backe hebt, zur Hebung der zweiten bin ich nur bereit, wenn ich dabei reich und berühmt werde. "Intrinsisch"? Was ist das? Liebe?

Ich fürchte, Herr Bosselmann, das lässt sich nicht ändern, jedenfalls nicht für alle. Auch wenn hier manche "philosophob" sind und im Ernst glauben, es müssten schnelle Lösungen her (was im Ansatz schon diktatorisch und unreif, eine Folge der Denkverödung ist), hilft alles nichts als eine Rückkehr zur Geduld, zur Eigenreflexion einiger weniger, die langsam den einen oder anderen mitzieht. „Dekonstruiert“ hat sichs schnell, wieder etwas geschaffen nur langsam. Wir müssen uns damit abfinden.
Es ist aber in untergehenden Kulturen wohl immer so gewesen, dass man den größten Teil der Leute nicht retten kann, ganz einfach deswegen, weil sie nicht gerettet werden wollen, sondern mit höhnischer Fratze untergehen und nicht selten sogar die, die überleben wollen, mitreißen wollen.

Distanzieren wir uns doch einfach geistig von all diesem Untergangsszenario, aber ohne Panik, unbeirrt, friedlich, hoffnungsvoll. Das ist viel mehr wert als ein Kampf gegen Windmühlenflügel, der nicht zu gewinnen ist.

quarz
14. Oktober 2019 09:16

@zeitschnur

Kollektive Entgleisungen des Gemüts hat es immer wieder, in verschiedenen Epochen gegeben. In einer Hinsicht aber unterscheidet sich die heutige von ihren Vorgängern. Früher konnte sich das Volk am nächsten historischen Morgen, wie nach durchzechter Nacht, wieder aufrappeln, seinen Brummschädel in kaltes Wasser stecken und dann die Nasenflügel heben, um die heilendnüchternde Morgenluft einzuatmen. Nach dem aktuellen Wahnrausch aber, so ist zu befürchten, wird das Volk nicht mehr da sein.

Lotta Vorbeck
14. Oktober 2019 09:33

@qvc1753 - 14. Oktober 2019 - 06:47 AM

"... Insgesamt ist der im Artikel beklagte Zustand auf die moderne Massengesellschft zurück zu führen. Ob das dann „Amerikanisierung“ ist, das bezweifele ich durch die Globalität."

****************************

Nachgefragt:
Worin besteht denn der Unterschied zwischen „Amerikanisierung“ und „Globalisierung“?

Maiordomus
14. Oktober 2019 09:51

@Zeitschnur. Was Sie über Reich-Ranickis "portatives Vaterland" geschrieben haben, zeigt, dass Sie nicht die einzige Person sind, die diesem Ekel von Literaturkritiker (Gott hab ihn selig) nachträglich gute Seiten abzugewinnen vermag. Dabei war es längst gesagt, in Goethes "Torquato Tasso". Ich hörte es erstmals am Ostersonntag 1964 in der Fernseh-Fassung mit Oskar Werner in der Titelrolle:

"Und wer der Dichtkunst Stimme nicht vernimmt,
Bleibt ein Barbar, er sei auch wer er sei."

Falls Sie eine Frau sind, aus dem selben Künstlerdrama, einem "gesteigerten Werther", wie das Tasso-Stück auch schon mal genannt wurde:

"Willst du genau erfahren, was sich ziemt,
So frage nur bei edlen Frauen an."

Fürwahr, "Goethe in unserer Not", so hat es der um die deutsche Bildung hochverdiente einstige Goethe-Preisträger Leopold Ziegler (1881 - 1960) 1931 im Titel eines gedruckten Essays bzw. einer gedruckten Rede ausgedrückt.

zeitschnur
14. Oktober 2019 10:28

@ Maiordomus

1. Nachträglich gewinne ich ihm gewiss keine guten Seiten ab, dem "Ekel von einem Literaturkritiker". Für ihn war es eine Überlebensstrategie, das "portative Vaterland". Diese Strategie stammte aber nicht von ihm, sondern er nutzte sie nur ausdrücklich als letzter prominenter Deutscher. Er äußerte sich dazu immer wieder. Ekel hin Ekel her. Ich habs nicht so mit Schwarzweißbildern, wissen Sie.

2. Ja, ich bin eine Frau!

3. Ich denke, dass es den Deutschen, so sie noch welche sind bzw sein wollen, derzeit besser tut, "Schiller in unserer Not" zu rezipieren.

RMH
14. Oktober 2019 11:51

"Nachgefragt:
Worin besteht denn der Unterschied zwischen „Amerikanisierung“ und „Globalisierung“?"

Lotta Vorbeck (auf besonderen Wunsch von Herrn T.M. ohne @),

wenn Sie einfach mal ein bisschen nachdenken würden, statt mit vermeintlich "überlegenen" rhetorischen Fragen andere für Blöde dastehen lassen zu wollen, dann wüssten Sie ziemlich genau, dass beides lediglich Schlagworte für Bündel von Symptomen sind, deren Ursachen und deren teilweises erstes Erscheinen historisch betrachtet deutlich weiter zurückliegen, als die Gründung der USA und dass das Erscheinen dieser Symptome sich nicht auf die USA und deren Vasallen /Einflussbereiche etc. beschränken lässt.

Ich werden dazu jetzt keinen Roman schreiben, da das entsprechende Wissen bei ALLEN hier Lesenden und Schreibenden da ist, aber das verwenden von einfachen, vermeintlich gefahrlosen Abziehbildern dann doch für den einen oder anderen offenbar einfacher und zweckmäßiger erscheint. Ich werde niemanden mehr daran hindern ... viel Spaß beim eifrigen Bekleben und bitte keine klebrigen Finger dabei bekommen ;)

Lotta Vorbeck
14. Oktober 2019 11:57

@quarz - 14. Oktober 2019 - 09:16 AM

"... Früher konnte sich das Volk am nächsten historischen Morgen, wie nach durchzechter Nacht, wieder aufrappeln, seinen Brummschädel in kaltes Wasser stecken und dann die Nasenflügel heben, um die heilendnüchternde Morgenluft einzuatmen. Nach dem aktuellen Wahnrausch aber, so ist zu befürchten, wird das Volk nicht mehr da sein."

*******************

Sie sagen es, werter @quarz!

Das gegenwärtige System saugt seine Kraft all denen aus dem Mark, die beflissen mitspielen.

Was noch wenige Jahrzehnte zuvor undenkbar erschien, ist nun bedrückende Realität:
Ein einstiges Kulturvolk, finanziert nicht nur die Propagandamedien von denen es sich willig zum finalen "Sturz über die Klippe" treiben läßt, es arbeitet mit Zweidrittelmehrheit ebenso aktiv wie unverdrossen dem eigenen Untergange zu.

+++ "Reiche Blumensträusse an sozialen, beruflichen und juristischen Sanktionen, begleitet von einer rigiden Definition „gesunden Volksempfindens“ seitens der Elitemedien garantieren, daß der Untertan bei der Stange bleibt. Egal wie verrückt und wertezersetzend die Politik „seines“ Staates auch sein mag. So winkte die große Mehrheit der US-Amerikaner in den 1990iger Jahren den Mord ihres Finanzlobby-Regimes an einer halben Million irakischer Kinder emotionslos durch. Ignorierte den leise auswimmernden Kollateralschaden, als handele es sich um eine Tüte ranzig gewordenes Popcorn. Um das zu erreichen, brauchte man die Heimatfront lediglich einseitig zu unterrichten, „den Ton wegzudrehen“, das Grauen – ungefilmt – als anonyme Zahl zu transportieren. Wobei es half, den US-Bürger medial und kollektiv zur sakrosankten Ordnungsmacht zu erklären. Und die wenigen hiergegegen aufbegehrenden Moralisten als „unamerikanisches Gesindel“ zur gesellschaftlichen Isolation preiszugegeben. All dies geschah. Mit Erfolg.
In der europäischen Juniorschaft läuft das gleiche Spiel. Nur, dass die Komposition hier eine andere ist. In den längst entkulturalisierten und bereits total dem Diktat der Wirtschaft unterworfenen USA lautet das Mantra „Stärke“ und „Nation“ – weil „das System“ Washington zum Kriegführen braucht – Patriotismus kann da nur hilfreich sein. Auf den Trümmern der Alten Welt hingegen trommeln die FinanzGlobalisten den Marsch zur Abschaffung des nationalen Eigenheims. Simpler Grund: Diese Hemisphäre verfügt noch über zu viele lästige Eigenheiten, welche der Großraumpolitik und der Angleichung der Märkte im Wege stehen. Werft sie weg, Eure Nation, Eure Geschichte, Eure Tradition, Eure Kultur, Sprache, Eure Eigenheit, lautet daher der über Werbung, Nachrichten, Filme und Politik seit Jahren ausgegebene Tagesbefehl. „Anderenfalls seid ihr Nazis!“ Die Massen passen sich dem an – wie bei den stalinistischen Prozessen bis hin zu pathologischen Ausprägungen.

Als in Berlin-Köpenick im Februar 2015 ein Containerdorf für Asylbewerber eröffnete, flüchteten die meisten von einem Kamerateam des Compact-Magazins angesprochenen Nachbarn. Unter den wenigen Ausnahmen befand sich eine junge deutsche Frau, die offen von stark erhöhten Diebstahlraten in den lokalen Supermärkten berichtete. Und weiter, wörtlich: „Ich habe gehört deutsche Kinder wurden von Flüchtlingen zusammengeschlagen.“ Auf die Frage, wie sie dann nun zum Aufbau des Lagers stehe, kam die Antwort: „Mich persönlich stört es nicht“.

Ob der Hintergrund für diese empathielose Verirrung eine erfolgreich absolvierte Gehirnwäsche oder einfach Angst vor persönlicher Konsequenz ist, bleibt sich gleich: Was wir sehen, ist der typische – schwach bzw. krank gemachte – Mainstreambürger. Der erfolgreich zur Selbstaufgabe und absoluten Dienerschaft erzogen wird, und diese Rolle auch zu spielen bereit ist, selbst – Stichwort TTIP – selbst wenn es ihn seine sozialen Sicherheiten koste, seinen Verdienst, egal was.

...

Die Analyse zeigt: Nicht weniger als ein Dutzend psychologischer Deformierungen des Mainstreamers garantiert uns, daß sich auch in Zukunft nichts an dieser beschämenden Lage ändern wird.

...

Die Angst allein gelassen zu werden, mit „einigen Wenigen“ gegen die Mehrheit zu stehen, ist eine Grundangst des „normalen“ Menschen. Er will unbedingt bei „den Vielen“ sein, die ihm das Gefühl von Sicherheit und Nestwärme geben. In diesem Punkt ist unsere Spezies unbedingt ein Herdentier, selbst wenn die Sicherheit eine trügerische ist und wie beim Zug der Lemminge in den Abgrund führt.

..." +++

notiert Wolfgang Eggert in seiner Fleißarbeit

Null Chance im System - Das Schweigen der Lämmer
Ein überfälliges Psychogramm des „kranken Mainstreamers“

Weiterlesen: http://siedlergemeinde.org/ziel/null-chance-im-system/

Maiordomus
14. Oktober 2019 13:26

@Zeitschnur. Danke. Ich sehe M.R-R. ähnlich wie Sie, Ekel zu Lebzeiten hin oder her. Der Mann sah doch immer wieder mal was richtig und beurteilte es treffend, nicht zuletzt in seinen Verrissen, wenn sie nicht rein weltanschaulich bedingt waren oder aus innerjüdischer Rivalität moitiviert (z.B. war er gegen den ihm geistig überlegenenen Elias Canetti, dem er den Nobelpreis missgönnte). M.R.-R. hat erstaunlicherweise einigen wenigen rechten Autoren der Zeit vor 1945 noch die eine oder andere positive Seite abgewinnen können.

"Schiller in unserer Not"! Ja, das wäre ein trefflicher Titel. Nur, wenn ich hier Schiller zitierte, zum Beispiel seine Sicht des britischen Parlamentarismus (zum Verständnis der Brexit-Wirren), zeigten sich Foristen von der weniger humanistisch orientierten Fraktion anscheinend überfordert. Schiller bleibt als gesamtdeutscher Klassiker in seiner Eigenschaft als Mahner, was Franz Grillparzer und Adalbert Stifter zumal für Österreich weiterhin bedeuten sollten.

PS. Erlaubte mir im Schweizer Rundfunk vorige Woche ein paar anerkennende Worte für Peter Handke, der gemäss der Neuen Zürcher Zeitung von der Nobelpreis-Jury aus politischen Gründen hätte boykottiert werden müssen. (Selbstverständlich wurde ich nicht etwa um meine Ansicht gefragt, vielmehr wurden Hörerinnen und Hörer aus dem Publikum zu telefonischer Meinungsäusserung aufgerufen.)

Lotta Vorbeck
14. Oktober 2019 13:32

@RMH - 14. Oktober 2019 - 11:51 AM

" ... viel Spaß beim eifrigen Bekleben und bitte keine klebrigen Finger dabei bekommen ;)"

************************

Danke, den Spaß werd' ich haben!

qvc1753
14. Oktober 2019 13:57

@Lotta Vorbeck:
Den Unterschied würde ich daran aufmachen, dass die Welt sich seit 500+ Jahren globalisiert.
Die Amerikanisierung ist daher, meines Erachtens, nur ein Aspekt.

heinrichbrueck
14. Oktober 2019 14:49

"Das gegenwärtige System saugt seine Kraft all denen aus dem Mark, die beflissen mitspielen."

Jetzt tun wir mal alle nicht so, als wäre es nicht klar, wie die Kühlschränke gefüllt werden, nicht wahr!

"Was noch wenige Jahrzehnte zuvor undenkbar erschien, ist nun bedrückende Realität:
Ein einstiges Kulturvolk, finanziert nicht nur die Propagandamedien von denen es sich willig zum finalen "Sturz über die Klippe" treiben läßt, es arbeitet mit Zweidrittelmehrheit ebenso aktiv wie unverdrossen dem eigenen Untergange zu."

Eine der Hexerei Verdächtige wurde gefesselt ins Wasser geworfen. Ging sie unter, war sie keine Hexe; ging sie nicht unter, war sie eine Hexe. In beiden Fällen, im zweiten etwas später, war sie tot. Und wahrscheinlich finanzierte sie die Nummer auch noch.
Die Kinderwelt wird ihr Weltbild stark überprüfen müssen.

Laurenz
14. Oktober 2019 15:28

@quarz @Bettinger ..... Das politische System generiert Apparatschiks aus dem Intrigantenstadel, auch in der AfD, wenn man die Delegierten-Erfolge der AM anhand ihrer Mitgliederzahl betrachtet. In unserem Parteiensystem wird nicht Kompetenz, Intelligenz gefordert, sondern die Mauschelei. Das mag zwar menschlich sein, befördert aber diejenigen, die einen natürlichen Hang dazu haben, weil sie sonst nichts besitzen.

Laurenz
14. Oktober 2019 15:32

@zeitschnur .... die Gesellschaft ist nicht philosophob. Schauen Sie Sich die Verkaufszahlen von Herrn Precht & Co. an. Das Problem ist eher, daß sich unsere Schau-Philosophen in erster Linie selbst verkaufen und die Gesellschaft, in erster Linie die Medien, die entscheidenden Fragen gar nicht stellen. Denn die "Gesellschaft" ist nur froh, sich Zeit erkaufen zu können, um weiter alle Schwierigkeiten, zwecks Machterhalt, auszusitzen. Das ist schlicht Neo-Bolschewismus und seine Philosophie.

Imagine
14. Oktober 2019 16:45

Es liegt an den soziologischen Gesetzmäßigkeiten der kapitalistischen Gesellschaft, dass sie einem Prozess der Entbürgerlichung unterliegt. Das betrifft auch und insbesondere die Bildung. Die Dekadenzform der Bildung nannte Adorno „Halbbildung“ (vgl. „Theorie der Halbbildung“).

So waren die großen sozialliberalen Bildungsreformen von Interessen der Wirtschaft bestimmt. Sie wollte ein Überangebot von akademisch qualifizierter Arbeitskraft, um deren Preis zu senken.

Von der Sozialdemokratie wurden diese Bildungsreformen politisch als „Bildung für alle“ verkauft. Daraus resultierte das „Volksgymnasium“ (H. v. Hentig) sowie die Massenuniversität. In praxi bedeutete dies Unbildung für alle.

Die Bildungspolitik verabschiedete sich vom Ziel des „mündigen Bürgers“, nicht in Worten, jedoch in den Taten.

Die Veränderungen im Bildungswesen haben am wenigsten begriffen – so meine Erfahrung – die Lehrer. Lehrer scheinen einer „Déformation professionnelle“ zu unterliegen, die es ihnen verunmöglicht, ihre Berufsrolle kritisch zu reflektieren.

Die Aufgabe der Schule ist es, billige, willige und brauchbare Arbeitskräfte und Konsumenten zu produzieren. Genau dies tut die staatliche Regelschule.

Der Kapitalismus funktioniert hervorragend mit den Massen von Arbeits- und Konsumidioten. Umso dümmer die Massen, umso stabiler die Herrschaft der herrschenden Klasse. Und die Lehrer gehören zu den lohnarbeitenden Massen.

Die Eliten werden immer weniger bzw. nur ausnahmsweise aus den Absolventen von staatlichen Gymnasien rekrutiert, sondern die Elitenbildung findet in teuren, internationalen Privatschulen statt, die sich nur Eltern aus der vermögenden Oberschicht leisten können und 90+ Prozent der Normalos nicht.

Anders als in den ersten zwei Nachkriegsjahrzehnten hat man sich in der BRD vom Ziel einer egalitären und offenen „Mittelstandgesellschaft“ verabschiedet.

So wie sich hinsichtlich Einkommen und Vermögen die gesellschaftliche Spaltung vertieft, so ist es auch bei der Bildung. Das Ziel der herrschenden Klasse und der damit verbundenen Funktionseliten ist der Erhalt dieses Systems von Klassenherrschaft für sich und ihren Nachwuchs. Die Spaltung im Bildungswesen dient diesem Zweck.

P.S.
Die gesellschaftliche Differenzierung der Gesellschaft in Schichten ist empirisch erkennbar und beschreibbar.
Hingegen verschließt sich Klassenzugehörigkeit und das damit verbundene Klassenbewusstsein einem oberflächlichen und deskriptiven Zugang. Der Begriff der Klasse bedarf der Klassentheorie, eben weil das empirische Alltagsbewusstsein den gesellschaftlichen Schein von scheinbarer Klassenlosigkeit nicht durchbrechen kann.

Während die Normalos die Existenz von Klassen und Klassenherrschaft nicht begreifen, verhält es sich bei der herrschenden Klasse umgekehrt.

Franz Bettinger
14. Oktober 2019 19:44

@alle von SiN-City: Lustig, wie viele hier den Denver-Clan nachspielen und einander in die Kniekehle pinkeln. RMH der oder dem Lotta; Lettow Vorbeck bohrt mit rhetorischen Fragen. Martini wird nie müde, Amerika zu "bashen", und Lau schwingt fröhlich die Christen-Bolschewisten-Keule. Was für Kindheits-Traumata! Maiordomus hat sich den rechten (den Schreib-) Arm auf den Rücken gebunden und übt sich seit kurzem in Kurz-Küren. Erfreulich! Die Greise der Muppet-Show (Quarz, Nie-Kitsch und Jürgen) halten das jugendliche Armdrücken mit Gelassenheit aus und sich ansonsten fein heraus. Zeitschnur outet sich als Frau. Wer hätte das gedacht? Alle! - Prima, wenn’s der Unterhaltung dient! Bitte weiter so, und nichts ernst nehmen!

Franz Bettinger
14. Oktober 2019 20:26

@imagine: wenn ich beim Überfliegen Ihrer Zeilen auf das Wort "Kapitalismus" stoße, scrolle (Verzeihung @TM) ich runter zum nächsten Kommentar. Imagine, you're fighting the battles of the last century. How boring! See, it’s just a hill, get over it!

Oder anders gesagt: Der Kapitalismus ist ein "Stuhl", eine Sache, keine Ideologie; außer vielleicht die überirdische Idee, dass Kapital Eigentum ist und auf dem Planeten Erde eine Rolle spielt und spielen sollte. Es ist aber nicht die einzige Rolle, die hiernieden ungleich vergeben wurde. Es gibt auch andere Sachen, die eine Rolle spielen. Um genau zu sein: 4! Genau vier, die Sie und die Linke kaum einebnen und gleich machen können: Gesundheit, Schönheit, Liebenswertigkeit und Interessantheit. In die Schublade Interessantheit kann jeder reinstecken, was ihm wichtig ist, also z.B: Musikalität, Witz, Klugheit, Sportlichkeit, meinetwegen sogar Religion und Reichtum. Merke: Geld, Kapital = eine von 4 Rollen!

Franz Bettinger
14. Oktober 2019 20:36

Nachtisch: Mangelt es einem auch nur an einem einzigen der erwähnten 4 Eigenschaften, die die Welt beherrschen und einen glücklich machen (können, falls man ein Talent zum Glücklich-Sein besitzt), dann ist 'man' nicht perfekt. Ja, ja, das ist eine Riesenerkenntnis! (Fast so groß wie die zwei größten: dass die Sonne ein Stern ist und der Mensch ein Tier.) Geht nicht so schnell darüber weg, Leute, denkt nach! - Traurig? Egal! Es ist die Realität! Und dieser aus dem Weg zu gehen, macht unglücklich.

Nemesis
14. Oktober 2019 22:24

Franz Bettinger
14. Oktober 2019 19:44

@alle von SiN-City: Lustig, wie viele hier den Denver-Clan nachspielen und einander in die Kniekehle pinkeln. RMH der oder dem Lotta; Lettow Vorbeck bohrt mit rhetorischen Fragen. Martini wird nie müde, Amerika zu "bashen", und Lau schwingt fröhlich die Christen-Bolschewisten-Keule...

Lol.
Wo kann ich unterschreiben?

Gracchus
15. Oktober 2019 00:05

Na ja, Thomas Martini hat ja nicht ganz unrecht, wenn man seine Wortmeldung so auffasst, dass die Massenkultur amerikanisch dominiert ist. Ich schaue mir im Zweifel aber auch lieber einen Hollywood-Film an als einen deutschen oder europäischen Film, von einzelnen Autorenfilmern abgesehen, wobei Hollywood schon bessere Tage gesehen hat. Auch der Serien-Hype kommt aus Amerika. Und auch da würde ich amerikanische Serien deutschen vorziehen - wobei mich dieser Serien-Hype inzwischen befremdet. Es wird zwar gesagt, wie komplex diese Serien seien, aber ich habe keine Serie bis zur letzten Staffel durchgehalten, und von grosser Komplexität habe ich da auch nichts gemerkt. Die Literatur war da schon "weiter", wenn man an die grossen Bewusstseinsromane des 20. Jhd. denkt. Aber das war und ist nicht massenkompatibel.

Ich lese also lieber Peter Handke als Netflix zu gucken. Ich bin Peter Handke dankbar: für einige seiner eigenen Werke und für einige Autoren, die er entdeckt hat, zum Beispiel Rene Char, Walker Percy, Hermann Lenz oder Gerhard Meier. So verschieden diese Autoren sind, so haben sie doch einen regionalen Bezug gemeinsam. Gerhard Meiers Hauptwerk dreht sich um ein Dorf, deshalb auch Amrainer Tetralogie, genannt, aber das Dorf wird ihm zum Universum, zum Mittelpunkt der Welt, und Meier - sich im Übrigen auch dezent zum Christentum bekennend - schrieb keineswegs provinziell, eher artifiziell-avantgardistisch.

Laurenz
15. Oktober 2019 04:24

@Nemesis ... der war gut :-) ... Was soll ich machen? Ich frag mich immer, ob meine christlichen Bildungs-Mitforisten tatsächlich die Bibel gelesen haben? Manchmal glaube ich das einfach nicht. Multi-Kulti, Globalismus, alle teilen alles, allen Verbrechern wird vergeben, außer Hexen, und die Aufrechten sind Pharisäer (die antiken Nazis). Und keiner hier löst den eigenen inneren Widerspruch zum national-staatlichen Patriotismus auf. Und die Ur-Christentum-Kibbuz-Anhänger glauben an die Verschwörung durch die Kirchen. Die Verschwörung basiert doch alleine darin, daß die Erfinder des Christentums die Kontrolle über dieses verloren.

Was @Thomas Martini angeht, so sollte Er Sein Kuhhirten-Bashing an die britischen Leser richten, falls es welche gibt. Denn die Briten sind schuld daran, daß Europa schwach wurde, und die USA nicht als Staat vernichtetet wurde, als es noch ging.
Und, Nemesis, wenn wir hier keine typisch deutschen Auseinandersetzungen führen würden, könnten wir uns kommentarlos in die Greta-Jugend einreihen lassen und aSPD-Mitglieder werden.
Lesen Sie doch den Erfinder der Philosophie, Thales von Milet. Hat der nicht am humorvollsten das Wesen des Denkens in sein Schicksal gefügt als er in den Brunnen fiel? Zumindest angenehmer als die Nemesis :-)

Imagine
15. Oktober 2019 09:40

Zur „Déformation professionnelle“ eines normalen Lehrers gehört, dass er den Zusammenhang zwischen Gesellschaftssystem und Schule ausblendet.

Der Beruf des Lehrers ist extrem fremdbestimmt. Im Widerspruch zu dieser Realität fantasieren LehrerInnen eine nicht existierende pädagogische Autonomie und entsprechend falsch ist deren Selbstbild. Denn in der schulischen Realität wird alles dem Lehrer vorgegeben: Lehrinhalte, Lernziele, Lehrmaterialien. Er unterliegt der dauerhaften Kontrolle der Schulaufsicht, angefangen vom Rektor über Schulrat, Schulamtsdirektor, Regierungsschuldirektor etc. bis hin zum Kultusministerium.

Freiheit der Lehre gibt es nur für Professoren, nicht für den akademischen Mittelbau an Hochschulen und schon gar nicht für den normalen Lehrer an staatlichen Schulen.

Der normale Lehrer ist ein loyaler Staatsdiener und idealisiert die jeweils herrschende gesellschaftliche Ordnung. Das war im NS-System und in der DDR so und ist auch so geblieben. Mit seinem Lehramtsstudium verfügt ein Lehrer zudem kaum über berufliche Alternativen jenseits der Institution Schule, wodurch er meist lebenslang in dieser Institution gefangen bleibt.

Zudem ist der Lehrerberuf zu einem Frauenberuf geworden. An den Grundschulen gibt es kaum noch Männer, auch an den meisten Gymnasien sind die Frauen in der Mehrzahl und ähnlich verhält es sich bei den Leitungspositionen. Und der Anteil der Frauen steigt kontinuierlich und liegt beim Lehramtsstudium bei über 70%, beim Grundschullehramt über 90 Prozent.

Der typische Lehrer ist heute profeministisch, links-grün und trotz xy-Genotyps genderistisch ein Mädchen, dem die Eigenschaften eines männlichen Mannes fehlen.

Wie seine feministischen Kolleginnen produziert auch der genotypisch männliche Lehrer weibliche Männer. Schon zu unserer Schulzeit waren die meisten Lehrer kein Modell für einen „männlichen“ Mann bzw. freien Menschen. Dazu waren sie zu konformistisch und hatten zu wenig Rückgrat und Zivilcourage.

Damals wie heute kann sich ein systemkritischer und oppositioneller Lehrer nicht an den Schulen halten. Meist wird er bereits nach der Überprüfung gar nicht eingestellt und sollte es der Fall sein, dann wird er von seinem Kollegium oder den Eltern hinausgemobbt werden.

Während meiner Schulzeit gab es einen Lehrer, der sich offen als Nazi outete. Er erzählte begeistert davon, dass er SA-Mann gewesen sei. Uns wollte er immer vor den Lügen über das Dritte Reich warnen. In den Pausen lief er mit National-Zeitung untern Arm herum.

Ein offen auftretender Ex-Nazi wurde damals akzeptiert, ein Kommunist als Lehrer war jedoch undenkbar.

Während meiner Schulzeit habe ich nie etwas von Marx oder Freud gehört, ebenso niemals den Begriff Kapitalismus.

Hauptthema war die deutsche Klassik mit Goethe und Schiller im Zentrum. Dass in Deutschland ein Kulturbruch stattgefunden hat, war kein Thema, es gab dazu nur beiläufige Anmerkungen einiger Lehrer, so z.B. der Spruch: „Früher wurden die Deutschen als Volk der Dichter und Denker angesehen, heute als Volk der Richter und Henker“.

In der Schule lebten wir ideologisch realitätsfern wie unter einer Käseglocke, so als gäbe es das humanistische Deutschland zur Zeit der Klassik noch. Umso größer war der Realitätsschock, der mit dem Mord an Benno Ohnesorg einsetzte.

In den Erziehungswissenschaften gab es nur ein kleines Zeitfenster in den 70-er Jahren, in dem der Zusammenhang zwischen Gesellschaftssystem und Schule thematisiert wurde. Da wurden Klaus Mollenhauer und Alfred Lorenzer gelesen und waren Prüfungsthema. Einige kannten auch Bücher von Hans-Jochen Gamm, wo er sich kritisch mit der Pädagogik des Nationalsozialismus befasste.

Heutige Lehrer können mit diesen Namen nichts mehr anfangen.

Grobschlosser
15. Oktober 2019 12:52

nochmal Bildungspolitik : hier : "Shell-Studie" /hier : Prof.Klaus Hurrelmann ( Ko-Autor ) , heute auf "Phoenix" gegen 11:45 Uhr : "es gibt eine steigende Akzeptanz in Ost und in West gegenüber demokratischen Strukturen ,demokratischen Gepflogenheiten - aber eine Zurückhaltung gegenüber den Parteien ; wenn wir auf die besonders aktiven jungen Leute ,die gut gebildeten ,aus guten Elternhäusern - ganz stark weiblichen , "fridays -for - future" Orientierten schauen ,ähm..dann wird das nochmal ganz besonders deutlich ; wird auch deutlich ,daß es sich um eine Bewegung handelt die nur zu erklären ist durch den hohen Bildungsgrad ..." (sic ) .

wir haben da einen gestikulierenden Hertiebildungsprofessor der ganz selbstverständlich von "guten Elternhäusern" spricht - interessant wäre zu erfahren : was er denn unter "schlechten" Elternhäuser versteht .

ob die Freitagskinder gut gebildet oder gut informiert sind mag jeder selbst entscheiden; ich habe mich mehrfach mit solchen Jugendlichen unterhalten und war einigermaßen erschüttert welche "Maßnahmen" diese Leute für "Klimaleugner" und andere "Staatsfeinde" (sic) vorgesehen haben : ( "Therapiezentren für uneinsichtige BürgerInnen und Bürger ; wir können UND werden diese Menschen mit ihrem Irrtum nicht alleine lassen" ; so die Einlassung eines "Gymnasiasten" ) .

antrainiertes Gutmenschensprech ; die bolschewistische Drohung hinter der zivilreligiösen Frömmelei .

der totalitäre Charakter der Greta-Kinder wird weder vom gez Funk , noch von der Hauptstadtpresse erkannt .

dann kommentiert die Frau Dr. F. Giffey den Kommentar des Hertieprofessors ; die Hauptstadtpresse sitzt brav aufm Stuhl und stellt einfache Fragen für einfache Gemüter - vielleicht sind es auch nur Steilvorlagen für den Leiter der "Studie" .

klar : "es gibt auch Populismus" so der Dr. Albert , man müsse die Jugendlichen "abholen" - dann Herr Ulrich Schneekloth ; "Senior Director , Kantar Division Public " erklärt : " FFF ist nicht nur pol. Interesse - es ist eine Bewegung" ahaaa.

also : die guten Kinder mit der richtigen Bildung , aus guten Häusern versammeln sich freiwillig und bilden eine Bewegung -

klar doch - es gibt weder Gruppendruck durch die Schulleitung , noch die klare Ansage jeden Abweichler zu pathologisieren .

bleibt die Frage : für welchen Schwachkopf produziert das juste milieu diese Propagandashow ?

oder ist diese show einfach nur eine "Warnung" an die bisher nicht erkannten Selbstdenker da draußen in der Republik .

erhebliche finanzielle Mittel unbekannter Herkunft , willfährige Medien und ein zum Teil bolschewistisches Schul und Hochschulsystem haben jeden kritischen Geist aus dem öffentlichen Raum verdrängt - wir Bürger müssen diese Entwicklung aufmerksam verfolgen und Fehlentwicklungen benennen .

die hirnlosen Greta-Kinder werden sich wundern welchen Platz das juste-milieu für sie in der Gesellschaft vorgesehen hat wenn es heißt : " nun ja , wir leben in einer globalisierten Chancengesellschaft - auch Kinder aus dem "richtigen" Elternhaus müssen verantwortlich mit der globalisierten Arbeitsplatzsituation umgehen " .

Stichwort : Lohnstückkosten ; Skaleneffekte .

gewiss : für die Kinder der Oberschicht wird es immer einen Job bei der Systemkirche geben - mal sehen welche Perspektiven ein Greta-Kind haben wird wenn es gegen den Wettbewerb aus Südkorea , China und Japan antraten darf .