Sonntagsheld (125) – 5 Jahre

PEGIDA feiert Geburtstag

 Gastbeitrag

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Wenn ich erzäh­le, daß mei­ne ers­te PEGI­DA-Demons­tra­ti­on für mich ein Schlüs­sel­mo­ment in mei­nem poli­ti­schen Akti­vis­mus war, so wer­de ich dafür von so man­chem belä­chelt, der ande­re, wei­ter zurück­lie­gen­de und viel­leicht auch etwas “hei­ße­re” Initia­tio­nen erfuhr. Von den Trau­er­mär­schen in Dres­den habe ich kei­nen mit­ge­macht und was das Kon­flik­t­ri­si­ko angeht, so waren mei­ne LEGI­DA-Besu­che sicher­lich um eini­ges gefähr­li­cher als der früh­weih­nacht­li­che Gang über den Striezelmarkt.

Für mich war es aber so, daß die­se PEGI­DA-Ver­an­stal­tung im dezem­ber­li­chen Dres­den mei­ne ers­te Demons­tra­ti­on über­haupt war. Also nicht mei­ne aller­ers­te Demons­tra­ti­on, aber doch die ers­te, bei der es mir wirk­lich um etwas ging. Hin­zu kam, daß ich gewis­ser­ma­ßen mit einem Auf­trag unter­wegs war: Als Jung­ak­ti­vist der damals recht frisch ent­stan­de­nen Kon­tra­kul­tur Hal­le soll­te ich das Wider­stands­po­ten­ti­al der rasch wach­sen­den Dresd­ner Abend­spa­zier­gän­ge erkunden.

Mit auf den Weg gege­ben hat­ten mir mei­ne Kame­ra­den aller­hand Gru­sel­ge­schich­ten über die Anti­fa aus der Dresd­ner Neu­stadt – Legen­den, die heu­te längst ver­ges­sen und ent­zau­bert sind. Dazu schwirr­ten mir die ver­schie­dens­ten Hin­wei­se zu Bezugs­grup­pen, Rechts­be­leh­run­gen, Inge­wahrsam­nah­me und Ver­mum­mungs­ver­bot im Kopf her­um – im nach­hin­ein viel­leicht ver­schwen­de­te Den­kres­sour­cen, die für mich aber vor allem zur Ernst­haf­tig­keit der Stim­mung beitrugen.

Ich traf mich also irgend­wann am spä­ten Nach­mit­tag mit einer Mit­fahr­ge­le­gen­heit, deren Kon­takt­da­ten Kubit­schek mir ver­mit­telt hat­te, um Rich­tung Sach­sen auf­zu­bre­chen. Daß die­ser Sym­pa­thi­sant einer unse­rer treus­ten Unter­stüt­zer in Hal­le wer­den wür­de, das weiß ich natür­lich erst jetzt, fünf Jah­re spä­ter. Auf dem Rück­weg san­gen wir zwei­stim­mi­ge Lands­knechts­lie­der – seit­dem eine Tra­di­ti­on, die wir erst kürz­lich, näm­lich am ver­gan­ge­nen Frei­tag in unse­rer Bar, wie­der pflegten.

Nach­dem wir in Dres­den ange­kom­men waren und noch rasch einen Zwi­schen­stopp beim Glüh­wein­stand gemacht hat­ten, bra­chen wir zur Kund­ge­bung auf; es dau­er­te tat­säch­lich eine Wei­le, bis wir bemerk­ten, daß eigent­lich alle Men­schen um uns her­um in die­sel­be Rich­tung gin­gen – wir hat­ten uns offen­sicht­lich mit­ten unter den Teil­neh­mern befun­den, ohne es zu merken.

Von der eigent­li­chen Ver­an­stal­tung weiß ich ehr­lich gesagt gar nicht mehr soviel. Die Rede­bei­trä­ge zogen an mir vor­über – all­zu­viel ver­stand ich ohne­hin nicht, weil stän­dig Sprech­chö­re von einer Ecke des Plat­zes zur ande­ren bran­de­ten. Wor­an ich mich erin­ne­re, das sind die unzäh­li­gen, wirk­lich, unzäh­li­gen Men­schen, die um mich her­um­stan­den, und zum Abschluß Weih­nachts­lie­der san­gen. Die schie­re Mas­se – es dürf­ten um die 18.000 an die­sem Tag gewe­sen sein, sorg­te schon dafür, daß ich von der Gegen­de­mons­tra­ti­on nicht mehr mit­be­kam als ein fer­nes Rau­schen im Hintergrund.

Wir haben an die­sem Abend alle gestaunt, auch die alten Hasen, die ich inmit­ten der Demons­tran­ten traf. Selbst der abge­brüh­tes­te konn­te sich nicht gegen die Hoff­nung weh­ren, die unmiß­ver­ständ­lich in der Luft lag und die jeder ein­zel­ne an die­sem kal­ten Abend mit nach Hau­se nahm.

Ich war nach dem die­sem ers­ten Mal noch häu­fi­ger in Dres­den. Mal in einem iden­ti­tä­ren Block mit eige­nem Front­trans­pa­rent, mal zum Fly­er ver­tei­len und ein­mal sogar als Red­ner auf der Büh­ne. Ich den­ke auch, daß die­se gan­zen Besu­che ein Stück weit mit mei­nen Gedan­ken an jene ers­te Demons­tra­ti­on im Dezem­ber zusam­men­ge­flos­sen sind, so daß sich die­se Erin­ne­rung zugu­ter­letzt über 5 Jah­re erstreckt.

5 Jah­re PEGIDA gegen alle Wider­stän­de – das sind auch 5 Jah­re Hart­nä­ckig­keit gegen alle Tot­sa­gun­gen, Distan­zie­run­gen und Schock­erschlag­zei­len. Nach die­ser Zeit ist PEGIDA viel­leicht kein revo­lu­tio­nä­res Demons­tra­ti­ons­bünd­nis mehr, wie man sich das zu Beginn der Ein­wan­de­rungs­kri­se noch gedacht hat, aber aus die­ser revo­lu­tio­nä­ren Kraft ist doch etwas ande­res gewach­sen: Mit einer vier­stel­li­gen Zahl an Teil­neh­mern in regel­mä­ßi­gen Abstän­den ist PEGIDA wahr­schein­lich der größ­te wider­stän­di­ge Stamm­tisch der Welt. Und das mei­ne ich im best­mög­li­chen Sin­ne. Ich gra­tu­lie­re von Herzen.

 Gastbeitrag

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Kommentare (6)

Padberg

21. Oktober 2019 12:05

5 Jahre Wiederstand! Eine Erfolgsgeschichte!

Entschuldigung, aber wirklich relevant:

https://www.reuters.com/article/us-germany-merkel-immigration/merkel-says-german-multiculturalism-has-failed-idUSTRE69F1K320101016

Lotta Vorbeck

21. Oktober 2019 12:09

Egal, was man sonst von ihm halten mag: Wenn Lutz Bachmann eines hat, dann ist es eisernes Stehvermögen!

Ratwolf

21. Oktober 2019 14:30

PEGIDA hat eine riesige Ausstrahlung auch ins Ausland bewirkt

Franz Bettinger

21. Oktober 2019 15:28

Vorsicht Satire! (verfranzelt nach Michael Winkler)
"Sie verschwinden!"
"Ja. Ist das nicht Klasse? Das ganze Pack verschwindet!“ Ein Traum schien wahr zu werden. Die Tagesschau hatte berichtet, dass sich bei der PEGIDA-Demo ein Drittel der Teilnehmer in Luft aufgelöst hatte.
"Bist blöd?", fauchte Charlene. „Wenn die Nazi-Schweine einfach verschwinden, wer braucht dann noch die Antifa?"
"Die Drecks-Rechten haben doch Ersparnisse, Wohnungen, Autos. Das fällt nun doch alles an uns." Charlene schüttelte den Kopf:
"Die Wohnungen kriegen zuerst die neuen Goldstücke. Für uns bleibt da nichts über." Hein wunderte sich:
"Haben wir das nicht immer gefordert? Wohnungen für Ausländer?"
"Solange da Nazi-Schweine gewohnt haben, war das in Ordnung", sagte Charlene. „Mist, was machen wir jetzt?"
"Die Merkel lässt uns schon nicht fallen“, meinte Hein. "Die braucht uns noch!"
"Kannst ja arbeiten gehen“, empfahl Charlene. "Die Nazi-Deppen, die bisher den Laden am Laufen hielten, sind weg. Da brauchen die jeden."
"Arbeiten? Wir?" Hein war fassungslos.
"Darauf läuft's raus", knurrte Charlene. "Die Nazis nennen uns ja nicht umsonst Zecken."
"Diese Drecksäcke“, ärgerte sich Hein, der langsam begriff. "Hauen einfach ab und lassen uns in der Scheiße sitzen!"

ALD

23. Oktober 2019 20:37

Von Woche zu Woche
Sie zogen durch das Land
Um es zu bewahren
Vor fremder Übernahm'

Mit Stolz und mit Haltung
Sie Wahres trugen vor
Und ließen im ganzen Land
bald steigen ein Licht empor

Dem Hohn und der Hetze
Sie tapfer hielten stand
und trotzten dem ehrlosen Spott
Mit sächsischer Willenskraft

Im Glanze der Heimat
Umgeben von alter Pracht
Ein Held aus dem Freistaat
Führte sie wohl bedacht

Pegida Pegida
Du bist das Flaggschiff des Widerstands
Mit Mut und Kraft und Beständigkeit
Für des Deutschen Volkes Freiheit
Mit Herz und Hand und Zusammenhalt
Für des Deutschen Volkes selbst Erhalt

...wieviel hätte ich gegeben, daß diese Worte mehr als nur ein Lied gewesen wären...

Pegida ist tot. Es lebe der Stammtisch.

Atz

25. Oktober 2019 11:44

Was wurde gehetzt von den Medien. Selbst mit Ausschwitzvergleichen. Es hat nichts genützt.

Die Islamisierung fällt wohl aus. Weiterhin ist die Hegemonie und Ideologie über uns eine angelsächsiche. Aber Pegida ist ein Stachel um die Wende zu vollenden.

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