20. November 2019

Ganztags Schule?

Gastbeitrag / 31 Kommentare

von Heino Bosselmann -- Die Ganztagsschule gilt Kultusbürokraten als wichtigste Institution zur Beförderung von „Teilhabe“ und Gerechtigkeit.

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Möglichst alle Schulen, gerade in „sozialen Brennpunkten“, sollten Ganztagsschule werden, wünscht sich die Politik.

Die quasimarxistische Grundidee: Alle natur- oder sozialbedingten Nachteile fielen weg oder würden vermeintlich gerecht einivelliert, wenn nur alle gemeinsam aus der als ungerecht empfundenen gesellschaftlichen Wirklichkeit mit ihren Divergenzen und Differenzen herausgehalten in der Hermetik des Schulhauses geschützt wären, wo unter Glas eine so glückliche wie sinnvolle und bildsame Kindheit und Jugend stattzufinden hat.

Unter kompetenter Anleitung und Führung pädagogischen Fachpersonals. Marxistisch daran: Richtet man dem Menschen nur die richtigen sozialökonomischen und kulturellen Bedingungen ein, notfalls künstlich im Modell Schule, so wird er so gut geraten, wie er seiner Natur nach oder kraft erworbener Vernunft eben ist oder sein kann.

Die mit dieser Konstruktion verbundenen Alltagsänderungen sind extrem: Kindheit und Jugend werden einem erwachsenen Rhythmus unterworfen, der in der Woche bis etwa 16.00 Uhr oder länger durchzustehen ist. Eine harte und nervöse Schicht, die im Reizfeld Schule genau die psychosomatische Überforderungssymptomatik auslöst, die medizinisch beklagt wird.

Überhaupt vollbrachte die Bildungspolitik das fatale Paradox, daß umgekehrt proportional zur Reduzierung fachlicher Anforderungen, inflationierter Bewertung und zurückgehender Befähigung der innere, leerdrehende Streß dennoch zunahm. Vielleicht ist damit überhaupt eine Grundtendenz der gegenwärtiger Rationalisierungsprozesse erfaßt:

Wo nicht mehr qualifiziert werden soll, wird um so mehr quantifiziert. Daran leiden vor allem die Gymnasiasten. Viel mehr als von kognitiven oder sprachlichen Anforderungen sind sie von einem irren Tagesablauf bzw. Stundenplan und vom engen Klausurkalender sowie der karrieristischen oder existenzängstlichen Rechnerei mit Notenpunkten belastet. Für das sogenannte Gymnasium gilt überhaupt: Mehr Masse statt Klasse, also Menge statt Qualität. Menge bedeutet aber stets auch Enge!

Während die Kinder das Schulhaus einst am frühen Nachmittag erlöst verließen, um ihre eigenen Herausforderungen zu suchen oder die Muße zu genießen, die sie zur Kompensation nötig hatten, entläßt der Stundenplan der Ganztagsschule sie eben nicht in die Freiheit, sondern in die „Projekte“. Klar, die wären alle sehr kindgerecht und „kreativ“, heißt es, mindestens aber nützlich, etwa wenn es sich um betreute Hausaufgabenzeiten handelt.

Die Schule bildet jedenfalls in den Nachmittag hinein weiter, sie erzieht weiter, ihre Politik wirkt weiter, ihre Didaktik wird intensiviert, und zwar in hohen Dosen. Allein schon , daß der Arbeitsbeginn und Feierabend der Eltern zeitlich etwa mit dem ihrer Kinder zusammenfällt, signalisiert das Problem. Ganztagsschule streßt!

Das welke Warten hinterm Glas des Schulgebäudes verlängert sich in den Nachmittag hinein, also in die Zeit, zu der früher auf dem Platz gebolzt, am Baggersee geschwommen und geangelt, gelesen oder einfach gespielt wurde, gemeinsam mit den Freunden, die man sich selbst aussuchte, ohne daß sie einem beigesellt wurden. Kindsein und Aufwachsen ohne nachmittäglich sozialpädagogische Anleitung! Ja, auf die Gefahr hin, zweckfrei Nutzloses zu unternehmen oder gar auf Abwege zu geraten, rein physisch oder politisch.

Der Nachmittag war das Abenteuer, das Experiment, die Mutprobe. Man konnte Ritter, Indianer, jedenfalls endlich ein Held sein. Nur weg von den Lehrern und Aufsichtspersonen, hinein in das eigene junge Leben. Man schraubte etwa am Motorrad und konnte es schon lange vor der Führerscheinprüfung fahren. Man verliebte sich, allzu gern im Freien.

Die Kindheit fand in der Zeit zwischen Schulschluß und abendlicher elterlicher Fürsorge in einem phantastischen Zwischenreich statt. Unbetreut, ungeregelt, riskant, mithin Mumm erfordernd, Erfahrungen ermöglichend, Haltungen ausbildend. Eine Selbsterziehung ohne Gouvernanten. Die Jugend hatte die Ideen, die Kinder machten es ihr nach.

Wir, die wir noch nicht kollektiv in einer Ganztagsschule festgesetzt waren, können davon Geschichten erzählen, die heutige Schüler staunen lassen. Das meiste ging gut. Aber unser einst freies Spielen und Gestalten wurde durch ein System obligatorischer Zwangsvereinnahmung ersetzt. Zum Wohle doch der Kinder!, hält die Bildungsbehörde dem entgegen.

Genau diese Haltung aber – Wir wissen genau, was gut für euch ist! – erinnert an die Indoktrinierung durch Komsomol, FDJ und Junge Pioniere. Jemand legt fest, wie der Nachmittag zu laufen hat und was getan, gefühlt und gedacht werden soll. Allerbesten Willens! Allerbesten Willens? Wer will das entscheiden? – Je enger der politische Korridor der „Schule für Demokratie“ wird, um so drückender gestaltet sich die Vereinnahmung.

Eingewendet wird: Aber die die Gefahren der neuen Medien! Die Daddelei am Computer! Der Stumpfsinn des Mediendauerkonsums überhaupt! – Nun, das ist eben die gesellschaftliche Wirklichkeit! Verblöden konnte man früher ebenso. Gewissermaßen ist die Schule auch nur ein virtueller Raum. Gefahren verhindert man nicht ab, indem man sie abschirmt und den Kindern die nachmittägliche Freiheit verschließt, die intensiver reifen ließe als ein pädagogisches Gewächshaus, dessen Nachmittagsprogramm vielleicht gut gemeint ist, aber oft als ebenso öde Pflicht empfunden wird wie der Unterricht am Vormittag. Gesellschaftliche Probleme können nicht durch die Schule therapeutisch weginszeniert, sondern sollten wie immer durchlebt werden.

Den Lehrern indessen werden mit der Ganztagschule zur sozialpädagogischen Heilung der Gesellschaft beauftragt. Ihr Pflichtteil dehnt sich mit jenem der Kinder bis in den Abend. Wann aber bereiten sie sich auf den Unterricht am nächsten Morgen vor, wann recherchieren sie interessantes Material, wann lesen sie etwas Ergiebiges, wann schlagen sie wenigstens mal die Zeitung auf, wann genießen sie Stille und dürfen endlich schweigen, wann ist ihre eigene Familie dran, wenn sie nicht vor 17.00 Uhr zu Hause sind, nachdem sie im Krach des Schulgebäudes alle Abläufe regelten?

Jeden Tag Nachmittagsunterricht und Projekte, außer dienstags, weil dieser Tag dem Gedöns der Sitzungen und Konferenzen überlassen ist. Aber bereiten sich Lehrer noch vor, recherchieren und lesen sie noch, schlagen sie je die Zeitung auf, finden sie irgendwann Ruhe? Die Zeiten, zu denen sie vormittags recht und nachmittags frei hatten, sind jedenfalls vorbei.

Aber damit starb eine ganze Lehrerspezies aus: Den etwas zerknitterten Kauz, jenen Kollegen, den man mindestens zu seinem Fach alles fragen konnte, der belesen, kenntnisreich und aus ureigenem Interesse selbst gebildet und weitergebildet war, obwohl er gerade damit schon mal nerven konnte, gerade wenn er etwas arg enthusiasmiert sprach, den gibt es nicht mehr.

Es gibt aber auch keine Zeitungen mehr in den Lehrerzimmern, keine Privatlektüren, kaum Gespräche über Wissenschaft und Literatur, wenn man schon über Politik doch besser gerade wieder schweigt; es gibt nicht mal mehr liebenswerte Schrulligkeiten.

Stattdessen lastet in den Lehrerszimmern die Sorge, nicht alles gut genug bewältigen zu können, weil man Lehrer, Erzieher, Verwalter, Konfliktmanager, Dauerkommunizierer und überhaupt der Ansprechpartner und Helfer für alle ist – insgesamt die Ursache für den enormen Verschleiß, die Erschöpfung, die Schlafstörungen, den enorm hohen Krankenstand und all die Dauerausfälle mit Burn-Out-Diagnose. –

Schule verspricht nicht nur zu viel; sie verspricht scheinengagiert das, was sie nicht halten kann, weil die Kur der Gesellschaft nicht in der Schule zu bewerkstelligen ist. Sie sollte freie Menschen bilden, diese fürs Leben und im Urteil stärken und sie gerade nicht unter Kunstlicht für Maßnahmen internieren. Sporthalle und Bibliothek können gern geöffnet bleiben.

War schon richtig: Non scholae, sed vitae discimus.


Heino Bosselmanns Nachdenken über Schule, Bildung, Menschwerdung kann vertieft werden durch die Lektüre folgender beider Titel, die derzeit unsere Leser beschäftigen:

+ Vorlesen von Ellen Kositza und Caroline Sommerfeld – ein Standardwerk! Kaum ein Buch unseres Verlags der vergangenen Jahren hat soviel begeisterte Zuschriften hervorgerufen. Wer Kinder oder Enkelkinder im Haus hat, kommt daran ohnehin nicht vorbei.

+ Ist die Schule zu blöd für unsere Kinder?, fragt FAZ-Mitherausgeber Jürgen Kaube – Schule muß sich nicht permanent neu erfinden, meint er, und die Neuerfindung der Schule als "Modebusiness" ist zwar häufig teuer, aber leistet selten das Erhoffte.


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Kommentare (31)

Franz Bettinger
20. November 2019 11:46

Wenn ich Kinder hätte, würde ich eher an den Nordpol ziehen als sie einer deutschen Schule ausliefern. Neben der reinen Verwahrfunktion und der Indoktrinierung mit Unsinn ist in der Schule das Schlimmste der 8-Std-Tag, der den Eltern die Kinder und den Kindern die Kindheit raubt. Ein Verbrechen!

Maiordomus
20. November 2019 12:06

@Bosselmann. Sie schildern eine Schule, die es in Deutschland in den 80er Jahren gab, da Sie das Gymnasium besuchten,. Dies kann man aber kaum mit den viel strengeren Verhältnissen von Nietzsches Pforta vergleichen, wo sich auch noch ein Klopstock und ein Ranke ihre Bildung geholt haben. Dies war in einem elitären Sinn eine Ganztagesschule, aber natürlich noch ohne "Projekte". Basis waren die Alten Sprachen mit ihrem 3000jährigen Bildungshintergrund, Mathematik und Naturwissenschaften. Die qualitativen Anforderungen an die Intelligenz waren, obwohl es zweifelsfrei weniger Stress gab, wohl weit höher als heute; kam dazu, dass die Hochleistungsschule Pforta (bei Naumburg) eine Schule für hochbegabte Knaben war. Letztere werden in den heutigen Gymnasien nur bedingt glücklich. Persönlich bin ich der Meinung, dass es in Deutschland vor 100 Jahren mehr gebildete Personen gegeben hat als heute, was jedoch, wie Max Frisch ("Nun singen sie wieder") betonte, schweres Unglück über Deutschland nicht verhindert hat.

Man muss aber zugeben, dass die Ganztagesschule eine Errungenschaft der Benediktiner, Kapuziner und Jesuiten war und im Prinzip auf das Internat angewiesen. Von Bedeutung war der Wechsel von Gottesdienst und Schule, weil die Schüler bis viermal täglich in der Kirche singen mussten, was in früheren Jahrhunderten Ferien über die Weihnachts- und Ostertage ausschloss. Gemäss der Esslinger Schulordnung von 1563 waren notabene Maulschellen, Kopfnüsse, Tatzen (letztere als gesetzliches Strafmittel in der Schweiz eine Errungenschaft des Liberalismus), Stockschläge verboten, bloss die Rute (die aber nicht im Schulzimmer aufbewahrt werden durfte) war erlaubt, jedoch erst nach sechsfacher Verwarnung, welche in Form von Strichen in einem Lehrertagebuch zu notieren war. Die Jesuiten gingen davon aus, dass zu viel Gewalt in der Schule den Lehrer verhasst mache und die Glaubwürdigkeit des religiösen Erziehers einschränke. Eher schon erlaubt und auch praktiziert wurde der Psychoterror, auch an protestantischen Schulen, vgl. die faktische Autobiographie von Philipp Moritz im Roman "Anton Reiser".

Sie erfassen aber richtig, dass das Prinzip Ganztagesschule hauptsächlich der weltanschaulichen Erziehung des Zöglings galt und gilt, wobei es ursprünglich immerhin einen konfessionellen Konsens gab, und die Eltern wussten genau, worauf sie sich einliessen, wenn sie ihre Buben in eine von Geistlichen oder die Mädchen in eine von Ordensschwestern geführte Schule gaben. Heute indes handelt es sich bei der Durchsetzung der Ganztagesschule um eine Zivilreligion, die sich aber nicht als solche deklariert. Dies scheint mir der wichtigste Punkt, bei dem die Kritik ansetzen müsste.

Ihre Erinnerungen an die Gymnasialschule sind völlig andere als diejenigen, wie sie der 1950 geborene Schriftsteller Thomas Hürlimann an der Stiftsschule Einsiedeln erlebte. An Benediktinerschulen herrschte damals folgender Tagesablauf:

6 Uhr Wecken, Waschen, Frühstudium bis 7 Uhr
7 Uhr: Gottesdienst (weniger Fromme lasen derweil in einem Buch, oder legten z.B. ein Reclamheft ins Gebetbuch usw.)
7.30 Uhr: Frühstück.

8 - 12 Uhr: Unterricht mit Schwerpunkt Latein, Griechisch, Mathematik
12 - 12.30 Uhr: Mittagessen mit Tischgebet, ev. Tischlesung
12.30 - 13 Uhr: Mittägliche Rekreation
13- 13.45 Uhr: Mittagsstudium (beaufsichtigt)
13.55- 15.30 Uhr: Nachmittäglicher Unterricht
15.30 Uhr. Vesperbrot
16 Uhr bis 16.45 Uhr: Beaufsichtigtes Studium
16.45 Uhr bis 17.45 Uhr. Freizeit, ev. Sport
17.45 bis 18.45 Uhr: Vorabendstudium
18.45 - 19.15 Uhr: Nachtessen
19.45 - 20.15 Uhr Abendstudium u. Nachtgebet
20.15 - 21. Uhr abendliche Freizeit, ev. Fernsehen, aber auch freiwilige Teilnahme an Komplet, dem Abendgebet der Mönche
Ab 21.15 Uhr Befohlene Bettruhe.

Als Schüler konnte man seinen Freiheitsspielraum etwas ausdehnen, wenn man beim Theater mitmachte oder musizierte, ausserdem wenn man sich am studentischen Verbindungsleben oder an Gebetsgruppen beteiligte.

Dieser Tagesablauf galt für 6 Tage in der Woche, auch Samstag; am Donnerstagnachmittag war frei mit begleiteten Spaziergängen bis 15.30 Uhr, dann wieder Studium. Am Sonntag gab es zwei Gottesdienste, am Morgen und Vesper. Man ging nicht nach Hause zu den Eltern, diese durften einen aber besuchen, was pro Semester vielleicht einmal oder zweimal zutraf. In Einsiedeln war überdies für die Zöglinge das Tragen eines schwarzen rockartigen Talars Pflicht.

Noch eine Ergänzung den Jesuitenschulen bis ins 19. Jahrhundert. Die Jesuiten waren gegen das Fachlehrersystem, verlangten aber von jedem Gymnasiallehrer, dass er in jedem Fach seinerzeit mit der Maximalnote abgeschlossen haben musste: ein guter Gymnasiallehrer sollte jedes Fach erteilen können und auf diese Weise zum "Vater" seiner Klasse werden. Diese hohen Ansprüche, denen die Jesuiten von heute längst nicht mehr genügen, konstituierten eine Eliteschule. Als Bildungshistoriker bin ich freilich weit davon entfernt, diese Verhältnisse als "ideal" zu bezeichnen. Eine Alternative wäre selbstverständlich eine Art Homeschooling, wie in Rousseaus "Emile" geschildert, bei dem es sich aber ganz klar um einen Hochbegabten handelt. Grandios im 5. Buch die Geschichte von der magnetischen Ente.

Caroline Sommerfeld
20. November 2019 12:42

Diesmal spreche ich aus der Praxis, nicht aus der Erziehungsbuchautorenperspektive.
Genau dieses von Ihnen beschriebene Nachmittagsproblem, lieber Herr Bosselmann, bringt mich dazu, es unter den gegebenen Bedingungen so gut ich kann anders zu machen ("Anderssein", aber ja doch!).

Unsere (katholische) Volksschule geht zum Glück nur bis 12:45. Danach können die Schüler in die Nachmittagsbetreuung, aber keiner muß. Da diese nur Kantinenessen und betreute Hausübungszeit im Klassenzimmer und einmal wöchentliches Austreten in den Gefängnishof umfaßt, kommt Kind nach Hause. Ißt bei uns mit allem Drum und Dran (ja, die Kleinigkeiten sind wichtig: Familie am Tisch, Blumen, Kerze, "Gesegnete Mahlzeit!") und rödelt dann eine Weile in seinem Zimmer rum (Medienzeit ist am Abend). Danach Hausübungen, wobei Kind unablässig plaudert und einen zum Zuhören braucht. Danach hat es so seine Aktivitäten (Sport, Pfadfinder, Ministranten, Klavier). Das ist weit entfernt von der Draußenkindheit aller vergangenen Generationen, aber es ist ein unvermeidliches Übel in der Großstadt, da nämlich alle anderen Kinder auch nicht verfügbar sind (Nachmittagsbetreuung, siehe oben, oder ebenfalls Kurse). Selten mal ein von längerer Hand anberaumtes "play date". Man sagte mir, am Land verhielte es sich identisch: auch da ist kein Kind draußen, da die Dorfkinder entweder wegen des Verkehrs und ihrer "helicopter parents" eh nicht dürfen, oder eben - Programm haben.
Wohl dem unter diesen Bedingungen, der a.) Geschwister zum Spielen, b.) eine Mutter, die zuhause ist, und c.) noch genug Phantasie hat, auch in getakteten Freizeiteinheiten noch in freies Spiel hineinzukippen.
Und nun der Gymnasiast: ein Elend ist dieser Lehrplan, null Praxis, aber auch - außer in den NaWi - keine Theorie im engeren Wortsinne, sondern eher: Abrichtung. Arbeitsblätter, Info-Texte, Befindlichkeitsfragen, eine Art Cluster-Themenaufbereitung ("Energie", "Arbeit", "Rohstoffe", "Religionen", "Medien") statt organischer Chronologie (Ontogenese gleich Phylogenese ist auch pädagogisch notwendig!) der Menschheitsentwicklung.

Nun gut. Also auch beim älteren Kinde: den Alltag so drumherum aufbauen, daß Geborgenheit entsteht. Mahlzeiten, Gespräche zuhause, Polarität von Anstrengnung, auch wenn diese vor allem Streß ist, und Entspannung, die auch mal Sich-Gehenlassen sein darf). Übungszeiten (Instrument, Hausübung, Lernen, Sport) streng trennen von Medienzeiten (ist sehr schwer bei einem mittelpubertären Lebewesen, geht aber!). Und immer wieder: über all das sprechen, ohne zu agitieren, zu verdammen, madig zu machen. Denn die Kinder sind Gegenwartsbewohner, in die Nacht der Welt gestellt. Zum Glück haben sie noch eine zeitlang eine Hülle, auch wenn an dieser von außen mit Macht gezerrt wird.

RMH
20. November 2019 16:52

Angeblich dienten die Halbtagsschule sowie die langen Ferien bei Einführung der Schulpflicht ja gar nicht dem "Kindeswohl" und waren schon gar nicht zur Entwicklung der kindlichen Persönlichkeit gedacht - dass dies eine zeitlang einmal so war, ist fast schon eine Dekadenzerscheinung des Systems "Schule". Die Kinder wurden auf dem Land schließlich als Arbeitskräfte gebraucht und ohne diese "Freizeit", wäre die Schulpflicht wohl nicht durchsetzbar gewesen. Gleichzeitig erkannte man aber auch, dass es von gesamtwirtschaftlichen Vorteil ist, wenn selbst einfache Schichten zumindest Lesen, Schreiben und die 4 Grundrechenarten halbwegs können und verzichtete daher nicht auf eine Schulpflicht. Von der höheren Bildung einmal abgesehen, auf die man sich aber nicht immer gleich bei seinen Betrachtungen stürzen sollte, denn daran sollte die Land- und einfachere Bevölkerung ohnehin nicht teilhaben, Ausnahmen: Die bekannte Talentsuche und -Erkennung durch den örtlichen Pfarrer, Oberförster oder Dorfschullehrer, die dann das entsprechende Kind auf eine städtische (Internat) oder zumeist kirchliche Schule brachten.

Der Faktor "Arbeit" spielte also schon damals eine wichtige bis entscheidende Rolle und heute dient die Ganztagesschule der totalen Mobilmachung an der Arbeitsfront. Beide Ehegatten haben bitteschön zu nach Möglichkeit Vollzeit zu arbeiten und die Schaffung von entsprechenden Betreuungsangeboten sorgt wiederum für eine weitere "Industrie" in der "Bildungsindustrie".

Letztlich soll lediglich der Nachschub an hinreichend qualifizierten und devoten Sklaven für die Arbeitsfront gesichert werden. Alles weitere in unser derzeitiges Bildungssystem hinein zu denken, ist eigentlich naive Bildungsromantik und die Erzeugung notwendig falschen Bewusstseins bei Eltern, Kindern und Lehrpersonal.

Der Nachwuchs von Otto-Normal-Bürger hat bitteschön ein ordentlicher, angepasster Steuerzahler zu werden!

Heino Bosselmann
20. November 2019 17:27

@Maiordomus:

Sehr geehrter Maiordomus,

leider in Eile und hier nur beiläufig, weil vom Thema wegführend: Ihre Erläuterungen sind wie stets enorm bildsam und interessant. Hier jedoch Internate, Elite- und Ordensschulen – sogar Schulpforta, neben Sankt Augustin in Grimma und Sankt Afra in Meißen ja einstige sächsische Fürstenschule – als Vergleich heranzuziehen, das erscheint schwierig, denn Internate sind, wollen sie sich etablieren, wie um eine tragfähige konzeptionelle (Bildungs-)Idee herum gebaut, christliche Schulen zudem religiös inspiriert; den derzeitigen deutschen Ganztagsschulen jedoch fehlt meist eine klare Konzeption, sie sind Ergebnis einer bildungspolitischen Kampagne und improvisieren häufig. Sehr wohl mag es sein, daß einige von ihnen redlich arbeiten, insofern sie, selten genug, von inspirierten Enthusiasten geführt werden, aber nach meiner Erfahrung wird, wie oft, eher deklariert, sie würden kindgerecht gestalten, als daß es tatsächlich geschieht. Daher ja meine kritischen Einwände oben. Überhaupt mag gelten: Als Lehrer wirkt, wer dem aufmerksamen eigenen Verantwortungsgefühl folgt, sich selbst beständig prüft, skeptisch sich selbst gegenüber bleibt, sich also revidiert und vor allem nicht nur "weiterbildet", sondern weiter bildet und sich vor allem nicht politisch völlig vereinnahmen läßt. Das kann durchaus in Loyalität geschehen.

Was mich betrifft, so absolvierte ich in der DDR selbstverständlich kein Gymnasium, denn diese Schulform hatte die andere deutsche Republik als "bürgerlich" verworfen, sondern von 1978 bis 1982 eine sogenannte Erweiterte Oberschule (EOS), für die nicht die Eltern, sondern der Staat die Schüler aussuchte, und zwar ca. zehn Prozent. Das heutige bundesdeutsche Gymnasium kann hingegen als eine Art Gesamtschule gelten, da es bereits über fünfzig Prozent der Schüler versammelt. Ich verlinke unten etwas zu den „erweiterten Oberschulen“. Diese Schulen wären einen eigenen Beitrag wert. Ganztagsschulen auch sie, insofern es sich meist um kleine Internate handelte, die sich meist in der Kreisstadt befanden. Man besuchte sie vier Jahre, von der neunten bis zum Ende der zwölften Klasse. Kurz noch: Ich verdanke einer solchen EOS eine sehr gute Bildung in Mathematik, den Naturwissenschaften und Technik sowie im Fach „Deutsche Sprache und Literatur“. Wie jede andere Schule im einheitlichen Schulsystem der DDR war allerdings auch die EOS stark durchideologisiert, gleichwohl sehr leistungsorientiert. Aber wie gesagt, das wäre eine eigene Darstellung wert und paßt hier nicht.

Haben Sie Dank für Ihr Interesse und Ihre versierten Einlassungen. Und seien Sie herzlich gegrüßt.

https://de.wikipedia.org/wiki/Erweiterte_Oberschule

Franz Bettinger
20. November 2019 18:47

@Caroline Sommerfeld: Ja, es ist faszinierend und würde manchem vielleicht doch nahebringen, wie sehr der Mensch ein Tier ist, denn er durchläuft in den neun Monaten seiner Entstehen im Mutterleib sämtliche Stadien der Evolution: vom Einzeller über den Ringelwurm (Metamere) und Fisch (Kiemen) zum Wirbeltier Baby Mensch. In der Phylogenese (= embryonale Organ-Entwicklung) wird wie im Zeitraffer die Ontogenese (=die gesamte Stammes-Entwicklung der Tierwelt) nachgespielt! Ehrfurcht gebietend + vielsagend!

AfDHSKind
20. November 2019 20:37

Angesichts der heutigen Verhältnisse kann ich „schola“ und „discere“ nicht in einem Satz unterbringen, ohne zu lachen.

Im antiken Sparta war die Jugend mit Nahrung unterversorgt, damit sie lernten, sich zu nehmen, was sie brauchen. So verhält es sich mit der heutigen Schule, nur ist es die geistige Nahrung, die knapp gehalten wird. Wer Bildung will, muss sie sich nehmen.

Das bringt einerseits eine handvoll vortrefflicher Autodidakten hervor, andererseits auch eine große Masse, die mit leerem (fraglich ob überhaupt vorhandenem) Magen durch die Gegend stolziert.

Weltversteher
20. November 2019 21:37

Bettinger: "vom Einzeller über den Ringelwurm (Metamere) und Fisch (Kiemen) zum Wirbeltier Baby Mensch. In der Phylogenese (= embryonale Organ-Entwicklung) wird wie im Zeitraffer die Ontogenese ..."

Und doch betrifft Ihre Betrachtung nichts weiter als den Physischen Leib. Was darüber hinaus zu Stande kommt, scheinen Sie nicht zu bemerken. Immerhin ergreift bereits bei der Befruchtung der menschliche Geist den entstehenden Lebenskeim.

Maiordomus
20. November 2019 21:40

@Bosselmann. Wir sind uns einig, dass Vergleiche hinken. Dazu finde ich Ihre nachträglichen Ausführungen über das DDR-Bildungssystem informativ. Selbst noch an einigen Universitäten der DDR gab es erfreuliche Nischen, wo über ein paar ideologische Lippenbekenntnisse hinaus positive Arbeit geleistet werden konnte, etwa im mir bekannten Bereich Reformationsgeschichte, auf welchem Gebiet mein langjähriger verstorbener Weggefährte Siegfried Wollgast - SED-Mitgliedschaft hin oder her - konstruktiv und im Prinzip vorurteilsfrei gearbeitet hat usw. So weit ich es einschätzen kann, lebte, arbeitete und wirkte er vor und nach 1989 als glaubwürdiger Humanist. Dieser Lehrertypus ist freilich heute immer weniger gefragt, wird bestenfalls als Original noch toleriert.

In einem Punkt sind wir. @ Herr Bosselmann und ich, uns mutmasslich vollständig einig: Qualitativ waren die klassischen Internate etwa von Orden und erst recht Pforta zu ihrer grossen Zeit das absolute Gegenteil eines Beliebigkeitsgymnasiums. Sie sehen auch völlig richtig, dass zumal die Ordensschulen eine deklarierte weltanschauliche Position eingenommen haben, was nicht nur den Eltern, erst recht den Zöglingen jederzeit bekannt und deklariert war. Man heuchelte, im Gegensatz zu heute, keinen verlogenen Pluralismus vor. Dies bedeutete für intelligente und kritische Benediktiner- und Jesuitenschüler: Was an "unserer" Schule an Weltanschaulichem vermittelt wird, muss nicht gleich zum vollen Nennwert genommen werden, sondern bedarf der Ergänzung durch Selbststudium. Warum nicht in interessierten Freundesgruppen? Vor 60 Jahren wusste zum Beispiel jeder katholische Internatsschüler, dass die Schriften von Jean-Paul Sartre auf dem römischen Index der verbotenen Bücher standen, weswegen gerade die kritischen Schüler die leidenschaftlichsten Sarte-Leser geworden sind, so wie der Index generell nirgends einen grösseren Werbewert hatte als bei Schülern und Studenten von katholischen Gymnasien und Universitäten. Das war gut so! Selber war ich bereits mit 13 Jahren Sartre-Leser, wurde dank Warnung schon mit 11 Jahren auf Nietzsche aufmerksam gemacht, durch einen Volksmissionar, dessen Predigt gegen den Verkünder des Todes Gottes endete mit dem Vernichtungsurteil: "Und zuletzt war der arme Teufel geschlechtskrank."

Der heutige "Antifaschismus" sowie die weiteren Ideologie-Elemente, welche @Caroline Sommerfeld im zweitletzten Abschnitt ihres Diskussionsbeitrages aufzeigt (wirklich entsetzlich, eigentlich der Tod des Gymnasiums) wirken aber leider nicht in einem oben genannten fruchtbaren Sinne anregend und nicht in einem guten Sinne kontraproduktiv. Das Schlimmste ist möglicherweise, dass auf der Basis des von Sommerfeld und auch von Ihnen geschilderten Gymnasialbetriebes das gymnasiale Geistesleben zu verkümmern droht; die Ethik zum Beispiel wird auf ein paar Regeln der politischen Correctness verkürzt. Dabei ist, wie Sie, Herr Bosselmann, ausführen, nicht auszuschliessen, dass es an hoffentlich jeder Schule noch den einen oder anderen Lehrer gibt, der in stiller Qualitätsarbeit nicht mit den Wölfen heult. Eine Ganztagesschule, die statt auf Spitzenqualität zu setzen und echte wissenschaftliche Propädeutik (auf der Basis eines deklarierten Kanons) nur noch vermeintliche "Chancengleichheit" als Nivellierung nach unten und als potentiellen Weg des geringsten Widerstandes gegen den Mainstream anbietet, präsentiert sich in der Tat als eine Neuheit in der Geschichte des deutschen Gymnasiums. Diese Tendenz hat sich indes in der Bundesrepublik spätestens ab 1968 abgezeichnet. Wilhelm Röpke klassifizierte es als "Bildungsjakobinismus". Selber kämpfte ich um 1970 allein auf weiter Flur an einer Germanisten-"Vollversammlung" g e g e n eine Resolution mit dem Zweck der Abschaffung eines Examens, bei dem angehende Germanisten wie bisher in Gotisch, Althochdeutsch, Altsächsisch und Mittelhochdeutsch geprüft wurden. Diese veralteten Kenntnisse seien durch "Soziolinguistik* zu ersetzen! Die Gründer des Fachs, die Brüder Grimm, hätten sich wohl im Grabe umgedreht. Natürlich ging es um die Entlatinisierung des Sprachstudiums, womit nicht zuletzt ausser der Scholastik der klassische Humanismus im Geist es Erasmus von Rotterdam getroffen werden sollte. Der Trend, im Kampf gegen den "Muff von tausend Jahren" den Humanismus durch neomarxistisches Soziologenchinesisch zu ersetzen, wurde schon damals mit "Antifaschismus" begründet; weil nämlich die Humanisten den Nationalsozialismus nicht verhindert hätten, was notabene aber ein Pauschalurteil war.

Um, @Herr Bosselmann, unser "Gespräch" zusammenzufassen: Ihre Kritik an dem, was man heute "Ganztagesschule" nennt, teile ich weitestgehend. Aber selbstverständlich waren viele der besten Gymnasien Alt-Europas noch Ganztagesschulen im Sinne meiner Darlegungen ganz oben. So wie Gymnasiallehrer eigentlich kein Beruf ist, den man in Teilzeit ausüben kann. Man ist und bleibt es 24 Stunden im Tag, natürlich auch im Urlaub. Keine Stunde im Leben bleibt der Mensch unbelehrt, vermerkte in diesem Zusammenhang Paracelsus, was bei diesem zornigen humanistischen Aussenseiter radikale Kritik am zeitgenössischen Schulbetrieb nie ausgeschlossen hat.

Maiordomus
20. November 2019 22:09

@AfDHSKind. Was den sogenannten "Stoff" betrifft, so gab und gibt es heute erst recht das Problem der Überfütterung. Zuletzt beschränkt man sich dann auf Wikipedia-mässige Zusammenfassungen, was natürlich mit Bildung nichts mehr zu tun hat. Dass die humanistische Substanz des Gymnasiums zu kurz kommt, hat aber mutmasslich mit dem zu tun, was Sie als Verknappung der geistigen Nahrung charakterisieren.

Zur humanistischen Substanz gehört zweifelsfrei die formale Bildung, einschliesslich des Satzes von Platon: "Hier trete keiner ein, der nichts von Geometrie versteht."

Ich möchte wiederholen, was ich schon bei meiner ersten Wortmeldung oben betonte: Vor Idealisierung des Gymnasiums früherer Zeiten müssen wir uns hüten. Das schwäbische Mathematikgenie Johannes Kepler konnte im Alter von 10 Jahren seine Gedanken schon Lateinisch formulieren, beendete aber das Gymnasium nur im 32. Rang von 54 Schülern, im Wissen um die systematische Herabsetzung und Verkennung durch seine Lehrer. Schlechte und mittelmässige Lehrer beurteilen den Schüler oft nach den Antworten, die auf vorfabrizierte Fragen mit bereits festgelegten Lösungen produziert werden. Auf diesem Gebiet ist, auch dank hoher Einfühlungsgabe, der weibliche Teil des heutigen Schülerpublikums im Vorteil. Lehrerfragen richtig zu beantworten ist natürlich ein echter Intelligenz-Faktor, nur nicht gerade auf dem Niveau von Kepler und Einstein.

Unter den Aufsätzen von Theodor Lessing, dem jüdischen Jugendfreund von Ludwig Klages, stand regelmässig "nicht schulgerecht". Als Th. Lessing später dann doch noch eine (vorübergehende) akademische Karriere schaffte, erklärten seine ehemaligen Lehrer ihn zu einem Fall von Spätreife. In seinem eigenen Selbstverständnis war Th. Lessing aber der Meinung, er habe seine wichtigsten Gedankengänge schon als Gymnasiast weitgehend entwickelt. Dies zu einer Zeit, da er zweimal eine Klasse repetieren musste! Auch Bertolt Brecht gelangte zur Auffassung, dass seine Lehrer in Augsburg leider nur wenig von ihm hätten profitieren können. Dieses Gefühl des Verkanntseins lässt sich in den Lebensgeschichten vieler Hochbegabter nachweisen. Schlechte Erfahrungen habe ich freilich gemacht mit einem in Gründung begriffenen "Verein der Eltern hochbegabter Kinder", der aber dann glücklicherweise nicht zustande gekommen ist. Die wirklich hochbegabten Kinder waren und sind noch nie auf eine solche "Elterngewerkschaft" angewiesen gewesen.

Gracchus
20. November 2019 22:18

Da sind sich wohl alle einig. Auch hier hat man den Verdacht, dass dies die Mehrheit der Eltern und Lehrer - von den Kindern ganz zu schweigen - so sehen, aber machtlos bleiben.

dreamingplanet7
21. November 2019 07:41

@RMH Das Argument die Schule solle ganz bewusst Arbeitskraefte zuechten aber nicht bilden
habe ich schon oft gehoert, ich bin mir nicht sicher ob das wahr ist, ich wuerde den meisten
Beteiligten guten Willen aber massive Inkompetenz unterstellen…
Auch waren die Deutschen bis vor 150 Jahren in der Masse noch ein Volk von Analphabeten, das
aenderte sich erst mit Bismarcks Heeresreformen als man den Jungs vom Land in der Armee etwas
lesen, rechnen, schreiben beibrachte… Und Bismarck unterstelle ich das er das Beste fuer sein Volk
wollte...
Was Hr Bosselmann beschreibt ist leider so wahr wie traurig. Ich hatte beruflich mal eine Woche
gegenueber einer GanztagsKita zu tun, morgens wurden die Kleinen gebracht, Abends abgeholt,
Mittags mussten sie in der duesteren Halle zu 0815 Popmusik rumhuepfen waehrend direkt vor den
Fenstern der schoenste Sommer mit Wiese und Gruen stattfand… Die armen Kleinen…
Aber eigentlich wollte ich etwas anmerken: Vor mehreren Jahren las ich mal einen Artikel wonach
es schulische Modellprojekte gebe (ich glaube in NRW und Bremen?) bei der Schueler nur alle
zwei Wochen zu erscheinen hatten um sich ihre Aufgaben abzuholen, lernen sollten sie wann und
wo sie wollten - ganz tolle Idee in einem Alter wo das Testosteron sprudelt :-)
Ich konnte das nicht glauben und fragte eine Freundin die dort Lehrerin ist, doch sagte sie, das
stimme…
Es gilt: Wir kommen wieder genau dahin wie es mal gedacht war, die Klugen und Fleissigen
werden weiterkommen, ansonsten eine droege ungebildete Masse, inzwischen angereichert mit
Orientalen und aus aller Herren Laender…
Nur koennte man das auch billiger haben als dafuer Milliarden auszugeben.
Das ist ueberhaupt der Knackpunkt, viel zu viel Geld im System. Eigentlich gehoert in eine Schule
nichts ausser einer Tafel und einer Heizung. Dazu alle Altersklassen in einen Raum, vorne ein
strenger Lehrer, Telefonverbot und Schuluniform. Faecher nur Deutsch, Mathe,
Naturwissenschaften. Die ganze Sache geht nur bis Mittags und Jungs zwischen 14 und 18 gehen
sowieso nur zwei Wochentage zur Schule, fuer mehr ist der Kopf zu klein in dem Alter, den Rest
der Zeit werden sie auf die Baustelle geschickt, das foerdert Koerper und Geist.
Achja und die wenigen Lehrer die man dann noch braucht haben gefaelligst minimum zehn Jahre
Berufserfahrung zu haben, ich halte von der heutigen Lehrergeneration ueberhaupt nichts, das sind
Menschen die sich an der Schule zu wohl gefuehlt haben und nie rausgetraut, drum nach dem Abi
auf Lehramt und gleich zurueck ins warme Nest… Naja jetzt kriegen sie dank der
Einwanderungspolitik die Realitaet frei Haus geliefert… :-)
Nun ja, all das wird nicht geschehen, behalten wir gute Laune, wer Schlechte moechte dem
empfehle ich ein sechs Minuten YoutubeVideo “Islamunterricht an deutschen Schulen”, hat ein Schueler mal mitgefilmt, da sieht
man eher wohin die Reise geht...

Thomas Martini
21. November 2019 07:54

Der obige Beitrag liefert keinerlei neue Informationen.

Und darüber sind sich Kenner der deutschen Sprache seit jeher einig: Adjektive können einen gut komponierten Aufsatz nur würzen. Man kann sagen, Eigenschaftswörter sind das Salz in der Suppe. Wer den Leser achtet, geht mit Adjektiven sparsam um. Schreiber, die sie im Überfluss gebrauchen, "nivellieren" damit nicht einen Mangel an Verben "ein". Man kann hunderte Wiewörter vor ein Substantiv setzen, aber dadurch passiert noch lange nichts auf einem Blatt Papier:

„Die quasimarxistische Grundidee... alle natur- oder sozialbedingte Nachteile...eine so glückliche wie sinnvolle und bildsame Kindheit...die richtigen sozialökonomischen und kulturellen Bedingungen...eine harte und nervöse Schicht...einem erwachsenen Rhythmus unterworfen...das fatale Paradox...der innere, leerdrehende Streß...von kognitiven oder sprachlichen Anforderungen...der karrieristischen oder existenzängstlichen Rechnerei...nachmittäglich sozialpädagogische Anleitung...zweckfrei Nutzloses [sic!]...hinein in das eigene junge Leben...abendlicher elterlicher Fürsorge...ein System obligatorischer Zwangsvereinnahmung...die gesellschaftliche Wirklichkeit...die nachmittägliche Freiheit...öde Pflicht...jenen Kollegen[...]der belesen, kenntnisreich und aus ureigenem Interesse selbst gebildet und weitergebildet war...“

Wer so schreibt, serviert dem Leser eine vor Salz überquellende Wörtersuppe. Da fehlt jegliches Sprachgefühl. Hinter einem solch leichtfertigen, großzügigen, üppigen, schlampigen, ungenügsamen oder besser gesagt verschwenderischem Einsatz von – zum Großteil hässlich klingenden - Adjektiven, verbirgt sich keine Kunst, sondern die Neigung zur Geschwätzigkeit. Dabei habe ich nur die wirklich überflüssigen Beispiele raus gefiltert, der Rest des Beitrages ist immer noch ausreichend gesalzen. Über Abstraktionen, wie „wünscht sich die Politik“, und die üblichen Grammatik- und Rechtschreibfehler sah ich ebenfalls großzügig hinweg.

Von einem Autor, der dauernd die Bildungsmisere in Deutschland kritisiert, sollte man immerhin erwarten können, dass er das kleine Einmaleins des Schreibhandwerks begriffen hat. Nicht einmal dazu reicht es bei einem Salbader wie Heino Bosselmann.

RMH
21. November 2019 08:00

"Auch hier hat man den Verdacht, dass dies die Mehrheit der Eltern und Lehrer - von den Kindern ganz zu schweigen - so sehen, aber machtlos bleiben."

@Gracchus,

in diesem Satz ist mir zu viel Wunschdenken enthalten. Das ist natürlich vorhanden und wird - wenn nicht hier, wo bspw. dann? - auch entsprechend formuliert, aber von "Mehrheit" wage ich auch hier nicht einmal zu träumen.

Die Masse der Eltern will im wesentlichen, dass ihr Kind Zugang zu möglichst guten bestückten Fleischtrögen und Berufen mit gewissem gesellschaftlichen Ansehen bekommt. Die dazu notwendigen und zu überspringenden "Stöckchen" sollen aber bitte nicht allzu hoch oder schwer sein. Ergo: Die Formalien wie "Zeugnis" und "gute Noten" sollen dafür irgendwie erreicht werden, Hauptsache das Kind hat irgendwann "Abitur". Ob das Kind ernsthaft etwas "drauf" hat, ist den meisten Eltern so ziemlich egal, so wie es ihnen selber egal ist, ob sie selber "etwas drauf" haben - show must go on und vor allem die eigenen Lebenslügen dürfen nicht hinterfragt werden ("Ich bin Akademiker - meine Kinder müssen es auch sein"). Die Kinder werden früh auch in diesen Bereichen der Lebenslügen eingewoben und spielen daher in aller Regel mit.

Auf der anderen Seite stellt sich das heutige Lehrpersonal zu einem großen Teil aus (Schul-) Systemversagern zusammen, die in ihrem seit der Einschulung gut bekannten System Schule, in dem sie selber nie wirklich gut oder überragend abgeschnitten haben, geblieben sind. Jeder, der Abitur hat, weiß doch, dass gerade die, die nicht die besonders guten Noten hatten, dann ein Lehramtsstudium aufgenommen haben (Ausnahmen bestätigen auch hier die Regel, auch mir sind Einser-Abiturienten bekannt, die Lehrer wurden, oftmals dann aber im sog. "MINT"-Bereich). Schule war etwas, was man gut kannte, wo man gelernt hatte, sich irgendwie ohne großen Ärger durchzulavieren und was durch Beamtenstatus in Deutschland für ein ordentliches, sicheres Auskommen sorgt - und Ferien gibt es auch noch. Warum sich dann in die unsicheren Welten der vermeintlich "freien Wirtschaft" begeben? Kein Wunder also, dass man in dem System bleibt, welches man irgendwie absolviert hat - aber Lust darauf es zu verbessern oder zu ändern hat Otto-Durchschnitts-Lehrer schon mal gleich gar nicht und wenn, dann wird er sehr schnell wieder eingebremst. Jeder, der einmal Kurse für Lehrer gehalten hat, weiß, was ihm da blüht - reine Abschlussorientierung (Kommt das in der Prüfung???? Erklären Sie uns bitte nur das, was im Examen relevant ist. Das ist doch prüfungsrelevant, können Sie das bitte noch zum x-ten mal wiederholen?), kein Interesse am Blick über den Tellerrand hinaus oder gar für ein tieferes Verständnis und genau so verhalten sich dann heutzutage auch die Schüler, rein abschlussorientiert.

Kein Wunder, dass dieses Art von Lehrpersonal auch massive Angst für sog. "Quereinsteigern" in den Lehrerberuf hat, denn diese "Quereinsteiger haben meistens ein deutlich fundierteres Fachwissen als die "hauptamtlichen" Lehrer. Jeder, der eine deutsche Universität besucht hat und dort "Scheine" für seine Nebenfächer ziemlich leicht erwerben konnte stellte fest, dass diese Nebenfachscheine oftmals die Hauptleistungsnachweise in den jeweiligen "Fächern" für Lehramtsstudenten waren und das ist auch der Hauptgrund, warum Lehrer die "Didaktik" und die "Pädagogik" so in den Vordergrund schieben, denn bei diesen Laberfächern haben sie noch die Hoheit über den Stammtischen, bei den Fächern, die sie selber unterrichten, hingegen schon lange nicht mehr. Hauptberufslehrer mobben daher vielfach alle Quereinsteiger, wo es nur geht, da diese Quereinsteiger sonst zu deutlich zeigen, was für fachliche Nullen die Hauptberufler doch in viel zu vielen Fällen sind.

Machen wir uns doch alle bitte nichts vor:

Schule ist schon seit sehr langer Zeit (oder gar schon immer? Siehe meinen obigen Beitrag) nur und ausschließlich dafür da, den Sklavenstand (= 99,9 % der Bevölkerung) arbeitsfähig in einer moderneren Umwelt zu halten. Alles andere ist romantische und auch naive Überhöhung, die aber ein Stück weit zum System der notwendigen Selbsttäuschung gehört, damit der Laden irgendwie läuft.

Und das ist auch einer der Gründe, warum Leute wir Herr Bosselmann regelmäßig verzweifeln und sich auf vermeintlich idealere Zeiten zurück besinnen oder eigene Vorschläge entwickeln. Aber auch damals waren die reinen Utilitaristen (was muss ich machen, um an die und die Note zu kommen? Was, um den oder jenen Studienplatz? Was, um einen gut bezahlten job?) immer in der Mehrzahl.

Idealisten mit Blick über die jeweiligen Tellerränder waren und sind immer nur ein Nebenprodukt - ja man könnte sogar polemisch sagen, ein Abfallprodukt - was so lange auch geduldet wurde und wird, so lange es ein paar bunte Alibi-Tupfer in die graue Landschaft bringt und so langen "im Übrigen" der Laden läuft.

Gestern habe ich erst wieder einen Vortrag zum Thema "lebenslanges Lernen" von einer jungen Führungskraft in der deutschen Großindustrie gehört. Da ging es mitnichten um "Bildung", da ging es nur, wie man up to date bleibt, damit man in der Karriere weiter vorankommt und sein Fachidiotentum aktuell hält und vor allem, wie man es effektiv verkaufen kann.

Da kann man nur sagen: Gute Nacht!
Aber schön, dass wir einmal darüber geredet haben …

PS: Insofern ist es genau richtig, wenn man gegen die Vollzeitschule ist --- es muss Freiräume geben, wo sich die wenigen, die ernsthafte Interessen haben und die es immer und zu jeder Zeit gab und geben wird, entwickeln können. In dem ich Freiräume schaffe, schaffe ich zumindest Optionen für alle die, die mehr von der Bildung haben wollen, als nur das Butterbrot und das Öl, damit die Karriere geschmiert ist.

Caroline Sommerfeld
21. November 2019 08:02

@Maiordomus:
"Schlechte Erfahrungen habe ich freilich gemacht mit einem in Gründung begriffenen „Verein der Eltern hochbegabter Kinder“, der aber dann glücklicherweise nicht zustande gekommen ist. Die wirklich hochbegabten Kinder waren und sind noch nie auf eine solche „Elterngewerkschaft“ angewiesen gewesen."

Ich habe in einem solchen (der DGhK) ein paar kluge, merkwürdige, "andere" Eltern kennengelernt. Und die ersten Erfahrungen mit Projektion, Filterblase und Verantwortungsdiffusion machen dürfen. Letztere ist relevant auch für's bosselmannsche Thema.

Das Kind für "genial" zu erklären bzw. per Test erklären zu lassen, enthebt so manche Eltern vermeintlich von ihrer Erziehungsverantwortung, und verhält sich damit spiegelbildlich zur grassierenden ADHS-Diagnose. In der Ganztagsbetreuung löst sich ebenfalls ein wichtiger Teil elterlicher Verantwortung auf.

Hinzu kommt, daß ein Teil der Kinder zu Komplettversorgungsverlierern werden. Von staatlicher pädagogischer Rundumstütze profitieren zuerst einmal offensichtlich arme, bildungsferne, migrantische, konsumverwahrloste Kinder: endlich eine ordentliche Obstjause, gutes Spielzeug bzw. Arbeitsmaterial, helle, saubere Räume, Sprachförderung, psychologische Betreuung - hier liegt das Argument bspw. für den "Gratiskindergarten" samt verpflichtenden Vorschuljahr der Stadt Wien.
Dies ist auf den zweiten Blick jedoch dann auch der Grund, a l l e Kinder verpflichtend mit dieser Versorgung zu überziehen - und damit die Verantwortung solcher Eltern, die all dies noch selber auf die Beine stellen können und wollen, auszuhebeln.

Wichtig zu diskutieren ist überdies m.E. der von Heino Bosselmann angerissene Punkt, ob eine medienfreie Schule (Handyverbot ist nur der negative Teil, der positive wäre: in der Schule keine Bildschirme, Tablets, "Filmgucken", Lern-PCs im Eck) quer durch alle Schichten gerade durch Komplettversorgung heilsam wäre: Schule als Schonraum vor der digitalen Welt, in die die Kinder dann sowieso zuhause und bereits am Schulweg flächendeckend hinabgleiten - egal ob Türken- oder Roma-Volksschulkind mit von den Eltern vom Munde abgespartem Handy oder Wohlstandswaise mit IPhone, Tablet und Pro-Gamer-PC.
Heilsam oder Teil der Verantwortungsdiffusion?

Laurenz
21. November 2019 09:51

Ich danke Herrn Bosselmann für den ausgezeichneten Artikel und @Maiordomus diesmal für eine angebrachte Detailverliebtheit, auch wenn das Bild, welches Maiordomus zeichnet, etwas, interessanterweise, verharmlost, so ein bißchen wie "Feuerzangenbowle" für SiN, auch wenn der Film sicher sehenswert ist.

Was das Thema Schule angeht, so gibt es keine letztendliche Wahrheit. Ein gegenteiliges Bild, oder sagen wir, die dunklen Seiten unseres ehemaligen imperialen Schulsystems beleuchtend, empfehle ich Herrn Bosselmann die Lektüre "Unterm Rad" von Hermann Hesse, sehr lesenswert, auch wenn man das Geheule Hermann Hesses nicht für ganz bare Münze nehmen muß, ist es trotzdem bewegend, beeindruckend.

Unser Schulsystem war trotz aller Lücken, das beste des Planeten, wie, das muß man permanent wiederholen, wie Paul Kennedy in Seinem epischen Werk "The Rise and the Fall of the Great Powers" bemerkte, war der Deutsche Soldat nur deswegen der beste Soldat der Welt und in der Lage gegen eine vielfache Überlegenheit der Aggressoren lange standzuhalten, weil Seine schulische und berufliche Ausbildung die vergleichsweise beste war, was der Linken bis heute aufstößt.

Auch wenn die Jesuiten schon immer proklamierten, "gebt uns Eure Kinder 6 Jahre und dann macht mit ihnen, was ihr wollt", hinderte das äußerst intelligente Menschen, wie Strauß oder Goebbels nicht daran, eine kriminelle Ader zu entwickeln.

Die von @RMH benannte mangelnde soziale Komponente ist historisch korrekt. Die Besitzstandswahrung der deutschen Ober- und Mittelschicht spiegelt sich heute noch im deutschen Beamtenrecht wieder. Nicht die Leistung des Beamten ist für seine Laufbahn ausschlaggebend, sondern seine recht teure Ausbildung. So konnten schon immer reiche, bzw. wohlhabende Idioten falsche Entscheidungen in unserer Geschichte treffen.
Das geht hoch bis zum Kaiser.
Deswegen konnte man bei der SS auch ohne Abitur Offizier werden.
Daher ist das Klischeebild der/s kinderlosen Hauslehrers oder Hauslehrerin ein richtiges. Lehrer, die Kinder haben sind ungünstig. Denn Lehrer, die auch Eltern sind, sind nie möglichst objektiv und bewerten fremde Kinder immer schlechter um den eigenen Kindern bessere Chancen einzuräumen, das ist ein nicht unterdrückbarer menschlicher Trieb.
Daher sollten kinderlose Mitbürger bei der Auswahl und Ausbildung zu Lehrern bevorzugt werden.

Im Vergleich zur DDR-Geschichte Herrn Bosselmanns besuchte ich fast zur gleichen Zeit ein humanistisches Gymnasium im Westen. Ich kann mich über meine Schule nicht beschweren, so hatte sie doch, trotz geringer Größe an sich, den größten Schul-Chor und das größte Schul-Orchester einer west-Deutschen Großstadt, was wiederum auf Eltern-Spenden zurück ging.
Selbst die damaligen Apo-Vertreter an meiner Schule fügten sich noch in das herrschende Schulsystem ein, vor allem in einer gewissen Strenge.
Was allerdings das pädagogische Erkennen von Schüler-Charakteren anging, so waren meine Lehrer schwach. Keiner bemerkte bestimmte schülerische Eigenschaften, wie zB meine. Bis auf das leidige Vokabel-Lernen in Latein, Englisch und Französisch, brauchte ich bis einschließlich der 10ten oder 11ten Klasse nichts zu lernen. Einmal gehört oder an der Tafel gesehen, verblieb der Inhalt in meinem Kopfe, was die Konsequenz hatte, daß ich nie lernen lernte. Erst in der Oberstufe war es nicht mehr möglich, auf einen Blick Kohlenstoff-Ketten in meinem Gedächtnis zu erhalten, was mir dann große Schwierigkeiten bereitete und mein ganzes Leben bestimmte, indem ich bis heute nur das lerne, was ich tatsächlich lernen will. Aber so geht das doch nicht, zumindest nicht für eine Allgemeinheit.

Grobschlosser
21. November 2019 11:54

re RMH :

Hauptberufslehrer mobben daher vielfach alle Quereinsteiger, wo es nur geht, da diese Quereinsteiger sonst zu deutlich zeigen, was für fachliche Nullen die Hauptberufler doch in viel zu vielen Fällen sind.

DANKE ! so ist es .

lasst uns das Schulsystem komplett privatisieren .

zeitschnur
21. November 2019 12:04

@ Martini

"Wer so schreibt, serviert dem Leser eine vor Salz überquellende Wörtersuppe. Da fehlt jegliches Sprachgefühl. Hinter einem solch leichtfertigen, großzügigen, üppigen, schlampigen, ungenügsamen oder besser gesagt verschwenderischem Einsatz von – zum Großteil hässlich klingenden - Adjektiven, verbirgt sich keine Kunst, sondern die Neigung zur Geschwätzigkeit. Dabei habe ich nur die wirklich überflüssigen Beispiele raus gefiltert, der Rest des Beitrages ist immer noch ausreichend gesalzen. Über Abstraktionen, wie „wünscht sich die Politik“, und die üblichen Grammatik- und Rechtschreibfehler sah ich ebenfalls großzügig hinweg." -
________

Äh... schauen Sie eigentlich ab und zu mal in den Spiegel?
Wie kann man einen solchen Schwachsinn schreiben und merkt es nicht mal:

"Hinter einem solch leichtfertigen, großzügigen, üppigen, schlampigen, ungenügsamen oder besser gesagt verschwenderischem Einsatz von – zum Großteil hässlich klingenden - Adjektiven..."

Meine Güte, @ Martini!

Caroline Sommerfeld
21. November 2019 12:07

@Grobschlosser: Au fein. Ganz im Sinne von Rudolf Steiners "Freiheit des Geisteslebens" (und Gleichheit des Rechtslebens, Brüderlichkeit des Wirtschafslebens - Gleichheit gehört nämlich nicht ins Geistesleben!).
Soweit die Ideen.
Dieser Gedanke veranlaßte indes kürzlich einen waldorfaffinen Bekannten, mir gegenüber fröhlich zu verkünden: "Dann könnten die Türken türkische Schulen frei gründen, und man könnte in Österreich auf Türkisch maturieren. Das ist Freiheit des Geisteslebens!"

Anders gefragt: würde nicht die Privatisierung des Bildungssystems zum einen hochgradig ökonomisierte Karrieristen-ausspuck-Anstalten (nach dem Muster der Phorms-Schulen oder diverser International Schools) generieren, die ihrerseits massiven Druck auf die Arbeitgeber ausüben, auch durch Anreize, Kooperationen, Investitionsversprechen usw.? Und zweitens allerlei "wohltätige Organisationen" von Soros über den Jesuitenorden bis zur Fabian Society und - damit schließt sich der Kreis zum erstgenannten Beispiel - aus dem Ausland finanzierte islamische Bildungsvereine auf den Plan treten lassen?

Gustav Grambauer
21. November 2019 12:28

Lebenslanges Lernen schön und gut, aber bitte nicht als von Kulturmarxisten auf die Onto-Ebene herunterdeklinierte Trotzkische Permanente Revolution, so ist es nämlich als Kampfparole gemeint.

Meine "Ganztagschule" hatte ihren Schwerpunkt am Abendbrottisch, bei meinem Vater, der insbesondere in Geschichte und Staatsbürgerkunde aus dem Vollen schöpfte, auch in Literatur und Musik, aber eigentlich mehr oder weniger in jedem Fach außer Russisch, dafür umso mehr in Latein. Er hat mich von Anfang an hinter die Kulissen seiner Didaktik blicken lassen, mir oft zugleich vermittelt, warum und mit welchem Mechanismus ich vormittags belogen worden war. Selbstverständlich mußten wir gemeinsam Strategien finden, damit ich mit dem Double-Bind überleben kann, in einem Umfeld, das insofern zusätzlich schwierig war. Er hat mir auch meist mit dazugesagt, wie er selbst als Kind oder Jugendlicher an einer Oberrealschule während der Nazi-Zeit und kurz danach unter der Egide der Russen den Stoff vermittelt bekommen hatte, was mir sehr geholfen hat, unabhängig zu denken bzw. auch mein eigenes Schulsystem aus der Kavalierperspektive anzuschauen. Einmal hat er mich darauf aufmerksam gemacht, daß meine Schulbücher auf dem fachlichen (dies teilweise), didaktischen, ästhetischen usw. Niveau der 50er Jahre stehengeblieben waren, was auch stimmte und mir wieder eine kleine Hilfe dabei war, mir die Beschränktheit des ganzen Systems klarzumachen. Erinnere mich z. B. an eine unserer vielen Wanderungen im Elbsandsteingebirge, bei der er mir ein Privatissimum über das Mittelalter in drastischem Gegensatz zu dem, was im Geschichtslehrbuch stand, gab, und zwar unter Schilderung der Interessen, die die Nazis und die Kommunisten an ihren Interpretationen des Mittelalters hatten, und dessen, wie schon Karl May hierzu seinen eigenen Faden gesponnen hatte. Diese sozusagen genealogische Methode hat ihm nicht nur ermöglicht, immer wieder Spannungsfelder aufzubauen, in dem der Stoff vonvornherein plastisch war. Er konnte dadurch auch immer wieder auf biographische und familiengeschichtliche Bezüge sowie auf die - für mich hochspannenden - Gegebenheiten einer thüringischen Kleinstadt in den 30er, 40er Jahren zurückzukommen, vor allem hat sind wir uns dadruch sehr nahe gekommen.

- G. G.

Grobschlosser
21. November 2019 13:25

re Frau Sommerfeld .

das stimmt , der Einwand ist berechtigt .

Man kann diesen Aspekt ordnungspolitisch regeln .

Wir landen unweigerlich bei der Machtfrage .

heute im "Deutschlandfunk"

https://www.deutschlandfunk.de/weidmannsheil-der-weg-zum-jagdschein-und-ins-revier.772.de.html?dram:article_id=461047

der Fachmann aus Trier freut sich selbstverständlich auch über Bewerber mit Migrationshintergrund .

das grüne Abitur ... weil wir doch über Bildungspolitik sprechen .

( es wird kein perfektes Schulsystem geben ; auch Segelflugschulen , Meisterbetriebe ; Buchhändler und viele andere Betriebe / Vereine bilden junge Menschen aus - und ja : ein funktionierender Staat kann islamistisch -salafistische "Schulen" unterbinden ; und sicherlich werden überspannte Eltern ihre Kinder weiterhin in kapitalistischen Drillschulen unterbringen - das ist schrecklich - aber ich kann es nicht verhindern - ABER : ich kann im Rahmen meiner bescheidenen Möglichkeiten guten Unterricht organisieren.

wir müssen grundsätzlich weg von der "Idee" einer "prinzipiell machbaren perfekten Welt" .

tagesaktuell haben wir an allen spd geführten Schulen / Gesamtschulen Probleme mit Migranten - niemand berichtet - niemand wehrt sich gegen die Zustände ( die Feigheit der Bourgeoisie hatte ich bereits erwähnt ? ) .

ich möchte vom brd - Staat nicht mehr belästigt werden . Das linksliberale social - engineering ist gescheitert , wir werden in wenigen Jahren mit bürgerkriegsähnlichen Zuständen konfrontiert werden weil es für die bisher mit sehr viel Geld ruhiggestellten Migranten keinerlei wirtschaftliche Perspektive in Zentraleuropa gibt ( siehe Frankreich ) .

die Zeit großer Entwürfe ist vorbei - ab 2022 gibt es nur noch taktische Lösungen .

Kinder und Jugendliche werden von Migranten gemobbt , verfolgt , gefoltert und monatelang terrorisiert - man wird irgendwann müde weil niemand hilft - weil es Strukturen in der brd gibt die genau diese Entwicklung wünschen .

RMH
21. November 2019 13:44

"Anders gefragt: würde nicht die Privatisierung des Bildungssystems zum einen hochgradig ökonomisierte Karrieristen-ausspuck-Anstalten (nach dem Muster der Phorms-Schulen oder diverser International Schools) generieren, ..."

@ Caroline Sommerfeld,

also in Deutschland haben wir das doch mehr oder weniger bereits - auch wenn man echte Karrieristen-Eliten natürlich ein Stück weit scheut und eben nicht bewusst anstrebt (die gibts aber auch). Dafür wird eben das solide Modell akademischer Proletarier in Serie und großen Stückzahlen gefertigt. Der Staat gibt halt noch seine jeweiligen Moden wie Multi- Kulti, Öko-Gedöns, Krampf gegen Rassismus, piep, piep, piep, wir haben uns alle lieb etc. etc. mit auf die Agenda und arbeitet damit letztlich doch auch im Sinne der internationalen Konzerne und Gesellschaften.

Maiordomus hatte da doch schon ein Stück weit recht: Bei bspw. einer Jesuitenschule wusste man, was man bekam und die angeblich "unabhängige" staatliche Bildung, mit der doch stets und immer auch massive politische Interessen verwirklicht werden sollen, ist zum großen Teil Etikettenschwindel. Es gab immer wieder Phasen, da waren die Zügel etwas lockerer, aber deshalb sollte man nicht meinen, dass Schulen in Deutschland spätestens ab 1933 immer Stätten der (zumindest versuchten) Indoktrinierung waren. Spätestens seitdem aktuell unsere Universitäten gleich geschaltet wurden, ist nicht mehr viel von Freiheit, Wissenschaft und Lehre ... kleine, existierende Randbereiche und Nischen bestätigen hier die Regel.

Das soll jetzt alles bitte nicht frustrieren. Gerade weil der Etikettenschwindel so offensichtlich mittlerweile ist, besteht doch Hoffnung, dass die Zahl der kritischen Geister eben gerade ob des erkennbaren Etikettenschwindels stetig wachsen wird. Das System schaufelt sich selber sein Grab.

Grobschlosser
21. November 2019 13:54

Frau Schwesig ( spd ) lässt ihren Sohn privat beschulen - jeder Bürger der es sich leisten kann kauft sich aus dem brd-Schulsystem raus .

das ist der IST - Zustand - Tendenz : Privatisierung ( es gibt auch private Realschulen )

Grund : wird nicht genannt .

ich nenne den Grund : gewalttätige Lernverhinderer mit Migrationshintergrund terrorisieren ALLE ÖFFENTLICHEN Schulen .

und weiter :"sie verallg. , sie können das SO nicht empirisch belegen , sie sind reaktionär usw " .

spielt keine Rolle - ich will keine Debatte gewinnen - ich will mit islamistisch grundformatieren Protomördern nix zu tun haben - und weil ich mich aus dem System genauso herauskaufen kann wie die Schwesig dient mein Kind nicht als Integrationsschmirgel für vergeistigte WegsehlehrerInnnen die sich nach 2 Jahren ohnehin an die deutsche Schule in Tokio verabschieden .

reden wir als über :

1) die feige Bourgeoisie
2) feige Lehrer
3) opportunistische Eltern
4) und über unbeschulbare Migranten .

mein Anliegen : nehmen wir das Steuergeld in die Hand und gründen Schulen die explizit deutschen Arbeiterkindern vorbehalten sind -

wir können die seit 40 Jahren verhandelten "Argumente" alle rauf und runter beten ohne eine signifikante Verbesserung der Lage zu erreichen - was wir brauchen ist den Willen zur Macht - den Willen die bolschewistische Integrationsschule zu beseitigen .

der Migrant hat ein Gewaltproblem - ok - so what - ab zum Beratungspsychologen ; weitere 30 Min. beim Neurologen und dann ab in die geschlossene Abt.

Ali wird übergriffig ? Ali verschwindet in der Langzeittherapie - ohne Debatte .

was haben deutsche Arbeiterkinder verbrochen ? weshalb werden wehrlose Kinder gewalttätigen Migranten ausgeliefert ?

ich will den vergeistigten Spinner mit Beamtenstatus nicht überzeugen - ich will den in die Wüste schicken .

links ist wo der daumen rechts ist
21. November 2019 14:19

Zschokkes Geist

Grüezi Mitnand!

Also wer sich nicht mindestens die letzten 60 Jahre mit der Figur des Lehrers in der Literatur auseinandergesetzt hat, sollte erst gar nicht so vollmündig tönen, all diese Rentner-Jungspunde und -innen im Forum, gopferdammi!
Deshalb darf ich als allererstes gleich einmal auf meinen (eingebürgerten) Landsmann Heinrich Zschokke hinweisen, gekannt habe ich ihn nicht mehr, dene guate Heiri, umsomehr tönt die pädagogische Wallung in meinem stolzen eidgenössischen Herzen...
Wohlan, was schrieb nun dieser mein Landsmann:

„Nicht bloß solche Überzeugungen, sondern der bloße Anblick meiner Zöglinge spornte mich zur lebendigsten Thätigkeit für sie. Ich sah in ihnen meine kindliche Verwaistheit wieder; Geschöpfe, so gut als elternlos, in die Fremde hinausgethan, wo sie kein Vater- und Mutterherz mehr fanden, sondern bloß Aufseher, Lehrmeister, Abwärter.“

So also schrub mein geschätzter Landsmann – aber lasset uns weiter losä:

„Doch mit heimlicher Beschämung nahm ich abermals meine Unwissenheit im Wissenswürdigsten wahr; nämlich in dem, wonach alle fragten, und ich selbst, als Kind, zuerst und, gleich ihnen, vergebenst gefragt hatte. […] Sie kennen alles, nur die Wirklichkeit nicht, die vor ihnen liegt. […] So mußt' ich wiederum Schüler werden mit meinen Schülern; und überall war für uns Schule.“

So tönt mein Landsmann und wie recht er hat, aber unterbrechen wir nicht den Erzählfluß dieses edlen Gemüts:

„Knaben, auf Rosenbetten verzärtelt, liegen gewöhnlich, als Greise, auf Dornen.“

Oh Ach und Weh, wie recht er hat! Doch wohlan:

„Darum leitete ich die mir Anvertrauten allmählich zum freiwilligen Entbehren und zur Selbstabhärtung. Sie sollten sich üben, unabhängig von dem zu werden, wovon der große Haufe abhängig zu sein pflegt. Lehr- und Arbeitsstunden waren nicht unterhaltendes Spiel, sondern ernste Anstrengung und Mühe. Doch weder Fleiß, noch sittsames Betragen wurden belohnt, oder beehrt.
Es ist Versündigung an der kindlichen Natur, statt in ihr Sinn des Rechten und Wahren, den Ehrgeiz des Tieres, aufzuwecken. Charlatanerie feierlicher Schulprüfungen ward verbannt. Man lernt in ihnen nur den Wert des Lehrers, nicht des Schülers kennen.“

Halte wir hier kurz inne und verschnaufet ein bißchen. Ja, so tönte es vor mehr als 170 Jahren und jedes Wort ist wahr! Denn auch ich nehme in diesem Forum allzuviel Ehrgeiz des Tieres wahr! Und so hebe ich an zu meinen Schlußworten:

„In der geräumigen Schloßkapelle ward sonntags die jugendliche Gemeinde zur Gottesverehrung versammelt. Ich betrat die Kanzel, und stellte die kleinen Ergebnisse der Woche dem Licht der Religion gegenüber, daß sich das Erfahrene zum Heiligungsmittel der jugendlichen Gemüter verwandle.“

Und so predige auch ich dem großen Haufe von meiner Kanzel herab, auf daß die unwissenden Jungspunde und -innen in diesem meinen Forum meiner Worte gewahr werden.
Es zählt nicht die (Ganztages-)Schule, es zählt der (Ober-)Lehrer.

AfDHSKind
21. November 2019 14:19

@Maiordomus

Selbstverständlich, Datenmenge ist nicht gleich Bildung.
Ich hatte zu meiner Schulzeit auch den Eindruck, dass es vielmehr auf Merkmale ankommt, die gar nicht explizit formuliert werden, insbesondere der Duktus. Der Sprachstil der Einserkandidaten hatte meinem Empfinden nach immer eine auffällige Ähnlichkeit mit der politischen Phrasendrescherei. Keine Angriffslust in der Debatte, elaboriert, aber nicht ästhetisch, keine Spur von Sarkasmus, Bildern, Spielerei mit der Sprache einfach aus Freude daran. Es hat etwas kaltes, automatenhaftes.

Das damalige Schulsystem war nicht perfekt. Das Erschreckende ist doch: Obwohl wir heutzutage die Merkmale einer Hochbegabung kennen, obwohl man sie erkennen könnte, tut man es nicht.

Ebenso gut kann man zwischen einem Hochbegabten und einem "hochbegabten" Malte-Sören, den Frau Sommerfeld angesprochen hatte, unterscheiden.

Der Hochbegabte wird handzahm, wenn man ihm etwas zum Nachdenken gibt. Malte-Sören nervt weiter.

Maiordomus
21. November 2019 18:17

Lieber @links mit Daumen!

Ja, Zschokke war ab seiner Zeit am Pioniergymnasium im bündnerischen Reichenau, worüber Zschokke-Biograph Werner Ort kürzlich ein lehrreiches Buch geschrieben hat, bis zu seiner Zeit in Biberstein und Aarau als massgebender Spiritus rector der Gesellschaft für vaterländischer Kultur ein durch und durch auf die Praxis ausgerichteter Bildungsreformer! Ihre Zitate deuten es an. Dabei blieb er jedoch bis in seine ältesten Tage (er starb am Tage der Verabschiedung der Bundesverfassung von 1848) aktiv, ohne dass ihm dies jemand zum Vorwurf gemacht hätte. Als Autor und Publizist blieb der im Alter von 78 Jahren Verstorbene über 60 Jahre lang ununterbrochen aktiv, ohne dass ihm dies jemand zum Vorwurf gemacht hätte. Allein mit seinen höchst erfolgreichen 8 Bänden "Stunden der Andacht", einer aufgeklärt freimaurerischen Interpretation des Christentums, konnte er sich als Bestsellerautor in Aarau eine Villa in der Art des Hauses von Schiller in Weimar leisten, das heute als Bildungsinstitution dienende Haus Blumenhalde.

Das Zschokke-Jubiläum beginnt in Aarau am 1. Dezember mit dem linken Historiker Jakob Tanner als Hauptreferenten. Das wird aber wohl nicht das letzte Wort sein. Meine nächste von insgesamt vier bisherigen Zschokke-Studien erscheint noch diesen Winter in einem Sammelband, Schwerpunkt wird der epochale Roman "Das Goldmacherdorf" sein, zusammen wohl mit der "Käserei in der Vehfreude" von Gotthelf der wohl bedeutendste Genossenschaftsroman der Weltliteratur. Interessant ist, wie sich hier ausgerechnet der Dorfschulmeister als Genossenschaftsgründer betätigt, wobei die wichtigeste pädagogische Idee bei Zschokke bekanntlich der "wechselseitige Unterricht" ist, ein Konzept, das fast gleichzeitig mit ihm auch der Bildungsreformer aus Fribourg (Denkmal unweit der Kathedrale) Pater Gregor Girard auf ein hohes Niveau weitergebracht hat. Die Thematik des "wechselseitigen Unterrichts" gehört notabene zu den vielleicht bestmöglichen Förderungen hochbegabter Schüler, die in diesem Konzept auch als Spargründen, bei sehr hohen Klassengrössen, als Mitarbeiter des Lehrers eingesetzt werden. Die grossartigste Errungenschaft Zschokkes war aber zweifellos der Aarauer Lehrverein, ein grossartiges, nicht auf Noten und Diplome ausgerichtetes Konzept der Erwachsenenbildung, das Zschokke mit seinem Freund, dem grandiosen, bei den Anthroposophen überaus geschätzten Arzt, Philosophen und Schellingschüler Ignaz Paul Vital Troxler in den 1820er Jahren zur Blüte brachte. Damals wurde, von Zschokke und Troxler, auch der Begriff "Mittelschule" entwickelt, aber nicht wie beim heutigen Gymnasium als blosse Abnehmerschule von der Volksschule und Zulieferschule für die Hochschule vorgesehen, sondern als "Mitte der Schule" u.a. mit Philosophie, Naturwissenschaften, Forstwesen, Technik, Staatsbürgerkunde als zentralen Fächern. Zschokke war auch ein grossartiger Geschichtsdidaktiker mit Einfluss auf Robert Grimm, den Verfasser der Schweizer Geschichte in Klassenkämpfen, ein noch immer sehr lehrreiches Buch, trotz ein paar marxistischen Klischees. Für Gegner des Unterwerfungsvertrages der Schweiz gegenüber der Europäischen Roman wäre meines Erachtens der Roman "Der Freihof von Aarau" lesenswert und lehrreich zugleich. Zudem hat Zschokke mit der Novelle "Eros" die wohl grossartigste Darstellung der Einsamkeit und existentiellen wie gesellschaftlichen Isolation des damaligen Homosexuellen geschrieben, auch literarisch ein Meisterwerk, eine Art platonischer Dialog, in welchem ausser Zschokke selber, einem autoritären Familienvater, der Schweizer Homosexuellenpionier Heinrich Hössli sowie der schon genannte Philosoph Troxler in literarischer Form sichtbar werden. Was indes die Pädagogik betrifft, so war Zschokke zumal ein grossartiger Praktiker, der sich auch mit den damaligen Fabrikschulen beschäftigt hat. Zu seinen grössten Verdiensten gehört aber die Förderung von Behinderten. Was seine Aktivitäten zur Zeit der Helvetischen Revolution und bei der Klosteraufhebung betrifft, wären wohl auch noch einige Kritiken angebracht. Zschokke, gebürtig aus Magdeburg, war aber der wohl bedeutendste Autor in der Geschichte des Kantons Aargau seit Rudolf von Liebegg (14. Jahrhundert) und natürlich Heinrich Pestalozzi, der seine wichtigste pädagogische Institution in Birr führte, wo heute noch die Vereinigung "Pestalozzi im Internet" ihre jährlichen Tagungen durchführt, übrigens sehr zu empfehlen. Nebst der Heinrich Zschokke-Gesellschaft befasst sich auch eine soeben gegründete Vereinigung "Ignaz Paul Vital Troxler" mit diesen gesellschaftspolitisch tatsächlich sehr relevanten Bildungsfragen. Zschokke war nicht nur ein grosser Autor, er war und bleibt auch ein wahres Bergwerk von bildungsgeschichtlichen Anregungen, nicht zuletzt auf der Grundlage von Eigeninitiative des mündigen Bürgers. Zschokke und Troxler bekämpften gemeinsam einen zu grossen Einfluss der Politik auf die Schule. Dabei wurden beide nichtsdestotrotz Pioniere des kantonalen und gesamteidgenössischen Verfassungswesens. Im Gegensatz zu fast allen wichtigen Protagonisten des deutschen Geisteslebens im 19. Jahrhundert konnten Zschokke und Troxler mit den praktischen Problemen der Demokratie konstruktiv umgehen, wobei allerdings Zschokke leider ein radikaler Vertreter der indirekten Demokratie wurde: "Alles für das Volk, nichts durch das Volk", wohingegen Troxler stärker für Föderalismus und direkte Demokratie eintrat. Zu den bedeutenden Errungenschaften Zschokkes gehört zweifelsfrei der Gedanke der Volkshochschule.

Nemesis
21. November 2019 22:00

@links ist wo der daumen rechts ist
Zschokkes Geist

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Laurenz
22. November 2019 07:54

@RMH ..... wie ich schon geschrieben hatte, oftmals sind Eltern heute das Problem, nicht die Lehrer und nicht die Schüler. Gerade im aktuellen Zeitgeist fordern die wohlhabenden Eltern Erziehung von den Pädagogen, vor allem die Eltern mit nur einem arbeitenden Elternteil. Dazu eine passende Geschichte abseits des Lehrplans. In der Heimatgemeinde meiner Eltern forderten die SUV-fahrenden Hubschrauber-Mütter einen Blitzer vor der Schule und dem Kindergarten, es würde da so gerast. Nach einer gewissen Zeit permanenter Mutter-Proteste, ließ sich die Gemeinde breit schlagen, Blitzer aufzustellen, und nun können Sie 1x raten, wer in den Tempo-30-Zonen geblitzt wurde. Denn wer fährt schon vor abseitigen Schulen rum?

Auf dem NeuenStürmerDeutschland-Umfrage-
Institut Civey ist die Mehrheit für zentral gesteuerte Prüfungen/Klausuren, was eine Abkehr vom Föderalismus bedeuten würde.
Kinderlosen Bürgern wird immer vorgeworfen, nichts für die Rente zu unternehmen. Hierbei wird unterschlagen, daß die Kinderlosen die arg teuren Schulen für Kinder von Eltern mitfinanzieren müssen, ohne zu wissen, ob sie die Rente jemals erleben.
Von daher sollte man ganz föderal die Kinderlosen darüber abstimmen lassen, wie Schulen auszusehen haben. Eltern sind aus emotionaler Betroffenheit nicht objektiv genug dazu.
Und nach einer echten Säkularisierung wollen wir doch mal sehen, ob noch katholische Kindergärten oder Jesuiten-Schulen existieren.

Gracchus
22. November 2019 21:32

@RMH
Klar ist da Wunschdenken drin. Resultierend aus der Einschätzung, dass die meisten Eltern intuitiv die Ganztagsschule ablehnen würden, wenn sie nicht fortlaufend anderweitiger Propaganda ausgesetzt wären und wirklich eine Wahl hätten oder - falls sie eine haben - diese auch erkennen würden.

Waldgaenger aus Schwaben
23. November 2019 00:00

Zur Diskussion kann ich meine persönlichen Erlebnisse beitragen:

Ich war in zwei katholischen Internaten, beide mit recht handfesten Erziehungsmethoden. Von sexuellem Mißbrauch kann ich nichts berichten, aber Prügel gab es genug. Der Tagesplan war nicht ganz so strikt wie von Maiordomus eingangs geschildert, aber ging schon in diese Richtung.

Danach war ich die letzten drei Jahre in einem staatlichen bayrischen Gymasium - von 1976 bis 1979

Meine Kinder waren in jüngster Zeit in staatlichen bayrischen Gymasien. In Internate wie ich sie durchlebte, hätte ich sie nie geschickt.

Nun denn, für Schüler wie mich, aus Hartholz geschnitzt, war die strengere Erziehung vielleicht sogar besser. Aber was wurde aus den anderen.?
Man sieht die im Licht - die im Dunklen sieht man nicht.
heißt es bei Brecht.
Zu einem Klassentreffen kam nur die Hälfte, und davon erzählte die Hälfte nach einigen Bieren von ihren Traumata.

Der brutalste Schläger unter unseren Lehrern sagt mal zu mir: "Mit Dir ist nicht gut Kirschen essen."
Ich war damals total überrascht, aber er hatte wohl recht. Aber einige weichere Seelen hat er wohl zerbrochen.
Und es gibt wohl keinen Pädagogen auf der Welt der in der Lage ist, im Kindesalter die Weichen von den Harten zu trennen.

Zusammenfassend möchte ich sagen:
Unser heutiges System wird wohl weniger Kinder zerbrechen, aber auch weniger Genies hervorbringen.

Was wichtiger gewesen wäre, wird die Zukunft zeigen.

Götz Kubitschek
23. November 2019 11:59

alles von allen gesagt, von manchen mehrmals. badeschluß!

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