20. November 2019

20. Winterakademie in Schnellroda: Thema „Lesen“

Erik Lehnert / 14 Kommentare

Vom 10. bis 12. Januar 2020 findet in Schnellroda die 20. Winterakademie des Instituts für Staatspolitik statt. Thema: "Lesen".

Erik Lehnert

Erik Lehnert ist promovierter Philosoph und Wissenschaftlicher Leiter des Instituts für Staatspolitik.

Die Anmeldeliste ist geöffnet, in weniger als acht Wochen tagen wir; die Erfahrung zeigt, daß die 150 Plätze für Schüler, Studenten und junge Berufstätige (die Altersgrenze beträgt 35 Jahre) bald ausgebucht sein werden.

Beim Thema haben wir uns diesmal von den Erfahrungen der letzten Akademien leiten lassen, bei denen das Publikum immer heterogener wurde und dabei ein starkes Bedürfnis nach grundlegender Orientierung offenbarte. Grundlegend meint nicht das Ziel, sondern die Basis der politischen Orientierung.

Diese liegt zunächst in den Gegebenheiten der Herkunft, der Sozialisation in Elternhaus und Schule, die dann nach und nach mit den eigenen Erfahrungen abgeglichen wird: dem persönlichen Entwicklungsweg. Um zu einer politischen Urteilskraft zu kommen, bedarf es aber mehr als der oft zufälligen Erlebnisse.

Armin Mohler sprach in diesem Zusammenhang einmal von der "zweiten Geburt", die jeder durchgemacht haben müsse, dessen Urteil in politischen Fragen etwas zählen soll. Er meinte damit vor allem eine geistige Geburt, die sich in dem Moment vollzieht, wenn einem "die Augen geöffnet werden".

Dieser Prozeß geschieht auf dem Weg des gründlichen Lesens, das die Hintergründe erschließt, den Horizont weitet und Vergleichsmöglichkeiten schafft. Wer diese Mühe scheut, wird orientierungslos ein Blatt im Wind derjenigen bleiben, die ihn mit Informationen vollpumpen, um ihn in eine gewünschte Richtung zu steuern.

Aber auch beim Lesen selbst, hilft es, wenn man an die Hand genommen wird. Nur wenige sind in der Lage, sich zielsicher durch das uferlose Meer an Büchern zu kämpfen und dabei die wichtigen Dinge aufzufischen. Orientierung bietet ein Kanon!

Um diesen rechten bzw. richtigen Kanon soll es bei der Winterakademie gehen. Wir haben dazu neben der IfS-Stammannschaft um Kaiser, Kubitschek und Lehnert weitere begeisterte Leser und Kenner ihrer Gebiete gewinnen können, unter anderem Thor v. Waldstein, Felix Dirsch, Martin Lichtmesz und - aus Serbien - Dušan Dostanic.

Wir werden nicht alle Gebiete erkunden können und müssen uns auf Wesentliches konzentrieren. Neben der Frage, warum man überhaupt lesen sollte, wird es um das Geschichtsdenken, die Staatstheorie, die rechten Klassiker, das katholische Abendland, aber auch um das Aufweisen einer nützlichen Lektüre linker Autoren, die innere Emigration in der Literatur der Gegenwart und die romantische Struktur deutschen Denkens gehen.

Das Programm und das Anmeldeformular finden Sie hier.

Am Sonntagvormittag laden wir zu den Vorträgen von Thor v. Waldstein und Götz Kubitschek auch Teilnehmer jenseits der 35 ein; eine Spende für die Unkosten des Instituts wird von den »Sonntagsfahrern« erwartet.

Jenseits der Vorträge gibt es – wie immer – abendliche Gesprächsrunden, Sport und ausreichend Gelegenheit zum Austausch. Auf dem Rittergut Schnellroda kann man in den Veranstaltungspausen Bücher erwerben und mit dem Verlegerehepaar Ellen Kositza und Götz Kubitschek, Autoren der Zeitschrift Sezession und Referenten des Instituts für Staatspolitik ins Gespräch kommen.

Am Samstagabend gibt es zudem in kleineren Kreisen die Gelegenheit für Gespräche und Debatten in drei Arbeitsgruppen; wir vertiefen dort markante Einzelthemen, streiten über zugespitzte Thesen und begrüßen neben dem Stammpersonal auch weitere Gastreferenten: seid gespannt!

Die Hörerbeiträge werden von uns weiterhin niedrig gehalten. Wer Geld verdient, bezahlt für zwei Übernachtungen, Vollpension und alle Vorträge 100 €, alle anderen bezahlen 50 €. Die Akademie ist Teilnehmern unter 35 Jahren vorbehalten; einzig der Veranstaltungssonntag ist – siehe oben – für Gäste über 35 geöffnet.

Hier finden sich noch einmal alle Informationen gebündelt.

Anmeldungen sind auch ab sofort direkt über anmeldung @ staatspolitik.de möglich (bitte nicht vergessen, das Alter und die Anschrift anzugeben). Gruppenanmeldungen sind möglich, allerdings brauchen wir von allen Teilnehmern Namen und Anschrift sowie ePost-Adresse und die Altersangabe.


Erik Lehnert

Erik Lehnert ist promovierter Philosoph und Wissenschaftlicher Leiter des Instituts für Staatspolitik.


Kommentare (14)

Thomas Martini
21. November 2019 20:52

Ich erinnere mich noch gut daran, wie sehr mich der hiesige Jargon beeindruckte als ich 2015 auf Sezession im Netz gestoßen bin. Es dauerte eine Weile, bis ich die gängigsten Fremdwörter verstand, bis ich mir das "rechtsintellektuelle" Fachchinesisch übersetzt hatte.

Von dieser anfänglichen Bewunderung ist unterdessen nichts übrig geblieben. Teilweise ist die Hochachtung leider sogar in Verachtung umgeschlagen. Wer sich mit Stilhilfen beschäftigt, kommt nirgendwo an der Empfehlung vorbei, klar und deutlich zu schreiben. Es heißt, dass gute Texte konkret und sinnlich sein müssen. Sie benötigen Spannung. Der Sprachkritiker Wolf Schneider fällt in seinen Büchern ein geradezu vernichtendes Urteil über Intellektuelle, die es nicht einsehen, dem Leser ihre Texte verständlich zu machen.

Hier bei SiN gibt es einige Autoren, die versuchen dem Leser mit Bildungshuberei und Fachjargon zu imponieren. Ich erinnere mich an die Bücher von Ellen Kositza, und werde das Gefühl nichts los, dass diese Werke maßgeblich von dem drängenden Wunsch beseelt waren, einen Intellekt unter Beweis zu stellen, der "rechts" ist. Dabei sind solche Anwandlungen nur die Reaktion auf eine Behauptung, die da lautet: Rechte sind Dumpfbacken.

Ich bin mir längst nicht mehr sicher, ob es sich dabei nur um ein Vorurteil handelt.

In der kürzlich öffentlich bei sezession.de unter dem Stichwort "Kapitalistische Willkommenspolitik" ausgetragenen Debatte zwischen Libertären und "solidarischen Patrioten", schloss Götz Kubitschek den Themenstrang unter anderem mit der Hervorhebung einer angeblichen Gemeinsamkeit, und zwar der Betonung von der "Selbstverantwortlichkeit für das eigene Leben".

Nur eine Woche später stellt man den Ablauf für die nächste IfS-Akademie vor, wo man unmissverständlich zu verstehen gibt, dass man junge Leute beim Lesen anleiten möchte:

"Aber auch beim Lesen selbst, hilft es, wenn man an die Hand genommen wird. Nur wenige sind in der Lage, sich zielsicher durch das uferlose Meer an Büchern zu kämpfen und dabei die wichtigen Dinge aufzufischen. Orientierung bietet ein Kanon!" - Erik Lehnert

Wenn nur wenige in der Lage sind, die wichtigen Dinge aufzufischen, bedeutet das wohl im Umkehrschluß, dass man hier die Ansicht vertritt, dass die meisten Leute zu blöd dafür sind. Und man glaubt daran, besser zu wissen, was für die Leute richtig ist, und was falsch.

Auf die Weise überzeugt man die Libertären ganz bestimmt davon, dass die Vorwürfe von Gunnar Kaiser unbegründet sind. Man kann sich schon denken, wie die Jungen "an die Hand genommen werden". Da wird wieder empfohlen Ernst Jünger, Armin Mohler, Carl Schmitt, Bernard Willms und die anderen rechten Vordenker zu lesen. Als lande man ohne die Lektüre dieser Männer zwangsläufig im "linkgsgrünversifften" Werte-Nirwana. Diese anmaßende Bevormundung passt auch bestens zu dem hauseigenen Buchtitel "Vorlesen", den man derzeit in jedem zweiten Video und Beitrag wie Sauerbier anpreist.

All das ist für sich schon schlimm genug, aber richtig übel wird die Geschichte durch die Tatsache, dass ein Hauptargument der Neuen Rechten gegen die Linken lautet, dass sie die Menschen zuviel gängeln und ihnen zuviel vorschreiben. Man plädiert scheinbar für den Eigenwillen der Menschen, aber insgeheim möchte man ihnen den eigenen Willen aufzwingen.

Für kurze Zeit war ich sogar dabei, mich selbst im vorgekauten Denken der Neuen Rechten zu verlieren. Ich mache drei Kreuzzeichen, dass diese Form der Indoktrination bei mir letztlich nicht verfing.

Kositza: Ohgott.

Gracchus
22. November 2019 00:39

Den "richtigen Kanon" würde ich gerne kennen. Sehr ambitioniert.

"Der Sprachkritiker Wolf Schneider ..." - Ihr Bosselmann-Kommentar @Thomas Martini klang schon schwer danach. Was jetzt genau Ihren Unmut hervorruft, bleibt indes: unklar. Eine klare Sprache hilft wenig, wenn die Gedanken trüb sind.

Laurenz
22. November 2019 01:54

@Thomas Martini .... wieso läßt Du Dich dazu hinreißen, andere nach ihrem Ausdruck zu bewerten? Hat jemand Deinen Stil tatsächlich bewertet? Wieso kannst Du nicht die "anderen" sein lassen, so wie sie sind?
Ich schreibe in keiner Weise intellektuell, öfters verholze ich mich einfach deswegen, weil ich beim Schreiben den Satz schon wieder umformuliere, und beim Korrektur lesen übersieht man es.
Frustrationen entstehen, meines Erachtens, dann, wenn man nicht über seine eigene Lebenszeit hinaus denkt, auch Deine.
Wieso kennst Du Dich nicht selbst, und bleibst nicht einfach wer Du bist? Und bestimmst Deine eigene Entwicklung selbst.
Die Egos aller anderen Rechten und Antik-Marxisten hier sind genauso groß wie Deines und alle wollen mehr oder weniger Recht haben. Eine Debatte kommt nur dann zustande, wenn man die anderen respektiert, was nicht heißt, daß man keine Emotionen schildern darf.

In keinem Fall hast Du zu bestimmen, welche persönlichen Motivationen bei anderen zugrunde liegen.
Ausnahmen, wie "Spalterei", bestätigen die Regel. Provokation und Interpretation kann sich immer nur auf Inhalte beziehen.

RMH
22. November 2019 10:14

Der Beitrag von Dr. Erik Lehnert knüpft meiner Meinung nach sehr gut an den Artikel von Herrn Bosselmann an bzw. ergänzt diesen.

"Kanon" ist natürlich ein recht hochtrabendes Wort und hat den Zug zum allzu Verbindlichen. Wäre schön, wenn einmal eine solche Liste oder ein solcher "Kanon" mit Lektüreempfehlungen dann auch veröffentlicht (und ggf. zur Diskussion gestellt) wird.

Es gab hier bei SiN ja auch schon entsprechende Listen.

zeitschnur
22. November 2019 10:17

Es ist mE schon notwendig, so etwas wie einen "Kanon" als Grundlage anzusetzen.
Nur darf man ihn nicht zu einem "ehernen Gesetz" machen, und die Formulierung vom "rechten bzw richtigen Kanon" geht mir da zu weit. Das klingt bereits schon wieder ideologisch oder auch einfach nur verkrampft, obwohl der Autor betont, dass es auch lohnenswerte linke Literatur gibt. Ich finde es ungut, dass man in der Welt der Bücher immer noch nicht fähig ist, dieses unselige Rechts-Links-Stereotyp hinter sich zu lassen: welcher ernstzunehmende Denker ließe sich derart reduzieren?!

Aber trotzdem - von irgendeinem Standpunkt muss man ausgehen, sonst ist es unmöglich einen persönlichen Weg zu finden. Es ist sogar wesentlich, dass man sich von diesem eingenommenen Standpunkt in einem langen Geburtsprozess wieder entfernt, um selbständig und lebensfähig zu werden. Ein "rechtes" oder "linkes" oder katholisches "Basislager" kann eigentlich nur Wirt oder im schönsten Fall "Mutter" sein, der oder die irgendwann das, was in ihm gewachsen ist, freigeben muss.

Wenn dies oben im Artikel so gemeint sein sollte, ist es zu begrüßen, wenn nicht ist an Martinis Unmut vielleicht ein Korn Wahrheit, allerdings wie immer hässlich und arrogant formuliert, der Neid und die Missgunst auf die Tatkraft anderer und vor allem eine kluge Frau lugen aus allen Knopflöchern. Sie sollten sich selbst mehr schützen, @ Martini.

Franz Bettinger
22. November 2019 10:57

@Thomas Martini kritisiert den Satz von Eric Lehnert: "Nur wenige sind in der Lage, sich zielsicher durch das Meer von Büchern zu kämpfen und dabei die wichtigen Dinge heraus zu fischen.“ T.M. meint, das hießt, E.L. hält die meisten für zu blöd. - Lieber Thomas: Gelingt es dir denn immer, dich zielsicher durch das Bücher-Angebot zu bewegen und stets zu finden, was dir gefällt? Mir gelingt's nicht. Ich habe mich in der Vergangenheit schon ziemlich über meine Fehlgriffe geärgert. Deshalb bin ich für Kositzas und Sommerfelds Ratschläge (und ihre Videos dazu) dankbar - und übrigens auch für deine Tipps. Z.Zt. lese ich mit viel Vergnügen deine Stefan Zweig-Empfehlung ‚Eine Welt von Gestern‘. Also: Warum nicht mal einen Gang zurückschalten? Wir sind alle hier nur Menschen und tun unser Bestes. Mehr kannst du nicht verlangen. - Und wenn sich auf SiN bis 2015 Schiller und Goethe gute Nacht sagten aka verbal duellierten, wie schön für dich, das noch erlebt zu haben. Ich habe leider SiN erst später entdeckt und muss jetzt mit Menschen wie Lotta, Laurenz, Dir und diesem unmöglichen Franz vorlieb nehmen ;-)

Kahlenberg
22. November 2019 11:00

@Thomas Martini: Ihre obigen Ausführungen stellen letztlich jede strukturierte Denkrichtung , bzw. systematische Lehre infrage. Das kann man freilich tun; ich persönlich sehe aber derzeit keinen Mehrwert in solchen Bestrebungen.
Selbst Naturwissenschaften sind durch ein spezifisches Instrumentarium an Fachbegriffen geprägt, wie auch durch Personen. Letzteres mit allen Vor- und Nachteilen.

Andreas Walter
22. November 2019 11:42

@Thomas Martini

Niemand zwingt auch Sie dazu, hier etwas zu schreiben. Oder auf Facebook. Das Spiel ist jedoch das Gleiche. Man beugt sich. Oder wird, betreibt man seine eigene Netzseite, dann vom Staat gebeugt, oder von einem Shitstorm.

Frustrierend? Sicher. Demokratisch? Gibt's auch nicht. Freiheit? Eine Illusion auch der Liberalen.

Nennt sich Gesellschaftsdynamik und hat schon alles hervorgebracht. Vom Massenmord bis hin zu echten Verbesserungen. Die Dreifelderwirtschaft zum Beispiel. Oder Arbeitsteilung. Arbeitsteilung ist auch besser als ihr Ruf.

Wenn Sie also von den Menschen hier in diesem Blog mehr erwarten als von Anderen, dann ist genau das Ihr Fehler (und auch meiner).

Loslassen, gehen lassen, wichtigeren Dingen zuwenden. Dem eigenen Leben, der eigenen Zukunft, Freude, Gesundheit, Weiterbildung.

Augustinus
22. November 2019 13:04

@Thomas Martini
Ich bin selbst auch auf Krawall gebürstet und ich muss sagen, dass mir Ihr impulsiver Kommentar gefällt.
Klasse, dass Sezession ihn überhaupt veröffentlicht.
Sprachlich sehr elegant.
Inhaltlich kann ich Ihnen aber nur zu 10% zustimmen.
Würde mich freuen, wenn Sie hier weiterhin kommentieren würden, weil Anbiederei und Einheitsbrei langweilig sind.

MARCEL
22. November 2019 16:18

Freiheit ohne eine anfängliche Anleitung ist Illusion. Freiheit liegt nicht einfach herum, man muss sie erlernen. Niemand kommt als fertiges Individuum auf die Welt. Und auch ein Individuum braucht Zugehörigkeit, niemand lebt nur aus sich selbst.
Mein Anliegen zum Thema "Lesen": Eines Tages muss aus dem Lesen die Tat kommen. Zu viel lesen verführt zur Flucht bzw. inneren Emigration. Wäre schade

Monika
23. November 2019 09:48

Auch mich stört , wie @ Martini, die Formulierung „Auch beim Lesen selbst, hilft es, wenn man an die Hand genommen wird. Nur wenige sind in der Lage, sich zielsicher durch das uferlose Meer an Büchern zu kämpfen ...“
Käme diese Aussage nicht von einem promovierten Philosphen ( dazu über Karl Jaspers) und einem Mitglied im Vorstand der Desiderius Erasmus Stiftung, würde mich das nicht sonderlich jucken. So aber...
Erasmus von Rotterdam war Selbständigkeit im Denken eine Selbstverständlichkeit und, so Stefan Zweig in TRIUMPH UND TRAGIK DES ERASMUS VON ROTTERDAM:„Dieser freie Geist sah eine Verkümmerung der göttlichen Vielfalt der Welt darin, wenn einer, auf der Kanzel oder dem Katheder, aufstand und von seiner eigenen persönlichen Wahrheit wie von einer Botschaft redete, die Gott ihm und ihm allein ins Ohr gesprochen.“
Was ist denn der rechte und richtige Kanon, was das Ziel, auf das es sich sicher zu bewegen gilt ?
Hier geht es nur um eine „grundlegende Orientierung“ insofern diese die Basis der politischen Orientierung ist, nicht mehr. Entsprechend sind die Beiträge der Winterakademie einzuordnen. ( Lichtmesz ist sicher tiefgründiger)
Um die derzeitige Geistige Situation Deutschlands und Europas zu verstehen ( und daraus Politik abzuleiten) braucht es eine wesentlich andere Herangehensweise. Eben die Kenntnis der geistesgeschichtlichen Hintergründe Europas . Gerd Klaus Kaltenbrunner hat mit seinem Werk „Europa - die geistigen Quellen Europas“ in drei Bänden vorgelegt. Das nenne ich einen Bildungskanon ! Hier braucht auch niemand an die Hand genommen werden, sondern kann nach Lust und Laune auf Entdeckungsreise gehen.

AfDHSKind
23. November 2019 10:36

@ Thomas Martini

Für wen genau müssen wir denn unseren Sprachstil herunterschrauben? Das tun wir am Stammtisch oft genug. Hier sind wir unter uns, auf wen sollten wir also Rücksicht nehmen? Man kann es doch einmal auskosten, seinen Wortschatz nicht auf 200-300 Wörter beschränken zu müssen.

Zudem: Jedem Grüppchen in diesem Land ist sein eigener Soziolekt vergönnt und wenn er noch so degeneriert ist. Nur Rechten und / oder Intellektuellen nicht.
„Lügenpresse“ geht nicht, auf englisch als „fake news“ dagegen sehr wohl. Grunzlaute zu stumpfen Bässen locken Tausende in die Konzerthallen, Professoren belegen Workshops, damit das Arbeiterkind sich durch das neue Vokabular nicht verunsichert fühlt.

Da läuft doch etwas schief!

Was den Kanon angeht schließe ich mich ihrer Vermutung an, wird wohl übervoll mit Jünger, Schmitt, etc. Wobei es beim „Vorlesen“ doch erstaunlich normal war. Würde mich ebenso freuen, wenn man den Kanon mal hochladen könnte. Über Spekulationen lässt sich schlecht diskutieren.

Ein paar Ideen für mehr Variation
- Psychologie der Massen - Le Bon (wäre sogar albern, wenn es fehlt)
- Die Welle (vor dem Hintergrund der FFF)
- Vom Kriege - Clausewitz
- Literarische Musterung - Scholdt
- Entstehung der Arten - Darwin

RMH
23. November 2019 11:44

@Monika,
und auch mit ihrem Beitrag kann man sehr gut an die Diskussion zum vorherigen Artikel von Herrn Bosselmann anknüpfen.

Wenn alles komplett verschult (Ganztages-Schule), medial zugestreamt und zugemacht ist und im job (ich schreibe bewusst nichts mehr von "Beruf", da es IMHO geschätzt seit etlichen Jahren zu 98-99% keine Berufstätigen mehr in unserem Lande gibt) es nahtlos weitergeht, wo sollen dann die Freiräume herkommen, um eigene intellektuelle Abenteuer (auch Leseabenteuer) starten zu wollen und zu können?

Im Übrigen bin ich der Meinung, dass man Lehnerts These von dem an die Hand nehmen doch bitte man nicht zu sehr auf die Goldwaage legen sollte. Hier geht es um ein simples Wochenendseminar - da bekommt man die Impulse und es werden danach dann bestimmte keine unangekündigten Hausbesuche stattfinden, um zu kontrollieren, was dann auf dem Nachtkästchen als Bettlektüre liegt. Es ist ein Angebot und kein Zwang - ganz im Gegensatz zur schulischen Pflichtlektüre gibt es auch keine schlechten Noten, wenn man die näher gebrachten Schwarten eben nicht liest.

Insofern, @all, bitte etwas weniger mimosenhaft und an anderen Stellen aufregen - hier ist weder echter Anlass, noch Bedarf dafür.

Götz Kubitschek
23. November 2019 12:02

in einem becken voller martini kann man nicht schwimmen. badeschluß.

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