4. Dezember 2019

Netzfundstücke (35) – Lausitz, Phosphor, Salvini

Jonas Schick / 6 Kommentare

»Wann Ende im Gelände ist, bestimmt nicht ihr! Unsere Heimat – Unsere Zukunft!«

Am zurückliegenden Wochenende stiegen die Temperaturen in der Lausitz: Das von Linksextremisten durchsetzte Bündnis »Ende Gelände« hatte sich angekündigt und versuchte, die Braunkohleinfrastruktur der Region zu blockieren – es gelang ihnen, den Tagebau sowohl in Jänschwalde als auch Welzow-Süd zu stürmen und zu besetzen sowie Kohlebahn-Strecken zu blockieren.

Bereits 2016 hatte »Ende Gelände« ihre zweifelhaften Aktionen in der Lausitz initiiert, die in einer Eskalation endeten: beispielsweise war der Nachschub für das Kraftwerk »Schwarze Pumpe« blockiert und das Gelände des Kraftwerks gestürmt worden.

Jedoch stießen und stoßen die »Klimaaktivisten« in Südbrandenburg auf wenig Gegenliebe bei der ansässigen Bevölkerung. In der strukturschwachen Region stellen der Braunkohleabbau und die daran gekoppelte Kraftwerksstruktur einen der letzten und wichtigsten Industriezweige dar. Schaut man in die Lausitzer Familien, so wird sich spätestens im weiteren Verwandtenkreis jemand finden, dessen Arbeit in irgendeiner Weise von der Förderung der Braunkohle abhängt.

Daher empfindet ein nicht geringer Anteil der Lausitzer das Ankarren selbsterkorener und ortsfremder Weltenretter mit Recht als maßlosen Affront. Während die Lebensrealitäten der »Klimaaktivisten« nach einer Schließung des Reviers nicht unmittelbar davon betroffen wären, bräche im jetzt schon gebeutelten Südbrandenburg eine signifikante Grundbasis des regionalen Lebens weg.

Die Gegenwehr war kurz vor und während des »Aktionswochenendes« deutlich spürbar: Beim Heimspiel des FC Energie Cottbus gegen Germania Halberstadt in der Regionalliga Nordost entrollten die Energie-Anhänger ein Transparent mit der Aufschrift »Wann Ende im Gelände ist, bestimmt nicht Ihr! Unsere Heimat – unsere Zukunft! Ende Gelände zerschlagen«.

Außerdem rief der Verein »Zukunft Heimat« zusammen mit der AfD und der Jungen Alternative Sachsen am Suhler Klubhaus nahe dem Kraftwerk »Schwarze Pumpe« zum Gegenprotest unter dem Motto »Wir für die Lausitz. Unsere Heimat – unsere Zukunft.« auf. Darüber hinaus öffnete der Bürgertreffpunkt »Mühle Cottbus« als Rückzugsort für Gegendemonstranten zum Aufwärmen bei Kaffee, Tee oder Glühwein seine Pforten.


Wie weit die Sympathien für die Braunkohlekumpel in der Region gehen, zeigte eine Gruppe Cottbusser Bereitschaftspolizisten, die sich am letzten Donnerstag vor einer Wand beim Ortseingang Cottbus aus Richtung Kolkwitz ablichten ließ, die kurz zuvor mit dem ikonischen Wappentier der Stadt Cottbus – dem Flußkrebs – und dem Schriftzug »Stoppt Ende Gelände!« bemalt worden war.

Das Foto nahm der bekannte linksaußen Journalist und Redakteur des Tagesspiegels Alexander Fröhlich zum Anlaß, um einen reißerischen Artikel in die Tasten zu hauen, der mit den gewohnten Mitteln, den lokalen Widerstand gegen die »Klimaaktivisten« zu diffamieren sucht.

Für die Gruppe Polizisten sollte das Foto jedoch leider ein Nachspiel haben, das sich mittlerweile zu einer ausgewachsenen Farce entwickelt hat: Zuallererst gab Torsten Herbst, Sprecher der Polizei Brandenburg, dem Tagesspiegel bekannt, daß die beteiligten Beamten für das Wochenende aus dem Dienst genommen werden und mit einem Disziplinarverfahren zu rechnen haben. Daraufhin wurden sie als Strafmaßnahme damit beauftragt, die Malerei an der Mauer mit dunkler Farbe zu übermalen.

Ihnen ging anscheinend jedoch die Farbe aus, weswegen nicht die ganze Mauer übermalt werden konnte. Übrig blieb ein »DC!«, das die Gemüter weiter erhitzte, insofern als es für »Defend Cottbus!«, einen Spruch lokaler patriotischer Gruppen, stehen soll. Nun wirft man den Beamten vor, das ursprüngliche Bild absichtsvoll auf dieses Kürzel heruntergestuzt zu haben. Ob Sie das »DE« von »Gelände« zum »DC« abgewandelt haben oder ob es andere Personen gewesen waren, beschäftigt nun die Republik.

Es bleibt zu konstatieren: Wehe dem, der sich vor Symbolen wider den Zeitgeist photographieren läßt!


Von der Braunkohle zu einem Stoff, der auch für die Lausitz nicht von geringer Bedeutung ist: Phosphor. Das chemische Element ist für die moderne respektive industrielle Landwirtschaft unersetzlich. Aus ihm wird über mehrere chemische Verfahren Phosphat gewonnen, der größten Teils für die Produktion von Düngemitteln verwendet wird.

Der exorbitante Produktivitätszuwachs der Landwirtschaft über das letzte Jahrhundert und die damit verbundene Möglichkeit, Milliarden von Menschen zu ernähren, ist nicht zuletzt auf den Einsatz phosphathaltiger Düngemittel zurückzuführen. Indessen stellt Phosphor eine endliche Ressource dar, deren Bedeutung jedoch im öffentlichen Diskurs neben der Diskussion um die Endlichkeit des Öls und fossiler Energieressourcen verblaßt.

Vor welchen Problemen die industrielle Landwirtschaft angesichts eines Phosphatmangels steht und wie man diese möglicherweise zu lösen vermag, das beleuchtet folgende ARTE-Doku »Die Phosphor-Krise: Das Ende der Nahrung?«:


Nach dem kurzen Video mit Eindrücken von der Veranstaltung »Junges Europa II« auf dem Haus der »Marburger Burschenschaft Germania« wurde nun der erste Redebeitrag der Konferenz ins Netz gestellt.

Den Anfang macht der Kölner Germane und Büroleiter der AfD-Landesgruppe Sachsen-Anhalt im Bundestag John Hoewer mit dem informativen Vortrag »Die italienische Rechte: Zwischen Regierungsbank und Kulturrevolution«:

Hoewers Tiefeneinblicke in den italienischen Politikbetrieb können Sie auch in der Sezession 89 finden. Im Artikel »Achsenzeit: Rom – Warschau gegen Paris – Berlin« analysiert er die europäische Bündnispolitik Matteo Salvinis verdichtend und kenntnisreich.

Exemplare der Ausgabe sind noch verfügbar und können hier bestellt werden. Im neuen Heft 93 – ab Freitag in der Auslieferung – schreibt er über Matteo Salvinis »Strategie im Wandel«. Abonnieren hier, Einzelheft bestellen hier!



Kommentare (6)

Kahlenberg
4. Dezember 2019 23:32

Wunderschöne Geste der Cottbusser Polizisten. Diesen Männern war von Beginn an klar, daß man disziplinarisch gegen sie vorgehen würde. Kann der Funke der Solidarität nicht endlich überspringen ?

Gotlandfahrer
5. Dezember 2019 09:43

Die Phosphor-Verknappung regelt dann der Markt. Aber wie schon beim Schmerzmittel Ibuprofen, dessen Herstellung sich aufgrund steigender Nachfrage bei den Grundstoffen für Deutschland nicht mehr lohnt und man daher lieber den zahlungskräftigeren chinesischen Markt versorgt, wird auch hier die Kaufkraft der deutschen Umverteiler nicht mehr ausreichen, um mitzuhalten.

Schon "witzig", dass Phosphor der "Stoff des Lebens ist", wo er doch genauso gut todbringend vom Himmel regnen kann, siehe Operation Gomorrha.

Phil
5. Dezember 2019 10:53

Auch wenn meine Sympathie hier mehr den "Rechten" gilt, der Spruch "Unsere Heimat – unsere Zukunft!" wirkt etwas merkwürdig, wenn eben jene Heimat und Zukunft durch Kohleabbau zerstört wird...
Es ist schade, dass man nicht miteinander reden kann, und beide Parteien so arg gespalten und konfrontativ sind.

Arte schaue ich nicht mehr nach ihrer inakzeptablen Dokumentation über Ernst Jünger letzte Woche.

marco
5. Dezember 2019 11:32

So, dann wollen wir hier mal ein paar Dinge richtig stellen. Erstens: in der Lausitz gibt es keineswegs nur Kohlebeführworter. Zweitens: Leute die sich hier seid der Wende gegen den Abriss ihrer Dörfer, die Vernichtung ihres Lebensraums, den Wegzug ihrer Jugend wehren sind keinesfalls linksradikale oder überhaupt links. Drittens: die Großkonzerne und Finanzinvestoren, die den Braunkohleabbau betreiben würden und werden tat-und finanzkräftige von den hiesigen Landesregierung unterstützt. Politiker werden gekauft, um Gegenzug werden Genehmigungen erteilt. Speziell hier im Tagebau Jänschwalde würde der Tagebau sogar ohne Umweltgutachten Betriebe. Die SPD- geführte Landesregierung hat da mal eben "beide Augen zugedrückt". Nun haben Gerichte entschieden das der Tagebau gestoppt wurde. Es ist keinesfalls das wirken linksradikaler CO2-Fantasten sondern die korrupte Politik dieser Landesregierung, die die Arbeitsplätze der Kohlekumpel auf dem Gewissen hat. Viertens und letztens: die Schäden an der Natur, an der Kultur, an den Menschen, die der Jahrzehntelange Raubbau hier hinterlassen hat sind irreparabel. Jahrhunderte alte Dörfer würden dem Erdboden gleich gemacht! Naturschutzgebiet eingeebnet. Dorfgemeinschaften und Kultur zerstört. Ich bitte jeden der das nicht glaubt, einfach mal hier her kommen und sich das anzuschauen! Ich hab mich immer als konservativ verstanden. Konservativ heißt erhalten! Ich habe gesehen wie 800 Jahre alte Kirchen einfach gesprengt wurden. Hier geht es nicht um die Rettung der Stromversorgung. Die Braunkohlestromerzeugung hat einen Wirkungsgrad von unter 40%! Hier wird Natur und Kultur einem neoliberalen Finanzkapitalismus geopfert! Wie kann man als konservativer Mensch das gutheißen? Hat der Neoliberalismus nun auch alles Konservative gleichgeschaltet?

RMH
5. Dezember 2019 15:02

Habe den Arte Beitrag zum Thema "Phosphor" nicht gelesen, aber irgendwie scheint das Thema ja nicht unbedingt neu zu sein.

Schon in Aldous Huxleys "schöner neuer Welt" können wir lesen, dass die Toten kremiert werden und dass daraus Phosphor als Dünger für die Landwirtschaft gewonnen wird.

"Ein schöner Gedanke, dass wir dem Gemeinwohl nützen können, auch wenn wir schon tot sind!" (Zitat aus der deutschen Übersetzung des Romans).

Was man aus Tiermehl bereits jetzt machen kann

https://biooekonomie.de/interview/phosphor-aus-tiermehl-gewinnen

wird man irgendwann aus Menschen machen. Huxley war wohl wahrlich ein "Seher" (oder Eingeweihter).

Ratwolf
9. Dezember 2019 23:32

Ich habe Interviews von Gegner des "Ende im Gelände" gesehen.

Wie bei den Bauern in Landshut, war man ziemlich kleinlaut.

Die Propaganda wirkt in den Köpfen der Leute.

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