4. November 2019

Sonntagsheld (126) – Wenig zu lachen…

Till-Lucas Wessels / 5 Kommentare

...hat derzeit Uwe Steimle. Oder?

Till-Lucas Wessels

Till-Lucas Wessels studiert und ist identitärer Aktivist sowie »Minenhund für zukünftig Zumutbares«.

Uwe Steimle gilt als beliebtester Kabarettist Mitteldeutschlands. Zumindest, wenn man den Einschaltquoten Glauben schenken darf. Für den Mitteldeutschen Rundfunk wird das in regelmäßigen Abständen zum Problem, zeichnet doch der „Seismograph seiner Zeit“ (da gab es doch noch jemanden...) in seiner Sendung „Steimles Welt“ ein herzliches und ehrliches Bild des betreffenden Sendegebietes, das mit dem Aufklärungs- und Erziehungsanspruch der Öffentlich-Rechtlichen anscheinend nicht so recht vereinbar ist.

Für Unruhe sorgen immer mal wieder und auch in den vergangenen Tagen: Dieses Interview in der Jungen Freiheit und ein „Niggi“ (T-Shirt) mit der Aufschrift „Kraft durch Freunde“, das der Sachse entworfen hat. „Öde!“ will man da rufen, „Langweilig!“ und „Hatten wir schon!“ - die Aufreger waren wirklich schonmal größer und doch reichen diese aufgewärmten Kamellen, um den MDR zu einer „inhaltlichen Neuaufstellung des Bereichs Kabarett und Satire“ zu bewegen.

Entscheidungszeit also beim Bezahlfernsehen, und das bedeutet in Deutschland auch: Keine Zwischentöne mehr zulassen, taub werden für Ambivalenzen und Vielschichtigkeit. Durch diese Polarisierung rutscht Steimle, der sich nach Eigenaussage als Linker eigentlich eher bei Sahra Wagenknecht wohlfühlt, allmählich in eine Position, in der sich vor ihm schon viele andere wiederfanden: In die rechte Ecke.

Der Begriff der rechten Ecke ist zweifelsohne eine aufschlussreiche Feindvokabel. In der rechten Ecke, da hat der ungezogene Schüler zu stehen und sich zu schämen. Er steht da ohne Ausweg und hat so lange wie ein Idiot an die Wand zu starren, bis er durch fleißiges Rezitieren seines Antifa-ABCs nach einem Gnadenakt des gütigen Lehrers wieder in die Klassengemeinschaft zurückkehren darf.

Ich weiß gar nicht, ob es das heute in der Schule wirklich noch gibt - in-der-Ecke-Stehen, Nachsitzen, Strafarbeiten und das alles; ich erinnere mich jedenfalls noch gut an solche Disziplinarmaßnahmen. Woran ich mich aber auch erinnere, das ist das plötzliche Gefühl der Solidarität mit jedem, der das eigene Schicksal teilte.

Wurden etwa zwei Streithähne wegen einer Rauferei zum gemeinsamen Abschreiben der Schulordnung verdonnert, so war klar, dass sich die beiden sogleich gegen die Lehrkraft verbündeten und die veranschlagte Dreiviertelstunde im leerstehenden Klassenzimmer sicher mit allem möglichen Schabernack verbrachten, nur nicht mit der ihnen auferlegten Strafe. In solchen Fällen konnte noch der verhassteste Konkurrent aus der Parallelklasse, den man vielleicht im Arrest auf dem Gang traf, zum Intimus werden, wenn es nur darum ging, einander der Ungerechtigkeit der Strafmaßnahme und der eigenen Unschuld zu versichern.

Wie ist das also, wenn da einer in der rechten Ecke steht, und dann kommt plötzlich ein zweiter dazu und dann noch einer und dann wenig später ein Vierter? Wie ist das, wenn irgendwann ein Viertel, ein Drittel, oder in Görlitz die Hälfte der Klasse in dieser Ecke steht und gemeinsam Richtung Wand guckt? Was passiert, wenn mal einer den Blick zur Seite wagt und seine Nebenmänner anschaut und: Wann steht der erste im Klassenraum auf und stellt sich freiwillig dazu?

Sicher, der eine oder andere wird dabei sein, der immer wieder mit flehendem Blick zum Lehrer schleicht und mit Verweis auf sein hygienisch sauber geführtes Hausaufgabenheftchen darum bittet, endlich wieder an seinem Pult Platz nehmen zu dürfen. Er wird nicht verstehen, weshalb er zu den bösen Jungs in die Ecke geschickt wird, deren wilde Spiele in der Großen Pause ihm zu rau und zu ernst sind, wie er doch stets versicherte. Bringen wird ihm das nichts außer ein paar zünftigen Remplern und einem einsamen Einzelplatz am Rande der versammelten Geächteten.

Wir wissen: Inzwischen steht mehr als nur eine gute Handvoll in der Ecke. Manch einer hadert noch mit seinem Schicksal, manch einer mustert stoisch die Tapete, andere hingegen werden allmählich unruhig. Sie fangen an die Köpfe zusammenzustecken und mit verschwörerischem Blick nach dem Lehrer zu blinzeln; und ihr Flüstern wird lauter.



Till-Lucas Wessels

Till-Lucas Wessels studiert und ist identitärer Aktivist sowie »Minenhund für zukünftig Zumutbares«.


Kommentare (5)

Ein gebuertiger Hesse
4. November 2019 07:48

"... und ihr Flüstern wird lauter". Ein schönes, wogendes Verheißungsbild zum Wochenanfang - danke dafür!

Laurenz
4. November 2019 14:44

Bald steht das gesamte Volk in der Ecke. Die Profiteure aus Politbüro und Zentralkomitee werden vom virtuellen Wandlitz aus die Schergen steuern, welche die Ecke überwachen. Reichsführer der Stasi-Gestapo ist heute schon Frau Kahane.

Tante Blecki
4. November 2019 18:06

Ich war dreimal links abgebogen und plötzlich rechts unterwegs. Inzwischen fühle ich mich rechts sehr wohl. In der rechten Ecke ist es nicht so tot und dumpf wie in der linken. Man bekommt zwar laufend Aluhüte geschenkt, muss sie aber ja nicht aufsetzen. Und die neue Brille hat meinen Blick geschärft. Sehr guter Artikel, Herr Wessels!!

Nordlicht
4. November 2019 21:09

Richtig links war ich nie, aber gut sozialdemokratisch (- Brandt und Schmidt).
Und dann auch für Natur- und Umweltschutz, was mich mit der Zweitstimme die Grünen wählen liess.

Und nun, mehr aus Notwehr denn als Übereinstimmung: AfD.

(Erzähle aber niemandem.)

Ratwolf
4. November 2019 23:55

Während die Neue Rechte eher konstant bleibt und unbeirrt weiter mach, wird die alte Linke (ARD, faz/taz bis Zeit) immer wilder und steigert sich in immer neue, extremere Phantasien hinein, welche sich orgiastisch in Ausbrüchen entladen.

Vielleicht sollte man Wilhelm Reich noch mal hervorholen, um die derzeitige Massenpsychologie des (linken) Faschismus in den Medien und in den Köpfen besser zu verstehen.

Vielleicht haben ja auch Pappi oder Mami noch ein Exemplar im Schrank.

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