13. November 2019

Kapitalistische Willkommenspolitik

Martin Sellner / 75 Kommentare

Dr. Markus Krall hielt unlängst beim Hayek Club in Hannover einen Vortrag über sein neues Buch: „Der Weg aus der Knechtschaft“.

Martin Sellner

Martin Sellner ist Kopf der österreichischen Identitären Bewegung.

Der Titel ist eine Anspielung auf Hayeks berühmtes Buch „Der Weg in die Knechtschaft“. Kralls Tätigkeit wird auch in konservativen Kreisen stark rezipiert. Krall gibt „Tichys Einblick“ regelmäßig Interviews und gehört zu einer libertär-patriotischen Gegenöffentlichkeit, die von Seiten wie „eigentümlich frei“ über „hartgeld“ und Thorsten Schulte bis David Berger reicht.

In jüngerer Zeit wurden heftige bis bösartig ideologische (eigentümlich frei) und persönliche (Berger) Attacken aus dem libertär-patriotischen Bereich gegen das nationalkonservative Lager geritten. Insbesondere auf YouTube verfaßte ein liberaler Autor und Philosoph, Gunnar Kaiser, eine ganze Reihe an kritischen Videos gegen die Identitäre Bewegung.

Die grundlegende Aussage der anti-identitären Kritik der Liberalen ist, daß das neurechte, nationalkonservative Lager den „Weg in die Knechtschaft“ vorbereite. Sie würden über eine oberflächliche und berechtigte Kritik der Migration und der herrschenden linken Ideologie im Geheimen eine eigene ideologische Übernahme vorbereiten. Das bestehende Unmutspotential und ihre Anhänger würden von ihnen damit an der Nase herumgeführt, denn im Grunde seien sie als „nationale Sozialisten“, dasselbe wie ihre Gegner.

Ich will in diesem Beitrag auf die Frage eingehen, ob etwas an dieser Kritik stimmt. Vor allem aber will ich eine Gegenfrage stellen: Sind es nicht eigentlich die Liberalen, welche sich selbst und ihre zahlreichen patriotischen Anhänger täuschen, indem sie einem Patriotismus und einer Migrationskritik das Wort reden, die sie aus ihrer eigenen Ideologie kaum begründen können?

Der Vorwurf, Nationalkonservative und Traditionalisten wären automatisch „Nationale Sozialisten“, ist lächerlich. Der Sozialismus und Marxismus stammen aus einer ideologischen Grundhaltung, die mit dem Liberalismus und sogar dem Islamismus mehr gemeinsam hat als mit dem Konservativismus.

Konservative sind Kritiker der Moderne und der Aufklärung. Liberale und Sozialisten sind Kinder der Aufklärung. Konservative kritisieren das moderne technizistische Weltbild, die moralische Dominanz des Hedonismus und Utilitarismus. Liberale und Sozialisten gehen völlig in diesem Weltbild auf und streiten sich nur darum, wer dem „pursuit of happiness“ besser dienen kann.

Sozialismus und Liberalismus tragen den Binnenkonflikt eines Metanarrativs aus. Grundbausteine ihrer Ideologie (Egalitarismus, linearer konvergenter Menschheitsfortschritt, Ökonomismus, Individualismus und Universalismus) ähneln sich daher stark. Den Staat als Wesenszug des Sozialismus und des Nationalsozialismus zu beschreiben und beide als „Vertreter des Etatismus“ zu brandmarken, ist eine ungeschichtliche, ideengeschichtliche Bankrotterklärung.

Der NS als „reactionary modernism“ (Jeffrey Herf) ist ein Zwitterwesen, das weder rein „sozialistisch“ noch „nationalistisch“ war. Der NS ist im Grunde eine moderne Religion.

Die Staatsfaschismuskritik des Libertären muß zudem, wie es Popper ehrlicherweise tut, bei Plato beginnen und darf weder Karl den Großen noch Cicero außen vorlassen, wenn sie ernsthaft sein will. Tatsächlich ist die einzig sinnvolle, philosophische Unterscheidung die zwischen modernistischen Ideologien – die Weltbild und Ontologie der Aufklärung gemein haben – sowie der Moderne kritisch gegenüberstehende Strömungen.

Differenzen im Lager der Fortschrittsapostel entstehen in der Frage, wer tragendes Subjekt und was leitendes Prinzip dieser neuen Ära sein soll. Das marxistische Projekt des totalitären Plans und des rationalen Weltstaats ist im direkten Konkurrenzkampf mit dem liberalen Projekt des laissez-faire gescheitert. Marx' Prognosen, wonach ein gesamtgesellschaftlicher Plan mehr Wohlstand schaffen und dem anarchisch-mythischen Prinzip der Marktwirtschaft überlegen sei, haben sich als falsch erwiesen.

Doch in einem Punkt waren und sind sich Liberale und Sozialisten, sind sich Marx und Hayek einig: Nationale Identitäten und Nationalstaaten sind Wegwerfobjekte der Vergangenheit, „Völkerabfall“ (Engels) der Geschichte. Daß der Marxismus die Nation als eine primär ökonomische Gemeinschaft und Produkt der Klassengeschichte sieht, die in der klassenlosen Weltrepublik keine Relevanz mehr habe und allenfalls auf dem Weg dorthin befreiungsnationalistisch instrumentalisiert werden kann, ist allgemein bekannt.

Weniger bekannt ist, was die liberalen Vordenker von Nation und Nationalstaat halten. Friedrich Hayek schreibt in seinem Buch „Der Weg in die Knechtschaft“ folgendes:

„Die Gefahren, die sich aus der künstlich herbeigeführten Wirtschaftssolidarität sämtlicher Bewohner jedes einzelnen Landes (…) für den Frieden ergeben, liegen zwar weniger offen zutage, sind aber nichtsdestoweniger mit Händen zu greifen. Es ist weder notwendig noch wünschenswert, daß die Staatsgrenzen mit großen Unterschieden im Lebensstandard zusammenfallen, daß die Zugehörigkeit zu einer Nation das Anrecht auf einen Anteil an einem Kuchen geben sollte, der von dem der Angehörigen anderer Nationen völlig verschieden ist.“

- Weg in die Knechtschaft, S.200, Friedrich A. Hayek, 2014, Lau-Verlag München

Was Hayek uns hier liefert, ist nichts anderes als eine liberale Rechtfertigung des Bevölkerungsaustausch und der globalen Mobilmachung. Schon 1917 hatte er in einer Schrift eine „Entnationalisierung“ des Geldes gefordert. Nationen und Völker sind für ihn letztlich Hindernisse in einem Prozeß der globalen Produktivitätssteigerung.

Die internationale Mobilität von Arbeitskräften und das berühmte „Abstimmen mit den Füßen“ seien notwendige Grundlagen der Freiheit und des Fortschritts. Diese Ansicht hat sich heute an allen Universitäten durchgesetzt und ist eine Art Credo geworden. Die Autoren Thomas Straubhaar (Dozent der Friedrich-Naumann-Stiftung) und Achim Wolter (Unternehmensberater) nennen Arbeit einen „mobilen Produktionsfaktor“ und schreiben „zur Überwindung regionaler und sektorieller Arbeitsmarktungleichgewichte wird es heute immer dringlicher, nationale Arbeitsmärkte zu öffnen.“

Was bedeutet das? In der liberalen Weltsicht, in der die unsichtbare Hand des Marktes durch Konkurrenz und Konkurs, Angebot und Nachfrage, Innovationsdruck und freiem Wettbewerb den Aufstieg der Menschheit bewirken soll, sind Nationalstaaten Hindernisse. Im globalen Wettbewerb der Standorte, müssen die „Kunden“, also die Staatsbürger, das absolute und ungehinderte Recht haben zu migrieren.

Genau wie schlechte Unternehmen sollen so schlecht geführte Staaten eben „pleite gehen“, also ihre Einwohner verlieren. Genau das geschah in Osteuropa. Bulgarien hat bis 2017 41,5 % seiner 20 bis 45-Jährigen, Lettland 38 %, Rumänien 28 %, Litauen 24 % und Polen 17 % verloren. Die Lösung dafür haben die Wirtschaftsexperten vom Internationalen Währungsfonds auch parat. Auf sein Anraten hin importierte Rumänien billige Näherinnen aus den Philippinen. 

Das muß aus Sicht mancher Liberaler so sein, denn jeder Versuch der Migrationsbeschränkung, also von Grenzpolitik zur Erhaltung einer künstlichen „Wirtschaftssolidargemeinschaft“ wäre Sozialismus, ergo Knechtschaft, ergo Gulag oder KZ.

Der ständige und freie Fluß von Migranten sei notwendig und gut zum Abbau unfairer Staatsbürgervorteile des Deutschen LKW-Fahrers gegenüber dem aus Rumänien. Seine „Leibrente“, also der höhere Lohn bei gleicher Arbeit, sei unbegründet und Ausdruck einer voraufklärerischen Idee nationaler Gemeinschaft. Diese Schutzgemeinschaft sei nicht nur unfair, sondern hemme den Fortschritt! Er muß und soll sich nach Hayek der global immigrierenden Konkurrenz stellen.

Ersetzungsmigration in den Westen sei, wie Neokonservative nimmermüde betonen, Ausdruck der Überlegenheit unserer Gesellschaft und solle uns zum Stolz gereichen. Sie diene langfristig unserem BIP, da wir uns beim Import von Fachkräften deren Ausbildungskosten und beim Import von demographischen Füllmaterial eine Reform unserer Familienpolitik ersparen. Wichtig sei nur, daß alles „legal und geordnet“ geschehe.

Der Bevölkerungsaustausch wird also als Nebeneffekt in Kauf genommen. Daß durch die Massenmigration ein geteilter Arbeitsmarkt entsteht, der soziale Mindeststandards unterminiert, und die Gesellschaft ethnisch unterschichtet, stellt Hannes Hofbauer in seinem Buch „Kritik der Migration" dar.

Der Wirtschaft, sofern sie bereits nach Hayek Diktum „entnationalisiert“ ist, kann das egal sein, da sie ihre Produktionsstandorte nach Belieben verlagern und Arbeiter über einen „Lohnsog“ anziehen und im Stich lassen kann. Das alles diene auf lange Sicht einer globalen Steigerung und Angleichung des Wohlstands, sei also sowohl sozial als auch wirtschaftlich zu bevorzugen.

Zu diesem Urteil kommt auch Paul Bou-Habib im „Journal for Political Philosophy“, im März 2019. In einem Essay mit dem Titel „The case for Replacement Migration“ kommt er zum Schluß, daß die Ersetzungsmigration in den Westen wirtschaftlich und moralisch besser sei als „pronatalistische Politik“. Am Ende soll der so mobilisierte Produktionsfaktor Arbeit wie das flüchtige Kapital auf der Suche nach besseren Investitionsmöglichkeiten um den Globus jagen bzw. gejagt werden. Das ist die Essenz des liberalen Denkens, das ungeschichtlich und monokausal den Staat als Ausdruck des Schlechten ablehnt.

Selbstverständlich existieren dazu einige abgemilderte Formen wie der Ordoliberalismus, auf den ich hier jedoch aus Platzgründen nicht eingehen kann.

Tatsächlich sind im strikt liberalen Weltbild Staats- und Identitätspolitik, sowie der Schutz von Grenzen zum Erhalt der inne liegenden Gemeinschaft nicht legitim. Es sind in ihren Augen Eingriffe in den privaten Rechtsbereich des Einzelnen. Damit sei jede Politik, die wie etwa in Japan oder Israel in das globale Wirtschaftstreiben eingreift, um die nationale Identität zu schützen, zwangsläufig Ausdrücke unaufgeklärter Mythomanie, Hindernisse des freien Fortschrittes und letztlich Akte der Gewalt und Unterdrückung.

Hayek sieht darin das konservative „Mißtrauen gegen das Neue und Fremde, (…) seine Feindseligkeit gegen den Internationalismus und seine Neigung zu einem betonten Nationalismus (...)“. Hierin macht er „eine weitere Ursache seiner Schwäche im Kampf der Ideen" aus.

Diese Schwäche ist insofern gegeben, als die Ideologie des Fortschritts, der Globalisierung und der Entwurzelung heute stark und geschichtsmächtig sind. Das macht sie aber nicht wahr oder gut. Erstaunlich ist, wie mit einem solchen Gedankengut im geistigen Gepäck ausgerechnet Liberale den Nationalkonservativen vorwerfen, sie würden ihre ideologischen Grundlagen hinter Migrationskritik verbergen. Tatsächlich ist es ihre Ideologie, die – ernst genommen – den Bevölkerungsaustausch, den Abbau aller Grenzen und die totale Mobilmachung des Menschen in einem Weltmarkt fordert.


Martin Sellner

Martin Sellner ist Kopf der österreichischen Identitären Bewegung.


Kommentare (75)

MARCEL
13. November 2019 08:58

Notwendige Klarstellung, danke!
Es gibt auch einen zynischen Liberalismus, dessen Schnittmenge zur anderen Seite größer ist (man kann eben statt kämpfen auch Geschäfte machen - wen interessiert da schon sowas wie "Ehre im Leib"?)
Schumpeter brachte das Dilemma einer reinen Marktwirtschaft so auf den Punkt: Sie zerstöre fortwährend ihre eigenen Voraussetzungen.
Letzlich frönt auch sie einem Primat der "Grenzenlosigkeit" inmitten einer Welt/ eines Lebens voller Grenzen.
Und dennoch sollte wir uns davor hüten, einen "Mikro-Bürgerkrieg" in der Mosaikrechten zuzulassen! Wäre ein Fest für unsere Feinde (die anderen sind Gegner, aber keine Feinde).

Lotta Vorbeck
13. November 2019 09:17

Die vom (privat in einer binationalen Familie lebenden) Herrn Dr. Markus Krall als dringend geboten

+ geforderte Senkung der enormen Staatsquote

+ Kralls Vorstellungen zur Gesundung des Bildungssystems

+ seine Ausführungen zur strikten Begrenzung der im Umlauf befindlichen Geldmenge, Währung und Gold

+ sowie Kralls Ansicht in Sachen Waffenrecht

klingen durchaus bedenkenswert und diskussionswürdig.

Hier geht's zum vom Martin Sellner erwähnten Vortrag:

Dr. Markus Krall: "Der Weg aus der Knechtschaft"

https://youtu.be/ZtUGCJZsMgY

am 01.11.2019 veröffentlicht

Dr. Markus Krall referierte als Gast des Hayek Club Hannover am 22. Oktober 2019

über sein geplantes Buchprojekt (Die bürgerliche Revolution) und wählte den Arbeitstitel ‚Der Weg aus der Knechtschaft‘ in Anlehnung an ein Werk Friedrich August von Hayeks.

Seine Bestandsaufnahme über den besorgniserregenden Zustand Deutschlands und Europas läßt nicht viel Spielraum für positive Zukunftsaspekte.

Markus Krall schlug in seinem Referat einen Bogen vom vor dem Kollaps stehenden Bankensystem, über eine überbordende Bürokratie mit ausuferndem Regulierungswahn in allen Lebensbereichen, zu der verheerenden Energiewende und zum Ökosozialismus, der Demontage der Automobilindustrie und dem reformbedürftigen Gesundheits- und Rentensystem.

Der vorherrschenden Programmatik des Kuturmarxismus mit der Zerstörung der Säulen der liberalen Demokratie wie Ehe und Familie, Eigentum, Rechte des Individuums, Religion und Kunst, Kultur und Musik muß die bürgerliche Revolution die Prinzipien der Freiheit entgegensetzen, verbunden mit konkreten Maßnahmen nach dem zu erwartenden wirtschaftlichen Kollaps und dem Niedergang der Parteiendemokratie.

Stichworte wie Deregulierung, Verringerung der Staatsquote, Privatisierung aller Nichtkernaufgaben des Staates, Reform des Steuersystems, sowie des Gesundheits- und Rentensystems, Rückkehr zur Vertragsfreiheit in allen Bereichen und Rückgewinnung des Gewaltmonopols in die Hände des Staates, markieren die neue Ordnung der Freiheit.

Markus Krall sieht in der kommenden schweren Wirtschafts- und Gesellschaftskrise aber nicht nur einen Umbruch , sondern auch eine Chance für eine grundlegende Reinigung und den Neuaufbau im Sinne einer freiheitlichen, liberalen Ordnung.

quarz
13. November 2019 09:50

"Die internationale Mobilität von Arbeitskräften und das berühmte „Abstimmen mit den Füßen“ seien notwendige Grundlagen der Freiheit und des Fortschritts. Diese Ansicht hat sich heute an allen Universitäten durchgesetzt und ist eine Art Credo geworden."

Dieses Credo bildet freilich den einen Pol eines dramatischen Spannungsbogens kognitiver Dissonanz. Den Gegenpol verkörpert der immer größer werdende Berg von Evidenz für die vielfältige Schädlichkeit der Multikulturalisierung, die an ebendiesen Universitäten zutage gefördert wurde fortlaufend wird.

Solche Erkenntnisse werden aber durch einen dreifachen Schutzwall vom Bewusstsein einer breiten Öffentlichkeit ferngehalten. Erstens ist die erwiesenermaßen stark multikultiaffine Forschercommunity selbst todunglücklich über die von ihnen gewonnenen Erkenntnisse und vermeidet nicht nur, sie an die große Glocke zu hängen, sondern bemüht sich nach Kräften (aber bisher ziemlich erfolglos), sie durch weitere Forschung zu relativieren und zu entkräften. Exemplarisch-legendär das Verhalten von Robert Putnam, der seine einschlägigen Forschungsergebnisse jahrelang von der Publikation zurückhielt, weil er hoffte, sie revidieren zu können.

Die zweite Hürde bildet die ideologisch nicht weniger einseitig voreingenommene Zunft der Mainstreamjournalisten. Sonst jederzeit bereit, jeden noch so aberwitzig dürftigen Strohhalm zu packen, der ihnen geeignet scheint, um die eigene Ideologie dem Publikum mit dem Siegel der Wissenschaft aufs Auge zu drücken, üben sie sich hier trotz der geradezu erdrückenden, aber eben unerwünschten Evidenz in Generalschweigen und tragen ihren Teil dazu bei, dass nichts von den Erkenntnissen an die Öffentlichkeit dringt.

Und zum Dritten natürlich die Politiker. Diejenigen, die an der Macht sind, haben naturgemäß kein Interesse daran, etwas zu thematisieren, das ein paradigmatisches Fundament ihres politischen Tuns radikal untergräbt. Aber auch die Opposition, die der Multikulturalisierung des Landes ablehnend gegenübersteht, macht bedauerlicherweise erstaunlich wenig Gebrauch von der argumentativen Schützenhilfe, die auf dem Tisch der Wissenschaft bereitliegt.

Imagine
13. November 2019 10:17

@M.S.
„Marx' Prognosen, wonach ein gesamtgesellschaftlicher Plan mehr Wohlstand schaffen und dem anarchisch-mythischen Prinzip der Marktwirtschaft überlegen sei, haben sich als falsch erwiesen.“

Sieht man an China. Oder?
Träumen Sie weiter, Herr Sellner!

Gustav Grambauer
13. November 2019 10:54

Die Liberalen hatten die Verstiegenheit, von Rußland und Osteuropa ausgehend die ganze Welt in einem riesigen, brutalen Laborrattenversuch einer, wie sie es selbst es nannten, "Schocktherapie" "zur Heilung vom Sozialismus" zu unterwerfen. Das ist genau von diesen Ländern ausgehend gehörig nach hinten losgegangen und schlägt jetzt mit voller Wucht auf die Liberalen und ihre Ideologie selbst zurück. Es macht sehr gut kenntlich, daß die liberale Propaganda von "Ideologiefreiheit" reine Heuchelei ist, was ist der Hayek-Club anderes als eine Ansammlung von Hardcore-Ideologen und deren Durchstellern. Auch wenn sie gegen "Volkspädagogik" geifern ist dies die reine Heuchelei, denn sie selbst maßen sich sogar an, nicht nur die größen Erwachsenenpädagogen ("Erziehung zur Selbstverantwortung") sondern sogar die Psychiater der Völker

https://de.wikipedia.org/wiki/Bekenntnisse_eines_Economic_Hit_Man

zu sein. Ungeheuerlich in der immananten Pathologie! Wir sind jetzt in einer Phase, in der die Welt nur noch auf einen Vorstoß zu einer neuen Konferenz im Range von Jalta wartet, auf der das Ende des Liberalismus und die neue, längst wirksame Doktrin auch formell verkündet werden. Wer dabei ist, ist dabei, wer nicht dabei ist, ist nicht dabei.

Ein Wort zur liberalen Szene in Deutschland, die ein weltweiter Sonderfall ist:

Diese weigert sich nach dem Motto "Wasch mich, aber mach mich nicht naß", die Verschmolzenheit

- der von dem - Erzliberalen - Popper inspirierten Open-Society-Ideologie,

- dem Libertarismus in der Wirtschaft (bis hin zu: "freie Ströme von Personen und Kapital") und

- der kulturpolitischen Libertinage

zu begreifen. Z. B. in Rußland werden diese drei Aspekte von den einfachsten Leuten vonvornherein als untrennbare Einheit gesehen, und wer Ende der 90er Jahre das Wort "liberal", egal in welchem Aspekt, nur ausgesprochen hat, der mußte zusehen, daß er ohne Prügel zu beziehen durch den Hinterausgang aus dem Saal fliehen konnte. Hingegen das von Akademikern geprägte deutsche liberale (libertäre) Milieu ist hoffnungslos in den Selbstwiderspruch verstrickt, ungehorsam gegen seine eigenen Vordenker zu sein. Wären die deutschen Liberalen (Libertären) konsequent, müßten sie nicht nur jeden "Bürgerrechtler" zum Helden hochstilisieren sondern auch jedwede Farbenrevolution beklatschen (wobei für die Überführung der BRD in die DDR 2.0 nur noch kein Change Designer eine Farbenbezeichnung verordnet hat). Man kann dem Spezialfall der deutschen Liberalen (Lenins "Bahnsteigkarten"-Dictum?!) also anrechnen, daß sie den Maidan damals nicht beklatscht haben (anders als ihre britischen und sonstigen Brüder), somit haben sie sich auch nicht dem Vorwurf ausgesetzt, überall in der Welt nur nicht vor dem eigenen Reihenhäuschen Farbenrevolutionen zu fördern.

Aber die tiefenideologishe Inkonsequenz und damit konzeptionelle Inkonsistenz bleiben als Vorwurf: ihr deutschen Liberalen, begreift es endlich, Soros ist euer Bruder!

- G. G.

Der_Juergen
13. November 2019 11:56

Ich begreife nicht, warum manche Konservative (in dem hier gebräuchlichen Sinne dieses Wortes) immer noch von Hayek schwärmen. Wie Sellner sauber nachweist, ist dessen Ideologie antinational, und eine Migrationskritik, die sich auf ihn beruft, ist ihrer Natur nach widersprüchlich.

Wenn wir den Unterschied zwischen "rechts" und "links" so erklären, dass der Rechte die Welt so sieht, wie sie ist, und der Linke so, wie sie seinen Theorien zufolge sein müsste, lässt sich "rechtes* Denken sehr wohl mit "Sozialismus" im Sinne einer gelenkten Marktwirtschaft und maximaler sozialer Gerechtigkeit innerhalb einer Volksgemeinschaft vereinbaren. Ich selber hätte nichts dagegen, wenn man mich als "nationalen Sozialisten" bezeichnen würde, vorausgesetzt, man identifiziert "nationalen Sozialismus" nicht einfach mit "Hitlerismus"- was natürlich vollkommen unstatthaft ist.

Phil
13. November 2019 13:06

Ich bin nicht so gebildet wie Sie, Herr Sellner, aber ist der Kern-Dissens nicht, dass die Libertären und Marktradikalen unsolidarisch sind?
Für sie, die bis ins Sozialdarwinistische gehen, bedeutet sozial = sozialistisch = unbedingt zu bekämpfen.
Ich sehe darin den Hauptgrund, warum sich Stein, Lengsfeld und all die anderen gegen "uns" wenden, gegen Höcke, gegen Sie und all jene, die mit dem "solidarischen Patriotismus" sympathisieren.

RMH
13. November 2019 13:21

"Wenn wir den Unterschied zwischen "rechts" und "links" so erklären, dass der Rechte die Welt so sieht, wie sie ist, und der Linke so, wie sie seinen Theorien zufolge sein müsste, lässt sich "rechtes* Denken sehr wohl mit "Sozialismus" im Sinne einer gelenkten Marktwirtschaft und maximaler sozialer Gerechtigkeit innerhalb einer Volksgemeinschaft vereinbaren."

@Der_Juergen,
ich sehe hier einen leichten Widerspruch in der Argumentation, schon "lenken" zu wollen wäre letztendlich nicht mehr die Welt, wie sie ist, sondern eine, die nach menschlichen Zielvorstellungen und Wünschen gestaltet ist (wie beim Sozialismus).

Das ist aber grundsätzlich zunächst kein Fehler, da ja jede Politik auf irgendeine Lenkung hinaus will, nur ist es dann eben nicht mehr unbedingt "rechts" oder gar ein besonderes Merkmal für "rechts". Selbst eine libertär- anarchisch Politik muss zuerst "lenken", in dem sie Ordnungen abbaut und einreißt, bevor dann ihr ideal gedachtes System der freien Selbstregulierung überhaupt erst greifen kann (ich halte übrigens bereits das als den größten Einwand gegen libertäres Denken. Der Glaube, ein freies Wirtschaftsspiel würde alles von alleine zur Zufriedenheit regeln, ist nichts als unbewiesene Utopie und Wunschdenken).

Und an diesem Punkt,
@all,
merkt man einmal wieder, wie wichtig es doch ist, einmal eigene Standpunkte zu haben, diese sauber herauszuarbeiten etc., damit man sich mit den anderen vergleichen kann.

Ich persönlich sehe "Rechts" immer von einer klaren "Rechts-" Ordnung her kommend, die eben Besitz und Eigentum als Rechte anerkennt und den Menschen als Wesen, welches aus unterschiedlichen Motiven eben Besitz/Eigentum haben, halten, erhalten, erlangen und vermehren will sowie dieses eben durch eigene Arbeit und Anstrengung erzielen oder an eine eigene Nachkommenschaft ungeschmälert übertragen will. An dieser Bruchkante hat sich bereits alte Ordnung/neue Ordnung im Rahmen der französischen Revolution abgespielt und dort war klar, wer rechts, also für die bestehende Ordnung war, und wer links.

Respektiert man Eigentum und Besitz und nimmt diese Ernst, so wird man automatisch nicht groß umverteilen können ohne dafür allgemein gebilligte, rechtfertigende Gründe zu haben (kleines Beispiel zur Veranschaulichung: Du willst Straßen und Schulen, ohne dafür jedes mal konkret bei Benutzung zu bezahlen? Dann bezahle dafür pauschal = Rechtfertigung für Steuern und Abgaben).

Zu einer rechten Rechtsordnung gehört meiner Meinung nach auch das, was man früher als klassisch liberal gedachte Abwehrrechte des Bürgers gegen den - aufgrund des Wesens des Menschen stets auch übergriffig gedachten! - Staat formulierte und was heute scheinbar universell mit "Menschenrechten" als Puddingmasse verkauft wird.

Und genau an diesen Punkten wären wir eben bei den einschlägigen Überschneidungspunkten von rechts/ konservativ (Erhaltung eben auch einer konkreten RECHTSordnung)/liberal mit libertär. Libertär ist aber eben mehr als liberal und die eigentliche Frage in der Diskussion mit sich liberal wähnenden Kreisen ist doch eher, wie liberal bist Du wirklich (und damit eigentlich auch immer zwangsläufig rechts/konservativ, denn ein Liberaler respektiert die Rechte anderer und fordert ebensolchen Respekt für seine eigenen Rechte ein) und wie libertär bist Du eigentlich?

Für einen Rechten, Konservativen und damit auch "Liberalen" ist es klar, dass es für das weitestgehend friedliche Zusammenleben der Menschen schon auch aufgrund ihr anthropologischen Ausgangskomponenten (= den Menschen so nehmen "wie er ist" und keinen Wunschmenschen, keinen Zukunfts- oder Fortschritts-Menschen, der erst noch "gebildet", erschaffen oder sonstwas werden muss!) einen Staat als Moderator und Ordner in irgendeiner Form braucht, denn er weiß, dass zum Menschen auch der Wille zur Macht, zum Monopolismus und zur Herrschaft über andere gehört - ein Libertärer kann selbst an all diesem Fragezeichen setzen, da sich ja angeblich alles von alleine regelt.

brueckenbauer
13. November 2019 14:24

Die Kritik am gegenwärtigen "Wirtschaftsliberalismus" ist sicher berechtigt. Andererseits ist es übertrieben, deshalb Popper oder Hayek zu Erzfeinden zu erklären.

Popper selbst war in seiner schöpferischen Phase ("Open Society" usw.) gar kein Wirtschaftsliberaler, sondern Sozialdemokrat. Poppers Konzept von Fortschritt unterging den Gegensatz von Liberalen und Konservativen (Fortschritt ist das Fortschreiten auf eine tradierte (!) Zielvorstellung hin und schließt die Korrektur von als "Fortschritt" petrifizierten Irrtümern ein). Die Popperianer waren und sind noch heute Verfechter der biologischen Aufklärung einschließlich der Genetik (Sarrazin).

Und Hayek sah zwar den Markt ("Katallaxie") als allgemeinste und oberste Ordnung, ließ darunter aber die Existenz von (Familien- bis National-) "Ökonomien" gelten.

Ich sehe hier eher das Problem eines innerhalb der liberalen Philosophie/Ideologie unaufgelösten Selbstwiderspruchs:
Freiheit muss die Freiheit einschließen, Schutzbündnisse zu bilden; der Kampf gegen den "Protektionismus" wird daher sehr schnell illiberal oder antiliberal.

Ich empfehle daher eine Entdramatisierung der Gegensätze.

Was mir ein bisschen "über Bord" erscheint, ist Sellners Schwärmerei von einem diffusen antimodernen Menschenbild. Der Mensch soll also nicht mehr nach seinem selbstdefinierten "Glück" streben? Als ob er das nicht auch schon vor der Aufklärung getan hätte! Und was sollte denn die Alternative sein? Will Sellner nur darauf hinaus, dass der Mensch sein persönliches Glück eher auf indirektem Weg findet (Frankl, Spaemann)? Oder will er den Leuten sagen: Euer persönliches Glück ist (mir) ganz egal? Und wie will er mit dieser Botschaft Wahlen gewinnen? Da besteht noch erheblicher Klärungsbedarf!

Martin Hans
13. November 2019 14:54

Ich denke, dass dieser Artikel die konservativ-liberale Position nur unzureichend wiedergibt. Zur besseren Verständlichkeit sollte man zwischen zwei Gruppen von konservativen/rechten Liberalen unterscheiden:

1) den Anarchisten / Anarchokapitalisten (z. B. Hans-Hermann Hoppe, Murray Rothbard, Jesús Huerta de Soto etc.) und

2) den Minimalstaatlern (Hayek, Wilhelm Röpke, der Katholik Lord Acton, Roland Baader, der junge Wilhelm von Humboldt etc.).

Wenn Martin Sellner schreibt, dass "im strikt liberalen Weltbild Staats- und Identitätspolitik, sowie der Schutz von Grenzen zum Erhalt der inne liegenden Gemeinschaft nicht legitim [sind]", dann stimmt das nur für die Anarchisten. Diese sind aber eine Minderheit im liberalen Lager.

Ein Minimalstaatler kann zum Beispiel für Grenzschutz oder eine restriktive Einwanderungspolitik sein, und trotzdem für Bankfreiheit und Gewerbefreiheit eintreten. Man nehme zum Beispiel die deutschen Liberalen zur Mitte des 19. Jahrhunderts - diese gälten heute wahrscheinlich alle als Nazis, so patriotisch waren sie eingestellt. Kein Liberaler hätte damals die Ansiedlung von Millionen kulturfremder Ausländer befürwortet, und traditionalistisch waren sie auch; die Frau sollte sich beispielsweise zuhause um die Kinder kümmern und nicht arbeiten.

Selbst liberal-konservative Anarchisten wie H. H. Hoppe sprechen sich keineswegs für einen Bevölkerungsaustausch aus. Sie sind der Meinung, dass der Markt ganz von selbst – ohne staatlichen Grenzschutz - für homogene Volksgruppen sorgt. Ein Einwanderer müsste nämlich seine gesamten Lebensunterhalt selbst bestreiten, also auch für die Schule zahlen oder eine Gebühr zum Benutzen der Straße entrichten. Einen Wohlfahrtsstaat gäbe es nicht, der Migranten alimentiert und zur Einwanderung verleitet. Es käme nur zu sogenannter freiwilliger Einwanderung, aber keiner staatlich erzwungenen. Ein Ausländer kann nur einwandern, wenn er eine Einladung aus einem Land bekommt, wenn er also zumindest eine Mietwohnung findet und einen Job. Das Volk kann dabei selbst entscheiden, wie viel Einwanderung es möchte – wenn ich keinen Ausländer in meinem Land will, dann vermiete ich nicht an ihn oder gebe ihm keinen Job. Solange es aber noch öffentliche Güter wie staatliche Schulen, Straßen oder einen Wohlfahrtsstaat gibt, sind die Anarchisten für eine strenge Kontrolle der Einwanderung.

Die entscheidende Frage ist vielmehr, ob die Rechtslibertären mit ihrer Ansicht richtig liegen, dass eine anarchistische Ordnung auf Dauer Frieden und Wohlstand garantieren kann. Sicherlich – ohne staatliche Subventionierung wäre vermutlich 95 Prozent unseres Einwanderungsproblems gelöst –, aber wir hätten zum Beispiel immer noch ein dysgenisches Problem (niedrige Geburtenrate der Intelligenten seit der Industriellen Revolution und damit einhergehender zivilisatorischer Verfall). Außerdem sind die Nordwesteuropäer sehr wenig ethnozentrisch im Vergleich zu Juden, Arabern oder Nordostasiaten. Ethnozentrismus ist eine Charaktereigenschaft, die zu etwa 50 bis 66 Prozent genetisch vererbt wird. Bei diesen zwei Aspekten bräuchte es ein staatliches Eingreifen, ansonsten würde eine liberal-anarchistische Gesellschaft auf Dauer ihre eigenen Grundlagen unterminieren, auch wenn dies viel langsamer geschähe als im jetzigen grün-linken Wohlfahrtsstaat.

P.S.: Wer die Hayek-Zitate genau liest, wird feststellen, dass sie nicht das hergeben, was Martin Sellner in sie hineininterpretiert, in seinen Worten “eine liberale Rechtfertigung des Bevölkerungsaustausch und der globalen Mobilmachung”. Hayek spricht sich in “The Road to Serfdom” für politische Dezentralisierung und gegen ein einheitliches europäisches Sozialsystem aus.

Gracchus
13. November 2019 15:06

Ich vermute, RMH ist Jurist; ich würde ähnlich argumentieren.

Bevor ich mich inhaltlich äußere: Argumentationsmuster wie "Liberale müssten dies/das, wenn sie konsequent" verfangen nicht (zugleich wirft man ja Liberalen Prinzipienlosigkeit vor). Das ist so, wie wenn man einem Autobauer als widersprüchlich vorwirft, dass er Bremsen in sein Auto einbaue. National-sozial-liberal - klingt doch ganz charmant?

Imagine
13. November 2019 15:28

Das Gros der Rechten verfügt nicht über das notwendige sozioökonomische Wissen und die Erkentnis, warum und wie die marktwirtschaftliche Logik zwangsläufig in sozio-kulturelle Dekadenz und Katastrophen führt.

Dies geschieht, weil im Mittelpunkt des kapitalistischen Systems die betriebswirtschaftliche Gewinnoptimierung steht. Der herrschenden Klasse und ihren Söldnern geht das Gemeinwohl der Gesellschaft sowie die Würde, Freiheit und Wohlstand der arbeitenden Nutz-Massenmenschen „am A. vorbei“.

Gewinnoptimierung - und damit verbunden der Zugewinn von Vermögen, Macht und Status - ist das entscheidende Handlungsmotiv der Vermögenden und Mächtigen, also der gewinnabhängigen Kapitaleigner und ihrer lohn- und boni-abhängigen Funktionseliten.

Die Gewinnoptimierung erfordert immer niedrigere Reallöhne und damit schwindet die Kaufkraft der Massen, was zu Lasten der Binnenökonomie geht. Die Folgen sind Verarmung der Massen und Prekarisierung sowie der Abstieg der Mittelschichten.

Klonovsky (11.11.19) zitiert Thomas Mann:
"Ich habe gar keinen Zweifel, daß Welt und Menschenleben sich nolens, volens und unaufhaltsam in eine Lebensform hineinbewegen, für die das Epitheton 'kommunistisch' noch das zutreffendste ist, das heißt in eine Lebensform der Gemeinsamkeit, der gegenseitigen Abhängigkeit und Verantwortlichkeit, des gemeinsamen Anrechtes auf den Genuß der Güter dieser Erde, einfach infolge des Zusammenwachsens des Erdraumes, der technischen Verkleinerung und Intimisierung der Welt, in der alle Heimatrecht haben, und deren Verwaltung alle angeht."

Dies ist ein Irrtum. Denn das kapitalistische System bewegt sich keineswegs „nolens, volens und unaufhaltsam“ in eine kommunistische Lebensform hinein, sondern in deren Gegenteil, die kapitalistische Barbarei. Denn im ökonomischen Konkurrenz- und Überlebenskampf der Unternehmen kommt es zu einem fortschreitenden „moral hazard“ und damit zu einer anti-humanistischen und anti-bürgerlichen Regression in Sozialdarwinismus sowie A- und Anti-Sozialität.

Es kommt zu einem Verlust von Moral, humanistischem Geist, Wissenschaftlichkeit und gesamtgesellschaftlicher Rationalität.

Historisch lässt sich dieses gesellschaftliche Abdriften in Pseudo- und Irrationalität sowie Esoterik in Deutschland um das Jahr 1970 festmachen. Es entstanden Realitätsflucht, Drogenkonsum und Neo-Religiosität. An die Unis kamen Jesus-People, Hare-Krishna-Leute, Baghwan-Jünger und Scientologie-Gläubige und wollten Anhänger rekrutieren. Zugleich entstand ein Psychoboom mit Ich-Zentriertheit. LASH bezeichnete dieses Dekadenzphänomen als „Zeitalter des Narzissmus“.

Das Weltzentrum der kulturellen Dekadenz waren die USA und von hier verbreitete sich dieses Phänomen nach Europa, was für einen Soziologen und Sozialpsychologen nicht überraschend ist. Denn in den USA war der Kapitalismus am weitesten fortgeschritten und mit ihm der kulturelle Niedergang.

De Hoffnungen der damaligen Neuen Linken auf eine humanistische Revolution waren spätestens 1973 mit dem von den USA geförderten Putsch in Chile und der Etablierung des Pinochet-Faschismus zerstört.

Die heutigen linken und rechten Akteure sind durch den Mangel an Wissenschaftlichkeit und Rationalität gekennzeichnet. Ihnen fehlen intellektuelle „Leuchttürme“, an denen sie sich orientieren können. Links wie rechts ist der Aktivismus Ausdruck eines allgemeinen Dekadenzprozesses, wobei es bei den Rechten durch deren Rückwärtsgewandtheit offensichtlicher ist.

Aber auch beim links-grünen Mainstream sieht es nicht besser aus. Denn auch sie wollen etwas bewahren, was im System von Marktwirtschaftlichkeit und Kapitalismus nicht zu bewahren ist. Die Idiotie der linken und rechten Akteure besteht darin, dass sie ein marktwirtschaftliches System aufrechterhalten wollen, welches die Ursache für die kulturelle Dekadenz, den wirtschaftlichen Niedergang und die Umweltzerstörung ist. Systemlinke wie Rechte glauben an die die politische Zähmbarkeit und Steuerbarkeit dieses Systems.

Die soziologische Beschränktheit des Gros der Rechten zeigt sich insbesondere bei den marktradikalen Hayek-Idioten, welche den Nationalstaat und vor allem den Sozialstaat zerstören wollen. Die Schizophrenie der AfD manifestiert sich in deren Bejahung von Marktwirtschaft und Kapitalismus und ihrem dem Unverständnis über die Hintergründe der gesteuerten Massenimmigration. Sie begreifen nicht, dass es sich um ein neo-koloniales Projekt handelt, das welches der Aufrechterhaltung des Systems von profitabler Kapitalverwertung dient.

Rechte Aktivisten – wie die „Identitären“ – kämpfen gegen Symptome ohne deren Ursachen zu begreifen. Sie werden daher so erfolglos sein, wie es die „Maschinenstürmer“ und „Alchimisten“ waren.

zeitschnur
13. November 2019 15:46

Irgendwie hört der Traum von der "Mosaikrechten" hier auf, fragt sich nur, von wem es ausgeht?
Im letzten Heft von "eigentümlich frei" wurde die Sache doch kontrovers diskutiert (ich habe sehr genau das ganze Heft gelesen), und Gunnar Kaisers Position ist gewissermaßen die radikalste. Nun lässt aber MS erkennen, dass er selbst ja vielleicht uneingestanden gegenüber dem Libertarismus eine radikale Position einnimmt, indem er ihm eine geradezu absurde "Mensch=Verschiebemasse"-Position unterstellt,als sei die zwingend, sobald einer libertär denkt. Die Deutung der Zitate Hayeks ist dementsprechend überzogen. Wir erleben derzeit ein unheimliches Szenario an Menschenverschleppungen und Menschenhandel, Menschenverschiebungen, alles im Zeichen der formbaren und mobil einsetzbaren "Manpower", nur werden diesem Treiben echte Libertäre NICHT zustimmen.
Gerade aktuell hat einer der sehr radikalen Libertären wie Oliver Janich (C.S.: "der Unverbesserliche") wieder eine seines Erachtens notwendige Unterscheidung zwischen "Kapitalismus" (im echten libertären Sinn) und Korporatismus (das, was man heutzutage "Kapitalismus" nennt) formuliert - auf seinem Telegram-Kanal.
Angesichts also der unheimlichen Vorgänge auf globaler Ebene verstehe ich zwar die überzogenen Unterstellungen MSs als ein Über-Getriggertwerden, aber sachlich ist das Unsinn.
In einer libertären Gesellschaft kommt es unweigerlich zu einer neuen Hochschätzung natürlicher Gemeinschaften, zuerst der Familie, dann auch des Volkes, allerdings ohne Nationalismen oder den bescheuerten Rassismus, den es auch erst seit 200 Jahren gibt.
Wenn Hayek sich dagegen wehrt, dass man Rechte an der Zugehörigkeit zu einem Volk erwirbt, die anderen alleine wegen der Nichtzugehörigkeit nicht zugestanden werden, hatte er wohl kaum das heutige Szenario im Blick. Er meinte eher das, was man historisch kennt (Kolonialismus, Sklaverei, Chauvinismus, zweierlei Maß, nationale Monopolisierung etc.). Dass irgendwelche völlig abgehobenen Strippenzieher mal dem Wahn erliegen sollten, man könne Volker einfach mal kurz so auflösen, wird er kaum gemeint haben.
Und bitte: Wir haben jahrzehntelang geheult, weil die DDR-Grenze samt dem eisernen Vorhang unüberwindlich waren, und überschreitbare Grenzen, wenn der einzelne es wollte und die jenseits der Grenze es auch wollten, erschienen uns als Ideal. Dass jetzt ein junger Mann mal dichten Grenzen nachweinen würde, verstehe ich nur dann, wenn ich mir klarmache, dass er nie erlebt hat, wie es ist, wenn Grenzen wirklich gnadenlos dicht sind.
Vollends in sich widersprüchlich ist die Bemerkung "Marx' Prognosen, wonach ein gesamtgesellschaftlicher Plan mehr Wohlstand schaffen und dem anarchisch-mythischen Prinzip der Marktwirtschaft überlegen sei, haben sich als falsch erwiesen": dann haben die Libertären doch recht, Herr Sellner!
Wir sprechen leider nur noch in Extremen.
Es gab noch nie dauerhaft in sich homogene "Völker". Es gab stets Ab- und Zuflüsse aus ganz verschiedenen Gründen. Die Frage ist nur, wie viel man davon in welchem Zeitraum und unter welchen Bedingungen verkraftet. Außerdem wurde dadurch ja nicht der nationale Charakter verleugnet. Wer dazukam, musste sich eingliedern, wer ging, musste sich ausgliedern, es sei denn man schuf Ghettos oder in Flächenländern wie Russland Enklaven.

Das Maß muss einerseits ein geltendes Recht für alle gleichermaßen sein, andererseits eine Basis in natürlich wachsenden Beziehungsgeflechten. Ich gebe daher @ RMH und @ Gracchus recht.

Waldgaenger aus Schwaben
13. November 2019 16:28

Unfähige oder bösartige Herrscher können Völker in's Unglück stürzen. Diese Binsenweisheit ist offensichtlich, aus der Realität genug belegt und braucht nicht weiter begründet zu werden.

Es ist aber noch schlimmer:
Ein guter Herrscher kann ein Glücksfall für sein Volk sein, aber schwebt jederzeit in Gefahr durch einen schlechten vertrieben zu werden. Umgekehrt kann und wird ein schlechter Herrscher alle möglichen guten Nachfolger liquidieren, so dass tendenziell nichts Besseres nachkommen kann.

Der geniale Ausweg den die Aufklärung fand waren:
Grundrechte (als Abwehrrechte wie RMH schreibt) für die Bürger, Gewaltenteilung, Rechtsstaat und Demokratie.
Solange diese Säulen stehen werden schlechte Herrscher zu wenig Macht haben um großen Schaden anzurichten und sie werden alsbald unblutig von der Macht vertrieben werden.

Soweit die Theorie. Und es hat auch lange gut funktioniert. Was diese Theorie nicht abdeckt, ist der Fall, dass das Volk, der Souverän, selbst seinen eigenen Untergang will und wählt.

Der Nationalsozialismus war ein solcher Betriebsunfall, er wurde aus der speziellen Lage Deutschlands nach dem ersten Weltkrieg erklärt und es wurden Sicherungen eingebaut, die gerade in Deutschland eine Wiederholung verhindern sollten.

Doch nun sehen viele, gerade auch echte Liberale, und Libertäre, die von den genannten Ideen der Aufklärung zutiefst überzeugt sind, dass die Völker Nordamerikas und West- und Mitteleuropas auf dem Weg sind ihren eigenen Untergang zu wählen.

Ihr Lösungsvorschlag besteht im Prinzip darin, den Staat weiter zu entmachten und damit das Schlimmste zu verhüten. Sie wollen bewusst oder unbewusst eine neue Aristokratie begründen, die die Macht in Händen hält. Die Aristokraten sollen anhand ihres wirtschaftlichen Erfolges ausgewählt werden - im 19. Jahrhundert nannte man ihn Geldadel.

Als Übergangslösung erst mal ganz brauchbar. Zumal der Geldadel natürlich im Laufe der Zeit mehr und mehr auf Familie, Religion und andere klassisch konservative Werte bauen muss.

Aber letztlich wird der Geldadel, wenn er nicht in revolutionären Stürmen untergehen will, und ich hoffe er versteht Marx darin, zu den genannten Grundlagen des modernen Staates
zurück kehren müssen.
Bis dahin muss die Ursache des seltsamen Todestriebes der Masse befunden und beseitigt werden.

Adler und Drache
13. November 2019 16:40

"Konservative sind Kritiker der Moderne und der Aufklärung. Liberale und Sozialisten sind Kinder der Aufklärung. Konservative kritisieren das moderne technizistische Weltbild, die moralische Dominanz des Hedonismus und Utilitarismus."

Ideell vielleicht, real sind aber auch Konservative Kinder der Moderne und der Aufklärung und kommen nicht dahinter zurück. Wir sind alle die "schrecklichen Kinder der Neuzeit", außer man konvertiert zu den Amischen oder begibt sich in größtmögliche Askese wie weiland Kaltenbrunner oder derzeit Botho Strauss.
Mir scheint es eher so zu sein, dass seit dem Ende der Ständegesellschaft die drei politischen "Idealkonzepte" in immer neuen Varianten zusammen- und auseinandergewürfelt werden, immer neue Muster bilden, wie bei einem Kaleidoskop. Die Ideologien werden in den Werkstätten des Zeitgeists beständig eingeschmolzen und umgeschmiedet. Man kann nicht einer "reinen Lehre" anhängen und das andere ausscheiden, es spielt immer mit. Alles sind "Binnenkonflikte des Metanarrativs", das ist der metaphysische Zwang dieser Epoche, und die spannende Frage ist, ob es gelingt, die Konzepte so zusammenzuwürfeln, dass sie eine Stabilität erreichen, oder ob die mit diesen Konzepten mögliche Stabilität schon ausgeschöpft wurde und diese Epoche durch einen großen Zusammenbruch irgendwann von einer neuen Epoche mit neuen Leitkonzepten abgelöst wird.

Laurenz
13. November 2019 17:19

Im Grunde sind und waren alle Gesellschaften bis heute "marxistisch", zumindest in der Analyse, "das materielle Sein bestimmt das Bewußtsein". Natürlich hat Marx nur formuliert, was auch vor Marx schon immer war.

Wenn die weich-gespülten Schotten sich gegen die Separation oder Sezession entschieden, war es die Angst, ein - oder zweitausend Euro (als Referenz) Jahreseinkommen zu verlieren, anstatt es als Chance für mehr Wohlstand und vor allem für mehr (immaterielle) Freiheit zu sehen. Ob nun Brexit oder sonstige nationale Bewegungen, alles wird mit dem wirtschaftlichen Maßstab bemessen. Ist denn dieser Maßstab der einzige, der tatsächlich zählt? Ich bin anderer Meinung. Es lebe die Freiheit.

Auch in der AfD haben wir die Hayekisten, geführt von Frau von Storch. Aber im Grunde, das hat Herr Sellner in Seinem Artikel, vor allem historisch, exakt herausgearbeitet, sind die Hayekisten Voll-Bolschewisten. Jeglicher ökonomischer Liberalismus, jegliche extreme Deregulierung führt immer & ausnahmslos zur überzogenen Macht des Geldes und derer, die es besitzen. Das widerspricht jeglicher Demokratie. Der Bolschewismus ist deswegen die Endstufe des Liberalismus, weil er das Privateigentum verbieten wird und so jeglicher Zugang eines Sterblichen zur Geldmacht verhindert wird.

Trotzki wußte das genau. Und gegen unseren ewig gestrigen @Imagine wußte er ebenso, daß eine bolschewistisch-marxistische Ökonomie nie lokal begrenzt funktioniert, empfahl daher die permanente globale Revolution, damit keiner dieses epische Makel bemerkt. Ist der Planet erst in bolschewistischer Hand spielt der ökonomische Zustand einer Bevölkerung keine Rolle mehr.
Der Liberalismus ist daher auch Kultur-vernichtend. Jeglicher Austausch von Bevölkerungen entwurzelt alle ihrer oft in Jahrtausenden gewachsenen seßhaften oder lokal eingefärbten Kultur. Auch diese Entwurzelung ist marxistisch-bolschewistisch Wahn. Hier haben wir vor allem die evangelische Kirche, die den Globalismus und die Kultur-Vernichtung fördert, bis heute ein rein bolschewistisches Konstrukt, was meine These vom bereits antiken Bolschewismus und seiner globalen Herrschafts-Absichten beweist.

In Herrn Sellners Artikel finde ich nur einen kleinen Fehler. Die NS-Zeit ist tatsächlich auf der politischen und gesellschaftlichen Ebene als religiös zu bezeichnen, im Glauben an den Führer, der bis heute, gerade wegen der anti-faschistischen Propaganda wirkmächtig ist. Wenn die unfähige Linke darauf einschlägt, muß ja was dran sein. Die Linke erweckt aus eigener Inhaltsleere den Faschismus oder Nationalsozialismus jeden Tag neu zum Leben, als ob 20 Jahre Geschichte tatsächlich bestimmend für die Menschheit und den Planeten seien.
Tatsächlich aber, hier liegt der Hund begraben, hatte die überlegene Wirtschaftspolitik der Nationalsozialisten, der Wirtschafts-Faschismus nichts Religiöses an sich. Und er befindet sich im erfolgreichen Machtkampf mit dem Liberalismus der blutrünstigen Keynsianer und Hayekisten, und das meistens ganz unblutig (bis auf 40 korrupte Beamte, die jede Woche in China hingerichtet werden).
Nur unser rückwärts gerichteter @Imagine hat nicht verstanden, daß seit Deng Xiaoping China, ja ganz Ostasien dem Wirtschafts-Faschismus frönt, und das mit einem in der Menschheitsgeschichte nie dagewesenen ökonomischen Erfolg. Und die Wirtschaften dort bleiben von Somewheres derart beherrscht, daß die Anywheres (Bolschewisten) permanent ihre Unterwäsche befeuchten. Von daher @Imagine, kehren Sie ab vom Glauben an, "das nicht sein kann, was nicht sein darf".
Der wahre ökonomische Revolutionär, gegen alle Liberalisten und Bolschewisten war Herr Raiffeisen. Man kann das nicht oft genug wiederholen. Der größte Wirtschaftskrieg aller Zeiten fand nach den Napoleonischen Kriegen gegen Ende des 19. Jahrhunderts in Europa statt. Auch bei den nicht-propagandistischen Historikern kommt dieses Phänomen der "Mighty Sparkassen" und Raiffeisen-Genossenschaften viel zu kurz. Ich kann dies Herrn Sellner und den anderen werten Herren der Neuen Jungen Rechten nur ans Herz legen. Gerade für die Identitären kann dies das ökonomische Fundament einer jeden modernen, anti-globalistischen Gesellschafts-Ordnung dienen. "Auszahlung nach Anteilen, Abstimmung nach Köpfen" ist der ökonomische Föderalismus per se. Der Hessenpark gibt einen historischen Einblick. Ich bin bereit, jeden SiN-Redakteur oder SiN-Leser dort durch das Museum zu führen.
https://www.hessenpark.de/

Fritz
13. November 2019 18:01

Der englische Ökonom Paul Collier weist in seinen Büchern immer wieder darauf hin, wie wichtig eine geteilte Identität für den wirtschaftlichen Erfolg ist. Die westlichen Gesellschaften sind deshalb reicher, weil ihre Menschen eher bereit sind, ohne Zwang auch mit Unbekannten zu kooperieren und damit die Kosten niedrig zu halten, anders als in der III. Welt, wo die Gesellschaften aus einander feindselig gegenüberstehenden Clans und Großfamilien bestehen. Beispiel ist der Diamantenhandel, der überwiegend von orthodoxen Juden betrieben wird. Die vertrauen sich untereinander vollkommen und brauchen keine großen Kontrollen, wodurch sie die Transaktionskosten niedrig halten können.

Collier spricht vom "dysfunctional social model" der III. Welt, das aus der sozialen Anarchie der Länder resultiert.

Immer wieder verblüffend, wie solche Aspekte im Weltbild der Ultraliberalen nicht vorkommen.

starhemberg
13. November 2019 18:57

Der Kleinkrieg zwischen Nationalliberal/Rechtsliberal/Libertär einerseits und Nationalkonservativ/Rechtsnational/Völkisch andererseits macht meiner Meinung nach keinen Sinn. Keine der beiden Seiten wird in einer Demokratie jemals in der Lage sein, ihre "reine Lehre" umzusetzen. Beide Seiten werden auf Kompromisse angewiesen sein.
Daher gilt es, bei aller intellektueller Freude an der Debatte, den wahren Gegner niemals aus den Augen zu verlieren.

Was nun aber Sellners Generalattacke betrifft, die sich an der libertären "reinen Lehre" abarbeitet, und z.B. dem "Ordoliberalismus" eben keine gebührende Aufmerksamkeit schenkt, so sei mir ein Gedanke dazu erlaubt:

Es ist wahr, dass harte Libertäre theoretisch gegen jede Form von Zuwanderung nur wenige Einwände hätten. Aber auch wahr und noch viel wichtiger ist - es gäbe nicht einen Cent, kein Essen, keine Unterkunft, gar nichts, für diese Ankommenden. Weswegen sehr schnell keine mehr ankommen würden. Das libertäre Konzept ist im Kern sehr pragmatisch unideologisch, und deshalb, so glaube ich, wird es sowohl von linken wie auch von rechten Theoretikern so gerne verdammt.

Im Übrigen würde ich gerne noch wissen, was es mit dem laut Twitter angeblich "verschwundenen" Kommentar zu diesem Thema von Benjamin Kaiser auf sich hat.

Götz Kubitschek
13. November 2019 19:37

Der Kommentar des Lesers Benjamin Kaiser ist von Ellen Kositza heute Vormittag freigestellt und danach von einem Praktikanten gelöscht worden, der die Anweisung hat, Kommentare zu entfernen, in denen historische Debatten jenseits dessen eröffnet werden, was wir für diskutabel halten. Freundlicherweise haben uns Blattmacher und Leser angrenzender, libertär-utopischer Privat- und Denkräume minderer Relevanz darauf aufmerksam gemacht, daß hier aus Versehen etwas unter den Tisch fiel, was zuvor aufgetischt worden war. Daher nun: der Kommentar. Und: Wer Zensur witterte, mag sich nun den Schaum vom Maule wischen - alles wird gut.

-- --

Das besonders in der Neuen Rechten verbreitete Konzept eines sozialen Patriotismus ist tatsächlich äußerst skeptisch zu bewerten. Bei einer solchen politischen Programmatik wird ähnlich wie im derzeit herrschenden Kulturmarxismus die Autarkie des Menschen beschränkt und die immer weiter ausufernde Umverteilung und staatliche Regulierung aller Lebensbereiche vorangetrieben:

Sind der Sozialstaat, der neue Sozialismus und die daran angegliederte Bürokratie erst einmal etabliert, müssen sie zwangsläufig wachsen.

Die Hintergründe für diese Wucherung sind vielfältig, vereinfacht hier einige Punkte:

Die zur Finanzierung des Sozialstaates nötigen Steuern und Sozialabgaben beschränken im unteren Lohnbereich das Einkommen in einer Weise, dass erst aufgrund der Abgaben zur Finanzierung des Sozialstaates Anträge auf ergänzende Sozialleistungen gestellt werden müssen. (Berühmtes Beispiel ist die zwangsweise Krankenversicherung für kleine Selbständige.)

Hat sich in den Köpfen der Menschen der Staat als Heilsbringer etabliert, wachsen die Ansprüche, die durch Steuergelder finanziert werden müssen, ins Unermessliche. (Beispiel: bedingungsloses Grundeinkommen, die Menschen möchten staatlich rundumversorgt auf dem Sofa liegen.)

Je mehr der Mensch seine Befähigung zu wirtschaftlicher Autonomie verliert, desto abhängiger wird er von staatlicher Umverteilung. (Beispiel: Generationenübergreifender Bezug von Sozialleistungen. Die Kinder lernen von den Eltern, dass Sozialleistungen den Lebensunterhalt sichern, und sind nicht mehr in der Lage, sich den Lebensunterhalt aus eigener Kraft zu verdienen.)

Bürokratien wachsen natürlicherweise und suchen sich stets neue Arbeitsbereiche.

Zusätzliches Problem eines sozialen Patriotismus ist jedoch meiner Ansicht nach, dass er durchaus, besonders in Ostdeutschland, Erfolg haben könnte. Durch das Programm „sozial und patriotisch“ wird vermutlich insbesondere im Osten so etwas wie eine „Querfront“ entstehen können.

Das mag dann vielleicht in der Migrationsfrage eventuell eine Verbesserung darstellen. Das Problem der zunehmenden staatlichen Einflussnahme auf das persönliche Leben ist damit jedoch keinesfalls gelöst, sondern wird weiter zementiert. Die Menschen werden vollends in die staatliche Abhängigkeit getrieben, von ihrem Einkommen bleibt allenfalls noch ein Taschengeld, das dann durch Umverteilung nach bürokratischer Maßgabe, durch Sozialleistungen, ergänzt wird.

„Sozial geht nur national“, hieß es vor ein paar Jahren auf den Werbeplakaten einer durch den Verfassungsschutz unterwanderten Partei. Wie Rolf Peter Sieferle in „Das Migrationsproblem“ konstatierte, ist durchaus etwas dran.

Sollte sich also so etwas wie ein „sozialer Patriotismus“ durchsetzen, werde ich mich diesem politischen Modell mit Entschiedenheit entgegenstellen. Freiheit, Autarkie und Patriotismus sind für mich konstitutiv.

Benjamin Kaiser

faserland
13. November 2019 19:42

@imagine (1)

Das was in China passiert hat mit Marx nichts mehr zu tun. Das könnte man wohl am ehesten als Nationalen Kapitalismus bezeichnen. Was das Beispiel China zeigt, ist daß dabei eine langfristige Strategie erfolgreich sein kann.

starhemberg
13. November 2019 20:10

Vielen Dank für den "vermissten" Kommentar. Wusste ich doch, das man hier unter Ehrenmännern ist.

Bernard Udau
13. November 2019 20:23

Die liberalen Argumente für freien Güter- und Kapitalverkehr sowie freie Migration haben drei Voraussetzungen.

1) Goldstandard
2) Es existiert kein Sozialstaat
3) Keine Haftungsbeschränkungen. Für niemanden.

Es kann ja jeder selber entscheiden, für wie wahrscheinlich er es hält, daß diese Voraussetzungen in diesem Jahrtausend noch verwirklicht werden.

limes
13. November 2019 20:52

Und wenn der Konkurrenzkampf des totalitären Plans mit der liberalen Marktwirtschaft Geschichte ist? Warum einander bekämpfen, wenn man gewinnbringend gemeinsame Sache machen kann?

Elon Musk will in Brandenburg eine »Gigafactory« für E-Autos, E-Auto-Komponenten und Batterien bauen und witzelt arrogant, dass er das hinkriegt, bevor die Eingeborenen den BER fertig haben. Dass die Bundesregierung vor wenigen Tagen noch höhere Kaufprämien und den Ausbau der Ladeinfrastruktur auf den Weg gebracht hat? Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

Marktwirtschaft? Braucht Elon Musk nicht. Wo kann er mehr Begünstigung durch die etablierte Politik erwarten, als in Merkelland? Politische Vernichtung der konkurrierenden Verbrennertechnik, Massenimport von Billigarbeitskräften, duldsame Untertanen, die als Hartz-Abhängige auch an die Werkbank gezwungen werden können ... Womöglich winkt dem kanadisch-US-amerikanischen Unternehmer und Investor für sein »klimafreundliches« Projekt Förderung auch ganz direkt in Form von Subventionen.

Zur Befriedigung ausländischer Milliardäre ist der Rest vom deutschen Nationalstaat also noch gut.

Ratwolf
13. November 2019 22:13

Angesichts der Lage erscheinen solche Auseinandersetzungen wie die berühmte Szene aus dem Film "Das Leben des Brian" über die Unterschiede zwischen der "Judäische Volksfront" und der "Volksfront Judäa".

Kann es sein, dass man grundsätzliche Ziele aus den Augen verloren hat?

Kreist man weiter um der Theorie willen um sich selber?

Der See, in dem man selbstverliebt sein Angesicht bestaunt, kann zum eigenen Friedhof werden.

Cugel
13. November 2019 22:18

@Waldgänger

"Soweit die Theorie. Und es hat auch lange gut funktioniert. Was diese Theorie nicht abdeckt, ist der Fall, dass das Volk, der Souverän, selbst seinen eigenen Untergang will und wählt.
...
Der Nationalsozialismus war ein solcher Betriebsunfall, er wurde aus der speziellen Lage Deutschlands nach dem ersten Weltkrieg erklärt und es wurden Sicherungen eingebaut, die gerade in Deutschland eine Wiederholung verhindern sollten.
...
Bis dahin muss die Ursache des seltsamen Todestriebes der Masse befunden und beseitigt werden."

Ich gehe davon aus, daß ein nicht geringer Teil des "Souveräns" den eigenen Untergang nicht will. Viele Bĺockwähler begreifen schlicht die letzte Konsequenz ihres (Wahl)verhaltens nicht. Sie halten die Grünen immer noch für eine Umweltpartei, die SPD für eine soziale, die FDP für eine liberale und die Linke für eine linke Partei. Und, der größte und zugleich traurigste Witz, CDU/CSU für christemokratisch-sozial. Oder besser: Sie wollen den Parteien glauben, betrügen sich also selbst (und viele machen natürlich auch - ganz der Buntenbürger - ihren Schnitt dabei). Es wirkt die tiefsitzende Angst vor der endgültigen Auferstehung des Ewigen Wiedergängers und den 12 Jahren. Das wollen die Leute nicht, und deshalb wählen sie den Block. Womit wir bei den "Sicherungen" wären. Wer anno 2019 immer noch glaubt, daß die Alliierten des WK II primär gegen den NS kämpften, glaubt sicher auch an den Weihnachtsmann (den transatlantisch echten, mit dicker, roter Knollennase, ganz in Rot und mit lächerlich breitem Gürtel um den dicken Bauch, Schlitten und Rudolf das Rentier selbstredend mit dabei) und den Osterhasen. Der NS hat ihnen den Anlaß fürs Losschlagen geliefert.
Die Ursache des "seltsamen Todestriebs" muß nicht mehr gefunden werden, sie ist längst bekannt.
Es sind die Sicherungen.

Der erste unter den Epigonen der Sicherer (genauer: sein jüngstes Werk) wird übrigens im wöchentlichen Holtzbrink-Sudelblatt vom letzten Donnerstag besprochen. Der Hochkaräter versöhnt jetzt Wissenschaft und Glauben. Viel besser wäre es, er würde endlich das tun, was jeder Mensch einmal im Leben tun muß.

das kapital
13. November 2019 23:21

Sie führen Herrn Kaiser als Autoren und löschen seinen Kommentar. Das ist seltsam.

Kositza: Sie scheinen sich hier noch nicht gut auszukennen, daher helfe ich nach: Benedikt Kaiser ist nicht Benjamin Kaiser. (Und Gunnar Kaiser ist noch ein anderer.) Daß Benedikt nicht Benjamin ist, erklärt sich eigtl. sehr rasch aus deren untersch. Positionierung.

Noch seltsamer ist, dass Sie das Magazin "eigentümlich frei" als " libertär-utopischer Privat- und Denkräume minderer Relevanz " adressieren. eigentümlich frei hat viel zu einer breiten und qualitätvollen Diskussion über Weg und Qualität alternativer Politik beigetragen. Und zwar auch jenseits der neurechten Nebelwerfer.

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Eine ungeschichtliche, ideengeschichtliche Bankrotterklärung ? Ja was denn nun ? Ungeschichtlich oder ideengeschichtlich ? Oder eine pseudokonservative Bankrotterklärung ?

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Herr Sellner, nehmen Sie doch einfach mal zur Kenntnis, dass wir nicht in einer freien Welt leben. Und das ist nicht ein "Produkt eines strikten Liberalismus", sondern der Durchsetzungskraft der Feinde der Freiheit.

Die "klassische" Theorie des Liberalismus ist doch wohl nicht eine Art "Philosophie" des Bevölkerungsaus-tausches und der Abschaffung aller Grenzen. Sondern die klassische Theorie ist auf den Freihandel ausgerichtet. In einer Zeit, in der Deutschland aus 44 Fürstentümern und 4 freien Städten bestand, war doch wohl Freihandel ein echter Fortschritt. Auch die Liberalen brauchen den Staat als Schutzraum für die Rechte des Einzelnen.
Und auch der Grundsatz "no Taxation without Representation" - keine Besteuerung ohne demokratische Repräsentation - ist doch wohl als demokratischer und liberaler Entwurf auch für die Gegenwart brauchbar.

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Die Ideologien des Fortschritts, der Globalisierung und der Entwurzelung seien heute stark und "geschichtsmä-chtig". Wirklich ? Nachdem Fukuyama ein "Ende der Geschichte postuliert hat ?

Wer die Welt den Betriebswirten überlässt , erhält eine unbewohnbare Welt. Weil alles wegrationalisiert wird, was das Leben lebenswert macht.

Nicht Fortschritt . sondern "Wachstum" ist die Blödsinnsideologie, die vielen Problemen zugrundeliegt.
Es gibt nicht immer mehr echte existentielle Bedürfnisse, aber wir wirtschaften so. Hängt unter anderem mit dem Zins- und Zinseszinseffekt zusammen.

Es gibt inzwischen mehr Menschen, als gut und sicher bei jetziger Verteilung und jetzigen Strukturen auf der Welt leben können. Und nun ? Wer soll diesen Menschen mit welchem Recht das Atmen verbieten ?

Die Globalisierung ist keine ganz neue Idee. Macht Euch die Erde untertan ist die Fassung dieser Ideologie in der Bibel. Und Mitteleuropa hat sich dann ab 1492 ja sehr gründlich daran gemacht, sich die Erde untertan zu machen. Von Liberalismus war damals nicht die Rede. Auch bei den Kreuzrittern nicht, die einige Jahrhunderte davor Jerusalem erobert hatten. Wer also von Bankrotterklärungen entweder ungeschichtlicher oder ideengeschichtler Art spricht, wie gut ist der historisch besohlt ?

Und dann wird auch noch "Entwurzelung" zur urliberalen Forderung der vaterlandslosen Gesellen ? Mannmannmann, muss Liberalismus ein gefährliches Pflaster sein. Da möchten wir doch lieber die Aufklärung vergessen machen und zurück in die Geisteswelt des 30jährigen Krieges. Als man sich noch anständig niederhauen konnte und wusste, warum .

___

Für Aufklärer ist vor allem eines wichtig zu verstehen:
Menschen sind n u r vernunftbegabt.
Sie sind n i c h t vernunftgesteuert.

Das ist ein große Chance für die Rückwärtsdenker, sich bei den Menschen Mehrheiten zu verschaffen. Aber das sind dann eben auch Mehrheiten jenseits der Vernunft.
Und da liegt in der Demokratie auch der Hase im Pfeffer.

Wenn die Mehrheit der Menschen nicht vernunftge-steuert ist und sich Politik Mehrheiten sichern muss, was für Mehrheiten werden das dann sein und mit welchen Mitteln werden sie erzeugt ?

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Irgendeine Art "Framing" wird das wohl sein. Und manche glauben daran, dass es reicht, ein linkes durch ein rechtes Framing zu ersetzen. Bloss bleibt dabei die Wahrheit auf der Strecke, wenn die eine Art zu lügen, mit der anderen Art, zu lügen kämpft. Es gewinnt entweder die Lüge oder die Lüge oder es geht unentschieden aus. Aber die Wahrheit bleibt so oder so auf der Strecke.

Fredy
13. November 2019 23:32

Mich nervt diese ganz rückwärts gewandte Scheiße, nicht nur der Grünen, sondern auch der konservativen Rechten. In einem gewissen Bereich schenken die sich gegenseitig nichts.

Man kann nie hinter eine Erkenntnis zurück und auch nie Errungenschaften und Fortschritt bremsen. Weiterentwicklung, Nutzung aller Möglichkeiten (zum Guten und Schlechten) ist immer menschliches Streben. Dies einzuhegen, in sinnvolle Bahnen zu lenken, ist Sache zukunftsorientierter Politik. Verbote und rückwärts gewantes Denken (das immer nur einzelstaatlich stattfinden kann, während sich die Welt weiterentwickelt) ist nie zum Vorteil des Volks und immer mit dem Verlust der Freiheit verbunden.

Ich würde mich sicher auch in einer anderen Zeit wohler fühlen, aber es ist wie es ist: Leben in der Lage, das Beste draus machen. Das ist Leben, bedeutet Mensch sein. In der BRD ist viel im Argen, und die Zukunft sieht düster aus. Trotz allem war es nie so einfach und billig in ein eigenes konservatives Leben auszusteigen, sein eigenes Ding zu machen, wenn man denn wollte und konsequent ist (und ich spreche aus Erfahrung). Warum macht es aber fast niemand? Weil der Konservative letztlich träge ist und immer einer von allen sein will: Andere umerziehen, damit man sich selbst besser fühlt. 8 Stunden BRDler sein und dann Feierabend-Rechter (ja, das neue Auto, das Haus, und die Frau mit Ansprüchen, erst Recht die Karriere). Lebt euer Leben selbst, und zwar das was ihr wirklich wollt. Ihr habt nur eines. Es gibt kein Leben im Falschen.

bb
13. November 2019 23:43

Billiger Versuch, Liberale in die Ecke der Globalisten zu stellen. Vielleicht sollten Sie nicht schon bei Hayek aufhören, sondern auch Hoppe lesen. Sie könnten auch in Ihrem nächsten Artikel den Blick nach Frankreich schweifen lassen, wo ein gewisser Henry de Lesquen seit Jahrzehnten eine nationalliberale Politik vorschlägt, die Ihre Kritik der Masseneinwanderung mit wirtschaftlichem Sachverstand ergänzt.

Diesen Weg sollten auch die Rechten in Deutschland einschlagen. In der AfD ist das Personal bereits vorhanden. Nun geht es darum, eine Synthese zwischen Wirtschaftsliberalismus und Nationalismus zu finden, die den Bevölkerungsaustausch umkehrt, linksextreme Lumpen der praktischen Arbeit zuführt und der schweigenden Minderheit von ehrlichen und fleißigen Deutschen in ihrer Heimat wieder ein Leben in Freiheit, Würde und Wohlstand ermöglicht.

Sie haben die Wahl: Tragen Sie dazu bei, oder distanzieren Sie sich in die Bedeutungslosigkeit?

Cugel
14. November 2019 01:43

Der von den Libertären behauptete Nexus von Sozialstaat und Masseneinwanderung ist nicht naturgesetzt noch gottgegeben, sondern wurzelt im Rechtspositivismus. Der Volksstaat schützt seine Grenzen und bindet die Gewährung von Sozialleistungen an die Staats- oder Volksangehörigkeit. Es ist eine Frage der Souveränität.

Sind die USA ein Sozialstaat?
Haben die USA Masseneinwanderung?
Ist Detroit kein heruntergekommenes Dreckloch?
Ist San Francisco nicht zugekotet?
Schätzt der ortlose Kapitalist nicht die billige Arbeitskraft?

Libertäres Denken ist inhuman, dystopisch, asozial.
Diese Leute tun so, als habe es die letzten 200 Jahre nicht gegeben, als könnten wir einfach bei Manchester weitermachen.

Zur Lektüre empfohlen: Hermann Heller, Sozialismus und Nation.
Dem Jungeuropa-Verlag gratuliere ich zur Neuauflage dieses Buchs .

Laurenz
14. November 2019 02:10

@Herrn Kaiser & Bernard Udau .... die Frage nach liberalen Staaten ist historisch eindeutig beantwortet. In den Amerikas befinden sich genügend Multi-Kulti-Staaten, in denen nur wenige oder keine staatlichen sozialen Leistungen existieren. Brasilien bot während der Spitze der sogenannten Flüchtlingskrise allen auf Wanderschaft Zugang nach Brasilien an, allerdings keinen Centavo an finanziellen Leistungen. Sobald unterschiedliche Ethnien in größeren Maßstäben gegenwärtig sind, finden wir soziale Unterstützung privatisiert. In Schulfragen ist dies ungünstig. Schlechte Bildung schadet einem Staat. In Deutschland wird Bildung heutzutage mit Erziehung verwechselt. Die Entkoppelung der Eltern von der Familie in die Arbeitswelt sorgt für mangelnde Erziehung und alle Pädagogen dieser Welt können heimische Erziehung nicht ersetzen. Der daraus resultierende sozialistische Mensch ist einfach schlecht erzogen.
Der Goldstandard ist nur für Ökonomien nötig, die nicht breit aufgestellt sind. Die Nationalsozialisten bewiesen dies, nachdem Deutschland seines Goldes komplett beraubt wurde. Gold verhindert nur die Angreifbarkeit einer frei konvertierbaren Währung auf dem Devisen-Markt.
Die Nicht-Existenz eines Sozialstaats bedeutet politische Instabilität. Automatisch entstehen hohe Kosten für Sicherheit. Von daher ist schon die liberalistische Idee in der Theorie Unfug.

Was Haftungsbeschränkungen angeht, so sind diese nur ein Teil der Medaille. Es gibt faktisch keine freien Märkte. Als in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts die Weltmächte schwächelten, lief das auf Kriege hinaus, um die Mitbewerber zu schwächen. 1914 war die deutsche Bank die größte Bank der Welt. Hinter ihr stand eine militärische Option des II. Reichs. Heute ist die Deutsche Bank unter ferner liefen zu bewerten, während hinter den us amerikanischen Mitbewerbern 11 einsatzbereite Flugzeugträger und die größte nukleare Macht des Planeten stehen, was die Interessen dieser Finanzhäuser in ihren Interessen nachhaltig unterstützt. Von daher sind die Messer in einem heutigen freien Markt ungleich lang, was bedeutet der Markt ist nie frei. Unsere liberalistischen Freunde versuchen einfach nur zu täuschen.

Der wirtschaftliche & propagandistische Druck auf China, Rußland, Indien und auch Brasilien ist deswegen so hoch, weil militärische Optionen gegen diese Staaten kaum existieren. Daher hofft der Westen mit programmierter politischer Instabilität diese Staaten dauerhaft zu schwächen.

Utz
14. November 2019 05:52

Die Massenmigration würde eingedämmt, wenn die Versorgung aufhören würde, aber sie würde sich nur verlangsamen, sie würde nicht auf Dauer gestoppt. Es gibt doch schon jetzt genug Menschen, die einwandern und sich nie irgendwo melden um an den Wohltaten des deutschen Staates teilhaben zu können. Sie ziehen es vor unerkannt sich mit Hilfe von Einbrüchen, Diebstählen und Drogenhandel selbst zu versorgen. Andere würden auch ohne Sozialstaat einwandern, weil sie Arbeit finden würden. Ist uns damit gedient, wenn der Bevölkerungsaustausch nur etwas langsamer stattfindet?

Ich hatte gehofft, daß Martin Sellner die Argumentation von Gunnar Kaiser etwas deutlicher entkräftet. Möglicherweise ist dies an anderer Stelle geschehen und ich habe das bloß übersehen. Dann bitte ich um Aufklärung. Was ist mir dem Vorwurf, die Identitären würden auf lange Sicht einen Staat anstreben, der die Freiheit des einzelnen massiv einschränken würde? Im obigen Artikel finde ich nur den Angriff auf die Gegenseite, aber keine eigene Positionierung, die die Vorwürfe entkräften könnte.

Andrenio
14. November 2019 07:22

Der Artikel Gunnar Kaisers im EF hat im Leser- und Kommentatorenkreis für reichlich Unmut gesorgt. Vorher hatte Herr Lichtschlag die Stimmung allerdings schon beträchtlich angeheizt mit seiner Philippika gegen die Identitären und vor allem Benedikt Kaiser.
Im neuesten EF machte man zwar keinen Schritt zurück, die beiden Artikel von Florian Müller waren aber eine Art Friedensangebot.
Sehr erfreulich in diesem Strang ist die Tatsache, dass die Zahl derjenigen, die zwischen der libertären und der national-konservativ-identitären Position keine unüberbrückbaren Gegensätze sehen, gar nicht so klein ist.
Deshalb ist der Artikel von Martin Sellner reichlich flach, nur an der Oberfläche kratzend.
Wie schon in einem Kommentar richtig bemerkt, ist gerade das Auslassen des ordoliberalen Standpunkts ein gravierender Fehler.
Überhaupt: Ein Menschenbild, das sein auf den eigenen Vorteil ausgerichtetes Tun weitgehend ausblendet, ist eine Traumvorstellung.
Lichtschlag hat für einen Diskurs ein libertäres Minimum als Bedingung gestellt. Dazu hat er jedes Recht. Warum dieses nicht annehmen, um angesichts des übermächtigen Gegners nach Synergien zu suchen?
Von der libertären Seite könnte man viel über Geldwerttheorie lernen. Und da hapert es ganz gewaltig im Umfeld der Identitären. Auch fehlt es am klaren Blick für die Automatismen bei der Tendenz zur Zuspitzung der Auswüchse des Leviathan.
Eine grosse Bitte an Benedikt Kaiser:
Verfassen Sie bitte einen Artikel, besser noch eine Schrift im Kaplakenformat mit dem Arbeitstitel "Was eint uns mit den Libertären gegen den gemeinsamen Feind?".

Waldgaenger aus Schwaben
14. November 2019 08:19

@Cugel
Manche Block-Wähler wählen aus Angst ud Bequemlichkeit, das was sie wählen. Das stimmt.

Manche der der Block-Wähler wissen aber genau was sie tun. Sie wollen natürlich als einzelne weiterleben, nicht aber als Volk mit eigener Kultur und Geschichte.

"Hier liegt eine durchaus metaphysische Wendung zum Tode vor. Der letzte Mensch der Weltstädte will nicht mehr leben, wohl als einzelner, aber nicht als Typus, als Menge; in diesem Gesamtwesen erlischt die Furcht vor dem Tode. Das, was den echten Bauern mit einer tiefen und unerklärlichen Angst befällt, der Gedanke an das Aussterben der Familie und des Namens, hat seinen Sinn verloren. Die Fortdauer des verwandten Blutes innerhalb der sichtbaren Welt wird nicht mehr als Pflicht dieses Blutes, das Los, der Letzte zu sein, nicht mehr als Verhängnis empfunden. "
-------

(aus: Der Untergang des Abendlandes)
Wie das zahlenmässige Verhältnis der beiden Typen von Block-Wählern zueinander ist, weiß niemand.

Mich persönlich hat eben dieser Text, als ich ihn mit Anfang Zwanzig las tief, dazu bewegt alles daran zu setzen, eben nicht zu diesem "Typus" zu gehören. Und es ist mir gelungen.

Jedenfalls müssen wir einfach davon ausgehen, dass nicht alles was Spengler schreibt, schicksalshaft ist. Einer Zeit des Niedergangs kann ein neuer Aufstieg folgen.
Etwas Besseres als den Tod finden wir allemal. (Bremer Stadtmusikanten)

"Der erste unter den Epigonen der Sicherer ..."
Dunkel bleibt der Sinn Ihrer Rede.

Andreas Walter
14. November 2019 08:38

Der grösste Feind der Lüge ist die Wahrheit.

http://falschzitate.blogspot.com/2017/12/die-wahrheit-ist-der-todfeind-der-luge.html

Lügen erweitert allerdings den Handlungsspielraum ungemein.

Gut erkannt darum, Herr Sellner.

Die Antwort auf Ihre Frage finden Sie hier:

https://epdf.pub/hayek-on-hayek-an-autobiographical-dialogue.html

Ein spannendes kleines Buch, gerade auch für einen Österreicher, der sich für die Wiener Schule der "Nationalökonomie" interessiert.

Monika
14. November 2019 09:29

Wichtiger als mit Linken reden oder daraufhin arbeiten, dass Linke mit uns reden, ist m.E. , dass wir untereinander reden!
Libertär/patriotisch-national-konservativ- neurechts-sozialpatriotisch...
Darüber wird zunehmend zu reden sein. Unter welchem Dach sich die verschiedenen Positionen vereinen lassen oder wo es zu Trennungen kommt, bzw.kommen muss, wird sich bald erweisen,
Zum Vorwurf, dass die Identitären die berechtigte Kritik am der Masseneinwanderung und deren verheerenden Folgen, benutzen, um heimlich ihre politische Agenda einzuführen , ein kleiner Erfahrungsbericht .
Nach den ersten schlimmen Nebenwirkungen kulturfremder Masseneinwanderung ( Silvester Köln 2015, Mord an Maria L., Mia , Susanna u.a., Vergewaltigungen) war das Volk noch in Aufruhr.
Bei der ersten großen Demo mit 4000 Teilnehmern in Kandel nach den Mord an Mia Valentin
war Wut, Verweiflung, Ohnmacht, Trauer zu spüren. Die Menschen gaben ganz spontan ihren Gefühlen Ausdruck. Das war bewegend zu erleben ( genauso empfand ich übrigens die zweite Pegida Demonstration in Dresden auf der Cockerwiese) . Will heißen, es gab noch keine „ideologische Vereinnahmung“ bei diesen großen Demonstrationen. Die Vereinnahmung erfolgte bei den folgenden Veranstaltungen.
Natürlich müssen auf diese schlimmen Geschehnisse politische Konsequenzen folgen. Bei der zweiten großen Demo in Kandel trat die IB auf mit der Forderung nach Remigration, Herr Stürzenberger kam mit seinem Übertragungswagen angereist und trat mit seinen islamkritischen Forderungen und Parolen an die Spitze des Zuges. Bei der nächsten Demo kam es dann zu massiven Gegenauftritten der Linken und Kirchen und jetzt hüpfen in Kandel nur noch ein paar verwirrte Omas gegen Rechts herum. Damit will ich sagen, dass der Anfangsschwung des Protestes durch eine vorschnelle politische Vereinnahmung verschiedener Seiten völlig abgebremst und niedergeschlagen wurde. Eine bleierne Schwere liegt über dem Land.
In dieser Zeit der ersten Übergriffe auf junge Frauen bildete sich auch die Gruppe 120 Dezibel. Sie kam m. E. dem Massenprotest in der theoretischen Nachbereitung am nöchsten. . Die Gruppe war an der Zeit. Heute hört man nichts mehr von den jungen Frauen. Damals nutzte Herr Sellner diese Gruppe, um seinen identitären Ideen mehr Kraft zu verleihen. In einem seiner zahlreichen Videos wies er darauf hin, dass die deutschen Frauen am meisten unter der Einwanderung junger kulturfremder Männer zu leiden hätten, deshalb 120 Dezibel. Ich schrieb Herrn Sellner damals, dass auch nichtdeutsche und nichteuropäische Frauen , die in Deutschland leben, von dieser Gewalt betroffen seinen. (konkret ging es um ein vergewaltigtes chinesisches Mädchen in Bonn).
Um es zum Ende zu bringen. Gewalt gegen Frauen durch kulturfremde Männergruppen abzulehnen ist ein übergreifenderer Wert ( universeller Wert) als Gewalt gegen deutsche Frauen abzulehnen. Hier trennen sich liberale, christliche, neurechte Interpretationsrahmen.
Ohne übergreifende universelle Werte geht es nicht !
Multikulturalismus behauptet die Gleichheit aller Kulturen und lehnt übergreifende Werte ab.
Ethnopluralismus behauptet nicht die Gleichheit aller Kulturen und lehnt ebenfalls universelle Werte ab.
Worin besteht nun eigentlich der Unterschied ?
Zur Liberalismuskritik. Es gibt auch eine aufgeklärte Kritik an der Aufklärung. Aufklärung an sich ist nicht das Übel.
Die Frage lautet aber : Freiheit wozu ? Nicht: Freiheit wovon?
Die Gefahr ist es, mit der Ablehnung einer liberalistischen verstandene Freiheit auch die personal verstandene Freiheit ( Gewissen, Verantwortung) aufzugeben.
Hier muss sauber unterschieden werden.

Franz Bettinger
14. November 2019 09:53

@Benlamin Kaisers Beitrag zum Thema fand dich äußerst wichtig. Gut, dass er noch auf den Tisch kam. Meine Frage - die aber nicht hier im Strang beantwortet werden muss - wäre: Wie viel Sozialismus darf es denn sein, Herr Kaiser? Grundsätzlich gar keinen? Oder nur einen als Gnade oder Gnadenbrot gewährten? (Gnade = unverdientes Geschenk = Gabe, auf die man keinen einklagbaren Anspruch hat)

Maiordomus
14. November 2019 10:02

@Auf Monikas einleitende Mahnung vom 14. Nov. muss wohl bestanden werden.

Es handelt sich hier noch klar um eine unausgereifte Debatte, gilt auch für Sellner, der sich nicht so sehr auf Hayek kaprizieren sollte sondern den wohl bedeutendsten deutschen Oekonomen des 20. Jahrhunderts aufarbeiten, nämlich Wilhelm Röpke, verstorben 1966. Dieser war nie ein Anhänger des Bevölkerungsaustauschs, sondern ein umso stärkerer Befürworter zum Beispiel des mittelständischen Familienbetriebes und von ihm stammt auch die Grundthese, dass keine Marktwirtschaft auf Dauer eine Chance hat ohne Grundwerte jenseits von Angebot und Nachfrage. Röpke warnte schon vor 60 Jahren vor der katastrophalen Überbevölkerung, die uns zumal von den Entwicklungsländern her bevorsteht; überdies war er ein entschiedener Verteidiger des Goldstandards. Stabilisierende Massnahmen gegen Masseneinwanderung, in den Sechziger Jahren Südeuropäer aus katholischen Ländern, befürwortete er; ausserdem übte er massive und massivste Kritik an den Wirtschaftsgrundsätzen von Keynes, kritisierte den Zynismus von dessen Satz "In the long run we all are dead". Und selbstverständlich hielt er nichts von Sozialismus, auch nichts vom nationalsozialistischen Etatismus. Hier müsste man wohl für eine vernünftige Politik ansetzen.

Laurenz
14. November 2019 10:10

@das Kapital, Fredy, bb und alle anderen verkappten FDPler, unseren Edel-Sozialisten.

Ihr ewig gestriges Geschwafel geht uns solidarischen Patrioten gediegen auf den Senkel. Sie wollen nur unterminieren, die konservative Rechte dazu bringen, sich darauf zu beschränken, sich mit der FDP um 2% der Wähler zu kloppen.

Da rechts der AfD keinen nennenswerten politischen Kräfte existieren, kann der Weg der AfD zur Volkspartei nur zur gesellschaftlichen Mitte gehen. Dort befinden sich aber keine Liberalisten. Liberalisten sind links außen, privilegierte Berufsgruppen, die sich 70 Jahre in bundesrepublikanischer Geschichte an der Allgemeinheit bereichert haben, eine sehr individuelle Ausgestaltung eines verkappten Politbüros. Das Geschäftsmodell der Liberalisten ist aber ausgelaufen. Wir leben nicht mehr in einem 3-Parteien-System, sondern in einem 2-Parteien-System, die 5 Parteien der Nationalen Einheitsfront 2.0 und aus der AfD.
In der gesellschaftlichen Mitte befinden sich die vielen Arbeitnehmer und die Verantwortungs-bewußten Unternehmer, und keine egomanen Freiberufler & Konsorten.
Übrigens, der Arbeitnehmerschutz ist schon so weit dereguliert, daß die Arbeitnehmer das unternehmerische Risiko tragen, siehe Zeitarbeit. Von daher verwischen jetzt schon die Unterschiede zwischen selbständiger und nicht-selbständiger Arbeit.
Von daher besteht auch keine Veranlassung, Selbständige und Freiberufler von einer Pflichtversicherung (Kranken- und Sozialversicherung) auszuschließen.

Herrn Sellner hier mangelnde Darlegung einer freien Gesellschaft vorzuwerfen, schlägt dem Faß den Boden aus.
Die Neue Rechte, zu der ich auch die "alten" weißen solidarischen Patrioten zähle, spricht sich für tatsächliche bürgerliche Freiheit, direkte Mitbestimmung und Verantwortung aus. Die Bedenken von Herrn Benjamin Kaiser lassen sich nicht durch die absolute Macht internationaler Konzerne lösen, sondern nur durch vermehrten Föderalismus, welcher den individuellen Bürger an sich mehr in die Verantwortung nimmt.
Von daher liegt die Förderung bürgerlicher Freiheit nicht im bolschewistisch-liberalistischen Lager, sondern bei uns, der Rechten.

Liebe linke Liberalisten, schlagen Sie Sich die Flausen aus dem Kopfe und helfen Sie uns Rechten, den Bürger und nicht die Konzerne zu befreien. Hier können wir gerne um die wichtigen Maßnahmen debattieren, und Ihre belanglosen Befindlichkeiten aus Ihrem Lager können Sie gerne an den Kleiderhaken der Geschichte hängen, dazu gehört auch Herr Hayek.

Imagine
14. November 2019 10:39

In der BRD leben ca. 1 Prozent der Weltbevölkerung und in Österreich und der Schweiz ca. 1 Promille. Aus der globalen Perspektive ist D ein Kleinstaat und A sowie CH sind Zwergstaaten.

Mit rund 1,4 Milliarden Einwohnern ist China das bevölkerungsreichste Land der Erde. China ist inzwischen zur Werkbank der Welt geworden. Die chinesische Belt and Road Initiative (BRI) aka „Neue Seidenstraße“ ist das größte Infrastrukturprojekt der bisherigen Menschheitsgeschichte.

Um ein derartiges sozio-ökonomisches System zu steuern, braucht es entsprechende Sozialtechnologien. China verfügt über die fortgeschrittenste Sozialtechnologie, weil es sich auf die wissenschaftlich fortschrittlichsten Sozialtheorien stützt, nämlich auf die Theorie von Marx und deren Weiterentwicklungen.

Im BRD-Nachkriegsdeutschland hatte die Soziologie ihren wissenschaftlichen Höhepunkt um das Jahr 1970. Danach wurde die Soziologie zu einer heruntergekommenen, affirmativen Wissenschaft. Entscheidenden Anteil hatte daran die Politik der Berufsverbote gegen die systemkritische Intelligenz.

Ein entscheidender Faktor für die Entwicklung einer Gesellschaft – für Auf- oder Abstieg – ist die Elitenbildung. Und hier sieht es in Deutschland seit einem halben Jahrhundert ganz finster aus. Schon in den 60-er Jahren sprach man von einer Bildungskatastrophe, man kritisierte die Bildung von „Fachidioten“. Adorno schrieb seine „Theorie der Halbbildung“ und entlarvte diese als Dekadenzform von Bildung. Auch der damalige SDS formulierte: „Elite tut not!“

Der geistige Verfall Deutschlands zeichnete sich schon früh an.

Allerdings gab es dennoch einige Highlights in der Theoriediskussion, wobei m. E. insbesondere zwei Namen hervorzuheben sind, die inzwischen fast völlig aus dem öffentlichen Bewusstsein verschwunden sind, nämlich Radovan Richter mit seiner Theorie der wissenschaftlich-technischen Revolution (cf. „Zivilisation am Scheideweg“) und Alfred Sohn-Rethel mit seinen Erkenntnissen zu geistiger und körperlicher Arbeit sowie zum transzendentalen Subjekt. Weiterhin sein Konzept einer gebrauchswert-orientierten Ökonomie versus kapitalistische Tauschwert-Ökonomie.

Die damalige Bildungsdiskussion ist aus dem medialen und wissenschaftlichen Bewusstsein verschwunden. So ist es auch nicht verwunderlich, dass ein Ossi wie Bosselmann – obgleich Historiker und Lehrer - davon offensichtlich überhaupt nichts mitbekommen hat.

Chinas Langzeitplan beinhaltet, sich bis 2049 zur führenden Nation dieser Welt zu entwickeln. Warum 2049? Es sind 100 Jahre nach Gründung der Volksrepublik China.

Das ist kein Geheimwissen. Man kann es beispielsweise beim Sinologen Harro von Senger nachlesen.

Bis 2049 sind es nur noch 30 Jahre. Wie wird es dann in Deutschland, in Österreich oder in der Schweiz aussehen?

Das US-Imperium ist in weiten Bereichen durch „Shitholes“ gekennzeichnet. Und selbst in den USA setzt sich die Verslumung unaufhaltsam fort.

Franz Bettinger
14. November 2019 11:53

@viele starke Beiträge. Ich kondensiere mal, wenn ich darf, was ich für wichtig halte: Der klassische Liberalismus ist auf den Freihandel ausgerichtet. Als Deutschland aus 44 Fürstentümern bestand, damals war Freihandel ein echter Fortschritt, aber auch die Liberalen brauchten den Staat als Schutzraum für die Rechte des Einzelnen. Die Zeiten haben sich verändert und damit die Anforderungen an das „Liberal Sein Wollen". Der Liberalismus (der freie Güter- und Kapital-Verkehr) und sogar die freie Migration, hat heute drei Voraussetzungen: 1) Goldstandard, 2) Kein Sozialstaat, 3) Keine Haftungs-Beschränkungen. Unter diesen drastischen Umständen gäbe es kaum Migration von Schwachen und Schwachköpfen, allenfalls von Starken und Tüchtigen, gegen die nichts einzuwenden wäre. Nicht der Fortschritt, sondern das 'Wachstum' ist die Ideologie, die vielen Problemen zugrunde liegt.

@Das Kapital: Sind Sie’s @Martini? Bitte nicht antworten. Ich möchte weiter raten ;-)

Maiordomus
14. November 2019 12:08

@Bettinger. Mit den drei Punkten Goldstandard, beschränkter Sozialstaat und keine Haftungsbeschränkungen sind Sie durchaus auf der Linie Röpkes, wobei dieser schon vor 50 Jahren beim Mainstream äussertst umstritten war. Nicht zu unterschätzen der von Röpke angeforderte "Respekt vor dem Geld", womit er nicht den Mammonismus meinte, sondern im Gegensatz Verantwortungsfähigkeit auf diesem Gebiet. Immerhin galt Röpke als Liberaler, wobei die sogenannt modern Liberalen in ihm immer einen reaktionören Liberalkonservativen gesehen haben. Noch wichtig: staat aus Hayek ein Feindbild zu machen, wäre es besser, ihn genau zu lesen; Einwanderung in einen Sozialstaat war natürlich das Gegenteil seines Projektes, und auch die Bergpredigt ist nach Hayek nicht gerade eine Staatsaufgabe, ganz im Gegenteil!

Gustav Grambauer
14. November 2019 12:16

Benjamin Kaiser meint, Liberale seien "gegen Umverteilung"??? Wie meinen??? Doch, von deutschen Kommunen nach London-City, auf die Cayman-Inseln, nach Panama und an den Zugersee, immer gern!

Maiordomus

"... den wohl bedeutendsten deutschen Oekonomen des 20. Jahrhunderts aufarbeiten, nämlich Wilhelm Röpke, verstorben 1966."

Jeder anständige Deutsche wird diesen Rockefeller-Zögling als Spalter und Verräter verachten (ab 2:06):

https://www.youtube.com/watch?v=IsLQO5xCMw8

Auch Röpkes Mont-Pelerin-Gesellschaft würde jeder anständige Deutsche sinnbildlich nur mit der langen Pinzette, Mundschutz und Gummihandschuhen anfassen. Diese "feine" Gesellschaft hat den liberalen Jargon völlig außenstehender Psychopathen maßgeblich geprägt, ganze Nationen in "gesunde" und "kranke" ("der kranke Mann Europas" usw.) einzuteilen, wobei die "kranken" nur diejenigen sind, die ihre öffentliche Infrastruktur noch nicht mit "Privatisierungen" und austeritätsfanatischen Programmen ("Kuren") haben ausplündern lassen.

Und nochmal: diese Fronde hat, weil sie "mit Siegen nicht aufhören konnte", jetzt verloren. Gut so.

- G. G.

Laurenz
14. November 2019 12:26

@Imagine .... bedenken Sie, daß Sie hier nicht im Altersheim vortragen, was keine Schande wäre, sondern auf SiN. Von daher bitten ich Sie, uns mit Ihren orientalischen Märchen aus 1000 und einer Nacht zu verschonen. Alleine die soziologische Kompetenz Chinas, die aus der Gestapo-/NKWD-Mentalität, also von totalitären Systemen abschreibt, die Sie hier benennen, fällt der Absurdität und des Wahns anheim. Im chinesischen Politbüro sitzt kein einziger Soziologe oder Psychologe, und Sie, Imagine, werden Schwierigkeiten haben, uns auch nur einen einzigen Soziologen aus den Nationalen Volkskongreß Chinas zu benennen. Und Karl Marx uns als soziologische Kompetenz verkaufen zu wollen, gleicht Lenin, Sie wollen uns bloß den Strick verkaufen, an dem wir aufgehängt werden sollen. Da wäre es schon besser, Sie lesen im Altersheim den Rentner zur Erbauung Grimms Märchen vor als hier Maulaffen feilzubieten.

@Franz Bettinger ..... ich muß Dir ernsthaft widersprechen. Herr Sellner hat Deinen liberalistisch-bolschewistischen Unfug komplett aufgemischt, und das zu Recht.
Die USA nehmen pro Jahr 1 Mio. Neu-Bürger auf, ohne nennenswerte soziale Leistungen zu verteilen. Alleine dieser Fakt, wie die Mauer-Debatte Trumps zeigt den Unfug Deines Beitrags, wie den der ganzen liberalen Bolschewisten hier. Und die mehrheitlich in die USA einreisenden Mexikaner gehören noch nicht einmal zu den Ärmsten des Planeten, siehe hier https://youtu.be/YsRQNu9Jg7k alt, aber gut.

Imagine
14. November 2019 13:21

Herr Laurenz, Sie sind eine Personifikation des Stammtischs.

Ihre Weltsicht besteht aus subjektiven Konstrukten und Projektionen - ohne wissenschaftliches Fundament. Vor allem mangelt es an der Entwicklung wissenschaftlichen Denkens und an kognitiver Kompetenz. Daher kann der Stammtisch auch seine logischen Widersprüche nicht erkennen.

In kommunistischen Organisationen verläuft die Theorie- und Kaderbildung anders als im bürgerlichen Wissenschaftsbetrieb. Zu glauben, die KPCh verfüge über keine soziologische Theorie ist geradezu idiotisch.

Das theoretische Fundament der KPCh ist der „Sinomarxismus“ (vgl https://de.wikipedia.org/wiki/Harro_von_Senger).

Franz Bettinger
14. November 2019 13:23

@Laurenz: ich habe länger nachdenken müssen, was an meinem Kommentar du eigentlich kritisierst. Es muss dieser Teilaspekt sein, den du auf meine (echt?) Aussage verkürzt, "die freie Migration wäre dann okay, wenn es keinen Sozialstaat gäbe“, also kein Magnet. Das habe ich zwar so weder gesagt noch gemeint, aber vielleicht ist es bei dir so angekommen. Mein Pech, mich unverständlich auszudrücken. Nun, ich gebe dir recht, und dein Mexiko-Beispiel widerlegt diese Aussage von Liberalen in der Tat. Ansonsten: Dein Totalverriss ist überrissen. Ich verzeihe dir ;-) (Kenn dich ja.)

Laurenz
14. November 2019 14:04

@Franz Bettinger, würde ich nicht provokant und überzogen schreiben, erhielte ich keine Aufmerksamkeit. Ich meine hier gar nichts persönlich und möchte Dich lieber auf den neuen Artikel von Herrn (Benedikt) Kaiser hinweisen, der qualifizierter, als ich es kann, das Resultat dieser Debatte hier vor Augen führt.

@Imagine ...
Danke für Ihren Beitrag, gemäß der Tradition aller meiner Kombattanten hier, werden Sie nun persönlich, weil Sie nichts mehr auf der Pfanne haben, was Sie auf den Tisch legen können.

Intellektuelle Exkremente eines totalitären Systems, was das zur Wahrheit macht, was nur wahr sein darf, ist für uns nicht von Belang und für Sie nämlich auch nicht. Sie glauben doch nicht im Ernst, daß Sie in China auch nur einen solchen Imagine-Post auf einem Blog durchkriegen würden? Ich wünsche Ihnen von daher eine gute Reise ins gelobte Land, Sie verblichener Held der ehemals Werktätigen.

das kapital
14. November 2019 14:10

@Laurenz

Für Aufklärer ist vor allem eines wichtig zu verstehen:
Menschen sind n u r vernunftbegabt.
Sie sind n i c h t vernunftgesteuert.
Das ist ein große Chance für die Rückwärtsdenker, sich bei den Menschen Mehrheiten zu verschaffen. Aber das sind dann eben auch Mehrheiten jenseits der Vernunft.
Und da liegt in der Demokratie auch der Hase im Pfeffer.
Wenn die Mehrheit der Menschen nicht vernunftge-steuert ist und sich Politik Mehrheiten sichern muss, was für Mehrheiten werden das dann sein und mit welchen Mitteln werden sie erzeugt ?
---
Irgendeine Art "Framing" wird das wohl sein. Und manche glauben daran, dass es reicht, ein linkes durch ein rechtes Framing zu ersetzen. Bloss bleibt dabei die Wahrheit auf der Strecke, wenn die eine Art zu lügen, mit der anderen Art, zu lügen kämpft. Es gewinnt entweder die Lüge oder die Lüge oder es geht unentschieden aus. Aber die Wahrheit bleibt so oder so auf der Strecke.

---

Sie scheinen auch zu glauben, dass es genügt, auf die rechte Art zu "framen". Dann würde die Wahrheit schon auf der Strecke bleiben.

"Ihr ewig gestriges Geschwafel geht uns solidarischen Patrioten gediegen auf den Senkel. Sie wollen nur unterminieren, die konservative Rechte dazu bringen, sich darauf zu beschränken, sich mit der FDP um 2% der Wähler zu kloppen."

Das nenne ich ein Framing, das sich gewaschen hat. "Wir wollen gar nicht erst hinhören. Wir ertragen keine andere Meinung. Weil wir ja solidarische Patrioten sind und unsere eigene beschränkte Weltsicht uns vollkommen genügt. Bloss nichts Kompliziertes. Solidarische Patrioten wünschen sich die Welt wie Ritter Sport. Quadratisch. Praktisch gut.

RMH
14. November 2019 14:38

"Das theoretische Fundament der KPCh ist der „Sinomarxismus“"

Ja, @Imagine,
und Sie scheinen von dort bezahlt zu werden, sagt dann wiederum der Stammtisch ... ;)
(Achtung, Ironie).

starhemberg
14. November 2019 15:02

@Gustav Grambauer - diese Attacke auf Röpke ist allerunterste Schublade. So kommen wir jedenfalls nicht weiter.

Andreas Walter
14. November 2019 15:20

@Imagine

Hahaha, ja, nur 1% der Weltbevölkerung, doch trotzdem die Marktmacht Nummer 4 gleich hinter Japan mit etwa 1,5% der Weltbevölkerung. Man stelle sich daher Japan oder Deutschland nur mal mit einer Bevölkerung wie China oder Indien vor, oder mit einem Land so gross und reich an Rohstoffen wie die VSA.

https://www.visualcapitalist.com/the-86-trillion-world-economy-in-one-chart/

Beim Export liegt Deutschland sogar auf Platz 3, ganz dicht hinter den VSA und noch weit vor Japan. Selbst ohne Nationalismus, Kernwaffen, Flugzeugträger und ein die Welt umspannendes Netz an Militärbasen für knapp 700 Milliarden Dollar im Jahr, über doppelt so viel wie der ganze deutsche Bundeshaushalt, der überwiegend aus Sozialleistungen besteht.

https://www.visualcapitalist.com/mapped-worlds-largest-exporters-in-2018/

Doch auch Respekt muss man sich eben erkämpfen dürfen, heute halt mit Atomwaffen.

Verwechseln Sie daher bitte nicht Militärmacht mit Marxismus, der bisher eigentlich noch nie jemand etwas gebracht hat. Arbeiten mussten die Sowjets nämlich auch bis zum Anschlag, nur um wenigstens die Grundbedürfnisse befriedigen zu können, wenn nicht gerade mal wieder ein paar Millionen verhungert sind, beziehungsweise, verhungern gelassen wurden.

Märchen und unwahre Geschichten erzählen, das aber können sie wie bereits in die Wiege gelegt, die kings of propaganda and delusion. Dass hier daher überhaupt noch jemand auf Sie eingeht, Imagine, zeugt schon von einer Menge Wohlwollen bei den angeblichen "Nazis".

heinrichbrueck
14. November 2019 15:32

Der Liberalismus ist doch nur die Nutte, die von Konservativen durchgefüttert wird. Eigennutz geht vor Gemeinnutz. Echte Libertäre kann es erst geben, wenn der Staat verschwunden sein wird. Aber nicht allzulange, dann nämlich befinden sich diese Behinderten auf dem Friedhof. Fremdbestimmte Willkommenspolitik darf weitergehen, keine Frage, bis auch der letzte Konservative aber so richtig auf den Putz haut. Der Konservative denkt moralisch und damit unpolitisch. Den Individualismus der privaten Eigenbestimmung, die abhängig von der politischen Fremdbestimmung ist, haben alle gemein. Libertäre fahren doch auch die moralisierende Tour gegen den Staat, den es eigentlich nicht geben sollte, damit der Markt alles regeln kann. Kleine Fische, die, fällt die Sicherheit des Staates weg, sofort von größeren Fischen (der größte wird automatisch "Staat") gefressen werden, aber ihre Wahrheit geldabhängig definieren. Geld schlägt Volk. Was ist eine solche Wahrheit politisch wert? Und immer muß es der Mensch sein. Welcher Mensch? Müssen denn libertäre Eskimos einverstanden sein, wenn ein mitteleuropäisches Volk seinen Lebenswillen durchsetzt? Deutsche brauchen einen eigenen Staat, auch wenn sie es nicht wahrhaben wollen. Politik muß in die Zukunft planen können, und hier scheiden sich die Geister.

Und nur keine Angst, die Freiheit, ersetzt zu werden, bleibt. Wie jedem Germanen die Freiheit, ist jedem Demokraten sein Ersetzungsmigranten. Wer kein Recht mehr hat, ersetzt zu werden, dem ist die Freiheit genommen. Die Frankfurter Schule hat ganze Arbeit geleistet. Die bürgerliche Gesellschaft als idealer Zinsknecht. Ein Kampf um Leben und Tod, jeder gegen jeden, und jeder langfristig allein zu schwach.
Moral und politisches Denken gehen einfach nicht zusammen. "Sinomarxismus" (sowas kommt dabei heraus).

nom de guerre
14. November 2019 15:41

Welchen Sinn macht eine Auseinandersetzung innerhalb des patriotischen Lagers zum jetzigen Zeitpunkt, zumal eine so heftig geführte? Diese gegenseitigen Angriffe, statt sich auf das Verbindende zu verständigen, nützen m.E. nur dem eigentlichen Gegner.

Ferner ist Liberalismuskritik zwar sicherlich legitim, jedoch bleibt diese Kritik oberflächlich, wenn man den Ordoliberalismus bei der eigenen Argumentation außen vor lässt. Herr Sellner nimmt hier Extremformen liberalen Denkens als Maßstab an, an denen er dann mit seiner Kritik ansetzt. Diese Vorgehensweise ist nicht unbedingt falsch, nur hat das Gegenüber keinen Grund, sich diesen Schuh anzuziehen. Intellektuelle oder gesellschaftliche Strömungen bringen im Allgemeinen moderate ebenso wie extreme Ausformungen hervor, aber warum sollten in irgendeinem dieser Fälle Vertreter einer gemäßigten Variante deren Delegitimation hinnehmen, einzig mit dem Verweis darauf, dass es ja auch noch die extreme Version gibt? So zu argumentieren ist im Grunde das, was der linke Mainstream mit der AfD versucht: „Ihr seid nicht legitim, denn wer so denkt wie ihr, wer dies zu Ende denkt, landet zwangsläufig bei den Positionen der NPD!“

Was mich an dem Artikel aber eigentlich stört, ist, dass die Positionen Martin Sellners, der IB (bzw. der Neuen Rechten, sofern diese identisch sein sollten; mir ist das nicht klar) letztlich nicht geklärt werden. Sellner legt zwar die geistesgeschichtliche Grundlage seiner Gedankengänge dar, nicht aber seine Ziele. Zu schreiben, bestimmte Vorwürfe seien lächerlich, bedeutet, sich gegen diese zu verwahren, nicht sie zu widerlegen. Das kann bzw. sollte man machen, wenn es um ehrabschneidende Behauptungen/Wertungen geht, etwa wenn David Berger von seinen „intellektuell parfümierten Nazis“ anfängt (soweit man darauf überhaupt eingehen möchte). Aber wenn es auf einer sachlichen Ebene, auch für das eigene Lager, um die Frage geht, wohin die Reise gehen soll, finde ich das zu wenig.

Ich selbst lese hier seit nicht ganz drei Jahren mit und stehe der Neuen Rechten (die ich vorher nur am Rande wahrgenommen habe, d.h., ich las in den ca. 15 Jahren davor ab und zu die Junge Freiheit, mehr allerdings nicht) wohlwollend gegenüber, würde mich aber nicht als zugehörig betrachten – auch wenn ich inzwischen durch weiterführende Lektüre einige Standpunkte revidiert habe, die ich früher nicht in Frage gestellt hätte.

Trotzdem habe ich immer noch sehr viele Fragezeichen im Kopf: Von den Artikeln auf SiN lese ich über die Hälfte, bei der gedruckten Sezession sind es aus Zeitgründen leider weniger, aber ich frage mich nach wie vor, was Sie, die Neue Rechte, jenseits von Remigration – deren Forderung ich nicht als Vorwand betrachte – eigentlich wirklich wollen. Sie halten den Liberalismus, die liberale Gesellschaft für ein gescheitertes Modell, soweit habe ich es verstanden. Das kann man m.E. so sehen, zumindest bin ich damit einverstanden, dass eine Gesellschaftsform, die ausschließlich vom Individuum und dessen Rechten ausgeht und meint, ohne gewachsene Bindungen auskommen zu können bzw. diese aktiv dekonstruiert, auf Dauer nicht gedeihen kann. Auch das Buch von Kleine-Hartlage zur liberalen Gesellschaft leuchtet mir zwar nicht in allen Punkten ein, vieles darin ist jedoch nicht von der Hand zu weisen.

Aber was ist Ihre Alternative, wie soll diese konkret aussehen? Was ist an der Idee von Grundrechten als Abwehrrechte gegen den Staat sowie an der Garantie von Freiheit und Eigentum grundsätzlich verkehrt? Wie soll eine Gesellschaft verfasst sein, in der dies nicht mehr gilt? Oder verstehe ich an diesem Punkt etwas falsch und darum geht es gar nicht?

Und wenn von solidarischem Patriotismus die Rede ist (als Schlagwort zweifelsohne gut gewählt), was ist damit gemeint?

Der_Juergen
14. November 2019 16:40

Ich gehöre nicht zu den Lesern von "Eigentümlich frei", und dass Andre Lichtschlag über Sellner herzieht, lässt meine Sympathie für ihn und seine Denkweise auf Null absinken. Sellner und der IB in den Rücken zu fallen, ist äusserst schäbig, und wer das tut, ist für mich ein Feind und kein Verbündeter, möge er nun Lichtschlag, Stein oder Berger heissen.

Selbstverständlich darf man die IB und Sellner in Detailfragen kritisieren, ebenso wie man Kubitschek kritisieren darf, doch ausschliesslich aus der Perspektive des Verbündeten und Freundes.

Wie ein intelligenter Rechter ernsthaft glauben kann, die libertäre Ideologie könne uns unter den heutigen, dramatischen Umständen hilfreich sein, ist mir ein Rätsel. Es scheint mir auf der Hand zu legen, dass nur ein straff organisierter Nationalstaat mit sehr weitgehenden Befugnissen und einer starken sozialistischen Komponente eine Chance haben wird, sich in den kommenden, gewaltigen Stürmen zu behaupten.

Utz
14. November 2019 16:44

@ nom de guerre
Ihren Artikel kann ich in allen Punkten unterstützen und wiederhole damit meine Bitte an Martin Sellner, doch bitte noch einen Artikel zu schreiben, in dem er die Angriffe an die IB dadurch pariert, daß er erklärt was die IB besser macht als die, die sie angreifen und warum die Angreifer nicht recht haben und wie sich die IB die Zukunft KONKRET vorstellt.

Ich erlebe oft, daß die IB als unmöglich dargestellt wird. Ich argumentiere manchmal dagegen, stelle dann aber fest, daß ich nicht ausreichend sattelfest bin. Zwar haben meine Kontrahenden oft auch nur ein Halbwissen (oder weniger), aber uns als Fußvolk wäre schon geholfen, wenn wir die Hauptangriffe parieren könnten.

RMH
14. November 2019 16:55

@zeitschnur,

"Und wenn von solidarischem Patriotismus die Rede ist (als Schlagwort zweifelsohne gut gewählt), was ist damit gemeint?"

Ich kann aus dem Begriff - auch auf die Gefahr hin, jetzt völlig daneben zu liegen - bislang nur herauslesen, dass man damit oberflächlich betrachtet eben breitere Kreise von Wählern ansprechen will (da ist eigentlich viel Sozialdemokratie im Spiel, wie man sie früher, von vor der Zeit des "Genosse der Bosse" kannte) und eigentlich aber damit meint, dass man sich aktiv auf eine multi-ethnische Bevölkerung in Deutschland einstellt und eine Interessenvertretung und Solidarisierung der damit zur einer ethnischen Gruppe/Fraktion in Deutschland werdenden (ethnischen) Deutschen bilden will, so wie viele andere Gruppen eben ihre "Zentralräte", Verbände etc. haben und bei Bedarf immer und jederzeit die "Blut ist dicker als Wasser"-Karte spielen können, wo Deutsche ja bekannterweise sich sehr zieren damit. Es kann damit auch eine Rückzugsposition sein.

"eine Auseinandersetzung .... zum jetzigen Zeitpunkt, zumal eine so heftig geführte?"

Ich denke, dass kann man nur damit versuchen zu erklären, wenn man einmal maßgebliche Protagonisten der jeweiligen Lager inoffiziell, "off the records" hat zuhören dürfen - und das schaukelt sich wohlgemerkt jetzt ja schon seit Jahren leicht aber stetig bei immer wieder offiziell dann zwischenzeitlich beruhigenden Aktionen hoch. Ich nenne bewusst keine Namen, aber wenn bspw. von einer prägenden Figur der neuen Rechten in meiner Gegenwart die "Liberalen" aus dem ef-Umfeld pauschal als "Schweinchen-Schlau-Typen" charakterisiert werden (ist noch das mildeste) und auf der anderen Seite man mitbekommt, wie leicht und kurzschluss-artig bei Liberalen abseits des Schriftlichen ganz mainstreamig auch der "Nazi" fällt, wenn man sich über den einen oder anderen aufregt, dann finde ich persönlich es mehr als angebracht und geboten, wenn man nun auch einmal in öffentlicher Form die intellektuellen Degen zückt und eine Partie ficht. Besser als dieser beidseitig doch zu häufig vorkommende Argwohn und die Vorurteile. Am allerbesten wäre es natürlich, wenn nach so einer Form der "Reinigung" sich alle zu nem Bier träfen und einen heben würden (aber ich denke, da geht jetzt mein eigener Idealismus mit mir durch), denn im Grunde braucht jede Seite die andere.

Laurenz
14. November 2019 17:25

@nom de guerre & das kapital

Ich habe nichts gegen Ihre Kritik an Herrn oder Sellner oder gar meine Beiträge. Allerdings können wir doch nur feststellen, daß Sie das angreifen, was Herr Sellner nicht gesagt hat. Sie gehen in keiner Weise auf des Gesagte ein, und winden sich in Ihrer verwundeten Lebenslüge.

Was sollte denn Herr Sellner über bürgerliche Freiheit schreiben oder die Abschaffung der Gewährträgerhaftung? Der Konsens muß debattiert werden?
Da Sie Alle Beide, zuzüglich der inhaltslosen Beitrage Ihrer Genossen, nur Vorwürfe fallen lassen, aber nichts Konkretes, vor allem Historisches einfließen lassen, was man als irgendeine Argumentationsgrundlage zur Hand nehmen könnte, müssen Sie Sich einen Täuschungsversuch vorwerfen lassen. Und was meinen emotionalen Ausbruch angeht, so haben Sie bitte Verständnis dafür, daß wir uns schon mehr als 30 Jahre dieses liberalistische Gequatsche anhören müssen, von den eindeutig negativen Konsequenzen liberalistischer Politik ganz zu schweigen, irgendwann reicht's halt. Legen Sie doch Herrn Sellner Ihre Fakten auf den Tisch, damit hier endlich mal tatsächlich debattiert werden kann.

@RMH .... Sie wissen selbst, daß der Sino-Marxismus nur sehr peripher mit der ökonomischen Ausrichtung Chinas zu tun hat. Machen Sie Sich doch bitte nicht zum Büttel eines Kultur-Marxisten.

ullrich
14. November 2019 17:37

Das stimmt nicht. Das Problem der Migration läßt sich einfach regeln, indem Migranten eine Abstandszahlung leisten müssen. Dies wurde auch von vielen Liberalen vorgeschlagen. Die Zahlung ist notwendig, weil die Steuerzahler in diesem Land die ganze Infrastruktur, die der Migrant in Anspruch nimmt, bereits bezahlt haben. So muss er auch seinen fairen Beitrag leisten. Allerdings im bolschewistischen Deutschland läuft es genau andersherum. Sozialleistungen werden jahrelang bezahlt. Das ist sehr ungerecht. Viele Rechte treten für Sozialleistungen und einen grossen starken Staat ein. Dies ist sehr schlecht, da dies die Freiheit und die finanzielle Bewegungsfreiheit des Einzelnen stark einschränkt. Das führt natürlich zu schlechtem Verhalten der Bürger mit oder ohne Migru. Das wird noch ganz übel enden.

ALD
14. November 2019 18:07

M.E. bester und wichtigster Beitrag von Martin Sellner bisher auf sezession.de.

An seinen eigenen Worten wird er sich von nun an messen lassen müssen.

Sellner, bleib von nun an stabil!

weniger ist mehr.

Monika
14. November 2019 18:53

@ zum Richtungsstreit innerhalb der Rechten
Es ist wie in einer alten Ehe, man streitet sich über die Jahre , manchmal auch heftiger, um in den von außen herangetragenen Herausforderungen umso härter zu bestehen. Die emotionale Grundlage muss stimmen . Das ist letztlich das Kriterium.
In einer Zeit, wo minderjährige Mädchen massenvergewaltigt werden und deren potentielle Großmütter gegen Rechts auf die Straße gehen, kann es keinen Zweifel geben, wo man sich am Ende klar positioniert. Dort , wo dieser kranke Irrsinn zutiefst abgelehnt wird. Wo die Volksseele leidet und wütet.
Alles andere ist elaborierte Scheiße.

Jan
14. November 2019 20:24

"Der englische Ökonom Paul Collier weist in seinen Büchern immer wieder darauf hin, wie wichtig eine geteilte Identität für den wirtschaftlichen Erfolg ist."

Das ist in der Tat ein sehr wichtiger und zentraler Punkt. Gesellschaften, die durch ethnische oder konfessionelle Konflikte zerrissen oder gespalten sind, sind selten wirtschaftlich erfolgreich. Solche Konflikte wirken sich auch negativ auf das seelische und psychische Wohlbefinden der Einwohner aus und daher sind diese Länder im Kunst- und Kulturbereich ebenfalls wenig bedeutsam.

Viele Menschen in Westeuropa wollen sich nicht bewusst machen, warum nach dem 2. WK überhaupt so eine soziale und politische Stabilität entstehen konnte, welche die Basis für den ökonomischen und kulturellen Erfolg bildete. Weil innerhalb der meisten westeuropäischen Nationen aufgrund der hohen Homogenität keine ethnischen und konfessionellen Konflikte mehr herrschten, konnten diese Gesellschaften im Großen und Ganzen an einem Strang ziehen und sich auf andere Dinge konzentrieren (u.a. das süße Leben), während sich viele heterogene Völker der Zweiten und Dritten Welt innerhalb ihrer eigenen Staatsgrenzen argwöhnisch beäugten oder bis aufs Blut bekämpften. Deren Hauptbeschäftigung bestand überwiegend aus territorialer Selbstbehauptung und dem Gerangel um ethnische oder kulturelle Dominanz.

Auf ihrer letzten Afrika-Reise merkte die Kanzlerin an, dass ein schwerwiegender Nachteil Afrikas die willkürlich gezogenen Staatsgrenzen der Kolonialherren sind, die ohne Rücksicht auf ethnische Befindlichkeiten unterschiedliche Stämme in ein Staatsgebilde zwängten, die untereinander nicht miteinander klar kamen. Aber warum fährt sie jetzt einen ähnlichen Film in Deutschland ab? Das ist für mich politische Schizophrenie.

Vor ein paar Jahren sah ich im Fernsehen einen Bericht über Streitigkeiten und gewalttätige Auseinandersetzungen unter den Bewohnern eines Asylheims, die natürlich entlang ethnischer und kultureller Trennlinien verliefen. Ein orientalischer Bewohner stand aufgebracht vor den Toren des Geländes und sprach in die Kamera, man könne doch nicht alle möglichen Völker der Welt in ein Lager stecken. Ja genau, und man kann auch nicht alle möglichen Völker der Welt in ein Land stecken und glauben, dass weiterhin die soziale, kulturelle und politische Stabilität gewahrt bleibt. Warum sich unsere Merkels, Altmaiers, Laschets, Scholzes usw. diese simple logische Tatsache nicht eingestehen wollen, obwohl sie ihnen bewusst ist, werden wir wohl nie wirklich erfahren. Diese Politiker sind mittlerweile wie Leute, die dahin kotzen, wo sie selber essen.

nom de guerre
14. November 2019 20:41

@ RMH
Mich irritiert im Grunde weniger der Umstand, dass überhaupt eine Auseinandersetzung stattfindet, inhaltliche Differenzen auf Dauer unkommentiert stehen zu lassen, bringt tatsächlich nichts, als der unerbittliche Ton, in dem das geschieht. Ob man unter diesen Umständen noch in der Lage sein wird, gemeinsam etwas zu reißen, erscheint mir zumindest zweifelhaft. Die Einblicke, die Sie liefern und über die ich leider (oder zum Glück?) nicht verfüge, verfestigen diesen Eindruck.

PS: Witzig, dass Sie mich als @ zeitschnur ansprechen. So ähnlich schreiben wir doch gar nicht.

@ Utz
„Ich erlebe oft, daß die IB als unmöglich dargestellt wird. Ich argumentiere manchmal dagegen, stelle dann aber fest, daß ich nicht ausreichend sattelfest bin.“

Danke für die Schützenhilfe; diese Erfahrung teile ich.

@ Laurenz
Leider kann ich Ihnen nicht folgen. Ich merke doch nur an, dass Martin Sellner es versäumt, seine eigenen Ziele, seine Alternative zum Liberalismus darzulegen. Damit unterstelle ich ihm nichts Böses und ich sehe auch nicht, was daran überflüssig sein soll, wieso greifen Sie mich also an (Lebenslügen, Täuschungsversuch)? Ist das bloß Ihr üblicher Ton oder gibt es dafür einen Grund?

bb
14. November 2019 21:20

@Laurenz
Kositza: Or nee, auf solche Zwistigkeiten hab ich wirklich keine Lust! Leute, mäßigt Euch alle u bleibt immer höflich. Das dient allen.

Porsenna
14. November 2019 21:57

@monika
"In einer Zeit, wo minderjährige Mädchen massenvergewaltigt werden und deren potentielle Großmütter gegen Rechts auf die Straße gehen, kann es keinen Zweifel geben, wo man sich am Ende klar positioniert. "

Das ist richtig. Der eigentliche Gegner sind die für eine "offene und tolerante Gesellschaft" eintretenden älteren Damen und ihre Gesinnungsgenossen, die ihr Schäfchen längst im Trockenen haben - nicht Merkels Goldstücke, die hier zu Vergewaltigern werden, die handeln nur entsprechend ihrer Sozialisation, was berechenbar und absehbar ist, der Mainstream hier aber nicht wahrhaben will.

Junge Männer aus archaisch-orientalischen Gesellschaften werden so indoktriniert, dass Frauen für sie entweder Huren oder unberührbare, reine Jungfrauen sind. Ein Mädchen, dass sich mit ihnen einlässt, sich mit ihnen trifft, ausgeht, eine sexuelle Beziehung eingeht, sich küssen und anfassen lässt - das kann nur eine Hure sein. Die verdient es aus ihrer Sicht nicht anders. Der eigenen Schwester würde ein solcher Umgang strikt verboten. Wen kann es wundern, dass eine solche Erziehung weiterwirkt, auch in Europa ?

Den hiesigen jungen Mädchen dagegen wird in Schule und vielen Familien vermittelt, sie müssten vorurteilslos sein, sollten freundlich und aufgeschlossen mit den jungen Neuankömmlingen umgehen. Sie werden nicht gewarnt - in der Schule sowieso nicht und auch in vielen Elternhäusern nicht, weil die Eltern damit ja in den Ruf der Fremdenfeindlichkeit und des Rassismus kommen könnten, wenn die Tochter die elterlichen Warnungen weitererzählt. Und wer will das schon ? Viele Eltern glauben auch wirklich an Multikulti.

Bei allen Mädchen, die so tragisch ermordet wurden und die Sie erwähnt haben, lag eine Gutgläubigkeit, eine Vertrauensseligkeit, ein Leichtsinn vor, die sich dann als tragisch erwiesen haben. Maria L. ist nachts um 3 Uhr einsam mit dem Fahrrad durch abgelegene, menschenleere Gegenden Freiburgs geradelt. Mia hatte eine Liebesbeziehung zu ihrem späteren Mörder. Susanna hatte Umgang mit der Familie ihres späteren Mörders und "hing mit dessen Clique" ab.

Weitere Beispiele, in denen es "nur" zu einer Vergewaltigung, nicht zu einer Ermordung kam, sind zu nennen: Die Studentin in der Freiburger Disko, die dort willig Ecstasy konsumierte und die leichtsinnig einen ihr angebotenen k.o.-Drink (was sie nicht erkannte) austrank, was damit endete, dass sie von etwa 10 Asylbewerbern nacheinander vergewaltigt wurde (der Prozess läuft jetzt). Die 14jährige, die vor einigen Tagen von 4 oder 5 Asylbewerbern vergewaltigt worden sein soll: Sie kannte einen von ihnen und ging mit auf sein Zimmer.

Will sagen: Dies sind keine Fälle, in denen Mädchen oder Frauen von ihnen völlig unbekannten Männern in der Öffentlichkeit angefallen und vergewaltigt werden. Diese Fälle gibt es auch, keine Frage. Aber in fast allen diesen spektakulären, von Ihnen aufgezählten Fällen gab es vorherigen Umgang von Opfer und Täter bis hin zu einer Liebesbeziehung. Ausnahme Maria L.; aber diese war gottvertrauend und ohne jeden Gefahrenradar, wie ein Zeuge in dem Prozess aussagte.

Dass junge Menschen und also junge Mädchen häufig naiv und ohne Vorbehalte auf andere zugehen (zumal orientalische junge Männer nicht selten "gut aussehen"), ist verständlich, weil sie meist noch keine schlechten Erfahrungen gemacht haben (können).

Um so verwerflicher aber ihre Lehrer, Eltern und Großeltern, die es besser wissen müssten und könnten, die ihnen anvertrauten jungen Mädchen aber ins offene Messer laufen lassen, weil Warnungen vor der Gefahr entweder der offiziellen Doktrin widersprechen (Lehrer) oder weil sie selbst sich in ihrem rosaroten Multikulti-Weltbild seit vielen Jahren eingesponnen haben und nicht unsanft daraus gerissen werden wollen.

Das sind die eigentlichen Gegner. Merkels Gäste sind nur trieb- und herkunftskulturgesteuert und daher keine Antipoden auf Augenhöhe.

Imagine
14. November 2019 22:51

@Andreas Walter 14. November 2019 15:20
„Hahaha, ja, nur 1% der Weltbevölkerung, doch trotzdem die Marktmacht Nummer 4 gleich hinter Japan mit etwa 1,5% der Weltbevölkerung. …
Beim Export liegt Deutschland sogar auf Platz 3, ganz dicht hinter den VSA und noch weit vor Japan.“

Hieran lässt sich die Differenz zwischen der monetaristischen Betrachtung von Wirtschaftsliberalen und einer realwirtschaftlichen (materialistischen) Analyse sehr gut verdeutlichen.

Was hat die deutsche Bevölkerung davon, dass sie „Exportweltmeister“ ist?

Liegt sie in hinsichtlich materiellem Wohlstand, individueller Freiheit und Lebensqualität und niedriger Arbeitsbelastung an der Weltspitze?

Nein, im Gegenteil. 25% der Arbeitsbevölkerung erhalten Armutslöhne, über 50% arbeiten in befristeten und unsicheren Arbeitsverhältnissen, der Mehrzahl der Arbeitsbevölkerung droht Altersarmut und die Menschen sollen in Zukunft bis 70 Jahre bis Erreichen der Rentenaltersgrenze arbeiten, wobei ein Drittel der Arbeitsbevölkerung niemals diese Rentenaltersgrenze erreichen wird, weil sie schon vorher gestorben sind. So sehen die realen Zahlen aus, während die Medien die Fiktion und Lüge verbreiten, als würden in Zukunft alle Deutschen 100 Jahre alt werden.

Die Infrastruktur in Deutschland sieht katastrophal aus. Schulen und Hochschulen sind verrottet, es herrscht Lehrermangel und die öffentlichen Schulen taugen nichts mehr. Wer es sich leisten kann, schickt seine Kinder auf Privatschulen. Immer größer werdenden Teile von Deutschland verslumen. Das Gesundheitswesen, die Straßen und Brücken sind in schlechtem Zustand.
Die Reallöhne stagnieren seit über einem halben Jahrhundert, während sie in China pro Jahr um 10 – 20% steigen. Der Goldpreis in EUR hat sich in den letzten
verfünffacht, was auf den Verlust des Geldwertes hinweist. Die Inflation ist nichts weiter als eine verdeckte Enteignung der sparenden Mittelschichten.

Diese Zusammenhänge werden von den Wirtschaftsliberalen geleugnet.

Hier sieht man die Differenz zwischen einem wirtschaftsliberalen, monetaristischen Geblubber und einer realwirtschaftlichen Betrachtung.

In der heutigen Rechten dominieren die Wirtschaftsliberalen mit ihrem Markradikalismus.

Exportüberschüsse sind aus realwirtschaftlicher Sicht verschenkter Volksreichtum, sie schaden der Binnenökonomie und führen zur Verarmung und Prekarisierung von immer mehr lohnarbeitenden Menschen sowie von zunehmenden Teilen der Mittelschichten.

Wichtigstes Ziel der Rechten ist nach wie vor die Erhaltung der Eigentumsverhältnisse und des Wirtschaftssystems, wobei sich die Vorstellungen sich in einem Spektrum von Anarchokapitalismus und Sozialfaschismus bewegen.

Mit anderen Worten: Wichtigstes Ziel der Rechten ist die Verhinderung von gesellschaftlichem Fortschritt. Daher auch der Hass auf China.

Die frühere Stärke der Linken war, die Möglichkeiten eines anderen und besseren Lebens durch den wissenschaftlich-technischen Fortschritt zu verdeutlichen. Allerdings hatte die Linke damit keinen Erfolg, sondern wurde von den Herrschenden immer mehr zum Objekt gesellschaftlicher Repression gemacht.

Heute dominiert eine opportunistische und systemkonforme Linke, während die revolutionäre Linke weitgehend untergegangen ist. Aufgrund der Repression gibt es heute kaum noch Linksintellektuelle, am ehesten sind sie unter pensionierten Professoren zu finden, wie z.B. Wolfgang Streeck.

RMH
14. November 2019 23:05

"PS: Witzig, dass Sie mich als @ zeitschnur ansprechen. So ähnlich schreiben wir doch gar nicht."

@nom de guerre,
da haben Sie recht, entschuldigen Sie bitte die Verwechslung.

Laurenz
15. November 2019 00:39

@Porsenna .... die wahren Täter haben Sie erkannt, aber nicht deren Durchtriebenheit, Brutalität und Rücksichtslosigkeit. Die links-grünen Klischee-Lehrerpaare in deutschen Großstädten besitzen kein Identitäts-Mitgefühl mit einer Herkunft von Ihresgleichen. Ihnen ist egal, wer zur Tür reinkommt, und den Dreck beseitigt, Hauptsache günstig. Ich empfehle Ihnen eine Reise in die Amerikas, nach Brasilien. Dort wohnen im Gegensatz zu uns, wo besagtes Lehrer-Paar nicht in einem sozialen Brennpunkt lebt, arm direkt neben reich. Und beiderseits gibt es keine Solidarität. Die einen sterben vor Hunger, die anderen vor Angst. Ich empfehle Ihnen das Buch "Geliebte zwischen Strand und Dschungel" von Matthias Matussek, man hat es in 3 -4 Stunden gelesen. Dort in Rio ist das Alltag, was wir als unvorstellbar veranlagen, aber nur deswegen, weil wir die Weimarer Verhältnisse vergessen haben. Glauben Sie tatsächlich, die Deutsche Linke wüßte nicht, was sie tut?
Übrigens, Stalin wollte nur im Rolls-Royce chauffiert werden.

Lotta Vorbeck
15. November 2019 01:12

@Der_Juergen - 14. November 2019 - 04:40 PM
"Ich gehöre nicht zu den Lesern von "Eigentümlich frei", und dass Andre Lichtschlag über Sellner herzieht, lässt meine Sympathie für ihn und seine Denkweise auf Null absinken. Sellner und der IB in den Rücken zu fallen, ist äusserst schäbig, und wer das tut, ist für mich ein Feind und kein Verbündeter, möge er nun Lichtschlag, Stein oder Berger heissen. ..."

________________________

Als AMAZON - etliche Jahre zurückliegend - dem Anatios-Verlag seinen über AMAZON laufenden Vertriebsweg von einem Tag zum anderen sperrte, äußerte sich André Lichtschlag in mehreren online gestellten Telephongesprächen zu dieser Causa (sinngemäß) dahingehend, daß eine solche Vorgehensweise zwar unschön und (damals) zweifellos dazu geeignet sei den kleinen Verlag im Anhaltinischen existenziell zu bedrohen, aber unter dem Aspekt der freien Geschäftspartnerpartnerwahl eines Unternehmens betrachtet werden müsse.

RoadFromSerfdom
15. November 2019 05:32

===spontane Unterstellung===
der Sozial-Patriotismus versucht eine Wählergemeinschaft zwischen Nihilisten zu bilden,
die sich aus Trägheit oder Loyalität gerne damit begnügen links oder rechts zu sein - dabei erschwert er jedoch
mittels seiner Normierungsfolgen eine effektive Suche nach dem Übermenschen

Kositza: Liegt`s an der Uhrzeit?

Pit
15. November 2019 05:34

Dazu fällt mir ein Aspekt ein, der mir sehr wichtig erscheint: was hier aufscheint, ist ein Mißtrauen von Freiheitlichen gegenüber Konservativen.
Da kommt nun ein seltsames Phänomen zum Tragen: der ethnonationalistische Ansatz wird an sich nur von rechts vertreten, mit der Folge, daß Nicht-Rechte, die Ethnoidentität für sich entdecken: allein aus diesem, völlig sachfremden, Grund von der Sache abgeschreckt sind !! Das erscheint mir sehr gravierend... denn... es scheint ja auch hier in Deutschland so zu sein wie in den USA: daß die ethnodientitäre Bewegung doch zu einem großen Teil von Libertären gespeist wird. Insofern ist es mir verständlich, daß hier ein Konflikt aufbricht: die Libertären sehen sich in einem Boot - dem Boot der Ethnoidentität - mit den Rechten / Konservativen, haben aber beträchtliche Differenzen mit diesen !
Wie hier im Strang ja auch angetönt... liegt es doch nahe, sich einfach auf das eine, gemeinsame Kernanliegen zu konzentrieren und das Trennende einfach als zweitrangig zu setzen (umso mehr, als ohne Lösung der ethnonationalen Frage sowieso alle anderen Fragen keine Rolle mehr spielen).
Ich bitte dringend darum zu versuchen, eine Mehrheit für Ethnonationalismus zu finden und jedwede mögliche entgegenstehende Frage aufzuschieben!

Weiterhin:
-Libertarismus und Ethnoidentität sind kein Widerspruch, die Leute können sich frei für ethnoidentitäre Gruppen entscheiden, das ist eben das Gruppenzugehörigkeitskriterium (findet sowieso per Selbstsegregation automatisch statt, muß nur nicht kriminalisiert werden vom Staat)
-Freie Marktwirtschaft und Ethnonationalismus sind kein Widerspruch; was m.E. vollkommen übersehen wird, ist der Verbraucher !. Der Verbraucher bestimmt alles, der Verbraucher beherrscht alles !! Wenn wir nur Produkte von Unternehmen kaufen, die... inlands produzieren, Deutsche beschäftigen, usw., so haben wir im Nu Ethnonationalismus!
Es werden hier die völlig falschen Fragen gestellt. Was behandelt werden muß, sind die Fragen: wo wird denn dem Verbraucher die Möglichkeit genommen, Einfluß zu nehmen! Wo wird es der Bürgerschaft unmöglich gemacht, eigene Unternehmen zu gründen, wenn die bestehenden Unternehmen nicht spuren: DAS sind die entscheidenden Fragen, sie werden fast nicht behandelt !
-zuguterletzt: alles wird von der Geldmafia beherrscht (Stichwort Fed... auch City of London, aber genauso tausende Jahre zurück). DAS gilt es zu bearbeiten: dort ist die Macht, die all diese Kriegshandlungen gegen uns begeht !
Ein Leben in Freiheit und Selbstbestimmung ist vermutlich nicht schwer zu organisieren; schwer ist es nur, weil etablierte Mächte es mit ungeheurer Energie torpedieren! (und ehrlichgesagt... das wiederum passiert, weil es einen natürlichen Zug zum Oligarchismus gibt: DAMIT umzugehen ist das wirkliche Problem... für die Menschen, die Menschheit... die hoi polloi...wir sind hier mit den Folgen eines bisher unerfolgreichen Umgangs mit dem Zug zu Oligarchismus konfrontiert, wir kämpfen gegen einen weit übermächtig gewordenen Oligarchismus).

quarz
15. November 2019 08:44

@Jan

In alternativen Medien ist es ja ein Running Gag, das alte Video der Kanzlerin zu verlinken, in dem sie mit Nachdruck hinausposaunt, dass „Multikulti absolut gescheitert“ ist. Warum sie angesichts dieser Einsicht nun nicht etwa gegensteuert, sondern im Gegenteil die Multikulturalisierung Deutschlands mit Vollgas vorantreibt, wird sie aber von niemandem gefragt. Diese Inkonsistenz steht wie ein seltsames Tabu im Raum.

Von den hündisch unterwürfigen Journalisten, die ihre Hauptaufgabe darin sehen, die Regierung vor der Opposition zu beschützen, ist ja nicht zu erwarten, dass sie die Löwin reizen. Rätselhafterweise bringen aber auch oppositionelle Politiker den zentralen Widerspruch im Handeln und Künden der Machthaberin selten zur Sprache, zumal die aktuelle Politik Merkels ja nicht nur ihrer eigenen Diagnose widerspricht, sondern auch allen Erfahrungswerten. Warum konfrontiert niemand die Kanzlerin oder einen ihrer Phrasendrescher-Satelliten damit? Da werden immer nur einzelne Details der logistischen Bewältigung in Frage gestellt oder es wird nachgefragt, ob es mit den Abschiebungen nicht etwas schneller gehen könnte. Aber dass die ethnische Zersplitterung eines Landes als solche eine fundamental destruktive Prämisse für das gedeihliche Zusammenleben ist und dass dies nicht nur dem unverblendeten Menschenverstand im Alltag offensichtlich ist, sondern dass es dafür auch reichlich wissenschaftliche Belegliteratur gibt – das wird nie in der erforderlichen Deutlichkeit angesprochen.

Und deshalb können sich die Apologeten des „Wir schaffen das“ auch ständig mit Detailplänen aus der Affäre ziehen, die Linderung durch eine Umstrukturierung der Rahmenbedingungen in der einen oder anderen Hinsicht in Aussicht stellen. Wer gesagt bekäme, dass die wissenschaftliche Evidenz darauf hindeutet, dass nicht die Rahmenbedingungen das Problem sind, sondern dass das Projekt im Kern faul ist, dessen kognitive Dissonanz würde auf eine Bühne des Bewusstseins gehoben, von der sie sich nicht so unauffällig wieder davonstehlen und im Alltagsgetriebe des politischen Geschäfts untertauchen könnte.

Sollte es wieder mal ein Kanzlerinnen-Langinterview im Fernsehen geben, dann wäre zu fragen: „Frau Bundeskanzlerin: eine umfangreiche wissenschaftliche Literatur belegt sehr deutlich, dass Gesellschaften mit zunehmender Multikulturalisierung unsolidarischer, krimineller, korrupter, weniger innovativ werden und dass die Menschen durch den Ethno-Stress sogar physisch und psychisch häufiger krank werden. Es geht aus den vielfachen Faktorenanalysen auch hervor, dass sich dies nicht mit geschickter Politik beheben lässt, sondern dass diese Effekte eine unausweichliche Begleiterscheinung der ethnischen Zersplitterung sind. Und Sie selbst sind ja im Jahr XY auch zur Einsicht gekommen, dass „Multikulti absolut gescheitert“ ist. (Drei Sekunden Pause). Warum treiben Sie mit Ihrer Politik die Multikulturalisierung des Landes dennoch mit voller Kraft voran?“. Diese Frage wünsche ich mir vom Christkind.

Der_Juergen
15. November 2019 09:19

@Imagine

Wie ich kürzlich auf einem anderen Strang bemerkte, kann man mit Ihnen, dem Marxisten, noch eher debattieren als mit dem chaotischen @Laurenz, weil Ihrem Denken immerhin eine gewisse Konsistenz zugrunde liegt. Was Sie über die Kluft zwischen den Wirtschaftsleistungen Deutschlands und der Lage der einfachen Bürger schreiben, stimmt vollkommen. Der Hauptgrund hierfür ist natürlich, dass uferlose Summen für den Wahnsinn der Multikultur, für die Finanzierung allerlei närrischer Projekte, für den Unterhalt der US-Besatzer etc. verschleudert werden.

"Hass auf China" vermag ich nur bei einer relativ kleinen Minderheit der Rechten zu erkennen. Mutatis mutandis können wir von den Chinesen einiges übernehmen. Ich würde freilich nicht gerne in einem Land leben, in dem der Bürger so scharf überwacht wird wie in China (dass es dort Blogs gibt, auf denen eine so offene Kritik möglich ist wie auf diesem, bezweifle ich sehr), aber Gedankenfreiheit ist nur für eine kleine Minderheit der Bevölkerung jedes beliebigen Landes wichtig.

Die meisten BRD-Bürger leiden ja auch nicht darunter, dass man am Kiosk nur noch die Einheitspresse kaufen kann und dass auch oppositionelle Zeitschriften ("Zuerst", "Compact", "Sezession") sowie kritische Blogs sich damit abfinden müssen, dass man gewisse, überwältigend wichtige Themen einfach nicht zur Sprache bringen darf, ohne gleich ein Strafverfahren am Hals zu haben.

In Orwells "1984" geniessen die "Proles", die 85% der Bevölkerung ausmachen, Gedankenfreiheit, weil sie keine Gedanken haben. Ihre Leidenschaft kreist vor allem um die Lotterie, in der man, wie sie glauben, märchenhafte Summen gewinnen, obwohl in Wirklichkeit bloss kleine Gewinne ausbezahlt werden und die Gewinner der grossen Jackpots nicht existierende Personen sind.

Etwas merkwürdig finde ich Ihre Behauptung, es gebe wegen der Repression in Deutschland keine echten Linksintellektuellen mehr. Marx, Engels, Lenin und Mao darf man in deutschen Landen doch ungehindert predigen, und man darf alle möglichen Sozialismusmodelle anpreisen, solange es kein nationaler Sozialismus ist. Und wer einen solchen verficht, ist wohl kein "Linker" mehr. Wen halten Sie von den Denkern der jüngeren Vergangenheit für einen Linksintellektuellen von Format? Weilte Heinrich Böll noch unter uns, er stimmte in den Chor der Multikultis ein und sagte zum Elend des deutschen Volkes und zur Repression kein einziges Wort.

zeitschnur
15. November 2019 09:21

Man könnte, wenn man diesen Thread liest, ja glatt glauben, "Liberalismus" bedeute vor allen anderen im Ergebnis hemmungslose und hirnlose Migrationspolitik.
Mich bestürzt diese flache Argumentationsweise.

Ein Kommentator bemerkt völlig zurecht, dass kaum ein Mensch mit gesteigerter Lust nach Deutschland kommen würde, wenn er nicht mehr mit geradezu faszinierend idiotisch-großzügigen Sozialleistungen "versorgt" würde. Solche gibt es aber in keinem libertären System und in liberalen nur dann, wenn sie sehr staatsfixiert sind (und damit nicht mehr wirklich liberal aus mS).
Neuere Studien geben ja ganz offen zu, dass eben nicht die "Ärmsten" oder gar "Schutzsuchende" kommen, sondern solche, die in der Heimat dem Mittelstand entstammen.

Wir können jetzt endlos darüber reden, warum sie es erstrebenswert finden, daheim wegzugehen, wir können über die vielen illegalen Kriege der Amerikaner reden, eine rücksichtslose EU-Kartell-Wirtschaftspolitik, die man Afrika geradezu aufzwingt, über chinesische Ausbeuter, einen westlich geschürten, politisch gehätschelten und unter westlichem Schutz (Stichwort: Saudi-Arabien) finanzierten Radikalislam, ein vorsätzlich von uns selbst geschwächtes Christentum, deutsche Waffenexporte in nahezu jedes Krisengebiet dieser Welt und Menschenverschleppungen auf der Basis krimineller Machenschaften, in denen unsere Regierungen über mehrere Hinterzimmerpakte mit Schlepperbanden zusammenwirken. Es ist ein komplexes Thema, und es ist alles kein Zufall, was passiert!
Wir können über die pathologischen Mischrassenträume eines Coudenhove-Kalergi reden und sie freundlicherweise - wie es unter vielen Rechten auch vorsätzlich NICHT geschieht (was jüngst auch Thorsten Schulte kritisierte) - so ernst nehmen, wie sie gemeint waren und zur Kenntnis nehmen, dass wir plötzlich in einem Gefilde stehen, in dem der Liberalismus genauso abgelehnt wurde und wird wie von Herrn Sellner: Der Graf Coudenhove kungelte mit den Habsburgern, dem Vatikan und dem Ständestaat und trotzdem hatte auch er diese aberwitzigen Wahnideen, die jeder heute noch kostenlos im Internet runterladen kann. Veröffentlicht hat er sie damals aber sinnigerweise in einem Verlag eines DDP-Reichstagsabgeordneten.
Die Linien laufen hier kreuz und quer, etwa wenn man sich fragt, welches Interesse ein linksliberaler Verlag an den kranken Ideen eines Typen haben konnte, der eine Mischung aus Logenbruder, Monarchist und Klerikalfaschist mit einer wirtschaftsliberalen Bauchbinde war? Nein, bitte nicht den Kopf in den Sand stecken, sondern den Tatsachen tapfer ins Auge sehen!

Wichtig ist mE der Beitrag von @ Porsenna, der aufzeigt, dass in der gelenkten und künstlich erzeugten Migration die moralische Verkommenheit unserer Bevölkerung eine wesentliche Rolle bei der entstandenen Tragik spielt. Auf eine viel zu hohe Zahl unter den Migranten, deren auf ihre Weise ebenfalls vorhandene mentale und moralische Verkommenheit sich leider viel zu häufig in gewaltvollen Einzelfällen äußert (die Zahlen der Landeskriminalämter sind verheerend, aber sicher nicht zuungunsten der Migranten dargestellt!), stößt eine gewissermaßen "negativ" gespiegelte Verkommenheit der Einheimischen, die schleichender, weniger gewalttätig wirkt. Noch in meiner Generation galt es als gefährlich, mit irgendwelchen Männern, die man nicht gut kannte, alleine auf deren Zimmer zu gehen. Keine normale Frau wäre nachts um 3 Uhr alleine irgendwo herum gefahren mit dem Fahrrad wo es dunkel und einsam ist und sicher in den nächsten Stunden niemand mehr vorbeikommt, und wenn doch, kam es auch früher schon zu tragischen Verbrechen. Auch wurde noch meine Generation von den Älteren gewarnt davor, aus bloßen Lustgründen mit Leuten zu schlafen, eben weil das beim anderen Ansprüche und Sehnsüchte wecken kann, aber auch Schuldgefühle und religiöse Beschmutzungskonflikte — auch im christlichen Kontext war das noch vor 40 Jahren undenkbar, was heute als „normal“ gilt. Man sagte uns noch, dass Sexualität etwas Feines und Heiliges ist, das man nicht leichtfertig reizen und ausbeuten darf. Das postmoderne westliche Credo, dass es alles okay sei, wenn es „im Einvernehmen“ geschähe, ist sicher zu kurz gegriffen, weil das momentane „Einvernehmen“ im Rausch der Hormone vielleicht nicht auf einem umfassenden seelisch-geistigen Einverständnis beruht und danach schale, bittere und schmerzliche Verwirrung in beiden oder einem von beiden hinterlässt. Danach fragt aber der westliche Mensch heute nicht mehr — es ist ihm scheißegal.
Die Problematik, dass westlich geprägte Frauen aber genau zu diese Zweck islamisch geprägte Männer ausnutzen, kenne ich aus Israel: säkulare israelische Mädchen schlafen aus Spaß und Sexlust mit Palästinenserjungen, wecken bei denen alle möglichen Hoffnungen, Sehnsüchte, aber auch Widersprüche und bei manchem ein quälendes Sündenbewusstsein, das nach dem Splitter- und Balkenprinzip dann aufgrund einer verrohten Religionserziehung einseitig der Frau angelastet wird - all diese Themen sind bei uns tabu, weil wir allesamt wie Besessene an unserem „Freier Sex“-Fetisch hängen und unserem Recht auf Triebhaftigkeit, das wir ohne Rücksicht auf Verluste (auch der eigenen Gesundheit) ausleben "dürfen", ja sogar müssen, denn Menschen, die das so nicht wollen, haben einen schweren Stand.
An dem Punkt gebe ich @ Porsenna dann doch nicht ganz recht, denn nicht nur diese Migranten sind triebgesteuert, sondern unter anderen Vorzeichen wir genauso. Selbst das Helfergetue vieler Frauen ist eine Form von Narzissmus und niemand sollte glauben, dass die Migranten das nicht merken. Es ist auffallend, dass auch in den Mainstreammedien Migranten kaum zu Wort kommen, man unterdrückt die Information darüber, was sie denken und fühlen, wie sie die Dinge beurteilen, welche Erfahrungen sie machen in unserem Land und was es in ihnen auslöst. Nur oberflächliche „Spots“ gibt es darüber, die aber nichts aussagen und „sozial erwünschtes“ Gelaber sind. Es gibt kaum Kommunikation mit den Migranten, die in die Tiefe ginge. Wir haben Millionen Fremde im Land und keine Ahnung über das, was in ihnen vorgeht und keiner, weder Rechte noch Linke fragt danach. Die Migranten sind eine leere, narzisstische Spiegelfläche eines zutiefst persönlichkeitsgestörten Volkes. Zugespitzt gesagt findet ein inzwischen hohles Volk seine „Identität“ positiv oder negativ im Migranten. Auch die Identitäten könne nicht erklären, was eigentlich unsere Identität jenseits der Migranten ist.

Wie sähe es wohl andererseits aus, wenn die jungen Herren Migranten auf selbstbewusste, zurückhaltende und würdevolle Menschen mit Rückgrat, Mut und einer natürlichen Autorität stoßen würden?

Ist wirklich der "Liberalismus" schuld an der westlichen Enthemmung? Wenn man Coudenhove-Kalergis Ergüsse liest, fand er, dass der freie Sex für die "Minderwertigen", wie er sie nennt, die richtige Lebensform sei und daraus dann auch die globale "braune Mischrasse" entstehen würde, die dem "altägyptischen Typus" ähneln würde, eine Sklavenrasse, die von selber durch "freie Liebe" entsteht, während der "Geistesadel" ausschließlich "freie Ehen" eingehen würde. Wer das für überzogen hält und eine Verschwörungstheorie, sollte seine Werke "Adel" und "Praktischer Idealismus" lesen. Aus ihnen habe ich die paar Stichworte und Gedanken wörtlich zitiert. Es sind tiefkranke Ideen, und viele Rechte verteidigen deren Autor (das tat zB mal Dvorak-Stocker), regen sich aber über Migration und Identitätsverlust auf.
Die sexuelle Enthemmung ist also offenkundig Programmpunkt dieser Kräfte für unsere Gesellschaften und ihren manipulierten "Wandel". Und diese Kräfte sind teilweise liberal, teilweise erzreaktionär, teilweise kirchlich, feudalistisch, sie sind "rechts" und "konservativ", sie sind fabianisch-sozialdemokratisch oder irgendwie sogar trotzkistisch.
Dieses Gesamtversagen unserer Kultur nun derart platt DEM Liberalismus zuzuschustern, wie es der Artikel schon tut, noch stärker aber viele Kommentare, wird nicht von hier um die nächste Ecke helfen und ist von minderer Relevanz und dem hedonistischen Denken David Bergers doch letztendlich uneingestanden verwandt.

Monika
15. November 2019 09:22

In dem Maße, wie rechtes/konservatives Gedankengut über die Erfolge der AfD in die Parteien und den öffentlichen Raum einzieht, ist eine Theoriediskussion im eigenen Lager nicht zu umgehen. Sie gar zu vermeiden, wäre tödlich.
@ Lotta Vorbeck
„Wer der IB in den Rücken fällt, ist für mich ein Feind, egal ob Lichtschlag, Stein, Berger“.
Man sollte zwischen „in den Rücken fallen“ und berechtigter und konstruktiver Kritik sauber unterscheiden. Für meine Begriffe sind gerade die Herren im Forum da ziemlich empfindlich ! Frei nach Carl Schmitt möchte ich sagen:
Unsouverän ist, wer die Blockiertaste zu schnell drückt.
Die Rechte befindet sich nicht mehr auf einer einsamen Insel, sondern segelt im offenen Meer. Da sollte man härter im Nehmen sein.
@ Kositza
Liegt‘s an der Uhrzeit ?
Über diesen flapsigen Spruch auf einen schrägen Beitrag habe ich Tränen gelacht.
Das könnte zu einem running gag werden...😂😂😂👏👍😘😜🤓😜🤪

Andreas Walter
15. November 2019 10:38

@Imagine

Ich habe die DDR wenige Tage vor dem Mauerfall mit eigenen Augen gesehen und erlebt, wir sind damals einfach unerlaubt runter von der Transitstrecke und rein nach Erfurt gefahren. Richtig, der knallgelbschwarze Opel Kadett D SR in der Woche vor dem Mauerfall, das waren wir.

Als wäre die Zeit stehen geblieben vor dem Zweiten Weltkrieg, so sah es dort aus im ach so glorreichen Arbeiter- und Bauernstaat.

Pjöngjang ist dagegen modern. Doch auch dort, in Nordkorea, brennt auf dem Land nachts dafür kaum eine Glühbirne.

Hätten die Ossis darum nicht auch für den Export gearbeitet, unsere Privileg Waschmaschine von Quelle, die hat übrigens ewig gehalten, grosses Lob darum an "drüben", hätten sie noch weniger zu beissen gehabt.

Was wollen Sie mir also als nächstes erzählen, Imagine? Womöglich etwas über Kuba - oder Angola? An gola gönnde isch misch dod saufe?

Dass auch hier in Deutschland gerade einiges schief läuft, das will ich Ihnen gar nicht mal absprechen, doch an einem Mangel an Sozialismus liegt das ganz bestimmt nicht. Oder woher kommen plötzlich die 20 Milliarden jedes Jahr, die wir uns für Altruismus an hauptsächlich männlichen "Flüchtlingen" leisten?

Meine Vermutung ist eher, Frau Merkel war etwas zu oft im Nahen Osten.

https://www.achgut.com/artikel/sklavenhandel_auf_instagram_co

Götz Kubitschek
15. November 2019 12:28

Wiederum Badeschluß, werte Schwimmer und Nichtschwimmer.

Mich störte diesmal das Gerangel unter der Gürtellinie. Für mich hat sich Auseinandersetzung mit Libertären immer gelohnt, deren Betonung der Selbstverantwortlichkeit für das eigene Leben etwa ist ein mehr als notwendiger und dringender Einwurf gegen die Infantilisierung durch eine falsche Sozialstaatsbemutterung. Und mich wundert stets das ahistorische an der libertären Utopie.

Aber darüber kann man rden, nicht? Dank an alle!

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